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gedinge

mhd. bis Dial. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gedinge n.

Bd. 4, Sp. 2025
gedinge, geding, n. subst. verb. zu dingen oder gesteigerte nebenform von ding, ein altes wort, vor zeiten von ausgedehnter bedeutung im gemeinde- und rechtsleben, auch nhd. bis ins 18. jh. in resten nachlebend, wo es zudem wieder in voller form gedinge erscheint; mhd. gedinge, ahd. gidingi, alts. githingi, ags. geþing; mnd. mnl. gedinge, nnl. geding. Als verstärktes ding, mhd. dinc (s. sp. 1623, vergl. gebild) erscheint es sicher z. b. in nrh. witgedinc 14. jh. Haupt 15, 514, gewiss auch mhd., wie schon ahd. kidinc conventus, concio Graff 5, 192, später an der schreibung gedink, gedingk (s. z. b. 2, c) erkennbar; s. besonders u. 2, e das wechseln von geding und ding. beide formen aber noch zu scheiden ist unmöglich. Eine nebenform von gedinge als subst. verb. aber ist rhein. gedingtz pactio Dief. 405a, hess. gedingitz n. weisth. 3, 423, früher gedingze (14. jh.) s. 427. 431, im 15. jh. auch gedings pactus Dief. 405b, s. sp. 1610 (γ) und gedecks; nd. entspricht gedingete n. Ssp. lehnr. 7, 2 (Homeyer Ssp. II, 1, 577), mhd. gedingede, diesz aber als fem., s. dazu unter 5. 11, 1@aa) die wahrscheinlich älteste bedeutung, verhandlung (ahd. actio Graff 5, 193), hin und her reden über eine angelegenheit zum behuf der einigung, blickt noch im 16. jh. aus folgendem: nim hin da zweinzig silberling, meins kaufs mach ich gern kurz geding. Thieb. Gart Joseph (1540) B 8, d. h. ich liebe kein langes verhandeln bei meinen geschäften, nach meiner art zu handeln (s.kauf 1, a, vgl. 5, b), die wendung ist gewiss aus dem volksleben, vgl. mhd. dâ wart ein kurzeʒ dingen Greg. 3116 in gleicher bedeutung, in einer hs. des 15. jh. aber ein kurz gedinge; nein, den jarmarkt wil ich nicht haben noch solchen wechsel und gedinge leiden. Luther verman. zum sacr. 1530 E 3b (Dietz 2, 33b), der markt mit seinem handeln gedacht. ja noch Frisch 1, 199a kennt ein langes gedinge (machen), licitandi cunctatio, und Adelung: ist das nicht ein gedinge, langes dingen, handeln! sie trennen es aber von dem andern gedinge. 1@bb) auch nl. noch im 17. 18. jahrh. geding von verhandlung, auch streit, vor gericht und anders, selbst von waffenstreit (wozu vergl. krieg II, 2), s. das grosze nl. wb.; mnl. gedinghe von hin und her reden, gerede überhaupt s. Oudemans 2, 389. doch mag das alles erst vom reden vor gericht entnommen sein, wie gleichmäszig das spätlat. causari vor gericht in die bedeutung gerede, geschwätz, selbst kampf übergieng (s.kosen I, a. c und II, 2, c); man musz sich dafür die ganz andere bedeutung und ausdehnung des redens vorzustellen versuchen, die es vor gericht vor der zeit des schriftlichen rechtsverfahrens auch bei uns hatte. 1@cc) von rechtsverhandlung führt es auch Henisch 1408 noch an: geding, disceptatio, controversia, lis, forensis causa (auch jus, judicium), aber wol nur, wie oft, aus Kilian, der für nl. gedinghe dieselben angaben macht; doch werden auch nhd. belege sich noch finden lassen. 22) auch der gerichtliche gebrauch reicht nämlich bis ins nhd. 2@aa) noch im 18. jh. vom gerichte selber, gleich ding, z. b. in einem überrheinischen weisthum, vom Polcher adelichen dingtag: derjenige, welcher .. das geding zu Polch haltet, gehet mit zur mess, daraus unter das rathaus. da setzen sich alle herren cavaliers, welche zum geding gehören, nach der ordnung, nachher in der ansprache an die versammelten dingtag genannt, diesem edlen erben-dingtag. weisth. 6, 617; bei diesem geding werden 5 stabschützen angesetzt. 619; auch rechtsgeding, im 18. jh., wo sonst die bedeutung 3 schon vorherschte: man hielt über mich rechtsgeding, ich konnte aber nicht erfahren, was darin beschlossen worden. Schm.2 1, 519. das halten stimmt auch noch zu der bedeutung, welche die älteste sein musz, verhandlung, vgl. aus dem 14. jh. bei Haltaus 603. aber auch, wie ding und gericht, von den theilnehmern selber, z. b. das erberg geding (auch ding), 'die versammelten rechtsprecher oder notabeln', s. Schmeller 1, 380, z. b.: uns, dem ersamen geding. östreich. weisth. 1, 93. 2@bb) recht alterthümlich in der reimformel zu ringe und gedinge: wann der dinghof zu Katzfelt gehalten würt ... under der linden ... sol der huober höfig guot verston (vertreten) zu ringe und gedinge, urtel und recht sprechen (helfen) u. s. w. weisth. 5, 469, elsäss. vom jahre 1493; welr man .. jar und tag unversprochen (unangefochten) huber ist gewesen und zu gedinge und zu ringe ist gegangen. 1, 681, elsäss. 14. jh.; gebot und verbot zue geding und ring. 676; de dry (genannten) hove solen gain van deseme erve zuo gedinge ind zuo ringe. 2, 744. 745, aus Cöln 14. jh., dort recht nehmen und geben (s. sp. 1669), auch zu dinge und zu ringe usz und an gaen 1, 312 (vgl. rechtsalt. 13. 747); auch in lat. texte gedinge et ringe 13. jh., s. Kehrein samml. 7a. der ring ist der alte gerichtsring (s. d.), von der gemeinde selbst gebildet (vgl. kreis II, 3), das gedinge ursprünglich die verhandlung, dann das ganze verfahren, der ganze vorgang. 2@cc) daher auch das geding besitzen, wie das gericht (s. I, 1626 m.), eigentlich sich dazu niedersetzen und es so eröffnen, auch zuo gedinge sitzen, vom schultheiszen Scherz 491: zum ersten fraget der dingkvagt die lehenlude, ob es von jare, tag und zit si, das lehen-herren-geding zu besitzen. weisth. 2, 816, von der Mosel 15. jh., vergl. aus dem weiteren: wirt antwort geben (von den lehenleuten), man solle dem gedingk thun ban und frieden, das nieman des andern wort thu (statt seiner rede), auch sinen stul besitz, es geschee dan mit lauben (erlaubnis des gedinges), und verbieten alle scheltwort, oberbracht (überlautes reden), so lange sölich gedinge weret, wieder mehr das reden selber; vor offenem geding 1, 328, nach der eröffnung, vor dem versammelten geding. Ungewöhnlich im plur.: und sol man düselben gter gewinnen und verlieren in den gedingen vor einem (d. h. dem) keller und den genoʒen. und was urteilde in den gedingen .. gestoszent (streitig werden), die sol man uʒ den gedingen ziehen in die nachgedinge und uʒ den nachgedingen für den von Halwil. 5, 92, var.: us dem ersten geding in das ander geding .. in das dritt geding, schweiz. 14. jahrh. 2@dd) doch auch mit unterscheidung von gericht, z. b. cölnisch im 12. jh. (in später schreibung): den heischen ich her in .. ind bannen in (den übelthäter) mit meinem banne her int gedinge zo rechten gerichte. 2, 741 fg., wie in dem schweiz. weisth. vorhin einer ins gedinge ze gerichte kommen sol für den keller 5, 92, d. h. zum recht nehmen und geben, um unrecht recht zu machen; es sol ouch ein herre und vogt denne selber ze gericht sitzen, ob er mag, uf die drü gedinge (die drei im jahre). 4, 395. das gedinge ist eigentlich das verhandeln und verfahren, das gerichte zweck und ziel desselben; doch hat gericht, das jüngere wort, das ältere allmälich überwogen und mit vertreten, während doch richten und dingen (teidingen, verteidigen, beteidigen) getrennt blieben, das zweite das reden und verhandeln weiter bezeichnete. doch auch verbunden: ob ihm das gedinggericht nit truwen wolte. weisth. 1, 329, wie vorher das. dinggericht. 2@ee) es gab verschiedene arten und namen, z. b. baugeding weisth. 2, 281. 815, erbgeding 2, 316, furstergedinge 3, 430, hochgeding 6, 620, hundelgeding 2, 279. 313, jahrgeding 1, 326, vogtgeding, witzgedinge Haupt 15, 514, nachgeding vorhin, s. weisth. 4, 395, daneben immer auch jahrding, bauding, fursterding, vogtding u. s. w. 2@ff) zu dingen unmittelbar als subst. verb. auch in der bed. appellation, s. Schmeller 1, 380 aus dem 16. jahrh.: von ainem geding gen hof .. drei schilling pfenning (zu entrichten), zu der wendung gen hof dingen, sich aufs hofgericht berufen, dorthin appellieren; von des gedings wegen, das man von unsern hofgerichten thut. das.; von einer appellation und geding gen hof zu verfertigen, darein die partei ir red und widerred in schriften verschlieszen, zwen und dreiszig pfennig. landpot in Baiern 1516 21a (vgl. gedingbrief); geding und appellationen Scherz 491. s. auch die östr. weisth. 1, 380a, dingnis 3, und gedingen. 2@gg) selbst für gerichtsbezirk (wie geding selber, und altn. þing), wie Schmeller schon ansetzte nach den gedingen, stadtbezirken von Passau, z. b.: in den dreien gedingen enhalb der Inpruck, ze Ilz und ze Anger. Passauer stadtbuch. nun bestätigt in den östr. weisth.: dieselben sollen volgund durch frumb ehrbar nachbarn des gedings geschäczt werden. 1, 43, 24, vgl. ding so: sollen die pfand durch fromb nachtparn, die des dings sein, geschäczt werden. 18, 20, während in ganzen geding 189, 18 wol meint: in völliger gedingsitzung (s.ganz sp. 1290). 33) manigfach im leben überhaupt, hauptsächlich für verabredung, übereinkommen, vertrag u. ähnl., oft mit anklang ans rechtsleben und gewiss auch aus diesem entnommen; eigentlich das durch das dingen beider theile festgesetzte. 3@aa) gedinge, pactum, pactio, pactus. Dief. 405a. 405b; contractus, uberkomung, ein gewerb, ein gedinge. Melber e 4b, pacisci geding machen r 1b; conductio, gedinge. Dief. 140c; geding bestetigen, pactum firmare. voc. 1482 k 4b. 3@a@aα) z. b.: ich wil gedenken eines gedings, das ich gedinget han mit Abraham. Frisch 1, 198c aus einer alten bibelübersetzung, bei Luther bund 3 Mos. 26, 42; ich hab ein geding gemacht oder bin des überein kommen mit meinen augen, das ich auch nit (nicht einmal) gedächt von der junkfrawen. Kaisersb. pred. 50b; das ist das geding und vertrag, den gott seinem volk anbeut. Luther 4, 491a; darnach sol unser geding also gehen: die weiszen einferbigen schaf und was die selben fur einferbige bringen, sol auch dein sein, was aber bunds geporen wird, sol mein lohn sein. ders. bei Dietz 2, 33b; der hausvatter (Matth. 20, 1 ff.) machet mit keinem kein geding on mit dem ersten (mietarbeiter). 34a; macht ein geding mit einem wundarzet, was er nemmen wolte von zweien schenklen, die zerbrochen weren, wider zu heilen. buch der liebe 295c; sie (die Juden) machten mit ihm (Judas) ein geding und gaben ihm dreiszig silberling. rüefbüechl. (hdschr. kath. gesangb.) 1601 bl. 16a. auch ein geding vergleichen: weil ich gesehen, dasz er unsere verglichene geding gebrochen, vermeinte ich dieselben ferner zu halten von rechteswegen auch nicht schuldig zu sein. Laz. de Tormes 25, der plur. von den einzelnen punkten des vertrags, s. 4, a. 3@a@bβ) so im gewerbsleben manigfach, z. b. geding zwischen bauherrn und maurermeister, was jetzt (barbarisch) accord heiszt: wenn die meister nicht gedingt (s. d.) arbeit haben, sollen sie von einer gesetzten schrauben, sie stehe lang ader kurz, nicht mehr denn drei groschen nemen. wenn aber die arbeit verdinget (in accord gegeben ist), sollen sie von schrauben nichts nemen, sondern (dieselben) zum gedinge mit stehen und bleiben. ordn. der stadt Leipzig 1544 C 2b, in das geding eingeschlossen sein; es hiesz auch zeitlich genauer fürgeding, s. d. 2 und Schm.2 1, 519, auch nachher unter e; ein anderer name war fürgriff (s. d. 2). 3@a@gγ) noch im 18. jahrh., landschaftlich gewiss noch gegenwärtig: geding zwischen dem käufer und verkäufer, conventa. Aler 856b; die sach ist zum geding nit kommen das., das dingen hat nicht zum ziele geführt; einen getreuen mann .. mit dem Eckart, umb sie bis Freiberg zu führen, ein gedinge machte. Ettner med. maulaffe 943; und mit einem Ostindienfahrer das gedinge machten, der sie auf die insul Ceylon verschaffen solte. Felsenburg 1, 131; contracten und dergleichen geding. Mainzer landrecht 1755 xiii § 11; das gedinge nicht halten, pacto non stare. Steinb. 1, 307. noch bei Adelung ein gedinge über eine arbeit machen, sie im ganzen verdingen, arbeitslohn im gedinge im gegensatz zum tagelohn, wegen des hufschlages mit dem schmid ein gedinge machen, ihm denselben auf ein ganzes jahr verdingen. 3@bb) daher kurz mit geding oder one geding, z. b.: wo sich auch erfunde, das iemant .. one sonder und reinlich geding einicher bestimbter frist gekauft hette. Nürnb. poliz. 136; der engel hilft einem mönschen nit (anders) weder mit gedinge, (nämlich) wenn der mensch auch im selber helfen will. Kaisersberg hell. löw a 3a; und war ihr (der seeräuber) fürnemmen, uns mit geding gefangen zu nemmen, sprachen uns an: wie seit ihr so thorecht, dasz ir euch wider uns setzet, wir handeln noch freundlich mit euch, wir wöllen euch zulassen, dasz ir möget in den nachen tretten, und fahren wo ir wöllet. buch d. liebe 202b; wird mit geding nach der ruten der abraum weg gearbeitet, als dann wird das erz auch also verdinget. Thurneisser alch. 1, 69, zu e; gerad und einfaltig, on alles geding, directo aliquid optare. Maaler 161a; mit keinem mittel oder geding, nulla conditione. das., gleich 'unmittelbar'. 3@cc) auch im gegensatz zu briefe, schriftliche urkunde, was Scherz 490 hervorhebt: man gewinne ims denn ab inner jar und inner tag mit briefen oder mit gedinge. 'stat. Aug. v. 341', also mündliche abmachung nach alter weise im gegensatz der neueren canzleimäszigen; doch s. auch gedingbrief. 3@dd) im leben gewann es je nach anwendung besondere färbung, z. b. mhd. vom ehevertrag wegen des beiderseitigen vermögens: swâ sich zwai êliute gesament, stirbet der eins ê jâr und tak fürkumt, mit swelhem gedinge die zesamen komen sint, daʒ sol stæte sîn. Augsb. stadtb. s. 143, vgl. Schwabensp. 141, im 16. jh.: einem sein dochter mit etwas gedings und vertragen zevermächlen verheiszen, filiam alicui pacisci. Maaler 161a, zugleich in die bedeutung mitgift übergreifend; vgl. dazu leibgedinge und über die färbung des begriffes 4, c. 3@ee) noch heute in vollem gebrauch im bergwesen, gedinge, bergarbeit in accord statt auf schicht, s. Veith 222 ff., mit vielen besondern arten, z. b. abbaugedinge, fördergedinge, haltgedinge, nothgedinge, prämiengedinge u. s. w., und allerlei besonderer färbung des begriffes, z. b. auch kurz für das gedinggeld Veith 225; es heiszt ins gedinge geben, im gedinge stehen (von den arbeitern wie der arbeit), ein gedinge schlieszen, machen, treffen, setzen, vom bergmanne nehmen, antreten, auffahren, verfahren u. s. w.; im 16. jh. z. b.: wenn die leut ausbeut heben und gute geding haben. Mathesius Sar. 8b, wo der begriff zugleich auf die abzubauende stelle übergeht (vgl. 4, c); s. auch unter b Thurneisser. auch im salzwesen: ein bornknecht, der sein gerendt oder geding wöchentlich verricht oder auffert, wie wir (bergleute) reden. Mathes. 126a. vgl. gedinghäuer, gedingbuch. 44) der begriff hat aber auszerdem noch manche besondere färbung und richtung je nach seiner anwendung. 4@aa) bedingung, d. h. eigentlich ein einzelnes stück oder punkt aus einem gedinge: conditio, gedinge. Dief. 140b, wie schon ahd. Graff 5, 193 fg. auch als bedingender, beschränkender zusatz zu einem gedinge, einer zusage o. a.: condictio .. est additio limitans, ein geding dʒ man zusetzt mit verbuntnus, ein zusatz des gedings, ein gedinge. Melber d 8a; das begeren frömbd guot .. mit ausgetrucktem oder verborgnem geding, als da eins spricht: ich wolt, das das oder das mein were, wenn es nit wider got were (ist keine sünde). Keisersb. crist.n. cc 2a, das wenn es nit u. s. w. ist das geding, vgl. nachher: ist auch nitt not, das ein mönsch allweg an das geding (d. h. wenn u. s. w.) gedenk, sunder es ist genuog (zur sündlosigkeit), das es darinn verstanden werd. das., vgl. unter gedingt; 'wenn es gots will wer' (möcht ich das haben), und das ist ein will mit geding. trostsp. EE 3a; alle verheiszungen ein angeheften geding haben. kriegsb. d. fr. 176 (zum m. s. 5). denn es bezeichnete auch die bedingungen, die ein theil einseitig auferlegt, was eigentlich dem begriffe widerstrebt: und das dasselb fürgang hett, so wölt er mit allen den gedingen, so er im uflegen möcht, ainen friden mit im treffen. Tünger facet. 137 (lat. quibuscunque legibus s. 63); s. noch aus dem 17. jh. 3, a, α, und wieder alterthümelnd im 18.: ha, ein verirrtes weib .. welches von uns geding' und satzung empfangen. Bürger 247b (Dido), zugleich collectivisch, lex imposita, abhängige lage oder verhältnis, vgl. auf folgender spalte aus Schmelzl. 4@bb) das hielt sich besonders lange in der wendung mit dem geding, ea lege Dasypod. 337a (vgl. mit geding 3, b): die guot fraw sagt im herberg zuo mit dem geding, wo er sein eigen brot hette. Wickram rollw. 65, 7; aber der schneider liesz nit nach, St. Petern zuo bitten .. dasz er ihn verwilliget hinein zelaszen, doch mit dem geding, er solte in einem winkel hinder der thuoren fein züchtig und still sitzen. 185, 25; mit dem geding, das er solt warten auszen dem zaun und umb den garten (gegen den wolf). Waldis Es. IV, 78, 37; doch nit lenger (wollte er dienen) dann in gelust und mit dem geding, dʒ si im geben, was, wan und wie vil er will. Frank weltb. 30b; derhalben gonnt sie (die kirche) und gibt den decreten mit disem geding volle macht, doch dasz sie selbs sich nit pucken noch ducken .. dürfe. Fischart bien. 48b. 13b; doch mit dem geding. 217a; allein mit dem gedieng (so) ichs thu, das ich euch nichts weiters zusag. Ayrer 367a; mit disem geding, ea conditione. Schönsleder L 5b; als wollen wirs euch verzeihen, doch mit dem geding .. Zinkgr. 14, 10; jedoch mit dem geding, dasz sich ein jedes glid des leibs darzu bequem. Weckherlin 668. Doch natürlich auch von einer gesamtheit von bedingungen beiderseits (vgl. a zuletzt), vertrag, z. b.: so gib ich euch darauf zuosam .. mit dem geding und disem bschaid (bestimmung), das euch khein mensch vonander schaid. Schmelzl hochz. 15b. Jetzt noch in der nebenform mit dem beding, die auch schon ins 15. jh. zurückreicht: piaculum, bedinge. Dief. 432c, vgl. über den wechsel von ge- und be- sp. 1623fg., der auch hier vorliegen wird; beding ist übrigens bei Steinbach 1, 307, Frisch 1, 199b, Adelung masc., nicht n., wie J. Grimm ansetzte, s. dazu geding m. unter 5. 4@cc) auch die sache oder das recht, die uns durch ein gedinge zu theil werden, z. b. von einer gemieteten wohnung: Paulus aber blieb zwei jar in seinem eigen gedinge. Luther ap. gesch. 28, 30, ἐν ἰδίω μισθώματι. so bei Maaler 161a etwas gedings haben, habere aliquid conducti (bei Schönsl. L 5a was gedingts). ähnlich bei Haltaus 1602 von bedungenem lohne, zu gedinge und lone geben (15. jh. aus Delitsch), bei Adelung als oberd. 'ein jährliches gedinge, leibrenten', ungefähr wie volksmäszig etwas ausgemachtes. s. auch das eheliche gedinge unter 3, d und bergmännisch aus Sar. 8b unter 3, e. 4@dd) eigen ist geding, piaculum voc. 1482 k 4b. ff 7a, gestützt durch bedinge piaculum vorhin b a. e.; wol aus dem kirchlichen leben, auferlegte busze, als bedingung der entsühnung. ähnlich mhd. gedinge brandschatzung Lexer 1, 771, auch gedingeze und dingnis (s. d.), gedingnis (s. d.), bedungene summe als loskauf des niederbrennens. 4@ee) im lehnswesen die zugesagte anwartschaft auf ein lehen, s. Scherz 491, Haltaus 603, Homeyer Sachsensp. II, 1, 578, lat. expectatio quae dicitur conventio; eigentlich jedes lehen das an eine bedingung geknüpft ist, s. richtst. lehnr. 21, 1. s. auch Schwabensp. 35 gedinge, das einer an einem lêhen gedinget hat, und unter gedinglehn. 4@ff) vor der nhd. zeit erscheinen u. a. auch die bed. hoffnung (ahd. daʒ gidingi spes) und zusage, versprechen, s. die mhd. wbb.; das erste z. b. noch im 15. jh.: die drei götlichen tugent, dʒ ist gelaub, geding und götliche minn. Schm. 1, 380, auch das zweite wol noch später. auch das musz aus dem begriffe des verhandelns entsprungen sein, die zusage etwa einem herren oder gegner vor gericht abgewonnen durch dingen, die bed. hoffnung etwa als folge davon. aber das ganze dingen und zubehör gibt noch manche frage auf für ergründung des inneren zusammenhanges. auch der begriff des verhandelns mit sich selbst, also des denkens als selbstgespräch scheint mitzuwirken, z. b. wenn es von der list der Gudrun, die Hartmuten veranlaszt boten aus der burg zu versenden, heiszt: deste minner was der vînde,dô die Hegelinge suohten Hartmuoten.daʒ was ouch der meide gedinge. 1314, 4, so scheint das mehr als hoffnung oder erwartung, sondern berechnung; vgl. ags. geþing von dem worauf man sich gefaszt machen musz, was man in gedanken haben, in rechnung ziehen musz Grein 1, 471. 4@gg) dunkel bleiben mir auch folgende nhd. stellen, wenn ich nach dem bestimmten begriffe frage: mein joch ist süsz, mein bürd ist ring, wer mirs nachtregt in dem geding, der hell wird er entweichen. Ringwald geistl. l. 174, ist das jüngste gericht gemeint, nach nachtregt ein komma zu machen? in einem neujahrswunsche heiszt es: treue fürstin, unsrer welt ist aufs neue zugestellt von der sonn ein edler ring, wie sie jedes jahr empfing. ach! es wolle diesem ringe sein verpflichtet diesz gedinge, dasz es steh zu sicherm pfande eurem glück und segens-stande. Logau 2, 2, 3. 55) von haus aus bestand aber das wort in allen drei geschlechtern und entsprechender ausprägung, ahd. auszer gidingi n. auch gidingo m., das fem. aber doppelt, gidingâ und gidingî (wie dingî), s. Graff 5, 192. 193. 194, und auch davon reichen spuren bis ins nhd., wenigstens vom masc., s. unter 4, a aus Franks kriegsb. d. fr. ein angeheften geding, und noch im 17. jh. in den östr. Alpen vom gerichtsgeding: frag ich an den geding, ob si dessen ingedenk sein. östreich. weisth. 1, 203 anm. § 2; alsdann den geding in gemain darüber ze fragen. § 3 (in dem ältern texte des 16. jh. das geding); s. auch beding m. unter 4, b a. e. Im mhd. ist in der regel unterschieden der gedinge als hoffnung, erwartung (dafür doch auch gedinge n. Nib. 279, 3 A), dasz das aber nicht das ursprüngliche ist, zeigt sowol diesz späte nhd. als das ahd., wo auch gidingo als pactum, conditio, spes erscheint, wie gidingâ als pactum, conditio, conventio, gidingî als spes. das fem. zeigt sich auch mhd. noch, zugleich in der erweiterung gedingede f. neben n., obwol seltener, daneben galt aber auch der subst. inf. gedingen.
21989 Zeichen · 575 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gedingeswv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +18 Parallelbelege

    gedinge swv. mache sichere rechnung auf etwas, glaube fest, hoffe. 1. ohne nähere bestimmung. die drîe phenninge sint, a…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gedingeN.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    gedinge , N. nhd. Übereinkunft, Verabredung, Vertrag, Versprechen, ausgedungenes Geld, Lösegeld, Brandschatzung, Anwarts…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Gedinge

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    2. Das Gedinge , des -s, plur. car. ein wiederhohltes oder anhaltendes Dingen oder Handeln, im verächtlichen Verstande. …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gedinge

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gedinge heißt eine in Akkord gegebene Bergarbeit, deren Bezahlung sich nach der wirklich erzielten Leistung richtet, ohn…

  5. modern
    Dialekt
    Gedingen.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Ge-dinge , Ge-dings n. : 1. a. 'Gerichtsversammlung', vgl. Ding IV 1. o. J.: Wer ein guet will ufgeben, der soll es, so …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gedinge

124 Bildungen · 17 Erstglied · 106 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gedinge

ge- + dinge

gedinge leitet sich vom Lemma dinge ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gedinge 2 Komponenten

ged+inge

gedinge setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gedinge‑ als Erstglied (17 von 17)

Gedingearbeit

Adelung

gedinge·arbeit

Die Gedingearbeit , oder Gedingarbeit, plur. die -en, eine im Ganzen verdungene Arbeit, besonders im Bergbaue.

Gedíngebūch

Adelung

gedinge·buch

Das Gedíngebūch , des -es, plur. die -bücher, ein Rechnungsbuch über die Gedingearbeit, im Bergbaue.

gedingede

Lexer

ge-dingede stn. bedingung Berth. 293,38. mit sölichem gedingt Mz. 1,401 ( 1386 ) Öh. 46,16,73,5. vgl. gedingeze. ebenso

Gedingegèld

Adelung

gedinge·geld

Das Gedingegèld , des -es, plur. von mehrern Summen, die -er, der verglichene Lohn für eine verdungene Arbeit, besonders im Bergbaue.

Gedingegezäh

Adelung

gedinge·gezaeh

Das Gedingegezäh , des -es, plur. die -e, das Werkzeug eines Gedingehäuers, im Bergbaue. S. Adelung Gezäh .

gedingen

FWB

1. ›auf etw. hoffen, Vertrauen setzen‹.; 2. ›etw. vertraglich verhandeln, festlegen; sich etw. ausbedingen‹.; 3. ›etw. gerichtlich verhandel…

geding(e)nisse

MNWB

gedinge·nisse

geding(e)nisse , n. , (f.) , ausbedungenes Geld, Schongeld, Brandschatzung; die auf dieser Grundlage zugestandene Schonung; s. noch dincniss…

gedingenissse

KöblerMhd

gedingenissse , st. F. nhd. „Gedingnis“, gerichtliche Verhandlung, Entscheidung, rechtliche Vereinbarung Hw.: vgl. mnd. gedingenisse Q.: KlK…

Gedingeschicht

Campe

gedinge·schicht

† Die Gedingeschicht , Mz. die — en , im Bergbaue, die Schicht, Rast, die bei dem Gedinge gemacht wird. S. Schicht und Gedinge .

Gedingestufe

Adelung

gedinge·stufe

Die Gedingestufe , plur. die -n, im Bergbaue, ein Zeichen, welches von dem Geschwornen bey der Verdingung in das Gestein gehauen wird. S. Ad…

gedingeze

Lexer

ge-dingeze stn. pactio Deg. 405 a . Gr.w. 3, 423 f. 431. einem gedingeze ( erlaubnis ) geben ib. 427 ; brandschatzung Arn. 41 ( 1357 ). vgl.…

gedinge als Zweitglied (30 von 106)

Abendgedinge

DRW

abend·gedinge

Abendgedinge âuents-, ôventsgeding vgl. Morgensprache dit ist dat recht, wie man dat weist vnd bedinckt vff dem kornmart dess anderen tags z…

Abgedinge

DRW

Abgedinge I Abdringung meynet ... die kirche ... zu vorterben, wenne her ir nicht gerothen kan, und greiffit die kirche an mit nome und abge…

afgedinge

KöblerMnd

afgedinge , M. nhd. Loskaufung eines Unfreien, Freigebung E.: s. af, gedinge (1) L.: Lü 5a (afgedinge)

andēgedinge

MNWB

ande·gedinge

andēgedinge , andēdinge , f. , Ansprache, rechtliche Inanspruchnahme, gerichtliche Anfechtung, Klage.

andēgedinge

KöblerMnd

andēgedinge , F. Vw.: s. anedēgedinge*

anedēgedinge

KöblerMnd

ane·dēgedinge

anedēgedinge , F. nhd. Ansprache, gerichtliche Anfechtung, Klage, rechtliche Inanspruchnahme E.: s. ane (2), dēgedinge L.: MndHwb 1, 78 (and…

anegedinge

KöblerMhd

ane·gedinge

anegedinge , st. N. nhd. Übereinkommen ÜG.: lat. pacta Gl Q.: Gl (15. Jh.?) E.: s. ane, gedinge (1) W.: s. nhd. (ält.) Angeding, N., „Angedi…

Ausgedinge

Campe

aus·gedinge

† Das Ausgedinge , des — s, d. Mz. w. d. Ez. in Schlesien und in der Lausitz unter den Landleuten dasjenige, was der abgehende Wirth von sei…

bedēgedinge

KöblerMnd

bedēgedinge , F. nhd. Verhandlung, gerichtliche Anklage ÜG.: lat. placitatio Hw.: s. bedēdinge I.: Lüt. lat. placitatio E.: s. bedēgen, inge…

brūtdēgedinge

KöblerMnd

brūt·dēgedinge

brūtdēgedinge , F. nhd. Verhandlungen über Mitgift und Morgengabe E.: s. brūt, dēgedinge L.: MndHwb 1, 360 (brûtdēgedinge)

burcgedinge

KöblerMhd

burc·gedinge

burcgedinge , st. N. nhd. Bürgerversammlung Q.: Urk (1351) E.: s. burc (1), gedinge (1) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1, 390 (burcdinc/burcgeding…

būgedinge

KöblerMhd

būgedinge , st. N. nhd. „Baugeding“, ein grundherrliches Gericht (F.) (1) Q.: DRW (1452) E.: s. bū, gedinge (1) W.: nhd. (ält.) Baugeding, N…

dēgedinge

MNWB

dege·dinge

dēgedinge , dēdinge (deydinge) , dāge- , dachdinge (s. noch ding ), n. (selten f. ), meist Plur. , die auf einen bestimmten Tag angesetzte g…

dāgedinge

KöblerMnd

dāgedinge , N. Vw.: s. dāgedinc

dēgedinge

KöblerMnd

dēgedinge , N., F. nhd. auf einen bestimmten Tag angesetzte Verhandlung, Gerichtstag, Termin, Frist, Verhandlung, Besprechung, Vertrag, Über…

erbegedinge

MWB

erbe·gedinge

erbegedinge stN. ‘(Vertrag über) Erbleihe’ diz vorgenanten koͮffes vnd oͮch dis erbgedinges sint gezvge [...] UrkCorp (WMU) 910,13 MWB 1 179…

forstæregedinge

KöblerMhd

forstære·gedinge

forstæregedinge , st. N. nhd. Forstgericht, Waldgericht Q.: WeistGr (1380) E.: s. forstære, gedinge (1) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 3, 480 (for…

Ableitungen von gedinge (1 von 1)

ungedinge

Lexer

un-gedinge stn. lop, daʒ man vor allem ungedinge weiʒ behuot Msh. 3,169 b . vgl. undinge;