gedinge,
geding,
n. subst. verb. zu dingen
oder gesteigerte nebenform von ding,
ein altes wort, vor zeiten von ausgedehnter bedeutung im gemeinde- und rechtsleben, auch nhd. bis ins 18.
jh. in resten nachlebend, wo es zudem wieder in voller form gedinge
erscheint; mhd. gedinge,
ahd. gidingi,
alts. githingi,
ags. geþing;
mnd. mnl. gedinge,
nnl. geding.
Als verstärktes ding,
mhd. dinc (
s. sp. 1623,
vergl. gebild)
erscheint es sicher z. b. in nrh. witgedinc 14.
jh. Haupt 15, 514,
gewiss auch mhd., wie schon ahd. kidinc
conventus, concio Graff 5, 192,
später an der schreibung gedink, gedingk (
s. z. b. 2,
c)
erkennbar; s. besonders u. 2,
e das wechseln von geding
und ding.
beide formen aber noch zu scheiden ist unmöglich. Eine nebenform von gedinge
als subst. verb. aber ist rhein. gedingtz
pactio Dief. 405
a,
hess. gedingitz
n. weisth. 3, 423,
früher gedingze (14.
jh.)
s. 427. 431,
im 15.
jh. auch gedings
pactus Dief. 405
b,
s. sp. 1610 (
γ)
und gedecks;
nd. entspricht gedingete
n. Ssp. lehnr. 7, 2 (Homeyer
Ssp. II, 1, 577),
mhd. gedingede,
diesz aber als fem., s. dazu unter 5. 11, 1@aa)
die wahrscheinlich älteste bedeutung, verhandlung (
ahd. actio Graff 5, 193),
hin und her reden über eine angelegenheit zum behuf der einigung, blickt noch im 16.
jh. aus folgendem: nim hin da zweinzig silberling, meins kaufs mach ich gern kurz geding. Thieb. Gart
Joseph (1540) B 8,
d. h. ich liebe kein langes verhandeln bei meinen geschäften, nach meiner art zu handeln (
s.kauf 1,
a, vgl. 5,
b),
die wendung ist gewiss aus dem volksleben, vgl. mhd. dâ wart ein kurzeʒ dingen
Greg. 3116
in gleicher bedeutung, in einer hs. des 15.
jh. aber ein kurz gedinge; nein, den jarmarkt wil ich nicht haben noch solchen wechsel und gedinge leiden. Luther
verman. zum sacr. 1530 E 3
b (
Dietz 2, 33
b),
der markt mit seinem handeln gedacht. ja noch Frisch 1, 199
a kennt ein langes gedinge (machen),
licitandi cunctatio, und Adelung: ist das nicht ein gedinge,
langes dingen, handeln! sie trennen es aber von dem andern gedinge. 1@bb)
auch nl. noch im 17. 18.
jahrh. geding
von verhandlung, auch streit, vor gericht und anders, selbst von waffenstreit (
wozu vergl. krieg II, 2),
s. das grosze nl. wb.; mnl. gedinghe
von hin und her reden, gerede überhaupt s. Oudemans 2, 389.
doch mag das alles erst vom reden vor gericht entnommen sein, wie gleichmäszig das spätlat. causari
vor gericht in die bedeutung gerede, geschwätz, selbst kampf übergieng (
s.kosen I,
a. c und II, 2,
c);
man musz sich dafür die ganz andere bedeutung und ausdehnung des redens vorzustellen versuchen, die es vor gericht vor der zeit des schriftlichen rechtsverfahrens auch bei uns hatte. 1@cc)
von rechtsverhandlung führt es auch Henisch 1408
noch an: geding,
disceptatio, controversia, lis, forensis causa (
auch jus, judicium),
aber wol nur, wie oft, aus Kilian,
der für nl. gedinghe
dieselben angaben macht; doch werden auch nhd. belege sich noch finden lassen. 22)
auch der gerichtliche gebrauch reicht nämlich bis ins nhd. 2@aa)
noch im 18.
jh. vom gerichte selber, gleich ding,
z. b. in einem überrheinischen weisthum, vom Polcher adelichen dingtag: derjenige, welcher .. das geding zu Polch haltet, gehet mit zur mess, daraus unter das rathaus. da setzen sich alle herren cavaliers, welche zum geding gehören, nach der ordnung,
nachher in der ansprache an die versammelten dingtag
genannt, diesem edlen erben-dingtag.
weisth. 6, 617; bei diesem geding werden 5 stabschützen angesetzt. 619;
auch rechtsgeding,
im 18.
jh., wo sonst die bedeutung 3
schon vorherschte: man hielt über mich rechtsgeding, ich konnte aber nicht erfahren, was darin beschlossen worden. Schm.
2 1, 519.
das halten
stimmt auch noch zu der bedeutung, welche die älteste sein musz, verhandlung, vgl. aus dem 14.
jh. bei Haltaus 603.
aber auch, wie ding
und gericht,
von den theilnehmern selber, z. b. das erberg geding (
auch ding), '
die versammelten rechtsprecher oder notabeln',
s. Schmeller 1, 380,
z. b.: uns, dem ersamen geding.
östreich. weisth. 1, 93. 2@bb)
recht alterthümlich in der reimformel zu ringe und gedinge: wann der dinghof zu Katzfelt gehalten würt ... under der linden ... sol der huober höfig guot verston (
vertreten) zu ringe und gedinge, urtel und recht sprechen (
helfen)
u. s. w. weisth. 5, 469,
elsäss. vom jahre 1493; welr man .. jar und tag unversprochen (
unangefochten) huber ist gewesen und zu gedinge und zu ringe ist gegangen. 1, 681,
elsäss. 14.
jh.; gebot und verbot zue geding und ring. 676; de dry (
genannten) hove solen gain van deseme erve zuo gedinge ind zuo ringe. 2, 744. 745,
aus Cöln 14.
jh., dort recht nehmen und geben (
s. sp. 1669),
auch zu dinge und zu ringe usz und an gaen 1, 312 (
vgl. rechtsalt. 13. 747);
auch in lat. texte gedinge et ringe 13.
jh., s. Kehrein
samml. 7
a.
der ring
ist der alte gerichtsring (
s. d.),
von der gemeinde selbst gebildet (
vgl. kreis II, 3),
das gedinge
ursprünglich die verhandlung, dann das ganze verfahren, der ganze vorgang. 2@cc)
daher auch das geding besitzen,
wie das gericht (
s. I, 1626
m.),
eigentlich sich dazu niedersetzen und es so eröffnen, auch zuo gedinge sitzen,
vom schultheiszen Scherz 491: zum ersten fraget der dingkvagt die lehenlude, ob es von jare, tag und zit si, das lehen-herren-geding zu besitzen.
weisth. 2, 816,
von der Mosel 15.
jh., vergl. aus dem weiteren: wirt antwort geben (
von den lehenleuten), man solle dem gedingk thun ban und frieden, das nieman des andern wort thu (
statt seiner rede), auch sinen stul besitz, es geschee dan mit lauben (
erlaubnis des gedinges), und verbieten alle scheltwort, oberbracht (
überlautes reden), so lange sölich gedinge weret,
wieder mehr das reden selber; vor offenem geding 1, 328,
nach der eröffnung, vor dem versammelten geding. Ungewöhnlich im plur.: und sol man düselben gter gewinnen und verlieren in den gedingen vor einem (
d. h. dem) keller und den genoʒen. und was urteilde in den gedingen .. gestoszent (
streitig werden), die sol man uʒ den gedingen ziehen in die nachgedinge und uʒ den nachgedingen für den von Halwil. 5, 92,
var.: us dem ersten geding in das ander geding .. in das dritt geding,
schweiz. 14.
jahrh. 2@dd)
doch auch mit unterscheidung von gericht,
z. b. cölnisch im 12.
jh. (
in später schreibung): den heischen ich her in .. ind bannen in (
den übelthäter) mit meinem banne her int gedinge zo rechten gerichte. 2, 741
fg., wie in dem schweiz. weisth. vorhin einer ins gedinge ze gerichte kommen sol für den keller 5, 92,
d. h. zum recht nehmen und geben, um unrecht recht zu machen; es sol ouch ein herre und vogt denne selber ze gericht sitzen, ob er mag, uf die drü gedinge (
die drei im jahre). 4, 395.
das gedinge
ist eigentlich das verhandeln und verfahren, das gerichte
zweck und ziel desselben; doch hat gericht,
das jüngere wort, das ältere allmälich überwogen und mit vertreten, während doch richten
und dingen (teidingen, verteidigen, beteidigen)
getrennt blieben, das zweite das reden und verhandeln weiter bezeichnete. doch auch verbunden: ob ihm das
gedinggericht nit truwen wolte.
weisth. 1, 329,
wie vorher das. dinggericht. 2@ee)
es gab verschiedene arten und namen, z. b. baugeding
weisth. 2, 281. 815, erbgeding 2, 316, furstergedinge 3, 430, hochgeding 6, 620, hundelgeding 2, 279. 313, jahrgeding 1, 326, vogtgeding, witzgedinge Haupt 15, 514, nachgeding
vorhin, s. weisth. 4, 395,
daneben immer auch jahrding, bauding, fursterding, vogtding
u. s. w. 2@ff)
zu dingen
unmittelbar als subst. verb. auch in der bed. appellation, s. Schmeller 1, 380
aus dem 16.
jahrh.: von ainem geding gen hof .. drei schilling pfenning (
zu entrichten),
zu der wendung gen hof dingen,
sich aufs hofgericht berufen, dorthin appellieren; von des gedings wegen, das man von unsern hofgerichten thut.
das.; von einer appellation und geding gen hof zu verfertigen, darein die partei ir red und widerred in schriften verschlieszen, zwen und dreiszig pfennig.
landpot in Baiern 1516 21
a (
vgl. gedingbrief); geding und appellationen Scherz 491.
s. auch die östr. weisth. 1, 380
a, dingnis 3,
und gedingen. 2@gg)
selbst für gerichtsbezirk (
wie geding
selber, und altn. þing),
wie Schmeller
schon ansetzte nach den gedingen,
stadtbezirken von Passau, z. b.: in den dreien gedingen enhalb der Inpruck, ze Ilz und ze Anger.
Passauer stadtbuch. nun bestätigt in den östr. weisth.: dieselben sollen volgund durch frumb ehrbar nachbarn des gedings geschäczt werden. 1, 43, 24,
vgl. ding
so: sollen die pfand durch fromb nachtparn, die des dings sein, geschäczt werden. 18, 20,
während in ganzen geding 189, 18
wol meint: in völliger gedingsitzung (
s.ganz sp. 1290). 33)
manigfach im leben überhaupt, hauptsächlich für verabredung, übereinkommen, vertrag u. ähnl., oft mit anklang ans rechtsleben und gewiss auch aus diesem entnommen; eigentlich das durch das dingen
beider theile festgesetzte. 3@aa) gedinge,
pactum, pactio, pactus. Dief. 405
a. 405
b;
contractus, uberkomung, ein gewerb, ein gedinge. Melber e 4
b,
pacisci geding machen r 1
b;
conductio, gedinge. Dief. 140
c; geding bestetigen,
pactum firmare. voc. 1482 k 4
b. 3@a@aα)
z. b.: ich wil gedenken eines gedings, das ich gedinget han mit Abraham. Frisch 1, 198
c aus einer alten bibelübersetzung, bei Luther bund
3 Mos. 26, 42; ich hab ein geding gemacht oder bin des überein kommen mit meinen augen, das ich auch nit (
nicht einmal) gedächt von der junkfrawen. Kaisersb.
pred. 50
b; das ist das geding und vertrag, den gott seinem volk anbeut. Luther 4, 491
a; darnach sol unser geding also gehen: die weiszen einferbigen schaf und was die selben fur einferbige bringen, sol auch dein sein, was aber bunds geporen wird, sol mein lohn sein.
ders. bei Dietz 2, 33
b; der hausvatter (
Matth. 20, 1
ff.) machet mit keinem kein geding on mit dem ersten (
mietarbeiter). 34
a; macht ein geding mit einem wundarzet, was er nemmen wolte von zweien schenklen, die zerbrochen weren, wider zu heilen.
buch der liebe 295
c; sie (
die Juden) machten mit ihm (
Judas) ein geding und gaben ihm dreiszig silberling.
rüefbüechl. (
hdschr. kath. gesangb.) 1601
bl. 16
a.
auch ein geding vergleichen: weil ich gesehen, dasz er unsere verglichene geding gebrochen, vermeinte ich dieselben ferner zu halten von rechteswegen auch nicht schuldig zu sein.
Laz. de Tormes 25,
der plur. von den einzelnen punkten des vertrags, s. 4,
a. 3@a@bβ)
so im gewerbsleben manigfach, z. b. geding
zwischen bauherrn und maurermeister, was jetzt (
barbarisch) accord
heiszt: wenn die meister nicht gedingt (
s. d.) arbeit haben, sollen sie von einer gesetzten schrauben, sie stehe lang ader kurz, nicht mehr denn drei groschen nemen. wenn aber die arbeit verdinget (
in accord gegeben ist), sollen sie von schrauben nichts nemen, sondern (
dieselben) zum gedinge mit stehen und bleiben.
ordn. der stadt Leipzig 1544 C 2
b,
in das geding eingeschlossen sein; es hiesz auch zeitlich genauer fürgeding,
s. d. 2
und Schm.
2 1, 519,
auch nachher unter e; ein anderer name war fürgriff (
s. d. 2). 3@a@gγ)
noch im 18.
jahrh., landschaftlich gewiss noch gegenwärtig: geding zwischen dem käufer und verkäufer,
conventa. Aler 856
b; die sach ist zum geding nit kommen
das., das dingen
hat nicht zum ziele geführt; einen getreuen mann .. mit dem Eckart, umb sie bis Freiberg zu führen, ein gedinge machte. Ettner
med. maulaffe 943; und mit einem Ostindienfahrer das gedinge machten, der sie
auf die insul Ceylon verschaffen solte.
Felsenburg 1, 131; contracten und dergleichen geding.
Mainzer landrecht 1755 xiii § 11; das gedinge nicht halten,
pacto non stare. Steinb. 1, 307.
noch bei Adelung ein gedinge über eine arbeit machen,
sie im ganzen verdingen, arbeitslohn im gedinge
im gegensatz zum tagelohn, wegen des hufschlages mit dem schmid ein gedinge machen,
ihm denselben auf ein ganzes jahr verdingen. 3@bb)
daher kurz mit geding
oder one geding,
z. b.: wo sich auch erfunde, das iemant .. one sonder und reinlich geding einicher bestimbter frist gekauft hette.
Nürnb. poliz. 136; der engel hilft einem mönschen nit (
anders) weder mit gedinge, (
nämlich) wenn der mensch auch im selber helfen will. Kaisersberg
hell. löw a 3
a; und war ihr (
der seeräuber) fürnemmen, uns mit geding gefangen zu nemmen, sprachen uns an: wie seit ihr so thorecht, dasz ir euch wider uns setzet, wir handeln noch freundlich mit euch, wir wöllen euch zulassen, dasz ir möget in den nachen tretten, und fahren wo ir wöllet.
buch d. liebe 202
b; wird mit geding nach der ruten der abraum weg gearbeitet, als dann wird das erz auch also verdinget. Thurneisser
alch. 1, 69,
zu e; gerad und einfaltig, on alles geding,
directo aliquid optare. Maaler 161
a; mit keinem mittel oder geding,
nulla conditione. das., gleich 'unmittelbar'. 3@cc)
auch im gegensatz zu briefe,
schriftliche urkunde, was Scherz 490
hervorhebt: man gewinne ims denn ab inner jar und inner tag mit briefen oder mit gedinge. '
stat. Aug. v. 341',
also mündliche abmachung nach alter weise im gegensatz der neueren canzleimäszigen; doch s. auch gedingbrief. 3@dd)
im leben gewann es je nach anwendung besondere färbung, z. b. mhd. vom ehevertrag wegen des beiderseitigen vermögens: swâ sich zwai êliute gesament, stirbet der eins ê jâr und tak fürkumt, mit swelhem gedinge die zesamen komen sint, daʒ sol stæte sî
n. Augsb. stadtb. s. 143,
vgl. Schwabensp. 141,
im 16.
jh.: einem sein dochter mit etwas gedings und vertragen zevermächlen verheiszen,
filiam alicui pacisci. Maaler 161
a,
zugleich in die bedeutung mitgift übergreifend; vgl. dazu leibgedinge
und über die färbung des begriffes 4,
c. 3@ee)
noch heute in vollem gebrauch im bergwesen, gedinge,
bergarbeit in accord statt auf schicht, s. Veith 222
ff., mit vielen besondern arten, z. b. abbaugedinge, fördergedinge, haltgedinge, nothgedinge, prämiengedinge
u. s. w., und allerlei besonderer färbung des begriffes, z. b. auch kurz für das gedinggeld Veith 225;
es heiszt ins gedinge geben, im gedinge stehen (
von den arbeitern wie der arbeit), ein gedinge schlieszen, machen, treffen, setzen,
vom bergmanne nehmen, antreten, auffahren, verfahren
u. s. w.; im 16.
jh. z. b.: wenn die leut ausbeut heben und gute geding haben. Mathesius
Sar. 8
b,
wo der begriff zugleich auf die abzubauende stelle übergeht (
vgl. 4,
c);
s. auch unter b Thurneisser.
auch im salzwesen: ein bornknecht, der sein gerendt oder geding wöchentlich verricht oder auffert, wie wir (
bergleute) reden. Mathes. 126
a.
vgl. gedinghäuer, gedingbuch. 44)
der begriff hat aber auszerdem noch manche besondere färbung und richtung je nach seiner anwendung. 4@aa)
bedingung, d. h. eigentlich ein einzelnes stück oder punkt aus einem gedinge:
conditio, gedinge. Dief. 140
b,
wie schon ahd. Graff 5, 193
fg. auch als bedingender, beschränkender zusatz zu einem gedinge,
einer zusage o. a.: condictio .. est additio limitans, ein geding dʒ man zusetzt mit verbuntnus, ein zusatz des gedings, ein gedinge. Melber d 8
a; das begeren frömbd guot .. mit ausgetrucktem oder verborgnem geding, als da eins spricht: ich wolt, das das oder das mein were, wenn es nit wider got were (
ist keine sünde). Keisersb.
crist. kün. cc 2
a,
das wenn es nit
u. s. w. ist das geding,
vgl. nachher: ist auch nitt not, das ein mönsch allweg an das geding (
d. h. wenn
u. s. w.) gedenk, sunder es ist genuog (
zur sündlosigkeit), das es darinn verstanden werd.
das., vgl. unter gedingt; 'wenn es gots will wer' (
möcht ich das haben), und das ist ein will mit geding.
trostsp. EE 3
a; alle verheiszungen ein angeheften geding haben.
kriegsb. d. fr. 176 (
zum m. s. 5).
denn es bezeichnete auch die bedingungen, die ein theil einseitig auferlegt, was eigentlich dem begriffe widerstrebt: und das dasselb fürgang hett, so wölt er mit allen den gedingen, so er im uflegen möcht, ainen friden mit im treffen. Tünger
facet. 137 (
lat. quibuscunque legibus
s. 63);
s. noch aus dem 17.
jh. 3,
a, α,
und wieder alterthümelnd im 18.: ha, ein verirrtes weib .. welches von uns geding' und satzung empfangen. Bürger 247
b (
Dido),
zugleich collectivisch, lex imposita, abhängige lage oder verhältnis, vgl. auf folgender spalte aus Schmelzl. 4@bb)
das hielt sich besonders lange in der wendung mit dem geding,
ea lege Dasypod. 337
a (
vgl. mit geding 3,
b): die guot fraw sagt im herberg zuo mit dem geding, wo er sein eigen brot hette. Wickram
rollw. 65, 7; aber der schneider liesz nit nach, St. Petern zuo bitten .. dasz er ihn verwilliget hinein zelaszen, doch mit dem geding, er solte in einem winkel hinder der thuoren fein züchtig und still sitzen. 185, 25; mit dem geding, das er solt warten auszen dem zaun und umb den garten (
gegen den wolf). Waldis
Es. IV, 78, 37; doch nit lenger (
wollte er dienen) dann in gelust und mit dem geding, dʒ si im geben, was, wan und wie vil er will. Frank
weltb. 30
b; derhalben gonnt sie (
die kirche) und gibt den decreten mit disem geding volle macht, doch dasz sie selbs sich nit pucken noch ducken .. dürfe. Fischart
bien. 48
b. 13
b; doch mit dem geding. 217
a; allein mit dem gedieng (
so) ichs thu, das ich euch nichts weiters zusag. Ayrer 367
a; mit disem geding,
ea conditione. Schönsleder L 5
b; als wollen wirs euch verzeihen, doch mit dem geding .. Zinkgr. 14, 10; jedoch mit dem geding, dasz sich ein jedes glid des leibs darzu bequem. Weckherlin 668.
Doch natürlich auch von einer gesamtheit von bedingungen beiderseits (
vgl. a zuletzt),
vertrag, z. b.: so gib ich euch darauf zuosam .. mit dem geding und disem bschaid (
bestimmung), das euch khein mensch vonander schaid. Schmelzl
hochz. 15
b.
Jetzt noch in der nebenform mit dem beding,
die auch schon ins 15.
jh. zurückreicht: piaculum, bedinge. Dief. 432
c,
vgl. über den wechsel von ge-
und be-
sp. 1623
fg., der auch hier vorliegen wird; beding
ist übrigens bei Steinbach 1, 307, Frisch 1, 199
b, Adelung
masc., nicht n., wie J. Grimm
ansetzte, s. dazu geding
m. unter 5. 4@cc)
auch die sache oder das recht, die uns durch ein gedinge
zu theil werden, z. b. von einer gemieteten wohnung: Paulus aber blieb zwei jar in seinem eigen gedinge. Luther
ap. gesch. 28, 30,
ἐν ἰδίω μισθώματι.
so bei Maaler 161
a etwas gedings haben,
habere aliquid conducti (
bei Schönsl. L 5
a was gedingts).
ähnlich bei Haltaus 1602
von bedungenem lohne, zu gedinge und lone geben (15.
jh. aus Delitsch),
bei Adelung
als oberd. 'ein jährliches gedinge,
leibrenten',
ungefähr wie volksmäszig etwas ausgemachtes.
s. auch das eheliche gedinge
unter 3,
d und bergmännisch aus Sar. 8
b unter 3,
e. 4@dd)
eigen ist geding,
piaculum voc. 1482 k 4
b. ff 7
a,
gestützt durch bedinge
piaculum vorhin b a. e.; wol aus dem kirchlichen leben, auferlegte busze, als bedingung der entsühnung. ähnlich mhd. gedinge
brandschatzung Lexer 1, 771,
auch gedingeze
und dingnis (
s. d.), gedingnis (
s. d.),
bedungene summe als loskauf des niederbrennens. 4@ee)
im lehnswesen die zugesagte anwartschaft auf ein lehen, s. Scherz 491, Haltaus 603, Homeyer
Sachsensp. II, 1, 578,
lat. expectatio quae dicitur conventio;
eigentlich jedes lehen das an eine bedingung geknüpft ist, s. richtst. lehnr. 21, 1.
s. auch Schwabensp. 35 gedinge,
das einer an einem lêhen gedinget
hat, und unter gedinglehn. 4@ff)
vor der nhd. zeit erscheinen u. a. auch die bed. hoffnung (
ahd. daʒ gidingi
spes)
und zusage, versprechen, s. die mhd. wbb.; das erste z. b. noch im 15.
jh.: die drei götlichen tugent, dʒ ist gelaub, geding und götliche minn. Schm. 1, 380,
auch das zweite wol noch später. auch das musz aus dem begriffe des verhandelns entsprungen sein, die zusage etwa einem herren oder gegner vor gericht abgewonnen durch dingen, die bed. hoffnung etwa als folge davon. aber das ganze dingen und zubehör gibt noch manche frage auf für ergründung des inneren zusammenhanges. auch der begriff des verhandelns mit sich selbst, also des denkens als selbstgespräch scheint mitzuwirken, z. b. wenn es von der list der Gudrun, die Hartmuten veranlaszt boten aus der burg zu versenden, heiszt: deste minner was der vînde,dô die Hegelinge suohten Hartmuoten.daʒ was ouch der meide gedinge. 1314, 4,
so scheint das mehr als hoffnung oder erwartung, sondern berechnung; vgl. ags. geþing
von dem worauf man sich gefaszt machen musz, was man in gedanken haben, in rechnung ziehen musz Grein 1, 471. 4@gg)
dunkel bleiben mir auch folgende nhd. stellen, wenn ich nach dem bestimmten begriffe frage: mein joch ist süsz, mein bürd ist ring, wer mirs nachtregt in dem geding, der hell wird er entweichen. Ringwald
geistl. l. 174,
ist das jüngste gericht gemeint, nach nachtregt
ein komma zu machen? in einem neujahrswunsche heiszt es: treue fürstin, unsrer welt ist aufs neue zugestellt von der sonn ein edler ring, wie sie jedes jahr empfing. ach! es wolle diesem ringe sein verpflichtet diesz gedinge, dasz es steh zu sicherm pfande eurem glück und segens-stande. Logau 2, 2, 3. 55)
von haus aus bestand aber das wort in allen drei geschlechtern und entsprechender ausprägung, ahd. auszer gidingi
n. auch gidingo
m., das fem. aber doppelt, gidingâ
und gidingî (
wie dingî),
s. Graff 5, 192. 193. 194,
und auch davon reichen spuren bis ins nhd., wenigstens vom masc., s. unter 4,
a aus Franks
kriegsb. d. fr. ein angeheften geding,
und noch im 17.
jh. in den östr. Alpen vom gerichtsgeding: frag ich an den geding, ob si dessen ingedenk sein.
östreich. weisth. 1, 203
anm. § 2; alsdann den geding in gemain darüber ze fragen. § 3 (
in dem ältern texte des 16.
jh. das geding);
s. auch beding
m. unter 4,
b a. e. Im mhd. ist in der regel unterschieden der gedinge
als hoffnung, erwartung (
dafür doch auch gedinge
n. Nib. 279, 3
A),
dasz das aber nicht das ursprüngliche ist, zeigt sowol diesz späte nhd. als das ahd., wo auch gidingo
als pactum, conditio, spes erscheint, wie gidingâ
als pactum, conditio, conventio, gidingî
als spes. das fem. zeigt sich auch mhd. noch, zugleich in der erweiterung gedingede
f. neben n., obwol seltener, daneben galt aber auch der subst. inf. gedingen.