spezerei,
f. gewürz, aromatischer pflanzenstoff; lehnwort aus mittellat. speciaria Du Cange 7, 548
b bezw. ital. spezieria,
einer weiterbildung zu lat. species,
das im mittellat. dieselbe bedeutung aufweist, und so auch in germ. sprachen aufnahme gefunden hat, s. unten. die roman. wörter bedeuten daneben meist '
gewürzladen, apotheke',
s. ferner franz. épicerie,
span. especeria,
port. especiaria (
gewürz). Körting
lat.-rom. wb. 7658.
mhd. spezerîe
begegnet schon in quellen des 14.
jahrh. (
z. b. einer Breslauer urk. v. 1327),
s. Lexer
handwb. 2, 1073.
nachtr. 368. Gengler
stadtrechts-alterth. s. 160, 169:
species ... specerey, -ij, spitzerie, spisserie. Dief.
gloss. 545
b; specerey
nov. gloss. 344
b; die spezarey,
la spezaria (=
apotheke?).
voc. venet.-todesco v. 1424
bei Schm. 2, 692; die spitzerey
s. ebenda. auch in andern germ. sprachen: mnd. spisserie
kurzwaren Schiller-Lübben 4, 332
a,
vgl. brem. wb. 4, 954. Dähnert 448
b,
nl. specerij (specerije,
aroma, odoramentum, species, vulgo spetiaria, spetia. Kilian),
engl. spicery,
dän. schwed. speceri.
vgl. Weigand 2, 761 (
danach spitzerie 1414, specierye 1475
im clev. teuthonista, spetzerey
voc. theut. v. 1482 ee 4
b, specerey 1483
bei Eychman t 4
b). Kluge
6 370
b. Seiler
lehnw. 2, 174
f. im nhd. überwiegt im allgemeinen die schreibung specerei,
erst in neuester zeit ist das z
wieder herrschend geworden: specerej,
species Dasypodius; specerey (die) wolgeschmackte ding,
species, aromata, vulgus rusticorum specy. Maaler 379
a,
daneben: spetzerey, specy, gewürtz,
aromata. 379
b; specerey,
f. des espices. Hulsius 301
b; specerey, gewürtz,
specie, spetiarie. (1618) 234
a;
aromata allerley wolriechend gewürtz oder specerey. Corvinus
fons lat. 68
a; spezerei,
f. species, espices. Schottel 1418; spezerey, die,
variae species aromatum: tradimus hoc vocab. in hunc locum, quod horrea, seu apothecae, talibus speciebus impleantur: si quis autem a vocabulo generalissimo species dictum malit, non refragabimur. Stieler 2077; specerey, vom ital.
speciaria ... sind also
aromata omnium specierum, was etwan
φαρμακῶδες war, hiesz die
latinitas inferior speciem. Frisch 2, 295
b. Adelung
bevorzugt die schreibung specerey, Campe
schreibt spezerei.
in mundarten wenig üblich (
in Handschuhsheim spetsɐrái
selten. Lenz 66
b).
bedeutung: 'specerey,
ist ein wort von sehr weitläuftigem umfange, indem darunter alle arten des gewürzes und die meisten apothekerwaaren verstanden werden.' Jacobsson 7, 386
a,
vgl. Krünitz 156, 628.
es steht am gewöhnlichsten im collectiven singular: alle geste, die specerey oder annder kaufmanschafft, wie die genant ist, herbringen zuverkauffen.
Nürnb. polizeiordn. 128; was aber specerey, seyden oder silberin gewicht undter einem pfund zu leicht funden wurde. 185; item 16 lib. 12
s. umb specery.
Basler chron. 4, 161, 19 (
rechn. v. 1508); Gotschalg wart vil von spetzerig verlorn, kam von Venedig. 340, 9 (28.
aug. 1462); da macht sie (
die königin v. Saba) sich auff, und kam gon Jherusalem, mit grossem volck und reichtum mit kemelthieren, geladen mitt spetzery, gold und köstlichem gestein. Keisersberg
christenl. künigin aa 2
a; 13 ℔. roszin und speczerei. Tucher
haushaltb. 128
Loose (1515); undterkeuffel auf specerey.
d. städtechron. 11, 819, 24 (
Nürnberger amptbuchlin v. 1516); da kaufft er growen und roten zendel, und band die knötlin dazuo, und gieng mit seinem krom für den Römer ston.
Eulensp. s. 54
neudr. (35.
hist.); desselben gleichen were auch not, weniger specerey, das auch der grossen schiff eines ist, darinnen das gelt aus Deutschenlanden gefüret wird. Luther 1, 314
a; und sie kam gen Jerusalem mit einem seer grossen zug, mit kamelen die specerey trugen.
1 kön. 10, 2; Hiskia ... zeiget jnen das gantze schatzhaus, silber, gold, specerey, und das beste öle.
2 kön. 20, 13 (
Jes. 39, 2); die kauffleut aus Saba und Raema haben mit dir gehandelt, und allerley köstliche specerey, und edelstein und gold, auff deine merckt bracht.
Hesek. 27, 22; das gewürz oder specerei ist geferbt und vermängt. Schade
sat. u. pasqu. 2, 149, 25; specerey, staub von allerhand specerey.
Casseler licentenliste v. 1647
bei Dief.-Wülcker 858; er tuot ain kouf nach dem ander, ... es sig linwat, spezri ald tuoch.
des teufels netz 9041.
daneben der plural in bezug auf verschiedene arten: demnach dem soldan durch die newe schiffung des kinigs in Portugal der merertail seins järlichen einkommen von denen specereien und ander kaufmanschaft usser Indien enzogen.
Zimm. chron.2 1, 523, 29; ihr edeln mütter, opfert spezereyen, die Sabatha den tempeln zollt. Ramler 1, 65; er kömmt von Babylon; mit zwanzig hochbeladenen kameelen, und allem, was an edeln specereyen, an steinen und an stoffen, Indien und Persien, und Syrien, gar Sina, kostbares nur gewähren. Lessing 2, 223 (
Nathan 1, 6); von des helden ruhm ergriffen, sandt' er sultan ihm geschenke, seidenstoffe, specereyn. Herder 28, 530
Suphan (
Cid 62). spezerei
dient zu mannigfachem gebrauche. zur würze an speisen (
dafür gewöhnlich gewürz): mit specerey eingemacht,
acconciato con specie. Hulsius (1618) 234
a; spezerey zu würzen,
species aromaticae. Stieler 2077; wiltu den hecht vor nicht sieden, so hack yhn gar klein, und stos yhn wol ynn einem mörser, und bereit yhn mit der specerey vor gesagt.
kuchenmeisterey (1530) C 7
a; git denn der keller spezri dar, des nimpt der koch eben war: sin tail muos och davon komen.
des teufels netz 8432; dan wie er iszt nür gerst und prei mit einer gueten specerei.
fastn. sp. 1059, 19; ein puchs mit allerley spetzerey dar mit man gilpt fisch fleisch und prey und was man schleckhaffts haben wil. 1217 (Folz
von allem hausrat); er schlürft aus silbernen eimern den wein, gewürzt mit den süszesten spezerei'
n. Heine 1, 333
Elster (
der weisze elefant).
zu heilzwecken: auch wolriechende specereyen (
adoramina), räuchwerck, und alles was eusserlich wird übergelegt, benimbt theils die schmertzen .., theils miltert, und lindert sie. Comenius
sprachenth. 791; wenn nun der artzt umsonst hat fleisz und zeit verschwendet, und was nicht helffen kan bey krancken auffgewendet; schlägt er, damit kein schimpff sein altes lob verzehr, so fremde kräuter vor, die niemahls über meer in diesen port gebracht! hätt ich die specereyen: (so spricht er) wolt ich stracks der schmertzen euch befreyen. A. Gryphius 1, 212 (
Cardenio 2, 153).
vgl.: weil er für nöthig findet, ihm noch die ersten buchstaben des geschmacks in redeverzierungen zu lehren, ohne zu argwöhnen, dasz einerley spezerey sowohl zur galanterie, als arzneykunst in verschiedenem masze dienen kann. Hamann 2, 502.
als parfum: so sah auch die pfarrerstochter aus, wie wenn sie eben aus einem mit spezereien durchdufteten glasschranke käme. Keller 7, 20.
sprichwörtlich: spezereien riechen am besten, wenn man sie stampft. Wander 4, 691.
so zum räuchern im tempelkult: spezerey zu reuchern,
suffimenta, suffitus. Stieler 2077; nim zu dir specerey, balsam, stacten, galben und reinen weyrauch, eins so viel als des andern, und mache reuchwerg draus.
2 Mos. 30, 34; und macht die heilige salbe, und reuchwerg von reiner specerey. 37, 29; das er ordene das öle zum liecht, und die specerey zum reuchwerg.
4 Mos. 4, 16.
zur salbenbereitung: spezerey zu salben,
balsama, unguenta exotica, seplasia. Stieler 2077; specerey zur salben und gutem reuchwerg.
2 Mos. 25, 6; nim zu dir die besten specerey, die edlesten myrrhen, ... und mache ein heiliges salböle. 30, 23; specerey und ole zun liechtern und zur salbe, und zu gutem reuchwerg. 35, 28;
zum schmuck dienend: denn jr schmücken muste so viel zeit haben, nemlich, sechs monden mit balsam und myrren, und sechs monden mit guter specerey, so waren denn die weiber geschmückt.
Esther 2, 12.
in mannigfacher weise wird spezerei
im alterthum bei der behandlung von leichen verwendet: nu haben die Egypter die weise gehabt yhre todten zu salben mit edlen köstlichen salben odder würtze und specerey, so das selbe land tregt, wilche auch hernach die jüden von yhn genomen haben. Luther 24, 706, 30
Weim. ausg. beim begräbnis: also entschlieff Assa mit seinen vetern, ... und man begrub jn in seinem grabe, ... und sie legten jn auff sein lager, welchs man gefüllet hatte mit gutem reuchwerg, und allerley specerey nach apoteker kunst gemacht, und machten ein seer gros brennen.
2 chron. 16, 14; und da der sabbath vergangen war, kaufften Maria Magdalena, und Maria Jacobi und Salome specerey, auff das sie kemen und salbeten jn.
Marc. 16, 1; da namen sie den leichnam Jhesu, und bunden jn in leinen tücher mit specereien, wie die jüden pflegen zu begraben.
Joh. 19, 40; mit spezereyen hatten wir ihn gepflegt. Göthe 12, 45.
vgl. auch: die vögel sammeln für ihn (
den phönix) frei den weihrauch und die spezerei, von edlem holz wohlriechend äst: ... wenn er das rauchwerk so gezündt, ... dann läszt er sich herab zur gluth, verbrennt sich willig wohlgemuth.
wunderh. 1, 287
Boxberger.