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vorstehen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vorstehen verb.

Bd. 26, Sp. 1659
vorstehen, verb. , vgl.fürstehen teil 4, 1, 1 sp. 853; ahd. forastân, -stên Graff 6, 593; mhd. vor-, fürstân, -stên mhd. wb. 2, 2, 576a; Lexer 3, 588; 611; mnd. vorstân Schiller-Lübben 5, 458b; mnld. vorestaen Verwijs-Verdam 9, 1104; vorsteen, praestare voc. inc. teut. m m 3b; prestans vorstender edel o. mechtig, vorstainde Diefenbach gloss. 457b, gubernare vorstehen Schöpper synon. 2a Sch.-K.; vorston Maaler 476d; praesideo ... vorstehen Calepinus dict. XI ling. (1598) 1140b; für- sive vorstehen Stieler 2129; vorstehen Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 943c; für- et vorgestanden, ich stehe vor Steinbach 2, 677; vorstehen Frisch 2, 327c; Adelung; Campe. — über die formen des einfachen verb. s. teil 10, 2 sp. 1396 ff.in den umschriebenen formen des intrans. verbums schwankt der gebrauch zwischen haben und sein Adelung; Campe giebt nur haben an, was der norddt. gewohnheit entspricht, während die umschreibung mit sein süddeutsch ist, vgl. z. b. Fischer schwäb. wb. 2, 1677. — in der älteren sprache ist der gebrauch von vorstehen weit reicher entwickelt, und auch in den anwendungen, die im entwickelten nhd. erhalten sind, bewegt sich die ältere sprache mit gröszerer freiheit. 11) über eine linie oder fläche hinaus nach vorn stehen; zunächst im eigentlichen sinne des einfachen verbums vom stehen auf beinen, dann in gleicher anwendung von gegenständen; ich stehe für, vor, emineo Steinbach 2, 677: der vierte mann im ersten gliede steht vor; tritt ein adv. hinzu, verbindet sich dies enger mit vor: weiter vor stehen u. ä.; im rechten pflug stehe mit deinem rechten fusz vor Sutorius fechtb. (1612) 4; stehet ein pferd in der streu mit den hinterfüszen vor, als wolt es hinten niedersitzen Walther pferde- u. viehzucht (1658) 6; die schildseite und der fusz dieser seite muszte also vorstehen Lessing 30, 339 M. — das haus stand zu weit vor Adelung; steht einen meter vor (vor der linie der anderen häuser); die ufer von Calais haben nicht, wie die entgegengesetzten, vorstehende kreidefelsen G. Forster (1843) 442; wenn sie es (das steinchen) fassen lassen, darf das gold nicht weiter als das weisze riefchen gehn, der übrige stein steht vor Göthe IV 30, 195 W.; mit dem jabot von point d'Alencon, der eine halbe elle vorstand Bettine d. Günderode (1840) 2, 79; hielt sich an den vorstehenden zweigen eines busches Gutzkow d. zauberer v. Rom (1858) 6, 32; dasz der dürre arm weit aus dem ärmel des rockes vorstand Stifter (1904) 2, 74; an den vier ecken des ofens standen die vier groszen propheten auf vorstehenden gewundenen säulchen G. Keller (1889) 5, 235; zudem stolpert man ... über die unten vorstehenden gepäckstücke Boltzmann popul. schr. (1905) 433; es stand ein kleiner pult an jedem (stuhle) vor Göthe 16, 181 W. die marssegel stehen vor, wenn die schoten der marssegel vorgeholt sind Bobrik seewb. (1850) 712b. 22) besonders oft von körperteilen im verhältnis zur umgebung: (auge) blau, offen, vorstehend Göthe IV 4, 90 W.; vorstehende, glotzende augen Eichendorff (1864) 3, 29; die blassen augen vorstehend und wenig wimpern Fontane [] I 1, 151; fröhlich vorstehende, übergrosze blauaugen P. Dörfler abenteuer d. Peter Farde (1929) 3. — das zurückstehen der unterlippe, das mehrere vorstehen der oberlippe Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 104; kleiner heftiger mann mit vorstehenden lippen A. v. Arnim 3, 87; bei bewuszter stellung: doch so, dasz die unterlippe gegen der oberen ein wenig vorstehe Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 44. — steckte sie (die ähre) zwischen seine vorstehenden zähne Dwinger wir rufen Deutschland 254. — wären mund und kinn nicht etwas brutal vorgestanden Dörfler a. a. o. 26. — die stirn (Michelangelos) stand mächtig vor H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 222. — (mit) vorstehenden backenknochen Ritter erdkde (1822) 2, 351. — schmerbauch, welcher so vorsteht, dasz ... Castelli (1844) 10, 330. 33) vor etwas, vor einem stehen, nicht immer von der vorhergehenden anwendung zu scheiden; vorstehen, voranstehen, stare avanti, il star' in capo, in primo loco Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 949b; abgesehen von dem hintereinanderstehen kann auch ein einander gegenüberstehen gemeint sein; in beiden anwendungen auch freier: da die helfanten vorstunden (vorne standen) Xylander Polybius (1574) 433; andeutend etwas, so sich auf das vorstehende stammwort ziehen mag Schottel haubtspr. (1663) 70; (dasz) die letztern glieder durch die vorstehenden glieder unverhindert durchgehen ... konten Lohenstein Armin. (1689) 2, 1200a; es sey, was vor ein schlüssel vorstehe Ph. E. Bach art d. clavier zu spielen (1759) 1, 18; dasz ein weib eine 0 sey, der eine i vorstehen müszte, wenn die null etwas bedeuten solle Hippel lebensläufe (1778) 3, 2, 132; nach oben zu (an einer tafel), wo er drei personen quer vorstehen sah Göthe 25, 72 W.; dem ihm in der rangliste weit vorstehenden Rienäcker Fontane I 5, 293. — in älterer sprache mit dem dativ verbunden; gegenüber stehen: die so den ochsen vorstond, söllend nit rote kleider tragen Herold-Forer Gesners tierb. (1563) 122. 44) rückweisend im gedruckten oder geschriebenen, hier ist besonders das part. präs. im gebrauch: wie das vorstehende gespräch deutlich genug bemerket Herder 15, 200 S.; erinnerung wegen vorstehender fabeln Kästner verm. schr. (1755) 1, 164; N. N., dem wir die vorstehenden nachrichten zu verdanken hatten G. Forster (1843) 2, 72; vorstehender wunderlicher brief war ... schon lange geschrieben Göthe 25, 82 W. u. oft; vorstehenden spruch gemacht gestern nacht Immermann 2, 26 B.; endlich wurde die vorstehende erzählung geschrieben Storm (1899) 4, 99; ich war nach allen vorstehenden erwägungen fest entschlossen Bismarck ged. u. erinn. 2, 61 volksausg.das part. substantiviert: gleichwohl mir nichts anderes als vorstehendes bekannt war Rabener (1777) 1, 165; und nun gleich mit vorstehendem, längstgeschriebenen auf die post Göthe IV 38, 138, und so auszerordentlich oft, z. b. I 45, 226; 49, 350; 25, 36; II 2, 8; III 1, 197; IV 4, 85; 17, 69; wie lange ist es her, seit ich das vorstehende geschrieben G. Keller (1889) 2, 93; falls sie vorstehendes aufnehmen wollen Bismarck ged. u. erinn. 1, 52 volksausg.als adv.: die geheimhaltung des vorstehend dargelegten planes 2, 271; ich habe dir vorstehend eine beschreibung der wegnahme von Alsen gegeben Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 408. — in fester wendung: das hat grund und kraft aus den wortten Christi Petro, wie vorsteet, zugesagt Berth. v. Chiemsee t. theologey 64 R.; (die wunde) alle tag möcht gerainiget und gesaubert werden, wie vorsteet Braunschweig chirurg. (1539) 25b; dieses geschah nun dictando, wie vorsteht Göthe IV 35, 287 W., vgl. IV 8, 62; als aber graff Craffto auff ein landtag gen Oberwinterthur reytende, als vorstehet, erstochen Stumpf Schweizerchron. (1606) 421b. — seltener, mit einem dativ verbunden: man durchgehe nur den inhalt der betrachtungen, der dem buche vorstehet Göthe 37, 252 W.; vgl. 49, 358; übrigens würde sie (eine abhandlung) ... doch wohl nicht eigentlich als einleitung ihm (dem buche) vorstehen Schopenhauer 1, 11 Gr.ungewöhnlich auch alleinstehend: beider dichter leben von Argelati stehet vor (jetzt lieber: geht voraus) Lessing 19, 109 Petersen. [] 55) in der jägersprache vom jagdhund, der, nachdem er das wild aufgespürt hat, stehen bleibt und dadurch den jäger aufmerksam macht; 'vorstehen, vor einem gefundenen wild stehen und dasselbe zeichnen, gewöhnlich vom hühnerhund, aber auch vom saufinder gesagt' Kehrein waidmannsspr. (1871) 314; vgl. Leopold hwb. d. ökonomie (1805) 522a: zu dem federwildprett ... praucht man wachtelhund, die suchen wol und stehen vor, daher heyszens auch vorstehende hund Sebiz feldbau (1579) 577; hatte zween leythunde, zween strick winde, ... einen vorstehenden hund und einen falcken bey sich Moscherosch ges. (1650) 2, 164; einen hund, den er zum vorstehen ... abrichten will Hohberg georg. curios. (1682) 1, 96; überhaupt kann man auch mit einem vorstehenden hund oder stöber die junge und lichte hölzer absuchen Stahl gewehrgerecht. jäger (1762) 205. — von gleichem verhalten eines hundes auszerhalb der jagd: stund, wenn er auch noch so hungrig war, einem ieden stückgen brod vor und rührte gewisz eher nichts an, bis man ihm das zeichen gab Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 2, 566. 66) prägnant, vor einem gericht oder einer behörde sich persönlich einstellen, vgl. vorstand 1 a: vorstehen, vor halsgericht stehen Hulsius-Ravellus (1616) 390a; er ist mit einer dirne vorgestanden Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 943c; vorstehen, vor gericht stehen Rädlein (1711) 1017a; Frisch 2, 327c; vorstehen müssen Adelung; die parteien sind (haben) heute vorgestanden Campe (als veraltet): wenn sie nach der zeit mit mir auf der stadtvoigtei vorstehen sollte Bernd lebensbeschr. (1738) 1, 75; dasz ihr mit unserm vetter auf dem rathhause vorstehen und ihm helfen solltet J. E. Schlegel (1762) 2, 54; wenn sie (ein gefallenes mädchen) nicht, wie man in dortiger gegend sagt, 'vorgestanden' hat, d. h. vor versammelten presbyterium in der kirche ihre schuld bekannt (hat) W. H. Riehl naturgesch. d. volkes (1851) 3, 225. ich werde bald nach Dreszden gehn, um im termine vorzustehn Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 411. in allgemeiner anwendung wie dastehen: in der ecke ist sie vorgestanden A. Gryphius Horrib. 36 ndr., vgl. 7. 77) die vorstellung eines dinges oder einer person, vor denen jemand oder etwas steht, kann ganz zurücktreten, so dasz vorstehen eine ganz allgemeine bedeutung annimmt; dieser gebrauch ist besonders in älterer sprache ausgebildet; so bedeutet es dann: vor augen stehen, vorhanden sein, vorliegen, in betracht kommen, zu gebote stehen u. ä. (vgl. auch unten 15), wobei es doch auch wiederum mit dem dativ verbunden werden und sich der eigentlichen vorstellung nähern kann; vorstehend, gegenwertig, praesens Dentzler clavis ling. lat. (1716) 338a; hierbei ist der übergang zu bevorstehend (s. unten 9) leicht, wenn etwas von der gegenwart aus noch in die zukunft reicht: in vorsteender kreiszsach abschiedt d. reichstags zu Augspurg (1555) 24a; (wie es mir) die zeit und vorstehende gelegenheit und noth an die handt gegeben Moscherosch insomn. cura parent. 12 ndr.; die vorstehende difficultäten Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 9; bey der damals fürgestandenen gelegenheit des gehaltenen churfürstentages christl. concordienb. (1739) 8. — in besonderer verbindung: nd. vörstahnd glas, das man jemandem zutrinkt Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 385. — freier: erkenn ich die stimm Christi in dir vorstehendt sein und redent Nas d. antipap. eins u. hundert (1567) 3, 107a. — mit dem dat., zustehen, zu gebote stehen, zu teil werden u. ä.: ich waisz, das im bey fünfhundert cronen vorgestanden sind, die weil und er hie gewesen ist Fortunatus 14 ndr.; englischen geysten sein vorgestanden zwen stände (sie hatten die wahl zwischen ihnen) Berth. v. Chiemsee t. theologey 162 R.; da tägliche gefar einer kranckheit oder desz tods vorstehet Sebiz feldbau (1579) 4; dem cheruskischen hause wäre in tausend jahren kein gröszer glücke vorgestanden Lohenstein Armin. (1689) 2, 1302b; fragstu denn, wa in die war herkem, vorgestanden were Murner d. mülle 1287; [] wasser und erd geben uns broth, allerley speisz mus uns vorstehen Rollenhagen froschmeuseler (1595) L l 7a; von göttern der krieg entspreust und disz vorstehend unglück fleust Spreng Ilias (1610) 33a; in prägnanter anwendung: von pfändern, zur einlösung bereitstehen, so dasz sie nicht verkauft werden dürfen Dähnert 532b; vgl. auch Schiller-Lübben 5, 458b. 88) in gedanken vorschweben: da man noch neulich an der existenz wirklicher arbeiten dieser art, die dem Homer (bei der beschreibung des schildes) vorgestanden haben können ... zweifelte Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 4, 311. — diese anwendung ist früher häufiger gewesen als jetzt: es ist als ob jenen groszen autoren die menschheit reiner vorstand Herder 17, 149 S.; in diesem sinne oft bei ihm, vgl. z. b. 15, 417; 16, 376; 23, 62; 22, 210; auch von personen: sie sollen mir aber, liebster Müller, oft vorstehen 12, 365; 23, 22; der erste lateinische vers, dessen gegenstand mir lebendig vorsteht Göthe III 1, 182 W.; es ist nicht ... das blinde glück, das die königliche insel (England) zu der kraft und höhe erhoben, in der sie dir vorsteht Pestalozzi (1819) 6, 303; was mir nun klar und bündig vorsteht, noch nicht so vorstand, als ich es ausarbeitete lebensnachrichten über B. G. Niebuhr (1839) 3, 200; meiner erinnerung steht noch lebhaft vor, wie vieles ihnen in dem fünften band gelungen ist briefw. zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 50; (die höhere natur,) die ihm als leitbild vorsteht Paul Ernst tageb. eines dichters (1934) 341; ich fürchte gar, ich werde noch verrückt. so steht mir alles vor, so mahnt mich alles Tieck (1828) 2, 200. es stehet mir vor, 'es ahndet mir; ein nur im gemeinen leben üblicher gebrauch' Adelung: einen grusz an Fallenstein, ob ich ihm nicht den Zeitvertreiber geschenkt habe? es steht mir so vor briefw. zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 114. 99) bevorstehen; ist das zukünftige unmittelbar nahe gerückt, so berührt sich diese anwendung mit der unter 7 behandelten; in diesem sinne wird das verb. in älterer sprache auszerordentlich oft gebraucht, während es jetzt durch bevorstehen verdrängt ist; er weiszt nit, was unglück im vorstat Frisius dict. (1556) 866a; es steht mir eine krankheit, ein unglück vor Schwan nouv. dict. (1783) 2, 977b: dir stat noch ein langer weg vor Geiler v. Keisersberg schiff d. pen. (1512) 60; wir verachten daneben künfftige straff, so uns vorsteet Berth. v. Chiemsee t. theologey 220 R.; yetzt mag ich wol ermessen, das ein schwer urtel uns vorsteet Eberlin v. Günzburg 2, 74 ndr.; mir wäre die vorstehende verhör mit i. f. g. und der landschaft auf morgen gar wol wissend Schweinichen denkw. 70 Ö.; auf vorstehend pfingsten verh. d. schles. fürsten u. stände 1, 28 Palm; so siehet mancher, was andern vorstehet, und sein unglück weisz er nicht Lehman floril. polit. (1662) 1, 482; Herodotus schreibet, dasz der Minervae priesterinn bey vorstehendem unglück gehlings ein groszer bart hervorgewachsen Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 159; freuete sich also auf das den nechsten morgen vorstehende feyer Lohenstein Armin. (1689) 2, 172a; es stehet mir nemlich eine heyrath ... vor Menantes allern. art höfl. u. gal. zu schreiben (1718) 592; dem part. praes. wäre besorglich eben dergleichen schicksal vorgestanden Breitinger krit. dichtk. (1740) 2, 148; die ehre die ihr vorstehet Hippel lebensl. (1778) 2, 232; (er) dachte seiner vorstehenden unterhandlung nach Göthe 21, 82 W.; bey eröffnung des vorstehenden reichstags Klinger (1809) 3, 66; konnte der meisterin kaum sagen, was ihr vorstuhnd Pestalozzi w. (1927) anh. 3, 588; besonders, wenn grosz unglück ... vorstand dt. sagen (1891) 1, 24; merck, wann die sonn inn lewen goht, dir ein mercklichs glück vorstaht Wickram 4, 16 B.; thust du doch, als stünde dir ein treffen vor Lessing Nathan 3, 4; [] gröszre trauer zu bestehen stehet deiner seele vor Brentano (1852) 3, 358. nd. dat steit mi gewaltig vör, ich sehe der sache ungern entgegen Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 480. 1010) so vor etwas stehen, dasz die aussicht darauf oder der zugang dazu versperrt ist; etwa vorston, im wäg ston, obsto Frisius dict. (1556) 898b; die banck, der tisch etc. stehet vor, ich kan nicht hintergehen; einem vorstehen ..., dasz man ihn nicht sehe Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 943b; vgl. Frisch 2, 327c; man siehet nichts, es stehet etwas vor, 'besser davor' Adelung (was für den gebrauch der neueren sprache nicht zutrifft): dann würden wir, wenn der wald nicht vorstände, den wald des heiligen Thomas sehen Stifter s. w. 9, 45; sonst haben auch hier gebäude vorgestanden und selbst diesen theilweisen anblick versperrt Laube (1875) 4, 25. 1111) von dieser bedeutung des versperrens aus entwickelt sich in älterer sprache die anwendung von hindern, sich zur wehr stellen, widerstehen u. ä.: Carolus wolt disem unglück bey zeit vorston Seb. Franck chron. Germ. (1538) 66a; sie (fichten) hindern licht und lufft und stehn dem wachsthum vor, allein er (palmbaum) drängt sich durch Günther ged. (1751) 726. Conrad sorget, er möcht seinem (des gegners) gewalt nit vorstehn, zohe zurück wider in Apuliam Seb. Franck a. a. o. 184b; dann dem geschütz ... schier keine natürliche noch mit gebäuw wolverwarte befestigung mehr vorstehen oder sich lang dagegen halten kann Fronsperger kriegsb. 2, vorr.; nach dem ... das land wider eyngenommen ward, war ihn noch ein einige statt vorgestanden buch d. liebe (1587) 104c; keiner kondt im allein vorstahn, und fellet sie all nacheinander H. Sachs 17, 476 K.-G. freier: der fleisz thuots, dem steht nicht vor (könnte aber auch nach 12 verstanden werden) Seb. Franck sprüchw. (1541) 25a; und ist so ein fressig ding umb die zeit, das dero nicht vorstehet sprüchwörter (1548) 164b. 1212) aus der bedeutung voranstehen, weiter vorstehen als ein anderer entwickelt sich die anwendung im sinne von mehr wert sein, mehr leisten, übertreffen; auch dieser gebrauch gehört mehr der älteren sprache an; doch kann vorstehen durch ein gegensätzliches nachstehen gestützt werden: so findig, künstlich (war Albrecht Dürer) ..., das im nicht vorstund, und sein gleich mit künstlicher hand nit lebet Seb. Franck chron., zeytbuch (1531) 243a; an liebe und achtung gegen seine besten schriftsteller (wenige ausgenommen) stehet Deutschland seinen cultivirten nachbarn ... nicht vor, sondern nach Herder 17, 309 S.; auch Hesiod, der an ächtheit jenem weit vorsteht 25, 316; (es würde) die fähigkeit des publikums, zu kleinen autoren herabzusinken, seiner andern, zu groszen hinaufzusteigen, sehr weit ... vorstehen Jean Paul 48, 23 H.; ich stand den übrigen knaben an kenntnissen vor Immermann 5, 160 B.; steht das bild andern an arbeit bedeutend nach, so steht es durch diese höhere eigenschaft der kunst ihnen ebenso bedeutend wieder vor Stifter (1904) 14, 228; ob die inneren decorationen ... an kunstfertigkeit vor- oder nachstehen Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 54. 1313) die verbindung mit dem dativ ist nun aber in anderer richtung im entwickelten nhd. reich entfaltet. von der bedeutung des voranstehens aus entwickelt sich der sinn des führens, leitens, bestimmens, regierens (vgl. vorstand, vorsteher). das subjekt des verb. musz zunächst ein persönliches sein, während im dativ personen, kollektiva, auch sachen und abstrakta mit dem verb. verbunden werden können. wenn auch dies die häufigste anwendung des verb. im entwickelten nhd. ist, so zeigt sich doch im folgenden, dasz manche wendungen der älteren sprache später selten oder gar nicht nachgebildet werden. 13@aa) als führend, leitend, befehlend, regierend im verhältnis zu personen stehen. [] 13@a@aα) dasz der nicht täuglich eyner gemeyn forzustehen, der ihm ein eygenen herd zuversehen nicht getrauwet Fischart Garg. 101 ndr.; ain groszer herr sein, oder anderen leuten vorstehen, ist das schwerest ding auff erden Mayr sprüchw. (1567) d 7a; ein fürst oder oberster, so der christenheit vorstünde Pape bettel- u. garteteufel (1586) z 6b; einem volcke klug und treulich vorstehen Lohenstein Armin. (1689) 1, 681b; der glückliche ist nicht geeignet, glücklichen vorzustehen Göthe 20, 378 W.; vgl. IV 1, 255; III 11, 254; ein solcher mann ... scheint wohl geeignet, um mehren nationen zusammen vorzustehen Ranke (1867) 35, 94; der theure Friederich, den wir von gott erbeten, nach Friedrich Wilhelms art uns künftig vorzustehn Besser (1732) 1, 62; die wenigen, geschaffen, dieser menge durch wirken, bilden, herrschen vorzustehen Göthe 10, 262. etwa wie den vorsitz führen, vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1677; Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 943c: nun musz ich gehn, um der gemeinde vorzustehn Rückert (1867) 4, 93. 13@a@bβ) vom geistlichen; ecclesiastes ein prediger, so einer gemeinde vorsteht Calepinus dict. XI ling. (1598) 458b: er nam in dem christlichen glauben also zuo, das man achtet, er möcht jetzt einer gemeyn vorsteen und andere leeren Seb. Franck chron. Germ. (1538) 43a; er nahm auf der kanzel den rührendsten abschied von seiner gemeinde, der er dreiszig jahre vorgestanden hatte Schubart leben u. gesinn. (1791) 2, 67. — schullehrer, erzieher: aber die nüchternen subjecta, so oft der classen vorstehen Lenz 1, 18 Tieck; was für verdrusz es sey, der jugend vorzustehn ... ist dieser kiel zu schwach vollkommen auszuführen Neukirch anfangsgründe zur t. poesie (1724) 467. orchesterleiter: würdig und fähig ..., einem orchester mit nutzen vorzustehen Quantz anweisung d. flöte zu spielen (1789) 6; Holtei erz. schr. (1861) 12, 13. — in besonderer anwendung von regierenden planeten: der marckjuncker Mercurius, welcher ... dem geltmelckend geitzbürstlein ... vorstehet Fischart praktik 14 ndr. 13@a@gγ) veraltet von militärischem kommando: leytenampt ..., welcher neben mir euch führen und vorstehen soll helffen Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 28; (ich) habe derselben (garde zu fusz) auch als obristlieutenant so lange vorgestanden, bisz ... v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) vorbericht 12; die consuln, welche zweyen der heere vorgestanden hatten Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 409; (du) stehst vor Friedrich Augusts heeren Gottsched ged. (1751) 55. 13@a@dδ) in bildern aus dem hirtenleben: es scheint, er (regirender bürgermeister) sey vom Pan recht so herd als hirten vorzustehn ausersehn, bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 77; Phöbus, der dich, herr, ersehen, seiner heerde (einer universität als rektor) vorzustehen Neukirch ged. (1744) 16. 13@a@eε) ohne den dativ: eyn fürst soll vorstehen mit sorgen Agricola sprichw. (1534) b 6b. — part. präs.: die vorstende bischof und superintendenten Sleidanus reden 177 Böhmer.substantiviert: zween fürtreffenliche vorstehnder der kirchen zu Rom Graszer schatzkammer (1610) 256; vermengung mit vorstender, vorständer. 13@a@zζ) mit der leitung, regierung verbindet sich leicht die vorstellung der fürsorge, die in älterer sprache prägnant hervortreten kann, übergehend auch in die bedeutung von schützen, verteidigen, wobei wieder annäherung an die sinnliche bedeutung des verb. stattfinden kann: ein guter hauszvater, der seinem hausz und kindern trewlich vorstehe Mathesius Sarepta (1571) 151a; ihr (der frau) vorstehen und also die gezeugte kinder beschirmen Lorichius paedagogia principum (1595) 150; damit ich euch (meinen kindern) noch ein zeitlang vorstehen möchte Heinrich Julius v. Braunschweig 162 Holland; von wegen der vormundschafft, [] damit er dem jungen ... Carolo vorstund Stumpf Schweizerchron. (1606) 240a; so hat er (der priester) dennoch besorglich ihrer seelen nicht wohl vorgestanden Spee cautio crim. (1649) 146b; (er) dahero dem herrn vater ... bey seiner handlung nützlich vorstehen ... könte d. Leipz. avanturieur (1756) 2, 67; wol mich, sprach Kriemhilt,daz ich den man gewan, der mînen lieben vriundensô wol tar vor stân Nib. 835; den Teucer, der dich wol mit trutz bewachen wird und dir vorstehen, auch mit nahrung dich wird versehen griech. dramen 2, 91 Dähnhardt; nd. verteidigen: du steist hum altîd för, wen ik hum berispe ten Doornkaat-Koolman 1, 545a. 13@a@hη) in älterer sprache begegnet dann auch sich vorstehen, für sich sorgen oder sich selbst in richtiger weise leiten: dasz ihr vorhin dazu geschickt wäret und gelernt hättet ..., euch und den ewerigen mit gott wohl vorzustehen Moscherosch insomnis cura parent. 73 ndr.; den aal bey dem schwantz erwischen, ist, ihm selbst nicht wol vorstehen, dasz man endlich umb das seinige kommt Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 2; wir müssen euch andere oberaufseher setzen, weil ihr euch selbst bisher gar unvernünftig vorgestanden schles. Robinson (1723) 1, 128. 13@bb) auszerordentlich häufig ist im entwickelten nhd. die verbindung des verb. in dem unter a behandelten sinne mit einem unpersönlichen dativ, wobei allerdings im dativ personen mit einbegriffen sein können. auch abstrakta begegnen im dativ, wenn z. b. die leitung einer handlung, einer tätigkeit bezeichnet wird. eine reihe von festen verbindungen ist entstanden, auch hier zeigt die ältere sprache gröszere freiheit. 13@b@aα) einem reich, lande, einer stadt vorstehen, wobei natürlich die personen eingeschlossen sind; res publica wird in älterer sprache mit gemeiner nutz, gemeines wesen wiedergegeben: imperii moderari frena seinem reych vorston Frisius dict. (1556) 581b; dem gemeinen nutz vorston und regieren, agitare rem publicam Maaler 476d; dem gemeinen wesen vorstehen Stieler 2129; so kündt er dem königreich nymmer vorstehn Schumann nachtbüchl. 319 B.; Eduardus der acht ..., der jetz dem reich vorstath Münster cosm. (1550) 59; die dem gemeinen nutz vorstehen Stumpf Schweizerchron. (1606) 312b; dem reich wol vorstehen sey besser, als dasselbe zu vermehren Lehman floril. polit. (1662) 3, 261; schon mehrere jahre steh ich im namen meines fürsten einer provinz vor Göthe 25, 217 W.; ministerium, welches ihm (dem lande) zwei jahre lang vorsteht Bismarck polit. reden 1, 263 Kohl; das frewlein, das ie forthan dem küngreich selb sol vorsthan H. Sachs 13, 14 K.; (wir) finden unter uns kein mann, der der stadt und land möcht vorstahn Ayrer 1, 82 K.; anstatt zum schutz des volks dem lande vorzustehn Platen 2, 250 R. 13@b@bβ) dem regiment (ältere sprache), der regierung vorstehen: wer seinem hausz nicht recht lebet und dasselbe regieren kan, wie kan er dem regiment vorstehen Lehman floril. polit. (1662) 3, 115; derer, die dem römischen regiment vorgestanden hätten Schupp (1663) 556; weilen er in abwesenheit des herrn vaters der regierung vorstehen muste Besser (1732) 2, 629; dasz sie sich zu krank und hinfällig fühle, um der regierung länger vorzustehen A. v. Arnim 1, 183; so würd für sollich kurtzweyl er viel basz vorstehn dem regiment H. Sachs 2, 41 K. 13@b@gγ) eine feste verbindung ist einem amte vorstehen: tragen den grafennamen von dem ampt, dem sie vorstehen Stumpf Schweizerchron. (1606) 312b; denn ich gar wol weisz, das ... weder offentlichen noch privatämptern mit versen könne vorgestanden werden Opitz poeterei 4 ndr.; weh mir, wann ich meinem predigtampt nicht soll gegen allen und jeden treulich vorstehen Selhamer tuba tragica [] (1696) 1, 14; so nahm ich das ämtchen an, dem ich seither mit allem fleisz und eifer vorstehe Klinger (1809) 1, 168; (welcher) gleichfalls räuberhauptmann geworden war und seinem amt zehn jahre auf das nobelste vorgestanden Gaudy (1844) 13, 139; als wenn einer ein ampt thut han und dem nicht trewlich vor wil stan Eyering proverb. copia (1601) 1, 161; dein amt, das du bisher geführt, erzählt dein lob, das dir gebührt, da du ihm redlich vorgestanden Gottsched ged. (1751) 112; es wird mir schwer, dem amte vorzustehn Tieck (1828) 2, 220. 13@b@dδ) in entsprechendem sinne dann in mannigfaltiger anwendung wiederum hauptsächlich in älterer sprache für das wirken, leiten, sorgen nach stellung, beruf, auftrag u. s. w.: praesul ein oberister priester Martis, so vorzeiten seinem gottsdienst vorstund Calepinus dict. XI ling. (1598) 1142b; (die kriege sind so kostspielig,) das wir solichen aus unser selbst macht ferrer nit vorsteen mugen quelle von 1486 bei Diefenbach-Wülcker 590; dem selbigen kriegswesen vorzustehn Stumpf Schweizerchron. (1606) 33a; wenn er altershalber seinem handwerk nicht mehr vorstehen kunte Lori samml. d. baier. bergrechts (1764) 489b (von 1616); das sie (die feldscherer) ihrer gefährlichen bedienung nach pflicht und gewissen vorstehen v. Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 179; demselben (dem orgelwerk) gebührend vorzustehen Scheibe d. crit. musicus (1745) 414; dasz Händel und Bach diesen concerten vorstanden Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 259; Ilmenauer bergbau, dem wir mit fleisz und studium mehrere jahre vorstanden Göthe 4, 77 W.; (so lange) die frau dem melken vorstehn (kann) Fouqué altsächs. bilders. (1818) 4, 91; (ich habe) ihr (der schmiede), wiewohl nicht ohne widerwillen vorgestanden Hebbel w. 8, 137 W.; der wolf umhalset ihn (den hund): und als er hurtig trabt, der stelle (als hofhund) vorzustehn, die man ihm angetragen Hagedorn (1764) 2, 26; o kommt, dem festspiel vorzustehn Rückert (1867) 1, 245. ins schlosz zurückgekehrt hatte sie dem thee vorzustehen G. Keller (1889) 3, 215. — in eigentümlicher anwendung: (die zwei angestellten einer bibliothek) reichen auch allein nicht hin, einem ausleihetag vorzustehen Göthe IV 36, 281 W. 13@b@eε) in besonderer anwendung von göttlichem patronat: da sie (die verliebten) so unwitzig gewesen in erwehlung einer ihren passionen vorstehenden gottheit S. v. Birken ostländ. lorbeerhäyn (1657) 31; Juno, so auch sonsten Zygia genennet wird, weil sie denen hochzeiten mit vorzustehen pfleget Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 957; die gnadenmittel, denen diese angeblich dritte person der gottheit besonders vorsteht D. Fr. Strausz (1876) 6, 19; auf belaubten hügeln mag Lyäus ... selbst geheimniszvoller gährung (der trauben) vorstehn Göthe 2, 107 W.; vgl. 264; schwur mir selber und allen göttern, die der rache vorstehn Immermann 16, 317 B. 13@b@zζ) besonders oft auch von der leitung einer anstalt irgendwelcher art: der 16. jar der schuol zu Augsburg vorgestanden Stumpf Schweizerchron. (1606) 121b; Lessing lebte damals in Hamburg und sollte einer bühne vorstehn Herder 15, 500 S.; die cameralakademie zu Maynz, welcher der bekannte herr v. Pfeifer vorsteht Göthe IV 30, 29 W.; als ich noch der Göttinger bibliothek vorstand J. Grimm kl. schr. 3, 13; in Freiburg (hatte er) ... der bursa zum Pfauen vorgestanden Ranke (1867) 1, 280. 13@b@hη) eine feste verbindung ist wieder dem hause vorstehen, wobei die wirtschaftliche leitung neben der fürsorge für die personen betont werden kann: (sie) kundt auch dem hausz wol vorstan Wickram rollwagenbüchl. 15 Kurz; wer seinem eignen hausz nicht weisz vorzustehn Äg. Albertinus hirnschleifer (1664) 113; sie ist geschickt genug, [] deinem hause vorzustehen Lessing 2, 11 M.; ein frauenzimmer, gebildet einem groszen hause vorzustehn Göthe 24, 85 W.; drum wünsche nicht, das die, so vorsteht deinem hause, mit versen sich bemüh und in poeten mause Rachel satyr. ged. 113 ndr. 13@b@thθ) ähnliche verbindungen: damit die hausväter ... lernen ihren haushaltungen vorstehen Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 105; eine brave frau zu sein ... und deiner haushaltung vorzustehen Göthe 38, 77 W.; G. Keller (1889) 6, 241; ein vater hat mit sorgen dem haushalt vorzustehn Rückert (1867) 1, 122; die treue gattin, die indesz ihrem hauswesen vorgestanden Knigge umgang mit menschen (1796) 2, 40; Göthe 44, 209 W.; H. v. Kleist 3, 160 E. Schm.; A. v. Arnim 8, 164; freier: der sorge vorzustehn des hauses und der zeit Rückert (1867) 8, 12. ein weib müsse ... der wirthschaft vernünftig vorstehen Schwabe belust. (1741) 2, 552; Voss antisymb. 2 (1826) 188; fahr fort, wie du bisher gethan, der wirthschaft treulich vorzustehn Triller poet. betracht. (1750) 6, 781. darmit wir den gutern nit mer vorstan kunden Franz d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 155; ich spürete auch gleich, was vor leute meinem hof vorstunden Grimmelshausen Simpl. 404 ndr.; so ist allewege besser, seinem gut selbsten vorzustehen Hohberg georg. curios. (1682) 1, 19; wenn z. e. die gnädige frau eine wittwe ist und den gütern vorstehet Hippel lebensl. (1778) 1, 424; wohlhabend ist jeder, der dem, was er besitzt, vorzustehen weisz Göthe 23, 42 W. 13@b@iι) das verb. wird gern, besonders in älterer sprache, mit unbestimmten dativen wie sache, geschäft, arbeit u. ä. verbunden: einem handel vorston, praesse alicui negotio Maaler 476d. — wie sie der gantzen sachen vorgestanden Xylander Polybius (1574) 118; konnte ich meiner sachen zu Mertschütz übel vorstehen Schweinichen denkw. 166 Ö.; in seiner, des königs, abwesenheit den sachen vorzustehen Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 8; um meinen sachen vorzustehen Göthe 43, 253 W.; (dasz er) den sachen schon mit voller männlichkeit vorstand G. Keller (1889) 4, 199; es geht nicht, dasz ein alter, kranker mensch der sach vorsteht L. Thoma ges. w. 4, 9; doch, wie sie vorsteh ihren sachen, das wird sie selbst in kurtzen sehn S. Dach 462 Ö. gleich als ... gott allen besondern dingen vorzustehen entweder zu unachtsam oder zu ohnmächtig wäre Lohenstein Armin. (1689) 2, 171b. — (schreinhalter,) der ... desselben absonderlichen schreinsgeschäften vorstehet Zesen Helicon. rosentahl (1669) 18; in die geschäffte, denen man vorsteht, ordnung ... zu bringen J. E. Schlegel (1761) 3, 320; der wirth (wollte) noch einigen geschäften vorstehen Göthe 24, 17 W.; vgl. IV 28, 354; IV 39, 238; Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 2, 387. — nur zwei beschäftigungen ..., denen er aber auch desto pünktlicher vorsteht Thümmel reise (1791) 3, 143; G. Forster (1843) 7, 129. hätt mich der allmächtig versehn, diesem werk länger vorzustehn Opel-Cohn dreiszigj. krieg 331. dasz sie ihrer arbeit recht vorstehen können Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 46; er stand seiner arbeitso fleiszig vor, dasz ... Tieck (1828) 4, 228; (ich) weisz mir nicht weiter zu gehn, noch einiger arbeit vorzustehn Ayrer 4, 2201 K. 13@b@kκ) einige vereinzelte und ungewöhnliche wendungen: die kriegskunst betreffend ist er (Cäsar) 50 feldschlachten vorgestanden graf Brandis d. tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 40. — (pabst Liberius,) nach dem er erstlich der warheit (dem orthodoxen glauben) wol vorgestanden Fischart bienenkorb (1588) 227b; dasz derjenige billig [] dem wize vorstehen sollte, der die natur selbst unter sich gebracht hätte (Aristoteles) Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 81. — die dem recht vorstehen, sind oft die ungerechtesten Herder 16, 169 S.; vgl. Fischer schwäb. wb. 2, 1677. ein juiz oder richter steht den civilgesetzen auf jeder insel vor G. Forster (1843) 2, 448. — wo er seinen pflichten treulich vorstehend eine zeitlang verweilte Göthe 36, 14 W.beachtenswert ist der gebrauch des verb. in folgender stelle: wer dem glück kan vorstehen, der kan vil mehr dem unglück vorstehen (wer das glück richtig zu gebrauchen weisz, der kann auch mit dem unglück fertig werden) sprichw. (1548) 140b; hierzu vgl.: alt bin ich vor wehen, vor kümmernisz grau; kann nicht mehr vorstehen so rüstiger frau (dem glück) Rückert (1867) 2, 119. 13@cc) das subjekt ist unpersönlich: die natur steht allen gliedern vor Kramer t.-ital. dict. 2 (1702) 943c; nach Bell steht er (ein nerv) nur den unwillkürlichen athembewegungen der genannten muskeln vor Sömmerring vom baue d. menschl. körpers (1839) 4, 516; vgl. 5, 490; unter leitung des schönheitssinnes, der durchgängig dem geschlechtstriebe vorsteht Schopenhauer 2, 633 Gr.; (einfalt der sitten,) o hebe lange noch dein vaterland empor, steh unsern söhnen einst, wie unsern vätern vor Haller ged. 92 Hirzel. 13@dd) hier ist auf die nachwirkung der bibelübersetzung hinzuweisen: die sonne dem tage fur zustehen ... den mond und sterne der nacht fur zustehen ps. 136, 8. 9; wie wenig männern ist es gegeben, gleichsam als ein gestirn regelmäszig wiederzukehren und dem tage, sowie der nacht vorzustehn Göthe 23, 55 W.; die sonn mit liecht dem tag vorsteht H. Sachs 18, 513 K.-G.; du schufst, dem tage vorzustehen, die sonne J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 20; eben im begriff, das dritte oder vierte licht auszulöschen, das meiner nächtlichen arbeit vorstand Thümmel reise (1791) 5, 408. 1414) ausgehend von der unter 1 und 2 behandelten sinnlichen bedeutung kann das wort wie hervortreten auch übertragen angewendet werden: ohne irgend eine vorstehende leidenschaft Göthe 52, 224 W.; kühner: (ging) mit der gröszten höflichkeit auf Albano zu, in der ein flacher frost gegen alle menschen vorstand Jean Paul (1826) 21, 182. 1515) aus der bedeutung vor augen, bereit zur verfügung stehen (vgl. unter 7) entwickelt sich die anwendung von vorhalten, ausreichen: dasz da vor diesem ein ohm wein hätte drei monaht vorgestanden Sorel von dem leben des Francion (1662) 90; nd. arftensupp is n redig eten, dat steit vör, hält vor, ist ausgiebig Mensing schlesw.-holst. wb. 5, 480. 1616) die alte sprache kann auch in allen fällen, wo jetzt der dativ gebraucht wird, das verb. mit dem akkus. verbinden im sinne von regieren, leiten, vertreten, schützen, betreuen u. s. w.; dieser gebrauch hält sich besonders im nd.; vgl. unter fürstehen II teil 4, 1, 1 sp. 854; Schiller-Lübben 5, 458b; Verwijs-Verdam 9, 1105; de dat rike nicht wol vorstunde dt. städtechron. 7, 7 (Magdeburg); wo hee sin alde erve vor stan unn vorantworden sole Waldecker quelle von 1321 bei Bauer-Collitz 297a; darto Brant Witte ör kumpan moth helpen de kerken vorstan dt. städtechron. 16, 137 (Braunschweig); he kann dat ne vorstahn, er kann das nicht leisten; mit persönlichem objekt: den halfknecht kann 'k sacht noch vorstahn, seinen dienst kann ich wohl noch versehen Mensing schlew.-holst. wb. 5, 480. — aber anders für jemanden eintreten: mir is vil harte ungemah, daz du den wilt vor stan, des here mir hat getan harte vil ze leide Lamprecht Alexander 6295 K. [] auffallend: dasz sie für sich allein schon ein gutes haus vorstehe G. Keller (1889) 8, 254.
37428 Zeichen · 721 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vorstehen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Vorstehen , verb. irregul. neutr. (S. Adelung Stehen ,) welches in den meisten Fällen mit seyn, bey einigen in manchen F…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vorstehen

    Goethe-Wörterbuch

    vorstehen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    vorstehenst.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    vor-stehen st. : 1. 'hervorragen', voʳstehe [verbr.]; vgl. PfWB vorspringen 2. 's Dach steht weit voʳ [ NW-Kallstdt ]. D…

  4. Spezial
    vorstehen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    vor|ste|hen vb.intr. 1 (leiten) presidié (-iëia), ester a ce 2 (vorkragen, nach außen stehen) piché fora, ciaré fora, st…

Verweisungsnetz

22 Knoten, 19 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vorstehen

5 Bildungen · 2 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von vorstehen 2 Komponenten

vorst+ehen

vorstehen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vorstehen‑ als Erstglied (2 von 2)

vorstehenlich

DWB

vorstehen·lich

vorstehenlich , adj. : der du zum verderben deines königs und vatterlands die groszen gaben, die dir gott mitgeteilet hat, beiden nutzlich u…

vorstehen als Zweitglied (2 von 2)

Hervorstehen

Campe

hervor·stehen

Hervorstehen , v. ntr . unregelm. ( s. Stehen ) mit haben , bei Andern mit sein , vor andern herwärts stehen, hervorragen. Das Hervorstehen …

Ableitungen von vorstehen (1 von 1)

Bevorstehen

Adelung

Bevorstehen , richtiger bevor stehen, S. Adelung Bevor .