speuzen,
verb. spuere, vomere. eine intensivbildung zu mhd. spiuwen,
also eigentlich spiuwezen,
vgl. speien (I, 2,
sp. 2074
f.)
und speuen.
lautliche varianten sind spützen, spauzen (
sp. 2010), speizen, spirzen, spurzen,
s. diese. Kluge
6 370
b (
vgl. dazu Franck
anz. f. d. alterth. 21, 312).
die ältesten belege gehören dem 14.
jahrh. an: da sputze er an die erden.
Frankf. handschr. des 14.
jahrh. (
evang.)
bei Dief.-Wülcker 858 (
der sputze
als verschreibung für sputzte
faszt); und sputzten in under die antlitze.
Frankf. urk. v. 1437
bei Lexer
handwb. 2, 1103.
beide stellen vielleicht richtiger zu spützen.
doch läszt sich das wort mit sicherheit schon in einer glosse des 12.
jahrh. nachweisen: pitisso frequenter bibo (
vel spuo)
vel psiwizo (
l. spiwizo),
s. zeitschr. f. d. alterth. 5, 335
a, 504. Steinmeyer
ebenda 15, 16
a, 690
und ahd. gl. 2, 682, 60;
dadurch ist zugleich Kluges
ansatz gesichert. mit speuzen
ist offenbar identisch an. spýta Cleasby-Vigfusson 585
a,
und wol auch nl. spuiten,
engl. spout (
mittelengl. sputen, spouten),
beide in der bedeutung '
spritzen',
obwol hier auch andre möglichkeiten der erklärung vorhanden sind, s. Franck 948
f. Skeat 583
b und spritzen.
zu dem nl. spuiten
gehört: ind hey bespuytzede mit erden de vrauwen alle, de do saessen.
Karlmeinet 185, 39.
so auch ostfries. speiten, speuten (-ern), spoiten, spuiten,
speien, spritzen, wasser einlassen oder durchtreiben. Stürenburg 250
b f. ten Doornkaat Koolman 3, 270
b. — speuzen
ist besonders frühnhd. bezeugt, vgl. Weigand 2, 760
f.: screo ich reuspere, speuze mit hertigkeit. Dasypodius
lat.-germ. (1537); speutzen
bei Alberus (1540) aa 3
b und KK 2
b,
s. Weigand
a. a. o.; spOeutzen,
spuere, adspuere, despuere. einem ins angesicht spOeutzen,
inspuere in frontem mediam hominis. er spOeutzt feüwr, er wirfft ausz dem maul feüwr ausz,
flammas ore vomit. man hats für ein sünd dahin ze spOeutzen,
ubi nunc despui religio est. vast spOeutzen,
sputare. Maaler 381
c (
vgl. Frisch 2, 299
a); speüwen oder speutzen,
spuere, salivam ejicere. Calepin (1570) 1453;
spuere, speutzen, schnuffen. Apherdiani
tyrocinium (1580) 17; speyen, ...
it. spürtzen, speitzen, speutzen, spützen. Kramer
dict. 2, 859
c. —
die litteraturbelege gehören dem oberd. gebiet, zumeist dem Elsasz an, vgl. Ch. Schmidt
hist. wb. d. els. mundart 335
b.
speichel auswerfen: (
im bilde:) nit speutz nür eyn clein weniglin als etliche thn die do hofflich wöllen usz speuwen, ruspel dich redlich, sag die grossen sünden dapfferlich uszher. Keisersberg
bilg. 153
b; (
zur messe) sol gehören, das reuchen, corporal, kelchwüschen, niessen, speutzen. Murner
künig usz Engelland, s. kloster 4, 949; und zwar so hat dieser phlegmatische unrath seinen auszgang in den pferden fast einig unnd allein durch die naszlöcher, denn sie sind von natur also nicht beschaffen, dasz sie jhme durch das husten, reuszperen oder speutzen könten abhelffen. Uffenbach
neues rofsbuch (1603) 8; als hernach ein ander gut gericht auff den tisch gesetzet worden, wuste Demylus nicht, wie er es anstellen solte, dasz jhm sein gesell nicht widerumb einen solchen eintrag thAete, speutzet derhalben in die schüssel, dasz alle die, so an der taffel gesessen, einen eckel darob bekommen. Garzoni
piazza universale (1612) 880
a.
mit object: es ist umb uns prediger wie umb ein schneider. ein schneider der nimt dz mul vol wasser, er trinckt es aber nit, es berürt im ouch daz hertz nit, und daz wasser speützet und sprengt er uff das thuoch. also ist es umb uns prediger, was wir predigen, das gat nur vonn dem mund her, es kumpt nit vom hertzen. Keisersberg
emeis 24
b.
mit besonderer bedeutung: der aber zum obristen gehangt, hat in die hendt gespeuzet, sich dester fester zu erheben und zu erhalten.
Zimm. chron.2 1, 318, 12; und so oft hernach der koch die zwen finger uf die nasen teute, so speuzet sie gegen im auss, thet findsellig, macht damit ir selbs ain gespött und andern ain kurzweil. 2, 505, 36. —
heute in westlichen mundarten erhalten, so schweiz. speuze, -a 1)
spucken (der tüfel speuzt,
wenn man jemanden anspuckt); 2)
fauchen, von katzen; 3)
seinen widerwillen wogegen ausdrücken (ab öpisem speuze). Hunziker 246. Tobler 378 (
danach auch '
mit geräusch platzen, springen, von trockenen oder feuchten dingen, wenn sie ins feuer kommen'). Seiler 271
b, speutzen, -eln (
nebenform spölzeln)
spucken, heftig zürnen. Stalder 2, 382,
vgl. auch Schm. 2, 692;
hess. speuzen, spoizen, speizen, spauzen,
s. Pfister 280. Kehrein 1, 380;
thür. šbyz, šbiz(e) Hertel
sprachsch. 231.
Salzunger wb. 44 (
vgl.spützen).
ostfries. speuten
s. o.