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getrost

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

getrost

Bd. 6, Sp. 4544
getrost , participiales adjectiv zu trösten (s. d.). neben der attributiven verwendung treten hier vor allem adverbiale functionen hervor. wie schon die äuszere form durch den mangel des umlautes auf eine frühzeitige isolierung vom verbalstamme hinweist, so machen sich auch in dem bedeutungsgehalte des adjectivs züge geltend, die am verbum eigentlich nur auf früherer sprachstufe zu bemerken waren. den ausgangspunkt aller dieser erscheinungen bildet die etymologische verwandtschaft von trösten, getrost mit getreu, trauen, getrauen. II. ältestes auftreten, formen, bedeutungsentwicklung. I@11) I@1@aa) die ältesten belege bietet Otfrid, der das particip noch durchaus als verbalnomen verwendet, in bestimmtem zusammenhange jedoch mehr die nominalen functionen ausbildet. nach der seite der bedeutung stehen sich bei ihm zwei verwendungsgruppen gegenüber. I@1@a@aα) allgemeiner gefaszt und der grundbedeutung näher stehend erscheint die bedeutung vertrauensvoll, von der sich wiederum die sonderbedeutung furchtlos abzweigt: tház wir so gidróste,fon fíanton irlóste únfórahtentisin imo thíononti. Otfrid 1, 10, 15; flíhemes thio úbili,thiu únsih geit hiar úbiri, ílemes gidróstezi hímilriche irlôste. 5, 23, 75. hieran knüpft von althochdeutschen belegen (Graff 5, 478) noch eine Vergilglosse fretus, kitroster. Steinmeyer-Sievers 2, 662 für Aeneis 8, 143: so wird beider geschlecht von einerlei blute getheilet. dessen getrost, hab' ich weder mit auftrag boten, noch irgend schlau vorfühlende künste gestellt. Voss a. a. o. I@1@a@bβ) enger gefaszt ist eine andere bedeutung, die unter dem einflusse der verbalfunction steht, getrost, getröstet, ermuthigt. es macht sich hier die vorstellung geltend, dasz die durch das adjectiv bezeichnete seelenstimmung als vorbedingung eine umwandlung des gemüthes voraussetzt: so siu gisah then lióban man, int iru thaz hérza biquam, tho spráh si zi themo kínde mit gidróstemo sinne Otfrid 1, 22, 42. I@1@bb) die psalmenübersetzung bietet unter dem einflusz der lateinischen vorlage für frühzeitige substantivierung des particips (vgl. unten sp. 4552) ein beispiel, das sich bis in die spätkatholische bibel hinein erhält: gedan sin wir also die gedroste. Trierer interlinearversion psalm 125, 1 (facti sumus sicut consolati; do wurden wir samo so getröstet. Notker); ebenso Windberger psalmen; geschaffen si wir alse di getrostin. Trebnitzer psalmen; sein wir worden als die getrösten. Eck; da werden wir wie die getrösten. Dietenberger (bei Luther andere fassung). aus der mittelhochdeutschen dichtung ergeben sich für die nominale entwicklung des particips keine kennzeichen fortschreitender entwicklung. die beispiele, die im mhd. wörterbuch 3, 116a, Lexer 2, 1528 zusammengestellt sind, lassen nur nach der formellen seite hin einen unterschied zwischen bestimmten verwendungen des particips und solchen der sonstigen formen des verbums erkennen. die ausgleichungsbestrebungen, die den themavocal und den umlaut der kurzsilbigen stämme auch bei unserem verbum einbürgern, erscheinen eben bei diesen bestimmten verwendungen des particips als gehemmt und zurückgehalten. belege für getrôst werden in diesem falle nicht nur von mitteldeutschen sondern auch von oberdeutschen denkmälern geboten. I@1@b@aα) nu vugetez sich in einen tagen, daz si quam so hinab bi des guten mannes grab, da manic mensche wart erlost und mit helfe getrost. pass. 62, 30 Köpke; wer nicht erstarb, der quam wider, daz er wart sêliclîch getrôst und von der heidenschaft gelôst. livländ. reimchr. 10725 L. Meyer. ebenso 11988; ein grâwer munich wart in der nôt aldâ vil snellîch getrôst. 11932. I@1@b@bβ) eines tages si wârn frôlich, wand si getrôst wâren, ez wolt niht sêre vâren ires lebens der Karlot. Ottokar österr. reimchr. 3173, vgl. 4313. I@1@b@gγ) von mittelniederdeutschen belegen weist nur einer ansätze zur isolierung des particips auf: unde lach up sinen bedde quellike getrost. Schiller-Lübben 2, 90a; weiter geht das mittelniederländische, vgl. Verwijs und Verdam 2, 1755. I@1@cc) in der neuhochdeutschen periode machen sich anfangs nach zwei seiten hin schwankungen geltend. einmal erscheint die form getrost — namentlich in mitteldeutschen quellenimmer noch für das ausgesprochene verbalnomen, und andererseits tritt für das zum adjectiv gewordene particip gelegentlich die umgelautete form ein, letzteres namentlich in oberdeutschen denkmälern. I@1@c@aα) ein stimme ist gehört in Ramâ vile weinens und hûlins: Rachêl weinete ire sne und wolde nicht getrôst sîn. Beheims evangelienbuch, Matth. 2, 18; und sie wolt nit werden getröst. vorlutherische bibel, und wolt sich nicht trösten lassen. Luther; ähnlich Matth. 5, 4. Luc. 16, 25; gedechtic waz ich der urteil din von der werlde, herre, unde getrost bin ich. Trebn. psalmen psalm 118, 52 (consolatus sum). getrostet bin ich. Weinberger und Trierer version; ich bin eingedenck herr deiner urteil .. und bin getröst. Eck; werde getröstet. Luther und Dietenberger; und wurden nit ein luczel getrost. codex Teplensis apostelgesch. 20, 12; bei Eggesteyn getrost, bei Koburcer, Luther und den späteren getröstet; item das gottes volk alle zeit unter dein creutz gewesen und doch wunderbarlich erhalden und getrost worden. Melanchthon anrichtung der lat. schul, Bonn 1543 c 2a. I@1@c@bβ) und Ihesus stand still, und lies ihm ruffen, und sie rieffen dem blinden, und sprachen zu ihm, sei getrost, stand auff, er ruffet dir. Luther Marc. 10, 49 (variante getröst vgl. Reifferscheid s. 53) ebenso Marcus 6, 50; in der welt werden jr haben angst, aber seit getröst, ich habe die welt überwunden. Eck Joh. 16, 33, ebenso Dietenberger (Luther: seid getrost); do wendet sich Ihesus umb, und sahe sie und sprach: sei getröst dochter, dein glaub hat dir geholffen. Dietenberger Matth. 9, 22 (Luther: sei getrost). ebenso psalm 125, 1 die getrösten bei Eck and Dietenberger; er redt gewonlich keck vnd getröst (Democrit). gefragt, wes er sich tröstet, antwort er, der vnschuld vnd seins gwissens. Seb. Franck chronik (1543) 1, 124b. vergl. auch getröst bei Baumann quellen 2, 431 unten sp. 4548; getröst bei H. Sachs vgl. neudrucke 29 s. 26 u. a.; ob mir daraus mag werden gar ein freundlich grus, zu freuden auff dieser erden ward mir mein hertz getrost. bergreihen 47 Meier (variante getröst Berlin- Weimarer druck); in summa, wer sich mit keiner ehgehülffin behilffet, ob er schon der reichste wer, hat er doch nichts das recht sein ist .. hat niemand dem ers pring, der jhm bescheid thut, das sein verwaret, beschlieset, verkramet, dem ers sicher vertrawe, dem ers auch zukünfftig hoffentlich und offenlich könn getröst verlassen. Fischart Gargantua neudruck 100; das weib und ihre kinder aber befanden sich wol getröst und danckten gott umb das empfangne geld. Grimmelshausen (das vogelnest 1, 11). 3, 357 Kurz. Heynatz Antibarbarus 2, 51 tadelt noch den gebrauch von getröst an stelle von getrost, den er in älteren katholischen erbauungsschriften findet. I@22) so ist eszumal bei älteren belegennicht immer möglich die grenzlinie zwischen der verbalform und dem ausgesprochenen adjectiv oder adverb zu ziehen. bestimmte syntaktische verbindungen, wie sie unter II. dargestellt werden, begünstigen die isolierung, andererseits wird in anderen der zusammenhang mit dem verbum um so lebendiger erhalten. in der mitte bleiben verwendungen wie die folgende: kam jn ein ander hauptmann .. zu hülff, und bracht mit jm fünfftzehen hundert pferd, und dreissig tausend z fuesz mit vil elephanten. von den wart Hannibal also getrost, das er den Römern einen streit gab. Schöffer Livius (2) 94b. hier liegt der bedeutung nach das adjectiv, der verwendung nach die verbalform vor, vgl. auch die verse der bergreihen 1, c, β u. a. Henisch unterscheidet getröst, getröstet, solatus consolatus von getrost, starck, fortis 1588. I@2@aa) bei Luther, der die verbindung mit dem verbum substantivum (vgl. sei getrost sp. 4547) auszerordentlich liebt, ergiebt sich in den bibelstellen aus der vergleichung mit der vorlage und mit der sonstigen bibelübersetzung ein bedeutungsgehalt, der nur dem adjectiv, nicht mehr aber der verbalform entspricht. es lassen sich innerhalb dieser verwendungen zwei hauptgruppen sondern: I@2@a@aα) sei getrost meine tochter, dein glaube hat dir geholffen. Luther Matth. 9, 22 (confide filia); tochtir, getrûwe. Beheims evangelienbuch; hab zeversicht. codex Teplensis; vertraw tochter. Eck; sei getröst. Dietenberger (þrafstei þuk Ulfilas); solchs habe ich mit euch geredt, das jr in mir friede habet. in der welt habet jr angst, aber seid getrost, ich habe die welt uberwunden. Luther Joh. 16, 33 (sed confidite); abir getrwit. Beheims evangelienbuch; wan versecht euch an mich. codex Teplensis; aber jr solt getrauen. vorlutherische bibel; aber seit getröst. Dietenberger und Eck (þrafsteiþ izwis Ulfilas). andere beispiele vgl. unter getrauen sp. 4430. I@2@a@bβ) sei getrost, stand auff. Marc. 10, 49 Luther (animaequior esto); wes baz gemtet. Beheims evangelienbuch; sei starkes gemutz. cod. Teplensis; sei gts gemts. Eck und Dietenberger (þrafstei þuk Ulfilas); seid fröhlich und getrost, es wird euch im himmel wohl belohnet werden. Luther Matth. 5, 12 (gaudete et exultate); vrowit ûch und irhebit ûch. Beheims evangelienbuch; frewet euch und derhocht euch. codex Teplensis. ebenso bei Eggesteyn; frewet euch und frolocket. Eck; frewet euch unnd seit frölich. Dietenberger; der teuffel fühlet seines reiches ende, darumb zappelt er also. da last uns getrost, starck und freudig sein im herrn. Luther tischreden (1603) 158b. I@2@bb) auch aus den mannigfaltigen verwendungen der späteren zeit, in wörterbüchern und in der eigentlichen litteratur, treten immer wieder die beiden hauptrichtungen der bedeutungsentwicklung hervor, die sich eben bei Luther beobachten lieszen, und die schon Schottel (635) in seiner definition zusammenfaszte: getrost, fiducia et solatio plenus. I@2@b@aα) wol getröst, vertrauwende und auff etwas verlassende oder bauwende, confidus, animatus Maaler 177d; getrost fidenter Dentzler (1677) 116; getrost plenus fiduciae Weissmann (1715) 155. aus dieser allgemeineren bedeutung entwickeln sich dann sonderbedeutungen, wie furchtlos, beherzt, keck, selbstvertrauend. I@2@b@a@11)) getrost, stark, fortis Henisch 1588; getrost, gehertzt, animoso, intrepido, corragioso Hulsius (1618) 135; getrost, gehertzt, animosus Frisius (1700) 112; courageux, qui a bon courage. dictionaire du voyageur 144; getrost sein to take heart .. seid getrost take courage. teutsch-engl. wb. (1716) 766; getrost sein avoir bon courage Rondeau-Buxtorff 253; getrost, herzhafftig .. der gefahr getrost unter die augen sehen affronter le péril, dem tode getrost entgegen gehen braver la mort Schwan 740; dann nach dem dasselbig gesäng ein fröhlichen hellen oder ein traurigen vnd dunckeln schall geben hat, also seind sie selber auch keck vnd getrost, oder aber hergegen verzagt vnd furchtsam. Micyllus Tacitus (Germania 3) 1280. andere beispiele vgl. sp. 4552; man musz es nüchtern des morgens überlesen, so bleibt man des tags von noth und gefahren völlig befreit, vor'm tode geschützt, vor schmerzen und wunden. tröstet euch, neffe, damit, ich will es morgen bei zeiten über euch lesen, so geht ihr getrost und ohne besorgnisz. Göthe (Reineke fuchs) 40, 207 (hebbet guden trost. Reinke de vos). so werden dreist und getrost von Eberhard versuch einer allgem. deutschen synonymik 2, 48 zusammengestellt; beide stimmen nach ihm darin überein, dasz sie einem subjekt zukommen, dem wir muth und vertrauen beilegen. berührungen anderer art finden mit getorst statt (s. d.). I@2@b@a@22)) auf solcher bedeutung beruhen verbindungen des adjectivs, die an und für sich eher entsprechenden synonymen zukämen, oder die solchen nachgebildet sind: dessen getrost (his fretus). Voss Aeneis 8, 143 s. sp. 4445; ihrer übermacht getrost eilten die Etrusker ihn (Qu. Fabius) anzugreifen; er zog seine truppen auf die hügel, wo der mit steinen übersäete boden selbst geschosz gegen den unvorsichtig andringenden feind darbot. Niebuhr m. geschichte 3, 325; ich bin getrost auf den ausgang. J. v. Müller 13, 307; in diesem sinne mag der verfasser denn auch mit einiger beruhigung auf seine arbeit zurücksehen; in dieser betrachtung kann er wohl einigen muth schöpfen zu dem, was zu thun noch übrig bleibt, und zwar nicht mit sich selbst zufrieden, doch in sich selbst getrost, das geleistete und zu leistende einer theilnehmenden welt und nachwelt empfehlen. Göthe (farbenlehre) 52, 374. I@2@b@bβ) in der mitte zwischen der eben besprochenen gruppe und den vertretern der bedeutung getrost = wohlgemuth halten sich verwendungen, in denen die vorstellung der beruhigung im vordergrunde steht: getrost rassuré. Rondeau-Buxtorff 253; sei er ganz getrost, lieber Miller; das geld hat er längst verdient, und gott bewahre mich, dasz ich mich mit seinem guten gewissen dafür bezahlt machen sollte. Schiller (kabale 5, 5) 3, 491; lasz einem bemühten und geplagten ein wort von dir zu hülfe kommen, dasz er den rest des morgens getrost hinbringen könne. Göthe briefe 6, 5; doch wie ihr mich verläugnet und mein dichten, ich bin getrost, die nachwelt wird mich richten. Geibel ged. (Platens vermächtnisz) 213. I@2@b@gγ) in der anderen hauptgruppe ist es die vorstellung der erheiterung, die sich aus dieser verwendung des begriffes getrost herausarbeitet, sie kommt namentlich in synonymen zu tage, die mit dem worte verbunden werden: I@2@b@g@11)) wol getröst sein, ein käch hertz, oder gte hoffnung haben, confidere animo Maaler 177d; getröst sein haver buon animo e cuore Hulsius (1686) 167; getrost sein, bono animo esse Dentzler (1677) 116; einen getrost machen to comfort .. das kan einen getrost machen that is comfortable. teutsch-engl. wb. (1716) 766; getrost, wohlgemuthet. Bayer (1733) 289; getrost im unglück bonum habere animum in re mala Weissmann (1715) 156. I@2@b@g@22)) darumb wöllend getröst und frölich sein, wenn wir bald zu euch komen und euch geweltigklich retten wOelten, dess solt ir kein zweifel haben. Baumann quellen 2. 431; da hiesz jn sein hauszfrauw getrost seyn, solchen vnmut vnd trauwrigkeit von jm ablegen, vnd seines leibs mit gewönlicher wartung pflegen. Josephus d. krieg (Francfurt 1571) 145b; sei getrost und lächle wieder, was du trägst, o trag's gefaszt! konntest du doch nicht verlieren was du nie besessen hast. Platen (1847) 1, 44. I@2@cc) die bedeutungsentwicklung geht nicht in allen syntaktischen verwendungen die gleichen wege. I@2@c@aα) in der verbindung mit dem verbum substantivum (s. u.) hält sich der bedeutungsgehalt am chesten in den grenzlinien, die oben gekennzeichnet worden sind. hier macht sich mehr eine syntaktische weiterbildung bemerklich, indem das adjectiv das begleitende hülfsverbum abstreift, und für sich allein satzbildend auftritt: getrost, Jesmin, versiegle deinen brief! so wie das siegelwachs am lichte niederlief; so wird der schönen herz, eh nacht und tag verflieszen, von deines briefes glut erweicht zerschmelzen müssen. Gellert (der erhörte liebhaber) 1, 78; hat über euch mehr leiden, Apoll im zorn verhängt, getrost! nicht an die weiden die harfe gleich gehängt. Löwen musenalmanach auf 1771, neudruck 76; und wähnt den Cäsar nicht einen kaufmann, der um trödelwaaren mit euch zu krämern lust hat! drum getrost; macht euer sinnen nicht zu einem kerker. Voss Shakespeare (Antonius und Cleopatra 5, 2 be cheered; sei also gutes muthes Eschenburg 3, 184), Amine. o freundin, konntest du mir meinen freund verführen! Egle. getrost, mein gutes kind! du sollst ihn nicht verlieren. ich kenn den Eridon und weisz wie treu er ist. Göthe (laune des verliebten) 7, 37; Reineke sagte heiter darauf: die gute vermahnung macht mich muthiger gehn.getrost! ich werde der kühnheit und der list auch jetzt nicht vergessen. Göthe (Reineke fuchs) 40, 214; nur getrost, allons, courage Schwan (1782) 740; getrost — ein gewöhnliches aufmunterungswort. Adelung 2, 639. diese interjectionelle verwendung ist in der poetischen sprache auch später noch beliebt: wohl blühet jedem jahre sein frühling mild und licht, auch jener grosze, klare, getrost! er fehlt dir nicht. Uhland künftiger frühling; o weib, sei deines sohnes wert! du hast ihn nicht für dich geboren; getrost, wenn ihn der herr begehrt! Lenau (Savonarola) 2, 208; verzaget nicht, getrost harr aus! 227; doch getrost, du armer pilger, ruhig fort den dornenlauf, auch dein vater naht und schlieszt dir einst die dunkle pforte auf. Hebbel (daskind) 82, 104; Golo. ich wälze meine that, wie einen stein, bergan, und mir ist's recht, wenn sie zuletzt, herunter rollend, mich zermalmt! Katharina. getrost! wenn du's nur klug machst, geht noch alles gut! Hebbel (Genoveva 4, 2) 14, 163. I@2@c@bβ) in attributiver verwendung geht die bedeutungsentwicklung des adjectivs unter dem einflusz der verbundenen substantiva über die oben gekennzeichneten grenzlinien hinaus. weitgehend ist jedoch die entwicklung deszhalb nicht, weil die substantiva, die sich gewohnheitsmäszig dieses attributs bedienen und die allein auch den bedeutungsgehalt desselben beeinflussen, selbst nicht weit abstehen von den beiden hauptrichtungen, die wir feststellen konnten (vgl. sp. 4552). I@2@c@gγ) ganz anders verhält sich das adverbium getrost. hier ist der kreis der verba, mit denen es in verbindung tritt, unbegrenzt, und in jedem falle erhält auch das begleitwort eine andere färbung der grundbedeutung: I@2@c@g@11)) wär er nur unser edelmann gewesen, wir hätten unser leben wohl geliebt, doch er war unser eidgenosz und Bertha ehrte das volk — so setzten wir getrost das leben dran, und stürzten in das feuer. Schiller (Tell 5, 1) 14, 406; aus vollen adern schöpfen wir; metalle stürzen wir zu hauf mit grusz getrost: glück auf! glück auf! Göthe (Faust 5853) 41, 56; es sollte stehn: im anfang war die kraft! doch, auch indem ich dieses niederschreibe, schon warnt mich was, dasz ich dabei nicht bleibe. mir hilft der geist! auf einmal seh' ich rath und schreibe getrost: im anfang war die that! (Faust 1236) 12, 66. andere beispiele s. sp. 4553 ff. I@2@c@g@22)) innerhalb des syntaktischen gefüges unterliegt das adverbium bestimmten verschiebungen, die wieder auf den bedeutungsgehalt zurückwirken. es ist nicht immer klar, auf wen die eigenchaften bezogen werden, die mittelst des adverbiums zum ausdruck kommen, und auf grund dieser unklarheit bauen sich ansätze zu einer activen ausprägung der bedeutung auf; diese ansätze werden jedoch nicht weiter ausgebildet und beschränken sich auf das 16. jahrhundert. hierher gehört eine mit vielen textschwierigkeiten kämpfende stelle aus Luther nach den älteren bibel- und psalmenausgaben: ich will ein heil auff richten, das getrost darinn handeln soll. psalm 12, 6. (im bettbüchlein von 1522 davon man soll freidig widder sie handeln, andere varianten vergl. auf sp. 4554 ff.). vgl. fiducialiter agam in eo an ímo wérchon ih paldo. Notker psalm 11; huffelichen sal ich tun an ym. Trebnitzer psalmen; ich setze ain hail, in dem will ich trostlich handlen. Eck; und getröstlich mit jm handlen. Dietenberger; ähnlich erscheint: da das Esopus merckt, sprach er jhm getrost zu, und sagt, lieber herr, seid zufrieden und bekümmert euch nicht, der sach ist wol rath zu finden. Alberus fabeln, neudruck 14. es liegt hier zwiespaltige beziehung des adverbiums vor; dem wortlaute nach zielt es auf das subject, dem sinne nach auf das object der verbalthätigkeit. eine noch weitergehende verschiebung zeigt sich in einem anderen beispiele aus Luther: jtzt aber mügen sie es getrost verlachen und ihren spot haben, wir wollen aber dennoch beide ihnen und dem teuffel, allein durch das gebete mans gnug sein, wo wir nur vleiszig anhalten und nicht lasz werden. deudsch katechismus 61a, Wittenberg 1529; die bedeutung unbekümmert, ruhig geht nicht auf das subject des verbums, zu dem das adverb gehört, sondern flieszt aus dem gedankengang des darstellenden heraus. I@33) die steigerungsformen treten ebenfalls mit vorliebe am adverbium auf; doch nimmt vereinzelt auch die prädicative verwendung daran theil. die älteren belege zeigen umlaut: weil nu dieser vnser fürst jrer lachet, weis ich nicht, warumb wir weinen sollen, jrenthalben. er lachet freilich nicht seiner, sondern vnserthalben, auff das wir deste getröster sein, jr nichtiges frnemen zu verachten. Luther (an Spalatinus) 5, 43a Jena; den feind desto getröster angreiffen. buch der liebe 207, 2; darumb mag jm wol zu zeiten ein medicus ein reuschlin trincken, nit alleine den bösen lufft und geruch minder einzulassen, sonder auch bossierlicher zusein: der wird ein krancken mutiger und getröster machen, alsz ein langweiliger langschaubiger stirnruntzelter fantast. Fischart Gargantua neudr. 12; dan erstlich hat diser Anicius innerhalb wenig tagen zu wasser vnd zu land, das wilde, grewliche, vnd mit vesten stätten vnd andern orten bewarte, vnd derhalben auch desz getröster, land, die Illyrier bezwungen. Rihel Livius deutsch (Straszburg 1598) 862 (45. buch); damit aber mein weib ihren anschlag desto sicherer und getröster angehen möchte, stellte ich einen kerl an, der umb ein geringes trinckgelt in mein hausz gieng und sie überredet. Grimmelshausen (vogelnest) 4, 56 Kurz; ich bat den herrn, der alle tage noch unbemerkte wunder thut; ihn rief ich an bei meiner plage, da ward mein herze wohlgemuth; getroster ward ich jede stunde, denn meine zuversicht verliesz sich auf ein machtwort aus dem munde, der erd' und himmel werden hiesz. Fr. Karschin musenalmanach für 1770 neudruck 90; sagte ich endlich im dienste der wissenschaft, der ein solches werk, so weit gediehen, nicht unvollendet hinterlassen werden durfte ... um so getroster zu, als ich schon damals der freudigen aussicht lebte, zu den vom s. Graff seit jahren angelegten grundbänden .. die gleichzeitig und gleichmäszig von Schmeller angelegten .. bände zum gegenhalte dargeliehen zu bekommen. Massmann einleitung zum 6. bande von Graffs althochd. sprachschatze. I@44) das verwendungsgebiet von getrost engt sich in der heutigen sprache mehr und mehr ein, wenn auch innerhalb dieser engeren grenzen der gebrauch sich steigert. vor allem in der volkstümlichen sprache zieht sich das wort immer mehr auf bestimmte adverbiale verwendungen zurück (vgl. sp. 4556). bemerkenswerth ist, dasz Hunziker im Aargauer wb. 103 das wort als mundartlich aufführt, wozu die form getrusz (Hönig wb. der Kölner mundart 75) eine niederrheinische parallele bietet. in der schriftsprache sind manche gebrauchsformen, deren sich die kunstform der dichtung im besonderen bemächtigt hat, ungewöhnlich geworden (vgl. sp. 4548). I@55) auf die entwicklungsgeschichte von getrost fällt auch einiges licht aus der parallelen und jüngeren entwicklung von getröstet, das in neuerer zeit ersichtlich in einzelnen bestimmten fällen sich einbürgert, in denen der bedeutungsgehalt von getrost als zu sehr verblaszt und verallgemeinert nicht ausreicht: wie ich dann hierinnen nicht anders schreiben oder anzeigen will, als wie sich in wahrheit alle sachen und handlungen von kindheit uff mit mir verloffen, der getrösteten zuversicht, es werde niemand ein miszfallen daran haben. lebensbeschreibung des herrn Gözens. neudruck nach Steigerwald 4; ist keine seele unter uns, die sich einer guten erbaulichen stunde des unterrichts .. erinnere: keine seele, die sich erinnere, aus diesem tempel je von mir mit gerührtem herzen, mit überzeugter seele, mit vorsätzen zur besserung, mit getröstetem muthe gegangen zu sein — freilich so wäre mein amt vergeblich. Herder (abschiedspredigt zu Riga 1769) 31, 137; halb getröstet bestieg darauf der nachbar den wagen, sasz wie einer, der sich zum weislichen sprunge bereitet. Göthe (Hermann und Dorothea) 40, 304; Addrich und Aenneli entfernten sich getrösteter. Zschokke (Addrich im moos 19) 4, 156; ohne gefolge betrittst du die welt und ohne geleite gehst du wieder hinaus; sei denn getröstet, o mensch, wann dich im herbste die freunde wie spatzen und schwalben verlassen, denn in der bittersten noth war noch ein jeder allein. Hebbel (du bist allein) 82, 64. IIII. gebrauchsformen. II@11) das prädicat bei verben zeigt nur in bestimmten fällen eine verwendung, mit der sich das particip vom verbalstamme entfernt. II@1@aa) hauptsächlich handelt es sich um die verbindung mit dem verbum substantivum, deren höhepunkt in der sprache Luthers liegt. II@1@a@aα) die beliebteste verwendung knüpft an die form des imperativs an, und hier stehen sich wiederum die beiden gegensätze im bedeutungsgehalte des wortes gegenüber: vertrauensvoll und wohlgemuth. diese gegensätze kommen namentlich in der bibelübersetzung zum ausdruck, wo Luther stets unser wort, die übrigen übersetzer dagegen ein entsprechendes synonym verwenden. II@1@a@a@11)) sei getrost und unverzagt, denn du solt diesem volck das land austeilen, das ich jren vetern geschworen hab, das ich jnen geben wolt. Luther Jos. 1, 6 (confortare et esto robuste; stercke dich und bis gar starck bei Eggesteyn und Koburger; sei gesterckt unnd bisz starck. Eck; sei getröst und wol gemt. Dietenberger); seid getrost und frisch, fürchtet euch nicht und zaget nicht fur dem könige von Assur, noch fur alle dem hauffen der bei jm ist. Luther 2. chron. 32, 7 (viriliter agite et confortamini; thut menlich und wert gesterckt. Eggesteyn u. a.; Dietenberger hat hier Luthers wortlaut übernommen); ebenso 5. Mose 31, 6; 1. chron. 20, 13; so sei getrost und sei ein mann. Luther 1.n. 2, 2 (confortare et esto vir fortis; sterck dich und bis ein starcker man. Eggesteyn, Koburger, ähnlich Eck); sei getrost meine tochter, dein glaube hat dir geholffen. Luther Luc. 8, 48 (gegen die vorlage) u. a.; seid getrost und unverzagt, alle die jr des herrn harret. psalm 31, 25 (viriliter agite et confortetur cor vestrum; kehábent iûh cómelîcho. unde hábent bald hérza. Notker psalm 30, 25; sterglichen tut und gesterkit wirt uwer hercze. Trebnitzer psalmen; euch dapfer halt, seit nverdrossen. Melissus strophe 19 [1572] neudr. s. 112; seit getrost, so wird er euer hertze sterken, ebenda in der prosaübersetzung); und sprachen, es ist ein gespenst, und schrien fur furcht. aber als bald redete Jhesus mit jnen und sprach, seid getrost, ich bins, fürchtet euch nicht. Luther Matth. 14, 27 (habit getrûunge, habete fiduciam. Beheims evangelienbuch; habt zuversicht. codex Teplensis; seit getröst. Eck, ebenso Dietenberger); Sewfried. wo pin ich, und wie ist mir gschehen? ich kan schir weder hörn noch sehen. die junckfraw. mein Sewfrid, seit keck und getröst, ich bin durch euer hant erlöst, des habet danck und ewig preis! H. Sachs (hürnen Seufrid 712) neudruck 29, 26; ja, liebet ihn von hertzen grund, als der allein zu lieben, und seit getrost zu aller stund, nichts soll euch lang betrüben. G. R. Weckherlin (psalm 31, 35) 2, 118 Fischer; sei er ganz getrost, lieber Miller. Schiller 3, 491, vgl. oben sp. 4547; bist du christin? — sei getrost bau auf gott? bleib. Müllner (29. febr. 132) 310 Minor. II@1@a@a@22)) sei nur getrost und seer freidig, das du haltest und thust allen ding nach dem gesetz, das dir Mose mein knecht geboten hat. Luther Jos. 1, 7 (confortare et esto robuste; stercke dich und bis gar starck bei Eggesteyn und Koburger; sei gesterkt unnd bisz fast starck. Eck; sei nur getröst und sehr wol gehertzt. Dietenberger); zeit und das glück all ding verkert hoffnung erhelt manch trawrig hertz ermiltert inwendigen schmertz darumb seit getröst und wolgemut es mag all sach noch werden gut. H. Sachs (fürst Concreti) 1, 118a; das du abnambst an gut und ehr billich thu ich dir widerkher als denn ein guter freunde sol drumb sei getrost gehab dich wol wolauff kumb mit mir auff den sal da wöll wir halten das frümal. (Lucretia V) 3, 2, 10b; sie werden jammern, in der nächte graun im traum uns schaun. doch sei getrost! bald bricht der bittre schmerz ihr treues herz; dann reicht die buhle dir bei Odins mahl, die goldgelockte, lächelnd den pokal. Uhland die sterbenden helden. vgl. auch getrost sp. 4548; dann wollt' ich dich umarmend zu mir ziehn, und, eine braut, die weib geworden ist und sich's noch selbst verhehlt, hinüber fliehn und denken: sei getrost, nun folgt er bald. Hebbel Genoveva (1, 2) 12, 84. II@1@a@bβ) für den dem imperativ nahestehenden jussiv bieten sich die beispiele weniger aus Luther, als aus anderen schrifststellern jener zeit dar. hier ist für die zweite der hauptverwendungen (getrost = wohlgemuth) wenig spielraum: II@1@a@b@11)) II@1@a@b@1@aa)) und sihe es mit augen, denn du wirst nicht uber diesen Jordan gehen. und gebeut dem Josua, das er getrost und unverzagt sei. Luther 5. Mose 3, 28 (praecipe Josuae et corrobora eum atque conforta; und sterck in und mach jn manhafftig. Eck; ähnlich Dietenberger). II@1@a@b@1@bb)) schreiben sie dem könig (der hülfe von ihnen begehrte) also wider: Dagobertus, könig in Franckreich, sol getrost sein, denn nach unserm vermögen wöllen wir von hertzen gern jm und den seinen, zu hülffe kommen. buch der liebe 10, 3; gott lebe noch in alter liebe und güte, habe uns nicht vergessen, wir solten nur getrost sein und ausharren, es sei der herr, der in die hölle führe und wieder heraus. Gotthelf Käthi die groszmutter 1, 23 (1847). II@1@a@b@1@cc)) es söllent ouch alle die die vische herbringent z merckete, es sy von Westerrich oder woher dann es ist, getröst sin, und wer in laster oder leit dt, es sye mit worten oder wercken, gegen dem oder den söllent es meister und rat strenglich und unverzögenlich rihten. Straszburger verordn. (15. jahrh.) Brucker 184; und sollen .. ire lande lute und inhabende gut gein einander fehlig sicher und getrost sin. geschichte ch. Friedrich I. 294 Scherz 542; II@1@a@b@22)) wem er ein solches gut beschieden, der freue sich und sei getrost, ihm ward ein wunderbarer frieden, wie wild des lebens brandung tost. Geibel minnelied. II@1@a@gγ) in der einfachen aussage, im bericht und in der erzählung wird die verbindung mit dem verbum substantivum zwar nicht selten verwendet; die bedeutung des adjectivs neigt sich hier jedoch ganz bestimmten entwicklungsformen zu. II@1@a@g@11)) der gottlose bestehet nicht in seinem unglück; aber der gerechte ist auch in seinem tode getrost. Luther sprüche Salomon. 14, 32 (sperat autem justus in morte sua; der gerecht versicht sich an seim tod. Eggesteyn; aber der gerecht hofft in sein todt. Eck; aber der gerecht ist auch in seim todt getröst. Dietenberger); 'schaut, lieben leut!' rieff er gar laut, 'hie ist ein wunder heilsam kraut; das ein des nachts die flöh nit beissen. ja wer sich thut desselben fleissen, derselb ist frei von solchem bösen, und kans mit einem stüver lösen.' das volck drang zu und war getrost; in einer stund het gar gelost, eine gute summa gelts erwischt. B. Waldis Esopus 50, fabel 31; vgl. ich bin getrost bei Geibel (oben sp. 4547). II@1@a@g@22)) es hat herzog Carle zwey ding an jm, die denckwürdig seind, eins, das er vast arbeitsam, das ander, das er vber die masz hertzhafft, getröst vnd starckmütig war. Hedio Commines (von könig Ludwig I.) 11 (1566). II@1@a@g@33)) ich habe mit herrn B. einen theil deiner übersetzung wieder gelesen; sie entzückt ihn, er findet in dem kapitel von Rom glanz, aber die simple majestät des kaiserthums, und ich selbst bin immer mehr getrost auf den ausgang, so oft ich deine übersetzung lese. J. v. Müller (briefe an Bonstetten) 13, 307. vgl. oben sp. 4547. II@1@a@dδ) vereinzelt taucht die negierte verbindung auf: nicht getrost sein, so viel als nicht bei trost sein. Campe 2, 354. litterarische belege hierfür waren nicht zugänglich. II@1@bb) die ältere sprache liebte auch die verbindung getrost machen, wobei das prädicative adjectiv auf einen persönlichen accusativ sich bezieht: der wird ein kranken mutiger und getröster machen. Fischart Garg. neudr. 12; getrost machen, exsuscitare animum, exspectationem augere, spem injicere Stieler 2344; einen getrost machen, to comfort, hearten, animate, imbolden .. das kan einen getrost machen, that is comfortable. teutsch-engl. wb. (1716) 766. II@1@cc) andere, gelegentliche verbindungen: dann hob er die blicke ruhig gegen sie auf, und sah ihr freundlich in's auge, fühlte sich still und getrost. Göthe (Hermann und Dorothea) 40, 307. II@22) das attribut verbindet sich mit bestimmten substantiven gewohnheitsmäszig, mit anderen nur vereinzelt und gelegentlich. aus der ersten gruppe ragen wiederum die zwei hauptrichtungen des bedeutungsgehaltes hervor: II@2@aa) II@2@a@aα) und in getröster hoffnung stunden. Josephus jüdischer krieg (Francf. 1569) 143b; das ich ein preüttigam, waysz allhie niemand dann die gantze stad; des glückhwünschens khein ende. ich nimb das überal unnd von allen zu danckh ahn, darauff getröester hoffnung bin, das nymmermehr bey uns nitt mangln soll. B. Paumgartner an Magd. Behaim (1582) litt. ver. 204, 4; getroste hoffnung esperance seure Rondeau-Buxtorff 253; der getrösteten zuversicht, vgl. oben sp. 4550; sodann lebe ich, ich möchte sagen, der getrosten erwartung, dasz, ehe noch 25 jahre ins land gegangen sein werden, und wenn einmal, um nur eins zu nennen, der jesuitenorden in Nord-Amerika sich festgesetzt hat, ein gesetz über das jus circa sacra an das dortige repräsentantenhaus eingebracht werden wird. stenograph. berichte über die verhandlungen in der Paulskirche 3, 1683b. II@2@a@bβ) und gott gab Salomo seer grosze weisheit und verstand, und getrost hertz. Luther 1.n. 4, 29 (sapientiam .. et prudentiam nimis et latitudinem cordis; braite des hertzen. Eck; ein weit hertz, mit der besserung frei gemüthe. Dietenberger); ein getrostes herz. Schwan (1782) 740; mein sohn, mein eidam! Turandot ist dein! dreimal hat sie in dieser nacht zu mir gesendet, mich beschworen und gefleht, sie von der furchtbarn probe loszusprechen. daraus erkenne, ob du ursach hast, sie mit getrostem herzen zu erwarten. Schiller (Turandot 5, 1) 13, 475; ob ihr ursache habt, euch zu beruhigen, und sie getrost zu erwarten. Werthes (vedi, se devi rassicurarti, e intrepido aspettarla bei Gozzi). II@2@a@gγ) wolan büchlein, du must es wagen, zeuch hinausz mit getrostem muht. Weckherlin (an mein buch) 1, 88 Fischer; getrostes gemüth, coeur rassuré Rondeau - Buxtorff 253; der wundarzt war die nacht über, ohne des mädchens wissen, in der kirche geblieben, und fand, als er sie des morgens besuchte, sie heiter und getrosten muthes. Göthe (wahlverwandtschaften 2, 18) 17, 410; handeln sie aber ganz nach ihrem herzen, und wenn meine gründe nicht in ihr herz übergehen, ihnen mit der überzeugung nicht auch ruhe und getrosten muth in Jena versprechen, so bleiben sie in ihrer jetzigen stille. Göthe briefe 172. Schöll; mit getröstetem muthe. Herder 31, 137. vgl. oben sp. 4550. II@2@a@dδ) wir sind getroster sinnen, was gilts, wir wollen noch der ehren lob gewinnen, dasz die vergessenheit auch unser denken soll. Fleming (als die Holstein. gesellschaft von Astrachan abreisete) 173 Lappenberg. II@2@bb) vereinzelte verbindungen. II@2@b@aα) soll dein getreues volk auf deinen mauern stehn? soll ihr getroster fusz dem feind entgegen gehn? befiehl und denke nicht, dasz unser muth verflogen. J. E. Schlegel (Dido 4, 5) 1, 123; aber als er fragt, ob er sie zu Charlotten zurückfahren dürfe? bejaht sie's mit einem getrosten neigen des hauptes. Göthe (wahlverwandtschaften 2, 16) 17, 389. II@2@b@bβ) der getroste ton, mit dem er sprach. Immermann epig. 1, 94; die ersten erzeugnisse der Stotternheimer saline .. überreicht zum 30. januar 1828 mit getrostem glück auf. Göthe 47, 123. II@33) substantivierungen sind ganz vereinzelt (vgl. oben sp. 4545): wie glücklich sind diejenigen, die den unfällen dieses lebens ein gutes gewissen entgegen setzen können! allein wie geringe ist nicht vielleicht die anzahl solcher menschen! und wird also die anzahl der standhaften und getrosten unter den siechen wohl grosz sein können? Gellert (von den trostgründen wider ein sieches leben) 52, 62. II@44) das adverbium. weitaus der gröszte theil der verwendungen fällt auf diese function des isolierten particips und in ihr allein ist es auch heute noch lebens- und entwicklungsfähig. die bedeutungsentwicklung bewegt sich hier vor allem dem ziele weitgehender verblassung und verallgemeinerung zu. II@4@aa) getrost = vertrauensvoll. II@4@a@aα) vielfach wird das adverb in dieser bedeutung mit verben verbunden, die denselben sinn schärfer zum ausdruck bringen: mus er gewislich ein lewen hertz haben, vnd ein wunderman in gott sein, der sein reich vnd haus künne in die schantz schlahen, und allein auff gott getrost pochen. Luther (101. psalm 1544) 6, 148b Jena; dem wackern mann vertraut ein weib getrost. Göthe (natürliche tochter 4, 2) 9, 345; sitzet nur ein und getrost vertraut mir den leib wie die seele; denn geschickt ist die hand schon lange, den zügel zu führen, und das auge geübt, die künstlichste wendung zu treffen. (Hermann und Dorothea) 40, 303; sag mir kein wort, die hand nur reiche mir zum pfand und zeichen, dasz du meinem arme getrost vertraust und deiner guten sache. Schiller (jungfrau 4, 13) 13, 308. II@4@a@bβ) du selbst muszt richten, du allein.du kannst dich auf dieses unstet schwanke rohr (das recht) nicht lehnen. der eignen milde folge du getrost. nicht strenge legte gott in's weiche herz des weibes. (Maria Stuart 2, 3) 12, 456; auf solche leute kann man sich verlassen! solchen leuten darf man getrost nachfolgen. Heine das buch Le Grand cap. 14; des leuchtthurms flamme seid dem irren schiffer. er sieht das ufer nicht, von nacht umfangen; doch steuert er getrost dem schimmer zu, er weisz, dort, wo das licht, ist land und rettung. Grillparzer (treuer diener 3) 65, 211; hernach fuhr er getrost mit ihnen weiter auf der strasze nach Petersburg, denn es wollte ihm nicht eingehen, dasz der ihm die kindlein anvertraut hatte, könne ihn stecken lassen. Hebel (rheinl. hausfreund: herr Charles) 3, 502. II@4@a@gγ) der gärtner deckt getrost das winterhaus schon der citronen und orangen ab, der blaue himmel ruhet über uns, und an dem horizonte löst der schnee der fernen berge sich in leisen duft. Göthe (Tasso 1, 1) 9, 102; das kloster ist das bündnis guter herzen, dies mag getrost die strenge zeit erwarten, umrankt von einem immergrünen garten, wo blumen blühn und frühlingslieder scherzen. Lenau auf eine goldene hochzeit. II@4@a@dδ) das vertrauen gründet sich gern auch auf eigenschaften des vertrauenden subjectes selbst: Georgia Augusta, schön und stark. voll lebensgeist und mark .. nun steht sie, lehnt sich ruhend auf den speer, und darf — das zeuge du, gerechtigkeit! — getrost zurück auf ihre thaten schauen. Bürger 2, 141; mit einer bewundernswürdigen leichtigkeit extemporiert dieser nun dasselbe schmelzende adagio mit den glücklichsten variationen und allen feinheiten eines virtuosen. der prinz, der ein kenner ist, wie sie wissen, behauptet, dasz er sich getrost in der besten capelle hören lassen dürfe. Schiller (geisterseher) 4, 278; der kutscher sagt, ich könnte getrost fahren. Brentano frühlingskranz 1, 297. II@4@bb) enge mit den obigen verwendungen zusammenhängend bildet der in getrost ruhende begriff der furchtlosigkeit den ausgangspunkt zu neuer entwicklung. die furchtlosigkeit zeigt sich in verschiedenen graden und läszt sich verschieden beurtheilen, als vorzug und als fehler. so machen sich z. b. an getrost auch die bedeutungen arglos, sorglos, gedankenlos bemerklich. neben dem negativen begriffe andererseits treten die positiven vorstellungen dreist, keck in den vordergrund. alle diese bedeutungen werden sodann für das adverbium unter dem einflusse des begleitenden verbums abgetönt. hier lassen sich active und passive bethätigungen der furchtlosigkeit unterscheiden. II@4@b@aα) active bethätigung. II@4@b@a@11)) handlungen. II@4@b@a@1@aα)) mit voller grundbedeutung des adverbiums: sei getrost und lasz uns getrost handeln, fur unser volck und fur die stedte unsers gottes, der herr thu, was jm gefelt. Luther 1. chron. 20, 13 (confortare et agamus viriliter; sei gesterckt unnd lasz uns mannlich handlen. Eck; mannlich Dietenberger); dir galt die erde, see, das firmament, für eine leiter einzig, dich zu steigern; da heiszt es, was man demut nennt, vollkommen und entschieden zu verweigern. die menschen halb und schwach zu finden, erhielt dich selber stark und ganz, getrost zerpflücktest du nach allen winden der andacht, lieb und ehre vollen kranz, du thatst das wie ein mann, du thatst das wie ein held, und dir gehört ein groszes stück der welt. Immermann Merlin 1624 Koch. II@4@b@a@1@bβ)) mit verblaszter bedeutung: dasz alle unsre weiblichen künste einzig für dieses wehrlose stichblatt fechten, wie auf dem schach alle offiziere den wehrlosen könig bedecken? überrumpelst du diesen — matt! und wirf getrost das ganze brett durcheinander. Schiller (Fiesko 4, 12) 3, 125. II@4@b@a@1@gγ)) in der tadelnden nebenbedeutung; getrost, unbekümmert, gedankenlos: sie sahen auch zween junge gesellen, die starck und schön waren, und seer wol gekleidet, die stunden dem Heliodoro zu beiden seiten, und schlugen getrost auff jn, da er fur onmacht zur erden sanck. Luther 2. Macc. 3, 26 (flagellabant sine intermissione; und gaben jm on underlasz vil straich. Eck und Dietenberger); und ach! verschmähte liebe bräch ihren wanderstab getrost entzwey, und grübe sich vor der zeit ins grab. — doch du hebst ihr im leiden das schwache haupt empor, und spiegelst ihr die freuden der bessern zukunft vor. Kindleben studentenlieder (an die hoffnung) neudruek 95. II@4@b@a@22)) reichliche verwendung findet das adverbium bei verben der bewegung; hier hält sich auch die grundbedeutung lebhafter aufrecht. II@4@b@a@2@aα)) Samuel aber sprach, lasst her zu mir bringen Agag der Amalekiter könig. und Agag gieng zu jm getrost und sprach, also mus man des tods bitterkeit vertreiben. Luther 1. Samuel 15, 32 (vulgata und ältere bibel haben hier die entgegengesetzte kennzeichnung tremens, zitternd; ebenso bei Eck; Dietenberger läszt die stelle ganz aus); der gefahr getrost unter augen gehen, affronter le peril Rondeau-Buxtorff 253; ähnlich teutsch-engl. wb. (1716) 766; Lampen rief er darauf, und Lampe zauderte bebend. Reineke rief: so komm nur getrost, der könig begehrt euch. Göthe (Reineke fuchs) 40, 86; ich litt viel in der stille, denn ich konnte selbst ihre einwendungen nicht ganz für leer oder eigennützig halten. ich war von jeher gewohnt, meine einsichten unterzuordnen, und doch wollte dieszmal meine überzeugung nicht nach. ich flehte zu meinem gott, auch hier mich zu warnen, zu hindern, zu leiten, und da mich hierauf mein herz nicht abmahnte, so ging ich meinen pfad getrost fort. Göthe (W. Meisters lehrjahre 6) 19, 317; tretet immer getrost vor die herren und wahret zum besten eure sache, sie werden euch hören. 40, 122; was scheren mich diener und riegel und schlosz? ich stieg getrost auf die leitersprosz'. an liebchens fensterlein klettr' ich getrost, da hör' ich es unten fluchen erbost. Heine buch der lieder (junge lieder 7). II@4@b@a@2@bβ)) mit verblaszter bedeutung: genug, auch am folgenden morgen nahm man mich nicht in's haus auf ... acht tage hatte man es so mit mir getrieben, als mich endlich frau Elisabeth hereinrief. tretet sachte auf, mein freund, sagte sie: aber kommt getrost näher. Göthe (W. Meisters wanderjahre 1, 2) 21, 33; ein schönes weib ist immer schön; und heute, weil es mich nichts kostet, so wollen wir getrost sponsiren gehn. (Faust 5776) 41, 53. II@4@b@a@33)) den mannigfaltigsten einflusz erfährt das adverb neben verbis der aussage und schriftlichen mittheilung. II@4@b@a@3@aa)) getrost in der grundbedeutung: fordert nur getrost von mir morgengabe und geschenk, ich wils geben, wie jr heisschet, gebt mir nur die dirne zum weibe. Luther 1. Mose 34, 12 (ebenso Dietenberger; in der vulgata, der älteren bibel und bei Eck andere fassung); aber weil er gott ist, wil er auch die ehre haben, das er viel mehr und reichlicher gibt, denn ymand begreiffen kan .. und widderümb zürnet, wenn man nicht getrost bittet und foddert. Luther deudsch katechismus (Wittenberg 1529) 64a; er thut seinen mund getrost auf, und betet für des ganzen volks sünde. Sirach 39, 7 (das adverb gegen die vulgata und sonstige bibelübersetzung eingeschoben); rufe getrost, schone nicht. Jes. 58, 1 (ebenfalls frei gebildet); weil denn die elenden verstöret werden, und die armen seuffzen, wil ich auff, spricht der herr, ich wil eine hülffe schaffen, das man getrost leren soll. psalm 12, 6, mit anschlusz an den hebräischen grundtext (ich setze in sicherheit, den man anschnaubt) gegen die vulgata und sonstige bibelübersetzung (vgl. dazu sp. 4549); hie haben wir das rechte urteil und gebot, das wir frölich sein sollen, wenn wir gelestert werden umb Christus willen. und sollen getrost sagen, das sie liegen. wider Hans Worst, neudruck 8; er redt gewonlich keck und getröst. Seb. Franck vgl. oben sp. 4546; 'ob er auch denselben tag den zorn verdauete, so nährt' er doch die tücke noch nachher in seiner brust, bis er sie ausgeführt. sprich also! wirst du mein vertreter seyn?' und ihm erwiderte der rasche held: 'getrost verkünd' uns deine weiszsagung!' Bürger (Homers Ilias 1, 124) 3, 44; 'schirmt euch selbst und kämpft für alle, ruft: 'es lebe die nation!' und der jüngling, seine blut'gen locken von der stirne streichend, rief getrost: 'der könig lebe!' und der andre drückte los. Platen (1847) 1, 232. II@4@b@a@3@bb)) abgeschwächt ist die grundbedeutung bei meinungsäuszerungen oder schriftstellerischen leistungen, wo die sorge für leben und sicherheit zurücktritt und nur gegen das gefühl der verantwortlichkeit angekämpft wird. II@4@b@a@3@b@aα)) als nachher von der unbrauchbarkeit des dinges die rede war, behauptete der pudelnärrische spaszvogel ganz getrost, dasz der fehler keineswegs dem instrumente ... sondern lediglich der mangelhaften structur meiner augen beizumessen sei. Matthisson (erinnerungen) 4, 165. II@4@b@a@3@b@bβ)) ob ihr uns Deutschen über den mangel des lustspiels glück zu wünschen oder uns zu beklagen habt? — und bis dahin könnet ihr, schriftsteller der comödie, getrost nachahmen; denn es gibt in Deutschland keine sitten dazu, aber Frankreich ist das magazin der narren. Herder (haben wir eine französische bühne?) 2, 221; auf einmal seh ich rath und schreibe getrost: im anfang war die that. Göthe 12, 66, vgl. oben sp. 4549. II@4@b@a@3@b@gγ)) mit dem nebenbegriff der leichtfertigkeit: und uns nicht wenig über den drolligen fehlgriff des französischen übersetzers lustig machten, der, durch das im original ähnlich klingende wort irre geleitet, die Yamswurzeln getrost in schinken verwandelte. Matthisson (erinnerungen 8) 2, 373. II@4@b@bβ) getrost im leiden und erdulden. II@4@b@b@11)) am häufigsten bei sterben und bei dessen synonymen verwendet: und der jugend ein gutes exempel hinter mir lassen, dasz sie willig und getrost um des herrlichen heiligen gesetzes willen sterben. Luther 2. Maccab. 6, 28 (prompto animo ac fortiter; mit einem bereiten gemüte und stercklichen. Eggesteyn und Koburger; mit genaigtem willen und manlich. Eck und Dietenberger); 'die mörder kommen!' 'wolan lasz uns getrost dem, den sie uns genommen, nachwandern.' A. Gryphius (Leo) 1698 1, 77; hilff uns getrost des leibes hülle räumen, dasz wir uns nicht aus schrecken selbst versäumen. S. Dach 164 Österley; getrost sterben. Rondeau-Buxtorff 253. II@4@b@b@22)) also streb', o genosz, durch freud' und schmerz auf der laufbahn, nicht abwankend vom ziel, mit getrost ausharrendem eifer. endlich nah', ungeschreckt von dem lerm unholdes gevögels, das aus dem schutt zanksüchtig emporschwärmt; steig in die felskluft. Voss (die weihe) 3, 18; die grosze unternehmung .. wo nicht zu stande zu bringen, wenigstens so fest zu gründen .. dasz er die gänzliche vollendung seines werkes der zeit getrost überlassen könnte. Wieland (Peregrinus) 27, 337; im schoosz der mitternacht geboren, worin das kind bewustlos lag, erwacht, zum leben jetzt erkoren, das jahr im ersten glockenschlag. an seiner wieg' ein engel sitzet, dem vom zwiefachen angesicht zwiefacher glanz des lebens blitzet, hier abendroth, dort morgenlicht. ... dort mit dem morgenantlitz wendet er sich erwartungsvoll zum ost, dem, was von dort die zukunft sendet, entgegenblickend still getrost. Rückert (zum neujahr 1816) poet. werke 1, 115; das mochte Hafis wohl im geist bedenken, und liesz getrost des lebens stürme rollen. Platen (1847) 1, 225; ob ich die führer der bewegung, die störer unseres friedens in Deutschland, die untergraber des vertrauens in den neu erworbenen provinzen, — ob ich die verleumde, wenn ich sie als gegner und feinde des reichs bezeichne .. darüber will ich den wahrspruch des geschworenengerichts der öffentlichen meinung meiner landsleute und ihrer volksvertreter getrost annehmen und mich ihm unterwerfen, sowie den wahrspruch der geschichte. Bismarck (deutscher reichst. 17. mai 1873) reden 6, 43. II@4@b@b@33)) abgeschwächt mit der nebenbedeutung sorglos, achtlos: läuft darauf alle weisheit denn hinaus? îhr laszt den schmetterling getrost verbrennen und löscht voll mitleid dann die kerzen aus! Herwegh sonette nr. 38. II@4@cc) mit dem moment des vertrauens und des muthes verknüpft sich beim adverbium gerne auch die vorstellung der aufmunterung und der erheiterung, die sich jedoch auch ganz allein, ohne diese nebenbedeutungen einstellt. II@4@c@aα) dasz er den stoltzen könig mit seinen mandaten getrost verachten, vnd freydig wider jn kriegen solte. Josephus d. krieg 146b (Francfurt 1571); doch richtet er sich getrost wider auff, hellt sich an die verheyszung der gnade, vnd gläubet, dasz er vmb Christus willen vergebung der sünde hab. J. Jonas verdeutschung der apologia (J 3b); denn, was man schwarz auf weisz besitzt, kann man getrost nach hause tragen. Göthe (Faust 1967) 12, 97. II@4@c@bβ) dichten ist ein übermuth, niemand schelte mich! hab getrost ein warmes blut froh und frei wie ich. Göthe (westöstl. divan) 5, 22; aber wir, ganz anders gesinnt, verachteten oft eine leichte gelegenheit zur freiheit; andere plane wechselten wir im busen, und saszen lauschend und getrost indesz auf dem stängelchen. (die vögel) 14, 103; wer hat mich geliebt, wann ich mich gehärmt? wer, wann ich fror, hat mich gewärmt? wer hat mit mir, wenn ich hungrig gemurrt, getrost gehungert und nicht geknurrt? Chamisso (der bettler und sein hund) 3, 256; so arbeitete Käthi getrost an ihren erdäpfeln, verwand mehr und mehr den verlust, obgleich sie nicht wuszte, wie es ferner gehen sollte. Gotthelf Käthi die groszmutter (1847) 1, 24; und ich soll dienen gehen? nein! ich will die freiheit nicht verkaufen, und wie ich die paläste mied, lasz ich getrost die liebe laufen; mein ganzer reichthum sei mein lied. Herwegh leicht gepäck.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    getrôst

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    ge-trôst part. s. trœsten;

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    getrôstpart.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    getrôst , getrö̑stet , part. prät. adj. zu getrö̑sten , s. d., 1. adj. , getröstet, voll Zuversicht, s. trö̑sten. 2. adv…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Getrōst

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Getrōst , -er, -este, adj. et adv. mit Zuversicht, in der Zuversicht gegründet. Getrost zu jemanden gehen, 1 Sam. 15, 32…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    getrost

    Goethe-Wörterbuch

    getrost knapp 200 Belege, fast ausschließl in adv Verwendung 1 vertrauensvoll, zuversichtlich; mit versch (ineinander üb…

  5. modern
    Dialekt
    getrost

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    getrost Band 4, Spalte 4,611

  6. Spezial
    getrost

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|trost I adj. 1 (zuversichtlich) plëgn de crëta 2 (vertrauensvoll) plëgn de confidënza 3 (ruhigen Gewissens) cun bona …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit getrost

6 Bildungen · 2 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von getrost

ge- + trost

getrost leitet sich vom Lemma trost ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von getrost 2 Komponenten

get+rost

getrost setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

getrost‑ als Erstglied (2 von 2)

getr²sten

WWB

get·rosten

ge-tro²sten V. [verstr.] 1.1. (+ sik ) abwarten, sich ge dulden. Geträüß di noch en bïetken! ( Dor Wl ). — 1.2. (+ sik ) auf etwas vertrauen…

getrostheit

DWB

getrost·heit

getrostheit , f. , jüngere substantivbildung zu getrost ( s. d. ) das mittelniederdeutsche hatte ein substantiv von getrostig, getrostich ge…

getrost als Zweitglied (2 von 2)

Ableitungen von getrost (2 von 2)

getr²ste

WWB

ge-tro²ste Interj. Ausruf, eine Drohung ausdrückend: wehe. Getreuste, wenn eck dat däon hedde ( Hfd Go).

ungetrost

DWB

ungetrost , -tröstet , part.-adj. ( adv. ) zu trost, trösten. ahd. ungitrôst desolatus, ungitrôstit; mhd. ungetrœstet, -getrôst; mnl. ongetr…