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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

geziert

Bd. 7, Sp. 7125
geziert , participiales adjectiv zu zieren (s. d.), sowohl innerhalb des verbalsystems, wie auch losgelöst von diesem in adjectivischen functionen, früh bezeugt, wobei der einflusz des vielseitigen lateinischen ornatus u. a. nicht zu verkennen ist. ähnlich wie sich am verbum (vgl. sich zieren) eine tadelnde nebenbedeutung neuerdings entwickelt hat, so nimmt in der participialform der begriff des geschmückten seit dem 18. jahrh. die besondere richtung auf das überladene, verkünstelte, gezwungene, unnatürliche. diese wendung ist anfangs durch besondere ausdrucksmittel neben dem particip vorbereitet: ob sie gleich nit fast mit höfelichen, geschmgten, geferbten ... worten gezirt Karlstadt ein sermon vom stand der christgläubigen seelen. s. theil 9 sp. 1125; mit den geschmierten, geschmückten und gar zu herlich und zu sehr gezierten und geferbten worten Matthesius Syrach 2, 96b. bald aber bringt das particip aus sich heraus diese jüngere bedeutungsfärbung zum ausdruck: die leichtigkeit artet oft in das hagere, die lebhaftigkeit in das gekünstelte aus: was eine artige sprache werden sollte, wird eine gezierte, eine kostbare J. v. Sonnenfels br. über d. wienerische schaubühne (Wiener neudr. 7) 284; oft sind die fehler nur ein übermasz von gewissen eigenschaften, die in gehörigem masze sehr löblich sind, wie zum beispiel geziertes wesen ein übermasz von eleganz ist Wieland (rechte u. pflichten der schriftsteller) 30, 146; nicht, dasz es uns an gezierten männern und weibern, glücklichen und verunglückten nachahmungen Frankreichs, fehlen sollte: aber diese würdigen unsre muttersprache nicht, sich darinnen lächerlich zu machen Sonnenfels s. Wiener neudr. 7, 232 (vgl. auch unten zur verdeutschung von Molières 'pretieuses ridicules'). diese jüngere bedeutung wuchert so rasch im verwendungsgebiet des particips, dasz der absolute gebrauch, in dem sie eigentlich wurzelt, für die allgemeine bedeutung geschmückt mehr u. mehr unzugänglich wird: geziert (giebt) das übelangebrachte oder übertriebene des zierlichen zu erkennen schr. d. kurf. dtsch. ges. in Mannheim 9 (1794) 19, vgl. auch beitr. z. dtsch. sprache 1, 174 (Ramler). über diese wirkung hinaus wird auch der relative gebrauch des particips im sinne von geschmückt mehr und mehr unterbunden, so dasz hier die concurrenzformen immer stärker durchgreifen. 11) wie beim lat. ornatus, doch nur vorübergehend, ist auch an der deutschen form das adjectiv nicht immer ganz gegen das substantiv sicher zu stellen, und man ist versucht, bei auffallenden genusschwankungen das neutrum als particip, das fem. als subst. aufzufassen: das da sind dreierlei gezierd der lieben hailigen ... das erst getzierd ... das ander gezierd ... aber die getzierd die auszwendig erscheint Geiler schiff der penitenz 117c. 1@aa) die ältesten belege für die participialform (vgl. Graff 5, 703). 1@a@aα) führen für die verbindungen mit hülfsverben, also innerhalb des verbalsystems, wesentlich auf Willirams hohes lied zurück: tûot wara des cuninges Salomonis unte der corônon, da in sîn mûoter mit hât gezîeret in sînemo maheltage Williram (zu hohes lied 3, 11) 22 Seemüller (coronavit, gekrönet hat Luther); dîe selbon doctores sint smîdezîereda dero cristenhêite, wante sîe gezîerot sint mit auro sapientiae unte mit gemmis virtutum (zu 1, 10) s. 7; desgl. (zu 7, 1) 50; kum mir von Libano, mîn gemahela! ... du wirdest gezîeret von dero spizzon dero hôhon bergo ... an den der sint lêwon lûoger unte pardon holer Williram (zu hohes lied 4, 8) 27 (coronaberis); desgl. (zu 7, 7) 55; vgl. auch: mit tero ûzerûn zîerdo îomannen gezîeret werden (ornari) Notker, Boethius s. Hattemer 3, 75a; vgl. auch (zur umschreibung von lat. honos) 80a. 1@a@bβ) der freie gebrauch, auszerhalb der verbindung mit hülfsverben und überführend zu adjectivischen verwendungen, gehört hauptsächlich Notker an, bei dem auch die grenzen des lateinischen vorbildes weit überschritten sind. 1@a@b@11)) in glossen ist das particip mehrfach für lateinische participialformen gesetzt, die gleiche entwicklung zeigen, für compositus, comptus, auch pictus: compositus, gizierter, giziert St. Galler u. a. handschr. zu Gregors homilien s. Steinmeyer - Sievers 2, 293; composito kiziartiu Reichenauer glossen zu sprüche Salom. 16, 24 s. Steinmeyer-Sievers 1, 541 (die rede des freundlichen, var.: liebliche rede Luther); mulier compta, wip kiziartaz Junische glossen 9. jahrh. zu Syrach 9, 8 (wende dein angesicht von schönen frauen Luther; vgl.aber von frembden gezirten weibern Lorich wie junge fürsten erzogen werden sollen 442 mit beziehung auf diese bibelstelle s. u.) Steinmeyer-Sievers 1, 586; desgl. Reichenauer glossen ebenda 584; vgl. dazu: redimitos, die kezierten glossen zu Prudentius s. Steinmeyer-Sievers 2, 593. noh ih nevorderon dîe gezîrten wende dînero buochamero mit helfent-peine, parietes bibliothecae comptos ebore Notker Boethius s. Hattemer 3, 39b; auszerdem vgl.: picta, kizirtaz Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Alcides Avitus Steinmeyer-Sievers 2, 2 gegen picta gimalota Regensburger 11. jahrh. zu Prudentius s. ebenda 2, 444; 1@a@b@22)) Notker stelltohne anlehnung an das lat.das particip zu verbis wie gehen u. stehen: in chilechun wîs kânt sie geziêrte. sie habent kelichi dero ziêrdo. nals die warheit (circumornatae ut similitudo templi) psalm 143, 12 (Hattemer 2, 489; gleich wie die pallast Luther); desgl. (pulchrum fulgere vestibus) Boethius (Hattemer 3, 72b); vgl. auch tir stât obenan gelouber Aon gezîerter mit poetis (florens cornulis i. poetis) Martianus Capella s. Hattemer 3, 333a. 1@a@b@33)) kennzeichnend ist Notkers wiedergabe des lat. redimitus, bei der die participialform mit dem adjectiv gleicher sippe abwechselt: verum quidam redimitus puer ... silentium commonebat. unde ein zîero garo chint. kebôt stilli ... taʒ kezîerta chint ist Cupido zu Martianus Capella s. Hattemer 3, 314; chámen ouh ze iro drî dîernun ebenzîere ... unde gezîeret mit roseblûomôn (floribus redimitae) 3, 341; desgl. 270. 280. 1@bb) in der mittelhochd. dichtung (mhd. wb. 3, 876a; vgl. Lexer 3, 1107) 1@b@aα) ist innerhalb der periphrastischen verbindungen die mit haben erst später beobachtet: minen hals und min zeswen hant hat er gezieret wol reine mit edeleme gesteine. passional 112, 48 Köpke. vgl.(hat sin edel blut gezieret mine wangen) 61 u. a.; in get nit abe, daʒ ist war weder nagel oder har, und waʒ den lîp gezieret habe. Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 6204. dagegen vgl. das attributive particip neben haben: si hatten in Lamparten einen turn geczieret wol. heldenbuch 1, 298 Keller. vgl. auch Laurin 194 Schade. auch mit werden sind die verbindungen selten (vgl. Nibel. 24, 3; Friedrich v. Schwaben 5109); der hauptantheil entfällt auf das verbum substantivum, neben dem das particip am wenigsten von seinen verbalen eigenschaften behält. 1@b@a@11)) präpositionalverbindungen neben dem particip leisten dem übergang zum adjectiv am ehesten widerstand: oben ûf dem slôze ein krône, diu was vil harte schône mit gesmîde gezieret. Gottfried Tristan 16715; desgl. (mit der meisterer lone wol gecziret Marie crone) altdtsch. text aus Breslau 454 s. ztschr. d. a. 50, 186. der anger mit sechs farwen ist gezieret, grüene, wîsz, swartz, gel und blâ, rôt sieht man auch gezieret dâ. Suchensinn 4, 9 ff. s. Pflug s. 72; ir herze ist rehter fröiden vol mit lûterlîcher reinekeit gezieret wol. Walther 55, 22 (var. geturet C.): desgl. (mit tugenden ist gezieret) st. Georgener prediger 42; (gez. mit reinen sitten) Eberh. v. Sax s. ms. Hagen 1, 70a. 1@b@a@22)) überwiegend ist das particip aber absolut gebraucht. 1@b@a@2@aa)) in sinnlicher bedeutung: dô Gâwân den palas sach, dem was alumbe sîn dach reht als pfâwîn gevider gar, licht gemâl unt sô gevar ... innen er was gezieret unt wol gefeitieret der venster siule wol ergrabn, dar ûf gewelbe hôhe erhabn. Wolfram Parzival 565, 13. mit gleicher beziehung auf den palas Nibel. 527, 2; desgl.: daʒ er lieʒ machen ein palas zu Ascalon daʒ riche was, schone unde gezieret wol. buch der Maccabäer 13999 Helm; (manig schOen marck ward geziert schon) Friedrich v. Schwaben 5109 Jellinek; diu heilig waʒ und gezieret waʒ alʒ ain brut st. Georgener prediger 42; (daʒ si ... gekleit muge werden und gezieret) Tauler 398 Vetter. wie weit diese entwicklung von dem heutigen gebrauch absteht, zeigt sich am deutlichsten in: ain aff ... ist unmaeʒig mit eʒʒen, grimm mit peizen und gar unsänft. er begert über mâʒ, daʒ er geziert sei. dar um nement die jäger hantschuoh und schuoh und legent die an in den wälden, ... und ziehent si dan wider ab und lâzent si ligen. sô koment die affen und tuont sam. alsô vacht man si Konrad v. Megenberg 158, 26. 1@b@a@2@bb)) fremdartig berührt jetzt auch die übertragene verwendung: des wurden sît gezieret sînes vater lant daʒ man in ze allen dingen sô rehte êrlîchen vant. Nibelungenlied 24, 3; mit dem gleichen subject (was gezieret) 306, 4; ist zwîvel herzen nâch gebûr, daʒ muoʒ der sêle werden sûr. gesmachet unde gezieret ist, swâ sich parrieret unverzaget mannes muot, als agelstern varwe tuot. Wolfram Parzival 1, 3. 1@b@bβ) viel beobachtet ist das particip in loserer, apositioneller verbindung, nicht nur neben verbis wie stehen, sondern auch neben vollen ausdrucksmitteln für bewegungen und handlungen. diese verbindungen beschränken sich nicht auf das subject, sie sind auch neben dem object beobachtet. 1@b@b@11)) verbindungen mit der beziehung auf das subject: 1@b@b@1@aa)) berg und tal gezieret stant gar wunnekliche. der Püller s. minnes. v. d. H. 2, 69a; desgl. (diu velt) Goeli 2, 78a; (zertlîch gezieret stêt der walt) Suchensinn (7, 5) s. 77; (bluomen 9, 4) 80; dich beduchte ... wie eine sule stnde vor dir, gezieret bluend. hoch groʒ. poet. bearb. d. Daniel 762 Hübner. 1@b@b@1@bb)) do kam vîl menic werder gast gezieret wol nach ritters sitten hin zem münster do geriten. Rudolf v. Ems Willehalm 5763 Junk; (getzieret nach groʒer werdekeit, .. reit) Ludwigs kreuzfahrt 1448 v. d. Hagen; (reit geziert Huge Scheppel 36 ra Urtel; nû kom her Îwein balde dort ûʒ jenem walde ze velde gewalopieret, in engel wîs gezieret. Hartman Iwein 2554; genau so (du her bisamenden sich) Rudolf v. Ems Willehalm 999 Junk; der kunic wirt sich leinen heimwert kein sime lande gezieret mancherhande. poet. bearb. d. Daniel 7040 Hübner. 1@b@b@1@cc)) der êregire Tristan truoc sunderlîchiu kleider an, von gebare und von gelâze gezieret ûʒ der mâze. Gottfried Tristan 5001. 1@b@b@22)) beziehung auf das object: künd ich wol mit worten schone würken ganzes lobes krone, wirdeklich in suezem done gezieret nach dem willen min. Eberh. v. Sax s. ms. Hagen 1, 70a; sin gezelt wirt er machen vridlich zwischen waʒʒers strant uf des heilgen bergis want vor gezieret lobelich. poet. bearb. d. Daniel 7259; desgl. (den er ... wol geziert volbrâhte) Frowenlob s. Colmarer handschr. nr. 201 v. 182 Bartsch. 1@b@gγ) am häufigsten schlieszt sich aber das particip enger an substantiva an, denen es in attributiver function gern nachfolgt. diese art der stellung ist wohl in der thatsache begründet, dasz das particip meist mit näheren bestimmungenzum mindesten mit adverbienbelastet in diese verbindungen tritt. ganz unbeschwert ist die participialform in solcher verwendung selten. 1@b@g@11)) das belastete particip. 1@b@g@1@aa)) in verbindung mit präpositionalbestimmungen ist das particip dem substantiv nie vorgestellt: demut, pfeller, paldegin mit härmine gefurrieret und mit zobel wol gezieret truoc der tugentriche man. Rudolf v. Ems Willehalm 5774; desgl. (rilich gewede ... gezieret mit gesteine) Elisabeth 2553; und auch da mitten inne lag der karfunckelstein gecziert mit reichem sinne der als ein kercz erschein. heldenbuch 88 Keller; desgl. (wagen gecziert mit silber weisse) 558; (ein sarck gecziert nach ere) 550; da fant ich manich schone gegezelte und wappen mit golde und silber fin gezieret Huge Scheppel 19 va. dazu vgl. auch mit entsprechendem genetiv: bi im zwene iungelinge waren starc unde geringe wol gezieret guter tugent. buch der Maccabäer 7763; desgl. (s. u.) 6144. 1@b@g@1@bb)) sehr beliebt sind adverbiale bestimmungen beim particip. 1@b@g@1@b@aα)) das eben belegte wol gezieret ist in beiden stellungsformen, mit nachsetzung und vorstellung beobachtet: iwer zoum muoz sîn ein bästîn seil, iwer phert bejagt wol hungers teil, iwer satel wol gezieret der wirt enschumphieret. Wolfram Parzival 137, 3; desgl. (crone wol gezieret) Lamprecht Alexander 5569; (pyramides ... wol gezieret) buch der Maccab. 6144; ebenso (s. o.) 7763. die minnecliche gotes brut gelihte er da einer stat die von himele nider trat als ein brut gezieret wol. pass. 229b Hahn: s. u. zur voranstellung vgl.: ... ein schoene wol gezieret heide dar abe man bluomen brichet wunder. Walther 21, 4 (var.: wunnevroudeberndin heide); desgl. (sechczig wol geczirdet blumen) altd. text 452 s. ztsch. d. a. 50, 186; (ich wol gezirter oleboum) Colmarer handschr. nr. 201 v. 329; (wol gezierteʒ gotes gezelt) v. 889; (ein wol gezirt herspieze) uns. frawen himmelfart s. Folz meisterlieder 11, 77 Mayer; si patt in durch sein tugendt und durch sein wol gezierte jugent das er ir liesse ir rainikait. Heinrich v. Neustadt Apollonius 15753 Sing.; (desgl. der wol gezierten scheidere [verstorbenen] buch der Macc. 3196; (wol gez. maget) Renner 22345. 1@b@g@1@b@bβ)) mich sol dîn hochgezierter, loser lieber lip in keinen senden sorgen lan. Wenzel v. Böhmen s. ms. Hagen 1, 9b; herz unde sin, nû müeje dich daʒ ich mit worten wünniclich gelobe die hôchgezierten meit. Colmarer handschr. nr. 163, 3 Bartsch; desgl. (hôchgez. himelkleit) 18; (paradîs) 24. 1@b@g@1@b@gγ)) vereinzelt und spät ist das nachher so beliebte ausgeziert belegt: swer sînen lîp noetet der ûz gezierten schoenheit. Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2353; 1@b@g@1@b@dδ)) auch die eigentlichen adverbien fallen spät, sie sind meist beim nachgesetzten particip belegt. gegen: es warent für die feste geschlagen auff das felt geczieret auff das beste manig wunigklichs geczelt. heldenbuch 1, 517, 38 Jänicke; vgl. sîn gezelt wirt er macben vridlich zwischen waʒʒers strant uf des heilgen bergis want vor gezieret lobelich. poet. bearb. d. buches Daniel 7256 Hübner; der bort von griener seide geczieret also clar. heldenbuch 479 Keller; (edelstein gar wunigklich geczieret) 558; (geziert gar wunnigclich) 115; 311; (geczieret also clar) 479; (ein tempel gezieret fin) buch der Maccabäer 3086; (die arche ... lustic geziert) Frauenlob 201 s. Colmarer handschr. nr. 200 Bartsch. 1@b@g@22)) das unbelastete particip ist nur selten nachgestellt: dâ si ouch gesmîde vant, gût werc gezîret mit gesteine durchflôrîret. alten weibes list 272 s. md. gedichte 92 Bartsch; desgl. Macc. 7379. dagegen: die gezierten grebere altdtsch. predigten 1, 327 Schönbach; si sluogen dar und aber dar ûf die gezierten schilte. Konr. v. Würzburg troj. krieg 4015; ain schön pös weib ist ain gezierter strick, ain spies des hertzen. Osw. v. Wolkenstein 110, 3, 2 s. theil 10, 1, sp. 2446; in sime gezierten schonen gezelde han ich ime das heubt bis uff die brust zur spalten Huge Scheppel 19 va; dan die muter het irem sone geben ein geziertes hare und ein rosentlichen schein der iugent M. v. Kemnat chronik Friedrichs I quellen z. bair. u. deutsch. gesch. 2, 16; es warent viel kostlicher edeler gezierter frouwen bii jre, man konde den adel und die herliche zierheit nit vollen achten Huge Scheppel 55 vb; wenn man ainen stain vindet, der jaspis haiʒt, und ainen menschen dar an, der ainen schilt hât an dem hals ... der hât ain kraft wider all veind ... ain gezierter mensch an aim stain, der in der rehten hant ain zepter hât ... setzt man den in golt, sô fürdert er zuo êren Konrad v. Megenberg 471, 7. 1@cc) die ältere bibelübersetzung giebt lateinische participialformen wie ornatus und compositus (zu comptus s. o.) mit geziert wieder, ob diese nun prädicativ mit hilfsverben, oder attributiv mit substantiven in engerer verbindung stehen; auch das lat. adjectiv decorus wird durch unser particip übersetzt. für ornatus und compositus führt Luther, seinem landschaftlichen brauche folgend, geschmückt ein, das in nachdrucken und zeitgenössischen textbearbeitungen nur theilweise übernommen wird, in manchen wieder mit geziert erklärt ist. für decorus weicht Luther in die reihe der adjectiva aus. 1@c@aα) für ornatus: und etliche saiten von den tempel, daʒ er were geziert mit guten steinen ... cod. Tepl. Luc. 21, 5 (bonis lapidibus et donis ornatus esset; geziert Koberger u. a., gezierd Eck; geschmückt Luther, Dietenberger); er spricht: ich ker wider in mein hause ... und so er kumt, er vint eʒ lere, gereinigt mit pesmen und geziert cod. Tepl. Lucas 11, 25; (mundatam et ornatam, geschmückt Luther, Dietenberger; im nachdruck Grymme 1523 geschmückt mit geziert glossiert s. Reifferscheid Marcusevang. 118); ich sach die heilige stat, di newe Jerusalem, nidersteigen vom himel, berait von got, alʒ ein praut geziert irem manne cod. Tepl. offenbar. Joh. 21, 2 (sponsam ornatam viro suo, braut gezieret Koberger u. a.; ein gezierte braut Dietenberger; geschmückte braut Luther; vgl.[s. o.] pass. 229b; [s. u.] Reissner Jerus. 1 va); s. auch sp. 7138. 1@c@bβ) also geziert, giengen sie von dem frAewenzimer in des kunigs camer Eck Esther 2, 13 (compositae, so waren denn die weiber geschmückt Luther; geschmuckt Dietenberger; aufgemutzet Züricher bibel). 1@c@gγ) mein freundin sieh du bist schOen und gezierd Eggesteyn hohes lied 1, 16 (pulcher et decorus, gezieret Koberger; schön und lieblich Luther; vgl. scône unte êrlich Williram v. 23); die gieng aus haben ein kruoge auf der achsselen gar ein gezierte maid Mentel 1. Mos. 24, 16 (decora nimis, und sie war ein seer schöne dirne Luther). 1@c@dδ) ohne unmittelbare vorlage vgl.: name jhr zier und spangen, mit welchen die häls künigklicher camel gemainklich geziert werden Eck (1537) richter 8, 21 (die an jrer kamelen helse waren Luther; Züricher bibel; geschmuckt oder gezierd waren Dietenberger); der künig aber sasz auff dem stuol seines reichs, und was angethon mit all seiner schOenen waat, gantz guldin und gezierdt mit edlem gestein Züricher bibel (1531) Esther (6) 5 (in der vulgata andre fassung). 1@dd) in den wörterbüchern ist dem particip früh besondere, über das verbum selbst hinaus reichende beachtung geschenkt: 1@d@aα) in den lateinisch-deutschen buchungen bilden participialformen, wie sie auch in den glossen und in älteren übersetzungen aus dem latein maaszgebend waren, den ausgangspunct: ornatus, comptus (doch nicht compositus), cultus, politus (impolitus), redimitus und phaleratus, das sowohl in allgemeiner übertragener bedeutung als mit der in der älteren sprache ergiebigen beziehung auf den pferdeschmuck gebucht ist. neben decoratus ist auch das adjectiv decorus als stichwort belegt; auszerdem vgl. coma sp. 7131. 1@d@a@11)) ornatus, gezieret, geschmucket. ornate, zierlich, seuberlich. inornatus, ungezierd Dasypodius lat.-dtsch. A a 8a; orn., gezieret Calepinus 1052a; exornatus, gezieret König gazoph. 424; ornatus 805. 1@d@a@22)) comptus, geziert, wolgeordnet Dasypodius lat.-dtsch. G 1b; -geziert, ausgebutzt Calepinus 292b (comptus als subst.: zierd); -geziert König 238. 1@d@a@33)) cultus, geziert Meder 259; König 296 (rus cultissimum, ein wolgebaut feld); vgl. excultus s. unten. 1@d@a@44)) redimitus, gezieret (redimiculum ... hauptzierd der weiber) Dasypodius lat.-dtsch. H h 1b; vgl. redimiculum s. unten; bei Calepinus 1293 das verbum, aber nicht das part. 1@d@a@55)) politus, geziret, gegraben handschr. vocab. rer. Diefenbach 445b; vgl. ungeziert, impolitus 151. 1@d@a@66)) decoratus, geziert König 310; vgl. decorus, gecziret, getziret (neben zierlich, schoen, erber) Diefenbach 168b. phaleratus, gezieret Dasypodius lat.-dtsch. D d 3b. 1@d@bβ) die vom deutschen stichwort ausgehenden buchungen, die ein deutsches synonymon nicht angeben, 1@d@b@11)) stellen von den angegebenen gleichungen meist eine gröszere zahl, doch nie die ganze mannigfaltigkeit zusammen. andererseits treten zu den lat. participialformen noch pictus und lineatus; zu den adjectiven: elegans und concinnus: geziert, cultus, comptus, redimitus, phaleratus Dasypodius dtsch.-lat. T 2b (zu elegans, incultus s. u.). Maaler läszt das vorletzte particip aus (zu phaleratus s. u.), führt dagegen elegans, ornatus, exornatus neu ein 181c; vgl. auch ziert, gebauwen, cultus 521d (zu decoratus s. u.). Henisch beschränkt sich auf 4 gleichungen: ornatus, cultus, politus, comtus 1612 (zu wolgeziert s. u.); Reyher führt neben ornatus noch concinnus, lineatus, pictus an g 4. bei Kirsch sind die von Henisch gegebenen gleichungen aufgenommen und um decoratus, praetextus vermehrt 2, 152. 1@d@b@22)) bei den neusprachlichen buchungen kehren einige der obigen gleichungen wieder, vor allem ornato, orné: gezieret, ornato, acconcio Hulsius teutsch-ital. (1605) 63; geziert, orné, paré, accousté deutsch-franz. (1614) 165a; desgl. (dazu accomodé) Duez (1664) B 4b; vgl. paré, gezieret, geschmückt, dictionnaire nouveau (1683) s. 1027 (zu den beiden andern part. sind hier nur die inf. gebucht); geziert, addobbato, ornato, elegante, orné, paré Rädlein 386a; bei Schwan ist bereits auch die neue bedeutung affecté angemerkt s. u. 1@d@gγ) unter den verbindungen des particips 1@d@g@11)) sind mehrfach compositionsformen gebucht, neben ungeziert (impolitus s. o.; vgl. ohngeziert, éviré Schwan 1, 752) in erster linie wohlgeziert: wolgeziert, elegans, nicht wol geziert, incultus Dasypodius lat.-dtsch. T 2b; wolgezirt, bellus, elegans Henisch 1612; excultus — König 417; — per ornatus A. Reyher g 4. 1@d@g@22)) auch präpositionalverbindungen sind angemerkt: corona gemmata, ein kron mit edel steinen gezieret Golius (1579) 73; vgl. mit gold ziert, in guldine stuck bekleidet Maaler 521d; wolgeziert mit kleinoten und anderem geschmuck, bullatus Henisch 1612; mit purpur gezieret, purpuratus Kirsch 2, 152; mit pferdezeug gez., phaleratus ebenda, s. auch unten. 1@d@g@33)) unter den attributiven verbindungen sind neben einigen älteren aus der gruppe der allgemeinen ausrüstung auch einige besondere, in einzelnen berufszweigen gebildete angemerkt: 1@d@g@3@aa)) ein geziert rosz Praschius (1686) 142; vgl. geziert, wie ein ritter oder reisigs rosz; phaleratus Maaler 181e; gezirt hub, redimiculum voc. opt. 27 Wackernagel (zierliche hauptbinden Calepinus 1293; krantz oder hauptbendel Dasypodius lat.-dtsch. H h 1b); coma, geziert haar Dasypodius lat.-dtsch. F 8a (haar Calepinus); compta oratio, ein gezierdte red G 1b; vgl. phalerata dicta, zierliche wort Dd 3b; compositi mores, sittige, züchtige geberden Ee 5a. 1@d@g@3@bb)) ein gezierter löwe (terme de blason) un lion vilainé Schwan 1, 752; geziert heiszt in der heraldik ein falke mit einem halsbande, ein adler mit dem schwanze, ein löwe mit dem männlichen gliede, ohne dies ist er ungeziert B. Bucher reallexikon der kunstgewerbe 140. 1@d@g@3@cc)) geziertes stück (sujet orné) ist dasjenige, dessen stoff die reichste zusammensetzung leidet, sie fliesze nun aus dem innern desselben, oder sie bestehe in den episoden und nebendingen, welche der maler zur ausschmückung hinzu setzen kann, entweder um seine absicht deutlicher zu machen, oder auch um den ausdruck zu verstärken des herrn Pernety handlexikon der bildenden künste ... aus dem franz. übers. Berlin (Vosz) 1764 s. 120; das gleiche Jacobsson 2 (1782) 87; vgl. dazu das stichwort ornement im dict. abr. de peinture (1746) 2, 31; vgl.ornament, zierrath bei Bucher 448. 1@d@dδ) die neue bedeutung ist bei Schwan zur geltung gebracht: geziert ... affecté, pincé, précieux, gêné 1, 752; ein gezierter gang, une démarche génée ebenda; geziert, gar zu geziert, pictius quam gravi adeo argumento convenit, affectata verba; nimis redolet autem Serz teutsche idiotismen (1797) 54; geziert ... gezwungen, erkünstelt, unnatürlich (affectirt) Campe 2, 371; geziertes wesen, — mensch, — schreibart; geziert thun, sich zieren ebenda; zieraffe ... eine person, welche sich zieret, gezierte bewegungen macht 5, 865. 1@ee) formen. 1@e@aα) der diphthong ist schon in frühneuhochdeutschen belegen mehrfach monophthongiert, nicht nur in mitteldeutschen, sondern auch in oberdtsch.: gezirt Joh. v. Neumarkt 218 (gezird 99); Ulmer decameron (neben geziret) Lorich; Hans Sachs; getzyrt comoedien zu Parisz v. 1524; geziret Joh. v. Neumarkt 7. 93. 105. 171; Ulmer decameron G. Forster liedlein; Zesen; Butschky; bei Schwartzenberg (trostspruch 15) zeigt die handschr. gezirt, der druck geziert. 1@e@bβ) das inlautende tonlose e leistet der synkope in der unflectierten form gezieret lange widerstand. vgl. die verse auf den gezierten (C. Rantzow): das indisch jasimin in farben ist geziert, die auserlesen seind, wie man darvon sie findet, gelb, braun, auch roht und weis: darumb mir zugefrt, gezieret ward der nahm': also wer sich verbindet zur wahren gottesfurcht, der wol gezieret ist, dem die gottseligkeit doch nimmer nicht verschwindet. kurtzer bericht von der fruchtbringenden geselschaft 1641 no. 278. in attributiver function, wenn es dem substantiv vorgestellt ist, nimmt es an dessen flexion theil und synkopiert in diesem fall: gezierte felder Opitz (s. u.) u. a.; nur ausnahmsweise bei dem unflectiert vorangestellten: er schmückt sein gantz mit ehr geziert gemüthe mit nicht gemeinem glantz der weiszheit aus. Gryphius (ruhe des gemüthes) lyr. ged. 248. 1@e@b@11)) gezieret pass. 229b Hahn u. a.; urk. v. 1286; Ulmer, Straszburger Terenz; Steinhöwel Aesop; Murner institut.; Mathesius; in den reutterliedlin; desgl. in den meisten buchtiteln (geziert bei Dietenberger); bei Weckherlin, Comenius, Butschky, Gueinz, Morhof; selbst Winckelmann und in der gebundenen sprache neuerdings bei Uhland. 1@e@b@22)) geziehret Opitz, Harsdörffer, Augsburger ordnung von 1683 (geziehrt ebenda); Gryphius. 1@e@b@33)) geziert Ambr. Oesterreicher; Geiler; Dietenberger, Faber, Hedio, Josephus, S. Münster, Reissner Jerus.; Augsburger polizei v. 1582; Boltz Terenz; E. Holl, Morhof teutsche ged. 1, 15; Gryphius, Grimmelshausen; übers. Fieldings u. a. 1@e@gγ) das praefix ist in oberdeutschen belegen mehrfach abgestreift: ziert, cultus ... mit gold ziert Maaler 521d; ziert Holl 13 u. a. 1@e@dδ) für den übergang des particips in die reihe der adjectiva zeugen die steigerungsformen. in der bedeutung geschmückt begegnen sie mehrfach bei Wyle, der für deutschen sprachgebrauch noch nicht sicher bürgt: und ich mag niemer gelouben Helenam hüpscher gewesen sin ... noch gezierter erschinen sin Andromachen 23; do erschain er von tag zuo tage der menschen angesicht kostlicher und gezierter 24. im gegensatz dazu vgl. die steigerungspartikel in: welliche. so sie auszwendig sind. nichtzit rainers, noch nichtzit mer getzieret. noch mer hoflichs gesehen wirt Neidhart eunuch (V, 4) 171 H. Fischer; die gleiche partikel Opitz Sidneys Arkadia s. 164 s. u. empfänglich für die steigerungsform ist die bedeutung gezwungen. an der grenze steht schon: Rückerts sprache ist blühender und gezierter als Platens K. Gödeke Platens leben u. werke 438b. sicher gilt es für: die sprache der haupt- und staatsactionen ... auf der einen seite ... allergemeinste, gröbste, ja schmutzigste natur; auf der andern ... der allerungeheuerste schwulst und pomp, die gezierteste schönrednerei, der geblümteste unsinn Prutz vorles. üb. d. gesch. d. theaters 181. 22) in der neueren sprache, die die sinnlichen verwendungen verkümmern läszt und aus dem absoluten gebrauch eine neue form der übertragenen entwickelt, nimmt das particip mehrfach eine sonderstellung gegenüber den anderen verbalformen ein. 2@aa) dies zeigt sich schon in der prädicativen verbindung des particips mit bedeutungsschwachen (hülfs-)verben. 2@a@aα) den umschreibungen mit haben und werden kommt weder die sinnliche noch die übertragene verwendung entgegen, am meisten ist diese in der verbindung mit dem verbum subst. beobachtet, die der adjectivischen entwicklung am günstigsten ist. so kommt es, dasz in diesen umschreibungen das particip als verbalform besonders früh zurücktritt und durch zusammensetzungen wie ausgeziert, verziert oder durch bedeutungsverwandte wie geschmückt verdrängt wird. widersprechende zeugnisse älterer übung, die vereinzelt noch bis zum ende des 18. jahrh. reichen, erscheinen unserem sprachgefühl fremdartig, während dem verbum zieren auszerhalb des part. die grundbedeutung geläufiger bleibt. 2@a@a@11)) die wänd aber hat er mit cedern taflen geziert Hedio Josephus 140b: unser seel, die jr hausz geziert hatt mitt ainen roten sail Geiler vom ausgang der Juden (1510) M 2a; Judith ... hat ... sich ... mit schönen kleidern ... geziret Sam. Butschky Pathmos 296; vgl. das übertragene: und du hast mich widrumb belebend ... gezieret mit der frewden schmuck. Weckherlin 134 (ps. 30, 15). 2@a@a@22)) gezieret als sie inen geziert werden Straszburger Terenz (1499) 75 (Heaut. 2, 3: wie die, die sich inen selbs zieren Boltz 67b; so sich allein für sich schmücken Cöthen 1620 u. a.); die capitäler der säulen wurden auf mancherlei weise gezieret Joh. Winckelmann anm. über die baukunst der alten 57; desgl. 63. 64; vgl. dagegen: die corinthischen (frisen) wurden mit kopfen ... ausgezieret 61. zur übertragung vgl.: des heiligen geistes, damit er inn der bekerung durch den son gottes wider auffs newe gezieret wirdt Mathesius leichenreden (3, 4) 189 Loesche; vgl. die heldengedichte müssen insonderheit mit allerhand erfindungen ... auszgezieret werden Morhof unterr. (1700) 625. 2@a@a@33)) du bist cronung und die cron ... der hoffnung, di gezird ist in eren (quae ornata est gloria) Joh. v. Neumarkt Augustins soliloquien 99 Sattler; kain ander vogel mag dir gelichen, mit zierlichen federn beklaidet, din schwancz ist gestaint ... und bist gancz gezieret Steinhöwel Aesop 176. 2@a@a@3@aa)) Allessander in köstlichem gewant geziret was (splendidamente vestito) Ulmer decameron 72 Keller; (geziert mit varben ... war ir gewant) Ambr. Oesterreicher schwerdttanz v. 105 (ztsch. dtsch. phil. 40, 351); (die sint alle ... gestaffiert, gepüczt und mit keten gezirt) Hans Sachs fab. u. schw. 5, 335; (sie war nicht mit golde gezieret) Terenzübers. (Cöthen 1620) Heaut. 2, 3 vgl. unten sp. 7134; (wie ein braut geziert ist irem mann) Reissner Jerus. 1 va; noch ist ir leib gantz wol gestalt gezirt mit aller thugent schon. G. Forster frische teutsche liedlein 38; hatt er thüren von cederholtz gemacht, welche mit vil goldt und mit mancherlei eingegrabnem laubwerck geziert waren ... und hett teppich und fürhäng, so mit schönen grossen bluomen ... und dem allerzartesten schinbarsten leinwaht gezieret waren Hedio übers. d. Josephus (8. buch) 140b; (die [kamern] von edelem gesmacke geziret was) Ulmer decam. 80; das siegelhauss ist aussen her rings herum mit feinen colonen, janieren an den 4 ecken geziert ... diese zierd hat ein mahler Joseph Honitz angegeben E. Holl selbstbiogr. 27; di rose ... ist der ärden zihrraht, der pflanzen schmuck, der wisen röhte, eine schimmernde schöhnheit. si ist lihbreizend ... mit schOenen blAettern geziret Zesen adr. rosemund 241 neudr.; welche glatt oder mit blätterwerke gezieret war Winckelmann anm. 65. dazu vgl. die erneuerung solchen gebrauches in der von der älteren sprache beeinfluszten dichtung: bei einer kühlen quelle da macht' er endlich halt; gezieret war die stelle mit blumen manigfalt. Uhland der schenk von Limburg. die verbindung mit adverbien oder partikeln berührt sich mit dem absoluten gebrauch: in Thebaide ist gewesen ... ein grosses reiches frawenkloster, wol gemachet und reichlich geziret allenthalben Johann v. Neumarkt leben des heil. Hieron. (51) 174 Benedict; sale und palast ... das so ... schon und wol gezirt was (98) 218 (var.: gecirtes); ein weiblich bild gezieret schon gassenhauer und reutterliedlin Straszburg (1536) nr. 23; als nu unser herr kunigk in die kirchen kam, wasz im ein stul gezcirt vor sant Sebolts altar dtsch. städtechron. 3, 363 (Nürnberg); schon in der kindheit sind sie (die frauenzimmer) gern geputzt und gefallen sich, wenn sie geziert sind Kant (gefühl d. schönen) verm. schr. 2, 354; zimmer, die wie optische kasten geziert, und überaus sauber gewaschen sind ebenda. 2@a@a@3@bb)) zur übertragung vgl.: itzunt hat er abgeleget die alten swachen wapen diser werlt und ist geziret mit newer ewiclicher sterke Johann v. Neumarck leben d. heil. Hieronymus (119) s. 105 Benedict; (ghetzyret Lübeck [1488] 144); keiserlich maiestadt soll nit allein mit woffen; sunder auch mit gesatzen gezieret sein Murner instituten. vorred. 1a; (non solum armis decoratam sed etiam legibus oportet esse armatam; mit rechten verziert te ziin Antwerpen 1544 A 2b); der mensch ... ist vom himmel mit solchem schmukke der vernunft! ... und aller sinnen, also hoch gezieret Sam. Butschky Pathmos (1677) 615 (nr. 435 d. menschen bester schmuck; im register: zierraht); e. f. gn. groszer fleisz hat ihr schon der unsterblichkeit crone zugerichtet, welche mit der ewigkeit kleinodien gezieret C. Gueinz s. d. fruchtbr. gesellsch. ältester ertzschrein s. 244; indem er mit hoheit geschmückt, mit wissenschaft bereichert, und mit genie geziert ist übers. v. Fieldings Jos. Andrews 2 (1786) 12 (3. buch 1. cap.): desgl. 2 (1775) 12. zum absoluten gebrauch führt hier über: die schönheit dises leibs, wie immer unvergleichlich ist schlechter dan der geist, der an schönheit so reichlich gezieret und an wehrt so überschätzlich reich. Weckherlin (von dem urteil ... Paris) 2, 345 H. Fischer; dazu vgl.: es ist glänzend und geziehret; welt ist schön und aussen gut, eisz das stürtzt uns in die fluth ... doch zu wasser wird das eisz, welt und disz was welt erkiest wird zu nicht, so grosz es ist. Opitz (v. d. welt eitelkeit 7) 1, 423; das erhabene musz einfältig, das schöne kann geputzt und geziert sein Kant (gefühl d. schönen und erhabenen) verm. schr. 2, 354; vgl.können geputzt und geschmückt sein 360. 2@a@bβ) die verbindung mit anderen hülfsverben schrumpft ein. fraglich ist, ob das particip enger an das verbum oder an das subst. anknüpft in: dô stand zwên altâr wol geziert, die kruft ist hipsch und kestlîch von marmelstein poliert. Fel. Faber pilgerbuch v. 671 (Birlinger s. 19); vgl. geziert stehen sp. 7128; vgl. andererseits die nachgesetzten attribute sp. 7135 sichergestellt ist die zugehörigkeit zum verbum in: in obgemeltem sale, sasz auf einer hohen büne ... der bapst ... mit seiner dreifachigen kron, gemesz einem bapst getzyrt ein comedia ... tzu Pareisze ... gespilt (1524) A 1b Voretzsch; der ander adel volgt hernach wol geziert und geschmuckt S. Münster cosmograph. (Basel 1672) 979; damit ... dero reiche ... mit der imperial-blume ... gezieret bleiben Butschky Pathmos (einführung) s. 5. auch für das particip neben einem objectsacc. ist mehrfach eine engere anlehnung an das verbum als an das object anzunehmen: do sach er ... sant Jeronimus sele uber allen engeln reichlichen geziret Johann v. Neumarkt leben des Hieron. (104) s. 93 (getziret Lübeck 1484) Benedict; die fraue ... mit edelen küniglichen tugeten geziret und geformiret sache (ornata di costumi reali) Ulmer decameron 112 Keller; genau so 131; ja, sechst innen das fürstlich gros, schön, wolerpawt und notfest schlos ... mit seinem weer und vorrat innen gezirt mit vorweren und zinnen. Hans Sachs (lobspruch der stadt Salzburg) 22, 483; wir haben sie gefunden ... in eim leidts kleid zimlich gekleidet ... geziert on gold Boltz Terenz (Heaut. 2, 3) 67b (on gold gezieret Straszburg 1499 s. 75; geschmückt Donner); sie ire petten ... mit wolschmeckenden plümlein gezirt funden Ulmer decameron 15; wendete sich ... das bild meiner mama an dem armband, und indem ich ... ihre feine bildung mit dem simpelsten aufsatz und anzug gezieret sah, überfiel mich der gedanke, wie unähnlich ich ihr in kurzer zeit in diesem stück sein werde Sophie v. La Roche frl. v. Sternheim 54 neudr.; Jupiter aus dem trone schickt den got Phebum schone her auf der erden pone, mit reicher gab gezirt. Hans Sachs (der neidig u. geiczig) fab. u. schw. 5, 290; sonsten mOegen sie ... guldine hauben mit perlen geziert, doch das derselben eine nicht über 100 gulden koste ... wol tragen Augsburger policeyordnung v. 1582 s. 2b; dasz sie ... die rincken an den gehängen, nicht ganz verguldet, sondern nur ein wenig mit gold geziehret tragen Augsb. ordn. v. 1683 s. 78; sie tragen sie (die hüte) geziert mit bändern oder breiten schärpen von tafft Göthe (ital. reise 8/9 1786) 27, 24. 2@bb) neben bedeutungskräftigen verbis ist das particip als nachgesetztes attribut eines substantivs nicht immer von appositionellen fügungen zu unterscheiden, in denen das particip mehr zum satzganzen als zum substantiv selbst fühlung hat. für unseren zusammenhang ist dieser unterschied weniger von bedeutung. solche fügungen, die mittelhochdeutsch besonders gepflegt sind, reichen in die neuere sprache innerhalb der gleichen stilform, der gebundenen sprache, herein, sind aber vor allem durch die erscheinungen bedrängt, die den gebrauchsbereich von geziert im sinne von ornatus einengen. hierher lassen sich auch die änderungen ziehen, die in die erste strophe von Paul Gerhardts 'o haupt voll blut und wunden' eingegriffen haben, wenn nicht etwa spätere abneigung gegen das reimwort schimpfiret stärker wirkte, mit dem gezieret hier verknüpft ist. dafür spricht der versuch von Gervinus (dtsch. dichtung 3 [1853] 355) dieses wort zu retten: schimpfiren ... beleidigt niemanden, der die sprache geschichtlich kennt. vgl.: o haupt, sonst schön gezieret mit höchster ehr und zier jetzt aber höchst schimpfiret, gegrüsset seist du mir. Paul Gerhardt geist. lieder no. 22 Wackernagel; noch im alten Berliner gesangbuch8 (1853); dgl. (hoch schimpfiret) im Hannövrischen von 1884; dagegen schön geschmücket ... von schmach gedrücket würtemb. ges.-buch (1871); schön gekrönet, .. höchst verhöhnet brandenburgisches ges.-buch (1911). trotz der freieren stellung im satze läszt sich für solchen participialgebrauch das substantiv meist feststellen, zu dem es in engere beziehung tritt, das subject oder das object, selten eine weitere ergänzungsbestimmung. gelegentlich bleibt diese frage auch unentschieden: der (himmel) sie, durch seine gunst geziert zur landesmutter uns gebiert. Morhof teutsche gedichte (1) 17; nicht streckt eilig der baum, der neugepflanzte, die arme gegen den himmel aus, mit reichlichen blüthen gezieret. nein, der mann bedarf der geduld. Göthe (Herm. u. Dorothea 5) 40, 278. 2@b@aα) beziehung auf das subject des satzes. 2@b@a@11)) die schOene frawe köstlich gezirt gerade von leibe und schön von gesichte ... ginge mit auf gethon armen Ulmer decameron 80; gott vater von im selbs geziert inn ewigkeit den sun gepiert. Joh. v. Schwarzenberg trostspruch (im druck d. teutschen Cicero v. 407) Scheel s. 27; desgl. (heiden mit vernunft geziert ... probirt) 15; dazu vgl.: und alsdann soll das reich, nach billichem verlangen, gezieret wider gantz mit billichkeit und recht, mehr trost und lob von euch, dan ihr von ihm emphangen. Weckherlin (an den kurfürsten Carl Ludwig) 2, 196: er (das gerippe) rüttelt die thurmthür, sie schlägt ihn zurück, geziert und gesegnet, dem thürmer zum glück, sie blinkt von metallenen kreuzen. ... den gothischen zierrat ergreift nun der wicht und klettert von zinne zu zinnen. Göthe (todtentanz) 1, 209 Weimar. 2@b@a@22)) bemerkenswerth ist die häufigkeit, mit der das particip so in sätzen auftritt, die eines verbums entbehren: vgl. schon die wîʒen infel mit zwain zopfen und ietwedes horn oder spitz gezieret mit einem boschen von pfâwensverdern Brixener urk. v. 1286 s. theil 5, sp. 1126; an ... der höche ein ... wolgezirt pallast mit schönen ... kamern mit köstlichem gemäle geziert ... umb den pallast was ain schOene grne wisen oder anger geziret mit mancherlei schOenen plmlein Ulmer decameron 13; uber alles das weise, kluge und fürsichtig gecziret mit aller tugent 142; siben frawen ... alle weise, züchtig, wol geziert mit tugeten (belle di forma e di costumi) 8; o wunderhaftiges vas, mit allem edlen gesteine so wirdichlich geziret Johann v. Neumarkt leben des heil. Hieronymus 7; der könig im königlichen pracht ... gezieret mit einer krone (redimitus) J. A. Comenius orbis sens. pictus 285; nun hat sie doch ein mündlein zart das brindt rot wie carfunkelstein ir hälszlein weisz geziret fein jr hendlein adelich und rein. G. Forster frische teutsche liedlein (nr. 58 nit lang an einem dantz) 38 neudr.; auf der anderern abseithen einen schönen kleinen saal mit einem steinernen camin auf welsche manier auch mit einer weissen arbeith geziert E. Holl selbstbiographie 21 Meyer. in gleicher weise gehört hierher die formel der buchtitel: katholische bibel ... verteutscht ... durch d. Johan Dietenberger ... mit figuren geziert Cöln 1564; Buonaiuto Lorini ... ausz ital. spraach ubergesetzet ... alles mit ... kupfferstücken gezieret Francf. 1607; desgl. (Jacque Parret) Oppenheim 1613 u. a. (vgl. aber auszgeziert Amsterd. 1648); ebenso Opitz s. erzschrein 124 u. a.; Pamela ... aus der sechsten vermehrten englischen auflage in das teutsche übersetzt und mit kupfern gezieret Leipzig 1763; vgl. dazu die beschreibung: es ist ein schönes werklein, mit sinnreichen kupfern, lieblichen gedichten, prächtigen worten und gelehrten randglossen gezieret Harsdoerffer s. ertzschrein s. 377. 2@b@a@33)) zur freieren verwendung liegen aus alter und neuerer zeit einzelne zeugnisse vor: ein grosses reiches frawenkloster, wol gemachet, und reichlich geziret allenthalben Johann v. Neumarkt leben d. Hieron. (51) 171; gegend, stadt, wohlhabend, reinlich, alles benüzt geziert, allgemeines wohlbefinden, nirgends elend Göthe br. 4, 85. 2@b@bβ) beziehung auf das object: wem dan got hie ein erlich weib tugentsam, frum, gezirt von leib ... auff erd zu seinem heil beschert. Hans Folz 96, 28 A. L. Mayer; in dem sties in an das keler geschos, in die steben ein kleftring leben gos, gezirt mit hündert damen grosen procken. im hilt den kopff das weib peim schopff und sprach: 'ach spei, du foller narr und tropff!' Hans Sachs (der foll speient pawer) fab. u. schw. 5, 294; diss hauss hat einen schönen ausschuss mit allerlei bildern, laubwerk von gipss und hafners-erden gebrannt ziert E. Holl selbstbiographie s. 13 desgl. 22; in seiner geburt-stunde will ich ihm verleihen einen wolgestalten und stärckern leib, als Hercules einen hatte, mit fürsichtigkeit, weiszheit und verstand überflüssig geziert Grimmelshausen Simpl. 209 neudr. 2@cc) die belastung des particips mit ergänzenden bestimmungen thut der voranstellung des attributs in der neueren sprache immer weniger eintrag; vgl. z. b. die wiedergabe des Lutherschen satzes (da haben wir jetzt die feinsten gelertisten junge gesellen und menner, mit sprachen und aller kunst geziert an die rathherren 31) bei Pietsch: die feinsten ... mit sprachen und künsten gezierten leute Weimarer ausgabe 15, 14. diese belastung sichert das vorgesetzte attribut in der neueren sprache allein noch in seiner alten bedeutung gegenüber dem von absolutem gebrauch aus vordringenden bedeutungswandel im sinne von gekünstelt. 2@c@aα) zur ergänzung sind noch immer überwiegend substantiva herangezogen, die meist mit präpositionen angeknüpft sind. seltener ist die form der composition: der purpur gezierte cardinal Bellarminus ... meldet Caccia lebensthaten des heil. Antonius 352; auff seinem haubt hat er ein krönlein mit eim girbel gezierten drOenlein. Hans Sachs der einig vogel fenix s. 1 (1560) 76a; das gleiche (teutsche reimen ... von dem phenix) bei Heyden verdtsch. des Plinius (1565) 402 (zu girbel = giebel, gipfel s. Schmeller 12, 935; H. Fischer schwäb. wb. 3, 662). 2@c@a@11)) wolgepflantzte und mit mancherlei edlen kräutern, schönen blumen ... durch und durch gezierte garten Rist vorr. z. 3. buch der himml. lieder A 3a; wie sauer es sie ankomme, die holdselige und mit solcher vollkommenheit gezierte felder zu verlassen Opitz verdeutsch. v. Sidneys Arkadia (1.) 97 (so many things united in perfection 32); und hat auf vierzehn stunden weit, die schönste gegend eines mit feldern, wiesen und zerstreuten bauerhöfen gezierten thales vor sich liegen Sophie v. La Roche frl. v. Sternheim 75. neudr. 2@c@a@22)) bei der beziehung auf kleidung und leibesschmuck gewinnen wiederum die standes-unterschiede und vorrechte besondere geltung: 2@c@a@2@aa)) auff seinen haaren ... trug er einen mit köstlichen rubinen reichlich gezierten bund nach persischer manier Opitz Sidneys Arcadia (5. buch) s. 959; küszete ihre, mit kostbaren perlen und ringen gezierte arme und hände der im irrgarten d. liebe herum taumelnde cavalier 63; die mit ... gestickten schuen, gezierte, artige, kleine füsze 64. 2@c@a@2@bb)) ferner seind ihnen auch zugelassen die gestrickte allein mit gesponnen gold, doch ohne ... guten perlen gezierte hauben Augsburger zierd und kleiderordnung v. 1668 B 3a; sollen sie sich mit perlen geziehrten hauben zu tragen, nicht unterstehen, wohl aber solche mit gesponnenem golde zu ziehren befugt sein ordnung von 1683 s. 83; mögen ... jungfrauen dieses stands guldine und mit perlen gezierte hauben (tragen) 78; mit ... rosen geziehrte baretlein 83; mit spizen gezierte überschläg 99; edelleute und bürger waren auch ... durch äusserlichkeiten und abzeichen aller art, durch den dem adel ausschliesslich zukommenden degen ... und durch den dreieckigen, mit den weiszen strauszenfedern gezierten hut ... geschieden Th. Mundt gesch. d. dtsch. stände 454; eine mit ... edelgesteinen geschmückte reichsgräftliche krone, auf welcher fünf ... mit anhangenden goldenen kleinodien ... gezierte adeliche turniershelme ruhen Bernd beschreib. d. ... wappenb. der preusz. Rheinprovinz s. 11; das schild ist mit einem blau angelaufenen ... mit goldenen bügeln und anhangendem gleichmässigem kleinode gezierten ... goldgewirkten offenen adelichen helm bedeckt ebenda. 2@c@a@33)) die gewöhnliche mit lorbeeren gezierte siegeszeichen Sandrat teutsche academie 2, 3, 32. ferner werden jhnen hiemit die kostbare, gezierte und gemahlte gutschen oder carreten ... die lange mit gold und silber gestickte oder gezierte und gebrAembte satteldecken ... abgeschafft Augsburger zierd und kleiderordnung von 1668 B 2b; neben denen mit messingnen nägeln gezierten kutschen ordnung von 1683 s. 109; hierauf sieht man zwo creutzweis liegende und mit bändern gezierte fackeln beschr. d. sogen. mantuanischen gefäszes in Wolfenbüttel (o. j.) 7; schöne schrifften und mit linck - wuormischen zügen gezierte strich und buchstaben teutsch-unartiger sprachverderber E 2a; welche beide begierig sein, das fruchtbringende newe, in kupfer gestochene, undt mit gedruckten reimen, undt wörtern gezierte gesellschaftbuch, zu sehen Christian II. v. Anhalt s. der fruchtbringenden gesellsch. ältester ertzschrein s. 87; desgl. 380; ein schönes mit goldnen knöpfen geziertes buch Wieland Lukian 6, 43; an den langen, mit bunten questen gezierten pfeifen Felix Schnabel univers. jahr s. 19; die kleinen mit krystallglas gezierten wandleuchter Fontane vor dem sturm (3, 11) 452. 2@c@a@44)) dasz es nichts anders als ein blosser, wie wol mit vortrefflichen gaben gezierter mensch were Opitz übers, Sidneys Arkadia (1.) 20 (but a man, although of most devine excellences s. 4); einen mit wissenschaft und richtigen begriffen gezierten geist Sophie v. La Roche frl. v. Sternheim 82. 2@c@bβ) unter den adverbialen bestimmungen sind die alten formen durch neue verdrängt worden, vgl. auch die pronominale ergänzung: so einen beduncket, wie er auff einem schOenen darzu bereiten unnd gezierten platz dantze W. Ryff traumbuch Artemidori (7. cap. 73) s. 69 (compositum ad hoc & alio apparatu instructum). 2@c@b@11)) bemerkenswerth ist, dasz die bausprache, für die beim attributiven geziert präpositionalverbindungen nicht beobachtet sind (vgl. aber: mit gewürkten tapeten ... ausgezierten saal Göthe Meisters theatral. sendung 311; übermässig ... verzierten wagen 39, 153; eine auf diese art eingetheilete und verzierete wand Winckelmann anm. üb. d. baukunst der alten 66; unter einem ... flachbogigen, mit ... akanthusblättern verzierten ciborium G. Hager bauthätigkeit in Wessobrunn [oberbayr. archiv 48 ] 215, u. a.) gerade die verbindung mit adverbien liebt: (Minerva) verfgt sich erstes gangs zuo dem kostparlich gezierten schlaffgmach der wunderpar schOenen tochter des künigs Nausicaa gnannt Schaidenreisser (Odyssee 6) 28b; ein schön geziertes sälen mit weisser arbeit E. Holl 21; wolgemachte kunststücke, welche in den prächtig gezierten kammern und gemächern ... zu finden Rist vorr. z. 3. buch der himml. lieder A 2b; durch einen geraumen überaus schOen gezierten saal Göttinger student auf der Plesse 1 (22); eine prächtig gezierte kirche ... mit der aufschrift: Santa Maria ... Ign. Franz tagzeiten (1782) vorrede; artig ist das innere des theaters mit sechs reihen verschiedenartig gezierter logen übereinander Grillparzer (tagebuch auf der reise nach Italien) 195, 219; holzsäulen mit reichgeschnitzten kapitälen tragen die phantastisch gezierte decke Fontane vor dem sturm (1, 13)15, s. 105. 2@c@b@22)) sammetnen mit perlin gestickten und köstlich gezierten schuhen Aeg. Albertinus 378; er stieg von seinem prächtig gezierten pferde Klinger (Fausts leben) 3, 65. 2@c@b@33)) o hoch gezierter tag, ein tag des heils und ehren, ein tag, an welchem uns die engel selbsten lehren, ein rechter freudentag voll herrligkeit und pracht. Opitz (lobgesang a. d. geburt Christi) geistl. poemata 3, 196; o schwartze, wenn zu dier ein wohlgezierter freier in deinen zimmer kOemmt? und weichest alsobald aus seinen augen weg, weil er von gelde kalt. Zesen (Sixain) Helikon 2, 14. 2@c@gγ) der absolute gebrauch des particips giebt der bedeutung von geschmückt im heutigen sprachgefühl keinen raum mehr; er findet sich auchvon vereinzelten ausnahmen abgesehennur in älteren belegen. 2@c@g@11)) Florentz besichtiget er auch, er wunderte sich ... der künstlichen zierdt von den schönen schwibbogen und gewelben, desz schOenen gezierten baumgarten zu S. Maria volksbuch von dr. Faust 60 neudruck. wir scheiden aus dem kerker herbes klagens in das geziehrte schloss der höchsten wonne. Gryphius (Karolus Stuardus 5) trauerspiele 465 Palm; er war von Abydos, und die, so ihn entzündt, von dem gezierten Sest. Bodmer character der teutschen gedichte, neudruck s. 34; zur dritten decoration hatte ich solche gewundene und gezierte säulen componirt und transparent mahlen lassen wie sie in den Raphaelischen cartons, bei der heilung des lahmen, in einer vorhalle des tempels stehn Göthe br. 11, 25. unentschieden bleibt, ob das folgende noch hieher gehört, oder nicht besser zu geziert = gekünstelt (s. sp. 7139) zu stellen ist: die nacht (von Correggio) ... ist ein qualmiges ding mit gezierten figuren Grabbe bei Immermann (memorabilien 2) 12, 78. 2@c@g@22)) dann eine gezierte braut läst sich vil lieber zum tantz führen, weder ein ungezierte, welche unversehens auffgezuckt wirdt ... weil sie noch nit geschmuckt ist Aeg. Albertinus landstörtzer Gusman (1615) 717. was euch heist des himmels gunst, die euch zwei zusammen giebet; der gezierten braut gestalt sei bald fruchtbar, langsam alt. Opitz poemata (1690) 2, 61; vgl. oben sp. 7130; vgl. auch von gezierten weibern Lorich 442 (s. o.); dieser Byzaz wird allhier gesehen mit einem gezierten helm Sandrat teutsche academie 2, 3, 32; der heilige eremit ... hat sich wie einen soldaten gekleidt, an statt der capuzen, einen hut mit federn, an statt der kutten, ein geziertes koller genommen Abraham a S. Clara heils. gemisch-masch 371; verbrämte und geziehrte, wie insgemein elle vergulte sachen Augsburger ordn. v. 1683 s. 87; vgl. ungezierte kleider Albr. v. Eybe ob einem manne 5b; endlich ... ihre edlere und zärtlichere glieder nicht in alle die krausen, gehackten, gezierten, frisierten und namenlosen hüllen kleiden J. Möser (schreiben an meinen herrn schwiegervater) 1, 2. 2@c@g@33)) mich kann es wenig kümmern noch betrüben, seh' ich in schöner schrift, gezierten bänden, euch hin und wieder gehn in allen händen; hab ich doch auch schon manches blatt beschrieben. O. H. graf v. Loeben (lehrlingsstand) 124 Pissin. 2@c@g@44)) bei der übertragung auf geistige bethätigung ist die grenze gegen die neuentwickelte bedeutung schwer zu ziehen; sicher gehören aber hierher: die ir vernunfft und sinne allein zu irdischen dingen habent gepraucht ... in geczierter beschreibnüs der hystorien und kroniken als Marcus Varro und Thitus Livius österr. chronik. v. d. 95 herrsch. 2, 1. Seemüller; fürbasz bittet auch mein herr ... dasz er euch seinen guten raht, hülff und beistandt darzu thun wölle ... mit viel andern hübschen gezierten worten, und alles in frantzösisch reiszbuch desz heil. lands 1 (1609 Franckfort) s. 81. 2@c@dδ) substantivierungen sind naturgemäsz selten. auf dem absoluten gebrauch beruhen: herr Christian der vierte der christliche monarch, der wehrte, der gezierte. J. Rist neuer teutscher Parnasz (1652) s. 6; vgl. auch den gesellschaftsnamen der gezierte: der gezierte (C. Rantzow) und ansehnliche solten gleichfals diese sache zu befördern nicht unterlassen fruchtbr. gesellsch. ertzschrein s. 398; vgl. auch oben sp. 7132. jünger ist die unter dem einflusz des lehnwortes decoriert stehende substantivierung des belasteten particips: da ein solches nun einem mit dem Wladimirorden dritter classe gezierten sehr übel anstehen würde Görres an Meusebach briefwechsel mit d. br. Grimm, einl. s. 14. 33) die neue sonderbedeutung des unnatürlichen und übertriebenen (geziert = gekünstelt) beruht auf dem absoluten gebrauche in der übertragung auf die gesellschaftliche oder litterarische bethätigung des menschen. im gegensatze dazu ist das gebiet der bildenden künste und des kunsthandwerks dieser bedeutungsentwicklung nicht günstig, vgl. sp. 7138 zu Grabbe. dasz die belastung mit ergänzungsbestimmungen ebenfalls im wege steht, zeigt sich z. b. am folgenden: dieser geck erzehlete dem rahte der heloten (mit einem eusserlich mehr einfältigem als von rednerischen blumen geziertem gespräche) Opitz verdeutsch. v. Sidneys Arkadia 69 (with such a kind of rhetorike, as weeded out all flours of rhetorike s. 22). sobald das particip hier absolut gebraucht ist, tritt für unser sprachgefühl die neue tadelnde bedeutung vor. in älteren belegen musz diese empfindung zurückgedrängt, musz mit einer anders gearteten auffassung gerechnet werden, wie sie dieser zeit oder den betreffenden verfassern aus ihrer stellung zum schmuck der rede nachgewiesen ist; vgl.: ihr sein peinliches anliegen fürzustellen, mit mehr gezierter wolredenheit, als immermehr desz Mercurs gewesen Opitz Arkadia 164. vielfach ist auch aus dem zusammenhang, namentlich aus der verbindung mit synonymen, zu ersehen, ob die lobende oder tadelnde bedeutungsrichtung beabsichtigt ist. für die ältere bedeutung zeugt: der vers ist männlich zwar, jedoch geziert und zart, ist sittsam doch behertzt, voll, doch nicht schwer und hart. Bodmer character der teutschen gedichte neudruck s. 22; zur neuen tadelnden bedeutung vgl.: die protestationen des abbé Millot, der einige zeilen (aus Arnaud Daniel) als beispiel des gezierten anführt, die vielmehr von einer wunderlieblich blühenden fantasie zeugen A. W. v. Schlegel vorles. über schöne litt. s. lit. denkm. 19, 186. dazu vgl. die contrastverbindungen und die synonyma in: Tasso ist oft ... geziert, wo er zierlich ... scheinen will Fr. Jacobs verm. schr. 6, 568; ich trinke, wie man es mir giebt, um nicht geziert oder ungezogen zu scheinen Tieck übers. des Don Quichote 2, 256; es machte einen gezierten und lächerlichen eindruck R. Haym aus meinem leben 66; geziert und zimpferlich Jacob Grimm s. u.; geziert und spitzfindig, steif, unwahr s. die substantivierungen sp. 7142; vgl. mein süsses thier, sei ja nur nicht geziert! nicht albern, nicht gekünstelt, nicht verschroben. Frank Wedekind Lulu (prolog) s. 12. gelegentlich ist die frage absichtlich offen gelassen, wie in: ich mag mit herrn D. nicht wetteifern; er hat so viel poetischen styl und sprache in seiner gewalt; aber ich wollte ein stück bei ihm sehen, das nicht in einem andern sylbenmaasse eben so gut, das ist, eben so geziert, erscheinen sollte, und manches ist, ohne umschweif, übel gewählt Herder (über Ossian) 5, 175. anfangs (vgl. auch oben sp. 7125) werden auch da, wo der zusammenhang deutlich entscheidet, noch besondere hinweise gegebenein zeichen, dasz die neue bedeutung noch nicht ganz eingebürgert ist: die schreibart gefällt uns nicht. sie ist durchgängig geziert — schön sein sollend, witzelnd Erfurter gel. anz. 1769 s. 449, besprochen im sendschr. eines landpriesters s. 19 vgl. zeitschr. dtsch. wortf. 7, 254. um der zweideutigkeit zu entgehen, werden um dieselbe zeit mehrfach andere bildungen aus der gleichen sippe vorgeschlagen: ziererisch vgl. Ramler s. o. sp. 7126. in dem verzierten überladenen geschmack Joh. v. Müller 7, 84. die sprache ging jedoch einen andern weg; sie hielt an geziert in dem sinne von verkünstelt fest und drängte andere bedeutungen des gleichen particips immer mehr zurück. 3@aa) diese entwicklung wurde durch fremdsprachliche einflüsse begünstigt, durch das vordringen französischer bezeichnungen wie affecté und précieux, die von bestimmten strömungen der franz. litteratur getragen, als lehnworte (affektiert und pretiös) in den deutschen gebrauch eindringen, dort abernamentlich bei der übersetzung maaszgebender franz. werkedas bedürfnisz nach deutschen prägungen mehr und mehr weckten. 3@a@aα) affecté führt in solcher engeren bedeutung schon auf entsprechende lat. entwicklung zurück; bei Quintilian ist die bedeutung des gekünstelten, gesuchten, erzwungenen schon ausgebildet, und affectatus auf die rede und schreibart bezogen. die deutschen buchungen werden dem tadel, der hierin liegt, langsam gerecht: affectata verba, mit fleisz gesuchte wort, inaffectatus nicht gesucht, einfältig Dasypodius lat.-dtsch. L 6a. affectatus ... ze fast geflissen Cholinus - Frisius (1540) 45a; affectatio ... überiger fleisz ebenda; ähnlich Calepinus; affectation ... angenommene und gezwungene weise ... dict. nouveau (Genf 1683) s. 24. die bildungen gesucht (vgl. oben sp. 4285/6) und gezwungen s. u. bringen nur die eine seite des begriffs, den gegensatz zu der natürlichen darstellung zum ausdruck; die mittel jedoch, deren häufung oder überspannung zu solchem gegensatze führt, zeichnet unser particip treffender. es ist gerade für affecté von Ramler gern verwendet in seiner verdeutschung des Batteux: dasz seine (des Boileau) beschreibungen fast immer mit überflüssigen zierathen beladen sind ... dasz es voll allzuglänzender bilder, gezierter wendungen, tändelhafter gedanken ist Ramler einleit. in die schönen wissenschaften 3, 198 (d'ornemens superflus ... de tours affectez Batteux 3, 152); man überladet die natur, man schmückt und putzt sie ... man liebet wunderbare verflochtene gedanken, eine geheimniszreiche sprache, zugespitzte einfälle, mit einem worte, eine gezierte schreibart (en un mot de l'affectation 1, 56) 1, 72; desgl. (s. sp. 7142) 1, 229 (1, 175). 3@a@bβ) auch prétieux wird von Ramler mit geziert wiedergegeben, während das 18. jahrh. sonst gerade hier das lehnwort liebt: gezwungener witz und pretiöse ausdrücke ... die Hall. gel. zeit., die Gött. anz. u. a. m. brauchen dies wort durchgängig. es musz also wohl das deutsche bürgerrecht erhalten haben; dem ohnerachtet aber wird es einem reinen deutschen ohr immer anstöszig sein 'sendschreiben eines landpriesters' s. zeitschr. dtsch. wortforsch. 7, 256. vgl. andererseits: wenn ein junger mensch phantastisch, geziert, ein sogenannter stutzer ist Ramler 258 (un jeune homme est prétieux, petit maitre Batteux 2, 239). die übersetzer von Molières précieuses ridicules sind erst auf weiten umwegen zu der gleichen verdeutschung gekommen: die lächerlichen kostbaren 1694; die lächerlichen einbildnerinnen 1695; lächerl. pretieusen 1752; die verschrobenen L. Lax 1837; zierpuppen o. j. (19. jahrh.); die gezierten Aug. Cornelius bei Reclam; die lächerlichen preziösen Hauser. dazu vgl.: dies lächerlich gezierte wesen ist nicht nur in Paris, sondern auch in den provinzen gang und gäbe Cornelius s. 5 (l'air précieux ... das gezierte benehmen zierpuppen 10; die kostbare lufft 1694 s. 1, 354; die hochtrabende weise 1695 s. 354; die seuche des gezwungenen witzes 1752 1, 191; das verschrobene wesen Lax 300; das preziöse wesen Hauser s. 3), s. auch unter geziertheit. dazu vgl.: nichts erschien mir liebenswürdig, als diese jungen hirtinnen, nichts natürlich, als ihre gezierten redensarten Herm. Licht verdeutsch. v. Toepfers bibliothek meines onkels (1874) 10 (rien de naîf comme leurs phrases précieuses, ihre zierlichen reden C. F. Heyne 1912). 3@a@gγ) der älteste beleg für geziert im sinne von verkünstelt ist bei Gottsched beobachtet: die gezierte art in ihren geberden und kleidungen vernünft. tadler 1, 238 (ebendort gezwungene art) s. Reichel ztschr. dtsch. wortf. 8, 176. 3@bb) der ausgangspunkt der entwicklung 3@b@aα) liegt in den attributiven verbindungen, die dem absoluten gebrauch besonders offen stehen. im gegensatz zu werken der handfertigkeit und der bildenden kunst sind es litterarische erzeugnisse, die die neue bedeutung an geziert herausfordern, noch mehr aber wird das gesellschaftliche auftreten, haltung und gebärde getroffen: 3@b@a@11)) so hören wir nicht mehr die blühende sprache, sondern die gezierte; wir sehen nicht mehr die natur, sondern die actrize Gerstenberg (über Weisze, list über list) litt. denkm. 128, 31; und hier tritt jener unterschied zwischen gezierter und derber sprache ein Jacob. Grimm s. theil 1. einl. sp. 33; wohl aber beleidigte ihn die gezierte sprache der frau, und die breite ausrede der demoiselle Schulz F. L. W. Meyer F. L. Schröder (1819) 1, 126; wahre und warme empfindungen, statt eines gezierten und seltsamen ausdrucks Gerstenberg (über Bodmers archiv d. schweiz. kritik) litt. denkm. 128, 99; mit schalen werken ... voll seichten witzes, voll gezierter wendungen (Riedel, über d. publicum) 128, 166; desgl. (gezierte wendungen) 128, 86; er schrieb und sprach ein elegantes, vielleicht ein wenig geziertes latein Paulsen aus meinem leben 123; ein geziertes, klein, schrumpfig ding, was nicht den abdruck lohnt Laube neue reisenovellen 1, 308 (1837); ... gezierte poesie, s ist wie der passgang eines steifen gauls. Schlegel Shakespeares Heinrich IV 1, 3, 1 (mincing poetry). 3@b@a@22)) ich musz alle tage neben dem friseur eine ihrer jungfern um mich haben, welche beide durch ihr geziertes wesen und die vielen umstände, die sie machen, meine geduld in ... übung erhalten Sophie v. La Roche frl. v. Sternheim 60 neudr. 'dichter hab ich auch gelesen: Tiedge, Hölty, Wieland, Gleim.' 'glaub's, denn ihr geziertes wesen wirkt auf mich wie gerstenschleim.' Cl. Brentano ges. schr. 7, 403. von einem gezierten pietistisch blickenden jüngling Th. Mundt Berlin und seine künste 32; fratzjee, gezierter mensch (Hans Meyer) der richtige Berliner2 19. 3@b@a@2@aa)) indem er sich von seinem platze erhob, mit dem gezierten anstand eines theaterdirektors Mörike (maler Nolten 1) 3, 148 Göschen; wenn man auch zugeben musz, dasz der knabe, der dort am baume lehnt, eine etwas gezierte und bewusste stellung hat, so ist doch das colorit und die zeichnung vortrefflich Th. Mundt Berlin und seine künste (1844) 32; es war dem freiherrn eine stille unterhaltung, zu beobachten, wie die gezierte haltung der tochter von dem kriechenden wesen des vaters abstach Gustav Freytag (soll und haben 2, 4) 4, 245. 3@b@a@2@bb)) ich weisz nichts an ihm als seinen eleganten, etwas gezierten gardegang zu tadeln Ottilie v. Göthe (an August) s. schriften der Goethegesellsch. 28, 79; Montleveau ... hatte den kleinen, mit gezierten bewegungen hüpfenden düc bei seite genommen Heinr. König die clubisten in Mainz 1, 55; er faszte don Giulio unter dem arme und lud den herzog und den cardinal mit einer gezierten handbewegung zum vortritte ein C. F. Meyer Angela Borgia 82; im begriff, das stück aus einander zu falten und es als leichte schützende decke über das bett und die leiche zu legen, ... fiel mir doch die nutzlosigkeit einer so gezierten handlung in so ernster stunde auf die seele Gottfried Keller (grüner Heinrich 4, 15) 3, 257; 'ja' versetzte die andere mit einer gezierten stimme G. Reicke das grüne huhn2 s. 258. 3@b@a@2@cc)) französirt in der gezierten lebhaftigkeit, die sich durch nichts als fragen und ausrufungen aüssert; unrömisch durch den merklichen mangel ... jener weisen sparsamkeit in den verzierungen Gerstenberg rezensionen (aus Herders krit. wälder 2, 261 angeführt) litt. denkm. 128, 203; sie (die deutschheit) hatte zwar schon als kind etwas von gezierter männlichkeit und prunkhaftem biedersinn an sich A. W. Schlegel s. Athenäum 1, 7; der damalige ton gesuchter aufmerksamkeit und gezierter galanterie Heinr. König die clubisten in Mainz 1, 108; und Cäcilie hatte die ganze ... arbeit, alles, was die schöne Irene in ihrem niedlichen gethue, in ihrer gezierten besorgnis um den vater in unordnung gebracht, wieder fortzuräumen G. v. Ompteda Cäcilie v. Sarryn 1, 21. 3@b@bβ) in die gleiche bedeutungsrichtung mündet der gebrauch des particips auch auszerhalb der attributiven verbindungen mehr und mehr ein: 3@b@b@11)) eintönig und geziert sind ... die meisten bewillkommnungsreden der franz. akademie Herder (Kalligone) 2, 2, 161; Alwina hat noch immer die ihr angeborne güte und ist viel weniger geziert Ottilie v. Göthe s. schr. d. Goetheges. 27, 168; vgl. auch (s. o.) F. Wedekind Lulu s. 12; das grobe, derbe wird leicht unrein ... das feine geziert und zimpferlich (ornatum, molle) Jacob Grimm einleit. zu theil. 1. sp. 32. 3@b@b@22)) mit gesprächen ... in denen die angehende liebe ... sich nach und nach so lebhaft offenbarte, dasz es sehr geziert heraus gekommen wäre, wenn sie ihrer Laura länger ein geheimnisz daraus hätte machen wollen Wieland (don Sylvio 4, 7) 11, 317; gegen büchersaal wandte Moritz ein, es würde geziert klingen ... der königliche büchersaal Campe verdeutsch. wb. 150; aber auch nach dem ... blieb eine gewisse abneigung gegen die sprechweise des Norddeutschen, sie klang, weil undialektisch und buchmäszig, geziert und absichtlich Paulsen aus meinem leben s. 143; er sprach in seiner drolligen geziert klingenden deutsch - dänischen ausdrucksweise Detlev v. Liliencron (aus marsch u. geest) 2, 145. 3@b@b@33)) die geberden des theaters würden auf der kanzel geziert lassen Ramler (parâtroient affectez Batteux 1, 175) 1, 29; bei jeder staubwolke, die aufstieg, hielt ich mund und nase so geziert zu, als ob die sandstrassen um Berlin mit teppichen belegt wären Thümmel (reise in d. mittägl. prov.) 4, 218; ihm gegenüber hängt eine ururtante von mir ... in der linken hand, etwas geziert, hält sie an einem faden ein flatterndes rothkehlchen. das ist echt im geschmack damaliger zeit Detlev v. Liliencron (aus marsch u. geest) 2, 238; allmählich hatte der cigarrenrauch den salon erfüllt, und gräfin Behnen wedelte geziert mit dem taschentuch, als ob sie es nicht mehr aushalten könne G. v. Ompteda der zeremonienmeister6 10; ein eleganter schlanker mann, mit groszer sorgfalt gekleidet, etwas geziert gehend und sprechend s. 32; u. a. 3@b@b@44)) der damalige gesellschaftston, geziert in den höheren kreisen, war in den bürgerlichen naiv und frei Heinrich König die clubisten in Mainz 1, 115. 3@b@gγ) die substantivierung, die im gegensatz zu der sprödigkeit bei der grundbedeutung (s. o.), bei der neueren entwicklung gepflegt wird, bevorzugt die unpersönliche form: das gezierte, spitzfindige ... das so oft die nativam simplicitatem seines gewöhnlichen ausdruckes zu überschwemmen scheint Gerstenberg (s. Schlesw. litbr. 16) litt. denkm. 29, 126; und wenn ich an seine schwester denke, hast du je etwas so steifes, geziertes und unnatürliches gesehen! F. M. Klinger (zwo freundinnen 2, 1) theater 2, 212; alles macht sich ganz einfach und ungekünstelt, da ist gar nichts steifes und geziertes, sondern die herrlichste einfalt Th. Mundt Berlin und seine künste 29; [Stein] suchte dabei so wie im gespräche durchaus nie nach dem gewählten oder gezierten E. M. Arndt schriften für meine l. Deutschen 3, 238; das gezierte und unwahre liegt dir fern Moltke (an seine braut) 6, 62; der ausdruck musz einfach und natürlich sein. das bedingt die abstossung alles phrasenhaften und gezierten, welches keinem menschen, am allerwenigsten aber der jugend wohl ansteht Adolf Schultz methodik des unterrichts in der deutschen sprache (1906) s. 165. 3@cc) belastungen des particips bei dieser bedeutung gehören erst neuerer entwicklung an. 3@c@aα) am wenigsten stören gradadverbien, vgl. etwas geziert bei Ompteda s. o.; als er anfieng, auch zu freundlich zu zerschmelzen, zu geziert, wie Malvolio in Shakespeare's 'was ihr wollt', nach geschnörkelten phrasen wie nach fliegen zu haschen, da entwand sich ihm das listige mädchen Gutzkow ritter v. geist 1, 165; allein während des zurücklaufens dünkte mich gerade dieses bedauern wieder zu geziert, ich kehrte nochmals um Gottfr. Keller (grüner Heinrich 2, 11) 1, 346. 3@c@bβ) kennzeichnende adverbia: nicht mädchenhaft gezierte falsche scham verhindre mich. Platen 4, 301; denn im arbeitsschurz und in den schlappschuhen beobachten manche gesellen immer einen eigentümlich gezierten gang, als ob sie in höheren sphären schwebten, besonders die gebildeten buchbinder, die lustigen schuhmacher und die seltenen sonderbaren kammmacher G. Keller (die drei gerechten kammmacher) 4, 218.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    geziert(Part. Prät.=)Adj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    geziert , (Part. Prät.=)Adj. Vw.: s. gezieret

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Geziertadj, adv

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Geziert , — er, — este , adj . u. adv .. eigentlich das Mittelwort der vergangenen Zeit des Aussagewortes zieren , beson…

  3. Sprichwörter
    Geziert

    Wander (Sprichwörter)

    Geziert 1. Geziert wie der Osterochs. 2. Geziert wie ein Franzose. ( Lit. ) Wird gewöhnlich gebraucht, wenn jemand im Fr…

  4. Spezial
    geziertadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    geziert , adj аффектированный , п → FiloSlov gekünstelt, adj → FiloSlov affektiert, adj → FiloSlov schwülstig, adj → Fil…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit geziert

4 Bildungen · 1 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

geziert‑ als Erstglied (1 von 1)

geziertheit

DWB

geziert·heit

geziertheit , f. , substantivableitung zum vorhergehenden, in dessen jüngerer nebenbedeutung; vgl. geziertheit Campe 2, 371 . 1 1) in der äl…

geziert als Zweitglied (2 von 2)

Ableitungen von geziert (1 von 1)

ungeziert

DWB

ungeziert , part.-adj. adv. , nicht geziert ( s. d. ). mhd. ungezieret; mnd. ungesiret; mnl. ongeziert; nl. ongezierd. a a) ohne sittlichen …