granne,
f. ,
älter gran,
dies auch m., n., '
barthaar, gräte, ährenstachel'.
ahd. grana:
gene crana (
Pa, K, Ra)
ahd. gl. 1, 164, 2
St.-S. (
s. u. 1 a),
als st. oder schw. f., ebenso greno grane (12.
jh.)
sumerlaten 46, 25;
nach greno granun (13.
jh.)
ahd. gl. 3, 391, 62,
granones granen
ebda 3, 70, 35,
grenones granun (12.
jh.)
ebda 177, 55
als schwach, nach granones gran (15.
jh.)
ebda 70, 34
wohl als stark anzusetzen wie auch granones grani (12.
u. 13.
jh.)
[] ebda 33 (
für grane,
vgl. Braune
ahd. gramm. § 60).
mhd. gran, grane
ebenfalls als st. u. schw. f.; ersteres überwiegend, meist in apokopierten formen, die die unterscheidung von sg. und pl. oft unmöglich machen. mnd. grāne (
dim. grān[e]ken) Lasch-Borchling 1, 2, 149 (
mnl. graen
neben grane Verwijs-Verdam 2, 2104);
länge des vokals auch sonst: grayn (
omd. 1420)
lt.-dt. voc. 6
b Schröer (ay = a
entspr. convallis tayl
ebda 11
a,
letum toyt 21
a u. ö.); grahnen Bartisch
augendienst (1583) 82,
bes. in den maa., auch mit verdunkelung des stammvokals: graan (
nd.)
laut Campe 2 (1808) 441
a; gran
rhein. wb. 2, 1350
s. v. granne; grân Lexer
kärnt. 120; grôñ, grån,
wetterauisch graun, grahne Crecelius
oberhess. 433,
siebenbürg. grun
in: PBB 12, 126, groine Anton
Oberlausitz 8, 15,
selbst umgelautete formen begegnen: von den gränen Tabernämontanus
kräuterb. (1588) 727,
s. auch unt. 2.
unsicher eine variante grën Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15 049
Singer. genuswechsel gelegentlich: gran,
m., mit verweis auf granne,
f. Krünitz 19 (1780) 700; graane,
m. Schön
Saarbr. 86
a;
als n.: ein graues gran Rosegger
wildlinge (1906) 52,
vgl.gran,
n. Unger-Khull
steir. 302
b.
nhd. erscheint das wort schriftsprachlich seit dem 18.
jh. fast ausschlieszlich in der schreibung granne. —
ae. granu,
f., anord. gron,
f., beide stark, got. *grana,
f. (
weniger wahrscheinlich *grano,
f.) (
erschlossen aus Isidor lib. 19,
orig. cap. 23:
ut videmus cirros Germanorum, granos
et cinnabar
Gothorum, vgl. du Cange 4, 100
a s. v. grani; Sofer
lat. u. roman. a. d. etymologiae des Isidorus 136).
gleich gräne,
f. (
sieh dort) '
fichte'
als n-
bildung zur idg. wz. *gher- '
hervorstechen',
zu der auch gräte
gehört, vgl. bes. gall. grennos,
mir. grenn '
bart',
bret. grann '
augenbraue'
aus *ghrendhnos,
*ghrdhnos,
s. Walde-Pokorny 1, 606; Pokorny
idg. etym. wb. 440.
mlat. grani, granones, grenones,
pl. (du Cange
a. a. o.)
sind teils aus dem germ. entlehnt, teils zeigen sie, wie span. greña,
afrz. grenon
u. a., contamination der keltischen sippe mit der germ., s. Corominas
diccionario etim. de la lengua castellana 2, 777
f. 11)
stacheliges, steifes haar, vorzüglich vom barthaar, nicht aber vom haupthaar; älterer sprache zugehörig, jünger besonders mundartlich nachklingend. 1@aa)
von barthaaren, auch für den bart selbst: gene, loca super buccas crana, stat upar mund (
Pa.)
ahd. gl. 1, 164, 2
ff. St.-S.; der übersetzer kannte genae '
wangen'
nicht, und bucca war ihm nur im spätlat.-rom. sinn von '
mund'
geläufig, so übersetzte er genae mit grana '
schnurrbart' (
s. Wissmann in:
fragen u. forschungen im bereich d. germ. philologie [1956] 112).
auch sonst zielen die meisten älteren belege, soweit sie genaue interpretation zulassen, auf die barthaare der oberlippe: der keiser zürnte harte: mit gestreichtem barte, mit ûf gewunden granen hiez er die phacht vure tragen
Rolandslied 1156
Maurer; die nase lac disem vf den granen Herbort v. Fritslar
liet v. Troye 5848
Frommann; vgl. 3215; daz im sîn munt was sô rôt unt daz vor jugende niemen dran kôs gein einer halben gran Wolfram v. Eschenbach
Parzival 244, 10;
vgl. Willehalm 286, 8; (
die bewohner des landes) sind vet und kleynesik sam dy affin und ane bart, ane alleyne uf der obirstin lippin do han si eczliche gran
md. Marco Polo 19
Tscharner. aber auch für die barthaare allgemein: an wangen und an kinne kôs man im noch lutzel gran Albrecht v. Halberstadt 32, 151; dem ungevüegen manne wâren granen unde brâ lanc rûch unde grâ Hartmann v. Aue
Iwein 445
Benecke-Lachm. [] kollektiv '
das barthaar, der bart': der heiden hât mîn hant erslagen, ob ichz rehte prüeven kan, mêr denn mîn houbet und die gran der hâre hab mit sunderzal Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 206, 22; swarz und snoede was sin gran
fragmente 32
b in: slg. dt. ged. a. d. 12.—14.
jh. 3
Myller; als er (
der junge Wigalois) sein selbs störck empfinden warde vnd im die granen aller erst hersprungen
Wigaloys (1493) a 5
a.
vgl. mhd. komposita wie gransprunge,
adj. mhd. wb. 2, 2, 548
a (
an. gransprettingr
zs. f. dt. altert. 70, 31), gransprunge,
f. ebda. eine spezielle bedeutung '
die spitze eines haares'
tritt nur vereinzelt hervor und kann (
gegen Lexer 1, 1068)
als ursprüngliche nicht wahrscheinlich gemacht werden: daz kein swert beruorte die den noch an dem barte nie was entsprungen hâres grane Konrad v. Würzburg
Silvester 1088
Gereke. in nhd. zeit fast nur in der mundart und unter ihrem einflusz, doch s. noch 2grannig 2: und nicht ein graues gran im bart Rosegger
wildlinge (1906) 52.
vgl.de granə no wat lecke '
den schnurrbart, wenn die speise gut geschmeckt hat'
rhein. wb. 2, 1350;
auch in redensarten, die hier oder in b
wurzeln: enem onger de granə gohn (
unter die wimpern, barthaare) '
ohne angst fest auf jmd. angehen, resolut entgegentreten'
u. ä. ebda; enen en de granə schloəhn (haue) '
ins gesicht'
ebda; nd. gran '
knebelbart' Bahder
wortwahl 79; Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 700;
im westfläm. Verwijs-Verdam 2, 2104.
ablautend siebenbürg. grunn, grun '
schnurrbart'
zs. f. dt. maa. 4, 194; 415
Frommann. 1@bb)
von harten haaren des menschen gelegentlich auch sonst, besonders von den wimpern oder augenbrauen. hierher vielleicht: grën spiegel lautter sten da vor (
vor den augen) Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15 049 (
var.)
Singer. ferner: ob den augen gran (
im angesicht der geliebten)
liederbuch d. Hätzlerin 180
a Haltaus. jünger nur, wie unter a,
in mundartlicher sphäre: und die kleinen braunen augen, die so gern hinter den langen granen verstohlen hervorgucken Rosegger
schr. (1895) III 9, 43;
vgl. Unger-Khull
steir. 302
b.
für die weibliche scham: er druhte in (
sein '
glied') durch die gran Neidhart XLVI, 16
W.; vgl. noch Eiselein (1840)
bei Schmeller-Fr.
bair. 1, 998. 1@cc)
für borstige, stachelige haare der tiere in mannigfacher gelegenheitsanwendung; meist in fühlbarer nähe zu a '
barthaar': der wolf schiet bluotende dan, vor zorne stuben sîne gran
in: Reinhart fuchs s. 308
Jac. Grimm; und hât alsam ein katze gran
Mariengrüsze 61 (
mitte 13. jhs., alem.)
in: zs. f. dt. altert. 8, 277; ich besach in (
den wurm) umbe die grane
Virginal 648, 8
in: heldenbuch 5
Zupitza; he leet vallen ghefynsede (
geheuchelte) tranen, de lepen ouer syne granen (1498)
Reinke de vos 2752
Prien (sine granken 1358,
s. ob. mnd. grān[e]ken).
wohl hierher, der mittelalterlichen vorstellung vom salamander entsprechend: und secht auch an wie feures glan dem salamander gancz kein gran an seinem leib verseren kan Hans Folz
meisterlieder 164
A. L. Mayer. hierher vielleicht auch, wenn nicht zu 1gran (
s. d. 2 b
α;
γ) '
körnchen',
ein bildlicher gebrauch um ein gran '
um ein haar':
[] ob er dan nit wil nan und doch nit lan ym um ein gran, sein widerspan zu zemen han
ebda 17.
wohl ebenfalls hierher in diminutiver form, und nicht zu 1gran (
s. d. 2 b): eine heilige messe für ihre verstorbenen hat sie sich von mir erbeten; sonst aber 'wohl nichts! kein grandl nit!' Rosegger
schr. (1895) III 1, 161.
vgl. dazu kärnt. grâ
nd. l '
härchen'.
auch figürlich: '
ein wenig, ein biszchen' Lexer 120;
zs. f. dt. maa. 2, 347
Frommann. des weiteren im nhd.: derselbe (
der stör) hat einen langen schnabel vnd drunten vier runde granen Micraelius
Pommerland (1640)
buch 3, 387; dann steht an seinem grunde ... eine ... granne (
beim fliegenfühler) Oken
allg. naturgesch. (1839) 5, 778; der pelz (
des erdwolfes), welcher aus weichem wollhaare und langen, starken grannen besteht Brehm
tierl. 2, 14
P.-L. mundartlich: obd. und nd. rückenborste des schweins, steife haare vieler tiere, bes. der katzen am maule Campe 2 (1808) 441
a;
ebenso rhein. wb. 2, 1350. 22)
in der bedeutung fischgräte, nicht sehr häufig, aber seit dem mhd. und bis in junge zeit durchgehend. hier mehrfach mit umgelautetem pl., vielleicht in analogie zu gräte: fischgränen Micyllus
Tacitus (1535) 452
a; ausz den gränen oder beinen der fische Uffenbach
atlas minor (1609) 32.
lexikalisch schon bei Er. Alberus: gran
spina req. fisch
dict. (1540) Hh 3
a: daz der zagel solte sîn, daz wâren lange visches gran (
an einem seltsamen pferd) Heinrich v.
d. Türlin
d. krone 988; weiter werden auch gelobet die hartgeschüpten fisch, vnd so vil starcker, harter vnd scharpffer granen haben Ryff
spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 56
b.
mundartlich graane (
m.)
gräte beim fisch Schön
Saarbrücken 86
a; jran '
fischgräte' Rovenhagen
Aachen 47; föschgrôn Crecelius
oberhess. 433;
westfäl. grAene
gräte Woeste 84
a;
aber auch kärnt. grân
fischgräte Lexer 120. 33)
die heute in der form granne
und als botanische bezeichnung vorherrschende bedeutung '
borstenartiger fortsatz an den spelzen grasartiger gewächse, besonders der meisten getreidearten, ährenspitze'
scheint vor dem 15.
jh. nicht aufzukommen: grane
ackons dt. preusz. voc. a. d. anf. d. 15.
jhs. 13
a Nesselmann; arista eyn grayn (
omd. 1420)
lt.-dt. voc. 6
b Schröer; arista, cornu die gran, die spitz am äher Er. Alberus
dict. (1540) tt 1
b;
hierher wohl auch in unscharfer erklärung: granen
ahnen, aglen, ein junges spieslin eines jeden gewächs Henisch (1616) 1730;
dann lexikalisch erst wieder bei Adelung, Campe,
historisierend bei Frisch (1741) 368
a s. v. grat.
in botanischer fachsprache: '
arista. die granne;
dieses ist eine lange, meistens trockne borstenförmige hervorragung, welche an den blüthendecken vieler grasarten, z. b. unsern meisten getraidearten anzutreffen ist' Dietrich
vollst. lex. d. gärtnerei u. botanik (1802) 1, 707; Bischoff
wb. d. beschr. botanik (
21857) 12
a.
allgemeinen gebrauchs: das kleienbrot ... darinn die langen granen vnnd spreuwer noch stecken Ryff
spiegel u. regim. d. gesundth. (1544) 45
b; denn die gerste grannen träget, und die ros ein dörnlein häget Wencel Scherffer
geistl. u. weltl. ged. (1652) 660; es wurde hier gerste ohne grannen gebaut Ritter
erdkde (1822)
teil 7, 261; sprühend troff nachttau, ... von den blühenden grannen (
des kornfeldes) hinab in das halmige lager Agnes Miegel
herbstgesang (1933) 95.
vielfach mundartlich, vgl. z. b. Fischer
schwäb. 3, 792; Crecelius
oberhess. 433; Weinhold
schles. 29
b; Vollbeding
plattdt. 27.
auch vom faserabfall des flachses: (
den gehechelten flachs) sol man gantz vnd gar lucker aus einander schütteln, darmit die ahnen oder grahnen fein heraus fallen Bartisch
augendienst (1583) 82
b; Gerbet
Vogtland 358;
rhein. wb. 2, 1351;
mundartl. noch in einer reihe z. t. wohl hier anschlieszender spezialbedeutungen: '
wurzelfasern der weinrebe'
schweiz. id. 2, 742;
ähnlich [] rhein. wb. a. a. o., wo weiteres wie '
überreste des apfels, der birne', '
finger' (
verächtlich), '
geschwulst am augenlid, gerstenkorn'
u. a.; schwäb. grãnə
kleiner in die osterkerze gesteckter wachsstift Fischer 6, 2062.
in der nd. bezeugten bedeutung '
nadeln der fichte, tanne',
s. Campe 2 (1808) 441
a,
rhein. wb. a. a. o., liegt wohl vermischung mit oder anlehnung an gräne,
f. (
s. d.)
vor, s. auch s. v. grän(en)holz. 44)
zusammensetzungen mit granne,
durchweg in der pluralform grannen,
gehören fast ausschlieszlich zu granne 3 '
ährenspitze'
und haben dann botanisch fachsprachlichen charakter. 4@aa)
adjektivische bildungen: grannenähnlich Röhling
Deutschlands flora (1823) 1, 558,