rauh,
adj. und adv. hirsutus, asper, raucus u. ähnl. II.
die form. I@11)
ahd. rûh, rûch,
flectiert rûhêr;
mhd. rûch,
flectiert rûher
und seltener auch rûcher;
mnd. rû, rûwe, rûch, rûge,
mnl. ruych, ruygh
rudis, horridus Kilian;
ags. rûh,
engl. rough;
es scheint, dasz dieses, ohne sichere beziehungen zu urverwandten dastehende wort nur den Westgermanen gehört habe, gothisch wie altnordisch fehlt es, und das dänische ru,
rauh, ungehobelt, ungeglättet ist ebenso aus dem deutschen entlehnt, wie das schwedische subst. rugg,
gefilzte haare, das rauhe an fellen und an wollenen zeugen, und ableitungen davon rugga,
rauhen, ruggig,
straubig, borstig u. a. I@22)
der auslautende konsonant des stammes ist bereits ahd. bisweilen geschwunden: irtae (
für hirtae) rûen Steinmeyer-Sievers 2, 488, 25;
mhd. im auslaut: ich bin verlegen als ein sû: mîn sleht hâr ist mir worden rû. Walther 76, 16;
in späterer sprache, bis ins 17.
jahrh., auslautend wie inlautend: hirsutus rw, ru, rue Dief. 278
c;
nhd. rau, rauer,
auch in der schreibung raw, rawer: sie waren auch von groszem leiden raw wie die beren.
Aimon bog. g 4; so wirt der verständige leser bei jhnen .. oft schlechte, harte und rawe .. reden und arten finden. Weckherlin
vorr. zu d. weltl. ged. bl. 5
b; weil die erste und rawe welt gröber und ungeschlachter war. Opitz
poeterei 2; wil jemand auf solche art auch durch einen rauen weg .. gehen. Schuppius 796; wen ich das rau herfür wolt kehrn. H. Sachs 4, 3, 45
a; o richter raw, o vatter milt! Weckherlin 58; dieweil des himmels hand sie also raw als schön zu meiner qual gemachet. 705; nach plitz und rawer luft bricht helles wetter
an. Tscherning 96;
oder er erscheint als w,
mhd. rûwe,
gen. rûwes Lexer
wb. 2, 519,
vergl. auch oben unter raugraf,
nhd. rauw,
gen. rauwes: rauw gemt, fröudig und grausam,
mens scuda. Maaler 326
a; rauwe gesicht,
frons torva, oculi torvi. ebenda; wo vermischung mit dem der herkunft nach unverwandtem roh (
s. d.)
eingreift, vgl. rauh II, 11
unten; rauwe eyer söllend zu den entzünten prästen der nieren getrunken werden. Heuslin
vogelb. 97
a;
bisweilen verhärtet zu b: raub, schebig, rauch,
scaber Maaler 325
b;
in niederdeutschen quellen tritt g
auf; und möchte einer fast in die meinung gerathen, dasz von eben solchen haaren
[] und bärdten auch unsere Rügen jhren namen bekommen haben, weil sie rauhe, oder wie wirs Pommern auszreden, ruge lüde an kopf und bärten gewesen sein. Micrälius
alt. Pommern 1, 87;
auch im hochdeutschen gewande des wortes: lang herunter hangende ohren, als unsere rauge wasserhunde (
haben). Olearius
reisebeschr. (1696) 298
a.
gewöhnlich aber zeigte sich im mhd. der stammschlieszende konsonant auslautend als ch,
inlautend als h (rûch,
gen. rûhes),
welche regelmäszigkeit sich später verlor: entweder blieb ch
auch im inlaute (rûch,
gen. rûches,
nhd. rauch, rauches)
oder das einst nur inlautende h
drang auch in den auslaut vor, auf welchem vorgang unser rauh
beruht. die gangbarste form des 16.
jahrh. war die erstere, soweit nicht bei einzelnen schriftstellern noch das alte mhd. verhältnis lebt, Aventin.
z. b. schreibt die ambt besezet er alle mit leuten, die rauch und grob ... warn. 1, 923, 15
Lexer, aber die wilden Lappen, vast weit bekant umb kostlicher rauher war wegen. 56, 29; im 17.
jahrh. verlangt aber Schottel
nur rauh,
nirgends mehr rauch: rauh,
hirsutus, haarig. 1382; rauh,
asper, non planus, ein ort rauh von bergen,
montosus, rauh von sträuchen,
dumosus, rauh von felsen,
salebrosus, rauh,
severus, inhumanus 1383;
wiewol vereinzelt und zunächst ohne erfolg. denn die form rauch
war noch in groszer verbreitung, namentlich in der bedeutung II, 1
unten, und damit hatte sich die doppelform rauch
und rauh
mit verschiedener bedeutung ausgebildet: rauch
sollte nur in dem sinne behaart, rauh
für uneben, unlieblich, wild stehen, wie Stieler, Steinbach, Gottsched, Adelung
und noch Campe
übereinstimmend vorschreiben (
im gegensatz zu Frisch 2, 92,
der mit Schottel geht).
diese vorschrift aber war kaum willkürlich, denn schon Luther
unterscheidet rauch
und rauh
in ähnlicher weise: seine hende waren rauch.
1 Mos. 27, 23; er hatte eine rauche haut
an. 2 kön. 1, 8;
aber: wenn du sie betrübt hast mit deinem rauhen wind, nemlich mit dem ostwind.
Jes. 27, 8; musten gehen auf rauhem wege.
Baruch 4, 26.
die form rauch
in der angegenbenen verengten bedeutung hat sich denn auch bis ans ende des 18.
jahrh., selbst bis ins 19.,
vielfach freilich im wechsel mit rauh,
erhalten (
zahlreiche belege unten II),
erst die heutige sprache duldet in jeder bedeutung nur rauh,
wenigstens in gewählter rede, während in der sprache der mundarten, der gewerke und in einer reihe von zusammensetzungen auch rauch
noch gehört wird. I@33)
für den compar. rauher,
superl. rauhest
der schriftsprache eine umgelautete form: alemannisch rücher, rüchist Hunziker 211;
in älteren quellen: an den mannen schüllent si (
die augenbrauen) grœʒer sein und räuher. Megenberg 10, 30; in den rewhesten welden und höchsten gepirgen.
Zimm. chron. 4, 304, 8. IIII.
bedeutung. II@11) rauh
wird zufrühest auf dichte und abstehende behaarung bei menschen und thieren sich bezogen haben, woraus die andern bedeutungen sich entwickelten: ahd. hirsutum ruuh Steinmeyer-Sievers 1, 169, 19;
vellosum ruuh 22;
hyrsutis, asperis ruhen 2, 638, 32;
ags. irsutus vel ispidus ruh Wright-Wülcker 172, 20;
hispidus ruh,
hirsutus ruh 417, 24. 25;
mhd. nhd. crinitus rauch Dief. 158
a;
hirsutus ruche, ruch, rawch, rauhe, rauwe, rawh 278
c;
hispidus ruche, rawh, rauch, ruch 279
a;
pilosus ruch, ruch von har, seer ruch, rawch, ruw, ruwe 435
a;
lappatus zotticht, rauch 318
c; rauch mit hare,
hirsutus, hirtus, pilosus, capillosus. voc. inc. theut. r 2
b;
als gegensatz erscheint mhd. sleht (Walther 76, 16,
s. die stelle oben unter I, 2),
nhd. glatt: mein bruder Esau ist rauch, und ich glat.
1 Mos. 27, 11; da ich war glatt (
noch nicht mannreif, ein mädchen spricht), war ich unwert, jetzt, da ich rauch, man mein begert. L. Sandrub
kurzweil 165 (
vgl. dazu nachher aus Fischart
und Schm.);
auch blosz
und blutt,
namentlich in sprichwörtlichen, gegensätze zusammenfassenden wendungen: rauch und glat,
asper et levis, contraria. Maaler 325
c; er hat allweg einn rauhen und plutten. Agr.
spr. 144
b; eʒ wære rûch, eʒ wære bloʒ, eʒ wære krump, eʒ wære sleht, daʒ nam alleʒ Helmbreht.
Helmbr. 666; chlain und grosz, rauch und blosz, arm und reich, nu hört all geleich!
Erlauer spiele 3, 66;
und es steht II@1@aa)
von menschlichen wesen, deren behaarung etwas fell- oder pelzähnliches hat: merwunder, an allem irm leib gar rauch
[] und scharpf. Megenberg 239, 27; der erst der eraus kam, war rötlicht, ganz rauch wie ein fell, und sie nenneten jn Esau.
1 Mos. 25, 25; sein dichtes haar starrt umher wie fichtenreis, an brust, bauch und schenkeln ist er ganz rauch. Göthe 39, 44; nun war schwanger das traurig weib von dem merwunder, sie ein sun gebare, rauch, schwarz und harig war sein leib. H. Sachs
dicht. 1, 300, 29
Gödeke; itzt werd ich nicht, wie sonst, die rauchen faunen gehn, und ziegen über uns am felsen klettern sehn. E. v. Kleist (1765) 93; ihr herren ziegenfüszler lehret uns, seid günstig, gnädge rauche herrn! Stolberg 5, 70; (
der alp, der) den mädchen oft die decke zupft, oft kalt und rauch, ins bette schlupft. Voss 6, 198;
in der heutigen sprache kaum mehr gebraucht; eher noch, wie in älteren quellen, in bezug auf körpertheile: rauche beine,
pedes pilosi, ein raucher bart,
barba hirsuta, ein rauches gesichte,
facies hispida, rauche mäuler,
hirta ora Steinbach 2, 229; dazwischen die grausamen gesichter mit rauchen häuptern und bärten. Göthe 8, 139; rauche, bärtige gesichter. Immermann
Münchh. 2, 64;
bair. rauhe taschen,
vulva Schm. 2, 82
Fromm.; diu ougen tief trüebe rôt, als eʒ der mangel gebôt, mit brâwen behangen rûhen unde langen.
Gregor. 3272; aus Frankreich den gewelbten bauch, aus Bayerland das büschlein rauch.
Garg. 76
b; o (
nymphe) fliehe nicht die rauhe brust, mein aufgerecktes ohr! Göthe 2, 187;
heute noch ein rauher bart, ein rauhes gesicht, rauhe brust (
vergl. dazu unten 5),
kaum aber dürften rauhe beine, rauhe arme
als behaarte noch verständlich sein. II@1@bb)
von thieren, deren fell struppichte haare hat: die rauche wilde sau. Chr. Weise
comöd. 9; es musz gehen und wäre es so rauch wie ein igel. Lehmann
flor. 1, 29,
vergl. ahd. echinus ist ein suoʒe fisg luzzelêr, samo rûch sô ein igel. Notker
Boeth. 167, 28
Piper; er zieht nun die rauhen zotten eines wilden bären
an. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 235; sich rauh machen,
wenn thiere ihr sonst glattes fell sträuben: da machte sich die katze rauch. Gleim 3, 244. II@1@cc)
aber auch sonst vom thiere, dessen fell ein pelz ist: Achilles wart gewunden mit rûher tiere belzen.
troj. krieg 6079; die rauche majestät (
der löwe). Lichtwer
fabeln 3, 9; ja, fuhr er fort, auf manchen böden sind thiere, die wie mäuse reden, sie sehn uns (
mäusen) gleich vom kopf zum bauch, sie sind gehört, wie wir, und rauch. 4, 6; in dickichts-schauer drängt sich das rauhe wild. Göthe 2, 65;
und von solchem fell selbst: dasz sie (
die bären), uns für frost zu schützen, mit der rauchen weichen haut, uns so diensam sind und nützen. Brockes 9, 264;
solches fell als pelzwerk heiszt im handel rauhe ware: ein vasz mit rauher war.
d. städtechron. 2, 77, 3 (
vergl. dazu rauchware, rauchwerk); bei den Lithauern ist die meist kaufmannschaft rauche wahr.
Elucidarius F 1
a;
und rauh
ist was davon gefertigt wurde: und sollen nicht mehr ein rauchen mantel anziehen (
pelzmantel).
Sacharja 13, 4; mich mit einer alten rauchen mütze (
pelzmütze) beschenkten.
Felsenb. 2, 472; nu ist sîn sun ein œder gouch mit sîner rûhen hûben. Neidhart 54, 38;
das fell hat eine rauhe
und eine glatte seite,
haar- und fleischseite: drumb wenn jr (
kranker löwe) künd ein wolf bekomen, dieselbig haut so warm genomen, bindt zwifach, dreifach auf den bauch, das stets inwendig kompt das rauch. B. Waldis
Esop 4, 77, 54; auch haben mirn (
den pelz) die razn und meüs hinden umb den ars gar zerkniffet, vornen das rauch heraus geniffet. H. Sachs
fastn. sp. 6, 128, 216; ein rauhes fell, ein rauher pelz
heiszt ein mit der haarseite nach auszen getragener, was als zeichen von roheit oder wildheit gilt: haben nur ein rauch fell umb sich.
pers. rosenth. 8, 67; mit einem langen kleide von rauchen thierhäuten.
Felsenb. 1, 175;
[] die zeit, da menschen noch in rauchen häuten gingen; da man noch eicheln asz, misfiel den abkömmlingen. Lichtwer
schriften s. 248.
vergl. ags. pero hemming i. rûh scô Wright-Wülcker 468, 31,
der grobe schuh aus fellen mit haaren nach auszen; bunt und rauch tragen,
pelzwerk mit der innenseite nach auszen gekehrt, bei vermummungen (
im gegensatz zu der erklärung unter bunt 4,
th. 2, 527): es kam die zeit, da man die weihnachtfeiertage zu begehen pfleget, da hatten sich an dem vorhergehenden heiligem abend unterschiedene partheien bunt und rauch unter einander angezogen, und gaben vor, sie wolten den heiligen Christ agiren. einer hatte flügel, der ander einen bart, der dritte einen rauchen pelz. Chr. Weise
erzn. 182
Braune. II@1@dd)
sprichwörtlich das rauhe,
früher das rauche herauskehren,
die wilde seite zeigen oder zur geltung bringen: wil es mit gte helfen, wol guot; wa nit, so mszen wir einmal das rauch herausz keren. Schade
sat. u. pasqu. 3, 273, 38; gott hab für guot angesehen den ernst und das rauch für zuo keren. Frank
weltb. 121
a; das rauche hinlänglich heraus kehren.
avantur. 1, 36; weswegen Stax bei ein und andern empfindlichen reden des hofmeisters das rauche herauszukehren begunte.
Felsenb. 2, 375; da ... er immer nur lachende antworten von mir erhielt, kehrte er zuletzt die rauche seite heraus, und machte mir ernsthafte und bittere vorwürfe. Wieland 33, 293; was wolstu than, du spinenstecher? du dörfst dich mein allein nit wern, wen ich das rauch herfüer thet kern (
köchin zum knecht). H. Sachs
fastn. sp. 6, 50, 288; will dieser list nicht helfen dich, dasz sie nicht wolten trollen sich, .. so ker ein mal das rauch herausz, sprich, geh ein jeder heim zu hausz.
Grobian. J 4
a (
v. 2349); dann wolt man gleich das rauch rauskeren, würden die kinder ganz verstocket. Wickram
bilger 39
b; wir ligen hie wol vor der statt mit grosem volk und eim vorraht und haben das rauch rausz gewend. zu dem sturm wir gestellet send. J. Ayrer 398
a (1999, 4
Keller); er kehret das rauche ende heraus,
severitatem adhibet, acrimonia utitur. Stieler 1525. II@22) rauh,
übertragen auf pflanzen, wenn theile von ihnen haarig, pelzig oder struppig erscheinen. II@2@aa) rauche blätter an pflanzen,
folia tactu rigida, hirsuta Stieler 1525; rauhes blatt
bei den gärtnern, ein blatt welches mit feinen, gemeiniglich mehr fühlbaren als sichtbaren spitzen besetzt ist. Jacobsson 7, 38
b.
vergl. dazu unten 5. II@2@bb)
einen rauhen baum, rauhes holz
nennen forstleute den baum im laub- und zweigschmucke, im gegensatze zum bloszen behauenen stamm (
vergl. dazu rauchholz
sp. 250, rauchwerk, rauchwerken
sp. 254):
bair. rauch,
von bäumen, in laub oder nadeln stehend, noch die äste und zweige an sich habend. Schm. 2, 82
Fromm.; raucher zaun,
lebendiger. ebenda; rauch
von bergen, mit holz oder wald bestanden. ebenda (
vgl. dazu ein berg in haaren
theil 4
2, 12
und unten rauhbebüscht); von einer rauhen eichen 30 schuch lang .. von einer groszen rauhen eichen, die 28 oder 30 schuch lang ist. Tucher
baumeisterb. 74, 19. 21; fur ein rauche viechten .. fur ein rauchen tennen tanpaum. 76, 28. 30. II@2@cc) rauhes futter,
der wiesenwachs und der leere halm als futter: wie hingegen heu, stroh und grummet das rauhe futter genennet werden.
öcon. lex. 743; wann drei wierth in dem thal wehren, soll der lehenman mit dem mittelsten zufridten sein, und dem pferd raw fuetter dabei geben.
weisth. 2, 397 (
Untermosel, von 1660); sich alles plünderns ... auszerhalb rauhes futters zu enthalten. Kirchhof
milit. disc. 219.
vergl. rauhfutter. II@33) rauh
verliert die beziehung aufs haar und geht nur noch auf das was uneben, schorfig oder reibend ist, im gegensatz zu glatt:
scaber rauch
l. unglat Dief. 514
c; rauch anzegreyfen,
scaber Maaler 325
c;
von körpertheilen: rauhe hände; scharfer wind macht ein rauhes gesicht; eine rauhe haut,
scabra cutis Stieler 1525; die katze hat eine rauhe zunge; viel rauchen macht die zunge rauh; ein rauche zung von groszer dürre,
lingua aspera. Maaler 326
a; die liebe hat mich ganz besessen und wil mir lung und leber fressen, ich weisz nicht, wie sie mir den bauch gemacht so bucklicht und so rauch! A. Gryphius (1698) 1, 738;
[] incommodirt euch nicht! wie könnt ihr sie (
die hand) nur küssen? sie ist so garstig, ist so rauh! Göthe 12, 160; und sie nimmt die wucht des speeres aus des jägers rauher hand. Schiller
das eleus. fest; von dingen mancher art: rauh papir,
charta aspera Stieler 1525; rauh, als von pferdhaaren gewirkt,
cilicinus Frisch 2, 92
b; rauche strümpfe,
tibialia cilicina Steinbach 2, 228; eine rauhe fläche; läszt man ein polirtes silber durch scheidewasser dergestalt anfressen, dasz das darin befindliche kupfer aufgelöst und die oberfläche gewissermaszen rauh werde. Göthe 52, 165;
ein rauher stein,
der nicht behauen oder geglättet ist: ir etlich wölln kein messer leiden, das schartecht sei und nit will schneiden, so ich jr doch hab gsehen auch die an eim harten stein so rauch jr messer gar vol scharten schluogen.
Grobian. R 2
b (
v. 4352);
ein rauher baumstamm,
dessen rinde voll risse ist: rauhe ulme, kleinblättrige,
ulmus sativa ... die rinde (
ist) dunkel, rauh, aufgeborsten, sehr rissig. Jacobsson 7, 38
b; jetzt ist er (
der baum) glat; wenn er wird alt, so gwinnt er gar ein ander gstalt: denn wird er rauch, bewächszt mit masz. B. Waldis
Esop 2, 27, 79; und die rauhen stämme runden zierlich sich in ihrer hand. Schiller
das eleus. fest; vom monde und den unebenheiten seiner oberfläche: bist du nicht bald grosz und rund, bald auch klein und rauch von ecken? Lessing 3, 178. II@44)
in verstärktem sinne von weg, pfad und bahn die hindernisse des begehens bieten (
gegensatz eben): rauch und steinächtig wäg,
asperitas viarum Maaler 325
c; ein rauch ysz,
glacies aspera 325
d; das der weg ganz rauch und sorgclich zu reiten.
Zimm. chron. 4, 77, 9; dasz ihr auf dem weg gehet, welcher rauch seie. Schuppius 796; dane gelac nie hûs sô wol ze wer als Munsalvæsche: swâ diu stêt, von strîte rûher wec dar gêt.
Parz. 426, 6; han wir den rauchsten weg erwunden, der weitste würd auch wol gefunden. Fischart
glückh. schiff v. 489; musz sie den zärtlich weichgewöhnten fusz nicht auf gemeinen rauhen boden setzen? Schiller
Maria Stuart 1, 1;
gern in bildern: der weg zur tugend ist anfänglich rauh. Stieler 1525; dîne (
des heilandes) stîge und dîne stege, und alle dîne rûhe wege, swie tief sie sint und enge, ich envorhte dehein ir strenge. Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 1963; den weg gen himel rauch und schmal. Schwarzenberg 130
b; nur dann beblühmen sie des lebens rauhen pfad. Uz 2, 61; im gegenteil, es ist (
der lebensweg) ein schmaler, rauher steg, voll starrer hecken ohne rosen. Wieland 10, 257; vertraut mit allen künsten, die auf die rauhe bahn des weisen blumen streun. Gotter 1, 272. II@55) rauh,
von spitzigem, stechenden: rauche brombeerstaud,
rubus asper, rauche dörn,
sentes asperi Maaler 325
d; in éiner holden verwirrung prangt drauf hambuttengesträuch voll feuriger sternchen, der quitzbaum, holunder, raucher wachholder, und sich umarmende palmen. E. v. Kleist (1765) 232;
von nägeln der hände: mit meinen rauchen negeln hab ich das angesicht zerkratzt,
ungui rigente secui genas. Maaler 325
d;
von eisernen: ach, ihr viel zu rauche nägel! ach, der starken marter mein! meine (
Christi) glieder zart und haiggel ihr erfüllt mit höchster pein. Spee
trutzn. 186, 45
Balke; in diesem sinne auch von borsten, grannen, haaren (
vergl. dazu 1,
a. 2,
a): rauch haar,
capilli asperi Maaler 325
c; er hat ein rauhes maul,
barbam hispidam alit, os habet setosum. Stieler 1525; rauch, borstig,
hispidus, horrens, stachlicher bart,
hirta ora, hirsutus Frisch 2, 92
b; an dem obersten ende ... haben sie (
die gerstenkörner) rauhe und lange spitzen.
öcon. lex. 806;
unterschieden wird beim getreide glatte
und rauhe frucht: (
es war) ein anderer sester für glatte frucht, ein anderer für rauhe. Hebel 2, 217;
erstere ist roggen und waizen, letztere gerste und haber wegen ihrer stacheln. Schm. 2, 82
Fromm. [] II@66)
daher in bezug auf den geschmack, was in der kehle kratzt und sticht: rauhe weid, macht rauhe leut, zarte süpplin und meisenripplin, bringen auch zarte püpplein.
Garg. 57
a; es hat ein rauchen mangen, oder, es ist scharpf und rauch am anbisz oder am versuochen,
gustu acri mordet. Maaler 325
d; wenn mit gehäufter last der untertahn gequält in strenger sclaverei die tage seüfzend zählt, verhungert bei dem korn, nach rauhen wurzeln gräbet. Drollinger 89; rauher wein,
saurer, krätzer (
verschieden davon unten 11,
b): den aller säursten und räuchsten wein. Frischlin
Susanna 314; rauch wein, unlieblich, härb,
vinum asperum, alt wein, aber rauch und unlieblich,
Falernum severum Maaler 325
c; saurer und raucher wein,
vinum austerius 326
a; rauhen sawren wein musz man mit wasser mischen, so läszt er sich trinken. Lehmann
flor. 1, 99; ich sorge schier, aus dergleichen rauhem moste werde schwerlich malvasier. J. Grob
versuchgabe 1678
s. 16; rauhes brot
ist das unbestrichene, trockene schwarzbrot mit den kleien, von kratzendem geschmack: rauchs brot voll spreüwer, als gerstenbrot, oder brot voll kleyen,
acerosus panis. Maaler 326
a; ein stück rauchs brots. Pauli
schimpf 119
b; (
dasz sie) jhm aber kaum das rauhe brot überlieszen, damit er sich und sein weib, und seine kinder ernehren möchten. Frey
gartenges. 112
a (113.
cap.); (
der mann) der, wenn er spät vom acker zur hütte kehrt, zwar müde, doch noch wacker, an rauhem brot und seinem braunen weib sich auf des morgens arbeit labet. Wieland 10, 331; ein rauch nachtmal, da nichts vorhanden ist, dann wasser und brot,
coena aspera Maaler 325
d. II@77) rauh,
von dem kratzenden hals, der heiseren stimme: rauch im halse,
raucus, raucatus, vulg. heiser.
voc. inc. theut. r 2
b; rauch werden im halse,
raucari, raucus fieri, vel raucere, raucescere. ebenda; so ein rauche kälen von schreien oder scharpfer feüchte überkommen habend. Heuslin
vogelb. 96
a; eine rauhe stimme bekommen,
irraucescere Frisch 2, 92
b; als eine wohlklingende, nur ein wenig rauhe stimme sich in den worten hören liesz. Göthe 19, 205; nach dem theater zog sich der prinz in sein schlafzimmer zurück und klagte .. über kopfschmerz und rauhen hals. Freytag
handschr. 2, 324; welche stimme, rauh und heischer! Uhland
ged. 152;
auch ein rauher husten; sein husten war ein rauhes bellen;
selbst von einem ähnlichen gefühl in magen und darm, vergl. das subst. rauhe (
aus Heuslins
vogelb. 96
a). II@88) rauh,
wild, unlieblich, von gegenden, landschaften: ein raucher herter felsz,
saxum crudum. Maaler 326
a; raucher und böser berg,
jugum asperum, raucher und dicker wald,
sylva aspera et densa, barbarica sylva. ebenda; rauh von bergen,
montosus, rauh von felsen,
salebrosus, rauh von streuchen,
dumosus. Stieler 1525; raue unbewonte örter,
inhospita tesqua, aspretum. ebenda; eine rauhe gegend,
regio aspera. Steinbach 2, 228; ein rauher theil der welt,
regio mundi horrida. ebenda; ein rauher ort,
locus scaber, ein rauhes gebürge,
montes confragosi. ebenda; das si hoch rauch schroferig örter anpauten und besäten. Aventin.
chron. 1, 624, 30
Lexer; müssen wir wider .. dise land raumen und uns wider über die Thonau in alten Baiern auf das rauch Norkau und finstern wald machen. 2, 2, 23; wo die felsen stehen an den wassern, auf deren rauhen schultern weinreben grünen. Fr. Müller 1, 350; daʒ (hol) stuont vil nâhe bî dem mer und gienc in einen rûhen stein, da selden în diu sunne schein.
troj. krieg 5879; das macht, jhr (
der Schotten) landt ist auch so magr, zu dem ists rauch und ungehewr.
der postreuter (1591) C 1
b; gar wundergrosze ding das sind, dasz sich ein solches grobs rauchs land hat also ganz und gar verwandt gleichsam wie in ein paradeisz. J. Ayrer 107
d (544, 31
Keller); durch stürme, hitz und froost, durch raues land und meer. Fleming 107; lasz uns dort, o muse, die rauheren thäler besuchen, und an wilden felsen, in langen schrecklichen wäldern, kühn einhergehn. Zachariä
tageszeiten 82; ein finstrer heiliger, der sich zum wald verbannte .. verberge sich nur stets in rauhe wüstenei! Uz 2, 57; rauh ist die insel von wald, und der göttinnen eine bewohnt sie.
Odyss. 1, 51 (
νῆσος δενδρήεσσα);
formelhaft war in der ältern sprache der rauhe wald,
wie sonst der wilde wald,
in welchem menschen nicht wohnen: [] ruckten mit dem raisigen zeug in rawhen walt in meinung den veinden zu begegen, als auch geschach.
d. städtechron. 2, 491, 22; des endes huop sich Êrec durch rûhen walt âne wec unerbûwen strâʒe.
Erec 5313;
zum namen von wäldern und gebirgen gestellt: zu dem war es ain beschwerlich ding, das der jung herr so oft über den rauchen Schwarzwaldt .. raisen muest.
Zimm. chron. 3, 352, 8; (
Tilly) suchte sein quartier hinter dem rauchen Harze in dem stift Halberstadt. Opel
u. Cohn 171, 7; das rauhe Harzgebirg erstrecket, erhebt und thürmet sich fast unersteiglich. Brockes 11, 503;
und es kann bei einem gebildeteren landschaftsgefühle in beziehung darauf selbst von einer rauhen pracht
geredet werden: des rauhen Harzes rauhe pracht. 505; rauh
heiszt auch die erde selbst, mit anklang aber an die bedeutung 10: einen von uns als pilger hinaus in die rauhe welt zu schicken. Göthe 11, 212; ein zarter fremdling auf der rauhen erde. Uhland
ged. 126; so bist auch du nun, abgeschiedne seele, aus dieses erdenlebens rauher wilde an deiner wandrung frohes ziel gekommen. 130; rauh
das meer und seine wellen im sturme: (
wir halten für schwarz) das wasser, wenn es rauh wird, wie das meer im sturm. denn da von der rauhen oberfläche wenig lichtstrahlen zurückgeworfen werden, vielmehr das licht sich zerstreut, so erscheint das schattige schwarz. Göthe 53, 33 (
vgl. dazu die bedeutung 3
oben); sind viel rauhe wellen, wenn die winde bellen auf der wüsten see. S. Dach
in den gedichten des Königsberger dichterkreises 61; weicht auch die freude von Alkäen? sie schwimmt ihm nach durchs rauhe meer. Uz 1, 99. II@99) rauh
gern auch in bezug auf wärme und wetter, unlieblich, im gegensatze zu mild: ein rauhes klima, eine rauhe jahreszeit, ein rauher himmelsstrich; rauhe luft, rauhes wetter; raucher luft, rauch und streng wätter,
immite et turbidum coelum. Maaler 326
a; ein raucher, kalter, oder strenger winter, der einen ganz frostig machet,
hyems horrida, dura. ebenda; der abentheurer strecket die hand ausz dem buosem inn luft, obs dann kalt drauszen were, und sagt: es ist dennoch ein wenig ein rauher luft. Agr.
spr. 335
b; (
der bär) fest schlummernd und harrend das rauhe jahr durch, bis der lenz ihn wieder schüttelt. Fr. Müller 1, 22; wie man gewächse eines rauhern himmels in einem milderen erdreich veredelt. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 32; wil sich denn schier verlieren der rauche winter kalt. B. Ringwald
spec. mundi (1590) O 3
b; die rawe kält, so durch und durch thut schneiden. B. Venator
bei Opitz (1624) 190; kein harter schlag des rawen wetters mag die felsen so erschüttern. S. Dach
in den ged. des Königsberger dichterkreises 113; der rauhe herbst kömpt wieder! H. Albert
ebenda 274; zum gahrten musz ich gehn die kräuter zu besehn welch uns der rauche hornung zeiget. Rist
Parnasz 426; der sommer war dahin. der schmuck der bunten wiesen verwelkte mehr und mehr; die rauhen norden bliesen. Drollinger 65; lüfte, wie diese, so die erd umathmen, sind, die leiseren selbst, dir rauhe weste. Klopstock 1, 78; und rings umher schwatzt unter laub und zweigen ein sanfter west, und rauhe stürme schweigen. Uz 1, 86; verändert ist die scene, der rauhe winter flieht. Gotter 1, 27; wenn im sturme sich die winde heulend schlagen, der wilde süd, des nordes rauhe macht. Schiller
zerstörung von Troja 73. II@1010) rauh,
für innere empfindung und gefühl, in mannigfachster anwendung. II@10@aa)
ältere oberdeutsche quellen nehmen es geradezu wie wild: dieweil die raubvögel umb den vollen mon leichtfärtiger,
[] räuher und räubiger sind. Sebiz
feldb. 47;
oder wenn vom menschen gebraucht, doch wie hart, grob: rauch, unbarmherzig, streng,
inclemens, austerus, immitis, restrictus, atrox. Maaler 325
d; rauch und grob volk,
gens cultu aspera. ebenda; ein raucher grober mensch, und dem wollust gar entzogen,
pectoris severi homo, homo austerus, durus. 326
a; strenger oder raucher vatter,
pater durus. ebenda; sunst han ich min muotter nie gsächen weinen, dan sy ein dapfer manlich wib was, aber ruch. Th. Plater 33
Boos; kam zu meister Hans Stähelin, den man den rotten seiler nampt, am rindermarkt; von dem sagt man, er were der ruchest meister, der am Rinstrommen funden wurde. 52; wie nun der preceptor markt, das er ain grober, raucher pilz gewest.
Zimm. chron. 3, 6, 2; ein hartstarrig, rauch, härt volk.
buch der liebe 218
a;
in der neueren sprache mehr ein wort der gewählten, als der gewöhnlichen sprache, und mehr im sinne von schroff, als wild oder grob: ein rauher mensch,
homo severus, torvus, trux, difficilis, inhumanus. Stieler 1525; gieb nicht zu, dasz der rauhe soldat das zärtliche kind so bald in dir ersticke. Lessing 2, 101; es sind die rauhen cyclopen, die keine häuser auferbauen, sondern sich in höhlen des gebirges einzeln unterthun. Göthe 39, 44; Markomannen .. ein ungeschlachtes und rauhes geschlecht. Hebel 2, 271; ein rauh verachtet volk, das edler muth entflammet, macht sich der erde fürchterlich. Uz 1, 187; ihr blick erschütterte des rauhsten kriegers herz. 2, 44; verwüstung überschwemmt des weisen vaterland: sein kleines erbe seufzt in rauher barbarn hand. 117; schon einem rauhen gatten zu gehorchen, ist pflicht und trost. Göthe 9, 4; hier kommt der rauhe freund; wir wollen sehn, ob wir ihn zähmen können. 183; mein vater war ein strenger rauher mann. 10, 214; wenn heereszüge durch die länder streifen und von den wohlempfangnen rauhen gästen die seuchen still durch stadt und dörfer schleichen. 11, 335; ein streitendes gestaltenheer, die seinen (
des menschen) sinn in sklavenbanden hielten, und ungesellig, rauh, wie er, mit tausend kräften auf ihn zielten. Schiller
die künstler; selbst der rauhe Orkus weint.
klage der Ceres; die erst seit kurzem einen neuen wächter erhielt in eurem rauhen anverwandten.
M. Stuart 1, 2;
in beziehung gesetzt zu oben 8: besorge nicht Adams zorn gegen deinen wilden erstgebohrnen (
Kain), rauh wie die felsen ist er. Fr. Müller 1, 65. II@10@bb)
in der älteren sprache rauh sein einem, mit einem, zu einem, wider einen,
scharf, unnachsichtig: sy was ouch gägend uns ersten kinden gar ruch, darumb wier den iren selten zhusz kamen. Th. Plater 34
Boos; wenn er aber schon ruch mit mier was. 36; nicht das ein hauszmutter nicht solt ernsthaft und zu jhren sachen etwas rauch sein. Fischart
ehz. 35; die köchin und kindsmaidlin auch, waren nicht gegen uns vil rauch.
flöhhaz 790; darnach bistu mit weidwerks brauch gewest dem adel vil zu rauch. Soltau
volksl. 237. II@10@cc) rauh,
in bezug auf die seele, sitten, sittliche eigenschaften: er hat ainer rauchen, grimen disciplina gewonet, so doch ain sollichs ernstlichs ingenium vil mer ad humanitatem und ad leniores affectus sollte gezogen sein worden.
Zimm. chron. 3, 4, 38; rauch poldrend gemüet. Aventin.
chron. 1, 991, 35
Lexer; auch hier hat die schriftsprache seit dem 17.
jahrh. das wort der gewählteren rede zugewiesen: rauhe sitten,
mores sylvestres, rustici, inculti Stieler 1525; welch ein mann! o der rauhen tugend! wenn anders sie diesen namen verdient. Lessing 2, 134; deine zunge ist frech, deine gedanken verworren und rauh. Klinger 2, 373; seine manieren waren mehr rauh als einnehmend. Göthe 19, 44; erkennt das tiefste gefühl von wahrheit und schönheit der verhältnisse, wirkend aus starker, rauher deutscher seele. 39, 349; fühlt nicht jeglicher ein besser loos, seitdem der rauhe sinn des königs mild durch deinen göttergleichen heiligen rath sich bildet? 57, 31; dieses süd - östlich - nationelle (
der Serben) ist hart, rauh, widerborstig. 46, 325; o der rauhen grawsamkeit!
ged. des Königsb. dichterkr. 63; weisheit klär es (
das volk) auf und mache jede rauhe seele sanft! Ramler
poet. werke 2, 58; die rauhe tapferkeit, die nichts verehrt als waffen. Cronegk 1, 186; fast scheu ich mich des sonderlings. fast macht mich seine rauhe tugend stutzen. Lessing 2, 245;
[] als neutr. subst.: lasz die weiche lehre neuerer schönheitelei dich für das bedeutende rauhe nicht verzärteln. Göthe 39, 348. II@10@dd) rauhe worte,
unfreundliche, herbe, strafende: rauche wort,
verba aspera Maaler 325
d; hat sie doch .. nit schweigen oder sich enthalten kinden, sonder mit etwas ungestimme und ainer harten, rauchen rede ime alle verloffne sachen ufgehept.
Zimm. chron. 2, 238, 33; also undersagt man jm sunst mit ruchen und streflichen worten, er solt sich hinfürbas hten. Wickram
rollw. 168, 17
Kurz; mit rauhen worten angefahren. Kirchhof
wendunm. 452
a; auch habe er dem göttersohn .. einen sehr rauhen verweis gegeben. Klinger 6, 244; sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz ist treu wie gold. Schiller
jungfr. von Orl. 1, 5. II@10@ee) rauhe worte, rauhe sprache, rauhe töne
aber auch nur herbe oder nicht lieblich klingende: als Petrus Royzius ein Hispanier, dieses Johann Langen seinen diener vor dem tisch teutsch reden hörete, und jn die sprach, als deren er unkündig ware, schwer und rauch dauchte. Zinkgref
apophth. 1, 269; hüllen einen gemeinen gedanken in einer dunkeln, rauhen und undeutschen schreibart ein.
erläuterungen über die ganze ästhetik in einer nusz (1755) 130; so hat er andrerseits den rauhen ton gehaszt, den Mopsus hören läszt, wann er die flöte faszt. Reinh. v. Freientahl (1700)
s. 143; sein mund that wirklich, was er war, in rauher prosa kund. (Schönaich)
sieg des mischmasches (1755)
s. 31. II@10@ff) rauh,
was mit dem rauhen innern in zusammenhang steht, that die aus ihm entspringt. auch hier die anwendung des wortes wie bei a und c; ältere oberdeutsche quellen brauchen es in gewöhnlicher rede, etwa im sinne unseres scharf: rauche und häftige schlacht,
praelium acre, acerrimum. Maaler 325
d; rauche herte straaf,
castigatio abscissa. ebenda; do habend sy einen rauchen und grausamen kampf im luft gehebt. Heuslin
vogelb. 146
b;
die neuere sprache nimmt es mehr verinnerlicht und in gewählter rede: gewöhnt an Cains rauhes anfahren. Fr. Müller 1, 68;
K. man fühlt dir den Spartaner an, doch nur an deiner ungeschliffenheit.
Ch. .. freilich musz die rauhe wahrheit deinem feigen herzen schwer zu tragen sein. Klinger 2, 378; versetzte ihm mit fäusten und füszen ... rauhe stösze. Göthe 34, 278; und wenn ein rauher fusz dich niederdrückt. Herder
zur litt. 3, 47; mich weckt aus meinen frohen träumen mit rauhem arm die gegenwart. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 23. II@10@gg) rauh,
vom leben, der zeit, dem schicksale, einrichtungen, ereignissen, die nicht lind auf die empfindung wirken: rauch, schwär, unträglich und unleidlich gesatz,
dura lex. Maaler 325
d; meister .. die in den allerersten und rauhesten zeiten der kunst, lange vor einem Phidias und Praxiteles, gelebt hatten. Lessing 6, 529; im rauhen gewühl des gefechts. Schiller
räuber 1, 2; auch diese stunden gingen vorüber: zeit und stunde rennt durch den rauhesten tag! Göthe 30, 96; so haben denn auch die weimarischen kunstfreunde, früherer bemühungen um Polygnots gemählde nicht zu gedenken, sich an der Philostrate schilderungen vielfach geübt, und würden eine folge derselben mit kupfern herausgegeben haben, wenn die schicksale der welt und der kunst das unternehmen nur einigermaszen begünstigt hätten; doch jene waren zu rauh und diese zu weich. 39, 4; und schwätzen jmmer fort, in dem sie also giengen, den schweren rauchen gang viel leichter zu zubringen. D. v.
d. Werder
Ariost 3, 65, 6; die welt, wo tugenden diesz rauhe schicksal haben, regiert ein göttlicher verstand? Cronegk 2, 358; unbetäubt von rauhen leiden. Uz 2, 294; das alles kennst und singst du heut und singst es morgen eben: so trägt uns freundlich dein geleit durchs rauhe milde leben. Göthe 5, 43; sich eine schuldlos reine welt zu gründen in dieser rauh barbarschen wirklichkeit. Schiller
jungfrau von Orl. 1, 2; möge nie der tag erscheinen wo des rauhen krieges horden dieses stille thal durchtoben.
glocke v. 327;
als subst. neutr.: das rauhe in seiner situation hat mich zuerst sympathetisch für ihn gemacht, und das rauhe in seinem betragen noch mehr. Lenz 1, 221.
[] II@10@hh) rauh
als adverb.: rauch, hertigklich,
austere, reuchlich. Maaler 325
d; rauch und ernstlich verklagt,
aspere et acerbe accusatus, rauch und hert gehalten,
dure imperio habitus, einen rauch anfaren, oder übel beschelken,
graviore verbo appellare aliquem. ebenda; sprach die guet durn umbs kappengelt an, und wiewol sie sich entschuldiget und im rauch zureden war et des terribles faisoit grimaces, iedoch befand der kerle ein linde und das ir nit fast ernst ware.
Zimm. chron. 4, 108, 22; so wer es rauch zugangen. 3, 593, 28; es gieng mier gar ruch und übel. Th. Plater 54
Boos; do fing min frowen an bedunken, es welte ruch zuo gan, dan wier mieszten gar ruch brot (
vergl. oben 6) essen. 61; doch strigelt mancher oft so ruch, das jn der hengst schmitzt in den buch. Brant
narrensch. 100, 25; so must du denken, das dus auch villeicht hast ubermacht zu rauch. Fischart
flöhhaz 2330;
in der neueren sprache seltener verwendet, darum auch mit edlerem klange: warum .. den alten mann, den treu bewährten diener mit schwerem hohn zermalmend niederschlagen, an seiner herkunft schmach so rauh ihn mahnen! Schiller
Wallensteins tod 2, 6;
mundartlich bair. rauh spielen,
um hohes geld. Schm. 2, 82
Fromm., also scharf, bösartig. II@1111) rauh
rührt an das ihm unverwandte roh
an, insofern die bedeutung des unebenen, unglatten in die des unbereiteten, unbearbeiteten überschlägt. die alte form von roh,
mhd. rou (
aus ahd. hrâo),
später schweiz. rauw (rauw, grün, ungesotten,
acerbus, crudus Maaler 326
b), rau, rauh (Stalder 2, 262),
elsässisch rau: rau friszt ihn auch kein teufel. Philander 1, 662,
mochte den übergang erleichtern; rauch
und rauw
sind bei Maaler
formelhaft verbunden: rauch und rauw gegen einem sein,
adhibere crudelitatem in aliquem 326
b,
ebenso wie sonst rauh
und roh
zusammengestellt wird: wie er die sünde offenbare, und leiblich zu werken treibe die rauchen rohen leute. Luther 3, 56
a; sie (
die faunen) kommen rauh, sie kommen roh, in hohem sprung, in raschem lauf, sie treten derb und tüchtig auf. Göthe 41, 54; rauh
so in mehrfacher weise. II@11@aa)
mundartlich rauhe herdasche, rauhe häute, rauhe bücher (
ungebundene). Schm. 2, 82
Fromm.; vergl. auch rauhborste;
in gewählter schriftsprache: eine rauhe und ungebahnte materie (
der untersuchung). Kant 8, 194; die in rauher gestalt empfangenen materialien sind zu einer angenehmen lectüre verarbeitet. Fr. Jacobs
ges. schr. 8, 161;
daher etwas aus dem rauhen arbeiten,
wie sonst aus dem groben
oder rohen: man wird alsdann schon den block, woraus die landeshoheit gebildet wird, aus dem rauhen gearbeitet, und die züge erscheinen sehen, welche ihre künftige gestalt verrathen. Möser
osnabr. gesch. 1, xxix; an dem neuen hause ward alle rauhe arbeit vollbracht. Göthe 17, 178; nie hab ich meiner schrift solch stolzes lob gegeben. sie ist nur ein entwurf, noch rauh und mängelvoll, kein episches gedicht, nicht was sie werden soll. Uz 2, 194;
adverbial: denn Moses schreibet hie mit wenig worten davon, und überleufts aufs aller kürzest, das gott hab den menschen gemacht .. wie er auch sonst gemeiniglich von ersten ein ding pflegt grob und oben hin zu schreiben, und rauch uberhin zu gehen, das er hernach besser eraus streichet. Luther 4, 11
a;
von leuten, die noch nicht vorgebildet sind: die leute so rauch hin lassen zu sacrament laufen.
br. 4, 283. II@11@bb)
im weinberg und feldbau. rauher wein (
verschieden von oben 6)
der wein noch in den beeren, unbehandelt: an orten und enden, da der zehend an rawem wein und getrettenen trauben under den bergen gegeben würd (
statt in most im kelterhaus).
würtemb. herbstordnung von 1607
und 1651 § 41;
ein weinberg, ein feld wird von rauher wurzel
bearbeitet, aus dem rohen wilden zustande heraus, erst gerodet: wer einen weingarten anfêht von rauher wurz.
Altprager stadtrecht bei Lexer
mhd. handwb. 2, 520;
und dies von rauher wurzel
in rechtsformeln bildlich gebraucht: wenn ein mann und weib von rauher wurzel zusammen kommen, und einander wenig oder gar nichts zu bringen, da sie nun in stehender ehe durch gottes segen güter erlangen. Haltaus 2140 (
von 1579); was vater und mutter von rauher wurzel erworben.
ebenda. II@11@cc)
im hüttenwerk und bergbau. rauhes eisen,
das auf dem hochofen abgestochene und weiter nicht bearbeitete eisen; vergl. [] rauheisen;
eine rauhe mark (
silber),
im gegensatze zur feinen mark,
die mit der legierung beschickt ist; rauhe mark ist, wie sie an schrot und korn gemünzet wird. vor dem sind auf die rauhe mark 17⅔ theilstück gegangen, halten 15 loth 2 quentgen fein, und kömmt die feine mark 12 thlr.
mineral. lex. 440
b.