gelb ,
flavus. 11)
form, nebenformen, verwandtschaft. 1@aa)
die reine stammform ist gilw, deren vocal noch jetzt klingt in vergilbt,
in gilblich
neben gelblich,
mhd. gilweht, gilwen
gelb färben, in ahd. giliwî
neben gelawî, geliwî
aurugo Graff 4, 181 (
vgl. gelbe
f.),
auch im adj. spurweise, wie noch in den sog. cimbr. gemeinden ghil
neben ghel Schmeller 124
a,
so mhd. gilweʒ Berth. I, 415, 13 (
vgl. auch Frisch 1, 337
a)
und umgekehrt auch vergelwen
pass. H. 4, 24.
das adj. zeigt sonst von vorn herein gebrochnen vocal, ahd. gelo, kelo
mit -o
statt -w (
auch gele,
d. i. abgeschwächtes gelo,
wie im 15.
jh. u. b),
ebenso alts. gelo,
mit endung gelowo
Hel. 1878,
ags. geolu, geolo,
mit endung geolwe.
dieser ursprüngliche nachklang nach dem -l
ist noch bewahrt in engl. yellow,
altengl. ʒelow, ʒolow, yolw
u. ä. Stratm. 259,
auch noch in nl. geluw
neben geel,
mnl. ghelu, gheluw Oudem. 2, 465,
während schon mnd. nur gel, geel
bezeugt ist Sch.
u. L. 2, 37
b. 1@bb)
auch mhd. herscht diesz gestutzte gel, doch mit endung noch gelwe,
obwol auch ohne sie vorkommt gelev
croceus sumerl. 50, 56,
wie umgekehrt gele forme, gele cleit
pass. H. 4, 21. 27 (
s. u. 2,
d),
wie geli
gelbheit für gelbe (
s. d.)
und schon ahd. gelan kruagon,
coccinum rubrum (
safran) Graff 4, 181. 593,
also im grunde schwanken wegen des -w,
wie eigentlich bis heute (
wie in falb
und fahl).
denn neben gelb
geht nhd. gel ununterbrochen, in den mundarten bis heute, in der schreibung schwankend, anfangs auch noch gell croceus, also kurz, neben gel Dief. 159
a, gelle
gilfus, gilvus 262
b,
glaucus 264
c,
wie noch bei Luther
2 Mos. 25, 4
zuerst gelle seiden (Dietz 2, 59
a),
in dem -ll
kann aber auch angleichung des -lw
stecken, während gele Dief. 262
b. 264
c u. ö. auf ahd. gelo
zurückgeht; verlängert geel (
schon im 15.
jh. Dief. 159
a), gehl,
auch mit bezeichnung des tiefen gebrochnen e
gäl z. b. Maaler 154
c (
wie gälb Dasyp. 335
a),
md. selbst gal (
s. u. 2,
a),
aber auch geil Ortloff
rechtsqu. 1, 681, geyle
flaveus Dief. 238
c.
bei schriftstellern z. b. (
s. mehr unter 2): er solt billich nicht allein ein heiliger bischof, sondern auch ein heiliger ritter heiszen, und mit eitel gülden hacken und schaufeln erhaben werden (
der h. Benno), das es
geel und eitel geel were. Luther 2, 447
b,
dasz alles nach gold aussähe (
s. 2,
c);
auch mit endung: ein ganz geele decke.
4 Mos. 4, 6,
öfter noch gel, z. b. gele seiden
2 Mos. 25, 4, gele schnur 28, 37, gele tücher
Esth. 1, 6,
auch gelh,
d. i. gehl (
wie kalh
für kahl,
s. d.),
s. u. 2,
d; weisz, rote und gele tücher.
b. d. liebe 298
b; die schleyen werden sehr geel, als ob sie mit saffran geferbet weren. Forer
fischb. 168
a;
im 17.
jh.: Sempron. καταγέλας μου.
Cyrilla. ja die geele kuh? A. Gryphius 1, 770 (
Horrib.),
freilich als volksmäszige spottende auslegung des griech., aber auch ernst, selbst dichterisch: auswendig geel (
sind einige kirschen). Hohberg 1, 435
b. 439
b; und dasz die morgenröth hübsch roht mit weisz und geel als schönen bluhmenwerk den himmel machte hell. Werder
Ariost XII, 68, 3.
ja noch im 18.
jh.: mit rother oder mit gehler seide. Möser
verm. schr. 1, 161; die (
zügel) wirrte sie nun so auseinander, dasz mir grün und gehl vor den augen ward. Thümmel 5, 161,
allerdings in nachahmung der sprache eines kutschers (
in der ausg. 1853
in gelb
gebessert); Heinrich .. fuhr an Rosas sommerhasenbalg von gehler seide mit gehlsüchtigen blicken auf und
[] ab. J. Paul 13, 145 (
Siebenkäs).
vergl. Wielands
und Arndts geelschnabel
unter gelbschnabel.
noch jetzt ist es auch dem gebildeten geläufig aus dem kinderspruch von den sieben sachen, die zu einem guten kuchen gehören, am ende, durch den reim gesichert: milch und mehl, safran, macht die kuchen gehl. 1@cc)
mit gelb trachtete das sprachgefühl, das ursprüngliche -w
zugleich festzuhalten, das nhd. anfangs selbst noch nachklingt und vorkommt, z. b. gelwe farbe Dief. 159
a, gilwe
glaucedo 264
c, gilw (: hilw) Beheim
Wiener 206, 18, 'gälwen, gäl werden' Maaler 155
b,
auch zu -f
gesteigert in bair. gelflicht
gelblicht Schm. 2, 33, gelfros 15.
jh. (
s. 3,
c a. e.),
als -b
aber, das ja selber vor vocalen wie w
klingt, schon im ausgehenden mhd., z. b. gelb holz Megenb. 375, 33, gelbloht 369, 11
u. ö., gelben 39, 14
neben vorherschendem gel.
so erscheint beides noch später nah bei einander: flaveus, gelb
vel geel. Melber i 4
b; es ist gewonlich, wan einer ein
gele pril oder
gelbe augenspiegel uf die nas setzt, alles das er ansieht, das dunket in gel sein. wan er schon ein weiszen schyer (?) sieht, so dunket er in gelb sein. Keisersb.
evang. (1517) 6
b,
es klingt darin der mhd. wechsel von gel
und gelwe
nach, dessen regel doch vergessen war. auch die wbb. schwanken, trachten aber nach einheit; wenn z. b. Maaler gäl
durchführt, selbst in gälächtig
und gällecht
gelblicht, macht es Dasyp.
ebenso mit gälb,
im 17.
jh. Schönsleder
mit gelb,
gibt aber daneben an andrer stelle doch noch reuschgeel, roszgeel,
sandaraca vera t 8
a, gêl
ist eben noch heute die bair. form. spätere wbb. stellen gewissenhafter beide formen zur wahl, wie Stieler 595 gäl (geel, gehl)
und gelb,
noch im 18.
jh. Ludwig 'gelb, geel
oder gäl',
aber gelb
allein bei Rädlein, Aler, Steinbach, Frisch, Adelung,
der letztere nennt gel, gäl
als '
in den gemeinen mundarten Ober- und Niederdeutschlandes',
aber es gilt ebenso gut noch in dem mitteldeutschen, in Hessen z. b. ausschlieszlich Vilmar 121, gelb
mag seinen hd. sieg dem anschlusz an gilblich, vergilbt
u. ä. verdanken. 1@dd)
für verwandtschaft ist zunächst zu bemerken eine nebenform, die im nord. den platz hat, altn. gulr
gelb, schwed. gul,
dän. guul,
norw. gul,
auch gaul Aasen 251
a,
schwed. dial. auch gl,
altschwed. goler Rietz 220
b;
und auch auf engl. boden erscheint das in altengl. golsoght
gelbsucht Halliw. 409
a (
dän. guulsot,
schwed. gulsot), Stratm. 243,
auch schott. gool, gule Jamieson 1, 494
b,
ja selbst bei uns eine gebliebene spur in gaulammer (
s. d.),
auch golammer,
goldammer, eigentlich gelbammer (
s. gelbling),
vgl.geule
glaucus Dief. 264
c;
es ist da, als hätte das mangelnde -w
in der stammsilbe selbst seinen platz gefunden. ganz merkwürdig aber eine oberd. nebenform elb (
s. d.),
kärnt. elw
gelbbraun Lexer 83,
mhd. el, elweʒ
n., ahd. elo, elwaʒ Graff 1, 225,
s. auch Schmeller
2 1, 66;
also völlig wie gelb,
nur mit gestutztem anlaut, wie eifitz
gleich geifitz
kibitz, opold
für kobold (
s. d. III, 3,
d), ampeln
gleich gampeln (
s. d. 4),
alts. aru,
ags. earu
gleich garu, gearu
fertig (
sp. 1315),
d. h. g-
fehlt eigentlich nicht völlig, sondern ist durch stark gesprochenen spiritus lenis ersetzt, sodasz die erscheinung zu der merkwürdigen bewegung in den kehllauten auch auszer der lautverschiebung gehört (
vgl. geisz 1,
c, α),
von allen betreffenden fällen der merkwürdigste. entlehnt scheint it. giallo
gelb (Frisch 1, 337
b),
mit -ll
aus -lw,
wie gelle
u. b. 1@ee)
auswärtig entspricht genau lat. helvus
gelb, honiggelb, helvolus
gelblich, helvinus
blaszgelb, ein volkswort das bei Varro, Columella u. a. glücklich bezeugt ist, daneben gilvus (gilbus)
hellgelb, diesz mit dem vocal noch genauer stimmend, im anlaut mit der eben erwähnten bewegung (
vergl. u. geisz
a. a. o., auch sp. 1315);
vergl. schon Frisch
a. a. o. aus dem skr. verglich schon Graff 4, 181 hari
grüngelb, dazu zend. zairi
gelb, goldfarbig, zar
gelb sein, s. Justi 118
fg., dann altsl. žlŭtŭ
gelb, litt. gèltas (žalas
grün),
gr. χλωρός u. s. w. Schleicher
comp. 248 (303),
vergl. auch das merkwürdige lydische zelvos
gelb Lassen
zeitschr. d. d. morg. ges. 10, 367.
vergl. übrigens galle (
als gelb, s. dort 1,
d, γ),
auch gelf
und gold. 22)
bedeutung und gebrauch. 2@aa)
von der farbe an sich: gelb
glaucus, gilvus, gelbe farb
glaucedo. voc. inc. t. h 5
a,
vergl. in Diefenbachs
wb. v. 1470
sp. 141 glaucus
est color inter nigrum et album tenens medium, gal (
mit md. a
für ë, ä,
s. u. kellnermeister); gel,
glaucus, gilfus, croceus. voc. th. 1482 k 6
b, gel oder plaw,
flavus, flaveus 7
a.
mit genauerer bestimmung saffergeel
croceus Dief. 159
a, goldgelb, honiggelb, schwefelgelb, quittengelb, citronengelb, wachsgelb
[] (
mhd. gel als ein wahs
s. Germ. 9, 391), dottergelb, eiergelb, strohgelb, kleegelb, erbsengelb, hafergelb (
s.habergelb), blättergelb, brandgelb, flammengelb, rostgelb
u. s. w., auch berggelb, bleigelb, rauchgelb Frisch 1, 337
a, speckgelb, erdgelb, mahlergelb Ludwig 724, hochgelb, dunkelgelb, hellgelb, lichtgelb, blaszgelb,
früher bleichgelb Steinb. 1, 583 (gelbe
ist seine form, wie schles. gêle Weinh. 26
b),
im 16.
jh. bleichgäl
flaveus Dief. 239
a,
im 15.
jh. lividus bleich gel 334
b;
auch mit mischung der farbennamen, wie der farben selbst, z. b. rotgelb,
wie gelbrot (
s. d.), grüngelb
wie gelbgrün, braungelb
und gelbbraun,
bei Steinbach
a. a. o. auch blaugelb
lividus, schwarzgelb
luridus, ravus, wie im 16.
jh. dunkelgälb, schwarzgälb
ravus, schon mhd. swarzgel,
gelb das tief dunkel ist, dagegen gelwîʒ
hellblond c a. e. wie dabei um die rechte bezeichnung streit sein kann, zeigt z. b.: spriche ich gel, si sprichet rôt, spriche ich rôt, si sprichet gel.
das üble weib 66.
hohes, auffallendes gelb heiszt bair. gruselgel Schm. 2, 122,
hess. ginselgel Vilmar 121,
d. h. gelb wie ein gänschen, tirol. auch ganslgel
hellgelb Schöpf 184 (
vgl. gelbgans). 2@bb)
von blumen, pflanzen, früchten u. ä.: gel sam ein ringelbluome fuort er ein wâpenkleit gebriten.
troj. krieg 32441; geel viol. Alberus
dict., gelbveigelein; die allrun, welche auf ebreisch heiszen dudaim, halten etliche, es seien violen gewest, aber es mügen nicht die blaw oder gele violen sein. Luther 4, 167
a (178
b); gelbe veieln,
viola lutea Henisch 1454; geel lilien,
acorus, Dief.
n. gl. 7
a;
viola lutea, gele nagelin,
belg. gheele violetten,
gall. giroffle jaune. Junius
nom. 106
b (
viola nigra blaw veihel,
merzenviolen),
bei Trochus L ij
b sind viole luthee, alias calte rindelblumen; gelbe rosen,
rosa lutea. Henisch 1454.
von reifen früchten: nach gelben biren und braunen nussen fellt einer den hals ab.
das.; gäl pflumen,
cerea pruna Maaler 154
c. gelbruben,
daucus voc. 1482 k 7
a, gelbe rüben Frisch,
bair. gelruebm,
mohrrübe Schm.
2 1, 895,
das Hanauische heiszt im volk das gelerübenland Vilmar 121.
vom reifen korn: das gäl oder ryf korn,
arva flava Maaler, die frucht wird gelb Aler, die schwere gelbe ernte. J. Paul
Tit. 3, 46,
vergl. ahd. 'gelo,
adulta, matura' Graff 4, 181.
das gelbe kraut
auch vom tabak: durch einige züge sein gelbes kraut wieder lebhafter anglimmend. Gutzkow
ritter v. g. 2, 63.
in der küche: mal kümel und enîs mit pfeffer und mit eʒʒige und mit honige, und mach eʒ gel mit saffrân
u. s. w. buch von guter speise § 48; gelbe brüe,
jus croceum. Henisch 1454; dar nae rintfleisch mit mostert, dar nae brolink mit geler bruden, dar nae huener mit geler bruden.
Luxemb. weisth. 617;
anders wol gele suppen
bei Keisersberg,
s. unter gall
n. 2,
vgl. unten unter h und gelbsuppe. 2@cc)
das gold
heiszt gelb,
wie früher rot: bäume, derer oel blauer als lasurstein und gelber als gold färbte. Lohenstein
Arm. 2, 303 (
zu dem comp. vergl. bei dem gelbesten kindstreck
Garg. 198
a); guck, gehl gold, groszmutter! Fr. Müller 2, 71; gott verdamm mich! da greif ich (
Miller) ja das baare gelbe leibhafte gottesgold! Schiller
cab. u. liebe V, 5.
daher gelbe pfennige
im scherz für geld (
goldfüchse) Rädlein 345
a,
wie gel
für golden: die hansen vom adel, so daher tretten mit iren gelen keten. Luther
serm. auf Matth. 22 (1535) D ij
b,
vergl. dens. u. 1,
b, auch gelbringig.
eine gelbe erde
oder gilbe
ist bei den bergleuten eine spur vom eisenstein Frisch 1, 337
a, gelbe erd,
ochra, sil, mit gelber erd malen,
sile pingere Aler 87
b. 2@dd)
gelbes haar, blondes, als besonders schön, es wird mit dem gelben golde verglichen, z. b.: flavos crines, gel und goltfar. Melber i 4
b; dann wer ich also schön und klar als Helena von Griechen war, und het ein har als golt gespunnen (
gesponnen gold), des straim erglenzten für die sunnen ..
weim. jahrb. 2, 113; ich pin ain frische diern zwar (
fürwahr), ich sich ain in ainem gelben har
u. s. w. fastn. sp. 402, 13;
in einem langen preisenden frauengrusz, den ein ritter spricht: so wiszt, dasz ich euch grsz von der schaitl pis auf die fsz ... gott grüesz euch, edle ros im tau ... gott grsz euch eur spilende euglein klar ... gott grsz euren rubeinroten mund ... gott grsz eur gelbes har, das ist geschickt nach wunsche gar
u. s. w. 409, 20; und gend (
gebt) dem krenzlin einen schwank und setzen mirs auf mein gelbes har, das sicht gleich wie ein igel zwar (
d. h. kraus). Uhland
volksl. 12;
[] darzu ein lang fliegendes haar, liechtgelb geleich dem golde klar. H. Sachs 5, 330
c; wo aber ein herr oder fürst solch seines ampts und befelhs nicht warnimpt, und leszt sich dünken, er sei nicht umb seiner unterthanen willen, sondern umb seiner schönen gelen har willen fürst .. Luther 3, 325
a (
im ersten druck gelhen har
Dietz 2, 59
b); das deine sünde nimer sünde und vergessen sind, ist nicht deiner gelen har schuld, sondern der gnaden. 4, 460
a,
eine redensart aus dem volke, wie z. b. noch schwäbisch um deiner gelen haar willen geschieht es nicht,
nicht dir zu lieb Schmid 226,
ähnlich der franz. redensart, dasz man einem etwas zu gute thut pour ses beaux yeux; Frisch 1, 337
a führt dazu an, in Schwaben und Franken wünschten die baurenmägde einander zum neuen-jahr einen jungen gesellen in gelben haaren.
ironisch, satirisch: (magst) lan sehn dein kolschwarz gelbes haar, wie es fein feiszt und glitzicht sei. Scheit
grob. 1572 66
b (I, 6, 12).
besonders schön ist gel
und kraus
zugleich, blondgelockt: krûs hâr und gel ûf kindes swarten (
kopfhaut).
Renner 17345; und wil an heben an deim haar ... ist esz doch weder geel noch kraus
u. s. w. Folz
von einem puler, fastn. sp. 1276; ûf sînem gelen krûsen hâr sîn krône stûnt van golde rôt. Berthold
Crane 2236; si was wunneclîch gestalt .. schône gebunden, gel crûs hâr .. Bartsch
mitteld. ged. s. 85; man nennit einen ritter here (
herr) nicht umme sin gelis krusis har, man irbutit eme solche ere umme sine toginde, daʒ ist war.
das. s. 152, Rothe
rittersp. 1962,
worin schon die redensart bei Luther
vorhin anklingt; setzt mirs (
das kränzlein) auf mein gelbes kraus haar, welches sicht gleich eim igel zwar. Uhland
schr. 3, 316.
mhd. hiesz es auch gelreit (reit
gekräuselt) Lexer
nachtr. 188,
zuerst gel unde reit: wanne er hât gel und reideʒ hâr.
Renner 393; gelreit lanc was im sîn hâr.
Apoll. 1452. gelwîʒeʒ hâr Bartsch
mitteld. ged. 69,
hellblondes. daher der name Gelbhaar,
vergl.gälhaar
coma aurea Maaler 154
c.
auch eine goldgelbe oder blonde perücke Ludwig 724. 2@ee)
dagegen gelbe hautfarbe als zeichen des todes oder siechthums, des kummers (
vgl.des tôdes gilwe, leides gilwe
mhd. wb. 1, 497
b),
auch des neides, der bosheit u. ä.: die gele varwe bezeichnit den tod. Ortloff
rechtsqu. 1, 681,
vergl. mnd. wb. 2, 37
b aus der glosse zum Ssp.; so bin ich gel recht wie ein tot, das mir das liecht im hirn zergot. Murner
narrenbeschw. 93, 17,
im bericht eines kranken; schon mhd.: dô wart geverwet über lût sîn bilde alsam ein tôte gel. Konrad
troj. kr. 22393,
wozu Zingerle
Germ. 9, 391 gelb wie ein todter
als noch geläufig erwähnt; der .. mit tugenden sich twanc, daʒ im der lîb wart vil kranc (
schwach) .. und (sich) gel alsô machte.
pass. K. 45, 2,
vergl. 691, 11,
das ist auch das gele cleit,
die gele forme
pass. H. 4, 21. 27,
welche die tugend auf erden durch abstinentie
sich erwirbt, die in virgelwet
und mit kestegunge selwet, verdrucket wol des blûtes vluʒ; wie sitzt du also auf dir selb, bist so erschluchzet, bleich und gelb? H. Sachs III, 1, 107
b (10, 405
K.); also hast dus gethon dir selb und bist halb unsinnig und gelb. 1, 320
a (3, 440); ich sprach: wer bist du also gelber? 1, 330
a (3, 481),
vorher entsprechend ganz blaicher farb, ernstlich und wild
das.; man sech die (
jungfrauen) an, die in der ee sind, ee si ain halbjar darinn sind, so würt dʒ ermest ellendest ding darausz ... und koment dort her und seind gelber und häszlicher dann nimmermer kaine im closter wirt. Keisersb.
geistl. spinn. O 1
a,
als trost vor klosterjungfrauen gepredigt. in Nassau gelföst, gelfüstig,
gelb aussehend, dann auch neidisch Kehrein 157 (
aber auch geel
sonnverbrannt Dähnert 146
a,
vgl. u. gelben 1).
denn es heiszt auch gelb
von bosheit, neid: vor neid gelb
[] werden. Wieland 15, 373,
nl. uitzien als de gele nijd,
wie der neid selbst; vor bosheit gelb ward als ein wax. Ringwald
tr. Eck. G 5
b.
gelbe farbe als krankheit, gelbe sucht,
gallensucht (
s. gelbsucht),
vergl. unter galle
sp. 1184
fg. von der gelben galle,
als krankheit oder temperament, auf die galle zurückgeführt. vom spleen heiszt es (
vergl. gelbsüchtig 3): spleen streut auf alles gelbe schatten, ihm wandeln sich die lilien von Huisums in nasturzien und Coypels Amors in mulatten. Gotter 1, 466.
auch grün und gelb (
vgl. u. e): hat sie des morgens nicht ausgeschlafen und sieht von der galle grün und gelb aus .. Weisze
kom. op. 2, 11;
auch gel und grün aussehen,
elend und siech, hess. Vilmar 121.
angst und schreck, betäubung u. ä. läszt uns grün und gelb sehen: wie sie leider toll und töricht worden sind für groszem erschrecken der aufgehenden warheit, welche ire starke glenz also in ir gesichte stöszt, das inen grün und gelb für den augen schimmert. Luther 1, 348
a; schon kam der termin! ihm wards vor den augen bald gelb und bald grü
n. Bürger 66
b (
kaiser u. abt). gelb um den schnabel,
eigentlich von vögeln, s. u. 3,
b. gelber star,
suffuiso flava Henisch 1454. 2@ff) gelb
auch geradezu für bös, als schimpfwort: du diebin, du yltesbalk du gelber. H. Sachs 1, 512
d (5, 199
K.); du unverschembter palk du gelber. 514
a (204),
beide male in einem zank zwischen frauen; du verreter, wie bist so gelb, frisz den vergiften apfel selb. III, 2, 201
b (13, 205); drum fetsch dich, du unflat du gelber. III, 3, 27
b.
von neid und habgier: neidische hunde und unbarmherzige leute, sehen wie die gelben juden (
s. u. f). Mathes.
Syrach 1, 88
a.
die quelle des bösen ist nach alter anschauung hasz und neid (
s. z. b. Walther 59, 1. 61, 1. 64, 5. 26, 20),
deren farbe aber ist gelb oder gelb und grün: gel grüene weitîn daʒ sol diu nîtvarwe sî
n. Freidank 60, 5,
man vergl. W. Grimms
anm. s. 343,
dabei »
grün und gelb heiszt noch heut zu tage des teufels farbe.«
auch das wird auf die galle zurückgehn, die gelbe und grüne farbe zeigt (
sp. 1184
fg.)
und auch zu gift versotten wurde; wird doch für galle
auch kurz nît
gesetzt, wie bosheit, ja der boshafte selber gift und galle
heiszen: si nâmen gallun unde eʒʒich, si drankdun in (
Christus am kreuz) bit nîde. Müll.
u. Scherer
denkm. s. 78 (76), Haupt 8, 268. 2@gg)
es ist unter allen farben die auffallendste, die lauteste gleichsam, die die blicke herbeiruft. daher in der kleidertracht solcher, die auffallen wollen oder sollen, z. b. als das abzeichen '
gemeiner frouwen'
im Meraner stadtrecht: eʒ sol kein gemeine fröuwele keinen frouwenmantel noch kursen (
pelz) niht tragen .. und sullent ouch ûf irn schuohen tragen ein gelweʒ vänle, dâ mit man si erkenne. Haupt 6, 425,
eine ähnliche bestimmung galt in Krakau u. a. gelbes gebende, schleier u. ä. bei putzsüchtigen frauen, die nach lebenslust trachten: sô habent die frouwen mit dem gelwen gebende grœʒer arbeit, denne diu diemüeteclich ein wîʒeʒ treit
u. s. w. Berth. II, 242, 25,
vgl. von den gilwerinnen mit dem gelwen gebende I, 367, 22. 54, 4,
besonders 414, 36
ff., dabei: eʒ (
d. h. gilweʒ) solten ouch niwan die jüdinne unde die pfeffinne unde die bœsen hiute tragen die ûf dem graben dâ gênt, die süln gelweʒ gebende dâ tragen daʒ man sie erkenne. 415, 14
ff., also der wunsch nach einer bestimmung wie sie dann in Meran u. a. ähnlich ins leben trat; ir frouwen ir machet eʒ ouch gar ze nœtlîchen mit iuwerm gewande, mit gelwen sleigern, mit gebende
u. s. w. 397, 1; blôʒer nac und gelwe kitel lockent manigen valschen bitel (
freier). Hugo v. Trimberg 12536,
vergl. 415; nu sloier gel und houpttuoch wîʒ. 12559; ein meit in einem gelwen swanze (
schleppkleid) und mit eim schœnen rôsenkranze. 12367; o we rosenkrenze, o we miner swenze, o we gele gebende, o we miner wiszen hende
u. s. w. Alsf. pass. 1998, Haupt 3, 501,
wehklage der Maria Magdalena, da sie in sich geht; [] oder bringst mir ein gälen schleier? Gengenbach 148,
eine bäurin zu ihrem manne der vom markte kommt; in einer schilderung der prunksucht der weiber: ouch machend sy die stuchen (
schleier) gelb, hand rhot backen wie ein felb, und sehend usz den stuchen wie ein stuck fleisch usz einer gälwen brye. Utz Eckstein
concil, kloster 8, 808; im Böotierland ist der brauch ... wann man die braut mit dem gälen heuratschleier, welchs ain zaichen irer vermälung ist, verhüllet ... Fischart
ehz. 5 (414
Sch.); gele schleyerlin.
Garg. 138
b (gelbe
Sch. 253); ich wolt dir ein gelben kitl anlegen, mein zauberei dir machen war. H. Sachs III, 3, 13.
auch in männertracht, als auffallend: farende schüler seind vor zeiten im land umgangen, die hetten gele gestrickte netz an dem hals, grosze leutbescheiszer. Pauli
sch. u. ernst (1546) 31; Michelein ist ein feiner bue, knüpfts wammes mit roth nesteln zu, hat hübsch gelbe hosen an
u. s. w. (
vgl. u. kuppelig). E. v. Widmanns
neue music. kurzweil Nürnb. 1618 37, 6.
die juden muszten ein gelbes abzeichen tragen: welchen löblichen brauch die Schwaben mit den roten seckeln noch löblich erhalten. solten sie in (
den seckel) gelb tragen, man möcht sie von Judas geschlecht sagen, weil sie on das gelb fsz haben.
Garg. 118
a (
Sch. 213),
vgl. gelbfüszler; dasz die jüden einen gelben ring an dem rock oder kapfen (
kappe) allenthalben unverborgen, zu ihrer erkandnus, öffentlich tragen.
Augsb. ref. 1530 22, 1,
in einer bestimmung von 1451
für die Cölner diöcese ist es ein circulus de filis croceis,
anderwärts im 16.
jh. ein groszer gelber ring,
von messing oder tuch, s. Haltaus 1054
fg., vgl. gelbberingelt; wie man die bettler und jüden an den gelen rinken kennet. Luther 3, 379
b; daher mögen die gelben hüte der bankerottirer, die gelben ringe auf den mänteln der juden entstanden sein, ja die sogenannte hahnreifarbe ist eigentlich nur ein schmutziges gelb. Göthe 52, 314 (
farbenl. § 771).
ketzern ward bei der hinrichtung dat gele cruce
an den hals gehängt, s. mnd. wb. 2, 37
b.
im 16.
jh. wird von mordgesellen berichtet, dieselben hiesz man wegelislewt, nam etlicher ain gelbe kappen und schwur aim den hals und leben ab, den er nie kant noch gesechen hett. Baumann
qu. zur gesch. des bauernkr. in Oberschwaben 182. 2@hh)
in der farbensprache des alten minnelebens wurde dem gelb die bedeutung des minniglichen glückes beigelegt, z. b. in dem fastnachtspiel von den sieben farben: gel pringt lieb aus lait .. gel ist der minne solt und reich als das minniglich golt, gel kündet das ich pin gewert des ich an die minne han begert
u. s. w. fastn. sp. 779, 13
ff., s. dazu Bartsch
Germ. 8, 38
ff., Zingerle
das. 498,
auch Hätzl. s. 170,
wo doch entgegengehalten wird: ich sprach, die varb ist ze hel und sich si selten tragen.
bemerkenswerth ist daneben Göthes
ausführung a. a. o. in dem cap. von der sinnlich-sittlichen wirkung der farbe § 765
ff., wie das gelb die nächste farbe am licht
ist, eine heitere, muntere, sanft reizende eigenschaft besitzt, das auge wird erfreut, das herz ausgedehnt, das gemüth erheitert, eine unmittelbare wärme scheint uns anzuwehen
u. dgl. 2@ii)
noch manches wird aus dem gebrauch des lebens beizubringen sein, auch fragliches, wie folgendes: wie wird das lose paar beim gälen männchen lachen. Weise
comöd. 351,
in Schlesien heiszt ein gelber pilz gâlmannel Weinh. 26
b;
richter. so legt auf ewre köpf die hend und richt den eid zu diesem end.
zeuge. mit allem willn und gleichsam gehl. Calagii
Susanna IV, 6. geler kragen (
hals),
ein schlemmer beichtet dem arzte: in heiligen und in andern tagen füll ich allzit min gelen kragen. Murner
narrenbeschw. 93, 12
Göd., vom herausgeber mit '
gelb, üppig'
erklärt; allerdings erscheint damit nachher die gele sucht
und gel
für krank in beziehung gesetzt (
s. u. d),
aber jenes gel
erinnert auch an die gele suppen,
d. i. wol leckere, bei Keisersberg
und scheint leckerhaft zu bedeuten, s. dazu gall
n. sp. 1181
fg., obwol jene suppe auch wirklich [] gelb gewesen sein wird, wie die gälwe brye
bei Eckstein
unter f (
vergl.gelbsuppe).
ein verflieszen von geil
und gel
gelb liegt vor im göttingischen niederdeutsch bei Schambach 61
b,
wo gël
ohne unterschied sowol gelb als '
geil, fett'
von ackerland ist (
s. sp. 1182),
während in Hessen gêl
geil und gæl
gelb geschieden sind Vilmar 121. 33)
als substantiv. 3@aa) das gelb
von der farbe an sich, z. b.: das ins roth gesteigerte gelb. Göthe 52, 315; wie das reine gelb sehr leicht in das rothgelbe hinübergeht.
das., zugleich als beleg, wie leicht auch in diesem gebrauch die form ohne endung doch in die mit endung übertritt, vgl. s. 314 das gelbe, vom gelben,
aber ein starkes gelb 312. 3@bb)
von bestimmten gelben gegenständen das gelbe
und das gelb, gel,
z. b.: das gäle
sive gelbe im ey,
luteum, vitellus ovi Stieler 595, das gelb im ey Aler 877
b (
nd. gelei
n. Schambach 61
b).
am schnabel der jungen vögel, auf den menschen übertragen (
vergl.gelbschnabel): sind auch gelehrt genug und doch das geel am schnabel nicht abgestoszen. Luther
br. 4, 651; er sollt nu das geel abgelaufen haben. 2, 381; mag er sich in der welt versuchen, das ime das gelbe vom schnabel gewischet werde.
schausp. des h. J. v. Braunschw. 338.
auch hinter die ohren versetzt: wann mancher nur kaum das gelb hinter den ohren verlohren und buchstabiren gelernt, so musz er schon französisch lernen.
Simpl. 1058
K.; das gelbe guckt ihm noch hinter den ohren hervor. Rädlein 345
a.
auch adjectivisch vom menschen selber, wie gelbschnabel
gleichfalls: sie sind zu geel umb den schnabel, die jungen papirklicker, und gar zu unversucht. Luther
b. Dietz 2, 59
b; er ist noch gelbe um das maul. Steinb. 1, 583. 3@cc) der
oder die gelbe
von pferden gelber farbe, wie die falbe, ein falber: dieweil ein tüchtig rosz auch gern was gutes frist, wann es bei dir zu gast mit mir gekommen ist. die gelben merken diesz, und fangen an zu prauschen. Canitz 267; fort gelben! bis der trab euch das gebisz beschäumt. 270.
im 15.
jh. gelfros,
gilvicus, equus gilvi coloris. voc. inc. t. h 5
a,
in anderen ausg. gelbros Dief. 262
b.