zwiefalt,
adj. ,
gemeingerm. wort; ahd., mhd. zwivalt, (
mnd. twevalt, -volt),
altnord. tvífaldr,
ags. twīfeald,
mschwed. tväfalder,
altfries. twifald,
neunord. tvifald.
im ahd. und mhd. reich belegt, im älternhd. des 15.
und 16.
jh. mehr und mehr durch zwiefältig (
s. d.)
verdrängt. seither literarisch nur noch in vereinzelter künstlicher neubildung (
s. u. 3
ende),
in schweizerischer und schwäbischer mundart auf schmalem boden aber noch weiterlebend, s. schweizer. id. 1, 819; Stalder 2, 486; Fischer 6, 1454. 11)
doppelt nach zahl, menge oder wert: duplex zuiualt (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 8, 20
St.-S.; zem erstin so sol er zwivalt geltin ienem sin gut (1235)
corp. d. altdtsch. originalurk. 1, 14
Wilhelm; hier umbe tat er disen trunk zwivalt Seuse
dtsche schr. 24
Bihlm.; des gelychen ain kriechischer ain zwifalt o als omicron vnd omega (
hat) ... also haben
auch wir zwayerlay s Niclas v. Wyle
translat. 350
Keller; zwyfalte Mailänder batzen '
zweibätzner' (1533)
in: schweiz. id. 1, 819;
duplico zwyfalt machen Frisius
dict. (1556) 32
a; zalt sie, wie sie euch hat bezalt und widergeltet ir zwyfalt Hans Sachs 6, 385
K.; dasz die statt Zug dem hertzogen schuldige pflicht leisten vnd doch darneben bey der eydgenossen pündnusz bleyben sölte ... wolt sich doch das zwifalt regiment in der statt Zug ... nit vergleychen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 724
a; '
in doppelter ausfertigung': daz diz stete si, so geben wir disen brief beiden teilen zewivalten, mit vnserem ingesigele besigelt (1277)
corp. d. altdtsch. originalurk. 1, 300
Wilhelm; schweiz. id. 1, 819;
von hier aus bildlich im sinne von '
unehrlich, unwahrhaftig'
wie unter 3: nit schrib mit zwifalt kriden, sag mir die warheit gantz meister Altswert 248;
s. dazu zwiefach 1
und teil 5, 2140.
von der vorstellung '
doppelt'
aus schweizerisch (
s. ob. zwiefach 1): zwiefalt
von einem menschen, der einen ganz gekrümmten rücken hat, wie z. b. zwiefalt gehen Stalder 2, 486;
schweiz. id. 1, 819;
hierher wohl auch: zwifalt '
höckerig, buckelig',
nach einem idiotikon v. j. 1787
bei Fischer
schwäb. 6, 1454.
von kleidungsstücken '
doppelt umzuschlagen': bedechet uuerden sie mite samoso mit duplici pallio (
gloss. zeuuiualtin lachene) daz sie intus et foris sin confusi daz chit coram deo et coram hominibus (
operiantur sicut diploide) Notker 2, 474, 21
P.; diplois zwifalt gewand Diefenbach
n. gl. 136
a;
ebenso, wenn nicht im sinne von '
doppelt gewebt': sîn mantel guot zwivalt derunder niden fur gie
Seifried Helbling 1, 500. '
zweiteilig'
: valva fellbret, fetach, lade, zwyfalte tur Diefenbach
gl. 606
a;
von der vorstellung '
doppelseitig'
aus in verschiedener anwendung: (
gladius)
anceps zuivaltaz (
zweischneidig) (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 419, 20
St.-S.; vgl. (8./9.
jh.) 1, 56, 10: des selben was ein hûbe dâ ûf sîme houbte zwîvalt (
innen und auszen pelzbesetzt) Wolfram v. Eschenbach
Parzival 231, 9; wie des gemeinen landts wapen und pannere so fürbasz die ob dem wald fürtend, wysz und rot, und im sigel ein einfalter schlüssel ist, also machtend die nidt dem wald in ir wapen und pannern ein wyszen zwifalten (
wohl '
doppelbärtigen') schlüssel in rotem veld Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 73. 22)
doppelt, zweifach unter dem gesichtspunkt der verschiedenartigkeit: sie habent in alawarizuivalt ungifuari: sie himelriches tharbentjoh innan beche werbent Otfrid V 20, 115; si (
Tristan und Isolde nach dem minnetrank) wurden ein und einvalt die zwei und zwîvalt wâren ê Gottfried v. Straszburg
Tristan 11721
R.; (
ubi adsuetis dat)
biforem (
tibia cantum) zuifaltes (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 665, 59
St.-S.; vnser haimant ist der himel, die bilgerschaft über wir hie vf erden. das ellend, wyle das zwifalt ist, zytlich vnd ewig, so ist das ain das fegfüre vnd das ander die helle Niclas v. Wyle
translat. 125
Keller. 33)
gespalten, zwiespältig: (
ut faceres imperium)
bipertitum zuiualt (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 56, 7
St.-S.; vielleicht hierher schweizerisches mit zwifalter [
übergelegter] zunge rede
n '
undeutlich sprechen, lallen, vom zungenschlag kranker und betrunkener'
schweizer. id. 1, 819;
namentlich auf geistigem gebiet '
schwankend, zweifelnd, unschlüssig'
: dubie cogitantes zuuiualt thenkhendi (8./9.
jh.)
ahd. gl. 1, 250, 4
St.-S.; (
matres ...)
ancipites zuiualten (11.
jh.)
ebda 2, 655, 55;
vgl. alternans tweueld (
nd. 1417) Diefenbach
n. gl. 18;
pejorativ, von der rede und der gesinnung, '
zweizüngig, unwahrhaftig, unehrlich'
: bilingues zuuiualteru zungun (
1. Tim. 3, 8)
ahd. gl. 2, 344, 49
St.-S. (9.
jh.); trugelefsa unde hinderscrenchige chosont in zuifaltemo herzen, so Judei sament Christo taten. in uuas ander in muote danne in munde Notker 2, 33, 23
P.; so zwivalt herze habe ich niht, daz ich daz spreche, daz ich nicht enmeine
minnesinger 2, 153
a v. d. Hagen; noch schweizerisch: zwiefalt ... '
der anders redet, als er denkt', eine zwiefalte person Stalder 2, 486;
anders '
zweideutig, unklar, strittig, zwiespältig',
vgl. inficiatio eyn weygheringe eynes tweuolden dinges (
nd. 1417) Diefenbach
n. gl. 215
b; mit diner hochmütigen antwurt, die mit langen, halben, zwyfalten wort, die fúr nicht sind (1475)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 381; span ist, als ob ein geschrifft zwyfalt oder merualt meinung in ir trag Riederer
rhetoric (1493) d 6
b;
in singulärer, junger neubildung, s. auch zwiefalt,
f.: die zwei ist zweifel, zwist, ist zwietracht, zwiespalt, zwitter ... wenn zwietracht eintracht wird und einfalt das zwiefalte, dann wird der schaden heil am alten weltzwiespalte Rückert
ges. poet. w. (1867) 8, 398. 44)
steigernd, einen stärkeren grad oder höheren wert bezeichnend: ampliorem summa(
m) zuuiualt gelt (9.
jh.)
ahd. gl. 2, 87, 4
St.-S.; allo guati gidue, thio sin, thio biscofa er thar habetin, ther inan zi thiu giladota, in houbit sinaz zuivalta Otfrid
ad Salomonem 4; ach, wie mit grozen eren pflac der herzoge sins gewaltes! des pflag er zwivaltes me denne er ie gepflac Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österr. 16588
R.; fromm erbere menschen fahet und haltet den mererteil zwifalten schaden J. Adelphus
enchiridion des Erasmus (1520) b 1
b.