L ist nach früherer anordnung der eilfte, jetzt, wo wir I
und J
in der schrift scheiden, der zwölfte buchstabe unseres alphabets, und ein laut der mit r
und den nasalen m
und n
zusammen die gruppe der flüssigen (
semivocales)
bildet. es ist die jüngere modification des r-
lautes, weshalb wir sehen, dasz ihm in den urverwandten sprachen theils, und zwar in der europäischen gruppe derselben, ein l,
theils, in den asiatischen gliedern, die hier den ältern laut bewahrten, vielfach ein r
entspricht (
sanskr. ruć
leuchten, griech. λευκός,
ἀμφιλύκη,
lat. lux, luceo,
goth. liuhaþ,
nhd. liecht licht;
sanskr. sara,
griech. ἅλς,
lat. sal,
goth. salt,
ahd. mhd. nhd. salz,
u. a.).
seine hauptsächliche stellung ist folgende. 11)
das deutsche l
steht anlautend, inlautend und auslautend. da es sich leicht an andere consonanten anschlieszt, finden wir es in einer reihe anlautender verbindungen, pl, pfl, bl, fl (
ahd. und mhd. auch vl), schl (
ahd. und mhd. sl), kl, gl.
ursprünglich besasz das hochdeutsche auch, wie das goth., niederdeutsche und nordische, ein anlautendes hl (
einem urverwandten kl, kr
entsprechend: ahd. hlinên
lehnen griech. κλίνειν,
lat. in-clinare,
ahd. hliumunt
leumund mit griech. κλύειν,
altlat. cluere,
sanskr. çru
hören zusammenhängend),
das sich jedoch seit dem 9.
jahrh. in einfaches l
umsetzt; so dasz ahd. hlahhan
seit dieser zeit zu lahhan, lachen, hladan
zu ladan, laden, hleip
brot zu leip, leib, hlûtar
zu lûtar, lûter, lauter, hlosên
horchen zu losen
u. s. w. werden. wesentlich durch den verlust dieses anlautenden h
sind wörter in gleiche form gekommen, die nicht die mindeste verwandtschaft haben. so fallen uns laden (
onerare)
und laden (
invitare), leib (
panis)
und leib (
corpus), leiter (
scala)
und leiter (
dux)
dem laute nach zusammen, während sich ahd. hladan
und ladôn, hleip
und lîp, hleitara
und leitari
sehr deutlich unterscheiden. 22)
die hauptsächlichsten in- und auslautenden verbindungen des l
sind lm; lb, lp, lf; ld, lt, lz, ls, lsch; lg, lk, lch; rl.
das mhd. hatte auch ein inlautendes lw,
welches noch in ältern nhd. quellen fortdauert: ain pfilwelin Keisersberg
bilg. 163
b; pfulwen Fischart
Garg. bei Kehrein
gramm. 1, § 166.
die neuere schriftsprache kennt diese verbindung, auszer in eigennamen wie Calw,
nicht mehr, da sie in solchen fällen das w
entweder weggeworfen oder zu b
verhärtet hat, vgl. nhd. falb
und fahl
mit mhd. val,
gen. valwes,
nhd. gelb
und mundartlich gel
mit mhd. gel,
gen. gelwes,
nhd. schwalbe
mit mhd. swalwe
u. a. (
s. auch theil 1
sp. 1054). —
Das bis ins 17.
jh. fortdauernde lh
in enpfelhen, befelhen, befalh
u. a. (Kehrein
a. a. o. 1, § 353)
ist uns jetzt zu hl
mit stummem h
geworden (empfehlen
u. a.). 33)
die verdoppelung des l,
im gothischen auf wenige wörter beschränkt, hat im laufe der zeit sehr zugenommen, so dasz ahd. und mhd. ll
nach kurzen vocalen schon häufig ist. doch vereinfacht es sich im auslaute wieder, wie noch heute im niederländischen: ahd. fallan
fallen, stallâ
ställe, aber fal
der fall, stal;
mhd. alles, snelles,
aber al, snel.
auch inlautend pflegt die gemination, sobald ein consonant folgt, vereinfacht zu werden (
mhd. gellen
vergällen, praet. galte).
in der wilden schreibung der übergangszeit vom mhd. zum nhd. ist ll
willkürlich, auch nach längen, selbst anlautend gesetzt (
belege gibt Weinhold
alem. gramm. s. 163);
heute pflegen wir, ohne rücksicht auf historische begründung der gemination, das l
im in- und auslaute nach kurzem stammvocale doppelt zu schreiben (alles, all, schnelles, schnell).
vor unmittelbar folgendem consonanten aber genügt einfaches l (bald, felge, halten),
und nur in der flexion, wo der stamm vor dem zusammenstoszen mit einem andern mitlaute ll
zeigte, bleibt diesz, abweichend vom ahd. und mhd. gebrauche, erhalten (schallte, wollte,
wegen schallen, wollen).
in zusammensetzungen können nach unserer landläufigen orthographie sogar drei l
auf einander folgen, denn dieselbe scheut selbst so '
unbarmherzige schreibungen' (
vgl. theil 1,
sp. lxi)
wie schnelllauf, stalllicht
nicht. 44)
assimilation eines nebenstehenden consonanten ist mehrfach. 4@aa)
am häufigsten, und vielfach schon im ahd., erwächst aus lj
die gemination ll,
vgl. nhd. hölle, wille, hülle
mit goth. halja, vilja, hulja;
sie zeigt sich namentlich bei den auf l
endigenden stämmen der ersten schwachen conjugation und der schwachen declination, doch nicht ohne ausnahme, vgl. goth. sulja
mit ahd. sola,
mhd. sol,
nhd. sohle.
nach langem vocale unterbleibt in folge allgemeinen gesetzes diese angleichung; wenn im nhd. langer vocal aus älterem kurzen sich ergibt, vereinfacht sich auch frühere gemination, und es erscheint wol das dehnungszeichen, vgl. nhd. wähle
mit goth. valja,
ahd. wellu; hehlen
mit ahd. helian, hellan; quälen
mit ahd. queljan, quellan, quellen
u. a. 4@bb)
andere assimilationen bleiben gewöhnlich im bereich der mundarten, so wenn ll
aus lch
erwächst im tirol. weller,
kärntn. wölla
welcher; tirol. söller,
kärntn. sölla,
schles. siller
solcher; oder aus lb
in dem mitteldeutsch weit verbreiteten sell, seller
für selb, selber,
endlich aus ld
und lt,
wenn durch die meisten mitteldeutschen mundarten ball
für bald, spallen
für spalten, aller
für alter
u. ähnl., wenn auch nicht streng durchgeführt, läuft; henneberg.-fränkisch wall
und neuer wâlt
wald, plur. weller; kâlt,
flectiert kaller,
compar. käller,
superl. källst
u. ähnl. (Fromm. 2, 47);
auch niederdeutsch hört man öller
alter, öllern
die eltern (Danneil 149
b);
hildesheimisch mellen
melden, gollen
und gullen
golden, dullen
dulden u. a. (Fromm. 2, 194). —
Die schriftsprache hat ll
aus ln
entwickelt in elle (
mhd. eline, elne, ellen
und auch schon elle. Lexer 1, 541);
noch Maaler
hat eln,
vgl. theil 3,
sp. 414. 4@cc)
seltener tritt angleichung des vorausgehenden consonanten ein, wie in ahd. guollîh
für guotlîh, wâllîh, wâllîhî
für wâtlîh, wâtlîhî,
mhd. eigellich
statt eigenlich, küllinc
verwandter statt künnelinc;
im 15.
jh. begegnet wegellîn, weglîn
für wegenlîn,
woraus nhd. wäglein
erwächst; jetzt haben wir noch zwilling
aus mhd. zwineling,
und, bereits im mhd., spille
aus ahd. spinala. 55)
vom tausch des l
mit andern consonanten ist vorzugsweise 5@aa)
der mit dem nächstverwandten r
zu erwähnen. l
für r
steht, abgesehen von zahlreichen mundartlichen beispielen, abgesehen ferner von der neigung der kindersprache für r l
zu gebrauchen (
vgl. dazu schon Plut.
qu. rom. 54. Quintil. 1, 11, 5),
in der schriftsprache in pflaume
aus lat. prunum,
vgl. holländ. pruim; tölpel
aus mhd. dörpel, dörper; pilgrim
und pilger,
schon ital. pellegrino,
lat. peregrinus; maulbeere,
schon im 12.
jh. mûlbere,
früher mûrperi, môrperi
aus lat. morum;
früher galt auch das noch jetzt oft gehörte balbier, balbieren (
theil 1,
sp. 1080)
in der schriftsprache. bei den meisten der angeführten beispiele darf die scheu vor zwei nahe auf einander folgenden r
in demselben worte als grund des tausches gelten. mehrfach schwanken die endungen -el
und -er,
vgl.hadel und hader (
lumpen); körpel
und körper; martel
und marter;
und neben marmor
steht marmelstein. tändeln
heiszt österr. tandern (Höfer 3, 211),
wie ahd. tantarôn, tändelei
früher tanderey (Aventinus),
mhd. tenterîe.
eine anzahl verben werden in gleichem sinne mit -eln
und -ern
abgeleitet, im alemannischen ist hudeln
und hudern, schnadeln
und schnadern, täppelen
und täpperen, wihelen
und wihern
u. a. von éiner bedeutung (Weinhold
al. gramm. s. 219).
manchmal hat der eine dialekt die ableitung mit -el,
der andere die mit -er
ausschlieszlich verwendet, so tritt dunkel,
ahd. tunchal,
mhd. tunkel
im alts. als duncar,
niederl. donker,
umgekehrt unser wacker,
ahd. wachar,
mhd. wacher, wacker
im ags. als vacol
auf. mhd. veʒʒel (
balteus)
und veʒʒer (
compages)
sind noch in der bedeutung geschieden, nhd. hat fessel
die bedeutung von veʒʒer
angenommen; nhd. lächeln
und lächern, wandeln
und wandern
werden genau auseinander gehalten. Seltener tritt r
für l
ein, vgl. kristier,
kristieren für klystier, klystieren
theil 5, 2334. 5@bb) l
und n
tauschen, wie in ahd. sliumo
schleunig neben ursprünglichem sniumo,
mnl. slecke,
nnl. slak,
hochd. schnecke,
in lutschen
und nutschen (Lessing 12, 550),
so vorzüglich gern in wörtern, in denen sonst zwei l
nahe auf einander folgen: vgl. lolhart
und nolhart, lullen
sagen und nullen;
ahd. chlobalouh
ist jetzt knoblauch, klüppel (
noch bei Göthe 16, 261)
jetzt knüppel, kläuel
jetzt knäuel.
in endungen hat sich l
für ursprüngliches n
ergeben in schierling,
ahd. scerning
und scerling, sammeln,
ahd. samanôn, friesel,
das im 15.
jahrh. noch friesen
lautete; in fremdwörtern: kümmel
aus cuminum, lägel
aus lagena, orgel
aus organum,
tirol. orgalist
für organist, komulion
für communion (Fromm. 3, 100);
aus ital. fazzoletto
wird fazenetlein: nimpt etliche hembder, zwei par hosen und den gefüllten rock sampt etlichen fazenetlin. Wickram
rollw. 181, 17
Kurz; alemannisch fazenetli: o lueg, wie strahl um strahl verglimmt, und wie sie (
die sonne) 's fazenetli nimmt, e wülkli, blau mit roth vermüscht, und wie sie an der stirne wüscht. Hebel 1 (1853) 133. 66)
was die einwirkung eines l
auf benachbarte laute angeht, so kann es im mhd. ein unmittelbar folgendes t
zu d
erweichen (
gramm. 1
2, 409): behalden
neben behalten, schelden
neben schelten
u. a.; solche erweichungen dauern auch noch in folgenden jahrhunderten fort, vergl. Kehrein
gramm. des 15.—17.
jahrh. 1, § 232,
und mundartlich selbst bis heute: hennebergisch fâld
fehlt, gestâld
gestalt, gewâld
gewalt, wald
wählt (Fromm. 2, 500).
ein dem l
vorausgehendes a
dunkelt zu o,
und wie schon ahd. holôn
neben halôn
holen, im altsächs. old
annosa neben ald,
altniederfr. twifold
anceps für twifald
erscheint, so geht nhd. soll
auf ahd. scal
zurück, neben welchem in späterer ahd. zeit bereits scol
und auch sol
sich geltend macht, und unsere praeteritalformen quoll, soll, schwoll, scholl, schmolz, molk,
sind frühere qual, bal, swal, schall, smalz, malc.