[]gewild,
gewilde II,
verstärkte form zu wild (wildpret). 11)
abgrenzung, formen. 1@aa)
von gewilde I
sind die hierher gehörigen verwendungen mit sicherheit zu trennen. 1@a@aα)
nur ein einziger —
dazu der älteste für beide richtungen in frage kommende beleg —
bereitet schwierigkeiten: beide te korne ende te grase es die stadt wale gheleghen, ende te schepen in voele weghen in visschen ende in ghewilden, ende in goeden ghevilden der besten coren eerden die ie mochte ghewerden. H. v. Veldeke
Servatius 1, 968
Bormans, vgl. dazu Verwijs
u. Verdam 2, 1908.
der allgemeinere zusammenhang legt zunächst auch für gewilde
eine örtlichkeit nahe (gewilde I),
der engere dagegen —
speciell die verbindung mit vischen —
fordert die beziehung auf gewilde II;
und hier gewinnt das zeugnis grosze bedeutung. da die verstärkte form auch hier sonst erst spät und überdies nur aus oberdeutschen quellen belegt ist, so weist die frühe einführung durch Heinrich v. Veldeke
auf älteren gebrauch hin, der nur zufällig nicht belegt ist. 1@a@bβ)
im gegensatz zu dem räumlichen begriff ist dem collectivum von den wörterbüchern viel beachtung geschenkt worden, die notizen reichen schon in die vocabularien zurück: gewild,
fera. oberd. voc. rerum v. 1486
bei Diefenbach-Wülcker 619;
ebenso Dasypodius Tt 4
c;
ferinus ... dem gewild gleich, oder vom gewild, wilterende. Cholinus-Frisius (1541) 364
a;
ebenso (gwild) Frisius (1556) 550
b (
vgl. auch ferinus, wild, wildthierisch. Denzler 263
b); gewilt,
animale ò fere salvatiche. Hulsius (1605) 63
c;
ähnlich Kramer
teutsch-ital. dict. (1702) 2, 1348
b (gewilde, gewild);
dazu vgl. Stieler, Steinbach, Hederich
u. a. (
s. unter b). Adelung
hat von der form keine kenntnis genommen. 1@bb)
auch für das verhältnis des compositums zum grundwort lassen sich aus dem obigen anhaltspunkte gewinnen, die noch weiter zu ergänzen sind: 1@b@aα)
die substantivierung ist bei der beziehung auf die thierwelt schon viel früher bezeugt, als beim raumbegriff. 1@b@a@11))
die belege reichen weit in die althochdeutsche zeit zurück, das substantiv ist jedoch zunächst nicht collectivbegriff, es wird für diesen zweck vielmehr erst in den plural gesetzt: was her thô mit wildirun,
eratque cum bestiis. (
Marc. 1, 13)
Tatian 15, 6 (vas miþ diuzam. Ulfilas, was mit den tieren.
cod. Tepl., ebenso Luther);
dazu vgl. bestia, teor;
fera, wild
St. Galler vocabular d. 10.
jahrh. Steinmeyer-Sievers 3, 16.
die beiden buchungen lassen wandlungen der bedeutung von thier
erkennen, aus denen das bedürfnis erwuchs, den begriff fera
durch eine neue prägung zu kennzeichnen. ursprünglich genügte dafür das einfache wort thier
im gegensatz zu vieh.
hand in hand mit der abschwächung dieser bestimmungsmerkmale an thier
ging die verbreitung der neuen substantivierung: wild (wildes tier)
im gegensatz zu andern thieren. 1@b@a@22))
collectivbedeutung ist dem substantiv erst in einer stelle der lex Baiuwariorum bezeugt, die überdies die wahrscheinlichkeit offen läszt, dasz auch hier zunächst noch pluralform vorliegt: de his canibus, qui ursis vel bubulis, id est majoris feris, quod swarzwild
dicimus, persecuntur 20.
Merkel. 1@b@a@33))
diese collectivbedeutung verbindet die mittelhochd. periode mit dem singulargebrauch des grundwortes; ouch gienc der walt wildes vol.
Iwein 3272;
ähnlich Walther 18, 16,
vgl. auch Parzival 252, 8
u. a. s. mhd. wb. 3, 667
a;
namentlich in der abgrenzung gegen andere collectivbegriffe zeigt sich dieser gebrauch: vor vogelen und vor wilde.
Wigalois 9962;
vgl. Walther 8, 36,
s. unter β). 1@b@a@44))
vereinzelt nur begegnen später individualisierende wendungen, die an sich noch nicht als reste älteren gebrauches anzusprechen sind, sie können auch als secundäre entwicklung gefaszt werden, man vgl. den gegensatz zwischen nâch dem rôten wilde jagen.
Tristan 17254 (
collectivbegriff)
und darinne stuont ein rôtez wilt alsam ein hirz gestellet. Konrad v. Würzburg
troj. krieg s. 31340
Keller. 1@b@bβ)
für den bedeutungsumfang des grundwortes ergeben sich aus der zusammenstellung mit anderen collectivbegriffen, [] gegen die es sich gern abgrenzt, zweierlei gliederungsgründe. am ursprünglichsten und in gewissem sinne am weitesten ist der begriff, der sich aus dem gegensatz von wild
und zahm
ergiebt: wan swaz die lüfte hânt beslagen, dar ob muostu hoehe tragen: dir dienet zam unde wilt.
Parzival 252, 7
u. a. scheinbar im widerspruch gegen diese abgrenzung steht eine andere gruppierung, bei der wilt
gerade solchen thiergattungen gegenübergestellt wird, auf die der begriff des gezähmten nicht so leicht anwendung findet: daz wilt havit den sinin ganc: scone ist der vügilsanc.
Annolied 49; daz wilt und daz gewürme die strîtent starke stürme sam tuont die vogel under in. Walther 8, 36.
eben weil für diese thiergattungen der begriff zahm
kaum in betracht kam, konnte auch der gegensätzliche hier keine bedeutung gewinnen, der begriff wild
heftete sich also mit ausschlieszlichkeit an solche thiere, die den nutz- und hausthieren entgegenstanden, sie werden im engeren sinne mit dem wald, mit der jagd in verbindung gesetzt und hieraus entwickeln sich die abstufungen der bedeutungsverengerung für wild
und gewild.
als typisch vgl.: si wolden jagen swîn beren unde wisende:waz kunde küeners gesîn ... si hiezen herbergenfür den grüenen walt gên des wildes abeloufedie stolzen jägere balt.
Nibelungen 871, 2. 1@b@gγ)
als trennungspunkte zwischen wild
und gewild
lassen sich nur zeitliche, landschaftliche, stilistische unterschiede sicher stellen. 1@b@g@11))
litterarisch die ältesten zeugnisse für gewild
fallen —
abgesehen von dem beleg aus Veldeke,
der weitergehenden mündlichen gebrauch erschlieszen läszt —
in den ausgang der mittelhochdeutschen periode und in oberdeutsches, namentlich alemannisches gebiet: aus der heldensage gehört hierher der Wolfdietrich, vgl. A 99, 4 (
handschr. geuilde), B 795;
aus der prosa die belege der alemannischen urkundensprache: rechtung des hofes zu Elfingen (1322)
bei Rochholz Aargauer weisth. 10;
urk. v. 1339
in der Alsatia diplomatica 2, 164;
weisth. v. Pfeffingen (1344),
s. weisth. 5, 374;
rechte des dinghofes zu Kems (14.
jahrh.)
bei Burckhard 149;
Engelberger hofrodel (14.
jahrh.),
s. weisth. 1, 4. 1@b@g@22))
dieser vorzugsstellung des alemannischen entsprechen auch die oben dargelegten buchungen in vocabularien und bei den Schweizer lexikographen, während der mitteldeutsche Faber
nur wild
kennt. dasz die verstärkte form jedoch auch mitteldeutscher sprachfärbung nicht ganz fremd war, zeigt ein beleg aus einer schlesischen urkunde von 1578,
der damit in parallele zu dem zeugnis Veldekes
tritt. charakteristisch ist das verhalten der bibelübersetzer: die vorgänger Luthers
haben meist die wilden tier, Luther
führt das einfache wild
ein, und die Züricher bibeln setzen dafür die verstärkte form: daz gewild im Libanō lieff über die dornstrauch und zertratt inn.
Züricher bibel (1531)
2 chron. 25, 18 (das wild im Libanon. Luther;
ebenso noch Züricher bibel von 1527; die wilden tier
bei Eggesteyn, Koburger
u. a.); was überbleibt, lasz das gewild auff dem väld essen.
Züricher bibel (1527)
2 Mos. 23, 11 (wild Luther; die tier des ackers
bei Eggesteyn
u. a.);
ähnlich in 3 Mos. 7, 24;
Dan. 4, 12 (
hier auch bei Luther thiere);
Hes. 4, 14. 1@b@g@33))
durch Stieler,
der wild
und gewilde
nebeneinander buchte (2419),
wurde der verstärkten form lexikographisch ein weiterer kreis erschlossen, vgl. die angabe bei Steinbach, Hederich
u. a., immerhin stellt Steinbach (2, 994) gewild
als 'nicht überall gebräuchlich'
dar. 1@b@g@44))
in die litteratur ist die verstärkte form einerseits durch den gebrauch von Schweizern wie Haller
eingedrungen, andererseits wurde sie von stilisten aufgenommen, die dem kreise der Schweizer litterarisch näher standen, vgl.: Haller selbst hat sich einnehmen lassen, dasz er selbst im ernste geglaubet, als seien seine gedichte voller sprachfehler. die von der prose abweichende wortfügung ist vorerst kein sprachfehler; einige wörter, als: unbill und verschusz, sind keine sprachfehler, und der gebrauch gewisser figuren gehöret noch weniger hierher, wie: gewild anstatt: wild. Fr. C. C. v. Creuz
oden und andere [] ged. 1 (1769) 313; das gewild fehlt bei Adelung. man findet es aber nicht allein in alten und oberdeutschen büchern, sondern Mendelsohn hat es so wohl in seiner psalmen-übersetzung, als in den büchern Moses mehrmals gebraucht, sogar für wildpret (
s. u.). ich finde nicht, dasz wir etwas entbehren, sogar in der dichtkunst, wenn wir blosz wild gebrauchen. Heynatz 2, 56.
die gehobene sprache verstattete der vollen form im 18.
aufs 19.
jahrh. offenen eingang: Bürger, Wieland, Göthe, Stolberg, A. W. v. Schlegel
gebrauchen sie im rhythmus der gebundenen sprache; spärlicher scheint der gebrauch in der prosa; doch stehen hier den süddeutschen belegen (
maler Müller, G. Keller)
aus Arnim
und Storm
zeugnisse entgegen, die auch hier litterarische überlieferung neben dem mundartlichen gebrauch sicher stellen. 1@b@dδ)
wie bei gewild I
finden sich auch hier beide formen oft in einem zusammenhang beim gleichen stilisten: vor sechs oder sibenhundert jarn ist umb Hall ein gantz rawe unwonhafftige weldige artt gewesʒen, unnd da itzo der saltzprun erbawet, ein herbe selʒame lach gestanden, zu dem das wild geloffen, alda gelecket und sein wonung gehapt, durch welches gewildt disʒe gottsgab des saltzbrunens geoffenbaret. Johann Herolt
chron. v. Hall (
mitte des 16.
jahrh.).
s. Württemb. geschichtsquellen 1, 39/40; hoch durch die wolken vollbrachte sie schnell den weg, und erreichte bald den quellenströmenden Ida, des wildes ernährer. schnelles fuszes ging si zur hürde, ihr gingen zur seite schmeichelnde weisze wölf' und freundlich spielende löwen, bären und immerlechzende pardel nach blut des gewildes. Chr. v. Stolberg 16 (1807), 77. 1@b@eε)
dem gegenüber sucht Campe
zwischen beiden formen einen unterschied in der collectivkraft festzustellen: gewild, ein wort, allerlei wild zusammengenommen zu bezeichnen, zuweilen auch von einzelnen stücken. Campe 2, 363
a. 1@cc)
formen. 1@c@aα)
fast durchgehend herrscht die lautgesetzliche form gewild
für den nominativ und accusativ; zuweilen tritt aber, meist in älteren quellen, der auslaut mit e
nach analogie der collectivbildungen (
vgl. gewild I, gewilde)
auf: das gewilde
rechte des dinghofes zu Kems; dekein gewilde.
rechtung des hofes zu Elfingen; das gewilde Gengenbach
Jacobsbrüder 103;
ebenso noch gewilde
bei Stieler 2418; gewilde, gewild. Kramer
teutsch-ital. dict. 2, 1348
b (fische, gewilde, vögel, schlangen, vihe und menschen. Petrarca
trostb. 107
a ist wol plur.).
einmal auch in der neueren sprache: auf das gewilde. Immermann
Tristan (
vers).
die schreibung gewil (
beste sauvage)
in der ältesten ausgabe von Hulsius (1596) G 2
a darf für die aussprache wol kaum angezogen werden. 1@c@bβ)
die von Bech (
wortformen auf -eʒe.
Germania 28, 300)
angesetzte erweiterung gewiltʒ
ist in wirklichkeit eine genetivform: vil selssems gewildtʒ.
Arnold von Harff 39
Groote. 1@c@gγ)
der stammvocal zeigt manchmal eine durch w
hervorgerufene rundung: gewüld Hainhofer
reisetageb. (
neben i); gewuld Nic. Thoman
Weissenhorner hist. 1@c@dδ)
synkope des präfixvocals ist häufig in oberd. quellen: bei Pinicianus, Frisius, Maaler, Geiler,
Züricher bibel, Wickram (
bei den letzten vier neben gewild), Fischart, Nic. Manuel, Nic. Thoman, Stumpf
u. a. 22)
die gebrauchsformen des compositums. 2@aa)
der collectivbegriff im rahmen des gegensatzes von zahm
und wild.
verdeckt und umschrieben treten sich beide begriffe schon in älteren zusammenstellungen gegenüber, bis sie die knappe formel erreichen, die auch von neueren gern wiederholt wird. der gleiche gegensatz wild
gegen zahm
trägt unausgesprochen auch die verwendung des compositums neben exotischen thieren. eine andere wendung nimmt diese auffassung in der ausdehnung des begriffes auf die thierwelt im gegensatz zum menschen. 2@a@aα) zuo dem brunnen liefen lewen bern wiltswîn: mitten under dem gewilde saz daz kindelî
n. (
hdschr. gevilde)
Wolfdietrich A 99, 4 (
heldenb. 3, 92); dae unden (
in dem thiergarten) lieffen vil selssemer dieren as bueffelen camelen dannen hiertzen hinden wildt pert ind ander vil selssems gewildtʒ.
pilgerfahrt des ritters Arnold von Harff s. 39
Groote; ausser des schädlichen gewilts, als beern und wölf, soll inen frei gelassen sein.
Bambergische waldordn. (1506)
s. österr. weisth. 6, 418;
[] ritten mit urlaub ausʒ dem schloss mit freuden hien durch das gefild, durch manchen dicken wald. das gwild das sprang daher, sam wer es zam und allerst von der trenckin kam. Jörg Wickram (
irr reitend bilger cap. 19
v. 3661) 4, 241
Bolte; jeder ein sundre gestalt gewan von mancherhandt thier und gewildt, ir keiner blieb menschliches bild. (
Albrechts Ovid 14
cap. 6
v. 498
variarum monstra ferarum); thiergarten (
der) eingeschlossen ort da man hasen zeücht und ander gewild. Maaler 400
d; dann alle dise ding von den menschen, den thieren und dem gewild zu verderblichem schaden gemachet und bereit werden, dardurch sie denselbigen listiglich nachstellen, sie umb das leben zu bringen. Ryff
übers. v. Artemidors traumb. (2, 11) 87
a (
animalium); welhe ihre gehäger und zäun ... niht zu rehter weil ... gemacht ... wahrdurch das gewilt und haimbische vieh zu zeiten denen benahbarten groszen schaden zugefüeget.
dorfordn. von St. Martin (1730)
österr. weisth. 6, 375; sie müszten nicht hunger crepieren; sie würden noch immer aase und gewild finden, und das gehört ihnen, und nicht zahmes vieh — das mit mühe und kosten erzogen und gehütet werden musz. Pestalozzi
Lienhard und Gertrud (1, § 6) 1
3, 37. nicht die befiederten sänger der luft, nicht das zahmere hausthier, noch das gewild, belebten die welt; sie suchten des hofraums schatten, der höhlen nacht, und des säuselnden waldes umlaubung. Pyrker
Tunisias (7, 538)
3 167. (
vgl. auch unter c); nicht wahr, er trug einen rock, einen gürtel mit stickereien? war kein wappen thier, zahm oder gewild, dar auf gestickt? Th. Storm (
ein fest auf Haderslewhuus) 6, 309 (
die typen —
grosze anfangsbuchstaben —
kennzeichnen das compositum als substantiv). 2@a@bβ) dô îlte er vil balde dâ er den alten sach. gerne müget ir hœren wie der getriuwe sprach. 'alter wurm, ir slâft ze lange, wan ich wil iuch bestân: ir loufet nimmer mêre nâch gewilde in den tan'.
Wolfdietrich B 795
deutsches heldenbuch 3, 271; zu dem dritten so ist der lew (seuus bestiis) grimm und zornig den and'n thieren, und grim gegen and'm gewild. er fart sie wunderlich
an. Geiler v. Keisersberg
brösamlein (1517) 1, 50
a; wie wir lesen, dasz der löw', in ungebundnen staaten des gewildes könig, der, wann er die stirne runzelt, sie mit straub'gen haarwuchs krönet, milde sei, und nie verschlungen hab' als raub den unterwürf'
gen. A. W. Schlegel (
übers. von Calderons standhaft. prinzen 3)
span. theat. 2, 137; (
Epimetheus:) den reichen kelchen muthiges gewild entquoll. (
Prometheus:) das reh zu fliehen, es zu verfolgen, sprang der leu. Göthe (
Pandora) 40, 405 (
v. 641). 2@a@gγ)
mit einer verschiebung dieses gegensatzes bahnt sich eine erweiterung des begriffes gewild
an, die schlieszlich die thierwelt als solche im gegensatz zum menschen umfaszt. dieser zug der entwicklung gehört vor allem dem neueren stile an: seinen teil sol er an den kreutern der erden haben mit andrem gewild.
Züricher bibel (1529)
Daniel 4, 12 (thieren Luther
u. vorgänger); auch in uns prägte gott sein majestätisch bild er schuf uns etwas mehr, als herren vom gewild. Haller (
urspr. des übels 2, 112)
ged. 129
Hirzel; (
das gleiche im wortlaut von Js. Iselin
träume eines menschenfreundes 1, 41
übernommen); frösche wimmelte ihr land heraus, bis in ihrer könige palläste. er sprach — und schwärme von gewild, und ungeziefer füllten ihre grenzen. Moses Mendelssohn
psalm 105, 31 (1783) 248 (er sprach, da kam unzifer, leuse in allen jren grentzen. Luther); denn so sehr auch erstlich der schöpfer durch gleichartige farbe des gewildes und des bodens, z. b. bei hasen, raupen und rebhühnern für die sicherheit durch die verwechslung mit der farbe des bodens sorge. Jean Paul (
leben Fibels 6) 54, 36.
vgl. auch unter d)
den beleg aus Achim v. Arnim. 2@bb)
die abgrenzung der thiergattung des wildes
im gegensatz zu anderen collectivbegriffen wie geflügel (gevögel),
[] gewürm, fische,
schlieszt die gruppe deutlich und sicher zusammen. vereinzelte verschiebungen wie sie von seiten des engeren begriffes der jagdbarkeit (
s. c, β)
veranlaszt werden, thun dem wenig eintrag. im gegensatz zu älterem gebrauch wird das gewürm
in diesem zusammenhang ganz zurückgedrängt, um so häufiger erscheint gevögel
und geflügel,
neben ihnen werden gern auch die fische erwähnt. 2@b@aα) gewild, vögel und visch soll iederman gemein sin für sin not zuo fahen wer es vermag. Eberlin 1, 125; die vögel lüstiklichen sungen. das frei gewild sprang in dem hag. die visch schnaltzten in strames wag. Hans Sachs (
die insel Bachi) 4, 245
Keller; were es aber nit besser, dasz du dein maul gewentest an speise, die mann leichtlich bekommen möcht, unnd die wälde dem gewilde, den vOegeln die lfft und den vischen das wasser mit frid liessest.
verdeutschung der trostbücher d. Petrarca v. 1559 (1.
cap. 64),
vgl. dazu die sp. 5807
für den plural angeführte stelle; gehet es (
das zahme wild) aber hin (
in den wald), und kommet nicht hinwider, in acht tagen, wer es dann vahet, desʒ ist es, oder in wesʒ wildtban es gehet, desʒ ist es auch. wir sprechen also, dasʒ kein richter seinen leib gar sol nemmen, weder umb geflügel, noch umb gewildt, noch umb fisch. Meurer
jag und forstrecht (1582) 40
a; welch ein himmlischer garten entspringt aus œd' und aus wüste wird und lebet und glänzt herrlich im lichte vor mir. wohl den schöpfer, ahmet ihr nach, ihr götter der erde! fels und see und gebüsch, vögel und fisch und gewild. Göthe (
der park) 2, 133. 2@b@bβ) und gebe den leichnam des heers der Philister heutt den vöglen under dem himmel und dem gwild auff erden.
Züricher bibel (
v. 1527
ff.)
1 Sam. 17, 46 (wild Luther, tieren der erde Eggesteyn
u. a.); und gib den leib der Philister heut den vögeln unter dem himl zur peut und auch dem gewild auff der erden. Hans Sachs (
tragödie könig Sauls act 3) 15, 48
Götze; zum vierten wöllen meine herren gern zugeben, das ire underthonen, soferr ains rats forst und oberkeit geet ... das gewild und gefugel zur notturft ... wol vahen und schieszen sollen.
Memminger rathsbeschl. v. 1525
bei Baumann 122; das sich niemant ... der reisʒ oder hienergejaids ... nit unterfach oder gebrauch, darzue ainich pirschpixen, armbrost, stachl und dergleichen weter an die gebirg ... tragen, ziechen und bringen, damit dem wiltprät, auch anderm gefligl und gewilt nachgeen und föllen.
weisth. v. Kufstein (17.
jahrh.).
s. österr. weisth. 2, 17; allerlei menschen, thierlin, flüsse, wAeld, vOegel und gewilds.
verdeutschung des Petrarca 35
b (1
cap. 37); ihn (
den brunnen) hatt auch weder hirt noch vieh in keinen weg betrübet nie. darzu kein vogel noch gewildt. Jörg Wickram (
Albrechts Ovid 3,
cap. 18
nulla volucris nec fera 3, 410) 7, 149
Bolte, ähnl. 8, 50. 207. bäumen ist winternder sturm das verderblichste, bächen die dürre, vögelchen aber die schling', und dem gewilde das garn. Joh. Heinr. Voss
Theokrit (
idyllen 8, 54) 89 (
ἀγροτέροις δὲ λίνα); die möglichkeit der verwandlung des menschen in vögel und gewild, welche sich der dichterischen einbildungskraft gezeigt hatte, wurde durch geistreiche naturforscher nach endlicher betrachtung der einzelnen theile auch dem verstande dargestellt. Göthe (
vorträge über die drei ersten cap. des entw. einer allgem. einl. in die vgl. anatomie ... 2) 55, 261; ja, im dunklen walde, da ging ich in meiner verzweiflung, und sah wenig auf den weg, und hörte auch nicht auf die vögel und auf das gewild, sondern jammerte nur immer. Achim v. Arnim (
die liebreichen schwestern u. der glückliche färber) 1, 245
Wilhelm Grimm; und die vögel und das gewild kommen zu dem see, um zu trinken. Stifter
werke: bunte steine5 (
granit) 37
Aprent. 2@cc)
schon im vorhergehenden, sowol im rahmen des gegensatzes von zahm
und wild,
als in der engeren abgrenzung des neuen collectivbegriffes gegen einzelne thiergattungen (vögel, fische, gewürm),
lieszen sich bestimmte bedingungen erkennen, die den gebrauch des substantivs banden. die örtlichkeit, aus der der begriff erwächst (
vgl. gewild I),
[] wird in zusammenhang mit ihm immer wieder gekennzeichnet: ursprünglich die wildnis im allgemeinen, später der wald im engeren sinne. und in verbindung damit tritt die jagd hinzu, die nächste und natürlichste form, in der der mensch mit der ungezähmten thierwelt in berührung kommt; sie hat den gebrauch unseres wortes am weitgehendsten beeinfluszt. 2@c@aα)
kennzeichnung der örtlichkeit, mit der das gewild
vorzugsweise in verbindung gesetzt wird. 2@c@a@11))
allgemeiner und ursprünglicher: unangebautes land: spelaeae ferarum ... hülinen darinn sich das gewild enthalt. Frisius
dictionar. (1556) 550
b;
genau so Maaler 201
c; es mögen auch die underthanen, jre velder zimblichen vor dem gewild verzeunen, doch hoch genug, damit das wildprät nie darüber, noch daran springen.
tirol. landtsordn. v. 1603 (4, 12) 60
a; es solle auch den underthanen in den gerichten ... das gewild (wo si dasselb in jren weingärten, ackern ... betretten) darausz zu treiben erlaubt sein, doch der gestalt, dasz si dem wildprät nit schade thuen. 60
b.
dazu vgl.: denn gleich hinter dem thale begann eine wilde unfruchtbare landschaft, welche zuletzt gänzlich in eine gebirgswildnis verlief, die nicht nur schwärme und scharen unschuldigeren gewildes, sondern auch von zeit zu seit reiszende tiere, besonders grosze tiger beherbergte. Gottfried Keller (
Pancraz, der schmoller) 4 (1899), 35. 2@c@a@22))
der wald (
vgl. gewilde in den tan
Wolfdietrich): es sind gewesen jn einer provintz grosser wäld mit vil gewildes, darjnn die jäger all tag iren wandel hetten.
buch der beisp. der alten weisen 82
Holland; kamen sie inn ein grossen waldt, darinn vil gewildts war. Geiler v. Keisersberg
narrenschiff 10 (
kloster s. 279
Scheible); und die weil im selben wald insonderheit vil gewilds was, vermeint der keiser nichts anders, denn von wilden thieren sie zerrissen sein worden. J. Wetzel
reise der söhne Giaffers 40
Fischer und Bolte; im wald hungers sterben, oder von dem gewildt verderben. Hans Sachs,
vgl. Schmeller 2
2, 900; und ist nicht weniger, dass es ein feiner schöner ort unter dem Schneeberge von holz und wiesen, allda sich das meiste gewild aufhelt und sich sehen lesst.
urk. v. 1578
s. cod. dipl. Silesiae 21, 155; und an solchen ort alwo dem gwild der stand nit verderbt wirt.
banntaid. zu Festenburg (1675),
s. österr. weisth. 6, 98.
u. a.: stimme des herrn regt auf das scheue gewild; entblättert die wälder: aber in seinem pallaste spricht alles, majestät! Moses Mendelssohn
psalm 29, 9 (1783) 61 (die stim des herrn erreget die hinden. Luther); gleiche triebe beseelten die freunde, in Bructrischen wäldern lebten sie unterm gewild die zeit der blühenden jugend. Wieland
Hermann 4, 611
Muncker s. 112; gerne bewohnt er (
der löwe) die höhlen im grünen walde, wo der strom am felsen sich bricht, und am kühlen brunnenquell ... es weidet am mittage das gewild von bergen herunter, scheuet zu trinken vor ihm.
maler Müller (
Adams erstes erwachen) 1 (1811), 21; ging sie, kräuter zu suchen, in den wald, so sprang das gewild vor ihr nicht, wie vor andern, scheu von dannen; es blieb und sah sie freundlich an, und oft folgte ihr ein schlankes reh bis an die wohnung nach. Justinus Kerner (
die heimatlosen 4)
dicht. (1834) 531. 2@c@bβ)
so verknüpft sich mit dem begriff des wildes im eng sten sinne die jagdbarkeit: gewild,
game, venison. Hilpert II, 1, 464
b;
von der beziehung auf die jagd ist der gebrauch des wortes belebt und getragen: item geschehe aber daʒ die jeger beider herrn kemint mit dem gewilde uf ein gemeinen schrei, so sunt si das gewilde uf derselben strasse teilen.
rechte des dinghofes zu Kems (14.
jahrh.)
bei L. A. Burckhardt
die hofrödel von dinghöfen baselischer gotteshäuser 149; ob aber ain hund dem gewild gefärig sein wurde.
tirol. landtsordn. v. 1603 (4, 13) 60
b; übet er insonderheit die jagdgerechtigkeit mit der äussersten vorsicht aus; er erlaubet dem landmanne ... sich wider jeden schaden zu verwahren, den er von dem gewilde zu befürchten hat. (J. Iselin)
versuch über die gesell. ordn. (1772) 47
f.; [] die minn' ist ein gefangner falk, vom jägersmann gewiegt im ringe, damit der freie als ein schalk dienstbar auf das gewilde springe. K. Immermann (
Tristan u. Isolde 1:
Kornwall) 13, 237
Hempel; ein strenger kriegsmann wie sein vater wird er kaum, sonst ... trüg (er) einen sinn für feuer und eisen und erz im erdboden, statt für wasser, und neigung zu ross und gewild statt zu strauchwerke. Scheffel
Juniperus 10;
vgl. vor allem die verbindungen und verwendungen, die im besonderen die weidmannssprache entwickelt. 2@c@b@11))
dieser neue engere begriff zieht seinerseits wieder aus den oben abgegrenzten thiergattungen solche unterarten an sich, die unter die vorstellung der jagdbarkeit fallen: item ... das rephun, wer das fecht und treit das nicht dem richter zue, wo man des innen wirt mit bewärten sachen, der ist dem gericht verfallen funfzig pfunt, dann als ander gewild ist nicht verbotten.
gerichtsbuch v. Latzfons u. Verdings (1539),
s. österr. weisth. 5, 360; von den andern gemeinen thieren und kleinen gewild, so eins teils im gebirg, zum teil auch in den tälern wonet, als tachs, otter, biber, hasen, eichorn, und der gleichen. hie kan ich nit underlassen auch ein wenig zebemelden die gemeinen thier, und das nidergewild des Alpgebirgs. Stumpf
Schweiz. chron. (9, 19) 2, 290
a; nie färbten so sich zähne, so sich klauen des raubgewilds in lüften oder wald mit blut von vögeln oder vieh auf weiden, wie jetzt mit ihrem blut das schwert der heiden. Gries
übers. v. Tassos befr. Jerus. (20, 78) 2
10, 314. 2@c@b@22))
innerhalb dieses engeren begriffes werden nunmehr aufs neue gruppen geschieden. 2@c@b@2@aa)) dir aber ist noch wol zu wissen, weil ich etwan war starck und jüng, wie ich frei allem wild nach sprüng und war gschickt pei jungen tagen zu dem waidwerck, heczen und jagen, da ich im wald das frei gewilt kreftig mit meinen zenen hilt, als hasen, hirsen, schwein und pern. H. Sachs (
fabel v. d. alten hund)
fab. u. schw. 2, 130
Götze. 2@c@b@2@bb)) in dieser fart hatten wir am gestatt oder land nichts, dann zu baiden seiten vil gestreüsz, darinnen sich zuo zeiten gewild, sonderlich aber wilde schwein hören unnd sehen liessen. Rauwolf
reisebeschr. (1583) 152,
ebenso 78.
die wilden schweine zusammen mit hirschen und ähnlichen gruppen grenzen sich als hochwild gegen die hasen und andere als das nider gewild
ab, vgl. theil 4, 2,
sp. 1622,
vgl. auszerdem: zweierley hochgewilds findt man in den Alpischen lendern, erstlich das gemein wildprät durch die ebnen fruchtbaren gelend Teutscher nation wol erkannt, als hirtzen, hinnen, recher, und wilde schwein ... demnach habend die höchsten Alpen jr besonder hochgewild. Stumpf
Schweiz. chron. (9, 16) 2, 287
b; je höher gewild, ie mehr narung unnd überflüssige fürung solliches gibt, wie es von Cornelio Celso wargenummen ist. Ryff
spiegel u. regiment der gesundheit (1544) 49
a; so vil das nider gewild, als hasen und andere belanget, dieselbigen soll man inn keinem thiergarten halten. Sebiz
vom feldbau (6, 21) (1580) 557.
vgl. auch oben kleines gewild. 2@c@b@2@cc))
aber auch wildschwein und hirsch treten sich in den bezeichnungen schwarzwild
und rothwild
gegenüber. das compositum ist hier nur in der zweiten verbindung, also in der engeren beziehung auf den hirsch belegt: alles hoch und roht gewild, so es sich reiniget, heiszt es, geflösset. Heupold 406;
dazu vgl. einen der ältesten belege für das substantiv: es sol och nieman vogelen noch jagen ane des rot gewilt, von dem ber und von dem schwin sol man unserm herren dem abbas den harst geben.
urk. v. 1339
bei Schöpflin
Alsatia dipl. (
nr. 980) 2, 164.
neben rothgewild
ist das compositum auch in der verbindung hirschgewild
belegt, während die andern wildgattungen nur das grundwort in die composition ziehen: als jagen oder weidwerck wird getheilet in das hochwild, oder hochwildbret und weidwerck, und disʒ ist entweders das roth wildbret, als hirsch-gewild: oder schwartz wildbret, als säu, bären. Joh. Jac. Agricola
fürsichtiger weidmann (1678):
vom weidwerk s. 11,
ebenso Meurer
bei Fritsch
corp. iur. venat.-forest (1702) 351
b;
auch sonst macht sich die engere beziehung des compositums gewild
auf den hirsch bemerklich: [] als nun die jagd das gebirg' und den sperrigen dickicht erobert, siehe da taumelten hier, entstürzt dem felsengescheitel, über die rücken der berge die flüchtigen gemsen herunter; siehe, da rudelten dort sich hirsche zusammen, und stürzten laut die stäubende flucht hinab durch 's offene blachfeld. muthig auf muthigem rosʒ, durchsprengt' Julus die thäler, sprengt in raschem galopp bald diesen, bald jenen vorüber. schnöbe, so glüthe sein muth, statt dieses feigen gewildes, schnöbe doch lieber ein keiler mit krummen beschäumten gewehren, oder ein tapfrer leu aus nächtlicher kluft ihm entgegen! Bürger (
Dido 176)
sämmtl. werke 246
b Bohtz; zum vierdten gehören zu dem weidwerck garn, und die heissen zum gewild, wildseil, wildgarn, zu schweinen, schwein-seil. rech und hasengarn. Meurer
bei Fritsch
corp. iur. venat.-forest 351
b. 2@c@b@2@dd))
so stehen auch die abschwächungen des collectivbegriffs und die ansätze zur individualisierung in beziehung mit dem hirsch: cerua, foemina est cerui, gwild. Pinicianus
prompt. (1516) B 3
c; der hirsch hat lauffklauwen, und nicht füsʒ. das gewildt setzt. die jungen heiszt man hindenkälber. Meurer
jag u. forstrecht (1582) 63
a;
ebenso bei Fritsch 352
a (gewild);
ebenso Joh. Jac. Agricola
vom weidwerk s. 12 (gewild); das gewild oder hirsch verfächt. wird gejagt. ist den hunden entlauffen.
jägerkunst (
Nürnberg 1611) B 4
a;
ebenso Meurer; das gewild oder hirsch verführt, es wird gejagt, ist den hunden entlauffen. Agricola
s. 12: ceruus ein hirtʒ ein adelich gewildt, welches nach der zal der jar seines alters zincken in seinem gehürn bringt. Ryff
thierb. Alberti Magni (1545) B 5
b.
auch im plur.: von den hirschen. ohne zweifel sollen dise gewild under die geschlecht des ellends gezehlet werden, dieweil sie mit aller gestalt jhnen änlich sind ... dise gewild so sie noch jung, sind sie meüsʒfarb, oder eselgrauw ... so genannte gewild heimisch gemachet, so werden sie gantz milt und zam, sonst sind sie gantz grausam und wild ... wo solch gewild einen betritt, so durchscheust es jhn mit seinem vorderen fusʒ, und so es ein reüter ist, so verschont es auch dem pferd nicht. Conrad Gesner
tierbuch dtsch. v. Forer (1606) 85
ab. 2@c@b@33))
die weidmannssprache entwickelt feste verbindungen des substantivs mit verbis, vgl. z. b.: alles gewild vernimpt, das heiszt man sonst gewittert. Heupold
wörter v. weidwerk (
dict. 405). 2@c@b@3@aa)) unser sind vil allenthalben im land, die sölich pratick mit den pfaffen hand. wir tribend den kilchherren das gwild in das seil, denn habend wir von allen dingen den halben teil; messen, jarzit, vigilg und sölich gespenst, das füllt und macht uns gar grosse feisse wänst. Niklaus Manuel (
ablaszkrämer 339) 124
Bächtold; der trommeter stünd von ferne, wan das gewüld kame, stieʒ er in die trommeten, damit ersʒ erschröcke und auf uns zutreibe. Philipp Hainhoffer
reisetageb. (1617)
s. Baltische studien 2, 2, 53. 2@c@b@3@bb))
feras laqueis captare, jagen, dem gewild richten. Frisius
dict. (1556) 186
b; gwild beston,
feras subsistere. 107
b;
genau so Maaler 201
c; er (
der thörichte jagdhund) spüret ainn hirtʒ, in der selben spür fellt jm ain anders zuo da spürt er ainn hasen so verlasʒt er die ersten spür und lauft dann der spür nach, in die fellt auch ain andre, so verlasʒt er die auch und laufft deren auch nach unnd allso lauft er allen spüren nach und facht nimer kain gwild. Geiler v. Keisersberg
spinnerin (1510) (1.
pred.) a 4
d; am vierten ist unsher im brauch gewesen, das ain armer mann nit macht gehabt hat, das gewild zu fachen oder schiesʒen.
eingabe der Memminger bauern an den rath 1525
bei Baumann
akten ... s. 122; und fahen mit jrem schnellen lauffen wilde thiere die sie essen, den sie haben keine andere speise den das gewild, das fahen sie und essens. Ottho v. Demeringen
übersetzung des Joh. de Mandeville (2) 168 (
übersetzung von 1481: die wilde tier); anno domini 1431 do kam ein grosser kalter winter, ... und wart vil gewildes gefangen, und erfror vil geflügels, lüte und vich.
Röteler chron. s. Basler chron. 5, 136; etliche gebrauchen garn unnd strick, die sindt gemacht gleich als wie die jenigen, mit welchen man das gewildt fahet, die haben maschen oder schlüpff, unnd wann sie den feindt angegriffen, so werffen sie jhnen solche strick an den kopff. Leonhardt Fronsperger
kriegszb. 3 (1573), 149
a; im herumbfahren in dieser haide, sain wir durch 2 thiergärten gefahren, darinnen man das gewild, schwein, wölf, füchsʒ und dergleichen thier in
[] gruben und fallen lebendig fanget. Philipp Hainhofer
reisetageb., s. Baltische studien 2, 2, 57. 2@c@b@3@cc)) es ist im alwegen wedel baum ab zhauwen, gewild zuoschiessen oder zuomeien. dise drei werkzüg hat er alweg bei im, wider die gewohnheit aller bauren. Geiler v. Keisersberg
v. d. menschl. baum (1521) 19
a; gewilt schiesʒen und jagen. es ist auf und angenommen, dasʒ jeder landtmann welcher will, darf dasʒ gewildt schiesʒen.
landb. d. kantons Appenzell Innerrhoden (1585)
s. 78.
vgl.: kain hochgewildt zu schiesʒen. (
Zimmersche chron.)
s. theil 4, 2,
sp. 1622;
vgl.: sich mit schiessen desʒ gewilds begon und erneeren,
alimenta arcu expedire. Maaler 201
c; es sol ouch in den selben zilen nieman kein horn erschellen, noch dekein gewilde vellen, dʒ bann haben sol.
rechtung des hofes zu Elfingen (1322),
s. Rochholz Aargauer weisth. 10; in disen ziln sint elli gericht des gotʒhus über des gotʒhus lüt und guot, und sol nieman in disen zilen hornschellen noch gewilt vellen noch wighaftigen buw machen ... an des gotzhus willen.
Engelberger hofrodel (14.
jahrh.)
bei Grimm
weisth. 1, 4.
vgl.: geistlich, prelaten iagen wellen, blasen, hülen, hoch gwild fellen, unsinnigklichen rennen, beitzen den armen lütten durch den weitzen. Th. Murner
schelmenzunft (44, 13
der 2.
ausg.) 61
Matthias; unnd alsʒdann dieselben jr acht darauff haben, denselben (
wölfen, bären, luchsen) thieren nachstellen und die erlegen, aber darneben das verbotten gewild, bei straff des mainaids, nit föllen noch erlegen sollen.
tirol. landtsordn. v. 1603 (4, 15) 61
a; umsonst hab ich heut das gebirg durchirrt, um einiges gewild zu erlegen; ich komme ohne nahrung zuryck. S. Gessner (
Erast) 4, 107; gelehrt von Artemis selber, traf er alles gewild, das der forst des gebirges ernähret (
ἄγρια πάντα). Voss (
Ilias 5, 52) 4, 73
Hempel; 2@c@b@3@dd)) dem gewild nachgeen und das schieszen.
Memminger rathsbeschlusz von 1525
bei Baumann 1, 122; theils männer aber giengen dem gewild nach. Grimmelshausen
Simpl. 2, 1, 6 (
Springinsfeld cap. 6) 3, 42
Keller; geh hin dafür und lern' im horne jagen, gewild begehn, den stoltzen hirschen schlagen! Opitz
übers. v. Sidney's Arkadia (2) (1638) 453; dem hochgewild nit nachraisen.
Rappersweiler artikel s. zeitschr. hist. vereins f. Schwaben 10, 253; wildelen ... wildpern
wie gewildern, auf gewild ausgehen. Stalder 2, 451; was ho—n—i' für frœda, wenn i' gô of's g'wild.
Vorarlberger volkslied; s. d. mundarten 3, 396
b; dem gewild nachlauffen,
cursu sequi feras. Maaler 201
c; wen ein wolff alt würt so würt er schwach, er würt lam in seinen lenden unnd zücht die hernach, und mag das gewild nit mee erlauffen, als hirtʒ, rech so mag er ein menschen basʒ erschleichen den das gewild, so mag er es auch basʒ heben mit den zenen die kind und die menschen den dʒ gewild. Geiler v. Keisersberg
emeis (1516) 41
d; es war ein alter hünde, dem alle kraft verschwünde, das er gar nit mer künde erlawffen das gewilt. H. Sachs (
der alte hund)
fab. u. schw. 3, 373
Götze u. Drescher; das gewild erlauffen und ereilen,
consequi cursu feras. Maaler 201
c;
Laurin. freuen sollt' es mich, euch einzuweihn in manches waidgeheimnisz. und da ihr auf der reise seid zur hochzeit des herzogs von Tyrol, so treffen wir uns wohl auf der Adlerburg, und streifen noch gemeinsam dem gewilde nach. Otto Roquette
der rosengarten, act I; mir auch folget ein hund, ein wachsamer würger des raubwolfs; den verehr' ich dem knaben, um alles gewild zu verfolgen. Voss
Theokrit (
idylle 5, 107) (1808) 58; 2@c@b@3@ee)) mit den bracken und barbeten kan man allerhand gewild, so villeicht im feld auffstösʒt, zum wasser eilet und entschwimmen will, nachjagen und nachsetzen. Sebiz
vom feldbau (1, 27) 145; jugendlich auch ist Adonis, dieweil er weidet die schafe, schiesʒet die flüchtigen hasen und jagt nach allem gewilde. Friedr. Rückert (
Theokrits idyllen: die leiden des Dafnis 110)
nachlasz;
[] (jagen) mit hunden, mit garn alles gewildes und fischen ... fridlichen, ône irrung des herren und ône besserung.
weisth. v. Pfeffingen (
Oberelsasz 1344)
weisth. 5, 374; so mag ietlicher uff sinem lehen vischen, voglen, mülinen machen, winschencken, jagen, aller hand gewild (
von späterer hand am rande: on rot gewild) und daʒ sol in weder abbt noch vogt weren.
weistum v. Fürtwangen § 45 (
erneuert 1482)
s. Alemannia 2, 239; vol und truncken als Bachus, ein wissag als Apollo, das gewild jagen als Diana. Judas Nazarei
vom alten und neuen gott, neudr. s. 6; und da sie (
die beiden jungen löwen) also in den wald kamen, da sahen sie die wilden thier mit grosen huffen da gon. und da sie lang also in dem wald hin und her waren gan da sahen sie ein menschen ein iäger, der spant die garn uff und wolt das gewild iagen. Joh. Pauli
schimpf u. ernst (
cap. 20)
s. 27
Österley; excitare et agitare feras ... gwild auftreiben und jagen. Frisius
dictionarium (1556) 550
b;
genau so Maaler 201
c;
dazu vgl.: wann erblick ich dich nun wieder in freude auf der jagd des dunkelbraunen gewildes? Bürger (
Ossian 2) 281
a Bohtz. 2@c@gγ)
eine ausnahmestellung in diesem hauptkreise der verwendungen würde die engere beziehung auf das erlegte, getötete wild einnehmen, wenn sich die einschlägigen belege in der that, wie von Heynatz
beanstandet wurde, als concurrenzformen des compositums wildpret
erweisen lieszen. in wirklichkeit kann es sich jedoch höchstens um eine annäherung des gebrauches handeln (
das gleiche bei wildpret): 2@c@g@11))
leicht verständlich ist der gebrauch bei jagdschilderungen. der name, der in den einzelnen momenten der jagd angezogen war, verschwindet natürlich nicht mit dem augenblick, in dem das thier erlegt ist. hieraus entwickeln sich feste verbindungen des substantivs, bei denen an eine wendung der bedeutung nicht gedacht wurde: also der herr sein jagen liesʒ den herren und knechten ze sal er bliesʒ und hiesʒ daʒ gewilde do mit guoten züchten also senden uff die burg hindan die hund liesʒ er lauffen lan. Pamphilus Gengenbach (
von zweien jacobsbrüdern 103)
Gödeke s. 234 (
bei Kunz Kistener: den jeger er daʒ wilde hiesʒ schicken uf die burg hindan. 164
Euling); nun füget sichs ietz, dasʒ der bischoff hiesʒ alle seine jäger, hirten und underthonen jagen, und jnen gwild zuotragen, do warend seine zween vichhirten alt ansähenlich personen mit langen bärten, die brachtend ein bären und ein hirtzen, do hiesʒ d' bischoff die selben hirten disʒ gwild den obgedachten beiden fürsten und brüdern über jren tisch, als durch si selbs, und nit in des bischoffs nammen schencken. Stumpf
Schweiz. chron. (4, 34) 1 (1548), 299
b und später; vgl. hiezu: mit denen schimpfft ich in einer zech, als mit mein gestn und hausʒwirten, liesʒ mit mein jägern zwen vichhirten, den frembden herrn gewild zutragn, da warend sie ein beeren jagn, und als sie hetten den gefangn, kamen sie beid mit her gegangn. Nicodemus Frischlin (
frau Wendelgard 1, 1) 15
Strauss; o wee sprach der vogt von Berne des musʒ ich mich schamen. das du mir alle viere wilt zammen binden als eim gewildt das thut ein weiser jäger.
Sigenot 104
Schade (
Straszb. druck v. 1559); und sei
~ deanl wart't scho
~ àllə màl wann ə'kümt, und eəm 's gwild glei' vo~ dər achsl nimmt.
bergjägerlied, vgl. Schmeller 2
2, 900. 2@c@g@22))
auch bei der verbindung vom gewild leben
wird sich nicht gleich die vorstellung des toten wildes im engeren sinn frei gemacht haben; die fügung ist vielmehr aus formeln zu deuten wie von der jagd (vom fischfang) leben: Seneca ... schreibt ... die innwoner (
Germaniens) dantzen uff den gefrornen seen umb, die ewig gefroren seindt, und leben allein vom gewildt, wo sie die nacht oder müde begreifft, da ist jr hausʒ, Sebast. Franck
Germaniae chron. (1532) 3
a; anfencklich ward disʒ teil der welt allein von vier völckern eingewont, nemlich den Ethiopen, Penis Phenicis, unnd Grecis. dise haben etwan von gewild und etlichē kreütern allein gelebt, un alle gsatz und regiment in den land hin und her gefaren.
weltb. (1, 1) (1534) 5
b.
[] 2@c@g@33))
anders stünde es um die verbindung vom gewild essen. Heynatz
Antibarbarus 2, 56
will sie in Mendelssohns
übers. der bücher Mosis gefunden haben: Mendelsohn hat es (
gewild) sowohl in seiner psalmen-übersetzung, als in den büchern Moses mehrmals gebraucht, sogar für wildpret: Isaac asʒ gern von Esaus gewild. Mendelssohn
hat jedoch an den einschlägigen stellen schon in der ausgabe von 1783 (
ebenso 1815
und später) wildpret: Jiʒchak liebte den Esau, denn er asʒ von seinem wildpret.
1 Mos. 25, 28; wildpret.
1 Mos. 27 (
ges. schr. 7 (1845)).
dagegen zeigt sich die fügung in übertragenem sinne gebraucht, und hier dürfte sie an lat. vorbild anknüpfen und aus einem compositum verkürzt sein: er hat vom gewild gegessen. satirisch verschönernd von jemand, der faul ist, weil man im mittelalter glaubte, dasz vom 'g'wild fleisch' essen faulheit erzeuge. Wander 1, 1654.
dazu vgl.: de fera comedere, faul und träg sein: ein bein im ruckgrat haben. Denzler 263
b. 2@dd)
ansätze zu individualisierendem gebrauch. 2@d@aα)
im singular: 2@d@a@11))
mit dem unbestimmten artikel. 2@d@a@1@aa))
fera, ferae, ein gewild. Cholinus-Frisius (1541) 364
a;
ebenso schon: gemma gemmarum 1512; R. Stephan. (1590),
s. Diefenbach 230
b;
fera ... ein wild thier oder gwild. Frisius (1556) 550
b; ein wildes thier, gewild. Denzler 263
b; gwild (das) ein wild thier,
fera. Maaler 201
c; man liset in dem buoch der natur, das der löw, so er sicht ein gwild dʒ er gern äsʒ, so schreiet er, das die tier davon erschrecken. Geiler v. Keisersberg
der hellisch löw a 7
b; wan ich mich aber desselbigen (
des perspectivs) wegen der duncklen nacht nicht mehr gebrauchen konte, so nahm ich mein instrument, welches ich zu stärkung des gehörs erfunden, zuhanden, und horchte dadurch, wie etwan uff etliche stunden wegs weit von mir die bauren hunde bellen, oder sich ein gewild in meiner nachbarschafft regte. Grimmelshausen
Simpl. (6, 1) 471
Kögel; ertrawe niemandt dem meer zuuil, lasʒ dir es gleich sein wann es still ist, als wann mann einem gewildt etwas ssses legt, bisʒ manns ins netz, in den bitteren tod bringt. Petrarca
zwei trostbüchlein (1559) 77
b; (
die reiter) frten mehrthails spiesʒ, wie sie dann die im rennen vil mals herumb geschwungen, zuo zeiten auch under sich gehalten haben, alsʒ wann sie einem gewild nachjagten, und das durchrennen wolten. Rauwolf
reisbeschreibung (1583) 250;
excitare feram ... ein gwild auftreiben. Frisius (1556) 550
b (
neben gewild auftreiben
für agitare feras
s. o.); (
Eumaios.) nimmermehr ja entfloh im tiefverwachsenen waldthal, welches gewild er (
der hund) auch trieb. Voss (
Odyssee 17, 317) 5, 212
Hempel (
so 1793.
und später) (1781: trieb er ein wildpret auf ... nimmer entfloh es ihm); da rauffet jm (
Jesus) ainer seinn bart, da sein har, da zwicket jn ainer, da kratzten si in, schluogen jn mit feüsten, stiessen jn mit füssen fielen all über in (spricht Criso) wie die hund in ain gewild. da sind erfült worden die weissagungen der propheten. Geiler v. Keisersberg
schiff der penitenz (1514) 87
b;
fericida, der ein gewild umbringt. Denzler 263
b. 2@d@a@1@bb)) sie hetten alle fred und mut wol mit dem pfarrer an dem iaidt, do er auff dem mistwagen raidt. darnach die zeit nit lang vergieng, das man do bald ein wild fieng, (
var. wilde, gewild, recht alsʒ der frste het begert. gwild, gewilde) darnach er wider haim do kert.
pfarrer vom Kalenberg 1754
Dollmayr; und ain stuck gwulds, ist bei Ylerzell gefangen worden, hat hinden das zaichen gehapt, wie ain gwuld aber von kopf und hals, ach an der spur ist es ain hursʒ gwesen, und hat auf dem kopf kolben gehabt treier zell lang. Nicolaus Thoman
Weissenhorner historia Baumann 219; endlich erschlug den verderber des Oeneus sohn Meleagros, der aus vielen städten die muthigsten jäger und hunde sammelte; denn nie hätt' er mit wenigem volk' es gebändigt, solch ein gewild, das viel' auf die traurigen scheiter geführet. Voss,
Ilias 9, 546; da stob aus dem baumschatten ein gewild — es mochte ein marder oder iltis sein. Th. Storm (
ein fest auf Haderslevhuus)
werke 6, 304.
[] 2@d@a@22))
mit dem bestimmten artikel: es sach der frst so lobesan vor jm lauffen ein hindte, ... nun ist mir wol gesaget mer es sei mein rosz so geschwinde ich wils versuchen an dem thier mit dem begundt er sprengen dasselb gewild erreicht er schier.
Sigenot 27
Schade; jezo bezähmte den durst mit vielem wasser die löwin ... später entwandelt der stadt nun Pyramus; schaut in dem tiefen staube die deutliche spur des gewilds, und, erblassend im antliz starret er. (
vestigia vidit in alto pulvere certa ferae) Voss
Ovid (
des Minyas töchter 73) 1, 208; der schneider aber lief gleich zu der thüre, schlug die zu und versperrte das gewild (
das wilde schwein) im kirchlein. Grimm
märchen (von einem tapfern schneider) 1, 83;
in gleicher weise von Bechstein
d. märchenb. (1845) 9
übernommen; ein fliehendes reh brach durchs gesträuche, verfolgt von einer lieblichen jägerin ... sie schwang einen ... jedoch ohne das wild zu erreichen. rasch ergriff der wurfpfeil lauschende jüngling seine armbrust und schnellte einen befiederten bolzen ... welcher augenblicks das herz des gewildes durchbohrte, dasʒ es zusammenstürzte. Musäus
volksmärchen (Libussa) 3, 34. 2@d@bβ)
der pluralgebrauch ist auch hier nur ganz vereinzelt: dann alsdann sucht er seine lust mit hetzen im feld und im busch: nun hetzt er an vil starcke hund wider ein schwein, welchs vil verwundt. dann jagt er sonst ein wild inns garn: oder spürt wo fremd gwild ummfahrn: oder bestellt ein vogelherd. Fischart
lob des landlustes bei Sebiz
vom feldbau, einl. 2@ee)
auch die übertragenen verwendungen sind hier manigfach entwickelt. die beziehung auf den menschen kann aus der jagd selbst sehr einfach erwachsen, vgl.: der (
förster) aber sprach! nehmt's nicht unwirsch, mein lieb gesell, dasz auf der birsch ich euch für ein gewild genommen und ihr so schlimm zum schrecken kommen! Gottfried Kinkel
Otto der schütz 2.
und wie lebhaft sich für menschliche verhältnisse die jagd als gleichnis vordrängt, das zeigen schon wendungen, in denen gewild
an seiner sinnlichen bedeutung festhält, die nur durch das ganze des zusammenhanges bildwirkung erzielen: aber das creütz und leiden scheidet sie (
die gut wirkenden menschen), geleich zweierlei hunden, da etlich uff dem geiäg gebaisset seind, andere, die nit also seind, lauffen sie alle, aber ausʒ ungleicher bewegung, die ersten rücken das gewild, dem gerüch lauffen sie nach durch stauden und doren. Joh. Eberlin v. Günzburg (
ein büchlein, worin auf 3
fragen geantwortet wird) 2, 164
Enders; du hast mich, lieber, gebethen: freünd
N. genau in ansehung seines verstandes zu prüfen ... und, nun, was soll ich sagen? ich horchte, wie der jäger auf's gewild — nach dem ersten, unentlehnten, schnell entfahrnen, tiefblick zeigenden urtheil — ... und ich fand den gemeinsten philister. Lavater
handbibliothek für freunde 2, 4.
am reichsten entwickelt erscheint die bildwirkung solcher wendungen, wo eine einzelne persönlichkeit als träger des vergleiches dient. 2@e@aα)
übertragungen beim collectivgebrauch: der knecht wolt aber her ab lauffen. den pfaffen (
der in die gegrabene grube gefallen war) maint er zue schlahenn und zue raiffenn. nicht! sprach der herr.es ist noch nit zeit. ich spür noch mer gwilds.nun beitt!
von der wolfsgruben bei Keller
erz. aus altdeutschen handschr. s. 367; (
Eckart zum ehebrecher.) drumb sich auf frembde weiber nit, denck, das nichts guots zuo keiner zeit von in thuot kummen noch entspringt, allein als leid und trawren ... 947. entzeuch dich gantz von diszem gwildt! dir gschicht sunst gleich wie dem, der spilt. J. Wickram (
der treue Eckart 10
auftr. v. 947) 5, 98
Bolte; hieher musz auch folgende seltsame stelle gezogen werden: nun freue ich mich erst dieser gassen ... und vor allem des gewilde was sich darin mit den menschen herumstöszt. wie wundert sich die zahme hirschin meines wirthes über alle die fremden thiere, die hier durchkommen. Achim v. Arnim
an Göthe (1806)
schriften d. Göthegesellsch. 14, 85;
[] und bot ohne scheu'n dem pardel die stirn und dem zottigen leu'n die bärtigen männer erschienen ihr bald wie groszes gewild in dem heimischen wald. H. Leuthold (
Penthesileia 4); und säng' ich noch so mild von deiner schönheit, es giebt kein ton ein bild von deiner schönheit; im eignen blute schwimmt die ganze jugend, getötetes gewild von deiner schönheit. Platen (71.
gasele) 1, 626
Redlich. 2@e@bβ)
der individualisierende gebrauch: ich schwing mein horn in jammerthal mein freud ist mir verschwunden ich hab geiagt musz abelon das wildt laufft vor den hunden. ein edel thier in disen feld (ein edel gewild
Ambraser liederb. 7; ein edels gwild. Böhme
ald. liederb. 549). het ich mir ausʒerkoren ... farhin gwild insʒ waldes lust!(du wild
Ambraser liederb. 7; gewild Böhme) ich will dich nimmer schrecken und jagen dein schne weisse brust halt dich in hut schons meidlein gut mit leid scheid ich von hinnen. kein hoch gewild ich fahen kan (hohes wild
Ambraser liederb. 7; edlers tier Böhme) das mussz ich offt entgelten noch halt ich stat auffs jegers pan wie wol mir glück kommt selten mag mir nit bgen ein hochwild schon (ein hoch gewilt.
Ambraser liederb. 8,
ebenso Böhme). Georg Forster
frische teutsche liedlein (3, 9)
s. 119
neudr. (Ulrich v. Württemberg 1510); wir fuorten in inn dicken wald und theten in beim zaum erhaschen, namen im beide sateltaschen, ... verbunden im auch sein gesicht; war wir in fuorten wuszt er nicht. also ward uns das erst gewild; der ander hielt haus auff dem gfild. Jörg Wickram (
irr reitend bilger cap. 15
v. 3076) 4, 224
Bolte; (
schemen der Klytemnestra:) der jungen hindinn gleich entfliehet er, denn mitten aus dem netz entsprang er euch ... es entsprang dem netze (
Eumeniden:) das gewild, es flieht; wir verloren den raub, überwältigt vom schlaf!
F. L. Stolberg (
die Eumeniden)
werke der brüder Stolberg 15, 198;