steigern,
sw. v. verbreitung und form. spätmhd. st.,
ndl. steigeren,
schwed. stegra. —
nach der geltenden anschauung zuerst in md. quellen des 15.
jh.s erscheinend (
vgl. Heyne 3, 784).
ältester beleg immerhin aber in e. obd. urkunde vom j. 1354 ( v. Lori
baier. bergrecht 14
b).
als erbe des absterbenden 2steigen (
sw. v.)
beginnt das verbum sich dann langsam zu verbreiten und wird erst in der 2.
hälfte des 18.
jh.s, bes. unter dem einflusse der sprache Göthes
ein gebräuchliches, später sogar viel verwendetes wort der schriftsprache. so stimmt es nicht mehr, wenn Hugo
in den Gött. gel. anz. (1835) 559
meint, dasz st.
noch vor 30
jahren nur bei licitationen und in der grammatik
üblich war. etymologisch wird st.
mit dem sw. v. 2steigen
in unmittelbaren zusammenhang gebracht, so wie stänkern
zu mhd. stenken (
von stinken), stöbern
zu mhd. stöuben (
von stieben)
gehört. vgl. Wilmanns
2 dtsche gramm. 2, 94; 95; Heyne 3, 784; Kluge (1910) 441.
doch sei daneben, wenn md. herkunft des wortes gesichert ist, auch auf das adj. steiger
hingewiesen, das ebenfalls md. ursprungs ist und an dessen bedeutung hin und wieder gebrauchstypen des verbums anklingen. bedeutung und gebrauch. auch so bleibt aber 1steigen,
das st. verbum, natürlich die letzte grundlage des wortes, und dessen verwendungsarten sind auch für die von st.
maszgebend geworden. in gramm. hinsicht erscheint st.
reflexiv oder in verbindung mit anders gearteten accusativobjecten. öfters sind solche leicht zu ergänzen: die geschicklichkeit zu spannen und zu st. O. Jahn
Mozart 1, 390; gerichtsdiener kamen ... es wurde durchgesehen, gerechnet, abgesondert, gesteigert G. Keller
ges. w. 1, 30; der fürst dachte in ewigkeit nicht ans st. (
der pachtsumme) Kürnberger
nov. (1861) 1, 148; das talent hat die verpflichtung, ... hier zu mildern, dort zu steigern, ruh und rast sich zu verweigern J. Frey
ges. dicht. (1899) 237.
intransitiver gebrauch ist äuszerst selten: also dringet ihn (
der sich mit list und trug nährt) der gewalt, er müsze mit seiner arbeit und wesen st. und seinem nächsten wieder ... seinen schweisz ... abdringen Jac. Böhme
schr. (1620) 3, 264; wir haben ... die verhältnisse unserer alten freunde bedeutend st. sehen Göthe 24, 380
W. vgl. auch den beleg aus A. U. v. Braunschweig
unter I
und ndl. sprachgebrauch: het paard steigerde geweldig Kramer (1787) 435. II.
nur vereinzelt ist st.
ohne den ausgesprochenen nebensinn des zunehmen, höher werden lassens. —
an 1steigen
im sinne von gehen (
vgl. sp. 1874
f.)
erinnert das intrans. comp. nachst.: denn wie mag ein patronus ... in alle winkel denjenigen nachst., die solch buch tadeln Wencel Scherffer
ged. 218.
die stelle bei B. Waldis
Esopus 1, 343
K. ist wohl gegen Heyne 3, 784
im sinne von st. II, A, 1,
β zu deuten (
s. weiter unten). st.
als parallele zum steigen (=
sich bäumen)
eines pferdes bei A. U. v. Braunschweig: ich wäre dennoch nicht von ihr geblieben, wenn sie nicht meinem pferde einen gleichmäszigen streich versetzet, und dasselbe dadurch zum st. veranlasset hätte
Octavia (1677) 4, 198.
ähnl. und zwar reflexiv verwendet, noch heute in der gegend von Osnabrück, in Ostfriesland, den Niederlanden und Schweden (sig stegra).
vgl. Adelung 4, 333; Camfe 4, 617; Krünitz 171, 224; Strodtmann 229; Stürenberg 262; Kramer (1787) 435 (
dort auch in der weiteren bedeutung: ein mauergerüst aufführen). IIII. st.
als causativum zu 1steigen =
zunehmen, anwachsen. 'st. ...
zunehmen machen, sowohl in ansehung der grösze, der menge, als auch in ansehung des grades, der stärke' Heinsius 4, 772
a; Hübner 4, 398
a. II@AA.
ohne adverbiale zusätze. II@A@11)
bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes (
vgl. 1steigen,
sp. 1905). II@A@1@aa)
von personen. II@A@1@a@aα)
allg. im sinne einer erhöhung des gesamtwesens eines menschen: weil man ... das geschöpffe, über wissen und willen des schöpffers, zu unser eigen verderb, steigert oder erhebet Prätorius
winterflucht (1678) 439; wie doch das wissen steigert die menschen Arnim
w. 22, 234
Gr.; ein gesteigertes ich Jac. Grimm
kl. schr. 3, 243; alle bildung bestand darin, dasz man das individuum zu st. versuchte Immermann 5, 192
B. reflexiv: das bedürfnis des Deutschen, sich bei feindlicher that zu st. G. Freytag
ges. w. 17, 203.
im bes. von erhöhten fähigkeiten: wenn mutwillige buben ... mit heuschrecken um die wette pfeifen. es ist, als wenn sie einander würcklich steigerten Göthe III 1, 177
W.; die baronin: ihr habt euch gesteigert!
graf Ulrich: ich habe mich in der that gesteigert (
d. h. in humorvoller lebensauffassung) G. Hauptmann
Griselda (1922) 139.
von erhöhten leidenschaften: wir waren so gesteigert, dasz wir den rector selbst niedergeschlagen hätten Laube
ges. schr. 1, 64.
von ihren äuszerungen (
stärkeren worten und ähnl.): freunde ..., die sich st., indem sie sich augenblicklich expectorieren Göthe IV 38, 278
W.; ... hatte der zornige, sich selbst noch immer steigernde jüngling seine rede zu ende gesprochen Fouqué
alts. bilders. 2, 124; er steigerte sich, starke ausdrücke suchend, beleidigungen H. v. Kahlenberg
familie Barchwitz 11. II@A@1@a@bβ)
der reflexive gebrauch des verbums schwindet naturgemäsz, wenn sich in diesem zusammenhange die erhöhung nicht, wie bisher, auf innere, sondern auf äuszere dinge bezieht. schon frühnhd. wird st.
so für das erhöhen von abgaben, zinszahlungen u. s. w. gebraucht: der artzt fordert sein lohn sofort, die fraw im den zu geben weygert, drumb er sie vor gerichte steygert. die fraw im da gestendig war B. Waldis
Esopus 1, 343
K.; mein herr, ir dürfft euch des nit gremen, steigert ewr zinstleut dester basz H. Sachs 14, 156, 9
K.-G.; st. den armen Paracelsus
op. (1616) 2, 629
H.; für die reychssteür ... sOelten die Appenzeller nit gesteigert werden Stumpf
Schweizerchron. (1606) 373
a.
ähnl. v. Hohberg
georg. cur. aucta 1, 15.
in späterer zeit so bes. von den verpflichtungen eines principals und eines mieters, bzw. einer mieterpartei: ein guter acteur steigert ihn (
den theaterdirector) Göthe 21, 79
W. ähnl. 22, 123
W.; einige sagen, er wird zeitlebens frey quartier kriegen, andere sagen wieder, er wird gsteigert A. Bäuerle
kom. theater 2, 89; thäts die partei wagen, beim zinszahln zu sagen: repratur wär sehr nötig, ... so a begehren wird verweigert, zur straf d partei gesteigert Nestroy
ges. w. 4, 214.
ähnl. Meisl
theatr. quodlibet 3, 50.
vgl. auch H. Meyer
d. richt. Berliner (1904) 115. II@A@1@bb)
von sachbegriffen (
mitunter nach 2,
a hinüberdeutend, s. unten). II@A@1@b@aα)
materieller art. mehr in der älteren sprache, physikalisches: sie beschlossen auch durch die (
mit einem brennspiegel) gesteigerten sonnenstrahlen diesen alten ... tempel zu zernichten Lohenstein
Arminius (1689ff.) 2, 124. —
begriffe des wirtschaftslebens (
erhöhung des äuszeren werthes. '
theurer machen' Schottel
haubtsprache 1421; Hulsius (1616) 373
b.
von münzen: wenn wil denn der newmond ein ende haben, das wir ... korn veil haben mgen und den epha ringern, und den sekel st. Luther
bibel 4, 395, 5
Bindseil. ähnl. H. Sachs 15, 246, 7
K.-G. von werthpapieren (
im sinne: damit speculieren?): wir wollen die metalliques st. W. Hauff
s. w. (1890) 2, 159, 4.
bedarfsgegenstände. allg.: wucherer, die durch verkauffen und hinterhalten ihrer waaren ... alles stegern (!) und vertewren Schaller
theol. heroldt (1604) 289.
nicht selten ist in diesem zusammenhange der begriff ware (
nur ältere zeit!): es hatts auch noch niemand furgenommen, eyn igliche wahr zu setzen, steygern odder nyddern Luther 15, 295, 35
W.; die wahr st. J. Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) 652; die handtwercksleute ..., so ihre wahren ... st.
acta publ. 2, 93
Palm; Micrälius
altes Pommerland 6, 414;
Reinicke fuchs (1650) 310. —
im einzelnen: heur st. sie den yngber Luther 15, 312, 14
W.; ein kornjude arg, desgleichen man nie keinen fandt, der mit getreide steigern beschweret alls landt
M. Hayneccius
Hans Pfriem 2273
ndr.; das korn über die masz wird theur, als wers gar nicht geraten heur. da kauffens auch die wucherer. die steygerns auch ye lenger ye mehr P. Rebhuhn
klag. d. arm. manns A 4
a.
ähnl. von gewürzen: J. Agricola 750
sprichw. R 1
a,
von schuhen: Prätorius
glückstopf (1669) 285.
auch von anderen werthobjecten, einem forste: österr. weisth. (
Festenburg 1589) 6, 94,
einer jagd: Cyr. Spangenberg
jagteuffel (
theatr. diabol. 1, 209
b).
metaphorisch auch den kauf st.: Stieler 2137; dasz ... ein jeder erzbischoff ... den kauf des hAellingischen salz ... Aenderen und steigeren möge v. Lori
baier. bergrecht 340
b.
in besonderer verwendung erscheint dieses st.
als fachausdruck bei freiwilligen oder gerichtlichen auctionen, vom hinauftreiben des preises gebraucht, und zwar ebenso in anwendung auf den auctionator, wie auf den bietenden: st.
augere, auctionari ... Stieler 2137: 'st., verst. ...
d. h. an den meistbietenden verkaufen' Braun 245
b.
anderseits: steigeren, auffschlahen, mer auff ein ding bieten Maaler 385
d; steygern ganten Hulsius (1616) 373
b; so wie er (
der gemeine mann) am sonn- oder festtag auf dem markte den fettesten kapaunen selbst dem ersten kaufmann steigert Rehfues
br. aus Italien (1809) 1, 21; er steigerte das gesangbuch um hohen preis Auerbach
dorfgesch. 1, 106.
auch mit präpositionalem object: ich ... steigere meist auf die werke, die die berühmten verfasser ... verstecken möchten Gutzkow
ritter v. geiste (1850ff.) 3, 39.
im els. geradezu '
etwas kaufen bei einer öffentlichen versteigerung'
els. wb. 2, 579.
allg. ohne die obige unterscheidung: der aufsatzpreis bei auctionen, worauf nun gesteigert wird A. v. Droste-H.
br. an Schücking 211; G. Keller
ges. w. 1, 30. II@A@1@b@bβ)
sachbegriffe ideeller art. st.
eines titels und eines standes: wir haben deinen stand zu steigern uns verbunden, ... bis (
sei) feldherr für uns selbst und hauptmann über sie Gryphius
trauersp. 167
Palm; dasz man die titel steigert ..., kann einem schon zuwider sein Jac. Grimm
kl. schr. 6, 284.
so besonders auch von geistigen dingen: wir andern, wir wechseln, wir steigern das spiel Göthe 13, 1, 126
W.; wie seelenschönheit steigert sich die holde form, löst sich nicht auf, erhebt sich in den äther hin 15, 1, 246 (
Faust 10064)
W. überhaupt scheint dieses st.
ein lieblingsausdruck Göthes
gewesen zu sein, vor allem, wenn es sich um erhöhung des inneren werthes einer künstlerischen leistung handelt: um es (
Shakespeares Caesar auf dem theater) immer weiter zu st. IV 16, 316
W.; ich wünsche diesen stoff ... zu st. IV 30, 139
W.; beispiele solcher gesteigerten theatralischen darstellungen IV 37, 4
W.; die letzten blätter (
eines heftes von '
kunst und altertum') sollst du hoffentlich gesteigert finden IV 42, 150
W. ähnl. geist steigert die welt (
und) weil keine tiefere erkenntnisz, kein reiner wille den eignen geist zu st. sie (
d. h. die zeiterscheinungen) treibt Bettine
Günderode 2, 277. II@A@22)
unmittelbare zunahme des objectsbegriffes (
vgl. 1steigen
sp. 1905). II@A@2@aa)
allg. (
gelegentlich den fällen unter 1,
b nahekommend): durch welche mittel ... diese wirkung ... gesteigert werden könne Göthe IV 25, 262
W. ähnl. Börne
ges. schr. 1, 129.
ebenso von: musikalischen tendenzen Bettine
Günderode 2, 17,
dem beiderseitigen verhältnis von wärme und kälte W. Grimm im
briefw. mit Jac. Grimm 118,
von der anwendung K. L. v. Haller
rest. d. staatswiss. 1, 3, abweichungen D. Fr. Strausz
ges. schr. 6, 125, combination Ranke
s. w. 14, 28, entwicklung O. Jahn
Mozart 1, 370, hemmungen Geibel
w. 5, 28, schwierigkeiten H. v. Barth
Kalkalpen 418; Bismarck
ged. u. erinn. 1, 68, nachteile der doppelwährung Luschin v. Ebengreuth
münzkunde 150; die sich steigernden angriffe Nitzsch
dtsche studien 78. II@A@2@bb)
mathematisch-formales. zahlen und ähnl.: die summe der 150 goltgulden zu erhöhen, und zu st. Ayrer
hist. proc. iuris (1600) 509; dasz man die ... summe ... st. könnte Göthe IV 28, 303
W.; sie steigert die volkszahl W. H. Riehl
arbeit 82.
begriffe der menge: st. wir ... den gehalt unserer culturpflanzen an blutbestandtheilen Liebig
chem. br. 340; eine immer sich steigernde nahrungsfülle Allmers
marschenbuch 115. II@A@2@cc)
physikalisches. flüssigkeiten: das wasser steigert sich J. Agricola 750
teutsche sprichw. (1534) 301.
übertragen: das innere ideal steigerte seiner begeistrung fluth Bettine
dies buch geh. d. könig 1, VI.
farben: so wird das geforderte blau das fordernde gelb ... st. Göthe II 1, 36
W. geräusche, klänge, menschliche stimme: während der lärm ... sich wieder steigerte Alexis
ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 3, 264; sich steigernde accorde O. Jahn
Mozart 3, 64,
anm. 68; mit gesteigerter ... stimme G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 38. —
sonstiges. in übertragener bedeutung: die ... friction unserer staatsmaschine kann nicht noch gesteigert werden Bismarck
ged. u. erinn. 2, 18. die tragkräfte des staates zu st. L. Häuszer
dtsche gesch. 1, 54, 24. II@A@2@dd)
physiologisches: gesteigerte fruchtbarkeit (
des erdbodens) Laube
ges. schr. 1, 273; diesen (
krankhaften) zustand ... st. Immermann 1, 117
B., die symptome (
der erkältung) Vischer
auch einer 1, 97.
ähnl. von kränklichkeit Storm
w. (1897ff.) 1, 129; W. Grimm im
briefw. mit Jac. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 289. II@A@2@ee)
seelisches leben. allgemein: eines find ich abscheulich: das sich dasz leben nicht steigert, dasz dem höchsten moment meist ein geringerer folgt Hebbel 6, 373
W. ähnl. gilt st.
von einer seelischen eigenschaft Göthe 24, 94
W., der stimmung Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 32,
dem wesen
des menschen G. Freytag
bilder 1, 202; 203; 206,
dem gesamten zustand
des lebens Justi
Winckelmann 2, 207.
wille, fähigkeiten, kräfte: die kräfte der seele ... st. und stählen Kant (1867) 5, 447
Hartenstein; ein uneingeschränkter wille steigert sich selbst Göthe 7, 204
W.; einen ... die fähigkeiten des vaters steigernden jüngling 24, 296
W.; alles geb ich, nur verweigern musz ich dir den schlüssel blos, deine kunst (
zauberei!), kannst du sie steigern, ringt vielleicht dem feind ihn los Brentano 3, 414.
ähnl. von der produktionskraft O. Jahn
Mozart 1, 190.
empfindungen u. ähnl.: aus ... gesteigerten empfindungen, die man liebe nennt Tieck
schr. (1828) 17, 23; Börne
ges. schr. 4, 62; Scherer
lit.-gesch. 117; sofern diese organe (
sinnesorgane) ... afficirt werden, welche eine so äuszerst schwache anregung der gesteigerten ... sensibilität dieser theile ist Schopenhauer 1, 152
Gr. so auch von dem die empfindungen hervorrufenden reiz: das steigert mir des goldes reiz: bin männlichen geschlechts, der geiz! Göthe 15, 1, 46 (
Faust 5665)
W.; er schwindelte in die frömmigkeit hinein, ... es war ihm ein neuer reiz, den er aber immer neu st. muszte Arnim
w. 8, 137
Gr.; durch den gesteigerten reiz des musikalischen ausdrucks O. Jahn
Mozart 4, 66; schnee und eis ... steigerten ... den ... reiz des weitschichtigen ... gehöftes Fontane
ges. w. 1, 6, 255.
gedankliches und phantasievolles gestalten: ich bin neugierig, wie die ... Kölner ihre scherze st. Göthe IV 39, 12
W.; in den späteren bearbeitungen (
sucht) sich (
die satire) zu st. Jac. Grimm
Reinh. fuchs vorr. cclix; zum johanneischen evangelium, ... dessen wunderbegriff ... ein ... gesteigerter ist D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 29; gesteigert wurde die unterhaltung auf den maskenbällen O. Jahn
Mozart 3, 238; ein in den gesteigertsten ausdrücken gehaltenes dankschreiben Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 315. —
in besonderer verwendung entwickelt sich aus diesem gebrauche st.
als gramm. t. t.: 'st.
in der neuern grammatik, bei adjectiven durch formale veränderung die bedeutung erhöhen (
von Gottsched
vorbereitet [
vgl. 1steigen
sp. 1908],
der hier den ausdruck steigende beiwörter
braucht, sprachkunst 258)' Heyne 3, 784; jedes beschaffenheitswort (
kann) ... gesteigert werden Adelung 2, 13.
ähnl. wohl Athenäum 1, 38.
auch das st.
der adverbien ist ein um 1800
schon geläufiger begriff Krünitz 171, 226.
entsprechend von begriffen ästhetischer anschauung selbst. gesteigerte groszartigkeit Humboldt
br. an Welcker 108, harmonien W. H. Riehl
arbeit 1, 149, denkwürdigkeit des tages G. Keller
ges. w. 2, 228.
von ästhetischer wirkung: der einmal ein zaubrer hiesz, ... jetzt mit wörtlein eingeschlungen steigert er des liedes drang Göthe 5, 120
W. trieb- und gemütsleben. triebe: das tief erregte verlangen einer unbefriedigten leidenschaft ..., welches die lange vernachlässigung des gemahls nur gesteigert hat O. Jahn
Mozart 4, 232.
affecte und ethische eigenschaften. allg.: mit gesteigertem affect Bauernfeld 5, 89.
ähnl. M. Beer
s. w. 68
v. Schenk. ausdrücke der sympathie: wenn das interesse ... gesteigert wird H. P. Sturz (1779
ff.) 1, 34; dasz diejenigen, die uns früher antheil und gewogenheit gegönnt, solche gesinnungen ... gesteigert haben Göthe 6, 22
W. so von sehnsucht IV 28, 61
W., entzücken 6, 22
W., liebe Jean Paul 3, 190
H., bewunderung Jac. Grimm
Reinh. fuchs vorr. ixx, freude G. Keller
ges. w. 2, 185, theilnahme G. Freytag
ges. w. 11, 13.
ähnl. auch: ich hatte ... ein geheimnisz aus der ankunft des dichters gemacht, um das aufsehen nicht zu st. Immermann 19, 9
B. ausdrücke der antipathie. besorgnis, trauer und ähnl.: das alles steigerte meine traurige gedanken über dich Bettine
Günderode 2, 207.
auch vom leide: nun, sie wissens am besten, wie sehr die woche der kinder (
die weihnachtswoche) ihr (
der gattin) die hölle im busen entzündet, das schlimmste ist aber, dasz mit jeglichem jahre die qualen sich steigern und mehren Hebbel 8, 292
W. ähnl.: gesteigerte angst Holtei
vierzig jahre 1, 24, besorgnisz Laube
ges. schr. 2, 35, ängstlichkeit O. Jahn
Mozart 1, 9; unsere bedenken ... steigerten sich noch H. Brunn
kl. schr. (1898ff.) 3, 64.
abneigung, unmut und ähnl.: gesteigerte misstimmung Droysen
Alexander 291, erbitterung Mommsen
röm. gesch. 2, 90, unmuth G. Keller
sinnged. 328, abneigung Bismarck
ged. u. erinn. 1, 35, gerinschätzung 1, 237.
sonstiges: das natürliche unabhängigkeitsgefühl, das, durch absonderung von der welt immer mehr gesteigert, ... manchen druck erfahren musz Göthe 40, 271
W.; lügen steigerten seinen angebornen hochmuth Arnim
w. 9, 44
Gr.; dasz ich nicht soviel arbeiten kann, als ich wohl wollte, steigert ihn (
den arbeitsmut) natürlich K. O. Müller
lebensbild in br. 167; mit gesteigertem selbstgefühl Dahlmann
frz. rev. 117.
ähnl. vom sinnlichen epicureismus Wielands Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 3, selbstvertrauen Ranke
s. w. 15, 243, hochgefühl Fontane
ges. w. 1, 2, 147, wohlgefühl 1, 2, 14, gesteigerte gute laune 1, 6, 33, eifer und muth
M. Meyr
erz. a. d. Ries 1, 45; das gesteigerte deutsche nationalgefühl Bismarck
ged. u. erinn. 2, 110.
in metaphorischer umschreibung: der oberst, dessen scharfer ... blick durch einen kleinen fehler am linken auge noch gesteigert wurde Fontane
ges. w. 1, 4, 234.
äuszerungen von affecten und eigenschaften. in lauten: diese ... klagen ... steigerten ... des betrunkenen lachlust Holtei
erz. schr. 21, 213; den wilden jubel steigert die ankunft Hasdrubals Leuthold
ged. 4, 327.
im gesamtverhalten und in thaten: eine epoche ..., in welcher alles vorhandene gute ... gesteigert wird Göthe 46, 7
W.; IV 42, 162
W.; das ideale im menschen ... steigert sich Göthes
gespräche 2, 213
B.; jede zähre steigert meine schuld Zschokke
Abällino 53; die verantwortlichkeit der beamten ... zu st. Mommsen
röm. staatsr. 1, 89; diese pflichten st. sich kaiser Wilhelm I.
mil. schr. 1, 274.
ähnl. Bismarck
reden 1, 336
Kohl; jede gesteigerte rechtsverletzung 1, 168
Kohl. schon zum folgenden hinüberdeutend von der reaction der gegenseite (
belohnungen und strafen): der lehrer war genöthigt, die züchtigung ... zu st. H. Steffens
was ich erlebte 1, 43. II@A@2@ff)
auf dem gebiete des praktischen, gesellschaftlichstaatlichen lebens. preis und werth. schon im 17.
jh. gebräuchlich: aumentare il prezzo ... den werth eines dinges ... st. Hulsius 2, 49
a.
ähnl. Noel Chomel 8, 1598; der überflusz des geldes steigert die preise der dinge J. E. Schlegel
w. 3, 332.
ähnl. Dahlmann
frz. rev. 53.
in übertragenem sinne wird werth
bevorzugt: es ist, als ob man diesen letzten lebensblättern einen gesteigerten werth beylege Göthe IV 42, 163
W. synonym: ich werde ... das mögliche thun, um den inneren gehalt (
der ausgabe der werke) zu st. IV 41, 45
W. angebot, nachfrage, anforderungen: mit den maschinen steigert sich endlos angebot, nachfrage und production W. H. Riehl
arbeit 266.
ähnl. vom bedürfnisz Rückert
w. (1867ff.) 8, 35; Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1,
vorw. 8; die wachsenden bedürfnisse bewirkten, dasz alles seine anforderungen an die bauern steigerte Ranke
s. w. 1, 141.
ebenso auf nichtmateriellem gebiete: wie sehr die forderungen an den dichter ... gesteigert sind A. W. Schlegel
s. w. 11, 3; Jac. Grimm
2 gramm. 1, IX; wie er (
Gregor VII.) die vorstellungen steigerte, genau so steigerte er die ansprüche Hauck
kirchengesch. Deutschl. 3, 763.
arbeit, gewinn, verdienst, wohlergehen, unglück des menschen u. ähnl. allg. begriffe. schon frühnhd.: ein bissen brods wird mir geweygert, und all mein ungemach sich steigert B. Waldis
Esopus 2, 284
Kurz; dem armen mann ist (
im kriege) nichts verdorben, hatt noch wol besoldung erworben, und braucht nun sein handwerck und handel. damit hatt er wechsel und wandel, sein thun zu steigern, wie er will Rollenhagen
froschm. (1595) Gg 1
a.
ähnl. später vom gesteigerten: nutzen
pflichtvorhaltung Schneeberg 1714, glück Göthe 10, 278
W., K. O. Müller
lebensbild in br. 251, gelingen Göthe 25, 39
W., der bisherigen errungenschaft
th. 1,
vorr. xxvi,
dem wohl Jhering
geist des röm. rechts 2, 1, 126,
der produktivität K. Bücher
2 arbeit u. rhythmus 379,
der wirtschaft
im ganzen W. H. Riehl
arbeit 135.
specielle begriffe materieller art: dasz ... das schuldtwesen gesteigert ... worden
acta publ. 1, 40
Palm; diejenigen, durch welche die finanzen gesteigert ... werden Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 117.
im bes. von einnahmen: lohn Herttwig
bergb. (1734) 266
b, besoldungen Thomasius
kl. dtsche schr. 197, gehalt Tieck
schr. (1828ff.) 20, 81; die bodenrente ... st. G. Freytag
bilder 3, 103, die gutserträge v. Polenz
Grabenhäger 1, 328; ein finanzprojekt, das die einnahmen ingeniös steigert Meinecke
Boyen 1, 29.
abgaben: do begundend si inen (
den Luzernern) das umgelt ze st. Äg. Tschudi
chronicon helvet. 1, 322; dasz ... die zölle keineswegs gesteigert ... werden möchten v. Chemnitz
schwed. krieg 2, 134.
ähnl. A. Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 132
b; hatte er ... meuthen und zölle gesteigert Ranke
s. w. 38, 88; dem eintreiber der miethen, der ... die miethe ... steigerte Gutzkow
ritter v. geiste (1850
ff.) 4, 200.
eigenartig (
ohne den ausgesprochenen sinn einer zunahme des objectsbegriffes?)
ist st.
an der stelle: renouare in singulos annos foenus den wuocher alle jar erneuweren oder steigeren Frisius 575
a. —
einzelbegriffe ideeller art: wo man treibt keine tugend mehr, da steigert man der titul ehr Harsdörfer
teutsche secretarius (1656
ff.) 1, 28.
ebenso vom verdienst Herder 3, 126
S.; Göthe 41, 2, 78
W.; 45, 210
W.; sie wuszte ihren ruhm und guten namen zu st. 25, 52
W. vgl. auch in diesem zusammenhange: dasz sogar verfolgung ... ihre (
der kirchen) wirksamkeit nur st. würde Lagarde
dtsche schr. 81; der einflusz des ... chauvinismus ... hat sich gesteigert Bismarck
ged. u. erinn. 2, 267.
sonstiges. ordnung und unordnung: ich glaube, dasz im ganzen der widerstreit sich steigert fürst Pückler
briefw. u. tageb. 3, 113. II@BB. st.
mit adverbialen bestimmungen. II@B@11)
zur angabe des gebietes, auf dem die zunahme der objectsbestimmung zu st.
geschieht. II@B@1@aa) st. in (
vgl. 1steigen in etwas,
sp. 1910): ich hatte mich ... in meinen forderungen gegen mich selbst ... gesteigert Göthe 32, 142
W.; in der achtung gegen sich selbst gesteigert werden 35, 51
W.; warum sich sein chef ... in seiner bewunderung ... steigerte Gutzkow
ges. w. 2, 206; mich ... in meiner arbeit begeisternd zu st. fürst Pückler
briefw. u. tageb. 1, 130.
bes. im preise st.: kein wunder, wenn ... die bedürfnisse des lebens durch diesen entbehrlichen trosz unverhältniszmäszig im preise gesteigert wurden Schiller 8, 273
G. auf personen übertragen: Demetrius: doch nein, sie will mir etwas anvertraun, was ich schon weisz, um sich im preis zu steigern Hebbel 6, 117
W. II@B@1@bb) st. mit (
vgl. 1steigen mit etwas,
sp. 1910): si wurdend ... mit nwen uffsetzen ... gesteigert und beschwert Äg. Tschudi
chronicon helvet. 1, 231.
ähnl. Göthe IV 9, 303
W.; die knechte (
sollen) ... nicht macht haben, von ihren junckern urlaub zu fordern noch sie mit der besoldung zu st.
acta publ. 1, 112
Palm. 1steigen,
sp. 1911
entsprechend, verbindet sich auch hier die präp. gern mit einem zeitbegriffe: so steigert sich die anerkennung mit den jahren
schr. d. Göthe
ges. 17, 1, 187.
in anderem sinne, zugleich unter verwendung der präp. an: der Deutsche läuft keine gröszere gefahr als sich mit und an seinen nachbarn zu st. Göthe 42, 2, 201
W. II@B@22) st.
in verbindung mit zusätzen des grades und der menge. II@B@2@aa)
in unbestimmter fassung. II@B@2@a@aα)
adverbia: wird deiner Clio gunst mehr steigern dieses singen S. v. Birken
forts. d. pegnitzschäferei 9.
ähnl. Heine
w. 1, 120
E.; Jac. Grimm
kl. schr. 1, 34.
andere adverbia: stufenweise Göthe 22, 186
W., etwas Göthe
gespräche 1, 78
B., unermeszlich
Europa (1803) 2, 78, sehr Ritter
erdkunde 1, 846, weiter Holtei
erz. schr. 17, 86, nicht unerheblich Fontane
ges. w. 1, 6, 127, merklich Peschel
völkerkunde 50, wesentlich Bismarck
ged. u. erinn. 2, 48.
auch correlativ: je mehr ich ihnen zuhöre, je mehr steigert sich mein interesse Bettine
dies buch geh. d. könig 1, 188; Schleiermacher I 12, 31;
die aufregung und das erstaunen hatten sich ... umso mehr gesteigert, je tiefer man nachdachte W. Raabe
Horacker (1876) 54. —
determinierter: ist euer schicksal ängstlich so gesteigert Göthe 10, 331
W. wie bei 1steigen,
so ist auch hier besonders das adv. hoch
beliebt, wobei die sprache unbewuszt noch einen nachklang an die ursprüngliche bedeutung des verbums (
nach oben gehen lassen)
bewahrt hat. bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes zu st.: den himten roggen ... noch einmal so hoch zu st. Möser
s. w. 2, 48; trotz unseres so hoch gesteigerten schulwesens Gutzkow
ges. w. 8, 18.
bei unmittelbarer zunahme: indem ... gleichsam nicht andere mehr vor ihm gewesen weren, welche das unwesen wohl so hoch gesteigert ... haben Prätorius
glückstopf (1669) 37; noch höher wird des grames noth gesteigert, seit sich sein schuldner schlaf zu zahlen weigert
Shakespeare 1, 233.
ähnl. vom zorn 8, 106, durst Waiblinger
Britten in Rom 119
Zoller, mut Tieck
schr. (1828ff.) 19, 385, interesse Holtei
erz. schr. 2, 3, civilisation Mommsen
röm. gesch. 2, 161. II@B@2@a@bβ)
präpositionale zusätze. oft nur umständlichere umschreibungen der vorhergehenden wendungen: dasz die edelsten der Griechen ... den preis ihrer (
der Lais) nächte in die wette st. Wieland
Agathon (1766) 2, 19; die maszregeln ... (
wurden) auf eine ... unerhörte weise gesteigert A. v. Droste-H.
w. 2, 280; die folgen müszten in hohem masze gesteigert werden Moltke
ges. schr. 3, 48.
sonst unter verwendung des begriffes höhe,
mitunter zu b hinüberdeutend): sie (
die regierung) steigerte die ... taxen bis auf eine solche höhe, dasz die armen ... niedergedrückt wurden Heine
w. 3, 467
E. ähnl.: auf die doppelte höhe Moltke
ges. schr. 7, 53.
üblicher dafür: zu (
bis zu) einer höhe st.: diese liebe steigerte sich zu einer höhe, die ihn selber beängstigte H. Seidel
vorstadtgesch. 95.
ähnl.: bis zu bedenklicher höhe Scherer
kl. schr. 1, 213, zu einer namenlosen höhe Allmers
marschenbuch 432.
determiniert und dadurch eine bestimmtere angabe des grades werdend: das fürstliche paar steigerte sich im nu zur höhe des rächeramts Kürnberger
nov. (1861) 260.
mehr verblaszt erscheinen dafür ausdrücke wie ins unendliche st. (
vgl. 1steigen
sp. 1912): nun steigert mir gefürchteter verlust des glücks empfindung ins unendliche Göthe 10, 259
W.; wo sich schreckliche folgen ins ungeheure steigerten 41, 2, 64
W.; das gräszliche ins unnatürliche und unmögliche st. 42, 2, 86
W. ähnl. G. Freytag
bilder 3, 71; empfindungen, die sich ... zu dieser unendlichkeit st. Hegel
w. 2, 167.
häufiger wird auf dem wege des durch st.
hervorgerufenen anwachsens auch ein punct als erreicht gedacht: wiewohl etliche dessen (
eines diamanten) werth ber zwey tonnen goldes und darber gesteigert haben
d. gewissenh. priester (1694)
vorw. x 3
b.
vgl. ferner ausdrücke wie von stunde zu stunde st.: von stunde zu stunde steigerte sich die gewalt der krankheit Holtei
erz. schr. 18, 155.
ähnl. von jahr zu jahr Lagarde
dtsche schr. 7, von minute zu minute C. Viebig
das schlafende heer 2, 496. II@B@2@bb)
bestimmtere fassung der menge und des grades der zunahme (
vgl. auch die solcher verwendung nahekommenden fälle unter a, β; bes. zur höhe st.). II@B@2@b@aα)
bezeichnung der menge durch die präp. um: Sophie wird meiner nichte angst um 100 prozent gesteigert haben Raupach
w. kom. gatt. 1, 192.
allgemeiner: dasz der besitzer dieser stadt die auflagen um ein erkleckliches wird st. können Klopstock
gelehrtenrep. 362.
ähnl. bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes: ich werd sie ... um 200 gulden st. Nestroy
ges. w. 2, 27; der uns um ein drittel des miethzinses gesteigert hat Raabe
hungerpastor 1, 137. II@B@2@b@bβ)
bezeichnung des grades der zunahme. II@B@2@b@b@aaaa) aufs höchste st. (
vgl. 1steigen
sp. 1913)
u. ähnl.: die kunstreihe geistiger fertigkeiten wird ... aufs höchste gesteigert Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 389; diesem aufs höchste gesteigerten misztrauen v. Bennigsen
ntl. partei 8. —
synonym: dieser genusz ... sollte ... bis zum letzten gesteigert werden Göthe 25, 67
W.; übel, welche ... bis zum äuszersten gesteigert sind Dahlmann
frz. rev. 39; ein ... gesandter rühmt sich ..., den unwillen der kaiserin auf das äuszerste gesteigert zu haben Ranke
s. w. 30, 159.
in substantivischer formung unter anlehnung an das steigen des thermometers und barometers auf
oder zu einem grade st.: nach und nach steigerte sich seine declamation auf einen solchen grad, dasz ... Göthe 25, 16
W. ähnl. IV 40, 141
W.; leiden ... zum höchsten grade gesteigert Brentano 4, 328.
der ursprünglichen, ganz sinnlich gefaszten bedeutung des verbums kommt endlich der ausdruck zum gipfel st.
wieder näher: wenn die natur die allgemeinen gaben in einem einzelnen zum gipfel steigert, musz sie ein groszes ziel im auge haben Hebbel 7, 213
W.; diese (
aufregung) steigerte sich ... zum gipfel eines zustandes, der mehr wut als begeisterung war Ratzel
völkerkunde 2, 208. II@B@2@b@b@bbbb)
häufiger dienen aber (
vgl. 1steigen
sp. 1913)
als zielbegriffe des grades der zunahme ausdrücke, die sich von der grundanschauung ganz entfernen. veraltet und der sprache Göthes (?)
angehörend ist in diesem zusammenhange st. in etwas: alles steigert sie wieder in den zustand der königin Göthe 40, 108
W.; so sind ... die motive ... ins tragische gesteigert 48, 16
W.; die du groszen sünderinnen deine nähe nicht verweigerst und ein büszendes gewinnen in die ewigkeiten steigerst 15, 1, 335 (
Faust 12064)
W. heute ist dafür, aber wohl im ganzen nur selten gebraucht, das comp. hineinst.
üblich: steigert er sich in seine erregung hinein Th. Wundt
Matterhorn (1916) 64; nun stehen die beiden (
kaiser Wilhelm II. und Bismarck) sich gegenüber und st. sich ... in eine schärfe hinein ... E. v. Schmidt-Pauli
der kaiser (1928) 94.
erhalten ist der gebrauch von auf oder bis zu etwas st. ausdrücke einer mehr äuszeren zunahme (
zahlenbegriffe): hundert und zwantzig tausend reichsthaler (war auf sie die summe gesteigert) v. Chemnitz
schwed. krieg 1, 344
b; der betrag würde sich ... auf 80 fl. st. Göthe IV 32, 249
W. —
ausdrücke einer mehr intensiven zunahme: physikalisches: da der wind sich ... zum sturm steigerte Moltke
ges. schr. 4, 419; Ferdinand ... ging ... zu einem ... rütteln über, welches er ... zu einem fortissimo steigerte 1, 88.
zum folgenden hinüberdeutend: insofern sie (
die begattungsorgane) .. die reizung .. zur ausspritzung des samens st. Sömmerring
menschl. körper 5, 368.
physiologisches: sie ... steigerte ihre ... nerven zu einem fieber Stifter
w. 5, 1, 244; in einer sprachlichen verlegenheit, die sich ... bis zum hungerleiden steigerte Bismarck
br. an s. braut u. gattin 355.
seelisches leben: dasz mein glück zu ungemessenem leben sich steigert Bettine
Göthes briefw. m. e. kinde 2, 174.
ähnl. Hebbel 7, 148
W.; ein ausdruck von ... vorsicht, der sich zuweilen bis zu einem schlauen blicke steigerte Gutzkow
ges. w. 6, 312; eine extase, die sich zu gesichten steigerte G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 9.
im bes. vom gemütsleben und ethischen begriffen: reisende bedürfen guten muthes, der sich leicht zu übermuth steigert Göthe 41, 1, 332
W.; dasz ... die thätige form des selbstbewusztseins sich ... zur frommen erregung steigert Schleiermacher I 3, 52; die unruhige aufregung ... steigert sich zu einer unheimlichen freude O. Jahn
Mozart 4, 417.
ähnl. Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 89; Moltke
ges. schr. 1, 154.
von äuszerungen der affecte: die Römer ... steigerten ihre bitten bis zu drohungen Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823ff.) 4, 352.
mit ausgangsbegriff: das begehren nach gleichberechtigung hatte allmählich sich gesteigert von stillem wunsch zur lauten bitte Mommsen
röm. gesch. 2, 219.
von ästhetischen und ethisch-religiösen begriffen, gedanklichem und künstlerischem gestalten: trefflichkeit .. zum gottähnlichen gesteigert J. H. Vosz
antisymb. 1, 170, das innere zum ganzen und gewissen Göthe 46, 20
W., ein hausgeräthe zu einem freyen kunstwerk Schiller 10, 238
G., romantische wildheit bis zur öde A. v. Droste-H.
w. 2, 347; steigerte sich die rede zur poetischen Gaudy
w. 13, 11, (ernst) bis zur feierlichkeit Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht. 5, 6; sich ... bis zu glücklichen einfällen st. Fontane
ges. w. 1, 5, 242, den charakter der Iphigenie bis zur erhabenheit Bielschowsky
Göthe 1, 437.
praktisch-gesellschaftlich-staatliches leben: die bis zu den kühnsten masznahmen gesteigerte erbitterung Athens Droysen
2 Äschylus 23; sie (
die räuberwirtschaft) fing an, sich zur insurrection zu st. Mommsen
röm. gesch. 2, 79; (
inquisition und armee) muszten die macht des herrschers bis zum höchsten despotismus st. Moltke
ges. schr. 2, 8.
mit fortlassung eines zwischenbegriffs wie stellung (
vgl. 1steigen
sp. 1914): ich darf mich rühmen, ... einen geschickten schmidt ... zum schlösser, feilenhauer und uhrmacher gesteigert zu haben Göthe 25, 105
W. sonstiges: das thierische zu höheren zwecken st. Göthe II 8, 8
W., beobachtungen bis zu bestimmten resultaten E. Th. A. Hoffmann 13, 5
Gr., den ... kampf ... zu einem weltereignis W. Grimm
heldensage (1867) 354; dies waffenspiel ... steigerte .. das studententhum zu einer ... ernsten bedeutung Laube
ges. schr. 1, 62.
selten ist die bezeichnung der gradangabe durch einen ganzen satz: dieser stolz steigert sich in ihm bis zu dem: wenn ich es (
Israel) lasze, dann ists verloren O. Ludwig
ges. schr. 5, 421.