lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

steigern

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 15 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
13

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

steigern sw. v.

Bd. 18, Sp. 1931
steigern, sw. v. verbreitung und form. spätmhd. st., ndl. steigeren, schwed. stegra. — nach der geltenden anschauung zuerst in md. quellen des 15. jh.s erscheinend (vgl. Heyne 3, 784). ältester beleg immerhin aber in e. obd. urkunde vom j. 1354 ( v. Lori baier. bergrecht 14b). als erbe des absterbenden 2steigen (sw. v.) beginnt das verbum sich dann langsam zu verbreiten und wird erst in der 2. hälfte des 18. jh.s, bes. unter dem einflusse der sprache Göthes ein gebräuchliches, später sogar viel verwendetes wort der schriftsprache. so stimmt es nicht mehr, wenn Hugo in den Gött. gel. anz. (1835) 559 meint, dasz st. noch vor 30 jahren nur bei licitationen und in der grammatik üblich war. etymologisch wird st. mit dem sw. v. 2steigen in unmittelbaren zusammenhang gebracht, so wie stänkern zu mhd. stenken (von stinken), stöbern zu mhd. stöuben (von stieben) gehört. vgl. Wilmanns 2 dtsche gramm. 2, 94; 95; Heyne 3, 784; Kluge (1910) 441. doch sei daneben, wenn md. herkunft des wortes gesichert ist, auch auf das adj. steiger hingewiesen, das ebenfalls md. ursprungs ist und an dessen bedeutung hin und wieder gebrauchstypen des verbums anklingen. bedeutung und gebrauch. auch so bleibt aber 1steigen, das st. verbum, natürlich die letzte grundlage des wortes, und dessen verwendungsarten sind auch für die von st. maszgebend geworden. in gramm. hinsicht erscheint st. reflexiv oder in verbindung mit anders gearteten accusativobjecten. öfters sind solche leicht zu ergänzen: die geschicklichkeit zu spannen und zu st. O. Jahn Mozart 1, 390; gerichtsdiener kamen ... es wurde durchgesehen, gerechnet, abgesondert, gesteigert G. Keller ges. w. 1, 30; der fürst dachte in ewigkeit nicht ans st. (der pachtsumme) Kürnberger nov. (1861) 1, 148; das talent hat die verpflichtung, ... hier zu mildern, dort zu steigern, ruh und rast sich zu verweigern J. Frey ges. dicht. (1899) 237. intransitiver gebrauch ist äuszerst selten: also dringet ihn (der sich mit list und trug nährt) der gewalt, er müsze mit seiner arbeit und wesen st. und seinem nächsten wieder ... seinen schweisz ... abdringen Jac. Böhme schr. (1620) 3, 264; wir haben ... die verhältnisse unserer alten freunde bedeutend st. sehen Göthe 24, 380 W. vgl. auch den beleg aus A. U. v. Braunschweig unter I und ndl. sprachgebrauch: het paard steigerde geweldig Kramer (1787) 435. II. nur vereinzelt ist st. ohne den ausgesprochenen nebensinn des zunehmen, höher werden lassens.an 1steigen im sinne von gehen (vgl. sp. 1874f.) erinnert das intrans. comp. nachst.: denn wie mag ein patronus ... in alle winkel denjenigen nachst., die solch buch tadeln Wencel Scherffer ged. 218. die stelle bei B. Waldis Esopus 1, 343 K. ist wohl gegen Heyne 3, 784 im sinne von st. II, A, 1, β zu deuten (s. weiter unten). st. als parallele zum steigen (= sich bäumen) eines pferdes bei A. U. v. Braunschweig: ich wäre dennoch nicht von ihr geblieben, wenn sie nicht meinem pferde einen gleichmäszigen streich versetzet, und dasselbe dadurch zum st. veranlasset hätte Octavia (1677) 4, 198. ähnl. und zwar reflexiv verwendet, noch heute in der gegend von Osnabrück, in Ostfriesland, den Niederlanden und Schweden (sig stegra). vgl. Adelung 4, 333; Camfe 4, 617; Krünitz 171, 224; Strodtmann 229; Stürenberg 262; Kramer (1787) 435 (dort auch in der weiteren bedeutung: ein mauergerüst aufführen). IIII. st. als causativum zu 1steigen = zunehmen, anwachsen. 'st. ... zunehmen machen, sowohl in ansehung der grösze, der menge, als auch in ansehung des grades, der stärke' Heinsius 4, 772a; Hübner 4, 398a. II@AA. ohne adverbiale zusätze. II@A@11) bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes (vgl. 1steigen, sp. 1905). II@A@1@aa) von personen. II@A@1@a@aα) allg. im sinne einer erhöhung des gesamtwesens eines menschen: weil man ... das geschöpffe, über wissen und willen des schöpffers, zu unser eigen verderb, steigert oder erhebet Prätorius winterflucht (1678) 439; wie doch das wissen steigert die menschen Arnim w. 22, 234 Gr.; ein gesteigertes ich Jac. Grimm kl. schr. 3, 243; alle bildung bestand darin, dasz man das individuum zu st. versuchte Immermann 5, 192 B. reflexiv: das bedürfnis des Deutschen, sich bei feindlicher that zu st. G. Freytag ges. w. 17, 203. im bes. von erhöhten fähigkeiten: wenn mutwillige buben ... mit heuschrecken um die wette pfeifen. es ist, als wenn sie einander würcklich steigerten Göthe III 1, 177 W.; die baronin: ihr habt euch gesteigert! graf Ulrich: ich habe mich in der that gesteigert (d. h. in humorvoller lebensauffassung) G. Hauptmann Griselda (1922) 139. von erhöhten leidenschaften: wir waren so gesteigert, dasz wir den rector selbst niedergeschlagen hätten Laube ges. schr. 1, 64. von ihren äuszerungen (stärkeren worten und ähnl.): freunde ..., die sich st., indem sie sich augenblicklich expectorieren Göthe IV 38, 278 W.; ... hatte der zornige, sich selbst noch immer steigernde jüngling seine rede zu ende gesprochen Fouqué alts. bilders. 2, 124; er steigerte sich, starke ausdrücke suchend, beleidigungen H. v. Kahlenberg familie Barchwitz 11. II@A@1@a@bβ) der reflexive gebrauch des verbums schwindet naturgemäsz, wenn sich in diesem zusammenhange die erhöhung nicht, wie bisher, auf innere, sondern auf äuszere dinge bezieht. schon frühnhd. wird st. so für das erhöhen von abgaben, zinszahlungen u. s. w. gebraucht: der artzt fordert sein lohn sofort, die fraw im den zu geben weygert, drumb er sie vor gerichte steygert. die fraw im da gestendig war B. Waldis Esopus 1, 343 K.; mein herr, ir dürfft euch des nit gremen, steigert ewr zinstleut dester basz H. Sachs 14, 156, 9 K.-G.; st. den armen Paracelsus op. (1616) 2, 629 H.; für die reychssteür ... sOelten die Appenzeller nit gesteigert werden Stumpf Schweizerchron. (1606) 373a. ähnl. v. Hohberg georg. cur. aucta 1, 15. in späterer zeit so bes. von den verpflichtungen eines principals und eines mieters, bzw. einer mieterpartei: ein guter acteur steigert ihn (den theaterdirector) Göthe 21, 79 W. ähnl. 22, 123 W.; einige sagen, er wird zeitlebens frey quartier kriegen, andere sagen wieder, er wird gsteigert A. Bäuerle kom. theater 2, 89; thäts die partei wagen, beim zinszahln zu sagen: repratur wär sehr nötig, ... so a begehren wird verweigert, zur straf d partei gesteigert Nestroy ges. w. 4, 214. ähnl. Meisl theatr. quodlibet 3, 50. vgl. auch H. Meyer d. richt. Berliner (1904) 115. II@A@1@bb) von sachbegriffen (mitunter nach 2, a hinüberdeutend, s. unten). II@A@1@b@aα) materieller art. mehr in der älteren sprache, physikalisches: sie beschlossen auch durch die (mit einem brennspiegel) gesteigerten sonnenstrahlen diesen alten ... tempel zu zernichten Lohenstein Arminius (1689ff.) 2, 124. — begriffe des wirtschaftslebens (erhöhung des äuszeren werthes. 'theurer machen' Schottel haubtsprache 1421; Hulsius (1616) 373b. von münzen: wenn wil denn der newmond ein ende haben, das wir ... korn veil haben mgen und den epha ringern, und den sekel st. Luther bibel 4, 395, 5 Bindseil. ähnl. H. Sachs 15, 246, 7 K.-G. von werthpapieren (im sinne: damit speculieren?): wir wollen die metalliques st. W. Hauff s. w. (1890) 2, 159, 4. bedarfsgegenstände. allg.: wucherer, die durch verkauffen und hinterhalten ihrer waaren ... alles stegern (!) und vertewren Schaller theol. heroldt (1604) 289. nicht selten ist in diesem zusammenhange der begriff ware (nur ältere zeit!): es hatts auch noch niemand furgenommen, eyn igliche wahr zu setzen, steygern odder nyddern Luther 15, 295, 35 W.; die wahr st. J. Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) 652; die handtwercksleute ..., so ihre wahren ... st. acta publ. 2, 93 Palm; Micrälius altes Pommerland 6, 414; Reinicke fuchs (1650) 310. — im einzelnen: heur st. sie den yngber Luther 15, 312, 14 W.; ein kornjude arg, desgleichen man nie keinen fandt, der mit getreide steigern beschweret alls landt M. Hayneccius Hans Pfriem 2273 ndr.; das korn über die masz wird theur, als wers gar nicht geraten heur. da kauffens auch die wucherer. die steygerns auch ye lenger ye mehr P. Rebhuhn klag. d. arm. manns A 4a. ähnl. von gewürzen: J. Agricola 750 sprichw. R 1a, von schuhen: Prätorius glückstopf (1669) 285. auch von anderen werthobjecten, einem forste: österr. weisth. (Festenburg 1589) 6, 94, einer jagd: Cyr. Spangenberg jagteuffel (theatr. diabol. 1, 209b). metaphorisch auch den kauf st.: Stieler 2137; dasz ... ein jeder erzbischoff ... den kauf des hAellingischen salz ... Aenderen und steigeren möge v. Lori baier. bergrecht 340b. in besonderer verwendung erscheint dieses st. als fachausdruck bei freiwilligen oder gerichtlichen auctionen, vom hinauftreiben des preises gebraucht, und zwar ebenso in anwendung auf den auctionator, wie auf den bietenden: st. augere, auctionari ... Stieler 2137: 'st., verst. ... d. h. an den meistbietenden verkaufen' Braun 245b. anderseits: steigeren, auffschlahen, mer auff ein ding bieten Maaler 385d; steygern ganten Hulsius (1616) 373b; so wie er (der gemeine mann) am sonn- oder festtag auf dem markte den fettesten kapaunen selbst dem ersten kaufmann steigert Rehfues br. aus Italien (1809) 1, 21; er steigerte das gesangbuch um hohen preis Auerbach dorfgesch. 1, 106. auch mit präpositionalem object: ich ... steigere meist auf die werke, die die berühmten verfasser ... verstecken möchten Gutzkow ritter v. geiste (1850ff.) 3, 39. im els. geradezu 'etwas kaufen bei einer öffentlichen versteigerung' els. wb. 2, 579. allg. ohne die obige unterscheidung: der aufsatzpreis bei auctionen, worauf nun gesteigert wird A. v. Droste-H. br. an Schücking 211; G. Keller ges. w. 1, 30. II@A@1@b@bβ) sachbegriffe ideeller art. st. eines titels und eines standes: wir haben deinen stand zu steigern uns verbunden, ... bis (sei) feldherr für uns selbst und hauptmann über sie Gryphius trauersp. 167 Palm; dasz man die titel steigert ..., kann einem schon zuwider sein Jac. Grimm kl. schr. 6, 284. so besonders auch von geistigen dingen: wir andern, wir wechseln, wir steigern das spiel Göthe 13, 1, 126 W.; wie seelenschönheit steigert sich die holde form, löst sich nicht auf, erhebt sich in den äther hin 15, 1, 246 (Faust 10064) W. überhaupt scheint dieses st. ein lieblingsausdruck Göthes gewesen zu sein, vor allem, wenn es sich um erhöhung des inneren werthes einer künstlerischen leistung handelt: um es (Shakespeares Caesar auf dem theater) immer weiter zu st. IV 16, 316 W.; ich wünsche diesen stoff ... zu st. IV 30, 139 W.; beispiele solcher gesteigerten theatralischen darstellungen IV 37, 4 W.; die letzten blätter (eines heftes von 'kunst und altertum') sollst du hoffentlich gesteigert finden IV 42, 150 W. ähnl. geist steigert die welt (und) weil keine tiefere erkenntnisz, kein reiner wille den eignen geist zu st. sie (d. h. die zeiterscheinungen) treibt Bettine Günderode 2, 277. II@A@22) unmittelbare zunahme des objectsbegriffes (vgl. 1steigen sp. 1905). II@A@2@aa) allg. (gelegentlich den fällen unter 1, b nahekommend): durch welche mittel ... diese wirkung ... gesteigert werden könne Göthe IV 25, 262 W. ähnl. Börne ges. schr. 1, 129. ebenso von: musikalischen tendenzen Bettine Günderode 2, 17, dem beiderseitigen verhältnis von wärme und kälte W. Grimm im briefw. mit Jac. Grimm 118, von der anwendung K. L. v. Haller rest. d. staatswiss. 1, 3, abweichungen D. Fr. Strausz ges. schr. 6, 125, combination Ranke s. w. 14, 28, entwicklung O. Jahn Mozart 1, 370, hemmungen Geibel w. 5, 28, schwierigkeiten H. v. Barth Kalkalpen 418; Bismarck ged. u. erinn. 1, 68, nachteile der doppelwährung Luschin v. Ebengreuth münzkunde 150; die sich steigernden angriffe Nitzsch dtsche studien 78. II@A@2@bb) mathematisch-formales. zahlen und ähnl.: die summe der 150 goltgulden zu erhöhen, und zu st. Ayrer hist. proc. iuris (1600) 509; dasz man die ... summe ... st. könnte Göthe IV 28, 303 W.; sie steigert die volkszahl W. H. Riehl arbeit 82. begriffe der menge: st. wir ... den gehalt unserer culturpflanzen an blutbestandtheilen Liebig chem. br. 340; eine immer sich steigernde nahrungsfülle Allmers marschenbuch 115. II@A@2@cc) physikalisches. flüssigkeiten: das wasser steigert sich J. Agricola 750 teutsche sprichw. (1534) 301. übertragen: das innere ideal steigerte seiner begeistrung fluth Bettine dies buch geh. d. könig 1, VI. farben: so wird das geforderte blau das fordernde gelb ... st. Göthe II 1, 36 W. geräusche, klänge, menschliche stimme: während der lärm ... sich wieder steigerte Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 3, 264; sich steigernde accorde O. Jahn Mozart 3, 64, anm. 68; mit gesteigerter ... stimme G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 38. — sonstiges. in übertragener bedeutung: die ... friction unserer staatsmaschine kann nicht noch gesteigert werden Bismarck ged. u. erinn. 2, 18. die tragkräfte des staates zu st. L. Häuszer dtsche gesch. 1, 54, 24. II@A@2@dd) physiologisches: gesteigerte fruchtbarkeit (des erdbodens) Laube ges. schr. 1, 273; diesen (krankhaften) zustand ... st. Immermann 1, 117 B., die symptome (der erkältung) Vischer auch einer 1, 97. ähnl. von kränklichkeit Storm w. (1897ff.) 1, 129; W. Grimm im briefw. mit Jac. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 289. II@A@2@ee) seelisches leben. allgemein: eines find ich abscheulich: das sich dasz leben nicht steigert, dasz dem höchsten moment meist ein geringerer folgt Hebbel 6, 373 W. ähnl. gilt st. von einer seelischen eigenschaft Göthe 24, 94 W., der stimmung Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 32, dem wesen des menschen G. Freytag bilder 1, 202; 203; 206, dem gesamten zustand des lebens Justi Winckelmann 2, 207. wille, fähigkeiten, kräfte: die kräfte der seele ... st. und stählen Kant (1867) 5, 447 Hartenstein; ein uneingeschränkter wille steigert sich selbst Göthe 7, 204 W.; einen ... die fähigkeiten des vaters steigernden jüngling 24, 296 W.; alles geb ich, nur verweigern musz ich dir den schlüssel blos, deine kunst (zauberei!), kannst du sie steigern, ringt vielleicht dem feind ihn los Brentano 3, 414. ähnl. von der produktionskraft O. Jahn Mozart 1, 190. empfindungen u. ähnl.: aus ... gesteigerten empfindungen, die man liebe nennt Tieck schr. (1828) 17, 23; Börne ges. schr. 4, 62; Scherer lit.-gesch. 117; sofern diese organe (sinnesorgane) ... afficirt werden, welche eine so äuszerst schwache anregung der gesteigerten ... sensibilität dieser theile ist Schopenhauer 1, 152 Gr. so auch von dem die empfindungen hervorrufenden reiz: das steigert mir des goldes reiz: bin männlichen geschlechts, der geiz! Göthe 15, 1, 46 (Faust 5665) W.; er schwindelte in die frömmigkeit hinein, ... es war ihm ein neuer reiz, den er aber immer neu st. muszte Arnim w. 8, 137 Gr.; durch den gesteigerten reiz des musikalischen ausdrucks O. Jahn Mozart 4, 66; schnee und eis ... steigerten ... den ... reiz des weitschichtigen ... gehöftes Fontane ges. w. 1, 6, 255. gedankliches und phantasievolles gestalten: ich bin neugierig, wie die ... Kölner ihre scherze st. Göthe IV 39, 12 W.; in den späteren bearbeitungen (sucht) sich (die satire) zu st. Jac. Grimm Reinh. fuchs vorr. cclix; zum johanneischen evangelium, ... dessen wunderbegriff ... ein ... gesteigerter ist D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 29; gesteigert wurde die unterhaltung auf den maskenbällen O. Jahn Mozart 3, 238; ein in den gesteigertsten ausdrücken gehaltenes dankschreiben Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 315. — in besonderer verwendung entwickelt sich aus diesem gebrauche st. als gramm. t. t.: 'st. in der neuern grammatik, bei adjectiven durch formale veränderung die bedeutung erhöhen (von Gottsched vorbereitet [vgl. 1steigen sp. 1908], der hier den ausdruck steigende beiwörter braucht, sprachkunst 258)' Heyne 3, 784; jedes beschaffenheitswort (kann) ... gesteigert werden Adelung 2, 13. ähnl. wohl Athenäum 1, 38. auch das st. der adverbien ist ein um 1800 schon geläufiger begriff Krünitz 171, 226. entsprechend von begriffen ästhetischer anschauung selbst. gesteigerte groszartigkeit Humboldt br. an Welcker 108, harmonien W. H. Riehl arbeit 1, 149, denkwürdigkeit des tages G. Keller ges. w. 2, 228. von ästhetischer wirkung: der einmal ein zaubrer hiesz, ... jetzt mit wörtlein eingeschlungen steigert er des liedes drang Göthe 5, 120 W. trieb- und gemütsleben. triebe: das tief erregte verlangen einer unbefriedigten leidenschaft ..., welches die lange vernachlässigung des gemahls nur gesteigert hat O. Jahn Mozart 4, 232. affecte und ethische eigenschaften. allg.: mit gesteigertem affect Bauernfeld 5, 89. ähnl. M. Beer s. w. 68 v. Schenk. ausdrücke der sympathie: wenn das interesse ... gesteigert wird H. P. Sturz (1779ff.) 1, 34; dasz diejenigen, die uns früher antheil und gewogenheit gegönnt, solche gesinnungen ... gesteigert haben Göthe 6, 22 W. so von sehnsucht IV 28, 61 W., entzücken 6, 22 W., liebe Jean Paul 3, 190 H., bewunderung Jac. Grimm Reinh. fuchs vorr. ixx, freude G. Keller ges. w. 2, 185, theilnahme G. Freytag ges. w. 11, 13. ähnl. auch: ich hatte ... ein geheimnisz aus der ankunft des dichters gemacht, um das aufsehen nicht zu st. Immermann 19, 9 B. ausdrücke der antipathie. besorgnis, trauer und ähnl.: das alles steigerte meine traurige gedanken über dich Bettine Günderode 2, 207. auch vom leide: nun, sie wissens am besten, wie sehr die woche der kinder (die weihnachtswoche) ihr (der gattin) die hölle im busen entzündet, das schlimmste ist aber, dasz mit jeglichem jahre die qualen sich steigern und mehren Hebbel 8, 292 W. ähnl.: gesteigerte angst Holtei vierzig jahre 1, 24, besorgnisz Laube ges. schr. 2, 35, ängstlichkeit O. Jahn Mozart 1, 9; unsere bedenken ... steigerten sich noch H. Brunn kl. schr. (1898ff.) 3, 64. abneigung, unmut und ähnl.: gesteigerte misstimmung Droysen Alexander 291, erbitterung Mommsen m. gesch. 2, 90, unmuth G. Keller sinnged. 328, abneigung Bismarck ged. u. erinn. 1, 35, gerinschätzung 1, 237. sonstiges: das natürliche unabhängigkeitsgefühl, das, durch absonderung von der welt immer mehr gesteigert, ... manchen druck erfahren musz Göthe 40, 271 W.; lügen steigerten seinen angebornen hochmuth Arnim w. 9, 44 Gr.; dasz ich nicht soviel arbeiten kann, als ich wohl wollte, steigert ihn (den arbeitsmut) natürlich K. O. Müller lebensbild in br. 167; mit gesteigertem selbstgefühl Dahlmann frz. rev. 117. ähnl. vom sinnlichen epicureismus Wielands Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 3, selbstvertrauen Ranke s. w. 15, 243, hochgefühl Fontane ges. w. 1, 2, 147, wohlgefühl 1, 2, 14, gesteigerte gute laune 1, 6, 33, eifer und muth M. Meyr erz. a. d. Ries 1, 45; das gesteigerte deutsche nationalgefühl Bismarck ged. u. erinn. 2, 110. in metaphorischer umschreibung: der oberst, dessen scharfer ... blick durch einen kleinen fehler am linken auge noch gesteigert wurde Fontane ges. w. 1, 4, 234. äuszerungen von affecten und eigenschaften. in lauten: diese ... klagen ... steigerten ... des betrunkenen lachlust Holtei erz. schr. 21, 213; den wilden jubel steigert die ankunft Hasdrubals Leuthold ged. 4, 327. im gesamtverhalten und in thaten: eine epoche ..., in welcher alles vorhandene gute ... gesteigert wird Göthe 46, 7 W.; IV 42, 162 W.; das ideale im menschen ... steigert sich Göthes gespräche 2, 213 B.; jede zähre steigert meine schuld Zschokke Abällino 53; die verantwortlichkeit der beamten ... zu st. Mommsen m. staatsr. 1, 89; diese pflichten st. sich kaiser Wilhelm I. mil. schr. 1, 274. ähnl. Bismarck reden 1, 336 Kohl; jede gesteigerte rechtsverletzung 1, 168 Kohl. schon zum folgenden hinüberdeutend von der reaction der gegenseite (belohnungen und strafen): der lehrer war genöthigt, die züchtigung ... zu st. H. Steffens was ich erlebte 1, 43. II@A@2@ff) auf dem gebiete des praktischen, gesellschaftlichstaatlichen lebens. preis und werth. schon im 17. jh. gebräuchlich: aumentare il prezzo ... den werth eines dinges ... st. Hulsius 2, 49a. ähnl. Noel Chomel 8, 1598; der überflusz des geldes steigert die preise der dinge J. E. Schlegel w. 3, 332. ähnl. Dahlmann frz. rev. 53. in übertragenem sinne wird werth bevorzugt: es ist, als ob man diesen letzten lebensblättern einen gesteigerten werth beylege Göthe IV 42, 163 W. synonym: ich werde ... das mögliche thun, um den inneren gehalt (der ausgabe der werke) zu st. IV 41, 45 W. angebot, nachfrage, anforderungen: mit den maschinen steigert sich endlos angebot, nachfrage und production W. H. Riehl arbeit 266. ähnl. vom bedürfnisz Rückert w. (1867ff.) 8, 35; Dahlmann gesch. v. Dännemark 1, vorw. 8; die wachsenden bedürfnisse bewirkten, dasz alles seine anforderungen an die bauern steigerte Ranke s. w. 1, 141. ebenso auf nichtmateriellem gebiete: wie sehr die forderungen an den dichter ... gesteigert sind A. W. Schlegel s. w. 11, 3; Jac. Grimm 2 gramm. 1, IX; wie er (Gregor VII.) die vorstellungen steigerte, genau so steigerte er die ansprüche Hauck kirchengesch. Deutschl. 3, 763. arbeit, gewinn, verdienst, wohlergehen, unglück des menschen u. ähnl. allg. begriffe. schon frühnhd.: ein bissen brods wird mir geweygert, und all mein ungemach sich steigert B. Waldis Esopus 2, 284 Kurz; dem armen mann ist (im kriege) nichts verdorben, hatt noch wol besoldung erworben, und braucht nun sein handwerck und handel. damit hatt er wechsel und wandel, sein thun zu steigern, wie er will Rollenhagen froschm. (1595) Gg 1a. ähnl. später vom gesteigerten: nutzen pflichtvorhaltung Schneeberg 1714, glück Göthe 10, 278 W., K. O. Müller lebensbild in br. 251, gelingen Göthe 25, 39 W., der bisherigen errungenschaft th. 1, vorr. xxvi, dem wohl Jhering geist desm. rechts 2, 1, 126, der produktivität K. Bücher 2 arbeit u. rhythmus 379, der wirtschaft im ganzen W. H. Riehl arbeit 135. specielle begriffe materieller art: dasz ... das schuldtwesen gesteigert ... worden acta publ. 1, 40 Palm; diejenigen, durch welche die finanzen gesteigert ... werden Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 117. im bes. von einnahmen: lohn Herttwig bergb. (1734) 266b, besoldungen Thomasius kl. dtsche schr. 197, gehalt Tieck schr. (1828ff.) 20, 81; die bodenrente ... st. G. Freytag bilder 3, 103, die gutserträge v. Polenz Grabenhäger 1, 328; ein finanzprojekt, das die einnahmen ingeniös steigert Meinecke Boyen 1, 29. abgaben: do begundend si inen (den Luzernern) das umgelt ze st. Äg. Tschudi chronicon helvet. 1, 322; dasz ... die zölle keineswegs gesteigert ... werden möchten v. Chemnitz schwed. krieg 2, 134. ähnl. A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 132b; hatte er ... meuthen und zölle gesteigert Ranke s. w. 38, 88; dem eintreiber der miethen, der ... die miethe ... steigerte Gutzkow ritter v. geiste (1850ff.) 4, 200. eigenartig (ohne den ausgesprochenen sinn einer zunahme des objectsbegriffes?) ist st. an der stelle: renouare in singulos annos foenus den wuocher alle jar erneuweren oder steigeren Frisius 575a. — einzelbegriffe ideeller art: wo man treibt keine tugend mehr, da steigert man der titul ehr Harsdörfer teutsche secretarius (1656ff.) 1, 28. ebenso vom verdienst Herder 3, 126 S.; Göthe 41, 2, 78 W.; 45, 210 W.; sie wuszte ihren ruhm und guten namen zu st. 25, 52 W. vgl. auch in diesem zusammenhange: dasz sogar verfolgung ... ihre (der kirchen) wirksamkeit nur st. würde Lagarde dtsche schr. 81; der einflusz des ... chauvinismus ... hat sich gesteigert Bismarck ged. u. erinn. 2, 267. sonstiges. ordnung und unordnung: ich glaube, dasz im ganzen der widerstreit sich steigert fürst Pückler briefw. u. tageb. 3, 113. II@BB. st. mit adverbialen bestimmungen. II@B@11) zur angabe des gebietes, auf dem die zunahme der objectsbestimmung zu st. geschieht. II@B@1@aa) st. in (vgl. 1steigen in etwas, sp. 1910): ich hatte mich ... in meinen forderungen gegen mich selbst ... gesteigert Göthe 32, 142 W.; in der achtung gegen sich selbst gesteigert werden 35, 51 W.; warum sich sein chef ... in seiner bewunderung ... steigerte Gutzkow ges. w. 2, 206; mich ... in meiner arbeit begeisternd zu st. fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 130. bes. im preise st.: kein wunder, wenn ... die bedürfnisse des lebens durch diesen entbehrlichen trosz unverhältniszmäszig im preise gesteigert wurden Schiller 8, 273 G. auf personen übertragen: Demetrius: doch nein, sie will mir etwas anvertraun, was ich schon weisz, um sich im preis zu steigern Hebbel 6, 117 W. II@B@1@bb) st. mit (vgl. 1steigen mit etwas, sp. 1910): si wurdend ... mit nwen uffsetzen ... gesteigert und beschwert Äg. Tschudi chronicon helvet. 1, 231. ähnl. Göthe IV 9, 303 W.; die knechte (sollen) ... nicht macht haben, von ihren junckern urlaub zu fordern noch sie mit der besoldung zu st. acta publ. 1, 112 Palm. 1steigen, sp. 1911 entsprechend, verbindet sich auch hier die präp. gern mit einem zeitbegriffe: so steigert sich die anerkennung mit den jahren schr. d. Götheges. 17, 1, 187. in anderem sinne, zugleich unter verwendung der präp. an: der Deutsche läuft keine gröszere gefahr als sich mit und an seinen nachbarn zu st. Göthe 42, 2, 201 W. II@B@22) st. in verbindung mit zusätzen des grades und der menge. II@B@2@aa) in unbestimmter fassung. II@B@2@a@aα) adverbia: wird deiner Clio gunst mehr steigern dieses singen S. v. Birken forts. d. pegnitzschäferei 9. ähnl. Heine w. 1, 120 E.; Jac. Grimm kl. schr. 1, 34. andere adverbia: stufenweise Göthe 22, 186 W., etwas Göthe gespräche 1, 78 B., unermeszlich Europa (1803) 2, 78, sehr Ritter erdkunde 1, 846, weiter Holtei erz. schr. 17, 86, nicht unerheblich Fontane ges. w. 1, 6, 127, merklich Peschel völkerkunde 50, wesentlich Bismarck ged. u. erinn. 2, 48. auch correlativ: je mehr ich ihnen zuhöre, je mehr steigert sich mein interesse Bettine dies buch geh. d. könig 1, 188; Schleiermacher I 12, 31; die aufregung und das erstaunen hatten sich ... umso mehr gesteigert, je tiefer man nachdachte W. Raabe Horacker (1876) 54. — determinierter: ist euer schicksal ängstlich so gesteigert Göthe 10, 331 W. wie bei 1steigen, so ist auch hier besonders das adv. hoch beliebt, wobei die sprache unbewuszt noch einen nachklang an die ursprüngliche bedeutung des verbums (nach oben gehen lassen) bewahrt hat. bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes zu st.: den himten roggen ... noch einmal so hoch zu st. Möser s. w. 2, 48; trotz unseres so hoch gesteigerten schulwesens Gutzkow ges. w. 8, 18. bei unmittelbarer zunahme: indem ... gleichsam nicht andere mehr vor ihm gewesen weren, welche das unwesen wohl so hoch gesteigert ... haben Prätorius glückstopf (1669) 37; noch höher wird des grames noth gesteigert, seit sich sein schuldner schlaf zu zahlen weigert Shakespeare 1, 233. ähnl. vom zorn 8, 106, durst Waiblinger Britten in Rom 119 Zoller, mut Tieck schr. (1828ff.) 19, 385, interesse Holtei erz. schr. 2, 3, civilisation Mommsen m. gesch. 2, 161. II@B@2@a@bβ) präpositionale zusätze. oft nur umständlichere umschreibungen der vorhergehenden wendungen: dasz die edelsten der Griechen ... den preis ihrer (der Lais) nächte in die wette st. Wieland Agathon (1766) 2, 19; die maszregeln ... (wurden) auf eine ... unerhörte weise gesteigert A. v. Droste-H. w. 2, 280; die folgen müszten in hohem masze gesteigert werden Moltke ges. schr. 3, 48. sonst unter verwendung des begriffes höhe, mitunter zu b hinüberdeutend): sie (die regierung) steigerte die ... taxen bis auf eine solche höhe, dasz die armen ... niedergedrückt wurden Heine w. 3, 467 E. ähnl.: auf die doppelte höhe Moltke ges. schr. 7, 53. üblicher dafür: zu (bis zu) einer höhe st.: diese liebe steigerte sich zu einer höhe, die ihn selber beängstigte H. Seidel vorstadtgesch. 95. ähnl.: bis zu bedenklicher höhe Scherer kl. schr. 1, 213, zu einer namenlosen höhe Allmers marschenbuch 432. determiniert und dadurch eine bestimmtere angabe des grades werdend: das fürstliche paar steigerte sich im nu zur höhe des rächeramts Kürnberger nov. (1861) 260. mehr verblaszt erscheinen dafür ausdrücke wie ins unendliche st. (vgl. 1steigen sp. 1912): nun steigert mir gefürchteter verlust des glücks empfindung ins unendliche Göthe 10, 259 W.; wo sich schreckliche folgen ins ungeheure steigerten 41, 2, 64 W.; das gräszliche ins unnatürliche und unmögliche st. 42, 2, 86 W. ähnl. G. Freytag bilder 3, 71; empfindungen, die sich ... zu dieser unendlichkeit st. Hegel w. 2, 167. häufiger wird auf dem wege des durch st. hervorgerufenen anwachsens auch ein punct als erreicht gedacht: wiewohl etliche dessen (eines diamanten) werth ber zwey tonnen goldes und darber gesteigert haben d. gewissenh. priester (1694) vorw. x 3b. vgl. ferner ausdrücke wie von stunde zu stunde st.: von stunde zu stunde steigerte sich die gewalt der krankheit Holtei erz. schr. 18, 155. ähnl. von jahr zu jahr Lagarde dtsche schr. 7, von minute zu minute C. Viebig das schlafende heer 2, 496. II@B@2@bb) bestimmtere fassung der menge und des grades der zunahme (vgl. auch die solcher verwendung nahekommenden fälle unter a, β; bes. zur höhe st.). II@B@2@b@aα) bezeichnung der menge durch die präp. um: Sophie wird meiner nichte angst um 100 prozent gesteigert haben Raupach w. kom. gatt. 1, 192. allgemeiner: dasz der besitzer dieser stadt die auflagen um ein erkleckliches wird st. können Klopstock gelehrtenrep. 362. ähnl. bei mittelbarer zunahme des objectsbegriffes: ich werd sie ... um 200 gulden st. Nestroy ges. w. 2, 27; der uns um ein drittel des miethzinses gesteigert hat Raabe hungerpastor 1, 137. II@B@2@b@bβ) bezeichnung des grades der zunahme. II@B@2@b@b@aaaa) aufs höchste st. (vgl. 1steigen sp. 1913) u. ähnl.: die kunstreihe geistiger fertigkeiten wird ... aufs höchste gesteigert Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 389; diesem aufs höchste gesteigerten misztrauen v. Bennigsen ntl. partei 8. — synonym: dieser genusz ... sollte ... bis zum letzten gesteigert werden Göthe 25, 67 W.; übel, welche ... bis zum äuszersten gesteigert sind Dahlmann frz. rev. 39; ein ... gesandter rühmt sich ..., den unwillen der kaiserin auf das äuszerste gesteigert zu haben Ranke s. w. 30, 159. in substantivischer formung unter anlehnung an das steigen des thermometers und barometers auf oder zu einem grade st.: nach und nach steigerte sich seine declamation auf einen solchen grad, dasz ... Göthe 25, 16 W. ähnl. IV 40, 141 W.; leiden ... zum höchsten grade gesteigert Brentano 4, 328. der ursprünglichen, ganz sinnlich gefaszten bedeutung des verbums kommt endlich der ausdruck zum gipfel st. wieder näher: wenn die natur die allgemeinen gaben in einem einzelnen zum gipfel steigert, musz sie ein groszes ziel im auge haben Hebbel 7, 213 W.; diese (aufregung) steigerte sich ... zum gipfel eines zustandes, der mehr wut als begeisterung war Ratzel völkerkunde 2, 208. II@B@2@b@b@bbbb) häufiger dienen aber (vgl. 1steigen sp. 1913) als zielbegriffe des grades der zunahme ausdrücke, die sich von der grundanschauung ganz entfernen. veraltet und der sprache Göthes (?) angehörend ist in diesem zusammenhange st. in etwas: alles steigert sie wieder in den zustand der königin Göthe 40, 108 W.; so sind ... die motive ... ins tragische gesteigert 48, 16 W.; die du groszen sünderinnen deine nähe nicht verweigerst und ein büszendes gewinnen in die ewigkeiten steigerst 15, 1, 335 (Faust 12064) W. heute ist dafür, aber wohl im ganzen nur selten gebraucht, das comp. hineinst. üblich: steigert er sich in seine erregung hinein Th. Wundt Matterhorn (1916) 64; nun stehen die beiden (kaiser Wilhelm II. und Bismarck) sich gegenüber und st. sich ... in eine schärfe hinein ... E. v. Schmidt-Pauli der kaiser (1928) 94. erhalten ist der gebrauch von auf oder bis zu etwas st. ausdrücke einer mehr äuszeren zunahme (zahlenbegriffe): hundert und zwantzig tausend reichsthaler (war auf sie die summe gesteigert) v. Chemnitz schwed. krieg 1, 344b; der betrag würde sich ... auf 80 fl. st. Göthe IV 32, 249 W.ausdrücke einer mehr intensiven zunahme: physikalisches: da der wind sich ... zum sturm steigerte Moltke ges. schr. 4, 419; Ferdinand ... ging ... zu einem ... rütteln über, welches er ... zu einem fortissimo steigerte 1, 88. zum folgenden hinüberdeutend: insofern sie (die begattungsorgane) .. die reizung .. zur ausspritzung des samens st. Sömmerring menschl. körper 5, 368. physiologisches: sie ... steigerte ihre ... nerven zu einem fieber Stifter w. 5, 1, 244; in einer sprachlichen verlegenheit, die sich ... bis zum hungerleiden steigerte Bismarck br. an s. braut u. gattin 355. seelisches leben: dasz mein glück zu ungemessenem leben sich steigert Bettine Göthes briefw. m. e. kinde 2, 174. ähnl. Hebbel 7, 148 W.; ein ausdruck von ... vorsicht, der sich zuweilen bis zu einem schlauen blicke steigerte Gutzkow ges. w. 6, 312; eine extase, die sich zu gesichten steigerte G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 9. im bes. vom gemütsleben und ethischen begriffen: reisende bedürfen guten muthes, der sich leicht zu übermuth steigert Göthe 41, 1, 332 W.; dasz ... die thätige form des selbstbewusztseins sich ... zur frommen erregung steigert Schleiermacher I 3, 52; die unruhige aufregung ... steigert sich zu einer unheimlichen freude O. Jahn Mozart 4, 417. ähnl. Treitschke hist. u. pol. aufsätze 1, 89; Moltke ges. schr. 1, 154. von äuszerungen der affecte: die Römer ... steigerten ihre bitten bis zu drohungen Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823ff.) 4, 352. mit ausgangsbegriff: das begehren nach gleichberechtigung hatte allmählich sich gesteigert von stillem wunsch zur lauten bitte Mommsen m. gesch. 2, 219. von ästhetischen und ethisch-religiösen begriffen, gedanklichem und künstlerischem gestalten: trefflichkeit .. zum gottähnlichen gesteigert J. H. Vosz antisymb. 1, 170, das innere zum ganzen und gewissen Göthe 46, 20 W., ein hausgeräthe zu einem freyen kunstwerk Schiller 10, 238 G., romantische wildheit bis zur öde A. v. Droste-H. w. 2, 347; steigerte sich die rede zur poetischen Gaudy w. 13, 11, (ernst) bis zur feierlichkeit Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 6; sich ... bis zu glücklichen einfällen st. Fontane ges. w. 1, 5, 242, den charakter der Iphigenie bis zur erhabenheit Bielschowsky Göthe 1, 437. praktisch-gesellschaftlich-staatliches leben: die bis zu den kühnsten masznahmen gesteigerte erbitterung Athens Droysen 2 Äschylus 23; sie (die räuberwirtschaft) fing an, sich zur insurrection zu st. Mommsen m. gesch. 2, 79; (inquisition und armee) muszten die macht des herrschers bis zum höchsten despotismus st. Moltke ges. schr. 2, 8. mit fortlassung eines zwischenbegriffs wie stellung (vgl. 1steigen sp. 1914): ich darf mich rühmen, ... einen geschickten schmidt ... zum schlösser, feilenhauer und uhrmacher gesteigert zu haben Göthe 25, 105 W. sonstiges: das thierische zu höheren zwecken st. Göthe II 8, 8 W., beobachtungen bis zu bestimmten resultaten E. Th. A. Hoffmann 13, 5 Gr., den ... kampf ... zu einem weltereignis W. Grimm heldensage (1867) 354; dies waffenspiel ... steigerte .. das studententhum zu einer ... ernsten bedeutung Laube ges. schr. 1, 62. selten ist die bezeichnung der gradangabe durch einen ganzen satz: dieser stolz steigert sich in ihm bis zu dem: wenn ich es (Israel) lasze, dann ists verloren O. Ludwig ges. schr. 5, 421.
35239 Zeichen · 1361 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    steigernswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    steigern swv. steigern, den preis erhöhen Arnst. r. 55,63 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Steigern

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Steigern , verb. regul. act. welches das Factitivum von steigen ist, steigen machen. Im Osnabrückischen sagt man noch, s…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    steigern

    Goethe-Wörterbuch

    steigern [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    steigernschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    steigern schw. : ' bei einer Auktion (Versteigerung) bieten, etwas ersteigern, versteigern ', staajere [ PS-Geisbg ], sc…

  5. Spezial
    steigernv

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    steigern , v изменять/изменить , гл (что-н.) по степеням сравнения

Verweisungsnetz

39 Knoten, 29 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 3 Kompositum 24 Sackgasse 12

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit steigern

7 Bildungen · 1 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von steigern 2 Komponenten

steig+ern

steigern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

steigern‑ als Erstglied (1 von 1)

Steigernagel

RhWB

steiger·nagel

Steiger-nagel -nā:l Heinsb-Millen m.: längster, stärkster N., viereckig geschmiedet mit dickem Kopf, von oben nach unten allmählich spitz zu…

steigern als Zweitglied (4 von 4)

hineinsteigern

RDWB1

hinein·steigern

hineinsteigern, sich sich in etw. ~ ввинчиваться / ввинтиться во что-л. (с головой) разг. ; с головой уходить / уйти во что-л. идиом. , разг…

übersteigern

DWB

ueber·steigern

übersteigern , v. , untrennb. verbindung ( nur bei Heinse 2, 306 Sch. spontan als trennbare verbindung gebraucht: jeder steigerte den andern…

versteigern

DWB

ver·steigern

versteigern , verb , 1 1) durch steigern des preises veräuszern, d. i. an die meistbietenden verkaufen Adelung, in der gant verkaufen Heyne …

Ableitungen von steigern (2 von 2)

ersteigern

DWB

ersteigern , was das schwache ersteigen, augere, höher steigen machen, steigern: die buszen zu ersteigern. Frankf. ref. x. 2, 22; sie erstei…

versteigern

DWB

versteigern , verb , 1 1) durch steigern des preises veräuszern, d. i. an die meistbietenden verkaufen Adelung, in der gant verkaufen Heyne …