fortschreiten auch Getrenntschr, Kleinschr der Substantivierung. — Rund 350 Belege, überwiegend im Bereich geistiger (Selbst-)Vervollkommnung; in der vorital Zeit nur vereinzelt belegt (in Götz u Werth, RAnw), dann häufigere Verwendung in MetamPfl, im Briefw mit Schiller (ab 1795), üb zwei Drittel der Belege nach 1800 A
voran-, vorwärtsschreiten 1
zur Bezeichnung linear ablaufender Vorgänge a
sich (in regelmäßigem, gleichförmigem Gang) voran-, weiterbewegen, ausbreiten α
konkr sowie im Gleichnis u Bild, mehrf ‘auf dem, einem Weg, einer Bahn, einem Feld f.’ uä, auch ‘am Faden f.’, mit näheren Bestimmungen wie ‘unaufhaltsam, unverrückt, rein und ruhig’, öfter in Aufmunterungs-, Selbstvergewisserungsformeln Eine Anzahl von Wallfahrern, die .. mit Gebet und Gesang regelmäßig fortschritten, hatten uns eingeholt GWB29,112,27 DuW 18 [
personifizierte Geognosie:] So schreit’ ich fort durch Feld und Bergeshöhn, | Ich zaudre nicht — auf einmal bleib’ ich stehn GWB4,285 Die erstenErzeugn dStotternhSaline 31 [
mBez auf das Hebel-Gedicht ‘Die Wiese’] Ein kleiner Fluß .. ist als ein immer f-des und wachsendes Bauermädchen vorgestellt GWB40,298,24 Üb:Hebel,Ged daß Sie auf dem so muthig betretenen und glücklich verfolgten schriftstellerischen Wege f-d, mich .. fernerhin erfreuen und belehren werden GWBB47,340,19 Varnhagen 11.5.30 K was kann segenreicher sein als wohlwollende einstimmende Zeitgenossen zu sehen, die auf dem Wege sich und andere zu bilden unaufhaltsam
f.? GWB36,134,25 TuJ GWBFaust II Regiebem vor 7722 GWB21,129,6 Lj II 2 GWBB40,229,8 Carus u d’Alton [7.1.]26 GWB29,22,4 DuW 16 GWB32,189,2 ItR GWBN8,223,17 FaultDickh
uö milit: vorrücken GWB33,204,22 Camp β
von opt, atmosphär, akust Phänomenen daß das Licht nur dann bei der Reflexion verhältnißmäßig am stärksten wirke, wenn es immer in derselben Ebene fortschreitet GWBN5
1,248,8 EntoptFarb Auf diesen Stufen [
einer Tonskala] schreitet der Ton zur Höhe und Tiefe fort, bis er sich selbst wiederfindet (Octave) GWBN11,288,8 Tonlehre Schema [1810] GWBN3,157,16 FlH III RBacon GWBN5
2,219,33 FlP Plp
uö b
in übertr Verwendung α
von zeitl Verläufen, mehrf ‘bei f-dem Alter’, auch ‘bei f-den Jahren’ Seit jenen Zeilen [
vom Jan 21] bis zum heutigen Tage | Sind fast zweihundert Wochen fortgeschritten GWB4,33 Vs 2 In dStammbuch FrvSpiegel 25.2.24 [
Adelh:] meine Begierde nach Ruhe, zählt ieden Augenblick der ewigen Nacht, und sie wird im
f. länger GWB39,182,7 Götz
1 V [
für: προιέναι
; progressus] GWBN3,53,9 FlH I [im Fortgang des Alters LA II 6,587] [
für: προιέναι
; procedere] GWBN3,52,20 FlH I [im Fortgange des Alters LA II 6,586] GWBB35,220,2 Grhzgin Louise 1.1.22 K
uö β
von regelmäßig ihren Gang gehenden menschl Tätigkeiten, Unternehmungen, öfter PartPräs attr iSv kontinuierl, anhaltend, beständig, auch formelhaft ‘ehe wir weiter f.’ [
betr Neugestaltung der Jenaer Bibliotheken] es fehlt nicht viel so ist alles in Ordnung aufgestellt und also die Hauptarbeit vollendet; und was zu thun übrig bleibt eine f-de Sache [sich .. im Verlauf der nächsten Monate erledigen wird GWBB36,184,14f] GWBB36,394 CarlAug 22.10.22 K Var DjG
34,286,39 RAnw [29.10.74] GWBN8,168,15 SchädelgerüstWirbelkn GWBB47,26,7 Hotho 19.4.30 K GWBB45,69,19 Cotta 30.11.28
uö γ
von kontinuierl sich fortsetzenden (organischen, phys) Prozessen, mehrf PartPräs iSv kontinuierlich da er [
der Mensch] ihn [
den Kohl] begoß, und .. an dem f-den Wachsthume seine Freude hatte AA31,25 Werth
1 I GWBN2,214,12 FlP 464
uö ‘das F.’ iSv (Temperatur-)Anstieg [
für: progress] GWBN12,230 JFDaniell,MeteorolVers 2
zur Bezeichnung graduell ablaufender Vorgänge: sich in einer Bewegung zum Besseren (vereinzelt: Schlechteren), Höheren befinden, in etw wachsen, zunehmen a
von überindividuellen Phänomenen, geschichtl, kulturgeschichtl, gesellschaftl Prozessen, Kräften u Entwicklungen, in metonym Formulierungen auch von der Zeit; vereinzelt in krit Wertung Die Zeit aber ist in ewigem
F. begriffen, und die menschlichen Dinge haben alle funfzig Jahre eine andere Gestalt, so daß eine Einrichtung, die im Jahre 1800 eine Vollkommenheit war, schon im Jahre 1850 vielleicht ein Gebrechen ist Gespr Eckerm 4.1.24 Wenn ich das neuste
F. [Vorschreiten GWBB40,228,6 R] der Naturwissenschaften betrachte, so komm ich mir vor wie ein Wanderer, der in der Morgendämmerung gegen Osten ging, das heranwachsende Licht mit Freuden anschaute und die Erscheinung des großen Himmelkörpers mit Sehnsucht erwartete GWBB40,437 Carus u d’Alton [7.1.]26 K Unbeschadet des Glaubens an eine f-de Cultur, ließ sich, wie in der Weltgeschichte, so in der Geschichte der Wissenschaften, gar wohl bemerken, daß der menschliche Geist sich in einem gewissen Kreise von Denk- und Vorstellungsarten herumbewege GWBN9,265,22 VerschBekenntn GWBN5
1,323,10 Fl ÄltEinl GWBN6,362,21 Ästhet PflAnsicht GWBB43,156,10 Varnhagen 8.11.27 GWBB45,81,9 Koller Buchh 12.12.28 K GWB48,25,18 Kunst inDeutschld GWBN5
2,394,22 Fl Plp
uö ‘das F-de’ für das Progressive, Vorausweisende GWBB50,63,21 Ludw I vBayern 17.12.29 K b
vom (individuellen) Menschen: sich in seiner Natur (bzw einzelnen Strebungen, Wünschen uä), seiner ‘Entelechie’ steigern, in seinem (wiss) Leistungsvermögen, seiner (künstlerischen) Entwicklung, Bildung uä vervollkommnen, sich auf seinem Lebensweg fortentwickeln; mit näheren Bestimmungen wie ‘unaufhaltsam, gewaltig, unermüdlich’, auch in Absetzung zur Menge, in antithet Vbdgn mit Ausdrücken des Rückschreitens, ‘das F.’ für die geistige Fortentwicklung, Vervollkommnung, ‘ein F. haben’ iSv fortschreiten [
mBez auf Faust] O glücklich! wen die holde Kunst in Frieden | Mit jedem Frühling lockt auf neue Flur; | .. Kein Hinderniß vermag ihn zu ermüden, | Er schreite fort, so will es die Natur GWB15
1,344 Faust II Nachl Abschied 30 Indessen schritt sein [
Schillers] Geist gewaltig fort | In’s Ewige des Wahren, Guten, Schönen, | Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine, | Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine GWB16,166 EpilSchillers Glocke 29 Der Aberglaube ist ein Erbtheil energischer, großthätiger, f-der Naturen; der Unglaube das Eigenthum schwacher, kleingesinnter, zurückschreitender, auf sich selbst beschränkter Menschen GWBN3,164,18 FlH III [
mBez auf die partiell relig Motivik einer Hegel-Medaille] Mir scheint sie einen Abgrund zu eröffnen, den ich aber bey meinem
F. in’s ewige Leben immer links gelassen habe GWBB48,206,25 Zelter 1.6.31 die alte Form [
der Tübinger Univ] widerspricht jedem f-den Leben, die Wirkungen greifen nicht in einander GWBB12,289,8 CarlAug 11.9.97 GWB41
2,48,13 DtNaturdichter Gespr(He3
2,630) FMendelssohn [1.6. 30] GWB18,193,9 Unterhaltungen GWBB42,377,12 Zelter [Ende Jun 27] GWB45,278,24 Diderot,Malerei Anm GWBN11,89,8 MathMißbr
uö speziell mBez auf einzelne Tätigkeitsfelder: vorankommen, in einem (wiss) Erkenntnis- bzw künstlerischen Gestaltungsprozeß, einem method Verfahren uä Fortschritte machen, öfter mit Bestimmungen wie ‘unausgesetzt, rasch, regelmäßig, ungesäumt’, mehrf ‘in etw’, auch ‘an etw f.’, auch mit sachl (metonym) Subj; öfter in späten Br in Rechenschaftslegung Wer dem Gange einer höhern Erkenntniß und Einsicht .. folgt, wird .. bemerken .. daß Erfahrung und Wissen
f. und sich bereichern können, daß jedoch das Denken und die eigentlichste Einsicht keineswegs in gleicher Maße vollkommener wird GWB35,179,14 TuJ Der zweyte Theil des Faust fährt fort sich zu gestalten .. Deshalb Resolution dazu gehörte, das Geschäft anzugreifen; im
F. vermindern sich die Schwierigkeiten GWBB43,179,21 Zelter 21.11.27 Anstatt [
in Natur od Überlieferung] aber das Einfachere sich und andern fruchtbar zu entwickeln, dreht man sich um den Anfang herum, dem man doch eher nichts abgewinnt, als wenn man auf ein lebendiges
F. aufmerkt GWBB45,250,15 EHFMeyer 23.4.29 sollte ich .. erklären, daß meine Art, die Gegenstände der Natur anzusehen und zu behandeln, von dem Ganzen zu dem Einzelnen, vom Totaleindruck zur Beobachtung der Theile fortschreitet GWBN9,42,5 An Leonhard 25.11.07 GWBN8,102,24 ZwKnoch A(GJb30,27) Bericht [22.]11.12 K GWBB39,75,20 CarlAug [9.1.25?] K GWB41
2, 269,21 Üb:Solger,Nachl uBr GWBTgb 11.1.29
uö(häufig) subst iSv Procedere GWBTgb 9.4.28 c
von inhaltl-formalen Abläufen im Drama, Roman uä daß im Drama die Handlung, insofern sie vorgeht .. die Hauptsache sei, und daß Gesinnungen und Empfindungen dieser f-den Handlung völlig untergeordnet werden müssen GWB51,146,21 ThS II 5 Mein neuer Stoff [
‘Die Jagd’] hat keinen einzigen retardirenden Moment, es schreitet alles von Anfang bis zu Ende in einer graden Reihe fort GWBB12,93,16 Schiller 22.4.97 GWBB13,72,1 Schiller 21.2.98 GWB42
1,129,18 Einl:Guillemard,Memoir GWBB11,323 Schiller [7.7.96] K
uö d
als Gegenstand genereller Reflexion, in Kennzeichnung des Wesens der Tat Man mache sich auf den Weg zu irgend einem Ziele, es stehe uns nun vor den Augen, oder bloß vor den Gedanken; so ist zwischen dem Ziel und dem Vorsatz etwas das beide enthält, nämlich die That, das
F. Dieses
F. ist so gut als das Ziel: denn dieses wird gewiß erreicht, wenn der Entschluß fest und die Bedingungen zulänglich sind; und doch kann man dieses
F. immer nur intentionell nennen, weil der Wanderer noch immer so gut vor dem letzten Schritt als vor dem ersten paralysirt werden kann GWBN3,272,21,22u25 FlH V 3
von der Natur bzw einzelnen Naturkräften, natürl Erscheinungen, speziell der Pflanzenmetamorphose (vgl Fortschritt 3): sich steigern, (in einem stetigen, nach best Gesetzmäßigkeiten ablaufenden Prozeß zu Reifeformen, zu größerer Komplexität, höherer Bestimmtheit uä) fortentwickeln, emporbilden; mit näheren Bestimmungen wie ‘gesetzlich, unaufhaltsam, lebendig’, auch ‘das F.’, ‘das F-de’ Das Gezeugte und Gebohrne schreitet unaufhaltsam fort wieder zu zeugen und zu gebähren, und verändert sich in jedem Augenblick GWBN7,274 Morph Studien inItal Mein Hauptbeweiß [
für die Pflanzenmetamorphose] muß darauf hinaus gehen daß bey den Pflanzen es immer dieselben Theile sind die nur wachsend und f-d sich immer verändern indem sie jedoch in einem Continuo bleiben. Dieses ist das Kennzeichen der vollkommenen Pflanze. Durch dieses f-de Verändern der Theile werden zuletzt die beyden Geschlechter hervorgebracht GWBN13,123,6u8 Morph Plp Inseckten. Wachsthum f-de Bildung. Metamorphose GWBN13,10,2 Morph Plp GWBN13,58,26 Morph Plp GWBN7,54,26 SpiralTend GWB35,15,23 TuJ
uö terminolog, in Kennzeichnung einer spezif Art der Metamorphose Die regelmäßige Metamorphose können wir auch die f-de nennen: denn sie ist es, welche sich von den ersten Samenblättern bis zur letzten Ausbildung der Frucht immer stufenweise wirksam bemerken läßt, und durch Umwandlung einer Gestalt in die andere .. zu jenem Gipfel der Natur, der Fortpflanzung durch zwei Geschlechter, hinauf steigt GWBN6,26,18 MetamPfl 6
für progressive evolutionäre Prozesse der Natur Schöne Stelle [
bei Geoffroy Saint-Hilaire] die f-de Natur auszudrücken
1) GWBN13,105,8 PrincPhilZool Plp
in Ablehnung einer durchgehenden Stufenleiter zw dem organischen u unorganischen Naturreich In der mineralogischen Welt ist das Einfachste das Herrlichste, und in der organischen ist es das Complicirteste. Man sieht also, daß beyde Welten ganz verschiedene Tendenzen haben, und daß von der einen zur andern keineswegs ein stufenartiges
F. Statt findet Gespr Eckerm 23.2.31 B
davonschreiten, sich (festen, ausgreifenden Schrittes) von jdm, einem Ort entfernen [
mBez auf die Bildmotivik bei ‘Hektors Abschied von Andromache’] Moment des Scheidens. Gesetztes
F. des Mannes — Leidenschaftlicher Jammer der Frau GWB48,228,11 Preisaufg betr GWBFaust II 9453 GWB18,242,16 Märchen
uö(selten) → GWB
immerfortschreitend raschfortschreitend GWB
treufortschreitend Syn GWB
fortgehen zu A
GWB
fortwandeln GWB
vorschreiten GWB
vorwärtsgehen GWB
vorwärtsschreiten GWB
weiterschreiten zu A 1 a
GWB
fortrücken GWB
voranschreiten GWB
vorgehen GWB
vorrücken zu A 1 b
GWB
vergehen GWB
verstreichen GWB
vorübergehen zu A 1 b β
GWB
fortfahren GWB
fortlaufen GWB
kontinuieren zu A 2 u 3
GWB
steigern GWB
vervollkommnen GWB
wachsen GWB
zunehmen zu A 2
GWB
avancieren GWB
fortrücken GWB
fortsteigen GWB
fortstreben GWB
vorgehen GWB
vorrücken GWB
vorwärtskommen GWB
vorwärtsstreben GWB
vorwärtswandeln GWB
weiterkommen GWB
weiterstreben zu B
GWB
weggehen GWB
wegschreiten 1) Saint-Hilaire gebraucht hier das G vertraute Bild der Spirale, um Entwicklungen sowohl eines Individuums wie einer zool Reihe zu erläutern; vgl DKuhn, Empir u ideelle Wirklichkeit, 1967,104Armin Giese A. G.