[]trauen,
vb. herkunft und form. gemeingerm. wort: got. trauan;
aisl. trúa,
aschwed. troa,
norw. dän. schwed. tro;
ahd. trûen, trûwen,
mhd. trûwen, triuwen;
as. trûon,
mnd. trūwen,
mnl. nnl. trouwen;
altwestfries. trouwa,
nordfries. traw;
ags. trúwian.
das tiefstufige german. ê-
verbum, engverwandt mit treue
und treu,
kehrt laut für laut in altpreusz. druwit '
glauben'
wieder; es handelt sich also möglicherweise um eine schon vorgerman. bildung. diese wird seit Osthoff
etym. parerg. (1901) 149
aus der idg. wurzel dereo-drū '
fest, baum'
hergeleitet, s. Walde-Pokorny 1, 804
f., vgl. auch treu
adj., teil 11, 1, 2,
sp. 244.
das alter des inl. w
ist umstritten. wahrscheinlich hat zu verschiedenen zeiten das im hiat vor dem suffixalen ê
stehende û,
so wie es sich vorgerm. in ŭ + w
spalten konnte (
preusz. druwit),
ein w
aus sich entwickeln können. im gegensatz zu dem consequenten fehlen des -w-
im ostgerm. (
got. trauan, bauan,
aisl. trúa, búa)
zeigt das westgerm. ein w
in ags. trúwian
gegen ags. búan,
während im ahd. trûwên bûwên
neben truên
und buên
steht; so musz es offen bleiben, ob das w
des deutschen trûwen
schon westgerm. oder erst deutsch ist. im deutschen tritt seit mhd. zeit neben trûwen
eine diphthongierte form triuwen, trewen, treuen
auf. sie ist ahd. trotz Graff 5, 468
f. nicht bezeugt: Notker
ps. 105, 33
hat truuueta.
mhd. ist triuwen
bei Hartmann, Konrad,
späterhin bei Hadamar
gesichert, s. Lachmann
zu Iwein 415, Haupt
zu Engelhard 5222.
doch herrscht schon hier wie auch späterhin wohl niemals die diphthongierte form ausschlieszlich, s. auch Bartsch
zu Partonop. 11109.
im nhd. findet sich treuen (trüwen)
literarisch im obd. nicht über das 16.
jh. hinaus, ostmd. aber noch das ganze 17.
jh. hindurch, jedoch nirgends mehr im 18.;
häufiger bezeugt sind diphthongierte formen für das obd. im Elsasz (Keisersberg, Murner)
und in der Schweiz (trüwen H. R. Manuel, Maaler, treuwen Frisius 1556),
ostmd. am reichsten in Schlesien (Ad. v. Kreckwitz, Lohenstein, Gryphius, Logau, W. Scherffer),
aber auch in Preuszen (Reinh. Lubenau, Hennenberger,
N. Volckmar),
in Böhmen (
mit entrundung: getreiet S. Hüttel
chron. d. stadt Trautenau 58
Schlesinger)
und Sachsen. in Schlesien ist mit hilfe der beiden formen weithin eine differenzierung der beiden hauptbedeutungen I
und II
bewirkt worden, dergestalt dasz treuen
für die bed. II '
copulieren, heiraten'
gilt, während für die gewöhnliche bed. die au-
form steht. diese scheidung ist völlig durchgeführt bei W. Scherffer (
s. Drechsler 262),
andre wie Logau
haben sie überwiegend, aber nicht durchgängig. die herkunft der form triuwen-treuen
bleibt dunkel. ags. treowian, triewian,
das in vermischung mit dem jan-
verbum treowan, triewan
mit fühlbarer bedeutungsdifferenz neben dem gewöhnlichen trúwian
steht und dessen fortsetzer es später wird (
mengl. treow,
älter-neuengl. trow),
verdankt sein eo
dem nomen, von dem es abgeleitet ist (treow,
f., oder treowe,
adj.).
mit diesem ags. treowian
hat das deutsche triuwen
nichts zu tun, hier gibt es in alter zeit keinen bedeutungsunterschied der beiden formen. ob unabhängig von der entstehung der ags. form auch innerhalb des deutschen eine formale einwirkung des nomens zur bildung der iu-
form geführt hat, ist nicht auszumachen. das wort findet sich durchweg auch in den mundarten. sie zeigen es im allgemeinen in der form, die für die fortsetzung des alten trûwen
lautgerecht zu erwarten steht. daneben gibt es in einigen gebieten (
Elsasz, Schweiz)
formen, die als fortsetzer der alten diphthongierten form angesprochen werden können. aber obwohl diese gegenden für mhd. triuwen
altbekannt sind, ist gerade hier für die moderne ma. oft eine andre erklärung des diphthongen, aus allgemeiner lautentwicklung dieser maa. (
elsäsz. au > äu,
hiatusdiphthong. in Schweizer maa.)
möglich oder nötig, so dasz das fortleben der alten diphthongierten form nicht reinlich aufgezeigt werden kann. dem obd. fehlt im allgemeinen trauen
in der bed. II (
s. u.),
deren ursprungsort offenbar das nd. ist. von den andern germ. sprachen zeigt diese bed. nur das [] an das nd. angrenzende nl., wie das in nd. sprachgebiet eingesprengte polabische, das als lehnwort ein dreywoye (3.
sing.)
für trauen
copulare hat (Rost
sprachreste 161).
das nl. hat eine differenzierung der beiden hauptbedeutungen dadurch erreicht, dasz einfaches trouwen
prägnant für '
heiraten, copulieren',
für die allgemeine bed. I
dagegen composita (
mnl. betrouwen,
nnl. vertrouwen)
gelten, s. Franck-van Wijk 711.
aus mhd. trûwen
ist tschech. troufati '
vertrauen'
früh entlehnt (12.
jh., s. A. Mayer
die dt. fremdw. 43).
bedeutung und gebrauch. die bedeutungsentwicklung von trauen
führt von einem ahd. und mhd. reich entfalteten positiven '
glauben, hoffen, zutrauen'
im nhd. vielfach zu eingeschränkterer bed. das wort wird auch seltener als es in der alten sprache war. das nhd. überkommt die alten vollen bedeutungen zum teil nur eben noch, um sie gleich abzustoszen (I A).
dafür erhält dann die blassere nhd. bed. '
vertrauen schenken' (
oft nur = '
nicht misztrauen',
und dann meistens negiert, s. Fischer
schwäb. 2, 330),
ebenso wie das triviale sich trauen
im sinne von '
wagen'
reiche anwendungsmöglichkeit (I B
und C).
die bed. II
wächst im mhd. aus der grundbedeutung heraus (
speciell I D),
nhd. ist sie bald ganz von ihr isoliert. II.
glauben, vertrauen, zutrauen, hoffen. I@AA.
in älterer sprache findet sich eine reihe von bedeutungen, anwendungen und constructionen, die nhd. mehr oder weniger abklingen, heute nur dialektisch oder in gewählter sprache noch vorkommen. I@A@11)
mit '
glauben, vermuten, denken'
zu umschreiben: I@A@1@aa)
correspondierend neben entsprechenden synonymen verben: domine memorabor iustitiae tuae solius. ... dines rehtes keuuano ih echert dines eines. mines netruen ih Notker 2, 279, 12
Piper; des sie netrueton (
glaubten) ... des tate du sie geloubige 2, 258, 8; daz ich trauwe und hoff, es soll also geschehen wie mir wöllen Boltz
Terenz deutsch (1539) 105
b; wer das nicht glaubt, wer das nicht traut, der ist kein engel Abele
unordng. 2, 285; ei furste herre, saget mir, wes drûwet oder denket ir, wie stêt uwer edel mût?
Elisabeth 1294. I@A@1@bb)
in der bedeutung '
vermuten'
meist mit dem genetiv: si entrûeten ir chunfte nieht
jüng. Judith 171, 23
Diemer; ich solt dîn wênec trûwen hie (
ich konnte dich hier nicht vermuten)
Parzival 701, 7; da si gewinnes trûwete
passional 62, 51
K.; do wart gebreste mangerhande dinge, der man nüt entruwete
städtechron. 8, 53; so der schade geschicht, sô spricht man: ichn getrût sîn niht Seifried Helbling XV 510; do mans am wengsten trauet Schede-Melissus
psalmen 14
ndr.; daher noch mundartlich etwas nicht entrauen
es nicht vermuten Schmeller-Fr. 1, 636; Schöpf
tirol. 752;
dazu mit neuer negierung unentraut
unvermutet Schmeller - Fr.
ebda. I@A@1@cc)
in der bedeutung '
glauben'
mit dem genetiv und accusativ: diu so uuunderlih sind daz is die netruent die iro nechoreton Notker 2, 507, 23
Piper; wieo mag ih is truen? 2, 289, 12; ih truen aber gotes helfo hier also anderes uuar 2, 499, 2;
vgl. noch 2, 456, 8; si druweten der mere wie man der seleclichen maget ir druwe hette widersaget
Elisabeth 1240; dochn trûwet si der geschicht niht (
glaubte sie nichts davon)
Wigalois 1087
Benecke; vgl. auch 6365; die liebe trawet alles! ob sie nu gleych offt betrogen wird uber solchem trawen Luther 18, 437
W.; du traust und gläubest weiter nicht als was dein augen spüren Paul Gerhardt 221
Göd. [] I@A@1@dd)
formelhaft geworden: er ist, traut mir, sicher gut
Reinicke fuchs (1650) 394; unsterblich nicht; nein, trauet mir: sie sind des todes so wie wir Kretschmann
s. werke (1784) 1, 83; trau mir, die sind so fein und übersichtig, dasz sie das nächste nicht vor augen schaun Immermann 16, 483
Boxberger; s. auch 17, 21;
ähnlich: sie sprach: gestern am abend spat, ewer abt sich verfüget hat in meines herrn hauss, thut mir trawen, und ist ihm glegen bey der frawen L. Sandrub
hist. u. poet. kurzw. 21
ndr.; bekendt und sagt vorwar, das keine fraw, wie ich selbst traw, kriegt einen solchen mann Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 28, 6. I@A@1@ee) '
hoffen, meinen, denken': des netrue du (
das hoffe nicht, darauf verlasz dich nicht) Notker 1, 156, 23
Piper; schweizerisch: i has trüwet
ich habe es mir gedacht Clausz
Uri 61; jo, i droues. jo, i wills maine! Seiler
Basel 85. I@A@22) '
fest vertrauen, fest glauben'
mit abhängigem satz: do sprachent sü gar bescheidenlich, sü hettend nie den dag gesehen, hettent sü getruwet oder gewisset, daz sü si nüt hettent gerne zu meistern geheben
städtechron. 8, 129; fone diu uuile ih truuuen, das du mih kehorest Notker 2, 353, 17
Piper; wan er truwete wol, daz er in solte angesigen
städtechron. 8, 81; nim gänskaht ... setz jhn in ein glut, lasz 3 oder 4 stund im fewr, oder bisz du trawest, dasz es puluer sey O. Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 275; weil sie aber doch nicht traueten, dass ihnen die Athenienser dieses verwilligen würden J. D. Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 315; ouch trûwe ich wol, si sî mir holt
Parzival 607, 5; ich trawete euch wol, ir wurdet iwer ungerechtikeit selber erkennen
ackermann aus Böhmen 44.
dem vollen starken sinngehalt des verbs entspricht es, dasz der abhängige nebensatz sich gern in einen hauptsatz wandelt; charakteristischerweise stehen neben dem verb oft adverbia wie fest
oder wohl (
in der alten positiv verstärkenden bedeutung): darumb, lieber sun, so trauen wir eu wol, ir kompt ... zu uns herauf Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 38; nit ist das gebet gut und recht, das vil ist, ... sundern das fest bauet und trawet, es wirdt erhöret Luther 2, 127
W.; ich traue, 's ist so Fischer
schwäb. nachtr. 1767; ich traue, das wörterbuch ist besser, als alles lob und aller tadel, die ihm zutheil werden Jacob Grimm
an S. Hirzel 13.
sept. 1854 (
anz. 16, 230).
bei negativem gebrauch natürlich wieder in schwächerer bedeutung, oft nur '
vermuten'
: infeliciores esse necesse est malos ... netruent tie ubelen sint tes te unsaligoren Notker 1, 254, 19
Piper, s. noch 2, 7, 26; wie möht ich des trûwen, daz er im trüege haz
Nibelungenlied 1051, 3; ern trûwet nicht, daz er solde sterben von deheinem man
Wigalois 5053; er traut nit, das mit solher kraft der kunig von Brithania in sein landt wer komen so Seifrit
Alexander 1098; Alexander truwt nit, das ein wyb solt bruchen solchen list Murner
gäuchmatt v. 520
Uhl; das hett ich nimmermehr getrawt, das es dem könig solt han gerawt A. Pape
Jonas rhythmicus (1605) L 8
b. I@A@33)
nur mhd. und frühnhd. findet sich die construction einem eines dinges trauen
im sinne des heutigen '
jemandem etwas zutrauen': wir triwen iu aller êren
Nibelungenlied 1386, 1; sich, wer het dir der wicz getrawt? H. Folz
in fastnachtsp. 1233
Keller [] ich truw aber dem einfaltigsten christen einer warheit bas, denn allen den päpsten (
traue ihm eher den besitz einer wahrheit zu) Zwingli
deutsche schrift. (1828) 1, 323; der untrew hett ich ir nit trawt Hans Sachs 8, 60
Keller; weil er vil auff sein bruder baut und im gar keines argen traut Hans Sachs 2, 84
Keller, s. auch 1, 132
und 19, 215.
mit pronominalem genetiv: des trûwe i'u wol
Parzival 29, 26; ouch entrûwichs nieman wan den zwein
Iwein 156; ey wer het im des getrawt? Hans Sachs 21, 176
Götze; in etwas veränderter construction: sye sprach: du vnseligew havt! wer het dez an dir getravt?
bei Keller
erz. a. altdt. hs. 144, 5;
nicht mehr ganz eindeutig ist der genetiv bei der negation: sy sprach: dein herr vns des nit trautt
liederbuch der Hätzlerin 292; wir hetten im des nit getraut, das er unsz solt zu narren machen
pfarrer von Kalenberg 64
ndr.; der accusativ entwickelt sich am pronominalen neutrum: wer hett im das ie getruwet, das er söliches ie het gebruwet?
Christus u. d. minn. seele 1889
Banz; ey, wer hett dem böszwicht das trawt, dasz er hinführen solt die brawt Hans Sachs 16, 79
Keller-Götze, s. auch 9, 57; ja freylich, traustu mir das nicht? Fröreisen
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 199; er hat keinen zuverlasz, er darff niemand trawen wasz Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 108;
besonders häufig und fest sind die neutralen accusative nichts, viel, alles, gutes, böses
mit dem verbum verwachsen; wie weit sich hier noch alter genetivgebrauch erhalten hat, ist nicht immer zu entscheiden: und hielte man strenge wachten allenthalb, denn man trawet einandern nichts Tschudi
chron. Helveticum (1734) 1, 304; dass man inen weiter nichts guts trauen sol
städtechron. 32, 129; wie solt man nicht als guts den trauen, die kain müh noch not hat gerauen ir nachbarn zu besuchen weit J. Fischart
glückh. schiff 12
ndr.; thät schnarchen in dem schlaff gar laut, nichts böses er den feinden trawt Spreng
Äneis (1610) 179
b; lauff in den keller und bring ein frischen trunck. der ist gehorsam und willig, ist auch fro, das man ihm so viel trawet B. Hertzog
die schiltwacht k 5
a;
den übergang zu der bedeutung '
vertrauen schenken'
mit adverbium zeigt Petri,
der nebeneinander hat: traw dir nicht zu viel T t 5
b und dem glatten glück traw nicht zu viel, denn jhm ist nicht so viel zu trawen m 8
b.
ganz selten zeigt sich bei der bedeutung '
zutrauen'
ein nicht pronominales accusativobject: zeugt jhm ein greuliche wunden in die schultern, das man dem kemerer das leben nicht trawete C. Hennenberger
ercl. d. preuss. landtafel (1595) 426,
während diese construction bei der bed. '
anvertrauen' (I D)
gewöhnlich ist. I@BB.
nhd. voll lebendig, wenn auch durch die häufige negative verwendung im sinngehalt abgeschwächt, ist die bed. '
glauben, vertrauen schenken, seine zuversicht setzen auf'. I@B@11)
am sinnkräftigsten und positivsten in der verbindung mit präpositionen, seit ältester zeit neben der gewöhnlichen und späterhin leicht trivialen dativverbindung zur bezeichnung der person oder sache, der man vertraut, auf die man seine zuversicht setzt. die hierzu verwandten präpositionen sind in der älteren sprache andere als heute: got. trauaida
[] du guda
Mt. 27, 43; trauandans du uns silbam
2. Kor. 1, 9; trauan in leika
Phil. 3, 4;
ahd. pezzera ist an got zetruenne, danne an mennisken Notker
ps. 117, 8;
nhd. in gott trauen: also der ynn gott trawet, weys, das er wird in gott leben ewiglich Luther 19, 328
W.; ich traw bestendiglich in ihn, wielang er vorzeugt 7, 216
W.; also betten wir die engel nicht an, trawen auch nicht in sie 32, 117; verhoffen und trauwen inn Christo
reformationsflugschr. 1, 11
Clemen; weil ich hoffend trau in dich Schede-Melissus
ps. 25, 10; befahl er doch seinen irrdischen leib gott und trawet in ihn J. Böhme
drey prinzipien (1682) 361;
später ungebräuchlich, doch noch: ich traue in deine lieb Bettine
Günderode 1 (1840) 122.
die geläufigste verbindung ist die mit auf;
hier reiszt die kette der belege bis in die gegenwart nicht ab. besonders im 16.
jh. gern in der kräftigen formel trauen und bauen,
deren glieder die gleiche präposition verlangen: gleich wie ein ander bauet und trauet auf seine stärke Luther 26, 165
W.; darauff trauwe und bauwe ich
theatr. diabol. (1569) 66
a; wir trawen und bawen auf ihn Spee
güld. tugendbuch (1649)
vorr. 4
a; denn wer auf lügen trawet und bawet, ist des teufels diener Luther 51, 546
W.; da ich ... auf rettung baute und traute Stifter
sämtl. w. 1 (1901) 42;
allitterierend: wenn man in allen sachen, not und anligen auff gott trotzt und trawet Luther 23, 507
W.; euer höllisch vierhornigkeyt hab ich zum stichblatt mir bereyt. ihr seit mein rechte eychelsau, auf die ich jetzund bau und trau Fischart
Jesuiterhütlein v. 1078 (1, 260
Hauffen); in seinem hertzen do erkennt, weist, trawt und bawt er auf gott nicht S. Franck
chron. d. Turckey (1530) m 1
a: hielts nur für ein traum und gesicht, wollt darauf traun und bauen nicht Hollonius
somnium v. 1439
ndr. man traut auf
alles, dem man wegen der ihm innewohnenden eigenschaften besonders groszes vertrauen entgegenbringt: soll er auf die felsen trauen? auch die festen felsen beben Göthe 1, 65
W.; die Hadler an der Elb, traueten auff jhr sumpfig land, grieffen Carolum auch an Chr. Entzelt
cronica der alten marck (1579) h 3
b; ihr rehgen, die ihr auf den feldern rennet ... traut nicht so sehr auff euren leichten fusz Rachel
satyr. ged. 143
ndr.; wir traun auf unser gutes recht und unser gutes schwert Platen 1, 474
Hempel; möchte er die männer anzeigen, auf deren urtheil in dem weiten felde, das er übersieht, am meisten zu trauen sein dürfte Göthe IV 16, 290
W.; potentiores ... trauen auff jhre macht Lehman
floril. polit. 1, 128; offt geschichts, wer auff grosser herren zusag trawet, der reit auffm krebs nach glück 1, 348; einfältge, die ihr traut auf euer männer eyde Lohenstein
blumen (1680)
rosen 45;
umgekehrt wird auch oft die grosze unsicherheit und unbeständigkeit dessen, worauf man traut,
ausgedrückt: wer auff hoffnung traut, hat auff ein eyss gebaut Lehman
floril. polit. 1, 428; hier siehst du, was zu trauen, mensch, auf dein leben ist P. Fleming 1, 41
Lappenberg; wer, was die welt so süsze singt, drauf traut und sicher hofft, der hat nur schaum Logau
sinnged. 621
Eitner. von personen gesagt: wir glauben dir! wir trauen fest auf dich! Schiller 13, 306
G. (
jungfr. v. Orl.); traut fest auf mich, den tribunen ...! R. Wagner
ges. schr. 1 (1897) 80.
[] vom selbstvertrauen: ich trau auf mich selbst, und wie's der herr über mich fügt W. Alexis
hosen 1 (1846) 229;
ganz besonders, wie schon bei trauen und bauen
deutlich, von gott: der mehr auf Perseus hof denn gottes bund getraut Gryphius
trauersp. 158
Palm; o sohn! wer redlich ist und auf die götter traut, der wandelt nicht auf triegendem sumpf Sal. Gessner
schr. 1 (1770) 90; wir wollen trauen auf den höchsten gott und uns nicht fürchten vor der macht der menschen Schiller 14, 336
Göd. (
Tell).
in poetischer abweichung vom usuellen nicht so sehr im sinne des vertrauens als im sinne von '
rechnen auf, rechnen mit': du traust auf schonung, die dich nur zu sehr im frechen laufe deines glücks verzog Göthe 10, 160
W. (
Tasso).
anders, im sinne von '
im vertrauen auf jemanden aufs spiel setzen'; (
Alfons:) die 100 ducaten hätte sie mir auch wohl ersparen können, so ich ihrentwegen verwettet. (
Eulalia:) warumb ist er so ein narr, dasz er so viel auf mich trauet?
kunst über alle künste 210
Köhler. selten ist die verbindung trauen zu: ich hoff und trau zu gott Wickram 1, 82
Bolte; trüwen zu gott, es syg ein sälige stund
schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 36
Bächtold; daraus das verbum zutrauen (
s. d.),
vgl. einem eines dinges trauen
oben A 3. I@B@22)
eine andre art der prägnanz erreicht die sprache durch den absoluten gebrauch, der in wirklichkeit ein elliptischer ist. das object, für das sprachgefühl in der regel das gewöhnliche dativobject, wird vom sinn verlangt und ergänzt. durch diese ergänzung tritt der sinngehalt des verbums besonders deutlich heraus. unter den elliptischen verwendungsarten treten besonders folgende grundbedeutungen hervor: I@B@2@aa)
gläubig, zuversichtlich sein: wie thewr ist deine güte gott, das menschenkinder unter dem schatten deiner flügel trawen
ps. 36, 8; ich wil wonen in deiner hütten ewiglich und trauen unter deinen fittichen 61, 5;
danach: sie werden sicher trauen in solcher herren schutz Opitz 1 (1690) 10; die ainfeltigen volgen got ainfeltigklich. sy wissen nitt anders, sunder sy trawen Tauler
sermones (1508) 10
b; und wer da fest besteht und traut, führt, wie man saget, heim die braut Fischart
anw. z. Ismenius v. 171 (1, 382
Hauffen); der bauer trauet, wo ein fürst verspricht Müllner
dram. werke (1828) 3, 94; wo wir nicht verstehn, nicht schauen, musz ein feuerglaube trauen trotz der dinge leerem schein Brentano (1851) 1, 155; ein sonnenfleck wird sonne dem, der trauet 6, 130; Wulfrin hat keinen argwohn. er ist gläubig und er traut C.
F. Meyer
novellen (1888) 2, 396.
sobald das verbum negiert wird, wird sein bedeutungsgehalt merklich leichter: ich trau nicht
vestigia me terrent Weismann
lexic. tripartit. (1725) 2, 411; noch aber trau ich nicht, ich musz ganz gewisz seyn Göthe III 1, 266
W. durch die negation bekommt die bedeutung die besondere nüance. I@B@2@bb) (
allzu)
leichtgläubig, vertrauensselig sein: Ulysses sagt, du darffst nicht trawen, der raubvogel hat scharffe klawen Rollenhagen
froschmeuseler (1595) e 5
b; wo es an diesen characteribus mangelt, da ist gewisz betrug darhinder, da traue ja keiner nicht Dannhawer
catechismusmilch 1 (1657) 25; der weltweise desperiret und trauet klüglich nicht Schupp
schrifften (1663) 407; darumb traute ich desto weniger Grimmelshausen 2, 44
[] Keller; darauff liesz der löw alle hirschen gen hof citiren, aber sie trauten nicht und blieben ausz Albertinus
Lucifers seelengejaidt 75
Liliencron; Lafayette traute nicht, man ging entfremdeter auseinander als man gekommen war Dahlmann
gesch. d. franz. revolution (1845) 356;
schärfer in dem unnegierten beispiel: du nimmst die andre (
die zweite) frau; ach, bruder, sage mir, warum dein vorwitz trau (
warum du so vorwitzig den neuen ehestand wagst) Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 457.
allerlei sprichwörter warnen in diesem sinne vor dem trauen: lieb, nit traw
ames, non fidas Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 7
b; siehe für dich, trauen ist miszlich Pistorius
thes. paroem. (1715/25) 629; traw nicht viel, halt deine red in hut Friedrich Wilhelm
sprichwörterregister (1577) f 1
a; aus trauen wird leicht trauren
kern auserles. sprüch- u. denkwörter (1718) 5; wer leicht traut, wird leicht betrogen Fischer
schwäb. 2, 330;
aber andrerseits auch: wer nicht trawt, dem ist kein trew zu beweisen Lehman
floril. polit. 1 (1662) 125;
hierher gehört auch das in älterer zeit weitverbreitete sprichwort trauwohl ritt das pferd hinweg.
älteste form: ein wart (
wort) haiszt 'entraw sein nicht', das macht manig ding enwicht. 'entraw sein nicht' ist krancker sin, 'entraw sein nicht' raitt das rosz hin Heinr. v. Neustadt
Apollon. 3781
Singer; getrût sîn niht reit den hengest hin Seifr. Helbling XV, 512; getrow wol den hengst hinreit
gesamtabent. 2, 281; trawwol rait das pferd dahin H. Sachs 21, 300
K.-G., vgl. auch 5, 106; trawwol reit das pferd hinweg S. Franck
sprichw. 1, 84
a; 2, 95
b; Luther
fabeln 8
ndr.; Gretter
erkl. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 291; Bas. Faber
thes. (1587) 318
b; 999
b; Eyering (1601) 1, 29; Petri 2, T t 6
r; der trauwol ritte das pferd hinweg Kramer 2 (1702) 1115
c;
sonst haben spätere statt des prät. das offenbar secundär für dieses eingetretene präsens: trawe wol reittet das pferd hinweg Tappius
adag. cent. sept. (1545) s 8
a;
schöne weise klugr. (1548) 4
a; Schottel 1113; Dentzler 2 (1697) 289; Weismann
lex. bipart. (1725) 2, 411; Schellhorn
sprichw. (1797) 107;
mit erweiterung: kenne vor und trau nicht bald! trau wol hat das pferd verrieten Logau 17
Eitner; kenne vor und trau nicht bald, treu ist selten worden alt. trau wol reit das pferd hinweck, wenig trau erlangt den zweck Abele
unordnung 1 (1670) 127;
anders: wie manchmal hat das trau wohl die schantz verlohren, hingegen das hüte dich das spiel eingezogen Abele
gerichtshändel (1654) 672. I@B@2@cc)
eine besondere form der ellipse liegt dort vor, wo die infinite verbalform ein object schwerer neben sich vertragen würde als die finite: auch jene (
göttin), die ein rad und leichte flügel tragen, ist eines trauenden gebets nicht wert Herder 29, 130
Suphan; diese beobachtung machte mich ... gelassen und trauend
Holston und Augusta (1780) 287; ich sehe überall den schwachen, schüchternen empfindsamen, der lieben oder hassen, trauen oder fürchten musz Herder 5, 54
Suphan. I@B@33)
gegenüber den doch immer vereinzelten fällen absoluten (
elliptischen)
gebrauchs ist das gewöhnliche die verbindung mit dem dativobject I@B@3@aa)
hauptsächlich der person: habere alicui fidem einem trawen
nomencl. lat. germ. in us. schol. Hamb. (1634) 269;
gerne mit einschränkungen: fidem alicuius suspectam habere einem nicht recht trauen Frisch 2, 382; es ist fast besser,
[] dasz er nicht dabei ist, ich traue ihm nicht recht Göthe 18, 20
W.; aber auch der positive gehalt wird oft durch ein adv. betont (
vgl. oben A 2): Porphiri, genc her, ich truwe di wol, also ich mime rechten vrunde sol
Katharinenspiel 142
Beckers; ihm trau ich fest, und wollt er gleich mich töten v. Canitz
ged. (1727) 18; gern vertrauend, dasz du mir sicher folgst und unbefangen trauest Bettine
Brentanos frühlingskr. (1844) 115. I@B@3@a@aα)
der bedeutungsgehalt dieses trauen
wird besonders deutlich durch die häufige eindringliche verbindung mit glauben.
trauen und glauben heiszt soviel wie '
volles vertrauen schenken': vindet er (
der gerichtsbote) niemant ze hause und ze hoff, so sol er ainen span aus der firstseul schneiden und den mit im pringen zu ainem worzaichen, daz er da gewesen ist; vindet er aber leut, so darf er sein nicht und ist im allwegen darumb ze trawen und ze glauben
tirol. weisth. 1, 293 (
a. 1411); daher 'emunim' heissen, die da trawen und gleuben odder sich verlassen und hangen an eins andern warheit ... 'der herr behüt die emunim', das ist, die yhm trawen und glauben Luther 19, 396
W.; zwen frum man, den zu trauen und zu glauben ist Lori
bair. bergrecht (1764) 5 (
a. 1308);
fidere eim trüwen und glauben Maaler 410
d;
auch einem ding glauben und trauwen
fidem alicui rei adiungere Frisius (1556) 36
b; o der untrew meines schreibers! wem soll ich nunmehr trawen und glauben Moscherosch
ges. (1650) 2, 808; und lasse es dir zur warnung dienen, dass du bey hofe nicht allem vorgebrachten glaubest und trauest Ziegler
asiat. Banise (1689) 93; wenn die ständ des reichs nicht sicher jhrem kayser und sie, die ständt, unter einander nicht mehr trawen und glauben können Lehman
floril. polit. (1662) 1, 347; ob schon der fuchss seine schaffsbeltz anzeucht, so trawet und glaubet jhm doch niemand 1, 503;
späterhin nur vereinzelt: indessen hat Gerning mich eingeladen im april mit ihm über die Schweiz (
nach Italien) zu gehen, ich glaube und traue ihm aber nicht, denn er ist schon ein ganzes jahr im gedanken unterwegs Göthe IV 12, 71
W. (1797). I@B@3@a@bβ) jemandem trauen
im sinne von vertrauen schenken begegnet, oft pessimistisch negiert, in allen menschlichen beziehungen: er sieht so grausam aus, dasz er kaum selbst sich traut Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 39;
leichter, verstandesmäsziger: auch ich trauete mir beinah selbst nicht, da ich diesen autor las Herder 16, 439
Suph.; da hat der böse seine hand geboten und baut dem zweifel eine nebelbrücke, und mein verstand, der nur sich selber traut, der meint gewisz, sie sei von gold gebaut A. v. Droste-H. 3 (1879) 10; dir werde ich so wenig trauen, als ich mir selbst hätte trauen sollen Lessing 3, 383
Lachm.-M. in älterer sprache noch umfassender: vil menschen, die in selbs wol trauwen (
sich auf sich selbst verlassen), die fallen gar schwarlich, als sich das leider offt vindt Keisersberg
granatapfel (1510) b 5
b;
negiert beim ausdruck eines allgemeinen misztrauens gegen und unter menschen: der englische gesandte kann die verwirrung ... welche ... am hofe eintrat, nicht stark genug schildern: man wisse nicht, wem man trauen solle, wem nicht Ranke
sämtl. w. 8, 148; durch dieses unwesen ist auch hier die gesellschaft in stumme apprehension gerathen, niemand traut dem andern Göthe IV 29, 29
W.; dann niemand dem anderen mehr thrauwen dorfft Stumpf
Schweizerchron. (1606) 128;
so mahnt das sprichwort ironisch: man musz einander trawen, wenn alle tag ein mord geschehe Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, O o 1
b und fordert: man sagt, trawe keinem, so bescheisst dich keiner E. v. Günzburg 2, 90
ndr., meint aber auch: jedermann trauen ist eine thorheit, niemand trauen ist eine tyranney Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 289,
vgl. Schellhorn
sprichw. (1797)
[] 106; trawe alleyn eim oder keim
schöne weise klugred. (1548) 171; einem trauen ist genug; keinem trauen ist nicht klug; doch ists besser keinem trauen als auf gar zu viele bauen Logau 77
Eitner; einem unbekanden mann trauen ist torheit Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, t 4
r; wir sind ausgemachte schurken, alle: trau keinem von uns
Shakespeare 3, 236 (
Hamlet III 1); darf man ihnen (
anrede) auch trauen? v. Cronegk
schr. (1771) 1, 23;
in besondrer situation: ich bat sie, zu bette zu gehen, allein sie schien mir nicht zu trauen: sie blieb angezogen Göthe 23, 97
W.; dodurch trew und gloub gebrochen wirt, und schier ein bruder dem andern nit truwen darff E. v. Günzburg 1, 8
ndr.; in der ehe: ach trüw mir mee, myn werdes wyb
schweiz. sp. d. 16. jh. 1, 118
Bächt.; dan, wie man sagt, ein hausmann bauet nur auf ein fromm weib, dem man trauet, aber auf kein unrätlich frau Fischart 3, 160
Hauffen; in der liebe: s mädel ist falsch, ich trau ihr nicht v. Erlach
volksl. d. Deutsch. 3, 83; es traue nur eine meinem herrn, sie kömt gar recht an, er lacht sie nur aus, dasz sie sich so geschwinde bereden lassen Schoch
studentenleb. (1657) c 8
a; trauen sie (
anrede) dem nicht, der stets das obst iszt, welches schon ein bisgen angegangen ist v. Knigge
roman m. lebens (1781) 2, 24;
die frauen trauen
nicht den männern, wie die männer nicht den frauen: denn es ist nicht allen mannen zu glauben; sie seind eins theils vol arger list, und man soll eim nit liederlich trawen Val. Schumann
nachtbüchlein 103
Bolte; auf sand gebaut, wer männern traut, ist kluger weiber denkspruch maler Müller (1811) 3, 120; mädchen trau kein'm buben meh A. v. Arnim 17, 24
Grimm; denn schon seit vielen jahren her traut man den weibern nicht Göthe 37, 39
W. (
Annette);
sprichwörtlich: grossen herrn und schonen frawen sol man wol dinen und ubel trawen
Wolfenbüttler hs. 326
Euling, ausführlicher bei Lehman
florileg. polit. (1662) 3, 135;
ähnliche warnungen gelten in der freundschaft: traw keinem freund, du habest denn vor ein saltzscheiben (
andre: einen scheffel salz) mit jhm gessen Eyering
proverb. copia (1601) 3, 319;
vgl. 1, 644
und Rother
schles. sprichw. (1928) 235; sein geist ... trat langsam oder gar nicht aus dem gewölke, nachdem er seinen gefährten trauen oder nicht trauen konnte Schubart
leben u. gesinn. 1, 238; er wird nach und nach seinen besten freunden trauen lernen v. Knigge
umg. m. mensch. (1796) 1, 149;
auch vom verhältnis zu dienender umgebung: und noch unglücklicher, der bösen räthen traut Ayrenhoff
werke (1814) 1, 196; da hatte der herzog einen jäger, dem er in allen dingen traute br. Grimm
deutsche sagen (1891) 2, 129;
servo affidato ein diener dem man trauen kan Castelli
it.-teutsch (1741) 1, 21;
umgekehrt: ich brauche einen 'kornak', einen mann, dem ich traue und der mir sagt, was ich thun kann Bismarck
ged. u. erinn. 1, 69
volksausg. dem feind, dem politischen gegner soll und kann man nicht trauen: dem feind ... auch ja nicht so bald trauwen Achacius
chron. (1557) 195
a; ehe man zur handlung schritte, möchte die lothringische armee sich wieder zurück über das gebirge begeben; sonst könte er nicht sehen, wie ein theil dem andern zu trawen hette v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 163; Elisabeth trawet den Ungarn nit, nimpt die kron und ir kindt, und zeucht zu Friderico S. Franck
Germ. chron. (1538) 252
b; da er wohl wuszte, wie wenig er den Römern zu trauen hatte
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. (1778) 3, 41; Kleisthenes, dem
[] der adel wegen der erinnerungen seines geschlechts nicht traute Droysen
d. Äschylus werke (1841) 9.
man traut den menschen wegen ihrer eigenschaften nicht: darusz ist ze merken, daz den bösen menschen nit ze trüwen ist Steinhöwel
Äsop 18
lit. ver.; derhalb wil ich mich basz umbsehen, solchem gesindlich nit mer trawen H. Sachs 21, 90
Götze; man kann den Mathy's und andern vögeln dieser art nicht recht trauen
br. von u. an Herwegh (1896) 222; nein, sprach Hinzelmann, ich traue dir nicht, du bist ein schalk br. Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 63; doch wollt ich, dasz du dem Octavio, dem fuchs, nicht so viel trautest Schiller 12, 108
Göd.; also ist ebenmäszig denjenigen am wenigsten zu trauen, welche ein groszes maul haben J. Prätorius
winterfl. d. sommervögel (1678) 3.
ganze stände unterliegen so dem misztrauen der andern: jetzt traue einer den ärzten und ihrer semiotik Börne
ges. schr. 1, 61; dasz man nie der tempel diener trauen oder folgen soll v. Schönaich
Heinr. d. vogl. (1757) 37; jetzt gehe hin und traue den huren Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1115; aber wie gesagt, der henker traue den hofjunkern Jean Paul 7/10, 366
Hempel; wer trawet einem wolff auff der heyd, und eim baurn auff seinen eyd, und eim pfaffen auff sein gewissen, wirt von jn all dreien beschissen
schöne weise klugred. (1548) 9
a;
leichter: wie wenig ... den kunstrichtern zu trauen sey, ... kann ich ihnen (
anrede) beweisen Gerstenberg
schlesw. litbr. 158
lit. denkm. 29; wer kennt, ohne zu können, ist ein theorist, dem man in sachen des könnens kaum traut Herder 22, 125
Suph.; wenn er auf abstraction ausgeht, musz man ihm nicht trauen Solger
vorl. üb. ästh. (1829) 45.
man traut den menschen nicht wegen bestimmter handlungen: viel trauten ferner nicht dem, der gott untreu ward Gryphius
trauersp. 162
lit. ver.; dann sie ainem aussgesprungenen münch nit gantz trawen Joh. Nas
antipap. (1567) 1, 135; weil aber Carolus dem wankelmüthigen volcke wegen seines so offt begangenen meineides ... nicht ... trauete S. Fr. Hahn
vollst. einl. (1721) 1, 36; ich traue dir und deinem schmeicheln nicht Göthe 10, 52
W. (
Iphigenie).
oder aus allgemeinem (
begründetem)
misztrauen: ich trawe euch nicht, es seynd nur blose wort
engl. com. u. trag. (1624) b
b 7
a; er hätte beiden getraut; nur in dem einen traute er ihnen nicht, wo er das gefühl hatte, er habe es verdient, von ihnen betrogen zu werden O. Ludwig
ges. schr. 1, 224; Friedrich traute ihm nicht recht, er zweifelte nicht, dasz er etwas gräszliches vorhabe Eichendorff
sämtl. w. (1864) 2, 257.
selten dem allen gegenüber ein positives trauen: wan ich kirchen auff hab gepauen und mir die kirchpropst darum teten trauen
altd. passionssp. 348
Wackernell; sie können uns doch als ehrlichen leuten trauen Bismarck
polit. reden 2, 30
Kohl; man dir desto eher und lieber ohn einigen schwur trauen möge G. L. Hartmann
fluchspiegel (1672) 63; der sächsische herr, so jhn nicht kannte, trawet jhm und kam auff das zugesagte geleit zu jhm Binhardus
thüring. chron. (1613) 41; dann der teuerliche held nit wist anders, dann das er gerecht wär, darum trauet er ihm noch mer Maximilian
Teuerdank 38
Göd.; und traue mir, wie du mir sonst getraut Fouqué
held d. nordens (1810) 2, 21.
[] besonders mit beziehung auf gott: also truwet die frow gott so wol, ... dass si das glüend heiss isen offenlich on allen schaden trug Tschudi
chron. Helvet. 1 (1734) 271; dann er truwte gott, dass er usser dem hoff mit herberg nit kommen wolt Richental
Constanzer concil 24
lit. ver.; se hopeden unde truweden godde, se wolden al oren willen erlangen
städtechron. 16, 383 (1514).
gern gnomisch: die trauen got, schen keyn tod S. Franck
sprichw. (1541) 1, 149; wer got trawet, hat wol gebawet
schöne weise klugr. (1548) 135
a; so wir auff in (
gott) in aller not uns verlassen und auff in schawen, als eim vatter von hertzen trawen H. Sachs 1, 74
K.; in unglück hab ein lewen muth, traw gott, es wird wol wider gut Petri 1, d 7
v;
aber auch: truwt gott, als er dan billich sol, doch truwt er jm nur vill zu woll: wer nit von sünden abston will, der truwt doch gott nur vil zu vill, der dich verderbt jm feur und rouch Murner
narrenbeschw. 6
ndr.; ähnlich Petri 1, d 8
r;
im kirchenlied: dem herren must du trauen, wann dirs sol wol ergehen P. Gerhardt
befiehl du deine wege, bei Fischer-Tümpel 3, 373; wer gott dem allerhöchsten traut, der hat auf keinen sand gebaut G. Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 29; bedenkt man sich die alten wunderthaten, so traut man gott von tag zu tage mehr graf Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 159; und aus erfahrung lernet wol, das man nur Christo trawen sol Ringwaldt
lauter warheit (1597) 10;
im barocken stil: auf derowegen, tapfferer printz! er banne allen zweiffelmuth und traue sicherlich denen göttern Ziegler
asiat. Banise (1689) 33; an ihm rächt es ein früherer tod, dasz er einmal, nur einmal gott nicht traute Klopstock
oden 1, 310
Muncker-P.; traue dem leitenden gott Schiller 11, 46
Göd. I@B@3@bb)
entsprechend mit sächlichem object: I@B@3@b@aα)
nur umschreibung der person, besonders durch menschliche organe: und da ist erst noch die frage, ob man euren gesichtern traut Schiller 2, 40
Göd.; ich bitt dich, trau doch keinem gesicht, bis dus kennst Ulr. Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 83;
anders: trau der farbe (
aussehen) nicht zu viel, was natur so schön gebildt, drunter hat sich geilheit, nacht, thorheit, faulheit oft verhüllt Logau 515
Eitner. I@B@3@b@bβ)
menschliche eigenschaften. allgemeiner: ich traue mehr der stärke deiner seele
F. M. Klinger
neues theater 1, 20; er solte seinen kräfften nicht zuviel getrauet haben S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 132; sey versichert meiner gnaden, traue meiner groszen macht G. Neumark
poet. u. mus. lustwäldchen (1652) 15; ... haben wir ... unserer wenigen fähigkeit mehr als billig getrauet Zinzendorf
kl. schrift. (1740) 1; ich traute meiner jungen kunst in diesem falle nicht Th. Storm 1, 94; trau er seinen vorzügen nicht zu viel Heinr. Beck
d. herz behält s. rechts (1788) 48; o der schwächling, der seinem muth und geist so wenig traut Klinger 1, 227; er sagt: du traust dem muthe, will sehn, ob du ein mann A. v. Arnim 13, 19
W. Grimm; [] ... weil sie doch einmal den gesinnungen nicht recht trauen Schleiermacher
sämtl. w. I 5, 97; ich traue weder meiner empfindung noch meiner kritik anders, als vor dem theater Lessing 18, 15
L.-M.; wer von einem andern ein rath nehmen musz, der darff seinem gewissen nicht trawen Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 338; ... weil ich meiner leidenschaft nicht trauete (
meiner selbst nicht sicher war) Sophie v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 365;
spezieller: von hertzen lieb ich Amarillen, sie aber trauet meiner liebe nicht Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 382; meiner trewe trauen D. v. Werder
ras. Roland (1636) 5.
ges. 73.
str.; ebenso natürlich von gottes treue und güte: wann gar kein einzger mehr auf erden, dessen treue du darfst trauen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 423
a; Jehovah liebet den, der ihn verehrt und seiner güte traut Herder 12, 90
Suphan; du kanst meinem theilnehmen trauen Caroline 1, 27
Waitz; ach traue deutscher redlichkeit, die sich zu deinem dienste weyht Lenz
ged. 118
Weinhold; ich traue ihrer freundschaft J.
F. v. Cronegk
schrift. (1771) 1, 41; versöhnter feindschaft und geflickter freundschaft traue nicht Binder
sprichw. 49; trauen lasz mich deiner huld Ph. Zesen
verm. helikon (1656) 1, 221; denn so ganz ist doch eigentlich selten irgend einer reue zu trauen W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 207; im hornung traue nie des falschen winters tücke J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 1, 5; I@B@3@b@gγ)
menschliche taten und handlungen, der begriff des trauens
nimmt hier mehr den charakter des einmaligen, ja raschen handelns an, während er sonst eine länger andauernde handlung in sich begreift. übergänge: wenn diese seinem unbegreiflichen betragen getraut und einen schnellen angriff gewagt hätten Niebuhr
röm. gesch. 1, 209; trauet seinen künsten nicht J. Grob
dicht. vers. (1678) 24; wenngleich der feind von frieden spricht, so traue doch der lockung nicht Gottsched
ged. (1751) 1, 157; ich traute diesen blendenden liebkosungen Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 358.
besonders häufig von reden und worten des menschen u. ä.: der aussage trauen Chr. Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 49; einer botschaft trauen G. Freytag 8, 89; den erzählungen trauen A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 204; wenn man dem öffentlichen gerücht trauen darf v. Einem
Mosheims vollst. kirchengesch. 7 (1776) 32; die böse nachricht wächst, der guten traut man nicht König
ged. (1745) 111; wenn man ... den ... nachrichten trauen darf Mommsen
röm. gesch. 1, 107; sie funden beyde sich, nachdem sie sich beschaut, weit über allem ruff, dem sie bisher getraut J. v. Besser
schrift. (1732) 1, 33; ich möchte dieser versicherung noch nicht zu viel trauen fürst Pückler
tageb. (1873
ff.) 3, 178; er traue der wolgemeinten warnung Harsdörffer
teutsch. secretarius (1656) 1, 31.
besonders feste verbindungen: den worten trauen: der glaube so solchem wort gottes ym wasser trawet Luther 30, 1, 311
W.; du trawest seinen worten Fr. Spee
güld. tugendbuch (1649) 58; der etwan seinen worten nicht völlig trauen wolte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 79; wir trauen völlig ihren worten Göthe 17, 172
W.; [] dem wort von anfang muszt du trauen Mörike 1, 147
Göschen; ich traue deines worts wahrhafftigkeit Göthe I 41
2, 36
W.; wir wollen sie hier blosz warnen, dem sprüchworte nicht zu viel zu trauen Bremser
med. paröm. (1806) 247; ... die gelübde ..., denen wir trauten Bürger 198
Bohtz; und traue deiner reuter schwur Mastalier
gedichte (1774) 45; dem urteil trauen: nichts desto weniger war er ein würdiger sohn der kirche, wenn wir dem urtheile eines gewissen bischofs ... trauen dürfen J. J. Chr. Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 1, v; wenn ich mit ihm uneins bin, so traue ich meinem urtheil nicht H. P. Sturz
schriften (1779) 1, 54;
ähnlich J. H. Voss
krit. blätt. (1828) 1, 123; S. Brunner
erz. u. schrift. (1864) 1, 189;
mit umschreibendem relativsatz: wenn ich dem trauen darf, was die leute im lande sagen Tieck
schriften 4, 177; die (
briefe) machten, dasz sie demjenigen nicht trauete, was der bischof von Gent schriebe
leben der frau de la Motte-Guion (1727) 2, 230. I@B@3@b@dδ)
sonstige abstracta: der hoffnung trauen: dir, o süsze hoffnung, säet froh der landmann seine saat, trauet dir, und fröhlich mähet, was er dir vertrauet hat R.
Z. Becker
mildh. liederb. (1799) 97; aber noch trauete er der hoffnung nicht Otto Ludwig 2, 21
Stern-Schmidt; dem schein trauen
u. ä.; das laster nimmt junge leute eher ein, als die tugend, weil sie dem äuszerlichen scheine der dinge trauen K. W. Ramler
einl. i. d. schön. wiss. (1758) 3, 276;
ähnl. fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1878) 1, 435; dem glantz sol man nicht trauen Petri
der Teutsch. weish. (1604/05) 2, m 8
v.
spezielleres: ein neuer beweis, dasz dergleichen vorzeichen nicht allemal zu trauen ist G. Forster
sämtl. schr. (1843) 2, 399; vielleicht trauete er gelesenen theorien zu sehr Herder 17, 57
Suphan; lassen sie uns der vorsicht (
göttlichen vorsehung) trauen, die unsere bekanntschaft selbst gefüget hat Gottschedin
briefe (1771) 1, 2; traut der ewigen weltordnung Herder 23, 20
Suphan; warumb sollen wir ... seyner (
gottes) vnwandelbaren warheyt nit trawen H. v. Cronberg
schriften 49
ndr. I@B@3@b@eε)
verschiedenes: dem traut man, was man sieht P. Fleming 1, 129
Lapp. man findet aber volk, das keinem guten trauet, das an den rosen nichts als nur den stachel schauet J. Rachel
sat. ged. 31
ndr.; glücklich wer in jungen tagen seinen heitern sinn behält, und das ferne auch nicht scheuet, noch zu viel dem nahen traut Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 1, 19.
in der hohen poesie: traue neuem tagesblick Göthe 15, 1, 4
W. (
Faust 4653). I@B@3@b@zζ)
alt ist die warnung, dem glück zu trauen: ein geck is hei, der dem gelucke truwet Tunnicius
sprichw. nr. 1201
Hoffmann, doch auch das gegenteil: auff angefangnen anschlag wol beharrn und dem glück wol trawen G. Mayr
sprüchw. (1567) D 5
b;
gewöhnlich doch die pessimistische ansicht, wenn auch mit einschränkungen: mann dem glück nimmer mehr trawen soll Xylander
Polybius (1574) 25; wie es (
das glück) denn offt hat mancher frawen gethan, die im zu weit thet trawen H. Sachs 17, 18
K.-G.; der tuht das grösste narrenstükk, der ohne tugend traut dem glükk Schottel
friedenssieg 35
ndr.; er sah die geliebte seiner seele und traute seinem glücke nicht A. v. Haller
Usong (1771) 77; niemahls hab ich des glücks spielen zu viel getraut Götz
verm. ged. 2 (1785) 18; doch warn ich dich dem glück zu trauen, versetzt er mit besorgtem blick Schiller 11, 231
Göd.; [] ich fühlte mich in der tat ordentlich beklemmt und fing an, dem glückswandel nicht mehr recht zu trauen G. Keller
ges. w. 3, 242. I@B@3@b@hη)
ähnlich die redensart dem frieden nicht trauen,
so wie sie heutigem sprachgefühl erscheint. offenbar entstanden aus älterem dem landfrieden nicht trauen,
das nur mundartlich, dort aber reichlich bewahrt worden ist, rückt sie damit stark in die nähe der folgenden concreten bed. '
sich auf etwas verlassen'.
anfangs ganz real: wir erfahren, das keinem von und unter menschen gemachten, ja wol theurbeschworenen frieden sicher zu trauen seye Spener
innerl. u. geistl. friede (1686) 10;
später redensartlich im sinne von einer sache nicht trauen: ey! dem frieden traue der teufel! Gottschedin
testament 318
Crüger; madam Dutzend traute dem frieden nicht, und hats ihm rund abgeschlagen Lenz 1, 69
Tieck (
hofmeister); (
ich) verfügte mich aber bald wieder in die stube, da ich dem frieden doch nicht recht traute G. Keller
ges. w. 1, 304;
in der älteren form: einige junge leute hatten vorgehabt, ihn aufzuziehen, aber ... sie trauten dem landfrieden nicht und dankten ganz ehrbar auf seinen grusz Meyr
erz. a. d. Ries (1861) 139; (
die frondeurs) trauten dem landfrieden nicht Laube
ges. schr. 5, 190; ech trauen dem landfridde net
Luxemb. 441; Ruckert
unterfränk. 184; den landfrêden nich trûen
d. h. eine sache nicht für unbedenklich halten Schambach
Göttingen 235; Rother
schles. sprichw. 235. I@B@3@cc)
während in der bed. '
glauben, vertrauen schenken' (I B 3 a
und b)
kein unterschied zwischen persönlichem und sachlichem object besteht, hat trauen
mit sächlichem object eine eigene bed. '
sich verlassen auf',
wo es sich um concreta und solche dinge handelt, die als werkzeuge und hilfsmittel des menschen betrachtet werden. I@B@3@c@aα)
allgemeines, z. t. mit b
sich berührend und wie dieses fast nur negativ: ich wurde dem pfulment nit wol truwen
N. Manuel
papst u. priestersch. v. 1305
Bächt.; man soll auch ein boden nicht allein von oben ansehen, sondern jm nicht eh trawen, man hab jn dann mit hacken ... ein wenig vmbgekehrt Sebiz
feldbau (1579) 25; früh um 7 uhr wollten wir fortfahren, weil wir eher dem (
aufgeweichten) wege nicht trauten
Holston u. Augusta (1780) 167; es ist dem lande besser zu trauen als dem wasser Spanutius (1720) 526; wer klug ist lernt aus seiner erzählung, wie wenig dem ungetreuen wasser zu trauen Lessing 2, 6
Lachm.-Muncker; zerbrechliches rohr, zerstiebender sand, zerflieszende wellen, euch trau ich nicht mehr Heine 1, 170
Elster. I@B@3@c@bβ)
von geräten: diejenigen, welche den glücksruthen trauen, haben ihre blosze einbildung zur grundursach J. Prätorius
d. abenth. glückstopf (1669) 119; denn seinem compasse durffte er nicht wohl trauen Chr. Reuter
Schelmuffsky 36
ndr. d. vollst. ausg.; allein das weisz ich, wenn ich meinem spiegel trauen darf, dasz mein gesicht nicht unter die häszlichen gehört J. A. Cramer
nord. aufseher 1, 97; trauend seinen stahlgewehren Müllner
dram. w. (1828) 2, 10. I@B@3@c@gγ)
von gliedmaszen, die als werkzeuge angesehen werden: handwercker trauen gott und ihren henden Petri
d. Teutsch. weish. 2, H h 4
v; sicher traue deinen händen, eignes fördre, freundes glück Göthe I 4, 36
W.; ironisch von einem furchtsamen: er trawet seinen schenckeln mehr als seinen henden
schöne weise klugred. (1548) 149;
umfassender: weil er seiner festen vollkommenen gesundheit traute Bode
Montaigne 6, 39;
von b
deutlich sich abhebend: trauet nicht den rosen eurer jugend, trauet, schwestern, männerschwüren nie Schiller 1, 230
Göd. I@B@3@c@dδ)
von gerechtsamen: die von Schwitz ... truwetend irem rechten alter besitzung und harkommen so wol,
[] dass si hofftend ... nützit zu verlieren Tschudi
chron. Helvet. 1, 51; tod harrt der armen, die mit morschem kahn, dem gastrecht trauend, diesen strand berühren Fr. Kind
ged. (1817) 1, 70. I@B@3@c@eε)
von historischen zeugnissen: wenn man Giustinianis geschichte ... trauen darf Justi
Winckelmann 2
1, 213; dürfen wir den evangelischen berichten trauen, so gab er sich selbst nicht für den bringer dieses heils ... aus D. Fr. Strauss
schriften 6, 44; wenn wir ihren archiven trauen mögen J. J. Chr. Bode
Tristram Schandi (1774) 7, 14; wenn man dem zeugnisse des Herodots trauen darf Schubart
ästhetik der tonkunst 7;
scheinbar persönlich: wenn dem Gregorius Turonensis zu trauen ist
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 1, 14. I@B@3@c@zζ)
meist negiert, und dann sehr trivial geworden seinen sinnen, augen, ohren nicht
oder kaum trauen.
unnegiert: ihr habt es selbst gehört, (traut, bitt ich, eignem ohr!) Gryphius
trauersp. 153
Palm; doch darf ich mir denn wohl und meinen augen trauen
deutsche schaubühne 1 (1741) 376; es ist dieses in einer stadt gar zu nötig, wo man meistens den augen in beurteilung eines menschen trauet Lessing 17, 10
L.-M.; daneben von anfang an mit nicht
oder kaum: wer dich aber näher schaut, wird, wohin er sich auch wendet, so durch deinen hof geblendet, dasz er kaum den augen traut B. Neukirch
ged. (1744) 15; wir sahn und durfften fast nicht wunsch und augen trauen J. v. Besser
schrifften 1 (1732) 49; kaum dasz man seinen augen traut, so reizend ist ihr holdes wesen Stoppe
Parnass (1735) 22; beynahe trauet man seinen augen nicht, wenn man liest, wie es ihm (
Hume) gieng Zimmermann
einsamkeit 1 (1784) 83.
weitere umschreibende wendungen stellen sich zum ausdruck des unerwarteten, unglaublichen ein: ich habe meinen augen nicht trauen wollen Gellert 4, 249
Klee; wuszte nicht, ob sie ihren augen trauen sollte Musäus
volksm. 1, 9
Hempel; er wollte seinen augen nicht trauen Pfeffel
pros. versuche 9, 177; wie? darf ich meinen augen trauen, marquis? Schiller 5, 325
Göd. ohne solche periphrastischen wendungen: ich traue meinen augen kaum, das wieder zu sehen, worauf ich längst verzicht gethan hatte Göthe IV 28, 230
W.; der erste arbeitet, im botanischen fach, so schön aus, was ich fürs rechte halte, dasz ich meinen eignen ohren und augen kaum traue IV 16, 356
W.; (
die wächter) trauten ihren augen und ohren kaum Thümmel
reise in d. mittägl. prov. 5, 282; er will seinen augen, seinen ohren nicht trauen Schiller 4, 278
Göd.; und wirklich traute er seinem auge, seinem ohre kaum, als ihm ... ein landsmann aus Franken gemeldet und sein liebesbote hereingeführt ward Hauff
sämtl. w. (1890) 1, 74;
das object sonst selten im singular, und dann mit besonderem klange: da staunen wir und traun dem auge kaum Göthe 3, 98
W.; die wendungen auch in den mundarten wie in der umgangssprache: Fischer 2, 330; Jensen
Wiedingharde 639; wenn das unser guter herr pastor sähg, ... a traute gewis seinen augen ni G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 30.
mit voller sinnlicher anschaulichkeit: man traut seinen augen nicht, wenn der ungeheure wolkenvorhang auf sturmschwingen sich öffnet Moltke
ges. schr. 4, 21.
den akustischen beispielen bleibt der unmittelbare sinnliche gehalt durchweg gut erhalten: ich traute meinen ohren kaum, als ich beym erwachen nachtigallen singen und turteltauben girren hörte Hegner
ges. schr. 1 (1828) 115; Anton glaubte seinen ohren kaum trauen zu dürfen, als er die schöne frau lispeln hörte Holtei
erz. schr. 10, 207.
vom redensartlichen entfernte unnegierte beispiele werden mit der zeit immer seltener, und dann mit andrem object: [] indem ich meinem gesicht traue, musz ich eben sowohl vernunft gebrauchen, als wenn ich meinem ohr glaube Herder 23, 90
Suphan; uneingeschränkt positiv bei Göthe: den sinnen hast du dann zu trauen; kein falsches lassen sie dich schauen, wenn dein verstand dich wach erhält 3, 82
W.; der mensch ist genugsam ausgestattet zu allen wahren irdischen bedürfnissen, wenn er seinen sinnen trauet und sie dergestalt ausbildet, dasz sie des vertrauens wert bleiben 42, 2, 259,
sonst auch diese verbindung abgegriffen wie die andern: in der aufregung glaubte ich meinen sinnen nicht trauen zu können A. v. Humboldt
kosmos 3, 216; man traute kaum seinen sinnen Novalis
schriften 4, 142
Minor; ich traute meinen sinnen kaum, mitten in der not und bedrängnis ... so urplötzlich vor einem quell klarster lebenswonne zu stehen G. Keller
ges. w. 3, 92. I@B@3@dd)
auch aus der gewöhnlichen bed. '
glauben, vertrauen schenken'
haben sich redensartliche wendungen entwickelt. I@B@3@d@aα)
hierher gehört schon, dasz das nichttrauen (
mit persönlichem oder sächlichem dativ, I B 3 a
und b)
gern durch die stereotype wendung es ist nicht zu trauen ausgedrückt wird, die seit dem ausgang der mhd. zeit vorkommt: dem gelübd des künigs ist nicht wol zu trawen U. Füetrer
bayer. chron. 119
Spiller; das dir so gar nüt ztruwen ist H. R. Manuel
weinspiel v. 2383
ndr.; auch ist in diesem stuck eigenem gutduncken und affect nicht zutrauen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, x 3
a; dasz einem liederlichen weibe nicht zu trauen Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 9; es ist keinem schelmen zu trauen Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1115; dem schalk, dem kellner sei nicht zu trauen Göthe 25, 203
W.; wer als bruder studio nicht frei und fröhlich getollt hat, der ist und bleibt ein duckmäuser, und dem ist nicht zu trauen H. Laube
ges. schr. 1, 53; dasz wir uns auf einem boden befinden, dem nicht recht zu trauen ist Göthe IV 10, 23 (1792);
in den maa.: wer einem nit troüt, dem ist nit ze troüen Martin-Lienhart 2, 736; Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 179; dem fux ist niid z' truwwen, bis siin balg 'beizta ist Friedli
Bärndütsch 2, 223. I@B@3@d@bβ)
die eigentliche redensart jemandem nicht über den weg trauen erscheint in den belegen erst im späten 18.
jh. vorher sagt man: so trawen sie jnen doch nicht weiter als sie sehen
grillenvertreiber 3, 52; keinem menschen trauete er weiter als seine augen sahen Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 26; dasz man denen bauern, die gemeiniglich schlau und voller list sind, nicht weiter traue, als man mit augen siehet und mit händen greiffet Hönn
betrugslexic.2 (1721) 41.
dann folgt in der chronologie der belege die heute geläufige wendung, die auch die mundarten kennen: Fischer 2, 330; Leithäuser
Barmen 160; ik tro em nig wider as övern weg Schütze
holstein. 4, 282;
die literarischen belege zum teil auch mundartlich gefärbt: und von stund an hab ich dem weibsen nicht über den weg getrauet J. G. Müller
kom. romane 2
2 (1786) 121; Marien traue ich nicht über den weg! die seufzt, weint! — fragt man, so weisz sie nicht, warum sie es tut Iffland 6, 10;
auch ernster, in gehobener sprache, von einem allgemeinen misztrauen: sie sprechen von dem staatencomplex von 70 millionen ..., muten also Östreich ein aushalten auf tod und leben ... zu, ..., und trauen doch (
diesem) staate nicht über den weg Bismarck
ged. u. erinn. 2, 21
volksausg. mit ähnlicher wendung: wir pflegen noch jetzt zu sagen: einander trauen nicht über den steinwurf hinaus Jac. Grimm
kl. schr. 6, 170. I@B@3@d@gγ)
auf der grenze zwischen redensart und sprichwort: trau schau wem, in fast allen sprichwörtersammlungen. älteste form: traw, sihe wem S. Franck
sprüchw. (1541) 2, 16
a;
schöne weise klugred. (1548) 166
b; traw, schaw, wem, wie und wann Xylander
Polybius (1574) 363; traw, schaw, weme Friedrich Wilhelm
sprichwörterreg. (1577) f 1
a;
von da an in dieser form, als geschützinschrift (
Hohenasperg ca. 1634)
bei Ziegler (1886) 47; trau, schau, wem? unter tausenden kaum einem G. Cober
aufricht. cabinetsprediger [] (1783) 1, 59; ich würde dann aber lachend gesagt haben: trau schau wem fürst Pückler
briefw. u. tageb. 3, 190;
auch in der ma.: Fischer
schwäb. 2, 330. I@B@3@d@dδ)
der teufel traue, vgl.teufel
teil 11, 1, 1, 273: der teufel traue dem apotheker, er hat zu viele gütterlein Fischer 2, 330; der teufel traue dem gespannten hahnen
ebda; traw der teuffel uff freundschaft Luther 27, 489
W.; elliptisch wie I B 2: der vorschlag ist gut ... aber der teufel traue Schiller 8, 346
Göd. I@B@3@d@eε)
in obd. und md. maa. die redensart trau mir nicht (zuviel),
in der bed. nach I A 3
hinüberreichend, nämlich trau mir nicht zuviel (
güte, langmut u. s. w.) zu:
bona verba quaeso ich radt dir standt ab von deinem schmähen, ich sag dir tröuw mir nit Frisius (1556) 159; (
Zwirn:) schuster, du bist ein gemeiner kerl. (
Knieriem, auffahrend:) du, schneider, trau mir net Nestroy
ges. w. (1890) 1, 75,
vgl. Jakob
Wien. 194; trau mir ock ne zu viel Rother
schles. sprichw. 316. I@B@3@ee)
der allgemeine sinn des vertrauens und zutrauens, evtl. auch des leichtgläubigseins nähert sich in eingeengter bed. dem prägnanten '
credit geben'.
doch kann bei der entstehung dieser anwendung auch die bed. A 3 '
einem etwas zutrauen'
hereinspielen, dann also mit ellipse des alten gen., späteren acc. objectes, des geldes.
vgl. ohne diese ellipse die beispiele gleicher bedeutung unter D 10: item welher der huoben 7 schuoch hat, den sol man nit vahen umb ein hein (
für enhein) buosz, wan man sol jm trüwen
weisth. 4, 286 (
Zürich, gegen 1400),
vgl. auch 4, 126 ich wil prave auffborgen und die leute auffsetzen helffen, wo ich weisz und kann, darf ichs doch nicht bezahlen: seynd sie narren dasz sie trauen, so mögen sie auch sehen, wie sie bezahlt werden Schoch
studentenleben (1657) j 5
v; (
die schuldner) bekümmern sich nicht, wie sie zahlen wollen, sondern wie sie es machen, dasz man ihnen länger traue Butschky
Pathmos (1677) 17; dem man trauet und glauben giebt, an den musz man sich auch halten
Lübecker statuten (1728)
register. I@CC. '
hoffen', '
sich vermessen', '
wagen'. I@C@11) trauen
steht in der alten sprache mit dem bloszen infinitiv in der bed. '
hoffen'.
diese bedeutung, schon im ahd. reichlich bezeugt, bleibt mitsamt der grammatischen construction die ganze mhd. zeit über erhalten. ahd. belege: sie truuuent salda guuinnen Notker 1, 140, 21
Piper; also iz umbe Ciceronem fuor, do man in umbe dia not ze consule sazta, daz sie sih mit niomanne andermo ne truuueton CatilinE eruueren 1, 100, 15
P.; der imo (
dem tiger) sin uuelf ferstilet ... der netruet imo nieht enfaren (
hat keine hoffnung) 1, 164, 23
P. mhd.: daz trûwe ich vollebringen
a. Heinr. 193; daz trûwe ich wol erwenden
minnes. 1, 15
a;
oft in fester vorstellungs- und wortverbindung: dône trûwidich in negeineme lande mênen lîf sô wol behalden
Rother 931; so trûwe ich harte wol genesen
Iwein 236; daz er sich ninder trûte ernern
Tristan 380; daz dû vor Hêrôde in Egiptum vluhe, als ob dû in dem lande niht troutest genesen vor im
mystiker 1, 343
Pfeiffer; da die Ungern die ordnung und den fanen sahent, do trauwet ir ainer nit genesen (15.
jh.) Thom. Lirer
alte schwäb. gesch. (1761) c 2
b.
im 15.
jh. kommt statt des bloszen infinitivs der infinitiv mit zu
auf, so früh, dasz in den ersten belegen der infinitiv noch flectiert erscheint. Oswald v. Wolkenstein
hat noch: ach sune ... ich traut deins scheines wol empern 70
Schatz, die Königshofer chronik aber (1415): do er gros heiltum truwete zuo vindende
städtechron. 8, 484; die hettent in vor der ursage anegriffen und geschediget in sime lande: er truwete das selbe und grössers in herwiderumb ze tunde 9, 842.
die typische mhd. verbindung hält sich: vor dir traw ich wol zu genesen H. Sachs 14 5
K.; [] trawt auch nit zu werden gesund 17, 74
G.; ich traw mich zu erneren (
im kampf mit dem riesen)
lied v. hürn. Seyfr. 36
ndr.; sonst: ich glaub, es nemb mich zu der eh die edl köngin Rosimunda, mit der ich in Lompardia das köngreich traut zu uberkummen Hans Sachs 12, 426
K.; denn deine (
Jesu) fischer trawen fast kein fisch mehr zu erlangen (
haben keine hoffnung mehr) Ringwaldt
evangelia l 5
b;
die bed. '
hoffen'
noch im 17.
jh.: die mauren und die porten hoch er zu gewinnen trawet noch Spreng
Äneis (1610) 163; (
durch das gesetz Mosis) traweten sie gottis huld, vergebung der sünden und ewiges leben zu erlangen Artomedes
christl. ausleg. (1609) 1, 315; wenn er auch schon bey ihm gerechtigkeit zu finden trauen könte Lohenstein
Arminius (1689) 2, 826. I@C@22)
neben der bed. '
hoffen',
die im laufe des 17.
jhs. abstirbt, meldet sich seit dem anfang des 16.
jhs. die bed. '
wagen',
der die zukunft gehört. sie entwickelt sich aus der schon im mhd. in den belegen unter 1
oft vorhandenen bedeutungsnuance des zuversichtlichen hoffens, die im 16.
und 17.
jh. mehr und mehr der bedeutungsgehalt bestimmt. zahlreiche belege schillern so zwischen dem alten und dem neuen: (
der chirurg) soll nymmer mer zusagen, dann was er trawet zuhalten H. Braunschweig
chirurgia (1539) 2
a; und wanns gleich wär ein bratne gans die trawt ich weg zu schrotten ganz Mangold
marckschiff (1596) a 4; so hätte ich mich noch unterstanden, irgends einem braven kerl mit geld unter die arme zu greiffen ..., welches ich leicht zu wegen zu bringen getraut Grimmelshausen 3, 373
Keller; ich pflege viel zu reimen, doch hab ich nie getraut, was bessers je zu reimen, als bräutigam auf braut Logau 570
Eitner; bei Luther
finden sich alle drei nuancen nebeneinander, hoffen: das sie sonst nitt trawen selig zu werden 10, 1, 1, 639
W., sich vermessen: ich hab zwar nicht ein groschen zubezalen, aber zehen gulden trawe ich wol zubezalen 30, 1, 179
W.; wie wirs trawen gegen gott und keiserlicher maiestæt zu verantworten 30, 2, 41
W., wagen: ich trouwes nicht zu thun 34, 2, 159
W.; deutlich ausgesprochen findet sich die bedeutung '
wagen'
schon seit dem ausgehenden 15.
jh.: traut ir das zu thon, so pin ich sein wol ze fride Arigo
dec. 432
Keller; also daz unsir here von W. adir sine erbin die nit drütin ze beschirmen (
a. 1410)
weisth. 6, 76; welche als die burger erfuhren lieffen sie zu, die zu beschawen die grose flüsz zu zwingen trawen Fischart
glückh. schiff 17
ndr.; die sach kam also weit, dasz er wie die fledermäuss den tag haszte und sich nicht traute sehen zu lassen Abr. a
s. Clara
Judas d. ertzschelm (1686) 1, 5; sonst hett ich nicht getraut ein solches dier zu schikken Zesen
verm. Helikon (1656) 1, a 4
a;
die schon im 17.
jh. dünner flieszenden belege für das nicht reflexivische verbum werden im 18.
jh. noch seltener: warum? es traut niemand, das ruder anzufassen B. Neukirch
ged. (1744) 192; für die noch nothwendigern erndten- und getraidfelder traut nicht einmal Friderich das nehmliche zu verordnen
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 3, 189; unmittelbar auf solche trümmergeschichte folgt ein wunderding dem die vernunftmänner noch keinen namen zu geben trauen — 'das mährlein vom fall des ersten menschen' Herder 7, 4
Suphan. Göthe
hat eine für seine zeit auffallende vorliebe für die nicht reflexivische construction (
ob aus der angestammten ma. herrührend? vgl. unten Brentano
und Bettine): ich trauts aber doch nicht zu sagen 39, 47
W. [] (
Gottfried v. B.); das blättchen, das er bisher nochmals anzusehen nicht getraut hatte 23, 150
W.; du wirst mich ängstigen, dasz ich zuletzt kaum traue ein glas wasser zu begehren 10, 113; die brüder (
Hackert) sehnen sich weg, können aber und trauen nicht, ihr vermögen abzuführen 41, 1, 31;
im 19.
jh. dann nur noch vereinzelt: blöde wandten die kindlein sich weg von dem ernsteren pfarrer, traueten kaum zu nahn den freundlich kosenden mägdlein Kosegarten
dicht. 1, 129 (
Jucunde); ich traute nicht den arm um sie zu schlieszen Brentano
ges. schr. 1, 3; ich traute nicht den mann anzuschaun Bettine
Günderode 2, 281;
vielleicht etwas archaisierend: doch habe ich bis jetzt noch nicht getraut mit Reimer von dem gegenstande zu reden Jac. Grimm
an Dahlmann 1, 193.
die construction lebt bis heute in obd. maa.: ich traue nicht zu kommen; traust du davon zu essen? Fischer 2, 331; er traut nit emol eniwer ze springe Follmann
lothr. 100. I@C@33)
seit dem anfang des 16.
jhs. begegnet die reflexive fügung, die im laufe der zeit die nicht reflexive weitgehend zurückdrängt: darum, herr, dürft ir euch trauen, diesem ritter anzusiegen Maximilian
Teuerdanck 77
Göd.; mit dieser wer nach gottes willen trau ich mir al mein feind zu stillen Ziegler
geschützinschriften 64 (
nach 1500); es muss gar ein spröder verstand sein, der jme nit trawet auch etwas weyters zu erfinden Dürer
menschl. proportion (1528) a 2
a;
auch in dieser fügung noch die alte bed. wie unter 1: do ... zündten (
sie) die statt an, dann sie trewten jnen selbs nit, sie zubehalten Münster
cosm. (1550) 451,
vgl. mit älterer fügung: und was er nicht trawt ze halten, hiesz er in den grundt abprechen Unrest
chron. Carinth. 596;
die ältere übergangsbed. (
siehe 2): wie er ihms an jenem strengen gerichtstage vor dem allerhöchsten weltrichter trauen werde zu verantworten v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 35;
späterhin nur die neue bed. '
wagen',
siehe 3 b). I@C@3@aa)
in der zweiten hälfte des 17.
jh. beginnt das reflexivpronomen ihm
durch den alten acc. sich
ersetzt zu werden. Logau
hat noch als zu singen wie Apollo Marsyas ihm hat getraut 621
Eitner; Kramer
bucht nebeneinander ihm trauen etwas zu tun
fidarsi und sich nicht trauen etwas zu tun
non fidarsi 2 (1702) 1115;
dann tritt eine unsicherheit des sprachgefühls ein, das reflexive sich
wird als acc. empfunden und danach auch in der 1.
und 2.
person für mir
und dir mich
und dich
gesagt. der kampf geht durch das ganze 18.
jh. und darüber hinaus. heute ist der accus. in der schrift- und in der gebildeten umgangssprache Norddeutschlands üblich, und der alte dat. ist dem heutigen sprachgefühl befremdlich, wo er ihm in belegen der zeit vor und um 1800
begegnet: seitdem herr Wieland so viele sünden (
in den gedichten) entdeckt hat, traue ich mir nicht, sie immer bey mir zu führen
briefe die neuste litt. betr. 13 (1762) 63; so sagst du selber mir, was du zu thun dir traust J. E. Schlegel
werke (1761) 1, 35; ich traute mir ganz gewisz zu behaupten H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 24. Göthe,
der so auffällig die nichtreflexivische wendung bevorzugt (
siehe 2),
gebraucht bei reflexivischer construction (
trotz Wunderlich
teil 4, 1, 2, 4442;
danach Paul
dt. wb.3 540)
neben dem accusativ auch den dativ: ich traue mir es nicht zu sagen, aber meine hoffnung schwankt I 8, 257
W. (
Egmont); von der sehr bösen nacht ... hatte ich mich zwar schon leidlich erhohlt, doch traue ich mir den morgenden vortrag nicht zu unternehmen IV 19, 102
W.; eindeutiger accusativ dagegen: schlafend hatte sie mir so gefallen, dasz ich mich nicht traute, sie zu wecken I 2, 102
W. [] I@C@3@bb) sich trauen etwas zu tun,
besonders negiert sich nicht trauen,
ist seit dem ausgang des 17.
jh. umgangssprachlich geworden, ohne doch die fähigkeit, in gehobener sprache angewandt zu werden, eingebüszt zu haben: einige von ihnen setzten noch hinzu, sie trauten sich zwar nicht, etwas für ihn zu thun, wolten aber für ihn beten Eichendorff
Lucanor (1840) 128; du traust dir fast über keinen steg und brücken zu gehen Quirsfeld
geistl. myrrhengarten (1717) 242; Philurt hielte diese worte vor keine brücke, denn er traute sich nicht darauff zu gehen Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 47; was, dacht er, spühr ich hier als wälder die man sich kaum zu durchreisen trauet A. Gryphius
ged. (1698) 2, 77; das land sei unsicher, liesz er vermelden, er traue sich nicht, das geschenk zu senden Scheffel
ges. w. (1907) 1, 232; es traut sich keine fortzugehen Lichtwer
äsop. fab. (1748) 57; es gab menschen, welche sich einbildeten, von glas zu seyn, und sich nicht traueten niederzusitzen, aus furcht zu zerbrechen Bremser
med. paröm. 155; (
er hatte) sich nie getraut, um ein amt ... anzuhalten Nicolai
Seb. Nothanker 1, 80; der papa musz ja thun, was die mama will, er traut sich ja nicht einmal ihr zu widersprechen
samml. v. schausp. (
Wien 1764-69) 6, 6 (
haushalt. n. d. mode); er trauet sich nicht ihn anzureden Kramer
teutschital. 2 (1702) 1115; er war so niedergedrückt und kleinlaut, dasz er sich nicht traute, an die thür zu klopfen Musäus
volksm. 1, 52
Hempel; ich traue mirs nicht zu gestehen Deinhardtstein
ges. dram. w. 1, 13; er (
Salieri) hatte schon eine oper ... begonnen, legte sie aber zurück, weil er sich nicht trauete, dem Re Teodoro damit die spitze zu bieten O. Jahn
Mozart (1856) 4, 180; und trauest dich nicht einen infanteristen aus dem sattel zu heben Stephanie
sämtl. lustsp. (1771) 1, 11; jedoch trauten sich die Römer nicht ... zu nahe zu kommen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 36
b; die kosten der armee noch weiter zu steigern, hat weder Augustus noch Tiberius sich getraut Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 52. I@C@44) sich trauen
heiszt auch auszerhalb der verbindung mit dem infinitiv einfach '
wagen'. I@C@4@aa)
auch hier entbehren alte und mundartliche belege noch des reflexivums: nun will ich mich ... wiederum zurückbegeben, aber zu wasser trau ich nicht mehr
schausp. engl. comöd. 177
Creizenach; darnach trawe von dannen einen stoss Sutorius
fechtbuch (1612) 31; zanke nicht mit einem rumorischen, wüsten kopffe, traue auch nicht mit ihme alleine über feld Butschky
Pathmos (1677) 109 (
vgl.c);
hierher wohl auch: dieses geschäft (
mit den gewerken in Ilmenau) hat uns schon so viel unannehmlichkeiten gemacht, dasz es uns zu verzeihen ist, wenn wir nicht einen schritt mehr trauen Göthe IV 11, 199
W., oder einfach im sinne von man traut nicht weiter als man sieht Steinbach 2 (1734) 842
zu verstehen; mundartlich: se kumm, wänn de truist (
mut hast) Martin-Lienhart 2, 736. I@C@4@bb)
reflexives trauen
steht mit einfachem pronominalem accusativ, vgl. I A 3,
der für das jüngere sprachgefühl den üblichen infinitiv vertritt: wer trauet sich das Nestroy
ges. w. (1890) 2, 6; ein prahler der sich alles traute J. J. Schwabe
belustigungen (1741) 5, 359; ihr traut euch viel Zach. Werner
kreuz a. d. Ostsee (1806) 168;
mit bed. B
sich berührend: die vernunft trauet sich nie zu viel, sie spricht allezeit mit einer sittsamen vorsichtigkeit Bodmer
samml. crit: poet. schr. (1741) 1, 80; trau dir auch nur nicht zu wenig! ich stehe dir für dich! wenn du nur willst Lessing 3, 85
Lachm.-Muncker (
Nathan). I@C@4@cc) sich trauen
mit ortsangabe, vorwiegend der richtung: auch ich traue mich nicht aus dem hause Göthe IV 34,
[] 295
W.; sie steht drauszen und traut sich nicht herein O. Ludwig 3, 114; sie traun sich nicht mehr in ihr zimmer, sie fliehn der groszen spiegel schimmer Gotter 1, 18; nur bis zur Schwelle sich trauend Hebbel
w. 8, 349
Werner; ich traute mich selbst nicht in die stadt Göthe 11, 160
W. (
Stella); wann in der ersten frühlingszeit die mädchen sich ins freie trauen Uhland 1, 12
Schmidt-Hartm.; ich trau mir gar nimmer unter die leute Meyr
erz. a. d. Ries (1861) 229; ich schäme mich so sehr und traue mich gar nicht mehr in den garten Bettine
Brentanos frühlingskr. (1844) 42; da er sich in dieser angelegenheit vor den rector nicht traute Freytag
verlor. handschr. (1864) 2, 242; sie hat so was nobles in ihr, dasz unsere herren schreiber mit ihren groben und feinen spässen sich nicht in ihre nähe trauen S. Brunner
erz. u. schr. 1 (1864) 281; eh sie sich näher traun J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 2, 128; ja wie man in der brunst, in Polens fetten auen dem dicksten jungen stier sich nicht darf nahe trauen Pyra-Lange
lieder 149
lit.-denkm.; der wagen ist so abscheulich hoch, ich traue mich nie allein herunter Cl. Viebig
schlaf. heer (1904) 1, 42; ich traue mich nicht auffs eiss
non credo me glaciei nomenclator lat.-germ. Hamb. (1634) 30; was hilfts, mit aug und witz in alle zeiten schaun, im reiche der natur sich durch den abgrund traun, mit flügeln der vernunft bis an die sterne setzen? J. Chr. Günther
ged. (1735) 399; wenn sichs unglück über ein'n millionär trauen will Nestroy
ges. w. (1890) 1, 28;
vereinzelt statt mit einer richtungsangabe mit einer des aufenthaltsortes verbunden: mittlerweile ward es in Schweden so wunderlich untereinander gespielt, dasz sich Carolus im reiche nicht länger traute und 1457 mit seinen besten sachen heimlich nach Danzig fortging Chr. Weise
kluger hofmeister (1688) 126. I@C@4@dd) sich nicht trauen,
meist absolut, in den mundarten und umgangssprachlich geläufig im sinne von '
keinen mut haben',
besonders in liebesangelegenheiten: er möchte mir gern eine liebeserklärung machen und traut sich nicht Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 23; er möchte gern an mich und traut sich nicht Göthe 11, 237
W.; mit c
sich berührend: die jungen handwerksleute haben sich gar nicht an sie getraut Storm (1899) 2, 145; immer ängstlich sein ... zeigt blosz, dasz man sich nicht traut Fontane
ges. w. I 5, 55; jetzt wo ich es sagen soll, trau ich mich nicht Schnitzler
Anatol (1901) 120; —
daher traumichnicht, m., in Österreich ein furchtsamer, feiger, schüchterner mensch: traumined Hügel
Wien 166; Jakob 194; trauminöt Schranka
Wien 174; trauminit Unger-Khull
steir. 167; siehst du, dort laufen schon ein paar, das sind lauter traumichnichte Rosegger
schr. (1895) I 8, 351; der ihrige (
anrede) scheint mir schon gar der rechte traumichnicht zu sein Nestroy
ges. w. (1890) 5, 191; er war ein guter kerl, aber ein traumichnicht, ihr herr vater! auch zu den mädeln ist er spät gegangen, ich hab ihm kurasch machen müssen J. Roth
Radetzkymarsch (1932) 79. I@DD. einer person,
seltener einer sache etwas trauen = '
anvertrauen'.
schon im gotischen; aber alt- u. mhd. fehlt diese construction (
vgl. unter 9). I@D@11)
allgemeines object: iþ þu framwairþis wisai in þaimei galaisides þuk jah gatrauaida sind þus
2. Tim. 3, 14 (Luther: du aber bleibe in dem was du gelernt hast und dir vertrawet ist); ... man sol keiner alten vettel nicht, auch nach dem todt nichts trawen icht Hayneccius
Hans Pfriem 18
ndr.; ich wil, was er mir traut, ihr unvermerckt zubringen A. Gryphius
lustsp. 252
Palm. [] I@D@22)
als object wird ein werthaltiger gegenstand oder begriff bevorzugt, was es nämlich zu trauen
lohnt. auch hier schon gotische beispiele: bi aiwaggeli wulþaus þis audagins gudis þatei gatrauaiþ ist mis
1. Tim. 1, 11 (Luther: nach dem herrlichen evangelio des seligen gottes, welches mir vertrawet ist);
vgl. auch Gal. 2, 7
und Tit. 1, 3 (
von der predigt); so war kein frosch so klug und from, dem sie wolten trawen die kron Rollenhagen
froschmeus. (1595) G g 8
a; wofern du glücklich denkst den schönen tag zu schauen, an welchem du die cron wirst deinem sohne trauen, so weigre dem, der stirbt, die jüngste bitte nicht! A. Gryphius
trauersp. 162
Palm; gelegentlich auch übertragen mit unpersönlichem subject: sehet auf und nehmt zu schauen, was euch der stern will ferner trauen, ein liecht, das heisset gottes wort H. A. Stockfleth
bei Fischer-Tümpel 5, 140
a. I@D@33)
sprichwörtlich: wer sein hausz andern trawt, dem bleibt es ungebawt Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, I i i 3
b; wann die katz den spiesz leckt, so ist ihr der braten nicht zu trauen Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 447. I@D@44)
oft mit dem nebensinn des geheimnisvollen; das anvertraute soll verschwiegen oder doch behütet werden (
etwa eine nachricht): wer allen alles traut, dem kann man wenig trauen Lessing 1, 12
Lachm.-Muncker; der bock traut der geisz, was er selbst wol weisz Körte
sprichw. (1837) 49; traun geheimnisz frömden ohren macht die freyheit halb verloren
bei J. G. Schottel
teutsch. haubtspr. (1663) 912; ich darf der feder nicht trauen Elis. Charl. v. Orleans
briefe 1, 69
Holland; sie fanden sich und fanden friede, und schlangen schmelzend arm in arm, und trauten, von empfindung warm, sich ihres herzens tiefste schwäche Gotter 1, 222; I@D@55)
auch mit sächlichem dativobject: ein kaufmann, der sein gut nur einem schiffe traut, ist hochgefährlich dran P. Fleming 516
Lappenberg; der feldmann darff die saat dem acker kühnlich trawen, der seinem herren denn viel edler früchte reicht Rist
poet. lustgarte (1638) c 2
a; nicht dem gipfel der berge traut der landmann seine saaten; er trauet sie der ebne Herder 27, 50
Suphan; doch, herr, ich traue dem glücke nicht alles, hat es dich gleich noch niemahls getäuscht Wieland 16 (1796) 99. I@D@66)
zum reflexiven gebrauch führen die fälle, bei denen das accusativobject nur eine umschreibung des persönlichen objects ist: ... die trauten dir ihr heil Paul Fleming 186
Lappenberg; sie haben mir truwet leib und leben Murner
Luth. narr 20
Scheible; die schiffer, so ihr hausz auff blosses meer hinbauen, und ihren kühnen leib den leichten winden trauen, sind kommen an das land Opitz
wäld. (1690) 2, 85;
vgl. 2, 52
u. 187; wem traut er (
der fürst) seinen leib, weil er die lange nacht in lauter sorgen theilt und für die länder wacht A. Gryphius
trauersp. 25
Palm; ich wil in meine seel ein kleines hausz euch bawen, in welches ewre stets sol eingeschlossen seyn, vnd wil hergegen euch auch meine seele trawen, die hebt euch auff vnd schliesst sie ewrer seelen ein Simon Dach
in Königsb. dichterkr. 90
ndr.; mit etwas veränderter construction: so leuchtet schön der morgenstern, wann zwei verlobte in den herrn die hand und herzen trauen Simon Bornmeister (
ca. 1660)
bei Fischer-Tümpel 5, 122
a.
[] I@D@77)
reflexiver gebrauch. I@D@7@aa) sich einem trauen =
anvertrauen: eines merckt noch, dasz er allein nirgend als zu Augspurg erschein, auch sich jhnen nicht traw zu weit, vnd nicht ehe, er hab denn geleit Martin Rinckhart
d. christl. ritter 33
ndr.; dem richter trau dich nur, im fall er weisses hat Logau 351
Eitner; so hat er doch lieber sich mit der faust zu retten versuchen wollen, denn das er den hirten sich solt trawen, die er allbereit untrew ... het befunden C. Spangenberg
jagdteufel (1560) r 2
a; und da sich der August nur einem durffte trauen, hältst alle tage du mit viel Mäcenen rath J. v. Besser
schr. (1732) 1, 10
König; in geistlicher dichtung auszerordentlich häufig: sich gott trauen: hilf, dasz wir dir uns trauen gar und dich nur lassen machen J. Franck
bei Fischer-Tümpel 4, 87
a; deine christen sehn auf dich, trauen dir sich festiglich Joh. Heermann
bei Fischer-Tümpel 1, 306; wer auff deinen nahmen bauet als der niemals hat gefehlt, und sich dir in hoffnung trauet, hat das allerbest erwehlt Simon Dach 95
lit. ver.; dasz iederman nun sieht auff dich und trauet deiner sorgen sich Paul Fleming 286
Lappenberg; wohl und weh ist in der ehe, aber wer dem herrn sich traut, der ist bräutigam und braut! (
hier klingt schon die bedeutung II
hinein) Cl. Brentano
schr. (1852) 2, 603;
auch umgekehrt: wir armen leute meinen, das haus, dem gott sich traut, besteh aus holtz und steinen Simon Dach 225
lit. ver. I@D@7@bb) sich trauen
mit sächlichem dativobject: wer klug ist, meidet fels und klippen, und traut sich nicht der wilden see Dav. Schirmer
poet. rosengepüsche (1650) 61;
s. auch 64;
ähnlich Herder 25, 169
Suphan; du hast die welt gelehret das, was sie gutes hat, ... dasz wir die felder bawen ..., vns wind vnd wellen trawen Simon Dach
in Königsb. dichterkr. 164
ndr.; womit ihr den Briegschen gefilden euch trauet Wencel Scherffer
ged. (1652) 163; wir trauen uns der welt, so gehn wir nicht eh ein, bisz sie zu grunde fält Paul Fleming 126
Lappenberg; wer so lange zeit sich dem hofe trauet ... der wird auch bey guten biszen wohl von groszem elend wiszen
Reinicke fuchs (1650) 22; und doch traue dich, freund, selten der huld süszer versprechungen; trau der lächelnden stirn Herder 27, 312
Suphan; der leichtgläubige trauet ach, dem trügenden lüftchen sich 26, 228; doch traut das fräulein sich dem ritter nicht allein; mit Scherasmin steigt auch die amme hastig ein Wieland
sämtl. w. (1794) 22, 232. I@D@88)
im mhd. findet sich, wenn auch nicht allzu häufig, statt dieser construction mit dem accusativobject eine präpositionale umschreibung, oft mit abhängigem nebensatz: Erec triute im (
gott) vil sêre um sîn ritterlîche êre, daz er der geruochte pflegen
Erec 2498
Haupt; [] es lag vil teutscher knechte wol in der stat zu Doll, ir sold was gwiss und schlechte, man traute in allzeit wol über turn und über mauren, über leut und über guot (1479)
bei Liliencron
volksl. 157, 2; ... bat, dasz sie (
die fleischhacker) dem ratt daz flaisch aufhieben; des warn sie willig, und man trawet in umb daz gelt einzunemen
städtechron. 2, 308 (
Nürnberg ca. 1449). I@D@99)
eine festgewordene specielle verbindung ist gelt trauen =
creditieren: mhd. noch mit gen. object, für das frühnhd. der accusativ eindringt; vgl. auch I B 3 e: es was mancher kaufmann, der im eyner yeglichen grossen summ geltes umb kleinen solt getraut het Arigo
dec. 467
Keller; siehet er (
der mann), dasz die frau so embsig ist, so trauet er ihr das geld schon eher als sonst Stranitzky
ollapatrida 292
Wiener ndr.; wollten sie mir nicht das geld so (
d. h. ohne notar) trauen? ... ich will es ihnen trauen, wenn sie werden unterschrieben haben Straube
bei Gottsched
dtsch. schaubühne (1741) 1, 169;
hierher auch: wer viel hat, dem trauet man viel (
d. h. viel geld) Lehman
floril. polit. (1662) 3, 474;
ähnlich schon schöne weise klugreden (1548) 140
b. IIII. trauen
in der bed. '
anvertrauen',
die freilich ahd. und mhd. nicht zu belegen ist (
vgl. I D),
scheint auf nd. und md. boden früh auf verlobung und eheschlieszung angewandt worden zu sein, was zu eigner bedeutungsentwicklung geführt hat; schon seit dem 13.
jh. bezeugt: trauen
heiszt '
heiraten',
und später, vom priester gesagt, '
copulieren'. II@11)
die alte bed. spielt überall dort herein, später allerdings oft nur noch scheinbar, wo wie bei trauen I
ein dativ neben dem vb. steht. voll lebendig ist die alte bed. im mhd.: die man is ouch vormunde sînis wîbis, zu hant alse se yme getrûwet is
Sachsensp. 134, 7
Eckhardt; wenn das weib dem manne getrawet wirt, so nimpt er sie in seinen gewer Ch. Zobel
sechsisch weichbild u. lehenrecht (1537) 50
c; daz mir getrûwet würde ein maget, die ich mînem lîbe zu vrouwen und zu wîbe in rechter ê solde hân Heinr. v. Freiberg
Tristan 1074
ff. Bernt; wande si dem reinen man offenlich getrûet wart
passional 13, 9
H.; dergestalt wurde mir dieses schöne kind in beyseyn vieler edler personen getrauet
Jucundiss. (1680) 212; ebenso war Hectors zier als er ... ihm Andromache liesz trauen S. Dach 817
lit. ver.; diesem dencket er die schöne Cyriam zu und lässet sich vernehmen, dasz er sie jhme ... und keinem andern wolle trauen lassen Harsdörffer
schaupl. lust- u. lehrr. gesch. (1651) 2, 62.
in neuerer zeit nur noch poetisch: ihre reden achtet nicht der bruder, fest, Imoskis cadi sie zu trauen Göthe 2, 51
W.; die eine läszt sich trauen einem greise mit grauem bart und haar Grillparzer
sämtl. w. 6, 187
Sauer; seltener und erst später wird auch die braut im dativ genannt: du jungfraw einen freyer lieb hast, ehe dann er dir ehelich wird getrawet J. Barth
weiberspiegel (1565) n 2
b; sie wollen mir trauen als bettgenosz den falschen, verhaszten mann v. Strachwitz
ged. (1850) 59;
übertragen: sympathie die seele seelen traut Schiller 1, 32
G.; du holde siegesbraut, leuchtende Victoria! vom himmel uns getraut Brentano
ges. schr. 7, 427.
freier: sind es teppiche des festes, weil er sich der liebsten traute? Göthe 6, 18
W. [] II@22)
an die stelle des dativs treten allmählich präpositionen. II@2@aa)
an ist geläufig im 17.
jh. und reicht vereinzelt bis ins 19.
jh.; in verbindung mit localer anschauung kann es den affectiven gehalt eines anvertrauens (I D)
anklingen lassen, sonst in reiner verbindungsfunction: itzt hat er sich an euch, o schönste, lassen trauen Rist
Parnasz (1652) 157; o glücke dieser nacht, die dich an sie getrauet Hoffmannswaldau
u. andre auserl. ged. 2, 20
Neukirch; und ward ... mit grossem gepränge an sie getrauet Anton Ulr. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 267; die burgundische Maria, so an des hertzogs Maximiliani gevollmächtigten getrauet ward Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 2039; es ist auch ein ungeschicktes ding, wann einer diejenige, welche bey seiner frauen für magd gedienet hat, an seine seite sich trauen läszt
die sieben teufel (1693) 180; die angenehme braut, die dir das schicksal selbst an deine seite traut Ch. Fr. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 156; doch an die rechte traut gott sichtbarlich die braut Körner
leier u. schw. (1814) 87; indessen wird sie an Merops, den herrscher jener äuszersten erde getraut Göthe 41 II, 34
W.; doch vaterwille traute dich an Menelas 15, 191 (
Faust II 8856); eheleute, auf der landstrasze mit stricken und banden an einander getraut H. v. Kleist 2, 223
E. Schmidt. II@2@bb)
durch die präposition mit
wird das sociative element stärker betont. auszerdem setzt trauen mit
mehr als die anderen constructionen weithin einen dritten voraus, der traut, durch den der mann die braut, die braut den mann erhält. der eigentliche ort für trauen mit
ist daher das passivische getraut werden (3),
oder sich trauen lassen (4).
einfach activische beispiele sind selten und geben sonderfälle persönlicher souveräner willküracte wieder: mit wem ich mich traute, das sag ich euch nicht Göthe 1, 186
W.; weltenbrand wird hochzeitfackel werden wenn mit ewigkeit die zeit sich traut Schiller 1, 211
G. II@33)
passivisches getraut werden. II@3@aa)
meist ohne angabe dessen, der die trauung vollzieht. seit dem mhd. geläufig: in geistlichen vrouden wirt er getrûwet und gemâlet (gemahelet)
myst. 23, 13
Pfeiffer; mit andrer synonymenhäufung: da ward ... Siegfried und ... Florigunde ... copuliret und getrauet
volksb. v. geh. Siegfried 87
ndr.; da wurden sie beÿde alsdann copulirt, getrawet und zusammen gegeben Dannhawer
catechismusmilch (1657) 5, 607; bis sie im beywesen ehrlicher leute mit einander nach christlicher gewonheit getrauet worden Harsdörffer
schaupl. lust- u. lehrr. gesch., 1.
hund. (1651) 63; gleich wenn sie mit einander solten getrauet werden J. Prätorius
glückstopf (1669) 244;
typisch für trauurkunden: ich endesunterfertigter bezeuge hiermit ..., dasz der wohledle herr Wolfgang Amade Mozart ... mit der wohledlen j. Constanzia Weber ... getrauet worden seÿ
bei O. Jahn
Mozart 3, 157; die trauungsmatrikel der pfarre St. Johann ... berichtet, dasz an diesem tage ... getraut wurden: Ferdinand Raimann ... mit Aloisia Gleich
jahrb. d. Grillparzerges. 4, 163; wenn eine braut getrauet wird, und regnet unter wegen, so hat sie gewiss geweinet J. Prätorius
philosophia colus (1662) 209,
vgl. J. G. Schmidt
rockenphilosophia (1706) 2, 254; nach einigen angenehmen stunden des brautstandes sei er getraut worden Göthe 22, 30
W.; sie ist eines reichen mannes tochter, diesmal hofft ich getraut zu werden 13, 1, 245; Maria und Sickingen werden getraut 40, 102; schon den andern morgen wurden sie von einem englischen geistlichen getrauet Heinse 6, 147
Schüdd.; sie beschlieszen heimliche vermählung und werden von dem beichtvater des mädchens getraut G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 29;
[] die kapelle, worin, der sage nach, das unglückliche liebespaar getraut worden Heine 3, 260
Elster; aber diesem rufe folgten heute nur wenige, weil oben in der kirche Wang ein Brückenberger paar getraut werden sollte Fontane
ges. w. I 6, 43; beide paare wurden zusammen in sankt Georg getraut O. Ludwig
ges. schr. 1, 383; den tisch, an dem getraut werden sollte, zierten decken und blumen Immermann 9, 74
Boxb.; der rock wurde fertig, und der herr pastor sind darin getraut worden 5, 24. II@3@bb)
getraut sein: er ist getrauet, sie ist getrauet
M. Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1117; Serlo ist wirklich mit der schönen Elmire öffentlich getraut Göthe 23, 91
W.; sogar zischelte man einander in die ohren, sie seien niemals getraut gewesen 11, 135; sie sind doch schon so gut als getraut Gellert 3, 188; aber wir sind ja noch gar nicht getraut und nichts ist beredet und vorbereitet G. Keller
ges. w. 6, 343; darin sind die frauen alle gleich, sie trauen keinem recht, der nicht getraut ist, oder wenigstens von einer braut zu sagen weisz Tieck
schr. 11, 12; hochzeit ist in diesem zelte, mit der pest bin ich getraut Lenau
sämtl. w. 317
Reclam. II@3@cc)
getraut, vgl. auch teil 4, 1, 2, 4447:
nupta getruwet, getruwet wijf (
a. 1420), getrut Diefenbach
gloss. 385
c; daz keinir meistirrecht treiben sal, her habe denne ein elich getrauit weip
Neumarkter rechtsb. 274 (
a. 1454); Joseph wird angefochten uber seinem getrauten gemahel Luther 27, 475
W.; sie ist mein getrauetes weib
M. Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 1117; getrauete leute
gente maritata ebda; doch auch: was hältet man von solchen gesellen, so widrigkeit zwischen getraueten (
verlobten) einstreuen wollen
kunst über alle künste 80
Köhler; die durch die liebe allein getrauten turteltauben Klinger 7, 275; indes hiesz doch das junge mit ihm getraute mädchen seine frau A. G. Meissner
skizzen (1778) 1, 76; weil lehre, mit scherz zusammen getraut, die jugend desto basz erbaut Bürger 314
Bohtz; wir, gezeugt in einem schosze, und gewiegt in einer wiege und getraut zu einem bette Grillparzer
sämtl. w. (1892) 3, 13 (
doppelmandel vielliebchen). II@44) sich trauen lassen
vereinzelt schon mhd.: si cleit in (
den knaben) ûf von vûze gar unde lîz sich offinbar mit im trûwin zu der ê
N. v. Jeroschin 7345
Strehlke; izund (sagt' er) wär es nicht rahtsam, dasz er sich mit ihr trauen lihsse Zesen
adriat. Rosem. 39
ndr.; so bald er nur etzliche monate auff der universität zu einem schulmeister oder andern dienste sich qualificiret gemacht hätte, wolte er sich mit ihr trauen lassen Joh. Riemer
polit. maulaffe (1679) 53; und liess sich Alfonso mit Cornelia alsobald trauen E. G. Happel
acad. roman (1690) 353;
nuptias peragere sollennes sich trauen lassen mit einer Weismann
lex. bipart. (1725) 2, 411
b; ich habe mich heute mit ihr trauen lassen Gellert
werke 4, 199; die prinzessin sagte nun, sie wolle sich morgen mit ihm trauen lassen
kinder- u. hausm. (1812) 1, 309; ich gehe gleich mit dir fort, und wir lassen uns in der stadt miteinander trauen Ayrenhoff
sämtl. w. 4, 78; das junge paar hat sich in aller stille bereits trauen lassen Gerstenberg
schlesw. litbr. 148
lit.-denkm.; weil sich in Paris ... die meisten armen der kosten wegen gar nicht trauen lassen Savigny
v. beruf unsrer zeit (1814) 71; trug ich ihnen (
anrede) an, mich scheiden und mich mit ihnen trauen zu lassen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 96; man soll sich nicht kirchlich trauen lassen G. Hauptmann
eins. menschen (1891) 54; wie? in diesem wams wollt ihr euch doch hoffentlich nicht trauen lassen Hauff (1890) 1, 287. II@55)
in spätmhd. zeit entwickelt sich eine abgekürzte transitive ausdrucksweise, die sinn und syntax der ursprünglichen anwendung von trauen II 1
ganz verlassen hat. trauen
c. acc. heiszt jetzt einfach '
heiraten'.
wieder ist [] Niederdeutschland das ausgangsland: hertich Gherd hadde getruwet des markgreven suster
städtechron. 28, 415 (
Lübeck 1438)
und so sehr oft; sei hevet einen man getruwet, einen degen wol gemeit
nd. bearb. d. Rosengartens (
hs. von 1470)
in zs. f. dt. alt. 5, 369,
vgl. Holz lxx;
ducere ein wijf truwen,
nubere einen man truwen
gemma gemmarum (
Köln 1507)
bei Diefenbach 192
u. 384;
quadrigamus die vier vrowen hefft getrowet
aus ders. quelle ebda 476; die braut gehet zu der kirchen, den breutigam zu trauen
kunckels evangelia (
Köln 1557) g 2
a;
späterhin auch obd.: wie dan der könig sie irer schöne wegen gethraut S. Kiechel 79
lit. ver.; dieweil er mit einer (
frau) nit zufrieden sein, sonder die zweite auch trauen wolt
F. Agricola
ketzerbrunn (1583) 57; eine von des königs concubinen, die er doch hernach getrauet hat Abelius
invent. Sueciae (1632) d 4
a; der vater bewülligte lätslich, dasz si einander trauen möchten Zesen
adriat. Rosem. 220
ndr.; ... ein schönes weib erst trauen und, wann sie häszlich wird, mit ihr doch müssen bauen den ehstand immer fort Abele
künstl. unordnung (1670) 4, 426; er war schon alt und hofft ein reiches weib zu trauen Chr. Warnecke
poet. versuch (1704) 121;
im laufe des 18.
jh. verschwindet dieses transitive trauen
aus der literatursprache gänzlich. erhalten bleibt es lediglich im (
ursprüngl. nd.?)
rechtssprichwort: die de man trouwt, die trouwt oock de schulden Pistorius
thes. paröm. (1715/25) 1059; die den mann trauet, die trauet die schuld Eisenhart
grundsätze (1759) 120; Graf-Dietherr 152;
hwb. der staatswissensch. 2.
aufl. 3 (1901) 280
und zum teil in nd. mundarten: ene wedewe trouen
brem.-ns. wb. 5, 115; he wil dat wicht troen Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 436;
ebenso am Niederrhein u. niederländisch. hochdt. vereinzelt im volkslied: und wenn es trauben regnet, dann thaut es kühlen wein, dann wollt ich dich mägdlein trauen, dann soll die hochzeit sein
F. L. Mittler
dt. volksl. (1865) 652. II@66)
in der schriftsprache ist dieses transitive trauen
heute völlig verdrängt von trauen
in der bedeutung copulare, vom priester gesagt. die ablösung erfolgt etwa um 1700,
belege für 5
sind nach 1700,
belege für 6 (
mit object)
sind vor 1700
rar. jedoch ist schon seit der 2.
hälfte des 16.
jh. ein absolutes trauen (
ohne object)
für die priesterliche handlung üblich: sonst haben wir ... niemand unsern dienst mit sacrament reichen, auffbieten und trawen versaget Mathesius
Sarepta (1571) 137
b; sich, wenn er (
der pfarrer) trawn und teuffen sol Ringwaldt
lauter warh. (1590) 198; also dass auf einmahl der priester taufft und traut Zesen
verm. Helikon (1656) 2, 30.
im 17.
jh. dann vereinzelt die ersten belege mit danebenstehendem object: matrimonium contrahentes solenni nexus ac precationis formula prosequi braut und bräutigam trawen
nomenclator lat. germ. in usum schol. Hamb. (1634) 462;
nicht vom priester, aber von priesterähnlichem tun: sie (
die mutter) trauet kind und freund, gibt ihrer liebe pfand und schlägt mit eigner faust durch die gepaarte hand und spricht: es sei also! P. Fleming
dt. ged. 1, 64
lit. ver.; metaphorisch abgeblaszt: das Teutscheland trauet drey streitende kronen Rist
friedej. Teutschl. (1653)
erkl. d. titelbl.; bei M. Kramer
stehen nebeneinander das alte ihrer viel wollen lieben, freyen, aber nicht trauen; eine offentlich vor dem altar trauen
sposar' una publicamente dinanzi l'altare; er hat sie getrauet
egli l'hà sposato, und das neue ein paar verlobte trauen (zusammentrauen)
benedire le nozze d'una coppia di sposi t.-it. 2 (1702) 1117.
späterhin herrscht trauen
c. acc. als copulare concurrenzlos: ich hatte das vergnügen, dies liebenswürdige paar den 13 ten
[] october 1767 ... zu trauen Lavater
verm. schr. 1, 138; ein jüdischer hoherpriester ... in der stellung, als ob er sie auf christliche art trauen wollte Nicolai
reise d. Deutschl. 2, 654; da es hier keine protestantische kirche gebe, so werde er (
der pastor) sie im zimmer trauen Laube
ges. schr. 8, 114; so traute sie der junge vikar Cl. Viebig
schlaf. heer 2 (1904) 330;
mit auslassung des objects: vor dem altar knieten beide, und der priester traute schon Immermann 11, 199
Boxb.; seine gemeinde, darin er ... fünfzig jahre getraut und getauft ... hatte Fontane
ges. w. I 2, 551; der trauende priester, der (
bei der goldenen hochzeit) die alten herzen noch einmal an einander legt Börne
ges. schr. 4, 49;
poetische steigerung läszt gott oder den tod statt des priesters die engste vereinigung vollziehen: wir sind es, die längstverwandten, die der gott getraut Hölderlin 1, 185
Litzmann; glückseliger Petrarch, den itzt der tod getraut mit Lauren hat Lenz
ged. 132
Weinhold; die ehre ist der hochzeitsgast, das vaterland die braut. wer sie recht brünstiglich umfaszt, den hat der tod getraut Körner 1, 113
Hempel; mein bräutigam ist er! ich heisze die braut! uns haben die engel im himmel getraut Bürger 35
Bohtz;