treu,
adj. u. adv. ;
vgl. auch getreu
teil 4, 1,
sp. 4499
bis 4521.
verbreitung und herkunft. das wort ist gemeingermanisch: got. triggws
πιστός (
dazu das adv. triggwaba
πεποιθώς);
altnord. tryggr '
treu, vertrauensvoll, wahr' (
das nicht-eddische trûr,
altschwed. trôr,
das auch die bedeutung '
glaubend'
in religiösem sinne hat, ist dagegen mit Osthoff
zu einer andern vokalstufe der wurzel zu stellen; s. u.),
runisch (
um 950)
in Siktriku (<
*Siʒitriggwa)
s. Noreen
altschwed. gramm. s. 501
und altisl. gramm.4 § 153,
schwed. trygg,
dän. norw. tryg '
sicher, ruhig'
; für '
treu'
ist tro (
norw. landsmaal tru) (< trôr, trûr)
bzw. trofast
eingetreten; aus dem nordischen entlehnt ist mittelengl. trigg >
neuengl. (
nur noch familiär und provinziell) trig '
stark, schmuck, hübsch'.
das westgerm. hat die -ja-
bildung: ags. (ʒe)treowe, treouwe, trêwe '
treu, vertrauenswürdig',
westsächsisch meist umgelautet (ʒe)triewe, trîwe,
north. gelegentlich verkürzt: (ʒe)triwe
[] s. Sievers
3 § 156, 5;
mittelengl. auszer diesen formen schon trûwe
und trûe,
neuenglisch true,
das neben '
treu'
allmählich überwiegend die bedeutungen '
wahr, richtig, echt'
angenommen hat. altfries. tri(u)we, trio(u)we, troiwe, tro(u)we '
treu, zuverlässig',
vgl. Siebs
grundrisz2 1, 1236;
mittelniederl. (ghe)trû(we), trou(we),
niederländ. trouw;
altsächs. triuwi,
mittelnd. trûwe.
über ahd. triu(wi)
und mhd. triuwe
vgl. '
form'.
den etymologischen zusammenhang der treu-
sippe mit der der eiche bzw. des baumes (
griech. δρῦς,
got. triu
u. s. w.),
ein zusammenhang, der auf die grundbedeutung von '(
baum)
stark, fest, hart, dauernd'
führt und etwa in dem lat. verhältnis von robur — robustus
eine genaue parallele hat, hat erstmalig H. L. Ahrens (
δρῦς u. s. sippe, Hannover 1866)
gesehen (
vgl. bald darauf auch Schade
2956
ff.)
; dann hat ihn H. Osthoff
in seiner abhandlung '
eiche und treue' (
etym. parerga, Leipzig 1901, 98
ff., bes. 118
ff.; vgl. auch '
vom kernholz'
ebda 71
ff.)
weiter begründet, nicht nur lautlich und morphologisch, sondern auch bedeutungs- und kulturgeschichtlich ausgebaut und dadurch zu höchster wahrscheinlichkeit erhoben. andere etymologische anknüpfungen oder einzelabweichungen bleiben daher hier unberücksichtigt. zugrunde liegt eine indogermanische wurzel *der
oder *dre,
die ablautend als *dor
bzw. *dro
und als *dru
erscheint und auszerdem zwei formen *drû
und *dru
zeigt, die Osthoff
auch aus (
vorsonantischen)
formen mit
zu erklären neigt (
anders z. b. Noreen
nach altisl. gramm.4 § 166).
nur eine ganz kleine auswahl des hergehörigen wortguts sei hier angeführt. die grundform *der
ist u. a. im got. volksnamen Tervingi,
in altnord. tyr(v)i '
kienholz', tyrr '
föhre'
und den ags. und nd. entsprechungen von '
teer' (
das hd. in früheren sprachstufen fehlt)
enthalten, *dre
in der triu-'
baum'-
sippe (
got. triu <
*triw,
ags. treow,
afries. trē,
as. trio, treo;
deutsch nur in dialektwörtern, z. b. westfäl. traise '
holzbirne'
und suffixal in wacholder, holunder
u. ä. weiterlebend)
und —
mit verdoppelung des halbvokals —
in triggws, triuwi
u. s. w. '
treu'.
die stufe *dor
zeigt z. b. griech. δόρυ;
*dro
führt zu germ. *traw >
*trau
und liegt in got. trausti '
vertrag, bündnis',
altnord. traustr '
sicher, stark',
dtsch. trost
vor. die wurzelform *drū
liegt dem griech. δρῦς und im germ. dem ahd. trûen,
got. trauan
u. s. w., aisl. trûr,
aschwed. trôr '
treu'
zugrunde; *dru
steckt in ags. trum '
fest, stark',
mlat. <
altfränk. trust(is) '
treuverhältnis' (
s. Grimm
rechtsaltert. 269. 275. 943, van Helten
PB beitr. 25, 498
f.),
vielleicht mhd. getrüste (
dies dann also nicht < truht,
wie Ben.-Müller-
Z. 3, 124
b meinen)
und dem nord- und westgerm. trog.
die triu-'
baum'-
und triggws-'
treu'-
gruppe gehört also trotz des unterschiedes von
und
formal enger zusammen als die in ihrer übertragenen bedeutung semasiologisch in engstem zusammenhang mit treu
stehende trauen-
oder trost-
gruppe. form. die ursprüngliche ja-
bildung ist früh im nominativ einsilbig geworden und hat dann das auslautende w
abgestoszen (
schon mhd. auch getriu).
vom 15.-17.
jh. begegnet vielfach für das u
des diphthongen die w-
schreibung, natürlich ohne konsonantische geltung, z. b. trew
gemma gemm. 1512 (Dief. 571
c), Dedekind
papista conversus (1596) a ii
b, Zehner
nomencl. lat.-germ. (1663) 94, traw Dasypodius
dict. lat.-germ. (1536) 72,
auch in zweisilbigen formen: trewer ler (
gen.) Folz
meisterl. 2, 11; trewer hort Luther
bei Wackernagel 3, 8;
lexikalisch Dasypodius
dict. germ.-lat. (1537) 442, Eyering
prov. cop. (1601ff.) 1, 78;
vgl. Moser § 22;
ebda anm. 4
u. 5
über die stellung der grammatiker. anderseits ist in den obliquen kasus das w
gern hiatdeckend erhalten, wo es nicht nur orthographischen, sondern sicher noch konsonantischen charakter trägt, und hält sich dann durch systemzwang auch im nominativ (
vgl. v. Bahder 214
ff.): truw
gemma gemm. 1513 (Dief. 571
c),
voc. ex quo ca. 1521
ebda, trouwe
gemma gemm. 1507
ebda, treüwe, treüwer Frisius (1556) 34
a, 1368
b; trauw Waldis
Esop 4, 11; treuw Schmidt
id. Bernense 67;
charakteristisch für das durcheinander ist Wachter (1737) 1712.
mundartlich begegnet [] sogar ww: trüwwe Jellinghaus
Ravensb. 80.
neben w
begegnen auch andere gleitkonsonanten: j
und g,
im Aargauischen auch ein auffälliges n: tröüje (i) tröüne (i) Hunziker 61; trüje Bauer-Collitz
Waldeck 105
b, trygə Martin
Waldeck 278; trügge Woeste
westf. 275;
auch ostniederdtsch. stellt sich velare konsonans ein, freilich spirantisch. sonst jedoch überwiegt heute auch in den maa. der rein vokalisch auslautende stamm. der stammvokal zeigt in älterer zeit neben der hochdtsch. iu-
form unter dem einflusz des w
besonders mittel- und niederdtsch. übergang zu û,
die frühesten belege schon im ahd. Tatian. auch in nhd. zeit ist dieser unterschied bei aller sonstigen buntscheckigkeit des vokalismus der am meisten hervorleuchtende: tru Flemes
Kahlenberg 371, Damköhler
Nordharz 196, Danneil
altmärk.-plattdtsch. 227, Schambach
Gött. 235;
hier daneben auch tr,
das noch Block
Eilsdorf 98
und Woeste
Westf. 275
bezeugt ist und in diesem gebiet wohl durch umlautwirkung erklärt werden musz, während sonst meist der umlaut gehindert, vor allem nicht immer erkennbar ist. in einem schmalen mitteldtsch. gebiet erscheint frühnhd. die zugehörige diphthongierte form trau (
vgl. teil 4, 1, 4428/9
s. v. getrau),
z. b. Waldis
Esop 4, 11; Fleming (1651) 104.
anderes s. v. Bahder
grundl. d. nhd. lautsyst. 216.
das westmitteldeutsche hat mit verschiedenen modificationen diphthongierte formen; ob hier auch an au-
umlaut gedacht werden kann oder nur die allgemein hochdeutsche diphthongierung vorliegt, ist nicht überall zu entscheiden, vgl. auch Moser § 82
anm. 15;
immerhin ist mit einem sondergebiet westfälischer (
ev. auch mittel- und rheinfränkischer)
diphthongierung zu rechnen, s. Wrede
anz. 20, 220,
wie auch bei î > ei
und û > au,
ders. anz. 18, 410; 20, 215.
hierher gehört wohl auch das trouwe
einer nd. gemma gemm. vom anf. des 16.
jhs., s. Diefenbach 571
c s. v. tafidus. das alemannische hat die undiphthongierte tr-
form in einem teil des hochalemannischen bis heute bewahrt, s. z. b. Stucki
Jaun Kant. Freiberg, Streiff
Glarn, trüwi, trüs < trüvs Bühler
Davos 171;
sonst ist in der besonderen auslaut- bzw. hiatstellung seit dem 16./17.
jh., vereinzelt früher, diphthongierung eingetreten (
vgl. Moser § 77, 2; Jutz
alem. maa. 102),
so dasz in mehreren maa. ein troi
u. ä. neben einem trüli '
treulich'
steht, z. b. Weber
Zür. oberland 67
u. 60, Seiler
Basel 84.
das schwäbische zeigt in seinem hauptgebiet trui,
näheres s. Fischer 2, 373,
nach Moser § 82, 2
schon seit dem 14./15.
jh.; im bayrischen deutet frühe äu-
schreibung auf besonders offenen diphthong; s. Moser § 77,
s. 159.
besonderer formenreichtum begegnet in den friesischen gebieten: ostfries. trô,
seltener trau
oder trou
und tri Doornkaat-Koolman 3, 435; trou
notiert auch das brem.-ndsächs. wb. 5, 114;
westfries.: trou, trouw Dijkstra 3, 333; traauw ter Laan 253; 1054;
saterländisch trjuwe Hettema 252,
nordfries.: tru Rask (
dankesgabe f. Leitzmann) 204, trâû Jensen
Wiedingharde 638, trâw Schmidt-Petersen 138
a, truu Mungard
Sölring 230, Möller
Sölring 278, troi Siebs
Helgol. 296. —
versuche, die äu-
schreibung orthographisch einzuführen, zeigen Zesen (
z. b. Rosemund a 4
a)
und Steinbach (1734) 2, 840/41;
gelegentlich begegnet frühnhd. auch treü,
z. b. Knebel
chron. v. Kaisheim 24
lit. ver. sowohl für die monophthongische wie für die diphthongische form begegnet entrundung: trî < trü Damköhler
Nordharz 196, Fischer
preusz. Samland 116; trei (trai) < treu
u. s. w. Lenz
Handschuhsheim 72, Meisinger
Rappenau 204, Follmann
lothr. 101,
wb. d. lux. ma. 442, Bachmann-Lambert
Pennsylv.-Germ. (rheinpfälzisch) 152;
beides Jutz
alem. maa. 102.
auf kürzung in zweisilbiger form lassen trügge Woeste
westf. 275
und trüwwe Jellinghaus
Ravensberg 80
schlieszen. im anlaut erscheint, von Otfrieds falscher analogie gidriwi
abgesehen dr
bei Seiler
Basel 84,
weniger für media als für lenischarakter des t
zeugend. gelegentlich begegnet th: Bugenhagen
Braunschw. kirchenordn. (1531) fij. (
s. unter I A 5).
merkwürdig und in seiner eigentlichen ursache immer noch ungeklärt ist der ersatz des simplex tr.
durch das ge—
[] kompositum, der in den verschiedenen westgerm. dialekten verschieden stark ist, am durchgreifendsten aber im ahd. und mhd. in erscheinung tritt; altsächsisch (
Hel. 3517
u. 4556),
altfries. und ags. stehen beide formen nebeneinander; ags. überwiegt schon eher die präfigierte form (
die bem. von Wunderlich
teil 4, 1, 4499
über getreówe
ist danach zu korrigieren)
; mnd. überwiegt naturgemäsz bei weitem das simplex. der einzige ahd. beleg steht im keron. glossar wo flores hylares bzw. hilares in Pa mit ploamun triu,
in K mit plomum triuui
wiedergegeben —
scheint; aber dieser beleg ist aus bedeutungsgründen keineswegs über jeden zweifel erhaben (
St. I 1562).
in der mhd. literatur wird das adj. triuwe
mit überraschender konsequenz jahrhundertelang gemieden; erst um 1300
kommt es ganz langsam, erklärlicherweise besonders in md. gebiet, wieder in gebrauch; eine ganze reihe der schon seltenen belege in mhd. texten erweist sich bei näherem zusehen als unecht oder junge schreiberform. das knappe dutzend zuverlässiger mhd. belege für das simplex s. unter I A 5, 6; B 1; C 1, 3, 4, 5;
nicht sicher sind dagegen die folgenden (
zum groszen teil schon bei Röthe, Reinmar v. Zweter 627
verzeichneten)
belege: Frauenlob 362, 5,
kl. 7, 5,
ml. 34, 3
Ettmüller, Tannhäuser 2, 89
b minnes.; Reinmar v. Zweter 244, 8
Röthe; Rumslant 2, 370
a; Meisner 3, 91
b (2
mal) 98
a minnes.; Gundacker v. Judenburg 4430
und das bei Lexer
angeführte zitat. die spätmittelalterlichen gloss. zeigen entsprechend dieselbe abschnürung der simplexform: Dief. 233
c, 234
a, 438
b, 571
c belegt unter 26
übersetzungen für fidelis, fidus, pisticus, tafidus nur 1
mal (
erst 1512!)
ein hochdeutsches trew.
der sehr eindeutige literarisch-lexikalische befund wird im groszen und ganzen den sprachgebrauch immerhin richtig widerspiegeln. charakteristisch für das lange überwuchern der präfigierten form ist die haltung mehrerer älterer nhd. wörterbücher, die freilich eine sprachlich ganz unberechtigte konservativität üben (
vgl. auch teil 4, 1,
sp. 4506):
eine grosze reihe von ihnen, nicht blosz aus dem 16.
u. 17.
jh., kennt nur die ge-
form, und dieser abusus schleppt sich bis tief ins 18.
jh.; noch das brem.-niedersächs. wb. notiert 5, 114
als '
übersetzung'
von trou
nur getreu, ehrlich;
ähnlich verfährt noch später Frisch
nouv. dict. des pass. (1772) 939; Weissmann
lex. bip. (1698)
kennt im lat.-dtsch. teil nur getreu I 170, 171,
und II 379
notiert er treu
nur als verweiswort; eine weitere reihe setzt getreu
als hauptstichwort ein, dem nur etwa in einem belege das simplex folgt. wortgeographisch ist immerhin bemerkenswert, dasz das wort in manchen dialekten nicht recht heimisch ist: so ist im Elsasz noch heute getreu
die bevorzugte form Martin-Lienh. 2, 737;
schwäbisch ist es wenig volksüblich, s. Fischer 2, 373,
kärntisch nach Lexer
kärnt. 70
meist durch troila
oder gar durch 'taitsch'
ersetzt (
vgl. auch unter I C 2).
für die erklärung der durchgreifenden sprachlichen sonderbehandlung des wortes in der ahd. und mhd. zeit ist der zunächst naheliegende schlusz auf den perfectiven und ev. auch durativen charakter des präfixes nicht zureichend, da ja gerade das mhd. getriuwe
jene bedeutungsausprägung des dauerhaften, stäten, den das nhd. treu
immer mehr angenommen hat, noch wenig zeigt. ebensowenig kann der besonders gewichtige, ethisch schwere bedeutungsgehalt des wortes alleinige ursache seiner formalen sonderbehandlung oder auszeichnung sein; das ist vielmehr heute (
vgl. Eberhard-Maasz-Gruber
3 3, 195)
ein kriterium für die seltenere, gewählte anwendung von getreu.
wenn nicht Hildebrand
s vermutung teil 4, 1, 1611 c
das rechte trifft (ga-
als beziehungspräfix),
so dürften metrische oder rhythmische gesichtspunkte, die —
auch auszerhalb des bedeutungsunterschiedes —
noch nhd. bei dem nebeneinander beider formen eine rolle spielen und erst recht für die gesamte mhd. literatur in ihrer versgebundenheit wichtig sind (
wie auch die ge-
erweiterung der infinitive durch die stellung nach den einsilbigen hilfsverben im vers mindestens stark begünstigt wurde)
als motiv sehr mitsprechen, so wenig man dabei weitgreifender wirkung der analogie entraten kann. die schwierigkeit eines untriuwe (
dagegen ohne bedenken allertriuwest
z. b. Rother 5088)
für den vers erzwang z. b. ein ungetriuwe,
wie ja noch heute poetisch das ungetreu
einen [] starken vorrang behauptet: lieber tot als ungetreu,
oder in einem metrischen typus wie naturgetreu
sogar in der prosa die präfixlose form ungebräuchlich bleibt (
vgl. teil 4, 1,
sp. 4505).
in anderem zusammenhang (
frage der tonverschiebung)
hat Michels
ähnliche gesichtspunkte sehr fruchtbar ausgewertet (
Germanica, festschr. f. Sievers, 39
ff.),
und kaum ist es ein zufall, wenn nach ungeschriebenen gesetzen rhythmischer parallelität der | treue | Heinrich |
oder der | treue | Eckhart | (
vgl. Wunderlich
teil 4, 1,
sp. 4510)
ihr präfix aufgegeben haben, aber der | getreue | Johannes |
es behält. dasz auch heute in der prosa einzig und allein satzrhythmischer unterschied die auswahl unter den beiden formen bedingen kann, zeigen folgende beispiele: ... weil darin (
in den contratänzen Beethovens) das berühmte motiv der sinfonia eroica als contratanz dem original getreu verwendet erscheint, so treu, dasz sogar die fermate im zweiten theil beibehalten ist
F. M. Böhme
gesch. des tanzes (1886) 265; ey du frummer vnnd getrewer knecht. du bist vber wenig trew gewesen Berthold v. Chiemsee
tewtsche theol. 695
Reithmeyer. statt des adverbs tritt sehr gern treulich
ein, zumal in älterer zeit; gleichzeitig mit dem in gebrauch kommen des kurzadverbs verengt jenes seinen anwendungskreis. bedeutung und gebrauch. da die belege des wortes treu
in dieser gestalt trotz seines alters erst mit der nhd. zeit einsetzen, ist es in diesem sonderfall zum verständnis der meisten bedeutungen und anwendungen unumgänglich, die bedeutungsentwicklung (
besonders die vorneuhochdeutsche)
kurz zu überblicken. ob die ursprüngliche verwendung des adj. im germanischen, wie die eindeutig enge bedeutung '
vertrag, bündnis'
für got. triggwa,
die auch sonst weiterlebt, nahe legt, eine engere war und den etymologisch vorauszusetzenden begriff des '
starken, festen, dauernden'
vorzugsweise auf rechtliche verhältnisse eingeschränkt hatte (
zu denen freilich auch die ehe gehörte),
musz dahingestellt bleiben; die germ. überlieferung zeigt für das adj. schon überall eine reichere bedeutungsentfaltung. die geschichte des wortes im altdeutschen ist durch ein doppeltes gekennzeichnet: einmal hat es in der mittelalterlichen geistlichen übersetzungslit. den religiös-kirchlichen gehalt von credulus bezw. credens, pius und fidelis '
gläubig'
mit übernommen (
vgl. Wunderlich
teil 4, 1, 4500),
vor allem aber ist getriuwe
in der mhd. literatur zu einem grundwort der ritterlich-höfischen ethik geworden und hat damit den charakter eines allgemeineren tugendbegriffs erhalten: für unsere heutigen begriffe des '
pflichttreu, diensttreu', '
mannhaft, tapfer', '
ehrlich, wahrhaftig, redlich', '
gütig, mitleidig, freundlich, freigebig', '
rein, lauter', '
verschwiegen',
allgemein für das ethisch substantielle '
zuverlässig',
kann in der höfisch-mittelalterlichen sprache je nach der situation getriuwe
gebraucht werden, ohne dasz immer das moment des dauernden, beharrenden mehr betont würde, als es all diesen eigenschaften von vornherein innewohnt; der begriff '
dauerhaft, ausharrend, festhaltend'
wird mhd. vorwiegend durch stæte
bezeichnet. das nhd. treu
gibt zwar jenen verwendungsbereich, soweit er nicht (
wie beim lehnsrecht oder engeren minnedienst)
mit der erscheinung selbst ausstirbt, keineswegs auf; es hält den ethischen bedeutungsreichtum nicht nur in festgewordenen formeln oder bildern und einer fülle mehr oder weniger erstarrter syntaktischer verbindungen fest, sondern es bleibt in bestimmten menschlichen verhältnissen (
freundschaft, familie)
geradezu herrschend, ohne dasz damit immer das andauernde, langwährende oder feststehende hervorgekehrt wird. und doch ist nicht zu verkennen, dasz sich im laufe der nhd. zeit die ethische tiefe des wortes gegenüber dem mhd. getriuwe
immer mehr verflacht und der ebengenannte minder gehaltvolle sinn vorzuherrschen beginnt. vor allem ist das daran zu sehen, dasz die bezeichnung treu
seit dem 18.
jh. in weitestem umfange (
ohne dasz eine ironie fühlbar wird)
auf untugenden oder ethisch neutrale verhältnisse und dinge übertragen wird (einer eigenschaft
oder irgendeiner sache treu bleiben),
ferner dasz (
von bloszen personifizierungen abgesehen)
neue [] allmählich immer äuszerlicher werdende bedeutungen (
echt, genau, regelmäszig u. s. w.)
in der anwendung oft auf konkrete sachwörter auftauchen (treue farbe, treuer spiegel, treue übersetzung, treues echo, treues gedächtnis
u. s. w.),
schlieszlich auch daran, dasz innerhalb des ethischen bezirks ähnlich wie bei brav
oder auch gut
ein geringschätziger nebensinn vorzudringen beginnt (treue seele).
vielleicht ist nur das ungebrochen seinen ethischen gehalt wahrende substantiv, das sich diesem verflachenden vielgebrauch, dem das syntaktisch nicht so selbständige beiwort schon als solches mehr unterliegt, leichter entzieht, die ursache, dasz das adj. im unterschied zu brav
doch noch seinen ernsten, gehaltvollen sinn daneben festhalten kann. II. treu
bezeichnet ein ethisch bestimmtes empfinden, verhalten oder handeln. I@AA.
relativer gebrauch: mit ausgedrücktem oder doch zugedachtem (
überwiegend persönlichem)
object, meist sogar ein gegenseitiges verhalten ausdrückend. I@A@11)
von rechtlicher grundlage (
lehnsrecht)
ausgehend: seinem herrn, fürsten treu sein
u. ä.: die man sal sime herren bi plicht hulde dun, unde sveren dat he ime so trüwe unde also holt si, alse durch recht die man sime herren sole, die wile dat he sin man wesen wille unde sin gut hebben wille
Sachsenspiegel 2, 146
Homeyer; treu hingst du deinem alten fürsten an Th. Körner 1, 107
Hempel (
Andreas Hofer); dem fürsten treu, dem wir den eid geschworen Grillparzer 2, 140
Sauer; treuer untertan, treuer diener
u. ä.: dein maiestat wölle disze erinderung von dynem warhafftigen trüwen diener ... nit verachten H. v. Cronberg
schriften 7
ndr.; der selbigen zeit lebt auch herr Johann Trucksesz ritter, zugenent Molle, Fridrichs von Oesterreych treuwer diener Stumpf
Schweizerchron. (1606) 412
b; ein treuer knecht kan fürsten ja bewegen Hoffmannswaldau
u. a. Dtsch. auserl. ged. 2, 79; wie gesagt, war mein vater ein treuer und verbundener diener des hauses Medicis Göthe I 43, 22
W.; wie kann ein so guter und treuer unterthan, als ich, dem werthen sohne des regierenden bürgermeisters etwas versagen? Langbein 31, 136.
besonders häufig plurales oder collectives subject, völker, länder u. s. w.: es lebt standhaftes recht; wohl treuen königreichen! Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 108; mein prinz ... ... leute, welche theils dein treues land gebohren Benj. Neukirch
ged. (1744) 187;
ähnl. König
ged. (1745) 20; wer will das volk hindern loszubrechen? ... wer bürgt uns, dasz sie sich ferner treu und unterthänig zeigen werden? Göthe I 8, 263
W.; zurück, meldet meiner treuen stadt: des eides gegen mich entlasz ich sie Schiller 13, 203
Gödeke; speciell: als keiser Fridrich ... in papsts bann war, wurden auch die Zuricher verbannet, vmb dasz sie bemeltem keiser treuw vnd hold waren Stumpf
Schweizerchron. (1606) 486
a; (
schilderung der Alemannen) kriegerisch, grausam ... tollkühn ..., gegen ihre führer aber so treu, dasz man ihnen eher das leben als die treue rauben könnte Nitzsch
dtsch. stud. 46; denn du bist ihm ein hindernisz, dasz sich der Schwytzer nicht dem neuen fürstenhaus will unterwerfen, sondern treu und fest beim reich beharren Schiller 14, 284
Gödeke; komm, weise herrscherin des treuen Iberstrandes Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 58; dein treues Ludwigsburg liegt hier Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 52.
stehende redensart: treue Pommern, treue Sachsen,
z. b. Gottsched
ged. (1751) 1, 31;
[] drum hangen wir (
Württemberger) so treu und warm am graven unserm herrn Schiller 1, 347
Gödeke (
anders vgl. B 4 d); was du hier thatest, fürst, wird dich gereun, so treu wird keiner wie die Preuszen sein (
lied der abziehenden truppen 1848)
bei Bismarck
ged. u. erinn. 1, 58.
dagegen treue Deutsche
als charakterbezeichnung s. C 2.
hierher auch etwa: so sehnt sich das vaterland, von treuem verlangen durchdrungen, nach dir, o könig, unsre lust! Th. Abbt
werke 2, 103. treuer diener
des herrschers im engeren sinne =
kanzler, minister u. s. w.; die treue teilt sich zwischen person und amt: wo treue diener falln, die ancker eines fürsten, fällt auch der fürst leicht nach Lohenstein
Ibrah. sult. (1679) 114; lange haben die kaiser ... dem treuen diener den ruhm gelassen, dasz die bessern taten des fürsten von seinen warnungen herkämen A. v. Haller
Usong (1771) 51; er ist mein freund und treuer diener Fr. Wilh. iv.
an Franz Jos. üb. Bismarck, s. ged. u. erinn. 1, 104; ein treuer diener seines herrn
titel bei Grillparzer.
dieser gebrauch verblaszt leicht zur bloszen formelhaftigkeit: diesz allzukühne blatt: dadurch dein treuster knecht den schlusz gefasset hat Gottsched
ged. (1751) 1, 380;
oder nun aber wird ein zierlich heft geschmücket, ein treuer diener widmets deiner hoheit Göthe I 4, 3
W. (
an die erbherzogin).
dem treuen diener
entsprechen die treuen dienste
in diesem rechtlichen sinne: Bonta ... ist im groszen krieg ... Erico hertzogen von Pommern für seine trewe dienst mit der Lawenburg vnd allen zugehörigen vorliehen worden Hennenberger
ercler. d. preuss. landtaffel (1595) 33;
ähnl. Stumpf
Schweizerchron. (1606) 36
a; getreue untertanen ... würden auch die vngnade mit treuen diensten auszlöschen Lehman
floril. polit. (1662) 2, 572.
ein rechtliches verhältnis, wenn auch in allgemeinerem sinne, liegt auch zugrunde bei der pflichttreue und berufstreue: he is trô in sîn pflicht Doornkaat-Koolman 3, 435; müh und gefahr soll mich nicht schrecken, treu meiner pflicht ermatt ich nicht Gotter
ged. 3, 486; da sie (
Makarie) denn äuszere pflichten auf das treuste zu erfüllen strebte Göthe I 25
1, 281
W.; sie hielten aus in kampf und sturmeswettern und standen treu bei tugend, recht und pflicht Th. Körner 1, 360
Stern; so treu dem unermüdlichen beruf war ers, der held und schäfer leicht erschuf Göthe I 16, 136
W. (
auf Miedings tod); aber gottgesandte wechselwinde treiben seitwärts ihn (
d. steuermann) der vorgesteckten fahrt ab, und er scheint sich ihnen hinzugeben, strebet leise sie zu überlisten, treu dem zweck (
d. h. seinem berufe) auch auf dem schiefen wege Göthe I 2, 73
W. auch dienst als beruf: ich welte im (
dem meister) trwen dienst leisten und alle ding flissig uffschriben Th. Platter 52
Boos; im (
richter-)dienst treu Ramler
fabellese (1783) 1, 74.
vom rechtlich-vertraglichen verhältnis zwischen verbündeten völkern: treue alliierte
fideles socii Hederich
prompt. (1736) 2262; treue bundesgenossen Mommsen
röm. gesch. 2, 56; die Nortmanner bliben dem babst trew Seb. Franck
chron. Germ. (
nov. 1538) 83
a; wo sy und ire erben furhin dem romischen reich gehorsam, treu und dienstbar bliben Knebel
chron. v. Kaisheim 6
lit. ver.; das ruhmreiche volk der Franken, ... tapfer im kriege, treu im bündnis Scherer
lit.-gesch. 751; und dadurch geschah nun allerdings, dass Cleve dem Hause Oestreich treu zur seite stand Ranke
sämtl. werke (1887ff.) 1, 228; Bourbon ist treu um Habsburg beizuspringen
hist. volksl. d. preusz. heeres 44
Ditfurth. [] auch in diesem sinne treue dienste =
bundesgenossenschaft Alexis
Rol. (1840) 1, 60;
auf gott übertragen: ich wird mit üch einen trüwen bund machen Zwingli
dtsche schr. (1828) 1, 95. I@A@22)
vom krieger und soldaten (
nicht mehr in erster linie ein rechtsverhältnis): er schwert dem herrn treuw vnnd hold zu seyn L. Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, a 3
v; aber abt Ulrich hat die trwere und mannlichere rittere Tschudi
chronicon Helveticum (1734/6) 1, 29; dasz die truppen ihre pflicht im kampfe treu erfüllt ... hatten Bismarck
ged. u. erinn. 1, 45; grüszt meinen kaiser, sagt, ich sei ihm treu verblieben, lieb ihn stets bis an den tod Tieck 1, 111;
bildlich: des geistes heilgen krieg kämpft treu wie ritter Fr. Schlegel
Athenäum 3, 168;
ebenso wiederum vom verhältnis des führers zum untergebenen: nun und bey dieser männlichen rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer hauptmann zu bleiben bis in den tod! Schiller 2, 48
Gödeke; vielleicht mit materiellem nebensinn: er ... was den kriegslten trw ee er knig ward, dessen hat er stAeten zulouff Tschudi
chronic. Helvet. (1734/6) 1, 164.
hierher auch: der fahne treu
u. ä.: o wie beneidenswert sind unsre ahnen! ihr nachkommen verkennt sie nie. Theresien im mund, treu ihren hohen fahnen obsiegten, oder fielen sie. Mastalier
ged. (1774) 31; dasz wirs (
das wort =
den fahnenschwur) treu und heilig in gedanken, wort und that: halten gott musz doch zuletzt verwalten, was der mensch beschlossen hat E.
M. Arndt 4, 16
Rösch-Meisner; mehr oder weniger bildlich von der fahne Christi: halte mich bei Jesu fahne treu, und auch im tode fest Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 16; nehmt dies und dient der fahne Christi treu A. v. Droste-Hülshoff 2, 232
Cotta. I@A@33)
war schon bei diesen belegen neben dem rechtlichen pflichtverhältnis mehr ein elementares empfinden ausgedrückt, so noch mehr bei der treue zum vaterland und zur heimat: treu dem heilgen vaterland Schneckenburger
dtsch. lieder (1870) 29; vaterland! treu und fest sind wir alle dir ergeben Hoffmann v. Fallersleben 5, 100; o vaterland, was soll das herz thun, das dich so treu und innig liebt?
ders. 4, 317; dem lande treu, das wiege uns und grab Grillparzer 2, 140
Sauer; lieb vaterland magst ruhig sein fest steht und treu die wacht am Rhein Schneckenburger
dtsch. lieder (1870) 19;
stilistisch besonders, mit umkehrung des subjects: ... denn sind wir alten knaben auch an sinn und neigung urverschieden: treu verknüpft der boden uns, drin unsres lebens wurzeln stehn Geibel 3, 227.
hierher auch das absolut stehende treu =
dem vaterlande treu: und mein könig selbst wird sagen ruh in frieden, treuer Schill Schenkendorff
ged.3 29
Hagen; staatstreu: ein treuer bürger '
patriot' Lohenstein
Arminius (1689) 1, 219. I@A@44) treu
in gesellschaftlicher beziehung. erbe des minnedienstes: bleib vest, stät und auch gerecht, des bitt ich in hertzen; ich wil dir wesen ain triuer knecht
liederbuch der Hätzlerin 18;
ähnlich Gengenbach 147
Gödeke; [] die trewen dienst des ritters Galmieu ... meyn ich ewer gnaden, meiner gnAedigen frauwen, unverborgen sein Wickram 1, 12
Bolte; in diesem sinne auch treuer knecht
s. Hoffmannswaldau
bei Steinbach (1734) 2, 841,
gelegentlich dieser gebrauch halb bildlich auch noch später: hier unterm nahmen Hassan glückte mirs durch treue dienste einer wittwe gunst mir zu erwerben, und sie ward mein weib Schiller 13, 343
Gödeke. in bürgerlicher gemeinschaft, gesellschaft, bruderschaft: colere societatem fide treüwe gesellschaft leisten Frisius
dict. (1556) 1218
b; ... Sicium, den theuren man, sie dieblichen ermördet han, ein trewen man gemeiner stat Hans Sachs 2, 17
Keller; dieselben (
stände) erwägen sollen, ... dasz ... jedes glied das andere in gleicher acht halten ... als treue mitglieder beisammen stehen ... sollten
acta publica d. schles. fürsten u. stände 1, 16 (
v. jahre 1617); und ihr treue nebenhirten ... lebet froh Sigm. v. Birken
fortsetz. d. Pegnitzschäf. (1645) 20; als hab ich auff anfrischung ewres trewen gesellschaffters ... mich erkühnet, diesem newen wercklein dero hohen gesellschaft namen vorzuschreiben Harsdörfer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, a iii
a; ein groszes glück ist mir mit Tischbein zu leben ... in treuer künstlergesellschaft Göthe IV 8, 47
W.; ein solcher kampf, wie man ihn ... in treuer (
partei) gemeinschaft geführt habe v. Bennigsen
d. nationallib. partei 13;
mit umschreibendem beziehungswort: dasz wir unsren ordens- oder gesellschaftsbrüdern mit wohlgemeinter und treuer ehrerbietung begegnen Neumark
neuspross. teutsche palmbaum (1668) 30. I@A@55)
auszerordentlich häufig vom dienstverhältnis im engeren sinne: truwe in dem denste
lat.-nd. wb. 1417
s. Dief.
nov. gloss. 173;
noch heute typisches lobendes zeugnisprädikat für dienstboten, bes. in den mehr oder weniger synonymen verbindungen treu und fleiszig, treu und zuverlässig, treu und ehrlich: ... charakter seiner leute (
tagelöhner): wie treu sie seien, wie ehrlich und anhänglich an die herrschaft W. v. Polenz
grabenhäger 1, 18;
etwas weitergreifend schon: als ich ... meinen lehr- und freibrief ... empfing, als ich die worte: 'treu, fleiszig, geschickt' ... darin las, ... da hob sich meine brust Holtei
erz. schr. 2, 108; ain truwer diener Nicl. v. Wyle
transl. 45
Keller, Endinger Judensp. 26
ndr.; er ist mein treuester diener Stieler
stammbaum (1691) 341; wenn er treu gedient, hat er von seinem lohn kein kapital gemacht J. Möser
werke 1, 167
Abeken; sehr gern in verbindung mit dem namen: der alte treue Jakob (
groszknecht des hauses) E.
M. Arndt 1, 14
Rösch-Meisner. andere ähnliche verwendungen: der trew teiler
fidelis dispensator erste dtsche bibel 1, 266 (
Luc. 12, 42); eyn truwe schaffer schaltu sus syn over dat gud des heren dyn Hans v. Ghetelen
narrenschyp 17
Brandes; man hat von meinen treuen kammerfrauen, von meinen dienern mich getrennt Schiller 12, 408
Gödeke; treue wärterin und wirthin
Leipz. avanturieur (1756) 1, 17;
speziell =
ehrlich: darzu so ist sie (
die magd) auch nicht trew, sie stillt, wo sie etwas ertappen kan
N. Volckmar 40
dial. (1663) 223;
bildlich für den ehemann: Joseph, du trüwer diener min lausz mir min kumer innen sin
schausp. d. ma. 2, 133
Mone; von den engeln: der engel angesichter ihr (
Maria) treu zu diensten stehn Fontane
ges. werke I 1, 9;
scherzhaft bildlich: meine treue sklavin (
anrede) Pückler
briefw. u. tageb. 102.
[] im sprichwort sehr verbreitet: ein trewer diener ist ein schatz im hause
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 32
a,
ähnlich Fr. Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) ff
β,
n. 29; Eyering
proverb. cop. (1601ff.) 2, 193; was man gibt eim trewen diener, ist alles zuwenig, widerumb was man gibt eim untrewen diener, ist alles zuuil
sprichw. sch. w. kl. 75
a,
ähnlich Fr. Wilh.
n. 27; danckt trewen dienern die welt nicht, so danckt jhnen gott Petri
d. Teutsch. weish. (1604
f.) 2, l vii
r; ehr und lohn machen trewe diener Lehman
floril. pol. (1662) 1, 86, treuen dienst belohnet gott A. Schellhorn
sprichw. (1797) 82. treuer knecht
im nhd. sinne ist durch häufigen gebrauch formelhaft geworden und erscheint übertragen fast öfter als im eigentlichen sinn, besonders in geistlicher beziehung: welcher ist aber nu ein trewer und kluger knecht, den der herr gesetzt hat über sein gesinde, das er jnen zu rechter zeit speise gebe? Luther
bibel 6, 61
Bindseil; glaube hie was Christus saget vnd thu hie was Christus befihlet, so bistu ein glaubig mensch vnnd ein threwer knecht Bugenhagen
Braunschw. kirchenordn. (1531) fij; dies sind die güter, die die welt nicht kennt, die er, der hehre, den kein name nennt, im traume spendet seinem treuen knechte (
hier ev. nachklingen der alten ritterlichen bedeutung: miles christianus) A. v. Droste-Hülshoff 2, 198.
sprichwörtlich: trew herr, trew knecht Angelus
holst. chron. (1597) 1, 16; Schütz
hist. rer. pruss. (1592)
buch 5, b iii
b. I@A@66) treu
in sozialem sinn und in sozialer sphäre = '
gut', '
wohlmeinend', '
hilfsbereit', treu helfen, treu pflegen, treu beistehen
u. ä.: nû hân ich an triuwen liuten gnâden trôst ervunden, die mir helfen baz, den(ne) mir die ungetriuwen gunden meister Rumelant
minnes. 3, 61
b; als der mann krank wurde, hat sie ihn ... treu bis zum tode gepflegt Fontane I 5, 47;
mit entsprechendem nomen agentis: ein jeder (
hat) ... mich nicht gern gehört als einen trewen vermaner Barth
weiberspiegel (1565) b iiii
a; dieses macht sein guter engel der die schwebende gefahr von mir gnAedig abgewendet und mein treuer beystand war Neumark
fortgepflanzter musik.-poet. lustwald (1657) 1, 19; der treue wächter deiner kinderjahre Schiller 14, 102
Gödeke; er wurde nun auch Winckelmanns treuer und geduldiger berather Justi
Winckelmann 2, 1, 127/8; treuer helfer Pückler
briefw. u. tageb. 3, 211.
das allgemeinere treuer rat
s. u.C 5.
vom beruf des lehrers: ich mein es warlich hertzlich gut wie ein trewer praeceptor thut Agricola
musica instr. dtsch. (1528
u. 45) 142
Eitner; ein gar gelerter man und trwer schuolmeister Platter 35
Boos; zu gleicherweisz wie ein treuer paedagogus und lehrmeister zu erst mündlich seinen knaben vnterweist ... so hat auch die himmlische weiszheit mit uns menschenkindern von anbegin bisz dato gespielt Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 15; in dem würt noch gotts lieb gespürt, das er uns heüt begabt vnd ziert mit trewen lehrern an vil enden
bilderged. auf Ludw. Gwalther, s. Euphorion 1908,
ergh. 183; ihr edlen Deutschen wiszt noch nicht, was eines treuen lehrers pflicht für euch weisz zu bestehen Göthe I 3, 345
W. sprichwörtlich: fleissiger schüler, trewer schulmeister Petri
d. Teutsch. weish. (1604f.) 2, D d vii
v;
sächliches subject: dieses wies mir sonsten keiner, als dein treuster unterricht (
nur noch bedingt ethisch zu fassen) Gottsched
ged. (1751) 1, 198; treuer und gründlicher unterricht Göthe I 25
1, 5
W.; noch nympt er trewer ler nit an Hans Folz
meisterl. 2, 11;
[] es gilt mehr gunst, geld, würd und ehre als recht, gesez und treue lehre C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 121;
bei dem umgekehrten verhältnis, dem des schülers zum lehrer, mischt sich in den sinn von treu
ein anderes bedeutungselement hinein, das von '
kindlich vertrauend', '
ehrfürchtig'
oder gar '
gläubig',
auch bei mehr übertragenem gebrauch: (
Newtons) treue gläubige schüler fanden sich genöthigt, diese ... darstellung ... zu verwandeln Göthe II 2, 266
W. vom geistlichen beruf: ein ordenlicher pfarrner vnd trewer seelsorger Joh. Mathesius
Sarept. (1571) 2
b; ein priester sol gelehrt, trew vnd from sein Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 1, c i
r;
ähnlich E.
M. Arndt 1, 30
Rösch-Meisner; gern unter dem bilde des treuen hirten: da ich den göttlichen beruf erhalten habe, die seelen dieses dorfs, als ein treuer hirte zu weiden Nicolai
Seb. Nothanker (1773
ff.) 1, 45;
vom beruf des arztes: Amulius schickt zu jr ein treüwen artzet Seb. Münster
cosm. 175;
übertragen: gib acht, trüwe arzet zvorfinden, die den schaden recht wol verbinden mit den banden der einigkeit
bei Opel-Cohn
30jähr. krieg 56;
selten für das verhältnis des menschen zum tier: du sollst hier sicher wohnen, wir wollen treu dich schonen (
lied an die nachtigall) R.
Z. Becker
mildheim. liederb. 23;
mehr äuszerlich übertragen: dem renner, dem war sie treu und hold, mit silber war er gezäumt ... Strachwitz
ged. (1850) 58.
mit dem namen zu einer sprichwörtlichen verbindung zusammengewachsen: der treue Eckhart.
zunächst die sagengestalt selbst: der trewe Eckart warnet iedermann Latendorf
sprichwörtersammlg. (1532)
no. 356
u. ä. in vielen sprichw.-samml.; der trew Eckhart sitzt vorm Venusberg vnnd warnet alle leut, sie sollen nicht hinein gehen Lehman
flor. pol. (1662) 1, 502;
von der engeren bedeutung übertragen: Eckart der treue ruht aus von taten, kann nicht mehr helfen, kann nicht mehr raten Wildenbruch
ausgew. werke 1, 40 (
zu Bismarcks tod); das holdselige licht ihrer augen machte einen groszen eindruck auf Hans trotz der warnung seines treuen Eckarts W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 101. I@A@77)
in allgemein menschlicher sphäre im engeren sinne: I@A@7@aa)
treue der eltern gegen die kinder und umgekehrt, der geschwister untereinander u. ä., wobei die bedeutungselemente der natürlichen liebe, der fürsorge und güte, der ehrfurcht und des gehorsams, der dankbarkeit sich mehr oder weniger vereinigen oder miteinander wechseln: wenn ich bedenke, wie heisz treue eltern auch an ihren ungeratenen kindern hangen und dieselben nie aus ihrem herzen verbannen, so finde ich es höchst unnatürlich, wenn sogenannte brave leute ihre erzeuger verlassen und preisgeben, weil dieselben schlecht sind und in der schande leben G. Keller 1, 28; sie fanden nichts natürlicher, als ... eine verbindung beider kinder einzuleiten und ihnen sodann jede elterliche sorgfalt treu und unablässig (
nicht synonym) zu widmen Göthe I 24, 340
W.; schuldige vorsorg eines trewen vatters
untertitel bei Moscherosch
insomn. cura par.; hältst du mich für einen treuen vater? Lessing 2, 5
Lachm.-Muncker; umschreibend: wie glücklich treten sie den kreis des ehelichen lebens an, da sie den treuen segen eines würdigen vaters mit sich bringen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 100;
bildlich: ist der staat dem volk ein treuer vater? Bettine
d. buch geh. d. könig (1843) 2, 316; dann wie von treuen müttern in schweren ungewittern die kindlein hier auf erden mit fleisz bewahret werden Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 333
a;
[] als eine treue mutter handeln Ch. Weise
pol. redner (1677) 19; lohn ihr einst am groszen weltenmorgen all die sanftmut, all die treue sorglichkeit, all die kümmernisse, all die muttersorgen, all die thränenopfer ihrer einsamkeit Hölderlin 1, 39
Litzmann; umschreibendes subject: wenn aber die mutter wachte, so brauchte er nur ... die treue hand der kranken zu nehmen W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 260;
als eigenschaft des kindes: trüwe und gläubige kind Zwingli
dtsch. schr. (1828
ff.) 1, 46; du aber bliebst mein treues kind und folgtest deiner mutter lehren Gottsched
ged. (1751) 1, 125; der kinder treue pflicht Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 223; der treue, gehorsame, liebevolle sohn Göthe I 24, 127
W.; hierher auch, da stilistisch nicht als reines adverb zu fassen: küss ich den letzten saum seines kleides, kindliche schauer treu in der brust Göthe I 2, 81
W.; der treu dich liebende bruder maler Müller
werke 1, 70; meines vaters treuster bruder E.
M. Arndt 1, 36
Rösch-Meisner, treue schwesterliebe Schiller 11, 236
Gödeke, treue anverwandte
bei Hoffmann
dtsch. wb. 5, 669. I@A@7@bb) treu
in der liebe; hier drängt sich gelegentlich der blosze sinn des dauernden und beständigen stark in den vordergrund. prädikativ: ich bin jme doch jederzeit trew vnd holt gewesen P. v.
d. Aelst
Heymonskinder 132; nun, sie sollen meine tochter haben, wenn sie sie in ehren halten und ihr treu und gewärtig sein wollen (
leichter nebensinn von '
aufmerksam'
liegt in dieser verbindung) Gellert 3, 172; treu sein, nit aussigrasn; die lieb ist so zart wie ein seifenblasn
volkslied bei Steub
drei sommer in Tirol 1, 26; ich sterbe dir treu, so sehr der schein auch gegen mich sprechen mag Göthe I 23, 87
W. treu sein
in älterer sprache oft direct =
lieben: die redlich mit mir handelt, derselben bin ich treu J. Grob
dicht. vers. (1678) 151; und dennoch ist mir trew und hold die zier und crone der jungfrawen S. Dach
in Königsb. dichterkreis 12
ndr.; ach wenn doch kein grab nicht wäre, das liebende deckte, die einander so treu, so voll zärtlichkeit sind (
ziemlich synonym) Klopstock
oden 1, 59
Muncker-Pawel; attributiv: der treuen zärtlichen jünglinge gibts wohl noch maler Müller
werke (1811) 1, 218; o so wollt ich mein liebes treues mädchen noch heute heyrathen Mozart
bei Jahn 3, 149; ich glaube nicht, dasz sie sich je über den zu feurigen liebhaber beklagen werden, aber den treuen, den gutmeinenden, ... hoffe ich werden sie nicht an mir vermissen G. Forster 7, 310; treue geliebte Herder 26, 36
Suphan; ich ging auf grünen wegen und trug den hochzeitskranz, treu lieb ging mir entgegen geschmückt mit gleichem glanz Cl. Brentano 2, 370; wie Venus schöner stern den blauen himmel ziert, wenn er zu mitternacht den treuen buhler führt bisz an der liebsten haus Rachel
satyr. ged. 27
ndr.; adverbiell: liebt ungestört, liebt ewig treu Lenz
ged. 15
Weinhold; du trauerst, dasz ich nicht erscheine, vielleicht entfernt so treu nicht meine Göthe I 3, 29
W.; [] mit reicher schattierung gebraucht man treue liebe: treue liebe läszt nicht schlafen treue liebe ruhet nicht ... treue liebe brennt von herzen, treue liebe brennet heiz Mittler
dtsch. volksl. 548; trewe lieb ist allermaszen witzig, sinnreich und gelehrt S. Dach
in Königsb. dichterkr. 15
ndr.; treue liebe kann zwischen menschen von sehr verschiedenem, dauernde freundschaft nur zwischen menschen von gleichem werthe bestehen Ebner-Eschenbach 1, 28.
mehr persönlich zu verstehen: dein herz zur falschheit neige nie, sei treuer liebe immer treu Herder 25, 165
Suphan; wie ängstlich ist die gegenwart einer gekränkten treuen liebe Göthe I 23, 32
W. umschreibend: der ich mein treues (=
treu liebendes) herz geweiht Hölty
ged. 29
Halm; und des dritten treuer sinn (=
liebe) sehnt sich nach Callisten hin A. G. Kästner
verm. schr. 1 (1755) 118;
ähnlich: indessen soll die treue glut (
meiner liebe) biss in das grab in meinem hertzen brennen Ziegler
asiat. Banise (1689) 79; so soll auch meine seele sein: von treuer liebesglut entbrannt und aller schalkheit abgewandt C. A. Overbeck
verm. ged. (1794) 61;
zur zeit der empfindsamkeit gern treues flehen
oder treue seufzer: bring es, wie du willst, so nah, so erlangt dein treues flehen niemals doch ein ssses ja B. Neukirch
ged. (1744) 29; so ward mein hertz auch aufgethan, und schickte durch die lufft das treue seuffzen hin Ch. Fr. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 36; die treuen seufzer sind erhört Stoppe
Parnasz (1735) 2;
stilistisch variiert: die liebe hielt mit treuer gewalt ihr blut im lauf Rückert 1, 153.
auszerordentlich häufig treu bleiben
mit persönlichem object; auch zum folgenden absatz übergreifend: da schwur ... dein mund mir armen wichte den bald vergessnen schwur: mir treu zu bleiben immer, mein, einzig mein zu seyn Blumauer
ged. (1782) 54; es konnt ihr herz, das jahr um jahr dem liebsten treu geblieben war, es konnts ihr herz nicht fassen, er habe sie verlassen Fontane
ged.4 194; treu bis in den tod
u. ä.: du sollst an mir ein weib haben, die dir treu ist — treu bis in den tod
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 3, 109; bist du doch des himmels kind, der mich selbst zu dir geführet: darum bleib ich treu gesinnt, bis mein letzter puls sich rühret Gottsched
ged. (1751) 1, 267; der schwur der verlobten, einander treu zu seyn bis an ihr ende J. G. Jacobi
sämtl. werke (1807ff.) 6, 211. I@A@7@cc) treu
in der ehe, meist im engeren moralischen sinne, doch auch allgemeiner: und, süsz geschwätzig, uns zur seite ging die hoffnung, sprach vom himmel treuer gatten Lenau
werke 20
Barthel; kümerlich ein trüwen mann du einer frowen findest
Terenz deutsch (1499) 22
a; gewisz sind in ganz Deutschland
[] keine unbescholtenere mädchen und keine treuere frauen als in Schwaben Novalis 4, 69
Minor; der het daheym ein junge fraw, die war jm in der ehe nit traw B. Waldis
Esop 2, 37
Kurz; (
das weib) musz seinem manne nicht eigentlich darum treu seyn, weil es solches versprochen hat, sondern weil es sich von selbst versteht (ipso iure) Hippel
über die ehe (1774) 73
u. ö.; im weiteren sinne, neben andern epithetis: unverschuld find er sie trew, stet und demütig Hans Sachs 2, 40
Keller; treu und hold sein
Reinicke fuchs (1650) 232; treu und verliebt Hippel
über die ehe (1774) 80; wär ich ein häusliches weib, und hätte, was ich bedürfte, treu sein wollt ich und froh, herzen und küssen den mann Göthe 1, 324
W.; nicht mehr eng moralisch, sondern allgemeineres epitheton: ein trewes weib thut mehr bey jhrem manne denn drey fromme menner bey jhren weibern Petri
d. Teutsch. weish. (1604/5) ii, y 6
v; treue gattin, treuer gatte, treues weib
u. s. w. als stehende verbindung: vertrau es mir, ich bin dein treues weib und meine hälfte fodr ich deines grams Schiller 14, 282
Gödeke. als briefformel: dein treuster gatte Mozart
bei Jahn 3, 481;
bildhaft für die kunst: denn uns allein hat er sie verbunden mit himmelsband, und ihr geboten, in freud und elend, als treue gattin nicht zu entweichen Göthe I 2, 59
W. (
meine göttin). I@A@88) treu
in der freundschaft; eine der spezifischsten verwendungen, zuweilen treu
geradezu als definition des freundes: offt einer für ein frund vnd truw geacht wirdt Riederer
spiegel d. wahren rhetoric (1493) a 4
a; die alten freund du erkent als trew vnd frumb Eyering
prov. cop. (1601/04) 1, 34;
fidus amicus ein trawer warer freund Dasypodius
dict. lat.-germ. (1536) 72,
so in fast allen wbb. I@A@8@aa)
attributiv, gern neben andern epithetis, gern auch im superlativ: ein alter treuer freund Stieler
stammbaum (1691) 341; mein alter freund, mein treuer freund, mein wohlthäter Iffland
theatr. werke 1, 68; treuer anhänglicher freund O. Jahn
Mozart 1, 35; was kann der mensch je gutes gehabt haben, der seinem besten treusten freunde nachstellt Göthe I 8, 22
W.; beide sind mir ... treuste freunde geblieben E.
M. Arndt 1, 59
Rösch-Meisner; treuer herzensfreund Triller
poet. betracht. (1750) 1, 61; geliebtes brüderpaar, den edlen Tyndariden an jugendkraft und muth und treuer freundschaft gleich Gotter
ged. 1, 30; ich sehe meinen freund ... ... meinen treuen Halvard, der freundschaft urbild Gerstenberg
ged. eines skalden 364
lit.-denkm. I@A@8@bb)
mehr abgeblaszt (
ähnlich wie guter freund);
besonders als briefformel z. b. von Göthe mit vorliebe verwendet: gedenke bey diesen bogen jetzt und künftig eines treuen freundes Göthe IV 31, 177
W.; ähnl. IV 1, 242; treu der deine IV 42, 106; ich bin dein treuster ... Lichtenberg G. Chr. Lichtenberg
briefe 2, 4. I@A@8@cc)
adverbiell: treu zur seite stehen Scherer
lit. gesch. 794; treu beistehen Göthe IV 8, 12
W.; glaub mir und hör auf eines mannes wort, der treu und redlich dir ergeben ist Göthe I 10, 9
W.; gehorsamst treu ergeben Göthe IV 29, 3; treu angehörig IV 41, 65; treu gesinnt IV 41, 117; treu theilnehmend IV 38, 7; treu verbunden IV 25, 159.
[] I@A@8@dd)
sprichwörtlich sehr häufig: wat is beter dan ein truwe vrunt? Tunnicius (1514/15)
nr. 1129; ein treuer freund ist viel geltes wert Stieler
stammb. (1691) 341; ein treuer freund, wer den hat, der hat einen groszen schatz
bei Schulze
bibl. sprichw. 101 (
eccles. 6, 14). I@A@8@ee)
verwandter gebrauch: treuer gönner O. Jahn
Mozart 1, 236; treuer mitgesell, treuer reiszgefährt Kramer
teutschit. dict. (1702) 2, 1139; nun, freund, alle grüsze treuer brüderschaft über dich H. v. Kleist 2, 248
E. Schmidt; treue kameraden E.
M. Arndt 1, 35
Rösch-Meisner; liebe treue gefährtinnen Fr. H. Jacobi 1, 49; treue gespielin Montanus 187
Bolte u. ä.; die junge frau ... bat um treue nachbarschaft Storm 1, 120. I@A@8@ff)
bildlich: seine einbildungskraft, seine treueste gefährtinn, verläszt ihn ... nie G. C. Lichtenberg
verm. schrift. 1, 4; dasz die chemie ... das wird, was sie werden soll und musz, — eine treue hausfreundinn des landwirthes J. A. Stöckhardt
chem. feldpredigten (1851) 1, 15. I@A@99) treu
vom verhältnis zwischen mensch und gott. I@A@9@aa)
gott oder Christus als object. I@A@9@a@aα)
in der älteren geistlichen übersetzungsliteratur wird das wort in der spezifischen bedeutung '
gläubig'
verwandt, z. b. got. þaim triggwaim in Christau Jesu
Eph. 1, 1;
im altdeutschen getriuwe
s. th. 4, 2,
sp. 4500.
im frühnhd. begegnen nur noch vereinzelte unsichere belege dieser bedeutung: trew
u. s. w. der glauben haltet Emmel (1592)
sylva quinque ling. N n 3;
vielleicht noch: wo das wort gottes blyb in reiner trüwer furhaltung ('
gläubig'?) Eberlin v. Günzburg 1, 46
ndr.; nachklingend noch in treu =
dem evangelium treu: dir sey lob, preisz und ehre o gott vater und herre, dasz du uns so sehr liebest und treue lehrer giebest J. Graff
bei Fischer-Tümpel 3, 1. I@A@9@a@bβ)
häufigster gebrauch in geistl. dichtung und im kirchenlied: wer aber treu bleibt seinem gott, der soll dort ewig stehen im chor der auszerwehlten P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 366
b;
ähnlich 3, 326
b; 373
b; wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu, dasz dankbarkeit auf erden nicht ausgestorben sei Novalis 1, 71
Minor; auch das sprichwort wer treu ist, wird gekrönt,
heut allgemeiner verwandt, ist biblischen ursprungs = gott treu (
s. bei Schulze
bibl. sprichw. 189). I@A@9@a@gγ)
unter dem bilde der liebe, des dienstes u. s. w.: schon gotisch: triggws andbahts Christaus Jesuis
Koloss. 1, 7; denn die jm (
gott) vertrawen, die erfaren, das er trewlich helt, und die trew sind in der liebe, lesst er jm nicht nemen Luther 5, 25
Bindseil; hilff das wir dich (
Jesus) als diener trew mit hertz und mund bekennen Ringwaldt
evang. b 7
b. I@A@9@a@dδ)
verschiedenes: sehet hie, wa ist man auch je der höchsten göter aim so trew gewesen vnd mit so statlichem opfer zu hof getrabet J. Fischart 3, 32
Hauffen; die treue schar, die niemals gott verliesz (
also die gottgetreuen) v. Haller
ged. 134; lehret nun, ihr des gesetzes kenner, weisheitfromme, hochgelahrte männer, treuer mosleminen (=
glaubenstreue muselmänner) feste pflicht Göthe I 6, 35
W. I@A@9@bb)
gott als subject; ebenfalls sehr alt; schon bei Ulfilas triggws guþ
2. Kor. 1, 18; triggws frauja
2. Thess. 3, 3,
vgl. noch 2. Tim. 2, 13. I@A@9@b@aα)
neben andern epithetis, die den bedeutungsgehalt abgrenzend erkennen lassen: du lieber, treuer, frommer gott
bei R.
Z. Becker
mildh. liederb. 33;
dass. Hennenberger
erkl. d. preuss. landt. (1595) 386; dasz er (
gott) alleine könig sey hoch über alle götter grosz, mächtig, freundlich, fromm und treu, der frommen schutz und retter P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 346
a;
[] vgl. 3, 353
a;
ähnlich Joh. Arnd
Thom. a Kemp. übers. (1631) 51; ein sehr barmherziger und treuer gott Herder 12, 36
Suphan. I@A@9@b@bβ) gott ist trew, darumb gefelt jhm trewe wol vnd vntrew vbel Friedrich Wilhelm
sprichw.-reg. (1577) d 1
b nr. 15; der trew gott hat noch vor der nacht auss seinem hohen thron gesant ein engel
F. Dedekind
papista conversus (1596) a 2
b; der treue gott
auszerordentlich häufig in der ges. geistl. dichtung: er wird euch wohl bewahren der alte treue gott E.
M. Arndt 4, 12
Rösch-Meisner. gern als ausruf bzw. hilferuf: nit straf mich, her du treuer Schede-Melissus
psalm. 24
ndr.; treüwer gott hilff Boltz
Terenz deutsch (1539) 40
b; mein trewer gott Spee
trutznacht. (1649) 29. I@A@9@b@gγ)
unter dem bilde des vaters, des guten hirten u. ä.: uns zu erinnern, wie so treu und gnädig unser vater sey R.
Z. Becker
mildh. liederb. 8; ... der sünder des du doch hietst zuo aller frist und syn trüwer hirte bist Th. Murner
narrenbeschw. 119
ndr.; der treue hter Israel ... erhalte e. hochgr. exzell. Schupp
schrift. (1663) 2; du trewer mittler vnd heyland, laz vns bald zu dir kommen! Melch. Bischoff
bei Fischer-Tümpel 1, 8; o treuer meister Jesu Christ weil du ein brunn der weissheit bist Casp. Scheit
fröl. heimf. (
kurz nach 1552) a iv
a. I@A@9@b@dδ)
mit anderem umschreibenden subjectsbegriff, meist bildlich: gott hat ein allmechtige hand vnd ein trew vaterhertz Petri
d. Teutsch. weish. (1604) 1, c 7
r; ist doch nichts als lauter lieben, das sein treues hertze regt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 347
a; vnd weil denn gott der vater gut ... vns noch genedig straffen thut mit seinen trewen henden so seid zw fried Ringwaldt
handbüchl. c 2
a; sei du mein freund und treuer rath (
hilfe); er (
Christus) liesz aus trewer lieb und huld sich unserthalben quälen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 371
b; 306; eine liebe kenn ich, die ist treu, war getreu, solang ich sie gefunden (
liebe Jesu) Mörike 1, 142
Göschen. gern die umschreibende verbindung: trost und treuer hort Luther
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 8; der seelen treuer hort W. Spangenberg
anbindbr. 21
lit. ver. I@BB.
den übergang zum absoluten gebrauch zeigt die verwendung des wortes in einer reihe von specielleren bedeutungen und in einzelnen festeren verbindungen, wobei kaum noch an ein bestimmtes treuverhältnis gedacht wird, also auch die verbindung mit einem object stark in den hintergrund tritt. zum teil liegen hier reste oder fortführungen älterer, mhd. bedeutungen vor. I@B@11) treu =
aufrichtig, ehrlich, redlich: an manigem, den ich valsches vrî und triuwe hete erkorn Herman Damen
minnes. 3, 166
a; triuwe vnd glaubhafftig
voc. theut. (1515) c 3
b; trew
dem wol zu glauben ist Megiserus
thes. polyglottus 1 (1603) 541; he kumd dr so tro mit an, dat man hum wol löfen mut Doornkaat-Koolman 3, 435; sag mirs treu Droste-Hülshoff 2, 249
Cotta; aber das heist nicht treu und aufricht handeln
Reinicke fuchs (1650) 153; so darmit (
jähzorn) behafftet, seyn gemeiniglich aufrichtig, treu und ehrlich Butschky
Pathmos (1677) 137; damit auf beiden seiten (
kaufmännische verhältnisse) treu und redlich gehandelt werde v. Hohberg
georgica 3 (1715) 51
a;
[] ähnlich U. Bräker
sämtl. schrift. (1789) 1, 96; Göthe IV 26, 337
W.; späte reu ist selten treu Binder
sprichw.-schatz 162. (in) seinem versprechen, wort, gelübde
u. ä. treu sein: Olearius
sentenz. nr. 217
anhang z. persian. baumgarten 113; treu und fest versprechen
Reinicke fuchs (1650) 39; treu jedem wort, das mann dem manne gab Grillparzer 2, 140
Sauer; ächter als er schwur keiner eide, treuer als er hielt keiner verträge R. Wagner
ges. schr. (1871
ff.) 5, 252; schwört bei diesem goldnen wein, dem gelübde treu zu sein Schiller 4, 5
Gödeke; trüw jurament Judas Nazarei 23
ndr.; treue schwüre Lenz
ged. 85
Weinhold. hierher auch: es treu meinen: hî mînt et trâû Jensen
wb. d. Wiedingharde 638; ich meyns so rein mit dir und so treu und wahr maler Müller
werke 1, 291; ich ... meyns so herzlich treu
ebda 1, 127; er meine es treu und gut; so lange er lebe, sei keine faser an ihm gegen irgend einen menschen falsch gewesen A. Stifter 3, 147;
mehr mit dem nebensinn des gütigen: leben sie wohl und halten sich überzeugt: dasz es wenige treuer mit ihnen meynen können als ich Göthe IV 8, 226
W. specielles: so wir diese pfänder wohlerhalten wieder aufweisen können, sind wir treue spielkameraden gewesen (
ehrlich, '
nicht mogelnd') Cl. Brentano
ges. schrift. (1852ff.) 5, 18; der du (
o spiegel) doch sonsten aller verliebten trewer (
unbestechlicher) rathgeb bist
theatr. amoris (1626) 1, 5; ich geh mit zügen frei und baar, mit freien treuen blicken (
offen, ohne maske) Göthe I 3, 155
W. 'treu
nennet man zu Basel ein kind oder gesinde, das nur nicht stihlt' Joh. Jac. Spreng
idiot. Rauracum, s. Alem. 15, 223. I@B@22) treu '
gütig, freigebig'
nur noch frühnhd. als restbedeutung und heute vereinzelt dialectisch; der üblichen hochsprache fehlt dieser gebrauch: benignus treüw, gütig, freygäbig Frisius
dict. (1556) 162
b; Calepinus
dict. XI ling. (1598) 168
b; mich bedunckt, man solt der edelleut yetzundt nicht vil finden, die einem armen so trew weren, das si ime ein bar batzen schenckten Montanus 42
Bolte; das die haiden kaim christen weder trew noch hold mügen sein, sonder sy seind darauff von natur genaigt, wo sy die christen mOechten bringen vmb leib vnnd guot (1509)
Fortunatus 77
ndr.; 'treu
sagt man zuweilen auch für mild, freygebig' Joh. Jac. Spreng
idiot. Rauracum, s. Alem. 15, 223; es ist eine treue frau, sie iszt und trinkt nicht einzig für sich, sie theilt auch andern davon mit
bei Stalder 303;
die bedeutung '
freigebig'
ist auch noch bei Hunziker
Aargau 61
und Schmidt
id. Bernense 67
bezeugt. I@B@33) treu '
zuverlässig, verschwiegen': du wirst wenig finden, welche gegen ihren geheimnussen so trew seyn, dasz sie nicht unterweilen die innersten gedancken des gemüts reveliren Schupp
schrifft. (1663) 763; da, was er biszher fein und treu dem tuch der verschweigung eingehllet, seinem weib hat offenbahret
Reinicke fuchs (1650) 161; treu und verschwiegen
bei Wander 4, 1308
u. 1309; es gibt kein treuer geschöpf ... als ich. ich will mich eben nicht rühmen, aber ich bin verschwiegener als das grab Fr. L. Schröder
dram. werke (1831) 1, 3; es treu behalten A. v. Arnim 1, 128
Grimm; es treu verschweigen Dahlmann
frz. rev. (1845) 222;
hierher: treue und verschwiegene ohren Frisius
dict. (1556) 144
a; treuer busen, treue brust: schütte ihre (
deiner seele) empfindungen in den treuen busen deines bruders aus S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 1, 19; verpfändet hab ich deiner treuen brust mein schmerzlich süszes, heiliges geheimnis Schiller 14, 19
Gödeke. [] hierher auch: ferner entdeckte ich die schlafzimmer der töchter, stille gelasse mit grünen fenstergärtchen und überdies von treuen baumwipfeln bewacht G. Keller 1, 190. I@B@44)
häufige verbindungen stark synonymen charakters: I@B@4@aa) treu und stät
in älterer zeit sprichwörtlich: ich wer wall truwe und stede ... der my desgeliken dede Husemann
spruchsammlg. (1575)
nr. 133
Weinkauff; ähnlich Binder 196; Gruter 3, 52
bei Wander 4, 1308; Lehman
flor. pol. (1662) 3, 158. I@B@4@bb) treu und fromm,
ursprünglich neben dem synonymen gläubig und fromm
mehr das ethische betonend, allmählich ziemlich verblaszt, jedoch unter annäherung des treu
an die bedeutung von fromm (
die übersetzung pius ist nur bei Dasypodius (1573) 442, Alberus (1540) b 4
a, 8
a und Maaler (1561) 407
a belegt): das niemans leichter beschissen vnd betrogen werde, dann nur die frommen, treüwen vnd einfeltigen Boltz
Terenz deutsch (1539) 98
a; treuw, fromb vnd auffrichtig an gemüt L. Thurneysser
magna alchymia (1583)
vorrede; weil er sunst ye was frumb und trew und vor nichts arges hat gethon Hans Sachs 2, 33
Keller; und seid ihr treu und fromm geblieben wir kehren wieder in dies haus Herm. Kletke
kinderlieder (1846) 100; meine eltern waren ... treue fromme menschen E.
M. Arndt 1, 13
Rösch-Meisner. I@B@4@cc) treu und standhaft Lehman
flor. pol. (1662) 3, 325; Erlach
volksl. d. Dtsch. 1, 48; bleibt fest und treu auf eurem plazze. fest und treu auf einem zweck, ihr seid ja der mann dazu Göthe IV 3, 179
W.; treu und frank Simrock
d. dtsch. sprichw. 11480
bei Wander 4, 1308; ich galt in diesen tagen für einen treuen, gehorsamen und fleiszigen jungen E.
M. Arndt 1, 20
Rösch-Meisner. I@B@4@dd) treu und warm: wenn ein volk rein und gesund am leibe und an der seele ist ..., so nimmt dieses volk ein reines und wahres kunstwerk treu und warm in sein herz auf Stifter
nachsommer (1857) 3, 224. I@CC.
absoluter gebrauch: treu
dient der allgemeinen charakterisierung des menschen, seiner eigenschaften, seiner taten u. s. w.; die vorstellung des objects fehlt oder ist ganz nebensächlich. teilweise ist schon durch das fehlen der konkreten beziehung eine gewisse verblassung der bedeutung festzustellen. auch dieses allgemeinen gebrauchs hat sich das sprichwort besonders bemächtigt. I@C@11) nû hân ich an triuwen liuten gnâden trôst ervunden meister Rumelant
minnes. 3, 61
b; der bei diesen strengen zeiten sehr viel von geübten leuten, und noch mehr von treuen, hält B. Neukirch
ged. (1744) 24; jähzornig leut seind trew leut
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 1078; treue leute seynd dünn gesäet Kramer 2 (1702) 1139
b; ich lieb ein treues kind, wo man die tugend findt J. G. Neukirch
anfangsgr. z. teutsch. poesie (1724) 44;
bei namen: mein clag ist worden newe Lucina, liebe treuwe, vil tugentleiche kunigein Heinrich v. Neustadt
Apoll. v. Tyrus 16078
Singer; einzelne der musiker, wie der treue Schachtner, ... schlossen sich eng an die familie an O. Jahn
Mozart 2, 19;
s. auch Göthe IV 28, 80
W.; treu-Lischen
gedichtüberschrift bei Fontane
ged.4 193.
prädikativ: der ist in tiefster seele treu wer die heimat so liebt wie du Fontane
ged.4 122; trew in allem las mirs gefallen Chr. Tetzel (1526)
bei Wander 4, 1308;
[] was er versprach, hielt er darnach, war trew in allem handel Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 109; bleib treu, wenn man deinem leben nachstellt
u. vieles ähnl. Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, l 3
r. I@C@22)
als specielles epitheton des deutschen volkes: wir Tütschen haben ein lob vm vnd vmb, daz man spricht, wir seient warhafftig vnd trüw Geiler v. Keisersberg
narrenschiff (1520) 36
b; uns Deudschen hat keine tugent so hoch germbt und (wie ich gleube) bis her so hoch erhaben und erhalten, als das man uns fur trewe, warhafftige, bestendige leute gehalten hat, die da haben ja ja nein nein lassen sein Luther 51, 259
W.; schon früh mit leise ironischem beigeschmack in der richtung von '
gutgläubig', '
dumm': nemen war, o trewe Teutschen, wie vntrewlich man vmbgadt mit ewern kinden Eberlin v. Günzburg
sämtl. schrift. 1, 90
ndr.; später leider nicht zu unrecht auch öfter mit verstecktem hohn durchsetzt, so in der berühmten stelle bei Heine: andere völker mögen gewandter sein, und witziger und ergötzlicher, aber keines ist so treu wie das treue deutsche volk. wüszte ich nicht, dasz die treue so alt ist wie die welt, so würde ich glauben, ein deutsches herz habe sie erfunden ... ihr (
deutschen fürsten) habt das treueste volk 3, 31
Elster. auch von einzelnen: segnend walte sein gedächtnisz unsterblich fruchtend um uns her; das ist an uns sein grosz vermächtnisz so treu und deutsch zu sein wie er Geibel 8, 17 (
auf Uhland); mein treuer deutscher Rist Rist
d. friedewünsch. Teutschland (1648) 33.
im kärntischen wird das adj. treu
meist durch taitsch (
deutsch)
wiedergegeben: Lexer 70.
in der asyndetischen aneinanderrückung hat treu
oft nur noch verstärkungscharakter: ich weus wohl, dasz ihnen di ankunft unseres Markholds, als eines, dehr auch von trAeu-deutschem geblüth entsprossen ist, nicht wenig erfräulich war Zesen
Rosemund 12
ndr.; so auch die briefformel mit treudeutschem grusz; grüsze in treudeutscher gesinnung Hindenburg,
s. akad. blätter 1933, 132. I@C@33)
umschreibendes subject. I@C@3@aa)
geistig-seelische organe: doch hab ich ehrlich blut und einen treuen sinn Rachel
sat. ged. 88
ndr.; ich hegte ihn (
den Prometheus) damals ... noch im treuen sinne (
nicht nur gedächtnistreue), ... ich nahm eben diesen Prometheus als das liebste und nächste Göthe IV 33, 106
W.; wem die natur zwar einen treuen sinn und eine innigkeit des gefühls verliehen, aber die schaffende einbildungskraft versagte, der wird zwar ein treuer mahler des wirklichen seyn, ... aber nie den geist der natur ergreifen Schiller 14, 5
Gödeke; ein biedrer, treuer, teutscher sinn Fr.
M. Klinger 8, 6; o Österreich, ich habe die commandantenschaft bewahret bis zum grabe für dich mit treuer kraft Fr. Rückert 1, 92; mîn triuwer muot in triuwen ganz Frauenlob 370, 11
Ettmüller; doch einen grusz aus treuem muth dem nicken ehrlich wir entgegen Droste-Hülshoff 1, 56; trewes gemut
voc. theut. 1482
s. Diefenbach 537
c; pfui, das zeigt kein treues gemüth Holtei
erz. schrift. 1, 32; vrou gewissen ist so trewe, das sy dich nimmer gelât (
festhält) Heinrich v. Burgus (Burgeis)
der seele rat 1880; wenn dein gewissen nicht treu ist — lies es in gräszlicher schrift auf den gesichtern Iffland
theatr. werke 1, 193.
auszerordentlich häufig treues herz: der herze ich triuwe het ersên Herman Damen
minnes. 3, 166
a; unprîslich tât si (
die tugend) riutet ûz triuwem herzen mit ir rât Frauenlob 316, 7
Ettmüller; [] esse animi fidelis trewes hertzen sein Bas. Faber
thes. (1587) 318; ain trew frumm hertz lasset jme ander leüt vnfall hertter anligen dann sein aigen vnglück G. Mayr
sprüchw. (1567) d 8
β; ein treues herz, das wie empfängt so gibt, genieszt und mittheilt, lebt indem es liebt Göthe I 4, 295
W.; da schnitt ein ruf ins treue herz hinein: ihr sollt nicht Preuszen mehr, sollt Deutsche sein
lied d. abziehenden truppen 1848
bei Bismarck
ged. u. er. 1, 57;
als umschreibung für den ganzen menschen, mehr abgeblaszt: und als der tod sie heimgeführt, hat ihn das treue herz gerührt, und mit des liebsten mienen ist er vor ihr erschienen Th. Fontane
ged.4 194; ein treues herz vom dorf =
ein mädchen Mörike 1, 179
Göschen; das treueste herz der erde O. Ludwig 2, 435.
gern in der präpos. verbindung aus treuem herzen
u. ä.: ein geringes sehnliches seufftzlein auss einem guten trewen hertzen gefelt gott besser denn aller münch beten Petri
d. Teutsch. weish. (1604) 1, b 7
v; rede nur ausz trewem herzen H. Albert
i. Königsb. dichterkreis 101
ndr.; hör meinen rath an, der gewisz aus treuem herzen fleuszt maler Müller
werke 1, 137; wenn ihr mit treuem herzen und rechtem glauben denkt E.
M. Arndt 4, 11
Rösch-Meisner; wünsche in treuem herzen hegen Göthe IV 34, 81
W. formelhaft, aber nicht eindeutig, klingt auch: und so du dann selber gäste ladest, so lade sie auff ein treues hertz H. Müller
thränen- u. trostquelle (1675) 18.
eine besondere entwicklung hat die verbindung treue seele
durchgemacht. zunächst in üblichem gebrauch oder üblicher umschreibung: ein verstendiger mann ist ein trewe seel Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, y 7
v; allerdings (!) weilt jene (
Penelope) mit treuer duldender seele noch in deinem palast J. H. Voss
Odyss. 198
Bernays; mich hingegen nagt der kummer, der die treue seele quält Gottsched
ged. (1751) 1, 241; nie habe ich ein weibliches geschöpf von einer so treuen seele gesehen Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 18; lebt wohl, ihr treuen seelen Th. Körner 1, 107
Hempel; sie war die treueste seele von der welt Mörike 3, 31
Göschen. allmählich macht sich ein unter umständen leicht ans verächtliche streifender nebensinn geltend, analog der bedeutungsentwicklung von brav: ist eine treuere, brävere seele als ihr mann? Lavater
verm. schrift. (1774) 2, 9; gott sei dank, dasz du da bist ... so eine treue seele thut uns gerade noth Storm
werke 1, 78; seine aufwärterin Ursula, eine treue seele A. v. Arnim 2, 197
W. Grimm; he is 'n trôen sêl Doornkaat-Koolman 3, 435; alte treue seele
heute als anrede, gern im felde unter kameraden; ebenso nicht böse gemeint, aber doch nicht ohne einige nüancierung: e drōi ōs
ein treues aas Schöner
spez. idiot. v. Eschenrod 84. I@C@3@bb)
körperliche organe als träger oder vertreter der seelischen eigenschaft: die süszesten thränen in dem treuesten auge Göthe I 24, 162
W.; die stillen treuen augen
ders. I 26, 266
W.; es ist wunderbar, was für ein zauber der beruhigung in geliebten treuen augen liegt Stifter 1, 232
Sauer; ein treues deutsches auge Jean Paul
briefw. 149
Nerrlich; doch ein treues auge wacht (
gott), zittre nicht in sturm und nacht Mahlmann
bei Hoffmann 5, 669. (
dagegen mit treuem auge beobachten
u. ä. s. III 2 a
β.)
hierher auch: und wenn euch, ihr kinder, mit treuem gesicht ein vater, ein lehrer, ein aldermann spricht, so horchet und folget ihm pünktlich Göthe I 1, 207
W.; [] treuer mund P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 302; du unbesonn'ner tor! was machst du? wie oft hat dich mein treuer mund gewarnt! H. v. Kleist 3, 78
Er. Schmidt; wenn ich deinen lieben leib umfasse und von deinen einzig treuen lippen langbewahrter liebe balsam koste Göthe I 2, 106
W.; gottes treuer schoosz P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 335
b; und der wunsch, den ich zu hegen noch vermag, ist, mich in ihren (
der toten braut) treuen schoosz zurückzulegen Fr. Rückert 3, 21; ein weib, das unter allen wesen zu unserm eigenthum sich selber auserlesen, in dessen treuer schoosz das herz entladen ruht Haller
ged. 178
Hirzel. noch weiter übertragen: Habsburgs treuer schoosz Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 50; komm, du bleibst: es rinnt der Falken (
ein geschlecht) treues blut in deinen adern Fr. W. Weber
Dreizehnlind. 13638; dich soll mein treuer arm, sowie mein hertz umfangen, mein schatz, mein eigenthum, mein hoffen und verlangen
schles. helikon (1699) 1, 132; treue brust Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 12; Stoppe
Parnasz (1735) 19; treue träne Klopstock
od. 1, 177
Muncker-Pawel; treue rechte Fr. v. Matthisson
schrift. 1, 49; eines reinen auges klarheit, eines tapfern mundes wahrheit, einer treuen rechte schwur E.
M. Arndt 5, 302
Rösch-Meisner; sie grüszet jeden gast mit treuen händedrücken Hagedorn 2, 100. treue haut,
das mehr der umgangs- als der schriftsprache angehört, hat (
als umschreibung für den ganzen menschen)
eine ähnliche bedeutung wie treue seele.
die verbindung treue hand
hat eine auszergewöhnliche verwendungsrichtung genommen. eigentlicher gebrauch: und wenn ein dankgebet die mahlzeit hat beschlossen, da sieht man, wie der kreis, der um die tafel liegt, den kranz der einigkeit mit treuen händen fügt Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 247; dein bild von treuer hand geschmückt Geibel 3, 236;
übertragen und sprichwörtlich: fromme natur! ... immer dieselbe, bewahrst du in treuen händen dem manne, was dir das gaukelnde kind, was dir der jüngling vertraut Schiller 11, 82
Gödeke; treue hand geht (kommt) durch alle land
u. ä. in fast sämtlichen sprichwörtersammlungen belegt. besonders wichtig ist die ansiedelung der formel treue hand
zunächst in der rechtssprache (
vgl.treuhand),
dann überall; ihr langsames entstehen können wir noch an einigen älteren belegen verfolgen (
vgl. auch teil 4, 1,
sp. 4513): all handtwercks lütt sind triuer hanndt, ich hör nyemant über ir würcken clagen
liederbuch d. Hätzlerin 110; sie beede mit ehlichem band verstrickten sich durch trewe hand Spreng
Äneis (1610) 61
a.
zunehmend formell erstarrt und syntaktisch unverbunden gebraucht: die feind ..., dann sie sahen das jhn niemant begeret ain widerstand zuo thuon, thäten der stat hilff, raichten der stat die trewen hand und retung Stainhöwel
de claris mulieribus 314
lit. ver.; richter: weil
N. es liecht gemacht, sich auch eine treue hand setzen lassen, soll sich niemand an diesem stcke landes vergreiffen als
N., er habe dann besser recht Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 23
a.
ursprünglich bezeichnete treue hand '
die sicherung eines vertrages durch handschlag' (Körte
sprichw. [1837]
[] 189);
als bedeutung notieren Frisius
dict. (1556) 162
b und Aler (1727) 1917 '
beneficentia', Frisch (1741) 2, 386 '
quod alterius fidei committitur'.
am häufigsten begegnet die präpositionale verbindung zu treuer hand
oder bis in die jüngste zeit zu treuen händen: to truwer hant
zuverlässig, vertrauensvoll Lüb. chron. 1, 197; 2, 327 (
städtechron. 19
u. 26); denn weyl der gantzen stad gutt, ehr, leyb und leben yhn (
dem rat und der obrigkeit) zu trewer hand befolhen ist, so thetten sie nicht redlich fur gott Luther 15, 34
W.; zu treuer hand thun 16, 546; es hat mir ewer vater ehemals solcher historien ein vorzeichnus ... zu trewer hand gestellet Thym
Thedel v. Wallmoden 5
ndr.; die geben zu treuer hand ieder ain viertl waiz
österr. weist. 10, 78;
besonders vom geld: wie er wolt ziehen ausz dem landt, legt er dasselb zu trewer handt B. Waldis
Esop 1, 406
Kurz; das er mirs bhalt zu trewer handt H. Sachs 14, 154
Keller-Götze. ähnliches s. Jelinek
mhd. wb. 723.
plural: zu trüwen handen gestelt
fidei commissum Maaler 410
d; etwas zu trewen handen pfandsweisz hinderlegen Heupold
dict. (1620) 131; hat er alsobald seinen brüdern land vnd leut gelassen vnnd zu trewen händen befohlen
M. Rinckhart
Eisl. ritter (1613) 4; zuförderst lasz dir meine seele zu treuen händen befohlen seyn Fleming
d. vollk. teutsche sold. (1726) 297
b; zu treuen händen anvertrauen Ranke
dtsch. gesch. i. zeitalt. d. ref. 2, 287;
nachträglich die formel auch wieder unbildlich verwandt: dieses gedicht kam Amalia zu treuen händen J. Riemer
pol. maulaffe (1679) 25;
eine fülle älterer belege bei Haltaus 1802 /03,
s. auch Schmeller-Fr. 1, 637
u. 1, 1122.
das im 16.
jh. stellenweis, besonders von H. Sachs
bevorzugte treushand
bzw. (zu) treushanden (trewshanden)
ist aus der verbindung mit dem genetiv des substantivierten adjectivs entstanden: (eines) treues hand;
noch getrennt s. a. beispiele bei Schmeller-Fr. 1, 637; dasz die brief ... zu treües handen ligen (
aus d. jahre 1420)
monum. Boic. 2, 74; wann solch obbenant schloss ... den obgenanten fürsten treues henden übergeben ... ist
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens (
v. jahre 1479) 1, 229; Frölich
Joh. Stob. scharpfsinn. spr. (1551) 166,
gelegentlich auch noch bei H. Sachs 14, 156. 160;
meist schon fest zusammengewachsen, z. b. 9, 385; 14, 162. 165; 17, 340; es ist dir zuo trewshanden gelegt, auff trawen vnd glauben befolhen
sprichw., schöne weise klugr. (1548) 22
a.
andere verbindungen: alles auf die treue hand haben Schmeller-Fr. 1, 637; under triuwen hant
unter vormundschaft (
v. j. 1400)
s. Kehrein
sammlg. alt- u. md. wörter aus lat. urk. 28. I@C@3@cc)
andere umschreibungen: ein rechter held ein trewer schatz Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, y 1
v; suchst du ... ein hertz, aus welchem selbst die reinste treue quillet, ... reisz diesen treuen schatz nach deinem willen hin B. Neukirch
in H. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. auserl. ged. 2, 53; trewer hort Zinkgref
auserl. ged. 13
ndr.; treue stütze D.
F. Strausz
leb. Jesu xv (
ges. schr. bd. 3). I@C@44)
häufig ist treu
in allgemeinerer, zuweilen nur verstärkungscharakter zeigender bedeutung in der verbindung mit abstracten, die irgendeine geistig-seelische funktion bezeichnen: mit der treuesten absicht Herder 23, 41
Suphan; treue beständigkeit maler Müller 1, 330; treuer erkenntnis voll Denis
lieder Sineds (1772) 116; liebe vielmehr deinen freund aus träuem ernste Zesen
rosenmând (1651) a 4
a; der treuen hoffnung banger lauf (
nicht nur =
dauernd) hört itzo mit vergnügen auf Stoppe
Parnasz (1735) 2; in treuer hoffnung (
briefschlusz) Göthe IV 41, 75
W.; lassen euch mein trüwe meinung zuo guotem dienen Eberl. v. Günzburg 1, 65
ndr.; dies auch in älterer zeit gern in genetivischer formel: so ich dir freüntlicher und treüwer meynung raten wil Wickram 1, 21
Bolte; ähnlich Sleidanus
[] reden 7
Böhmer; Fischart 3, 119
Hauffen; treue rechtlichkeit Göthe I 24, 125
W.; treue rechtschaffenheit Knigge
umg. m. mensch. (1796) 1, 7; mit rechtem treuen (=
stark) zorn hassen E.
M. Arndt 1, 82
Rösch-Meisner; (
sie) volbrachten also ir gelüpt zuo der kilchen des Paradis mit einer guoten trüwen zuoversicht
Stretlinger chronik (
vor 1466) 73
Bächtold; treues willens sein Sigm. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) vii
a. I@C@55) treu
als attribut von wörtern, die mehr oder minder konkret verschiedenes tun und handeln des menschen ausdrücken; dabei liegt der bedeutungsgehalt des adjectivs überwiegend in der sozialen richtung: einander thun trewen peystant Hans Sachs 9, 176
Keller; treue wolthat Puschmann
meistergesang 33
ndr.; treuer rat
in älteren belegen '
auxilium': des fnd er trost vnd trewen rath J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 148; darüber wir von euch begern in unser armut trewen rat Hans Sachs 9, 3
Keller-Götze; ähnlich 17, 8;
überwiegend und auszerordentlich häufig treuer rat '
consilium': so wellen wir alle tach ... mit eu treulich und vaterlich reden und darauf eur antwort guetlich hören und eu unsern treuen rat mittailen
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters (
a. d. j. 1435) 1, 39; deins trewen rhats musz ich geleben Scheit
Grobianus (1551)
v. 45
ndr.; oft schon ziemlich bedeutungsmatt: werther hat sich der gemacht, der zur küch ein rind gebracht, als der einen treuen rath da und dort gegeben hat Fr. v. Logau
sinnged. 391
lit. ver.; treue rahtschläge Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 6; ist aber alle trewe vormanung an dir verloren, wolan so far fort hin (1556) Musculus
hosenteuffel 16
ndr.; treue warnung Kirchhoff
wendunmuth 2, 48
lit. ver.; A. v. Arnim 19, 182
W. Grimm; hätten sie von deinem guten freundlich dir erzählt, mit verständig treuen winken wie man bessres wählt Göthe I 6, 74
W.; höre eine bitte, die dich nicht beleidigen musz, sie ist treu Caroline 1, 141
Waitz; deine treuen worte waren mir herzlich willkommen Göthe IV 8, 213
W.; treues herzenswort Herder 5, 373
Suphan; treuste grüsze Göthe IV 21, 291
W.; treuer kusz Opitz
weltl. poem. (1690) 2, 117; treuen herzlichen dank Jacob Grimm 18. 12. 1822
an Benecke; treuer wunsch Zinkgref
auserl. ged. 23
ndr.; König
ged. (1745) 94; Göthe IV 41, 23
W.; treuester glückwunsch Dahlmann
an J. Grimm 1, 294; in treuer ... theilnahme Göthe IV 28, 113
W.; und wolte got, ich solcher treuwen bottschafft dir gnuog lohnen mOechte Montanus 188
Bolte; treue, ehrliche ergüsse (
briefe) G. Keller 5, 129; treuer brief Göthe IV 8, 252
W. treuer schutz
u. ä.: (
du christliche obrigkeit) halt witwen, waysen trewen schutz und halt gerechtigkeyt im land! Hans Sachs 1, 218
Keller; treuer schutz vor aller noth Spreng
Ilias (1610) 89
a; treue sicherheit Paul Fleming
teutsch. poem. (1642) 74; du (
ritter) solltest han in trüwer hut die witwen, weislin und grechtigkeit Nic. Manuel
todtentanz str. 46
Bächtold; Vesta habe stets in treuer obhut euer heilges feuer Fr. Rückert 1, 183;
vgl. 1, 181. treuer dienst
in allgemeinstem sinne (
speciell s. A 1
u. 9): gott belohnet trewen dienst
sprichw., schöne weise klugred. (1548) 32
a; min bruste yetz müd von sorgen vnd durch min trüwen dienste Nicl. v. Wyle
tranlat. 30
Keller; doch konte sie mich nicht, ich sie nicht sterben sehn, drum must ihr noch im tod ein treuer dienst geschehn. ich bin, eh sies erfuhr, ihr willig vorgegangen, bald den verklärten geist mit palmen zu empfangen Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 174;
[] dazu adverbiell: o starker gott im himmelsthron, wir wollens treu verdienen, dasz an des kampfes aufgang schon uns dein gesicht erschienen Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 44; trüwe arbeit
fidelis opera Cholinus-Frisius
dict. lat.-germ. (1551) 370; ... hat in der herr berüeft zuo entpfaehen um sein treüe arbait den verhaissen lon Knebel
chron. v. Kaisheim 24
lit. ver.; treuer thaten nachklang ist gemeinlich undanck Fr. v. Logau
sinnged. 252
Eitner. I@C@66)
ganz ins allgemeine verflüchtigt zeigt sich der gebrauch des wortes in einer reihe äuszerst charakteristischer belege aus Göthes alterssprache, zu deren bevorzugtesten lieblingswörtern das adjektiv gehört. gleichwohl bleibt bei aller unschärfe der eigentlichen bedeutung der ethische charakter des wortes ungeschmälert erhalten, wie denn die belege durchaus nicht nur occasionelles oder gar spielerisches gepräge tragen, sondern für die spannweite des wortes selbst zeugen. ein paar beispiele mögen genügen. bei einigen kann man als umschreibende bedeutung '
vertrauend'
ansetzen: und wenn dir kein geheimnisz blieb, was herz und welt enthalte, dem denker winkst du treu und lieb, dasz sich der sinn entfalte I 6, 45
W.; mich beglückt des holden looses treu und still ersehntes zeichen I 2, 105
W.; soll ich wiederholen, dasz ich dich von der gegenwart des freundes (
Willemer) unzertrennlich hielt und dasz bey seinem treuen anblick alles in mir rege ward, was er uns so gern und edel gönnt IV 31, 245
W. zur charakteristik von personen: Trebra brav, wahr, in dem seinigen treu III 1, 14
W.; ein treues wollen und ein gleiches wirken, dem man nur die kraft wünschte, den gegenstand sicherer zu fassen und das erkannte entschiedener durchzusetzen IV 38, 92
W.; ist man treu ..., das gegenwärtige festzuhalten, so wird man erst freude an der überlieferung haben I 24, 188.
anderes: diese ... zauberische wirkung bringt eine tieffühlende energische natur durch treues anschauen, liebevolles beharren ... durch behandlung eines jeden zustandes in sich als eines ganzen schaffend hervor und befriedigt dadurch die unerläszlichen grundforderungen an inneren gehalt I 40, 277
W.; ähnlich: wie sehn ich mich, natur, nach dir, dich treu und lieb zu fühlen! I 2, 185
W.; formelhaft: eiligst segnend treuer weise, heil und glück zur schönen reise I 5, 77
W. I@C@77)
der menschlich-ethische sinn des wortes wird übertragen I@C@7@aa)
auf konkrete gegenstände: er spornt sein rosz, und faszt den treuen degen, und eilt dahin, woher der laut ihm kam A. W. Schlegel
im Athenäum 2, 276; mein schild, mein treuer schild, ich werf den hund (
d. h. Hagen) mit dir! (
Siegfried im sterben) Hebbel
w. 4, 153
Werner; schnell schritt er fort am treuen stecken Fr. Kind
ged. (1817
ff.) 4, 100; und du vertraute bogensehne, die so oft mir treu gedient hat in der freude spielen, verlasz mich nicht im fürchterlichen ernst Schiller 14, 390
Gödeke. I@C@7@bb)
auf bestimmte, dem menschen nahestehende thiere (
anderer speciellerer gebrauch bei thieren s. III 3 a):
vom pferd: fürsten reiten trewe hengste Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, E e 4
v;
[] ich hab geschlagen mein rothrosz todt! und's war so stolz und treu! o! Herder 5, 173
Suphan; nebensinn des gehorsamen: das ist ein grösser narr: er legt die sporen an, da er sein treues pferd mit güte lenken kan C. Weise
d. drei ärgsten erznarren 18
ndr. vom hund: ich habe auch noch einen alten treuen hund, den ich liebe Kotzebue
sämtl. dram. werke 2, 14; ... seht doch hier das gute kluge treue thier (
bernhardiner) Droste-Hülshoff 2, 57
Cotta; ein hündchen ..., das einem so absichtslos treu ist Bettine
Brentanos frühlingskr. 62; die treue hut der hunde
fida canum custodia Steinbach (1734) 2, 840.
rückwärts auf den menschen übertragen: treu wie ein kettenhund Körte
sprichw. u. s. w. sp. 37,
anderes Wander 4, 1309; wie ein treues hündchen maler Müller
werke (1811) 1, 190; im orient ... ist der unterthan hündisch treu und hündisch falsch Mommsen
röm. gesch. 2, 267.
occasionelles: es ist ein truws thier vmb ein wyb Th. Murner
gäuchmatt 47
ndr.; (
von der forelle) disz ist ein rechter treuer, edler und guter herrenfisch
fischbüchlein 71; der delphin ist ... ein thyer das dem menschen trew Eppendorff
Plinius (1543) 9, 104. IIII.
übergänge zwischen ethischer und nicht-ethischer bedeutung. II@11)
mannigfaltige vermischungen ethischen und nichtethischen gehalts: doch gab er mir gern über alles ... treuen bescheid ('
aufrichtig'
und '
genau') Göthe I 7, 221
W.; leidenschaften geben fertigkeiten, welche zur zeit der versuchung treuer aushalten als das urtheil, was nach gründen gefället werden soll ('
zuverlässig'
und '
dauernd') J. Möser 2, 307
Abeken; sie band es mir beim abschied auf die seele ... da bin ich ... recht treu zu werke gegangen ('
liebevoll'
und '
sorgfältig') A. W. Schlegel 9, 14;
ähnlich zusammenklingen von '
anhänglich'
und '
genau': so treu und tief hatte er sich in seinen alten herrn hineingelebt O. Ludwig 1, 177
Schmidt-Stern; das musz ein treuer fischer wissen ('
pflichttreu'
und '
sorgfältig')
fischbüchl. 8; die treuesten leser ('
anhänglich'
und '
aufmerksam', '
genau') Lagarde
dtsch. schr. 3; wo das volk aber dicht gesäet ist, da hängt der einzelne niemals so treu und trutzig an altväterlicher art W. H. Riehl
die dtsch. arbeit (1861) 82; ... so treu als ich kan, befehle und verschliesze ich mein hertz in dein ... hertz
M. v. Cochem
der grosze baumgarten3 (1706) 99; der abendkusz, ein treu verbindlich siegel Göthe I 3, 21
W.; ähnlich doppelsinnigen gebrauch zeigt auch die wendung die treue hälfte
oder meine treue hälfte
für die ehefrau; z. b. Ulr. Bräker
sämtl. schr. (1789) 1, 183. II@22)
als ethische übergangsbedeutung musz gelten treu = '
wahr',
oft in enger synonymer verbindung, schon sehr alt: got. triggw þata waurd '
das ist gewiszlich wahr' 1.
Thim. 4, 9; 2.
Thim. 2, 11 (
πιστός)
; ähnlich auch triggwaba galaubjand '
halten für wahr'
Luc. 20, 6; triggwaba wait '
weisz ich zuverlässig, als wahr'
Philipp. 1, 25; trëuwe waarhafte botten
homines certi Maaler 407; es ist der treue und wahrhafte zeuge vor uns hergegangen Petersen
psalmenübers. bei Lessing 8, 18
Lachm.-Muncker; folgendes ist der dialog, der mir aus treuer zeugen munde ... überliefert worden Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 12;
abgeblaszt nur noch = '
wirklich': da wuszte die jungfrau, dasz er treu und wahrhaft der könig Rother von Wikingland ... war J.
V. v. Scheffel 2, 123. II@33)
besonders häufig die mehr oder minder synonyme verbindung treu und fleiszig,
wobei treu
denselben leise gesunkenen sinn wie brav
hat: er ist ... ein trockner, treuer, fleisziger Deutscher Göthe IV 8, 60
W.; adverbiell: arbeit treu und fleiszig verrichten J. G. Schmidt
gestriegelte rockenphilos. 1 (1706) 174,
mit sächl. umschriebenem subject: er hoffte an ihm ... ein treues und fleisziges werkzeug
[] zu finden Göthe I 22, 237
W.; treuer fleisz: Knebel
chron. v. Kaisheim 464
lit. ver.; Z. Werner
M. Luther (1807) xv; treu und gründlich Göthe IV 42, 20/1
W.; treu und eifrig E.
M. Arndt 1, 15
Rösch-Meisner. II@44)
eine zunächst ethisch neutrale verwendung des wortes erhält oft einen stark ethischen nachdruck, so vor allem in der verbindung einer sache treu bleiben. II@4@aa)
überwiegend persönliches subject; je mehr sich das verhalten des menschen auf ein ideell gehaltvolles object oder gar eine tugend erstreckt, je mehr nimmt auch das adj. eine ethisch gewichtigere bedeutung an; wenn es sich aber um ein mehr konkretes, singuläres, ethisch neutrales object handelt, verflacht es seinen bedeutungsgehalt. II@4@a@aα)
stark ethisch empfunden: bleib trew in deinem christenthumb so hast fr allen ehr und ruhm Petri
d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, l 3
r; dem glauben treu bleiben Haller
Alfred (1773) 33; Gutzkow
ritt. v. geiste 1, 98; dem einmal erkannten gotteswillen treu bleiben gegen alle lockungen Schleiermacher
sämtl. werke 2, 4, 4; wenn alle untreu werden, so bleib ich euch doch treu, ... gefährten meiner jugend, ihr bilder bessrer zeit, die mich zu männertugend und liebestod geweiht (
die alten ideale sind gemeint) Schenkendorff
3295
Hagen; wer ist freund und verehrer der wahrheit — ... der immer seiner empfindung, seiner überzeugung treu bleibt J. K. Lavater
verm. schr. (1774f.) 2, 337; ich kann nicht inkonsequent finden, wenn jemand seinem charakter treu bleibt Göthe I 21, 155
W.; seinen grundsätzen treu bleiben
ders. I 23, 214
W.; Pocci
lust. com.-büchl. (1859) 165;
ähnlich K. W. L. Heyse
bei Solger
ästh. (1829) vii. II@4@a@bβ)
etwas neutraler: bleiben sie ihm treu, dem alten hang zu dem mütterlichen boden ihres geistes, ich meine, zu unserer nervigten deutschen sprache Lenz
ges. schr. 2, 318
Tieck; seinen empfindungen treu bleiben Immermann 1, 94
Boxberger; die morgenländer ... scheinen der idee des grabes treu geblieben zu seyn Herder 16, 317
Suphan; der alten sitte treu bl. K. O. Müller
d. Etrusker (1828) 1, 260; die neue timokratie änderte ... den buchstaben der verfassung nur um dem geiste derselben treu zu bleiben Mommsen
röm. gesch. 2, 260; dem system treu bleiben Ranke
werke (1867ff.) 3, 5; gern hör ich gutes von der kunst, der ich mein leben treu geblieben Göthe I 4, 240
W.; bleiben sie den musen treu Göthe IV 30, 63
W.; bleibe deinem berufe treu Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 272. II@4@a@gγ) der lehrer der kirchengeschichte musz den thatsachen treu bleiben Schleiermacher
sämtl. werke 1, 5, 84; wie nur immer möglich, musz der poet der geschichte treu bl. O. Ludwig 5, 241
Schmidt-Stern; ähnlich Büchner
nachgel. schr. (1850) 259; der wahrheit der sache treu bl. O. Jahn
Mozart 3, 21; dem original treu bl.
briefe, die neueste lit. betr. 21 (1764) 17. II@4@a@dδ)
ganz äuszerlich, ohne ethischen gehalt: warum liesze man sich es so viel kosten, ihm (
dem costüm) treu zu bl. Göthe I 47, 258
W.; einer rolle treu bl. Tieck
schriften (1828) 4, 102; mein sohn, bleib der edlen jägerei treu J. Möser 1, 346; ... du aber schlieszest scheu dein ohr dem trost, und bleibst fühlloser schwermut treu (
einmalige stimmung) Gotter
ged. 1, 72; seinem bisherigen benehmen treu bleibend Ritter
erdkunde 1, 129; ... ist er seiner voraussetzung treu geblieben J. J. Engel
schriften (1801ff.) 2, 60;
geradezu von untugenden: seiner manier treu bl. Herder 3, 148
Suphan; Laura, wunderlich erzogen, jedem aberglauben treu, den als kind sie eingesogen Müllner
dram. werke (1828) 2, 105. II@4@bb)
sächliches subject, vorwiegend persönliches object, meist äuszerlichere bedeutung: mitten in den heftigsten ausbrüchen
[] des aufruhrs blieb die liebe des volkes ihm treu G. Forster
sämtl. schr. 3, 240; der geist, dem die stimmung treu bleibt Bettine
Günderode 1, 15; der sinn für vorsicht war ihm treu geblieben H. Laube
ges. schr. (1875
ff.) 11, 168; ihr zauber war ihr selbst im tode treu Hebbel
w. 2, 359
Werner; konkreter: das er (
der wein) dem alter ist so trüw H. R. Manuel
weinspiel v. 2508
ndr.; (
der magen) der einzige schmarotzer, der mir die ungelegenheit macht, treu zu bleiben Raimund 1, 8
Glossy-Sauer; ganz übertragener gebrauch: die beendigung des prozesses durch urtheil und execution blieb ... dem charakter der rein dinglichen klage treu Jhering
geist des römischen rechts (1852ff.) 3, 182;
hierher auch das syntaktisch besondere: wenn uns also die poesi an sich ziehen, uns treu (=
interessiert) erhalten will Ramler
einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 141. II@55) sich treu sein
bzw. bleiben.
bei absolutem gebrauch meist starke erhöhung zum ethischen; tritt eine nähere ergänzung hinzu, wobei oder worin man sich treu bleibt, sinkt die bedeutung des adjectivs bis zum bloszen beharren ab, zumal bei sächl. subject: dies über alles: sey dir selber treu, und daraus folgt, so wie die nacht dem tage, du kannst nicht falsch seyn gegen irgendwen
Shakespeare 3, 167; dir selbst sei treu und treu den andern dann ist die enge weit genug Göthe I 3, 311
W.; schon ethisch zweideutig: nicht du, der stets sich selber treu geblieben, die haben unrecht, die dich fürchteten, und doch die macht dir in die hände gaben Schiller 12, 234
Gödeke (
gräfin Terzky zu Wallenstein);
ähnliches Göthe I 16, 293
W.; Niebuhr
röm. gesch. 1, 11; uns selbst treu zu seyn im erkänntnisz der wahrheit Herder 11, 7
Suphan; kollektiv: bleibet euch also treu, ihr Deutsche Herder 23, 14
Suphan; so lange aber Rom sich selbst treu war, so lange war tugend der höchste ruhm des weibes Niebuhr
röm. gesch. 1, 317;
sächl. object: gebildet ist ein werk ..., wenn es sich selbst ganz treu ... ist Fr. Schlegel
Athen. 1, 81; um so kenntlicher musz ein ding seyn, was sich auch noch in einer französischen umschreibung ... so treu bleibt Herder 7, 353
Suphan; noch äuszerlicher: übrigens bleiben sich die hauptzüge (
der handschrift) treu, die schrift wird nirgends nachlässig ... Göthe I 42
1, 9;
in der heutigen umgangssprache auch sehr häufig bei schlechten eigenschaften und in bösem sinne, also ganz äuszerlich übertragener gebrauch, z. b. du bleibst dir doch in deiner faulheit treu, der musz sich doch immer (
d. h. in seinen schlechten eigenschaften) treu bleiben (
kann sich nicht mehr ändern)
u. ä. II@66) treu wie gold;
der vergleich, der zunächst nur den sinn des dauerhaften hat, wird auf den charakter des menschen übertragen, und das adjektiv erhält dann ein ethisches gewicht: he is so trou as gold
brem.-niedersächs. wb. 5, 114; prächtige bursche, treu wie gold! Deinhardstein
ges. dram. werke (1848) 1, 8; sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz ist treu wie gold Schiller 13, 207
Gödeke; auch specieller: ich bin dir treu wie gold, ohn eid und bund Immermann 16, 437
Boxberger; mein trauter war so lieb und hold war lauter, echt und treu wie gold, und aller falschheit leer Bürger 47
a Bohtz; seinen grundsätzen war er treu wie gold Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 2, 174. II@77)
ursprünglich ethisch-religiös gehaltvoll, dann im gebrauch gesunken ist das biblische sprichwort wer im geringsten treu ist, der ist auch im groszen treu
Luc. 16, 10,
vgl. Schulze
bibl. sprichw. (1860) 165; Büchmann
27 (1916) 57.
[] IIIIII. treu
ohne ethischen gehalt; fast durchgehend erst jüngerer und jüngster gebrauch, nur ganz selten hinter das 18.
jh. zurückreichend: III@11)
zur bezeichnung der bloszen dauer oder regelmäszigkeit; höchstens sekundär tritt die erinnerung an die ethische bedeutung hinzu. III@1@aa)
vom glück, schicksal u. ä.: wer nennt das glück noch falsch? mir war es treu Schiller 12, 380
Gödeke; stolz auf sein einzig treues glück Mommsen
röm. gesch. 2, 369; nun sich der treue (
gewohnte) sieg zu Carols fahnen lenkt Pietsch
geb. schr. (1740) 33; ein treuer frieden Schupp
schrift. (1663) 770;
hierher auch: kurz, seinen pfahl trägt jeder treu (
sein leben lang) im fleische Gotter
ged. 1, 333. III@1@bb)
von der sonne, den sternen, dem echo, der uhr als symbol der zeit u. ä.: sie (
die sonne) läuft den weg treu, wie ein held (
hier tritt durch den vergleich ein ethisches bedeutungsmoment sekundär hinzu) R.
Z. Becker
mildh. liederb. (1799) 28; im zarten dufte glühen sie vor mir die gletscher, denen treu die sonne hier ihr erstes und ihr letztes lächeln zeigt Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 189; jene treuen sterne blinken tausendmal maler Müller
werke (1811) 1, 334; treu wie die sterne des himmels G. Keller 4, 49; deine gestalt ... ... leuchtet mir freundlich und treu wie durch des nordlichts bewegliche strahlen ewige sterne schimmern Göthe I 2, 109
W.; trewer widerschall Spee
trutznacht. (1649) 20; ehrlich und treu wie der wiederhall Hippel
lebensläufe (1778) 1, 137; treues echo Pfeffel
poet. vers. 1, 46; treuer schatten
schles. Helikon (1699) 1, 49; nur mit ihnen wollt ich leben, meine jugend nutzen, genieszen, und so das alter im treuen redlichen ablauf Göthe I 24, 161
W.; treue ausdauer Göthe I 26, 45
W.; wo ist ... ein himmel, der kein wolkenflug, ein frühling, der kein vögelzug, wo eine spur, die ewig treu (
gleichbleibend, unver- ein gleis, das nicht stets neu und neu
änderlich), Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 237. III@1@cc)
bei tieren und pflanzen (
teilweise anthropomorph empfunden, und dann mitklingen der ethischen bedeutung): fünfmal zählt schon stadt und feld die zurückkunft treuer störche Gottsched
ged. (1751) 1, 204; wo treue schwalben baun Matthisson
bei Hoffmann
dtsch. wb. 5, 669; wie lieblich und nützlich ist das krähen des hahnen; dieser treue hausgenosse erweckt den schlafenden ... meldet die stunde der nacht ... Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 5, 87; raben, eulen und käutzlein sind seine treuen gefährten Triller
wurmsaamen (1751) 1, 5; er ist treu wie eine katze bei süszer milch Wander 4, 1309; he is so tru as'n lus Eichwald
nd. sprichw. u. redensaa. nr. 1240,
ähnlich brem.-nds. wb. 5, 114;
heute ohne grund mehr ironisch empfunden. es ist kein creatur trüwer (
dauernder, das ganze leben be- dann Aeben der hochloblich wyn
gleitend) H. R. Manuel
weinsp. v. 594
ndr.; das treue veilchen Göthe I 16, 139
W.; o tannebaum, o tannebaum, wie treu sind deine blätter! Böhme
volkstüml. lieder d. Dtsch. 474; und dunkler noch und treuer blickt die tanne, als sonst sie blickt (
an menschliche treue anschlieszend) Nietzsche 8, 327;
[] nur selten anderes: o ihr grünen treuen buchen Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 182; fahr wohl, du alte treue heldeneiche! Droste-Hülshoff 2, 209
Cotta. III@1@dd)
sonstiges: die treue farbenpracht, die noch so frisch aus den alten bildern schaute, als wären sie heute gemalt Eichendorff
sämtl. werke (1864) 2, 197; der beste und treuste (
regelmäszigste) korrespondent Göthe IV 15, 165
W. III@22) treu '
genau', '
echt', '
ähnlich', '
übereinstimmend'
u. ä. (
auch dies ein von Göthe auszerordentlich geliebter gebrauch). III@2@aa)
attributiver und prädikativer gebrauch: III@2@a@aα)
mit geistig-seelischem subjectsbegriff: treue kenntnis Göthe IV 42, 213
W.; treuste vorstellung L. Häusser
dtsch. gesch. (1854) 1, 372; treues gedächtnis Schmid
an Lessing 13, 613
Lachmann; Göthe IV 38, 7
W.; ein leichtes und treues gedächtnis Eschenburg
entwurf e. theorie d. schön. wiss. (1738) 171; weites und treues gedächtnis Justi
Winckelmann1 1, 141; uns ist in treuem angedenken noch, wie das kommando kam in Friedlands hände Schiller 12, 75
Gödeke; dem vergänglichen treue aufmerksamkeit schenken Scherer
litgesch. 773; treues aufmerken Göthe I 28, 63
W.; was eine scharfe treue beobachtung verleihen kann I 49, 186
W.; s. auch Mommsen
röm. gesch. 2, 261. III@2@a@bβ)
als attribut menschlicher organe, besonders des auges: wer die wissenschaften und ihren gang mit treuem auge beobachtet hat Göthe II 1, 291
W.; sie besasz ein treues auge (
als malerin) I 24, 370
W.; auch von gott: seine welt, des meisters welt, war gut, war so gut, dasz selbst sein treues auge (
scharfsichtig) keine fehl an ihr noch makel fand Kosegarten
rhaps.2 1 (1800) 174; endlich musz man ... gestehen, dasz es nicht ganz treue federn sind, die uns die geschichte dieses auszerordentlichen mannes überliefert haben Schiller 8, 353
Gödeke. III@2@a@gγ) treue wahrheit
u. ä.: wie die philosophie nach dem ersten grunde der dinge, die kunst nach dem ideale der schönheit, so strebt die geschichte nach dem bilde des menschenschicksals in treuer wahrheit, lebendiger fülle und reiner klarheit W. v. Humboldt
ges. schr. (1903ff.) 4, 39; sie aber, hoher meister, legten zart und weise die süsze fabel als schlichte treue wahrheit aus Immermann 1, 92
Hempel; die treueste und pünktlichste ähnlichkeit ist die erste und unerlassliche bedingung des bildnisses W. v. Humboldt
ges. schr. (1903ff.) 6, 2. III@2@a@dδ)
das subject ist ein nomen actionis: sorgfältige und treue nachahmung wahrer und erdichteter charakter(e) Gerstenberg
schlesw. literaturbriefe 112
lit. denkm; ähnlich Schubart
leben u. gesinn. 1, 61; Göthe I 48, 26
W.; treue wiedergabe der natur Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893f.) 1, 154; treue erforschung auch des scheinbar geringfügigen Jhering
geist d. röm. rechts (1852ff.) 2, 2, viii; treue schilderung ihres zustandes Gotter
ged. 3, 39; vermittelst dieser bestimmungen erklärt man sich leicht, warum in ächten kunstwerken die darstellung zuweilen so treu und wahr sein kann, wie in den bloszen kopien nach der natur G. Forster
sämtl. schr. 3, 277; treue erzählung Herder 17, 19
Suphan; eine übersetzung ..., die die vorzüge einer treuen dolmetschung mit der völligen gestalt eines deutschen originals verbände
allg. dtsch. bibl. 1765, I 1, 176; treue porträtierung O. Ludwig 5, 410
Schmidt-Stern; wenige ... besitzen die gabe der treuen überlieferung, der scharfen sonderung Ritter
erdkunde (1822) 1, 28. III@2@a@eε)
ebenso häufig steht das adj. vor den aus diesen nominibus actionis erwachsenen mehr oder weniger konkreten substantiven: so treu war die überlieferung Scherer
lit.-gesch. 7106; treue relation Göthe IV 33, 55
W.; Brentano (1852
ff.) 5, 367; treue und sichere nachricht Herder 13, 238
Suphan; treue nachricht Raabe
hungerpastor (1864)
[] 3, 143;
auszerordentlich geläufig: treue übersetzung,
z. b. Göthe I 41
2, 86; II 2, 6; IV 11, 113
W.; treue nachschriften Lagarde
dtsch. schr. 4; treue abschrift Savigny
gesch. d. röm. rechts 2, 18; treuer abdruck,
häufig übertragen: der charakter eines ganzen volkes ist der treueste abdruck seiner gesetze Schiller 13, 100
Gödeke; so auch sein gesicht ein ... treuer ausdruck davon Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 66; sie glaubten, von urhellenischer einfalt und natur ... einen treuen eindruck zu hinterlassen, wenn sie den Homer recht altväterlich und bäurisch sprechen lieszen Justi
Winckelmann 11, 36; treue abzeichnung Niebuhr
röm. gesch. 2, 541; ein treuer und mit einsicht gemachter auszug A. W. Schlegel
Athen. 1, 146; treuer abrisz Göthe IV 36, 26
W.; treue farben
gern übertragen: studien wie experimente ... gaben ihm zugleich treue farben und glückliche motive für den keimenden Faust Bielschowsky
Göthe 1, 95; ein treues porträtgemählde Fr. Schlegel
sämtl. werke (1846) 2, 77;
übertragen: sehen sie da das treue gemälde ihres verhaltens Dahlmann
gesch. d. frz. rev. (1845) 368; ein musikstück, welches ... ein treues seelengemälde vor uns aufrollt O. Jahn
Mozart 14, 104; ich habe ein treues tagbuch geführt Göthe IV 8, 23
W. III@2@a@zζ)
besonders gern: treues bild, abbild,
überwiegend übertragen: ich werde ein treues und bestimmtes bild der völker entwerfen Niebuhr
röm. gesch. 1, 4; treueres und deutlicheres bild Schopenhauer 1, 326
Grisebach; denn es ist namentlich in der bildungsepoche die sprache das treue bild und organ der erreichten culturstufe Mommsen
röm. gesch. 1, 14; Tacitus liefert ein im groszen und ganzen unzweifelhaft treues bild Scherer
lit. gesch. 75; ... gewandt, verwegen, reich ... leidenschaftlicher verehrer der frauen ... dies war das treue bild meines gönners v. Gaudy
sämtl. werke (1844) 13, 20; in manchen völkern lebt treu und unverfälscht das bild der vergangenen tage fort Jhering
geist des röm. rechts (1852ff.) 1, 86.
selten im plural: wer, brüder, kan in treuen bildern den süszen anblick würdig schildern Schiller 1, 51
Gödeke; genau so treues abbild E. T. A. Hoffmann 14, 167
Grisebach; wer von einem so bestimmten leben ein dichterisch treues abbild zu geben weisz
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 6; treue abbildung Gerstenberg
recens. 285
lit. denkm.; ähnlich: schauspieler ..., die sich ein äuszerlich täuschendes treues kostüm jener wilden ... zeiten umgeworfen haben O. Ludwig 5, 308
Schmidt-Stern. treues spiegelbild Laube
ges. schr. (1875ff.) 4, 193;
sehr geläufig treuer spiegel: daher sind die briefe der treue spiegel seines innern Justi
Winckelmann1 II 2, 224; land der sehnsucht, ob auch eitel manch ein sklave mit dir prahlt, bleibst du doch der treuste spiegel, der die freiheit widerstrahlt! Herwegh
ged. eines lebend. (1843) 44; das musz man sagen, einen treuen spiegel hab ich an meinem bedienten! Bauernfeld
ges. schr. 1, 15. III@2@a@hη)
das subject ist ein nomen agentis: treuer beobachter Gerstenberg
recens. 162
lit. denkm.; Göthe II 1, 296; IV 8, 126
W.; wozu Winckelmanns geschichte der kunst ein treuer führer ist Göthe IV 8, 137; deine augen ... sind treuere erzähler als deine lippen Gerstenberg
Ugolino 240
Kürschner nat.-lit.; (
Homer) der treue darsteller der sitten und meinungen J. H. Voss
antisymb. 1 (1824) 29; treuer darsteller der wirklichkeit Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 109; treuer mahler des wirklichen Schiller 14, 5
Gödeke; treuer dolmetscher Schubart
ästh. d. tonkunst 45; treuer übersetzer Göthe IV 41, 43
W.; treuer ausleger Alberus (1540) V 2
a; treuer referent Göthe I 25
1, 260
W. specieller: ich wolle, wie es einem treuen geschichtschreiber in solchen fällen geziemt, das pro und contra sorgfältig studiren IV 8, 148
W.; ein treuer naturforscher und emsiger mineralog I 36, 18
W. [] III@2@a@thθ)
speciell: der natur treu: seine nachahmung sey so wahr, so treu der natur Eschenburg
theor. u. lit. d. schön. wiss. (1783) 166; wie treu sie (
die farbe der berge auf den gemälden) der natur ist fürst Pückler
briefw. u. tageb. 2, 193;
etwas gehaltvoller: nur der natur und ihrem zepter treu Droste-Hülshoff 2, 222
Cotta; auch das absolut stehende treu
kann die bedeutung von '
naturgetreu'
oder '
natürlich'
annehmen: und da er (
der Deutsche) in dieser poetischen prose am treuesten seyn kann Nicolai
lit. briefe (1759ff.) 2, 212. III@2@bb)
überaus lebendig in diesem verbreiterten und verflachten sinn ist adverbieller gebrauch: III@2@b@aα)
bei verben dicendi: antworte mir treu! Klinger
werke (1809) 1, 66; (
Hans Sachs) erzählt das eben fix und treu, als wär er selbst gesyn dabei Göthe I 16, 126
W.; treu erzählen Herder 22, 146
Suphan; Göthe I 25
1, 167
W.; Heine 1, 24
Elster; die geschichte ist treu erzählt D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 15; treu berichten Immermann 2, 18
Boxberger; treu schildern Treitschke
hist. pol. aufs. 1, 2; treu erklären Gotter
ged. 1, 32; treu verzeichnen Häusser
dtsch. gesch. (1854) 1, 372; hören sie, was man dann sagt, und schreiben sie es mir ganz treu Humboldt
briefe an Welcker 14; seine vorlage treu wiedergeben Scherer
lit. gesch. 756; treu referieren Schleiermacher
i. Athen. 3, 249; treu darstellen Heine 3, 23
Elster; J. Grimm
an Dahlmann 1, 81; Caroline 1, 162
Waitz; treu beschreiben Göthe IV 1, 17
W.; kein maler konnt euch treuer malen (
ähnlicher) Gellert (1774) 1, 90; treu überliefern Göthe I 49, 193
W.; treu übersetzen Gerstenberg
dtsch. lit. denkm. 128, 98; die erkundigungen muszten treu und ungesäumt eingezogen werden
briefe von u. an Herwegh 157; die übersetzung ..., welche die bilderpracht des orginals treu vermittelte Scherer
lit.-gesch. 790; ein ereignis historisch treu ... darlegen Göthe II 6, 127
W.; aber am treuesten offenbart sie (
die weibliche eigenthümlichkeit) sich in der physischen gestalt und dem sinnlichen ausdruck W. v. Humboldt
ges. schr. (1903) 1, 337; am treusten hat das sprichwort Franck C. Schulze
bibl. sprichw. (1860) 117; ich zeige treu das wetter an (
vom frosch) Pfeffel
poet. vers. 2, 93. III@2@b@bβ)
bei verben sentiendi: alles, was sie (
die malerei) von treu geschauten, zartgedachten und tiefempfundenen motiven besasz Justi
Winckelmann 11, 281; die diät treu beobachten Bremser
med. paroemien (1806) 169; der bescheidene, sein object treu erfassende verstand Herder 22, 335
Suphan; so treu bewahrst du jede kleine gunst, und für die kränkung hast du kein gedächtnis? Schiller 12, 232
Gödeke; ähnlich Hölderlin 2, 74
Litzmann; W. H. Riehl
d. dtsch. arbeit 25
u. 180; die individualität treu bewahren O. Jahn
Mozart 11, 369. III@2@b@gγ)
sonstiges: wenn sich der geist in der von ihm abhängigen sinnlichen natur auf eine solche art äuszert, dasz sie seinen willen aufs treuste ausrichtet und seine empfindungen auf das sprechendste ausdrückt ..., so wird dasjenige entstehen, was man anmuth nennt Schiller 10, 94
Gödeke; nur allzu treu war dieser vielbewegliche allen windungen und wendungen einer politik, die er miszbilligte, gefolgt Treitschke
dtsch. gesch. 3, 321; ein väterlicher rath ist nie treuer befolgt worden Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 90; treu das gesetz im auge haben E. T. A. Hoffmann 1, 3
Grisebach; deinem befehl ist treu nachgelebt worden A. v. Chamisso 5, 217; man kann sich nicht treuer an die annalenform binden als es Livius thut Niebuhr
röm. gesch. 2, 3; sich treu an den geschichtlichen stoff anlehnen Freytag 14, 16; nachgebildet sind sie (
die zeichnungen) auf das treuste, zarteste und zierlichste Göthe IV 42, 231
W.; die contoure im allgemeinen ...
[] sind sorgfältig und treu gearbeitet Göthe 1, 47, 232
W.; je treuer tritt das bild der begabten, aber wunderlichen frau hervor (
genau, plastisch) Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 1, 82. III@33)
specielle verwendungen: III@3@aa)
bei thieren '
zahm'
u. ä.; synonym mit dem in gleicher bedeutung gebrauchten fromm
und gegensatz zu falsch
in diesem speciellen sinn (
vgl. th. 4, 1,
sp. 242
und th. 3,
sp. 1292): (
hirsche und hindinnen) waren gut und fromm und treu Rückert 1, 110; ein pferd ist treu
es schlägt nicht; ein bock, bulle ist treu
stöszt nicht; ein hund ist treu
beiszt nicht; eine katze ist treu
kratzt nicht u. s. w., weit überwiegend in mundartlicher sprachschicht, da literarische belege nicht vorliegen; vgl. ein frommes pferd ist getreu Martin-Lienhart 2, 737; de hund ist trû
nicht falsch, beiszt nicht Schambach
Gött. 235,
und wohl mehr auf Norddeutschland beschränkt, wo die dialectwörterbücher noch weithin fehlen. III@3@bb) treue wolle
wolle, deren haare in ihrer ganzen länge gleichen durchmesser haben Bucher
reallex. d. kunstgew. (1883) 410. IVIV.
fest gewordene substantivierungen: gotisch erscheint die schwache form als name: Triggwa, Triggwila Wrede
ostgot. 78
ff. IV@11)
singularisch nicht sehr häufig und erst jung. IV@1@aa)
das masculinum von dem geliebten: flieszt, o thränen, nezt den schleier, flieszt auf brautgeschenk herab das beim abschied jüngst mein treuer mir mit kusz und thränen gab! J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 6, 32;
vgl. auch 2, 107; wie sich Röschen liebten und ihr treuer, lieben sich die engel kaum Hölty
ged. 60
Halm; bleib ich lang vor jenem hause stehen, drin das liebe, liebe liebchen wohnt, weisz nicht, dasz sein treuer ferne ziehet J. Kerner
dicht. (1834) 151; wohl kam der frühling viele mal, ihr liebster nimmermehr ins thal, doch lenz um lenz aufs neue rief sie: nun kommt der treue Fontane
ged.4 193;
nicht so fest, nur gelegentlichere substantivierung für den treuen freund: und so assistire, aus der ferne als gegenwärtig, deinem alten treuen Göthe IV 39, 165
W.; o du treuer Jean Paul 7/10, 454
Hempel; in allgemeiner bedeutung: wo korn sich sondern wird von spreu, wo man den falschen von dem treuen gehörig unterscheiden kann, den unerschrocknen von dem scheuen, den halben von dem ganzen mann Uhland
ged. 1, 79
Schm.-H. IV@1@bb)
das femininum von der geliebten oder der frau: bleibe liebste, wie du bist bleibe meine treue
Venusgärtlein 12
ndr.; ... die angetreute treu herrschet über leid und zeit, wird durch alt seyn immer neu Logau 263
Eitner; als der tod mein erste treu gleich verbarg in frischen sand
ders. ebda. IV@1@cc)
gelegentlich auch neutral: sie hat an ihm viel liebs und treus gethan, dasz ers bis an sein selig ende spürte Göthe I 14, 147
W. IV@22)
weit gebräuchlicher der plural die treuen,
vor allem für die unterthanen oder anhänger: der treuen bange schaar umseufzte sie mit blassem angesichte (
die tote kaiserin Theresia) Denis
lieder Sineds d. barden (1772) 124, 14; rechtmäsziger könig er kehret zurück, den treuen verleiht er entwendetes glück Göthe I 3, 6
W.; folgt mir nach Frauenberg, wo alle treuen bey Gallas sich und Altringer versammeln Schiller 12, 261
Gödeke; [] blutend ... ward Servius von seinen treuen emporgehoben und weggeführt Niebuhr
röm. gesch. 1, 291; das waren Preuszen, schwarz und weisz die farben, so schwebt die fahne einmal noch voran, als für den könig seine treuen starben, für ihren könig, jubelnd mann für mann
gedicht aus den märztagen bei Bismarck
ged. u. erinn. 1, 57;
ferner in religiösem sinne: leichte lasten, göttlicher vorgänger, sind deinen treuen alle leiden dieser welt Klopstock
oden 1, 214
Muncker-Pawel; denn die grundvest der erde sind Jehovahs ... die tritte seiner treuen sichert er, der bösewicht verschwindet im dunkel stumm Herder 12, 199
Suphan; jetzt segnet er (
Christus) noch einmal seine treuen zum grozen bund der liebe sie zu weihen, dann trägt ihn eine wolke himmelwärts Körner 1, 65
Stern; dann kehrt der herr, sie liebreich zu erfreun, ein theurer gast, bei seinen treuen ein und spendet seiner tröstung himmelsfülle Annette v. Droste-Hülshoff 2, 194
Cotta. aus der psalmenstelle 101, 6 meine augen sehen nach den treuen im lande
ist diese verbindung auch aus der religiösen sphäre hinausgetragen worden, ähnlich wie die stillen im lande.
auch geradezu im allgemeinen sinne '
die orthodoxen',
s. Justi
Winckelmann 1, 60;
die vaterlandstreuen: flammen lodern, fahnen wehn, und es wird mit gott geschehn, was der weisen muth erkor was der treuen herz beschwor Schenkendorf
ged. (1815) 18.
damit in zusammenhang ganz specielle, historisch einmalige verwendung: seit dem jahre 1809 und zum teil schon früher bestand in unserm lande eine äuszerst scharfe soziale trennung zwischen den 'treuen' (auch patrioten, deutsch gesinnte genannt) und den 'franzosenfreunden' A. Vilmar
erinnerungen, abgedruckt in W. Hopf
Vilmar 1, 25; nur daher jene ... freudenlosigkeit vieler im volke ... dasz die schamlosen (
d. h. die zur zeit Napoleons dem '
fremden unwesen'
huldigten) ... den treuen und rechtlichen (
d. h. die am alten und am fürsten festhielten) durch schnöde zurücksetzung und miszhandlung den irdischen lohn der tugend reichlich zutheilen werden Thibaut
üb. d. notwendigkeit eines allg. bürg. rechts f. Deutsche in zivilrechtl. abh. (1814) 451 (
vgl. auch treubund).