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treu

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

treu adj. u. adv.

Bd. 22, Sp. 243
treu, adj. u. adv. ; vgl. auch getreu teil 4, 1, sp. 4499 bis 4521. verbreitung und herkunft. das wort ist gemeingermanisch: got. triggws πιστός (dazu das adv. triggwaba πεποιθώς); altnord. tryggr 'treu, vertrauensvoll, wahr' (das nicht-eddische trûr, altschwed. trôr, das auch die bedeutung 'glaubend' in religiösem sinne hat, ist dagegen mit Osthoff zu einer andern vokalstufe der wurzel zu stellen; s. u.), runisch (um 950) in Siktriku (< *Siʒitriggwa) s. Noreen altschwed. gramm. s. 501 und altisl. gramm.4 § 153, schwed. trygg, n. norw. tryg 'sicher, ruhig'; für 'treu' ist tro (norw. landsmaal tru) (< trôr, trûr) bzw. trofast eingetreten; aus dem nordischen entlehnt ist mittelengl. trigg > neuengl. (nur noch familiär und provinziell) trig 'stark, schmuck, hübsch'. das westgerm. hat die -ja-bildung: ags. (ʒe)treowe, treouwe, trêwe 'treu, vertrauenswürdig', westsächsisch meist umgelautet (ʒe)triewe, trîwe, north. gelegentlich verkürzt: (ʒe)triwe [] s. Sievers3 § 156, 5; mittelengl. auszer diesen formen schon trûwe und trûe, neuenglisch true, das neben 'treu' allmählich überwiegend die bedeutungen 'wahr, richtig, echt' angenommen hat. altfries. tri(u)we, trio(u)we, troiwe, tro(u)we 'treu, zuverlässig', vgl. Siebs grundrisz2 1, 1236; mittelniederl. (ghe)trû(we), trou(we), niederländ. trouw; altsächs. triuwi, mittelnd. trûwe. über ahd. triu(wi) und mhd. triuwe vgl. 'form'. den etymologischen zusammenhang der treu-sippe mit der der eiche bzw. des baumes (griech. δρῦς, got. triu u. s. w.), ein zusammenhang, der auf die grundbedeutung von '(baum)stark, fest, hart, dauernd' führt und etwa in dem lat. verhältnis von robur — robustus eine genaue parallele hat, hat erstmalig H. L. Ahrens (δρῦς u. s. sippe, Hannover 1866) gesehen (vgl. bald darauf auch Schade 2956 ff.); dann hat ihn H. Osthoff in seiner abhandlung 'eiche und treue' (etym. parerga, Leipzig 1901, 98ff., bes. 118ff.; vgl. auch 'vom kernholz' ebda 71ff.) weiter begründet, nicht nur lautlich und morphologisch, sondern auch bedeutungs- und kulturgeschichtlich ausgebaut und dadurch zu höchster wahrscheinlichkeit erhoben. andere etymologische anknüpfungen oder einzelabweichungen bleiben daher hier unberücksichtigt. zugrunde liegt eine indogermanische wurzel *der oder *dre, die ablautend als *dor bzw. *dro und als *dru erscheint und auszerdem zwei formen *drû und *dru zeigt, die Osthoff auch aus (vorsonantischen) formen mitzu erklären neigt (anders z. b. Noreen nach altisl. gramm.4 § 166). nur eine ganz kleine auswahl des hergehörigen wortguts sei hier angeführt. die grundform *der ist u. a. im got. volksnamen Tervingi, in altnord. tyr(v)i 'kienholz', tyrr 'föhre' und den ags. und nd. entsprechungen von 'teer' (das hd. in früheren sprachstufen fehlt) enthalten, *dre in der triu-'baum'-sippe (got. triu < *triw, ags. treow, afries. trē, as. trio, treo; deutsch nur in dialektwörtern, z. b. westfäl. traise 'holzbirne' und suffixal in wacholder, holunder u. ä. weiterlebend) undmit verdoppelung des halbvokalsin triggws, triuwi u. s. w. 'treu'. die stufe *dor zeigt z. b. griech. δόρυ; *dro führt zu germ. *traw > *trau und liegt in got. trausti 'vertrag, bündnis', altnord. traustr 'sicher, stark', dtsch. trost vor. die wurzelform *drū liegt dem griech. δρῦς und im germ. dem ahd. trûen, got. trauan u. s. w., aisl. trûr, aschwed. trôr 'treu' zugrunde; *dru steckt in ags. trum 'fest, stark', mlat. < altfränk. trust(is) 'treuverhältnis' (s. Grimm rechtsaltert. 269. 275. 943, van Helten PB beitr. 25, 498 f.), vielleicht mhd. getrüste (dies dann also nicht < truht, wie Ben.-Müller-Z. 3, 124b meinen) und dem nord- und westgerm. trog. die triu-'baum'- und triggws-'treu'-gruppe gehört also trotz des unterschiedes vonund  formal enger zusammen als die in ihrer übertragenen bedeutung semasiologisch in engstem zusammenhang mit treu stehende trauen- oder trost-gruppe. form. die ursprüngliche ja-bildung ist früh im nominativ einsilbig geworden und hat dann das auslautende w abgestoszen (schon mhd. auch getriu). vom 15.-17. jh. begegnet vielfach für das u des diphthongen die w-schreibung, natürlich ohne konsonantische geltung, z. b. trew gemma gemm. 1512 (Dief. 571c), Dedekind papista conversus (1596) a iib, Zehner nomencl. lat.-germ. (1663) 94, traw Dasypodius dict. lat.-germ. (1536) 72, auch in zweisilbigen formen: trewer ler (gen.) Folz meisterl. 2, 11; trewer hort Luther bei Wackernagel 3, 8; lexikalisch Dasypodius dict. germ.-lat. (1537) 442, Eyering prov. cop. (1601ff.) 1, 78; vgl. Moser § 22; ebda anm. 4 u. 5 über die stellung der grammatiker. anderseits ist in den obliquen kasus das w gern hiatdeckend erhalten, wo es nicht nur orthographischen, sondern sicher noch konsonantischen charakter trägt, und hält sich dann durch systemzwang auch im nominativ (vgl. v. Bahder 214 ff.): truw gemma gemm. 1513 (Dief. 571c), voc. ex quo ca. 1521 ebda, trouwe gemma gemm. 1507 ebda, treüwe, treüwer Frisius (1556) 34a, 1368b; trauw Waldis Esop 4, 11; treuw Schmidt id. Bernense 67; charakteristisch für das durcheinander ist Wachter (1737) 1712. mundartlich begegnet [] sogar ww: trüwwe Jellinghaus Ravensb. 80. neben w begegnen auch andere gleitkonsonanten: j und g, im Aargauischen auch ein auffälliges n: tröüje (i) tröüne (i) Hunziker 61; trüje Bauer-Collitz Waldeck 105b, trygə Martin Waldeck 278; trügge Woeste westf. 275; auch ostniederdtsch. stellt sich velare konsonans ein, freilich spirantisch. sonst jedoch überwiegt heute auch in den maa. der rein vokalisch auslautende stamm. der stammvokal zeigt in älterer zeit neben der hochdtsch. iu-form unter dem einflusz des w besonders mittel- und niederdtsch. übergang zu û, die frühesten belege schon im ahd. Tatian. auch in nhd. zeit ist dieser unterschied bei aller sonstigen buntscheckigkeit des vokalismus der am meisten hervorleuchtende: tru Flemes Kahlenberg 371, Damköhler Nordharz 196, Danneil altmärk.-plattdtsch. 227, Schambach Gött. 235; hier daneben auch tr, das noch Block Eilsdorf 98 und Woeste Westf. 275 bezeugt ist und in diesem gebiet wohl durch umlautwirkung erklärt werden musz, während sonst meist der umlaut gehindert, vor allem nicht immer erkennbar ist. in einem schmalen mitteldtsch. gebiet erscheint frühnhd. die zugehörige diphthongierte form trau (vgl. teil 4, 1, 4428/9 s. v. getrau), z. b. Waldis Esop 4, 11; Fleming (1651) 104. anderes s. v. Bahder grundl. d. nhd. lautsyst. 216. das westmitteldeutsche hat mit verschiedenen modificationen diphthongierte formen; ob hier auch an au-umlaut gedacht werden kann oder nur die allgemein hochdeutsche diphthongierung vorliegt, ist nicht überall zu entscheiden, vgl. auch Moser § 82 anm. 15; immerhin ist mit einem sondergebiet westfälischer (ev. auch mittel- und rheinfränkischer) diphthongierung zu rechnen, s. Wrede anz. 20, 220, wie auch bei î > ei und û > au, ders. anz. 18, 410; 20, 215. hierher gehört wohl auch das trouwe einer nd. gemma gemm. vom anf. des 16. jhs., s. Diefenbach 571c s. v. tafidus. das alemannische hat die undiphthongierte tr-form in einem teil des hochalemannischen bis heute bewahrt, s. z. b. Stucki Jaun Kant. Freiberg, Streiff Glarn, trüwi, trüs < trüvs Bühler Davos 171; sonst ist in der besonderen auslaut- bzw. hiatstellung seit dem 16./17. jh., vereinzelt früher, diphthongierung eingetreten (vgl. Moser § 77, 2; Jutz alem. maa. 102), so dasz in mehreren maa. ein troi u. ä. neben einem trüli 'treulich' steht, z. b. Weber Zür. oberland 67 u. 60, Seiler Basel 84. das schwäbische zeigt in seinem hauptgebiet trui, näheres s. Fischer 2, 373, nach Moser § 82, 2 schon seit dem 14./15. jh.; im bayrischen deutet frühe äu-schreibung auf besonders offenen diphthong; s. Moser § 77, s. 159. besonderer formenreichtum begegnet in den friesischen gebieten: ostfries. trô, seltener trau oder trou und tri Doornkaat-Koolman 3, 435; trou notiert auch das brem.-ndsächs. wb. 5, 114; westfries.: trou, trouw Dijkstra 3, 333; traauw ter Laan 253; 1054; saterländisch trjuwe Hettema 252, nordfries.: tru Rask (dankesgabe f. Leitzmann) 204, trâû Jensen Wiedingharde 638, trâw Schmidt-Petersen 138a, truu Mungard Sölring 230, Möller Sölring 278, troi Siebs Helgol. 296. — versuche, die äu-schreibung orthographisch einzuführen, zeigen Zesen (z. b. Rosemund a 4a) und Steinbach (1734) 2, 840/41; gelegentlich begegnet frühnhd. auch treü, z. b. Knebel chron. v. Kaisheim 24 lit. ver. sowohl für die monophthongische wie für die diphthongische form begegnet entrundung: trî < trü Damköhler Nordharz 196, Fischer preusz. Samland 116; trei (trai) < treu u. s. w. Lenz Handschuhsheim 72, Meisinger Rappenau 204, Follmann lothr. 101, wb. d. lux. ma. 442, Bachmann-Lambert Pennsylv.-Germ. (rheinpfälzisch) 152; beides Jutz alem. maa. 102. auf kürzung in zweisilbiger form lassen trügge Woeste westf. 275 und trüwwe Jellinghaus Ravensberg 80 schlieszen. im anlaut erscheint, von Otfrieds falscher analogie gidriwi abgesehen dr bei Seiler Basel 84, weniger für media als für lenischarakter des t zeugend. gelegentlich begegnet th: Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) fij. (s. unter I A 5). merkwürdig und in seiner eigentlichen ursache immer noch ungeklärt ist der ersatz des simplex tr. durch das ge— [] kompositum, der in den verschiedenen westgerm. dialekten verschieden stark ist, am durchgreifendsten aber im ahd. und mhd. in erscheinung tritt; altsächsisch (Hel. 3517 u. 4556), altfries. und ags. stehen beide formen nebeneinander; ags. überwiegt schon eher die präfigierte form (die bem. von Wunderlich teil 4, 1, 4499 über getreówe ist danach zu korrigieren); mnd. überwiegt naturgemäsz bei weitem das simplex. der einzige ahd. beleg steht im keron. glossar wo flores hylares bzw. hilares in Pa mit ploamun triu, in K mit plomum triuui wiedergegebenscheint; aber dieser beleg ist aus bedeutungsgründen keineswegs über jeden zweifel erhaben (St. I 1562). in der mhd. literatur wird das adj. triuwe mit überraschender konsequenz jahrhundertelang gemieden; erst um 1300 kommt es ganz langsam, erklärlicherweise besonders in md. gebiet, wieder in gebrauch; eine ganze reihe der schon seltenen belege in mhd. texten erweist sich bei näherem zusehen als unecht oder junge schreiberform. das knappe dutzend zuverlässiger mhd. belege für das simplex s. unter I A 5, 6; B 1; C 1, 3, 4, 5; nicht sicher sind dagegen die folgenden (zum groszen teil schon bei Röthe, Reinmar v. Zweter 627 verzeichneten) belege: Frauenlob 362, 5, kl. 7, 5, ml. 34, 3 Ettmüller, Tannhäuser 2, 89b minnes.; Reinmar v. Zweter 244, 8 Röthe; Rumslant 2, 370a; Meisner 3, 91b (2 mal) 98a minnes.; Gundacker v. Judenburg 4430 und das bei Lexer angeführte zitat. die spätmittelalterlichen gloss. zeigen entsprechend dieselbe abschnürung der simplexform: Dief. 233c, 234a, 438b, 571c belegt unter 26 übersetzungen für fidelis, fidus, pisticus, tafidus nur 1mal (erst 1512!) ein hochdeutsches trew. der sehr eindeutige literarisch-lexikalische befund wird im groszen und ganzen den sprachgebrauch immerhin richtig widerspiegeln. charakteristisch für das lange überwuchern der präfigierten form ist die haltung mehrerer älterer nhd. wörterbücher, die freilich eine sprachlich ganz unberechtigte konservativität üben (vgl. auch teil 4, 1, sp. 4506): eine grosze reihe von ihnen, nicht blosz aus dem 16. u. 17. jh., kennt nur die ge-form, und dieser abusus schleppt sich bis tief ins 18. jh.; noch das brem.-niedersächs. wb. notiert 5, 114 als 'übersetzung' von trou nur getreu, ehrlich; ähnlich verfährt noch später Frisch nouv. dict. des pass. (1772) 939; Weissmann lex. bip. (1698) kennt im lat.-dtsch. teil nur getreu I 170, 171, und II 379 notiert er treu nur als verweiswort; eine weitere reihe setzt getreu als hauptstichwort ein, dem nur etwa in einem belege das simplex folgt. wortgeographisch ist immerhin bemerkenswert, dasz das wort in manchen dialekten nicht recht heimisch ist: so ist im Elsasz noch heute getreu die bevorzugte form Martin-Lienh. 2, 737; schwäbisch ist es wenig volksüblich, s. Fischer 2, 373, kärntisch nach Lexer kärnt. 70 meist durch troila oder gar durch 'taitsch' ersetzt (vgl. auch unter I C 2). für die erklärung der durchgreifenden sprachlichen sonderbehandlung des wortes in der ahd. und mhd. zeit ist der zunächst naheliegende schlusz auf den perfectiven und ev. auch durativen charakter des präfixes nicht zureichend, da ja gerade das mhd. getriuwe jene bedeutungsausprägung des dauerhaften, stäten, den das nhd. treu immer mehr angenommen hat, noch wenig zeigt. ebensowenig kann der besonders gewichtige, ethisch schwere bedeutungsgehalt des wortes alleinige ursache seiner formalen sonderbehandlung oder auszeichnung sein; das ist vielmehr heute (vgl. Eberhard-Maasz-Gruber3 3, 195) ein kriterium für die seltenere, gewählte anwendung von getreu. wenn nicht Hildebrand s vermutung teil 4, 1, 1611 c das rechte trifft (ga- als beziehungspräfix), so dürften metrische oder rhythmische gesichtspunkte, dieauch auszerhalb des bedeutungsunterschiedesnoch nhd. bei dem nebeneinander beider formen eine rolle spielen und erst recht für die gesamte mhd. literatur in ihrer versgebundenheit wichtig sind (wie auch die ge-erweiterung der infinitive durch die stellung nach den einsilbigen hilfsverben im vers mindestens stark begünstigt wurde) als motiv sehr mitsprechen, so wenig man dabei weitgreifender wirkung der analogie entraten kann. die schwierigkeit eines untriuwe (dagegen ohne bedenken allertriuwest z. b. Rother 5088) für den vers erzwang z. b. ein ungetriuwe, wie ja noch heute poetisch das ungetreu einen [] starken vorrang behauptet: lieber tot als ungetreu, oder in einem metrischen typus wie naturgetreu sogar in der prosa die präfixlose form ungebräuchlich bleibt (vgl. teil 4, 1, sp. 4505). in anderem zusammenhang (frage der tonverschiebung) hat Michels ähnliche gesichtspunkte sehr fruchtbar ausgewertet (Germanica, festschr. f. Sievers, 39 ff.), und kaum ist es ein zufall, wenn nach ungeschriebenen gesetzen rhythmischer parallelität der | treue | Heinrich | oder der | treue | Eckhart | (vgl. Wunderlich teil 4, 1, sp. 4510) ihr präfix aufgegeben haben, aber der | getreue | Johannes | es behält. dasz auch heute in der prosa einzig und allein satzrhythmischer unterschied die auswahl unter den beiden formen bedingen kann, zeigen folgende beispiele: ... weil darin (in den contratänzen Beethovens) das berühmte motiv der sinfonia eroica als contratanz dem original getreu verwendet erscheint, so treu, dasz sogar die fermate im zweiten theil beibehalten ist F. M. Böhme gesch. des tanzes (1886) 265; ey du frummer vnnd getrewer knecht. du bist vber wenig trew gewesen Berthold v. Chiemsee tewtsche theol. 695 Reithmeyer. statt des adverbs tritt sehr gern treulich ein, zumal in älterer zeit; gleichzeitig mit dem in gebrauch kommen des kurzadverbs verengt jenes seinen anwendungskreis. bedeutung und gebrauch. da die belege des wortes treu in dieser gestalt trotz seines alters erst mit der nhd. zeit einsetzen, ist es in diesem sonderfall zum verständnis der meisten bedeutungen und anwendungen unumgänglich, die bedeutungsentwicklung (besonders die vorneuhochdeutsche) kurz zu überblicken. ob die ursprüngliche verwendung des adj. im germanischen, wie die eindeutig enge bedeutung 'vertrag, bündnis' für got. triggwa, die auch sonst weiterlebt, nahe legt, eine engere war und den etymologisch vorauszusetzenden begriff des 'starken, festen, dauernden' vorzugsweise auf rechtliche verhältnisse eingeschränkt hatte (zu denen freilich auch die ehe gehörte), musz dahingestellt bleiben; die germ. überlieferung zeigt für das adj. schon überall eine reichere bedeutungsentfaltung. die geschichte des wortes im altdeutschen ist durch ein doppeltes gekennzeichnet: einmal hat es in der mittelalterlichen geistlichen übersetzungslit. den religiös-kirchlichen gehalt von credulus bezw. credens, pius und fidelis 'gläubig' mit übernommen (vgl. Wunderlich teil 4, 1, 4500), vor allem aber ist getriuwe in der mhd. literatur zu einem grundwort der ritterlich-höfischen ethik geworden und hat damit den charakter eines allgemeineren tugendbegriffs erhalten: für unsere heutigen begriffe des 'pflichttreu, diensttreu', 'mannhaft, tapfer', 'ehrlich, wahrhaftig, redlich', 'gütig, mitleidig, freundlich, freigebig', 'rein, lauter', 'verschwiegen', allgemein für das ethisch substantielle 'zuverlässig', kann in der höfisch-mittelalterlichen sprache je nach der situation getriuwe gebraucht werden, ohne dasz immer das moment des dauernden, beharrenden mehr betont würde, als es all diesen eigenschaften von vornherein innewohnt; der begriff 'dauerhaft, ausharrend, festhaltend' wird mhd. vorwiegend durch stæte bezeichnet. das nhd. treu gibt zwar jenen verwendungsbereich, soweit er nicht (wie beim lehnsrecht oder engeren minnedienst) mit der erscheinung selbst ausstirbt, keineswegs auf; es hält den ethischen bedeutungsreichtum nicht nur in festgewordenen formeln oder bildern und einer fülle mehr oder weniger erstarrter syntaktischer verbindungen fest, sondern es bleibt in bestimmten menschlichen verhältnissen (freundschaft, familie) geradezu herrschend, ohne dasz damit immer das andauernde, langwährende oder feststehende hervorgekehrt wird. und doch ist nicht zu verkennen, dasz sich im laufe der nhd. zeit die ethische tiefe des wortes gegenüber dem mhd. getriuwe immer mehr verflacht und der ebengenannte minder gehaltvolle sinn vorzuherrschen beginnt. vor allem ist das daran zu sehen, dasz die bezeichnung treu seit dem 18. jh. in weitestem umfange (ohne dasz eine ironie fühlbar wird) auf untugenden oder ethisch neutrale verhältnisse und dinge übertragen wird (einer eigenschaft oder irgendeiner sache treu bleiben), ferner dasz (von bloszen personifizierungen abgesehen) neue [] allmählich immer äuszerlicher werdende bedeutungen (echt, genau, regelmäszig u. s. w.) in der anwendung oft auf konkrete sachwörter auftauchen (treue farbe, treuer spiegel, treue übersetzung, treues echo, treues gedächtnis u. s. w.), schlieszlich auch daran, dasz innerhalb des ethischen bezirks ähnlich wie bei brav oder auch gut ein geringschätziger nebensinn vorzudringen beginnt (treue seele). vielleicht ist nur das ungebrochen seinen ethischen gehalt wahrende substantiv, das sich diesem verflachenden vielgebrauch, dem das syntaktisch nicht so selbständige beiwort schon als solches mehr unterliegt, leichter entzieht, die ursache, dasz das adj. im unterschied zu brav doch noch seinen ernsten, gehaltvollen sinn daneben festhalten kann. II. treu bezeichnet ein ethisch bestimmtes empfinden, verhalten oder handeln. I@AA. relativer gebrauch: mit ausgedrücktem oder doch zugedachtem (überwiegend persönlichem) object, meist sogar ein gegenseitiges verhalten ausdrückend. I@A@11) von rechtlicher grundlage (lehnsrecht) ausgehend: seinem herrn, fürsten treu sein u. ä.: die man sal sime herren bi plicht hulde dun, unde sveren dat he ime so trüwe unde also holt si, alse durch recht die man sime herren sole, die wile dat he sin man wesen wille unde sin gut hebben wille Sachsenspiegel 2, 146 Homeyer; treu hingst du deinem alten fürsten an Th. Körner 1, 107 Hempel (Andreas Hofer); dem fürsten treu, dem wir den eid geschworen Grillparzer 2, 140 Sauer; treuer untertan, treuer diener u. ä.: dein maiestat wölle disze erinderung von dynem warhafftigen trüwen diener ... nit verachten H. v. Cronberg schriften 7 ndr.; der selbigen zeit lebt auch herr Johann Trucksesz ritter, zugenent Molle, Fridrichs von Oesterreych treuwer diener Stumpf Schweizerchron. (1606) 412b; ein treuer knecht kan fürsten ja bewegen Hoffmannswaldau u. a. Dtsch. auserl. ged. 2, 79; wie gesagt, war mein vater ein treuer und verbundener diener des hauses Medicis Göthe I 43, 22 W.; wie kann ein so guter und treuer unterthan, als ich, dem werthen sohne des regierenden bürgermeisters etwas versagen? Langbein 31, 136. besonders häufig plurales oder collectives subject, völker, länder u. s. w.: es lebt standhaftes recht; wohl treuen königreichen! Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 108; mein prinz ... ... leute, welche theils dein treues land gebohren Benj. Neukirch ged. (1744) 187; ähnl. König ged. (1745) 20; wer will das volk hindern loszubrechen? ... wer bürgt uns, dasz sie sich ferner treu und unterthänig zeigen werden? Göthe I 8, 263 W.; zurück, meldet meiner treuen stadt: des eides gegen mich entlasz ich sie Schiller 13, 203 Gödeke; speciell: als keiser Fridrich ... in papsts bann war, wurden auch die Zuricher verbannet, vmb dasz sie bemeltem keiser treuw vnd hold waren Stumpf Schweizerchron. (1606) 486a; (schilderung der Alemannen) kriegerisch, grausam ... tollkühn ..., gegen ihre führer aber so treu, dasz man ihnen eher das leben als die treue rauben könnte Nitzsch dtsch. stud. 46; denn du bist ihm ein hindernisz, dasz sich der Schwytzer nicht dem neuen fürstenhaus will unterwerfen, sondern treu und fest beim reich beharren Schiller 14, 284 Gödeke; komm, weise herrscherin des treuen Iberstrandes Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 58; dein treues Ludwigsburg liegt hier Schubart sämtl. ged. (1825) 2, 52. stehende redensart: treue Pommern, treue Sachsen, z. b. Gottsched ged. (1751) 1, 31; [] drum hangen wir (Württemberger) so treu und warm am graven unserm herrn Schiller 1, 347 Gödeke (anders vgl. B 4 d); was du hier thatest, fürst, wird dich gereun, so treu wird keiner wie die Preuszen sein (lied der abziehenden truppen 1848) bei Bismarck ged. u. erinn. 1, 58. dagegen treue Deutsche als charakterbezeichnung s. C 2. hierher auch etwa: so sehnt sich das vaterland, von treuem verlangen durchdrungen, nach dir, o könig, unsre lust! Th. Abbt werke 2, 103. treuer diener des herrschers im engeren sinne = kanzler, minister u. s. w.; die treue teilt sich zwischen person und amt: wo treue diener falln, die ancker eines fürsten, fällt auch der fürst leicht nach Lohenstein Ibrah. sult. (1679) 114; lange haben die kaiser ... dem treuen diener den ruhm gelassen, dasz die bessern taten des fürsten von seinen warnungen herkämen A. v. Haller Usong (1771) 51; er ist mein freund und treuer diener Fr. Wilh. iv. an Franz Jos. üb. Bismarck, s. ged. u. erinn. 1, 104; ein treuer diener seines herrn titel bei Grillparzer. dieser gebrauch verblaszt leicht zur bloszen formelhaftigkeit: diesz allzukühne blatt: dadurch dein treuster knecht den schlusz gefasset hat Gottsched ged. (1751) 1, 380; oder nun aber wird ein zierlich heft geschmücket, ein treuer diener widmets deiner hoheit Göthe I 4, 3 W. (an die erbherzogin). dem treuen diener entsprechen die treuen dienste in diesem rechtlichen sinne: Bonta ... ist im groszen krieg ... Erico hertzogen von Pommern für seine trewe dienst mit der Lawenburg vnd allen zugehörigen vorliehen worden Hennenberger ercler. d. preuss. landtaffel (1595) 33; ähnl. Stumpf Schweizerchron. (1606) 36a; getreue untertanen ... würden auch die vngnade mit treuen diensten auszlöschen Lehman floril. polit. (1662) 2, 572. ein rechtliches verhältnis, wenn auch in allgemeinerem sinne, liegt auch zugrunde bei der pflichttreue und berufstreue: he is trô in sîn pflicht Doornkaat-Koolman 3, 435; müh und gefahr soll mich nicht schrecken, treu meiner pflicht ermatt ich nicht Gotter ged. 3, 486; da sie (Makarie) denn äuszere pflichten auf das treuste zu erfüllen strebte Göthe I 251, 281 W.; sie hielten aus in kampf und sturmeswettern und standen treu bei tugend, recht und pflicht Th. Körner 1, 360 Stern; so treu dem unermüdlichen beruf war ers, der held und schäfer leicht erschuf Göthe I 16, 136 W. (auf Miedings tod); aber gottgesandte wechselwinde treiben seitwärts ihn (d. steuermann) der vorgesteckten fahrt ab, und er scheint sich ihnen hinzugeben, strebet leise sie zu überlisten, treu dem zweck (d. h. seinem berufe) auch auf dem schiefen wege Göthe I 2, 73 W. auch dienst als beruf: ich welte im (dem meister) trwen dienst leisten und alle ding flissig uffschriben Th. Platter 52 Boos; im (richter-)dienst treu Ramler fabellese (1783) 1, 74. vom rechtlich-vertraglichen verhältnis zwischen verbündeten völkern: treue alliierte fideles socii Hederich prompt. (1736) 2262; treue bundesgenossen Mommsen m. gesch. 2, 56; die Nortmanner bliben dem babst trew Seb. Franck chron. Germ. (nov. 1538) 83a; wo sy und ire erben furhin dem romischen reich gehorsam, treu und dienstbar bliben Knebel chron. v. Kaisheim 6 lit. ver.; das ruhmreiche volk der Franken, ... tapfer im kriege, treu im bündnis Scherer lit.-gesch. 751; und dadurch geschah nun allerdings, dass Cleve dem Hause Oestreich treu zur seite stand Ranke sämtl. werke (1887ff.) 1, 228; Bourbon ist treu um Habsburg beizuspringen hist. volksl. d. preusz. heeres 44 Ditfurth. [] auch in diesem sinne treue dienste = bundesgenossenschaft Alexis Rol. (1840) 1, 60; auf gott übertragen: ich wird mit üch einen trüwen bund machen Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 95. I@A@22) vom krieger und soldaten (nicht mehr in erster linie ein rechtsverhältnis): er schwert dem herrn treuw vnnd hold zu seyn L. Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, a 3v; aber abt Ulrich hat die trwere und mannlichere rittere Tschudi chronicon Helveticum (1734/6) 1, 29; dasz die truppen ihre pflicht im kampfe treu erfüllt ... hatten Bismarck ged. u. erinn. 1, 45; grüszt meinen kaiser, sagt, ich sei ihm treu verblieben, lieb ihn stets bis an den tod Tieck 1, 111; bildlich: des geistes heilgen krieg kämpft treu wie ritter Fr. Schlegel Athenäum 3, 168; ebenso wiederum vom verhältnis des führers zum untergebenen: nun und bey dieser männlichen rechte! schwör ich euch hier, treu und standhaft euer hauptmann zu bleiben bis in den tod! Schiller 2, 48 Gödeke; vielleicht mit materiellem nebensinn: er ... was den kriegslten trw ee er knig ward, dessen hat er stAeten zulouff Tschudi chronic. Helvet. (1734/6) 1, 164. hierher auch: der fahne treu u. ä.: o wie beneidenswert sind unsre ahnen! ihr nachkommen verkennt sie nie. Theresien im mund, treu ihren hohen fahnen obsiegten, oder fielen sie. Mastalier ged. (1774) 31; dasz wirs (das wort = den fahnenschwur) treu und heilig in gedanken, wort und that: halten gott musz doch zuletzt verwalten, was der mensch beschlossen hat E. M. Arndt 4, 16 Rösch-Meisner; mehr oder weniger bildlich von der fahne Christi: halte mich bei Jesu fahne treu, und auch im tode fest Schubart sämtl. ged. (1825) 1, 16; nehmt dies und dient der fahne Christi treu A. v. Droste-Hülshoff 2, 232 Cotta. I@A@33) war schon bei diesen belegen neben dem rechtlichen pflichtverhältnis mehr ein elementares empfinden ausgedrückt, so noch mehr bei der treue zum vaterland und zur heimat: treu dem heilgen vaterland Schneckenburger dtsch. lieder (1870) 29; vaterland! treu und fest sind wir alle dir ergeben Hoffmann v. Fallersleben 5, 100; o vaterland, was soll das herz thun, das dich so treu und innig liebt? ders. 4, 317; dem lande treu, das wiege uns und grab Grillparzer 2, 140 Sauer; lieb vaterland magst ruhig sein fest steht und treu die wacht am Rhein Schneckenburger dtsch. lieder (1870) 19; stilistisch besonders, mit umkehrung des subjects: ... denn sind wir alten knaben auch an sinn und neigung urverschieden: treu verknüpft der boden uns, drin unsres lebens wurzeln stehn Geibel 3, 227. hierher auch das absolut stehende treu = dem vaterlande treu: und mein könig selbst wird sagen ruh in frieden, treuer Schill Schenkendorff ged.3 29 Hagen; staatstreu: ein treuer bürger 'patriot' Lohenstein Arminius (1689) 1, 219. I@A@44) treu in gesellschaftlicher beziehung. erbe des minnedienstes: bleib vest, stät und auch gerecht, des bitt ich in hertzen; ich wil dir wesen ain triuer knecht liederbuch der Hätzlerin 18; ähnlich Gengenbach 147 Gödeke; [] die trewen dienst des ritters Galmieu ... meyn ich ewer gnaden, meiner gnAedigen frauwen, unverborgen sein Wickram 1, 12 Bolte; in diesem sinne auch treuer knecht s. Hoffmannswaldau bei Steinbach (1734) 2, 841, gelegentlich dieser gebrauch halb bildlich auch noch später: hier unterm nahmen Hassan glückte mirs durch treue dienste einer wittwe gunst mir zu erwerben, und sie ward mein weib Schiller 13, 343 Gödeke. in bürgerlicher gemeinschaft, gesellschaft, bruderschaft: colere societatem fide treüwe gesellschaft leisten Frisius dict. (1556) 1218b; ... Sicium, den theuren man, sie dieblichen ermördet han, ein trewen man gemeiner stat Hans Sachs 2, 17 Keller; dieselben (stände) erwägen sollen, ... dasz ... jedes glied das andere in gleicher acht halten ... als treue mitglieder beisammen stehen ... sollten acta publica d. schles. fürsten u. stände 1, 16 (v. jahre 1617); und ihr treue nebenhirten ... lebet froh Sigm. v. Birken fortsetz. d. Pegnitzschäf. (1645) 20; als hab ich auff anfrischung ewres trewen gesellschaffters ... mich erkühnet, diesem newen wercklein dero hohen gesellschaft namen vorzuschreiben Harsdörfer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, a iiia; ein groszes glück ist mir mit Tischbein zu leben ... in treuer künstlergesellschaft Göthe IV 8, 47 W.; ein solcher kampf, wie man ihn ... in treuer (partei) gemeinschaft geführt habe v. Bennigsen d. nationallib. partei 13; mit umschreibendem beziehungswort: dasz wir unsren ordens- oder gesellschaftsbrüdern mit wohlgemeinter und treuer ehrerbietung begegnen Neumark neuspross. teutsche palmbaum (1668) 30. I@A@55) auszerordentlich häufig vom dienstverhältnis im engeren sinne: truwe in dem denste lat.-nd. wb. 1417 s. Dief. nov. gloss. 173; noch heute typisches lobendes zeugnisprädikat für dienstboten, bes. in den mehr oder weniger synonymen verbindungen treu und fleiszig, treu und zuverlässig, treu und ehrlich: ... charakter seiner leute (tagelöhner): wie treu sie seien, wie ehrlich und anhänglich an die herrschaft W. v. Polenz grabenhäger 1, 18; etwas weitergreifend schon: als ich ... meinen lehr- und freibrief ... empfing, als ich die worte: 'treu, fleiszig, geschickt' ... darin las, ... da hob sich meine brust Holtei erz. schr. 2, 108; ain truwer diener Nicl. v. Wyle transl. 45 Keller, Endinger Judensp. 26 ndr.; er ist mein treuester diener Stieler stammbaum (1691) 341; wenn er treu gedient, hat er von seinem lohn kein kapital gemacht J. Möser werke 1, 167 Abeken; sehr gern in verbindung mit dem namen: der alte treue Jakob (groszknecht des hauses) E. M. Arndt 1, 14 Rösch-Meisner. andere ähnliche verwendungen: der trew teiler fidelis dispensator erste dtsche bibel 1, 266 (Luc. 12, 42); eyn truwe schaffer schaltu sus syn over dat gud des heren dyn Hans v. Ghetelen narrenschyp 17 Brandes; man hat von meinen treuen kammerfrauen, von meinen dienern mich getrennt Schiller 12, 408 Gödeke; treue wärterin und wirthin Leipz. avanturieur (1756) 1, 17; speziell = ehrlich: darzu so ist sie (die magd) auch nicht trew, sie stillt, wo sie etwas ertappen kan N. Volckmar 40 dial. (1663) 223; bildlich für den ehemann: Joseph, du trüwer diener min lausz mir min kumer innen sin schausp. d. ma. 2, 133 Mone; von den engeln: der engel angesichter ihr (Maria) treu zu diensten stehn Fontane ges. werke I 1, 9; scherzhaft bildlich: meine treue sklavin (anrede) Pückler briefw. u. tageb. 102. [] im sprichwort sehr verbreitet: ein trewer diener ist ein schatz im hause sprichw., schöne weise klugreden (1548) 32a, ähnlich Fr. Wilhelm sprichw.-reg. (1577) ff β, n. 29; Eyering proverb. cop. (1601ff.) 2, 193; was man gibt eim trewen diener, ist alles zuwenig, widerumb was man gibt eim untrewen diener, ist alles zuuil sprichw. sch. w. kl. 75a, ähnlich Fr. Wilh. n. 27; danckt trewen dienern die welt nicht, so danckt jhnen gott Petri d. Teutsch. weish. (1604f.) 2, l viir; ehr und lohn machen trewe diener Lehman floril. pol. (1662) 1, 86, treuen dienst belohnet gott A. Schellhorn sprichw. (1797) 82. treuer knecht im nhd. sinne ist durch häufigen gebrauch formelhaft geworden und erscheint übertragen fast öfter als im eigentlichen sinn, besonders in geistlicher beziehung: welcher ist aber nu ein trewer und kluger knecht, den der herr gesetzt hat über sein gesinde, das er jnen zu rechter zeit speise gebe? Luther bibel 6, 61 Bindseil; glaube hie was Christus saget vnd thu hie was Christus befihlet, so bistu ein glaubig mensch vnnd ein threwer knecht Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) fij; dies sind die güter, die die welt nicht kennt, die er, der hehre, den kein name nennt, im traume spendet seinem treuen knechte (hier ev. nachklingen der alten ritterlichen bedeutung: miles christianus) A. v. Droste-Hülshoff 2, 198. sprichwörtlich: trew herr, trew knecht Angelus holst. chron. (1597) 1, 16; Schütz hist. rer. pruss. (1592) buch 5, b iiib. I@A@66) treu in sozialem sinn und in sozialer sphäre = 'gut', 'wohlmeinend', 'hilfsbereit', treu helfen, treu pflegen, treu beistehen u. ä.: nû hân ich an triuwen liuten gnâden trôst ervunden, die mir helfen baz, den(ne) mir die ungetriuwen gunden meister Rumelant minnes. 3, 61b; als der mann krank wurde, hat sie ihn ... treu bis zum tode gepflegt Fontane I 5, 47; mit entsprechendem nomen agentis: ein jeder (hat) ... mich nicht gern gehört als einen trewen vermaner Barth weiberspiegel (1565) b iiiia; dieses macht sein guter engel der die schwebende gefahr von mir gnAedig abgewendet und mein treuer beystand war Neumark fortgepflanzter musik.-poet. lustwald (1657) 1, 19; der treue wächter deiner kinderjahre Schiller 14, 102 Gödeke; er wurde nun auch Winckelmanns treuer und geduldiger berather Justi Winckelmann 2, 1, 127/8; treuer helfer Pückler briefw. u. tageb. 3, 211. das allgemeinere treuer rat s. u.C 5. vom beruf des lehrers: ich mein es warlich hertzlich gut wie ein trewer praeceptor thut Agricola musica instr. dtsch. (1528 u. 45) 142 Eitner; ein gar gelerter man und trwer schuolmeister Platter 35 Boos; zu gleicherweisz wie ein treuer paedagogus und lehrmeister zu erst mündlich seinen knaben vnterweist ... so hat auch die himmlische weiszheit mit uns menschenkindern von anbegin bisz dato gespielt Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 15; in dem würt noch gotts lieb gespürt, das er uns heüt begabt vnd ziert mit trewen lehrern an vil enden bilderged. auf Ludw. Gwalther, s. Euphorion 1908, ergh. 183; ihr edlen Deutschen wiszt noch nicht, was eines treuen lehrers pflicht für euch weisz zu bestehen Göthe I 3, 345 W. sprichwörtlich: fleissiger schüler, trewer schulmeister Petri d. Teutsch. weish. (1604f.) 2, D d viiv; sächliches subject: dieses wies mir sonsten keiner, als dein treuster unterricht (nur noch bedingt ethisch zu fassen) Gottsched ged. (1751) 1, 198; treuer und gründlicher unterricht Göthe I 251, 5 W.; noch nympt er trewer ler nit an Hans Folz meisterl. 2, 11; [] es gilt mehr gunst, geld, würd und ehre als recht, gesez und treue lehre C. Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 121; bei dem umgekehrten verhältnis, dem des schülers zum lehrer, mischt sich in den sinn von treu ein anderes bedeutungselement hinein, das von 'kindlich vertrauend', 'ehrfürchtig' oder gar 'gläubig', auch bei mehr übertragenem gebrauch: (Newtons) treue gläubige schüler fanden sich genöthigt, diese ... darstellung ... zu verwandeln Göthe II 2, 266 W. vom geistlichen beruf: ein ordenlicher pfarrner vnd trewer seelsorger Joh. Mathesius Sarept. (1571) 2b; ein priester sol gelehrt, trew vnd from sein Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 1, c ir; ähnlich E. M. Arndt 1, 30 Rösch-Meisner; gern unter dem bilde des treuen hirten: da ich den göttlichen beruf erhalten habe, die seelen dieses dorfs, als ein treuer hirte zu weiden Nicolai Seb. Nothanker (1773ff.) 1, 45; vom beruf des arztes: Amulius schickt zu jr ein treüwen artzet Seb. Münster cosm. 175; übertragen: gib acht, trüwe arzet zvorfinden, die den schaden recht wol verbinden mit den banden der einigkeit bei Opel-Cohn 30jähr. krieg 56; selten für das verhältnis des menschen zum tier: du sollst hier sicher wohnen, wir wollen treu dich schonen (lied an die nachtigall) R. Z. Becker mildheim. liederb. 23; mehr äuszerlich übertragen: dem renner, dem war sie treu und hold, mit silber war er gezäumt ... Strachwitz ged. (1850) 58. mit dem namen zu einer sprichwörtlichen verbindung zusammengewachsen: der treue Eckhart. zunächst die sagengestalt selbst: der trewe Eckart warnet iedermann Latendorf sprichwörtersammlg. (1532) no. 356 u. ä. in vielen sprichw.-samml.; der trew Eckhart sitzt vorm Venusberg vnnd warnet alle leut, sie sollen nicht hinein gehen Lehman flor. pol. (1662) 1, 502; von der engeren bedeutung übertragen: Eckart der treue ruht aus von taten, kann nicht mehr helfen, kann nicht mehr raten Wildenbruch ausgew. werke 1, 40 (zu Bismarcks tod); das holdselige licht ihrer augen machte einen groszen eindruck auf Hans trotz der warnung seines treuen Eckarts W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 101. I@A@77) in allgemein menschlicher sphäre im engeren sinne: I@A@7@aa) treue der eltern gegen die kinder und umgekehrt, der geschwister untereinander u. ä., wobei die bedeutungselemente der natürlichen liebe, der fürsorge und güte, der ehrfurcht und des gehorsams, der dankbarkeit sich mehr oder weniger vereinigen oder miteinander wechseln: wenn ich bedenke, wie heisz treue eltern auch an ihren ungeratenen kindern hangen und dieselben nie aus ihrem herzen verbannen, so finde ich es höchst unnatürlich, wenn sogenannte brave leute ihre erzeuger verlassen und preisgeben, weil dieselben schlecht sind und in der schande leben G. Keller 1, 28; sie fanden nichts natürlicher, als ... eine verbindung beider kinder einzuleiten und ihnen sodann jede elterliche sorgfalt treu und unablässig (nicht synonym) zu widmen Göthe I 24, 340 W.; schuldige vorsorg eines trewen vatters untertitel bei Moscherosch insomn. cura par.; hältst du mich für einen treuen vater? Lessing 2, 5 Lachm.-Muncker; umschreibend: wie glücklich treten sie den kreis des ehelichen lebens an, da sie den treuen segen eines würdigen vaters mit sich bringen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 100; bildlich: ist der staat dem volk ein treuer vater? Bettine d. buch geh. d. könig (1843) 2, 316; dann wie von treuen müttern in schweren ungewittern die kindlein hier auf erden mit fleisz bewahret werden Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 333a; [] als eine treue mutter handeln Ch. Weise pol. redner (1677) 19; lohn ihr einst am groszen weltenmorgen all die sanftmut, all die treue sorglichkeit, all die kümmernisse, all die muttersorgen, all die thränenopfer ihrer einsamkeit Hölderlin 1, 39 Litzmann; umschreibendes subject: wenn aber die mutter wachte, so brauchte er nur ... die treue hand der kranken zu nehmen W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 260; als eigenschaft des kindes: trüwe und gläubige kind Zwingli dtsch. schr. (1828ff.) 1, 46; du aber bliebst mein treues kind und folgtest deiner mutter lehren Gottsched ged. (1751) 1, 125; der kinder treue pflicht Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 223; der treue, gehorsame, liebevolle sohn Göthe I 24, 127 W.; hierher auch, da stilistisch nicht als reines adverb zu fassen: küss ich den letzten saum seines kleides, kindliche schauer treu in der brust Göthe I 2, 81 W.; der treu dich liebende bruder maler Müller werke 1, 70; meines vaters treuster bruder E. M. Arndt 1, 36 Rösch-Meisner, treue schwesterliebe Schiller 11, 236 Gödeke, treue anverwandte bei Hoffmann dtsch. wb. 5, 669. I@A@7@bb) treu in der liebe; hier drängt sich gelegentlich der blosze sinn des dauernden und beständigen stark in den vordergrund. prädikativ: ich bin jme doch jederzeit trew vnd holt gewesen P. v. d. Aelst Heymonskinder 132; nun, sie sollen meine tochter haben, wenn sie sie in ehren halten und ihr treu und gewärtig sein wollen (leichter nebensinn von 'aufmerksam' liegt in dieser verbindung) Gellert 3, 172; treu sein, nit aussigrasn; die lieb ist so zart wie ein seifenblasn volkslied bei Steub drei sommer in Tirol 1, 26; ich sterbe dir treu, so sehr der schein auch gegen mich sprechen mag Göthe I 23, 87 W. treu sein in älterer sprache oft direct = lieben: die redlich mit mir handelt, derselben bin ich treu J. Grob dicht. vers. (1678) 151; und dennoch ist mir trew und hold die zier und crone der jungfrawen S. Dach in Königsb. dichterkreis 12 ndr.; ach wenn doch kein grab nicht wäre, das liebende deckte, die einander so treu, so voll zärtlichkeit sind (ziemlich synonym) Klopstock oden 1, 59 Muncker-Pawel; attributiv: der treuen zärtlichen jünglinge gibts wohl noch maler Müller werke (1811) 1, 218; o so wollt ich mein liebes treues mädchen noch heute heyrathen Mozart bei Jahn 3, 149; ich glaube nicht, dasz sie sich je über den zu feurigen liebhaber beklagen werden, aber den treuen, den gutmeinenden, ... hoffe ich werden sie nicht an mir vermissen G. Forster 7, 310; treue geliebte Herder 26, 36 Suphan; ich ging auf grünen wegen und trug den hochzeitskranz, treu lieb ging mir entgegen geschmückt mit gleichem glanz Cl. Brentano 2, 370; wie Venus schöner stern den blauen himmel ziert, wenn er zu mitternacht den treuen buhler führt bisz an der liebsten haus Rachel satyr. ged. 27 ndr.; adverbiell: liebt ungestört, liebt ewig treu Lenz ged. 15 Weinhold; du trauerst, dasz ich nicht erscheine, vielleicht entfernt so treu nicht meine Göthe I 3, 29 W.; [] mit reicher schattierung gebraucht man treue liebe: treue liebe läszt nicht schlafen treue liebe ruhet nicht ... treue liebe brennt von herzen, treue liebe brennet heiz Mittler dtsch. volksl. 548; trewe lieb ist allermaszen witzig, sinnreich und gelehrt S. Dach in Königsb. dichterkr. 15 ndr.; treue liebe kann zwischen menschen von sehr verschiedenem, dauernde freundschaft nur zwischen menschen von gleichem werthe bestehen Ebner-Eschenbach 1, 28. mehr persönlich zu verstehen: dein herz zur falschheit neige nie, sei treuer liebe immer treu Herder 25, 165 Suphan; wie ängstlich ist die gegenwart einer gekränkten treuen liebe Göthe I 23, 32 W. umschreibend: der ich mein treues (= treu liebendes) herz geweiht Hölty ged. 29 Halm; und des dritten treuer sinn (= liebe) sehnt sich nach Callisten hin A. G. Kästner verm. schr. 1 (1755) 118; ähnlich: indessen soll die treue glut (meiner liebe) biss in das grab in meinem hertzen brennen Ziegler asiat. Banise (1689) 79; so soll auch meine seele sein: von treuer liebesglut entbrannt und aller schalkheit abgewandt C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 61; zur zeit der empfindsamkeit gern treues flehen oder treue seufzer: bring es, wie du willst, so nah, so erlangt dein treues flehen niemals doch ein ssses ja B. Neukirch ged. (1744) 29; so ward mein hertz auch aufgethan, und schickte durch die lufft das treue seuffzen hin Ch. Fr. Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 1, 36; die treuen seufzer sind erhört Stoppe Parnasz (1735) 2; stilistisch variiert: die liebe hielt mit treuer gewalt ihr blut im lauf Rückert 1, 153. auszerordentlich häufig treu bleiben mit persönlichem object; auch zum folgenden absatz übergreifend: da schwur ... dein mund mir armen wichte den bald vergessnen schwur: mir treu zu bleiben immer, mein, einzig mein zu seyn Blumauer ged. (1782) 54; es konnt ihr herz, das jahr um jahr dem liebsten treu geblieben war, es konnts ihr herz nicht fassen, er habe sie verlassen Fontane ged.4 194; treu bis in den tod u. ä.: du sollst an mir ein weib haben, die dir treu ist — treu bis in den tod M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 3, 109; bist du doch des himmels kind, der mich selbst zu dir geführet: darum bleib ich treu gesinnt, bis mein letzter puls sich rühret Gottsched ged. (1751) 1, 267; der schwur der verlobten, einander treu zu seyn bis an ihr ende J. G. Jacobi sämtl. werke (1807ff.) 6, 211. I@A@7@cc) treu in der ehe, meist im engeren moralischen sinne, doch auch allgemeiner: und, süsz geschwätzig, uns zur seite ging die hoffnung, sprach vom himmel treuer gatten Lenau werke 20 Barthel; kümerlich ein trüwen mann du einer frowen findest Terenz deutsch (1499) 22a; gewisz sind in ganz Deutschland [] keine unbescholtenere mädchen und keine treuere frauen als in Schwaben Novalis 4, 69 Minor; der het daheym ein junge fraw, die war jm in der ehe nit traw B. Waldis Esop 2, 37 Kurz; (das weib) musz seinem manne nicht eigentlich darum treu seyn, weil es solches versprochen hat, sondern weil es sich von selbst versteht (ipso iure) Hippel über die ehe (1774) 73 u. ö.; im weiteren sinne, neben andern epithetis: unverschuld find er sie trew, stet und demütig Hans Sachs 2, 40 Keller; treu und hold sein Reinicke fuchs (1650) 232; treu und verliebt Hippel über die ehe (1774) 80; wär ich ein häusliches weib, und hätte, was ich bedürfte, treu sein wollt ich und froh, herzen und küssen den mann Göthe 1, 324 W.; nicht mehr eng moralisch, sondern allgemeineres epitheton: ein trewes weib thut mehr bey jhrem manne denn drey fromme menner bey jhren weibern Petri d. Teutsch. weish. (1604/5) ii, y 6v; treue gattin, treuer gatte, treues weib u. s. w. als stehende verbindung: vertrau es mir, ich bin dein treues weib und meine hälfte fodr ich deines grams Schiller 14, 282 Gödeke. als briefformel: dein treuster gatte Mozart bei Jahn 3, 481; bildhaft für die kunst: denn uns allein hat er sie verbunden mit himmelsband, und ihr geboten, in freud und elend, als treue gattin nicht zu entweichen Göthe I 2, 59 W. (meine göttin). I@A@88) treu in der freundschaft; eine der spezifischsten verwendungen, zuweilen treu geradezu als definition des freundes: offt einer für ein frund vnd truw geacht wirdt Riederer spiegel d. wahren rhetoric (1493) a 4a; die alten freund du erkent als trew vnd frumb Eyering prov. cop. (1601/04) 1, 34; fidus amicus ein trawer warer freund Dasypodius dict. lat.-germ. (1536) 72, so in fast allen wbb. I@A@8@aa) attributiv, gern neben andern epithetis, gern auch im superlativ: ein alter treuer freund Stieler stammbaum (1691) 341; mein alter freund, mein treuer freund, mein wohlthäter Iffland theatr. werke 1, 68; treuer anhänglicher freund O. Jahn Mozart 1, 35; was kann der mensch je gutes gehabt haben, der seinem besten treusten freunde nachstellt Göthe I 8, 22 W.; beide sind mir ... treuste freunde geblieben E. M. Arndt 1, 59 Rösch-Meisner; treuer herzensfreund Triller poet. betracht. (1750) 1, 61; geliebtes brüderpaar, den edlen Tyndariden an jugendkraft und muth und treuer freundschaft gleich Gotter ged. 1, 30; ich sehe meinen freund ... ... meinen treuen Halvard, der freundschaft urbild Gerstenberg ged. eines skalden 364 lit.-denkm. I@A@8@bb) mehr abgeblaszt (ähnlich wie guter freund); besonders als briefformel z. b. von Göthe mit vorliebe verwendet: gedenke bey diesen bogen jetzt und künftig eines treuen freundes Göthe IV 31, 177 W.; ähnl. IV 1, 242; treu der deine IV 42, 106; ich bin dein treuster ... Lichtenberg G. Chr. Lichtenberg briefe 2, 4. I@A@8@cc) adverbiell: treu zur seite stehen Scherer lit. gesch. 794; treu beistehen Göthe IV 8, 12 W.; glaub mir und hör auf eines mannes wort, der treu und redlich dir ergeben ist Göthe I 10, 9 W.; gehorsamst treu ergeben Göthe IV 29, 3; treu angehörig IV 41, 65; treu gesinnt IV 41, 117; treu theilnehmend IV 38, 7; treu verbunden IV 25, 159. [] I@A@8@dd) sprichwörtlich sehr häufig: wat is beter dan ein truwe vrunt? Tunnicius (1514/15) nr. 1129; ein treuer freund ist viel geltes wert Stieler stammb. (1691) 341; ein treuer freund, wer den hat, der hat einen groszen schatz bei Schulze bibl. sprichw. 101 (eccles. 6, 14). I@A@8@ee) verwandter gebrauch: treuer gönner O. Jahn Mozart 1, 236; treuer mitgesell, treuer reiszgefährt Kramer teutschit. dict. (1702) 2, 1139; nun, freund, alle grüsze treuer brüderschaft über dich H. v. Kleist 2, 248 E. Schmidt; treue kameraden E. M. Arndt 1, 35 Rösch-Meisner; liebe treue gefährtinnen Fr. H. Jacobi 1, 49; treue gespielin Montanus 187 Bolte u. ä.; die junge frau ... bat um treue nachbarschaft Storm 1, 120. I@A@8@ff) bildlich: seine einbildungskraft, seine treueste gefährtinn, verläszt ihn ... nie G. C. Lichtenberg verm. schrift. 1, 4; dasz die chemie ... das wird, was sie werden soll und musz, — eine treue hausfreundinn des landwirthes J. A. Stöckhardt chem. feldpredigten (1851) 1, 15. I@A@99) treu vom verhältnis zwischen mensch und gott. I@A@9@aa) gott oder Christus als object. I@A@9@a@aα) in der älteren geistlichen übersetzungsliteratur wird das wort in der spezifischen bedeutung 'gläubig' verwandt, z. b. got. þaim triggwaim in Christau Jesu Eph. 1, 1; im altdeutschen getriuwe s. th. 4, 2, sp. 4500. im frühnhd. begegnen nur noch vereinzelte unsichere belege dieser bedeutung: trew u. s. w. der glauben haltet Emmel (1592) sylva quinque ling. N n 3; vielleicht noch: wo das wort gottes blyb in reiner trüwer furhaltung ('gläubig'?) Eberlin v. Günzburg 1, 46 ndr.; nachklingend noch in treu = dem evangelium treu: dir sey lob, preisz und ehre o gott vater und herre, dasz du uns so sehr liebest und treue lehrer giebest J. Graff bei Fischer-Tümpel 3, 1. I@A@9@a@bβ) häufigster gebrauch in geistl. dichtung und im kirchenlied: wer aber treu bleibt seinem gott, der soll dort ewig stehen im chor der auszerwehlten P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 366b; ähnlich 3, 326b; 373b; wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu, dasz dankbarkeit auf erden nicht ausgestorben sei Novalis 1, 71 Minor; auch das sprichwort wer treu ist, wird gekrönt, heut allgemeiner verwandt, ist biblischen ursprungs = gott treu (s. bei Schulze bibl. sprichw. 189). I@A@9@a@gγ) unter dem bilde der liebe, des dienstes u. s. w.: schon gotisch: triggws andbahts Christaus Jesuis Koloss. 1, 7; denn die jm (gott) vertrawen, die erfaren, das er trewlich helt, und die trew sind in der liebe, lesst er jm nicht nemen Luther 5, 25 Bindseil; hilff das wir dich (Jesus) als diener trew mit hertz und mund bekennen Ringwaldt evang. b 7b. I@A@9@a@dδ) verschiedenes: sehet hie, wa ist man auch je der höchsten göter aim so trew gewesen vnd mit so statlichem opfer zu hof getrabet J. Fischart 3, 32 Hauffen; die treue schar, die niemals gott verliesz (also die gottgetreuen) v. Haller ged. 134; lehret nun, ihr des gesetzes kenner, weisheitfromme, hochgelahrte männer, treuer mosleminen (= glaubenstreue muselmänner) feste pflicht Göthe I 6, 35 W. I@A@9@bb) gott als subject; ebenfalls sehr alt; schon bei Ulfilas triggws guþ 2. Kor. 1, 18; triggws frauja 2. Thess. 3, 3, vgl. noch 2. Tim. 2, 13. I@A@9@b@aα) neben andern epithetis, die den bedeutungsgehalt abgrenzend erkennen lassen: du lieber, treuer, frommer gott bei R. Z. Becker mildh. liederb. 33; dass. Hennenberger erkl. d. preuss. landt. (1595) 386; dasz er (gott) alleine könig sey hoch über alle götter grosz, mächtig, freundlich, fromm und treu, der frommen schutz und retter P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 346a; [] vgl. 3, 353a; ähnlich Joh. Arnd Thom. a Kemp. übers. (1631) 51; ein sehr barmherziger und treuer gott Herder 12, 36 Suphan. I@A@9@b@bβ) gott ist trew, darumb gefelt jhm trewe wol vnd vntrew vbel Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) d 1b nr. 15; der trew gott hat noch vor der nacht auss seinem hohen thron gesant ein engel F. Dedekind papista conversus (1596) a 2b; der treue gott auszerordentlich häufig in der ges. geistl. dichtung: er wird euch wohl bewahren der alte treue gott E. M. Arndt 4, 12 Rösch-Meisner. gern als ausruf bzw. hilferuf: nit straf mich, her du treuer Schede-Melissus psalm. 24 ndr.; treüwer gott hilff Boltz Terenz deutsch (1539) 40b; mein trewer gott Spee trutznacht. (1649) 29. I@A@9@b@gγ) unter dem bilde des vaters, des guten hirten u. ä.: uns zu erinnern, wie so treu und gnädig unser vater sey R. Z. Becker mildh. liederb. 8; ... der sünder des du doch hietst zuo aller frist und syn trüwer hirte bist Th. Murner narrenbeschw. 119 ndr.; der treue hter Israel ... erhalte e. hochgr. exzell. Schupp schrift. (1663) 2; du trewer mittler vnd heyland, laz vns bald zu dir kommen! Melch. Bischoff bei Fischer-Tümpel 1, 8; o treuer meister Jesu Christ weil du ein brunn der weissheit bist Casp. Scheit fröl. heimf. (kurz nach 1552) a iva. I@A@9@b@dδ) mit anderem umschreibenden subjectsbegriff, meist bildlich: gott hat ein allmechtige hand vnd ein trew vaterhertz Petri d. Teutsch. weish. (1604) 1, c 7r; ist doch nichts als lauter lieben, das sein treues hertze regt Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 347a; vnd weil denn gott der vater gut ... vns noch genedig straffen thut mit seinen trewen henden so seid zw fried Ringwaldt handbüchl. c 2a; sei du mein freund und treuer rath (hilfe); er (Christus) liesz aus trewer lieb und huld sich unserthalben quälen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 371b; 306; eine liebe kenn ich, die ist treu, war getreu, solang ich sie gefunden (liebe Jesu) Mörike 1, 142 Göschen. gern die umschreibende verbindung: trost und treuer hort Luther bei Wackernagel kirchenl. 3, 8; der seelen treuer hort W. Spangenberg anbindbr. 21 lit. ver. I@BB. den übergang zum absoluten gebrauch zeigt die verwendung des wortes in einer reihe von specielleren bedeutungen und in einzelnen festeren verbindungen, wobei kaum noch an ein bestimmtes treuverhältnis gedacht wird, also auch die verbindung mit einem object stark in den hintergrund tritt. zum teil liegen hier reste oder fortführungen älterer, mhd. bedeutungen vor. I@B@11) treu = aufrichtig, ehrlich, redlich: an manigem, den ich valsches vrî und triuwe hete erkorn Herman Damen minnes. 3, 166a; triuwe vnd glaubhafftig voc. theut. (1515) c 3b; trew dem wol zu glauben ist Megiserus thes. polyglottus 1 (1603) 541; he kumd dr so tro mit an, dat man hum wol löfen mut Doornkaat-Koolman 3, 435; sag mirs treu Droste-Hülshoff 2, 249 Cotta; aber das heist nicht treu und aufricht handeln Reinicke fuchs (1650) 153; so darmit (jähzorn) behafftet, seyn gemeiniglich aufrichtig, treu und ehrlich Butschky Pathmos (1677) 137; damit auf beiden seiten (kaufmännische verhältnisse) treu und redlich gehandelt werde v. Hohberg georgica 3 (1715) 51a; [] ähnlich U. Bräker sämtl. schrift. (1789) 1, 96; Göthe IV 26, 337 W.; späte reu ist selten treu Binder sprichw.-schatz 162. (in) seinem versprechen, wort, gelübde u. ä. treu sein: Olearius sentenz. nr. 217 anhang z. persian. baumgarten 113; treu und fest versprechen Reinicke fuchs (1650) 39; treu jedem wort, das mann dem manne gab Grillparzer 2, 140 Sauer; ächter als er schwur keiner eide, treuer als er hielt keiner verträge R. Wagner ges. schr. (1871ff.) 5, 252; schwört bei diesem goldnen wein, dem gelübde treu zu sein Schiller 4, 5 Gödeke; trüw jurament Judas Nazarei 23 ndr.; treue schwüre Lenz ged. 85 Weinhold. hierher auch: es treu meinen: hî mînt et trâû Jensen wb. d. Wiedingharde 638; ich meyns so rein mit dir und so treu und wahr maler Müller werke 1, 291; ich ... meyns so herzlich treu ebda 1, 127; er meine es treu und gut; so lange er lebe, sei keine faser an ihm gegen irgend einen menschen falsch gewesen A. Stifter 3, 147; mehr mit dem nebensinn des gütigen: leben sie wohl und halten sich überzeugt: dasz es wenige treuer mit ihnen meynen können als ich Göthe IV 8, 226 W. specielles: so wir diese pfänder wohlerhalten wieder aufweisen können, sind wir treue spielkameraden gewesen (ehrlich, 'nicht mogelnd') Cl. Brentano ges. schrift. (1852ff.) 5, 18; der du (o spiegel) doch sonsten aller verliebten trewer (unbestechlicher) rathgeb bist theatr. amoris (1626) 1, 5; ich geh mit zügen frei und baar, mit freien treuen blicken (offen, ohne maske) Göthe I 3, 155 W. 'treu nennet man zu Basel ein kind oder gesinde, das nur nicht stihlt' Joh. Jac. Spreng idiot. Rauracum, s. Alem. 15, 223. I@B@22) treu 'gütig, freigebig' nur noch frühnhd. als restbedeutung und heute vereinzelt dialectisch; der üblichen hochsprache fehlt dieser gebrauch: benignus treüw, gütig, freygäbig Frisius dict. (1556) 162b; Calepinus dict. XI ling. (1598) 168b; mich bedunckt, man solt der edelleut yetzundt nicht vil finden, die einem armen so trew weren, das si ime ein bar batzen schenckten Montanus 42 Bolte; das die haiden kaim christen weder trew noch hold mügen sein, sonder sy seind darauff von natur genaigt, wo sy die christen mOechten bringen vmb leib vnnd guot (1509) Fortunatus 77 ndr.; 'treu sagt man zuweilen auch für mild, freygebig' Joh. Jac. Spreng idiot. Rauracum, s. Alem. 15, 223; es ist eine treue frau, sie iszt und trinkt nicht einzig für sich, sie theilt auch andern davon mit bei Stalder 303; die bedeutung 'freigebig' ist auch noch bei Hunziker Aargau 61 und Schmidt id. Bernense 67 bezeugt. I@B@33) treu 'zuverlässig, verschwiegen': du wirst wenig finden, welche gegen ihren geheimnussen so trew seyn, dasz sie nicht unterweilen die innersten gedancken des gemüts reveliren Schupp schrifft. (1663) 763; da, was er biszher fein und treu dem tuch der verschweigung eingehllet, seinem weib hat offenbahret Reinicke fuchs (1650) 161; treu und verschwiegen bei Wander 4, 1308 u. 1309; es gibt kein treuer geschöpf ... als ich. ich will mich eben nicht rühmen, aber ich bin verschwiegener als das grab Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 1, 3; es treu behalten A. v. Arnim 1, 128 Grimm; es treu verschweigen Dahlmann frz. rev. (1845) 222; hierher: treue und verschwiegene ohren Frisius dict. (1556) 144a; treuer busen, treue brust: schütte ihre (deiner seele) empfindungen in den treuen busen deines bruders aus S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 1, 19; verpfändet hab ich deiner treuen brust mein schmerzlich süszes, heiliges geheimnis Schiller 14, 19 Gödeke. [] hierher auch: ferner entdeckte ich die schlafzimmer der töchter, stille gelasse mit grünen fenstergärtchen und überdies von treuen baumwipfeln bewacht G. Keller 1, 190. I@B@44) häufige verbindungen stark synonymen charakters: I@B@4@aa) treu und stät in älterer zeit sprichwörtlich: ich wer wall truwe und stede ... der my desgeliken dede Husemann spruchsammlg. (1575) nr. 133 Weinkauff; ähnlich Binder 196; Gruter 3, 52 bei Wander 4, 1308; Lehman flor. pol. (1662) 3, 158. I@B@4@bb) treu und fromm, ursprünglich neben dem synonymen gläubig und fromm mehr das ethische betonend, allmählich ziemlich verblaszt, jedoch unter annäherung des treu an die bedeutung von fromm (die übersetzung pius ist nur bei Dasypodius (1573) 442, Alberus (1540) b 4a, 8a und Maaler (1561) 407a belegt): das niemans leichter beschissen vnd betrogen werde, dann nur die frommen, treüwen vnd einfeltigen Boltz Terenz deutsch (1539) 98a; treuw, fromb vnd auffrichtig an gemüt L. Thurneysser magna alchymia (1583) vorrede; weil er sunst ye was frumb und trew und vor nichts arges hat gethon Hans Sachs 2, 33 Keller; und seid ihr treu und fromm geblieben wir kehren wieder in dies haus Herm. Kletke kinderlieder (1846) 100; meine eltern waren ... treue fromme menschen E. M. Arndt 1, 13 Rösch-Meisner. I@B@4@cc) treu und standhaft Lehman flor. pol. (1662) 3, 325; Erlach volksl. d. Dtsch. 1, 48; bleibt fest und treu auf eurem plazze. fest und treu auf einem zweck, ihr seid ja der mann dazu Göthe IV 3, 179 W.; treu und frank Simrock d. dtsch. sprichw. 11480 bei Wander 4, 1308; ich galt in diesen tagen für einen treuen, gehorsamen und fleiszigen jungen E. M. Arndt 1, 20 Rösch-Meisner. I@B@4@dd) treu und warm: wenn ein volk rein und gesund am leibe und an der seele ist ..., so nimmt dieses volk ein reines und wahres kunstwerk treu und warm in sein herz auf Stifter nachsommer (1857) 3, 224. I@CC. absoluter gebrauch: treu dient der allgemeinen charakterisierung des menschen, seiner eigenschaften, seiner taten u. s. w.; die vorstellung des objects fehlt oder ist ganz nebensächlich. teilweise ist schon durch das fehlen der konkreten beziehung eine gewisse verblassung der bedeutung festzustellen. auch dieses allgemeinen gebrauchs hat sich das sprichwort besonders bemächtigt. I@C@11) nû hân ich an triuwen liuten gnâden trôst ervunden meister Rumelant minnes. 3, 61b; der bei diesen strengen zeiten sehr viel von geübten leuten, und noch mehr von treuen, hält B. Neukirch ged. (1744) 24; jähzornig leut seind trew leut sprichw., schöne weise klugreden (1548) 1078; treue leute seynd dünn gesäet Kramer 2 (1702) 1139b; ich lieb ein treues kind, wo man die tugend findt J. G. Neukirch anfangsgr. z. teutsch. poesie (1724) 44; bei namen: mein clag ist worden newe Lucina, liebe treuwe, vil tugentleiche kunigein Heinrich v. Neustadt Apoll. v. Tyrus 16078 Singer; einzelne der musiker, wie der treue Schachtner, ... schlossen sich eng an die familie an O. Jahn Mozart 2, 19; s. auch Göthe IV 28, 80 W.; treu-Lischen gedichtüberschrift bei Fontane ged.4 193. prädikativ: der ist in tiefster seele treu wer die heimat so liebt wie du Fontane ged.4 122; trew in allem las mirs gefallen Chr. Tetzel (1526) bei Wander 4, 1308; [] was er versprach, hielt er darnach, war trew in allem handel Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 109; bleib treu, wenn man deinem leben nachstellt u. vieles ähnl. Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, l 3r. I@C@22) als specielles epitheton des deutschen volkes: wir Tütschen haben ein lob vm vnd vmb, daz man spricht, wir seient warhafftig vnd trüw Geiler v. Keisersberg narrenschiff (1520) 36b; uns Deudschen hat keine tugent so hoch germbt und (wie ich gleube) bis her so hoch erhaben und erhalten, als das man uns fur trewe, warhafftige, bestendige leute gehalten hat, die da haben ja ja nein nein lassen sein Luther 51, 259 W.; schon früh mit leise ironischem beigeschmack in der richtung von 'gutgläubig', 'dumm': nemen war, o trewe Teutschen, wie vntrewlich man vmbgadt mit ewern kinden Eberlin v. Günzburg sämtl. schrift. 1, 90 ndr.; später leider nicht zu unrecht auch öfter mit verstecktem hohn durchsetzt, so in der berühmten stelle bei Heine: andere völker mögen gewandter sein, und witziger und ergötzlicher, aber keines ist so treu wie das treue deutsche volk. wüszte ich nicht, dasz die treue so alt ist wie die welt, so würde ich glauben, ein deutsches herz habe sie erfunden ... ihr (deutschen fürsten) habt das treueste volk 3, 31 Elster. auch von einzelnen: segnend walte sein gedächtnisz unsterblich fruchtend um uns her; das ist an uns sein grosz vermächtnisz so treu und deutsch zu sein wie er Geibel 8, 17 (auf Uhland); mein treuer deutscher Rist Rist d. friedewünsch. Teutschland (1648) 33. im kärntischen wird das adj. treu meist durch taitsch (deutsch) wiedergegeben: Lexer 70. in der asyndetischen aneinanderrückung hat treu oft nur noch verstärkungscharakter: ich weus wohl, dasz ihnen di ankunft unseres Markholds, als eines, dehr auch von trAeu-deutschem geblüth entsprossen ist, nicht wenig erfräulich war Zesen Rosemund 12 ndr.; so auch die briefformel mit treudeutschem grusz; grüsze in treudeutscher gesinnung Hindenburg, s. akad. blätter 1933, 132. I@C@33) umschreibendes subject. I@C@3@aa) geistig-seelische organe: doch hab ich ehrlich blut und einen treuen sinn Rachel sat. ged. 88 ndr.; ich hegte ihn (den Prometheus) damals ... noch im treuen sinne (nicht nur gedächtnistreue), ... ich nahm eben diesen Prometheus als das liebste und nächste Göthe IV 33, 106 W.; wem die natur zwar einen treuen sinn und eine innigkeit des gefühls verliehen, aber die schaffende einbildungskraft versagte, der wird zwar ein treuer mahler des wirklichen seyn, ... aber nie den geist der natur ergreifen Schiller 14, 5 Gödeke; ein biedrer, treuer, teutscher sinn Fr. M. Klinger 8, 6; o Österreich, ich habe die commandantenschaft bewahret bis zum grabe für dich mit treuer kraft Fr. Rückert 1, 92; mîn triuwer muot in triuwen ganz Frauenlob 370, 11 Ettmüller; doch einen grusz aus treuem muth dem nicken ehrlich wir entgegen Droste-Hülshoff 1, 56; trewes gemut voc. theut. 1482 s. Diefenbach 537c; pfui, das zeigt kein treues gemüth Holtei erz. schrift. 1, 32; vrou gewissen ist so trewe, das sy dich nimmer gelât (festhält) Heinrich v. Burgus (Burgeis) der seele rat 1880; wenn dein gewissen nicht treu ist — lies es in gräszlicher schrift auf den gesichtern Iffland theatr. werke 1, 193. auszerordentlich häufig treues herz: der herze ich triuwe het ersên Herman Damen minnes. 3, 166a; unprîslich tât si (die tugend) riutet ûz triuwem herzen mit ir rât Frauenlob 316, 7 Ettmüller; [] esse animi fidelis trewes hertzen sein Bas. Faber thes. (1587) 318; ain trew frumm hertz lasset jme ander leüt vnfall hertter anligen dann sein aigen vnglück G. Mayr sprüchw. (1567) d 8 β; ein treues herz, das wie empfängt so gibt, genieszt und mittheilt, lebt indem es liebt Göthe I 4, 295 W.; da schnitt ein ruf ins treue herz hinein: ihr sollt nicht Preuszen mehr, sollt Deutsche sein lied d. abziehenden truppen 1848 bei Bismarck ged. u. er. 1, 57; als umschreibung für den ganzen menschen, mehr abgeblaszt: und als der tod sie heimgeführt, hat ihn das treue herz gerührt, und mit des liebsten mienen ist er vor ihr erschienen Th. Fontane ged.4 194; ein treues herz vom dorf = ein mädchen Mörike 1, 179 Göschen; das treueste herz der erde O. Ludwig 2, 435. gern in der präpos. verbindung aus treuem herzen u. ä.: ein geringes sehnliches seufftzlein auss einem guten trewen hertzen gefelt gott besser denn aller münch beten Petri d. Teutsch. weish. (1604) 1, b 7v; rede nur ausz trewem herzen H. Albert i. Königsb. dichterkreis 101 ndr.; hör meinen rath an, der gewisz aus treuem herzen fleuszt maler Müller werke 1, 137; wenn ihr mit treuem herzen und rechtem glauben denkt E. M. Arndt 4, 11 Rösch-Meisner; wünsche in treuem herzen hegen Göthe IV 34, 81 W. formelhaft, aber nicht eindeutig, klingt auch: und so du dann selber gäste ladest, so lade sie auff ein treues hertz H. Müller thränen- u. trostquelle (1675) 18. eine besondere entwicklung hat die verbindung treue seele durchgemacht. zunächst in üblichem gebrauch oder üblicher umschreibung: ein verstendiger mann ist ein trewe seel Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, y 7v; allerdings (!) weilt jene (Penelope) mit treuer duldender seele noch in deinem palast J. H. Voss Odyss. 198 Bernays; mich hingegen nagt der kummer, der die treue seele quält Gottsched ged. (1751) 1, 241; nie habe ich ein weibliches geschöpf von einer so treuen seele gesehen Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 18; lebt wohl, ihr treuen seelen Th. Körner 1, 107 Hempel; sie war die treueste seele von der welt Mörike 3, 31 Göschen. allmählich macht sich ein unter umständen leicht ans verächtliche streifender nebensinn geltend, analog der bedeutungsentwicklung von brav: ist eine treuere, brävere seele als ihr mann? Lavater verm. schrift. (1774) 2, 9; gott sei dank, dasz du da bist ... so eine treue seele thut uns gerade noth Storm werke 1, 78; seine aufwärterin Ursula, eine treue seele A. v. Arnim 2, 197 W. Grimm; he is 'n trôen sêl Doornkaat-Koolman 3, 435; alte treue seele heute als anrede, gern im felde unter kameraden; ebenso nicht böse gemeint, aber doch nicht ohne einige nüancierung: e drōi ōs ein treues aas Schöner spez. idiot. v. Eschenrod 84. I@C@3@bb) körperliche organe als träger oder vertreter der seelischen eigenschaft: die süszesten thränen in dem treuesten auge Göthe I 24, 162 W.; die stillen treuen augen ders. I 26, 266 W.; es ist wunderbar, was für ein zauber der beruhigung in geliebten treuen augen liegt Stifter 1, 232 Sauer; ein treues deutsches auge Jean Paul briefw. 149 Nerrlich; doch ein treues auge wacht (gott), zittre nicht in sturm und nacht Mahlmann bei Hoffmann 5, 669. (dagegen mit treuem auge beobachten u. ä. s. III 2 a β.) hierher auch: und wenn euch, ihr kinder, mit treuem gesicht ein vater, ein lehrer, ein aldermann spricht, so horchet und folget ihm pünktlich Göthe I 1, 207 W.; [] treuer mund P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 302; du unbesonn'ner tor! was machst du? wie oft hat dich mein treuer mund gewarnt! H. v. Kleist 3, 78 Er. Schmidt; wenn ich deinen lieben leib umfasse und von deinen einzig treuen lippen langbewahrter liebe balsam koste Göthe I 2, 106 W.; gottes treuer schoosz P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 335b; und der wunsch, den ich zu hegen noch vermag, ist, mich in ihren (der toten braut) treuen schoosz zurückzulegen Fr. Rückert 3, 21; ein weib, das unter allen wesen zu unserm eigenthum sich selber auserlesen, in dessen treuer schoosz das herz entladen ruht Haller ged. 178 Hirzel. noch weiter übertragen: Habsburgs treuer schoosz Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 50; komm, du bleibst: es rinnt der Falken (ein geschlecht) treues blut in deinen adern Fr. W. Weber Dreizehnlind. 13638; dich soll mein treuer arm, sowie mein hertz umfangen, mein schatz, mein eigenthum, mein hoffen und verlangen schles. helikon (1699) 1, 132; treue brust Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 12; Stoppe Parnasz (1735) 19; treue träne Klopstock od. 1, 177 Muncker-Pawel; treue rechte Fr. v. Matthisson schrift. 1, 49; eines reinen auges klarheit, eines tapfern mundes wahrheit, einer treuen rechte schwur E. M. Arndt 5, 302 Rösch-Meisner; sie grüszet jeden gast mit treuen händedrücken Hagedorn 2, 100. treue haut, das mehr der umgangs- als der schriftsprache angehört, hat (als umschreibung für den ganzen menschen) eine ähnliche bedeutung wie treue seele. die verbindung treue hand hat eine auszergewöhnliche verwendungsrichtung genommen. eigentlicher gebrauch: und wenn ein dankgebet die mahlzeit hat beschlossen, da sieht man, wie der kreis, der um die tafel liegt, den kranz der einigkeit mit treuen händen fügt Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 247; dein bild von treuer hand geschmückt Geibel 3, 236; übertragen und sprichwörtlich: fromme natur! ... immer dieselbe, bewahrst du in treuen händen dem manne, was dir das gaukelnde kind, was dir der jüngling vertraut Schiller 11, 82 Gödeke; treue hand geht (kommt) durch alle land u. ä. in fast sämtlichen sprichwörtersammlungen belegt. besonders wichtig ist die ansiedelung der formel treue hand zunächst in der rechtssprache (vgl.treuhand), dann überall; ihr langsames entstehen können wir noch an einigen älteren belegen verfolgen (vgl. auch teil 4, 1, sp. 4513): all handtwercks lütt sind triuer hanndt, ich hör nyemant über ir würcken clagen liederbuch d. Hätzlerin 110; sie beede mit ehlichem band verstrickten sich durch trewe hand Spreng Äneis (1610) 61a. zunehmend formell erstarrt und syntaktisch unverbunden gebraucht: die feind ..., dann sie sahen das jhn niemant begeret ain widerstand zuo thuon, thäten der stat hilff, raichten der stat die trewen hand und retung Stainhöwel de claris mulieribus 314 lit. ver.; richter: weil N. es liecht gemacht, sich auch eine treue hand setzen lassen, soll sich niemand an diesem stcke landes vergreiffen als N., er habe dann besser recht Hohberg georg. cur. 3 (1715) 23a. ursprünglich bezeichnete treue hand 'die sicherung eines vertrages durch handschlag' (Körte sprichw. [1837] [] 189); als bedeutung notieren Frisius dict. (1556) 162b und Aler (1727) 1917 'beneficentia', Frisch (1741) 2, 386 'quod alterius fidei committitur'. am häufigsten begegnet die präpositionale verbindung zu treuer hand oder bis in die jüngste zeit zu treuen händen: to truwer hant zuverlässig, vertrauensvoll Lüb. chron. 1, 197; 2, 327 (städtechron. 19 u. 26); denn weyl der gantzen stad gutt, ehr, leyb und leben yhn (dem rat und der obrigkeit) zu trewer hand befolhen ist, so thetten sie nicht redlich fur gott Luther 15, 34 W.; zu treuer hand thun 16, 546; es hat mir ewer vater ehemals solcher historien ein vorzeichnus ... zu trewer hand gestellet Thym Thedel v. Wallmoden 5 ndr.; die geben zu treuer hand ieder ain viertl waiz österr. weist. 10, 78; besonders vom geld: wie er wolt ziehen ausz dem landt, legt er dasselb zu trewer handt B. Waldis Esop 1, 406 Kurz; das er mirs bhalt zu trewer handt H. Sachs 14, 154 Keller-Götze. ähnliches s. Jelinek mhd. wb. 723. plural: zu trüwen handen gestelt fidei commissum Maaler 410d; etwas zu trewen handen pfandsweisz hinderlegen Heupold dict. (1620) 131; hat er alsobald seinen brüdern land vnd leut gelassen vnnd zu trewen händen befohlen M. Rinckhart Eisl. ritter (1613) 4; zuförderst lasz dir meine seele zu treuen händen befohlen seyn Fleming d. vollk. teutsche sold. (1726) 297b; zu treuen händen anvertrauen Ranke dtsch. gesch. i. zeitalt. d. ref. 2, 287; nachträglich die formel auch wieder unbildlich verwandt: dieses gedicht kam Amalia zu treuen händen J. Riemer pol. maulaffe (1679) 25; eine fülle älterer belege bei Haltaus 1802 /03, s. auch Schmeller-Fr. 1, 637 u. 1, 1122. das im 16. jh. stellenweis, besonders von H. Sachs bevorzugte treushand bzw. (zu) treushanden (trewshanden) ist aus der verbindung mit dem genetiv des substantivierten adjectivs entstanden: (eines) treues hand; noch getrennt s. a. beispiele bei Schmeller-Fr. 1, 637; dasz die brief ... zu treües handen ligen (aus d. jahre 1420) monum. Boic. 2, 74; wann solch obbenant schloss ... den obgenanten fürsten treues henden übergeben ... ist lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens (v. jahre 1479) 1, 229; Frölich Joh. Stob. scharpfsinn. spr. (1551) 166, gelegentlich auch noch bei H. Sachs 14, 156. 160; meist schon fest zusammengewachsen, z. b. 9, 385; 14, 162. 165; 17, 340; es ist dir zuo trewshanden gelegt, auff trawen vnd glauben befolhen sprichw., schöne weise klugr. (1548) 22a. andere verbindungen: alles auf die treue hand haben Schmeller-Fr. 1, 637; under triuwen hant unter vormundschaft (v. j. 1400) s. Kehrein sammlg. alt- u. md. wörter aus lat. urk. 28. I@C@3@cc) andere umschreibungen: ein rechter held ein trewer schatz Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, y 1v; suchst du ... ein hertz, aus welchem selbst die reinste treue quillet, ... reisz diesen treuen schatz nach deinem willen hin B. Neukirch in H. v. Hoffmannswaldau u. a. Deutsch. auserl. ged. 2, 53; trewer hort Zinkgref auserl. ged. 13 ndr.; treue stütze D. F. Strausz leb. Jesu xv (ges. schr. bd. 3). I@C@44) häufig ist treu in allgemeinerer, zuweilen nur verstärkungscharakter zeigender bedeutung in der verbindung mit abstracten, die irgendeine geistig-seelische funktion bezeichnen: mit der treuesten absicht Herder 23, 41 Suphan; treue beständigkeit maler Müller 1, 330; treuer erkenntnis voll Denis lieder Sineds (1772) 116; liebe vielmehr deinen freund aus träuem ernste Zesen rosenmând (1651) a 4a; der treuen hoffnung banger lauf (nicht nur = dauernd) hört itzo mit vergnügen auf Stoppe Parnasz (1735) 2; in treuer hoffnung (briefschlusz) Göthe IV 41, 75 W.; lassen euch mein trüwe meinung zuo guotem dienen Eberl. v. Günzburg 1, 65 ndr.; dies auch in älterer zeit gern in genetivischer formel: so ich dir freüntlicher und treüwer meynung raten wil Wickram 1, 21 Bolte; ähnlich Sleidanus [] reden 7 Böhmer; Fischart 3, 119 Hauffen; treue rechtlichkeit Göthe I 24, 125 W.; treue rechtschaffenheit Knigge umg. m. mensch. (1796) 1, 7; mit rechtem treuen (= stark) zorn hassen E. M. Arndt 1, 82 Rösch-Meisner; (sie) volbrachten also ir gelüpt zuo der kilchen des Paradis mit einer guoten trüwen zuoversicht Stretlinger chronik (vor 1466) 73 Bächtold; treues willens sein Sigm. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) viia. I@C@55) treu als attribut von wörtern, die mehr oder minder konkret verschiedenes tun und handeln des menschen ausdrücken; dabei liegt der bedeutungsgehalt des adjectivs überwiegend in der sozialen richtung: einander thun trewen peystant Hans Sachs 9, 176 Keller; treue wolthat Puschmann meistergesang 33 ndr.; treuer rat in älteren belegen 'auxilium': des fnd er trost vnd trewen rath J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 148; darüber wir von euch begern in unser armut trewen rat Hans Sachs 9, 3 Keller-Götze; ähnlich 17, 8; überwiegend und auszerordentlich häufig treuer rat 'consilium': so wellen wir alle tach ... mit eu treulich und vaterlich reden und darauf eur antwort guetlich hören und eu unsern treuen rat mittailen bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters (a. d. j. 1435) 1, 39; deins trewen rhats musz ich geleben Scheit Grobianus (1551) v. 45 ndr.; oft schon ziemlich bedeutungsmatt: werther hat sich der gemacht, der zur küch ein rind gebracht, als der einen treuen rath da und dort gegeben hat Fr. v. Logau sinnged. 391 lit. ver.; treue rahtschläge Agyrtas grillenvertreiber (1670) 6; ist aber alle trewe vormanung an dir verloren, wolan so far fort hin (1556) Musculus hosenteuffel 16 ndr.; treue warnung Kirchhoff wendunmuth 2, 48 lit. ver.; A. v. Arnim 19, 182 W. Grimm; hätten sie von deinem guten freundlich dir erzählt, mit verständig treuen winken wie man bessres wählt Göthe I 6, 74 W.; höre eine bitte, die dich nicht beleidigen musz, sie ist treu Caroline 1, 141 Waitz; deine treuen worte waren mir herzlich willkommen Göthe IV 8, 213 W.; treues herzenswort Herder 5, 373 Suphan; treuste grüsze Göthe IV 21, 291 W.; treuer kusz Opitz weltl. poem. (1690) 2, 117; treuen herzlichen dank Jacob Grimm 18. 12. 1822 an Benecke; treuer wunsch Zinkgref auserl. ged. 23 ndr.; König ged. (1745) 94; Göthe IV 41, 23 W.; treuester glückwunsch Dahlmann an J. Grimm 1, 294; in treuer ... theilnahme Göthe IV 28, 113 W.; und wolte got, ich solcher treuwen bottschafft dir gnuog lohnen mOechte Montanus 188 Bolte; treue, ehrliche ergüsse (briefe) G. Keller 5, 129; treuer brief Göthe IV 8, 252 W. treuer schutz u. ä.: (du christliche obrigkeit) halt witwen, waysen trewen schutz und halt gerechtigkeyt im land! Hans Sachs 1, 218 Keller; treuer schutz vor aller noth Spreng Ilias (1610) 89a; treue sicherheit Paul Fleming teutsch. poem. (1642) 74; du (ritter) solltest han in trüwer hut die witwen, weislin und grechtigkeit Nic. Manuel todtentanz str. 46 Bächtold; Vesta habe stets in treuer obhut euer heilges feuer Fr. Rückert 1, 183; vgl. 1, 181. treuer dienst in allgemeinstem sinne (speciell s. A 1 u. 9): gott belohnet trewen dienst sprichw., schöne weise klugred. (1548) 32a; min bruste yetz müd von sorgen vnd durch min trüwen dienste Nicl. v. Wyle tranlat. 30 Keller; doch konte sie mich nicht, ich sie nicht sterben sehn, drum must ihr noch im tod ein treuer dienst geschehn. ich bin, eh sies erfuhr, ihr willig vorgegangen, bald den verklärten geist mit palmen zu empfangen Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 174; [] dazu adverbiell: o starker gott im himmelsthron, wir wollens treu verdienen, dasz an des kampfes aufgang schon uns dein gesicht erschienen Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 44; trüwe arbeit fidelis opera Cholinus-Frisius dict. lat.-germ. (1551) 370; ... hat in der herr berüeft zuo entpfaehen um sein treüe arbait den verhaissen lon Knebel chron. v. Kaisheim 24 lit. ver.; treuer thaten nachklang ist gemeinlich undanck Fr. v. Logau sinnged. 252 Eitner. I@C@66) ganz ins allgemeine verflüchtigt zeigt sich der gebrauch des wortes in einer reihe äuszerst charakteristischer belege aus Göthes alterssprache, zu deren bevorzugtesten lieblingswörtern das adjektiv gehört. gleichwohl bleibt bei aller unschärfe der eigentlichen bedeutung der ethische charakter des wortes ungeschmälert erhalten, wie denn die belege durchaus nicht nur occasionelles oder gar spielerisches gepräge tragen, sondern für die spannweite des wortes selbst zeugen. ein paar beispiele mögen genügen. bei einigen kann man als umschreibende bedeutung 'vertrauend' ansetzen: und wenn dir kein geheimnisz blieb, was herz und welt enthalte, dem denker winkst du treu und lieb, dasz sich der sinn entfalte I 6, 45 W.; mich beglückt des holden looses treu und still ersehntes zeichen I 2, 105 W.; soll ich wiederholen, dasz ich dich von der gegenwart des freundes (Willemer) unzertrennlich hielt und dasz bey seinem treuen anblick alles in mir rege ward, was er uns so gern und edel gönnt IV 31, 245 W. zur charakteristik von personen: Trebra brav, wahr, in dem seinigen treu III 1, 14 W.; ein treues wollen und ein gleiches wirken, dem man nur die kraft wünschte, den gegenstand sicherer zu fassen und das erkannte entschiedener durchzusetzen IV 38, 92 W.; ist man treu ..., das gegenwärtige festzuhalten, so wird man erst freude an der überlieferung haben I 24, 188. anderes: diese ... zauberische wirkung bringt eine tieffühlende energische natur durch treues anschauen, liebevolles beharren ... durch behandlung eines jeden zustandes in sich als eines ganzen schaffend hervor und befriedigt dadurch die unerläszlichen grundforderungen an inneren gehalt I 40, 277 W.; ähnlich: wie sehn ich mich, natur, nach dir, dich treu und lieb zu fühlen! I 2, 185 W.; formelhaft: eiligst segnend treuer weise, heil und glück zur schönen reise I 5, 77 W. I@C@77) der menschlich-ethische sinn des wortes wird übertragen I@C@7@aa) auf konkrete gegenstände: er spornt sein rosz, und faszt den treuen degen, und eilt dahin, woher der laut ihm kam A. W. Schlegel im Athenäum 2, 276; mein schild, mein treuer schild, ich werf den hund (d. h. Hagen) mit dir! (Siegfried im sterben) Hebbel w. 4, 153 Werner; schnell schritt er fort am treuen stecken Fr. Kind ged. (1817ff.) 4, 100; und du vertraute bogensehne, die so oft mir treu gedient hat in der freude spielen, verlasz mich nicht im fürchterlichen ernst Schiller 14, 390 Gödeke. I@C@7@bb) auf bestimmte, dem menschen nahestehende thiere (anderer speciellerer gebrauch bei thieren s. III 3 a): vom pferd: fürsten reiten trewe hengste Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, E e 4v; [] ich hab geschlagen mein rothrosz todt! und's war so stolz und treu! o! Herder 5, 173 Suphan; nebensinn des gehorsamen: das ist ein grösser narr: er legt die sporen an, da er sein treues pferd mit güte lenken kan C. Weise d. drei ärgsten erznarren 18 ndr. vom hund: ich habe auch noch einen alten treuen hund, den ich liebe Kotzebue sämtl. dram. werke 2, 14; ... seht doch hier das gute kluge treue thier (bernhardiner) Droste-Hülshoff 2, 57 Cotta; ein hündchen ..., das einem so absichtslos treu ist Bettine Brentanos frühlingskr. 62; die treue hut der hunde fida canum custodia Steinbach (1734) 2, 840. rückwärts auf den menschen übertragen: treu wie ein kettenhund Körte sprichw. u. s. w. sp. 37, anderes Wander 4, 1309; wie ein treues hündchen maler Müller werke (1811) 1, 190; im orient ... ist der unterthan hündisch treu und hündisch falsch Mommsen m. gesch. 2, 267. occasionelles: es ist ein truws thier vmb ein wyb Th. Murner gäuchmatt 47 ndr.; (von der forelle) disz ist ein rechter treuer, edler und guter herrenfisch fischbüchlein 71; der delphin ist ... ein thyer das dem menschen trew Eppendorff Plinius (1543) 9, 104. IIII. übergänge zwischen ethischer und nicht-ethischer bedeutung. II@11) mannigfaltige vermischungen ethischen und nichtethischen gehalts: doch gab er mir gern über alles ... treuen bescheid ('aufrichtig' und 'genau') Göthe I 7, 221 W.; leidenschaften geben fertigkeiten, welche zur zeit der versuchung treuer aushalten als das urtheil, was nach gründen gefället werden soll ('zuverlässig' und 'dauernd') J. Möser 2, 307 Abeken; sie band es mir beim abschied auf die seele ... da bin ich ... recht treu zu werke gegangen ('liebevoll' und 'sorgfältig') A. W. Schlegel 9, 14; ähnlich zusammenklingen von 'anhänglich' und 'genau': so treu und tief hatte er sich in seinen alten herrn hineingelebt O. Ludwig 1, 177 Schmidt-Stern; das musz ein treuer fischer wissen ('pflichttreu' und 'sorgfältig') fischbüchl. 8; die treuesten leser ('anhänglich' und 'aufmerksam', 'genau') Lagarde dtsch. schr. 3; wo das volk aber dicht gesäet ist, da hängt der einzelne niemals so treu und trutzig an altväterlicher art W. H. Riehl die dtsch. arbeit (1861) 82; ... so treu als ich kan, befehle und verschliesze ich mein hertz in dein ... hertz M. v. Cochem der grosze baumgarten3 (1706) 99; der abendkusz, ein treu verbindlich siegel Göthe I 3, 21 W.; ähnlich doppelsinnigen gebrauch zeigt auch die wendung die treue hälfte oder meine treue hälfte für die ehefrau; z. b. Ulr. Bräker sämtl. schr. (1789) 1, 183. II@22) als ethische übergangsbedeutung musz gelten treu = 'wahr', oft in enger synonymer verbindung, schon sehr alt: got. triggw þata waurd 'das ist gewiszlich wahr' 1. Thim. 4, 9; 2. Thim. 2, 11 (πιστός); ähnlich auch triggwaba galaubjand 'halten für wahr' Luc. 20, 6; triggwaba wait 'weisz ich zuverlässig, als wahr' Philipp. 1, 25; trëuwe waarhafte botten homines certi Maaler 407; es ist der treue und wahrhafte zeuge vor uns hergegangen Petersen psalmenübers. bei Lessing 8, 18 Lachm.-Muncker; folgendes ist der dialog, der mir aus treuer zeugen munde ... überliefert worden Holtei vierzig jahre (1843) 1, 12; abgeblaszt nur noch = 'wirklich': da wuszte die jungfrau, dasz er treu und wahrhaft der könig Rother von Wikingland ... war J. V. v. Scheffel 2, 123. II@33) besonders häufig die mehr oder minder synonyme verbindung treu und fleiszig, wobei treu denselben leise gesunkenen sinn wie brav hat: er ist ... ein trockner, treuer, fleisziger Deutscher Göthe IV 8, 60 W.; adverbiell: arbeit treu und fleiszig verrichten J. G. Schmidt gestriegelte rockenphilos. 1 (1706) 174, mit sächl. umschriebenem subject: er hoffte an ihm ... ein treues und fleisziges werkzeug [] zu finden Göthe I 22, 237 W.; treuer fleisz: Knebel chron. v. Kaisheim 464 lit. ver.; Z. Werner M. Luther (1807) xv; treu und gründlich Göthe IV 42, 20/1 W.; treu und eifrig E. M. Arndt 1, 15 Rösch-Meisner. II@44) eine zunächst ethisch neutrale verwendung des wortes erhält oft einen stark ethischen nachdruck, so vor allem in der verbindung einer sache treu bleiben. II@4@aa) überwiegend persönliches subject; je mehr sich das verhalten des menschen auf ein ideell gehaltvolles object oder gar eine tugend erstreckt, je mehr nimmt auch das adj. eine ethisch gewichtigere bedeutung an; wenn es sich aber um ein mehr konkretes, singuläres, ethisch neutrales object handelt, verflacht es seinen bedeutungsgehalt. II@4@a@aα) stark ethisch empfunden: bleib trew in deinem christenthumb so hast fr allen ehr und ruhm Petri d. Teutsch. weish. (1604/05) 2, l 3r; dem glauben treu bleiben Haller Alfred (1773) 33; Gutzkow ritt. v. geiste 1, 98; dem einmal erkannten gotteswillen treu bleiben gegen alle lockungen Schleiermacher sämtl. werke 2, 4, 4; wenn alle untreu werden, so bleib ich euch doch treu, ... gefährten meiner jugend, ihr bilder bessrer zeit, die mich zu männertugend und liebestod geweiht (die alten ideale sind gemeint) Schenkendorff 3295 Hagen; wer ist freund und verehrer der wahrheit — ... der immer seiner empfindung, seiner überzeugung treu bleibt J. K. Lavater verm. schr. (1774f.) 2, 337; ich kann nicht inkonsequent finden, wenn jemand seinem charakter treu bleibt Göthe I 21, 155 W.; seinen grundsätzen treu bleiben ders. I 23, 214 W.; Pocci lust. com.-büchl. (1859) 165; ähnlich K. W. L. Heyse bei Solger ästh. (1829) vii. II@4@a@bβ) etwas neutraler: bleiben sie ihm treu, dem alten hang zu dem mütterlichen boden ihres geistes, ich meine, zu unserer nervigten deutschen sprache Lenz ges. schr. 2, 318 Tieck; seinen empfindungen treu bleiben Immermann 1, 94 Boxberger; die morgenländer ... scheinen der idee des grabes treu geblieben zu seyn Herder 16, 317 Suphan; der alten sitte treu bl. K. O. Müller d. Etrusker (1828) 1, 260; die neue timokratie änderte ... den buchstaben der verfassung nur um dem geiste derselben treu zu bleiben Mommsen m. gesch. 2, 260; dem system treu bleiben Ranke werke (1867ff.) 3, 5; gern hör ich gutes von der kunst, der ich mein leben treu geblieben Göthe I 4, 240 W.; bleiben sie den musen treu Göthe IV 30, 63 W.; bleibe deinem berufe treu Steffens was ich erlebte (1840) 1, 272. II@4@a@gγ) der lehrer der kirchengeschichte musz den thatsachen treu bleiben Schleiermacher sämtl. werke 1, 5, 84; wie nur immer möglich, musz der poet der geschichte treu bl. O. Ludwig 5, 241 Schmidt-Stern; ähnlich Büchner nachgel. schr. (1850) 259; der wahrheit der sache treu bl. O. Jahn Mozart 3, 21; dem original treu bl. briefe, die neueste lit. betr. 21 (1764) 17. II@4@a@dδ) ganz äuszerlich, ohne ethischen gehalt: warum liesze man sich es so viel kosten, ihm (dem costüm) treu zu bl. Göthe I 47, 258 W.; einer rolle treu bl. Tieck schriften (1828) 4, 102; mein sohn, bleib der edlen jägerei treu J. Möser 1, 346; ... du aber schlieszest scheu dein ohr dem trost, und bleibst fühlloser schwermut treu (einmalige stimmung) Gotter ged. 1, 72; seinem bisherigen benehmen treu bleibend Ritter erdkunde 1, 129; ... ist er seiner voraussetzung treu geblieben J. J. Engel schriften (1801ff.) 2, 60; geradezu von untugenden: seiner manier treu bl. Herder 3, 148 Suphan; Laura, wunderlich erzogen, jedem aberglauben treu, den als kind sie eingesogen Müllner dram. werke (1828) 2, 105. II@4@bb) sächliches subject, vorwiegend persönliches object, meist äuszerlichere bedeutung: mitten in den heftigsten ausbrüchen [] des aufruhrs blieb die liebe des volkes ihm treu G. Forster sämtl. schr. 3, 240; der geist, dem die stimmung treu bleibt Bettine Günderode 1, 15; der sinn für vorsicht war ihm treu geblieben H. Laube ges. schr. (1875ff.) 11, 168; ihr zauber war ihr selbst im tode treu Hebbel w. 2, 359 Werner; konkreter: das er (der wein) dem alter ist so trüw H. R. Manuel weinspiel v. 2508 ndr.; (der magen) der einzige schmarotzer, der mir die ungelegenheit macht, treu zu bleiben Raimund 1, 8 Glossy-Sauer; ganz übertragener gebrauch: die beendigung des prozesses durch urtheil und execution blieb ... dem charakter der rein dinglichen klage treu Jhering geist des römischen rechts (1852ff.) 3, 182; hierher auch das syntaktisch besondere: wenn uns also die poesi an sich ziehen, uns treu (= interessiert) erhalten will Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 141. II@55) sich treu sein bzw. bleiben. bei absolutem gebrauch meist starke erhöhung zum ethischen; tritt eine nähere ergänzung hinzu, wobei oder worin man sich treu bleibt, sinkt die bedeutung des adjectivs bis zum bloszen beharren ab, zumal bei sächl. subject: dies über alles: sey dir selber treu, und daraus folgt, so wie die nacht dem tage, du kannst nicht falsch seyn gegen irgendwen Shakespeare 3, 167; dir selbst sei treu und treu den andern dann ist die enge weit genug Göthe I 3, 311 W.; schon ethisch zweideutig: nicht du, der stets sich selber treu geblieben, die haben unrecht, die dich fürchteten, und doch die macht dir in die hände gaben Schiller 12, 234 Gödeke (gräfin Terzky zu Wallenstein); ähnliches Göthe I 16, 293 W.; Niebuhr m. gesch. 1, 11; uns selbst treu zu seyn im erkänntnisz der wahrheit Herder 11, 7 Suphan; kollektiv: bleibet euch also treu, ihr Deutsche Herder 23, 14 Suphan; so lange aber Rom sich selbst treu war, so lange war tugend der höchste ruhm des weibes Niebuhr m. gesch. 1, 317; sächl. object: gebildet ist ein werk ..., wenn es sich selbst ganz treu ... ist Fr. Schlegel Athen. 1, 81; um so kenntlicher musz ein ding seyn, was sich auch noch in einer französischen umschreibung ... so treu bleibt Herder 7, 353 Suphan; noch äuszerlicher: übrigens bleiben sich die hauptzüge (der handschrift) treu, die schrift wird nirgends nachlässig ... Göthe I 421, 9; in der heutigen umgangssprache auch sehr häufig bei schlechten eigenschaften und in bösem sinne, also ganz äuszerlich übertragener gebrauch, z. b. du bleibst dir doch in deiner faulheit treu, der musz sich doch immer (d. h. in seinen schlechten eigenschaften) treu bleiben (kann sich nicht mehr ändern) u. ä. II@66) treu wie gold; der vergleich, der zunächst nur den sinn des dauerhaften hat, wird auf den charakter des menschen übertragen, und das adjektiv erhält dann ein ethisches gewicht: he is so trou as gold brem.-niedersächs. wb. 5, 114; prächtige bursche, treu wie gold! Deinhardstein ges. dram. werke (1848) 1, 8; sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz ist treu wie gold Schiller 13, 207 Gödeke; auch specieller: ich bin dir treu wie gold, ohn eid und bund Immermann 16, 437 Boxberger; mein trauter war so lieb und hold war lauter, echt und treu wie gold, und aller falschheit leer Bürger 47a Bohtz; seinen grundsätzen war er treu wie gold Hippel lebensläufe (1778ff.) 2, 174. II@77) ursprünglich ethisch-religiös gehaltvoll, dann im gebrauch gesunken ist das biblische sprichwort wer im geringsten treu ist, der ist auch im groszen treu Luc. 16, 10, vgl. Schulze bibl. sprichw. (1860) 165; Büchmann27 (1916) 57. [] IIIIII. treu ohne ethischen gehalt; fast durchgehend erst jüngerer und jüngster gebrauch, nur ganz selten hinter das 18. jh. zurückreichend: III@11) zur bezeichnung der bloszen dauer oder regelmäszigkeit; höchstens sekundär tritt die erinnerung an die ethische bedeutung hinzu. III@1@aa) vom glück, schicksal u. ä.: wer nennt das glück noch falsch? mir war es treu Schiller 12, 380 Gödeke; stolz auf sein einzig treues glück Mommsen m. gesch. 2, 369; nun sich der treue (gewohnte) sieg zu Carols fahnen lenkt Pietsch geb. schr. (1740) 33; ein treuer frieden Schupp schrift. (1663) 770; hierher auch: kurz, seinen pfahl trägt jeder treu (sein leben lang) im fleische Gotter ged. 1, 333. III@1@bb) von der sonne, den sternen, dem echo, der uhr als symbol der zeit u. ä.: sie (die sonne) läuft den weg treu, wie ein held (hier tritt durch den vergleich ein ethisches bedeutungsmoment sekundär hinzu) R. Z. Becker mildh. liederb. (1799) 28; im zarten dufte glühen sie vor mir die gletscher, denen treu die sonne hier ihr erstes und ihr letztes lächeln zeigt Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 189; jene treuen sterne blinken tausendmal maler Müller werke (1811) 1, 334; treu wie die sterne des himmels G. Keller 4, 49; deine gestalt ... ... leuchtet mir freundlich und treu wie durch des nordlichts bewegliche strahlen ewige sterne schimmern Göthe I 2, 109 W.; trewer widerschall Spee trutznacht. (1649) 20; ehrlich und treu wie der wiederhall Hippel lebensläufe (1778) 1, 137; treues echo Pfeffel poet. vers. 1, 46; treuer schatten schles. Helikon (1699) 1, 49; nur mit ihnen wollt ich leben, meine jugend nutzen, genieszen, und so das alter im treuen redlichen ablauf Göthe I 24, 161 W.; treue ausdauer Göthe I 26, 45 W.; wo ist ... ein himmel, der kein wolkenflug, ein frühling, der kein vögelzug, wo eine spur, die ewig treu (gleichbleibend, unver- ein gleis, das nicht stets neu und neu änderlich), Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 237. III@1@cc) bei tieren und pflanzen (teilweise anthropomorph empfunden, und dann mitklingen der ethischen bedeutung): fünfmal zählt schon stadt und feld die zurückkunft treuer störche Gottsched ged. (1751) 1, 204; wo treue schwalben baun Matthisson bei Hoffmann dtsch. wb. 5, 669; wie lieblich und nützlich ist das krähen des hahnen; dieser treue hausgenosse erweckt den schlafenden ... meldet die stunde der nacht ... Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 5, 87; raben, eulen und käutzlein sind seine treuen gefährten Triller wurmsaamen (1751) 1, 5; er ist treu wie eine katze bei süszer milch Wander 4, 1309; he is so tru as'n lus Eichwald nd. sprichw. u. redensaa. nr. 1240, ähnlich brem.-nds. wb. 5, 114; heute ohne grund mehr ironisch empfunden. es ist kein creatur trüwer (dauernder, das ganze leben be- dann Aeben der hochloblich wyn gleitend) H. R. Manuel weinsp. v. 594 ndr.; das treue veilchen Göthe I 16, 139 W.; o tannebaum, o tannebaum, wie treu sind deine blätter! Böhme volkstüml. lieder d. Dtsch. 474; und dunkler noch und treuer blickt die tanne, als sonst sie blickt (an menschliche treue anschlieszend) Nietzsche 8, 327; [] nur selten anderes: o ihr grünen treuen buchen Cl. Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 182; fahr wohl, du alte treue heldeneiche! Droste-Hülshoff 2, 209 Cotta. III@1@dd) sonstiges: die treue farbenpracht, die noch so frisch aus den alten bildern schaute, als wären sie heute gemalt Eichendorff sämtl. werke (1864) 2, 197; der beste und treuste (regelmäszigste) korrespondent Göthe IV 15, 165 W. III@22) treu 'genau', 'echt', 'ähnlich', 'übereinstimmend' u. ä. (auch dies ein von Göthe auszerordentlich geliebter gebrauch). III@2@aa) attributiver und prädikativer gebrauch: III@2@a@aα) mit geistig-seelischem subjectsbegriff: treue kenntnis Göthe IV 42, 213 W.; treuste vorstellung L. Häusser dtsch. gesch. (1854) 1, 372; treues gedächtnis Schmid an Lessing 13, 613 Lachmann; Göthe IV 38, 7 W.; ein leichtes und treues gedächtnis Eschenburg entwurf e. theorie d. schön. wiss. (1738) 171; weites und treues gedächtnis Justi Winckelmann1 1, 141; uns ist in treuem angedenken noch, wie das kommando kam in Friedlands hände Schiller 12, 75 Gödeke; dem vergänglichen treue aufmerksamkeit schenken Scherer litgesch. 773; treues aufmerken Göthe I 28, 63 W.; was eine scharfe treue beobachtung verleihen kann I 49, 186 W.; s. auch Mommsen m. gesch. 2, 261. III@2@a@bβ) als attribut menschlicher organe, besonders des auges: wer die wissenschaften und ihren gang mit treuem auge beobachtet hat Göthe II 1, 291 W.; sie besasz ein treues auge (als malerin) I 24, 370 W.; auch von gott: seine welt, des meisters welt, war gut, war so gut, dasz selbst sein treues auge (scharfsichtig) keine fehl an ihr noch makel fand Kosegarten rhaps.2 1 (1800) 174; endlich musz man ... gestehen, dasz es nicht ganz treue federn sind, die uns die geschichte dieses auszerordentlichen mannes überliefert haben Schiller 8, 353 Gödeke. III@2@a@gγ) treue wahrheit u. ä.: wie die philosophie nach dem ersten grunde der dinge, die kunst nach dem ideale der schönheit, so strebt die geschichte nach dem bilde des menschenschicksals in treuer wahrheit, lebendiger fülle und reiner klarheit W. v. Humboldt ges. schr. (1903ff.) 4, 39; sie aber, hoher meister, legten zart und weise die süsze fabel als schlichte treue wahrheit aus Immermann 1, 92 Hempel; die treueste und pünktlichste ähnlichkeit ist die erste und unerlassliche bedingung des bildnisses W. v. Humboldt ges. schr. (1903ff.) 6, 2. III@2@a@dδ) das subject ist ein nomen actionis: sorgfältige und treue nachahmung wahrer und erdichteter charakter(e) Gerstenberg schlesw. literaturbriefe 112 lit. denkm; ähnlich Schubart leben u. gesinn. 1, 61; Göthe I 48, 26 W.; treue wiedergabe der natur Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893f.) 1, 154; treue erforschung auch des scheinbar geringfügigen Jhering geist d.m. rechts (1852ff.) 2, 2, viii; treue schilderung ihres zustandes Gotter ged. 3, 39; vermittelst dieser bestimmungen erklärt man sich leicht, warum in ächten kunstwerken die darstellung zuweilen so treu und wahr sein kann, wie in den bloszen kopien nach der natur G. Forster sämtl. schr. 3, 277; treue erzählung Herder 17, 19 Suphan; eine übersetzung ..., die die vorzüge einer treuen dolmetschung mit der völligen gestalt eines deutschen originals verbände allg. dtsch. bibl. 1765, I 1, 176; treue porträtierung O. Ludwig 5, 410 Schmidt-Stern; wenige ... besitzen die gabe der treuen überlieferung, der scharfen sonderung Ritter erdkunde (1822) 1, 28. III@2@a@eε) ebenso häufig steht das adj. vor den aus diesen nominibus actionis erwachsenen mehr oder weniger konkreten substantiven: so treu war die überlieferung Scherer lit.-gesch. 7106; treue relation Göthe IV 33, 55 W.; Brentano (1852ff.) 5, 367; treue und sichere nachricht Herder 13, 238 Suphan; treue nachricht Raabe hungerpastor (1864) [] 3, 143; auszerordentlich geläufig: treue übersetzung, z. b. Göthe I 412, 86; II 2, 6; IV 11, 113 W.; treue nachschriften Lagarde dtsch. schr. 4; treue abschrift Savigny gesch. d.m. rechts 2, 18; treuer abdruck, häufig übertragen: der charakter eines ganzen volkes ist der treueste abdruck seiner gesetze Schiller 13, 100 Gödeke; so auch sein gesicht ein ... treuer ausdruck davon Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 66; sie glaubten, von urhellenischer einfalt und natur ... einen treuen eindruck zu hinterlassen, wenn sie den Homer recht altväterlich und bäurisch sprechen lieszen Justi Winckelmann 11, 36; treue abzeichnung Niebuhr m. gesch. 2, 541; ein treuer und mit einsicht gemachter auszug A. W. Schlegel Athen. 1, 146; treuer abrisz Göthe IV 36, 26 W.; treue farben gern übertragen: studien wie experimente ... gaben ihm zugleich treue farben und glückliche motive für den keimenden Faust Bielschowsky Göthe 1, 95; ein treues porträtgemählde Fr. Schlegel sämtl. werke (1846) 2, 77; übertragen: sehen sie da das treue gemälde ihres verhaltens Dahlmann gesch. d. frz. rev. (1845) 368; ein musikstück, welches ... ein treues seelengemälde vor uns aufrollt O. Jahn Mozart 14, 104; ich habe ein treues tagbuch geführt Göthe IV 8, 23 W. III@2@a@zζ) besonders gern: treues bild, abbild, überwiegend übertragen: ich werde ein treues und bestimmtes bild der völker entwerfen Niebuhr m. gesch. 1, 4; treueres und deutlicheres bild Schopenhauer 1, 326 Grisebach; denn es ist namentlich in der bildungsepoche die sprache das treue bild und organ der erreichten culturstufe Mommsen m. gesch. 1, 14; Tacitus liefert ein im groszen und ganzen unzweifelhaft treues bild Scherer lit. gesch. 75; ... gewandt, verwegen, reich ... leidenschaftlicher verehrer der frauen ... dies war das treue bild meines gönners v. Gaudy sämtl. werke (1844) 13, 20; in manchen völkern lebt treu und unverfälscht das bild der vergangenen tage fort Jhering geist desm. rechts (1852ff.) 1, 86. selten im plural: wer, brüder, kan in treuen bildern den süszen anblick würdig schildern Schiller 1, 51 Gödeke; genau so treues abbild E. T. A. Hoffmann 14, 167 Grisebach; wer von einem so bestimmten leben ein dichterisch treues abbild zu geben weisz M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 6; treue abbildung Gerstenberg recens. 285 lit. denkm.; ähnlich: schauspieler ..., die sich ein äuszerlich täuschendes treues kostüm jener wilden ... zeiten umgeworfen haben O. Ludwig 5, 308 Schmidt-Stern. treues spiegelbild Laube ges. schr. (1875ff.) 4, 193; sehr geläufig treuer spiegel: daher sind die briefe der treue spiegel seines innern Justi Winckelmann1 II 2, 224; land der sehnsucht, ob auch eitel manch ein sklave mit dir prahlt, bleibst du doch der treuste spiegel, der die freiheit widerstrahlt! Herwegh ged. eines lebend. (1843) 44; das musz man sagen, einen treuen spiegel hab ich an meinem bedienten! Bauernfeld ges. schr. 1, 15. III@2@a@hη) das subject ist ein nomen agentis: treuer beobachter Gerstenberg recens. 162 lit. denkm.; Göthe II 1, 296; IV 8, 126 W.; wozu Winckelmanns geschichte der kunst ein treuer führer ist Göthe IV 8, 137; deine augen ... sind treuere erzähler als deine lippen Gerstenberg Ugolino 240 Kürschner nat.-lit.; (Homer) der treue darsteller der sitten und meinungen J. H. Voss antisymb. 1 (1824) 29; treuer darsteller der wirklichkeit Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893f.) 4, 109; treuer mahler des wirklichen Schiller 14, 5 Gödeke; treuer dolmetscher Schubart ästh. d. tonkunst 45; treuer übersetzer Göthe IV 41, 43 W.; treuer ausleger Alberus (1540) V 2a; treuer referent Göthe I 251, 260 W. specieller: ich wolle, wie es einem treuen geschichtschreiber in solchen fällen geziemt, das pro und contra sorgfältig studiren IV 8, 148 W.; ein treuer naturforscher und emsiger mineralog I 36, 18 W. [] III@2@a@thθ) speciell: der natur treu: seine nachahmung sey so wahr, so treu der natur Eschenburg theor. u. lit. d. schön. wiss. (1783) 166; wie treu sie (die farbe der berge auf den gemälden) der natur ist fürst Pückler briefw. u. tageb. 2, 193; etwas gehaltvoller: nur der natur und ihrem zepter treu Droste-Hülshoff 2, 222 Cotta; auch das absolut stehende treu kann die bedeutung von 'naturgetreu' oder 'natürlich' annehmen: und da er (der Deutsche) in dieser poetischen prose am treuesten seyn kann Nicolai lit. briefe (1759ff.) 2, 212. III@2@bb) überaus lebendig in diesem verbreiterten und verflachten sinn ist adverbieller gebrauch: III@2@b@aα) bei verben dicendi: antworte mir treu! Klinger werke (1809) 1, 66; (Hans Sachs) erzählt das eben fix und treu, als wär er selbst gesyn dabei Göthe I 16, 126 W.; treu erzählen Herder 22, 146 Suphan; Göthe I 251, 167 W.; Heine 1, 24 Elster; die geschichte ist treu erzählt D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 15; treu berichten Immermann 2, 18 Boxberger; treu schildern Treitschke hist. pol. aufs. 1, 2; treu erklären Gotter ged. 1, 32; treu verzeichnen Häusser dtsch. gesch. (1854) 1, 372; hören sie, was man dann sagt, und schreiben sie es mir ganz treu Humboldt briefe an Welcker 14; seine vorlage treu wiedergeben Scherer lit. gesch. 756; treu referieren Schleiermacher i. Athen. 3, 249; treu darstellen Heine 3, 23 Elster; J. Grimm an Dahlmann 1, 81; Caroline 1, 162 Waitz; treu beschreiben Göthe IV 1, 17 W.; kein maler konnt euch treuer malen (ähnlicher) Gellert (1774) 1, 90; treu überliefern Göthe I 49, 193 W.; treu übersetzen Gerstenberg dtsch. lit. denkm. 128, 98; die erkundigungen muszten treu und ungesäumt eingezogen werden briefe von u. an Herwegh 157; die übersetzung ..., welche die bilderpracht des orginals treu vermittelte Scherer lit.-gesch. 790; ein ereignis historisch treu ... darlegen Göthe II 6, 127 W.; aber am treuesten offenbart sie (die weibliche eigenthümlichkeit) sich in der physischen gestalt und dem sinnlichen ausdruck W. v. Humboldt ges. schr. (1903) 1, 337; am treusten hat das sprichwort Franck C. Schulze bibl. sprichw. (1860) 117; ich zeige treu das wetter an (vom frosch) Pfeffel poet. vers. 2, 93. III@2@b@bβ) bei verben sentiendi: alles, was sie (die malerei) von treu geschauten, zartgedachten und tiefempfundenen motiven besasz Justi Winckelmann 11, 281; die diät treu beobachten Bremser med. paroemien (1806) 169; der bescheidene, sein object treu erfassende verstand Herder 22, 335 Suphan; so treu bewahrst du jede kleine gunst, und für die kränkung hast du kein gedächtnis? Schiller 12, 232 Gödeke; ähnlich Hölderlin 2, 74 Litzmann; W. H. Riehl d. dtsch. arbeit 25 u. 180; die individualität treu bewahren O. Jahn Mozart 11, 369. III@2@b@gγ) sonstiges: wenn sich der geist in der von ihm abhängigen sinnlichen natur auf eine solche art äuszert, dasz sie seinen willen aufs treuste ausrichtet und seine empfindungen auf das sprechendste ausdrückt ..., so wird dasjenige entstehen, was man anmuth nennt Schiller 10, 94 Gödeke; nur allzu treu war dieser vielbewegliche allen windungen und wendungen einer politik, die er miszbilligte, gefolgt Treitschke dtsch. gesch. 3, 321; ein väterlicher rath ist nie treuer befolgt worden Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 90; treu das gesetz im auge haben E. T. A. Hoffmann 1, 3 Grisebach; deinem befehl ist treu nachgelebt worden A. v. Chamisso 5, 217; man kann sich nicht treuer an die annalenform binden als es Livius thut Niebuhr m. gesch. 2, 3; sich treu an den geschichtlichen stoff anlehnen Freytag 14, 16; nachgebildet sind sie (die zeichnungen) auf das treuste, zarteste und zierlichste Göthe IV 42, 231 W.; die contoure im allgemeinen ... [] sind sorgfältig und treu gearbeitet Göthe 1, 47, 232 W.; je treuer tritt das bild der begabten, aber wunderlichen frau hervor (genau, plastisch) Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 82. III@33) specielle verwendungen: III@3@aa) bei thieren 'zahm' u. ä.; synonym mit dem in gleicher bedeutung gebrauchten fromm und gegensatz zu falsch in diesem speciellen sinn (vgl. th. 4, 1, sp. 242 und th. 3, sp. 1292): (hirsche und hindinnen) waren gut und fromm und treu Rückert 1, 110; ein pferd ist treu es schlägt nicht; ein bock, bulle ist treu stöszt nicht; ein hund ist treu beiszt nicht; eine katze ist treu kratzt nicht u. s. w., weit überwiegend in mundartlicher sprachschicht, da literarische belege nicht vorliegen; vgl. ein frommes pferd ist getreu Martin-Lienhart 2, 737; de hund ist trû nicht falsch, beiszt nicht Schambach Gött. 235, und wohl mehr auf Norddeutschland beschränkt, wo die dialectwörterbücher noch weithin fehlen. III@3@bb) treue wolle wolle, deren haare in ihrer ganzen länge gleichen durchmesser haben Bucher reallex. d. kunstgew. (1883) 410. IVIV. fest gewordene substantivierungen: gotisch erscheint die schwache form als name: Triggwa, Triggwila Wrede ostgot. 78 ff. IV@11) singularisch nicht sehr häufig und erst jung. IV@1@aa) das masculinum von dem geliebten: flieszt, o thränen, nezt den schleier, flieszt auf brautgeschenk herab das beim abschied jüngst mein treuer mir mit kusz und thränen gab! J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 6, 32; vgl. auch 2, 107; wie sich Röschen liebten und ihr treuer, lieben sich die engel kaum Hölty ged. 60 Halm; bleib ich lang vor jenem hause stehen, drin das liebe, liebe liebchen wohnt, weisz nicht, dasz sein treuer ferne ziehet J. Kerner dicht. (1834) 151; wohl kam der frühling viele mal, ihr liebster nimmermehr ins thal, doch lenz um lenz aufs neue rief sie: nun kommt der treue Fontane ged.4 193; nicht so fest, nur gelegentlichere substantivierung für den treuen freund: und so assistire, aus der ferne als gegenwärtig, deinem alten treuen Göthe IV 39, 165 W.; o du treuer Jean Paul 7/10, 454 Hempel; in allgemeiner bedeutung: wo korn sich sondern wird von spreu, wo man den falschen von dem treuen gehörig unterscheiden kann, den unerschrocknen von dem scheuen, den halben von dem ganzen mann Uhland ged. 1, 79 Schm.-H. IV@1@bb) das femininum von der geliebten oder der frau: bleibe liebste, wie du bist bleibe meine treue Venusgärtlein 12 ndr.; ... die angetreute treu herrschet über leid und zeit, wird durch alt seyn immer neu Logau 263 Eitner; als der tod mein erste treu gleich verbarg in frischen sand ders. ebda. IV@1@cc) gelegentlich auch neutral: sie hat an ihm viel liebs und treus gethan, dasz ers bis an sein selig ende spürte Göthe I 14, 147 W. IV@22) weit gebräuchlicher der plural die treuen, vor allem für die unterthanen oder anhänger: der treuen bange schaar umseufzte sie mit blassem angesichte (die tote kaiserin Theresia) Denis lieder Sineds d. barden (1772) 124, 14; rechtmäsziger könig er kehret zurück, den treuen verleiht er entwendetes glück Göthe I 3, 6 W.; folgt mir nach Frauenberg, wo alle treuen bey Gallas sich und Altringer versammeln Schiller 12, 261 Gödeke; [] blutend ... ward Servius von seinen treuen emporgehoben und weggeführt Niebuhr m. gesch. 1, 291; das waren Preuszen, schwarz und weisz die farben, so schwebt die fahne einmal noch voran, als für den könig seine treuen starben, für ihren könig, jubelnd mann für mann gedicht aus den märztagen bei Bismarck ged. u. erinn. 1, 57; ferner in religiösem sinne: leichte lasten, göttlicher vorgänger, sind deinen treuen alle leiden dieser welt Klopstock oden 1, 214 Muncker-Pawel; denn die grundvest der erde sind Jehovahs ... die tritte seiner treuen sichert er, der bösewicht verschwindet im dunkel stumm Herder 12, 199 Suphan; jetzt segnet er (Christus) noch einmal seine treuen zum grozen bund der liebe sie zu weihen, dann trägt ihn eine wolke himmelwärts Körner 1, 65 Stern; dann kehrt der herr, sie liebreich zu erfreun, ein theurer gast, bei seinen treuen ein und spendet seiner tröstung himmelsfülle Annette v. Droste-Hülshoff 2, 194 Cotta. aus der psalmenstelle 101, 6 meine augen sehen nach den treuen im lande ist diese verbindung auch aus der religiösen sphäre hinausgetragen worden, ähnlich wie die stillen im lande. auch geradezu im allgemeinen sinne 'die orthodoxen', s. Justi Winckelmann 1, 60; die vaterlandstreuen: flammen lodern, fahnen wehn, und es wird mit gott geschehn, was der weisen muth erkor was der treuen herz beschwor Schenkendorf ged. (1815) 18. damit in zusammenhang ganz specielle, historisch einmalige verwendung: seit dem jahre 1809 und zum teil schon früher bestand in unserm lande eine äuszerst scharfe soziale trennung zwischen den 'treuen' (auch patrioten, deutsch gesinnte genannt) und den 'franzosenfreunden' A. Vilmar erinnerungen, abgedruckt in W. Hopf Vilmar 1, 25; nur daher jene ... freudenlosigkeit vieler im volke ... dasz die schamlosen (d. h. die zur zeit Napoleons dem 'fremden unwesen' huldigten) ... den treuen und rechtlichen (d. h. die am alten und am fürsten festhielten) durch schnöde zurücksetzung und miszhandlung den irdischen lohn der tugend reichlich zutheilen werden Thibaut üb. d. notwendigkeit eines allg. bürg. rechts f. Deutsche in zivilrechtl. abh. (1814) 451 (vgl. auch treubund).
112052 Zeichen · 2343 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. * rekonstr.
    Indoeuropäisch
    trē̆u

    Idg. Etym. Wb. (Pokorny)

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    treu

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    treu- , treuw- s. triu-, triuw-.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Treu

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Treu , -er, -este, adj. et adv. ein in verschiedenen Bedeutungen übliches Wort, wofür auch getreu gebraucht wird, ohne d…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    treu

    Goethe-Wörterbuch

    treu [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Treu

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Treu , Georg , Kunstgelehrter, geb. 29. (16.) März 1843 in St. Petersburg, besuchte die Universitäten Dorpat und Berlin,…

  6. modern
    Dialekt
    treu

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    treu Band 4, Spalte 4,458

  7. Sprichwörter
    Treu

    Wander (Sprichwörter)

    Treu 1. Bleib trew vnd wenn dich der Hunger frisst. – Petri, II, 47. 2. Drew von herczen ist wilbret. – Sallet, Sinnsprü…

  8. Spezial
    treu

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    treu I adj. 1 (beständig in Liebe) fedel (-ei, -a) 2 (zuverlässig) de parora 3 (redlich) leal (leai, -a), sinzier (-s, -…

Verweisungsnetz

49 Knoten, 44 Kanten

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit treu

545 Bildungen · 421 Erstglied · 110 Zweitglied · 14 Ableitungen

treu‑ als Erstglied (30 von 421)

Treu'gabnehmer

DRW

Treu'gabnehmer, m. Fideikommissar, Treubefehlshaber auch mag ainem leibmenschen durch glaubbeuelh freihait werden gegeben: namblich, das der…

Treu'gehalter

DRW

Treu'gehalter, m. Fideikommissar, Treubefehlshaber bdv.: Treuhälter (III) ob ainer als erb in geschäft eingesezt und ime bevolhen wierdet, d…

Treugeld

SHW

Treu-geld Band 1, Spalte 1723-1724

treuherzig

SHW

treu-herzig Band 1, Spalte 1723-1724

Treuhälter

SHW

Treu-hälter Band 1, Spalte 1723-1724

treulos

SHW

treu-los Band 1, Spalte 1725-1726

Treuring

SHW

Treu-ring Band 1, Spalte 1725-1726

Treubefehl

DRW

treu·befehl

Treubefehl, m. Fideikommiss; Verpflichtung des Erblassers an einen Erben oder sonstigen aus dem Nachlass Bedachten, die Erbschaft teils oder…

Treubefehlshaber

DRW

treubefehl·s·haber

Treubefehlshaber, m. Fideikommissar; jmd., der von einem Erblasser (testamentarisch oder durch sonstige Verfügung) dahingehend bedacht ist, …

treubefestigt

DWB

treu·befestigt

treubefestigt , part. adj. : den es ist gewüs, dasz eine träubefästigte libe die härzen, ih weiter si dem leibe nahch von einander getrännet…

treubeflissen

DWB

treu·beflissen

treubeflissen , adj. u. adv. , erst seit dem 18. jh.: zu allen diensten treubeflissen omnium officiorum observantissimus Steinbach (1734) 1,…

treubefohlen

DWB

treubefohlen , part. adj. : trüwbefolhne erbschafft fidei commissum Frisius-Colinus 369 ; Maaler 410 d . —

treubefunden

DWB

treubefunden , part. adj. : der ( bediente ) war ein schlauer alter treubefundener hausverwalter Kortum Jobsiade (1799) 1, 104 .

treubegriff

DWB

treu·begriff

treubegriff , m. : wahrscheinlich hat er ( Göthe ) damals dem herzog geraten, nach einer etwaigen niederlage nicht in übertriebenem treuebeg…

treubehändigt

DWB

treubehändigt part. adj. mehr occasionellen charakters, vgl. DWB treue hand und treuhänder: treubehendigter depositarius Schottel teutsche h…

treubeharrlich

DWB

treu·beharrlich

treubeharrlich , adj. u. adv. : und müszte ich nicht zugleich jenes cirkels neu erworbener ... freunde gedenken, auch so manches andern häus…

treubeharrlichkeit

DWB

treubeharrlich·keit

treubeharrlichkeit , f. : wollte sie alle mit solcher freiheit begaben, dasz sie durch eine freiwillige, unaufgedrungene, ungenöthigte treub…

treubelohnt

DWB

treubelohnt , part. adj. : glücklich ... der in holderregter stille morgens schon im abend lebt, dessen treubelohnter wille nichts mehr zu e…

treubeschworen

DWB

treu·beschworen

treubeschworen , part. adj. : bei ihrem ( der freunde ) wohl sich glücklich schätzen heischt ja der treubeschworne bund Schwabe belustigunge…

treubesorgt

DWB

treu·besorgt

treubesorgt , adj. , das seinen participialen charakter ganz eingebüszt hat: sein treubesorgter meister Hegner ges. schr. 5, 64 ; frau von S…

treubeständig

DWB

treu·bestaendig

treubeständig , adj. , eine im 17. jh. sehr beliebte zusammenfügung, die nur gelegentlich noch ins 18. jh. hineinreicht und heute ungebräuch…

treubewährt

DWB

treu·bewaehrt

treubewährt , part. adj. : ( herzog Ernst ) nam mit im grafen Wezilo und ettlich streitber kon und trewbewert ritter und kam ... zuo den cla…

treu als Zweitglied (30 von 110)

allgetreu

DWB

all·getreu

allgetreu : mich kann allein ihr süszer sold an allgetreue dienste binden. Bürger 18 a ; du allgetreue. Fr. Müller 1, 354 .

arbeitstreu

GWB

arbeit·streu

arbeitstreu [ Prometh: ] aller Fleiß .. | Ist morgendlich .. | Deßwegen ich der Abendasche heil’gen Schatz .. früh zu neuem Gluthtrieb aufge…

bergmannstreu

DWB

bergmann·streu

bergmannstreu , f. eryngium amethistinum. vgl. die bildungen ähnlicher pflanzennamen mannstreu und meermannstreu.

Bettstreu

PfWB

bett·streu

Bett-streu f. : ' die über das geordnete Bett gebreitete Paradedecke ', Bettstraa (-šdrā) [ KL-Pörrb ], -strau (-šdrau) [Pirmas]. — Das Grun…

bibeltreu

RDWB1

bibel·treu

bibeltreu (Lakune) bibeltreue Christen - соблюдащие Библию христиане; христиане, живущие по Библии

Bühnstreu

RhWB

buh·n·streu

Bühn-streu bynštrø·y., Pl. -ən Bergh-Kirchherten , MGladb-Giesenk f.: Balken, auf denen die Bretter festgenagelt werden.

Dachstreu

RhWBN

dachs·treu

Dach-streu (s. Streu II im Wb) Rheydt , MGladb-Rheind , Kemp-Amern , Geld-Wachtendonk m.: das waagerechte Gebälk des Dachstuhls.

dankbartreu

GWB

dankbar·treu

dankbar-treu meiner dankbar-treuen Anhänglichkeit .. versichert zu seyn GWB B38,99,2 MBoisserée 30.3.24 → GWB un- GWB ausgezeichnet-dankbar …

ehrentreu

DWB2

ehren·treu

ehrentreu adj. ehren-: 1573 Fronsperger kriegßb. ( 1566 ) 3,64 b . 1807 F. Schlegel I 5,361 B.

EINSTREU

DWB2

eins·treu

DWB2 EINSTREU f. DWB2 abl. von einstreuen vb. 1. das als lager für tiere in den stall hineingestreute stroh u. dgl.: DWB2 z.j.1715 wegen jäh…

einzigtreu

GWB

einzig·treu

einzig-treu einmal Getrenntschr [ Rosa zu Valerio: ] Ja, ich erkenne nun | Dein treues, einzig-treues Herz GWB 11,288 ErwElm 2 14 GWB 2,106 …

erdstreu

DWB

erd·streu

erdstreu , f. stramentum, laublager: wo er, hin am boden gestreckt auf niedriger erdstreu lag, der grosze kentaur. Orfeus der Argonaut 394 .

feldmannstreu

DWB

feldmann·streu

feldmannstreu , f. eryngium campestre. feld ist hier mit mannstreu, nicht feldmann mit treu zusammengesetzt, daher die betonung feldmánnstre…

felsentreu

DWB

felsen·treu

felsentreu , o glück der felsentreuen brust die ein geliebtes an sich drücket. Rückert 88 .

formtreu

RDWB1

form·treu

formtreu (Lakune) неизменной формы, сохраняющий форму

freundlichtreu

GWB

freundlich·treu

freundlich-treu freundlich-treue Gesinnungen GWB B40,154,17 Akad Jena 24.11.25 GWB B43,237,2 Leonhard 12.1.28 uö Armin Giese A. G.

getreu

DWB

getreu , adj. ältere bildung, der sich das synonyme treu ( s. d. ) erst mit den anfängen der neuhochdeutschen periode entgegenstellt. das er…

gewissenstreu

DWB

gewissen·streu

gewissenstreu , gewissenstreue , composita, die, so nahe sie an und für sich lagen, doch wenig belegt sind; 1 1) wir fordern deine berührte …

glaubenstreu

DWB

glauben·streu

glaubenstreu , adj. , zu glaube I A 1: gelobet sey mein schatz, der durch sein blut und wunden auff glaubenstreue pflicht sich selbst mit mi…

göttlichtreu

DWB

goettlich·treu

göttlichtreu , adj. : willkommen, göttlichtreuer hirt! fast war dein lamm verloren: du führtest es zurück Kretschmann s. w. (1784) 2, 121 . …

goldtreu

DWB

gold·treu

goldtreu , adj. , ' treu wie gold ', als starke steigerung empfunden, vgl. DWB gold II B 2, sp. 705: Rudolf Boie war ein mann von weitumfass…

Ableitungen von treu (14 von 14)

betreuen

Pfeifer_etym

treu Adj. ‘unveränderlich fest (in der Gesinnung), anhänglich, zuverlässig’. Der ja/jō-Stamm ahd. (8. Jh.), asächs. triuwi, mhd. triuwe ‘tre…

betreuung

DWB

betreuung , f. im vierten buch ist beschrieben, wie der weinbau recht anzustellen, zu pflanzen, zu warten, neu anzulegen, mit gehöriger betr…

getreu

DWB

getreu , adj. ältere bildung, der sich das synonyme treu ( s. d. ) erst mit den anfängen der neuhochdeutschen periode entgegenstellt. das er…

getreue

DWB

getreue , f. fides. veraltete verstärkte bildung zum fem. treue ( s. d. ) ; althochdeutsch vereinzelt getriwa Graff 5, 468 . die mittelhochd…

getreuen

DWB

getreuen , verb. nebenform zu getrauen ( s. oben sp. 4429). der umlaut erklärt sich hier wol nicht aus unmittelbarer ableitung des verbums v…

getreulich

DWB

getreulich , adjectiv und adverb. die adjectivische verwendung blieb freilich immer vereinzelt und ist in neuerer zeit auf ausnahmefälle bes…

Mißtreue

Adelung

* Die Mißtreue , plur. car. die Untreue, der Mangel der Treue; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch bey dem Opitz vorkommt…

treue

DWB

treue , f. , fides, fidelitas, fiducia, confidentia, dictorum factorumque constantia, benignitas, pietas u. ä.; in früheren sprachstufen auc…

untreu

DWB

untreu , adj. adv. , gs. zu treu ( s. d. ). got. untriggws; an. útrúr, útryggr; dän. utro, utryg; schwed. otro, otrogen, otrygger; ags. untr…

untreue

DWB

untreue , f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriu…

untreuen

DWB

untreuen , veraltetes v.; mhd. untriuwen, mnd. untruwen, beide in der bed. untreu werden; mnl. ontrouwen misztrauen. untreu werden : so weis…

untreulich

DWB

untreulich , adj. adv. , gs. zu treulich; vgl. DWB untreu , DWB untreuisch , DWB ungetreulich . ags. untreówlice; engl. untruly; an. útrúlig…

vertreuen

DWB

vertreuen , v. , s. vertrauen.