treue,
f. ,
fides, fidelitas, fiducia, confidentia, dictorum factorumque constantia, benignitas, pietas u. ä.; in früheren sprachstufen auch pactum, foedus. verbreitung und form. gemeingermanisches wort: got. triggwa
διαθήκη;
runisch vgl. Norreen
altisl. gramm. § 380;
nordisch doppelte bildung: mit dentalsuffix tryggð (
vorwiegend als plural trygðir) '
treue, sicherheit auf grund eines vertrages, vertrautes verhältnis, auch busze' (Neckel
gloss. z. edda 172),
daneben trúa
als ôn-
stamm und trú
als reiner ô-
stamm, meist im religiösen sinn '
glaube, versicherung',
schwed. trô,
norw. trû '
glaube' (
für '
treue' trohet, truhet);
im englischen dreifache bildung: 1)
ags. treowþ, triewþ, trýwþ '
treue, vertrauen, wahrheit, ehre, übereinkunft'
u. ä. >
mittelengl. trewthe, trouthe >
neuengl. truth '
wahrheit, treue'
u. ä. oder mittelengl. trowþþe >
neuengl. troth '
treuschwur, verlobung', 2) tréow '
treuversprechen, übereinkunft' (
vgl. Wissmann
nom. postv. 118) >
mittelengl. treowe, trewe (Chaucer), truwe (Langland),
aus dessen plural sich durch contraction neuengl. truce '
waffenstillstand, ruhe'
entwickelt, 3)
mit anderer ablautstufe ags. trûwa '
treue, glauben, vertrauen, wort'
u. ä. im kontinental-westgermanischen hat sich nur der wô-
stamm lebendig erhalten (
blosz ahd. noch vereinzelt in kompositis die ida-
bildung s. Graff 5, 468):
altfries. triûwe, triowe, treuwe, trowe
bzw. -a '
treue, versprechen, übereinkunft, verlöbnis',
altwestfries. trouwe, trowe
bzw. -a (
genaueres s. Siebs
in Paul
grundrisz 1
2, 1236
f.);
mittelniederländ. truwe (= trwe
s. Franck § 62), trouwe (
näheres s. J. te Winkel
in Paul
grundrisz 1
2, 828
und Verwijs-Verdam 8, 734/39) >
holländ. trouw '
treue' (
vgl. auch 5trau
th. 11, 1
1 sp. 1284);
altsächs. (
meist im plural) trewa (= treuwa) '
treue' (
Heliand), treuwa '
frieden' (
genesis 73);
mittelnd. truwe (
ältester beleg i. d. glossae Herradinae Steinmeyer 4, 417, 55)
und trouwe (
nach Sarauw
niederdtsch. forsch. 1, 254
über *tröuwe
entstanden);
letztere form gehört dem westen an, s. Agathe Lasch § 196;
das übergangsgebiet liegt bei Münster, wo in der Münsterer chronik 2, 375
beide formen im selben satz nebeneinander begegnen. althd. triuwa,
fränkisch (Williram)
und später zuweilen bairisch (
s. Weinhold bair. gramm. § 60)
auch trûwa (
aber der Tatian stimmt zum altsächsischen: Gutmacher Paul
u. Braune
beitr. 39, 269
f.; oben sp. 245
ist ein auf Graff
beruhender irrtum stehen geblieben: gitriuwi,
nicht gitrûwi
im Tatian);
mhd. triuwe,
mitteldeutsch auch trûwe;
gelegentlich erscheint einsilbig triu (
z. b. Gundacker v. Judenburg 4427)
bzw. trû (
Alsfelder passionssp. 22
Grein),
aber nicht häufig, da in den obliquen kasus immer wieder das verlangen nach hiatdeckung sich einstellt. auf der andern seite ist durch einen weit verbreiteten orthographischen gebrauch das u
vor dem w
ausgefallen, so dasz die hss. des 13.
und 14.
jh. sehr häufig die form triwe
zeigen, ohne dasz dies indessen besondere lautliche schlüsse erlaubte. ein doppeltes zentrum für die diphthongierte form trouwe
läszt sich bereits in mhd. zeit erkennen: das mittelfränkische und, in geringerer stärke, das bairische. im nordwesten ragt die westniederdeutsche und holländische form tief ins hochdeutsche gebiet hinein rheinaufwärts (
beispiele Weinhold
2 § 133);
davon unabhängig erscheint im bairischen iu
oft als ou,
z. b. Biterolf 1720. 7150. 10500;
Virginal 856, 3; Heinrich v. Neustadt
Apoll. v. Tyrus 19509
Singer; fastnachtsp. 408, 6
Keller (
grosz. Neidhartsp.).
es ist unsicher, ob wir hier mit früher diphthongierung aus û
zu rechnen haben, das immerhin in altbairischen denkmälern nicht ganz selten vor w
für iu
erscheint, oder nicht vielmehr mit ablautwechsel, also doppelbildung wie etwa bei biuwen: bouwen,
zumal neben ou (
beispiele Weinhold
bair. gramm. s. 102)
auch au
schon häufig auftritt (
ebda s. 76).
dem entspricht es, dasz triuwe
und trouwe
sogar dicht nebeneinander erscheinen: von ir hân ich in trouwen und einem künege widerseit. des spotten die risen allesamt: ez wart in sît an triuwen leit
Virginal 506, 10
u. 13
Zupitza. zu diesem bairischen ou
gehören auch die in Böhmen begegnenden belege (
s. Jelinek 723).
die neue diphthongierung > eu (ew)
tritt verhältnismäszig spät auf; gerade in den beiden worten triuwe
und vriunt
mit ihren unechten diphthongen hat der schreibgebrauch dem neuen laut hartnäckig widerstand geleistet (
s. Weinhold
bair. gramm. s. 88).
die als frühester beleg begegnende stelle der Milstäter hs. (
vom recht 8, 18
Waag) treuwe: bûwen
dürfte als ou : ou-
reim zu interpretieren sein. mit eintritt der nhd. diphthongierung tritt zu den beiden ou (au)-
gebieten das mitteldeutsche gebiet hinzu, das iu > û
eingeebnet hatte und nun von der diphthongierung erfaszt wird; hier begegnet also meist trau(we);
auch bei Luther
überwiegen die trau (traw)-
belege (
s. 6, 215
W.; 7, 215, 6. 32; 10, 1
1, 37. 242; 10, 3, 87; 19, 565; 28, 5;
versch. formen nebeneinander: 10, 2, 390, 3,
aber 5; 6, 209);
vgl. auch trauen,
subst., th. 11, 1
1,
sp. 1353.
diese form hält sich in der mitteldeutschen schriftsprache und darüber hinaus bis ins ende des 16.
jh. (
vgl. Moser
s. 212),
bis die treu (trew)-
form sich durchsetzt, z. b. Maternus Steyndorffer
comedia u. s. w. zeitschr.
f. dtsch. alt. 36, 231 (
geb. in Erfurt); Laurentius Albertus
gramm. 126. 127 (
Ostfranke); Kirchhof
wendunmuth 1, 40 (
Kassel-Marburg); Ernst von Sachsen
bei Steinhausen
privatbr. 1, 224; Burkard Waldis
Esop 1, 46
Kurz; Weimarer arch. bei Diefenbach-Wülcker
hd.-nd. 877; Eschenloer
gesch. d. stadt Breslau 1, 346.
darüber hinaus begegnet im frühnhd. die au-
form ohne lautgeschichtliche fundierung auch bei autoren und druckern anderer gebiete, zumal im alemannischen und speciell schwäbischen, z. b. Bezold
thes. pract. (1697/99) 2, 584
b; Marcus Tatius
z. troj. krieg (1530) 3
b; Geiler v. Keisersberg
sünden des munds (1518) 72
a; Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 123
1;
Amadis 319;
anderes s. Fischer 2, 326.
diese fälle nur aus anlehnung an das verb zu erklären, wie es Moser
s. 213
tut, scheint miszlich; richtiger dürfte man darin wie auch in dem sonstigen durcheinander verschiedener formen die wirkung sich kreuzender schriftsprachlicher tendenzen sehen, zumal das formelhafte traw und glauben
die hauptmasse der belege stellt: wenn bei einem mann wie Hutten
beides nebeneinander begegnet (traw 1, 414; 3, 534; trew 1, 399),
ebenso bei Seb. Franck
das nebeneinander gar nicht mehr als doppelform desselben wortes empfunden wird: in dem kein trew, traw, lieb noch erbarkeit sey
weltb. (1534) 39
b,
wenn der Ulmer Emser
in seinen streitschriften gegen Luther, die er ja z. t. auch in Wittenberg drucken läszt, ebenso wie sein gegner die traw-
form gebraucht (1, 26; 96; 97; 2, 5
ndr.),
so haben wir es hier mit entlehnungen, nicht mit mundartlich bodenständigen lautformen zu tun. auch Hans Sachs
hat traw
und trew.
das bild, das die modernen mundarten ergeben, ist bei dem ungleichen stande der forschung in den deutschen ländern sehr unvollständig. dazu kommt, dasz das wort treue
kein lebendiges dialektwort ist, sondern schon infolge seiner auf das ethische, gnomische, pädagogische weisenden bedeutung mehr in der bildungssprache sein eigentliches dasein hat und ihm (
mehr noch als dem abgeschliffeneren adjectiv)
etwas gehobenes anhaftet. wir haben also fast überall auch mit der hochdeutschen lautform zu rechnen. das niederdeutsche hat überwiegend trûwe;
daneben trouwe Kramer
hd.-nd. (1719) 402
b; troue
brem.-niedersächs. 5, 114; trau, trov Stürenberg
ostfries. (nd.) 288; trôe, traue Doornkaat-Koolman 3, 436.
im westen ist die diphthongierung z. t. etwas zurückgegangen: vgl. trouwe > truwe Schönhoff
Emsländ. gramm. 73;
in Mecklenburg neu eingetreten: trouwe Nerger § 141.
einsilbig: trû Flemes
Kalenberg 371, tröü Leithäuser
Barmen 160, treu Ravenhagen
Aachen 148.
auch mit g
als hiatkonsonant: Chr. Falk
Elb.-preusz. chron. bei Toeppen, Preusz. gesch.-schr. d. 16.
u. 17.
jh. 4, 155;
mit j: truje Dähnert
plattdtsch. wb. (
Pommern-Rügen) 496;
ebda auch trüwe;
verkürzt trüwwe Strodtmann
Osnabrück 252.
gutturale spirans im hiat zeigt das Waldecksche: trygə Martin
wb. der ma. von Rhoden 278,
und Lippesche: trugə Böger
Schwalenberg 166.
ohne hiatkonsonans: treoe Frederking
Hahlen b. Minden 32, triue Deiter
Hastenbeck 151.
mitteldeutsch trüe Schambach
Göttingen 235, traue Giebelhausen
alt. Mansfelder 101
s. Jecht
Mansfeld 113; troi Meiche
kirchf. Sebnitz § 122;
s. Müller-Fraureuth 1, 248.
alemannisch trüw
Zürch. bibel (1531) 4.
Esdr. cap. 6; Zwingli
dtsch. schr. 1, 330; Judas Nazarei 23
Kück; trúw Murner
an den adel 52
ndr.; gäuchmatt v. 713; trǖ Stucki
mundart von Jaun (kant. Freiburg Schw.) 88;
begegnet sich mit der niederdtsch. form trûwe Closener 143,
s. Schmidt
hist. wb. d. Els. ma. 363.
in hss. des 14.
und 15.
jh. (
nicht in drucken auszer Ecks bibel)
begegnet im schwäbischen trui (Moser
s. 210/11).
im bairischen hat sich normal iuw > oi
entwickelt s. Lessiak
ma. v. Pernegg § 75 (Paul Braune
beitr. 28, 83);
das Tirolische kennt trui Schöpf 761.
in vielen gebieten begegnet entrundung > ai, ei:
z. b. Blumer
sammlg. ma. licher wörter u. redensaa. d. nordwestböhm. maa. 31; Jakob
Wien 195
u. 171; Gebhardt
Nürnberg 49; Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 248; Follmann
lothr. 101; Meisinger
Rappenau 204; Heilig
Taubergrund § 106,
a. 2; Lenz
Handschuhsheim 72; Lambert
Pennsylvania germ.-dial. (
rheinpfälzisch) 152.
rein graphische bedeutung hat die im 16.
und 17.
jh. überwiegende schreibform trew
bzw. trewe,
während die form treüw,
die Frisius (
dieser neben trüw)
und Maaler
haben, und die auch im 16.
jh. sonst noch gelegentlich begegnet, das allmähliche verklingen der spirans dokumentiert. auch trw
begegnet: granatapfel (1510) g 6
a. trwe Arigo
dec. 118
Keller dürfte als truwe
oder trúwe
aufzulösen sein. Zesen
schreibt trAeue,
z. b. hochd. hel. (1656) 1, 221.
in neuerer zeit ist der gebrauch der einsilbigen form von rhythmischen bedingungen abhängig: treu erzeigen Simon Dach
s. u. sp. 302; sie singen von lenz und liebe, von selger goldner zeit, von freiheit, männerwürde, von treu und heiligkeit Uhland
ged. 1, 307; du (
tannenbaum) sahst so gar ernsthaftig zu, als er mir treu versprach; sprich, sag mir doch, was denkest du: dasz er mir treue brach Cl. Brentano
ges. schr. (1852
ff.) 2, 105.
in bestimmten formeln ist die einsilbigkeit fest geworden: auf meine treu
im gegensatz zu auf die treue mein; meiner treu,
aber bei meiner treu
und bei meiner treue;
auch in doppelcompositis ist die neigung zur kürzung deutlich spürbar: liebesuntreu Röthe
Göthe (1932) 22.
sonst ist die einsilbige form, die noch Kramer
gleichwertig neben der zweisilbigen notiert (2, 1139
c),
in der prosa selten, z. b. Haller
Usong (1771) 210.
gelegentliche r-
metathese bzw. sproszvokalentwicklung s. Wilh. Grimm
kl. schr. 3, 491.
im anlaut begegnet, von 3
belegen für dr-,
das die lenis bezeichnet (
vgl. Schatz ahd. gramm. 123),
bei Otfried
abgesehen, in älterer zeit dr-
äuszerst selten: einmal bei Notker 2, 107
Piper; dann Mone
schausp. d. mittelalters 1, 127 (
v. j. 1313); Heinrich v. Neustadt
gottes zuk. 3945
Singer (
in unmittelbarer nachbarschaft neben truwe).
neuere mundartliche entwicklung zur media bzw. lenis ist häufiger bezeugt: Jakob
Wien 195
u. 171; Seiler
Basel 84; Crecelius
Oberhessen 296; Heilig
Taubergrund § 106,
a. 2. —
rein graphische bedeutung hat threw Joh. Bugenhagen
Braunschw. kirchenordnung (1531) Y 2
und threu J. A. v. Brandis (
um 1600)
gesch. d. landeshauptleute v. Tirol (1850) 50.
besonderheiten der flexion: das mhd. und frühnhd. kennt (
in eingeschränktem umfang)
auch die schwache flexion. beispiele fürs mhd. s. Weinhold
2 500; mit vnterthänigster trewen
acta publ. verh. d. schles. fürst. u. stände 1, 61
Palm; mit allem fleisz und treuen (
ev. pl.) Luther
Erl. ausg. 44, 224; hielten dem kaiser trauen nach alter deutscher art
bei Opel-Cohn 75. —
auffällig ist der in vielen germanischen dialekten weit verbreitete gebrauch des plurals; schon nordisch, angelsächs., altsächs., althochd. überwiegt er oder ist er doch häufig, auch für sing. der lat. vorlage, z. b. Isidor 37
Weinhold, Notker 1, 124
Piper. im mhd. kommt dem noch die allgemeine vorliebe für den gebrauch des plurals bei abstracten entgegen. beispiele s. gramm. 4
2, 341
f. im nhd. ist die erscheinung wieder im rückgang, hält sich aber in formeln (in treuen)
und bleibt mit archaischem beigeschmack bis heute lebendig: er ist ein held von deutschem stamm, ein held von ächten treuen E.
M. Arndt 3, 333
Rösch-Meisner; gieb, dasz ich stets voll reiner triebe mich gern in kleinen treuen übe
gesangbuch der evang. brüdergem. Gnadau (1893) 377.
die verbreitung des wortes (
vgl. dazu das oben gesagte)
ist in den deutschen mundarten keineswegs gleichmäszig; öfter fehlt es in den wörterbüchern, gelegentlich wird es als nicht häufig bezeichnet, z. b. Meisinger
Rappenau, Lexer
Kärnten 70;
oft erscheint als ersatz treuheit: Crecelius
Oberhess. 296; Schöner
Eschenrod (Oberhess.) 114; Jensen
Wiedingharde; Möller
Sylter wb. 278. —
über entlehnung ins mittellateinische und romanische s. u. I 1.
herkunft und verwandtschaft s.treu sp. 244.
bedeutung und gebrauch. das wort hat, ehe es uns in deutschen sprachdenkmälern literarisch vor augen tritt, schon den ersten abschnitt seiner bedeutungsgeschichte hinter sich. aus der bedeutung des got. triggwa,
des nord. tryggð,
des ags. tréow
und des mittellat. lehnworts treuga (
s. u.),
schlieszlich auch noch aus einigen ahd. restglossen 1, 153, 31
u. 1, 3, 20 (
vgl. Wissmann
nom. postverb. 118):
foedus uuara
vel triuua
bzw. absque foedere anu triuua
vel uuara;
foederis treuuua 2, 585, 70 (
vgl. auch 1, 153, 37; 296, 2; 2, 580, 18
und pactum treuuua
zs. f. dtsch. wortf. 14, 177)
können wir ziemlich eindeutig auf eine concrete grundbedeutung in vorliterarischer zeit schlieszen, die auch zu der etymologie gut stimmt: gegenseitige feste abmachung oder vertrag auf grund eines treuversprechens, vielleicht geradezu '
bündnis'
oder '
friede' (
dessen grundbedeutung ja durch die wurzel *pri '
lieben', '
schonen'
anders bestimmt ist).
die bedeutungsentwicklung hat sich also, grob gesehen, von dem begriff einer concreten handlung zu dem abstracteren des verhaltens, schlieszlich des wesens eines menschen entwickelt, und neben den relativen gebrauch tritt, zumal im mhd., als immer entscheidender die verwendung des wortes als eines allgemeinen wie speciellen tugendbegriffs. vorher aber übernimmt das wort (
nicht nur im deutschen)
noch in anlehnung an die ältere concretere bedeutung in geistlicher sphäre eine besondere funktion, die bis zu Luther hin lebendig bleibt: es tritt neben glaube
auf das gleiche '
wortfeld'.
schon das got. triggwa
hat den entsprechenden religiösen einschlag; denn der sinn von διαθήκη hat sich im griechischen des neuen testaments gegenüber dem klassischen griechisch unter dem einflusz des hebr. berith
von '
testament, vertrag'
zu der speciell geistlichen bedeutung '
bund oder stiftung zwischen gott und den menschen'
gewandelt (
vgl. dtsch. litztg. 54, 1634
und die dort zit. unters. v. Lohmeyer
u. Behn).
im althochd. ist das wort ganz in den geistlichen bereich gerückt, manchmal bis zu scheinbarer synonymität mit galauba
und galaubo,
zunächst aber wohl von der bedeutung '
bund zwischen gott und menschen'
ausgehend und im gegensatz zu glaube
ebenso oft von gottes wie von der menschen fides gebraucht, wobei denn die älteste und lebendigste anwendung des wortes im weltlichen bereich, die gegenseitige mannentreue und später lehnstreue, bildhaft hineinwirkte (
vgl. Heliand).
die erst frühnhd. auftauchende in andere bedeutungskanäle eingemündete feste verbindung treu und glauben
dürfte schon hier ihren ursprung haben. in mhd. zeit erfährt das wort die gröszte fülle und ausweitung an bedeutungen und verwendungen dadurch, dasz es zu einem kernbegriff im ritterlichen tugendsystem wird, ja geradezu das höfische standesideal im ganzen umschreibt. auch hier bewahrt übrigens das wort durchaus etwas von dem ihm zugewachsenen religiösen gehalt, auch wenn sein gebrauch nun neben dem allgemein umfassenden inbegriff männlicher und weiblicher tugend die ganze buntheit specieller bedeutungen aufweist: '
mannheit, tapferkeit, ehrgefühl, standhaftigkeit, ritterlichkeit; liebe, güte, freundschaft, hingebung, ehrfurcht, dankbarkeit; freigebigkeit, barmherzigkeit, milde, gemeinsinn; vertrauen, pietät, verschwiegenheit, schamhaftigkeit; gottesfurcht, demut'
u. v. a. (
für eine reihe dieser bedeutungen, besonders den gebrauch des wortes in der minnedichtung, und die sinnabgrenzung gegen stæte
vgl. Vera Vollmer
diss. Tübingen 1914.)
daneben wuchert jedoch schon formelhafter vielgebrauch zumal in präpos. verbindungen, wobei die betonung des schweren ethischen sinngehalts und die neigung zu verflachten, abgeschwächten flickwendungen merkwürdig dicht nebeneinander gehen, oft schwer zu scheiden sind (
vgl. etwa die typische reimformel triuwe : riuwe
bei den das wort sonst besonders vertiefenden klassikern Hartmann, Gottfried
und Wolfram,
s. zs. f. d. a. 51, 115
ff.; 56, 204
f.).
nhd. bleibt ein teil dieser anwendungen und bedeutungen (
besonders der relative gebrauch)
voll erhalten, auch als allgemeiner tugendbegriff kann das wort noch dienen: so ist seit dem reformationszeitalter die treue (
ohne specielle bedeutungseinengung)
zur eigentlichen nationaltugend des deutschen volkes erhoben. sonst jedoch verengt sich überall merklich die bedeutung, und der begriff des stäten, festen, dauernden, bleibenden, ausharrenden erhält in jedem einzelfall das übergewicht; vor allem übernehmen schon im ausgehenden mittelalter andere specialbezeichnungen einen groszen teil des speciellen anwendungsbereichs. doch geht mit der einschränkung des vielgebrauchs auch der formelgebrauch z. t. zurück. im gegensatz zum adjectiv ist die abschwächung zu ethisch neutraler bedeutung (
genauigkeit, pünktlichkeit, regelmäszigkeit u. ä.)
nicht sehr ausgedehnt; das substantiv bewahrt im allgemeinen ungebrochen seine ethische schwere, wie sich denn überhaupt der ganze innere reichtum und die tiefe der deutschen seele in diesem worte spiegelt. II.
nachwirkung der alten concreten bedeutung '
vertrag'. I@11)
in der bedeutung '
vertrag, waffenstillstand, friede'
ist das wort, wahrscheinlich aus der ostgermanischen mediaform, als treuga
ins mittellateinische entlehnt worden (
vgl. die treuga dei)
und (
von dort?)
ins ital., prov., span. (tregua),
port. (tregoa)
übergegangen (
doch vgl. Meyer-Lübke
rom. et. wb.3 742).
die altfrz. form (12.
jh.) trieve, triue
u. ä. >
neufrz. trève '
waffenstillstand'
scheint auf die westgermanische form zurückzugehen. belege für treuga
z. b. in den leges Langobard. die mittellat. form ist dann wieder gelegentlich als fremdwort zurückgekommen: Kilianus,
der als Niederländer 'treue'
als trowe (troue)
aufnimmt (
s. 568),
notiert unter '
fremdwörter'
s. 724
b 'treue (
vulg. treuga)
induciae'. I@22) thoh uuillik thi friðu settean tôgean sulic têkean,sô thu an treuuua maht uuesan an thesero uuerolde, thoh thu is uuirðic ni sîs (
geschützt, nicht friedlos sein; vgl. anz. f. dtsch. alt. 21, 205)
altsächs. genesis 73; und daz man an den triuwen (
während des waffenstillstands) den keiser Otten wolte slahen Konrad v. Würzburg
Heinr. v. Kempt. 572;
vgl. zs. f. dtsch. alt. 48, 370.
wahrscheinlich gehören hierher auch mehrere belege aus dem Wigalois, obwohl die zufügung des epithetons eine andere erklärung ermöglicht: dô mir der ungetriuwe man in guoten triuwen angewan (
mitten im frieden) mînen lîp und daz lant 4720; an guoten triuwen er mich ersluoc (
dass.) 4832;
ähnlich 6070;
auch niederdeutsch ist die concrete bedeutung erhalten: dem godeshuse wart Sandowe in guden truwen (
in friedenszeiten) afgewunnen
Magdeb. schöppenchron. 343, 26; 345, 2
s. Schiller-Lübben 4, 621; de van Col. wurden binnen truwen vil grot bedroghen
Lüb. chron. 1, 168,
vgl. ebda; doch scheint die wendung in guoten triuwen
oft doppeldeutig: chom chunich Philipps gen Babenberch und slug in der pfallentzgraf von Vitlinspach in guoten triwen (
ohne ihm abgesagt zu haben, '
hinterlistig'
oder: während Ph. arglos war)
chron. bis 1314
cgm 55,
f. 65
s. Schmellerfr. 1, 638;
ähnlich binnen guden trouwen
Lüb. chron. 1, 45,
s. Schiller-Lübben 4, 621.
hier berühren sich mit der alten bedeutung jüngere anwendungen. letzter lexikalischer beleg trüwe
fedus voc. Straszburg (1515) c iii
b Hüpfuff. I@33)
noch in anderer beziehung flieszt eine anwendung des wortes mit der alten bedeutung zusammen: in der bedeutung '
wort, versprechen, eid' (
s. unten VI)
kann mhd. triuwe
in ganz prägnantem sinne von '
unterwerfung, sicherheit'
gebraucht werden (
wie auch mittellat. treuga): daz leister durch triuwe (
weil er sich unterworfen hatte)
Parzival 45, 5; vil werder hêrren, die er lie ûf gelübde ir triuwe (
urfehde, unterwerfung) Ulrich von Eschenbach
Alexander 21947. IIII. treue
im geistlichen bereich: verhältnis zwischen gott und den menschen. deutlich gegenseitig: (
die seele spricht:) o herr, du bist min, so bin ich din die trúw sol iemer stät sin (
unser bund)
Christus u. die minnende seele 2050
Banz. II@11)
gott als subject (
allmählich in immer weiterem sinne von liebe, güte, treue, sorge u. ä.): inti forliezut thiu dar heuigerun sint euua, duom inti miltida inti treuuua inti gotes minna (
iudicium et misericordiam et fidem et caritatem dei)
Tatian 141, 17; (
gottes) treuua sind so goda gumono gehuilicumu
Heliand 2489; alliu sine uuerh sint in drîuuo (
in fide) Notker 2, 107
Piper; án demo dínge scînet sîn triûua
ebda; swer mit der riuwe besuochet gotes triuwe, dem nâhent wârlîche diu himelisken rîche frau Ava
Joh. 238
Piper; sît got selbe ein triuwe ist, dem was unmære ie falscher list
Parzival 462, 19; wâ wart ie hôher triwe schîn, dan die got durch uns begienc
Parzival 448, 10;
starker sozialer einschlag: sîn triwe der werlde ie helfe bôt
Parzival 119, 24;
ähnlich Willehalm 4, 27; 309, 14; dô vûgtez got zû einer zît durch trûwe (
in seiner gnade), als er noch hûte pflît, und sante sînen lîben geist durch guten willen allermeist
der sünden widerstreit 3013
Zeidler; gotlîche triuwe
Parzival 466, 12; wie got auss grossen trewen geordnet hat alle ding Joh. Tauler
sermones (1508)
reg. I
b b; gottes trew geht nichts ab Paracelsus 1, 37 b
Huser. in neuerer zeit gern in verbindungen liebe und treue, güte und treue, treue und gnade
u. ä.: wie vill gott der herre dir lieb, vnnd trw bewysen hatt in jm selbs Keisersberg
granatapfel (1510) g 6
a; alle ... zu spren haben, die grosse gte und trewe unseres lieben gottes
F. Dedekind
papista conversus (1590) j 6
a;
ähnlich Happel
akad. roman (1690) 487; gott von groszer macht und treue B. Schmolcke
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 7; denn ich bin ein gott voll huld, voll langmuth, und an gnad und treue grosz Giseke
poet. werke (1767) 14; ein sehr barmherziger und treuer gott! der treu und güte hält auf tausend der geschlechter Herder 12, 36
Suphan; nur du, der überm sternenzelt das richtmasz aller dinge hält, du bist dir selbst geblieben gleich und aller treu und gnade reich Geibel 3, 32;
besonders beliebt in geistlicher dichtung: grosz ist, herr, deine trew das mercket jeder frey; Georg Werner
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 31; er (
gott) hitzt und brennt für gnad und treu Paul Gerhardt
ebda 3, 369
b; welt und satan stellten mir tausend netze voller plagen, aber herr, durch deine treu, bin ich aller plagen frey B. Neukirch
auserl. gedichte (1744) 58;
unter dem bilde der väterlichen treue: drum, liebes hertz, sey ohne scheu und sieh auf deines vaters treu P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 371
b; vnser ... got gezigt sich selbs in der ewigen warheit vnbetrieglichen an, nach vetterlicher, hertzlicher lieb, vnd trew, das wir ... vngezweifelt all vnnser vertrewen ... in jn allain setzen sollen J. Strausz
christenlich vnterricht (1523) A iij
b; es ist eitel gte vnd vAeterliche treue, was gott mit vns armen sndern macht vnd thut Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 1, c 2
a;
unter dem bilde des hirten Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 431
a;
von Christus: an Kriste ist triwe erkennet
Parzival 752, 30; (
Jesus) der sît durch uns vil scharfen tot ame kriuze mennischlîche empfieng und sîne triwe an uns begienc
Parzival 113, 22;
vgl. auch 465, 10; kein bessre treu auf erden ist als deine treu herr Jesu Christ W. Moller
ev. gesangbuch f. Brandenburg nr. 435; o du schönster meines herzen! nun erkenn ich deine treu B. Neukirch
auserl. ged. (1744) 46; noch steht in wunderbarem glanze der heilige geliebte hier, gerührt von seinem dornenkranze und seiner treue weinen wir Novaiis 1, 63
Minor; umschreibung für gott: da dich des himmels treu dein erstes stufenjahr ... erleben läszt Stoppe
Parnass (1735) 130. II@22)
die menschen als subject. in älterer zeit oft geradezu in der bedeutung '
glaube'.
lexikalisch: fides truwe glaub
gemma gemmarum 1508;
credo treu Calepinus (1598) 345
b;
auch in älteren bibelübersetzungen an stelle des späteren 'glaube': tochter, hab zuversicht, dein trewe hat dich gemacht behalten
codex Teplensis 11
Huttler (
Matth. 9, 22),
wo Luther später glaube
hat; lutzeler trew waz seit ir vorchtsam? (
Matth. 8, 26)
erste deutsche bibel 1, 30;
die Zainerdrucke haben: ir eins wenigen glauben =
ὀλιγόπιστοι; vgl. auch 1, 24; so huue so habad hluttra treuua up te them alomahtigon gode
Heliand 902;
ähnlich 2473;
est ergo fides recta ut credamus et confiteamur ... daz ist rehtiu triuua, daz uuir glouben unde iehen Notker 3, 385
Piper; daz triûuua bézzera sîn danne scáz 2, 218; ir (
christenleute) sît durh triwe in dirre nôt (
um eures glaubens willen)
Willehalm 400, 9; wilt du gein got mit triwen leben (
gottesfürchtig)
Parzival 499, 17;
bei Luther
sehr häufig in der bedeutung glaube, hoffnung, vertrauen, zuversicht: ich ... setz meyn trew alleyn auf den ... eynigen gott 7, 216, 1
W.; ähnlich 7, 215, 6; 10
2, 389
und 390 (
mehrfach); was ist haben einen got? das ist traw und zuvorsicht haben zu got 10
3, 87, 13; die traw ist, das wyr nit tzweyffelln, er woll unss gnedig seyn und gottlich, gnadreich menschen machen 10
1, 1, 37;
vgl. auch 242.
aus dem nebeneinander mit glaube
entwickelt sich in dieser sphäre die formel treu und glauben: denen, szo im glauben und gottis trawen leben Luther 6, 215
W.; und dieszer glaub, trew, zuvorsicht des hertzen grundlich ist warhafftige erfullunge dieses ersten gebottis 6, 209; on glauben und trawe ynn gott 19, 565;
in andern bedeutungen und als festgewordene formel s. sp. 308
ff. allgemeiner: wilche der gewalt widder streben, die werden eyn gericht uber sich uberkomen, wilher spruch auch die bawrn endlich treffen wird, es geschehe kurz odder lange, denn gott will trew und pflicht gehalten haben Luther 18, 358, 2
Weim.; darumb halt im din trüw, er halt ouch dir sicherlich sin trüw Geiler von Keisersberg,
bilgersch. 30
a; welche ich euch bitt, (durch die trewe, so ihr gott vnnd euwerem herren könig schuldig),
Amadis 1, 21
lit. ver.; weil auch die erstern (
heilige u. göttliche männer) mit ihnen einerley begierde und eifer hegen, dem höchsten ihre treue und gehorsam zu erstatten, die letztern aber sich unseliger weise bemühen, sie von ihm abzuziehen J. Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 22;
speciell von der mystischen liebe zu gott: ich han dich geschozzen mit der minne fur da bi du min truwe spur, wann ich din nit vergessen kan
Christus u. d. minnende seele 1381
Banz. IIIIII.
treue als ethisch bestimmte handlung oder eigenschaft des menschen. III@AA.
vorwiegend relativer gebrauch: in ausgedrückter oder doch gedachter verbindung mit einem (
überwiegend persönlichen)
object, in bestimmten gebieten des menschlichen lebens. meist wird dabei ein gegenseitiges verhalten ausgedrückt: daz got geschuof nie triuwe dâ enwære ein ander bî Reinbot von Durne 791
Kraus. III@A@11)
im politisch-staatlichen bereich, oft mit rechtlicher grundlage und dann von der alten grundbedeutung des wortes '
fester bund'
ausgehend. III@A@1@aa)
lehenstreue und mannentreue. ... thea gesidos Cristesthe he imu habde selbo gicorane, sie tueliui thurh iro treuua goda
Heliand 2904;
ähnlich 4576
u. 4689; wen swer den vorsten vrede lobit unde en trûwen phlichtich is, brikt her den vrede an en, men sol uber en richten
Sachsenspiegel 113
Eckhardt; vgl. auch 210; in diese (
dienstgefolge) traten freie leute unbeschadet ihrer freiheit durch das gelöbniss der treue Eichhorn
deutsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 55; dû maht an im nu tuon dîner triwe hantveste (
lehnseid)
Parzival 345, 7; mâge und lanthêrren mîn die tuon ir triuwe an mir schîn
Willehalm 299, 10;
ähnlich 95, 22; trew aber wird genent der eidt, welcher dem herren durch den lehenman geschicht
die lehenrecht verdeutscht (1533) b 2
a; formen eines klaren und lebendigen rechts nach den groszen gesetzen von huld und treue Nitzsch
deutsche studien (1879) 34. III@A@1@bb)
im ritterlichen leben, oft enger im sinn ritterlichen dienstes; der unterschied von treue als handlung und treue als gesinnung ist nicht immer scharf: nu enpfâhet ir an diesem mâl iweriu lêhn von mîme kinde, ob ich an iu triwe vinde
Parzival 803, 16; (
die templeisen wollen ihren könig Amfortas nicht sterben lassen) ir triwe liez in in der nôt
Parzival 787, 3;
ähnlich im sinne von dienstlicher treue 156, 6; 362, 10; 412, 11; 626, 4; 650, 5; 661, 9; 688, 10; 821, 9; mîn wille in den gebaeren was, daz ich triwe (
im schildesamt) gein iu hielt, die nie kein wanc von mir gespielt
Willehalm 66, 5;
ähnlich Ulrich von Eschenbach
Alexander 2182;
ritterpflicht gegenüber der frau im sinne von ritterlichkeit, höflichkeit, ergebenheit: rîters triuwe Hartmann
Iwein 3173; rîterlîche triuwe
Parzival 631, 20; (
Kriemhild zu Etzel) si sprach: wolt ir mir triuwe leisten, hêrre mîn, sô sult ir boten senden ze Wormz über Rî
n. Nibelungen 1345, 1
Lachmann; ... in sîn triuwe dar zu jaget daz er erlœsen wil die maget
Engelhart 4639;
ähnlich Parzival 625, 23; Ulrich von Eschenbach
Alexander 4318; wært ir triuwen niht verzaget (
fehlte euch nicht jeder ritterliche anstand) Ulrich von Eschenbach
Alexander 18995; vnd verhaisz dir bey meiner ritterlichen trew
Fortunatus (1509) 132
ndr.; die treue musz die erste ritterliche tugend sein Platen (1853) 3, 315. III@A@1@cc)
treuverhältnis zwischen fürsten, könig, kaiser und untertanen: in älterer literatur besonders in der heldensage, vgl. Vera Vollmer
s. 11
ff. (
dort mehr belege). doch wolden nie gescheiden die fürsten und ir man: sine kunden von ir triuwen niht ein ander verlân
Nibelungenlied 2047, 4
Lachmann; vgl. 2194, 2;
dasselbe im Heliand: treuua habda he gôda (
vom jünger Matthäus)
Heliand 1195; gnedigster keyser, ... ich versprich euch in rechter trewe ... zu dienen
eyn schön lustig geschicht hertzog Aymon v. Dordons süne (1535) b iii
b; (
ich) habe hiemit demnach bezeugen wollen, dasz ... ich gleichwohl mit der lieb, ... mit unvergeszlicher treu ... gegen meinen allergnädigsten lands-fürsten und wehrtesten vatterland die zeit meins lebens bestendig verharren werde W. H. frh. von Hohberg
georgica curiosa (1682) 1,
vorr. a a 2
b; dasz er die letzten pfänder seiner treu aus kaisers landen führt, das deutet uns auf einen nahen ausbruch der empörung Schiller 12, 79
Gödeke; ihm (
dem alten volkskönig) sind die öffentlichen beamten zu persönlicher treue verpflichtet Ranke
sämtl. werke 8, 9;
ähnlich 14, 14.
synonym mit dienst: schlafen, essen, trincken, spielen, tantzen und spatziren sonst um nichts, als nur um dieses fleiss und sorge führen die bey hofe diss verrichten, rühmen dienst und treue geben nicht sie nemen dienste, sag ich ohne scheue. Logau
sinnged. 396
Eitner; weil wir fest entschlossen sind zu sterben eh, als jemanden die luft zu verdanken, auszer gott, und unsere treu und dienst zu leisten, als dem kaiser Göthe I 8, 33
Weim.; ... der kayser ... geruhet, euch ... um eurer treue und verdienste willen zum ritter ... zu schlagen Klinger
werke (1809/15) 3, 79; treue schwören
u. ä.: er nemahte der helfe nieth haben, die im da tröwe gehizzen wi gar si in uirliezen
kaiserchronik 528, 14
Diemer; daz ich ew trewe leisten muoz (
lehnseid schwören) Ulr. v. Türheim
Rennewart; s. zs. f. dtsch. alt. 38, 64
a; zum ersten, das sie yhrer oberkeyt trew und hulde geschworen haben, unterthenig und gehorsam zu seyn, ... Luther 18, 357, 23
Weim.; viele von den Scandinaviern, die dem Alfred treue geschworen hatten, ergriffen die waffen Haller
Alfred (1773) 36, 6; und wie er treu und pflicht ihm heilig schwören will Wieland 22, 84; einem probst ... trw und hulde schweren Äg. Tschudi
chronicon Helveticum (1734) 1, 134; versicherung ihrer treue und hingebung L. v. Ranke
s. w. (1867) 1, 117; ich liebe den könig; ... ich habe ihm treue geschworen, ... Fontane
ges. w. I 1, 259; treue bis in den tod Körner 3, 40
Hempel; die treue brach ich solchem gnädgen kaiser Schiller 12, 260
Gödeke; ähnlich Platen 1, 23
Hempel. eid der treue
in diesem bereich: worauff ihm alle ohne widerrede den eyd der treue leisteten D. C. von Lohenstein
Arminius (1689) 1, 112
a; ... wenn sie ... einen besondern eid der treue in die hände des königs abgelegt hatten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 310; der handschlag ist ein zeichen der treue; imgleichen die übergebung eines handschuhes J. G. Estor
der teutschen rechtsgelahrtheit 3 (1767), 1199; der tyrann selbst hat den eid der treue ... geleistet Th. G. von Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 211; besonders gefiel mir eine gruppe von rittern im äuszersten hintergrunde, innen im vorhofe der burg, die sich in ganz schwarzer rüstung mit hohen helmbüschen gekleidet, den handschlag der treue geben Fr. v. Schlegel
sämtl. werke (1846) 6, 132;
bildhaft: ihr (
der tugend), der königin im reiche der vernunft, leistet mein herz den eid der treue Martin Crugot
der christ in der einsamkeit (1771) 104;
häufig mit collectivem subject: der vnterthanen gunst vnd trew ist sicherer denn furcht vnd schew A. Lobwasser
calumnia g v; sie (
die stadt Nürnberg) ward zwar wegen ihrer treue gegen den vatter ... von dem sohn Heinrichs IV. zerstOeret S. v.
d. Birken
beschreibung d. Donaustroms 28; ein teutscher fürst hat nichts zu fürchten, ..., so lange er selbst treu und ehrlich auf seines volkes treue rechnet Fr.
M. Klinger
werke (1809
ff.) 8, 257; das land Tirol in ungefälschter treue dem angestammten herren zu bewahren ist seines muthes einzger zweck und zielpunkt Immermann 17, 50
Boxberger; nimm hin dies land der treue, (
Tirol) das dein von anfang war Fr. Rückert (1867) 1, 93; und es hätte nicht einmal seiner unübertrefflichen, weisen regierung bedurft, um auf die treue seines volkes bauen zu können Thibaut
üb. d. notw. eines allg. bürgerl. rechts (1814) 448; das verhältnis des königs zu den gefolgsleuten ist ein dienstvertrag. er gibt ihnen ... dafür sind sie ihm zur treue bis in den tod verpflichtet Scherer
litteraturgesch. 46; mit begeisterung hat die bevölkerung ... ihre dankbarkeit für das treue ... walten unserer fürsten bekundet und von neuem gelobt, auch ihrerseits die treue zu halten Bismarck
polit. reden 3, 8
Kohl; ähnlich Tieck (1828) 1, 78.
charakteristisch für diesen bezirk ist die verbindung treue und gehorsam: trew vnd gehorsam erfordern von vnderthanen Dasypodius (1536) q q 3
a; das ansehen eines monarchen wil durch gehorsame treue befestigt werden Chr. Weise
polit. redner (1677) 5; treu und gehorsam aufkündigen maler Müller
werke (1811) 1, 193; an treue und gehorsam bin ich der alte; aber ich habe mir das schwatzen und raisonniren angewöhnt Göthe I 8, 253
Weim.; ähnlich: treu und ehrfurcht oder treu und andacht Stoppe
Parnass (1735) 8
u. 9.
ebenso umgekehrt von dem verhältnis des königs oder herrn zu seinen untertanen: den (
meinen getreuen) wil ich sîn mit triuwen mite, nû sterkent an mir ouch triuwen site Ulrich von Eschenbach
Alexander 3517; genâde unde triuwen mant iuch des küneges wîp, unt daz ir ie was wæge iwer herze unt iwer lîp.
Nibelungenlied 1387, 1
Lachmann; mîn hêrre ... an dem dochs fürsten triwe erschein
Parzival 384, 14;
ähnlich 7, 13; (
der fürst zu den seinen) das ich mich triwen hin ze iu versihe
Willehalm 210, 15; grôzer triuwen ich (
Alexander) gegen in wielt (
war ihnen gewogen) Ulrich von Eschenbach
Alexander 18283; der küng unde îclich richter mûz wol richten uber hals unde uber hant unde uber erbe iecliches sînes mannes unde mâges, und en tût dar an wider sîne trûwe nicht
Sachsenspiegel 124
Weiske; dort noch mehrere belege; dâ begienc er driu übeliu dinc mit einander: er brach sine triuwe an sînem manne, er begienc die manslaht, er begienc den walraup an wîp und an kinden
deutschenspiegel 56, 12
Eckhardt-Hübner; dwyle doch küng vnd kaiser liebhaben ire diener so sy die trüw sin erkennen Niclas von Wyle
translationen 42
Keller; auch der könig hat die treue gegen land und volk zu halten! Friedr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden (1907) 125;
formelhafte umschreibung: haben wir mit unssern fürstlichen trüwen gelopt v. Richental
chron. d. Constanzer concils 69
lit. ver.; ins politische übergehend: bûdet aber die herre sîne samnunge ûph den man oder die man upphe den herren, êr her yme untsecge, unde untsecget her ime denne, ..., unde veret her ûph ine mit der samnunge, her dût weder sîne trûwe
Sachsenspiegel 239
Eckhardt. III@A@1@dd)
im bezirk des eng-politischen. verhalten der fürsten zum kaiser: Burchard selbst mit seinen Schwaben lachte der vergesznen treu (
der kaiser wird den fürsten zum gespött) Chr. O. v. Schönaich
Heinrich d. vogler (1757) 41; die wirksamste unterstützung hatte Heinrich IV. von jeher in der persönlichen treue des gröszten theils der edelleute gefunden Ranke
sämtl. werke 3, 4; er behauptet ... Maximilian habe das reichsvicariat nicht an den churfürsten von der pfalz gegeben, sondern an den churfürsten von Sachsen, der ihm mit besseren treuen gedienet
ebda 1, 346; drum hab ich den La Hire mit botschaft an den herzog abgefertigt, ob mirs gelänge, den erzürnten pair zur alten pflicht und treu zurückzuführen Schiller 13, 199
Gödeke; bündnistreue zwischen völkern: die Parther versicherten ihm ihre treue D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 7
a; (
erzähle) hingegen wie Stettin, aus blinder treu zum norden vor der eroberung zu grauss und aschen worden J. v. Besser
schrifften (1732) 1, 51
König; Rom muszte seine treue (
bei einem harten friedensschlusz) durch geiseln verbürgen B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 353; volle zeit ... die schwankende treue der ... gallischen ... gaue wieder zu befestigen Mommsen
röm. gesch.4 2, 182;
übertragen auf gott und sein volk: ... lasz dein hertz ihrer sich erbarmen! ach! sih numehr zu ruck auff deiner bündnusz trew G. R. Weckherlin
ged. 1, 355
Fischer; sonstiges: hauptman herzog Fridrich von Deck, der was der stat mit triuen aun arg (
verbündet)
chron. d. dtsch. städte 4, 30; der pabst ... drohete ihm ... mit dem bann, wenn er nicht die treue ... durchaus beobachtete
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 411; ... und sie (
das volk, das feindlich gegen seinen unterdrücker aufstand) versammelten sich und gelobten sich eintracht und treue E.
M. Arndt
schriften f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 238; er (
Friedrich II.) meinte ursprünglich in wirklicher überzeugung, dasz der fürst auch in der politik ehre und treue halten müsse Fr. Meinecke
Boyen 1, 13; kleine banden ..., die, auf ihre gegenseitige treue (
übereinkunft) bauend, ihr gewerbe treiben Archenholz
England und Italien (1735) I 2, 369; zugleich aber erbot er sich, mit seinem kopfe für ihre (
der mitverschworenen) treue zu haften Schiller 2, 139
Gödeke. III@A@1@ee)
treue des soldaten. die function und verrichtungen eines mousquetirers besteht darinnen, dasz er bey allen vorfallenden kriegesoperationen, bey denen mAerschen, in campiren, ... suche seine treue, gehorsam und wachsamkeit, sowohl gegen seinem landes-herrn, als auch gegen seine herrn officiers zu bezeugen v. Fleming
d. vollk. teutsche soldat (1726) 145; die kampfpflichten des soldaten sind: treue und gehorsam Wilhelm i.
milit. schr. (1897) 1, 273; das ... heer schwor ihm ... den eid der treue Mommsen
röm. gesch. 2, 307;
ethisch neutral: als ein alter soldat gewohnt, den buchstaben seiner ordre mit blinder treue zu befolgen Schiller 6, 114
Gödeke. III@A@1@ff)
treue zum vaterlande und zur heimat, kein rechtsverhältnis, sondern ein angeborenes empfinden: von der treüw Polybij gegen seinem vaterland W. Xylander
Polybius (1574)
vorrede 3; du liebst dein vaterland mit unverfälschter treu Glaubitz
bei Gottsched
schaubühne 1, 13; sie schwören gott, dem vaterland, und dir, o Carl! den schwur der treue! Schubart
s. ged. (1825) 2, 50; wir wollen feste treue halten, wo diese fahne vor uns weht E.
M. Arndt
werke 5, 255
Rösch-Meisner; ein wackerer soldat soll nicht prunken mit der äuszeren ehre noch sich auf eitelkeit blähen; sondern die treue gegen das vaterland soll seine ehre sein und sein stiller mut seine höchste zierde E.
M. Arndt 10, 150
Leffson-Steffens; was fürs vaterland in treuen in der schlacht gefallen wur Fr. Rückert 1, 157; 'hie Brandenburg allwege' sei unser losungswort, der heimat die treue in allen zeiten fort G. Büchsenschütz
in nat.-soz. volksliederb. 77; märkische treue
ebda. III@A@1@gg)
staatstreue, bürgertreue: des königs heldenherz, der streiter feste kette, der bürger letzte treu die fochten um die wette Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 33; die herbe frugalität der alten republikaner, ... die strenge gesetzlichkeit des volkes, die feste allgemeine treue während der schönen jahrhunderte ... erregen in uns eine ehrfurcht B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 12; ich habe meine rechte hand erhoben zum feierlichen eidschwur auf dem kreml ... was ist beschworne treu? was sind verträge, wenn ein solenner reichstag sie zerbrechen darf? Schiller 9, 18
Gödeke; die zuverlässigsten gemeinden fingen an ... zeichen der ungeduld und der schwankenden treue zu geben Mommsen
röm. gesch.4 3, 34. III@A@22)
dienertreue im engeren sinne: wan sie (
Bêne) pflac herzen triuwe (
zu ihrer herrin Itonie)
Parzival 694, 16; ich nam durch mîne triwe war zehen künege
Willehalm 81, 4;
im mhd. tagelied speciell vom wächter, mit nebensinn des verschwiegenen; vgl. auch sp. 303
f.: er gab sich mîner triwe alsô ... Wolfram
lieder 4, 34;
s. auch 4, 25; niht verkrenken wil ich aller wahtær triuwe Wolfram
lieder 6, 26; das steur ruder ist der gehorsam, das heyligenbild, so forn auf der spitz des schiffs steht, ist die forcht vnd ehr gottes. der vberlauff ist der züchtige wandel vnd die treu des gesinds J. Fischer 3, 221
Hauffen (
phil. ehezuchtbüchlein);
anderes Fortunatus (1509) 75
ndr.; engl. comedien u. tragedien (1624) n vii
b; da antwortete der getreue Johannes 'ich will ihn nicht verlassen, und will ihm mit treue dienen, wenns auch mein leben kostet'
kinder- u. hausmärchen6 (1850) 1, 33;
s. a. 44; herr, die treue spricht aus mir; bin ich zu kühn, so bin ichs deinetwegen! Hebbel I 3, 243
Werner; noch manches jahr ... hielten herr und beide diener, der eine in gnaden, die andern in treuen zusammen Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 40;
sprichwörtlich: in aim gsindt ist nichts mehr zuo loben dann die trew G. Mayr
sprüchw. (1567) B v
β; das gesind sol nit viel finden noch verlieren. darbey kan man sein trew wol sprn (
zuverlässigkeit, ehrlichkeit) Petri
d. Teutschen weisshait (1604) 2,
nl ii
r. III@A@33) treue
im engeren gesellschaftlichen sinne. III@A@3@aa)
im minnedienst. neben minne,
nicht synonym: mich binden sô vaste die eide, minn ende trouwe beide Heinrich v. Veldecke
minnes. frühl. 63, 26;
auch in der Eneit oft gepaart, s. Vera Vollmer
s. 43; sol ich der wâren minne jehn, diu muoz durch triwe mir geschehn
Parzival 532, 18;
vgl. auch 101, 20; ist minne wariu triwe, so erwarp dâ manges heldes tôt den wîbn dâ heime jâmers nôt
Willehalm 15, 16; treue '
minne'
oder '
minnedienst',
meist mit betonung des umfassenderen sinnes '
treues ausharren, treue'.
in der mhd. lyrik erscheint das wort erst verhältnismäszig spät, seit Friedrich von Hausen, vgl. Vera Vollmer
s. 43
ff.; 54
ff.; sist mîner triuwen wol gewon und weiz si gar Ulrich von Gutenburg
minnes. frühl. 75, 12; und werde ich iemen liep, der sî sîner triuwe an mir gemant Albrecht von Johansdorf 91, 14; wie sol ein man gebâren der âne reht ie sîner triuwe engalt? Bligger von Steinach 118, 25; ôwê daz ich triuwen nie genoz! Heinrich von Morungen 129, 2; wan mirst leide unde fürhte des, sich scheide diu triuwe der wir pflâgen ê Reinmar von Hagenau 152, 24; niender vinde ich triuwe (
erhörung), dêst ein ende, dar ich doch gedienet hân Reinmar von Hagenau 169, 21; sol ich mîner triuwe alsust engelten, so ensol niemer man getrûwen ir Walter von der Vogelweide 112, 29
Lachmann; gern die verbindung dienstlîche triuwe
u. ä.: wan einer bin ich unbereit dienstlîcher triuwe
Parzival 114, 9;
auch 645, 11; ... du solt sigenunft erstrîten mit dienstlîcher triwe an ir (minne) Wolfram
Titurel 106, 2; (
Gâwânen) twang ein riuwe unt dienstbæriu triuwe die er nâch sîner frouwen truoc
Parzival 541, 6;
von seiten der frau: ob ich mîne triuwe an im behalten wil Hartmann von Aue
minnes. frühl. 216, 23; ich tuon im wîbes triuwe schîn Reinmar von Hagenau 203, 16; III@A@3@bb)
brüderschaft, gemeinschaft u. s. w.: nun sind wir doch nun die üweren, üwers geblts und bodens, trüw und herzens Zwingli
dtsche schriften 1, 50; man trank nach altem brauch, mit schwüren voller kraft auf die bestätigung der alten brüderschaft. zum zeichen ewger treu ward jeder hut durchstochen und mit geschrey und lärm jedwedes glas zerbrochen (
studentengelage) Zachariae
poet. schr. (1763) 1, 24; seyd uns zeugen allhier, und stAerkt die treue des bundesschwurs Bürger 1, 210
Bohtz; landsmännische treue: (
die zigeuner singen:) komm Bella, führ die deinen, wir schwören dir die treue, komm eil mit uns ins freie A. v. Arnim 1, 171
Wilhelm Grimm. III@A@44) treue
im persönlich-menschlichen und häuslichen bezirk: III@A@4@aa) treue
in der liebe, natürlich nicht scharf abzutrennen von der treue im engeren minnedienst oder der treue in der ehe; oft, zumal in älterer zeit, gleichbedeutend mit liebe;
vielfach schwingt schon der sinn der bloszen dauerhaftigkeit in der bedeutung stark mit. hâst dû triuwe und stætekeit, (
liebst du mich auch treu) sô bin ich des ân angest gar daz mir iemer herzeleit mit dînem willen widervar Walther von der Vogelweide 50, 13
Lachmann; unser triwe mit ein ander vert Wolfram von Eschenbach
lieder 3, 20; dîn trôst für ander trôste wigt sît dîn herze gein mir triwen pfligt (
da du mir gut bist)
Parzival 715, 8; solt si mir triuwe gelden mit untriuwe und mit schelden
frauenlist v. 147; nie ganzer triuwe wart getragen von manne noch von wîbe Konrad von Würzburg
herzmœre 52
Schröder; im Parzival von der liebe Sigunens und Schionatulanders 249, 15; 249, 24; 253, 18; 434, 18; 436, 24;
Titurel 107, 2;
und von der liebe Parzivals zu Kondwiramour 283, 22; 293, 8; 296, 2; 732, 8; herzenlîche triuwe '
liebe'
Parzival 431, 3; genâde unde triuwe
erhörung und liebe Konrad von Würzburg
Engelhart 29, 10; klagende triuwe
liebesleid oder liebesklage Parzival 81, 4; Ulrich von Eschenbach
Alexander 2103; 10317;
ähnlich Willehalm 29, 6; senlîchiu triuwe
Iwein 3089; ... nu wirt vernomn alêrst wiez umbe triwe vert
Willehalm 109, 3;
mhd. ein triuwe
bezeichnet die gegenseitige liebe; vgl. Vera Vollmer
s. 70
ff.: ir beider minne ein triuwe wirt Albrecht von Johansdorf
minnes. frühl. 91, 30;
häufig im volkslied: ic wil den mey gæn houwen al in dat groene gras ende schenken myn boel die trouwe die my die lieveste was
Weimarer handschr. 1537
nr. 10; und all dein treu die mag ich nicht, will doch viel lieber sterben
F. L. Mittler
deutsche volkslieder 464;
ferner bergreihen 61
und 62
ndr.; lasz ich gleich aber diese welt wirdt meine trew doch nicht gefellt
M. Opitz
teutsche poemata 34
ndr.; ich wil ein wenig nur versuchen, wie grosz doch deine liebe sey ... und wie bestAendig deine treu G. Neumark
poet. u. musik. lustwäldchen (1652) 18; du kannst dich schon an meine seele binden du wirst an treu nicht meines gleichen finden Chr. Weise
der grünenden jugend überfl. ged. 161
ndr.; ich sing zerriszner treue verlaszner liebe schmerz maler Müller 2, 322;
s. auch 1, 219; er ... las mit unaussprechlichem entzücken das wort treue von ihrer geliebten hand Göthe I 23, 91
Weim.; s. auch I 21, 4. ein rasen dien als kissen für uns zwey ein herz, ein bett, zwey busen, eine treu Shakespeare-Schlegel (1797) 1, 211; und es weinen die geliebten, denen man die treue brach Brentano
ges. schr. (1852) 3, 91; wohl lass ich hier das leben, die treue lass ich nicht (
Gudrun) Geibel 3, 89; die treue ist etwas so heiliges, dasz sie sogar einem unrechtmäszigen verhältnisse weihe verleiht Marie v. Ebner-Eschenbach
aphorismen (1893)
bei Lipperheide
spruchw.-buch 877; ich habe ihm nicht einmal die treue der liebe bewahrt T. Kröger
schuld? 163.
charakteristische adjectiva: ewig Hafner
lustspiele (1812) 2, 51; beständig Neumark
fortgepfl. musik. poet. lustwäldchen (1657) 1, 82; standhaft Melchior Meyr
erz. a. d. Ries (1861) 44; stet Rückert
s. werke 1, 491; unverbrüchlich Musäus 5, 306
Hempel; unerschüttert Schiller 2, 53
Gödeke; unverfälscht Gotter 1, 34; rein Holtei
erz. schr. 2, 44; schlackenrein Schneckenburger
deutsche lieder (1870) 27; felsenfest Lohenstein
Ibrahim sultan (1680) 1, 7. treue geloben, verheiszen
u. s. w.; im nhd. überwiegend treue schwören: vnd er wird mir vor geben vnd verhaissen sin trüwe Niclas von Wyle
translationen 26
Keller; der gute held, die trew die er dir gelobet, die hielte er nicht
F. L. Mittler
deutsche volkslieder 12; unsere zwey verliebte ... hatten sich eine ewige treue geschworen Lessing 4, 355
Lachmann-Muncker; ebenso Chr.
F. Weisze
scherzh. lieder2 106; wir saszen unter dem lindenbaum und schwuren uns ewige treue H. Heine 1, 85
Elster; bund der treue: als sie den herrlichen mann erblickte ... fühlte sie (
gräfin Richilde) unbeschreibliches entzücken und schwur dem ritter von stund an den bund der treue Musäus 1, 139
Hempel; nehmt euch bedenkzeit auf den nächsten neumond, den tag, der zwischen mir und meiner lieben den ewgen bund der treu besiegeln wird Shakespeare-Schlegel (1797) 1, 181;
gern die verbindung von herz
und treue (
doch vgl. unten sp. 320): herz und treue sind gebrochen suche dir ein andres lieb! A. v. Chamisso (1836) 3, 22; ich seh im winterlichen dämmerlicht zur kirche hin den langen brautzug wandern, wo die geliebte treu und herz dir bricht
N. Lenau 20
Barthel; für das zeitalter der empfindsamkeit bezeichnend die verbindung treue und zärtlichkeit: so liebe denn, verbundnes zwey! der himmel segne deine flammen! denn deine zärtlichkeit und treu kann auch kein lästermaul verdammen Gottsched
gedichte (1751) 1, 259; blickt treu und zärtlichkeit hier nicht aus allen zügen L. A. Gottschedin
briefe (1771) 1, 92
Runkel; beide schworen sich eine unverbrüchliche treue und zärtlichkeit Nicolai
Seb. Nothanker 1, 227;
sprichwörtlich: die erste treue die beste
findlinge 98; richten sonder ruw ceca conscientia, leiff han sonder truw vulpina fallacia Husemann
spruchsammlung (1575)
nr. 125
Weinkauff. III@A@4@bb) treue
in der ehe: sun, ob dir got gefüege ein wip nach sînem lobe zu rehter ê, die soltu haben als dînen lîp, ... ichn weiz wilt du dâ wunnen mê, ob daz geschiht in triuwen pflege (
in ehelicher treue) Winsbeke 8, 8
Haupt; dieselbe bedeutung Ulrich von Eschenbach
Alexander 3846; Hipsicrathea ward getOetet von irem man, dem sie vor der groszen trüw erczOeget hett Stainhöwel
de claris mulieribus 11
lit. ver.; wo das vilfAeltige greinen ist, dort erkaltet die lieb dort wacklet die treu Abraham a
s. Clara
Judas der ertzschelm (1686) 1, 61; kein ulmenbaum kann so die schlank umarmten reben als ihren ehherrn sie, mit fester treu umgeben König
gedichte (1745) 52; jedermann beklagte sie, jedermann that ihr die ehre, dasz sie wahrer keuscher treu einziges exempel wäre (
die nicht vom grabe ihres mannes weichende witwe) D. W. Triller
poet. betr. (1750) 2, 227; über die treue in der ehe
kapitelüberschrift bei Hippel
über die ehe (1774) 65; schnell musz er fort zum regiment und fordert nun mit heiszem beben kontrakt der treu aufs ganze leben J. G. Seume
gedichte (1804) 126;
speciell treue
der gattin: gesellentreue selten besteht, eheweibs treu über alles geht Binder 72; glücklich wem der gattin treue rein und keusch das haus bewahrt Schiller 11, 392
Gödeke; so straf er mich, vergasz ich je der treue, die dem gemal die ehfrau schuldig ist Tieck
schriften (1828) 2, 191;
in verbaler verbindung: hœret waz einem manne geschach, an dem sîn êlich wîp zebrach beide ir triwe und ir reht Stricker
kl. ged. 9
Hahn; du hast mir die ehe und treu zugesagt und scheidst dich jetzund von mir ... die treu die ich versprochen hab, die musz gehalten sein
F. L. Mittler
dtsche volkslieder 208; ob er gleich ein mal gefallen ist, kan er sich doch widder bessern und seine vorige trew seinem gemalh leisten Luther 32, 380, 27
Weim.; ähnlich buch der liebe (1587) 273
e; wir wellen des zeugnusz geben, dasz dein fraw hat unrecht gethan, ir trew geprochen an irem man
fastnachtsp. nachlese 234, 19; Glicus wolte gerne wissen, ob sein weib ihm halte trew Logau 616
lit. ver.; aber die tugendhafte frau wollte lieber den tod leiden, als ihrem herrn treue brechen
deutsche sagen 2, 61; heilige treue Achim von Arnim 2, 193
Steig. besonders charakteristisch und häufig die verbindung eheliche treue,
schon im mittelalter: so bevilch ich in die triwe dir Marien, brder, und dich ir, das ir elich triw in got behaltind baid nǎch dinem gebot Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 154 (
kindheit Jesu); sie peyde einander eliche treüe schwuren Arigo
decamerone 70
Keller; vnd gebeüt eüch beiden ... das ir eehliche trew und pflicht gegeneinander halten ... werd
Manuale curatorum predicandi presens modum (1516) 83
b; halt ehlich trew zwischen euch beyden! (
Gott zu Adam u. Eva) H. Sachs 1, 28
Keller; die ehliche trew ... brechen Montanus 102, 11
Bolte; und obgleich die eheliche treue nicht grosz war, erfuhr man von zerwürfnissen beider nie etwas Kerner
bilderbuch (1849) 14; nichts war an ihren sitten ruhmwürdiger, als die strenge beobachtung der ehelichen treue
M. I. Schmidt
gesch. der Deutschen (1778) 1, 26.
ring u. ä. als zeichen oder pfand der treue: sie hat mir treu versprochen, gab mir ein'n ring dabei, sie hat die treu gebrochen, mein ringlein sprang entzwei J. v. Eichendorff
sämtl. werke (1864) 1, 653; daz (der rehten ê diz vingerlin) ist ob mîner triwe ein slôz, vonme herzen mîner ougen vlôz
Parzival 440, 15; nimm hin das zeichen wahrer treu, das zarte liebe dir geweihet, Gottsched
gedichte (1751) 1, 263; und schon wechseln sie der treue zeichen Göthe I 1, 222
W.; hattest du ihm nicht einen ring an den finger gestekt? einen diamantring zum unterpfand deiner treue! Schiller 2, 51
Gödeke; der treue pfand, zu dieser stunde empfangs in perlend goldnem wein und lasz den ring auf bechers grunde dir sinnbild meines lebens sein ... denn innen, wie dies bild der treue lebt meine liebe unversehrt Th. Fontane II 1, 14 (1905). III@A@4@cc) treue
der eltern, vaterliebe, mutterliebe: wann ich alle trew an jn baiden finden vnd mercken kan
Fortunatus (1509) 67
ndr.; kein zung vff disser erd usz spricht, so ergendt menschlich betrachtung nicht die grosse truw vnd liebes bandt die vnser elter mit vns handt Th. Murner
mülle von Schwyndelszheym 18,
v. 430; (
ein vater,) der sich triwe kunde nieten
Parzival 165, 11;
ähnlich Willehalm 217, 26; 221, 21; einem vil vatterlicher trew thun
chron. bey Freyb. s. Schmeller-Fr. 1, 638;
vgl. noch Teuerdank 20
Gödeke; gütigkeit machet rechte vätterliche trüw und früntschafft der kind gegen vater und muoter und nit die geburt Steinhöwel
Äsop 117
lit. ver.; (
de testamento)
abdicatio, abkündigung aller vätterlichen trew Zehner
nomencl. (1645) 421;
leicht abgeblaszt: (
die eltern sollen) ... durch vätterliche trew das end und all umbstend besinnen H. Sachs 2, 39
Keller; ... wie das kind zum menschen werden mOechte, (hat) des vaters treu ... bedacht A. G. Kästner
verm. schriften (1772) 2, 193.
besonders treue der mutter: dîner muoter daz ir triwe erwarp, dô du von ir schiet, zehant si starp
Parzival 476, 25;
ähnl. 499, 27;
vgl. auch 140, 19; swaz ie muotr ir kinde mit minneclîchem zarte erbôt, die selben triwe ich hie vinde Wolfram
Titurel 115, 2; der frouwen wîplich triuwe (
mutterliebe) riet Ulrich v. Eschenbach
Alexander 2869; (
Maria spricht von Christus:) mein zuversicht waz ganz, ich leiste im allein under allen menschen ganz trúw und recht vrúntschaft unz in daz grab Heinrich Suso
deutsche schriften 278
Bihlmeyer; mterliche trew J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 108; der mutter treu ist alle tage neu Pistorius
thes. paroem. (1715) 739; erhalt mir deine gunst und mütterliche treu Günther 767; um das pfand, das sie verloren, seufzt die mütterliche treu Gotter 1, 184; mein bist du, von meinem leibe kommest du und meine treue hat dir das leben bewahrt. wem gehörst du an, wenn nicht deiner mutter G. Freytag 9, 131;
vgl. auch 136;
stark formelhaft: muterliche liebe mit gantzen trauenn allezeit zuvor
bei Steinhausen
privatbr. d. ma. s 1, 130 (
a. d. j. 1475). III@A@4@dd)
kindestreue: kintlîche triuwe erzeige ich dir
schlegel 82
Pfannmüller; vgl. auch 265; 319; 1042; Alexander triuwe bescheinete (
erfüllte seine sohnespflicht) Ulrich von Eschenbach
Alexander 2081; herzog Ernst ... erzaigte widerumb gegen im in allen sachen, worten und wercken sein kintliche trewe, als seim leiplichen und natürlichen vater
herzog Ernst prosa 303; (
der sohn) ir kintliche trüe peweiset und sie an iren munt küsset Arigo
decamerone 101, 38
Keller; so ist sich ye mher traw tzuuormuten tzu dem vater, wan tzu dem stiffuater Luther
und Emser 1, 97
ndr.; auf theure stirnen wird der kranz gedrückt, die liebe feiert ihre sabathsweihe; ein bräutgam wird, ein bruder dort geschmückt und dort ein vater von des kindes treue A. v. Droste-Hülshoff 2, 236
Cotta; formelhaft: kyndtlicke trew vnd als guots zuo vor!
reformationsflugschriften 1, 10
Clemen. III@A@4@ee) trüwe '
geschwistertreue, brudertreue, verwandtentreue, allgemein familien- und sippengefühl',
besonders im mittelalter: div was von sipper triwe (
verwandtschaftl. zuneigung) chunne dirre frowen frau Ava
Joh. d. täufer 81
Piper; si wârn doch bêde eins mannes kint (
Parzival und Feirefiz) der geliutrten triwe fundamint
Parzival 740, 7;
s. auch 748, 12; mîne bruoder die sie sint, erhœrent die mîn riuwe, si begênt an mir ir triuwe
Willehalm 144, 30;
s. a. 301, 18; 238, 30; sô sprach der junge Gîselhêr 'liebiu swester mîn, du solt durch dîne triuwe hie bî dîner muoter sîn'
Nibelungen 1018, 4
Lachmann; unz daz der junkhêrre verkêrte sîne triwe guot (
seine reine bruderliebe) ûf sinen valschen muot Hartmann von Aue
Gregorius 151
Lachmann; ich wil in bruoders triuwe wern Ulrich von Eschenbach
Alexander 8938; (
Kriemhild zu Hagen vor Siegfrieds Ermordung:) ich melde ez ûf genâde, vil lieber friunt dir, daz du dîne triuwe behaltest ane mir dâ man dâ mac verhouwen den mînen lieben man
Nibelungen 844, 3
Lachmann; Artus und Gawan (
oheim und neffe) ir bêder triwe unerlogen, stuont gein ein ander âne wanc, daz si nie valsch underswanc
Parzival 661, 30;
vgl. 712, 2
und Willehalm 13, 4; 150, 10; 180, 19; 285, 5; es bedarf keines ausdrücklichen versprechens, um mich in irgend einer lage an das gesetz der treue gegen menschen, welche bis heute meine nächsten waren, zu mahnen Louise von François
stufenjahre eines glücklichen 279
Reclam. von der väterlichen und mütterlichen treue aus, besonders deutlich in der verbindung brüderliche treue
vollzieht sich der übergang in die sociale bedeutung des wortes. brüderliche triuwe
im verwandtschaftlichen sinne z. b. Parzival 6, 15; 427, 25; 749, 20;
nhd. allmählich übertragen: ist es lier Cicilianer gewohnheit prüderlicher trüe und swesterlicher freuntschaft in so gar kurzer zeit vergessen Arigo
decameron 85
Keller; fast wörtlich ebenso übersetzt von Montanus 155
Bolte; das dye göttlich forcht, bruderliche lieb und trau, sogar bey uns allen erloschen ist Luther
und Emser 1, 20
ndr.; als dann numals bey vns teutschen nymer seinn gebürlich noch brueederlich trew, sonder aller jrrthumb, pochen, vbermuoet, khain lernung auf guoet tugent, allain auf hochfart, geytz-, gellt gewingen, auf liegen vnd betriegen auf krieg vnnd vergwaltigung Berthold von Chiemsee
tewtsche theologey 114;
s. a. Hans Sachs 1, 106
Keller und Hartmut v. Cronberg 90
ndr. III@A@55) treue
in socialem sinne: III@A@5@aa) treue '
menschenliebe, menschlichkeit',
dann auch specieller '
güte, mitleid, selbstentsagung'
u. ä.: togeat im (
eurem feind) hluttran hugi,holda treuua, liob uuidar ira lede
Heliand 1457;
in der mittelalterlichen klassik, aber nur in ritterlicher dichtung, die die ritterpflicht im dienst des schwachen betont, spielt in diese bedeutung noch ein religiöses moment hinein, zumal bei Hartmann (
im armen Heinrich) und Wolfram: 'triuwe,
das ist die charitas, die grosze, selbstlose menschliche treue gegenüber dem leiden des nächsten, und zugleich jene die welt verschmähende, um die himmlische krone alles duldende liebe zu gott' Ehrismann
Kellefestschr. 1, 322; er sprach 'tohter, du bist ein kint und dîne triuwe die sint ze grôz an diesen dingen' (
du überspannst deinen opfermut) Hartmann von Aue
armer Heinrich 574; die triuwe die du dâ an mir begâst, die sol dir vergelten got 942;
vgl. auch 1001; 1015; 1356; triuwe und erbermde 1366; du bist geborn von triuwen, daz er dich sus kan riuwen
Parzival 140, 1; swer die (armuot) durch triuwe lîdet, hellefiwer die sêle mîdet 116, 17;
vgl. auch 116, 19; sô machte ir jâmers triuwe des toufes lêre al niuwe
Parzival 493, 13;
vgl. 477, 29; 488, 28; 513, 3; 574, 20; 633, 17; 783, 12; helflîche triuwe 795, 5; durch triuwe
aus mitleid 137, 27;
Willehalm 180, 27; klagende triwe
mitleid Parzival 159, 24; Ulrich von Eschenbach
Alexander 18246;
in bürgerlicher dichtung fehlt dieser einschlag fast ganz. daz erste daz ist meldekeit, ... daz andere ist truwe, daz ist daz ein mensche sime nebinchristin gunne alse ime selbir
paradisus anime intelligentis 62
Strauch; frühnhd. noch lexicalisch benignitas Frisius (1556) 163
a; Calepinus (1598) 168
b. III@A@5@bb)
dankbarkeit, anhänglichkeit: wilt ir nâch sîme lône (
Christi) mit decheime dienste ringen, ir sult die triwe bringen für in ame urteillîchem tage (
den beweis für die pietät vor ihm erbringen, dasz ihr eure verwandten aufrichtig beklagt)
Willehalm 166, 6; trage wir triuwe under brust (
pietät)
Willehalm 168, 17;
ähnlich Parzival 528, 20; mîn triuwe (
anhänglichkeit, dankbarkeit) in nimmer verlât Ulrich von Eschenbach
Alexander 3036; 2914; ich hæte triuwen vaster vergezzen Konrad von Würzburg
Engelhart 3758; alte trûwe die sint guot, si trOestent manges menschen muot. das sol nicht verre ab herzen sin, daz verre ist ab der ougen schin an dienst man lang gedenken sol Boner
edelstein 146
Benecke; wan die trowe ist allir grozist und aller meyst, die eyn mensche dem andern noch sime tode leystet
Hessisches urkundenbuch 2, 431
Wyss-Reimer (
aus d. j. 1334).
ehrfurcht: (
Alexander am grab des Achill) sîn triuwe was niht clein dier ze dem gebeine truoc Ulrich von Eschenbach
Alexander 4986;
ähnl. 4241; 4993.
anhängliche fürsorge: er (
ein vetter, der Zw. bittet, sich zu ihm zu flüchten) hat mich allwegen als lieb, als sin eigen kind gehabt, daran ich wol verston us luteren trüwen sin warnen kommen U. Zwingli
dtsche schr. 1, 84. III@A@5@cc) güte und treue: hilf dass wir auf allen wegen, fried und recht im bündnuss sehn, auch damit in reichem segen güt und treu in freundschaft stehn Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustwäldchen (1675) 5 c; fesselt dich die jugendblüthe, diese liebliche gestalt, dieser blick von treu und güte, mit unendlicher gewalt! Göthe I 29, 39
W.; sein eifer hatte ihn zum zweiten male nach Schweden zum könig Olav getrieben, welchem der alte könig Horich ihn mit den worten empfahl, er habe nie in seinem leben an einem menschen so viel güte und treue erfunden
F. C. Dahlmann
gesch. v. Dänemark 1, 48. III@A@5@dd)
teilnahme in concreterem sinne, fürsorge, hilfe: der triuwen bis gewarnet (
denke an die fürsorge, pflege) der ich han ernendet
Schlegel 826
Pfannmüller; ähnlich 349;
vgl. auch 700; und mîne bruoder die dâ sint ... wellent die mit triwen sîn, so erbarmet si mîn scharpfer pîn ...
Willehalm 122, 23; dâ von ich triuwe (
hilfe) suoche an dir Konrad von Würzburg
Engelhart 5772; ich hätte nicht vil verlangt; wenn er mir nur ein bröcklein gegeben hätte, so hätte mir die treue wol gethan
bei Schmeller-Fr. 1, 638; do gelaistet ir kain ir frunt kain trew nimer
ebda; fidem hominum obtestari der leüten hilff vnd trüw anrffen Frisius-Cholinus (1541) 369. und beweisst unss hinach dise trew (
tut uns den gefallen)
Endinger judenspiel 33; vnd deinen bruder wider zahl auff dasz er auff ein ander mahl dir wirdrumb dienst vnd trew beweisz wann dir was mangelt auff der reisz Moscherosch
ges. 2, 750; graf Schaffgotsch, der so tag als nacht vor die gemeine wohlfart wacht, sieht seine treu belohnt in seiner kinder seegen Stoppe
Parnass (1735) 19; III@A@5@ee)
charakteristisch für bestimmte berufe; vom lehrer: trew der schulmeistern Alberus b 4
a; auf dasz ich nicht miszgOennig vnd saumig an meiner trew befohlenen lehrkinder vnderweisung erscheine Fischart
geschichtklitterung 4, 80
ndr. vom geistlichen beruf gern unter dem bilde des hirten: deshalb mir gar übel gestanden, das ich als ein vnfruotiger hirt vnd der nur den nutz ansicht, vmb liesse kummen die schaff so miner trüw empfohlt sind H. Zwingli
v. d. freiheit der speis. 4
ndr.; auch hielten noch viele unter den vorstehern treulich an dem wahren gott und weideten die heerde mit aller treu G. Arnold
unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1690) 110
b.
vom arzt: ich habe dich nie anders denn in waren vnnd rechten treuwen befunden
buch der liebe (1587) 240, b 59; darauff der könig den artzt mit weinenden augen gebetten und aller trew und freundschaft ermahnt dasz er seinen sohn, an dem ... des gantzen reichs wolstand stünde, zu hülff käme und nicht wolte loszen verderben Kirchhof
wendunmuth 2, 94
lit. ver.; vom anwalt: ich will dein treuer redner sein, des se dir hin dy treue mein
Sterzinger spiele 3;
vom vormund: swer sîne triuwe niht behaltet an den kinden der er phliget, den sol man blamunden
deutschenspiegel 132
Eckhardt-Hübner; fidem debet tutor er ist schuldig trüw ze leisten Frisius-Cholinus 369;
sprichwörtlich: pfleger trew wirt nimer new
schöne weise klugreden (1548) 24
a; der Eckhard solt seinen herrn, deren vormund er war, treu beweisen J. Prätorius
blockesberges verrichtung (1668) 25;
vom richter: gegen den (
armen) sol er sich neigen unde sol im trewe zeigen '
der ratgeber'
in dtsch. texte d. mittelalters 17, 132; III@A@5@ff) treue
der nachbarn: Luther 7, 207
Weim.; vgl. auch 1, 251
und 34, 2, 27; nachbarliche treu Fischart
glückhaft schiff 23
ndr. treue '
gastfreundschaft' Mangold
marckschiff (1596) iij; von dir erhofft ich vertrauen, das der wirth für seine treue wohl erwarten darf Göthe I 10, 14
W. III@A@5@gg)
allgemein treue =
gutes: daz iu der werde man, mîn vater, hât triuwen vil getân Ulrich von Eschenbach
Alexander 2176;
ebenso 2902; wir aber haben wenig treue von ihm erfahren Freytag 9, 22;
specielles: ind dye dayr laegen erschossen, den deden sy truwen schyn (
erwiesen sie die letzte ehre) Wierstrait
belagerung von Nuys 622
Meisen; III@A@5@hh)
obhut, pflege, schutz, teils in synonymer verbindung: scalchen und diuwen peualech er daz uihe ze triuwen
Wiener genesis 2864
Dollmayr; in derselben riuwe bevalh er ûf ir triuwe Meljanzen den klâren allen den die dâ wâren
Parzival 344, 28; du solt sîn in mînen triuwen und bî mir
schlegel 81
Heid. hs. Pfannmüller app.; so bevilch ich in din triwe dir Marien, brder, und dich ir, das ir elich triw in got behaltind baid nǎch sinem gebot Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 154; jetzt bitt ich dich, dz du mir in disem handel ein gehilffin seyest, ich bevilch, vnd ergib mich deiner treüw, vnd beger dich o Thais zuo einer fürminderin Boltz
Terenz deutsch (1539) 53
b; ja alles machet vns bekennen, dasz wir jhn müssen billich nennen der musen trew vnd trost, der tugent thron vnd wohn Weckherlin
gaistl. u. weltl. ged. (1648) 427; heyl und rettung, schutz und treu steht mir wieder treulich bey Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 355
a; was Schwedens haupt und reich an einem mann verloren als der, so beiden hat, schutz treu und rath geschworen, beym heerstab, auf der hut, am ruder ist erblast: hat Hastfers todesfall in einem wort gefast Heräus
gedichte u. lat. inschr. (1721) 160. sich an eines trüw vnd gnad ergeben Frisius - Chol. (1541) 369; sich in eines seine treu und schutz ergeben und befehlen Kramer 2 (1702), 1140
a. III@A@66) treue
in der freundschaft. III@A@6@aa)
in verbindung mit freundschaft
erst seit dem 16.
jh.; da mhd. friuntschaft
einen andern sinn hat: ist das die freundtschafft und die trew, die ich bey dir sucht all tag new, das du mich verlest in dem stück in meim allerhöchsten unglück? Hans Sachs 6, 157
Keller; drum lob ich eine campagnie, da wir bisz an den morgen früh auff gute treu und freundschafft sauffen Chr. Weise
der grünend. jugend überfl. ged. 43
ndr.; der mensch hat nichts so eigen, so wohl steht ihm nichts an als dasz er treu erzeigen und freundschafft halten kann Simon Dach 107
Österley; das glück, ein zärtliches und ähnlichs herz zu finden, und uns durch ewge treu und freundschaft zu verbinden, nur diesz ist unser wunsch J.
F. v. Cronegk
schr. (1766) 2, 36; ohne ... schwer-erprobte treue ist keine freundschaft J. G. Herder 15, 313
Suphan; ob ihr beim schlechten zweiglein mein gedenkt? es war doch stets der treu und freundschaft zeichen Annette v. Droste-Hülshoff 2, 234
Cotta. III@A@6@bb) drei vrunt het er im erkorn di sines rates wielten und ir trewe an im behielten Stricker
von drei freunden in dtsch. text. des mittelalters 17, 56; daz ich stille und über lût ie vant sô reine triuwe an dir Konrad von Würzburg
Engelhart 4355; reine triuwe
echte freundschaft 6092; ganze triuwe 5837; lûterliche triuwe 6499; hohe triuwe schîn tuon
treue freundschaft erweisen 4240;
vgl. noch 4324; 5428; 6457; 6465; 6504; mîner triuwen (
freundschaft) ich vergezzen niemer wil an in vür wâr
schlegel 474
Pfannmüller; sie sollte dabei meine treu erkennen Schweinichen
denkw. 176
lit. ver.; mit was ungemeinem ruhm preiset nicht das alterthum Pythias und Damons treue? Gottsched
gedichte (1751) 210; warum soll ich doch einen so theuren, menschlichen freund haben, wie du bist, und zeitlebens keine mittel vor mir sehen, seine treue vergelten zu können? Schubart
briefe bei Strausz
ges. schr. 8, 104; mit meinen lippen brach ich meine treue Schiller 5, 2, 408
Gödeke; einfältge schlichte treu weisz nichts von künsten Shakespeare-Schlegel 2, 106; es wärmt mein innerstes die goldne treue, die ich von euch erfahre Immermann 17, 140
Boxberger; glaub mir, es gebe wenig freunde, die den stempel tragen echter treu, rechtschaffenheit O. Jahn
Mozart (1856) 3, 405; (
ein gegner des kaisers war) herzog Ernst von Schwaben, der es der gnade des kaisers vorzog, dem freunde die treue zu halten Ranke
sämtl. werke 25, 15; den mut der freundschaft, die freiheit persönlicher treue soll und darf sie (
die feige zeit) mir nicht rauben Louise v. François
werke 5, 415. III@A@6@cc) treue schwören
u. ä. in diesem speciellen sinne: aber ich enpfilch mich dir vnd diner trüw got pfleg din Niclas v. Wyle
translationen 34
Keller; schon in frühester kindheit beschworen wir den bund der unverbrüchlichen treue Leisewitz
Jul. v. Tarent (1776) 59. III@BB.
übergang zu absolutem gebrauch. III@B@11)
in einigen speziellen bedeutungen. III@B@1@aa) '
vertrauen',
durch den etymologischen zusammenhang von treue
und trauen
unterstützt (Steinbach 2, 852
leitet sogar 'träu'
direkt etymologisch aus trauen
ab!)
auch später oft aufeinander bezogen: wer nicht trawt, dem ist kein trew zu beweisen Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 125; willst du treue, so vertrau! Anastasius Grün
sämtl. werke 3, 98
Schlossar; schon bei Walther
gelegentlich im wortspiel mit trûwen
zusammengebracht: 74, 8
und 112, 29 (
vgl. Wilmanns
zur stelle).
gelegentlich auch charakteristisch einander gegenübergestellt: vertrauen ist mut, und treue ist kraft Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 1; uns ist vil êrn von iu geschehen. wir sulen iu immer triwen jehen (
vertrauen zubilligen)
Willehalm 250, 14; doch weyl er ynn seynem anligen und anfechtunge sich solcher trewe zu myr versihet, ... wil ich yhn dieselbige trewe bey myr finden lassen Luther 18, 436
W. präpositionale verbindungen zeigen schon übergang zum formelhaften: 'dir enbiutet holden dienest der liebe hêrre mîn und Kriemhilt dîn swester hier in dize lant. si habent uns iu recken ûf guote triwe her gesant'
Nibelungenl. 1380, 4
Lachmann; andere beispiele s. u. IV 1; auch zaigt man jn aus sondern treuen die speicher vnd die kellereien J. Fischart
glückh. schiff von Zürich 26
ndr.; ich sag dirs in dein trew
bei Schmeller-Fr. 1, 638; daz sy ein sölches daz er ir in guoten treüen (
in gutem glauben) gesaget het pey ir beleyben liesse Arigo
decamerone 197
Keller; o du aller liebster vnd getreüwester gemahl, ... in den mein sel vnd mein leyb alle ir trew gesetzt hat Fortunatus (1509) 77
ndr.; das guot behielt diu frouwe wol mit guoten triuwen (
in gutem glauben), als man sol behalten das bevolen ist Boner
edelstein 240
Benecke. III@B@1@bb) '
verschwiegenheit' (
vgl. auch sp. 294): ich han uns vunden einen rât ... ze verhelne unser schande. ich hân in mînem lande einen harte wîsen man der uns wol gerâten kan ... ich weiz wol daz er triuwe hât Hartmann v. Aue
Gregorius 498; '
verschwiegenheit'
im minnedienst s. Vera Vollmer
s. 59; treüw dardurch einer daz so im in treüwen gesagt ist, heimlich haltet Maaler (1561) 407; doch letztlich hatte er den narren so gar erreichet, das er der jungfrawen seine liebe in trewen und geheim entdecket B. Hertzog
schiltwache B iij; (ich) erprobe des schlosses riegel und der wächter treu Schiller 12, 405
Gödeke; (
herrin zur dienerin, die ein geheimnis hüten soll): ich kenne deine treue FR. L. Schröder
dram. werke (1830) 1, 3. III@B@1@cc)
ehrlichkeit, redlichkeit, aufrichtigkeit, wahrhaftigkeit: trew da man bey seinen worten bleibt
dict. germ. gall. lat. (1662) 489; Hulsius-Ravellus (1616) 328
b;
filii alieni mentiti sunt mihi frémediû chint ... irlúgen mir diâ triûua Notker 2, 55
Piper; in goden truwen
ehrlich und redlich Dähnert
plattdütsch (1781) 496; daz steit upphe des herren trûwe (
hängt von der ehrlichen gesinnung ab)
Sachsenspiegel 205
Eckardt; hilest du mich dîn tougen, dâ mite ist versêret mîn herze, daz dîn herze ie was, und hât sich dîn triwe (
aufrichtigkeit) geunêret Wolfram von Eschenbach
Titurel 97, 2; nu schowet, vriunt Hagene. wâ si (
Kriemhilt) dort here gât, diu uns âne triuwe (
unaufrichtig, hinterlistig) inz lant geladet hat
Nibelungen 1711, 2
Lachmann; sô velsche durch got nieman mîne triuwe (
aufrichtigkeit) wan ich durch sanc bin zer welte geborn Heinrich von Morungen
minnes. frühl. 133, 19; daz ir mir an die triuwe mit scharpfen worten sprechet (
die aufrichtige gesinnung anzweifelt)
heidin 254
Pfannmüller; dieselbe wendung im sinne von '
ehre anzweifeln'
s.C 2 e: ein gut über sein trewe hintragen (
es treulos entwenden)
bei Schmeller-Fr. 1, 638; treu, die auff der zunge wohnet, treu, die in dem hertzen wohnt diese wird bei hofe selten, meistens jene wird belohnt Fr. v. Logau 418
Eitner; vgl. auch 346; (
Procopius) zweiffelt ihr an des gesandten treue? (
Demetrius) gantz nicht seiner treu, und viel an seiner macht A. Gryphius 155
Palm; behält er seine treue im handel und wandel, ... so nennt man ihn einen braven, einen recht braven menschen J. K. Lavater
physiognom. fragm. (1775) 1, 69; seines landes blüthe, die gefühle seines weibes, die treue des gegebenen wortes opfert er (
Arminius) ohne bedenken Treitschke
hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 105.
gern im gegensatz zu falschheit oder verrat (
vgl. auch Vera Vollmer
s. 28
ff.): solt aber triuwe helfen iht wider valschem muote Konrad von Würzburg
Engelhart 4750; falsche treue
bei Eschenburg
denkm. altdtsch. dichtkunst (1799) 404; mit falschen triuwen '
mit falschheit' Rud. v. Ems
weltchron. 21001; verrat spricht zierlich; treue rauh und schlicht Friedrich Halm
bei Lipperheide
spruchwörterbuch 877; du land, das sonder scheue zertritt die junge saat du machst verrat zur treue und treue zum verrat
briefe von und an Herwegh 278;
im gegensatz zur lüge: auf denn, teutscher mann! auf mit der freiheit und der treue gegen die knechtschaft und lüge E.
M. Arndt 10, 161
Leffson-Steffens. in bestimmten berufen: disz ist vnserer kauffmänner vnd handtwercksleuten trew, so sie jetzt treiben Höniger
narrenschiff (1574) 178
a; daher kompt dasz auff kauffmans trawen so wenig nun mehr ist zu bawen Max Mangold
marckschiff (1596) C iiij; die advocaten sollen mit gantzen und rechten trewen ihrer parteien sache meinen
bayr. landesrechte (1616)
bei Schmeller-Fr. 1, 638.
öffentliche treue: ... dann würde ich denjenigen, welche sich vielleicht mit dem gedanken, die öffentliche treue zu brechen, ..., aus scheu vor steuern, befreunden möchten, zurufen: was ist denn der bankerutt anders als die ... unglückseligste aller steuern?
F. C. Dahlmann
gesch. d. franz. rev. (1845) 279; das letztere war verdächtiger, als für ihn, einen notar, einen mann der öffentlichen treue, das erste K. Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 3, 249;
hierher auch: viermal bis auf Caesar ist zu Rom ... die treue in hinsicht auf das capital der schulden gebrochen worden B. G. Niebuhr
röm. gesch. 1, 394.
besonders häufig ist die verbindung treu und redlichkeit,
bezeichnenderweise vor allem in der aufklärungszeit als tugendbegriffe beliebt: weil sie die schlechten gaben mit treu und redligkeit zuvor gewürtzet haben I. Rachel
satyr. ged. 58
ndr.; (
die musen) die stäts zu deinem dienst bereit mit wahrer treu und redligkeit Morhof
ged. (1682) 423; es traumet manchem ..., dasz er alle mAeuszlOecher der gantzen welt mit jetziger treu vnd redlichkeit solle zustopffen Abr. a
s. Clara
Judas der ertzschelm (1686) 1, 2; sie ist dahin (
die schöne zeit)! die welt will nichts von ihr mehr wissen legt das verwehnte haupt auf weiche pfül und küssen, und treu und redlichkeit nimmt gleiche schlafsucht an
bei Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 93; an treu und redlichkeit wird er ein Petrus seyn, ... J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 545; so, und noch weniger kan man zwey seelen trennen, wo treu und redlichkeit die ketten selber sind Chr. Fr. Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 113; so will ich dich auf treu und redlichkeit beschwören die dir gewisz befiehlt, die miszgunst zu verschmähn Gottsched
ged. (1751) 1, 446;
vgl. neuestes a. d. anm. gelehrs. 8, 218; ein herz voll treu und redlichkeit ist dieses, was dich mehr erfreut D. W. Triller
poet. betracht. (1751) 4, 344;
ähnl. 6, 395; unter dem dache von treu und redlichkeit sich befinden Langbein
sämtl. schr. 31, 63; üb immer treu und redlichkeit bis an dein kühles grab Hölty 39
Voigts; von völkern: sollen treu und redlichkeit unter zwey völkerschaften herrschen, so müssen beyde gleich viel dazu beytragen Lessing 1, 380
Lachmann-Muncker; gern rückschauend: alte treu und redlichkeit Moscherosch
ges. (1650) 1, 410; Chr. Weise
polit. redner (1677) 296; Triller
poet. betr. (1750) 1, 304; dort (
im schäferleben) blüht bei aufgeräumten sinnen noch alte treu und redlichkeit Lessing 1, 83
Lachmann-Muncker; treu und ehrlichkeit R.
Z. Becker
mild. liederb. (1799) 100; ehrlichkeit und treue war sichtbar an ihm G. Müller
aus dem Herderschen hause 12; doch warn ich jeden mann auf ehrlichkeit und treue Voss 5, 26.
schon etwas äuszerlicher treue und aufrichtigkeit: das wahrscheinliche, welches sich in den ... gesetzen ... der natur grndet, ist fr den grOeszten theil der menschen eben so wahr, als das so wrcklich geschehen ist, weil ihm nichts mangelt, als die treu und aufrichtigkeit dessen, der es ... bezeuget J. Breitinger
crit. dicht- kunst (1740) 1, 59;
speciell etwa im sinne von ritterlichem '
fair play': kämpft mit liebe gegen liebe, und mit treu kämpft gegen treu Fr. v. Logau 14
lit. ver.; jedes ehrliche, geschweige edle spiel ist ein wettkampf nach regeln, zwischen freien ... personen, mit treue und gleichheit Herder 22, 154
Suphan. III@B@22)
in engem zusammenhang mit der bedeutung '
wahrhaftigkeit'
steht die verbindung treue und wahrheit,
die in älterer zeit zu einer stehenden formel geworden war. III@B@2@aa)
in geistlicher sphäre: er (
gott) lêrt uns diemôt unte site triwe unte wârheit dirmite, daz wir uns mit triwen trageten unser nôt ime chlageten Ezzo 16, 2-6
Müllenhoff-Scherer; daz lût suln si (
die bischöfe) birihti lêri dî christinheit trûwi undi wârheit mid werchin irvullin daz sî in vori zellin
lob Salomons 18, 4-8
Müllenhoff-Scherer. III@B@2@bb)
sehr beliebt in der mhd. didaxe: noch weiz ich wol, wâ triuwe lebet mit wârheit unt mit allem ir gesinde
tugendh. schreiber minnesinger 2, 153
b 5, 9
f.; welt, dû stêst sô lasterlîchen, daz ichz niht betiuten mac. triuwe und wârheit sint vil gar bescholten: daz ist ouch aller êren slac Walther 21, 23
Lachmann; noch ist ein leit myn rwe warheit und trwe die sach ich leider auch begraben
mhd. minnereden 84, 164
deutsche texte des mittelalters; warheit sie daz man da truwe heisit daz man alle gelubede leistit Wernher von Elmendorf 603
Haupt (
zeitschr. f. d. alt. 4);
s. auch 600; so heysst warheyt, trew, das man sich auff eynen verlassen darff und zeflucht ze yhm habe ... Luther
vorrede z. psalter 7, 329
Bindseil; daz nieman triuwe bræche an in und inneclîche wârheit
Engelhart 114/15;
vgl. 5445/46
u. 6472/73;
andere belege s. th. 13,
sp. 892. trüwe und worheit süllent ir zu allen menschen haben Nicolaus von Basel
bei Schmidt
hist. wörterb. d. els. maa. 363; truwe edder warheyt holden
nd.-lat. wb. v. j. 1417 Diefenbach
nov. gl. 337
a. III@B@2@cc)
nhd. verliert sich z. th. das formelhafte: schwur der obgenannt herr Hiltprandt ain aydt, dem obgenannten herzog Meinhart threu, vnnd warhait zelaisten als ain lehenempfaher, seinem herrn, vnnd sein erben thuen soll v. Brandis
gesch. d. landeshauptl. v. Tirol 25; unauflöslich vereint folge dir, arm in arm, holde sanftmuth und nie täuschende wahrheit und unbestechliche treue nach Ramler
lyr. ged. (1772) 160; er fühlte sich gestärkt, bei dem rufe seines bedrängten vaterlandes sich von dem grabe seiner Dolores loszureiszen, den deutschen mit rat und tat, in treue und wahrheit bis an sein lebensende zu dienen Arnim 2, 195
Steig. III@B@33)
schon früh, ähnlich wie bei der wahr-
und hold-
sippe (
vgl. Wissmann
nom. postv. 120
3)
sind die begriffe der liebe
und treue
vereint; so ist auch ihre formelhafte verbindung fast in allen anwendungen des alleinstehenden wortes ungemein häufig. III@B@3@aa)
noch nicht in fester formelform: pey der liebe treue und gehorsam die ich im (
dem vater) schuldig pin Arigo
decamerone 121, 20
Keller; so saget meine seel ihr felsenfeste treu und lange liebe zu D. Caspar v. Lohenstein
Ibrahim sultan 7; hat er so aller treu, so aller lieb vergessen, der plackerey bey tag und nacht? Göthe I 39, 271
W.; nachsicht, liebe, treue Holtei
erz. schr. 1, 102;
selten in umgekehrter folge: herz voll treue und liebe Schiller 14, 343
Gödeke; Göthe I 39, 276
W. zur definition: ... vnd ist eygentlich, das wyr auff frey deutsch sagen, liebe vnd trew, wenn wyr pflegen zu sagen, er hat myr liebe vnd trew beweyset Luther 7, 329
Bindseil; und welches sind die höchsten güter des menschen? antwort: gott, vaterland, kaiser, freiheit, liebe und treue, schönheit, wissenschaft und kunst Heinrich v. Kleist 4, 107
Schmidt-Steig (
katechismus der deutschen). III@B@3@bb)
in bestimmten situationen und sphären, wie das alleinstehende treue:
gegenüber dem herrn, dem vaterlande, der heimat: lieb vnnd trew gegen dem vatterland Schaidenraisser
Odyssea (1537)
vorr. 2; darumb der vatter jn (
den Torquatus) entlaybt vnd setzt fr vAetterliche rew gemaines nutzes lieb vnd trew J. v. Schwarzenberg
der teutsch Cicero (1535) 118; wegen lieb vnd trew, die ich zu gantz Teutscher nation ... tragen solle H. Guarinonius
grewel der verwüstung (1610)
bl. 3; wie viel mehr sollen wir Teutschen vns freuen, vnd in lieb vnd trew gegen diesem vnseren lOeblichen vatterland freyer teutscher nation entbrennen J. W. Zinkgref
apophtegmata (1628) b 3; liebster herzog! kannst du bleiben, o so bleibe länger hier! alle seelen wollen dir lieb und treu noch höher treiben Gottsched
gedichte (1751) 48; gott vergelt euch die lieb und treu an meinem herrn Göthe I 8, 167
W.; dieses vaterland und diese freiheit sind das allerheiligste auf erden, ein schatz, der eine unendliche liebe und treue in sich verschlieszt, das edelste gut, was ein guter mensch auf erden besitzt E.
M. Arndt
werke 10, 152
Leffson-Steffens; nein gewisz, in gleicher weise hat kein volk der erde (
als die Friesen) gelitten, mit so rührender liebe und treue keines seiner heimat angehangen! H. Allmers
marschenbuch 1, 47;
in der liebe: nicht so, nicht so, mein schätzelein, die lieb und treu musz länger sein
F. L. Mittler
deutsche volkslieder (1865) 139; in lieb vnd trew mich binde J. W. Zinkgref
auserl. ged. 8
ndr.; jetzt wird es klar: du hast gescherzt mit meiner lieb und treue Immermann 11, 19
Boxberger; wir saszen still daheim und wanden euch kränze zarter lieb und treu A. v. Droste-Hülshoff 2, 236
Cotta; in der ehe: denn wo lieb und treu sich zeigen, hAengt der ehstand voller geigen Gottsched
gedichte (1751) 1, 238;
in der freundschaft: (Glaucus und Diomedes) machten die alte freundschafft new verbunden sich in lieb vnd trew Spreng
Ilias (1610) 71
b; Brutus, wie hastu vergeszen können Cäsars lieb und treu? C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677) 147; desz rühme der blutge tyrann sich nicht, dasz der freund dem freunde gebrochen die pflicht, er schlachte der opfer zweye und glaube an liebe und treue Schiller 11, 288
Gödeke (
bürgschaft). l. und tr.
der eltern und kinder: kindliche lieb vnd trew,
pietas filii, obsequium filii Schönsleder
prompt. (1647) E e 6
b; denn sie sich schuldig erachtet, ihren kindern diese vAeterliche lieb und trew zubeweisen J. Prätorius
saturnalia (1663) 339; Maria, voller lieb und trew stund an dem creutz und auch dabey Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 305; kintliche lieb und trau und was ich liebs und guz vermag Steinhausen
privatbr. 1, 210 (
v. j. 1479); brüderliche trew und lieb Scheit
grobianus 6
ndr. in socialem sinne: dyn gOettlich forcht, bruderliche lieb vnd trau, so gar bey vns allen erloschen ist Emser
an Luther 1, 20
ndr.; also sollen wir uns auch (
beim abendmahle) in rechter liebe und treue verbinden Jacob Böhme
schr. (1620) 4, 69; das hättet ihr (
Nathan) mit aller lieb und treue nun gethan, und müsztet so belohnet werden? Lessing 3, 137
Lachmann-Muncker; im dienst: wancke nicht von deiner lieb und treu, und der schönste lohn soll dir werden Göthe I 39, 156
W.; vgl. I 8, 134;
geistlich: darumb redet er und spricht, iemant zu leren oder zu straffen, ynn treib dan gotlich lieb und trew darzu
theologia deutsch 49
Mandel; es (
dein tod und leiden) soll mir sein ein spiegel, der unschuld und ein siegel der lieb und unverfälschten treu P. Gerhard
gedichte 73
Gödeke-Tittmann; III@B@3@cc)
allgemeiner und formelhafter: truowe wirt noch wol verloren an manchen man der doch nit kan truow vnd liebe behalden Muskatblut 34, 10
Grote; das römische reich ist auff die todte neige kommen, alle elemente ... nemen abe, es ist kein lieb und trew auff erden mehr Mathesius
historien von Luther (1583) 127
b; wo lieb und treue sich als wie geschwister paaren J. G. Neukirch
anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 169;
bei Göthe
besonders beliebte verbindung: die schönsten kränze winden lieb und treue I 4, 3
W.; sprach sie mit einem munde, dem aller lieb und treue ton entflosz I 1, 4 (
zueignung); keimt ein glaube neu, wird oft lieb und treu wie ein böses unkraut ausgerauft I 1, 219; wohin ich auch gehe werdet ihr mich begleiten und das andencken eurer liebe und treue IV 8, 20;
ähnlich s. noch I 2, 91; I 10, 350; IV 20, 69; I 39, 272 (
formal abweichend); das ist nun freilich die wundersame gewalt des geldes, das ... treue, liebe, alles durch ein künstliches ferment ... ersetzt ... Görres
ges. br. (1858) 3, 129; so hat sich liebe und treue, selbst unter dem schutt, den fremde gewalt darüber geworfen, wie gold in der erde, unverringert und unversehrt erhalten W. Grimm
kl. schr. 2, 505 (
vorrede zum Armen Heinrich von Hartmann v. Aue); sie wären gekommen auf goldenen flügeln von ihren himmlischen höhen, um diesen guten menschen selber zu danken und ihnen den baldigen lohn zu wünschen für geduldiges ausharren in liebe und treue H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 51. III@B@3@dd)
sprichwörtlich und ganz abgeschliffen: lieb und treu wird durch lieb und treu erkauft Schottel 1121; dieser gute und liebe mann ist drei jahre unter uns geblieben und hat sein leben und wissen in liebe und treue mit uns geteilt Arndt 1, 30
Rösch-Meisner; aus lieb und trew Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 45
ndr. III@B@44)
eine selbständige entwicklung hat die seit dem frühnhd. auftretende auszerordentlich verbreitete verbindung treu und glauben
genommen. ihren ursprung hat sie in der geistlichen sphäre, s. o. II b,
hier noch mit gott als object;
später wird der relative gebrauch immer mehr durch den absoluten verdrängt. bei Luther
und unter seinem einflusz auch sonst öfter erscheint die form trau und glauben.
vgl. auch th. 11, 1, 1,
sp. 1353
u. 1355
f. treue
ist in der formel überwiegend einsilbig; ein dadurch entstehendes bezeichnendes nebeneinander zeigt etwa folgender beleg: (
ein mann, der) treu und glauben forderte, weil er selber treue und wort hielt Pestalozzi
Lienh. u. Gertr. 390.
in älterer zeit wird die formel syntaktisch vielfältiger gebraucht, mit artikel, mit epithetis, mit abhängigem genetiv u. s. w.; allmählich engt sich der gebrauch immer mehr auf die artikellose, absolute form ein. beispiele für älteren, heute nicht mehr üblichen gebrauch: (
der mensch musz) der gotlichen zusagung trewlich gleuben ... disze trew und glaub ist der anfang, mittel und end aller werck und gerechtickeit Luther 6, 356, 10
W.; sol himels trew und glaub das sein, so hab ichs jo getroffen fein
M. Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 48
ndr.; (
wir) müssen bedencken, dasz desz jungen königs ... heil und wolfahrt unserem treuw und glauben anbefohlen (
ist)
grillenvertreiber (1605) 3.
buch 98; so sehr der bisherige treu und glaube womit ich auf die bitte meines seeligen freunds ... mich diesem geschäft unterzogen mir ein uneingeschränktes zutrauen für die zukunft erweken sollten Göthe IV 4, 32
W.; veraltet wirkt auch der gebrauch mit abhängigem genetiv: nicht nur treu und glauben seines königswortes, sondern seiner nation selbst wurde verletzt Herder 24, 423
Suphan. das verschiedene geschlecht der beiden glieder macht den gebrauch des artikels oder eines epithetons für die schriftsprache allmählich unmöglich, oder genaue construction zerstört die formel: schädliche geschöpfe, die alle treu und glauben stöhren J.
M. Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 134; wodurch sie (
die weiber) ... es dahin bringen, dasz sie vor der welt alle treue und allen glauben auf einmahl verliehren Glorikander
frauenzimmerspiegel (1740) 43;
bald wird das adjectiv nach dem ersten, bald nach dem zweiten gliede construiert: mit rechter treu und glauben Achim von Arnim 21, 120
Wilh. Grimm; betreibt seinen handel mit unglaublichem treue und glauben Gellert (1784) 6, 162; ... ich die quellenautorität auf fremdem treu und glauben beruhen lassen muszte Görres
briefe 3, 194. III@B@4@aa)
selbständig, sozusagen monopodisch, neben anderen tugenden, oder in anderer reihenfolge: o traw, glaub, vnd redlichkeit aller Teütschen, verhengent nit das mit gewalt über winden, die mit recht nit haben wOellen fechten Hutten 1, 414
Böcking; anderer ältere belege s. Fischer 2, 326; ist ein aufrichtiger Nathanael ein- oder zweymahl von einer falschen Judasschwester betrogen worden, so hat sie den verlust aller liebe, treue und glaubens gantz gewisz zu gewarten Glorikander
frauenzimmerspiegel (1740) 26; ich sehe schon, es ist weder freundschaft, noch treue, noch glauben mehr in der welt Lessing 3, 427
Lachmann-Muncker; sie waren ein volk, die in thaten glück und ruhm suchten, unbekümmert um treu, glauben oder völkerrecht J. v. Müller
sämtl. w. (1810) 1, 166; kein glaube, keine treu noch redlichkeit ist unter männern mehr Göthe I 9, 225
W. übergang zur formel: darauff solt jr euch gewiszlich verlassen, und sehet da, hierauff habt jr meine handt, trew und glauben
grillenvertreiber (1605) 2.
buch 207; die Perser müssen aber das liegen vielleicht mit der griechischen monarchia überkommen, und von den Griechen, welche der wahrheit, treu und glauben halber, allezeit gar ein schlecht lob gehabt, gelernet haben Adam Olearius
verm. reisebeschr. (1696) 310. III@B@4@bb)
die formel selbst drückt zunächst ein wechselverhältnis aus, die treue dessen, dem etwas anvertraut wird und den glauben des anvertrauenden; vgl. Waag
bedeutungsentw. uns. wortschatzes 166
ff.; doch ist dieser sinn früh verwischt: wir haben solche trew und glauben, dasz jhme weder zu trawen noch zu glauben ist Lehmann
florileg. polit. (1662) 1, 345;
so auch in Fischart
s definition: trew vnnd glauben ist ein standhafftes wares halten, deszjhenigen was abgeredt, zugesagt versprochen, vnnd alles dessen, so man vberein kommen ist
binenkorb (1588) 209
a. III@B@4@b@aα)
als menschliche eigenschaft, noch nicht völlig abgeblaszt; ältere belege noch mit abhängigem genetiv: aber ich halt, ich wOelle einst ... der Teutschen trew vnd glauben anrffen vnnd mit lauter stymm schreyen Hutten 1, 399
Böcking; die Franken ... sind ein volk von so wenig treu und glauben, als eines in der welt
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 198; musz dann je eines under beiden sein, so will ich lieber an gelt und gut, als an meinem guten nammen, trew und glauben verlust leiden J. W. Zinkgref
apophthegmata (1628) 63; zungen an derer tre und glauben man zweifelt
Reinicke fuchs (1650) 369; suche du treu und glauben bei edelleuten Voss 2, 25; von was für einer art der kaufleute treue und glauben sei Göthe I 4, 222
W.; glaub du dem fuchs, so er von treu und glauben schwatzt Alexis
Roland v. Berlin (1840) 2, 262;
als directes epitheton: ein mann von treu und glauben Gellert 7, 255; Bürger 57
a Bohtz; ohne treu und glauben: Kramer 2 (1702), 1140
a; Cochläus und folglich ein mann ohne treu und glaube Lessing 4, 89
L.-M.; es ist (
Merck) ein mensch ohne treu und glauben Göthe
gespräche1 1, 25
Biedermann; falsch, schamlos, lügnerisch, ohne treu und glauben, ... so zählt Guicciardini des papstes laster auf H. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 146; wir sind beide von treu und glauben Iffland 6, 22. III@B@4@b@bβ)
ganz absoluter gebrauch in noch allgemeinerem sinn: trüw und glauben wirdt blyen
die gantze bibel verteutscht (
Zürich 1531) 4.
Esdr. 6.
cap.; ist nun kundtlich das rain ewangelisch predig, auch trew vnd glouben mit nOetiger lybs narung not sind zuo heilsamem regiment in deinem teütschen landt Eberlin von Günzburg
sämtl. schr. 1, 5
ndr.; zuo dem fierden du (
Luther) sprichst das in dem ketzerischen decretal stand, daz sein der bapst macht hab, trüw vnd glauben vff zuo lOesen, des lieg er in sein halsz Murner
an d. adel 52
ndr.; trew und glaub steht in wercken und nicht in worten Lehman
flor. pol. (1662) 1, 345; es herrsche künftig treu und glaube, das reich bedarf die einigkeit Gottsched
das neuste aus d. anmuth. gelehrs. (1751
ff.) 3, 28; kräftig ja und freundlich nein macht treu und glauben allgemein Ulr. Hegner
ges. schr. 5, 215; III@B@4@b@gγ)
in neuerer zeit sehr häufig der gebrauch in politisch-socialer sphäre: treu und glaube ist der eckstein aller menschlichen gesellschaft Herder 17, 91
Suphan; da der staat selbst alle gesetze von treu und glauben mit den füszen trat Adolf Hitler
mein kampf (1933) 780; treu und glauben in verträgen und unterhandlungen Gottsched
das neueste aus der anm. gelehrs. (1751
ff.) 9, 597. III@B@4@b@dδ)
juristisch für bona fides: actio bonae fidei handel wegen treuw vnnd glauben, sonder gefährdt vnnd arge list Frischlin
nomencl. (1591) 412; das system der bona fides ...
d. h. des lediglich auf treu und glauben basierten verkehrs ist ein nothwendiger ausflusz ... des systems des formalismus R. v. Jhering
geist d. röm. rechts (1852
ff.) 2, 515;
als fest gewordene formel im bürgerlichen gesetzbuch: verträge sind so auszulegen, wie treu und glauben mit rücksicht auf die verkehrssitte es erfordern § 157; der schuldner ist verpflichtet, die leistung so zu bewirken, wie treu und glauben mit rücksicht auf die verkehrssitte es erfordern § 242; wider oder gegen treu und glauben §§ 162, 320, 815;
oft als buchtitel in juristischen specialabhandlungen, z. b. von Danz (
die grundsätze von tr. u. gl., 1909), Henle (tr. u. gl.
im rechtsverkehr 1912), Schneider (tr. u. gl. ...
des bgb., 1902). III@B@4@b@eε)
besonders häufig, geradezu sprichwörtlich, in negativen formulierungen der klage über die schlechtigkeit der welt (
s. schon unter a): wie man auch sagt zu aller frist traw, glaub sind aus der welt gezogen E. Eyering
proverb. cop. (1601) 2, 661; traw und glaub ist gar vergangn
ebda 1, 35; treu und glauben ist zerrissen, dran die welt zusammenhängt Fr. v. Logau
sinnged. 239
lit. ver.; ähnlich: trew und glaub ist hungers gestorben W. Spangenberg
Hecuba 535; treu und glauben gieng in die flucht D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 1, 291; treue und glaube ist verschwunden G. Cober
cabinetprediger (1783) 1, 268; Kosegarten
rhapsodien (1800) 1, 139; treu und glaube, du hast mich wieder betrogen Göthe I 8, 72
W.; die negation bedingt formale variationen: es ist yetz weder treüw noch glaub mer Frisius
dict. (1556) 4
b;
ähnlich 143
a; wann kein trew, auch glauben wäre, wer wolte doch yetzt auff erden leben?
V. Schumann
nachtbüchlein (1559) 261
Bolte; die verabscheuungswürdige maxime ..., das man ketzern keine treue noch glauben schuldig sei Schiller 13, 238
Cotta saec.; ähnlich 15, 22.
sprichwörtlich: es ist weder trew noch glaub auff erden Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) h y
β n. 47; wo keine treue, da ist auch kein glaube
bei Wander 4, 1313. III@B@4@cc) treu und glauben
in verbaler verbindung, meist in concreterer bedeutung: III@B@4@c@aα) treu und glauben schwören, versprechen
u. ä.: wolan, so seht nun die feine hand, damit ich meinem herren, käyser Heinrichen, trew und glauben, seinen nutz ehr und frommen zu fördern und seinen schaden zu vorkommen, geschworen
postreuter (1520) 109; ... schworen einander treue und glauben ohne verstellung A. v. Arnim 12, 71
W. Grimm; hab ihm (meinem herren und gemahel) auch trew und glaub versprochen Val. Schumann
nachtbüchlein (1559) 337
Bolte; ein mägdlein ... bestetiget, der jüngling habe jhr zugesagt trew und glauben, dasz er sie wOelle nemen G. Nigrinus
von zäuberern, hexen u. s. w. (1592) 309; wann trew und glauben zugesagt wird, so soll man alsdann frieden halten
postreuter (1520) 94; treu und glauben schenken Holtei
erzähl. schriften 3, 65. III@B@4@c@bβ)
besonders treu und glauben halten
in gleicher verwendung wie treue halten,
gelegentlich auch allgemeiner und verschwimmender, dem wesen der formel entsprechend: fidem servare Maaler (1561) 407; J. J. Dentzler
clavis linguae latinae (1716) 290
a; Weiszmann
lex. bipart. (1725) 2, 413
a;
vgl. auch th. 11, 1, 1,
sp. 1356. viel ist es, reiche zu verwalten, doch mehr noch, treu und glauben halten; D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 4, 317; trew und glauben hält man zur frist, so lang es eim gelegen ist Spangenberg-Fröreisen
griech. dramen 2, 11
lit. ver.; wer ... gotte vertrauet, der wird auch treu und glauben halten Butschky
Pathmos (1677) 195;
sein wort, sein versprechen halten, ehrlich sein: weil niemand in seiner zahlung trew und glauben helt ... Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 121; nun mag ich in wahrheit sagen, dasz mir kein pabst ... trew vnnd glauben gehalten Zinkgref-Weidner
teutscher nation weisheit (1653) 3, 10; ... hier ist dein geld, behalte deinen ganzen segen. ein mann, der treu und glauben hält verdient ihn seiner treue wegen Gellert (1784) 1, 102; fürsten schätzen treu und glauben halten für eine tugend der kauffleute, für einen fehler der staatsklugen und für gebrechen der fürsten G. Cober
cabinetprediger (1783) 1, 264; ein kaiser musz, was er versprochen, halten; drum ziehe Luther heim mit frei geleit wir halten treu und glauben
Z. Werner
Martin Luther 133
J. Schmidt; in der liebe und ehe: welicher (
priester) glouben und trüw haltet in der ee, dem sind die eelichen werk unschädlich U. Zwingli
deutsche schr. 1, 47; trüw vnd glouben halten sy (
die guten frauen) vnd ewig stette lieb do by, ... Murner
gäuchmatt v. 713
Uhl; (
ihr männer), die jhr vns (
frauen) nach ewerm zusagen vnd versprechen trew vnd glauben zu halten vnd zu leysten schuldig vnd verbunden (
seid)
grillenvertreiber (1605) 1, 12;
besonders im politischen bereich stehende formel: aber ettlich schreiben das dise kOenigliche stat ... auch andern frsten unnd herren alweg treu unnd glauben gehalten hab G. Alt
buch der cronicken (1493) 42
a; der (
könig) nam in (
den flüchtling) auff, hielt trew und glauben an im (
lieferte ihn nicht aus) H. Gholtz
lebendige bilder (1557) r 5
b; der kayser möchte ihnen ja gldene berge versprechen, aber kaum spreu gewehren, weil die ROemer auch gegen die, welche einen groszen vortheil uober sie erlanget, treu und glauben zu halten nicht gewohnet wren D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 24
b; ich weisz wohl, dasz politik selten treu und glauben halten kann, dasz sie offenheit, gutherzigkeit, nachgiebigkeit aus unsern herzen ausschlieszt Göthe I 8, 187
W. stilistisch variiert; mit anderen verben: ein redlichs hertz, das treu und glauben liebet
bei Chr. Fr. Weichmann
poesie d. Nieders. (1721
ff.) 4, 213; ... wenns hier im dorf zwOelf bauern giebt wo jeder treu und glauben liebt Schubart
sämtl. gedichte (1825) 3, 58; treu und glauben besser als bisher in acht zu nehmen und nicht so schlechtlich in den wind zu schlagen L. Häusser
deutsche gesch. (1854) 1, 151;
das alte wechselverhältnis, das der formel zugrunde liegt, klingt nach: der grosze haufen (
in Frankreich) ist zu ungründlich, liederlich, ... gibt und nimmt zu wenig treu und glauben Görres
ges. schr. (1854
ff.) 2, 26. III@B@4@c@gγ)
entsprechend treu und glauben brechen (
vgl. th. 11, 1, 1,
sp. 1356): ein heüchler bist du nicht, der trew vnd glauben bricht Moscherosch
gesichte (1650) 2, 225; nunmehro wAere es so wenig rhmlich als sicher, alsofort treu und glauben zu brechen D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689) 1, 22
a;
andere ähnliche verbindungen: o sohn! schaw, das du nicht, der gstalt, trew vnd glauben verliehrest balt: weil du trewlich fhrest sein sach W. Spangenberg
ausgew. dichtungen 191
Martin; (
Äneas) der mich zu spott vnd schand gebracht, trew vnd gelauben nicht bedacht, Spreng
Äneis (1610) 79
a; es läszt sich noch entschuldigen, wenn man denkt, dasz er sich zuweilen den schwindel an kopf schreibt, und treu und glauben darüber vergiszt, und nicht weisz, was er thut W. Heinse
sämtl. werke 9, 380
Schüddekopf. III@B@4@dd)
in bedeutung und gebrauch am meisten abgeschliffen ist die formel in einigen präpositionalen verbindungen: bei treu und glauben,
seit dem frühnhd., meist bei verben dicendi: bey meiner treüw oder glauben verheiszen ich dir das Maaler (1561) 407; bey seiner trew und glauben sagen Hulsius 2 (1618), 125
a;
s. a. 178
a; bei treu und glauben zusagen
acta publ. verh. d. schles. fürst. u. stände 1, 251
Palm; o ir lieben brüder, ich raht euch bey meinen höchsten treuwen und glauben, nicht in diese statt zuo gehen Kirchhof
wendunmuth 1, 247; ich verspreche es an aeides stat, bey treu und glauben A. H. Bucholtz
Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 166;
ähnlich deutsche sagen 1, 63.
am häufigsten auf treu und glauben,
erst seit mitte des 18.
jhs. geläufig, nur ganz vereinzelt früher. etwas auf tr. u. gl. annehmen, aufnehmen, hinnehmen, nehmen: die christliche religion ist kein werk, das man von seinen æltern auf treu und glauben annehmen soll Lessing 12, 13
Lachmann-Muncker; denn gründen alle (
religionen) sich nicht auf geschichte? ... geschichte musz doch wohl allein auf treu und glauben angenommen werden? — nicht? — Lessing 3, 92
Lachmann-Muncker; wohl ihnen, dasz sie seine (
Christi) tugend auf treu und glaube nehmen können! Lessing 3, 43
Lachmann-Muncker; man hatte nämlich bisher auf treu und glauben angenommen, dasz dieses buch der bücher in einem geiste verfaszt, ja dasz es von dem göttlichen geiste eingehaucht und gleichsam dictiert sei Göthe I 27, 96
W; (
ich) nehm es (
das geschenk) auf treue und glauben an, als ob ich es mir selber erworben Zelter
an Göthe 1, 69
Riemer; aber das ist eben das unglück, dasz wir seine (
Egmonts) verdienste von hörensagen wissen und auf treu und glauben anzunehmen gezwungen werden, — seine schwachheiten hingegen mit unsern augen sehen Schiller 6, 84
Gödeke; Wieland ist ... nicht selbst fest genug, dasz seine überzeugungen je die meinen werden könnten oder ich die form seines geistes auf treu und glauben annehmen möchte Schiller
briefe 2, 1; keineswegs giebt sich ... die auszenwelt blosz auf kredit und wird von uns auf treu und glauben angenommen A. Schopenhauer
werke 2, 15
Grisebach; das recht der herrschaft ist man gewohnt auf treu und glauben anzunehmen; nur von dem rechte der freiheit fordert man beweise Börne
ges. schr. (1829
ff.) 7, 41; auf treu und glauben hin annehmen
die discourse der mahlern (1721
ff.) 2, 43; aber obwohl sie dessen ansichten auf treu und glauben hinnahm H. Laube
ges. schr. (1875
ff.) 2, 18;
ähnlich Spielhagen 1, 80; auf tr. u. gl. aufnehmen Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 114. auf treu und glauben überlassen, überliefern
u. ä.: weil so bedeutende dinge ohne inventar und controle nicht ferner auf treu und glauben dem verwahrenden überlassen werden können Göthe IV 30, 180
W.; ... ergab sich auff trew vnd glauben an K. Johann Stumpf
Schweizerchron. (1606) 23
b; sie (
hat sich) dir auf treu und glauben hingegeben Göthe I 21, 46
W.; nur noch ein wörtchen — eh mein ganzes herz sich euch auf treu und glauben überliefert — Schiller 5, 13
Gödeke; auf treu und glauben borgen Henrici
ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 319;
geben Hippel
lebensl. (1778) 1, 94; verkaufen J. Möser 3, 334; ... ihre liebe nämlich ist mir alles, die sie mir auf treu und glauben geschenkt hat v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 131. auf treu und glauben sagen
u. ä.: die Albaner bilden sich ein, dasz ihre stadt das alte Alba Longa sey, und sagen es noch bis jetzt auf treu und glauben jedem fremden, der es hören will Seume 2, 197; auf tr. u. gl. zusagen Kramer 2 (1702), 416
a; versichern Lessing 9, 481
Lachmann-Muncker; angeben 18, 442, beantworten 10, 48; ... die ältesten geschichtschreiber ... haben ... die leser nicht so unaufhörlich mit der ostentation ihrer gründlichkeit behelligt, sondern auf treu und glauben geschrieben ... Schlegel in:
Europa 2 (1803), 44; auf tr. u. gl. nachschreiben Lessing 10, 281.
nur noch in ganz losem zusammenhang mit dem verbum: auf treu und glauben handeln Kramer 2 (1702), 1140
a; die meinungen der menschen folgen dem glauben und den sagen der alten, auf treu und glauben, als ob es religionspflicht wäre Bode
Montaignes gedichte und meinungen (1793
ff) 3, 506; auf tr. u. gl. kommen (
in gutem vertrauen) Klopstock
gelehrtenrepubl. (1774) 298.
ohne inneren zusammenhang mit dem verbum oder geradezu als interjection gebraucht: ich weisz auff treuw und glauben kein hertere plag, disz boszhafftig thier (
den gefangenen wolf) zu straffen, dann dasz er zwey weiber zuogleich zuo haben gezwungen werde Kirchhof
wendunmuth 1, 92; ich will es lieber ihrer freundschaft überlassen, mir meine langweiligkeit auf treu und glauben zu vergeben Gellert
werke 4, 136; statt einfach einen commissar zu senden und den inhalt auf treu und glauben verladen zu lassen K. Gutzkow
ritter vom geiste (1850) 1, 296; nun hatte bereits durch lange jahre die mutter buchgehalten auf treu und glauben, ohne buchstaben und ziffern, und die rechnung stimmt immer noch W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 117;
ganz selbständig s. Gottsched
dtsch. sprachkunst (1748) 330. in treu und glauben: ... wo die brunnengäste, auf linderung ihrer leiden hoffend, in treu und glauben ihre gläser füllen Gutzkow
ges. werke 6, 138. mit treu und glauben: Elias Birnmost, als nechster nachbar, sagte mit treu und glauben, dasz er von der sach gar nichts wuste J. Rebhu
Pokazi (1679) g 6
a. nach treu und glauben,
typisch juristische formel: jedermann hat in der ausübung seiner rechte und in der erfüllung seiner pflichten nach treu und glauben zu handeln
commentar z. Schweiz. civ. ges., art. 2, I, 51; der versicherungsschein musz dem versicherungsnehmer so nahe gebracht sein, dasz man in dessen schweigen nach treu und glauben ... seine willensäuszerung finden darf Manes
versicherungslex. (1909) 875. wider treu und glauben (
s. auch oben b,
δ): anno 1572 hat man die arme Hugenoten ... wieder zugesagte trew vnd glauben jammerlich abgequarcht wie schaffe Daniel Schaller
theolog. heroldt (1604) 68;
s. auch v. Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 273. III@B@4@ee)
im älteren nhd. (16.
und 17.
jh.)
auch in umgekehrter form glauben und treue: glauben vnd trüw leisten Frisius (1556) 369; seinen glauben vnnd treüw feil haben, glaub vnnd treüw verkauffen
ebda 29
b; glaub vnd trüw ist verloren
ebda 277
b; der fuchs bewilligt den contract, glauben vnd trew dem hund zusagt (
vertrag gegen den wolf) Burkard Waldis
Esopus 2, 195
Kurz; er hat mir seinn glauben vnnd trew zu pfand gesetzet
sprichw. schöne weise klugreden (1548) 73
b; je mehr zunimbt die schinderey je mehr abnimmet glaub vnd trew
M. Mangold
marckschiff oder marckschiffergespräch (1596) C iiij; wie bald würd unser glaub und treu ... sich in die aschen legen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenlied 3, 345
a;
vgl. auch 359.
in der negation formal variiert: kein glaub kein traw ist bey jhn (
den fürsten) mher, sie achten weder got nach ehr U. v. Hutten 3, 534
Böcking; es ist weder glaub noch trew vff erden Latendorf
sprichwörtersammlung (1532)
nr. 253; ists nicht zuerbarmen, das kein glaub noch trew, im himmel noch auff erden sei?
M. Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 18
ndr. III@CC.
absoluter gebrauch: treue
bezeichnet nicht in erster linie eine handlung oder ein bestimmtes treuverhältnis zwischen menschen, sondern eine menschliche eigenschaft; das object, demgegenüber sie in erscheinung tritt, tritt ganz in den hintergrund. im mhd. in besonders vielfältiger anwendung. III@C@11)
neben andern tugenden. zunächst durch die andern begriffe fester abgegrenzt und bestimmt, dann aber auch oft in rein stilistischer variation, bis zu mehr synonymen zusammenstellungen. nicht immer läszt sich der bedeutungspunkt von treue
auf dem jeweiligen wortfelde ganz scharf bestimmen. III@C@1@aa)
im mittelhochdeutschen: dô was manheit gein ellen komn, und diu milte gein der güete, kiusche und hôh gemüete, mit triwen zuht ze bêder sît (
nicht präpos. formel) Wolfram
Willehalm 87, 19; sô lobent iuch die reinen süezen frouwen schame, triuwe, erbermde, zuht, die sult ir gerne tragen Walther von der Vogelweide 36, 17
Lachmann; ähnlich 112, 14; zuht trüwe milte und ere
Peter von Staufenberg 23
Schröder; swem triuwe, zuht und bescheidenheit leident und wâriu einvelticheit und die sich gar verschemet haben (
schamlos werden) die süln mit bœsen herren draben Hugo von Trimberg
Renner 6807.
enger: (
neben wahrheit und mildtätigkeit als hauptpflicht des menschen) ein reht daz sint die treuwe dâ wir mit schulen bouwen
vom recht 8, 18
Waag; (
neben demut und mildtätigkeit): die vierde tugent daz ist triuwe, wan âne triuwe ist nieman wert, weder in dirre werlte noch in jener Berthold von Regensburg 477, 18; gesell, ez sol einhalp mîn triu unde wârheit sîn, ich wil, daz anderhalp mir bî schame, zuht und mâze sî, bescheidenheit und êre
Seifried Helbling 2, 36;
in ritterlichem bereich besonders triuwe und zuht: swer zuht mit triwen (
nicht präpos. formel) hinne hât der ruoche hœren mîniu wort Wolfram
Willehalm 306, 4;
vgl. auch 419, 24; sîn zuht, sîn triu ich prîse daz er so erberlich sich hielt Gundacker von Judenburg 4427
Jaksche; triuwe und stæte,
vgl. Vera Vollmer
s. 58
f.: triuwe und stæte si besaz
Erec 1496; ichn welle haben gedinge und wân, daz diu triuwe hôher solte gân dan unstæte, der ich guotes verban Ulrich von Gutenburg
minnesangs frühling 78, 28; hâst dû triuwe und stætekeit (
aufrichtigkeit und treue) Walther von der Vogelweide 50, 13
Lachmann; sin truowe sin stet sin guoder wan is gar an mir zurblichen Muscatblut 34, 24
Grote; treue und tapferkeit
s. u. 4; treue und keuschheit
s. u. 5.
anderes: rehtiu scham und werdiu triwe gebent prîs alt unde niuwe
Parzival 321, 29; swer triuwe und milte bî bestêt
rittertreue 825
Pfannmüller; manic geselle der triuwe und witze hât
schlegel 1170
Pfannmüller; III@C@1@bb)
nhd. treue
neben reinheit, unschuld
u. ä.: o partheyisches glück, warum lächelst du nie liebender unschuld und standhafter treu Zachariae 2, 312; ... verflucht ein recht, das ränkevoll der herrschenden partei gesetzlich treu und unschuld morden lehrt! Göthe I 9, 451
W.; die tugenden jenes musterbildes an treue und reinheit der gesinnungen (
die heilige familie) werden von uns heilig bewahrt und geübt Göthe I 24, 35
W.; unschuld, goldene treu und einfalt, dankende ehrfurcht vor der natur und der kunst wohltätigen kräften (
die tugenden zur zeit Homers) J. H. Voss
vorr. zur Odyssee (1781);
sonst nhd. mehr occasionelle verbindungen: mit was aufrAechter gewüszne, treüw vnd frommkeit
qua religione Joh. Frisius
diction. (1556) 1137
a; treu, ehr und glauben L. Fronsperger
kriegsbuch (1578) 1, b 3
v; Ringwaldt
christl. warnung a iv
b; Abele
unordnung 4, 40; wo treu' und billigkeit mit güte sich vereinen Heräus
ged. und inschr. (1721) 11; dasz in hütt' und palast ... ... biedere treu und zucht gern mit mäszigkeit wohnt, und mit gestähltem fleisz J. H. Voss (1802) 1, 21; in seinem gesicht liegt eine mischung von munterkeit, verschlagenheit, treue und gutmüthigkeit Heinrich Beck
schachmaschine (1798) 1, 3; fröhlichkeit, tapferkeit und treue E.
M. Arndt
sämtl. w. 1, 99
Rösch-Meisner; ... dieselben ovalen köpfe, vor allem dieselben augen, aus denen phantasie, klugheit und treue sprachen Fontane
ges. werke I 1, 24; er (
der militärdienst) bildet die schule für die heranwachsende generation in ordnung, pünktlichkeit, reinlichkeit, gehorsam und treue Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 97. III@C@22)
in der verbindung treue und ehre. III@C@2@aa)
noch nicht fest formelhaft: er gibt sein ehr, trew, gerechtigkeyt, leben vmb das schnöd gelt ... Seb. Franck
sprüchw. (1541) 137
a;
öfter sind die beiden begriffe bedeutungsmäszig aufeinander bezogen: triuwe ist hie der êren hort (
religiös)
bei Wackernagel
kirchenl. 2, 105; denn die treue legt der ehre noch der güter fülle zu Göthe I 12, 294
W.; die treue ist der ehre mark Friedr. v. Schlegel
bei Lipperheide
spruchw.-buch 877;
als Hindenburgs wahlspruch bekannt geworden meine ehre heiszt treue
inschrift auf dem koppelschlosz der SS; übrigens nimmt bei ihm (
einem minnesinger) ... vrou êre die stelle der triuwe ein Röthe
Reinmar von Zweter 218
anm. III@C@2@bb)
mehr oder minder stark sich ergänzend: als innere tugend und äuszeres ansehen vor der welt, im mhd.; oft als ganzes schon abgeblaszt: waz bedorfte ein gôt knecht rîchtûmes mêre behêlde her trûwe und êre?
könig Rother 3324
Rückert; an den Troiâren vant man nie êre noch trouwe
Eneit 4253; die triuwe und êre minnent
Iwein 3177; die ganzen triwe und êre brâht er unz an sînen tôt
Parzival 5, 30;
vgl. 686, 21; sol ez iemer dar zuo komen, als ich von kinde hân vernomen, daz triuwe und êre werde begraben in der erde
Tristan 18659; triuwe und êre brechen 10210; wie wol ich etewenne weste waz triuwe und êre mêrte ê valscheit ez verkêrte
meier Helmbrecht 967;
im minnedienst s. minnesangs frühling 189, 34; 217, 26;
auch von der frau: 195, 27. ich (
Christus) setz dir trüw und er (
als pfand) das ich dich nu das best ler.
Christus und die minnende seele 1442
Banz; III@C@2@cc)
nhd. allmählich mehr in eine synonyme formel übergehend: o wie gar wenig hat der herzog die antwort gewist, wie bald hat er sein brief und sigl, treu und eer, auch ait in der bierkanten vergeszen W. v. Schaumburg 46
lit. ver.; grosz mutwill treibt dich zu der sach, dast weder trew noch ehren achst H. Sachs 9, 8
Keller- Götze; ähnlich (
vom fuchs)
schwänke nr. 209,
v. 82
ndr.; es hat sich trew vnd ehr gewandt, bey alten vnd bey jungen Ringwaldt
handbüchlein b 4
b v
a; ja ich will yedermeniklich bitten, vmb aller deutschen ehr und trew willen, es wolle zu diesem wercke helffen wer da konne J. Agricola 750
Teutscher sprichw. (1534) a i
b; also wird mancher frauen abgeschnitten ihr treu und auch ihr ehr A. v. Arnim 13, 299
Wilh. Grimm; denselben an ehr- vnd treu vergessnen verleimbdern
F. A. v. Brandis
des tirol. adlers immergrünend. ehrenkräntzel (1678) 160; die grundbegriffe der ehre und treue werden in dem liede eingeschärft ... Scherer
lit. gesch.7 127; er hielt auf treue und ehre nicht nur fürsten, sondern auch seinen dienern bis zum kammerdiener gegenüber Bismarck
gedanken u. erinnerungen 2, 37
volksausg. zur charakterisierung eines menschen: ... (
Polonius) was denket ihr von mir? (
könig) dasz ihr ein mann von treu und ehre seyd Shakespeare-Schlegel (1797) 3, 201; ... die ganze tendenz (
des Beaumarchaisschen Figaro) geht dahin, den vornehmen herrn zu schildern, der selbst ohne ehre und treue sie von andern fordert ... O. Jahn
Mozart (1856) 4, 203. III@C@2@dd)
in festen präpositionalen verbindungen: ... ein vestalische closterfrau, die schweren dörfft auff ehr vnd trau J. Ayrer
dramen 1, 18
Keller; de suluen hebben vnd vorbredet bi truwen vnd bi eren
bei Schiller - Lübben 4, 620; bey trewen vnd ehren zusagen
schiltbürger (1598) 25; Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 17; bei seinen ehren und trewen schweren J. Sleidanus
reden 26
lit. ver.; Kramer 2 (1702), 1140
a;
als interjection: bei meiner treu und ehren
M. Böhme
bei Rother
schles. sprichw. u. redensarten (1928) 229; nun kann ich aber, bei meiner treu und ehren jedermAenniglich laut und offen erklAeren K. A. Kortum
Jobsiade (1799) 2, 5; er in so langer zeit (
seine frau) nye anders dann in trewen und eren gesechen funden und erkant hat Arigo
decamerone 152
lit. ver.; ähnlich Hans Sachs 14, 168
Keller- Götze; in trew vnd eer deinr lieb ich ger schwOer ich bey meinen trewen Fr. Forster
teutsche liedlein 39
ndr.; III@C@2@ee)
in den wendungen an die triuwe gân
oder an die triuwe sprechen,
gelegentlich auch sonst, nimmt das wort selbst die bedeutung '
ehre'
an: gieng ez mir an die triuwe niht
Iwein 4902; sô hân ich die triuwe verlorn Ulrich von Eschenbach
Alexander 18047; sprichet ein man den andern an umbe sîne triuwe (
ehre angreifen), unde wil ener bereden daz er ein getriuwer man sî, mac er in überziugen mit siben mannen daz er sîne triuwe habe gebrochen
Deutschenspiegel 178
Eckhardt-Hübner; vgl. auch Vera Vollmer
s. 31
ff. III@C@33) treue
als haupttugend in der ritterlichen ethik des mittelalters; reichste verwendung des wortes bei Wolfram. III@C@3@aa)
zur definition des wortes: waz einem rehten hêrren zimt ze tuonne unt ouch ze lâzen, swer daz gerne wol vernimt, dem nenne ich triuwe vor unt dar nâch zuht mit eigenlîcher schame Reinmar von Zweter 68, 3
Röthe; diu triuwe ist ein diu beste tugent sagent uns die meister wîs ir hôher prîs der werlte wol an stât ... diu triuwe ist wol ein kleit der êren diu triuwe kan wol sælde mêren diu triuwe ist hie unt dort der hôhste hort: wol im, swer triuwe hât! Boppe
minnesinger 2, 386; ... es was ein tugent die hôste heizzet triuwe
jüngerer Titurel 5887; triuwe ist noch das beste. ir ritter, haltet triuwe wert
rittertreue 858
Pfannenmüller; III@C@3@bb)
allgemein-menschliche zuverlässigkeit und tugend: ein mære wil i'u niuwen, daz seit von grôzen triuwen
Parzival 4, 10;
ähnlich: 141, 4; 345, 3; 608, 22; 609, 13;
Nibelungenlied 906, 4
u. 912, 4
Lachmann; der künec von Scandinâvîâ, der bêde hie unt anderswâ sîne triwe hât behalten, ...
Willehalm 257, 7; dasz im an die triuwe sprach (
seine gesinnung anzweifelte; vgl. aber 2 e)
Iwein 3208; ein mære wære guot gelesen, daz triuwe niuwe möhte wesen
Engelhart 2; ûf wen sol ich mich danne hôher triuwe hie versehen
ebda 3573;
ähnlich 4687; 5637;
oft auch geradezu '
charakter': gelücke daz enhœret niht und selten ieman gerne siht, swer triuwe hât Walther von der Vogelweide 90, 21
Lachmann; ir truogt den eiterwolves zan dâ diu galle in der triuwe an iu bekleip sô niuwe (
in eurem charakter wurzel gefaszt hat)
Parzival 255, 15;
hierher auch 2, 1; 2, 20; triuwe halden
charakter zeigen rittertreue 3;
ähnlich 794; wan daz iu gebôt iwer triwe iu noch gebiutet daz iwer prîs bediutet Wolfram
Willehalm 251, 25. III@C@3@cc) triuwe
prägnant '
das gute', '
das sittliche ideal': du bist slôz ob mîner triuwe (
erhöhst mich über mich selbst, in allem guten, was in mir ist)
Parzival 715, 9; daz du ze herzen sliezen ie woltest hôher triuwen hort (
das gute)
Engelhart 5449; mit trewen und schrecken
im guten und bösen Ambach
vonn zusauffen und trunckenheit f i
a;
negiert: mir wære ûf den triuwen matt
ich würde schlecht handeln Parzival 375, 18; kranke triuwe
schlechtigkeit Rudolf von Ems
weltchronik 18983
Ehrismann. III@C@3@dd)
personifikationen: dar under saz diu Triuwe, si want ir hend, si clagte gote ir leit Reinmar von Zweter 196, 3
Röthe; auszerordentlich oft frou Triuwe (ver triuwe): ob allen tugenden hohe treit vrou Triuwe krone, si ist daz alre beste kleit, daz man an sich gesniden kan, ... Johann von Rinkenberg
minnesinger 1, 338
a; si (die wârheit) sprach: frou Triwe, mir ist leit
Seyfried Helbling 2, 220
u. ö.; die ein heizet frau Ere ... die ander heizet frou Truwe meister Altswert
der kittel 28
lit. ver.; vgl. noch Engelhart 129;
mhd. minnereden 8, 391
und 17, 917
Matthaei; triuwe
begegnet als allegorischer hundename im Seifried Helbling 426
und 431
und bei Hadamar von Laber.
bildhafte personifikation: der Triuwen houbetstat Wolfram von Eschenbach
Titurel 45, 4; der Triuwen bote, dienestman
Engelhart 6332, 4123; der Triuwen zange 63. III@C@3@ee)
voller ausgeführte bilder: sîn herze ân allez fulter lac in der triuwen klûse
Engelhart 6295; er strihte wol der triuwen stric
ebda 4892; als in (
den mund) dîn ûz erweltiu güete lêrte, und diu geselle dîn, diu triuwe Wolfram von Eschenbach
lieder 8, 41; truwe ... sist allir tugend ein kamererin und schenket in der minne win Hugo von Langenstein
Martina s. 62
Keller; sonst noch oft halb persönlich empfunden, besonders erscheint treue
als subject von verben, die sonst nur persönliches subject haben können: ... als ir triuwe riet
Parzival 6, 11; den wirt sîn triuwe mente 90 9,
s. a. 318, 9 (lêrt);
Willehalm 297, 25 (gebôt); Rudolf von Ems
weltchron. 9347
Ehrismann (swuor);
bisweilen bis zu directer umkehrung von subject und object: ganziu triuwe ir beider pflac Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 1178; III@C@3@ff)
bildhafte umschreibung zur charakteristik von personen, je nach dem bilde in verschiedener bedeutungsschattierung: der triuwe ein türteltûbe (
von Maria)
lobgesang auf Maria 21, 14
zs. f. dtsch. alt. 4, 521; stæter triuwe ein adamas
armer Heinrich 62; der triuwe ein diamant Ulrich von Eschenbach
Alexander 6719; der triwe ein reht beklibeniu fruht
Parzival 26, 13; ... er ganzer triuwen hort
Engelhart 5102; ... der fürste ûz triwe erkorn
Parzival 177, 13; der ganze triuwe nie gewan (
der böse) Ulrich von Eschenbach
Alex. 484. III@C@3@gg)
übergang zum adjectiv, abgeblaszt: der trüwen rîche
Parzival 166, 2; 185, 13;
Willehalm 284, 23; 261, 27; diu triuwen rîche 231, 19.
direkt umschreibung für die person: iwer triwe des gedâhte (
ihr)
Willehalm 252, 10; 'frouwe', sprach der markîs, 'sît iwer triwe und iwer prîs (
ihr gute und herrliche) sô volleclîchen rât mir gît, ...
ebda 161, 12; ez entuo dîn manlîcher sin und dîn ûz erweltiu triuwe (
du mit deiner tapferkeit und treue)
ebda 149, 13; sîn triwe mich tôdes hat begeben (
er in seiner groszmut) Ulrich von Eschenbach
Alexander 5736; diu nôt von mînen triuwen komt (
aus meinem innern) Hartmann von Aue
minnesangs frühling 214, 27;
umschreibung für die sache: mit râtes triuwe
helfend Parzival 488, 14. III@C@44)
treue als specielle bezeichnung männlicher tugend. swâ man nâch wîbes minne mit ellenthaftem sinne solt erzeigen mannes triuwe
Parzival 160, 23;
vgl. 110, 22;
sehr häufig manlîch triuwe: (
von Gachmuret) diu manlîche triwe sîn gît im ze himel liehten schîn
Parzival 107, 25;
vgl. auch 110, 8; 297, 14; 427, 27; 675, 30; 317, 23; lât mich geniezen des daz ir sît manlîcher triwe ein stam
Willehalm 254, 15; im wære mit truwen nuwe in stæte manlich truwe Rudolf von Ems
Barlaam und Josaphat 1227
Köpke; treue
im sinne von oder in verbindung mit tapferkeit: gein ein ander stuont ir triwe, der enweder alt noch niwe dürkel scharten nie enpfienc
Parzival 680, 7; bemühet euch, dasz diese eure sprache, bey eurer treu und tapfrigkeit, womit jhr alle welt übertreffet, die rühmliche nebenstelle dermaleins überkommen müge J. G. Schottel
teutsche haubtsprache (1663) 23; dort wohnen alte deutsche sitten mit tapferkeit und treue noch J. G. Jacobi
sämtl. werke (1807) 1, 40;
scherzhaft: also im vuer golt vnnd sulver wertt probertt, so wert des manns truw bi dem drunk erklert Neocorus
Dithmars. kron. 1, 148;
s. Schulze bibl. sprichw. (1860) 97. III@C@55) treue
als specielle bezeichnung weiblicher tugend. direkt als definition gebraucht: wîpheit, dîn ordenlîcher site dem vert und fuor ie triwe mite
Parzival 116, 14; 167, 29; wîbes triwe 113, 30; wer triuwe suochen und vinden wil, der haben werde frowen vil, an den triuwe nie gebrach. valscheit ist in ungemach Ulrich von Eschenbach
Alexander 9527; wîplîche triuwe
Iwein 1603;
Parzival 547, 28; Ulrich von Eschenbach
Alexander 3868;
in verbindung mit kiusche: sô daz si niht geriuwe ir kiusche und ir triuwe
Parzival 3, 2; ein wîp, diu hât ir rehts vergezzen, sol man ir kiusche mezzen, sine tuoz dan durch ir triuwe
Parzival 409, 15;
direkt '
keuschheit': elliu triwe an mir verswant daz der turkoite Flôrant und der herzoge von Gôwerzîn von mir geküsset solden sîn
Parzival 634, 21;
mehr allgemeine charakterisierung: (
ermahnung an ein mädchen) bis eren feste, lade nit fremde geste uff dynen sal; die truwe ist smal, habe kein wankels gemüte Muscatblut 96
Grote; si hât sô reine sinne und alsô ganze triuwe Konrad von Würzburg
herzmœre 319;
ähnlich Parzival 312, 3; an der wart elliu magtlîch êre enstanden: diu pflac sô vil triuwen, die man von ir noch saget in mangen landen Wolfram
Titurel 19, 4;
ähnlich Willehalm 161, 16;
Parzival 451, 26; 595, 8; 633, 17; ... uns hât gelêret iwer triwe und iwer wîpheit, vrowe, ...
Willehalm 251, 13;
vgl. 345, 28; ir bêder tôt mich immer müet. ûf mîner triwe jâmer blüet (
auf dem grunde meiner seele)
Parzival 28, 8 (
Belakane);
nhd. selten in diesem allgemeinen und mehrdeutigen sinne: doch nein! diss angesicht, diss schöne liebe wesen das adeliche thun, nichts solches gibt zulesen, ist eine stumme red von ungefälschter treu Sigmund von Birken
ostländischer lorbeerhayn (1657) 72; noch leben die frauen voll sitte und treue, sanft duldend in trübsal und stark in gefahr Joh. Friedr. Kind
gedichte (1817) 2, 52; wie wär nicht mild und treu ihr grusz und blick? sie (
die geliebte) ist ja selbst die milde und die treue Hebbel
werke 6, 200
Werner; allein diese wunderlichen vorfälle beschäftigten meine gedanken und erweckten allmählich in mir den wunsch nach dem genusse solcher unbedingten treue, und da ich für diese laune kein weib zu meiner verfügung hatte, verfiel ich einer ganz weichlichen sehnsucht, selber so treu zu sein, und damit zugleich einer heiszen sehnsucht nach Lydia Keller 4, 63. III@C@66)
sonstiger absoluter gebrauch. die verwendung des wortes als allgemeinen tugendwortes ist nhd. stark eingeschränkt; es verschwimmt teils ins allgemeine, teils tritt die bedeutung des '
stäten'
ohne bestimmten inhalt in den vordergrund. III@C@6@aa)
oft in form poetischer sinnsprüche: kann es denn auch groszen seelen an bestand und treue fehlen? ... Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 194; beglückt wer treue rein im busen trägt, kein opfer wird ihn je gereuen Göthe I 14, 83
W.; wirst du mirs lohnen, wenn ich schweige? wird eine treue, die nicht rauscht, empfunden? Göthe I 11, 45
W.; und die treue, sie ist doch kein leerer wahn Schiller 11, 289
Gödeke; treue ist das feuer selber, welches den kern der existenz ewig belebt und erhält Bismarck
briefe an die braut und gattin 34; treue üben ist tugend, treue erfahren glück Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 52. III@C@6@bb)
ganz allgemeines: saltz und brod und treue dabey ist besser, dann das beste bratels, das mit falschheit begossen ist H. Müller
thränen- und trostquelle (1675) 18; trauliche freystatt! einst den schutzgöttern häuslichen glückes und frommer eintracht und unverbrüchlicher treue heilig! Gotter
ged. 2, 487; die harmonie der treue, die kein wanken, der freundschaft, die nicht zweifelsorge kennt ... das hatt ich all in meinen besten stunden in ihr entdeckt und es für mich gefunden Göthe I 3, 44
W.; für Göthe
in diesem allgemeinen und oft ungreifbaren sinn ein besonderes lieblingswort (treue
ist bei Göthe '
ausdrucksform des ruhenden geistes' [Franz Koch]): in welchen seligen zustand versetzt uns die treue! sie gibt dem vorübergehenden menschenleben eine himmlische gewiszheit; sie macht das hauptcapital unseres reichthums aus I 27, 18
W.; gedenken sie meiner in beruhigter treue IV 37, 19
W.; die echten ritter sind vom harten geschick geschlagen und geprägt, ihr sporn ist die treue und ihr schwert der glauben an das ewige bestehen der geschlechter Arnim 2, 353
Steig; ehe die treue von selbst stark geworden, kann man ihr nichts zumuthen Bettina von Arnim
die Günderode (1840) 1, 45; welche ewigkeit von treue fühle ich in mir Novalis 4, 161
Minor; ist denn etwa bisher die bürgerliche treue sein fehler gewesen? Heinrich Laube
ges. schr. (1875) 2, 197. III@C@6@cc) treue
als treue gegen sich selbst: sô het in got bereitet, als guoter liute wünschen stêt, den ir triuwe zarbeite ergêt (
denen ihre treue gegen sich selbst mühsal bringt)
Parzival 338, 24;
vgl. 406, 6; ich habe ihn nun ein leben lang bewährt gefunden. vierzig jahr immer derselbe. dieselbe treue Fontane
vor dem sturm 195; Goethes heroismus, den er von sich ausstrahlt, auf uns alle, ist jene treue gegen sich selbst, die sich mit immer neu wandelnder verjüngung so gut verträgt Röthe
Göthe (1932) 94;
ähnlich 110;
vgl. Röthe
dtsche reden 36
f. III@C@77)
körperliche organe als umschreibung: vom menschlichen herzen: du hâst dir selben an gesigt ob dîn herze triwen phligt
Parzival 690, 2; des solte ir herze sêre in lûterlichen triuwen sweben
Engelhart 111; die treue der herzen maler Müller
werke (1811) 1, 239; das hat ein herz voll treue als knabe hier gedacht Schenkendorf
ged.3 229
Hagen; anderes: ... vier hände thun es nicht vil können, wenn ein mund nicht aller treue bricht A. Gryphius
trauerspiele 32
Palm; unschuld war in ihren mienen, treue war in seinem blick Herder 5, 81
Suphan; auf den lippen war die stille treue, auf den wangen lieblichkeit zu hause Göthe I 2, 101
W.; III@C@88) deutsche treue;
belege erst seit dem 16.
jh. 'es gehörte zu den ersten lebensäuszerungen erwachenden nationalgefühls, dasz der Deutsche deutsches wort, deutsche treue der welschen lüge und tücke gegenüberstellte' Roethe
von deutscher art u. kultur (1915) 34.
schon die ältesten vorliegenden belege deuten auf höheres alter: deshalb sich deutscher treu geflissen vm die stAets warn die Teutschen gprisen Fischart
glückh. schiff 29
ndr.; wer hat beständige vnbefleckte rechte teutsche trew im hertzen? wenig Moscherosch
gesichte (1650) 2, 148; gelehrte leüt sind fast schabab auch teutsche treu zieht von vns ab vnd scheint sie woll nach norden lauffen Moscherosch
trawgedanken zs. f. dtsch. alt. 23, 73; das band des vaterlands ... das ziehet mich hieher, und heist mich zeuge werden: wie leicht es teutsche treu in Schwedens thälern giebt Heräus
gedichte u. lat. inschriften (1721) 171; rechtschaffenheit und tugend, vornehmlich das, was man seit jahrhunderten teutsche treu und glauben hiess Kretschmann
sämtl. werke (1784) 1, 11; deutsche treue nimmt persönlichen charakter
an. auch wo sie der idee gilt Roethe
dtsche reden 94;
in der zeit der sehnsucht nach nationaler einheit und zur zeit der freiheitskriege besonders beliebt: ewig lebe deutsche treue! E.
M. Arndt
sämtl. werke 4, 15
Rösch-Meisner; dasz sich deutsche treue mehre 4, 10; du (teutscher mann!) hast treue
ders. 10, 162
Leffson-Steffens; das ist die deutsche treue, das ist der deutsche fleisz der sonder wank und reue sein werk zu treiben weisz Schenkendorf
gedichte3 259/60 (
auf die deutschen stände); verpflanz auf deine jugend die deutsche treu und tugend zugleich mit deutschem wort Uhland
ged. 1, 61
Schmidt-Hartmann; deutsche frauen, deutsche treue, deutscher wein und deutscher sang Hoffmann v. Fallersleben 3, 233
Gerstenberg; ein banner sich nicht beugen läszt: der deutschen treue reinheit A. Grün
ges. werke 1, 222; dort deutet er ihm ernst bei jedem schritte was deutsches wesen, deutsche treu und sitte Geibel
ges. werke 2, 253;
vgl. 2, 81;
sonst von Deutschland: der alten barden vaterland dem vaterland der treue, dir, freies unbezwungnes land dir weihn wir uns aufs neue Matth. Claudius
sämtl. werke (1795) 3; gegrüszt du land der treue, du deutsches vaterland Joh. Nep. Vogl
dtsche lieder (1895) 7; o Deutschland hoch in ehren du heilges land der treu Ludw. Cölestin Bauer;
jetzt volkslied; umschreibend: du kern der deutschen treu (
das heer Eugens) Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 124.
gern in der verbindung alte deutsche treue
oder doch in rückschauender klage: vor dem galt deutsche treu, jetzt gilt nur list und geld und künstlicher betrug und vorteilhafte tücke Joh. Chr. Günther
samml. dtsch. ged. (1751) 394; die alte teutsche treu
intemerata fides Weismann
lex. bipart. (1725) 2, 413
a; Logau 7
lit. ver.; ... waffnet herz und hand mit alter deutscher treue E.
M. Arndt
sämtl. werke 4, 12
Rösch-Meisner; so unverwüstlich dauerte die alte treue im deutschen volke; nur der grosze wille fehlte, der solche herrliche kräfte würdig zu benutzen verstand Treitschke
deutsche gesch. 1, 215; was weiland hiesz die deutsche treu, ist mit der alten zeit vorbei Binder
sprichw. 35; mein herz, so freudig einst, so weit, hat keine lust an dieser zeit, wo weise sippe thorheit spricht und deutsche treu wie glas zerbricht Geibel
ges. w.3 3, 32; du glaubensfrohe, heilge treue, wie oft, wie schmählich bist du schon betrogen! Klaus Groth
ges. werke 4, 212; teutsche trew vnd redlichkeit Moscherosch
gesichte (1650) 2, 196; Abele
unordnung 4, 145;
ähnlich Immermann 1, 19
Boxberger; ach! liebe alte teutsche redlichkeit und treue, wo bist du geblieben? H. Müller
geistl. erquickstunden (1714) 694.
oft auch, zumal im munde anderer nationen, mit höhnischem nebensinn: (
das französische volk) das schwür im friedensschlusz, wie in der eh, vergiszt und voller mitleid nur auf deutsche treue schauet Zachariä
poet. schr. 1, 55; o dies ewige lied von der deutschen treue! jeder lernt es, jeder singt es, und sie singen es so lange, bis sie es selber glauben. die staare müssen es hier zu lande pfeifen (
dem polnischen grafen Bninski bei Yorcks kapitulation in den mund gelegt) Fontane
vor dem sturm 394
Cotta; flogest aus nach sonn und glück, nackt und schlecht kommst du zurück. deutsche treue, deutsche hemde, die verschleiszt man in der fremde Heine 1, 417
Elster; wüszte ich nicht, dasz die treue so alt ist, wie die welt, so würde ich glauben, ein deutsches herz habe sie erfunden. deutsche treue! sie ist keine moderne adressenfloskel Heine 3, 38
Elster; auch sprichwörtlich: deutsche treue ist alte, verlegene ware
bei Rother
schles. sprichw. u. redensarten (1928) 374;
ironisch übertragen auf andere völker: ... windisch trew ... zigeuner reuw, der Walhen andacht, Spanier eyd, ... für diese dreytzehen noch so viel, gibt niemand gern ein poppelstiel Kirchhof
wendunmuth 1, 239
lit. ver.; her peweyste ehm unde vns eyne pemische trewe (
verrat) Martin v. Bolkenhain
in script. rer. Siles. 1 (1839), 373. III@C@99) alte treue: denn gerechtigkeit ist aus dem lande entflohn, der alten zeit treue schier vergangen E.
M. Arndt
sämtl. werke 6, 221
Rösch-Meisner; ganz allgemein, etwa '
tradition': aber wie auch vieles locker, ja lockerer als recht war, es war doch von dem alten glauben und der alten treue und von den etwas versteiften, aber doch wohlanständigen gebräuchen und gestalten genug übrig ...
ders. 1, 56; die lust an den geschichten von alter kraft und treu Schenkendorf
ged.3 233; das edle gold der alten treue Fr. A. v. Stägemann
kriegsges. (1813) 10; die alte zeit mit ihrer kraft, der reinen, mit ihrem lied aus tiefen herzenstrieben, mit ihrer treue, ihrem feuerlieben, die noch mir oft als liebes bild erscheinen Strachwitz
gedichte (1850) 131; klingt an und hebt die gläser hoch, die alten burschen leben noch, noch lebt die alte treue! Eugen Höfling
bei Lipperheide spruchwörterbuch 877. III@C@1010)
sprichwörtlicher gebrauch: das bekannteste sprichwort ist: treue hat brot, untreue leidet not.
nur die erste hälfte: trüw gibt brot (1515)
Eulenspiegel 27
ndr.; truwe hefft brodt, vntruwe lydt noch
bei Schiller-Lübben 4, 620;
sonst z. b. noch Coler
hausbuch 8; Schottel 1136; Schellhorn
sprichw. (1797) 140; Binder 196;
anderes s. Wander 4, 1310
f. im älteren nhd. auch sehr verbreitet: treu ist wildbret: es sindt allenthalb in alten sprachen ettliche gemeine sprch, darinnen kurtze leer oder gesetz von gemeinen sietten und fehlen begriffen sindt, als bei uns Deutschen, ... trew ist wilpret J. Menius (1526)
auslegung über die sprüch Salomonis a 4
b;
vgl. Friedrich Wilhelm
sprichw. reg. (1577) f 1
a; Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, T t 6
v; Schweinichen
denkw. 7; Pistorius
thes. paroem. (1715
ff.) 630;
geschützinschrift bei Ziegler 47; hertz von trewen ist wilpret Latendorf
sprichw. samml. (1532)
nr. 643; Seb. Frank
bei Fischer 2, 373.
ähnlich negativ noch oft: sihe fur dich trew ist mislich Luther 16, 522, 10
Weim.; Seb. Franck
sprüchw. (1541) 1, 141
b; Latendorf (1532)
nr. 251; drumb sagt das sprichwort: schaw für dich! wann trew ist seltzam und miszlich H. Sachs 8, 445
Keller; ebenso: schöne weise klugr. (1548) 4
a; 8
b; Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, I i 6
r;
unters. d. vornehmst. teutsch. sprichw. (1725) 68; Kirchhofer
schweizerische sprüchw. (1824) 175; Eiselein
sprichw. u. sinnreden 603; Körte 6050; Wander 4, 1311. trew ist ein sältzam gast; wem er widervar, der hab in vast
Augsburger liederb. (1454)
in Alemannia 18, 114; treue ist ein seltner gast, halt ihn fest, wenn du ihn hast Binder 196;
kern auserlesener sprichwörter (1718) 49;
weitere s. bei Wander 4, 1311. — die nächste treu ist sich der mensch selber schuldig Frisius (1556) 515;
ähnlich Lehman
floril. polit. (1662) 3, 84;
Nürnberger wb. (1713) 40; Pistorius
thes. paroem. (1715) 455; Graf
u. Dietherr
deutsche sprichw. 375.
gern die verbindung falsche treue: gute wort und falsche trew ist jetzt der welt nicht new Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, H h 2
v;
ähnlich Fischer 2, 374; gute wort vnd falsche trew ist bey hoff das erste essen A. Corvinus
fons latinitatis (1646) 97; falsche treue, falsches geld Körte
die sprichw. u. sprichwörtl. redensarten d. Deutschen 6094; Wander 4, 1310. — lieb erwirbt lieb, vnd trew wirt vmb treu kaufft vnd verkaufft Seb. Franck
sprüchw. (1545) a i 9
a;
schöne weise klugreden (1548) 137
b; gekaufte treue hat wenig wert Wander 4, 1310.
verschiedenes: vallet de truwe in den poel god settet se wedder vp den stol
schaekspel (1489)
fol. 63
s. Schiller-Lübben 4, 620; wo trew ist, da ist gottes segen nie ferne
sprichw., schöne weise klugreden (1548) 32
a; wo ich keine trew finde, da kehr ich den mantel nach dem winde Petri
der Teutschen weisheit 2, 806; Wander 4, 1313; bleib trew, dem du trew schuldig bist Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, l 3
r; es ist selten rechte trew vber frembdes gut Lehman
floril. polit. (1662) 3, 88; selten der verdirbt, der nach treue wirbt
spruch an einem hause s. Lipperheide
spruchw.-buch 877; wo die treue wache hält, da ist das haus gut bestellt
Wartburgspruch ebda; geytz vnd trew wohnen nicht in einen hausz Lehman
floril. polit. (1662) 1, 277; gesellen trew langsam bestehet, eh weiber trew uber alles gehet J. P. de Memel
lust. gesellsch. (1656) 104.
eine fülle von sprichwörtern und sprichwörtlichen redensarten aus dem rechtsleben s. bei Graf-Dietherr
deutsche rechtssprichw. s. 111; 227; 270; 419; 524; 557.
in ungezählten sprichwörtlichen redensarten wird das schwinden der treue
als zeichen für die zunehmende schlechtigkeit der welt angesehen und beklagt: diu triuwe ist garlich erslagen under den, diu laien sint Heinrich von Melk
von des todes gehugede 272;
vgl. auch schlegel 16
Wien. hs., s. Pfannmüller app. ie lenger ie lieber bin ich allein dann treuw und warheit ist worden klein Hier. Heldt (1566) xvi
bei Fischer 2, 374; die treue ist gestorben
schweizer volkslieder 1, 168
Tobler; lieb und trew sind schlaffen gangen Lehman
flor. polit. (1662) 1, 195; es ist keine treu, keine liebe, kein wort gottes im lande G. L. Hartmann
fluchspiegel (1672) 3;
ähnlich sprichw. schöne weise klugreden (1548) 69
a und Kramer
nd.-hochd. (1719) 402
b;
bei Opel-Cohn
dreissigjähr. krieg (1862) 44; die warheit ist erschlagen, vnd ist die trew vber meer geflohen Höniger
narrensch. (1574) 367
b;
ähnlich Lüpke
seemansspr. (1900) 63 (
ostfries. sprichw.)
und Rother
schles. sprichw. u. redensarten (1928) 377; da die treue ward geborn, flog sie in ein jägerhorn; sie der jäger blisz in wind, dasz man sie nun selten find Abele
gerichtshändel (1655) 386; hin ist leider verschwunden fried, ruh vnd einigkeit, gotts furcht vnd trew ligt vnden Basilius Förtsch
bei Fischer-Tümpel 1, 24;
gelegentlich bis in neuere zeit, nur noch im gedanken, nicht mehr in der form sprichwörtlich: die ehre fliehet vor der schande, die treue räumet flugs die lande, sie wohnet nur mit recht und pflicht E.
M. Arndt
sämtl. werke 4, 7
Rösch-Meisner; frommer liebe, frommer treue spur, ach, das ist auf lange nun vergangen Mörike 1, 143
Göschen; wild die herzen, feil die treue Friedr. Wilh. Weber
Dreizehnlinden136 (1907) 360;
redensartlich und formelhaft: die erste trew, die liebste trew Val. Herberger
herzpostille 2, 122 (
s. Wander 4, 1309); trewe hin, trewe her, die getrennte trew ist die beste
ebda 1, 779; Rother
schles. sprichw. u. redensarten (1928) 374; treu gegen treu steht jedem zu; wer dir sie bricht, dem gleiches thu!
bei Wander 4, 1310; treue um treue!
sitzungsber. d. kgl. preusz. akad. d. wiss. 1903, 1126; treu ber alle treu G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 295; bi treu und säligkeit! Wander 4, 1313. III@DD.
übertragener gebrauch: III@D@11)
von tieren, in älterer zeit selten und dann nur anthropomorph empfunden: Reinhartes triuwe wâren laz
Reinhart fuchs 52,
v. 753
J. Grimm; später allgemein übertragen: das säugetier besitzt gedächtnis, verstand ... es beweist neigung und abneigung, ... dankbarkeit, treue, achtung Brehm
tierleben 1, 20
Pechuel-Lösche; besonders von hunden: lieb vnd trew losieret bey hunden im hundsstall Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 498;
ähnliches bei Wander 4, 1311; (
Jupiter zum hunde:) hüt' eifrig haus und heerde! du bekamst muth, treue, hurtigkeit von mir Ramler
fabellese (1738) 1, 32;
vgl. auch Göthe I 43, 135
W.; S.
Brunner erzählungen u. schr. (1864) 1, 55; o weh, wo in aller welt ist noch treue, wenn nicht einmal bei einem hund? Hans Watzlik
der pfarrer von Dornloh (1930) 263;
rückwärts wieder auf den menschen übertragen: hündische treue Bettine v. Arnim
dies buch gehört dem könig (1843) 2, 350; Treue
als personificierter hundename s. sp. 317;
für treue des pferdes, des schlachtrosses
u. ä. fehlen nur zufällig belege; doch vgl. oben sp. 266
f.; (
von der liebe des pelikans zu seinen jungen) do gewunnen wir des vogels bluot, ob uns sîn triwe wære guot unt strichens an die wunden sô wir beste kunden
Parzival 482, 20;
vgl. 482, 15; was sonsten von der treu und danckbarkeit der jungen stOerche gegen ihre eltern so viel autores schreiben J. Prätorius
winter flucht d. sommervögel (1678) 155; er (
d. i. der crocodill) schlummert gerne im schilf, nach beute lauschend, ...; er kennet kein erbarmen, keine treue, keinen edelmuth; ...; wie des meeres aufbrausen sind seine begierden ... maler Müller (1811) 1, 47;
ironisch: (
das glück) hat wolfesahrt und slangen treu Schottelius
friedenssieg (1648) 37. III@D@22) treue
des elements, der beseelten natur u. ä. übertragungen: wol dem und mehr alss wol, der nie sein armes leben der ungetreuen treu der see hat übergeben! J. Rachel
satyr. ged. 22
ndr.; wohin, wohin auf diesem ozean, der klippenvoller als das südmeer droht; wo weder luft noch wasser treue hält Kretschmann
sämtl. werke (1784
ff.) 5, 24; heut würst ein gluckschiff noch genent, vnd durch dich werd ich auch geprisen, weil ich (
der Rheinstrom) solch trew dir hab bewisen J. Fischart
glückhaft schiff 12
ndr.; wann hat uns die natur die gröszte treu gethan ob, wann wir gehen ab? ob, wann wir kummen an? Logau
sinnged.; dasz die alten häuser ... den geschlechterfolgen bessere treue bewahren als sonstige habe Hans Grimm
volk ohne raum 1, 20. III@D@33)
allegorischer und symbolischer gebrauch verschiedener art, teilweise personificierungen: die fahnenbilder (symbola heroica) ... von lieb, hoffnung, trew ... vnd dergleichen handeln Harsdörfer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, d 4
b; der guldne siebenstern, den ihr geschlechtsbild führt, kan nun das sinnbild seyn, das ihre tugend ziert. weil er, der treue gleich, am allerhellsten funkelt, wenn schwarze trauernacht das heitre licht verdunkelt Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 164; da ist vergiszmeinnicht, das ist für das andenken ... da ist rosmarin, das ist für die treue
Shakespeare 3, 305; das veilchen demuth sollen fürsten finden, das blümchen treue schmückt des niedern haus Fr. Kind
gedichte (1817
ff.) 2, 14; treue wächst in dem geist auf, der liebt, gedeiht sie zu einem starken baum, so wird kein eisen so scharf sein, ihn auszurotten, aber ehe die treue von selbst stark geworden, kann man ihr nichts zumuthen. ... bis dahin lasz uns einander treffen in ihrem tempel, die gewohnheit, uns da zu finden, einander die hand zu bieten in gleicher absicht, die wird den baum der treue in uns pflegen Bettine
Günderode (1840) 1, 44/45; die weisze farbe bedeutet unschuld, reinligkeit, aufrichtige treue Ph. Zesen
Helikon rosenthal (1669) 27; doch an neuer lust und scherzen wird sie (
die liebe) wohlgemuth erblühn, findet sie in lieben herzen nur der treue immergrün Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 85; an deiner brust, wie eingeknickt, die blauen seidenschleifen lagen; so mit der treue bild geschmückt, hat man dich in die gruft getragen Annette v. Droste-Hülshoff 1, 163
Schücking; blau als farbe der treue Fr. Th. Vischer
ästhetik (1846) 2, 44; ... legte Rudolf den umschlag eines neuen tagebuchs an und wählte nicht mehr das blau der treue, sondern das heitere, ebenmäszig helle grau der ergebenheit Timm Kröger
schuld? 15. IVIV.
übergänge zu ethisch neutraler bedeutung. IV@11)
in mehreren, besonders mhd. auszerordentlich häufigen präpositionalen verbindungen verliert sich der ethisch starke gehalt des wortes, und die verbindung wird oft nur noch als blosze flickformel verwendet. doch stehen dabei der sinnschwere und der verflachte gebrauch oft merkwürdig unvermittelt nebeneinander. IV@1@aa)
selten, und dann meist syntaktisch verknüpft, erscheint die verbindung mit an: ich rât iu an den triuwen, welt ir iuch bewarn, sô sult ir zuo den Hiunen vil werlîchen varn
Nibelungen 1411, 3
Lachmann; ähnlich 785, 3; des wer ich an den triwen dich
Parzival 68, 16; IV@1@bb)
in der verbindung mit auf
hat treue
ganz überwiegend die bedeutung '
wort',
s. u. VI,
sp. 338
ff. IV@1@cc) aus tr.;
meist noch in sinnschwerer anwendung, zumal wenn entsprechende adjectiva hinzutreten: ... sprach Artûs ûz triwen kraft
Parzival 150, 26; ich habs zwar than usz allen trüwen
Schweizer schauspiele d. 16. jh. 2, 40
Bächtold; ähnlich Albrecht Dietrich
historia von einem bawrenknecht (1618) a 3
a; ausz guoten treüwen vnnd nach billigkeit handlen Joh. Frisius
dict. (1556) 49
a; darumb denck an mein guten rhat, den ich dir gib ausz gantzen trewen Hans Sachs 19, 50
Keller-Götze; usz schuldiger trw Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 40;
schwächer: es ist des die ... stadt Wurmbs ... in yrer vergangen verterbnusz woll innen worden, was ich hie ausz trewen antzeyge Jacob Strausz
beychtpüchlin (1523) B iij
b. IV@1@dd)
in der verbindung mit bei
zeigt das wort meist die bedeutung '
ehrlichkeit', '
aufrichtigkeit', '
wahrhaftigkeit',
auch direct '
wahrheit'. IV@1@d@aα)
noch nicht zu blosz formelhafter bedeutung abgeschwächt: wir haben bi vesten guten treuen gelopt
bei Fischer 2, 373 (
v. j. 1394); so bestetig ich und erhaisz dir darbei und bei guten treuen, das weder ich noch kainer der meinen dir ... weder laide übel noch widerdriesz ton
volksb. v. hrz. Ernst 287
Bartsch; by vnsern wirden gutten wauren truowen ... Reyscher
Württ. ges. 2, 18 (
v. j. 1498); ich will ouch den friden, so herr keiser ... gemacht, ... halten, bi guten trüwen, on allen betrug Äg. Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 91
a;
nicht mehr fest mit dem verb verbunden: darumb versprich ich dir jetzunder, bey adelicher trew besunder J. Spreng
Ilias (1610) 76
b; auch soll keiner bey adelichen trewen ungebeicht in den turnier reitten Moscherosch
gesichte (1650) 2, 378; alle ob geschrebene rede glawben wir stete und gancz festeclichen zu halden bey unsern furstlichen trawen ane ark
lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 97 (
v. j. 1419). IV@1@d@bβ)
schwächer, im vers oft als bloszes füllsel: pey trewen si das jahen Heinrich von Neustadt
Apollonius v. Tyrland 6254
Singer; ich sprich es wol by triuen
liederbuch der Clara Hätzlerin 152
Haltaus; promitto, ich verheisz bey trewen Erasmus Alberus
nov. dict. (1540) 16
b; sagen bey treüwen J. Frisius
dict. (1556) 209
a;
seltener singular: bey traw '
auf ehre' Fizion
chron. v. Reutl. bei Fischer 2, 326; bedenckts von anfang: nach der that zu dencken ist, bey trew, zu spatt I. Gilhusius
grammatica (1597) 136; bey trew! der mann ist wütig schon Fröreisen
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 174
lit. ver.; IV@1@d@gγ)
besonders häufig in verbindung mit dem pronomen possessivum, zumal der 1.
person sing. im mittelalter ist die pluralform des subst. bevorzugt. syntaktisch mit dem verbum verknüpft: ich wilz bî mînen triuwen sagen (
ganz ehrlich), dich selben wolt ich lützel klagen Walther von der Vogelweide 83, 4
Lachmann; ähnlich Ulrich von Lichtenstein 125, 4
Lachmann; ich ratz pey meinen treuen
Sterzinger spiele 168
Zingerle; vgl. auch Erasmus Alberus
fabeln 44
ndr.; Hans Sachs 7, 4
Keller; Arnold v. Harff
pilgerfahrt 173
Grote; in beliebter umstellung: daz spreche ich bi den truwen min
Katharinenspiel 130
Beckers. syntaktisch absolut stehend: bey meinen treüen, du solt den tod gewisz haben
Tristrant 193
lit. ver.; ähnlich buch der liebe (1587) 313
b; pey mein trewn, ez duncat ein Deuczen (
Deutschen), er hiet nicht chauf gemacht, ob er nicht zu gab hiet
it.-deutsches sprachb. (1424)
in Brenner
u. Hartmann
Bayerns mundarten 2, 439;
äuszerst beliebt bei Hans Sachs,
z. t. als reimformel: 9, 24; 12, 439; 14, 323; 21, 89
Keller-Götze; man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund, ich glaubs nit, bei mein treuen, es schwenkt eim nur den mund Uhland
volkslieder (1845) I 2, 585.
die entsprechende singularformel setzt erst mit dem 16.
jh. ein. auch hier entwickelt sich die interjection erst allmählich aus der verknüpfung mit dem verb: herr, dises soll doch ylents bschehen, thuo ich by miner trüw verjehen
Schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 24
Bächtold; ich reden das by miner trüw, sy frässend wüster dann die süw R. Manuel
weinspiel 52
ndr.; das versprich ich dir bey meiner trew, das ...
M. Lindener
rastbüchlein 43
lit. ver.; ähnlich Arigo
decameroneübers. 38
lit. ver.; Spreng
Ilias (1616) 100
b;
gern als flickwendung im vers und umgestellt: nun sag ich das on allen spot und bi der trüwe min
bei Liliencron
volksl. (
v. j. 1499)
nr. 203, 17; ik segget by der truwe myn
Reinke de vos v. 199
Prien; den übergang zu bloszer interjection bilden fälle wie: by miner trüw ich die warheit sagen sol
Schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 16
Bächtold; ich weisz bey meiner trew nicht, antwort sie
Amadis 28
lit. ver. blosze interjection, im 17.
und 18.
jh. besonders beliebt, seit dem 19.
jh. veraltet, höchstens noch in stark pathetischer rede: der winter komt bey meiner trew, vnd haben wir gar wenig hew W. Spangenberg
ausgew. dicht. 69
Martin; bei meiner traue, ich will ein narre sein, wo dieses nicht die lautere wahrheit ist Prätorius
philos. colus (1662) 18; bei meiner treu, ihr mann hat recht Justus Möser
sämtl. werke 3, 19
Abeken; bey meiner treu! es ist ein saures leben! Wieland (1794) 26, 213; bey meiner treu! er regt sich früh, ihr appetit Göthe I 37, 51
W.; sie ist, bei meiner treu, das nettste kammerkätzchen Müllner
dram. werke (1828) 5, 236;
selten in der zweisilbigen form: es ist bei meiner treue ein stattliches gebäude Pfeffel
pros. vers. (1810) 7, 35; Gellert (1783) 4, 129. IV@1@d@dδ)
durch ellipse der präposition entsteht die häufige interjection meiner treu;
die belege reichen nur gelegentlich über das 18.
jh. zurück, doch ist die formel während des ganzen 19.
jh. noch lebendig; heute wirkt sie auch veraltet: ... der ... im übrigen so ein roher mensch war, dasz ich meiner treu schwöhren kan, ich hätt ihn niemahln hören oder sehen beten ... Grimmelshausen
Simplicissimus (1713) 2, 124; die sauren pflaumen, die du mir einmal verehrt, die waren, meiner treu! nicht einen strohhalm werth
bei Gottsched
deutsche schaubühne 5, 459; du bist sehr eilig, meiner treu! du suchst die thür und läufst vorbei Göthe I 2, 232
W.; ja, meiner treu, herr richter Adam! kahlköpfig wart ihr, als ihr wiederkamt Kleist 1, 337
E. Schmidt; die leute von Seldwyla, prächtig meiner treu! Wilhelm v. Polenz
Grabenhäger 1, 137;
mundartlich noch im schlesischen: meiner dreie
bei Rother
schles. sprichw. u. redensarten 230;
abgeschliffen zu der form: mein treu,
oft nur aus rhythmischen gründen: mein treu! ruft Scherasmin, die jungfer hat gut winken Wieland
Oberon (
teutsch. merkur 1780) 3, 16; der könig braucht soldaten, und, mein treu! ein schwert wär nicht zu schwer für diese hand Grillparzer 8, 8
Sauer; die orgel hängt voll geigen, der himmel nicht, mein treu Mörike 1, 237
Göschen. IV@1@d@eε)
im 16.
jh. erscheint die formel auch mit dem possessivpronomen der 2.
oder 3.
person, noch nicht überall in abgeschwächter bedeutung. während sie sich jedoch in der 1.
person zur freien interjection entwickelt, bleibt sie in der 2.
und 3.
person stets in syntaktischem zusammenhang mit dem verb: ist ein jeder gemaynsmann bei seiner trew ... zu komen schuldig
bei Fischer 2, 373 (
v. j. 1528); daz du mir versprechst pei deiner treüe an eydes stat ... Arigo
decameroneübers. 145
Keller; es stundt ein wolff in groszer not da globet er bey seiner trew, er wöll sein leben lang kein säw nicht fressen mehr ... Erasmus Alberus
fabeln 82
ndr.; das namen an die drey partheyen vnd sagtens zu bey jren treuwen J. Fischart
Eulenspiegel 449
Hauffen; dann sy mir als sampt gschworen hand, by iren trüwen, eyd vnd eer H. R. Manuel
weinspiel 110
ndr.; auf soliche treung must der convent ausz zway ubeln dasz grost fliehen, thetend alsz de benotigeten und haben die nachvolgenden artickel gelobt, bey iren treuen zu halten Knebel
chron. v. Kaisheim 448
lit. ver. IV@1@ee)
nur niederdeutsch die verbindung binnen tr.: dat dede he binnen truwen
Lüneburger chron. bei Eccard
corp. hist. med. aevi 1, 1403; min here beclaget iu to unrechte, dat gi ... wolden binnen guden truwen eme sus sin gud untfernet hebben (
während der herr euch guten glauben schenkte)
Richtst. Lehnr. c. 15 § 2
bei Schiller-Lübben 4, 621. IV@1@ff) durch triuwe;
nur selten blosz formelhaft, an stelle eines adverbs: ich muoz durch triwe klagen
Parzival 276, 13; ieslîch man durh triwe jehe, waz er tæte Wolfram von Eschenbach
Willehalm 181, 26; ir habet uns her für iuch besant, ... beidiu, durch triuwe unt durch rat Gottfried von Straszburg
Tristan 15357; (
die rede) die ich durch trüwe han getan
Peter von Staufenberg 693; daz ir durch triuwe die künigîn iu allen lât bevolhen sîn Ulrich von Eschenbach
Alexander 4313; IV@1@gg) in tr. IV@1@g@aα)
in mehr oder weniger fester syntaktischer verbindung mit dem verbum, an stelle des adverbs oft noch mit starkem bedeutungsgehalt, oft blosz verstärkender zusatz; meist im plural. schon ahd.: thiniu uuort nua thiu meldont thih in driua (
verraten dich mit zuverlässigkeit, deutlich, bestimmt) Otfrid 4, 18, 28; si wândon es were in triuwon, do waz ez in valsch und in grôzen untriuwon Grieshaber
predigten 2, 32; swê mîn daran (an mîner vrouwen) scône in trouwen, (
gütig, freundlich rücksicht übt) dem wonsc ich des paradîses Heinrich v. Veldeke
minnes. frühl. 58, 14; unser minne sol in triwen stên (
währen)
Parzival 715, 19; im ir guot in trewen befolhen haben (
vertrauensvoll)
Augsburger chron. 2, 268
bei Fischer 2, 373;
schon sehr abgeschwächt: ob ich in triuwen sunder haz erfülle gerne sîn (
gottes) gebot
Engelhart 6172; daz ez dir were in drwen leit Heinrich von Neustadt
gottes zukunft 3945
Singer; wan er in liep in trüwe was
Peter von Staufenberg 625. in trewen thut er (
Jupiter) für dich sorgen Joh. Spreng
Ilias (1610) 2, 14
b;
festere verbindung: es in treuen mit einem meinen Matth. Kramer
teutsch-italiän. dict. (1702) 2, 1140
a;
in neuerer zeit meist stark pathetisch oder mit altertümlichem beiklang: heil dir, erlauchtes paar, wir grüszen dich in treuen Geibel 6, 123; es ist wohl fromm in treuen der geschiednen zu gedenken
ebda 7, 65;
vgl. noch 6, 113; noch giebts manch auge, das in treuen blitzt, manch herz, das noch an rechter stelle sitzt Gottfried Keller
ges. w. (1889) 9, 22; da fiel mir alles ... ein, ... was wir durchlebt in treuen Marie von Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 1, 196. IV@1@g@bβ)
besonders häufig mit einem verbum dicendi in der bedeutung '
aufrichtig'
oder '
im vertrauen', '
heimlich',
teilweise auch hier nur verstärkend: ich thun uch allen kunt in truwen, das uch nummer magk beruwen
Alsfelder passionsspiel 5
Grein; vnd inn dem ist es ein groszer vnderscheid, das man einem sagt in beichts weisz, vnd das man einem sagt in trauwen vnnd nit in beichts weisz Geiler v. Keisersberg
sünden d. munds (1518) 72
a; in trüwen sagen
bona fide dicere Maaler 410
d; treüw, dardurch einer daz, so jm in treüwen gesagt ist, heimlich haltet Maaler 407
a; da erzählt sie jhm, was jhr die jungfrauw in trewen gesagt hat
buch der liebe 313
2b;
blosz verstärkend: Schweizer schausp. 1, 41
Bächtold; Spee
trutznachtigall (1649) 49;
gelegentlich auch in neuerer zeit noch mit dem alten vollen sinngehalt: ich sag es euch in treuen und mit groszem ernste Fouqué
altsächs. bildersaal (1818
ff.) 4, 41. in tr. raten: daz ir iuch wol hüetet,in triwen râte ich iu daz
Nibelungen 1575, 4
Lachmann; vgl. noch Albrecht von Eyb
dtsche schr. 1, 29; Arigo
decameroneübers. 86
Keller; ebda 175; Th. Murner
narrenbeschw. 54
ndr. IV@1@g@gγ)
die formel wird durch verschiedene attribute verstärkt: in ganzen trüwen:
rosengarten a 225;
passional 45, 47
Köpke; herzog Ernst prosa 277;
bei Liliencron
volksl. 177 (
v. j. 1489/90); Uhland
hoch- und niederdtsche volksl. 3; Montanus 362
Bolte; dass wir ... wollen ... in gantzen trewen festiglich bey euch ... bleiben
M. C. Schütz
hist. rer. Prussic. (1592)
buch 3, r iv
d. in guten tr.: daz ir daz habet verdienetdaz iu die reken sint sô holt in guoten triuwensô ich si hœre jehen
Nibelungen 302, 3
Lachmann; des gaben si ainander guot prieff und aid in guten triwen aun arg
Augsburger chron. 1, 55
bei Fischer 2, 373; geloven in guden truwen
Köln. zunfturk. 2, 172
Lösch; chron. d. dtsch. städte 2, 128;
in jüngerer zeit besonders in der Schweiz gebräuchlich: in guoten treuwen kauffen, on arglist Maaler 407
b; wolan ich sags in guten trüwen (
in gutem glauben oder in guter gesinnung) R. Manuel
weinspiel 39
ndr. oft, ja gewöhnlich, wird Nathan der weise in guten treuen (
in gutem glauben) so gelesen, dass er die duldsamkeit gegen andersgläubige lehren solle W. Wackernagel
kl. schr. 2, 468; für die veranstaltungen, die mit hinsicht auf die eheschlieszung in guten treuen getroffen worden sind (
auf treu und glauben)
Schweiz. ziv.-ges.-buch art. 92; in guten treuen gib es ihm hin, dasz er auch freude daran haben kann Gottfried Keller 6, 90. in allen tr.: desz solt ihr euch zu mir in allen treuwen versehen (
fest auf mich rechnen)
buch d. liebe (1587) 240
b; einem in allen treüwen vnd günstlich zuo dienen bereit sein Maaler 407
b; ich sags üch zuo in allen trüwen H. R. Manuel
weinspiel 24
ndr.; ich sage in allen treuen, dasz ich nichts bessers bringen konnte Claudius 7, 173; dann sind geschwister in des waldes einsamkeit verlassen, aber sie stehen sich in allen treuen bei
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, x.
mit andern epithetis: lof my des in rechten truwen
Lübecker gebetsbüchlein (1485)
bei Schiller-Lübben 4, 620; darnach anno 1344 hat einer von Rorschach das schlosz Rosenburg einem paursman bevohlen in höchsten treuwen zubewaren Stumpf
Schweitzerchron. (1606) 425
a.
seltener sg.: das wil ich euch nach der rey, sagen vor in aller treu
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 245; zu gottes ehr und deiner pflicht und nach der vordern art zog ich in aller treue dich, als schon dein kinn behaart Annette v. Droste-Hülshoff 1, 75
Cotta. IV@1@g@dδ)
als syntaktisch absolute interjection: 'in trouwen', sprach Asprîân
könig Rother 1451
Rückert; in druwen mich dunket auch also, were ez war, des were ich fro
bei Mone
schausp. d. mittelalters 1, 127;
vgl. Wierstrait
belag. v. Nuys register; dein not und klag ist mir leid in trewen
buch der liebe 263, 4; euer
f. gnd. seint vnsere gehorsame vnnd vnvordrossene dienste jederzeit in trewen bevorn
verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 37
Palm; briefformel: in treuen ihr Jac. Grimm
briefw. mit Gervinus 1, 281;
schon früh überwiegend mit abschwächung der präposition zu einem worte verschmolzen (
vgl.traun th. 11, 1, 1,
sp. 1526
ff.): sô weste ouch wol entriwen ir vil grôz armechäit nâch genâden unser trehtin Heinrich von Melk
priesterleben v. 297
Heinzel; vgl. auch kaiserchron. 155, 13
Diemer; auszerordentlich häufig bei Hartmann von Aue
s. Benecke-Müller-Zarncke 3, 108
a;
besonders auch in verbindung mit ja
oder nein
u. ä.: das weybel sprach 'nu lasz mich!' 'entrewn' sprach er, 'nain ich!' Heinrich von Neustadt
Apollonius v. Tyrland 8302
Singer; er sprach: entriuwen, daz ist wâr Hugo von Trimberg
renner 14229
Ehrismann; anderes s. s. v. traun sp. 1528.
später ist die präposition völlig geschwunden; das adverb erscheint in der form triuwen,
s. ebda. IV@1@hh) mit tr.
in der älteren zeit die beliebteste und häufigste aller präpositionalen verbindungen, teilweise schon früh zur bloszen formel abgeschwächt, teils aber auch noch mit sehr starkem bedeutungsgehalt. die übergänge sind sehr schwankend und unbestimmt. IV@1@h@aα) thu scalt thih io mit driuuon fora gote riuuon Otfrid I 23, 43;
dagegen rein formelhaft (
aus reimgründen) IV 3, 6;
mit starkem bedeutungsgehalt: the mid treuuon uuili uuið is uuini uuirkean
Heliand 1016;
schwächer, da nur variation: 291; uuanda er ist der rehtscúldigosto erbo mînes rîches, ímo habo ih iz mit triûuuon gehálten Notker 2, 273
Piper; sô ist áber durft ze déro êuuigun sâldo daz er ouh keloube mit triúuuon diê ménneskehêit unseres hêrren (
fideliter credat) Notker 2, 642
Piper; s. auch 3, 384/85. IV@1@h@bβ)
im mhd. und frühnhd. ersetzt diese präpositionale verbindung auf weite strecken das adverb des adjectivums getriuwe,
in entsprechend vielfältiger bedeutung: noch nicht abgeblaszt: nu verkiuse ich hie mit triwen (
aufrichtig) daz ir mich mit riwen liezt
Parzival 310, 27;
mit warmer teilnahme 557, 1; der (
priester) sol sîn dienst mit triwen pflegn (
in der furcht gottes)
ebda 502, 10; mit triwen (
sorgsam) Gâwânes hant die wurz ûf die wunden bant
ebda 521, 21;
ähnlich Willehalm 186, 27; ez ist mir mit triuwen leit (
aufrichtig) Ulrich von Eschenbach
Alexander 2693; sein werck vnd arbeit mit trüwen auszrichten
justam operam reddere Maaler 410
d; gab ir derhalben den schlüszel und befahl ir, des weins mit trewen zu warten Montanus 46
Bolte. nur noch verstärkendes, nicht mehr wesentliches satzglied: 'swâ von ich sol die maget hân' sprach der heiden, 'daz wirt gar getân und mit triwen an mir rezeiget!'
Parzival 817, 3;
ähnlich: 311, 27; 354, 16; 405, 25; 586, 24; 802, 29; 825, 9;
Willehalm 263, 6; daz er lônes wirt gewert ob ers mit triuwen hât gegert (
mit fleisz, ehrlich)
Moriz von Craûn 300;
s. noch Engelhart 5657;
Schlegel 1042; Rud. v. Ems
Barlaam und Josaphat 3, 23
Köpke; ich send eu einen brif, und den het ich eu mit triuen geschriben Steinhausen
privatbriefe d. mittelalters 1, 3.
als reine flickformel: ob sî in des hin wider gewert mit triuwen nâch dem willen sîn
das üble wîp 209; das lobtin sie mit truwen gar Rudolf von Ems
weltchronik 17106
Ehrismann; anderes: Parzival 28, 12; 168, 26; 580, 18; 584, 20;
Willehalm 135, 27; 162, 9; 262, 28; 439, 17;
Engelhart 5221; 5796;
gern in gegensätzlicher verbindung: mit triwen âne vâre
Parzival 780, 1; âne schranz
ebda 189, 17; unverschertet 625, 20; mit triwen âne wenken
Willehalm 378, 17. IV@1@h@gγ)
seltener an stelle des adjectivs getriuwe: mit triuwen sîn
Parzival 476, 20;
Willehalm 122, 23; den al diu werlt mit triwen weiz
Willehalm 257, 3; der ie mit treuen ist gewesen
fastnachtsp. 408, 6
Keller. IV@1@h@dδ)
bestimmte verbalverbindungen, mehr oder minder sinnstark, je nach dem gehalt des verbums: verba dicendi: mit triwen geheiszen
Parzival 324, 27; jehen 65, 22; sprechen 449, 25;
Moriz v. Craûn 1518; mit treuen geloben
weisthümer 6, 12;
vgl. auch 6, 20; mit tr. raten
Parzival 168, 26; 654, 17; Rudolf von Ems
weltchron. 20445
Ehrismann; spiel von den zehn jungfrauen 121
Beckers; mit tr. klagen
Parzival 91, 20; 206, 15; 557, 23; 740, 2;
Willehalm 23, 16; 168, 10;
bei Wackernagel
kirchenl. 2, 55;
bes. häufig bis in die jüngere zeit mit treuen meinen,
meist noch nicht abgeschwächt: die swære enwendet nieman, er entuoz den ich mit triuwen meine (
heisz liebe) Reinmar der alte
minnesangs frühling 156, 4; si solz mit triwen meinen (
aufrichtig meinen, mich nicht täuschen)
Parzival 722, 24; o jhr herrn vnd freundt, die mich mit trawen meinen vnnd nicht von mir weichen wöllen Paul v.
d. Älst
Heymonskinder 93; wo ein land also stehet, das herr vnd knecht sich lieb haben, vnd einander mit trewen meinen Luther 51, 252
W.; s. auch 34, 1, 519
W.; etwas variiert: dann kein böserer teufel ist dann ein weib, bevorab gegen ihrem mann, wann sie es nicht mit trewen mit im meinet Montanus 267
Bolte; ähnlich Eberlin von Günzburg 1, 78
ndr.; Hans Sachs 1, 155
Keller; Paracelsus
opera bücher und schr. 2, 323
Huser; Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 217
b; I. Rachel
satyr. ged. 78
ndr.; Rist
Parnasz (1652) 558; die dich ohn falschen schein stätig mit treuen mein Achim v. Arnim 21, 53
Wilh. Grimm; ebenso mit triuwen pflegen
Peter von Staufenberg 367
Schröder; bestimmte syntaktische wendungen: Parzival dô mit triuwen fuor (
handelte wie ein ehrenmann)
Parzival 269, 1; ein wîp mac wol erlouben mir daz ich ir neme mit triuwen war (
diene) Wolfram
lieder 5, 17; der was der stat mit triuen aun arg
Augsburger chron. 1, 30
bei Fischer 2, 373; mit triuwen war nemen
hilfsbereit zur seite stehen Parzival 575, 20.
als umschreibung: der wirt mit triuwen wîse
Parzival 486, 21; mit triuwen der geprîset
Schlegel 686
Pfannmüller. IV@1@h@eε)
verstärkung der formel durch ein attribut, wobei der bedeutungsgehalt z. t. auch auf dem adjectiv beruht; die abschwächung zum blosz formelhaften ist hier natürlich seltener. mit ganzen tr.: wand ir zweier sinne mit ganzen triuwen wuorden en ein
Wigalois 9469
Benecke; ich bin dir hold mit gantzer triü
liederb. der Hätzlerin 5;
Tristrant 24, 5
lit. ver.; bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 83; das he myt gansen truwen soke des himmelrykes erve
Rostocker andachtsbuch 56
b bei Schiller-Lübben 4, 621;
briefformel: stete lieb mit ganzen treuen zuvor Steinhausen
privatbriefe d. mittelalters 1, 126 (
v. j. 1474). mit allen tr.: lasz niemand ein, befehl ich dir mit allen trewn bis ich kom wider
M. Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 18
ndr.; es träget sich auch offtermahls zu hofe zu, dasz mancher mensch mit allen treüen seine dienste verrichtet
Reinicke fuchs (1650) 22; Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 3; Thym
Thedel v. Wallmoden v. 1228
ndr.; Burkard Waldis
Esop 1, 46
Kurz. mit guten tr.: des sît ir von dem künige mit guoten triuwen gemant
Nibelungen 524, 4
Lachmann; zwene man, an den er îe sih mit guoten truwen lie Rudolf von Ems
weltchron. 25428
Ehrismann; Parzival 428, 22;
Hannöversch. stadtrecht bei Schiller-Lübben 4, 621; wie Luther lehrt mit guten trewen J. Fischart
nachtrab 19
Kurz; trincks gar ausz (
den wein) mit guten trewen Scheit
Grobianus v. 1858
ndr.; verschiedene epitheta: mit groszen tr.
Parzival 239, 12; mit rechten tr.
Parzival 8, 15; 365, 13; 474, 17; Kramer (1702) 1140; denn, wer sein oberhaupt mit rechter treue liebt, wird durch sein abseyn leicht zur traurigkeit bewogen
bei Chr. Fr. Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721) 1, 68; so ihrs meint mit rechten treuen E.
M. Arndt
sämtl. werke 4, 8
Rösch-Meisner; mit wahren tr.
Parzival 92, 16; mit stätten triüen
liederb. d. Hätzlerin 14; mit stæteclîchen trouwen
Virginal 856, 3; mit höchster treuw
Amadis 18
lit. ver.; daz liden wirt als menigvaltig, daz dennoch dú menschen, dú dich mit sunder trúwe meinent, mssen mit dir von erbermde geliten werden Seuse
dtsche schr. 57; mit fleiszigen tr.
herzog Ernst prosa 279
Bartsch; mit gutwilligen treuwen
Amadis 73
lit. ver. IV@1@h@zζ)
im nhd. tritt allmählich neben dem plural, der altertümlich klingt, der singular hervor; im ganzen geht der gebrauch der formel stark zurück: sein hertz läszt jhm nicht reuen, was uns sein mund verspricht, gibt redlich und mit treuen, was unser unglück bricht Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 354
b; tief sehnt Marina sich und übt mit treue ihr müheselig amt von tag zu tag Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 204; was lieb sich hat mit treuen, das sucht ein einsam örtchen gern Fontane
ges. romane u. nov. (1890) 7, 50; mit treue suchte die mutter schulfreundinnen auf Helene Voigt-Diederichs
auf Marienhoff (1925) 131. IV@1@ii)
mit andern präpositionen: er hiez sie nâch ir triuwen (
nach vermögen, so gut sie konnten) dâ pflegen unde biuwen Ulrich von Eschenbach
Alexander 3829; ein volles recht haben nach iren rechten trouwen
Iglauer bergrecht 117, 3
bei Jelinek 723; ... die menschen, die man meint voll treuen, soll man oft scheuen Neumark
fortgepflanztes musik.-poet. lustw. (1657) 1, 393; fone rehtên tríuuôn holt sin
bei Graff 5, 467 (Notker
Boethius); ze triuuôn
bei Notker
für atqui s. traun sp. 1532. IV@22)
an die stelle des persönlichen ethos oder der gesinnung tritt der ethisch neutralere sinn des regelmäszigen, pflichtgemäszen handelns, des bloszen fleiszes, der sorgfältigkeit u. s. w. IV@2@aa) treue
in amt, beruf, dienst, pflicht (
vgl. schon sp. 301
unter e). IV@2@a@aα) so wil ich demselbigen (
amt) mit allen trewen fürstehen Luther 6, 37
b; von seiner treu im berufe, ... sag ich nichts I. K. Lavater
verm. schr. (1774) 2, 1;
im lehramt: wenn ich anders durch achtsamkeit auf meinen zOegling, durch eifer und treue mir das glück erwerbe A. v. Knigge
roman meines lebens (1781) 1, 32; weil du nun einmal mein guter engel bist so muszt du auch dein amt mit treue verwalten Bettine v. Arnim
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 44; Grillparzer leistete den eid der verschwiegenheit und treue als conzeptpraktikant am 7. dezember 1814
jahrb. der Grillparzerges. 2, 269. IV@2@a@bβ) aus vnderthenigster trew vnd pflicht
acta publica verhandl. d. Schles. fürsten u. stände (
v. j. 1618) 1, 188
Palm; alle unzufriedene gestehn, dasz er (
der englische könig) seine hohe pflichten mit warmer eifriger treue erfüllt H. P. Sturz
schrift. (1779) 1, 42; pflicht und treue schwören: Voss
sämtl. ged. (1802) 6, 179. IV@2@a@gγ) (
die mönche) warteten wo sie zum dienst der kirchen berfft wurden, als denn dienten sie mit treuwen Stumpf
Schweitzerchron. (1606) 350
a; treue und dienste leisten Harsdörffer
schaupl. lust- u. lehrreicher gesch. (1650) 1, 340; treue, zucht, gehorsam sind anscheinend nur noch im heer und im beamtenthum vorhanden Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 130; die etwas mechanische treue alltäglicher diensterfüllung hat auch ihr recht Roethe
deutsche reden (1927) 33. IV@2@a@dδ)
in verbindung mit fleisz
oder ernst: diejenigen gerichtspersonen, so ihres ambts mit treu und fleisse abwarten, wollen wir in gnädigen schutz nehmen
hinterpommerische hofgerichtsordnung (1683)
tit. xi, § 3; dies ist der lohn und dank, den treu und fleisz erwerben, dasz man vom doctor sagt: er läszt die leute sterben D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 2, 257; mit freudigem antlitz begrüszte ich ... die municipalitäten, die ... durch fleisz und treue hoch über jenen des alten Roms ... standen Herder 23, 14
Suphan; seit 1769 versah er diese stelle mit bewundernswürdigen treue und ernst G. C. Lichtenberg
briefe 1, 110
Leitzmann-Schüddekopf; lassen sie die Weimarer kunstfreunde nur, wie herkömmlich, mit ernst und treue fortschreiben, das echte drang schon durch und wirkt immer so fort Göthe IV 28, 67
W. IV@2@bb)
die feste verbindung treue und fleisz (
selten umgekehrt)
ist über die berufstreue hinaus eine geläufige formel geworden: dann tzu wem vormut man sich mher traw vnd vleys? Emser
an Luther 1, 96
ndr.; solche leute, ... die einen durch treu und fleiss in bälde reich machen H. J. C. v. Grimmelshausen 4, 532
lit. ver.; gebrauche treu und fleisz, mein engel, und mein kind Lohenstein
Ibrah. Sultan (1680) 1, 16; ... ruhm und dank ... den stete treu und fleisz noch immer neu vermehret
bei Chr. Fr. Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721) 6, 38; ... alle ... muszten zugeben, dasz er den charakter mancher gegenstände ... mit redlichstem fleisz und treue darzustellen wisse Göthe I 49, 42
W. IV@2@cc)
ähnliche verbindungen: treue und eifer: viel hundertmal denk ich mit gerhrter seele an dieses redlichen manns treu und eifer Ulr. Bräker
sämtl. schrift. (1789) 1, 47; seine excellenz ... hat mir ... berichtet ... von der treue und dem eifer, den sie in jeder beziehung bewiesen haben
bei Moltke
ges. schr. u. denkw. 1, 142; ängstliche treue und gewissenhaftigkeit Jacob Grimm
kl. schr. 6, 408 (
von Ludwig Völkel). treue und sorgfalt: gott erhielt euch euren theuren lehrer, der mit ganzem herzen, mit aller treu und sorgfalt an eurem wohl arbeitet J.
M. Miller
predigten fürs landvolk (1776) 1, 46; ... sehen, welche treue und sorgfalt sie dem Zoëgaschen nachlass widmen W. v. Humboldt
briefe an Welcker 27; (
Agricola:) das ist der danck, den ich vmb den hoffertigen münch verdient hab, leszt mich keiner trew noch arbeyt genieszen Vogelsang-Cochläus
gespräch v. d. frag. Joh. Hussen 22
ndr.; da wil ich ewre trew und müh vnd was jhr ewrem krancken erwiesen habt, im himmel hie, so bald jhr kompt, verdancken Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 322;
anderes: ich kann also wohl sagen: ich will dies thun oder jenes lassen, ich will gut sein oder mich darüber hinwegsetzen, und ich kann durch treue und übung es vollführen G. Keller
ges. werke 1, 339; dasz wir dieselben (
lehre) ... mit aller zucht und trüw usprechind den hungerigen seelen H. Zwingli
deutsche schr. 1, 38
Schuler-Schulthess. IV@33)
mannigfaltige vermischungen ethischer und nichtethischer bedeutung: IV@3@aa) wie? wann es jhm so gut gereht, dasz er kAem auff die cantzeley, vnd schrieb allda mit aller trew, den buwren jre supplicatz (
sorgfalt und hilfsbereitschaft) I. Gilhusius
grammatica (1597) II 2, 51; indessen hat sie (
die mechanischen schwierigkeiten) der ächt deutsche geist unsers Facius, mit aller treue, bekämpft (
hingabe und bemühung) Göthe IV 13, 268
W.; wie stehts mit ihrer gesundheit? ich bitte sie sorgen sie doch für diesen leib mit anhaltender treue (
gewissenhaftigkeit) Göthe IV 1, 242
W.; ein vogelnest mit treue gebaut, das blau des himmels, — das alles ergreift mich (
liebe und sorgfalt) ... Bettine v. Arnim
die Günderode (1840) 2, 176; pflege sie (
deine gabe der beredsamkeit) baue sie, mit treue, mit pflichtgefühl ... Keller
ges. werke 6, 319; unbefangen in seiner stellung zu den allgemein menschlichen dingen, ... hat er (
Scherer) sich auch ... bei aller treue ... gegen das werk seiner lehrer keineswegs in blinde abhängigkeit von schulmeinungen verstrickt Burdach
vorr. zu Scherer kl. schr. 1, xi. treue der erinnerung
nicht blosz im sinne äuszerer gedächtnistreue: welcher sagt, das ein mensch schuldig sy andere sünd zuo bychten, dann die er on sundere beschwerden mit guoter trew in die gedächtnüss mag bringen, ... der irret (
aufrichtigkeit und richtigkeit) Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 168
ndr.; ältestes bewahrt mit treue, freundlich aufgefasztes neue Göthe I 3, 71
W.; unsre akademie wird dem treuen (
Karl Weinhold) die treue bewahren E. Schmidt
reden zur literatur u. universitätsgesch. (1911) 120. IV@3@bb) treue im kleinen (
hingebung und aufmerksamkeit, sorgfalt);
zu grunde liegt die bibelstelle Lukas 16, 10: treue im kleinsten macht die treue dir leicht im gröszten Lavater
bei Lipperheide
spruchwörterbuch 877; wohl dem, der sich zur treue gewöhnt im geringsten geschäft der in allem sich gut, wohlwollend erweist und vernünftig Lavater
bei Courtelle-Bodenstedt
pharus am meer des lebens12 (1894) 573; mag immer der mann aus stolzen gesteinen fügen und türmen des hauses bau; — mit mühe, mit sorgfalt, mit treue im kleinen die steine zu kitten, das bleibt der frau Frida Schanz
ährenlese2 32; dienst der treue im kleinen Louise von François
werke 4, 321
Insel. im reiche der wissenschaft, besonders der philologie, ist dieser doppelsinnige gebrauch von treue (
genauigkeit mit dem starken ethischen einschlag des treuen hingebenden dienstes an der wissenschaft)
sehr häufig: sorgfältige treue, eifer für die wahrheit und wider den schein, dahin richtet sich unser wohlbewusztes streben Carl Lachmann
bei Scherer
Jacob Grimm3 153; ein solcher grad von treue, wie man ihn von einem modernen volksliedsammler verlangt, ist bei einem gelehrten des 14. jahrhunderts ohnehin nicht vorauszusetzen Arthur Hübner
d. dtsch. geislerlieder (1931) 125; es fehlt dem buch an können und an treue
ders. anzeiger für deutsches altertum 47, 45. IV@3@cc) treue, sorge für sachen;
bei ideell gehaltvollem object erhöht sich der ethische gehalt des wortes; richtet sich die treue
auf einen ethisch neutralen gegenstand, so verliert er sich (
vgl.treu II 4 a,
sp. 268): dise vnsere gtter beuilh ich dir, vnd empfilch sie deiner trüw Boltz
Terenz deutsch (1539) 9
b; zwey freunde stehen an altären, wo sie den eid der treue schwören, dir, tugend! und, o weisheit, dir! J. G. Jacobi 1, 30; dies ... ist es, was ich tugend nenne, und dieser tugend schwöre ich hier ... von neuem unverbrüchliche treue Wieland 3, 170 (1794); möge dir für deine geduld und treue an meinen sachen dein ganz gymnasium so hören und folgen Göthe IV 8, 124
W. IV@3@dd)
übergang zum nichtethischen gebrauch: treue =
zähigkeit, energie, eigensinn, halsstarrigkeit: diese zähe treue, die nicht losläszt, die mit geduldiger pedanterie alles fort- und durcharbeitet, sie liegt dem ordnungssinn, der unbestechlichkeit, ja der organisatorischen durchbildung unseres volkes zu grunde Roethe
v. dtsch. art u. kultur (1915) 36; er hält aus trotz an einer sache fest, die ihm durchsichtig geworden ist, — er nennt es aber 'treue' Nietzsche 5, 197 (
vgl. Tacitus Germania cap. 24:
prava pervicacia ipsi fidem vocant); er (
Kepler) hatte den absoluten glauben, vernunft müsse darin seyn, und durch diese treue (
halsstarrigkeit, energie) ist er auf dieses gesetz gekommen G. W. Fr. Hegel
werke (1832) 7, 1, 109; mit ehrner treue ('
consequenz') hielt sie an ihrer weise fest; weder durch sonnenblicke der fröhlichkeit, noch durch düsteres unbehagen, weder im scherz noch im ernste liesz sie sich verleiten, auch die kleinste unnötige ausgabe zu machen G. Keller
ges. werke 3, 32; daran freilich hielt er mit treue fest, dasz die nationalliberale partei niemals sich zur befriedigung persönlicher eitelkeit ... hergeben dürfe
bei Bennigsen
die nationallib. partei (1892) 140. treue '
dauerhaftigkeit, unveränderlichkeit',
noch mit ethischem nebenaccent: Wilhelm Grimms entwicklung zeigt keine sprünge und umwälzungen; früh ergriff er, was ihm gemäsz war und hielt es mit treue fest W. Scherer
kl. schr. 1, 7; und alle anmaszungen der feinsten aesthetiker verschwinden vor der liebevollen treue, mit welcher das volk an Vossens liedern festhält Fouqué
gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 167. blinde treue Schiller 6, 114
Gödeke; feige treue (
die tugend wird zur untugend) Hebbel I 9, 140
Werner. VV. treue
ohne ethischen gehalt, erst seit dem 18.
jh. und minder häufig als der entsprechende gebrauch beim adjectiv, in der bedeutung '
genauigkeit, pünktlichkeit, ähnlichkeit, echtheit',
auch '
dauer, regelmäszigkeit, äuszere beständigkeit'
u. ä. V@11)
gern in verbindung mit wahrheit
in ganz objectivem sinne (
anders als sp. 305
f.): alles wahrnehmbare (
der welten- und himmelsräume), das ein strenges studium der natur nach jeglicher richtung bis zur jetzigen zeit erforscht hat, bildet das material, nach welchem die darstellung zu entwerfen ist; es enthält in sich das zeugnisz ihrer wahrheit und treue A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 80; ... aber auch diese treue und wahrheit der auffassung und der farben (
bei der '
Kölnischen mahlerschule') gehört der zeit und dem damals herkömmlichen alten styl an ... Fr. v. Schlegel
sämtl. werke (1846) 6, 155; ... der jubel des letzten satzes (
im g-moll-quintett) und der schmerz des ersten gehören einer und derselben natur an, die mit vollendeter wahrheit und treue künstlerisch wiedergegeben ist O. Jahn
Mozart (1856) 4, 103. V@22) treue
der darstellung, schilderung, erzählung, überlieferung, aufzeichnung u. ä.: die schilderung der charaktere selbst erfordert zuerst treue und richtigkeit, sowohl im ganzen, als in den kleinsten zügen und äusserungen Eschenburg
entwurf e. theorie u. lit. d. schönen wiss. (1783) 260, § 9; wenn ich aber dem auszuge eines mannes trauen darf, dessen nicht kleinstes verdienst treue und genauigkeit war Herder 5, 21
Suphan; diese stimmung hervorzubringen und zu nähren ist der letzte zweck des geschichtsschreibers, den er aber nur dann erreicht, wenn er seinen nächsten, die einfache darstellung des geschehenen, mit gewissenhafter treue verfolgt W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 39; denn einmal wird dieselbe (
eine schilderung der Griechen) immer, wenn sie völlig treu sein soll, nicht individuell genug sein können, und wenn sie völlig individuell sein soll, wird es ihr an treue (
echtheit) mangeln müssen
ders. ges. schriften 1, 278; Burckhardt, dessen berichte ... von hohem interesse und voll treue und tiefer beobachtung sind Ritter
erdkunde (1822) 1, 543; gewisz aber ist, dasz diese treue, diese einfalt und klarheit, diese leichtigkeit und ungesuchte anmuth der erzählung, eben die eigenschaften sind, die eine darstellende geschichte eigentlich vollkommen machen Fr. v. Schlegel
sämtl. werke (1846) 1, 33; hat der biograf über die treue seiner darstellungen sich selbst, wie er sagt, die strengste rechenschaft abgelegt ... J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 132; die nachfolgenden worte sind mit möglichster treue aus der erinnerung aufgeschrieben Fouqué
gefühle, bilder u. s. w. (1819) 1, 17; dasz ich im ganzen mit ziemlicher treue berichten zu können glaube Ötker
lebenserinnerungen 3, 335; spätere (
volkssänger) setzten zu, wo es ihnen nöthig erscheint, bewahren aber im allgemeinen den überlieferten text mit wörtlicher treue G. Freytag
verm. aufs. (1870) 1, 198; buchstäbliche treue Niebuhr
röm. gesch. 2, 546; diplomatische treue Strausz
ges. schr. 3, 198; hiernach ist es völlig undenkbar, dasz die mündliche überlieferung aus pietät vor den herrnworten sich einer buchstäblichen treue in der wiedergabe beflissen haben sollte B. Weisz
leben Jesu 1
4 (1902) 127. V@33) treue
der übersetzung: seine übersetzung des Terenz, die an klassischer eleganz und treue alle übrige zurückläszt Gerstenberg
rez. i. d. Hamb. n. zeitg. in dtsch. lit. dkm. 128, 74; die treue eines übersetzers wird zur untreue, wann er seine urschrift dadurch verdunkelt Lessing 4, 37
Lachmann-Muncker; allzu pünktliche treue macht jede übersetzung steif
ebda 7, 36;
vgl. Gellert 8, 136; sie (
die übersetzung) verbindet treue mit deutlichkeit, ohne steifes kleben an der form J. Grimm
kleine schr. 4, 144; wer das verhältnis der übersetzung zum original ins auge faszt, begnügt sich meistens damit, den grad ihrer treue zu bestimmen Hebbel I 11, 197
Werner; (
Voss' übersetzungen, welche) durch ihre anschmiegende treue ... auf die erweiterung der deutschen dichtersprache ... den gröszten einflusz seit Klopstock geübt haben Wackernagel-Martin
lit. gesch. 2, 468; nur wenige trafen die feine mittellinie zwischen der treue gegen das original und der treue gegen das einheimische sprach- und formgesetz Scherer
lit.-gesch.7 634. V@44) historische treue
u. ä.: wider alle treue der geschichte (
historische wahrheit) Haller
tagebuch (1787) 1, 275; wenn es ... den geschichtschreibern nicht an aufrichtigkeit und treue mangelte A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 25;
ähnlich Heinse
sämtl. werke 3, 221
Schüddekopf; 'darin', fuhr Goethe fort, 'waren nun wieder die Griechen grosz, dasz sie weniger auf die treue eines historischen factums gingen, als darauf wie es der dichter behandelte
gespr. 6, 48
W. v. Biedermann; treue ist in den sagen zu finden, fast unbezweifelbare J. Grimm
kl. schr. 1, 400; mit historischer treue erzählen
u. ä.: Wieland
Agathon (1766
f.) 2, 57; Musäus 4, 245; Jean Paul 7/10, 323
Hempel; das alte evangelium von der nothwendigkeit der historischen treue ausposaunen Hebbel
briefe 4, 63
Werner; ein bild ... welches den schönen schein der geschichtlichen treue hat G. Freytag
ges. werke 14, 292; die erzählung lehrt zugleich, wie übermüthig der echte dichter umspringen darf mit jener 'historischen treue' Treitschke
hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 95.
allgemeiner: ich habe ... mit treue (
andacht, genauigkeit, unvoreingenommenheit) die nordische natur ... studirt A. v. Chamisso
sämtl. werke (1836) 1, 17; der musik blieb der kapellmeister nichts schuldig, er hielt der sturm- und dranggezeugten partitur von der ersten bis zur letzten note die treue
deutsche allg. ztg. 14. 2. 1933. V@55) treue eines bildes, gemäldes
u. ä.: es ist freilich schwer, sein eigenes bild mit treue zu malen H. Zchokke
sämtl. ausgew. schr. (1824) 1, 6; die versuche, ... mehr zu geben, als die mit unglaublicher treue aufgefaszten lichtbilder der erfahrung, scheinen nicht ganz gelungen zu sein K. Gutzkow
ges. werke (1872) 11, 379; ihre (
Angelika Kaufmanns) treue (
im portrait Winckelmanns) dürfen wir wohl nicht bezweifeln Justi
Winckelmann 2, 2, 72; ich vermeide den ausdruck: vertreter (
für abgeordnete), weil ich es für einen der populären irrthümer der zeit halte, dasz eine wahre und gerechte vertretung überhaupt möglich sei, eine vertretung, welche in einem groszen staate die zustände und bedürfnisse des gesamten volkes, wenn auch nicht mit der treue eines daguerreotyps, so doch mit der ähnlichkeit einer oberflächlichen skizze wiedergibt v. Bismarck
polit. reden 1, 145
Kohl; das hauptsächlichste, was wir in der komödie machen, ist ein getreues bild des gemeinen lebens, von dessen treue wir aber nicht so leicht versichert seyn können, wenn wir es in fremde moden und gebräuche verkleidet finden Lessing 10, 192
Lachmann-Muncker; vorzüglich schalt er (
Göthe) die sklavische treue im zeichnen nach der natur
unterhaltungen mit dem kanzler Fr. v. Müller 18
Burkhardt; phantasielose treue Justi
Winckelmann 2, 1, 363;
von farbe oder kostüm: ich benutze zum malen immer die nämlichen vormittagsstunden, um die glanzpunkte, die lichter und die schatten in ihrer vollen richtigkeit zu erfassen und auch der farbe im allgemeinen ihre treue geben zu können Stifter
nachsommer 2 (1857) 375; dasz daher die intendanz am meisten zu sorgen hat für ... die treue der kostüme, die von beeidigten historikern vorgezeichnet und von wissenschaftlich gebildeten schneidern genäht werden H. Heine 3, 59
Elster; trotz der ängstlichen treue in nachahmung des römischen kostüms Mörike 3, 38
Göschen; die bilder der minnesinger in der Manessischen handschrift bringen typen, ohne jeden anspruch auf treue Roethe
dtsche reden (1927) 110. V@66) treue
des gedächtnisses: überraschend war mir die treue seines gedächtnisses nach einem zwischenraume von zwanzig jahren Matthisson
schr. 8, 38; des herzens gedächtnis bewährt sich immer durch pünktlichere treue, wie des kopfes gedächtnisz
ebda 6, 18; zähe sicherheit und treue der erinnerung Roethe
Göthe (1932) 2. V@77)
verschiedenes: du irrst, wo du zu viel auf dessen (
des glückes) treue (
dauer) baust Chr. Warnecke
poet. vers. (1704) 85; itzt rühm ich nicht an dir die wissenschaft im heilen, die kluge fertigkeit und treue (
sicherheit) deiner hand Ramler
fabellese (1783) 1, 125 (
an einen arzt); er war ... im rausche des glückes befangen, das mit unermüdlicher treue seine schritte begleitete Herman Grimm
Michelangelo (1890) 1, 124; ... präliminartractat, auf dessen treue (
dauer, giltigkeit) Hamilkar Sicilien räumt B. G. Niebuhr
röm. gesch. 3, 721; treue =
regelmäszigkeit: Genua, weist du selbst, ist die spindel, um welche sich alle seine gedanken mit einer eisernen treue drehen Schiller 3, 15
Gödeke; das echo an diesem felsen ist sehr unterhaltend und wiederholt alle töne mit seltener treue Ritter
erdk. (1822) 3, 172.
ganz specieller gebrauch (
metaphorisch entwickelt): (
haupteigenschaften des wollhaares:) die treue, die länge, die dehnbarkeit ... unter treue versteht man die gleiche stärke des wollhaares von unten bis oben Joh. Nep. v. Schwerz
prakt. ackerbau 658
Funk. für anderes, was entsprechend dem gebrauch des adjectivs auch vorkommt (
vgl. sp. 270
ff.),
fehlen zufällig belege. VIVI. treue
concretisiert '
wort', '
versprechen'
; dieser gebrauch flieszt, ohne directen zusammenhang, wieder mit der alten concreten grundbedeutung '
abmachung, vertrag' (
s. u. I)
zusammen. VI@11) durch Gâwânes triwe nôt (
um Gawans versprechen willen) leist ich daz mir der künec enbôt
Parzival 718, 1;
ähnlich 370, 9
und 422, 18; (
die pforte war so fest zu) ob iemen wolde wenken dort inne und überdenken (
vergessen, brechen) sîne triwe durch miete (
sein gegebenes wort durch bestechung) dazz im frumte niht ein hâr Wolfram
Willehalm 229, 9; ich hân hêrn Otten triuwe er welle mich noch rîchen Walther 26, 23
Lachmann; nu haltet die triuwe und gêt hinûz (
haltet euer versprechen)
rittertreue 758
Pfannmüller; vgl. 713, 715; dô er im an die triuwe sprach (
beim worte nahm)
ebda 721; darumb lieben vAetter thünd nit wider eüwer treüw Seb. Münster
cosm. 595; unter päpstlicher treue (
auf päpstliches versprechen hin) Göthe I 43, 354
W. VI@22) treue geben
bis ins 17.
jh. sehr lebendig, ganz vereinzelt noch später: ich gibe iu mîne triuwe und sicherlîche hant, daz ich mit iu wider heim rîte in iwer lant
Nibelungen 2277, 1
Lachmann; des gib ich iu die triuwe mîn
daz übele wîp 236
Schröder; ähnlich heidin 777
u. 1697
Pfannmüller; er wirt mir hie sein treue da geben, das er fürpasz wöll recht fürn sein leben
fastnachtsp. 312;
vgl. auch 771; nun man ich dich ... das dus icht sagst, die weil du lebst, vnd du mir des dein triu gebst
liederbuch der Hätzlerin 292; und musz ein ieder burger die treuw geben, dasz er es mit den seinen in dem hausz welle essen
Imlinsche familienchronik in Alsatia 10, 387;
ähnlich Neidhart
Terenz Eunuch (1486) 199
lit. ver.; Boltz
Terenz deutsch (1539) 96
b; Arigo
decameron 230
und 621
lit. ver.; urkundliche belege bei Fischer 2, 373; habt ir iemands eur treu geben, um was sachen dasselbig sei, secht, das ir im das haltet frei
Teuerdank 288
Gödeke; er (
der türhüter) sprach: 'ich losz dich nit herein, du gebst mir dan die treuwe dein, was dir der hertzog hie wirt geben, du wollests mit mir teillen eben'
pfarrer vom Kalenberg 5
ndr.; vgl. noch: H. R. Manuel
weinspiel 3
ndr.; buch der liebe (1587) 101
a; Fischart
nachtrab 7
Kurz; Weckherlin
ged. 1, 75
lit. ver.; nun, wilt du denn mein knechte sein, so gib mir drauff die trewe dein! Hans Sachs 21, 26
Götze; ähnlich Burkard Waldis
Esopus 1, 151
Kurz; ich were ja ein ehrgessener verrähter, wann ich die einmal gegebene treue wiederruffen wolte G. Ph. Harsdörffer
frauenzimmergesprächspiele (1641
ff.) 5, 373; sie ... behielten ihn aber wider gegebene treue in arrest S. Fr. Hahn
vollst. einl. zu der teutschen staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 1, 126; ich hasse die zweizüngelnden, die um gold wie glas zerbrechen ihre gegebne treu Herder 27, 59
Suphan. in allgemeinerem sinne: (
sie) hatt uns ir treüw gegeben (
dedit se) Neidhart
Terenz Eunuch 195
lit. ver. (1486).
speciell vom eheversprechen: do gabstu mir dein valsche trew
Sterzinger spiele 5
Zingerle; heyraten ist wohlgethan, wenn mans recht fahet
an. ein jeder sich bedencke, ehe er gibt trew und schencke Petri
d. Teutschen weisheit (1604/05) 2, H h 7
r; vnd als sie schwanger was worden, gibt er sein trew dise künfftig zuo werden sein eeweib Boltz
Terenz deutsch (1539) 2
b; ... ach meineid ohne masz! er lest hier seine braut den vögeln für ein aasz. disz ist die grosze trew, die du mir hast gegeben, als ich mit meiner hand zuevor beschützt dein leben und von dem tod erlöst
M. Opitz
teutsche poemata 210
ndr.; warb er nicht ehmals auch um dich? sagtest du ihm nicht auch bereits hand und treue zu? A. G. Meiszner
skizzen (1778) 2, 41. VI@33)
im 15.
und 16.
jh. hat sich die formel mit
oder bei handgegebener treue (
bzw. plural)
eingebürgert (
im sinne von fides pacta);
so ersetzt auch der Frankfurter druck des renner 19
b hantveste 3284
durch trewe (
vgl. Warlies
Frankf. druck des renner 64).
noch nicht feste formel: fidem dextra sancire sein treüw geben mit eyngeschlagner hand, etwas bestäten mit einem handklapff Joh. Frisius
dict. (1556) 1177; die frumen wil ich nit schenden, sag ich pei treu und henden
bei Liliencron
volksl. 2, 505 (
v. j. 1504); ... vnd sind newe einigungsartickel dazumal auch zwischen gedachten nationen auffgericht ... auch mit gegebener trew vnd handgelbnis vnter jhnen bestetiget worden Binhardus
Thüring. chron. (1613) 7;
übergang zur formel: geloben by hannde gebenden truwen (1492)
bei Fischer 2, 373; das verhiesz im der alt herr bei handt gegebner trew, er welts thuen
zimmer. chron. 3, 486
lit. ver.; ähnlich 4, 102.
häufiger mit handgegebener treue: die zwen gelobten ir mit hantgebender treü, das sy das gewiszlich ... tuon wOelten
Tristrant 178
Pfaff; stipulieren, mit hand gegebener trew etwas versprechen, verheissen, gestehen, und geloben L. v. Hörnigk
stellae notar. nov. (1665) 1, 342; mit handgebener trew geloben L. Fronsperger
kriegsbuch (1578)
bei Fischer 2, 373;
vgl. Nürnberger polizeiordn. 325
Baader; mit handgebenden trewen
bei Westenrieder
hist. beytr. 6, 143 (
v. j. 1411); er solt ... ohn mein verderbnüsz nur gestat haben, des er sich mit hendgegebner trew und zusag erbotten, das ich jm geschrieben Luther 15, 329
W.; dieweil sie vormals mit handgebender trew einander samptlich hatten angelobt ... auff jren köpffen nit also halszstarriglich zuverharren
grillenvertreiber (1605) 3, 100; beklagter ... doch an eydstatt, mit handgegebner trew, angeloben soll, ohn gnädigste erlaubnusz ausz vnserer burgzwang nicht zu weichen Moscherosch
ges. (1650) 2, 133. VI@44)
ähnliche verbale verbindungen: irn gelobet iur triuwe (
versprecht) mir an mîne hant
rittertreue 503
Pfannmüller; sie sagt ihm ... weder freüntliche liebe noch versprochene treüe (
versprechen) mich hergefüret hat sunder allein durch meins mans gepot her komen bin Arigo
decamerone 612
Keller; ähnlich 276; er ... liesz sie zu fusz hinweg gehen, nach gelobter trew, dasz sie die tage jres gantzen lebens sich die vberwundnen nennen wolten, anderst brachte er sie vmb
Amadis 1, 72
Keller; vber verheiszne treüw die man jm zugesagt hat, ist er getödt worden
contra fidem interpositam Maaler (1561) 407. VI@55) treue brechen =
wort brechen (
nicht immer von treue
als eigenschaft zu unterscheiden): sô brich ich mîner triwe niht (
ich halte wort): ich hets iu ê sô vil gesagt
Parzival 535, 14; dar an er sîne triuwe brach Ulrich v. Zatzikhoven
Lanzelet 5355
Hahn; so wölt ir das wir unsere trewe prechen und das wir versprochen haben Arigo
decamerone 227
Keller; szo ist niemandt szo unwyssendt, das geleyd und trew brechen sey wider gottis gepot Luther 6, 455
W.; zu erretten ihr trawrig leben, sagt sie als, was sich het begeben zwischen ir und Petren, an schew und brach an im versprochne trew (
schweigeversprechen) H. Sachs 29, 240
Keller-Götze; VI@66) treue
in verbindung mit eid (
vgl. fides et religio): es haben sunderleich gelobt be iren treuen, das die trew ein aid sei — das sie wider unsern herrn und die stat kein untat mer tun wolden
buch der gebrechen 244
bei Jelinek 723; trew aber wird genent der eidt, welcher dem herren durch den lehenman geschiht
die lehnrecht verdeutscht (1533) 13
a; die muosten im beide mit triuwen und mit eide vil wol bestæten daz Hartmann von Aue
Gregorius 1060; nu buten sî im beide mit triuwen und mit eide der rede solhe sicherheit
ebda 3591;
s. auch minnes. frühl. 218, 12; (
Herodias bittet Herodes um das haupt des Johannes) dich aides und trúwen ich manen und manen muos nuo tuo es, vil lieber herr, tuos!
der sœlden hort 3002
Adrian; da jagten nach di geste, und das sy paide trew und ait gaben, dar zu sicherhait Heinrich von Neustadt
Apollonius v. Tyrland 12459
Singer; treüw vnd eyd vmb gAelt verkauffen vnd übergAeben Joh. Frisius
dict. (1556) 265
a;
ähnliches s. Boltz
Terenz deutsch (1539) 92
b; Judas Nazarei
v. alt. u. neuen gott 23
ndr.; Rachel
satyr. ged. 100
ndr.; zwang vnd noth bricht trew vnd eyd Lehman
flor. polit. (1662) 1, 170; 2, 952.
in verbaler verbindung: got hat gebottenn, man sol eyd und trew halten auch denn feynden Luther 6, 453, 18
W.; keiser Julius sagt, wo trew und eid ie nit zuo halten sind, so mag man sie wol, und vornemlich verletzen J. Sleidanus
reden 219
lit. ver.; sin wib ... prach ir triw und iren aid an in
Augsb. chron. 1, 83
bei Fischer 2, 373; denn wir glauben je nicht, dass die fromme keyserin jhre trew vnd eyd an euch (
dem gatten) gebrochen hab
buch der liebe (1587) 2
d. treu an eides statt
oder in eides weise geben
u. ä.: si (
die bauern) gaben ir trew an eides stat, sie wolten geben das raisgelt (
kriegssteuer) drat
bei Liliencron
volksl. 2, 204
a (
v. j. 1486); hat sin triw geben an ainez aidez stat
Ulm. urkdb. (1313) 328
bei Fischer 2, 373. eid und treu schwören
u. ä.: er gelobet jm mit ayd vnd trew Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 161; eyd und trew schweren Duez
nomencl. (1652) 228; und gelobtin alle mit trüwin und mit geswornin eidin rechte gisilschafft Äg. Tschudi
chron. Helv. (1734) 1, 173.
ähnliche verbindungen: ein zusag und treüw empfahen Joh. Frisius (1556) 16
b; bei meinen trauen und waren worten
Trautenauer chron. bei Jelinek 723; treu und gelübbde (
urkundl. v. j. 1394)
bei Fischer 2, 373; treu und glipt
weisthümer 6, 257 (
schwäb. 15.
jh.);
andere beispiele s. teil 4, 1,
sp. 3104; treu und schwur
chron. d. dtschen städte 1, 78.
in präpos. verbindung: das red ich pey trw vnd pey ayt
Augsb. liederbuch, Alemannia 18, 112; geloben daz alles by vesten guten treuen in aideswise stete zu halten
urkundl. 1394, bey iren woren und guten trewen an ayd statt zuegesagt
Aulendorfer archiv (1530)
und vieles ähnliche bei Fischer 2, 373;
vgl. noch Arigo
decamerone 353
Keller; E. Tucher
baumeisterb. d. stadt Nürnb. 32
lit. ver.; bey meynen priesterlichen trawen an eydes stadt Emser
an Luther 2, 5
ndr.; solches muszten sie ihm geloben bei eiden und treuen
dtsche sagen 2, 174. treue
als pfand u. ä.: mîn triwe dolt die pfandes nôt (
mein treuwort hab ich zum ist sie unerlœset, ich pin tôt
pfande gegeben);
Parzival 370, 11; dâ mîn triwe sô hôhe pfandes stêt (
mein wort zum pfande gesetzt ist)
Parzival 366, 28;
ähnlich 209, 29; 212, 13; 411, 10; 614, 22; ûf sîner hôhen triuwe pfant (
ehrenwort) Konrad von Würzburg
Engelhart 4199;
ähnlich 4186; 4651; der liez in rîten seht, habt euch desz zu pfand mein trew! Hans Sachs 2, 42
Keller; die verbindung treue
und wort
hält sich bis ins 18.
jh.: als der könig, don Fernando, von Rodrigo und Ximenen beider wort und treu empfangen, zu vergessen allen hasz Herder
Cid 15; dein kind gab längst mir treu und wort, und ich ihm wort und treue (
verlöbnis) Bürger 54
b Bohtz. VI@77)
in der formelhaften präpositionalen verbindung auf die treue
oder auf meine treue
nimmt treue
die bedeutung '
wort, eid'
an. formal charakteristisch ist, dasz in der form auf meine treu
die einsilbige form obligat ist; daneben ist die merkwürdige umstellung von pronomen und substantiv, die zunächst auf reimgründen beruhte, in der formel auf die treue mein
fest geworden. noch nicht in allen beispielen hat der weg bis zur reinen formel geführt. VI@7@aa)
in verbindung mit einem verbum dicendi: nu sage mer vrowe lossam, mere uffe die truwe din könig Rother 116
Rückert; daz sag i'n ûf die triwe mîn (
auf mein wort)
Parzival 40, 1;
entsprechend 21, 9;
Peter v. Staufenberg 332; si jâhen ûf ir triuwe (
unter eid) Ulrich von Eschenbach
Alexander 16707; ich sprich auff die trewe mein
altdtsche passionsspiele 60
Wackernell; Liliencron
volksl. 2, 408; ich reden es uf die trüwe mein
N. Manuel
v. papst und priesterschaft 1090
Bächtold; P. Gengenbach 48
Gödeke; das rat ich dir auf die treue mein
fastnachtsspiele 588, 33; 601, 16; 602, 13
Keller; in verbindung mit bitten, befehlen, versprechen, schwören: uf alle truwe bete ich dich, des salt du me gewere mich
Katharinenspiel vers 347
Beckers; seltener auf meine treu hin Frisius-Cholinus (1541) 369; es hat mir seiner warterinnen eine ... auff mein tru geschworen Fischart
Gargantua 170
ndr.; ähnlich Arigo
decamerone 119
Keller. VI@7@bb)
besonders häufig in verbindung mit nehmen: daz nim ich ûf die triuwe mîn (
nehm ich auf mein wort) Konrad von Würzburg
Heinrich von Kempten 660
Schröder; ähnlich Peter v. Staufenberg 695; Ulrich von Eschenbach
Alexander 6562; Albrecht v. Kemenaten
Goldemar str. 6,
vers 7
Haupt (
zeitschr. f. dtsch. alt. 6, 522); Mone
schauspiele d. mittelalters 1, 107; ich neem dat vp dye truwe myn Wierstrait
belagerung v. Nuys 1758
Meisen; haben '
behalten': das habt ûf die (bî den) triuwe(n) mîn
meier Helmbrecht 174; das himelreich sie domit erbt. das sol sie haben auff mein trew und das es sie do nymer rew
pfarrer v. Kalenberg 58
ndr.; andere verba: und in ûf sîne triuwe liez kêren Konrad von Würzburg
Engelhard 4206; die man ûf ir triuwe liez (
auf ihr wort, eid, freiliesz) Ulrich von Eschenbach
Alexander 16707; set man ine (
einen gefangenen) ledich uppe sine truwe riden to dage, he sal durch recht wedder komen unde sine truwe ledegen (
treuversprechen, eid)
Sachsenspiegel 3, 41, 1; 'daz tuon ich', sprach Sîfrit, 'ûf die triwe mîn daz ich ir niht en minne'
Nibelungen 605, 1
Lachmann; disen entpfieng ich auff mein trewe (
Joseph von Benjamin)
erste dtsche bibel 3, 200
lit. ver. formal besonders: daz hab ûf den triuwen mîn
Seifried Helbling 9, 125; Schmeller-Fr. 1, 638; er spricht uf sinen trüwen: das loch, das si gemachet hant, si müessent machen nüwen
schweiz. volkslieder 2, 31
Tobler; doch dunckt mich auff die trewen min H. Sachs 6, 118
Keller; ebenso 14, 203;
specielle bedeutung '
credit': (
beim kauf eines gutes ist zu erforschen) ob die zehende weit oder nahe ... zu holen? um körner oder geld auf treu oder ein gewisses verlassen werden, und wie hoch eines und das andere bey einem gleichen sich erstrecke W. H. v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 10. VI@7@cc)
in absoluter construction als freie interjection '
wahrlich'
u. a.: es müet mich ûf die triuwe mîn (
es ist mir bei gott über)
schlegel 222
Pfannmüller; ähnlich 725;
Peter v. Staufenberg 882;
frauenlist 596; uff die trüwe, die ich dir schuldig bin, ich bin nüwlich in dem lande gewesen, darinn die füchs so grosz sind, als hie die ochsen Steinhöwel
Äsop 240
lit. ver.; ich gib in (
den wein) euch gern, auff mein trew
it.-deutsch. sprachbuch (1424)
bei Brenner - Hartmann
Bayerns mundarten 2, 439; up mŷn trûwen, up myne trouw Wierstrait
belag. v. Nuys 1945; 2453
Meisen. VI@88)
eine specielle verselbständigung liegt in der bedeutung '
eheversprechen, verlobung, trauung',
vgl. 5trau
teil 11, 1, 1,
sp. 1284. VI@8@aa) item geschagh oire truwe in bysin ... oirer broder, also seggende: wilt ghy my hebben? ... wanner sie dan willichlich iæ sachten, was die trowe vollenbracht
Münst. chr. 2, 375
bei Schiller-Lübben 4, 621;
hierher wohl auch: ich weisz von keiner treue, ich weisz von keinem gold. der böse soll mich mädchen holen, wenn ich von treue weisz
F. L. Mittler
deutsche volkslieder 384; truwwe
eheversprechung Strodtmann
Osnabrück 252; et was unnder de truwe
die copulationshandlung des predigers bei eheleuten Dähnert
plattdütsch (1781) 496. VI@8@bb) '
trauung'
oder '
ehe',
nebenform von 5trau (
s. teil 11, 1, 1,
sp. 1284): heimliche treu wieder eltern willen (
überschrift). dieweil auch etliche ohne fürwissen und bewilligung der eltern sich heimlich vertrauen
Jülich u. Bergische policeiordnung 12;
auch diese bedeutung klingt schon ganz gelegentlich im mhd. vor: nu nemet ze wîbe die maget iuwerm lîbe ze triuwen und ze rehter ê
Wigalois 962
Benecke; ze sînen triuwen nam er si dô
ebda 1007.