lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

treue

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
19 in 13 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
52
Verweise raus
45

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

treue f.

Bd. 22, Sp. 282
treue, f. , fides, fidelitas, fiducia, confidentia, dictorum factorumque constantia, benignitas, pietas u. ä.; in früheren sprachstufen auch pactum, foedus. verbreitung und form. gemeingermanisches wort: got. triggwa διαθήκη; runisch vgl. Norreen altisl. gramm. § 380; nordisch doppelte bildung: mit dentalsuffix tryggð (vorwiegend als plural trygðir) 'treue, sicherheit auf grund eines vertrages, vertrautes verhältnis, auch busze' (Neckel gloss. z. edda 172), daneben trúa als ôn-stamm und trú als reiner ô-stamm, meist im religiösen sinn 'glaube, versicherung', schwed. trô, norw. trû 'glaube' (für 'treue' trohet, truhet); im englischen dreifache bildung: 1) ags. treowþ, triewþ, trýwþ 'treue, vertrauen, wahrheit, ehre, übereinkunft' u. ä. > mittelengl. trewthe, trouthe > neuengl. truth 'wahrheit, treue' u. ä. oder mittelengl. trowþþe > neuengl. troth 'treuschwur, verlobung', 2) tréow 'treuversprechen, übereinkunft' (vgl. Wissmann nom. postv. 118) > mittelengl. treowe, trewe (Chaucer), truwe (Langland), aus dessen plural sich durch contraction neuengl. truce 'waffenstillstand, ruhe' entwickelt, 3) mit anderer ablautstufe ags. trûwa 'treue, glauben, vertrauen, wort' u. ä. im kontinental-westgermanischen hat sich nur der wô-stamm lebendig erhalten (blosz ahd. noch vereinzelt in kompositis die ida-bildung s. Graff 5, 468): altfries. triûwe, triowe, treuwe, trowe bzw. -a 'treue, versprechen, übereinkunft, verlöbnis', altwestfries. trouwe, trowe bzw. -a (genaueres s. Siebs in Paul grundrisz 12, 1236 f.); mittelniederländ. truwe (= trwe s. Franck § 62), trouwe (näheres s. J. te Winkel in Paul grundrisz 12, 828 und Verwijs-Verdam 8, 734/39) > holländ. trouw 'treue' (vgl. auch 5trau th. 11, 11 sp. 1284); altsächs. (meist im plural) trewa (= treuwa) 'treue' (Heliand), treuwa 'frieden' (genesis 73); mittelnd. truwe (ältester beleg i. d. glossae Herradinae Steinmeyer 4, 417, 55) und trouwe (nach Sarauw niederdtsch. forsch. 1, 254 über *tröuwe entstanden); letztere form gehört dem westen an, s. Agathe Lasch § 196; das übergangsgebiet liegt bei Münster, wo in der Münsterer chronik 2, 375 beide formen im selben satz nebeneinander begegnen. althd. triuwa, fränkisch (Williram) und später zuweilen bairisch (s. Weinhold bair. gramm. § 60) auch trûwa (aber der Tatian stimmt zum altsächsischen: Gutmacher Paul u. Braune beitr. 39, 269 f.; oben sp. 245 ist ein auf Graff beruhender irrtum stehen geblieben: gitriuwi, nicht gitrûwi im Tatian); mhd. triuwe, mitteldeutsch auch trûwe; gelegentlich erscheint einsilbig triu (z. b. Gundacker v. Judenburg 4427) bzw. trû (Alsfelder passionssp. 22 Grein), aber nicht häufig, da in den obliquen kasus immer wieder das verlangen nach hiatdeckung sich einstellt. auf der andern seite ist durch einen weit verbreiteten orthographischen gebrauch das u vor dem w ausgefallen, so dasz die hss. des 13. und 14. jh. sehr häufig die form triwe zeigen, ohne dasz dies indessen besondere lautliche schlüsse erlaubte. ein doppeltes zentrum für die diphthongierte form trouwe läszt sich bereits in mhd. zeit erkennen: das mittelfränkische und, in geringerer stärke, das bairische. im nordwesten ragt die westniederdeutsche und holländische form tief ins hochdeutsche gebiet hinein rheinaufwärts (beispiele Weinhold2 § 133); davon unabhängig erscheint im bairischen iu oft als ou, z. b. Biterolf 1720. 7150. 10500; Virginal 856, 3; Heinrich v. Neustadt Apoll. v. Tyrus 19509 Singer; fastnachtsp. 408, 6 Keller (grosz. Neidhartsp.). es ist unsicher, ob wir hier mit früher diphthongierung aus û zu rechnen haben, das immerhin in altbairischen denkmälern nicht ganz selten vor w für iu erscheint, oder nicht vielmehr mit ablautwechsel, also doppelbildung wie etwa bei biuwen: bouwen, zumal neben ou (beispiele Weinhold bair. gramm. s. 102) auch au schon häufig auftritt (ebda s. 76). dem entspricht es, dasz triuwe und trouwe sogar dicht nebeneinander erscheinen: von ir hân ich in trouwen und einem künege widerseit. des spotten die risen allesamt: ez wart in sît an triuwen leit Virginal 506, 10 u. 13 Zupitza. zu diesem bairischen ou gehören auch die in Böhmen begegnenden belege (s. Jelinek 723). die neue diphthongierung > eu (ew) tritt verhältnismäszig spät auf; gerade in den beiden worten triuwe und vriunt mit ihren unechten diphthongen hat der schreibgebrauch dem neuen laut hartnäckig widerstand geleistet (s. Weinhold bair. gramm. s. 88). die als frühester beleg begegnende stelle der Milstäter hs. (vom recht 8, 18 Waag) treuwe: bûwen dürfte als ou : ou-reim zu interpretieren sein. mit eintritt der nhd. diphthongierung tritt zu den beiden ou (au)-gebieten das mitteldeutsche gebiet hinzu, das iu > û eingeebnet hatte und nun von der diphthongierung erfaszt wird; hier begegnet also meist trau(we); auch bei Luther überwiegen die trau (traw)-belege (s. 6, 215 W.; 7, 215, 6. 32; 10, 11, 37. 242; 10, 3, 87; 19, 565; 28, 5; versch. formen nebeneinander: 10, 2, 390, 3, aber 5; 6, 209); vgl. auch trauen, subst., th. 11, 11, sp. 1353. diese form hält sich in der mitteldeutschen schriftsprache und darüber hinaus bis ins ende des 16. jh. (vgl. Moser s. 212), bis die treu (trew)-form sich durchsetzt, z. b. Maternus Steyndorffer comedia u. s. w. zeitschr. f. dtsch. alt. 36, 231 (geb. in Erfurt); Laurentius Albertus gramm. 126. 127 (Ostfranke); Kirchhof wendunmuth 1, 40 (Kassel-Marburg); Ernst von Sachsen bei Steinhausen privatbr. 1, 224; Burkard Waldis Esop 1, 46 Kurz; Weimarer arch. bei Diefenbach-Wülcker hd.-nd. 877; Eschenloer gesch. d. stadt Breslau 1, 346. darüber hinaus begegnet im frühnhd. die au-form ohne lautgeschichtliche fundierung auch bei autoren und druckern anderer gebiete, zumal im alemannischen und speciell schwäbischen, z. b. Bezold thes. pract. (1697/99) 2, 584b; Marcus Tatius z. troj. krieg (1530) 3b; Geiler v. Keisersberg sünden des munds (1518) 72a; Seb. Franck chron. Germ. (1538) 1231; Amadis 319; anderes s. Fischer 2, 326. diese fälle nur aus anlehnung an das verb zu erklären, wie es Moser s. 213 tut, scheint miszlich; richtiger dürfte man darin wie auch in dem sonstigen durcheinander verschiedener formen die wirkung sich kreuzender schriftsprachlicher tendenzen sehen, zumal das formelhafte traw und glauben die hauptmasse der belege stellt: wenn bei einem mann wie Hutten beides nebeneinander begegnet (traw 1, 414; 3, 534; trew 1, 399), ebenso bei Seb. Franck das nebeneinander gar nicht mehr als doppelform desselben wortes empfunden wird: in dem kein trew, traw, lieb noch erbarkeit sey weltb. (1534) 39b, wenn der Ulmer Emser in seinen streitschriften gegen Luther, die er ja z. t. auch in Wittenberg drucken läszt, ebenso wie sein gegner die traw-form gebraucht (1, 26; 96; 97; 2, 5 ndr.), so haben wir es hier mit entlehnungen, nicht mit mundartlich bodenständigen lautformen zu tun. auch Hans Sachs hat traw und trew. das bild, das die modernen mundarten ergeben, ist bei dem ungleichen stande der forschung in den deutschen ländern sehr unvollständig. dazu kommt, dasz das wort treue kein lebendiges dialektwort ist, sondern schon infolge seiner auf das ethische, gnomische, pädagogische weisenden bedeutung mehr in der bildungssprache sein eigentliches dasein hat und ihm (mehr noch als dem abgeschliffeneren adjectiv) etwas gehobenes anhaftet. wir haben also fast überall auch mit der hochdeutschen lautform zu rechnen. das niederdeutsche hat überwiegend trûwe; daneben trouwe Kramer hd.-nd. (1719) 402b; troue brem.-niedersächs. 5, 114; trau, trov Stürenberg ostfries. (nd.) 288; trôe, traue Doornkaat-Koolman 3, 436. im westen ist die diphthongierung z. t. etwas zurückgegangen: vgl. trouwe > truwe Schönhoff Emsländ. gramm. 73; in Mecklenburg neu eingetreten: trouwe Nerger § 141. einsilbig: trû Flemes Kalenberg 371, tröü Leithäuser Barmen 160, treu Ravenhagen Aachen 148. auch mit g als hiatkonsonant: Chr. Falk Elb.-preusz. chron. bei Toeppen, Preusz. gesch.-schr. d. 16. u. 17. jh. 4, 155; mit j: truje Dähnert plattdtsch. wb. (Pommern-Rügen) 496; ebda auch trüwe; verkürzt trüwwe Strodtmann Osnabrück 252. gutturale spirans im hiat zeigt das Waldecksche: trygə Martin wb. der ma. von Rhoden 278, und Lippesche: trugə Böger Schwalenberg 166. ohne hiatkonsonans: treoe Frederking Hahlen b. Minden 32, triue Deiter Hastenbeck 151. mitteldeutsch trüe Schambach Göttingen 235, traue Giebelhausen alt. Mansfelder 101 s. Jecht Mansfeld 113; troi Meiche kirchf. Sebnitz § 122; s. Müller-Fraureuth 1, 248. alemannisch trüw Zürch. bibel (1531) 4. Esdr. cap. 6; Zwingli dtsch. schr. 1, 330; Judas Nazarei 23 Kück; trúw Murner an den adel 52 ndr.; gäuchmatt v. 713; trǖ Stucki mundart von Jaun (kant. Freiburg Schw.) 88; begegnet sich mit der niederdtsch. form trûwe Closener 143, s. Schmidt hist. wb. d. Els. ma. 363. in hss. des 14. und 15. jh. (nicht in drucken auszer Ecks bibel) begegnet im schwäbischen trui (Moser s. 210/11). im bairischen hat sich normal iuw > oi entwickelt s. Lessiak ma. v. Pernegg § 75 (Paul Braune beitr. 28, 83); das Tirolische kennt trui Schöpf 761. in vielen gebieten begegnet entrundung > ai, ei: z. b. Blumer sammlg. ma. licher wörter u. redensaa. d. nordwestböhm. maa. 31; Jakob Wien 195 u. 171; Gebhardt Nürnberg 49; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 248; Follmann lothr. 101; Meisinger Rappenau 204; Heilig Taubergrund § 106, a. 2; Lenz Handschuhsheim 72; Lambert Pennsylvania germ.-dial. (rheinpfälzisch) 152. rein graphische bedeutung hat die im 16. und 17. jh. überwiegende schreibform trew bzw. trewe, während die form treüw, die Frisius (dieser neben trüw) und Maaler haben, und die auch im 16. jh. sonst noch gelegentlich begegnet, das allmähliche verklingen der spirans dokumentiert. auch trw begegnet: granatapfel (1510) g 6a. trwe Arigo dec. 118 Keller dürfte als truwe oder trúwe aufzulösen sein. Zesen schreibt trAeue, z. b. hochd. hel. (1656) 1, 221. in neuerer zeit ist der gebrauch der einsilbigen form von rhythmischen bedingungen abhängig: treu erzeigen Simon Dach s. u. sp. 302; sie singen von lenz und liebe, von selger goldner zeit, von freiheit, männerwürde, von treu und heiligkeit Uhland ged. 1, 307; du (tannenbaum) sahst so gar ernsthaftig zu, als er mir treu versprach; sprich, sag mir doch, was denkest du: dasz er mir treue brach Cl. Brentano ges. schr. (1852 ff.) 2, 105. in bestimmten formeln ist die einsilbigkeit fest geworden: auf meine treu im gegensatz zu auf die treue mein; meiner treu, aber bei meiner treu und bei meiner treue; auch in doppelcompositis ist die neigung zur kürzung deutlich spürbar: liebesuntreu Röthe Göthe (1932) 22. sonst ist die einsilbige form, die noch Kramer gleichwertig neben der zweisilbigen notiert (2, 1139c), in der prosa selten, z. b. Haller Usong (1771) 210. gelegentliche r-metathese bzw. sproszvokalentwicklung s. Wilh. Grimm kl. schr. 3, 491. im anlaut begegnet, von 3 belegen für dr-, das die lenis bezeichnet (vgl. Schatz ahd. gramm. 123), bei Otfried abgesehen, in älterer zeit dr- äuszerst selten: einmal bei Notker 2, 107 Piper; dann Mone schausp. d. mittelalters 1, 127 (v. j. 1313); Heinrich v. Neustadt gottes zuk. 3945 Singer (in unmittelbarer nachbarschaft neben truwe). neuere mundartliche entwicklung zur media bzw. lenis ist häufiger bezeugt: Jakob Wien 195 u. 171; Seiler Basel 84; Crecelius Oberhessen 296; Heilig Taubergrund § 106, a. 2. — rein graphische bedeutung hat threw Joh. Bugenhagen Braunschw. kirchenordnung (1531) Y 2 und threu J. A. v. Brandis (um 1600) gesch. d. landeshauptleute v. Tirol (1850) 50. besonderheiten der flexion: das mhd. und frühnhd. kennt (in eingeschränktem umfang) auch die schwache flexion. beispiele fürs mhd. s. Weinhold2 500; mit vnterthänigster trewen acta publ. verh. d. schles. fürst. u. stände 1, 61 Palm; mit allem fleisz und treuen (ev. pl.) Luther Erl. ausg. 44, 224; hielten dem kaiser trauen nach alter deutscher art bei Opel-Cohn 75. — auffällig ist der in vielen germanischen dialekten weit verbreitete gebrauch des plurals; schon nordisch, angelsächs., altsächs., althochd. überwiegt er oder ist er doch häufig, auch für sing. der lat. vorlage, z. b. Isidor 37 Weinhold, Notker 1, 124 Piper. im mhd. kommt dem noch die allgemeine vorliebe für den gebrauch des plurals bei abstracten entgegen. beispiele s. gramm. 42, 341 f. im nhd. ist die erscheinung wieder im rückgang, hält sich aber in formeln (in treuen) und bleibt mit archaischem beigeschmack bis heute lebendig: er ist ein held von deutschem stamm, ein held von ächten treuen E. M. Arndt 3, 333 Rösch-Meisner; gieb, dasz ich stets voll reiner triebe mich gern in kleinen treuen übe gesangbuch der evang. brüdergem. Gnadau (1893) 377. die verbreitung des wortes (vgl. dazu das oben gesagte) ist in den deutschen mundarten keineswegs gleichmäszig; öfter fehlt es in den wörterbüchern, gelegentlich wird es als nicht häufig bezeichnet, z. b. Meisinger Rappenau, Lexer Kärnten 70; oft erscheint als ersatz treuheit: Crecelius Oberhess. 296; Schöner Eschenrod (Oberhess.) 114; Jensen Wiedingharde; Möller Sylter wb. 278. — über entlehnung ins mittellateinische und romanische s. u. I 1. herkunft und verwandtschaft s.treu sp. 244. bedeutung und gebrauch. das wort hat, ehe es uns in deutschen sprachdenkmälern literarisch vor augen tritt, schon den ersten abschnitt seiner bedeutungsgeschichte hinter sich. aus der bedeutung des got. triggwa, des nord. tryggð, des ags. tréow und des mittellat. lehnworts treuga (s. u.), schlieszlich auch noch aus einigen ahd. restglossen 1, 153, 31 u. 1, 3, 20 (vgl. Wissmann nom. postverb. 118): foedus uuara vel triuua bzw. absque foedere anu triuua vel uuara; foederis treuuua 2, 585, 70 (vgl. auch 1, 153, 37; 296, 2; 2, 580, 18 und pactum treuuua zs. f. dtsch. wortf. 14, 177) können wir ziemlich eindeutig auf eine concrete grundbedeutung in vorliterarischer zeit schlieszen, die auch zu der etymologie gut stimmt: gegenseitige feste abmachung oder vertrag auf grund eines treuversprechens, vielleicht geradezu 'bündnis' oder 'friede' (dessen grundbedeutung ja durch die wurzel *pri 'lieben', 'schonen' anders bestimmt ist). die bedeutungsentwicklung hat sich also, grob gesehen, von dem begriff einer concreten handlung zu dem abstracteren des verhaltens, schlieszlich des wesens eines menschen entwickelt, und neben den relativen gebrauch tritt, zumal im mhd., als immer entscheidender die verwendung des wortes als eines allgemeinen wie speciellen tugendbegriffs. vorher aber übernimmt das wort (nicht nur im deutschen) noch in anlehnung an die ältere concretere bedeutung in geistlicher sphäre eine besondere funktion, die bis zu Luther hin lebendig bleibt: es tritt neben glaube auf das gleiche 'wortfeld'. schon das got. triggwa hat den entsprechenden religiösen einschlag; denn der sinn von διαθήκη hat sich im griechischen des neuen testaments gegenüber dem klassischen griechisch unter dem einflusz des hebr. berith von 'testament, vertrag' zu der speciell geistlichen bedeutung 'bund oder stiftung zwischen gott und den menschen' gewandelt (vgl. dtsch. litztg. 54, 1634 und die dort zit. unters. v. Lohmeyer u. Behn). im althochd. ist das wort ganz in den geistlichen bereich gerückt, manchmal bis zu scheinbarer synonymität mit galauba und galaubo, zunächst aber wohl von der bedeutung 'bund zwischen gott und menschen' ausgehend und im gegensatz zu glaube ebenso oft von gottes wie von der menschen fides gebraucht, wobei denn die älteste und lebendigste anwendung des wortes im weltlichen bereich, die gegenseitige mannentreue und später lehnstreue, bildhaft hineinwirkte (vgl. Heliand). die erst frühnhd. auftauchende in andere bedeutungskanäle eingemündete feste verbindung treu und glauben dürfte schon hier ihren ursprung haben. in mhd. zeit erfährt das wort die gröszte fülle und ausweitung an bedeutungen und verwendungen dadurch, dasz es zu einem kernbegriff im ritterlichen tugendsystem wird, ja geradezu das höfische standesideal im ganzen umschreibt. auch hier bewahrt übrigens das wort durchaus etwas von dem ihm zugewachsenen religiösen gehalt, auch wenn sein gebrauch nun neben dem allgemein umfassenden inbegriff männlicher und weiblicher tugend die ganze buntheit specieller bedeutungen aufweist: 'mannheit, tapferkeit, ehrgefühl, standhaftigkeit, ritterlichkeit; liebe, güte, freundschaft, hingebung, ehrfurcht, dankbarkeit; freigebigkeit, barmherzigkeit, milde, gemeinsinn; vertrauen, pietät, verschwiegenheit, schamhaftigkeit; gottesfurcht, demut' u. v. a. (für eine reihe dieser bedeutungen, besonders den gebrauch des wortes in der minnedichtung, und die sinnabgrenzung gegen stæte vgl. Vera Vollmer diss. Tübingen 1914.) daneben wuchert jedoch schon formelhafter vielgebrauch zumal in präpos. verbindungen, wobei die betonung des schweren ethischen sinngehalts und die neigung zu verflachten, abgeschwächten flickwendungen merkwürdig dicht nebeneinander gehen, oft schwer zu scheiden sind (vgl. etwa die typische reimformel triuwe : riuwe bei den das wort sonst besonders vertiefenden klassikern Hartmann, Gottfried und Wolfram, s. zs. f. d. a. 51, 115 ff.; 56, 204 f.). nhd. bleibt ein teil dieser anwendungen und bedeutungen (besonders der relative gebrauch) voll erhalten, auch als allgemeiner tugendbegriff kann das wort noch dienen: so ist seit dem reformationszeitalter die treue (ohne specielle bedeutungseinengung) zur eigentlichen nationaltugend des deutschen volkes erhoben. sonst jedoch verengt sich überall merklich die bedeutung, und der begriff des stäten, festen, dauernden, bleibenden, ausharrenden erhält in jedem einzelfall das übergewicht; vor allem übernehmen schon im ausgehenden mittelalter andere specialbezeichnungen einen groszen teil des speciellen anwendungsbereichs. doch geht mit der einschränkung des vielgebrauchs auch der formelgebrauch z. t. zurück. im gegensatz zum adjectiv ist die abschwächung zu ethisch neutraler bedeutung (genauigkeit, pünktlichkeit, regelmäszigkeit u. ä.) nicht sehr ausgedehnt; das substantiv bewahrt im allgemeinen ungebrochen seine ethische schwere, wie sich denn überhaupt der ganze innere reichtum und die tiefe der deutschen seele in diesem worte spiegelt. II. nachwirkung der alten concreten bedeutung 'vertrag'. I@11) in der bedeutung 'vertrag, waffenstillstand, friede' ist das wort, wahrscheinlich aus der ostgermanischen mediaform, als treuga ins mittellateinische entlehnt worden (vgl. die treuga dei) und (von dort?) ins ital., prov., span. (tregua), port. (tregoa) übergegangen (doch vgl. Meyer-Lübke rom. et. wb.3 742). die altfrz. form (12. jh.) trieve, triue u. ä. > neufrz. trève 'waffenstillstand' scheint auf die westgermanische form zurückzugehen. belege für treuga z. b. in den leges Langobard. die mittellat. form ist dann wieder gelegentlich als fremdwort zurückgekommen: Kilianus, der als Niederländer 'treue' als trowe (troue) aufnimmt (s. 568), notiert unter 'fremdwörter' s. 724b 'treue (vulg. treuga) induciae'. I@22) thoh uuillik thi friðu settean tôgean sulic têkean,sô thu an treuuua maht uuesan an thesero uuerolde, thoh thu is uuirðic ni sîs (geschützt, nicht friedlos sein; vgl. anz. f. dtsch. alt. 21, 205) altsächs. genesis 73; und daz man an den triuwen (während des waffenstillstands) den keiser Otten wolte slahen Konrad v. Würzburg Heinr. v. Kempt. 572; vgl. zs. f. dtsch. alt. 48, 370. wahrscheinlich gehören hierher auch mehrere belege aus dem Wigalois, obwohl die zufügung des epithetons eine andere erklärung ermöglicht: dô mir der ungetriuwe man in guoten triuwen angewan (mitten im frieden) mînen lîp und daz lant 4720; an guoten triuwen er mich ersluoc (dass.) 4832; ähnlich 6070; auch niederdeutsch ist die concrete bedeutung erhalten: dem godeshuse wart Sandowe in guden truwen (in friedenszeiten) afgewunnen Magdeb. schöppenchron. 343, 26; 345, 2 s. Schiller-Lübben 4, 621; de van Col. wurden binnen truwen vil grot bedroghen Lüb. chron. 1, 168, vgl. ebda; doch scheint die wendung in guoten triuwen oft doppeldeutig: chom chunich Philipps gen Babenberch und slug in der pfallentzgraf von Vitlinspach in guoten triwen (ohne ihm abgesagt zu haben, 'hinterlistig' oder: während Ph. arglos war) chron. bis 1314 cgm 55, f. 65 s. Schmellerfr. 1, 638; ähnlich binnen guden trouwen Lüb. chron. 1, 45, s. Schiller-Lübben 4, 621. hier berühren sich mit der alten bedeutung jüngere anwendungen. letzter lexikalischer beleg trüwe fedus voc. Straszburg (1515) c iiib Hüpfuff. I@33) noch in anderer beziehung flieszt eine anwendung des wortes mit der alten bedeutung zusammen: in der bedeutung 'wort, versprechen, eid' (s. unten VI) kann mhd. triuwe in ganz prägnantem sinne von 'unterwerfung, sicherheit' gebraucht werden (wie auch mittellat. treuga): daz leister durch triuwe (weil er sich unterworfen hatte) Parzival 45, 5; vil werder hêrren, die er lie ûf gelübde ir triuwe (urfehde, unterwerfung) Ulrich von Eschenbach Alexander 21947. IIII. treue im geistlichen bereich: verhältnis zwischen gott und den menschen. deutlich gegenseitig: (die seele spricht:) o herr, du bist min, so bin ich din die trúw sol iemer stät sin (unser bund) Christus u. die minnende seele 2050 Banz. II@11) gott als subject (allmählich in immer weiterem sinne von liebe, güte, treue, sorge u. ä.): inti forliezut thiu dar heuigerun sint euua, duom inti miltida inti treuuua inti gotes minna (iudicium et misericordiam et fidem et caritatem dei) Tatian 141, 17; (gottes) treuua sind so goda gumono gehuilicumu Heliand 2489; alliu sine uuerh sint in drîuuo (in fide) Notker 2, 107 Piper; án demo dínge scînet sîn triûua ebda; swer mit der riuwe besuochet gotes triuwe, dem nâhent wârlîche diu himelisken rîche frau Ava Joh. 238 Piper; sît got selbe ein triuwe ist, dem was unmære ie falscher list Parzival 462, 19; wâ wart ie hôher triwe schîn, dan die got durch uns begienc Parzival 448, 10; starker sozialer einschlag: sîn triwe der werlde ie helfe bôt Parzival 119, 24; ähnlich Willehalm 4, 27; 309, 14; dô vûgtez got zû einer zît durch trûwe (in seiner gnade), als er noch hûte pflît, und sante sînen lîben geist durch guten willen allermeist der sünden widerstreit 3013 Zeidler; gotlîche triuwe Parzival 466, 12; wie got auss grossen trewen geordnet hat alle ding Joh. Tauler sermones (1508) reg. Ib b; gottes trew geht nichts ab Paracelsus 1, 37 b Huser. in neuerer zeit gern in verbindungen liebe und treue, güte und treue, treue und gnade u. ä.: wie vill gott der herre dir lieb, vnnd trw bewysen hatt in jm selbs Keisersberg granatapfel (1510) g 6a; alle ... zu spren haben, die grosse gte und trewe unseres lieben gottes F. Dedekind papista conversus (1590) j 6a; ähnlich Happel akad. roman (1690) 487; gott von groszer macht und treue B. Schmolcke sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 7; denn ich bin ein gott voll huld, voll langmuth, und an gnad und treue grosz Giseke poet. werke (1767) 14; ein sehr barmherziger und treuer gott! der treu und güte hält auf tausend der geschlechter Herder 12, 36 Suphan; nur du, der überm sternenzelt das richtmasz aller dinge hält, du bist dir selbst geblieben gleich und aller treu und gnade reich Geibel 3, 32; besonders beliebt in geistlicher dichtung: grosz ist, herr, deine trew das mercket jeder frey; Georg Werner bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 31; er (gott) hitzt und brennt für gnad und treu Paul Gerhardt ebda 3, 369b; welt und satan stellten mir tausend netze voller plagen, aber herr, durch deine treu, bin ich aller plagen frey B. Neukirch auserl. gedichte (1744) 58; unter dem bilde der väterlichen treue: drum, liebes hertz, sey ohne scheu und sieh auf deines vaters treu P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 371b; vnser ... got gezigt sich selbs in der ewigen warheit vnbetrieglichen an, nach vetterlicher, hertzlicher lieb, vnd trew, das wir ... vngezweifelt all vnnser vertrewen ... in jn allain setzen sollen J. Strausz christenlich vnterricht (1523) A iijb; es ist eitel gte vnd vAeterliche treue, was gott mit vns armen sndern macht vnd thut Petri d. Teutschen weisheit (1604) 1, c 2a; unter dem bilde des hirten Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 431a; von Christus: an Kriste ist triwe erkennet Parzival 752, 30; (Jesus) der sît durch uns vil scharfen tot ame kriuze mennischlîche empfieng und sîne triwe an uns begienc Parzival 113, 22; vgl. auch 465, 10; kein bessre treu auf erden ist als deine treu herr Jesu Christ W. Moller ev. gesangbuch f. Brandenburg nr. 435; o du schönster meines herzen! nun erkenn ich deine treu B. Neukirch auserl. ged. (1744) 46; noch steht in wunderbarem glanze der heilige geliebte hier, gerührt von seinem dornenkranze und seiner treue weinen wir Novaiis 1, 63 Minor; umschreibung für gott: da dich des himmels treu dein erstes stufenjahr ... erleben läszt Stoppe Parnass (1735) 130. II@22) die menschen als subject. in älterer zeit oft geradezu in der bedeutung 'glaube'. lexikalisch: fides truwe glaub gemma gemmarum 1508; credo treu Calepinus (1598) 345b; auch in älteren bibelübersetzungen an stelle des späteren 'glaube': tochter, hab zuversicht, dein trewe hat dich gemacht behalten codex Teplensis 11 Huttler (Matth. 9, 22), wo Luther später glaube hat; lutzeler trew waz seit ir vorchtsam? (Matth. 8, 26) erste deutsche bibel 1, 30; die Zainerdrucke haben: ir eins wenigen glauben = ὀλιγόπιστοι; vgl. auch 1, 24; so huue so habad hluttra treuua up te them alomahtigon gode Heliand 902; ähnlich 2473; est ergo fides recta ut credamus et confiteamur ... daz ist rehtiu triuua, daz uuir glouben unde iehen Notker 3, 385 Piper; daz triûuua bézzera sîn danne scáz 2, 218; ir (christenleute) sît durh triwe in dirre nôt (um eures glaubens willen) Willehalm 400, 9; wilt du gein got mit triwen leben (gottesfürchtig) Parzival 499, 17; bei Luther sehr häufig in der bedeutung glaube, hoffnung, vertrauen, zuversicht: ich ... setz meyn trew alleyn auf den ... eynigen gott 7, 216, 1 W.; ähnlich 7, 215, 6; 102, 389 und 390 (mehrfach); was ist haben einen got? das ist traw und zuvorsicht haben zu got 103, 87, 13; die traw ist, das wyr nit tzweyffelln, er woll unss gnedig seyn und gottlich, gnadreich menschen machen 101, 1, 37; vgl. auch 242. aus dem nebeneinander mit glaube entwickelt sich in dieser sphäre die formel treu und glauben: denen, szo im glauben und gottis trawen leben Luther 6, 215 W.; und dieszer glaub, trew, zuvorsicht des hertzen grundlich ist warhafftige erfullunge dieses ersten gebottis 6, 209; on glauben und trawe ynn gott 19, 565; in andern bedeutungen und als festgewordene formel s. sp. 308 ff. allgemeiner: wilche der gewalt widder streben, die werden eyn gericht uber sich uberkomen, wilher spruch auch die bawrn endlich treffen wird, es geschehe kurz odder lange, denn gott will trew und pflicht gehalten haben Luther 18, 358, 2 Weim.; darumb halt im din trüw, er halt ouch dir sicherlich sin trüw Geiler von Keisersberg, bilgersch. 30a; welche ich euch bitt, (durch die trewe, so ihr gott vnnd euwerem herren könig schuldig), Amadis 1, 21 lit. ver.; weil auch die erstern (heilige u. göttliche männer) mit ihnen einerley begierde und eifer hegen, dem höchsten ihre treue und gehorsam zu erstatten, die letztern aber sich unseliger weise bemühen, sie von ihm abzuziehen J. Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 22; speciell von der mystischen liebe zu gott: ich han dich geschozzen mit der minne fur da bi du min truwe spur, wann ich din nit vergessen kan Christus u. d. minnende seele 1381 Banz. IIIIII. treue als ethisch bestimmte handlung oder eigenschaft des menschen. III@AA. vorwiegend relativer gebrauch: in ausgedrückter oder doch gedachter verbindung mit einem (überwiegend persönlichen) object, in bestimmten gebieten des menschlichen lebens. meist wird dabei ein gegenseitiges verhalten ausgedrückt: daz got geschuof nie triuwe dâ enwære ein ander bî Reinbot von Durne 791 Kraus. III@A@11) im politisch-staatlichen bereich, oft mit rechtlicher grundlage und dann von der alten grundbedeutung des wortes 'fester bund' ausgehend. III@A@1@aa) lehenstreue und mannentreue. ... thea gesidos Cristesthe he imu habde selbo gicorane, sie tueliui thurh iro treuua goda Heliand 2904; ähnlich 4576 u. 4689; wen swer den vorsten vrede lobit unde en trûwen phlichtich is, brikt her den vrede an en, men sol uber en richten Sachsenspiegel 113 Eckhardt; vgl. auch 210; in diese (dienstgefolge) traten freie leute unbeschadet ihrer freiheit durch das gelöbniss der treue Eichhorn deutsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 55; dû maht an im nu tuon dîner triwe hantveste (lehnseid) Parzival 345, 7; mâge und lanthêrren mîn die tuon ir triuwe an mir schîn Willehalm 299, 10; ähnlich 95, 22; trew aber wird genent der eidt, welcher dem herren durch den lehenman geschicht die lehenrecht verdeutscht (1533) b 2a; formen eines klaren und lebendigen rechts nach den groszen gesetzen von huld und treue Nitzsch deutsche studien (1879) 34. III@A@1@bb) im ritterlichen leben, oft enger im sinn ritterlichen dienstes; der unterschied von treue als handlung und treue als gesinnung ist nicht immer scharf: nu enpfâhet ir an diesem mâl iweriu lêhn von mîme kinde, ob ich an iu triwe vinde Parzival 803, 16; (die templeisen wollen ihren könig Amfortas nicht sterben lassen) ir triwe liez in in der nôt Parzival 787, 3; ähnlich im sinne von dienstlicher treue 156, 6; 362, 10; 412, 11; 626, 4; 650, 5; 661, 9; 688, 10; 821, 9; mîn wille in den gebaeren was, daz ich triwe (im schildesamt) gein iu hielt, die nie kein wanc von mir gespielt Willehalm 66, 5; ähnlich Ulrich von Eschenbach Alexander 2182; ritterpflicht gegenüber der frau im sinne von ritterlichkeit, höflichkeit, ergebenheit: rîters triuwe Hartmann Iwein 3173; rîterlîche triuwe Parzival 631, 20; (Kriemhild zu Etzel) si sprach: wolt ir mir triuwe leisten, hêrre mîn, sô sult ir boten senden ze Wormz über Rîn. Nibelungen 1345, 1 Lachmann; ... in sîn triuwe dar zu jaget daz er erlœsen wil die maget Engelhart 4639; ähnlich Parzival 625, 23; Ulrich von Eschenbach Alexander 4318; wært ir triuwen niht verzaget (fehlte euch nicht jeder ritterliche anstand) Ulrich von Eschenbach Alexander 18995; vnd verhaisz dir bey meiner ritterlichen trew Fortunatus (1509) 132 ndr.; die treue musz die erste ritterliche tugend sein Platen (1853) 3, 315. III@A@1@cc) treuverhältnis zwischen fürsten, könig, kaiser und untertanen: in älterer literatur besonders in der heldensage, vgl. Vera Vollmer s. 11 ff. (dort mehr belege). doch wolden nie gescheiden die fürsten und ir man: sine kunden von ir triuwen niht ein ander verlân Nibelungenlied 2047, 4 Lachmann; vgl. 2194, 2; dasselbe im Heliand: treuua habda he gôda (vom jünger Matthäus) Heliand 1195; gnedigster keyser, ... ich versprich euch in rechter trewe ... zu dienen eyn schön lustig geschicht hertzog Aymon v. Dordons süne (1535) b iiib; (ich) habe hiemit demnach bezeugen wollen, dasz ... ich gleichwohl mit der lieb, ... mit unvergeszlicher treu ... gegen meinen allergnädigsten lands-fürsten und wehrtesten vatterland die zeit meins lebens bestendig verharren werde W. H. frh. von Hohberg georgica curiosa (1682) 1, vorr. a a 2b; dasz er die letzten pfänder seiner treu aus kaisers landen führt, das deutet uns auf einen nahen ausbruch der empörung Schiller 12, 79 Gödeke; ihm (dem alten volkskönig) sind die öffentlichen beamten zu persönlicher treue verpflichtet Ranke sämtl. werke 8, 9; ähnlich 14, 14. synonym mit dienst: schlafen, essen, trincken, spielen, tantzen und spatziren sonst um nichts, als nur um dieses fleiss und sorge führen die bey hofe diss verrichten, rühmen dienst und treue geben nicht sie nemen dienste, sag ich ohne scheue. Logau sinnged. 396 Eitner; weil wir fest entschlossen sind zu sterben eh, als jemanden die luft zu verdanken, auszer gott, und unsere treu und dienst zu leisten, als dem kaiser Göthe I 8, 33 Weim.; ... der kayser ... geruhet, euch ... um eurer treue und verdienste willen zum ritter ... zu schlagen Klinger werke (1809/15) 3, 79; treue schwören u. ä.: er nemahte der helfe nieth haben, die im da tröwe gehizzen wi gar si in uirliezen kaiserchronik 528, 14 Diemer; daz ich ew trewe leisten muoz (lehnseid schwören) Ulr. v. Türheim Rennewart; s. zs. f. dtsch. alt. 38, 64a; zum ersten, das sie yhrer oberkeyt trew und hulde geschworen haben, unterthenig und gehorsam zu seyn, ... Luther 18, 357, 23 Weim.; viele von den Scandinaviern, die dem Alfred treue geschworen hatten, ergriffen die waffen Haller Alfred (1773) 36, 6; und wie er treu und pflicht ihm heilig schwören will Wieland 22, 84; einem probst ... trw und hulde schweren Äg. Tschudi chronicon Helveticum (1734) 1, 134; versicherung ihrer treue und hingebung L. v. Ranke s. w. (1867) 1, 117; ich liebe den könig; ... ich habe ihm treue geschworen, ... Fontane ges. w. I 1, 259; treue bis in den tod Körner 3, 40 Hempel; die treue brach ich solchem gnädgen kaiser Schiller 12, 260 Gödeke; ähnlich Platen 1, 23 Hempel. eid der treue in diesem bereich: worauff ihm alle ohne widerrede den eyd der treue leisteten D. C. von Lohenstein Arminius (1689) 1, 112a; ... wenn sie ... einen besondern eid der treue in die hände des königs abgelegt hatten M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 310; der handschlag ist ein zeichen der treue; imgleichen die übergebung eines handschuhes J. G. Estor der teutschen rechtsgelahrtheit 3 (1767), 1199; der tyrann selbst hat den eid der treue ... geleistet Th. G. von Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 211; besonders gefiel mir eine gruppe von rittern im äuszersten hintergrunde, innen im vorhofe der burg, die sich in ganz schwarzer rüstung mit hohen helmbüschen gekleidet, den handschlag der treue geben Fr. v. Schlegel sämtl. werke (1846) 6, 132; bildhaft: ihr (der tugend), der königin im reiche der vernunft, leistet mein herz den eid der treue Martin Crugot der christ in der einsamkeit (1771) 104; häufig mit collectivem subject: der vnterthanen gunst vnd trew ist sicherer denn furcht vnd schew A. Lobwasser calumnia g v; sie (die stadt Nürnberg) ward zwar wegen ihrer treue gegen den vatter ... von dem sohn Heinrichs IV. zerstOeret S. v. d. Birken beschreibung d. Donaustroms 28; ein teutscher fürst hat nichts zu fürchten, ..., so lange er selbst treu und ehrlich auf seines volkes treue rechnet Fr. M. Klinger werke (1809 ff.) 8, 257; das land Tirol in ungefälschter treue dem angestammten herren zu bewahren ist seines muthes einzger zweck und zielpunkt Immermann 17, 50 Boxberger; nimm hin dies land der treue, (Tirol) das dein von anfang war Fr. Rückert (1867) 1, 93; und es hätte nicht einmal seiner unübertrefflichen, weisen regierung bedurft, um auf die treue seines volkes bauen zu können Thibaut üb. d. notw. eines allg. bürgerl. rechts (1814) 448; das verhältnis des königs zu den gefolgsleuten ist ein dienstvertrag. er gibt ihnen ... dafür sind sie ihm zur treue bis in den tod verpflichtet Scherer litteraturgesch. 46; mit begeisterung hat die bevölkerung ... ihre dankbarkeit für das treue ... walten unserer fürsten bekundet und von neuem gelobt, auch ihrerseits die treue zu halten Bismarck polit. reden 3, 8 Kohl; ähnlich Tieck (1828) 1, 78. charakteristisch für diesen bezirk ist die verbindung treue und gehorsam: trew vnd gehorsam erfordern von vnderthanen Dasypodius (1536) q q 3a; das ansehen eines monarchen wil durch gehorsame treue befestigt werden Chr. Weise polit. redner (1677) 5; treu und gehorsam aufkündigen maler Müller werke (1811) 1, 193; an treue und gehorsam bin ich der alte; aber ich habe mir das schwatzen und raisonniren angewöhnt Göthe I 8, 253 Weim.; ähnlich: treu und ehrfurcht oder treu und andacht Stoppe Parnass (1735) 8 u. 9. ebenso umgekehrt von dem verhältnis des königs oder herrn zu seinen untertanen: den (meinen getreuen) wil ich sîn mit triuwen mite, nû sterkent an mir ouch triuwen site Ulrich von Eschenbach Alexander 3517; genâde unde triuwen mant iuch des küneges wîp, unt daz ir ie was wæge iwer herze unt iwer lîp. Nibelungenlied 1387, 1 Lachmann; mîn hêrre ... an dem dochs fürsten triwe erschein Parzival 384, 14; ähnlich 7, 13; (der fürst zu den seinen) das ich mich triwen hin ze iu versihe Willehalm 210, 15; grôzer triuwen ich (Alexander) gegen in wielt (war ihnen gewogen) Ulrich von Eschenbach Alexander 18283; der küng unde îclich richter mûz wol richten uber hals unde uber hant unde uber erbe iecliches sînes mannes unde mâges, und en tût dar an wider sîne trûwe nicht Sachsenspiegel 124 Weiske; dort noch mehrere belege; dâ begienc er driu übeliu dinc mit einander: er brach sine triuwe an sînem manne, er begienc die manslaht, er begienc den walraup an wîp und an kinden deutschenspiegel 56, 12 Eckhardt-Hübner; dwyle doch küng vnd kaiser liebhaben ire diener so sy die trüw sin erkennen Niclas von Wyle translationen 42 Keller; auch der könig hat die treue gegen land und volk zu halten! Friedr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1907) 125; formelhafte umschreibung: haben wir mit unssern fürstlichen trüwen gelopt v. Richental chron. d. Constanzer concils 69 lit. ver.; ins politische übergehend: bûdet aber die herre sîne samnunge ûph den man oder die man upphe den herren, êr her yme untsecge, unde untsecget her ime denne, ..., unde veret her ûph ine mit der samnunge, her dût weder sîne trûwe Sachsenspiegel 239 Eckhardt. III@A@1@dd) im bezirk des eng-politischen. verhalten der fürsten zum kaiser: Burchard selbst mit seinen Schwaben lachte der vergesznen treu (der kaiser wird den fürsten zum gespött) Chr. O. v. Schönaich Heinrich d. vogler (1757) 41; die wirksamste unterstützung hatte Heinrich IV. von jeher in der persönlichen treue des gröszten theils der edelleute gefunden Ranke sämtl. werke 3, 4; er behauptet ... Maximilian habe das reichsvicariat nicht an den churfürsten von der pfalz gegeben, sondern an den churfürsten von Sachsen, der ihm mit besseren treuen gedienet ebda 1, 346; drum hab ich den La Hire mit botschaft an den herzog abgefertigt, ob mirs gelänge, den erzürnten pair zur alten pflicht und treu zurückzuführen Schiller 13, 199 Gödeke; bündnistreue zwischen völkern: die Parther versicherten ihm ihre treue D. C. v. Lohenstein Arminius (1689) 1, 7a; (erzähle) hingegen wie Stettin, aus blinder treu zum norden vor der eroberung zu grauss und aschen worden J. v. Besser schrifften (1732) 1, 51 König; Rom muszte seine treue (bei einem harten friedensschlusz) durch geiseln verbürgen B. G. Niebuhr m. gesch. 1, 353; volle zeit ... die schwankende treue der ... gallischen ... gaue wieder zu befestigen Mommsen m. gesch.4 2, 182; übertragen auf gott und sein volk: ... lasz dein hertz ihrer sich erbarmen! ach! sih numehr zu ruck auff deiner bündnusz trew G. R. Weckherlin ged. 1, 355 Fischer; sonstiges: hauptman herzog Fridrich von Deck, der was der stat mit triuen aun arg (verbündet) chron. d. dtsch. städte 4, 30; der pabst ... drohete ihm ... mit dem bann, wenn er nicht die treue ... durchaus beobachtete M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 411; ... und sie (das volk, das feindlich gegen seinen unterdrücker aufstand) versammelten sich und gelobten sich eintracht und treue E. M. Arndt schriften f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 238; er (Friedrich II.) meinte ursprünglich in wirklicher überzeugung, dasz der fürst auch in der politik ehre und treue halten müsse Fr. Meinecke Boyen 1, 13; kleine banden ..., die, auf ihre gegenseitige treue (übereinkunft) bauend, ihr gewerbe treiben Archenholz England und Italien (1735) I 2, 369; zugleich aber erbot er sich, mit seinem kopfe für ihre (der mitverschworenen) treue zu haften Schiller 2, 139 Gödeke. III@A@1@ee) treue des soldaten. die function und verrichtungen eines mousquetirers besteht darinnen, dasz er bey allen vorfallenden kriegesoperationen, bey denen mAerschen, in campiren, ... suche seine treue, gehorsam und wachsamkeit, sowohl gegen seinem landes-herrn, als auch gegen seine herrn officiers zu bezeugen v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 145; die kampfpflichten des soldaten sind: treue und gehorsam Wilhelm i. milit. schr. (1897) 1, 273; das ... heer schwor ihm ... den eid der treue Mommsen m. gesch. 2, 307; ethisch neutral: als ein alter soldat gewohnt, den buchstaben seiner ordre mit blinder treue zu befolgen Schiller 6, 114 Gödeke. III@A@1@ff) treue zum vaterlande und zur heimat, kein rechtsverhältnis, sondern ein angeborenes empfinden: von der treüw Polybij gegen seinem vaterland W. Xylander Polybius (1574) vorrede 3; du liebst dein vaterland mit unverfälschter treu Glaubitz bei Gottsched schaubühne 1, 13; sie schwören gott, dem vaterland, und dir, o Carl! den schwur der treue! Schubart s. ged. (1825) 2, 50; wir wollen feste treue halten, wo diese fahne vor uns weht E. M. Arndt werke 5, 255 Rösch-Meisner; ein wackerer soldat soll nicht prunken mit der äuszeren ehre noch sich auf eitelkeit blähen; sondern die treue gegen das vaterland soll seine ehre sein und sein stiller mut seine höchste zierde E. M. Arndt 10, 150 Leffson-Steffens; was fürs vaterland in treuen in der schlacht gefallen wur Fr. Rückert 1, 157; 'hie Brandenburg allwege' sei unser losungswort, der heimat die treue in allen zeiten fort G. Büchsenschütz in nat.-soz. volksliederb. 77; märkische treue ebda. III@A@1@gg) staatstreue, bürgertreue: des königs heldenherz, der streiter feste kette, der bürger letzte treu die fochten um die wette Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 33; die herbe frugalität der alten republikaner, ... die strenge gesetzlichkeit des volkes, die feste allgemeine treue während der schönen jahrhunderte ... erregen in uns eine ehrfurcht B. G. Niebuhr m. gesch. 1, 12; ich habe meine rechte hand erhoben zum feierlichen eidschwur auf dem kreml ... was ist beschworne treu? was sind verträge, wenn ein solenner reichstag sie zerbrechen darf? Schiller 9, 18 Gödeke; die zuverlässigsten gemeinden fingen an ... zeichen der ungeduld und der schwankenden treue zu geben Mommsen m. gesch.4 3, 34. III@A@22) dienertreue im engeren sinne: wan sie (Bêne) pflac herzen triuwe (zu ihrer herrin Itonie) Parzival 694, 16; ich nam durch mîne triwe war zehen künege Willehalm 81, 4; im mhd. tagelied speciell vom wächter, mit nebensinn des verschwiegenen; vgl. auch sp. 303 f.: er gab sich mîner triwe alsô ... Wolfram lieder 4, 34; s. auch 4, 25; niht verkrenken wil ich aller wahtær triuwe Wolfram lieder 6, 26; das steur ruder ist der gehorsam, das heyligenbild, so forn auf der spitz des schiffs steht, ist die forcht vnd ehr gottes. der vberlauff ist der züchtige wandel vnd die treu des gesinds J. Fischer 3, 221 Hauffen (phil. ehezuchtbüchlein); anderes Fortunatus (1509) 75 ndr.; engl. comedien u. tragedien (1624) n viib; da antwortete der getreue Johannes 'ich will ihn nicht verlassen, und will ihm mit treue dienen, wenns auch mein leben kostet' kinder- u. hausmärchen6 (1850) 1, 33; s. a. 44; herr, die treue spricht aus mir; bin ich zu kühn, so bin ichs deinetwegen! Hebbel I 3, 243 Werner; noch manches jahr ... hielten herr und beide diener, der eine in gnaden, die andern in treuen zusammen Gutzkow ges. w. (1872) 1, 40; sprichwörtlich: in aim gsindt ist nichts mehr zuo loben dann die trew G. Mayr sprüchw. (1567) B v β; das gesind sol nit viel finden noch verlieren. darbey kan man sein trew wol sprn (zuverlässigkeit, ehrlichkeit) Petri d. Teutschen weisshait (1604) 2, nl iir. III@A@33) treue im engeren gesellschaftlichen sinne. III@A@3@aa) im minnedienst. neben minne, nicht synonym: mich binden sô vaste die eide, minn ende trouwe beide Heinrich v. Veldecke minnes. frühl. 63, 26; auch in der Eneit oft gepaart, s. Vera Vollmer s. 43; sol ich der wâren minne jehn, diu muoz durch triwe mir geschehn Parzival 532, 18; vgl. auch 101, 20; ist minne wariu triwe, so erwarp dâ manges heldes tôt den wîbn dâ heime jâmers nôt Willehalm 15, 16; treue 'minne' oder 'minnedienst', meist mit betonung des umfassenderen sinnes 'treues ausharren, treue'. in der mhd. lyrik erscheint das wort erst verhältnismäszig spät, seit Friedrich von Hausen, vgl. Vera Vollmer s. 43 ff.; 54 ff.; sist mîner triuwen wol gewon und weiz si gar Ulrich von Gutenburg minnes. frühl. 75, 12; und werde ich iemen liep, der sî sîner triuwe an mir gemant Albrecht von Johansdorf 91, 14; wie sol ein man gebâren der âne reht ie sîner triuwe engalt? Bligger von Steinach 118, 25; ôwê daz ich triuwen nie genoz! Heinrich von Morungen 129, 2; wan mirst leide unde fürhte des, sich scheide diu triuwe der wir pflâgen ê Reinmar von Hagenau 152, 24; niender vinde ich triuwe (erhörung), dêst ein ende, dar ich doch gedienet hân Reinmar von Hagenau 169, 21; sol ich mîner triuwe alsust engelten, so ensol niemer man getrûwen ir Walter von der Vogelweide 112, 29 Lachmann; gern die verbindung dienstlîche triuwe u. ä.: wan einer bin ich unbereit dienstlîcher triuwe Parzival 114, 9; auch 645, 11; ... du solt sigenunft erstrîten mit dienstlîcher triwe an ir (minne) Wolfram Titurel 106, 2; (Gâwânen) twang ein riuwe unt dienstbæriu triuwe die er nâch sîner frouwen truoc Parzival 541, 6; von seiten der frau: ob ich mîne triuwe an im behalten wil Hartmann von Aue minnes. frühl. 216, 23; ich tuon im wîbes triuwe schîn Reinmar von Hagenau 203, 16; III@A@3@bb) brüderschaft, gemeinschaft u. s. w.: nun sind wir doch nun die üweren, üwers geblts und bodens, trüw und herzens Zwingli dtsche schriften 1, 50; man trank nach altem brauch, mit schwüren voller kraft auf die bestätigung der alten brüderschaft. zum zeichen ewger treu ward jeder hut durchstochen und mit geschrey und lärm jedwedes glas zerbrochen (studentengelage) Zachariae poet. schr. (1763) 1, 24; seyd uns zeugen allhier, und stAerkt die treue des bundesschwurs Bürger 1, 210 Bohtz; landsmännische treue: (die zigeuner singen:) komm Bella, führ die deinen, wir schwören dir die treue, komm eil mit uns ins freie A. v. Arnim 1, 171 Wilhelm Grimm. III@A@44) treue im persönlich-menschlichen und häuslichen bezirk: III@A@4@aa) treue in der liebe, natürlich nicht scharf abzutrennen von der treue im engeren minnedienst oder der treue in der ehe; oft, zumal in älterer zeit, gleichbedeutend mit liebe; vielfach schwingt schon der sinn der bloszen dauerhaftigkeit in der bedeutung stark mit. hâst dû triuwe und stætekeit, (liebst du mich auch treu) sô bin ich des ân angest gar daz mir iemer herzeleit mit dînem willen widervar Walther von der Vogelweide 50, 13 Lachmann; unser triwe mit ein ander vert Wolfram von Eschenbach lieder 3, 20; dîn trôst für ander trôste wigt sît dîn herze gein mir triwen pfligt (da du mir gut bist) Parzival 715, 8; solt si mir triuwe gelden mit untriuwe und mit schelden frauenlist v. 147; nie ganzer triuwe wart getragen von manne noch von wîbe Konrad von Würzburg herzmœre 52 Schröder; im Parzival von der liebe Sigunens und Schionatulanders 249, 15; 249, 24; 253, 18; 434, 18; 436, 24; Titurel 107, 2; und von der liebe Parzivals zu Kondwiramour 283, 22; 293, 8; 296, 2; 732, 8; herzenlîche triuwe 'liebe' Parzival 431, 3; genâde unde triuwe erhörung und liebe Konrad von Würzburg Engelhart 29, 10; klagende triuwe liebesleid oder liebesklage Parzival 81, 4; Ulrich von Eschenbach Alexander 2103; 10317; ähnlich Willehalm 29, 6; senlîchiu triuwe Iwein 3089; ... nu wirt vernomn alêrst wiez umbe triwe vert Willehalm 109, 3; mhd. ein triuwe bezeichnet die gegenseitige liebe; vgl. Vera Vollmer s. 70 ff.: ir beider minne ein triuwe wirt Albrecht von Johansdorf minnes. frühl. 91, 30; häufig im volkslied: ic wil den mey gæn houwen al in dat groene gras ende schenken myn boel die trouwe die my die lieveste was Weimarer handschr. 1537 nr. 10; und all dein treu die mag ich nicht, will doch viel lieber sterben F. L. Mittler deutsche volkslieder 464; ferner bergreihen 61 und 62 ndr.; lasz ich gleich aber diese welt wirdt meine trew doch nicht gefellt M. Opitz teutsche poemata 34 ndr.; ich wil ein wenig nur versuchen, wie grosz doch deine liebe sey ... und wie bestAendig deine treu G. Neumark poet. u. musik. lustwäldchen (1652) 18; du kannst dich schon an meine seele binden du wirst an treu nicht meines gleichen finden Chr. Weise der grünenden jugend überfl. ged. 161 ndr.; ich sing zerriszner treue verlaszner liebe schmerz maler Müller 2, 322; s. auch 1, 219; er ... las mit unaussprechlichem entzücken das wort treue von ihrer geliebten hand Göthe I 23, 91 Weim.; s. auch I 21, 4. ein rasen dien als kissen für uns zwey ein herz, ein bett, zwey busen, eine treu Shakespeare-Schlegel (1797) 1, 211; und es weinen die geliebten, denen man die treue brach Brentano ges. schr. (1852) 3, 91; wohl lass ich hier das leben, die treue lass ich nicht (Gudrun) Geibel 3, 89; die treue ist etwas so heiliges, dasz sie sogar einem unrechtmäszigen verhältnisse weihe verleiht Marie v. Ebner-Eschenbach aphorismen (1893) bei Lipperheide spruchw.-buch 877; ich habe ihm nicht einmal die treue der liebe bewahrt T. Kröger schuld? 163. charakteristische adjectiva: ewig Hafner lustspiele (1812) 2, 51; beständig Neumark fortgepfl. musik. poet. lustwäldchen (1657) 1, 82; standhaft Melchior Meyr erz. a. d. Ries (1861) 44; stet Rückert s. werke 1, 491; unverbrüchlich Musäus 5, 306 Hempel; unerschüttert Schiller 2, 53 Gödeke; unverfälscht Gotter 1, 34; rein Holtei erz. schr. 2, 44; schlackenrein Schneckenburger deutsche lieder (1870) 27; felsenfest Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 1, 7. treue geloben, verheiszen u. s. w.; im nhd. überwiegend treue schwören: vnd er wird mir vor geben vnd verhaissen sin trüwe Niclas von Wyle translationen 26 Keller; der gute held, die trew die er dir gelobet, die hielte er nicht F. L. Mittler deutsche volkslieder 12; unsere zwey verliebte ... hatten sich eine ewige treue geschworen Lessing 4, 355 Lachmann-Muncker; ebenso Chr. F. Weisze scherzh. lieder2 106; wir saszen unter dem lindenbaum und schwuren uns ewige treue H. Heine 1, 85 Elster; bund der treue: als sie den herrlichen mann erblickte ... fühlte sie (gräfin Richilde) unbeschreibliches entzücken und schwur dem ritter von stund an den bund der treue Musäus 1, 139 Hempel; nehmt euch bedenkzeit auf den nächsten neumond, den tag, der zwischen mir und meiner lieben den ewgen bund der treu besiegeln wird Shakespeare-Schlegel (1797) 1, 181; gern die verbindung von herz und treue (doch vgl. unten sp. 320): herz und treue sind gebrochen suche dir ein andres lieb! A. v. Chamisso (1836) 3, 22; ich seh im winterlichen dämmerlicht zur kirche hin den langen brautzug wandern, wo die geliebte treu und herz dir bricht N. Lenau 20 Barthel; für das zeitalter der empfindsamkeit bezeichnend die verbindung treue und zärtlichkeit: so liebe denn, verbundnes zwey! der himmel segne deine flammen! denn deine zärtlichkeit und treu kann auch kein lästermaul verdammen Gottsched gedichte (1751) 1, 259; blickt treu und zärtlichkeit hier nicht aus allen zügen L. A. Gottschedin briefe (1771) 1, 92 Runkel; beide schworen sich eine unverbrüchliche treue und zärtlichkeit Nicolai Seb. Nothanker 1, 227; sprichwörtlich: die erste treue die beste findlinge 98; richten sonder ruw ceca conscientia, leiff han sonder truw vulpina fallacia Husemann spruchsammlung (1575) nr. 125 Weinkauff. III@A@4@bb) treue in der ehe: sun, ob dir got gefüege ein wip nach sînem lobe zu rehter ê, die soltu haben als dînen lîp, ... ichn weiz wilt du dâ wunnen mê, ob daz geschiht in triuwen pflege (in ehelicher treue) Winsbeke 8, 8 Haupt; dieselbe bedeutung Ulrich von Eschenbach Alexander 3846; Hipsicrathea ward getOetet von irem man, dem sie vor der groszen trüw erczOeget hett Stainhöwel de claris mulieribus 11 lit. ver.; wo das vilfAeltige greinen ist, dort erkaltet die lieb dort wacklet die treu Abraham a s. Clara Judas der ertzschelm (1686) 1, 61; kein ulmenbaum kann so die schlank umarmten reben als ihren ehherrn sie, mit fester treu umgeben König gedichte (1745) 52; jedermann beklagte sie, jedermann that ihr die ehre, dasz sie wahrer keuscher treu einziges exempel wäre (die nicht vom grabe ihres mannes weichende witwe) D. W. Triller poet. betr. (1750) 2, 227; über die treue in der ehe kapitelüberschrift bei Hippel über die ehe (1774) 65; schnell musz er fort zum regiment und fordert nun mit heiszem beben kontrakt der treu aufs ganze leben J. G. Seume gedichte (1804) 126; speciell treue der gattin: gesellentreue selten besteht, eheweibs treu über alles geht Binder 72; glücklich wem der gattin treue rein und keusch das haus bewahrt Schiller 11, 392 Gödeke; so straf er mich, vergasz ich je der treue, die dem gemal die ehfrau schuldig ist Tieck schriften (1828) 2, 191; in verbaler verbindung: hœret waz einem manne geschach, an dem sîn êlich wîp zebrach beide ir triwe und ir reht Stricker kl. ged. 9 Hahn; du hast mir die ehe und treu zugesagt und scheidst dich jetzund von mir ... die treu die ich versprochen hab, die musz gehalten sein F. L. Mittler dtsche volkslieder 208; ob er gleich ein mal gefallen ist, kan er sich doch widder bessern und seine vorige trew seinem gemalh leisten Luther 32, 380, 27 Weim.; ähnlich buch der liebe (1587) 273e; wir wellen des zeugnusz geben, dasz dein fraw hat unrecht gethan, ir trew geprochen an irem man fastnachtsp. nachlese 234, 19; Glicus wolte gerne wissen, ob sein weib ihm halte trew Logau 616 lit. ver.; aber die tugendhafte frau wollte lieber den tod leiden, als ihrem herrn treue brechen deutsche sagen 2, 61; heilige treue Achim von Arnim 2, 193 Steig. besonders charakteristisch und häufig die verbindung eheliche treue, schon im mittelalter: so bevilch ich in die triwe dir Marien, brder, und dich ir, das ir elich triw in got behaltind baid nǎch dinem gebot Mone schauspiele d. mittelalters 1, 154 (kindheit Jesu); sie peyde einander eliche treüe schwuren Arigo decamerone 70 Keller; vnd gebeüt eüch beiden ... das ir eehliche trew und pflicht gegeneinander halten ... werd Manuale curatorum predicandi presens modum (1516) 83b; halt ehlich trew zwischen euch beyden! (Gott zu Adam u. Eva) H. Sachs 1, 28 Keller; die ehliche trew ... brechen Montanus 102, 11 Bolte; und obgleich die eheliche treue nicht grosz war, erfuhr man von zerwürfnissen beider nie etwas Kerner bilderbuch (1849) 14; nichts war an ihren sitten ruhmwürdiger, als die strenge beobachtung der ehelichen treue M. I. Schmidt gesch. der Deutschen (1778) 1, 26. ring u. ä. als zeichen oder pfand der treue: sie hat mir treu versprochen, gab mir ein'n ring dabei, sie hat die treu gebrochen, mein ringlein sprang entzwei J. v. Eichendorff sämtl. werke (1864) 1, 653; daz (der rehten ê diz vingerlin) ist ob mîner triwe ein slôz, vonme herzen mîner ougen vlôz Parzival 440, 15; nimm hin das zeichen wahrer treu, das zarte liebe dir geweihet, Gottsched gedichte (1751) 1, 263; und schon wechseln sie der treue zeichen Göthe I 1, 222 W.; hattest du ihm nicht einen ring an den finger gestekt? einen diamantring zum unterpfand deiner treue! Schiller 2, 51 Gödeke; der treue pfand, zu dieser stunde empfangs in perlend goldnem wein und lasz den ring auf bechers grunde dir sinnbild meines lebens sein ... denn innen, wie dies bild der treue lebt meine liebe unversehrt Th. Fontane II 1, 14 (1905). III@A@4@cc) treue der eltern, vaterliebe, mutterliebe: wann ich alle trew an jn baiden finden vnd mercken kan Fortunatus (1509) 67 ndr.; kein zung vff disser erd usz spricht, so ergendt menschlich betrachtung nicht die grosse truw vnd liebes bandt die vnser elter mit vns handt Th. Murner mülle von Schwyndelszheym 18, v. 430; (ein vater,) der sich triwe kunde nieten Parzival 165, 11; ähnlich Willehalm 217, 26; 221, 21; einem vil vatterlicher trew thun chron. bey Freyb. s. Schmeller-Fr. 1, 638; vgl. noch Teuerdank 20 Gödeke; gütigkeit machet rechte vätterliche trüw und früntschafft der kind gegen vater und muoter und nit die geburt Steinhöwel Äsop 117 lit. ver.; (de testamento) abdicatio, abkündigung aller vätterlichen trew Zehner nomencl. (1645) 421; leicht abgeblaszt: (die eltern sollen) ... durch vätterliche trew das end und all umbstend besinnen H. Sachs 2, 39 Keller; ... wie das kind zum menschen werden mOechte, (hat) des vaters treu ... bedacht A. G. Kästner verm. schriften (1772) 2, 193. besonders treue der mutter: dîner muoter daz ir triwe erwarp, dô du von ir schiet, zehant si starp Parzival 476, 25; ähnl. 499, 27; vgl. auch 140, 19; swaz ie muotr ir kinde mit minneclîchem zarte erbôt, die selben triwe ich hie vinde Wolfram Titurel 115, 2; der frouwen wîplich triuwe (mutterliebe) riet Ulrich v. Eschenbach Alexander 2869; (Maria spricht von Christus:) mein zuversicht waz ganz, ich leiste im allein under allen menschen ganz trúw und recht vrúntschaft unz in daz grab Heinrich Suso deutsche schriften 278 Bihlmeyer; mterliche trew J. v. Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 108; der mutter treu ist alle tage neu Pistorius thes. paroem. (1715) 739; erhalt mir deine gunst und mütterliche treu Günther 767; um das pfand, das sie verloren, seufzt die mütterliche treu Gotter 1, 184; mein bist du, von meinem leibe kommest du und meine treue hat dir das leben bewahrt. wem gehörst du an, wenn nicht deiner mutter G. Freytag 9, 131; vgl. auch 136; stark formelhaft: muterliche liebe mit gantzen trauenn allezeit zuvor bei Steinhausen privatbr. d. ma. s 1, 130 (a. d. j. 1475). III@A@4@dd) kindestreue: kintlîche triuwe erzeige ich dir schlegel 82 Pfannmüller; vgl. auch 265; 319; 1042; Alexander triuwe bescheinete (erfüllte seine sohnespflicht) Ulrich von Eschenbach Alexander 2081; herzog Ernst ... erzaigte widerumb gegen im in allen sachen, worten und wercken sein kintliche trewe, als seim leiplichen und natürlichen vater herzog Ernst prosa 303; (der sohn) ir kintliche trüe peweiset und sie an iren munt küsset Arigo decamerone 101, 38 Keller; so ist sich ye mher traw tzuuormuten tzu dem vater, wan tzu dem stiffuater Luther und Emser 1, 97 ndr.; auf theure stirnen wird der kranz gedrückt, die liebe feiert ihre sabathsweihe; ein bräutgam wird, ein bruder dort geschmückt und dort ein vater von des kindes treue A. v. Droste-Hülshoff 2, 236 Cotta; formelhaft: kyndtlicke trew vnd als guots zuo vor! reformationsflugschriften 1, 10 Clemen. III@A@4@ee) trüwe 'geschwistertreue, brudertreue, verwandtentreue, allgemein familien- und sippengefühl', besonders im mittelalter: div was von sipper triwe (verwandtschaftl. zuneigung) chunne dirre frowen frau Ava Joh. d. täufer 81 Piper; si wârn doch bêde eins mannes kint (Parzival und Feirefiz) der geliutrten triwe fundamint Parzival 740, 7; s. auch 748, 12; mîne bruoder die sie sint, erhœrent die mîn riuwe, si begênt an mir ir triuwe Willehalm 144, 30; s. a. 301, 18; 238, 30; sô sprach der junge Gîselhêr 'liebiu swester mîn, du solt durch dîne triuwe hie bî dîner muoter sîn' Nibelungen 1018, 4 Lachmann; unz daz der junkhêrre verkêrte sîne triwe guot (seine reine bruderliebe) ûf sinen valschen muot Hartmann von Aue Gregorius 151 Lachmann; ich wil in bruoders triuwe wern Ulrich von Eschenbach Alexander 8938; (Kriemhild zu Hagen vor Siegfrieds Ermordung:) ich melde ez ûf genâde, vil lieber friunt dir, daz du dîne triuwe behaltest ane mir dâ man dâ mac verhouwen den mînen lieben man Nibelungen 844, 3 Lachmann; Artus und Gawan (oheim und neffe) ir bêder triwe unerlogen, stuont gein ein ander âne wanc, daz si nie valsch underswanc Parzival 661, 30; vgl. 712, 2 und Willehalm 13, 4; 150, 10; 180, 19; 285, 5; es bedarf keines ausdrücklichen versprechens, um mich in irgend einer lage an das gesetz der treue gegen menschen, welche bis heute meine nächsten waren, zu mahnen Louise von François stufenjahre eines glücklichen 279 Reclam. von der väterlichen und mütterlichen treue aus, besonders deutlich in der verbindung brüderliche treue vollzieht sich der übergang in die sociale bedeutung des wortes. brüderliche triuwe im verwandtschaftlichen sinne z. b. Parzival 6, 15; 427, 25; 749, 20; nhd. allmählich übertragen: ist es lier Cicilianer gewohnheit prüderlicher trüe und swesterlicher freuntschaft in so gar kurzer zeit vergessen Arigo decameron 85 Keller; fast wörtlich ebenso übersetzt von Montanus 155 Bolte; das dye göttlich forcht, bruderliche lieb und trau, sogar bey uns allen erloschen ist Luther und Emser 1, 20 ndr.; als dann numals bey vns teutschen nymer seinn gebürlich noch brueederlich trew, sonder aller jrrthumb, pochen, vbermuoet, khain lernung auf guoet tugent, allain auf hochfart, geytz-, gellt gewingen, auf liegen vnd betriegen auf krieg vnnd vergwaltigung Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 114; s. a. Hans Sachs 1, 106 Keller und Hartmut v. Cronberg 90 ndr. III@A@55) treue in socialem sinne: III@A@5@aa) treue 'menschenliebe, menschlichkeit', dann auch specieller 'güte, mitleid, selbstentsagung' u. ä.: togeat im (eurem feind) hluttran hugi,holda treuua, liob uuidar ira lede Heliand 1457; in der mittelalterlichen klassik, aber nur in ritterlicher dichtung, die die ritterpflicht im dienst des schwachen betont, spielt in diese bedeutung noch ein religiöses moment hinein, zumal bei Hartmann (im armen Heinrich) und Wolfram: 'triuwe, das ist die charitas, die grosze, selbstlose menschliche treue gegenüber dem leiden des nächsten, und zugleich jene die welt verschmähende, um die himmlische krone alles duldende liebe zu gott' Ehrismann Kellefestschr. 1, 322; er sprach 'tohter, du bist ein kint und dîne triuwe die sint ze grôz an diesen dingen' (du überspannst deinen opfermut) Hartmann von Aue armer Heinrich 574; die triuwe die du dâ an mir begâst, die sol dir vergelten got 942; vgl. auch 1001; 1015; 1356; triuwe und erbermde 1366; du bist geborn von triuwen, daz er dich sus kan riuwen Parzival 140, 1; swer die (armuot) durch triuwe lîdet, hellefiwer die sêle mîdet 116, 17; vgl. auch 116, 19; sô machte ir jâmers triuwe des toufes lêre al niuwe Parzival 493, 13; vgl. 477, 29; 488, 28; 513, 3; 574, 20; 633, 17; 783, 12; helflîche triuwe 795, 5; durch triuwe aus mitleid 137, 27; Willehalm 180, 27; klagende triwe mitleid Parzival 159, 24; Ulrich von Eschenbach Alexander 18246; in bürgerlicher dichtung fehlt dieser einschlag fast ganz. daz erste daz ist meldekeit, ... daz andere ist truwe, daz ist daz ein mensche sime nebinchristin gunne alse ime selbir paradisus anime intelligentis 62 Strauch; frühnhd. noch lexicalisch benignitas Frisius (1556) 163a; Calepinus (1598) 168b. III@A@5@bb) dankbarkeit, anhänglichkeit: wilt ir nâch sîme lône (Christi) mit decheime dienste ringen, ir sult die triwe bringen für in ame urteillîchem tage (den beweis für die pietät vor ihm erbringen, dasz ihr eure verwandten aufrichtig beklagt) Willehalm 166, 6; trage wir triuwe under brust (pietät) Willehalm 168, 17; ähnlich Parzival 528, 20; mîn triuwe (anhänglichkeit, dankbarkeit) in nimmer verlât Ulrich von Eschenbach Alexander 3036; 2914; ich hæte triuwen vaster vergezzen Konrad von Würzburg Engelhart 3758; alte trûwe die sint guot, si trOestent manges menschen muot. das sol nicht verre ab herzen sin, daz verre ist ab der ougen schin an dienst man lang gedenken sol Boner edelstein 146 Benecke; wan die trowe ist allir grozist und aller meyst, die eyn mensche dem andern noch sime tode leystet Hessisches urkundenbuch 2, 431 Wyss-Reimer (aus d. j. 1334). ehrfurcht: (Alexander am grab des Achill) sîn triuwe was niht clein dier ze dem gebeine truoc Ulrich von Eschenbach Alexander 4986; ähnl. 4241; 4993. anhängliche fürsorge: er (ein vetter, der Zw. bittet, sich zu ihm zu flüchten) hat mich allwegen als lieb, als sin eigen kind gehabt, daran ich wol verston us luteren trüwen sin warnen kommen U. Zwingli dtsche schr. 1, 84. III@A@5@cc) güte und treue: hilf dass wir auf allen wegen, fried und recht im bündnuss sehn, auch damit in reichem segen güt und treu in freundschaft stehn Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwäldchen (1675) 5 c; fesselt dich die jugendblüthe, diese liebliche gestalt, dieser blick von treu und güte, mit unendlicher gewalt! Göthe I 29, 39 W.; sein eifer hatte ihn zum zweiten male nach Schweden zum könig Olav getrieben, welchem der alte könig Horich ihn mit den worten empfahl, er habe nie in seinem leben an einem menschen so viel güte und treue erfunden F. C. Dahlmann gesch. v. Dänemark 1, 48. III@A@5@dd) teilnahme in concreterem sinne, fürsorge, hilfe: der triuwen bis gewarnet (denke an die fürsorge, pflege) der ich han ernendet Schlegel 826 Pfannmüller; ähnlich 349; vgl. auch 700; und mîne bruoder die dâ sint ... wellent die mit triwen sîn, so erbarmet si mîn scharpfer pîn ... Willehalm 122, 23; dâ von ich triuwe (hilfe) suoche an dir Konrad von Würzburg Engelhart 5772; ich hätte nicht vil verlangt; wenn er mir nur ein bröcklein gegeben hätte, so hätte mir die treue wol gethan bei Schmeller-Fr. 1, 638; do gelaistet ir kain ir frunt kain trew nimer ebda; fidem hominum obtestari der leüten hilff vnd trüw anrffen Frisius-Cholinus (1541) 369. und beweisst unss hinach dise trew (tut uns den gefallen) Endinger judenspiel 33; vnd deinen bruder wider zahl auff dasz er auff ein ander mahl dir wirdrumb dienst vnd trew beweisz wann dir was mangelt auff der reisz Moscherosch ges. 2, 750; graf Schaffgotsch, der so tag als nacht vor die gemeine wohlfart wacht, sieht seine treu belohnt in seiner kinder seegen Stoppe Parnass (1735) 19; III@A@5@ee) charakteristisch für bestimmte berufe; vom lehrer: trew der schulmeistern Alberus b 4a; auf dasz ich nicht miszgOennig vnd saumig an meiner trew befohlenen lehrkinder vnderweisung erscheine Fischart geschichtklitterung 4, 80 ndr. vom geistlichen beruf gern unter dem bilde des hirten: deshalb mir gar übel gestanden, das ich als ein vnfruotiger hirt vnd der nur den nutz ansicht, vmb liesse kummen die schaff so miner trüw empfohlt sind H. Zwingli v. d. freiheit der speis. 4 ndr.; auch hielten noch viele unter den vorstehern treulich an dem wahren gott und weideten die heerde mit aller treu G. Arnold unpart. kirchen- u. ketzerhist. (1690) 110b. vom arzt: ich habe dich nie anders denn in waren vnnd rechten treuwen befunden buch der liebe (1587) 240, b 59; darauff der könig den artzt mit weinenden augen gebetten und aller trew und freundschaft ermahnt dasz er seinen sohn, an dem ... des gantzen reichs wolstand stünde, zu hülff käme und nicht wolte loszen verderben Kirchhof wendunmuth 2, 94 lit. ver.; vom anwalt: ich will dein treuer redner sein, des se dir hin dy treue mein Sterzinger spiele 3; vom vormund: swer sîne triuwe niht behaltet an den kinden der er phliget, den sol man blamunden deutschenspiegel 132 Eckhardt-Hübner; fidem debet tutor er ist schuldig trüw ze leisten Frisius-Cholinus 369; sprichwörtlich: pfleger trew wirt nimer new schöne weise klugreden (1548) 24a; der Eckhard solt seinen herrn, deren vormund er war, treu beweisen J. Prätorius blockesberges verrichtung (1668) 25; vom richter: gegen den (armen) sol er sich neigen unde sol im trewe zeigen 'der ratgeber' in dtsch. texte d. mittelalters 17, 132; III@A@5@ff) treue der nachbarn: Luther 7, 207 Weim.; vgl. auch 1, 251 und 34, 2, 27; nachbarliche treu Fischart glückhaft schiff 23 ndr. treue 'gastfreundschaft' Mangold marckschiff (1596) iij; von dir erhofft ich vertrauen, das der wirth für seine treue wohl erwarten darf Göthe I 10, 14 W. III@A@5@gg) allgemein treue = gutes: daz iu der werde man, mîn vater, hât triuwen vil getân Ulrich von Eschenbach Alexander 2176; ebenso 2902; wir aber haben wenig treue von ihm erfahren Freytag 9, 22; specielles: ind dye dayr laegen erschossen, den deden sy truwen schyn (erwiesen sie die letzte ehre) Wierstrait belagerung von Nuys 622 Meisen; III@A@5@hh) obhut, pflege, schutz, teils in synonymer verbindung: scalchen und diuwen peualech er daz uihe ze triuwen Wiener genesis 2864 Dollmayr; in derselben riuwe bevalh er ûf ir triuwe Meljanzen den klâren allen den die dâ wâren Parzival 344, 28; du solt sîn in mînen triuwen und bî mir schlegel 81 Heid. hs. Pfannmüller app.; so bevilch ich in din triwe dir Marien, brder, und dich ir, das ir elich triw in got behaltind baid nǎch sinem gebot Mone schauspiele d. mittelalters 1, 154; jetzt bitt ich dich, dz du mir in disem handel ein gehilffin seyest, ich bevilch, vnd ergib mich deiner treüw, vnd beger dich o Thais zuo einer fürminderin Boltz Terenz deutsch (1539) 53b; ja alles machet vns bekennen, dasz wir jhn müssen billich nennen der musen trew vnd trost, der tugent thron vnd wohn Weckherlin gaistl. u. weltl. ged. (1648) 427; heyl und rettung, schutz und treu steht mir wieder treulich bey Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 355a; was Schwedens haupt und reich an einem mann verloren als der, so beiden hat, schutz treu und rath geschworen, beym heerstab, auf der hut, am ruder ist erblast: hat Hastfers todesfall in einem wort gefast Heräus gedichte u. lat. inschr. (1721) 160. sich an eines trüw vnd gnad ergeben Frisius - Chol. (1541) 369; sich in eines seine treu und schutz ergeben und befehlen Kramer 2 (1702), 1140a. III@A@66) treue in der freundschaft. III@A@6@aa) in verbindung mit freundschaft erst seit dem 16. jh.; da mhd. friuntschaft einen andern sinn hat: ist das die freundtschafft und die trew, die ich bey dir sucht all tag new, das du mich verlest in dem stück in meim allerhöchsten unglück? Hans Sachs 6, 157 Keller; drum lob ich eine campagnie, da wir bisz an den morgen früh auff gute treu und freundschafft sauffen Chr. Weise der grünend. jugend überfl. ged. 43 ndr.; der mensch hat nichts so eigen, so wohl steht ihm nichts an als dasz er treu erzeigen und freundschafft halten kann Simon Dach 107 Österley; das glück, ein zärtliches und ähnlichs herz zu finden, und uns durch ewge treu und freundschaft zu verbinden, nur diesz ist unser wunsch J. F. v. Cronegk schr. (1766) 2, 36; ohne ... schwer-erprobte treue ist keine freundschaft J. G. Herder 15, 313 Suphan; ob ihr beim schlechten zweiglein mein gedenkt? es war doch stets der treu und freundschaft zeichen Annette v. Droste-Hülshoff 2, 234 Cotta. III@A@6@bb) drei vrunt het er im erkorn di sines rates wielten und ir trewe an im behielten Stricker von drei freunden in dtsch. text. des mittelalters 17, 56; daz ich stille und über lût ie vant sô reine triuwe an dir Konrad von Würzburg Engelhart 4355; reine triuwe echte freundschaft 6092; ganze triuwe 5837; lûterliche triuwe 6499; hohe triuwe schîn tuon treue freundschaft erweisen 4240; vgl. noch 4324; 5428; 6457; 6465; 6504; mîner triuwen (freundschaft) ich vergezzen niemer wil an in vür wâr schlegel 474 Pfannmüller; sie sollte dabei meine treu erkennen Schweinichen denkw. 176 lit. ver.; mit was ungemeinem ruhm preiset nicht das alterthum Pythias und Damons treue? Gottsched gedichte (1751) 210; warum soll ich doch einen so theuren, menschlichen freund haben, wie du bist, und zeitlebens keine mittel vor mir sehen, seine treue vergelten zu können? Schubart briefe bei Strausz ges. schr. 8, 104; mit meinen lippen brach ich meine treue Schiller 5, 2, 408 Gödeke; einfältge schlichte treu weisz nichts von künsten Shakespeare-Schlegel 2, 106; es wärmt mein innerstes die goldne treue, die ich von euch erfahre Immermann 17, 140 Boxberger; glaub mir, es gebe wenig freunde, die den stempel tragen echter treu, rechtschaffenheit O. Jahn Mozart (1856) 3, 405; (ein gegner des kaisers war) herzog Ernst von Schwaben, der es der gnade des kaisers vorzog, dem freunde die treue zu halten Ranke sämtl. werke 25, 15; den mut der freundschaft, die freiheit persönlicher treue soll und darf sie (die feige zeit) mir nicht rauben Louise v. François werke 5, 415. III@A@6@cc) treue schwören u. ä. in diesem speciellen sinne: aber ich enpfilch mich dir vnd diner trüw got pfleg din Niclas v. Wyle translationen 34 Keller; schon in frühester kindheit beschworen wir den bund der unverbrüchlichen treue Leisewitz Jul. v. Tarent (1776) 59. III@BB. übergang zu absolutem gebrauch. III@B@11) in einigen speziellen bedeutungen. III@B@1@aa) 'vertrauen', durch den etymologischen zusammenhang von treue und trauen unterstützt (Steinbach 2, 852 leitet sogar 'träu' direkt etymologisch aus trauen ab!) auch später oft aufeinander bezogen: wer nicht trawt, dem ist kein trew zu beweisen Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 125; willst du treue, so vertrau! Anastasius Grün sämtl. werke 3, 98 Schlossar; schon bei Walther gelegentlich im wortspiel mit trûwen zusammengebracht: 74, 8 und 112, 29 (vgl. Wilmanns zur stelle). gelegentlich auch charakteristisch einander gegenübergestellt: vertrauen ist mut, und treue ist kraft Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 1; uns ist vil êrn von iu geschehen. wir sulen iu immer triwen jehen (vertrauen zubilligen) Willehalm 250, 14; doch weyl er ynn seynem anligen und anfechtunge sich solcher trewe zu myr versihet, ... wil ich yhn dieselbige trewe bey myr finden lassen Luther 18, 436 W. präpositionale verbindungen zeigen schon übergang zum formelhaften: 'dir enbiutet holden dienest der liebe hêrre mîn und Kriemhilt dîn swester hier in dize lant. si habent uns iu recken ûf guote triwe her gesant' Nibelungenl. 1380, 4 Lachmann; andere beispiele s. u. IV 1; auch zaigt man jn aus sondern treuen die speicher vnd die kellereien J. Fischart glückh. schiff von Zürich 26 ndr.; ich sag dirs in dein trew bei Schmeller-Fr. 1, 638; daz sy ein sölches daz er ir in guoten treüen (in gutem glauben) gesaget het pey ir beleyben liesse Arigo decamerone 197 Keller; o du aller liebster vnd getreüwester gemahl, ... in den mein sel vnd mein leyb alle ir trew gesetzt hat Fortunatus (1509) 77 ndr.; das guot behielt diu frouwe wol mit guoten triuwen (in gutem glauben), als man sol behalten das bevolen ist Boner edelstein 240 Benecke. III@B@1@bb) 'verschwiegenheit' (vgl. auch sp. 294): ich han uns vunden einen rât ... ze verhelne unser schande. ich hân in mînem lande einen harte wîsen man der uns wol gerâten kan ... ich weiz wol daz er triuwe hât Hartmann v. Aue Gregorius 498; 'verschwiegenheit' im minnedienst s. Vera Vollmer s. 59; treüw dardurch einer daz so im in treüwen gesagt ist, heimlich haltet Maaler (1561) 407; doch letztlich hatte er den narren so gar erreichet, das er der jungfrawen seine liebe in trewen und geheim entdecket B. Hertzog schiltwache B iij; (ich) erprobe des schlosses riegel und der wächter treu Schiller 12, 405 Gödeke; (herrin zur dienerin, die ein geheimnis hüten soll): ich kenne deine treue FR. L. Schröder dram. werke (1830) 1, 3. III@B@1@cc) ehrlichkeit, redlichkeit, aufrichtigkeit, wahrhaftigkeit: trew da man bey seinen worten bleibt dict. germ. gall. lat. (1662) 489; Hulsius-Ravellus (1616) 328b; filii alieni mentiti sunt mihi frémediû chint ... irlúgen mir diâ triûua Notker 2, 55 Piper; in goden truwen ehrlich und redlich Dähnert plattdütsch (1781) 496; daz steit upphe des herren trûwe (hängt von der ehrlichen gesinnung ab) Sachsenspiegel 205 Eckardt; hilest du mich dîn tougen, dâ mite ist versêret mîn herze, daz dîn herze ie was, und hât sich dîn triwe (aufrichtigkeit) geunêret Wolfram von Eschenbach Titurel 97, 2; nu schowet, vriunt Hagene. wâ si (Kriemhilt) dort here gât, diu uns âne triuwe (unaufrichtig, hinterlistig) inz lant geladet hat Nibelungen 1711, 2 Lachmann; sô velsche durch got nieman mîne triuwe (aufrichtigkeit) wan ich durch sanc bin zer welte geborn Heinrich von Morungen minnes. frühl. 133, 19; daz ir mir an die triuwe mit scharpfen worten sprechet (die aufrichtige gesinnung anzweifelt) heidin 254 Pfannmüller; dieselbe wendung im sinne von 'ehre anzweifeln' s.C 2 e: ein gut über sein trewe hintragen (es treulos entwenden) bei Schmeller-Fr. 1, 638; treu, die auff der zunge wohnet, treu, die in dem hertzen wohnt diese wird bei hofe selten, meistens jene wird belohnt Fr. v. Logau 418 Eitner; vgl. auch 346; (Procopius) zweiffelt ihr an des gesandten treue? (Demetrius) gantz nicht seiner treu, und viel an seiner macht A. Gryphius 155 Palm; behält er seine treue im handel und wandel, ... so nennt man ihn einen braven, einen recht braven menschen J. K. Lavater physiognom. fragm. (1775) 1, 69; seines landes blüthe, die gefühle seines weibes, die treue des gegebenen wortes opfert er (Arminius) ohne bedenken Treitschke hist. u. polit. aufsätze (1886) 1, 105. gern im gegensatz zu falschheit oder verrat (vgl. auch Vera Vollmer s. 28 ff.): solt aber triuwe helfen iht wider valschem muote Konrad von Würzburg Engelhart 4750; falsche treue bei Eschenburg denkm. altdtsch. dichtkunst (1799) 404; mit falschen triuwen 'mit falschheit' Rud. v. Ems weltchron. 21001; verrat spricht zierlich; treue rauh und schlicht Friedrich Halm bei Lipperheide spruchwörterbuch 877; du land, das sonder scheue zertritt die junge saat du machst verrat zur treue und treue zum verrat briefe von und an Herwegh 278; im gegensatz zur lüge: auf denn, teutscher mann! auf mit der freiheit und der treue gegen die knechtschaft und lüge E. M. Arndt 10, 161 Leffson-Steffens. in bestimmten berufen: disz ist vnserer kauffmänner vnd handtwercksleuten trew, so sie jetzt treiben Höniger narrenschiff (1574) 178a; daher kompt dasz auff kauffmans trawen so wenig nun mehr ist zu bawen Max Mangold marckschiff (1596) C iiij; die advocaten sollen mit gantzen und rechten trewen ihrer parteien sache meinen bayr. landesrechte (1616) bei Schmeller-Fr. 1, 638. öffentliche treue: ... dann würde ich denjenigen, welche sich vielleicht mit dem gedanken, die öffentliche treue zu brechen, ..., aus scheu vor steuern, befreunden möchten, zurufen: was ist denn der bankerutt anders als die ... unglückseligste aller steuern? F. C. Dahlmann gesch. d. franz. rev. (1845) 279; das letztere war verdächtiger, als für ihn, einen notar, einen mann der öffentlichen treue, das erste K. Gutzkow ritter vom geiste (1850) 3, 249; hierher auch: viermal bis auf Caesar ist zu Rom ... die treue in hinsicht auf das capital der schulden gebrochen worden B. G. Niebuhr m. gesch. 1, 394. besonders häufig ist die verbindung treu und redlichkeit, bezeichnenderweise vor allem in der aufklärungszeit als tugendbegriffe beliebt: weil sie die schlechten gaben mit treu und redligkeit zuvor gewürtzet haben I. Rachel satyr. ged. 58 ndr.; (die musen) die stäts zu deinem dienst bereit mit wahrer treu und redligkeit Morhof ged. (1682) 423; es traumet manchem ..., dasz er alle mAeuszlOecher der gantzen welt mit jetziger treu vnd redlichkeit solle zustopffen Abr. a s. Clara Judas der ertzschelm (1686) 1, 2; sie ist dahin (die schöne zeit)! die welt will nichts von ihr mehr wissen legt das verwehnte haupt auf weiche pfül und küssen, und treu und redlichkeit nimmt gleiche schlafsucht an bei Chr. Fr. Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 3, 93; an treu und redlichkeit wird er ein Petrus seyn, ... J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 545; so, und noch weniger kan man zwey seelen trennen, wo treu und redlichkeit die ketten selber sind Chr. Fr. Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 113; so will ich dich auf treu und redlichkeit beschwören die dir gewisz befiehlt, die miszgunst zu verschmähn Gottsched ged. (1751) 1, 446; vgl. neuestes a. d. anm. gelehrs. 8, 218; ein herz voll treu und redlichkeit ist dieses, was dich mehr erfreut D. W. Triller poet. betracht. (1751) 4, 344; ähnl. 6, 395; unter dem dache von treu und redlichkeit sich befinden Langbein sämtl. schr. 31, 63; üb immer treu und redlichkeit bis an dein kühles grab Hölty 39 Voigts; von völkern: sollen treu und redlichkeit unter zwey völkerschaften herrschen, so müssen beyde gleich viel dazu beytragen Lessing 1, 380 Lachmann-Muncker; gern rückschauend: alte treu und redlichkeit Moscherosch ges. (1650) 1, 410; Chr. Weise polit. redner (1677) 296; Triller poet. betr. (1750) 1, 304; dort (im schäferleben) blüht bei aufgeräumten sinnen noch alte treu und redlichkeit Lessing 1, 83 Lachmann-Muncker; treu und ehrlichkeit R. Z. Becker mild. liederb. (1799) 100; ehrlichkeit und treue war sichtbar an ihm G. Müller aus dem Herderschen hause 12; doch warn ich jeden mann auf ehrlichkeit und treue Voss 5, 26. schon etwas äuszerlicher treue und aufrichtigkeit: das wahrscheinliche, welches sich in den ... gesetzen ... der natur grndet, ist fr den grOeszten theil der menschen eben so wahr, als das so wrcklich geschehen ist, weil ihm nichts mangelt, als die treu und aufrichtigkeit dessen, der es ... bezeuget J. Breitinger crit. dicht- kunst (1740) 1, 59; speciell etwa im sinne von ritterlichem 'fair play': kämpft mit liebe gegen liebe, und mit treu kämpft gegen treu Fr. v. Logau 14 lit. ver.; jedes ehrliche, geschweige edle spiel ist ein wettkampf nach regeln, zwischen freien ... personen, mit treue und gleichheit Herder 22, 154 Suphan. III@B@22) in engem zusammenhang mit der bedeutung 'wahrhaftigkeit' steht die verbindung treue und wahrheit, die in älterer zeit zu einer stehenden formel geworden war. III@B@2@aa) in geistlicher sphäre: er (gott) lêrt uns diemôt unte site triwe unte wârheit dirmite, daz wir uns mit triwen trageten unser nôt ime chlageten Ezzo 16, 2-6 Müllenhoff-Scherer; daz lût suln si (die bischöfe) birihti lêri dî christinheit trûwi undi wârheit mid werchin irvullin daz sî in vori zellin lob Salomons 18, 4-8 Müllenhoff-Scherer. III@B@2@bb) sehr beliebt in der mhd. didaxe: noch weiz ich wol, wâ triuwe lebet mit wârheit unt mit allem ir gesinde tugendh. schreiber minnesinger 2, 153b 5, 9 f.; welt, dû stêst sô lasterlîchen, daz ichz niht betiuten mac. triuwe und wârheit sint vil gar bescholten: daz ist ouch aller êren slac Walther 21, 23 Lachmann; noch ist ein leit myn rwe warheit und trwe die sach ich leider auch begraben mhd. minnereden 84, 164 deutsche texte des mittelalters; warheit sie daz man da truwe heisit daz man alle gelubede leistit Wernher von Elmendorf 603 Haupt (zeitschr. f. d. alt. 4); s. auch 600; so heysst warheyt, trew, das man sich auff eynen verlassen darff und zeflucht ze yhm habe ... Luther vorrede z. psalter 7, 329 Bindseil; daz nieman triuwe bræche an in und inneclîche wârheit Engelhart 114/15; vgl. 5445/46 u. 6472/73; andere belege s. th. 13, sp. 892. trüwe und worheit süllent ir zu allen menschen haben Nicolaus von Basel bei Schmidt hist. wörterb. d. els. maa. 363; truwe edder warheyt holden nd.-lat. wb. v. j. 1417 Diefenbach nov. gl. 337a. III@B@2@cc) nhd. verliert sich z. th. das formelhafte: schwur der obgenannt herr Hiltprandt ain aydt, dem obgenannten herzog Meinhart threu, vnnd warhait zelaisten als ain lehenempfaher, seinem herrn, vnnd sein erben thuen soll v. Brandis gesch. d. landeshauptl. v. Tirol 25; unauflöslich vereint folge dir, arm in arm, holde sanftmuth und nie täuschende wahrheit und unbestechliche treue nach Ramler lyr. ged. (1772) 160; er fühlte sich gestärkt, bei dem rufe seines bedrängten vaterlandes sich von dem grabe seiner Dolores loszureiszen, den deutschen mit rat und tat, in treue und wahrheit bis an sein lebensende zu dienen Arnim 2, 195 Steig. III@B@33) schon früh, ähnlich wie bei der wahr- und hold-sippe (vgl. Wissmann nom. postv. 1203) sind die begriffe der liebe und treue vereint; so ist auch ihre formelhafte verbindung fast in allen anwendungen des alleinstehenden wortes ungemein häufig. III@B@3@aa) noch nicht in fester formelform: pey der liebe treue und gehorsam die ich im (dem vater) schuldig pin Arigo decamerone 121, 20 Keller; so saget meine seel ihr felsenfeste treu und lange liebe zu D. Caspar v. Lohenstein Ibrahim sultan 7; hat er so aller treu, so aller lieb vergessen, der plackerey bey tag und nacht? Göthe I 39, 271 W.; nachsicht, liebe, treue Holtei erz. schr. 1, 102; selten in umgekehrter folge: herz voll treue und liebe Schiller 14, 343 Gödeke; Göthe I 39, 276 W. zur definition: ... vnd ist eygentlich, das wyr auff frey deutsch sagen, liebe vnd trew, wenn wyr pflegen zu sagen, er hat myr liebe vnd trew beweyset Luther 7, 329 Bindseil; und welches sind die höchsten güter des menschen? antwort: gott, vaterland, kaiser, freiheit, liebe und treue, schönheit, wissenschaft und kunst Heinrich v. Kleist 4, 107 Schmidt-Steig (katechismus der deutschen). III@B@3@bb) in bestimmten situationen und sphären, wie das alleinstehende treue: gegenüber dem herrn, dem vaterlande, der heimat: lieb vnnd trew gegen dem vatterland Schaidenraisser Odyssea (1537) vorr. 2; darumb der vatter jn (den Torquatus) entlaybt vnd setzt fr vAetterliche rew gemaines nutzes lieb vnd trew J. v. Schwarzenberg der teutsch Cicero (1535) 118; wegen lieb vnd trew, die ich zu gantz Teutscher nation ... tragen solle H. Guarinonius grewel der verwüstung (1610) bl. 3; wie viel mehr sollen wir Teutschen vns freuen, vnd in lieb vnd trew gegen diesem vnseren lOeblichen vatterland freyer teutscher nation entbrennen J. W. Zinkgref apophtegmata (1628) b 3; liebster herzog! kannst du bleiben, o so bleibe länger hier! alle seelen wollen dir lieb und treu noch höher treiben Gottsched gedichte (1751) 48; gott vergelt euch die lieb und treu an meinem herrn Göthe I 8, 167 W.; dieses vaterland und diese freiheit sind das allerheiligste auf erden, ein schatz, der eine unendliche liebe und treue in sich verschlieszt, das edelste gut, was ein guter mensch auf erden besitzt E. M. Arndt werke 10, 152 Leffson-Steffens; nein gewisz, in gleicher weise hat kein volk der erde (als die Friesen) gelitten, mit so rührender liebe und treue keines seiner heimat angehangen! H. Allmers marschenbuch 1, 47; in der liebe: nicht so, nicht so, mein schätzelein, die lieb und treu musz länger sein F. L. Mittler deutsche volkslieder (1865) 139; in lieb vnd trew mich binde J. W. Zinkgref auserl. ged. 8 ndr.; jetzt wird es klar: du hast gescherzt mit meiner lieb und treue Immermann 11, 19 Boxberger; wir saszen still daheim und wanden euch kränze zarter lieb und treu A. v. Droste-Hülshoff 2, 236 Cotta; in der ehe: denn wo lieb und treu sich zeigen, hAengt der ehstand voller geigen Gottsched gedichte (1751) 1, 238; in der freundschaft: (Glaucus und Diomedes) machten die alte freundschafft new verbunden sich in lieb vnd trew Spreng Ilias (1610) 71b; Brutus, wie hastu vergeszen können Cäsars lieb und treu? C. Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 147; desz rühme der blutge tyrann sich nicht, dasz der freund dem freunde gebrochen die pflicht, er schlachte der opfer zweye und glaube an liebe und treue Schiller 11, 288 Gödeke (bürgschaft). l. und tr. der eltern und kinder: kindliche lieb vnd trew, pietas filii, obsequium filii Schönsleder prompt. (1647) E e 6b; denn sie sich schuldig erachtet, ihren kindern diese vAeterliche lieb und trew zubeweisen J. Prätorius saturnalia (1663) 339; Maria, voller lieb und trew stund an dem creutz und auch dabey Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 305; kintliche lieb und trau und was ich liebs und guz vermag Steinhausen privatbr. 1, 210 (v. j. 1479); brüderliche trew und lieb Scheit grobianus 6 ndr. in socialem sinne: dyn gOettlich forcht, bruderliche lieb vnd trau, so gar bey vns allen erloschen ist Emser an Luther 1, 20 ndr.; also sollen wir uns auch (beim abendmahle) in rechter liebe und treue verbinden Jacob Böhme schr. (1620) 4, 69; das hättet ihr (Nathan) mit aller lieb und treue nun gethan, und müsztet so belohnet werden? Lessing 3, 137 Lachmann-Muncker; im dienst: wancke nicht von deiner lieb und treu, und der schönste lohn soll dir werden Göthe I 39, 156 W.; vgl. I 8, 134; geistlich: darumb redet er und spricht, iemant zu leren oder zu straffen, ynn treib dan gotlich lieb und trew darzu theologia deutsch 49 Mandel; es (dein tod und leiden) soll mir sein ein spiegel, der unschuld und ein siegel der lieb und unverfälschten treu P. Gerhard gedichte 73 Gödeke-Tittmann; III@B@3@cc) allgemeiner und formelhafter: truowe wirt noch wol verloren an manchen man der doch nit kan truow vnd liebe behalden Muskatblut 34, 10 Grote; das römische reich ist auff die todte neige kommen, alle elemente ... nemen abe, es ist kein lieb und trew auff erden mehr Mathesius historien von Luther (1583) 127b; wo lieb und treue sich als wie geschwister paaren J. G. Neukirch anfangsgründe z. teutsch. poesie (1724) 169; bei Göthe besonders beliebte verbindung: die schönsten kränze winden lieb und treue I 4, 3 W.; sprach sie mit einem munde, dem aller lieb und treue ton entflosz I 1, 4 (zueignung); keimt ein glaube neu, wird oft lieb und treu wie ein böses unkraut ausgerauft I 1, 219; wohin ich auch gehe werdet ihr mich begleiten und das andencken eurer liebe und treue IV 8, 20; ähnlich s. noch I 2, 91; I 10, 350; IV 20, 69; I 39, 272 (formal abweichend); das ist nun freilich die wundersame gewalt des geldes, das ... treue, liebe, alles durch ein künstliches ferment ... ersetzt ... Görres ges. br. (1858) 3, 129; so hat sich liebe und treue, selbst unter dem schutt, den fremde gewalt darüber geworfen, wie gold in der erde, unverringert und unversehrt erhalten W. Grimm kl. schr. 2, 505 (vorrede zum Armen Heinrich von Hartmann v. Aue); sie wären gekommen auf goldenen flügeln von ihren himmlischen höhen, um diesen guten menschen selber zu danken und ihnen den baldigen lohn zu wünschen für geduldiges ausharren in liebe und treue H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 51. III@B@3@dd) sprichwörtlich und ganz abgeschliffen: lieb und treu wird durch lieb und treu erkauft Schottel 1121; dieser gute und liebe mann ist drei jahre unter uns geblieben und hat sein leben und wissen in liebe und treue mit uns geteilt Arndt 1, 30 Rösch-Meisner; aus lieb und trew Hayneccius Hans Pfriem (1582) 45 ndr. III@B@44) eine selbständige entwicklung hat die seit dem frühnhd. auftretende auszerordentlich verbreitete verbindung treu und glauben genommen. ihren ursprung hat sie in der geistlichen sphäre, s. o. II b, hier noch mit gott als object; später wird der relative gebrauch immer mehr durch den absoluten verdrängt. bei Luther und unter seinem einflusz auch sonst öfter erscheint die form trau und glauben. vgl. auch th. 11, 1, 1, sp. 1353 u. 1355f. treue ist in der formel überwiegend einsilbig; ein dadurch entstehendes bezeichnendes nebeneinander zeigt etwa folgender beleg: (ein mann, der) treu und glauben forderte, weil er selber treue und wort hielt Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 390. in älterer zeit wird die formel syntaktisch vielfältiger gebraucht, mit artikel, mit epithetis, mit abhängigem genetiv u. s. w.; allmählich engt sich der gebrauch immer mehr auf die artikellose, absolute form ein. beispiele für älteren, heute nicht mehr üblichen gebrauch: (der mensch musz) der gotlichen zusagung trewlich gleuben ... disze trew und glaub ist der anfang, mittel und end aller werck und gerechtickeit Luther 6, 356, 10 W.; sol himels trew und glaub das sein, so hab ichs jo getroffen fein M. Hayneccius Hans Pfriem (1582) 48 ndr.; (wir) müssen bedencken, dasz desz jungen königs ... heil und wolfahrt unserem treuw und glauben anbefohlen (ist) grillenvertreiber (1605) 3. buch 98; so sehr der bisherige treu und glaube womit ich auf die bitte meines seeligen freunds ... mich diesem geschäft unterzogen mir ein uneingeschränktes zutrauen für die zukunft erweken sollten Göthe IV 4, 32 W.; veraltet wirkt auch der gebrauch mit abhängigem genetiv: nicht nur treu und glauben seines königswortes, sondern seiner nation selbst wurde verletzt Herder 24, 423 Suphan. das verschiedene geschlecht der beiden glieder macht den gebrauch des artikels oder eines epithetons für die schriftsprache allmählich unmöglich, oder genaue construction zerstört die formel: schädliche geschöpfe, die alle treu und glauben stöhren J. M. Miller briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 134; wodurch sie (die weiber) ... es dahin bringen, dasz sie vor der welt alle treue und allen glauben auf einmahl verliehren Glorikander frauenzimmerspiegel (1740) 43; bald wird das adjectiv nach dem ersten, bald nach dem zweiten gliede construiert: mit rechter treu und glauben Achim von Arnim 21, 120 Wilh. Grimm; betreibt seinen handel mit unglaublichem treue und glauben Gellert (1784) 6, 162; ... ich die quellenautorität auf fremdem treu und glauben beruhen lassen muszte Görres briefe 3, 194. III@B@4@aa) selbständig, sozusagen monopodisch, neben anderen tugenden, oder in anderer reihenfolge: o traw, glaub, vnd redlichkeit aller Teütschen, verhengent nit das mit gewalt über winden, die mit recht nit haben wOellen fechten Hutten 1, 414 Böcking; anderer ältere belege s. Fischer 2, 326; ist ein aufrichtiger Nathanael ein- oder zweymahl von einer falschen Judasschwester betrogen worden, so hat sie den verlust aller liebe, treue und glaubens gantz gewisz zu gewarten Glorikander frauenzimmerspiegel (1740) 26; ich sehe schon, es ist weder freundschaft, noch treue, noch glauben mehr in der welt Lessing 3, 427 Lachmann-Muncker; sie waren ein volk, die in thaten glück und ruhm suchten, unbekümmert um treu, glauben oder völkerrecht J. v. Müller sämtl. w. (1810) 1, 166; kein glaube, keine treu noch redlichkeit ist unter männern mehr Göthe I 9, 225 W. übergang zur formel: darauff solt jr euch gewiszlich verlassen, und sehet da, hierauff habt jr meine handt, trew und glauben grillenvertreiber (1605) 2. buch 207; die Perser müssen aber das liegen vielleicht mit der griechischen monarchia überkommen, und von den Griechen, welche der wahrheit, treu und glauben halber, allezeit gar ein schlecht lob gehabt, gelernet haben Adam Olearius verm. reisebeschr. (1696) 310. III@B@4@bb) die formel selbst drückt zunächst ein wechselverhältnis aus, die treue dessen, dem etwas anvertraut wird und den glauben des anvertrauenden; vgl. Waag bedeutungsentw. uns. wortschatzes 166 ff.; doch ist dieser sinn früh verwischt: wir haben solche trew und glauben, dasz jhme weder zu trawen noch zu glauben ist Lehmann florileg. polit. (1662) 1, 345; so auch in Fischarts definition: trew vnnd glauben ist ein standhafftes wares halten, deszjhenigen was abgeredt, zugesagt versprochen, vnnd alles dessen, so man vberein kommen ist binenkorb (1588) 209a. III@B@4@b@aα) als menschliche eigenschaft, noch nicht völlig abgeblaszt; ältere belege noch mit abhängigem genetiv: aber ich halt, ich wOelle einst ... der Teutschen trew vnd glauben anrffen vnnd mit lauter stymm schreyen Hutten 1, 399 Böcking; die Franken ... sind ein volk von so wenig treu und glauben, als eines in der welt M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 198; musz dann je eines under beiden sein, so will ich lieber an gelt und gut, als an meinem guten nammen, trew und glauben verlust leiden J. W. Zinkgref apophthegmata (1628) 63; zungen an derer tre und glauben man zweifelt Reinicke fuchs (1650) 369; suche du treu und glauben bei edelleuten Voss 2, 25; von was für einer art der kaufleute treue und glauben sei Göthe I 4, 222 W.; glaub du dem fuchs, so er von treu und glauben schwatzt Alexis Roland v. Berlin (1840) 2, 262; als directes epitheton: ein mann von treu und glauben Gellert 7, 255; Bürger 57a Bohtz; ohne treu und glauben: Kramer 2 (1702), 1140a; Cochläus und folglich ein mann ohne treu und glaube Lessing 4, 89 L.-M.; es ist (Merck) ein mensch ohne treu und glauben Göthe gespräche1 1, 25 Biedermann; falsch, schamlos, lügnerisch, ohne treu und glauben, ... so zählt Guicciardini des papstes laster auf H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 146; wir sind beide von treu und glauben Iffland 6, 22. III@B@4@b@bβ) ganz absoluter gebrauch in noch allgemeinerem sinn: trüw und glauben wirdt blyen die gantze bibel verteutscht (Zürich 1531) 4. Esdr. 6. cap.; ist nun kundtlich das rain ewangelisch predig, auch trew vnd glouben mit nOetiger lybs narung not sind zuo heilsamem regiment in deinem teütschen landt Eberlin von Günzburg sämtl. schr. 1, 5 ndr.; zuo dem fierden du (Luther) sprichst das in dem ketzerischen decretal stand, daz sein der bapst macht hab, trüw vnd glauben vff zuo lOesen, des lieg er in sein halsz Murner an d. adel 52 ndr.; trew und glaub steht in wercken und nicht in worten Lehman flor. pol. (1662) 1, 345; es herrsche künftig treu und glaube, das reich bedarf die einigkeit Gottsched das neuste aus d. anmuth. gelehrs. (1751 ff.) 3, 28; kräftig ja und freundlich nein macht treu und glauben allgemein Ulr. Hegner ges. schr. 5, 215; III@B@4@b@gγ) in neuerer zeit sehr häufig der gebrauch in politisch-socialer sphäre: treu und glaube ist der eckstein aller menschlichen gesellschaft Herder 17, 91 Suphan; da der staat selbst alle gesetze von treu und glauben mit den füszen trat Adolf Hitler mein kampf (1933) 780; treu und glauben in verträgen und unterhandlungen Gottsched das neueste aus der anm. gelehrs. (1751 ff.) 9, 597. III@B@4@b@dδ) juristisch für bona fides: actio bonae fidei handel wegen treuw vnnd glauben, sonder gefährdt vnnd arge list Frischlin nomencl. (1591) 412; das system der bona fides ... d. h. des lediglich auf treu und glauben basierten verkehrs ist ein nothwendiger ausflusz ... des systems des formalismus R. v. Jhering geist d.m. rechts (1852 ff.) 2, 515; als fest gewordene formel im bürgerlichen gesetzbuch: verträge sind so auszulegen, wie treu und glauben mit rücksicht auf die verkehrssitte es erfordern § 157; der schuldner ist verpflichtet, die leistung so zu bewirken, wie treu und glauben mit rücksicht auf die verkehrssitte es erfordern § 242; wider oder gegen treu und glauben §§ 162, 320, 815; oft als buchtitel in juristischen specialabhandlungen, z. b. von Danz (die grundsätze von tr. u. gl., 1909), Henle (tr. u. gl. im rechtsverkehr 1912), Schneider (tr. u. gl. ... des bgb., 1902). III@B@4@b@eε) besonders häufig, geradezu sprichwörtlich, in negativen formulierungen der klage über die schlechtigkeit der welt (s. schon unter a): wie man auch sagt zu aller frist traw, glaub sind aus der welt gezogen E. Eyering proverb. cop. (1601) 2, 661; traw und glaub ist gar vergangn ebda 1, 35; treu und glauben ist zerrissen, dran die welt zusammenhängt Fr. v. Logau sinnged. 239 lit. ver.; ähnlich: trew und glaub ist hungers gestorben W. Spangenberg Hecuba 535; treu und glauben gieng in die flucht D. W. Triller poet. betracht. (1750) 1, 291; treue und glaube ist verschwunden G. Cober cabinetprediger (1783) 1, 268; Kosegarten rhapsodien (1800) 1, 139; treu und glaube, du hast mich wieder betrogen Göthe I 8, 72 W.; die negation bedingt formale variationen: es ist yetz weder treüw noch glaub mer Frisius dict. (1556) 4b; ähnlich 143a; wann kein trew, auch glauben wäre, wer wolte doch yetzt auff erden leben? V. Schumann nachtbüchlein (1559) 261 Bolte; die verabscheuungswürdige maxime ..., das man ketzern keine treue noch glauben schuldig sei Schiller 13, 238 Cotta saec.; ähnlich 15, 22. sprichwörtlich: es ist weder trew noch glaub auff erden Friedrich Wilhelm sprichw. reg. (1577) h y β n. 47; wo keine treue, da ist auch kein glaube bei Wander 4, 1313. III@B@4@cc) treu und glauben in verbaler verbindung, meist in concreterer bedeutung: III@B@4@c@aα) treu und glauben schwören, versprechen u. ä.: wolan, so seht nun die feine hand, damit ich meinem herren, käyser Heinrichen, trew und glauben, seinen nutz ehr und frommen zu fördern und seinen schaden zu vorkommen, geschworen postreuter (1520) 109; ... schworen einander treue und glauben ohne verstellung A. v. Arnim 12, 71 W. Grimm; hab ihm (meinem herren und gemahel) auch trew und glaub versprochen Val. Schumann nachtbüchlein (1559) 337 Bolte; ein mägdlein ... bestetiget, der jüngling habe jhr zugesagt trew und glauben, dasz er sie wOelle nemen G. Nigrinus von zäuberern, hexen u. s. w. (1592) 309; wann trew und glauben zugesagt wird, so soll man alsdann frieden halten postreuter (1520) 94; treu und glauben schenken Holtei erzähl. schriften 3, 65. III@B@4@c@bβ) besonders treu und glauben halten in gleicher verwendung wie treue halten, gelegentlich auch allgemeiner und verschwimmender, dem wesen der formel entsprechend: fidem servare Maaler (1561) 407; J. J. Dentzler clavis linguae latinae (1716) 290a; Weiszmann lex. bipart. (1725) 2, 413a; vgl. auch th. 11, 1, 1, sp. 1356. viel ist es, reiche zu verwalten, doch mehr noch, treu und glauben halten; D. W. Triller poet. betracht. (1750) 4, 317; trew und glauben hält man zur frist, so lang es eim gelegen ist Spangenberg-Fröreisen griech. dramen 2, 11 lit. ver.; wer ... gotte vertrauet, der wird auch treu und glauben halten Butschky Pathmos (1677) 195; sein wort, sein versprechen halten, ehrlich sein: weil niemand in seiner zahlung trew und glauben helt ... Lehman florileg. polit. (1662) 1, 121; nun mag ich in wahrheit sagen, dasz mir kein pabst ... trew vnnd glauben gehalten Zinkgref-Weidner teutscher nation weisheit (1653) 3, 10; ... hier ist dein geld, behalte deinen ganzen segen. ein mann, der treu und glauben hält verdient ihn seiner treue wegen Gellert (1784) 1, 102; fürsten schätzen treu und glauben halten für eine tugend der kauffleute, für einen fehler der staatsklugen und für gebrechen der fürsten G. Cober cabinetprediger (1783) 1, 264; ein kaiser musz, was er versprochen, halten; drum ziehe Luther heim mit frei geleit wir halten treu und glauben Z. Werner Martin Luther 133 J. Schmidt; in der liebe und ehe: welicher (priester) glouben und trüw haltet in der ee, dem sind die eelichen werk unschädlich U. Zwingli deutsche schr. 1, 47; trüw vnd glouben halten sy (die guten frauen) vnd ewig stette lieb do by, ... Murner gäuchmatt v. 713 Uhl; (ihr männer), die jhr vns (frauen) nach ewerm zusagen vnd versprechen trew vnd glauben zu halten vnd zu leysten schuldig vnd verbunden (seid) grillenvertreiber (1605) 1, 12; besonders im politischen bereich stehende formel: aber ettlich schreiben das dise kOenigliche stat ... auch andern frsten unnd herren alweg treu unnd glauben gehalten hab G. Alt buch der cronicken (1493) 42a; der (könig) nam in (den flüchtling) auff, hielt trew und glauben an im (lieferte ihn nicht aus) H. Gholtz lebendige bilder (1557) r 5b; der kayser möchte ihnen ja gldene berge versprechen, aber kaum spreu gewehren, weil die ROemer auch gegen die, welche einen groszen vortheil uober sie erlanget, treu und glauben zu halten nicht gewohnet wren D. C. v. Lohenstein Arminius (1689) 1, 24b; ich weisz wohl, dasz politik selten treu und glauben halten kann, dasz sie offenheit, gutherzigkeit, nachgiebigkeit aus unsern herzen ausschlieszt Göthe I 8, 187 W. stilistisch variiert; mit anderen verben: ein redlichs hertz, das treu und glauben liebet bei Chr. Fr. Weichmann poesie d. Nieders. (1721 ff.) 4, 213; ... wenns hier im dorf zwOelf bauern giebt wo jeder treu und glauben liebt Schubart sämtl. gedichte (1825) 3, 58; treu und glauben besser als bisher in acht zu nehmen und nicht so schlechtlich in den wind zu schlagen L. Häusser deutsche gesch. (1854) 1, 151; das alte wechselverhältnis, das der formel zugrunde liegt, klingt nach: der grosze haufen (in Frankreich) ist zu ungründlich, liederlich, ... gibt und nimmt zu wenig treu und glauben Görres ges. schr. (1854 ff.) 2, 26. III@B@4@c@gγ) entsprechend treu und glauben brechen (vgl. th. 11, 1, 1, sp. 1356): ein heüchler bist du nicht, der trew vnd glauben bricht Moscherosch gesichte (1650) 2, 225; nunmehro wAere es so wenig rhmlich als sicher, alsofort treu und glauben zu brechen D. C. v. Lohenstein Arminius (1689) 1, 22a; andere ähnliche verbindungen: o sohn! schaw, das du nicht, der gstalt, trew vnd glauben verliehrest balt: weil du trewlich fhrest sein sach W. Spangenberg ausgew. dichtungen 191 Martin; (Äneas) der mich zu spott vnd schand gebracht, trew vnd gelauben nicht bedacht, Spreng Äneis (1610) 79a; es läszt sich noch entschuldigen, wenn man denkt, dasz er sich zuweilen den schwindel an kopf schreibt, und treu und glauben darüber vergiszt, und nicht weisz, was er thut W. Heinse sämtl. werke 9, 380 Schüddekopf. III@B@4@dd) in bedeutung und gebrauch am meisten abgeschliffen ist die formel in einigen präpositionalen verbindungen: bei treu und glauben, seit dem frühnhd., meist bei verben dicendi: bey meiner treüw oder glauben verheiszen ich dir das Maaler (1561) 407; bey seiner trew und glauben sagen Hulsius 2 (1618), 125a; s. a. 178a; bei treu und glauben zusagen acta publ. verh. d. schles. fürst. u. stände 1, 251 Palm; o ir lieben brüder, ich raht euch bey meinen höchsten treuwen und glauben, nicht in diese statt zuo gehen Kirchhof wendunmuth 1, 247; ich verspreche es an aeides stat, bey treu und glauben A. H. Bucholtz Herkuliskus u. Herkuladisla (1665) 166; ähnlich deutsche sagen 1, 63. am häufigsten auf treu und glauben, erst seit mitte des 18. jhs. geläufig, nur ganz vereinzelt früher. etwas auf tr. u. gl. annehmen, aufnehmen, hinnehmen, nehmen: die christliche religion ist kein werk, das man von seinen æltern auf treu und glauben annehmen soll Lessing 12, 13 Lachmann-Muncker; denn gründen alle (religionen) sich nicht auf geschichte? ... geschichte musz doch wohl allein auf treu und glauben angenommen werden? — nicht? — Lessing 3, 92 Lachmann-Muncker; wohl ihnen, dasz sie seine (Christi) tugend auf treu und glaube nehmen können! Lessing 3, 43 Lachmann-Muncker; man hatte nämlich bisher auf treu und glauben angenommen, dasz dieses buch der bücher in einem geiste verfaszt, ja dasz es von dem göttlichen geiste eingehaucht und gleichsam dictiert sei Göthe I 27, 96 W; (ich) nehm es (das geschenk) auf treue und glauben an, als ob ich es mir selber erworben Zelter an Göthe 1, 69 Riemer; aber das ist eben das unglück, dasz wir seine (Egmonts) verdienste von hörensagen wissen und auf treu und glauben anzunehmen gezwungen werden, — seine schwachheiten hingegen mit unsern augen sehen Schiller 6, 84 Gödeke; Wieland ist ... nicht selbst fest genug, dasz seine überzeugungen je die meinen werden könnten oder ich die form seines geistes auf treu und glauben annehmen möchte Schiller briefe 2, 1; keineswegs giebt sich ... die auszenwelt blosz auf kredit und wird von uns auf treu und glauben angenommen A. Schopenhauer werke 2, 15 Grisebach; das recht der herrschaft ist man gewohnt auf treu und glauben anzunehmen; nur von dem rechte der freiheit fordert man beweise Börne ges. schr. (1829 ff.) 7, 41; auf treu und glauben hin annehmen die discourse der mahlern (1721 ff.) 2, 43; aber obwohl sie dessen ansichten auf treu und glauben hinnahm H. Laube ges. schr. (1875 ff.) 2, 18; ähnlich Spielhagen 1, 80; auf tr. u. gl. aufnehmen Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 114. auf treu und glauben überlassen, überliefern u. ä.: weil so bedeutende dinge ohne inventar und controle nicht ferner auf treu und glauben dem verwahrenden überlassen werden können Göthe IV 30, 180 W.; ... ergab sich auff trew vnd glauben an K. Johann Stumpf Schweizerchron. (1606) 23b; sie (hat sich) dir auf treu und glauben hingegeben Göthe I 21, 46 W.; nur noch ein wörtchen — eh mein ganzes herz sich euch auf treu und glauben überliefert — Schiller 5, 13 Gödeke; auf treu und glauben borgen Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 319; geben Hippel lebensl. (1778) 1, 94; verkaufen J. Möser 3, 334; ... ihre liebe nämlich ist mir alles, die sie mir auf treu und glauben geschenkt hat v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 131. auf treu und glauben sagen u. ä.: die Albaner bilden sich ein, dasz ihre stadt das alte Alba Longa sey, und sagen es noch bis jetzt auf treu und glauben jedem fremden, der es hören will Seume 2, 197; auf tr. u. gl. zusagen Kramer 2 (1702), 416a; versichern Lessing 9, 481 Lachmann-Muncker; angeben 18, 442, beantworten 10, 48; ... die ältesten geschichtschreiber ... haben ... die leser nicht so unaufhörlich mit der ostentation ihrer gründlichkeit behelligt, sondern auf treu und glauben geschrieben ... Schlegel in: Europa 2 (1803), 44; auf tr. u. gl. nachschreiben Lessing 10, 281. nur noch in ganz losem zusammenhang mit dem verbum: auf treu und glauben handeln Kramer 2 (1702), 1140a; die meinungen der menschen folgen dem glauben und den sagen der alten, auf treu und glauben, als ob es religionspflicht wäre Bode Montaignes gedichte und meinungen (1793 ff) 3, 506; auf tr. u. gl. kommen (in gutem vertrauen) Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 298. ohne inneren zusammenhang mit dem verbum oder geradezu als interjection gebraucht: ich weisz auff treuw und glauben kein hertere plag, disz boszhafftig thier (den gefangenen wolf) zu straffen, dann dasz er zwey weiber zuogleich zuo haben gezwungen werde Kirchhof wendunmuth 1, 92; ich will es lieber ihrer freundschaft überlassen, mir meine langweiligkeit auf treu und glauben zu vergeben Gellert werke 4, 136; statt einfach einen commissar zu senden und den inhalt auf treu und glauben verladen zu lassen K. Gutzkow ritter vom geiste (1850) 1, 296; nun hatte bereits durch lange jahre die mutter buchgehalten auf treu und glauben, ohne buchstaben und ziffern, und die rechnung stimmt immer noch W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 117; ganz selbständig s. Gottsched dtsch. sprachkunst (1748) 330. in treu und glauben: ... wo die brunnengäste, auf linderung ihrer leiden hoffend, in treu und glauben ihre gläser füllen Gutzkow ges. werke 6, 138. mit treu und glauben: Elias Birnmost, als nechster nachbar, sagte mit treu und glauben, dasz er von der sach gar nichts wuste J. Rebhu Pokazi (1679) g 6a. nach treu und glauben, typisch juristische formel: jedermann hat in der ausübung seiner rechte und in der erfüllung seiner pflichten nach treu und glauben zu handeln commentar z. Schweiz. civ. ges., art. 2, I, 51; der versicherungsschein musz dem versicherungsnehmer so nahe gebracht sein, dasz man in dessen schweigen nach treu und glauben ... seine willensäuszerung finden darf Manes versicherungslex. (1909) 875. wider treu und glauben (s. auch oben b, δ): anno 1572 hat man die arme Hugenoten ... wieder zugesagte trew vnd glauben jammerlich abgequarcht wie schaffe Daniel Schaller theolog. heroldt (1604) 68; s. auch v. Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 273. III@B@4@ee) im älteren nhd. (16. und 17. jh.) auch in umgekehrter form glauben und treue: glauben vnd trüw leisten Frisius (1556) 369; seinen glauben vnnd treüw feil haben, glaub vnnd treüw verkauffen ebda 29b; glaub vnd trüw ist verloren ebda 277b; der fuchs bewilligt den contract, glauben vnd trew dem hund zusagt (vertrag gegen den wolf) Burkard Waldis Esopus 2, 195 Kurz; er hat mir seinn glauben vnnd trew zu pfand gesetzet sprichw. schöne weise klugreden (1548) 73b; je mehr zunimbt die schinderey je mehr abnimmet glaub vnd trew M. Mangold marckschiff oder marckschiffergespräch (1596) C iiij; wie bald würd unser glaub und treu ... sich in die aschen legen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 345a; vgl. auch 359. in der negation formal variiert: kein glaub kein traw ist bey jhn (den fürsten) mher, sie achten weder got nach ehr U. v. Hutten 3, 534 Böcking; es ist weder glaub noch trew vff erden Latendorf sprichwörtersammlung (1532) nr. 253; ists nicht zuerbarmen, das kein glaub noch trew, im himmel noch auff erden sei? M. Hayneccius Hans Pfriem (1582) 18 ndr. III@CC. absoluter gebrauch: treue bezeichnet nicht in erster linie eine handlung oder ein bestimmtes treuverhältnis zwischen menschen, sondern eine menschliche eigenschaft; das object, demgegenüber sie in erscheinung tritt, tritt ganz in den hintergrund. im mhd. in besonders vielfältiger anwendung. III@C@11) neben andern tugenden. zunächst durch die andern begriffe fester abgegrenzt und bestimmt, dann aber auch oft in rein stilistischer variation, bis zu mehr synonymen zusammenstellungen. nicht immer läszt sich der bedeutungspunkt von treue auf dem jeweiligen wortfelde ganz scharf bestimmen. III@C@1@aa) im mittelhochdeutschen: dô was manheit gein ellen komn, und diu milte gein der güete, kiusche und hôh gemüete, mit triwen zuht ze bêder sît (nicht präpos. formel) Wolfram Willehalm 87, 19; sô lobent iuch die reinen süezen frouwen schame, triuwe, erbermde, zuht, die sult ir gerne tragen Walther von der Vogelweide 36, 17 Lachmann; ähnlich 112, 14; zuht trüwe milte und ere Peter von Staufenberg 23 Schröder; swem triuwe, zuht und bescheidenheit leident und wâriu einvelticheit und die sich gar verschemet haben (schamlos werden) die süln mit bœsen herren draben Hugo von Trimberg Renner 6807. enger: (neben wahrheit und mildtätigkeit als hauptpflicht des menschen) ein reht daz sint die treuwe dâ wir mit schulen bouwen vom recht 8, 18 Waag; (neben demut und mildtätigkeit): die vierde tugent daz ist triuwe, wan âne triuwe ist nieman wert, weder in dirre werlte noch in jener Berthold von Regensburg 477, 18; gesell, ez sol einhalp mîn triu unde wârheit sîn, ich wil, daz anderhalp mir bî schame, zuht und mâze sî, bescheidenheit und êre Seifried Helbling 2, 36; in ritterlichem bereich besonders triuwe und zuht: swer zuht mit triwen (nicht präpos. formel) hinne hât der ruoche hœren mîniu wort Wolfram Willehalm 306, 4; vgl. auch 419, 24; sîn zuht, sîn triu ich prîse daz er so erberlich sich hielt Gundacker von Judenburg 4427 Jaksche; triuwe und stæte, vgl. Vera Vollmer s. 58 f.: triuwe und stæte si besaz Erec 1496; ichn welle haben gedinge und wân, daz diu triuwe hôher solte gân dan unstæte, der ich guotes verban Ulrich von Gutenburg minnesangs frühling 78, 28; hâst dû triuwe und stætekeit (aufrichtigkeit und treue) Walther von der Vogelweide 50, 13 Lachmann; sin truowe sin stet sin guoder wan is gar an mir zurblichen Muscatblut 34, 24 Grote; treue und tapferkeit s. u. 4; treue und keuschheit s. u. 5. anderes: rehtiu scham und werdiu triwe gebent prîs alt unde niuwe Parzival 321, 29; swer triuwe und milte bî bestêt rittertreue 825 Pfannmüller; manic geselle der triuwe und witze hât schlegel 1170 Pfannmüller; III@C@1@bb) nhd. treue neben reinheit, unschuld u. ä.: o partheyisches glück, warum lächelst du nie liebender unschuld und standhafter treu Zachariae 2, 312; ... verflucht ein recht, das ränkevoll der herrschenden partei gesetzlich treu und unschuld morden lehrt! Göthe I 9, 451 W.; die tugenden jenes musterbildes an treue und reinheit der gesinnungen (die heilige familie) werden von uns heilig bewahrt und geübt Göthe I 24, 35 W.; unschuld, goldene treu und einfalt, dankende ehrfurcht vor der natur und der kunst wohltätigen kräften (die tugenden zur zeit Homers) J. H. Voss vorr. zur Odyssee (1781); sonst nhd. mehr occasionelle verbindungen: mit was aufrAechter gewüszne, treüw vnd frommkeit qua religione Joh. Frisius diction. (1556) 1137a; treu, ehr und glauben L. Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, b 3v; Ringwaldt christl. warnung a ivb; Abele unordnung 4, 40; wo treu' und billigkeit mit güte sich vereinen Heräus ged. und inschr. (1721) 11; dasz in hütt' und palast ... ... biedere treu und zucht gern mit mäszigkeit wohnt, und mit gestähltem fleisz J. H. Voss (1802) 1, 21; in seinem gesicht liegt eine mischung von munterkeit, verschlagenheit, treue und gutmüthigkeit Heinrich Beck schachmaschine (1798) 1, 3; fröhlichkeit, tapferkeit und treue E. M. Arndt sämtl. w. 1, 99 Rösch-Meisner; ... dieselben ovalen köpfe, vor allem dieselben augen, aus denen phantasie, klugheit und treue sprachen Fontane ges. werke I 1, 24; er (der militärdienst) bildet die schule für die heranwachsende generation in ordnung, pünktlichkeit, reinlichkeit, gehorsam und treue Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 97. III@C@22) in der verbindung treue und ehre. III@C@2@aa) noch nicht fest formelhaft: er gibt sein ehr, trew, gerechtigkeyt, leben vmb das schnöd gelt ... Seb. Franck sprüchw. (1541) 137a; öfter sind die beiden begriffe bedeutungsmäszig aufeinander bezogen: triuwe ist hie der êren hort (religiös) bei Wackernagel kirchenl. 2, 105; denn die treue legt der ehre noch der güter fülle zu Göthe I 12, 294 W.; die treue ist der ehre mark Friedr. v. Schlegel bei Lipperheide spruchw.-buch 877; als Hindenburgs wahlspruch bekannt geworden meine ehre heiszt treue inschrift auf dem koppelschlosz der SS; übrigens nimmt bei ihm (einem minnesinger) ... vrou êre die stelle der triuwe ein Röthe Reinmar von Zweter 218 anm. III@C@2@bb) mehr oder minder stark sich ergänzend: als innere tugend und äuszeres ansehen vor der welt, im mhd.; oft als ganzes schon abgeblaszt: waz bedorfte ein gôt knecht rîchtûmes mêre behêlde her trûwe und êre? könig Rother 3324 Rückert; an den Troiâren vant man nie êre noch trouwe Eneit 4253; die triuwe und êre minnent Iwein 3177; die ganzen triwe und êre brâht er unz an sînen tôt Parzival 5, 30; vgl. 686, 21; sol ez iemer dar zuo komen, als ich von kinde hân vernomen, daz triuwe und êre werde begraben in der erde Tristan 18659; triuwe und êre brechen 10210; wie wol ich etewenne weste waz triuwe und êre mêrte ê valscheit ez verkêrte meier Helmbrecht 967; im minnedienst s. minnesangs frühling 189, 34; 217, 26; auch von der frau: 195, 27. ich (Christus) setz dir trüw und er (als pfand) das ich dich nu das best ler. Christus und die minnende seele 1442 Banz; III@C@2@cc) nhd. allmählich mehr in eine synonyme formel übergehend: o wie gar wenig hat der herzog die antwort gewist, wie bald hat er sein brief und sigl, treu und eer, auch ait in der bierkanten vergeszen W. v. Schaumburg 46 lit. ver.; grosz mutwill treibt dich zu der sach, dast weder trew noch ehren achst H. Sachs 9, 8 Keller- Götze; ähnlich (vom fuchs) schwänke nr. 209, v. 82 ndr.; es hat sich trew vnd ehr gewandt, bey alten vnd bey jungen Ringwaldt handbüchlein b 4b va; ja ich will yedermeniklich bitten, vmb aller deutschen ehr und trew willen, es wolle zu diesem wercke helffen wer da konne J. Agricola 750 Teutscher sprichw. (1534) a ib; also wird mancher frauen abgeschnitten ihr treu und auch ihr ehr A. v. Arnim 13, 299 Wilh. Grimm; denselben an ehr- vnd treu vergessnen verleimbdern F. A. v. Brandis des tirol. adlers immergrünend. ehrenkräntzel (1678) 160; die grundbegriffe der ehre und treue werden in dem liede eingeschärft ... Scherer lit. gesch.7 127; er hielt auf treue und ehre nicht nur fürsten, sondern auch seinen dienern bis zum kammerdiener gegenüber Bismarck gedanken u. erinnerungen 2, 37 volksausg. zur charakterisierung eines menschen: ... (Polonius) was denket ihr von mir? (könig) dasz ihr ein mann von treu und ehre seyd Shakespeare-Schlegel (1797) 3, 201; ... die ganze tendenz (des Beaumarchaisschen Figaro) geht dahin, den vornehmen herrn zu schildern, der selbst ohne ehre und treue sie von andern fordert ... O. Jahn Mozart (1856) 4, 203. III@C@2@dd) in festen präpositionalen verbindungen: ... ein vestalische closterfrau, die schweren dörfft auff ehr vnd trau J. Ayrer dramen 1, 18 Keller; de suluen hebben vnd vorbredet bi truwen vnd bi eren bei Schiller - Lübben 4, 620; bey trewen vnd ehren zusagen schiltbürger (1598) 25; Agyrtas grillenvertreiber (1670) 17; bei seinen ehren und trewen schweren J. Sleidanus reden 26 lit. ver.; Kramer 2 (1702), 1140a; als interjection: bei meiner treu und ehren M. Böhme bei Rother schles. sprichw. u. redensarten (1928) 229; nun kann ich aber, bei meiner treu und ehren jedermAenniglich laut und offen erklAeren K. A. Kortum Jobsiade (1799) 2, 5; er in so langer zeit (seine frau) nye anders dann in trewen und eren gesechen funden und erkant hat Arigo decamerone 152 lit. ver.; ähnlich Hans Sachs 14, 168 Keller- Götze; in trew vnd eer deinr lieb ich ger schwOer ich bey meinen trewen Fr. Forster teutsche liedlein 39 ndr.; III@C@2@ee) in den wendungen an die triuwe gân oder an die triuwe sprechen, gelegentlich auch sonst, nimmt das wort selbst die bedeutung 'ehre' an: gieng ez mir an die triuwe niht Iwein 4902; sô hân ich die triuwe verlorn Ulrich von Eschenbach Alexander 18047; sprichet ein man den andern an umbe sîne triuwe (ehre angreifen), unde wil ener bereden daz er ein getriuwer man sî, mac er in überziugen mit siben mannen daz er sîne triuwe habe gebrochen Deutschenspiegel 178 Eckhardt-Hübner; vgl. auch Vera Vollmer s. 31 ff. III@C@33) treue als haupttugend in der ritterlichen ethik des mittelalters; reichste verwendung des wortes bei Wolfram. III@C@3@aa) zur definition des wortes: waz einem rehten hêrren zimt ze tuonne unt ouch ze lâzen, swer daz gerne wol vernimt, dem nenne ich triuwe vor unt dar nâch zuht mit eigenlîcher schame Reinmar von Zweter 68, 3 Röthe; diu triuwe ist ein diu beste tugent sagent uns die meister wîs ir hôher prîs der werlte wol an stât ... diu triuwe ist wol ein kleit der êren diu triuwe kan wol sælde mêren diu triuwe ist hie unt dort der hôhste hort: wol im, swer triuwe hât! Boppe minnesinger 2, 386; ... es was ein tugent die hôste heizzet triuwe jüngerer Titurel 5887; triuwe ist noch das beste. ir ritter, haltet triuwe wert rittertreue 858 Pfannenmüller; III@C@3@bb) allgemein-menschliche zuverlässigkeit und tugend: ein mære wil i'u niuwen, daz seit von grôzen triuwen Parzival 4, 10; ähnlich: 141, 4; 345, 3; 608, 22; 609, 13; Nibelungenlied 906, 4 u. 912, 4 Lachmann; der künec von Scandinâvîâ, der bêde hie unt anderswâ sîne triwe hât behalten, ... Willehalm 257, 7; dasz im an die triuwe sprach (seine gesinnung anzweifelte; vgl. aber 2 e) Iwein 3208; ein mære wære guot gelesen, daz triuwe niuwe möhte wesen Engelhart 2; ûf wen sol ich mich danne hôher triuwe hie versehen ebda 3573; ähnlich 4687; 5637; oft auch geradezu 'charakter': gelücke daz enhœret niht und selten ieman gerne siht, swer triuwe hât Walther von der Vogelweide 90, 21 Lachmann; ir truogt den eiterwolves zan dâ diu galle in der triuwe an iu bekleip sô niuwe (in eurem charakter wurzel gefaszt hat) Parzival 255, 15; hierher auch 2, 1; 2, 20; triuwe halden charakter zeigen rittertreue 3; ähnlich 794; wan daz iu gebôt iwer triwe iu noch gebiutet daz iwer prîs bediutet Wolfram Willehalm 251, 25. III@C@3@cc) triuwe prägnant 'das gute', 'das sittliche ideal': du bist slôz ob mîner triuwe (erhöhst mich über mich selbst, in allem guten, was in mir ist) Parzival 715, 9; daz du ze herzen sliezen ie woltest hôher triuwen hort (das gute) Engelhart 5449; mit trewen und schrecken im guten und bösen Ambach vonn zusauffen und trunckenheit f ia; negiert: mir wære ûf den triuwen matt ich würde schlecht handeln Parzival 375, 18; kranke triuwe schlechtigkeit Rudolf von Ems weltchronik 18983 Ehrismann. III@C@3@dd) personifikationen: dar under saz diu Triuwe, si want ir hend, si clagte gote ir leit Reinmar von Zweter 196, 3 Röthe; auszerordentlich oft frou Triuwe (ver triuwe): ob allen tugenden hohe treit vrou Triuwe krone, si ist daz alre beste kleit, daz man an sich gesniden kan, ... Johann von Rinkenberg minnesinger 1, 338a; si (die wârheit) sprach: frou Triwe, mir ist leit Seyfried Helbling 2, 220 u. ö.; die ein heizet frau Ere ... die ander heizet frou Truwe meister Altswert der kittel 28 lit. ver.; vgl. noch Engelhart 129; mhd. minnereden 8, 391 und 17, 917 Matthaei; triuwe begegnet als allegorischer hundename im Seifried Helbling 426 und 431 und bei Hadamar von Laber. bildhafte personifikation: der Triuwen houbetstat Wolfram von Eschenbach Titurel 45, 4; der Triuwen bote, dienestman Engelhart 6332, 4123; der Triuwen zange 63. III@C@3@ee) voller ausgeführte bilder: sîn herze ân allez fulter lac in der triuwen klûse Engelhart 6295; er strihte wol der triuwen stric ebda 4892; als in (den mund) dîn ûz erweltiu güete lêrte, und diu geselle dîn, diu triuwe Wolfram von Eschenbach lieder 8, 41; truwe ... sist allir tugend ein kamererin und schenket in der minne win Hugo von Langenstein Martina s. 62 Keller; sonst noch oft halb persönlich empfunden, besonders erscheint treue als subject von verben, die sonst nur persönliches subject haben können: ... als ir triuwe riet Parzival 6, 11; den wirt sîn triuwe mente 90 9, s. a. 318, 9 (lêrt); Willehalm 297, 25 (gebôt); Rudolf von Ems weltchron. 9347 Ehrismann (swuor); bisweilen bis zu directer umkehrung von subject und object: ganziu triuwe ir beider pflac Wirnt v. Gravenberg Wigalois 1178; III@C@3@ff) bildhafte umschreibung zur charakteristik von personen, je nach dem bilde in verschiedener bedeutungsschattierung: der triuwe ein türteltûbe (von Maria) lobgesang auf Maria 21, 14 zs. f. dtsch. alt. 4, 521; stæter triuwe ein adamas armer Heinrich 62; der triuwe ein diamant Ulrich von Eschenbach Alexander 6719; der triwe ein reht beklibeniu fruht Parzival 26, 13; ... er ganzer triuwen hort Engelhart 5102; ... der fürste ûz triwe erkorn Parzival 177, 13; der ganze triuwe nie gewan (der böse) Ulrich von Eschenbach Alex. 484. III@C@3@gg) übergang zum adjectiv, abgeblaszt: der trüwen rîche Parzival 166, 2; 185, 13; Willehalm 284, 23; 261, 27; diu triuwen rîche 231, 19. direkt umschreibung für die person: iwer triwe des gedâhte (ihr) Willehalm 252, 10; 'frouwe', sprach der markîs, 'sît iwer triwe und iwer prîs (ihr gute und herrliche) sô volleclîchen rât mir gît, ... ebda 161, 12; ez entuo dîn manlîcher sin und dîn ûz erweltiu triuwe (du mit deiner tapferkeit und treue) ebda 149, 13; sîn triwe mich tôdes hat begeben (er in seiner groszmut) Ulrich von Eschenbach Alexander 5736; diu nôt von mînen triuwen komt (aus meinem innern) Hartmann von Aue minnesangs frühling 214, 27; umschreibung für die sache: mit râtes triuwe helfend Parzival 488, 14. III@C@44) treue als specielle bezeichnung männlicher tugend. swâ man nâch wîbes minne mit ellenthaftem sinne solt erzeigen mannes triuwe Parzival 160, 23; vgl. 110, 22; sehr häufig manlîch triuwe: (von Gachmuret) diu manlîche triwe sîn gît im ze himel liehten schîn Parzival 107, 25; vgl. auch 110, 8; 297, 14; 427, 27; 675, 30; 317, 23; lât mich geniezen des daz ir sît manlîcher triwe ein stam Willehalm 254, 15; im wære mit truwen nuwe in stæte manlich truwe Rudolf von Ems Barlaam und Josaphat 1227 Köpke; treue im sinne von oder in verbindung mit tapferkeit: gein ein ander stuont ir triwe, der enweder alt noch niwe dürkel scharten nie enpfienc Parzival 680, 7; bemühet euch, dasz diese eure sprache, bey eurer treu und tapfrigkeit, womit jhr alle welt übertreffet, die rühmliche nebenstelle dermaleins überkommen müge J. G. Schottel teutsche haubtsprache (1663) 23; dort wohnen alte deutsche sitten mit tapferkeit und treue noch J. G. Jacobi sämtl. werke (1807) 1, 40; scherzhaft: also im vuer golt vnnd sulver wertt probertt, so wert des manns truw bi dem drunk erklert Neocorus Dithmars. kron. 1, 148; s. Schulze bibl. sprichw. (1860) 97. III@C@55) treue als specielle bezeichnung weiblicher tugend. direkt als definition gebraucht: wîpheit, dîn ordenlîcher site dem vert und fuor ie triwe mite Parzival 116, 14; 167, 29; wîbes triwe 113, 30; wer triuwe suochen und vinden wil, der haben werde frowen vil, an den triuwe nie gebrach. valscheit ist in ungemach Ulrich von Eschenbach Alexander 9527; wîplîche triuwe Iwein 1603; Parzival 547, 28; Ulrich von Eschenbach Alexander 3868; in verbindung mit kiusche: sô daz si niht geriuwe ir kiusche und ir triuwe Parzival 3, 2; ein wîp, diu hât ir rehts vergezzen, sol man ir kiusche mezzen, sine tuoz dan durch ir triuwe Parzival 409, 15; direkt 'keuschheit': elliu triwe an mir verswant daz der turkoite Flôrant und der herzoge von Gôwerzîn von mir geküsset solden sîn Parzival 634, 21; mehr allgemeine charakterisierung: (ermahnung an ein mädchen) bis eren feste, lade nit fremde geste uff dynen sal; die truwe ist smal, habe kein wankels gemüte Muscatblut 96 Grote; si hât sô reine sinne und alsô ganze triuwe Konrad von Würzburg herzmœre 319; ähnlich Parzival 312, 3; an der wart elliu magtlîch êre enstanden: diu pflac sô vil triuwen, die man von ir noch saget in mangen landen Wolfram Titurel 19, 4; ähnlich Willehalm 161, 16; Parzival 451, 26; 595, 8; 633, 17; ... uns hât gelêret iwer triwe und iwer wîpheit, vrowe, ... Willehalm 251, 13; vgl. 345, 28; ir bêder tôt mich immer müet. ûf mîner triwe jâmer blüet (auf dem grunde meiner seele) Parzival 28, 8 (Belakane); nhd. selten in diesem allgemeinen und mehrdeutigen sinne: doch nein! diss angesicht, diss schöne liebe wesen das adeliche thun, nichts solches gibt zulesen, ist eine stumme red von ungefälschter treu Sigmund von Birken ostländischer lorbeerhayn (1657) 72; noch leben die frauen voll sitte und treue, sanft duldend in trübsal und stark in gefahr Joh. Friedr. Kind gedichte (1817) 2, 52; wie wär nicht mild und treu ihr grusz und blick? sie (die geliebte) ist ja selbst die milde und die treue Hebbel werke 6, 200 Werner; allein diese wunderlichen vorfälle beschäftigten meine gedanken und erweckten allmählich in mir den wunsch nach dem genusse solcher unbedingten treue, und da ich für diese laune kein weib zu meiner verfügung hatte, verfiel ich einer ganz weichlichen sehnsucht, selber so treu zu sein, und damit zugleich einer heiszen sehnsucht nach Lydia Keller 4, 63. III@C@66) sonstiger absoluter gebrauch. die verwendung des wortes als allgemeinen tugendwortes ist nhd. stark eingeschränkt; es verschwimmt teils ins allgemeine, teils tritt die bedeutung des 'stäten' ohne bestimmten inhalt in den vordergrund. III@C@6@aa) oft in form poetischer sinnsprüche: kann es denn auch groszen seelen an bestand und treue fehlen? ... Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 194; beglückt wer treue rein im busen trägt, kein opfer wird ihn je gereuen Göthe I 14, 83 W.; wirst du mirs lohnen, wenn ich schweige? wird eine treue, die nicht rauscht, empfunden? Göthe I 11, 45 W.; und die treue, sie ist doch kein leerer wahn Schiller 11, 289 Gödeke; treue ist das feuer selber, welches den kern der existenz ewig belebt und erhält Bismarck briefe an die braut und gattin 34; treue üben ist tugend, treue erfahren glück Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 52. III@C@6@bb) ganz allgemeines: saltz und brod und treue dabey ist besser, dann das beste bratels, das mit falschheit begossen ist H. Müller thränen- und trostquelle (1675) 18; trauliche freystatt! einst den schutzgöttern häuslichen glückes und frommer eintracht und unverbrüchlicher treue heilig! Gotter ged. 2, 487; die harmonie der treue, die kein wanken, der freundschaft, die nicht zweifelsorge kennt ... das hatt ich all in meinen besten stunden in ihr entdeckt und es für mich gefunden Göthe I 3, 44 W.; für Göthe in diesem allgemeinen und oft ungreifbaren sinn ein besonderes lieblingswort (treue ist bei Göthe 'ausdrucksform des ruhenden geistes' [Franz Koch]): in welchen seligen zustand versetzt uns die treue! sie gibt dem vorübergehenden menschenleben eine himmlische gewiszheit; sie macht das hauptcapital unseres reichthums aus I 27, 18 W.; gedenken sie meiner in beruhigter treue IV 37, 19 W.; die echten ritter sind vom harten geschick geschlagen und geprägt, ihr sporn ist die treue und ihr schwert der glauben an das ewige bestehen der geschlechter Arnim 2, 353 Steig; ehe die treue von selbst stark geworden, kann man ihr nichts zumuthen Bettina von Arnim die Günderode (1840) 1, 45; welche ewigkeit von treue fühle ich in mir Novalis 4, 161 Minor; ist denn etwa bisher die bürgerliche treue sein fehler gewesen? Heinrich Laube ges. schr. (1875) 2, 197. III@C@6@cc) treue als treue gegen sich selbst: sô het in got bereitet, als guoter liute wünschen stêt, den ir triuwe zarbeite ergêt (denen ihre treue gegen sich selbst mühsal bringt) Parzival 338, 24; vgl. 406, 6; ich habe ihn nun ein leben lang bewährt gefunden. vierzig jahr immer derselbe. dieselbe treue Fontane vor dem sturm 195; Goethes heroismus, den er von sich ausstrahlt, auf uns alle, ist jene treue gegen sich selbst, die sich mit immer neu wandelnder verjüngung so gut verträgt Röthe Göthe (1932) 94; ähnlich 110; vgl. Röthe dtsche reden 36 f. III@C@77) körperliche organe als umschreibung: vom menschlichen herzen: du hâst dir selben an gesigt ob dîn herze triwen phligt Parzival 690, 2; des solte ir herze sêre in lûterlichen triuwen sweben Engelhart 111; die treue der herzen maler Müller werke (1811) 1, 239; das hat ein herz voll treue als knabe hier gedacht Schenkendorf ged.3 229 Hagen; anderes: ... vier hände thun es nicht vil können, wenn ein mund nicht aller treue bricht A. Gryphius trauerspiele 32 Palm; unschuld war in ihren mienen, treue war in seinem blick Herder 5, 81 Suphan; auf den lippen war die stille treue, auf den wangen lieblichkeit zu hause Göthe I 2, 101 W.; III@C@88) deutsche treue; belege erst seit dem 16. jh. 'es gehörte zu den ersten lebensäuszerungen erwachenden nationalgefühls, dasz der Deutsche deutsches wort, deutsche treue der welschen lüge und tücke gegenüberstellte' Roethe von deutscher art u. kultur (1915) 34. schon die ältesten vorliegenden belege deuten auf höheres alter: deshalb sich deutscher treu geflissen vm die stAets warn die Teutschen gprisen Fischart glückh. schiff 29 ndr.; wer hat beständige vnbefleckte rechte teutsche trew im hertzen? wenig Moscherosch gesichte (1650) 2, 148; gelehrte leüt sind fast schabab auch teutsche treu zieht von vns ab vnd scheint sie woll nach norden lauffen Moscherosch trawgedanken zs. f. dtsch. alt. 23, 73; das band des vaterlands ... das ziehet mich hieher, und heist mich zeuge werden: wie leicht es teutsche treu in Schwedens thälern giebt Heräus gedichte u. lat. inschriften (1721) 171; rechtschaffenheit und tugend, vornehmlich das, was man seit jahrhunderten teutsche treu und glauben hiess Kretschmann sämtl. werke (1784) 1, 11; deutsche treue nimmt persönlichen charakter an. auch wo sie der idee gilt Roethe dtsche reden 94; in der zeit der sehnsucht nach nationaler einheit und zur zeit der freiheitskriege besonders beliebt: ewig lebe deutsche treue! E. M. Arndt sämtl. werke 4, 15 Rösch-Meisner; dasz sich deutsche treue mehre 4, 10; du (teutscher mann!) hast treue ders. 10, 162 Leffson-Steffens; das ist die deutsche treue, das ist der deutsche fleisz der sonder wank und reue sein werk zu treiben weisz Schenkendorf gedichte3 259/60 (auf die deutschen stände); verpflanz auf deine jugend die deutsche treu und tugend zugleich mit deutschem wort Uhland ged. 1, 61 Schmidt-Hartmann; deutsche frauen, deutsche treue, deutscher wein und deutscher sang Hoffmann v. Fallersleben 3, 233 Gerstenberg; ein banner sich nicht beugen läszt: der deutschen treue reinheit A. Grün ges. werke 1, 222; dort deutet er ihm ernst bei jedem schritte was deutsches wesen, deutsche treu und sitte Geibel ges. werke 2, 253; vgl. 2, 81; sonst von Deutschland: der alten barden vaterland dem vaterland der treue, dir, freies unbezwungnes land dir weihn wir uns aufs neue Matth. Claudius sämtl. werke (1795) 3; gegrüszt du land der treue, du deutsches vaterland Joh. Nep. Vogl dtsche lieder (1895) 7; o Deutschland hoch in ehren du heilges land der treu Ludw. Cölestin Bauer; jetzt volkslied; umschreibend: du kern der deutschen treu (das heer Eugens) Joh. Chr. Günther ged. (1735) 124. gern in der verbindung alte deutsche treue oder doch in rückschauender klage: vor dem galt deutsche treu, jetzt gilt nur list und geld und künstlicher betrug und vorteilhafte tücke Joh. Chr. Günther samml. dtsch. ged. (1751) 394; die alte teutsche treu intemerata fides Weismann lex. bipart. (1725) 2, 413a; Logau 7 lit. ver.; ... waffnet herz und hand mit alter deutscher treue E. M. Arndt sämtl. werke 4, 12 Rösch-Meisner; so unverwüstlich dauerte die alte treue im deutschen volke; nur der grosze wille fehlte, der solche herrliche kräfte würdig zu benutzen verstand Treitschke deutsche gesch. 1, 215; was weiland hiesz die deutsche treu, ist mit der alten zeit vorbei Binder sprichw. 35; mein herz, so freudig einst, so weit, hat keine lust an dieser zeit, wo weise sippe thorheit spricht und deutsche treu wie glas zerbricht Geibel ges. w.3 3, 32; du glaubensfrohe, heilge treue, wie oft, wie schmählich bist du schon betrogen! Klaus Groth ges. werke 4, 212; teutsche trew vnd redlichkeit Moscherosch gesichte (1650) 2, 196; Abele unordnung 4, 145; ähnlich Immermann 1, 19 Boxberger; ach! liebe alte teutsche redlichkeit und treue, wo bist du geblieben? H. Müller geistl. erquickstunden (1714) 694. oft auch, zumal im munde anderer nationen, mit höhnischem nebensinn: (das französische volk) das schwür im friedensschlusz, wie in der eh, vergiszt und voller mitleid nur auf deutsche treue schauet Zachariä poet. schr. 1, 55; o dies ewige lied von der deutschen treue! jeder lernt es, jeder singt es, und sie singen es so lange, bis sie es selber glauben. die staare müssen es hier zu lande pfeifen (dem polnischen grafen Bninski bei Yorcks kapitulation in den mund gelegt) Fontane vor dem sturm 394 Cotta; flogest aus nach sonn und glück, nackt und schlecht kommst du zurück. deutsche treue, deutsche hemde, die verschleiszt man in der fremde Heine 1, 417 Elster; wüszte ich nicht, dasz die treue so alt ist, wie die welt, so würde ich glauben, ein deutsches herz habe sie erfunden. deutsche treue! sie ist keine moderne adressenfloskel Heine 3, 38 Elster; auch sprichwörtlich: deutsche treue ist alte, verlegene ware bei Rother schles. sprichw. u. redensarten (1928) 374; ironisch übertragen auf andere völker: ... windisch trew ... zigeuner reuw, der Walhen andacht, Spanier eyd, ... für diese dreytzehen noch so viel, gibt niemand gern ein poppelstiel Kirchhof wendunmuth 1, 239 lit. ver.; her peweyste ehm unde vns eyne pemische trewe (verrat) Martin v. Bolkenhain in script. rer. Siles. 1 (1839), 373. III@C@99) alte treue: denn gerechtigkeit ist aus dem lande entflohn, der alten zeit treue schier vergangen E. M. Arndt sämtl. werke 6, 221 Rösch-Meisner; ganz allgemein, etwa 'tradition': aber wie auch vieles locker, ja lockerer als recht war, es war doch von dem alten glauben und der alten treue und von den etwas versteiften, aber doch wohlanständigen gebräuchen und gestalten genug übrig ... ders. 1, 56; die lust an den geschichten von alter kraft und treu Schenkendorf ged.3 233; das edle gold der alten treue Fr. A. v. Stägemann kriegsges. (1813) 10; die alte zeit mit ihrer kraft, der reinen, mit ihrem lied aus tiefen herzenstrieben, mit ihrer treue, ihrem feuerlieben, die noch mir oft als liebes bild erscheinen Strachwitz gedichte (1850) 131; klingt an und hebt die gläser hoch, die alten burschen leben noch, noch lebt die alte treue! Eugen Höfling bei Lipperheide spruchwörterbuch 877. III@C@1010) sprichwörtlicher gebrauch: das bekannteste sprichwort ist: treue hat brot, untreue leidet not. nur die erste hälfte: trüw gibt brot (1515) Eulenspiegel 27 ndr.; truwe hefft brodt, vntruwe lydt noch bei Schiller-Lübben 4, 620; sonst z. b. noch Coler hausbuch 8; Schottel 1136; Schellhorn sprichw. (1797) 140; Binder 196; anderes s. Wander 4, 1310 f. im älteren nhd. auch sehr verbreitet: treu ist wildbret: es sindt allenthalb in alten sprachen ettliche gemeine sprch, darinnen kurtze leer oder gesetz von gemeinen sietten und fehlen begriffen sindt, als bei uns Deutschen, ... trew ist wilpret J. Menius (1526) auslegung über die sprüch Salomonis a 4b; vgl. Friedrich Wilhelm sprichw. reg. (1577) f 1a; Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, T t 6v; Schweinichen denkw. 7; Pistorius thes. paroem. (1715 ff.) 630; geschützinschrift bei Ziegler 47; hertz von trewen ist wilpret Latendorf sprichw. samml. (1532) nr. 643; Seb. Frank bei Fischer 2, 373. ähnlich negativ noch oft: sihe fur dich trew ist mislich Luther 16, 522, 10 Weim.; Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 141b; Latendorf (1532) nr. 251; drumb sagt das sprichwort: schaw für dich! wann trew ist seltzam und miszlich H. Sachs 8, 445 Keller; ebenso: schöne weise klugr. (1548) 4a; 8b; Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, I i 6r; unters. d. vornehmst. teutsch. sprichw. (1725) 68; Kirchhofer schweizerische sprüchw. (1824) 175; Eiselein sprichw. u. sinnreden 603; Körte 6050; Wander 4, 1311. trew ist ein sältzam gast; wem er widervar, der hab in vast Augsburger liederb. (1454) in Alemannia 18, 114; treue ist ein seltner gast, halt ihn fest, wenn du ihn hast Binder 196; kern auserlesener sprichwörter (1718) 49; weitere s. bei Wander 4, 1311. — die nächste treu ist sich der mensch selber schuldig Frisius (1556) 515; ähnlich Lehman floril. polit. (1662) 3, 84; Nürnberger wb. (1713) 40; Pistorius thes. paroem. (1715) 455; Graf u. Dietherr deutsche sprichw. 375. gern die verbindung falsche treue: gute wort und falsche trew ist jetzt der welt nicht new Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, H h 2v; ähnlich Fischer 2, 374; gute wort vnd falsche trew ist bey hoff das erste essen A. Corvinus fons latinitatis (1646) 97; falsche treue, falsches geld Körte die sprichw. u. sprichwörtl. redensarten d. Deutschen 6094; Wander 4, 1310. — lieb erwirbt lieb, vnd trew wirt vmb treu kaufft vnd verkaufft Seb. Franck sprüchw. (1545) a i 9a; schöne weise klugreden (1548) 137b; gekaufte treue hat wenig wert Wander 4, 1310. verschiedenes: vallet de truwe in den poel god settet se wedder vp den stol schaekspel (1489) fol. 63 s. Schiller-Lübben 4, 620; wo trew ist, da ist gottes segen nie ferne sprichw., schöne weise klugreden (1548) 32a; wo ich keine trew finde, da kehr ich den mantel nach dem winde Petri der Teutschen weisheit 2, 806; Wander 4, 1313; bleib trew, dem du trew schuldig bist Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, l 3r; es ist selten rechte trew vber frembdes gut Lehman floril. polit. (1662) 3, 88; selten der verdirbt, der nach treue wirbt spruch an einem hause s. Lipperheide spruchw.-buch 877; wo die treue wache hält, da ist das haus gut bestellt Wartburgspruch ebda; geytz vnd trew wohnen nicht in einen hausz Lehman floril. polit. (1662) 1, 277; gesellen trew langsam bestehet, eh weiber trew uber alles gehet J. P. de Memel lust. gesellsch. (1656) 104. eine fülle von sprichwörtern und sprichwörtlichen redensarten aus dem rechtsleben s. bei Graf-Dietherr deutsche rechtssprichw. s. 111; 227; 270; 419; 524; 557. in ungezählten sprichwörtlichen redensarten wird das schwinden der treue als zeichen für die zunehmende schlechtigkeit der welt angesehen und beklagt: diu triuwe ist garlich erslagen under den, diu laien sint Heinrich von Melk von des todes gehugede 272; vgl. auch schlegel 16 Wien. hs., s. Pfannmüller app. ie lenger ie lieber bin ich allein dann treuw und warheit ist worden klein Hier. Heldt (1566) xvi bei Fischer 2, 374; die treue ist gestorben schweizer volkslieder 1, 168 Tobler; lieb und trew sind schlaffen gangen Lehman flor. polit. (1662) 1, 195; es ist keine treu, keine liebe, kein wort gottes im lande G. L. Hartmann fluchspiegel (1672) 3; ähnlich sprichw. schöne weise klugreden (1548) 69a und Kramer nd.-hochd. (1719) 402b; bei Opel-Cohn dreissigjähr. krieg (1862) 44; die warheit ist erschlagen, vnd ist die trew vber meer geflohen Höniger narrensch. (1574) 367b; ähnlich Lüpke seemansspr. (1900) 63 (ostfries. sprichw.) und Rother schles. sprichw. u. redensarten (1928) 377; da die treue ward geborn, flog sie in ein jägerhorn; sie der jäger blisz in wind, dasz man sie nun selten find Abele gerichtshändel (1655) 386; hin ist leider verschwunden fried, ruh vnd einigkeit, gotts furcht vnd trew ligt vnden Basilius Förtsch bei Fischer-Tümpel 1, 24; gelegentlich bis in neuere zeit, nur noch im gedanken, nicht mehr in der form sprichwörtlich: die ehre fliehet vor der schande, die treue räumet flugs die lande, sie wohnet nur mit recht und pflicht E. M. Arndt sämtl. werke 4, 7 Rösch-Meisner; frommer liebe, frommer treue spur, ach, das ist auf lange nun vergangen Mörike 1, 143 Göschen; wild die herzen, feil die treue Friedr. Wilh. Weber Dreizehnlinden136 (1907) 360; redensartlich und formelhaft: die erste trew, die liebste trew Val. Herberger herzpostille 2, 122 (s. Wander 4, 1309); trewe hin, trewe her, die getrennte trew ist die beste ebda 1, 779; Rother schles. sprichw. u. redensarten (1928) 374; treu gegen treu steht jedem zu; wer dir sie bricht, dem gleiches thu! bei Wander 4, 1310; treue um treue! sitzungsber. d. kgl. preusz. akad. d. wiss. 1903, 1126; treu ber alle treu G. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 295; bi treu und säligkeit! Wander 4, 1313. III@DD. übertragener gebrauch: III@D@11) von tieren, in älterer zeit selten und dann nur anthropomorph empfunden: Reinhartes triuwe wâren laz Reinhart fuchs 52, v. 753 J. Grimm; später allgemein übertragen: das säugetier besitzt gedächtnis, verstand ... es beweist neigung und abneigung, ... dankbarkeit, treue, achtung Brehm tierleben 1, 20 Pechuel-Lösche; besonders von hunden: lieb vnd trew losieret bey hunden im hundsstall Lehman florileg. polit. (1662) 1, 498; ähnliches bei Wander 4, 1311; (Jupiter zum hunde:) hüt' eifrig haus und heerde! du bekamst muth, treue, hurtigkeit von mir Ramler fabellese (1738) 1, 32; vgl. auch Göthe I 43, 135 W.; S. Brunner erzählungen u. schr. (1864) 1, 55; o weh, wo in aller welt ist noch treue, wenn nicht einmal bei einem hund? Hans Watzlik der pfarrer von Dornloh (1930) 263; rückwärts wieder auf den menschen übertragen: hündische treue Bettine v. Arnim dies buch gehört dem könig (1843) 2, 350; Treue als personificierter hundename s. sp. 317; für treue des pferdes, des schlachtrosses u. ä. fehlen nur zufällig belege; doch vgl. oben sp. 266 f.; (von der liebe des pelikans zu seinen jungen) do gewunnen wir des vogels bluot, ob uns sîn triwe wære guot unt strichens an die wunden sô wir beste kunden Parzival 482, 20; vgl. 482, 15; was sonsten von der treu und danckbarkeit der jungen stOerche gegen ihre eltern so viel autores schreiben J. Prätorius winter flucht d. sommervögel (1678) 155; er (d. i. der crocodill) schlummert gerne im schilf, nach beute lauschend, ...; er kennet kein erbarmen, keine treue, keinen edelmuth; ...; wie des meeres aufbrausen sind seine begierden ... maler Müller (1811) 1, 47; ironisch: (das glück) hat wolfesahrt und slangen treu Schottelius friedenssieg (1648) 37. III@D@22) treue des elements, der beseelten natur u. ä. übertragungen: wol dem und mehr alss wol, der nie sein armes leben der ungetreuen treu der see hat übergeben! J. Rachel satyr. ged. 22 ndr.; wohin, wohin auf diesem ozean, der klippenvoller als das südmeer droht; wo weder luft noch wasser treue hält Kretschmann sämtl. werke (1784 ff.) 5, 24; heut würst ein gluckschiff noch genent, vnd durch dich werd ich auch geprisen, weil ich (der Rheinstrom) solch trew dir hab bewisen J. Fischart glückhaft schiff 12 ndr.; wann hat uns die natur die gröszte treu gethan ob, wann wir gehen ab? ob, wann wir kummen an? Logau sinnged.; dasz die alten häuser ... den geschlechterfolgen bessere treue bewahren als sonstige habe Hans Grimm volk ohne raum 1, 20. III@D@33) allegorischer und symbolischer gebrauch verschiedener art, teilweise personificierungen: die fahnenbilder (symbola heroica) ... von lieb, hoffnung, trew ... vnd dergleichen handeln Harsdörfer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, d 4b; der guldne siebenstern, den ihr geschlechtsbild führt, kan nun das sinnbild seyn, das ihre tugend ziert. weil er, der treue gleich, am allerhellsten funkelt, wenn schwarze trauernacht das heitre licht verdunkelt Heräus ged. u. lat. inschr. (1721) 164; da ist vergiszmeinnicht, das ist für das andenken ... da ist rosmarin, das ist für die treue Shakespeare 3, 305; das veilchen demuth sollen fürsten finden, das blümchen treue schmückt des niedern haus Fr. Kind gedichte (1817 ff.) 2, 14; treue wächst in dem geist auf, der liebt, gedeiht sie zu einem starken baum, so wird kein eisen so scharf sein, ihn auszurotten, aber ehe die treue von selbst stark geworden, kann man ihr nichts zumuthen. ... bis dahin lasz uns einander treffen in ihrem tempel, die gewohnheit, uns da zu finden, einander die hand zu bieten in gleicher absicht, die wird den baum der treue in uns pflegen Bettine Günderode (1840) 1, 44/45; die weisze farbe bedeutet unschuld, reinligkeit, aufrichtige treue Ph. Zesen Helikon rosenthal (1669) 27; doch an neuer lust und scherzen wird sie (die liebe) wohlgemuth erblühn, findet sie in lieben herzen nur der treue immergrün Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 1, 85; an deiner brust, wie eingeknickt, die blauen seidenschleifen lagen; so mit der treue bild geschmückt, hat man dich in die gruft getragen Annette v. Droste-Hülshoff 1, 163 Schücking; blau als farbe der treue Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 2, 44; ... legte Rudolf den umschlag eines neuen tagebuchs an und wählte nicht mehr das blau der treue, sondern das heitere, ebenmäszig helle grau der ergebenheit Timm Kröger schuld? 15. IVIV. übergänge zu ethisch neutraler bedeutung. IV@11) in mehreren, besonders mhd. auszerordentlich häufigen präpositionalen verbindungen verliert sich der ethisch starke gehalt des wortes, und die verbindung wird oft nur noch als blosze flickformel verwendet. doch stehen dabei der sinnschwere und der verflachte gebrauch oft merkwürdig unvermittelt nebeneinander. IV@1@aa) selten, und dann meist syntaktisch verknüpft, erscheint die verbindung mit an: ich rât iu an den triuwen, welt ir iuch bewarn, sô sult ir zuo den Hiunen vil werlîchen varn Nibelungen 1411, 3 Lachmann; ähnlich 785, 3; des wer ich an den triwen dich Parzival 68, 16; IV@1@bb) in der verbindung mit auf hat treue ganz überwiegend die bedeutung 'wort', s. u. VI, sp. 338 ff. IV@1@cc) aus tr.; meist noch in sinnschwerer anwendung, zumal wenn entsprechende adjectiva hinzutreten: ... sprach Artûs ûz triwen kraft Parzival 150, 26; ich habs zwar than usz allen trüwen Schweizer schauspiele d. 16. jh. 2, 40 Bächtold; ähnlich Albrecht Dietrich historia von einem bawrenknecht (1618) a 3a; ausz guoten treüwen vnnd nach billigkeit handlen Joh. Frisius dict. (1556) 49a; darumb denck an mein guten rhat, den ich dir gib ausz gantzen trewen Hans Sachs 19, 50 Keller-Götze; usz schuldiger trw Äg. Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 40; schwächer: es ist des die ... stadt Wurmbs ... in yrer vergangen verterbnusz woll innen worden, was ich hie ausz trewen antzeyge Jacob Strausz beychtpüchlin (1523) B iijb. IV@1@dd) in der verbindung mit bei zeigt das wort meist die bedeutung 'ehrlichkeit', 'aufrichtigkeit', 'wahrhaftigkeit', auch direct 'wahrheit'. IV@1@d@aα) noch nicht zu blosz formelhafter bedeutung abgeschwächt: wir haben bi vesten guten treuen gelopt bei Fischer 2, 373 (v. j. 1394); so bestetig ich und erhaisz dir darbei und bei guten treuen, das weder ich noch kainer der meinen dir ... weder laide übel noch widerdriesz ton volksb. v. hrz. Ernst 287 Bartsch; by vnsern wirden gutten wauren truowen ... Reyscher Württ. ges. 2, 18 (v. j. 1498); ich will ouch den friden, so herr keiser ... gemacht, ... halten, bi guten trüwen, on allen betrug Äg. Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 91a; nicht mehr fest mit dem verb verbunden: darumb versprich ich dir jetzunder, bey adelicher trew besunder J. Spreng Ilias (1610) 76b; auch soll keiner bey adelichen trewen ungebeicht in den turnier reitten Moscherosch gesichte (1650) 2, 378; alle ob geschrebene rede glawben wir stete und gancz festeclichen zu halden bey unsern furstlichen trawen ane ark lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 1, 97 (v. j. 1419). IV@1@d@bβ) schwächer, im vers oft als bloszes füllsel: pey trewen si das jahen Heinrich von Neustadt Apollonius v. Tyrland 6254 Singer; ich sprich es wol by triuen liederbuch der Clara Hätzlerin 152 Haltaus; promitto, ich verheisz bey trewen Erasmus Alberus nov. dict. (1540) 16b; sagen bey treüwen J. Frisius dict. (1556) 209a; seltener singular: bey traw 'auf ehre' Fizion chron. v. Reutl. bei Fischer 2, 326; bedenckts von anfang: nach der that zu dencken ist, bey trew, zu spatt I. Gilhusius grammatica (1597) 136; bey trew! der mann ist wütig schon Fröreisen bei Dähnhardt griech. dramen 2, 174 lit. ver.; IV@1@d@gγ) besonders häufig in verbindung mit dem pronomen possessivum, zumal der 1. person sing. im mittelalter ist die pluralform des subst. bevorzugt. syntaktisch mit dem verbum verknüpft: ich wilz bî mînen triuwen sagen (ganz ehrlich), dich selben wolt ich lützel klagen Walther von der Vogelweide 83, 4 Lachmann; ähnlich Ulrich von Lichtenstein 125, 4 Lachmann; ich ratz pey meinen treuen Sterzinger spiele 168 Zingerle; vgl. auch Erasmus Alberus fabeln 44 ndr.; Hans Sachs 7, 4 Keller; Arnold v. Harff pilgerfahrt 173 Grote; in beliebter umstellung: daz spreche ich bi den truwen min Katharinenspiel 130 Beckers. syntaktisch absolut stehend: bey meinen treüen, du solt den tod gewisz haben Tristrant 193 lit. ver.; ähnlich buch der liebe (1587) 313b; pey mein trewn, ez duncat ein Deuczen (Deutschen), er hiet nicht chauf gemacht, ob er nicht zu gab hiet it.-deutsches sprachb. (1424) in Brenner u. Hartmann Bayerns mundarten 2, 439; äuszerst beliebt bei Hans Sachs, z. t. als reimformel: 9, 24; 12, 439; 14, 323; 21, 89 Keller-Götze; man sagt wol: in dem meien da sind die brünlein gsund, ich glaubs nit, bei mein treuen, es schwenkt eim nur den mund Uhland volkslieder (1845) I 2, 585. die entsprechende singularformel setzt erst mit dem 16. jh. ein. auch hier entwickelt sich die interjection erst allmählich aus der verknüpfung mit dem verb: herr, dises soll doch ylents bschehen, thuo ich by miner trüw verjehen Schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 24 Bächtold; ich reden das by miner trüw, sy frässend wüster dann die süw R. Manuel weinspiel 52 ndr.; das versprich ich dir bey meiner trew, das ... M. Lindener rastbüchlein 43 lit. ver.; ähnlich Arigo decameroneübers. 38 lit. ver.; Spreng Ilias (1616) 100b; gern als flickwendung im vers und umgestellt: nun sag ich das on allen spot und bi der trüwe min bei Liliencron volksl. (v. j. 1499) nr. 203, 17; ik segget by der truwe myn Reinke de vos v. 199 Prien; den übergang zu bloszer interjection bilden fälle wie: by miner trüw ich die warheit sagen sol Schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 16 Bächtold; ich weisz bey meiner trew nicht, antwort sie Amadis 28 lit. ver. blosze interjection, im 17. und 18. jh. besonders beliebt, seit dem 19. jh. veraltet, höchstens noch in stark pathetischer rede: der winter komt bey meiner trew, vnd haben wir gar wenig hew W. Spangenberg ausgew. dicht. 69 Martin; bei meiner traue, ich will ein narre sein, wo dieses nicht die lautere wahrheit ist Prätorius philos. colus (1662) 18; bei meiner treu, ihr mann hat recht Justus Möser sämtl. werke 3, 19 Abeken; bey meiner treu! es ist ein saures leben! Wieland (1794) 26, 213; bey meiner treu! er regt sich früh, ihr appetit Göthe I 37, 51 W.; sie ist, bei meiner treu, das nettste kammerkätzchen Müllner dram. werke (1828) 5, 236; selten in der zweisilbigen form: es ist bei meiner treue ein stattliches gebäude Pfeffel pros. vers. (1810) 7, 35; Gellert (1783) 4, 129. IV@1@d@dδ) durch ellipse der präposition entsteht die häufige interjection meiner treu; die belege reichen nur gelegentlich über das 18. jh. zurück, doch ist die formel während des ganzen 19. jh. noch lebendig; heute wirkt sie auch veraltet: ... der ... im übrigen so ein roher mensch war, dasz ich meiner treu schwöhren kan, ich hätt ihn niemahln hören oder sehen beten ... Grimmelshausen Simplicissimus (1713) 2, 124; die sauren pflaumen, die du mir einmal verehrt, die waren, meiner treu! nicht einen strohhalm werth bei Gottsched deutsche schaubühne 5, 459; du bist sehr eilig, meiner treu! du suchst die thür und läufst vorbei Göthe I 2, 232 W.; ja, meiner treu, herr richter Adam! kahlköpfig wart ihr, als ihr wiederkamt Kleist 1, 337 E. Schmidt; die leute von Seldwyla, prächtig meiner treu! Wilhelm v. Polenz Grabenhäger 1, 137; mundartlich noch im schlesischen: meiner dreie bei Rother schles. sprichw. u. redensarten 230; abgeschliffen zu der form: mein treu, oft nur aus rhythmischen gründen: mein treu! ruft Scherasmin, die jungfer hat gut winken Wieland Oberon (teutsch. merkur 1780) 3, 16; der könig braucht soldaten, und, mein treu! ein schwert wär nicht zu schwer für diese hand Grillparzer 8, 8 Sauer; die orgel hängt voll geigen, der himmel nicht, mein treu Mörike 1, 237 Göschen. IV@1@d@eε) im 16. jh. erscheint die formel auch mit dem possessivpronomen der 2. oder 3. person, noch nicht überall in abgeschwächter bedeutung. während sie sich jedoch in der 1. person zur freien interjection entwickelt, bleibt sie in der 2. und 3. person stets in syntaktischem zusammenhang mit dem verb: ist ein jeder gemaynsmann bei seiner trew ... zu komen schuldig bei Fischer 2, 373 (v. j. 1528); daz du mir versprechst pei deiner treüe an eydes stat ... Arigo decameroneübers. 145 Keller; es stundt ein wolff in groszer not da globet er bey seiner trew, er wöll sein leben lang kein säw nicht fressen mehr ... Erasmus Alberus fabeln 82 ndr.; das namen an die drey partheyen vnd sagtens zu bey jren treuwen J. Fischart Eulenspiegel 449 Hauffen; dann sy mir als sampt gschworen hand, by iren trüwen, eyd vnd eer H. R. Manuel weinspiel 110 ndr.; auf soliche treung must der convent ausz zway ubeln dasz grost fliehen, thetend alsz de benotigeten und haben die nachvolgenden artickel gelobt, bey iren treuen zu halten Knebel chron. v. Kaisheim 448 lit. ver. IV@1@ee) nur niederdeutsch die verbindung binnen tr.: dat dede he binnen truwen Lüneburger chron. bei Eccard corp. hist. med. aevi 1, 1403; min here beclaget iu to unrechte, dat gi ... wolden binnen guden truwen eme sus sin gud untfernet hebben (während der herr euch guten glauben schenkte) Richtst. Lehnr. c. 15 § 2 bei Schiller-Lübben 4, 621. IV@1@ff) durch triuwe; nur selten blosz formelhaft, an stelle eines adverbs: ich muoz durch triwe klagen Parzival 276, 13; ieslîch man durh triwe jehe, waz er tæte Wolfram von Eschenbach Willehalm 181, 26; ir habet uns her für iuch besant, ... beidiu, durch triuwe unt durch rat Gottfried von Straszburg Tristan 15357; (die rede) die ich durch trüwe han getan Peter von Staufenberg 693; daz ir durch triuwe die künigîn iu allen lât bevolhen sîn Ulrich von Eschenbach Alexander 4313; IV@1@gg) in tr. IV@1@g@aα) in mehr oder weniger fester syntaktischer verbindung mit dem verbum, an stelle des adverbs oft noch mit starkem bedeutungsgehalt, oft blosz verstärkender zusatz; meist im plural. schon ahd.: thiniu uuort nua thiu meldont thih in driua (verraten dich mit zuverlässigkeit, deutlich, bestimmt) Otfrid 4, 18, 28; si wândon es were in triuwon, do waz ez in valsch und in grôzen untriuwon Grieshaber predigten 2, 32; swê mîn daran (an mîner vrouwen) scône in trouwen, (gütig, freundlich rücksicht übt) dem wonsc ich des paradîses Heinrich v. Veldeke minnes. frühl. 58, 14; unser minne sol in triwen stên (währen) Parzival 715, 19; im ir guot in trewen befolhen haben (vertrauensvoll) Augsburger chron. 2, 268 bei Fischer 2, 373; schon sehr abgeschwächt: ob ich in triuwen sunder haz erfülle gerne sîn (gottes) gebot Engelhart 6172; daz ez dir were in drwen leit Heinrich von Neustadt gottes zukunft 3945 Singer; wan er in liep in trüwe was Peter von Staufenberg 625. in trewen thut er (Jupiter) für dich sorgen Joh. Spreng Ilias (1610) 2, 14b; festere verbindung: es in treuen mit einem meinen Matth. Kramer teutsch-italiän. dict. (1702) 2, 1140a; in neuerer zeit meist stark pathetisch oder mit altertümlichem beiklang: heil dir, erlauchtes paar, wir grüszen dich in treuen Geibel 6, 123; es ist wohl fromm in treuen der geschiednen zu gedenken ebda 7, 65; vgl. noch 6, 113; noch giebts manch auge, das in treuen blitzt, manch herz, das noch an rechter stelle sitzt Gottfried Keller ges. w. (1889) 9, 22; da fiel mir alles ... ein, ... was wir durchlebt in treuen Marie von Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893 f.) 1, 196. IV@1@g@bβ) besonders häufig mit einem verbum dicendi in der bedeutung 'aufrichtig' oder 'im vertrauen', 'heimlich', teilweise auch hier nur verstärkend: ich thun uch allen kunt in truwen, das uch nummer magk beruwen Alsfelder passionsspiel 5 Grein; vnd inn dem ist es ein groszer vnderscheid, das man einem sagt in beichts weisz, vnd das man einem sagt in trauwen vnnd nit in beichts weisz Geiler v. Keisersberg sünden d. munds (1518) 72a; in trüwen sagen bona fide dicere Maaler 410d; treüw, dardurch einer daz, so jm in treüwen gesagt ist, heimlich haltet Maaler 407a; da erzählt sie jhm, was jhr die jungfrauw in trewen gesagt hat buch der liebe 3132b; blosz verstärkend: Schweizer schausp. 1, 41 Bächtold; Spee trutznachtigall (1649) 49; gelegentlich auch in neuerer zeit noch mit dem alten vollen sinngehalt: ich sag es euch in treuen und mit groszem ernste Fouqué altsächs. bildersaal (1818 ff.) 4, 41. in tr. raten: daz ir iuch wol hüetet,in triwen râte ich iu daz Nibelungen 1575, 4 Lachmann; vgl. noch Albrecht von Eyb dtsche schr. 1, 29; Arigo decameroneübers. 86 Keller; ebda 175; Th. Murner narrenbeschw. 54 ndr. IV@1@g@gγ) die formel wird durch verschiedene attribute verstärkt: in ganzen trüwen: rosengarten a 225; passional 45, 47 Köpke; herzog Ernst prosa 277; bei Liliencron volksl. 177 (v. j. 1489/90); Uhland hoch- und niederdtsche volksl. 3; Montanus 362 Bolte; dass wir ... wollen ... in gantzen trewen festiglich bey euch ... bleiben M. C. Schütz hist. rer. Prussic. (1592) buch 3, r ivd. in guten tr.: daz ir daz habet verdienetdaz iu die reken sint sô holt in guoten triuwensô ich si hœre jehen Nibelungen 302, 3 Lachmann; des gaben si ainander guot prieff und aid in guten triwen aun arg Augsburger chron. 1, 55 bei Fischer 2, 373; geloven in guden truwen Köln. zunfturk. 2, 172 Lösch; chron. d. dtsch. städte 2, 128; in jüngerer zeit besonders in der Schweiz gebräuchlich: in guoten treuwen kauffen, on arglist Maaler 407b; wolan ich sags in guten trüwen (in gutem glauben oder in guter gesinnung) R. Manuel weinspiel 39 ndr. oft, ja gewöhnlich, wird Nathan der weise in guten treuen (in gutem glauben) so gelesen, dass er die duldsamkeit gegen andersgläubige lehren solle W. Wackernagel kl. schr. 2, 468; für die veranstaltungen, die mit hinsicht auf die eheschlieszung in guten treuen getroffen worden sind (auf treu und glauben) Schweiz. ziv.-ges.-buch art. 92; in guten treuen gib es ihm hin, dasz er auch freude daran haben kann Gottfried Keller 6, 90. in allen tr.: desz solt ihr euch zu mir in allen treuwen versehen (fest auf mich rechnen) buch d. liebe (1587) 240b; einem in allen treüwen vnd günstlich zuo dienen bereit sein Maaler 407b; ich sags üch zuo in allen trüwen H. R. Manuel weinspiel 24 ndr.; ich sage in allen treuen, dasz ich nichts bessers bringen konnte Claudius 7, 173; dann sind geschwister in des waldes einsamkeit verlassen, aber sie stehen sich in allen treuen bei kinder- u. hausmärchen (1812) 1, x. mit andern epithetis: lof my des in rechten truwen Lübecker gebetsbüchlein (1485) bei Schiller-Lübben 4, 620; darnach anno 1344 hat einer von Rorschach das schlosz Rosenburg einem paursman bevohlen in höchsten treuwen zubewaren Stumpf Schweitzerchron. (1606) 425a. seltener sg.: das wil ich euch nach der rey, sagen vor in aller treu Reinicke fuchs (Rostock 1650) 245; zu gottes ehr und deiner pflicht und nach der vordern art zog ich in aller treue dich, als schon dein kinn behaart Annette v. Droste-Hülshoff 1, 75 Cotta. IV@1@g@dδ) als syntaktisch absolute interjection: 'in trouwen', sprach Asprîân könig Rother 1451 Rückert; in druwen mich dunket auch also, were ez war, des were ich fro bei Mone schausp. d. mittelalters 1, 127; vgl. Wierstrait belag. v. Nuys register; dein not und klag ist mir leid in trewen buch der liebe 263, 4; euer f. gnd. seint vnsere gehorsame vnnd vnvordrossene dienste jederzeit in trewen bevorn verhandl. d. schles. fürsten u. stände 1, 37 Palm; briefformel: in treuen ihr Jac. Grimm briefw. mit Gervinus 1, 281; schon früh überwiegend mit abschwächung der präposition zu einem worte verschmolzen (vgl.traun th. 11, 1, 1, sp. 1526 ff.): sô weste ouch wol entriwen ir vil grôz armechäit nâch genâden unser trehtin Heinrich von Melk priesterleben v. 297 Heinzel; vgl. auch kaiserchron. 155, 13 Diemer; auszerordentlich häufig bei Hartmann von Aue s. Benecke-Müller-Zarncke 3, 108a; besonders auch in verbindung mit ja oder nein u. ä.: das weybel sprach 'nu lasz mich!' 'entrewn' sprach er, 'nain ich!' Heinrich von Neustadt Apollonius v. Tyrland 8302 Singer; er sprach: entriuwen, daz ist wâr Hugo von Trimberg renner 14229 Ehrismann; anderes s. s. v. traun sp. 1528. später ist die präposition völlig geschwunden; das adverb erscheint in der form triuwen, s. ebda. IV@1@hh) mit tr. in der älteren zeit die beliebteste und häufigste aller präpositionalen verbindungen, teilweise schon früh zur bloszen formel abgeschwächt, teils aber auch noch mit sehr starkem bedeutungsgehalt. die übergänge sind sehr schwankend und unbestimmt. IV@1@h@aα) thu scalt thih io mit driuuon fora gote riuuon Otfrid I 23, 43; dagegen rein formelhaft (aus reimgründen) IV 3, 6; mit starkem bedeutungsgehalt: the mid treuuon uuili uuið is uuini uuirkean Heliand 1016; schwächer, da nur variation: 291; uuanda er ist der rehtscúldigosto erbo mînes rîches, ímo habo ih iz mit triûuuon gehálten Notker 2, 273 Piper; sô ist áber durft ze déro êuuigun sâldo daz er ouh keloube mit triúuuon diê ménneskehêit unseres hêrren (fideliter credat) Notker 2, 642 Piper; s. auch 3, 384/85. IV@1@h@bβ) im mhd. und frühnhd. ersetzt diese präpositionale verbindung auf weite strecken das adverb des adjectivums getriuwe, in entsprechend vielfältiger bedeutung: noch nicht abgeblaszt: nu verkiuse ich hie mit triwen (aufrichtig) daz ir mich mit riwen liezt Parzival 310, 27; mit warmer teilnahme 557, 1; der (priester) sol sîn dienst mit triwen pflegn (in der furcht gottes) ebda 502, 10; mit triwen (sorgsam) Gâwânes hant die wurz ûf die wunden bant ebda 521, 21; ähnlich Willehalm 186, 27; ez ist mir mit triuwen leit (aufrichtig) Ulrich von Eschenbach Alexander 2693; sein werck vnd arbeit mit trüwen auszrichten justam operam reddere Maaler 410d; gab ir derhalben den schlüszel und befahl ir, des weins mit trewen zu warten Montanus 46 Bolte. nur noch verstärkendes, nicht mehr wesentliches satzglied: 'swâ von ich sol die maget hân' sprach der heiden, 'daz wirt gar getân und mit triwen an mir rezeiget!' Parzival 817, 3; ähnlich: 311, 27; 354, 16; 405, 25; 586, 24; 802, 29; 825, 9; Willehalm 263, 6; daz er lônes wirt gewert ob ers mit triuwen hât gegert (mit fleisz, ehrlich) Moriz von Craûn 300; s. noch Engelhart 5657; Schlegel 1042; Rud. v. Ems Barlaam und Josaphat 3, 23 Köpke; ich send eu einen brif, und den het ich eu mit triuen geschriben Steinhausen privatbriefe d. mittelalters 1, 3. als reine flickformel: ob sî in des hin wider gewert mit triuwen nâch dem willen sîn das üble wîp 209; das lobtin sie mit truwen gar Rudolf von Ems weltchronik 17106 Ehrismann; anderes: Parzival 28, 12; 168, 26; 580, 18; 584, 20; Willehalm 135, 27; 162, 9; 262, 28; 439, 17; Engelhart 5221; 5796; gern in gegensätzlicher verbindung: mit triwen âne vâre Parzival 780, 1; âne schranz ebda 189, 17; unverschertet 625, 20; mit triwen âne wenken Willehalm 378, 17. IV@1@h@gγ) seltener an stelle des adjectivs getriuwe: mit triuwen sîn Parzival 476, 20; Willehalm 122, 23; den al diu werlt mit triwen weiz Willehalm 257, 3; der ie mit treuen ist gewesen fastnachtsp. 408, 6 Keller. IV@1@h@dδ) bestimmte verbalverbindungen, mehr oder minder sinnstark, je nach dem gehalt des verbums: verba dicendi: mit triwen geheiszen Parzival 324, 27; jehen 65, 22; sprechen 449, 25; Moriz v. Craûn 1518; mit treuen geloben weisthümer 6, 12; vgl. auch 6, 20; mit tr. raten Parzival 168, 26; 654, 17; Rudolf von Ems weltchron. 20445 Ehrismann; spiel von den zehn jungfrauen 121 Beckers; mit tr. klagen Parzival 91, 20; 206, 15; 557, 23; 740, 2; Willehalm 23, 16; 168, 10; bei Wackernagel kirchenl. 2, 55; bes. häufig bis in die jüngere zeit mit treuen meinen, meist noch nicht abgeschwächt: die swære enwendet nieman, er entuoz den ich mit triuwen meine (heisz liebe) Reinmar der alte minnesangs frühling 156, 4; si solz mit triwen meinen (aufrichtig meinen, mich nicht täuschen) Parzival 722, 24; o jhr herrn vnd freundt, die mich mit trawen meinen vnnd nicht von mir weichen wöllen Paul v. d. Älst Heymonskinder 93; wo ein land also stehet, das herr vnd knecht sich lieb haben, vnd einander mit trewen meinen Luther 51, 252 W.; s. auch 34, 1, 519 W.; etwas variiert: dann kein böserer teufel ist dann ein weib, bevorab gegen ihrem mann, wann sie es nicht mit trewen mit im meinet Montanus 267 Bolte; ähnlich Eberlin von Günzburg 1, 78 ndr.; Hans Sachs 1, 155 Keller; Paracelsus opera bücher und schr. 2, 323 Huser; Joh. Mathesius Sarepta (1571) 217b; I. Rachel satyr. ged. 78 ndr.; Rist Parnasz (1652) 558; die dich ohn falschen schein stätig mit treuen mein Achim v. Arnim 21, 53 Wilh. Grimm; ebenso mit triuwen pflegen Peter von Staufenberg 367 Schröder; bestimmte syntaktische wendungen: Parzival dô mit triuwen fuor (handelte wie ein ehrenmann) Parzival 269, 1; ein wîp mac wol erlouben mir daz ich ir neme mit triuwen war (diene) Wolfram lieder 5, 17; der was der stat mit triuen aun arg Augsburger chron. 1, 30 bei Fischer 2, 373; mit triuwen war nemen hilfsbereit zur seite stehen Parzival 575, 20. als umschreibung: der wirt mit triuwen wîse Parzival 486, 21; mit triuwen der geprîset Schlegel 686 Pfannmüller. IV@1@h@eε) verstärkung der formel durch ein attribut, wobei der bedeutungsgehalt z. t. auch auf dem adjectiv beruht; die abschwächung zum blosz formelhaften ist hier natürlich seltener. mit ganzen tr.: wand ir zweier sinne mit ganzen triuwen wuorden en ein Wigalois 9469 Benecke; ich bin dir hold mit gantzer triü liederb. der Hätzlerin 5; Tristrant 24, 5 lit. ver.; bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 1, 83; das he myt gansen truwen soke des himmelrykes erve Rostocker andachtsbuch 56b bei Schiller-Lübben 4, 621; briefformel: stete lieb mit ganzen treuen zuvor Steinhausen privatbriefe d. mittelalters 1, 126 (v. j. 1474). mit allen tr.: lasz niemand ein, befehl ich dir mit allen trewn bis ich kom wider M. Hayneccius Hans Pfriem (1582) 18 ndr.; es träget sich auch offtermahls zu hofe zu, dasz mancher mensch mit allen treüen seine dienste verrichtet Reinicke fuchs (1650) 22; Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 3; Thym Thedel v. Wallmoden v. 1228 ndr.; Burkard Waldis Esop 1, 46 Kurz. mit guten tr.: des sît ir von dem künige mit guoten triuwen gemant Nibelungen 524, 4 Lachmann; zwene man, an den er îe sih mit guoten truwen lie Rudolf von Ems weltchron. 25428 Ehrismann; Parzival 428, 22; Hannöversch. stadtrecht bei Schiller-Lübben 4, 621; wie Luther lehrt mit guten trewen J. Fischart nachtrab 19 Kurz; trincks gar ausz (den wein) mit guten trewen Scheit Grobianus v. 1858 ndr.; verschiedene epitheta: mit groszen tr. Parzival 239, 12; mit rechten tr. Parzival 8, 15; 365, 13; 474, 17; Kramer (1702) 1140; denn, wer sein oberhaupt mit rechter treue liebt, wird durch sein abseyn leicht zur traurigkeit bewogen bei Chr. Fr. Weichmann poesie der Niedersachsen (1721) 1, 68; so ihrs meint mit rechten treuen E. M. Arndt sämtl. werke 4, 8 Rösch-Meisner; mit wahren tr. Parzival 92, 16; mit stätten triüen liederb. d. Hätzlerin 14; mit stæteclîchen trouwen Virginal 856, 3; mit höchster treuw Amadis 18 lit. ver.; daz liden wirt als menigvaltig, daz dennoch dú menschen, dú dich mit sunder trúwe meinent, mssen mit dir von erbermde geliten werden Seuse dtsche schr. 57; mit fleiszigen tr. herzog Ernst prosa 279 Bartsch; mit gutwilligen treuwen Amadis 73 lit. ver. IV@1@h@zζ) im nhd. tritt allmählich neben dem plural, der altertümlich klingt, der singular hervor; im ganzen geht der gebrauch der formel stark zurück: sein hertz läszt jhm nicht reuen, was uns sein mund verspricht, gibt redlich und mit treuen, was unser unglück bricht Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 354b; tief sehnt Marina sich und übt mit treue ihr müheselig amt von tag zu tag Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 204; was lieb sich hat mit treuen, das sucht ein einsam örtchen gern Fontane ges. romane u. nov. (1890) 7, 50; mit treue suchte die mutter schulfreundinnen auf Helene Voigt-Diederichs auf Marienhoff (1925) 131. IV@1@ii) mit andern präpositionen: er hiez sie nâch ir triuwen (nach vermögen, so gut sie konnten) dâ pflegen unde biuwen Ulrich von Eschenbach Alexander 3829; ein volles recht haben nach iren rechten trouwen Iglauer bergrecht 117, 3 bei Jelinek 723; ... die menschen, die man meint voll treuen, soll man oft scheuen Neumark fortgepflanztes musik.-poet. lustw. (1657) 1, 393; fone rehtên tríuuôn holt sin bei Graff 5, 467 (Notker Boethius); ze triuuôn bei Notker für atqui s. traun sp. 1532. IV@22) an die stelle des persönlichen ethos oder der gesinnung tritt der ethisch neutralere sinn des regelmäszigen, pflichtgemäszen handelns, des bloszen fleiszes, der sorgfältigkeit u. s. w. IV@2@aa) treue in amt, beruf, dienst, pflicht (vgl. schon sp. 301 unter e). IV@2@a@aα) so wil ich demselbigen (amt) mit allen trewen fürstehen Luther 6, 37b; von seiner treu im berufe, ... sag ich nichts I. K. Lavater verm. schr. (1774) 2, 1; im lehramt: wenn ich anders durch achtsamkeit auf meinen zOegling, durch eifer und treue mir das glück erwerbe A. v. Knigge roman meines lebens (1781) 1, 32; weil du nun einmal mein guter engel bist so muszt du auch dein amt mit treue verwalten Bettine v. Arnim Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 44; Grillparzer leistete den eid der verschwiegenheit und treue als conzeptpraktikant am 7. dezember 1814 jahrb. der Grillparzerges. 2, 269. IV@2@a@bβ) aus vnderthenigster trew vnd pflicht acta publica verhandl. d. Schles. fürsten u. stände (v. j. 1618) 1, 188 Palm; alle unzufriedene gestehn, dasz er (der englische könig) seine hohe pflichten mit warmer eifriger treue erfüllt H. P. Sturz schrift. (1779) 1, 42; pflicht und treue schwören: Voss sämtl. ged. (1802) 6, 179. IV@2@a@gγ) (die mönche) warteten wo sie zum dienst der kirchen berfft wurden, als denn dienten sie mit treuwen Stumpf Schweitzerchron. (1606) 350a; treue und dienste leisten Harsdörffer schaupl. lust- u. lehrreicher gesch. (1650) 1, 340; treue, zucht, gehorsam sind anscheinend nur noch im heer und im beamtenthum vorhanden Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 130; die etwas mechanische treue alltäglicher diensterfüllung hat auch ihr recht Roethe deutsche reden (1927) 33. IV@2@a@dδ) in verbindung mit fleisz oder ernst: diejenigen gerichtspersonen, so ihres ambts mit treu und fleisse abwarten, wollen wir in gnädigen schutz nehmen hinterpommerische hofgerichtsordnung (1683) tit. xi, § 3; dies ist der lohn und dank, den treu und fleisz erwerben, dasz man vom doctor sagt: er läszt die leute sterben D. W. Triller poet. betracht. (1750) 2, 257; mit freudigem antlitz begrüszte ich ... die municipalitäten, die ... durch fleisz und treue hoch über jenen des alten Roms ... standen Herder 23, 14 Suphan; seit 1769 versah er diese stelle mit bewundernswürdigen treue und ernst G. C. Lichtenberg briefe 1, 110 Leitzmann-Schüddekopf; lassen sie die Weimarer kunstfreunde nur, wie herkömmlich, mit ernst und treue fortschreiben, das echte drang schon durch und wirkt immer so fort Göthe IV 28, 67 W. IV@2@bb) die feste verbindung treue und fleisz (selten umgekehrt) ist über die berufstreue hinaus eine geläufige formel geworden: dann tzu wem vormut man sich mher traw vnd vleys? Emser an Luther 1, 96 ndr.; solche leute, ... die einen durch treu und fleiss in bälde reich machen H. J. C. v. Grimmelshausen 4, 532 lit. ver.; gebrauche treu und fleisz, mein engel, und mein kind Lohenstein Ibrah. Sultan (1680) 1, 16; ... ruhm und dank ... den stete treu und fleisz noch immer neu vermehret bei Chr. Fr. Weichmann poesie der Niedersachsen (1721) 6, 38; ... alle ... muszten zugeben, dasz er den charakter mancher gegenstände ... mit redlichstem fleisz und treue darzustellen wisse Göthe I 49, 42 W. IV@2@cc) ähnliche verbindungen: treue und eifer: viel hundertmal denk ich mit gerhrter seele an dieses redlichen manns treu und eifer Ulr. Bräker sämtl. schrift. (1789) 1, 47; seine excellenz ... hat mir ... berichtet ... von der treue und dem eifer, den sie in jeder beziehung bewiesen haben bei Moltke ges. schr. u. denkw. 1, 142; ängstliche treue und gewissenhaftigkeit Jacob Grimm kl. schr. 6, 408 (von Ludwig Völkel). treue und sorgfalt: gott erhielt euch euren theuren lehrer, der mit ganzem herzen, mit aller treu und sorgfalt an eurem wohl arbeitet J. M. Miller predigten fürs landvolk (1776) 1, 46; ... sehen, welche treue und sorgfalt sie dem Zoëgaschen nachlass widmen W. v. Humboldt briefe an Welcker 27; (Agricola:) das ist der danck, den ich vmb den hoffertigen münch verdient hab, leszt mich keiner trew noch arbeyt genieszen Vogelsang-Cochläus gespräch v. d. frag. Joh. Hussen 22 ndr.; da wil ich ewre trew und müh vnd was jhr ewrem krancken erwiesen habt, im himmel hie, so bald jhr kompt, verdancken Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 322; anderes: ich kann also wohl sagen: ich will dies thun oder jenes lassen, ich will gut sein oder mich darüber hinwegsetzen, und ich kann durch treue und übung es vollführen G. Keller ges. werke 1, 339; dasz wir dieselben (lehre) ... mit aller zucht und trüw usprechind den hungerigen seelen H. Zwingli deutsche schr. 1, 38 Schuler-Schulthess. IV@33) mannigfaltige vermischungen ethischer und nichtethischer bedeutung: IV@3@aa) wie? wann es jhm so gut gereht, dasz er kAem auff die cantzeley, vnd schrieb allda mit aller trew, den buwren jre supplicatz (sorgfalt und hilfsbereitschaft) I. Gilhusius grammatica (1597) II 2, 51; indessen hat sie (die mechanischen schwierigkeiten) der ächt deutsche geist unsers Facius, mit aller treue, bekämpft (hingabe und bemühung) Göthe IV 13, 268 W.; wie stehts mit ihrer gesundheit? ich bitte sie sorgen sie doch für diesen leib mit anhaltender treue (gewissenhaftigkeit) Göthe IV 1, 242 W.; ein vogelnest mit treue gebaut, das blau des himmels, — das alles ergreift mich (liebe und sorgfalt) ... Bettine v. Arnim die Günderode (1840) 2, 176; pflege sie (deine gabe der beredsamkeit) baue sie, mit treue, mit pflichtgefühl ... Keller ges. werke 6, 319; unbefangen in seiner stellung zu den allgemein menschlichen dingen, ... hat er (Scherer) sich auch ... bei aller treue ... gegen das werk seiner lehrer keineswegs in blinde abhängigkeit von schulmeinungen verstrickt Burdach vorr. zu Scherer kl. schr. 1, xi. treue der erinnerung nicht blosz im sinne äuszerer gedächtnistreue: welcher sagt, das ein mensch schuldig sy andere sünd zuo bychten, dann die er on sundere beschwerden mit guoter trew in die gedächtnüss mag bringen, ... der irret (aufrichtigkeit und richtigkeit) Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 168 ndr.; ältestes bewahrt mit treue, freundlich aufgefasztes neue Göthe I 3, 71 W.; unsre akademie wird dem treuen (Karl Weinhold) die treue bewahren E. Schmidt reden zur literatur u. universitätsgesch. (1911) 120. IV@3@bb) treue im kleinen (hingebung und aufmerksamkeit, sorgfalt); zu grunde liegt die bibelstelle Lukas 16, 10: treue im kleinsten macht die treue dir leicht im gröszten Lavater bei Lipperheide spruchwörterbuch 877; wohl dem, der sich zur treue gewöhnt im geringsten geschäft der in allem sich gut, wohlwollend erweist und vernünftig Lavater bei Courtelle-Bodenstedt pharus am meer des lebens12 (1894) 573; mag immer der mann aus stolzen gesteinen fügen und türmen des hauses bau; — mit mühe, mit sorgfalt, mit treue im kleinen die steine zu kitten, das bleibt der frau Frida Schanz ährenlese2 32; dienst der treue im kleinen Louise von François werke 4, 321 Insel. im reiche der wissenschaft, besonders der philologie, ist dieser doppelsinnige gebrauch von treue (genauigkeit mit dem starken ethischen einschlag des treuen hingebenden dienstes an der wissenschaft) sehr häufig: sorgfältige treue, eifer für die wahrheit und wider den schein, dahin richtet sich unser wohlbewusztes streben Carl Lachmann bei Scherer Jacob Grimm3 153; ein solcher grad von treue, wie man ihn von einem modernen volksliedsammler verlangt, ist bei einem gelehrten des 14. jahrhunderts ohnehin nicht vorauszusetzen Arthur Hübner d. dtsch. geislerlieder (1931) 125; es fehlt dem buch an können und an treue ders. anzeiger für deutsches altertum 47, 45. IV@3@cc) treue, sorge für sachen; bei ideell gehaltvollem object erhöht sich der ethische gehalt des wortes; richtet sich die treue auf einen ethisch neutralen gegenstand, so verliert er sich (vgl.treu II 4 a, sp. 268): dise vnsere gtter beuilh ich dir, vnd empfilch sie deiner trüw Boltz Terenz deutsch (1539) 9b; zwey freunde stehen an altären, wo sie den eid der treue schwören, dir, tugend! und, o weisheit, dir! J. G. Jacobi 1, 30; dies ... ist es, was ich tugend nenne, und dieser tugend schwöre ich hier ... von neuem unverbrüchliche treue Wieland 3, 170 (1794); möge dir für deine geduld und treue an meinen sachen dein ganz gymnasium so hören und folgen Göthe IV 8, 124 W. IV@3@dd) übergang zum nichtethischen gebrauch: treue = zähigkeit, energie, eigensinn, halsstarrigkeit: diese zähe treue, die nicht losläszt, die mit geduldiger pedanterie alles fort- und durcharbeitet, sie liegt dem ordnungssinn, der unbestechlichkeit, ja der organisatorischen durchbildung unseres volkes zu grunde Roethe v. dtsch. art u. kultur (1915) 36; er hält aus trotz an einer sache fest, die ihm durchsichtig geworden ist, — er nennt es aber 'treue' Nietzsche 5, 197 (vgl. Tacitus Germania cap. 24: prava pervicacia ipsi fidem vocant); er (Kepler) hatte den absoluten glauben, vernunft müsse darin seyn, und durch diese treue (halsstarrigkeit, energie) ist er auf dieses gesetz gekommen G. W. Fr. Hegel werke (1832) 7, 1, 109; mit ehrner treue ('consequenz') hielt sie an ihrer weise fest; weder durch sonnenblicke der fröhlichkeit, noch durch düsteres unbehagen, weder im scherz noch im ernste liesz sie sich verleiten, auch die kleinste unnötige ausgabe zu machen G. Keller ges. werke 3, 32; daran freilich hielt er mit treue fest, dasz die nationalliberale partei niemals sich zur befriedigung persönlicher eitelkeit ... hergeben dürfe bei Bennigsen die nationallib. partei (1892) 140. treue 'dauerhaftigkeit, unveränderlichkeit', noch mit ethischem nebenaccent: Wilhelm Grimms entwicklung zeigt keine sprünge und umwälzungen; früh ergriff er, was ihm gemäsz war und hielt es mit treue fest W. Scherer kl. schr. 1, 7; und alle anmaszungen der feinsten aesthetiker verschwinden vor der liebevollen treue, mit welcher das volk an Vossens liedern festhält Fouqué gefühle, bilder u. ansichten (1819) 1, 167. blinde treue Schiller 6, 114 Gödeke; feige treue (die tugend wird zur untugend) Hebbel I 9, 140 Werner. VV. treue ohne ethischen gehalt, erst seit dem 18. jh. und minder häufig als der entsprechende gebrauch beim adjectiv, in der bedeutung 'genauigkeit, pünktlichkeit, ähnlichkeit, echtheit', auch 'dauer, regelmäszigkeit, äuszere beständigkeit' u. ä. V@11) gern in verbindung mit wahrheit in ganz objectivem sinne (anders als sp. 305 f.): alles wahrnehmbare (der welten- und himmelsräume), das ein strenges studium der natur nach jeglicher richtung bis zur jetzigen zeit erforscht hat, bildet das material, nach welchem die darstellung zu entwerfen ist; es enthält in sich das zeugnisz ihrer wahrheit und treue A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 80; ... aber auch diese treue und wahrheit der auffassung und der farben (bei der 'Kölnischen mahlerschule') gehört der zeit und dem damals herkömmlichen alten styl an ... Fr. v. Schlegel sämtl. werke (1846) 6, 155; ... der jubel des letzten satzes (im g-moll-quintett) und der schmerz des ersten gehören einer und derselben natur an, die mit vollendeter wahrheit und treue künstlerisch wiedergegeben ist O. Jahn Mozart (1856) 4, 103. V@22) treue der darstellung, schilderung, erzählung, überlieferung, aufzeichnung u. ä.: die schilderung der charaktere selbst erfordert zuerst treue und richtigkeit, sowohl im ganzen, als in den kleinsten zügen und äusserungen Eschenburg entwurf e. theorie u. lit. d. schönen wiss. (1783) 260, § 9; wenn ich aber dem auszuge eines mannes trauen darf, dessen nicht kleinstes verdienst treue und genauigkeit war Herder 5, 21 Suphan; diese stimmung hervorzubringen und zu nähren ist der letzte zweck des geschichtsschreibers, den er aber nur dann erreicht, wenn er seinen nächsten, die einfache darstellung des geschehenen, mit gewissenhafter treue verfolgt W. v. Humboldt ges. schr. 4, 39; denn einmal wird dieselbe (eine schilderung der Griechen) immer, wenn sie völlig treu sein soll, nicht individuell genug sein können, und wenn sie völlig individuell sein soll, wird es ihr an treue (echtheit) mangeln müssen ders. ges. schriften 1, 278; Burckhardt, dessen berichte ... von hohem interesse und voll treue und tiefer beobachtung sind Ritter erdkunde (1822) 1, 543; gewisz aber ist, dasz diese treue, diese einfalt und klarheit, diese leichtigkeit und ungesuchte anmuth der erzählung, eben die eigenschaften sind, die eine darstellende geschichte eigentlich vollkommen machen Fr. v. Schlegel sämtl. werke (1846) 1, 33; hat der biograf über die treue seiner darstellungen sich selbst, wie er sagt, die strengste rechenschaft abgelegt ... J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 132; die nachfolgenden worte sind mit möglichster treue aus der erinnerung aufgeschrieben Fouqué gefühle, bilder u. s. w. (1819) 1, 17; dasz ich im ganzen mit ziemlicher treue berichten zu können glaube Ötker lebenserinnerungen 3, 335; spätere (volkssänger) setzten zu, wo es ihnen nöthig erscheint, bewahren aber im allgemeinen den überlieferten text mit wörtlicher treue G. Freytag verm. aufs. (1870) 1, 198; buchstäbliche treue Niebuhr m. gesch. 2, 546; diplomatische treue Strausz ges. schr. 3, 198; hiernach ist es völlig undenkbar, dasz die mündliche überlieferung aus pietät vor den herrnworten sich einer buchstäblichen treue in der wiedergabe beflissen haben sollte B. Weisz leben Jesu 14 (1902) 127. V@33) treue der übersetzung: seine übersetzung des Terenz, die an klassischer eleganz und treue alle übrige zurückläszt Gerstenberg rez. i. d. Hamb. n. zeitg. in dtsch. lit. dkm. 128, 74; die treue eines übersetzers wird zur untreue, wann er seine urschrift dadurch verdunkelt Lessing 4, 37 Lachmann-Muncker; allzu pünktliche treue macht jede übersetzung steif ebda 7, 36; vgl. Gellert 8, 136; sie (die übersetzung) verbindet treue mit deutlichkeit, ohne steifes kleben an der form J. Grimm kleine schr. 4, 144; wer das verhältnis der übersetzung zum original ins auge faszt, begnügt sich meistens damit, den grad ihrer treue zu bestimmen Hebbel I 11, 197 Werner; (Voss' übersetzungen, welche) durch ihre anschmiegende treue ... auf die erweiterung der deutschen dichtersprache ... den gröszten einflusz seit Klopstock geübt haben Wackernagel-Martin lit. gesch. 2, 468; nur wenige trafen die feine mittellinie zwischen der treue gegen das original und der treue gegen das einheimische sprach- und formgesetz Scherer lit.-gesch.7 634. V@44) historische treue u. ä.: wider alle treue der geschichte (historische wahrheit) Haller tagebuch (1787) 1, 275; wenn es ... den geschichtschreibern nicht an aufrichtigkeit und treue mangelte A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 25; ähnlich Heinse sämtl. werke 3, 221 Schüddekopf; 'darin', fuhr Goethe fort, 'waren nun wieder die Griechen grosz, dasz sie weniger auf die treue eines historischen factums gingen, als darauf wie es der dichter behandelte gespr. 6, 48 W. v. Biedermann; treue ist in den sagen zu finden, fast unbezweifelbare J. Grimm kl. schr. 1, 400; mit historischer treue erzählen u. ä.: Wieland Agathon (1766 f.) 2, 57; Musäus 4, 245; Jean Paul 7/10, 323 Hempel; das alte evangelium von der nothwendigkeit der historischen treue ausposaunen Hebbel briefe 4, 63 Werner; ein bild ... welches den schönen schein der geschichtlichen treue hat G. Freytag ges. werke 14, 292; die erzählung lehrt zugleich, wie übermüthig der echte dichter umspringen darf mit jener 'historischen treue' Treitschke hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 95. allgemeiner: ich habe ... mit treue (andacht, genauigkeit, unvoreingenommenheit) die nordische natur ... studirt A. v. Chamisso sämtl. werke (1836) 1, 17; der musik blieb der kapellmeister nichts schuldig, er hielt der sturm- und dranggezeugten partitur von der ersten bis zur letzten note die treue deutsche allg. ztg. 14. 2. 1933. V@55) treue eines bildes, gemäldes u. ä.: es ist freilich schwer, sein eigenes bild mit treue zu malen H. Zchokke sämtl. ausgew. schr. (1824) 1, 6; die versuche, ... mehr zu geben, als die mit unglaublicher treue aufgefaszten lichtbilder der erfahrung, scheinen nicht ganz gelungen zu sein K. Gutzkow ges. werke (1872) 11, 379; ihre (Angelika Kaufmanns) treue (im portrait Winckelmanns) dürfen wir wohl nicht bezweifeln Justi Winckelmann 2, 2, 72; ich vermeide den ausdruck: vertreter (für abgeordnete), weil ich es für einen der populären irrthümer der zeit halte, dasz eine wahre und gerechte vertretung überhaupt möglich sei, eine vertretung, welche in einem groszen staate die zustände und bedürfnisse des gesamten volkes, wenn auch nicht mit der treue eines daguerreotyps, so doch mit der ähnlichkeit einer oberflächlichen skizze wiedergibt v. Bismarck polit. reden 1, 145 Kohl; das hauptsächlichste, was wir in der komödie machen, ist ein getreues bild des gemeinen lebens, von dessen treue wir aber nicht so leicht versichert seyn können, wenn wir es in fremde moden und gebräuche verkleidet finden Lessing 10, 192 Lachmann-Muncker; vorzüglich schalt er (Göthe) die sklavische treue im zeichnen nach der natur unterhaltungen mit dem kanzler Fr. v. Müller 18 Burkhardt; phantasielose treue Justi Winckelmann 2, 1, 363; von farbe oder kostüm: ich benutze zum malen immer die nämlichen vormittagsstunden, um die glanzpunkte, die lichter und die schatten in ihrer vollen richtigkeit zu erfassen und auch der farbe im allgemeinen ihre treue geben zu können Stifter nachsommer 2 (1857) 375; dasz daher die intendanz am meisten zu sorgen hat für ... die treue der kostüme, die von beeidigten historikern vorgezeichnet und von wissenschaftlich gebildeten schneidern genäht werden H. Heine 3, 59 Elster; trotz der ängstlichen treue in nachahmung des römischen kostüms Mörike 3, 38 Göschen; die bilder der minnesinger in der Manessischen handschrift bringen typen, ohne jeden anspruch auf treue Roethe dtsche reden (1927) 110. V@66) treue des gedächtnisses: überraschend war mir die treue seines gedächtnisses nach einem zwischenraume von zwanzig jahren Matthisson schr. 8, 38; des herzens gedächtnis bewährt sich immer durch pünktlichere treue, wie des kopfes gedächtnisz ebda 6, 18; zähe sicherheit und treue der erinnerung Roethe Göthe (1932) 2. V@77) verschiedenes: du irrst, wo du zu viel auf dessen (des glückes) treue (dauer) baust Chr. Warnecke poet. vers. (1704) 85; itzt rühm ich nicht an dir die wissenschaft im heilen, die kluge fertigkeit und treue (sicherheit) deiner hand Ramler fabellese (1783) 1, 125 (an einen arzt); er war ... im rausche des glückes befangen, das mit unermüdlicher treue seine schritte begleitete Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 124; ... präliminartractat, auf dessen treue (dauer, giltigkeit) Hamilkar Sicilien räumt B. G. Niebuhr m. gesch. 3, 721; treue = regelmäszigkeit: Genua, weist du selbst, ist die spindel, um welche sich alle seine gedanken mit einer eisernen treue drehen Schiller 3, 15 Gödeke; das echo an diesem felsen ist sehr unterhaltend und wiederholt alle töne mit seltener treue Ritter erdk. (1822) 3, 172. ganz specieller gebrauch (metaphorisch entwickelt): (haupteigenschaften des wollhaares:) die treue, die länge, die dehnbarkeit ... unter treue versteht man die gleiche stärke des wollhaares von unten bis oben Joh. Nep. v. Schwerz prakt. ackerbau 658 Funk. für anderes, was entsprechend dem gebrauch des adjectivs auch vorkommt (vgl. sp. 270 ff.), fehlen zufällig belege. VIVI. treue concretisiert 'wort', 'versprechen'; dieser gebrauch flieszt, ohne directen zusammenhang, wieder mit der alten concreten grundbedeutung 'abmachung, vertrag' (s. u. I) zusammen. VI@11) durch Gâwânes triwe nôt (um Gawans versprechen willen) leist ich daz mir der künec enbôt Parzival 718, 1; ähnlich 370, 9 und 422, 18; (die pforte war so fest zu) ob iemen wolde wenken dort inne und überdenken (vergessen, brechen) sîne triwe durch miete (sein gegebenes wort durch bestechung) dazz im frumte niht ein hâr Wolfram Willehalm 229, 9; ich hân hêrn Otten triuwe er welle mich noch rîchen Walther 26, 23 Lachmann; nu haltet die triuwe und gêt hinûz (haltet euer versprechen) rittertreue 758 Pfannmüller; vgl. 713, 715; dô er im an die triuwe sprach (beim worte nahm) ebda 721; darumb lieben vAetter thünd nit wider eüwer treüw Seb. Münster cosm. 595; unter päpstlicher treue (auf päpstliches versprechen hin) Göthe I 43, 354 W. VI@22) treue geben bis ins 17. jh. sehr lebendig, ganz vereinzelt noch später: ich gibe iu mîne triuwe und sicherlîche hant, daz ich mit iu wider heim rîte in iwer lant Nibelungen 2277, 1 Lachmann; des gib ich iu die triuwe mîn daz übele wîp 236 Schröder; ähnlich heidin 777 u. 1697 Pfannmüller; er wirt mir hie sein treue da geben, das er fürpasz wöll recht fürn sein leben fastnachtsp. 312; vgl. auch 771; nun man ich dich ... das dus icht sagst, die weil du lebst, vnd du mir des dein triu gebst liederbuch der Hätzlerin 292; und musz ein ieder burger die treuw geben, dasz er es mit den seinen in dem hausz welle essen Imlinsche familienchronik in Alsatia 10, 387; ähnlich Neidhart Terenz Eunuch (1486) 199 lit. ver.; Boltz Terenz deutsch (1539) 96b; Arigo decameron 230 und 621 lit. ver.; urkundliche belege bei Fischer 2, 373; habt ir iemands eur treu geben, um was sachen dasselbig sei, secht, das ir im das haltet frei Teuerdank 288 Gödeke; er (der türhüter) sprach: 'ich losz dich nit herein, du gebst mir dan die treuwe dein, was dir der hertzog hie wirt geben, du wollests mit mir teillen eben' pfarrer vom Kalenberg 5 ndr.; vgl. noch: H. R. Manuel weinspiel 3 ndr.; buch der liebe (1587) 101a; Fischart nachtrab 7 Kurz; Weckherlin ged. 1, 75 lit. ver.; nun, wilt du denn mein knechte sein, so gib mir drauff die trewe dein! Hans Sachs 21, 26 Götze; ähnlich Burkard Waldis Esopus 1, 151 Kurz; ich were ja ein ehrgessener verrähter, wann ich die einmal gegebene treue wiederruffen wolte G. Ph. Harsdörffer frauenzimmergesprächspiele (1641 ff.) 5, 373; sie ... behielten ihn aber wider gegebene treue in arrest S. Fr. Hahn vollst. einl. zu der teutschen staats-, reichs- u. kayserhistorie (1721) 1, 126; ich hasse die zweizüngelnden, die um gold wie glas zerbrechen ihre gegebne treu Herder 27, 59 Suphan. in allgemeinerem sinne: (sie) hatt uns ir treüw gegeben (dedit se) Neidhart Terenz Eunuch 195 lit. ver. (1486). speciell vom eheversprechen: do gabstu mir dein valsche trew Sterzinger spiele 5 Zingerle; heyraten ist wohlgethan, wenn mans recht fahet an. ein jeder sich bedencke, ehe er gibt trew und schencke Petri d. Teutschen weisheit (1604/05) 2, H h 7r; vnd als sie schwanger was worden, gibt er sein trew dise künfftig zuo werden sein eeweib Boltz Terenz deutsch (1539) 2b; ... ach meineid ohne masz! er lest hier seine braut den vögeln für ein aasz. disz ist die grosze trew, die du mir hast gegeben, als ich mit meiner hand zuevor beschützt dein leben und von dem tod erlöst M. Opitz teutsche poemata 210 ndr.; warb er nicht ehmals auch um dich? sagtest du ihm nicht auch bereits hand und treue zu? A. G. Meiszner skizzen (1778) 2, 41. VI@33) im 15. und 16. jh. hat sich die formel mit oder bei handgegebener treue (bzw. plural) eingebürgert (im sinne von fides pacta); so ersetzt auch der Frankfurter druck des renner 19b hantveste 3284 durch trewe (vgl. Warlies Frankf. druck des renner 64). noch nicht feste formel: fidem dextra sancire sein treüw geben mit eyngeschlagner hand, etwas bestäten mit einem handklapff Joh. Frisius dict. (1556) 1177; die frumen wil ich nit schenden, sag ich pei treu und henden bei Liliencron volksl. 2, 505 (v. j. 1504); ... vnd sind newe einigungsartickel dazumal auch zwischen gedachten nationen auffgericht ... auch mit gegebener trew vnd handgelbnis vnter jhnen bestetiget worden Binhardus Thüring. chron. (1613) 7; übergang zur formel: geloben by hannde gebenden truwen (1492) bei Fischer 2, 373; das verhiesz im der alt herr bei handt gegebner trew, er welts thuen zimmer. chron. 3, 486 lit. ver.; ähnlich 4, 102. häufiger mit handgegebener treue: die zwen gelobten ir mit hantgebender treü, das sy das gewiszlich ... tuon wOelten Tristrant 178 Pfaff; stipulieren, mit hand gegebener trew etwas versprechen, verheissen, gestehen, und geloben L. v. Hörnigk stellae notar. nov. (1665) 1, 342; mit handgebener trew geloben L. Fronsperger kriegsbuch (1578) bei Fischer 2, 373; vgl. Nürnberger polizeiordn. 325 Baader; mit handgebenden trewen bei Westenrieder hist. beytr. 6, 143 (v. j. 1411); er solt ... ohn mein verderbnüsz nur gestat haben, des er sich mit hendgegebner trew und zusag erbotten, das ich jm geschrieben Luther 15, 329 W.; dieweil sie vormals mit handgebender trew einander samptlich hatten angelobt ... auff jren köpffen nit also halszstarriglich zuverharren grillenvertreiber (1605) 3, 100; beklagter ... doch an eydstatt, mit handgegebner trew, angeloben soll, ohn gnädigste erlaubnusz ausz vnserer burgzwang nicht zu weichen Moscherosch ges. (1650) 2, 133. VI@44) ähnliche verbale verbindungen: irn gelobet iur triuwe (versprecht) mir an mîne hant rittertreue 503 Pfannmüller; sie sagt ihm ... weder freüntliche liebe noch versprochene treüe (versprechen) mich hergefüret hat sunder allein durch meins mans gepot her komen bin Arigo decamerone 612 Keller; ähnlich 276; er ... liesz sie zu fusz hinweg gehen, nach gelobter trew, dasz sie die tage jres gantzen lebens sich die vberwundnen nennen wolten, anderst brachte er sie vmb Amadis 1, 72 Keller; vber verheiszne treüw die man jm zugesagt hat, ist er getödt worden contra fidem interpositam Maaler (1561) 407. VI@55) treue brechen = wort brechen (nicht immer von treue als eigenschaft zu unterscheiden): sô brich ich mîner triwe niht (ich halte wort): ich hets iu ê sô vil gesagt Parzival 535, 14; dar an er sîne triuwe brach Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelet 5355 Hahn; so wölt ir das wir unsere trewe prechen und das wir versprochen haben Arigo decamerone 227 Keller; szo ist niemandt szo unwyssendt, das geleyd und trew brechen sey wider gottis gepot Luther 6, 455 W.; zu erretten ihr trawrig leben, sagt sie als, was sich het begeben zwischen ir und Petren, an schew und brach an im versprochne trew (schweigeversprechen) H. Sachs 29, 240 Keller-Götze; VI@66) treue in verbindung mit eid (vgl. fides et religio): es haben sunderleich gelobt be iren treuen, das die trew ein aid sei — das sie wider unsern herrn und die stat kein untat mer tun wolden buch der gebrechen 244 bei Jelinek 723; trew aber wird genent der eidt, welcher dem herren durch den lehenman geschiht die lehnrecht verdeutscht (1533) 13a; die muosten im beide mit triuwen und mit eide vil wol bestæten daz Hartmann von Aue Gregorius 1060; nu buten sî im beide mit triuwen und mit eide der rede solhe sicherheit ebda 3591; s. auch minnes. frühl. 218, 12; (Herodias bittet Herodes um das haupt des Johannes) dich aides und trúwen ich manen und manen muos nuo tuo es, vil lieber herr, tuos! der sœlden hort 3002 Adrian; da jagten nach di geste, und das sy paide trew und ait gaben, dar zu sicherhait Heinrich von Neustadt Apollonius v. Tyrland 12459 Singer; treüw vnd eyd vmb gAelt verkauffen vnd übergAeben Joh. Frisius dict. (1556) 265a; ähnliches s. Boltz Terenz deutsch (1539) 92b; Judas Nazarei v. alt. u. neuen gott 23 ndr.; Rachel satyr. ged. 100 ndr.; zwang vnd noth bricht trew vnd eyd Lehman flor. polit. (1662) 1, 170; 2, 952. in verbaler verbindung: got hat gebottenn, man sol eyd und trew halten auch denn feynden Luther 6, 453, 18 W.; keiser Julius sagt, wo trew und eid ie nit zuo halten sind, so mag man sie wol, und vornemlich verletzen J. Sleidanus reden 219 lit. ver.; sin wib ... prach ir triw und iren aid an in Augsb. chron. 1, 83 bei Fischer 2, 373; denn wir glauben je nicht, dass die fromme keyserin jhre trew vnd eyd an euch (dem gatten) gebrochen hab buch der liebe (1587) 2d. treu an eides statt oder in eides weise geben u. ä.: si (die bauern) gaben ir trew an eides stat, sie wolten geben das raisgelt (kriegssteuer) drat bei Liliencron volksl. 2, 204a (v. j. 1486); hat sin triw geben an ainez aidez stat Ulm. urkdb. (1313) 328 bei Fischer 2, 373. eid und treu schwören u. ä.: er gelobet jm mit ayd vnd trew Seb. Franck chron. Germ. (1538) 161; eyd und trew schweren Duez nomencl. (1652) 228; und gelobtin alle mit trüwin und mit geswornin eidin rechte gisilschafft Äg. Tschudi chron. Helv. (1734) 1, 173. ähnliche verbindungen: ein zusag und treüw empfahen Joh. Frisius (1556) 16b; bei meinen trauen und waren worten Trautenauer chron. bei Jelinek 723; treu und gelübbde (urkundl. v. j. 1394) bei Fischer 2, 373; treu und glipt weisthümer 6, 257 (schwäb. 15. jh.); andere beispiele s. teil 4, 1, sp. 3104; treu und schwur chron. d. dtschen städte 1, 78. in präpos. verbindung: das red ich pey trw vnd pey ayt Augsb. liederbuch, Alemannia 18, 112; geloben daz alles by vesten guten treuen in aideswise stete zu halten urkundl. 1394, bey iren woren und guten trewen an ayd statt zuegesagt Aulendorfer archiv (1530) und vieles ähnliche bei Fischer 2, 373; vgl. noch Arigo decamerone 353 Keller; E. Tucher baumeisterb. d. stadt Nürnb. 32 lit. ver.; bey meynen priesterlichen trawen an eydes stadt Emser an Luther 2, 5 ndr.; solches muszten sie ihm geloben bei eiden und treuen dtsche sagen 2, 174. treue als pfand u. ä.: mîn triwe dolt die pfandes nôt (mein treuwort hab ich zum ist sie unerlœset, ich pin tôt pfande gegeben); Parzival 370, 11; dâ mîn triwe sô hôhe pfandes stêt (mein wort zum pfande gesetzt ist) Parzival 366, 28; ähnlich 209, 29; 212, 13; 411, 10; 614, 22; ûf sîner hôhen triuwe pfant (ehrenwort) Konrad von Würzburg Engelhart 4199; ähnlich 4186; 4651; der liez in rîten seht, habt euch desz zu pfand mein trew! Hans Sachs 2, 42 Keller; die verbindung treue und wort hält sich bis ins 18. jh.: als der könig, don Fernando, von Rodrigo und Ximenen beider wort und treu empfangen, zu vergessen allen hasz Herder Cid 15; dein kind gab längst mir treu und wort, und ich ihm wort und treue (verlöbnis) Bürger 54b Bohtz. VI@77) in der formelhaften präpositionalen verbindung auf die treue oder auf meine treue nimmt treue die bedeutung 'wort, eid' an. formal charakteristisch ist, dasz in der form auf meine treu die einsilbige form obligat ist; daneben ist die merkwürdige umstellung von pronomen und substantiv, die zunächst auf reimgründen beruhte, in der formel auf die treue mein fest geworden. noch nicht in allen beispielen hat der weg bis zur reinen formel geführt. VI@7@aa) in verbindung mit einem verbum dicendi: nu sage mer vrowe lossam, mere uffe die truwe din könig Rother 116 Rückert; daz sag i'n ûf die triwe mîn (auf mein wort) Parzival 40, 1; entsprechend 21, 9; Peter v. Staufenberg 332; si jâhen ûf ir triuwe (unter eid) Ulrich von Eschenbach Alexander 16707; ich sprich auff die trewe mein altdtsche passionsspiele 60 Wackernell; Liliencron volksl. 2, 408; ich reden es uf die trüwe mein N. Manuel v. papst und priesterschaft 1090 Bächtold; P. Gengenbach 48 Gödeke; das rat ich dir auf die treue mein fastnachtsspiele 588, 33; 601, 16; 602, 13 Keller; in verbindung mit bitten, befehlen, versprechen, schwören: uf alle truwe bete ich dich, des salt du me gewere mich Katharinenspiel vers 347 Beckers; seltener auf meine treu hin Frisius-Cholinus (1541) 369; es hat mir seiner warterinnen eine ... auff mein tru geschworen Fischart Gargantua 170 ndr.; ähnlich Arigo decamerone 119 Keller. VI@7@bb) besonders häufig in verbindung mit nehmen: daz nim ich ûf die triuwe mîn (nehm ich auf mein wort) Konrad von Würzburg Heinrich von Kempten 660 Schröder; ähnlich Peter v. Staufenberg 695; Ulrich von Eschenbach Alexander 6562; Albrecht v. Kemenaten Goldemar str. 6, vers 7 Haupt (zeitschr. f. dtsch. alt. 6, 522); Mone schauspiele d. mittelalters 1, 107; ich neem dat vp dye truwe myn Wierstrait belagerung v. Nuys 1758 Meisen; haben 'behalten': das habt ûf die (bî den) triuwe(n) mîn meier Helmbrecht 174; das himelreich sie domit erbt. das sol sie haben auff mein trew und das es sie do nymer rew pfarrer v. Kalenberg 58 ndr.; andere verba: und in ûf sîne triuwe liez kêren Konrad von Würzburg Engelhard 4206; die man ûf ir triuwe liez (auf ihr wort, eid, freiliesz) Ulrich von Eschenbach Alexander 16707; set man ine (einen gefangenen) ledich uppe sine truwe riden to dage, he sal durch recht wedder komen unde sine truwe ledegen (treuversprechen, eid) Sachsenspiegel 3, 41, 1; 'daz tuon ich', sprach Sîfrit, 'ûf die triwe mîn daz ich ir niht en minne' Nibelungen 605, 1 Lachmann; disen entpfieng ich auff mein trewe (Joseph von Benjamin) erste dtsche bibel 3, 200 lit. ver. formal besonders: daz hab ûf den triuwen mîn Seifried Helbling 9, 125; Schmeller-Fr. 1, 638; er spricht uf sinen trüwen: das loch, das si gemachet hant, si müessent machen nüwen schweiz. volkslieder 2, 31 Tobler; doch dunckt mich auff die trewen min H. Sachs 6, 118 Keller; ebenso 14, 203; specielle bedeutung 'credit': (beim kauf eines gutes ist zu erforschen) ob die zehende weit oder nahe ... zu holen? um körner oder geld auf treu oder ein gewisses verlassen werden, und wie hoch eines und das andere bey einem gleichen sich erstrecke W. H. v. Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 10. VI@7@cc) in absoluter construction als freie interjection 'wahrlich' u. a.: es müet mich ûf die triuwe mîn (es ist mir bei gott über) schlegel 222 Pfannmüller; ähnlich 725; Peter v. Staufenberg 882; frauenlist 596; uff die trüwe, die ich dir schuldig bin, ich bin nüwlich in dem lande gewesen, darinn die füchs so grosz sind, als hie die ochsen Steinhöwel Äsop 240 lit. ver.; ich gib in (den wein) euch gern, auff mein trew it.-deutsch. sprachbuch (1424) bei Brenner - Hartmann Bayerns mundarten 2, 439; up mŷn trûwen, up myne trouw Wierstrait belag. v. Nuys 1945; 2453 Meisen. VI@88) eine specielle verselbständigung liegt in der bedeutung 'eheversprechen, verlobung, trauung', vgl. 5trau teil 11, 1, 1, sp. 1284. VI@8@aa) item geschagh oire truwe in bysin ... oirer broder, also seggende: wilt ghy my hebben? ... wanner sie dan willichlich iæ sachten, was die trowe vollenbracht Münst. chr. 2, 375 bei Schiller-Lübben 4, 621; hierher wohl auch: ich weisz von keiner treue, ich weisz von keinem gold. der böse soll mich mädchen holen, wenn ich von treue weisz F. L. Mittler deutsche volkslieder 384; truwwe eheversprechung Strodtmann Osnabrück 252; et was unnder de truwe die copulationshandlung des predigers bei eheleuten Dähnert plattdütsch (1781) 496. VI@8@bb) 'trauung' oder 'ehe', nebenform von 5trau (s. teil 11, 1, 1, sp. 1284): heimliche treu wieder eltern willen (überschrift). dieweil auch etliche ohne fürwissen und bewilligung der eltern sich heimlich vertrauen Jülich u. Bergische policeiordnung 12; auch diese bedeutung klingt schon ganz gelegentlich im mhd. vor: nu nemet ze wîbe die maget iuwerm lîbe ze triuwen und ze rehter ê Wigalois 962 Benecke; ze sînen triuwen nam er si dô ebda 1007.
207289 Zeichen · 3549 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Treue

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Die Treue , plur. car. das Abstractum des vorigen Wortes. 1. Die Eigenschaft einer Sache, nach welcher sie der Wahrheit …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Treue

    Goethe-Wörterbuch

    Treue [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Treue

    Bayerisches Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    Treue Band 4, Spalte 4,459f.

  4. Sprichwörter
    Treue

    Wander (Sprichwörter)

    Treue 1. Besser Treu' als Reu'. 2. Bey manchem ist so viel Treu, wie Speck in den Judenkuchlen. – Chaos, 653. 3. Christl…

  5. Spezial
    Treue

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Treue f. (-) 1 (Treusein) fedelté f. 2 (Ergebenheit) fedelté f. 3 (Redlichkeit) onesté f. , lealté f. ✒ wo Liebe, da ist…

Verweisungsnetz

74 Knoten, 81 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 8 Hub 1 Kompositum 55 Sackgasse 10

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit treue

62 Bildungen · 45 Erstglied · 14 Zweitglied · 3 Ableitungen

treue‑ als Erstglied (30 von 45)

treuebekenntnis

DWB

treue·bekenntnis

treuebekenntnis , n. : die generale legten ihr treuebekenntnis ab tägl. rundsch. 1907, nr. 576, 1 b ; entschlieszung im sinne eines erneuten…

treuehalten

DWB

treue·halten

treuehalten , subst. inf. : wenn ... nicht noch eine direkte aufforderung zum treuehalten ... beigegeben sein sollte Fontane ges. werke I 1,…

Treue, Hausorden der

Meyers

Treue, Hausorden der , badischer Hausorden , 17. Juni 1715 von Markgraf Karl Wilhelm zu Baden-Durlach als Ordre de la fidélité mit einem Gra…

treueid

DWB

treu·eid

treueid , m. : die Tunetaner ... waren urbietig, dem Solyman, den treu- und huldigungseid zu leisten M. Krämer leben und tapffere thaten (16…

treueidler

DWB

treueid·ler

treueidler , m. : die treueidler ( gefangene Buren, die den Engländern den treueid geleistet hatten ) erhielten kleine vorteile ebda 1, 537.

Treueiferig

Campe

treu·eiferig

† Treueiferig , — er, — ste , adj . u. adv . auf eine treue Art, mit Treue eiferig, oder treuen Eifer beweisend. »— den gegenwärtigen (Brief…

treueifrig

DWB

treu·eifrig

treueifrig , adj. , adv., im 17. jh. auszerordentlich häufiges wort, später überraschend schnell ungebräuchlich geworden, vorwiegend dem kan…

treueigen

DWB

treue·igen

treueigen , adj. , erst seit dem 19. jh. gebräuchliche zusammensetzung. besonders in der liebesdichtung: dem ( buhlen ) wollte sie ewig treu…

treueilig

DWB

treue·ilig

treueilig , als briefunterschrift: treueiligst Göthe an Zelter 5, 146 . —

treueinfältig

DWB

treu·einfaeltig

treueinfältig , adj. : selbst die wirkung auf treueinfältige anhänger bleibt nicht rein W. Scherer kl. schr. 2, 157 . —

treueinig

DWB

treu·einig

treueinig , adj. : frischauf, mein volk, du groszes vaterland, treueinig, wie ichs nimmer durfte schauen Geibel 2, 89 . —

treueinigkeit

DWB

treue·inigkeit

treueinigkeit , f. : Karajan hat mir kürzlich einen alten ... abrisz von st. Stephan mit sehr schönen auf treueinigkeit zielenden versen von…

Treueleist

DRW

treue·leist

Treueleist, n.? Ableistung des Treueids von triwelaist des herren vnd des mannes 15. Jh. Schwsp. Var./WSB. 79 (1875) 99

treuempfunden

GWB

treuempfunden [bisher nicht publizierter Wortartikel]

treuemsig

DWB

treu·emsig

treuemsig , adj. : da endlich, nach fleisziger und trewembsiger bemühung, es so weit gelanget B. Ph. v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 681 …

Treuenbrietzen

Meyers

Treuenbrietzen , Stadt im preuß. Regbez. Potsdam, Kreis Zauch-Belzig, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Jüterbog-Beelitz und der Brandenburgis…

Treuendorf

RhWB

treuen·dorf

Treuen-dorf -dorp Remschd m.: treuer, ehrlicher, zuverlässiger, gutmütiger, einfältiger Mensch. S. oben Treudörfer.

Treuenfried

DRW

treuen·fried

Treuenfried, m. Friedensvereinbarung bdv.: 1Treue (I) nota, ob ez sich fugt, daz erber läut einen treunfrid mochen gegen läut, die sich mit …

Treuenhandschaft

DRW

treuenhand·schaft

Treuenhandschaft, f. Nachlassverwaltung, Testamentsvollstreckung vgl. Treuhänder (I) von der uzrihtunge wegen der selepflegerie und der truw…

treuentzweiung

DWB

treu·entzweiung

treuentzweiung , f. : massen die frantzösische statisterey bishero zu ihrer vielfältigen contravenienz der getroffenen verträge und treuentz…

Treuepflicht

DERW

treue·pflicht

Treuepflicht, F., ›in Rechtsverhältnissen bestehende Verpflichtung zu einem beson- deren die Interessen der anderen Seite berücksichtigenden…

treue als Zweitglied (14 von 14)

Frauentreue

Wander

frau·n·treue

Frauentreue Frauentreu ist heute frisch und morgen Heu. Mhd. : Frawen treu der ist nicht vil. ( Ring. ) ( Zingerle, 194. )

Gesellentreue

Wander

gesellen·treue

Gesellentreue Gesellentreue selten besteht, Ehweibstreu über alles geht. – Kirchhofer, 200; Simrock, 1791 u. 3510; Reinsberg I, 162; Körte, …

getreue

DWB

get·reue

getreue , f. fides. veraltete verstärkte bildung zum fem. treue ( s. d. ) ; althochdeutsch vereinzelt getriwa Graff 5, 468 . die mittelhochd…

handtreue

DWB

hand·treue

handtreue , f. 1 1) versprechen, bündnis durch handschlag ( vergl. handgebende treue sp. 388): streckte er mir die hand dar, und begerete, i…

Hoftreue

Wander

hoft·reue

Hoftreue Hofftrew ist ein seltzam Wildpret zu Hoff. – Fischer, Psalter, 320, 2.

hundetreue

DWB

hunde·treue

hundetreue , f. treue von hunden: der beste freund in unsrer welt, Mops, war mit Hector auferzogen, und blieb ihm immer unverstellt, mit wah…

Lehenstreue

Adelung

lehen·s·treue

Die Lehenstreue , oder Lehnstreue, plur. car. die Treue, welche der Lehenmann dem Lehenherren schuldig ist; ein Stück der Lehenspflicht.

Mißtreue

Adelung

miss·treue

* Die Mißtreue , plur. car. die Untreue, der Mangel der Treue; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch bey dem Opitz vorkommt…

Mißtreue

DRW

Mißtreue, f. I Mangel an Vertrauen, Argwohn vgl. Mißtrauen um 1180 Aneg.(Neuschäfer) V. 1638 es soll keiner aus mißtrü, so alp lär hat, so e…

soldatentreue

DWB

soldaten·treue

soldatentreue , f. : dem kriegsherrn die soldatentreue bis in den tod bewähren. in der liebe: heut schwören wir der Hanne und morgen der Sus…

ungetreue

DWB

ung·e·treue

ungetreue , f. , gth. des subst. getreue, f. mhd. ungetriuwe; mnl. ongetrouwe: Teuerdank 24, 73; Tieck 16, 397 . unüblich s. untreue . —

untreue

DWB

unt·reue

untreue , f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriu…

weibertreue

DWB

weib·er·treue

weibertreue , f. seit Maaler 490 c weyber treüw muliebris fides und fast bei ihm allein ernsthaft bejaht, sonst gilt vom deutschen schriftth…

Ableitungen von treue (3 von 3)

getreue

DWB

getreue , f. fides. veraltete verstärkte bildung zum fem. treue ( s. d. ) ; althochdeutsch vereinzelt getriwa Graff 5, 468 . die mittelhochd…

Mißtreue

Adelung

* Die Mißtreue , plur. car. die Untreue, der Mangel der Treue; ein im Hochdeutschen ungewöhnliches Wort, welches noch bey dem Opitz vorkommt…

untreue

DWB

untreue , f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriu…