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untreue

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

untreue f.

Bd. 24, Sp. 1956
untreue, f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriuwa; mhd. untriuwe; mnd. untruwe; mnl. ontrouwe, nl. ontrouw. vgl. untreuheit, -treuigkeit, treulosigkeit. zu den formen s. zunächst treue. untrau: unsers eigen willens u. Paulus Amnicola zu errettung der schwachen ordenspersonen E 4b; wo hin ich schaw, da ist untraw B. Waldis psalter 255a; durch u Fischart 3, 317, 375 Kurz. die zweisilbige form untreu ist sehr häufig (Franke grundzüge der schriftspr. Luthers 2, 232; 234; Klinger neues theater 1, 195; Herder 16, 223 S.; G. Keller 6, 378). vereinzelt bleibt ein st. plur.: Stolle thür. chron. 7; so nicht schaden bringen untrüwe Terenz (1499) 13a; sonst untreuen, fälle oder beweise von untreue: dann von den listen und untrewen, so die bäpst den frommen teutschen kaysern bewisen, grundtlich zu sagen Hutten 5, 382 B.; solche untrwen fiengend an, dem gemeinen mann zu L. ze hertze gan Tschudi chron. 1, 322; kleine untreuen Knigge umgang m. menschen 2, 102; so viele vorsätze und untreuen Göthe IV 27, 70 W.; Tieck (1828) 12, 89. die casus obliqui des plur. sind veraltet: todes und untriwen fry Mone schausp. d. m. (1846) 1, 172; einen mit untruwen meinen Windecke denkwürdigkeiten 197; so gaben sie es mit allen untrewen Luther vorrede auf den propheten Maleachi 7, 411 Bindseil; aus untrewen H. Sachs 18, 151, 34 G.; voll untrewen griech. dramen 2, 50 Dähnhardt; alterthümelnd: aus untreuen br. Grimm d. sagen (1891) 2, 41. zum n. das untreu s. unten 1 i β. 11) verletzung eines pflichtverhältnisses und die zu grunde liegende gesinnung. während wir heute eigentlich von u. nur reden, wo uns das pflichtverhältnis noch deutlich ist, kennt die ä. spr. solche verbundenheiten in viel gröszerer ausdehnung und denkt concreter. vgl. das adj. untreu 1. 1@aa) verletzung des pflichtverhältnisses zwischen gefolgsherrn und gefolgsmann, lehnsherrn und lehnsmann, obrigkeit und unterthan: zeige mir den weg zur jungfrau, oder ich will dir deine u. auf deinem kopf vergelten volksb. v. geh. Siegfried 75 ndr.; wo die treue urquelle und inbegriff der edelsten tugenden ist, da musz die u. wurzel und krone alles bösen sein Uhland schr. z. gesch. d. dichtung u. sage 1, 303; der anfang seiner (Ermenrichs) frevel ist die u. gegen seinen marschalk und rathgeber Sibich ebda; darin zeigt er (Hagen) die volle meisterschaft der u. 309; Sibicho ... ist ... geradezu sprichwörtlich für u. geworden Scherer litgesch. 26; die stat gewan er von untrewe wegen der juden städtechron. 3, 86; der herzog aber lies im das ganz lant huldigen ..., und musten im umb die untreu, so si an im getan und herzogen Heinrich belagert hetten, 60 000 gulden geben Wilwolt v. Schaumburg 190; des böfels untrew macht die herrn weisz S. Franck sprichw. (1545) 1, 22a; gewöhnlich behielt der getreue sein beneficium lebenslänglich, wenn er sich desselben nicht durch u. unwürdig machte Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch. 13, 293; u. beweisen u. dgl.: do hetten sy gerne volk uff dy borg geleyd, das enwolde her on nicht gunnen, und das was ouch der untruwe eyne, dy her der stad Erfforte bewiste Stolle thür. chron. 7; Carbach Livius 115a; ... ergab er sich des keysers hauptleuten, bisz er für keys. m. zuo verantwortung auffgelegter untreuw kommen möcht S. Münster cosmographei 207; Fronsperger kriegsb. 1, 176a; u. fürnehmen, vergelten Tschudi chron. 1, 9; Schill t. sprach ehrenkranz (1644) 57; wegen der an seinem herrn begangenen u. M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 350. 1@bb) zwischen herrn und diener, in dienstverhältnissen aller art: ein amptman mit untreuw A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) A 2a; ... ain jungen knaben, der sich wol hielt gegen dem herrn und het im noch nie kain untrew bewisen reform. flugschr. 2, 89 Clemen; so noch bisz hieher von den artzten, alten und newen, verschwigen ist worden, nicht ausz untrew oder vergunst, sondern ausz unwissenheit und unverstandt Paracelsus (1616) 1, 53 A H.; Österreicher Columella 1, 45 L.; des dieners untreuwe Heyden Plinius (1565) 94; Thurneyszer magna alchymia (1583) 71; die kinder lernen nichts bey ihnen (dem gesinde) als ... untrew Moscherosch insomnis cura parentum 17 ndr.; der ammen und vormünder schutz ist untrew, vorthel und eigennutz Lehmann florileg. (1662) 1, 190; nur ein schatten einer untrew machen 1, 141; u. eines regimentsquartiermeisters v. Fleming soldat (1726) 175; sollte eine u. einmal auf jemanden erwiesen werden, so will ich gewisz ein exempel statuiren Göthe IV 14, 65 W.; 14, 30 W.; u. im amt Graf-Dietherr rechtssprichw. (1869) 376; u. der beamten Bismarck gedanken u. er. 1, 256 volksausg. 1@cc) im handel und wandel. α) mit der neigung zur verallgemeinerung; malignitas, fraudatio Frisius 797b; 584a; österr. weisth. 6, 658; abandonnement Stieler zeitungslust (1697) 382; infidelität Spanutius (1720) 292; malice Sperander (1727) 361a: bengig dem gesaczt der natur, keusch und unwissend der untrüw (aller schlechtigkeit) Steinhöwel ber. frauen 37 Dr.; er wirt uns leeren ... die untreuw der welt Tauler serm. (1508) 48a; Hätzlerin 68; die welt ist voller untrew heiligenleben summerteil (1472) 5b; Sirach 11, 31; S. Brant narrenschiff 102, 4; 90 Z.; H. Sachs 17, 113, 13 G.; das ist die welt. u. überall Fontane I 1, 229; ideo venit solche untrew, liegen, triegen Luther 34, 2, 105 W.; wer zu im reiszet unrecht gut mit gwalt oder untrew, wie ers thut H. Sachs 2, 132, 4 K.; flüszlisz heisz ich ein nüwes spyl, darin brucht man der untrew vyl P. Gengenbach 3 G.; in der alchemie Petri H 5a; teufel ..., welche ... untreu und vielfältige confusiones ... anrichten Prätorius glückstopf (1669) 216; Nemesis ... strafte alle u. Winckelmann 9, 521; Herder 19, 189 S.; Göthe 43, 147 W.; römische u. G. Freytag 8, 12; u. sezt wissen voraus, unwissenheit kann treu und ehrlich im irrthum sein J. H. Voss antisymb. 2, 302. β) besondere fälle: da fieng sie an und schuldiget in groszer untrew (handelns gegen die pflicht der sitte) und unzucht, dasz er nicht mit ir redte b. d. liebe (1587) 263d; sie weysz vielleicht nicht umb die untrew (wortbruch, er hat Melusine durchs schlüsselloch im bade gesehen), die du ihr beweist hast 273d; mnl. wb. 5, 1202; aber solche untrew (ein bauer schlägt dem ermüdeten F. ab, mit auf seinem wagen aufsitzen zu dürfen), deren viel bey den bauren ist, bezahlte d. Faustus wider mit gleicher müntze (er läszt die räder vom wagen springen u. s. w.) volksb. v. dr. Faust 95 Br.; o wie ist der himmel so hoch und die untreu so grosz! boshafte leute hatten die äste angesägt, auf denen die zwerge saszen; sie stürzten herab und riefen jene worte br. Grimm d. sagen (1891) 1, 113. veraltet. γ) rechtssprachlich: u. in wort u. that Graf-Dietherr rechtssprichw. (1869) 373; u. ist auch dieberei ebda; es gibt ... beschädigungen fremden gutes, die weder bestimmt als diebstahl noch als irgend eine andre art der genannten verbrechen bezeichnet, wohl aber unter dem allgemeineren begriffe der u. zusammengefaszt werden können ebda 375; strafrechtlich die absichtliche verletzung einer rechtsverbindlichkeit, die sich zugleich als verletzung besondern vertrauens darstellt; verschieden ist veruntreuung als unterschlagung anvertrauter sachen; Ammon die untreue (Tübingen 1894); treuhänder, die absichtlich zum nachteile der pfandbriefgläubiger handeln, werden wegen u. ... bestraft hypothekenbankges. v. 13. juli 1899, 36. 1@dd) im verhältnis von eltern und kindern: Walther v. d. Vogelweide 21, 34 L.; ein stieffmutter ist ein böse ruth und thut den kindern selten gut. doch wiltu sein ihr liebes kind, mit gedult ihr untrew uberwind Petri Y 5a. 1@ee) im verhältnis von mann und frau: Wolfram Parz. 635, 28; o Agripina, wie mochtestu es am hertzen gehaben, mir solliche grosze untrew zu erzaigen, so ich dir so trew was! Fortunatus (1509) 131; der eheleut untrew verwirkt das heuratgut und zugabe statutenbuch 141b; eheliche u. Abr. a s. Clara merks Wien (1680) 64; Nicolai reise 1, 34; eine u. begehen Lessing 2, 41 M.; eine kurze u. 2, 284 M.; verfluchte u. 2, 7 M.; tugendhafte u. Wieland Agathon (1766) 2, 319; u. eines mannes Göthe 22, 86 W.; Novalis 3, 27 M.; einseitige oder gegenseitige u. G. Keller 2, 152. bildlich: seiner untreu frucht Ayrenhoff 2, 12; die u. eine ungekostete frucht Polenz Grabenhäger 1, 135. zusammensetzung: untreukitzel Gotter 3, 303. 1@ff) im verhältnis von freunden, verwandten, nachbarn u. dgl.: Wolfram Parz. 48, 12; fastnachtsp. 1, 82, 16 Keller; 1. Mos. 21, 23; unter nachbarn, das einer dem andern alle untrew und böse tück beweiset Luther 34, 2, 61 W.; 29, 568 W.; des schwähers untreu macht den aiden reich Fischart bibl. hist. 29 Kurz; was er für untreu an seinem verwandten ... begangen Prätorius philosophia colus (1662) 113; wo u. ... stattfindet, da ist freundschaft ... unmöglich Herder 15, 311 S. 1@gg) in politischen verhältnissen: nach dem denn itzt die türckisch welt mit untrew hinderm berge helt Ringwaldt lauter warheit 13; der Griechen untrew machte dem keyser alle seine gute anschläge zu nicht Rätel Curäi chron. (1607) 52; Pitts an seiner ehemaligen partei begangene u. J. G. Forster 6, 137; schädigung, welche Ruszland auf dem Berliner congresse durch deutsche u. erlitten hätte Bismarck gedanken u. er. 2, 129; 2, 243 volksausg.; u. der bundesgenossen. 1@hh) bezogen auf das verhältnis zu gott, in der spr. der kirche und geistlichen literatur: im Heliand 1036 verleitet der teufel Adam und Eva thurh untrewa; Wolfram Parz. 465, 10; da du mit manigen hast verkert, den du valsch und untrew hast gelert passionsspiele a. Tirol 71 Wackernell; Zwingli d. schr. 1, 220; von kürzung der gebühren für pfarrer u. kirchendiener: welche untrew, raub und betrug ... gott (wird) ... zu straffen wissen Sandrub kurzweil 15 ndr.; was ist doch sünde als untreu? Lavater verm. schr. 2, 211; u. an gott K. L. v. Haller restauration d. staatswiss. 1, lv; der natürliche gang wäre daher, diese ursprüngliche religion der wilden allmählig zu läutern, ohne sie durch gewalt ... zur u. und undankbarkeit gegen den glauben ihrer väter zu bringen W. v. Humboldt ges. schr. 4, 239. 1@ii) u. in sprichwörtern und redensarten (vgl. was schon oben derart berücksichtigt werden konnte). α) Freidank 43, 24 ff.; Zingerle sprichw. 157 f.; Wander 4, 1484 ff.: kein schalckheit ist so grosz, es ist eigennutz dabey und schlegt untrew zu mit beyden schaden Petri L l 4b. β) die veraltete ra. der u. spielen (th. 10, 2383, spielen II 7 c 8; 10, 2357, spiel II 1 l) geht auf verschiedene spiele zurück; ein gesellschaftsspiel war der untrew under dem mäntelin spilen klugreden (1548) 144a; Fischart Garg. 261 ndr. oder des ungetreuen nachbarn spielen, das Frisch 2, 387a so beschreibt: es setzten sich zwey mitspielende unter einem mantel oder tuch, davon der eine dieses spiel nie gesehen; der nun mit ihm unter der decke sitzt, schlägt sich mit einem hölzernen teller oder etwas anders selbst auf den kopf und stellt sich, als wenn ers errathen und so lang leiden müszte, bis er errathen, wer es gethan. endlich schlägt eben dieser den andern unter der decke bey ihm auch, bis er endlich nach vielen rathen auf andre merkt, dasz es sein ungetreuer nachbar gethan. ob des untreuen baurens spielen Fischart Garg. 260 ndr. dasselbe spiel ist, bleibt fraglich; deutlich ist es: wir wend der untrúw spilen mit dir, Jhesus, das soltu globen mir Mone schausp. d. mittelalters (1846), 275; mit acc. statt des gen.: spielen die gottvergessnen leut das u. (zum n. siehe unten) unterm mäntelein mit uns quelle bei Fischer schwäb. wb. 6, 262. als kartenspiel th. 10, 2357; 2299; dazu untreuen, v. die bei Fischer 6, 262 eingetretene übertragung ist sehr üblich gewesen: die kuplerin ... leeret sy (mägde) der unthrüw spilen Luzerner fastnachtsp. zs. f. d. phil. 17, 353; die christen achten keins gewalts noch unrechts, leiden, dasz man der ontreu mit in spilt S. Franck moriae enc. 140, 25 G.; Emanuel, der könig zu Constantinopel, hat der untrew mit inen gespielet, hat gips unter das mähl gethan Nigrinus papist. inquisition (1589) 424; dazu sich dann gar bald meister und anweiser finden, die solcher untrewe spielen Megiser annales Carinthiae (1612) 500. statt des gen. tritt wieder der acc. ein: zu dem (diener) hat sich der herr nichts anders zu versehen, dann er werde gegen ihm die untrew spielen Lehmann florileg. (1662) 1, 347. das schon oben einmal begegnende n. das untreu ist wohl aus das untreuspiel (H. Sachs 5, 255 K.), das untreuspielen entstanden, so dasz also untreu eigentlich noch gen. wäre: und der man itz auch findet gnug, di sich üben in untreus fall Liliencron hist volksl. 233, 31 (1504); das untreu spielen Fischer schwäb. wb. 6, 262. 1@kk) u. als person und im bilde: U. als wegelagerer Walther v. d. Vogelweide 8, 24 L.; als sämann 21, 32 L.; der untriuwe geselle mhd. wb. 3, 108b; frau Untrewe: Joh. v. Morsheim spiegel des regiments in der fürsten höfe, da frau Untrewe gewaltig ist 1515; unter der U. fahne dienen Wander 4, 1486, 32; kleine allegorische gespräche ... zwischen der Treu und Untreu Herder 16, 223 S.; Untreu hat groszen anhang (nach Suchenwirt) Gervinus gesch. d. d. dicht. (1853) 2, 158. in dem verbreitetsten sprichwort U. schlägt ihren eignen herrn erscheint U. als diener. heute versteht man das sprichwort in dem sinne, dasz selbst ohne öffentliche ahndung die u. sich an dem pflichtvergessenen manne durch den verlust des vertrauens rächt (Graf-Dietherr rechtssprw. [1869] 376); die üblichsten fassungen sind: untreu slecht irn aign man Rauch scriptores rer. Austriacarum 1, 365; untrew die schlegt irn eygen hern Morsheim spiegel d. reg. (1515) B 1; untrew schlecht iren herrn Luther randbemerkung zu Salom. 14, 22; 7, 511 Bindseil; fabeln 8; 16 ndr.; untrew schlecht ihren eygen herren Seb. Franck sprichwörtersammlung (1532) nr. 256 Latendorf; Paumgartner briefwechsel 267; untreu schlägt den eignen herrn Günther (1735) 18; Hebel 2, 97, 20 B.; verarbeitet in darstellender rede: also schluog untrüwe iren aignen herren Steinhöwel Äsop 312 Ö.; H. Sachs 7, 150, 19 K.; so wirt an dir, das mag ich sagn, untrew den aignen herren schlagn Ringwaldt lauter warheit 25; doch, sagt G., verhoff ich, dasz ... die untrew ihren eignen herrn schlagen werde Amadis 1, 383 K.; aber nach kurzem gefecht schlug untreu ihren eignen herrn Buchholtz Herkuliskus (1665) 39; deine untreu wird dich selbst schlagen maler Müller 1, 204. oft erscheint in alter verwendung (Jac. Grimm gramm. 4, 345; 341; Schmeller-Fr. 2, 290) sein für ihr: untrew schlegt sein eigen herrn Luther 25, 502 W.; da wurden sie zuletzt gewar, das untrew schlegt sein eygen herrn E. Alberus fabeln 45 ndr.; darumb ist nun zu sehen, wie untrew seinen herrn schlägt engl. comedien u. trag. (1624) F 8b; nomenclator hamburg. (1634) 281; Zinkgref-Weidner 3, 23; untreu seinen eignen herrn schlägt, meineid hat manchen starken geschwächt Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 36; Lehmann florileg. (1662) 1, 81; Schottel haubtspr. 1114; Kramer (1702) 2, 540a; Frisch (1741) 2, 387a; untrew oft seinen herren schlegt, welches dir auch widerfaren möcht Mittler d. volkslieder 507; so auch mnd.: do sloch untruwe sinen egen heren mnd. wb. 5, 84a. mit wechsel des verbums: untreuw suocht oft sein aigen herrn welschgattung (1513) 1216; trifft Teuerdank 66, 67; 69, 64; S. Franck chron. germ. (1538) 22b; 86a; Montanus 105 B.; Knebel chron. v. Kaisheim 385 lit. ver.; H. Sachs 8, 435, 15 K.; klugreden (1548) 8b; Kirchhof wendunmuth 1, 221 Ö.; volksb. v. dr. Faust 96 Br.; Schottel haubtspr. 1126; untrew trifft sein herrn Fadingerlied (1626) in Görres hist. pol. blättern 33, 969; untrew trifft sein eigen herrn Harsdörfer gesprechsp. 1, L 2a; Spanutius (1720) 629. in andern personificationen: man sagt, seit untrew sei geborn, so hat der glaub das veldt verlorn B. Waldis Esopus 1, 143 K.; untrew vertrawt niemand klugreden (1548) 78b; untruwe kan truwe wol verslahen Husemann spruchsammlung (1575) 112 Weinkauff; wie solt es die trew lustig machen, wenn unthreu thut die threu verlachen Fischart ritter v. Staufenberg 279 H.; undank und untreu allda allein den pasz gaben Moscherosch gesichte (1650) 158; untreu herrschet J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 30; untreu kömmt wohl ins land, sie lässet sich aber nirgends bergen Kern sprichw. (1718) 52; untreue geht hin, kommt aber nimmer wieder Schellhorn sprichw. (1797) 100; treu hat brod, untreu leidt noth 140; übermuth und untreu stürzten ihn von Jovis tisch zur schmach des alten Tartarus hinab Göthe Iphigenie 323; da gabst du mit erröthen den ring, den untreu bricht Böhme volkst. lieder 275; ich bin kein ritter von la Mancha, der die u. aus der welt herausfechten will Fontane I 2, 28. bildlich: nichts ist wolfeyler als untrew Lehmann florileg. (1662) 1, 285; Segestes wird nicht mehr durch untreu sich beflecken Ayrenhoff 1, 186; stunk nach untreue nit der mund Ditfurth volksl. d. bayer. heeres 32; ja, wind und untreu wandern, wie deine blätter rauschen O. Ludwig 1, 37; schlange, dolch, embryo der u. Ziegler Banise (1689) 457; O. Ludwig 2, 410; Bismarck gedanken u. erinn. 1, 179 volksausg.; pfützen und moräste von u., schwelgerei Herder 17, 49 S.; die schaale der u. maler Müller 1, 240. 22) auf thiere angewandt (mnl. wb. 5, 1201): ich würd usz untrüw getötet unverschult! (in der fabel vom frosch u. der maus) Steinhöwel Äsop 74 Ö.; Fischart flöhhatz 71 ndr.; junge löwen ... beiszen ihme (dem adler, der sie aufgezogen) für u. die klauen ab Jac. Böhme 6, 170; u. der störchin br. Grimm d. sagen (1891) 2, 112; die rothe farbe stimmt auch ganz zu dem begrif der bosheit und u., der dem fuchs in der thierfabel zusteht Jac. Grimm Reinhart fuchs xxx. 33) in verbindung mit abstractis (vgl.untreu, adj. 4): dasz ich söll fürchten gewer oder untrüw der liebe N. v. Wyle transl. 26, 15 K.; die u. und den wankelmuth derselben (der unechten liebe) Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 464; die treue oder u. seiner amtsverrichtung Möser 1, 235. 44) u. des glücks (vgl.untreu, adj. 5): und das ich noch für ein gröszer untrew des glücks acht, ... dasz der unfal zuoschlge Eppendorf Plinius (1543) 28. 55) dem adj. untreu 6 b entsprechend: wer eine u. an sich selbst begeht Justi Winckelmann 1, 188. zu untreu 6 c: ich muszte mir in diesen tagen eine wundersame unterhaltung aufdringen, indem ich den alten papierkram der vergangenheit durchsichtete, wo so vieles angefangene und verlassene, so viele vorsätze und untreuen keine entschuldigung zulassen Göthe IV 27, 70 W. 66) untreu, adj. 7 entsprechend: folget nun, dasz sie die wort Christi ... nit mit weniger untrew zu yhrer hoffart, pracht und gewalt getzogen haben Luther 8, 496 W.; in bed. 7 übergehend: u. eines herausgebers Walch vorrede zu v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 2 (1770), 251; eine kleine u. seines sonst so vortrefflichen empfindnisses Schlesw. litbriefe 87, 36 lit. denkm.; durch u. des zeichners E. Gerhard ak. abh. 1, 80; einer entsetzlichen u. des gedächtnisses H. Heine 7, 340 E. terminologisch: u. des haares Schwerz praktischer ackerbau (1882) 660, der wolle, mangel an ausgeglichenheit, gleichmäszigkeit; vgl. treue. veraltet: untreuschusz eine durch zauberei dem körper zugefügte beschädigung (vgl. etwa hexenschusz und das untreu, adj. 7): dasz die untreuschusz oft von denen, die es zugefügt haben, selber nicht mögen hingenommen werden Fischart Bodin (1591) 158. 77) untreu 8 entsprechend, ungenauigkeit, fehlerhaftigkeit u. dgl. wohl noch nicht im sinne des 18. jahrhs.: kein untreuw im tolmetschen begehen Stumpf Schweizerchron. 330a. doch: auf die wissenschaftliche u. bei einem einzigen wörtlein, das der lebendige gott in seinem namen aufzeichnen lassen, ist eine schwere straffe zu erwarten Bengel abrisz der sog. brüdergemeinde (1751) 203; diese u. in der übersetzung Winckelmann 7, 38; die treue eines übersetzers wird zur u., wann er seine urschrift dadurch verdunkelt Lessing 4, 37 M. untreufeind, -freund allg. d. bibl. 9, 2, 110. 88) zusammensetzungen der ä. spr. untreubett Gloger bei P. Fleming d. ged. 2, 664 L.; untreufeind, -freund s. oben 7; klag-, untrew-, und bubenbrief Guarinonius greuel (1610) 1323; untreustrafe Harsdörfer gesprechsp. 4, C 4b. 99) misztrauen (untreu, adj. 9) wb. d. luxemb. ma. (1906) 319b; vgl. mnl. wb. 5, 1202. nicht schriftsprachlich.
20485 Zeichen · 551 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    untreueAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    untreue , Adj. Vw.: s. untrǖwe (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Untreue

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Untreue , plur. car. der Gegensatz der Treue, S. dieses Wort. Die Untreue eines Geschichtschreibers, Mangel der Fert…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Untreue

    Goethe-Wörterbuch

    Untreue [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Untreue

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Untreue ( Abus de confiance ), im allgemeinen soviel wie Treubruch, Unredlichkeit; im strafrechtlichen Sinne die absicht…

  5. modern
    Dialekt
    Untreue

    Bayerisches Wörterbuch

    Untreue Band 4, Spalte 4,460

  6. Spezial
    Untreue

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Un|treue f. (-) malfidënza (-zes) f. , malcrëta (-tes) f. , infedelté f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit untreue

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von untreue

un- + treue

untreue leitet sich vom Lemma treue ab mit Präfix un-.

Zerlegung von untreue 2 Komponenten

unt+reue

untreue setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

untreue‑ als Erstglied (2 von 2)

Untreue (der)

Wander

untreu·eder

Untreue (der) 1. Der Untreue ist gegen alle Menschen mistrauisch. – Simrock, 10772. 2. Was man gibt einem Vntrewen, ist alles zu viel. – Pet…

Untreue (die)

Wander

untreue·die

Untreue (die) 1. Der vntrew ist haussen so vill, das ich mich binnen halten will. – Weinsberg, 95. Neben dem Spruche ist eine Schnecke gezei…