untreue,
f. ,
mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð,
schwed. otro;
ags. untreów, untreówþ,
engl. untruth;
as. untrewa;
ahd. untriuwa;
mhd. untriuwe;
mnd. untruwe;
mnl. ontrouwe,
nl. ontrouw.
vgl. untreuheit, -treuigkeit, treulosigkeit.
zu den formen s. zunächst treue. untrau: unsers eigen willens u. Paulus Amnicola
zu errettung der schwachen ordenspersonen E 4
b; wo hin ich schaw, da ist untraw B. Waldis
psalter 255
a; durch u Fischart 3, 317, 375
Kurz. die zweisilbige form untreu ist sehr häufig (Franke
grundzüge der schriftspr. Luthers 2, 232; 234; Klinger
neues theater 1, 195; Herder 16, 223
S.; G. Keller 6, 378).
vereinzelt bleibt ein st. plur.: Stolle
thür. chron. 7; so nicht schaden bringen untrüwe
Terenz (1499) 13
a;
sonst untreuen,
fälle oder beweise von untreue: dann von den listen und untrewen, so die bäpst den frommen teutschen kaysern bewisen, grundtlich zu sagen Hutten 5, 382
B.; solche untrwen fiengend an, dem gemeinen mann zu L. ze hertze gan Tschudi
chron. 1, 322; kleine untreuen Knigge
umgang m. menschen 2, 102; so viele vorsätze und untreuen Göthe IV 27, 70
W.; Tieck (1828) 12, 89.
die casus obliqui des plur. sind veraltet: todes und untriwen fry Mone
schausp. d. m. (1846) 1, 172; einen mit untruwen meinen Windecke
denkwürdigkeiten 197; so gaben sie es mit allen untrewen Luther
vorrede auf den propheten Maleachi 7, 411
Bindseil; aus untrewen H. Sachs 18, 151, 34
G.; voll untrewen
griech. dramen 2, 50
Dähnhardt; alterthümelnd: aus untreuen br. Grimm
d. sagen (1891) 2, 41.
zum n. das untreu
s. unten 1
i β. 11)
verletzung eines pflichtverhältnisses und die zu grunde liegende gesinnung. während wir heute eigentlich von u.
nur reden, wo uns das pflichtverhältnis noch deutlich ist, kennt die ä. spr. solche verbundenheiten in viel gröszerer ausdehnung und denkt concreter. vgl. das adj. untreu 1. 1@aa)
verletzung des pflichtverhältnisses zwischen gefolgsherrn und gefolgsmann, lehnsherrn und lehnsmann, obrigkeit und unterthan: zeige mir den weg zur jungfrau, oder ich will dir deine u. auf deinem kopf vergelten
volksb. v. geh. Siegfried 75
ndr.; wo die treue urquelle und inbegriff der edelsten tugenden ist, da musz die u. wurzel und krone alles bösen sein Uhland
schr. z. gesch. d. dichtung u. sage 1, 303; der anfang seiner (
Ermenrichs) frevel ist die u. gegen seinen marschalk und rathgeber Sibich
ebda; darin zeigt er (
Hagen) die volle meisterschaft der u. 309; Sibicho ... ist ... geradezu sprichwörtlich für u. geworden Scherer
litgesch. 26; die stat gewan er von untrewe wegen der juden
städtechron. 3, 86; der herzog aber lies im das ganz lant huldigen ..., und musten im umb die untreu, so si an im getan und herzogen Heinrich belagert hetten, 60 000 gulden geben
Wilwolt v. Schaumburg 190; des böfels untrew macht die herrn weisz S. Franck
sprichw. (1545) 1, 22
a; gewöhnlich behielt der getreue sein beneficium lebenslänglich, wenn er sich desselben nicht durch u. unwürdig machte Eichhorn
d. staats- u. rechtsgesch. 1
3, 293; u. beweisen
u. dgl.: do hetten sy gerne volk uff dy borg geleyd, das enwolde her on nicht gunnen, und das
was ouch der untruwe eyne, dy her der stad Erfforte bewiste Stolle
thür. chron. 7; Carbach
Livius 115
a; ... ergab er sich des keysers hauptleuten, bisz er für keys.
m. zuo verantwortung auffgelegter untreuw kommen möcht S. Münster
cosmographei 207; Fronsperger
kriegsb. 1, 176
a; u. fürnehmen, vergelten Tschudi
chron. 1, 9; Schill
t. sprach ehrenkranz (1644) 57; wegen der an seinem herrn begangenen u.
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 350. 1@bb)
zwischen herrn und diener, in dienstverhältnissen aller art: ein amptman mit untreuw A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) A 2
a; ... ain jungen knaben, der sich wol hielt gegen dem herrn und het im noch nie kain untrew bewisen
reform. flugschr. 2, 89
Clemen; so noch bisz hieher von den artzten, alten und newen, verschwigen ist worden, nicht ausz untrew oder vergunst, sondern ausz unwissenheit und unverstandt Paracelsus (1616) 1, 53 A
H.; Österreicher
Columella 1, 45
L.; des dieners untreuwe Heyden
Plinius (1565) 94; Thurneyszer
magna alchymia (1583) 71; die kinder lernen nichts bey ihnen (
dem gesinde) als ... untrew Moscherosch
insomnis cura parentum 17
ndr.; der ammen und vormünder schutz ist untrew, vorthel und eigennutz Lehmann
florileg. (1662) 1, 190; nur ein schatten einer untrew machen 1, 141; u. eines regimentsquartiermeisters v. Fleming
soldat (1726) 175; sollte eine u. einmal auf jemanden erwiesen werden, so will ich gewisz ein exempel statuiren Göthe IV 14, 65
W.; 14, 30
W.; u. im amt Graf-Dietherr
rechtssprichw. (1869) 376; u. der beamten Bismarck
gedanken u. er. 1, 256
volksausg. 1@cc)
im handel und wandel. α)
mit der neigung zur verallgemeinerung; malignitas, fraudatio Frisius 797
b; 584
a;
österr. weisth. 6, 658;
abandonnement Stieler
zeitungslust (1697) 382; infidelität Spanutius (1720) 292; malice Sperander (1727) 361
a: bengig dem gesaczt der natur, keusch und unwissend der untrüw (
aller schlechtigkeit) Steinhöwel
ber. frauen 37
Dr.; er wirt uns leeren ... die untreuw der welt Tauler
serm. (1508) 48
a; Hätzlerin 68; die welt ist voller untrew
heiligenleben summerteil (1472) 5
b;
Sirach 11, 31; S. Brant
narrenschiff 102, 4; 90
Z.; H. Sachs 17, 113, 13
G.; das ist die welt. u. überall Fontane I 1, 229; ideo venit solche untrew, liegen, triegen Luther 34, 2, 105
W.; wer zu im reiszet unrecht gut mit gwalt oder untrew, wie ers thut H. Sachs 2, 132, 4
K.; flüszlisz heisz ich ein nüwes spyl, darin brucht man der untrew vyl P. Gengenbach 3
G.; in der alchemie Petri H 5
a; teufel ..., welche ... untreu und vielfältige confusiones ... anrichten Prätorius
glückstopf (1669) 216; Nemesis ... strafte alle u. Winckelmann 9, 521; Herder 19, 189
S.; Göthe 43, 147
W.; römische u. G. Freytag 8, 12; u. sezt wissen voraus, unwissenheit kann treu und ehrlich im irrthum sein J. H. Voss
antisymb. 2, 302.
β)
besondere fälle: da fieng sie an und schuldiget in groszer untrew (
handelns gegen die pflicht der sitte) und unzucht, dasz er nicht mit ir redte
b. d. liebe (1587) 263
d; sie weysz vielleicht nicht umb die untrew (
wortbruch, er hat Melusine durchs schlüsselloch im bade gesehen), die du ihr beweist hast 273
d;
mnl. wb. 5, 1202; aber solche untrew (
ein bauer schlägt dem ermüdeten F. ab, mit auf seinem wagen aufsitzen zu dürfen), deren viel bey den bauren ist, bezahlte
d. Faustus wider mit gleicher müntze (
er läszt die räder vom wagen springen u. s. w.)
volksb. v. dr. Faust 95
Br.; o wie ist der himmel so hoch und die untreu so grosz!
boshafte leute hatten die äste angesägt, auf denen die zwerge saszen; sie stürzten herab und riefen jene worte br. Grimm
d. sagen (1891) 1, 113.
veraltet. γ)
rechtssprachlich: u. in wort u. that Graf-Dietherr
rechtssprichw. (1869) 373; u. ist auch dieberei
ebda; es gibt ... beschädigungen fremden gutes, die weder bestimmt als diebstahl noch als irgend eine andre art der genannten verbrechen bezeichnet, wohl aber unter dem allgemeineren begriffe der u. zusammengefaszt werden können
ebda 375;
strafrechtlich die absichtliche verletzung einer rechtsverbindlichkeit, die sich zugleich als verletzung besondern vertrauens darstellt; verschieden ist veruntreuung
als unterschlagung anvertrauter sachen; Ammon
die untreue (
Tübingen 1894); treuhänder, die absichtlich zum nachteile der pfandbriefgläubiger handeln, werden wegen u. ... bestraft
hypothekenbankges. v. 13.
juli 1899, 36. 1@dd)
im verhältnis von eltern und kindern: Walther v.
d. Vogelweide 21, 34
L.; ein stieffmutter ist ein böse ruth und thut den kindern selten gut. doch wiltu sein ihr liebes kind, mit gedult ihr untrew uberwind Petri Y 5
a. 1@ee)
im verhältnis von mann und frau: Wolfram
Parz. 635, 28; o Agripina, wie mochtestu es am hertzen gehaben, mir solliche grosze untrew zu erzaigen, so ich dir so trew was!
Fortunatus (1509) 131; der eheleut untrew verwirkt das heuratgut und zugabe
statutenbuch 141
b; eheliche u. Abr. a
s. Clara
merks Wien (1680) 64; Nicolai
reise 1, 34; eine u. begehen Lessing 2, 41
M.; eine kurze u. 2, 284
M.; verfluchte u. 2, 7
M.; tugendhafte u. Wieland
Agathon (1766) 2, 319; u. eines mannes Göthe 22, 86
W.; Novalis 3, 27
M.; einseitige oder gegenseitige u. G. Keller 2, 152.
bildlich: seiner untreu frucht Ayrenhoff 2, 12; die u. eine ungekostete frucht Polenz
Grabenhäger 1, 135.
zusammensetzung: untreukitzel Gotter 3, 303. 1@ff)
im verhältnis von freunden, verwandten, nachbarn u. dgl.: Wolfram
Parz. 48, 12;
fastnachtsp. 1, 82, 16
Keller; 1. Mos. 21, 23; unter nachbarn, das einer dem andern alle untrew und böse tück beweiset Luther 34, 2, 61
W.; 29, 568
W.; des schwähers untreu macht den aiden reich Fischart
bibl. hist. 29
Kurz; was er für untreu an seinem verwandten ... begangen Prätorius
philosophia colus (1662) 113; wo u. ... stattfindet, da ist freundschaft ... unmöglich Herder 15, 311
S. 1@gg)
in politischen verhältnissen: nach dem denn itzt die türckisch welt mit untrew hinderm berge helt Ringwaldt
lauter warheit 13; der Griechen untrew machte dem keyser alle seine gute anschläge zu nicht Rätel
Curäi chron. (1607) 52; Pitts an seiner ehemaligen partei begangene u. J. G. Forster 6, 137; schädigung, welche Ruszland auf dem Berliner congresse durch deutsche u. erlitten hätte Bismarck
gedanken u. er. 2, 129; 2, 243
volksausg.; u. der bundesgenossen. 1@hh)
bezogen auf das verhältnis zu gott, in der spr. der kirche und geistlichen literatur: im Heliand 1036
verleitet der teufel Adam und Eva thurh untrewa; Wolfram
Parz. 465, 10; da du mit manigen hast verkert, den du valsch und untrew hast gelert
passionsspiele a. Tirol 71
Wackernell; Zwingli
d. schr. 1, 220;
von kürzung der gebühren für pfarrer u. kirchendiener: welche untrew, raub und betrug ... gott (
wird) ... zu straffen wissen Sandrub
kurzweil 15
ndr.; was ist doch sünde als untreu? Lavater
verm. schr. 2, 211; u. an gott K. L. v. Haller
restauration d. staatswiss. 1, lv; der natürliche gang wäre daher, diese ursprüngliche religion der wilden allmählig zu läutern, ohne sie durch gewalt ... zur u. und undankbarkeit gegen den glauben ihrer väter zu bringen W. v. Humboldt
ges. schr. 4, 239. 1@ii) u.
in sprichwörtern und redensarten (
vgl. was schon oben derart berücksichtigt werden konnte).
α) Freidank 43, 24
ff.; Zingerle
sprichw. 157
f.; Wander 4, 1484
ff.: kein schalckheit ist so grosz, es ist eigennutz dabey und schlegt untrew zu mit beyden schaden Petri L l 4
b.
β)
die veraltete ra. der u. spielen (
th. 10, 2383, spielen II 7
c 8; 10, 2357, spiel II 1
l)
geht auf verschiedene spiele zurück; ein gesellschaftsspiel war der untrew under dem mäntelin spilen
klugreden (1548) 144
a; Fischart
Garg. 261
ndr. oder des ungetreuen nachbarn spielen,
das Frisch 2, 387
a so beschreibt: es setzten sich zwey mitspielende unter einem mantel oder tuch, davon der eine dieses spiel nie gesehen; der nun mit ihm unter der decke sitzt, schlägt sich mit einem hölzernen teller oder etwas anders selbst auf den kopf und stellt sich, als wenn ers errathen und so lang leiden müszte, bis er errathen, wer es gethan. endlich schlägt eben dieser den andern unter der decke bey ihm auch, bis er endlich nach vielen rathen auf andre merkt, dasz es sein ungetreuer nachbar gethan. ob des untreuen baurens spielen Fischart
Garg. 260
ndr. dasselbe spiel ist, bleibt fraglich; deutlich ist es: wir wend der untrúw spilen mit dir, Jhesus, das soltu globen mir Mone
schausp. d. mittelalters (1846), 275;
mit acc. statt des gen.: spielen die gottvergessnen leut das u. (
zum n. siehe unten) unterm mäntelein mit uns
quelle bei Fischer
schwäb. wb. 6, 262.
als kartenspiel th. 10, 2357; 2299;
dazu untreuen,
v. die bei Fischer 6, 262
eingetretene übertragung ist sehr üblich gewesen: die kuplerin ... leeret sy (
mägde) der unthrüw spilen
Luzerner fastnachtsp. zs. f. d. phil. 17, 353;
die christen achten keins gewalts noch unrechts, leiden, dasz man der ontreu mit in spilt S. Franck
moriae enc. 140, 25
G.; Emanuel, der könig zu Constantinopel, hat der untrew mit inen gespielet, hat gips unter das mähl gethan Nigrinus
papist. inquisition (1589) 424; dazu sich dann gar bald meister und anweiser finden, die solcher untrewe spielen Megiser
annales Carinthiae (1612) 500.
statt des gen. tritt wieder der acc. ein: zu dem (
diener) hat sich der herr nichts anders zu versehen, dann er werde gegen ihm die untrew spielen Lehmann
florileg. (1662) 1, 347.
das schon oben einmal begegnende n. das untreu
ist wohl aus das untreuspiel (H. Sachs 5, 255
K.), das untreuspielen
entstanden, so dasz also untreu
eigentlich noch gen. wäre: und der man itz auch findet gnug, di sich üben in untreus fall Liliencron
hist volksl. 233, 31 (1504); das untreu spielen Fischer
schwäb. wb. 6, 262. 1@kk) u.
als person und im bilde: U.
als wegelagerer Walther v.
d. Vogelweide 8, 24
L.; als sämann 21, 32
L.; der untriuwe geselle
mhd. wb. 3, 108
b; frau Untrewe: Joh. v. Morsheim spiegel des regiments in der fürsten höfe, da frau Untrewe gewaltig ist 1515; unter der U. fahne dienen Wander 4, 1486, 32; kleine allegorische gespräche ... zwischen der Treu und Untreu Herder 16, 223
S.; Untreu hat groszen anhang (
nach Suchenwirt) Gervinus
gesch. d. d. dicht. (1853) 2, 158.
in dem verbreitetsten sprichwort U. schlägt ihren eignen herrn
erscheint U.
als diener. heute versteht man das sprichwort in dem sinne, dasz selbst ohne öffentliche ahndung die u.
sich an dem pflichtvergessenen manne durch den verlust des vertrauens rächt (Graf-Dietherr
rechtssprw. [1869] 376);
die üblichsten fassungen sind: untreu slecht irn aign man Rauch
scriptores rer. Austriacarum 1, 365; untrew die schlegt irn eygen hern Morsheim
spiegel d. reg. (1515) B 1; untrew schlecht iren herrn Luther
randbemerkung zu Salom. 14, 22; 7, 511
Bindseil; fabeln 8; 16
ndr.; untrew schlecht ihren eygen herren Seb. Franck
sprichwörtersammlung (1532)
nr. 256
Latendorf; Paumgartner
briefwechsel 267; untreu schlägt den eignen herrn Günther (1735) 18; Hebel 2, 97, 20
B.; verarbeitet in darstellender rede: also schluog untrüwe iren aignen herren Steinhöwel
Äsop 312
Ö.; H. Sachs 7, 150, 19
K.; so wirt an dir, das mag ich sagn, untrew den aignen herren schlagn Ringwaldt
lauter warheit 25; doch, sagt G., verhoff ich, dasz ... die untrew ihren eignen herrn schlagen werde
Amadis 1, 383
K.; aber nach kurzem gefecht schlug untreu ihren eignen herrn Buchholtz
Herkuliskus (1665) 39; deine untreu wird dich selbst schlagen maler Müller 1, 204.
oft erscheint in alter verwendung (Jac. Grimm
gramm. 4, 345; 341; Schmeller-Fr. 2, 290) sein
für ihr: untrew schlegt sein eigen herrn Luther 25, 502
W.; da wurden sie zuletzt gewar, das untrew schlegt sein eygen herrn E. Alberus
fabeln 45
ndr.; darumb ist nun zu sehen, wie untrew seinen herrn schlägt
engl. comedien u. trag. (1624) F 8
b;
nomenclator hamburg. (1634) 281; Zinkgref-Weidner 3, 23; untreu seinen eignen herrn schlägt, meineid hat manchen starken geschwächt Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 36; Lehmann
florileg. (1662) 1, 81; Schottel
haubtspr. 1114; Kramer (1702) 2, 540
a; Frisch (1741) 2, 387
a; untrew oft seinen herren schlegt, welches dir auch widerfaren möcht Mittler
d. volkslieder 507;
so auch mnd.: do sloch untruwe sinen egen heren
mnd. wb. 5, 84
a.
mit wechsel des verbums: untreuw suocht oft sein aigen herrn
welschgattung (1513) 1216; trifft
Teuerdank 66, 67; 69, 64; S. Franck
chron. germ. (1538) 22
b; 86
a; Montanus 105
B.; Knebel
chron. v. Kaisheim 385
lit. ver.; H. Sachs 8, 435, 15
K.; klugreden (1548) 8
b; Kirchhof
wendunmuth 1, 221
Ö.; volksb. v. dr. Faust 96
Br.; Schottel
haubtspr. 1126; untrew trifft sein herrn
Fadingerlied (1626)
in Görres hist. pol. blättern 33, 969; untrew trifft sein eigen herrn Harsdörfer
gesprechsp. 1, L 2
a; Spanutius (1720) 629.
in andern personificationen: man sagt, seit untrew sei geborn, so hat der glaub das veldt verlorn B. Waldis
Esopus 1, 143
K.; untrew vertrawt niemand
klugreden (1548) 78
b; untruwe kan truwe wol verslahen Husemann
spruchsammlung (1575) 112
Weinkauff; wie solt es die trew lustig machen, wenn unthreu thut die threu verlachen Fischart
ritter v. Staufenberg 279
H.; undank und untreu allda allein den pasz gaben Moscherosch
gesichte (1650) 158; untreu herrschet J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 30; untreu kömmt wohl ins land, sie lässet sich aber nirgends bergen Kern
sprichw. (1718) 52; untreue geht hin, kommt aber nimmer wieder Schellhorn
sprichw. (1797) 100; treu hat brod, untreu leidt noth 140; übermuth und untreu stürzten ihn von Jovis tisch zur schmach des alten Tartarus hinab Göthe
Iphigenie 323; da gabst du mit erröthen den ring, den untreu bricht Böhme
volkst. lieder 275; ich bin kein ritter von la Mancha, der die u. aus der welt herausfechten will Fontane I 2, 28.
bildlich: nichts ist wolfeyler als untrew Lehmann
florileg. (1662) 1, 285; Segestes wird nicht mehr durch untreu sich beflecken Ayrenhoff 1, 186; stunk nach untreue nit der mund Ditfurth
volksl. d. bayer. heeres 32; ja, wind und untreu wandern, wie deine blätter rauschen O. Ludwig 1, 37; schlange, dolch, embryo der u. Ziegler
Banise (1689) 457; O. Ludwig 2, 410; Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 179
volksausg.; pfützen und moräste von u., schwelgerei Herder 17, 49
S.; die schaale der u. maler Müller 1, 240. 22)
auf thiere angewandt (
mnl. wb. 5, 1201): ich würd usz untrüw getötet unverschult! (
in der fabel vom frosch u. der maus) Steinhöwel
Äsop 74
Ö.; Fischart
flöhhatz 71
ndr.; junge löwen ... beiszen ihme (
dem adler, der sie aufgezogen) für u. die klauen ab Jac. Böhme 6, 170; u.
der störchin br. Grimm
d. sagen (1891) 2, 112; die rothe farbe stimmt auch ganz zu dem begrif der bosheit und u., der dem fuchs in der thierfabel zusteht Jac. Grimm
Reinhart fuchs xxx. 33)
in verbindung mit abstractis (
vgl.untreu,
adj. 4): dasz ich söll fürchten gewer oder untrüw der liebe
N. v. Wyle
transl. 26, 15
K.; die u. und den wankelmuth derselben (
der unechten liebe) Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 464; die treue oder u. seiner amtsverrichtung Möser 1, 235. 44) u. des glücks (
vgl.untreu,
adj. 5): und das ich noch für ein gröszer untrew des glücks acht, ... dasz der unfal zuoschlge Eppendorf
Plinius (1543) 28. 55)
dem adj. untreu 6
b entsprechend: wer eine u. an sich selbst begeht Justi
Winckelmann 1, 188.
zu untreu 6
c: ich muszte mir in diesen tagen eine wundersame unterhaltung aufdringen, indem ich den alten papierkram der vergangenheit durchsichtete, wo so vieles angefangene und verlassene, so viele vorsätze und untreuen keine entschuldigung zulassen Göthe IV 27, 70
W. 66) untreu,
adj. 7
entsprechend: folget nun, dasz sie die wort Christi ... nit mit weniger untrew zu yhrer hoffart, pracht und gewalt getzogen haben Luther 8, 496
W.; in bed. 7
übergehend: u.
eines herausgebers Walch
vorrede zu v. Einem
Mosheims vollst. kirchengesch. 2 (1770), 251; eine kleine u. seines sonst so vortrefflichen empfindnisses
Schlesw. litbriefe 87, 36
lit. denkm.; durch u. des zeichners E. Gerhard
ak. abh. 1, 80; einer entsetzlichen u. des gedächtnisses H. Heine 7, 340
E. terminologisch: u. des haares Schwerz
praktischer ackerbau (1882) 660, der wolle,
mangel an ausgeglichenheit, gleichmäszigkeit; vgl. treue.
veraltet: untreuschusz
eine durch zauberei dem körper zugefügte beschädigung (
vgl. etwa hexenschusz
und das untreu,
adj. 7): dasz die untreuschusz oft von denen, die es zugefügt haben, selber nicht mögen hingenommen werden Fischart
Bodin (1591) 158. 77) untreu 8
entsprechend, ungenauigkeit, fehlerhaftigkeit u. dgl. wohl noch nicht im sinne des 18.
jahrhs.: kein untreuw im tolmetschen begehen Stumpf
Schweizerchron. 330
a.
doch: auf die wissenschaftliche u. bei einem einzigen wörtlein, das der lebendige gott in seinem namen aufzeichnen lassen, ist eine schwere straffe zu erwarten Bengel
abrisz der sog. brüdergemeinde (1751) 203; diese u. in der übersetzung Winckelmann 7, 38; die treue eines übersetzers wird zur u., wann er seine urschrift dadurch verdunkelt Lessing 4, 37
M. untreufeind, -freund
allg. d. bibl. 9, 2, 110. 88)
zusammensetzungen der ä. spr. untreubett Gloger
bei P. Fleming
d. ged. 2, 664
L.; untreufeind, -freund
s. oben 7; klag-, untrew-, und bubenbrief Guarinonius
greuel (1610) 1323; untreustrafe Harsdörfer
gesprechsp. 4, C 4
b. 99)
misztrauen (untreu,
adj. 9)
wb. d. luxemb. ma. (1906) 319
b;
vgl. mnl. wb. 5, 1202.
nicht schriftsprachlich. —