lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

untreu

mnd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
10 in 10 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
10
Verweise raus
20

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

untreu adj. adv.

Bd. 24, Sp. 1951
untreu, adj. adv. , gs. zu treu (s. d.). got. untriggws; an. útrúr, útryggr; n. utro, utryg; schwed. otro, otrogen, otrygger; ags. untreówe; engl. untrue; afries. untriōwe; ein ahd. untriuwi ist von Schade zu unrecht angesetzt (es gab urtriuwi, zurtriuwi), ahd. und mhd. bis ins 15. jahrh. herschte ungatriuwi, ungetriuwe (auch triuwe ist im guten mhd. nicht vorhanden; Roethe zu Reimar v. Zweter 244, 8; untreu ist z. b. im schwäbischen nicht populär, kaum halbmundart Fischer schwäb. wb. 6, 262), erst glossare verzeichnen untriuwe für infidelis und perfidus Diefenbach gl. 297a; 425a. mnd. untruwe; mnl. ontrouwe; nl. ontrouw. nachklang der alten 3 silbigen form: der fetter Fana ist mir untreue worden Elisabeth Charlotte v. Orleans 2, 22 H. vgl. ungetreu, misztreu, treulos, untreue, f., untreuisch, untreulich. 11) ein pflichtverhältnis verletzend, die ä. spr. faszt infolge der gebundenheit der alten lebensordnung vieles als pflichtverhältnis auf, was uns als solches nicht mehr zum bewusztsein kommt. 1@aa) das verhältnis zwischen gefolgsherrn und gefolgsmann, lehensherrn und lehensmann, obrigkeit und unterthan: da lieff der held ... auf den untreuen zu (den verrätherischen riesen, den Siegfried durch bezwingung zum gefolgsmann gemacht hatte) volksb. v. geh. Siegfried 79 ndr.; mit gutem grund hat Ludwig Uhland die sämmtlichen charaktere der heldensage auf zwei gruppen vertheilt, die treuen und die untreuen Scherer literaturgesch. 107; der lehenherr sol auch herwidderumb seinem lehenman der gleichen thun, und so er das unterlasset, sol er billich als ein untrewer geschetzt werden lehenrecht (1533) B 3b; wo man dem fürsten untreuw ist ..., da ist der teufel Luther 34, 2, 265 W.; von einem untrewen schultzen Hennenberger landtaffel (1595) 50; sintemal solche conföderation ... trewe patrioten von den untrewen unterscheiden soll acta publ. 2, 287 P.; untreuer pöbel Herder 26, 244 S.; als ein mensch ohne ... wahre grösze ... das wagstück zu bestehen suchte, eine eitle, untreue, verwilderte nation zu bändigen Thibaut civ. abhandlungen (1814) 450; u. war ich gegen die obrigkeit meiner stadt G. Freytag 11, 340. 1@bb) zwischen herrn und diener, von dienstverhältnissen aller art: also ist ein falscher, untrewer jurist ins keisers hause odder reich ein dieb und schalck Luther 30, 2, 559 W.; die falschen, untrew rethe 26, 547 W.; nu ist die groste klag in der welt uber das gesind und erbeitleut, wie ungehorsam, untrew, ungetzogen, forteylisch sie sein 6, 263 W.; untrew gesind Eyering (1601) 1, 690; Grimmelshausen Simpl. 71 Kögel; mein gesind ist mir u. Kramer (1702) 2, 1139b; untreues, nicht ungetreues gesinde Adelung; was mann gibt eim untrewen diener, ist alles zuvil klugreden (1548) 75a; untrew knechte H. Sachs 1, 439, 12 K, leute G. A. Agricola-Bech bergwerkb. (1621) 18, kammerfrau maler Müller 3, 188, arbeiter Krünitz 200, 198; ain untreuer gerhabe (vormund) tirol. weisth. 4, 2, 730, 5; in etwas u. sein Kramer (1702) 2, 1139b; u. werden J. H. Voss Odyssee 301 B. im bilde heiszen sterne untreue boten, sie haben aufgetragene grüsze nicht ausgerichtet H. Heine 2, 276 E. 1@cc) im handel und wandel: so ir mir in zeitlichen dingen untrüw seint gewesen, wie kann ich euch vertrauen, das ir mir in der seelen heil trüwlichen raten? Keisersberg narrenschiff 88a; Murner narrenbeschwörung 70 ndr.; H. Sachs 21, 220, 23 G.; gedenck, das ein untrewes auge (oculus nequam, der dem andern nichts gönnt) neidisch ist Sirach 31, 14; es ist nichts neidischer weder ein untrewes aug Petri (1605) B b 5a; ein untrewer und ein dieb der findet, ehe denn mans trewlich suchet J. Agricola 750 sprichw. (1534) H 2a; spieler seind untrew und haben kein ansehen der person Ringwaldt lauter warheit 7 b; vgl. spieler 5 d; darzuo was er (Hannibal) untrew, nit warhafftig, seyns eydts leichtfertig Carbach Livius 106a; der nichts verhalten oder verschweygen mag, untreuw, schwätzig, der nüt heimlichs hat Frisius 1065a; bei einem untreuen wirt zur herberge sein Dedekind christl. ritter (1590) A 8b; Lehmann florileg. (1662), 1, 346; Kempe (1676) 5b; u. seyn in dem, das man einem anvertraut faire sa main Frisch (1730) 635; untreue lieferanten Göchhausen notabilia venatoris (1741) 244; der göttliche rathschlusz will es also, dasz uns die welt u. seyn soll (indem sie zum lohn undank gibt) Herder 16, 176 S.; wenn der handlungsgehülfe im dienste u. ist oder das vertrauen miszbraucht handelsgesetzb. 72. 1@dd) im verhältnis von eltern und kindern: es ist eine verkerete art, es sind untrewe kinder 5. Mos. 32, 20; die anderst thun, das sind untrewe eltern Moscherosch insomnis cura parentum 88 ndr.; eine unachtsame, harte, untrewe stiefmutter 17 ndr.; eine untreue tochter ... wird einst eine untreue hausfrau Chph. v. Schmid ges. schr. 2, 150; u. an seinem vater werden Micrälius Pommerland (1640) 2, 183, gegen seine eigene kinder sein Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 196; wenn ich den meinigen u. würde Laube 2, 17. übertragen: denn ich vor deinem thron musz schütten meine zehren, weil dein (der Venus) untrewes kindt (Amor) die hand will von mir kehren Opitz poemata 39 ndr. 1@ee) im verhältnis von mann und frau: er wölt sich fürbas huotten vor den lüsten der untrewen weiber Fortunatus (1509) 100 ndr.; die untrew Dolila H. Sachs 1, 436, 16 K.; o untreufalsche Zaida Herder 25, 150 S.; strafe einer untreuen frau Ratzel völkerkunde 2, 69; der untreue knabe Göthe 1, 165 W., liebhaber u. s. w. substantiviert: der schmollende hatte sich mit der untreuen versöhnt G. Keller 4, 153; mein fraw ist dem herren untrüw Pauli schimpf u. ernst 20 Ö.; ihrem manne, seinem weibe u. seyn Kramer (1702) 2, 1139b; u. an ihren eheherr zu werden mediz. maulaffe (1719) 205; ihr seid so miszmuthig, wie einer, dem sein erstes mädchen u. ward Göthe 8, 74 W.; bist untreu, Wihelm, oder tot? Bürger Lenore 1, 3; mir auf erden untreu werden und im himmel kannst du nicht Rückert 1, 438. 1@ff) im verhältnis von freunden, verwandten, nachbarn, nächsten, genossen, gefährten, gästen, anhängern, jüngern u. dgl.: wo solichs (einer frau den schmuck nehmen) ein edlman tet, würde er von seinen genossen sein leben lang dester untreuer und unwerter gehalten Wilwolt v. Schaumburg 134 lit. ver.; dann sie (die pfaffen) den armen untreuw sind Eberlin v. Günzburg 1, 125 ndr.; sein untrewe schwester Montanus 264 lit. ver.; dan der meister was ein untrwer Schwab th. Platter 54 B.; man muosz sich undterweylen untrewer freund mer besorgen dann der feind G. Mayr sprichw. (1567) D 4a ; untreue nachbarn, jünger, gäste Kirchhof militaris disciplina 200; Happel ak. roman 394; Kramer (1702) 2, 1139b; D., untreuster der cumpanen Gries verliebter Roland 4, 158; untriu haiszt man die rotten Hätzlerin 151. 1@gg) politisch: untreue freunde, verbündete, vasallenstaaten u. dgl.: Chemnitz schwed. krieg 2, 192. übertragen: sein (des dichters) wichtigster bundesgenosse wäre ihm ... u. gemacht R. Wagner 4, 193. 1@hh) bezogen auf das verhältnis zu gott und göttern; in biblisch-kirchlichem sprachgebrauch und theologischer polemik. Ulfila setzt untriggws Lucas 16, 10 für ἄδικος (vulg. iniquus, Luther unrecht); vgl. oben b. ähnlich allgemein scheinen mit unrecht dem heutigen sprachgefühl fälle wie: ich meine die untrewen curtisanen, die verfluchten symoneischen ketzer Hutten 1, 416, 28 B.; hye wer vil zuo sagen von dem aller untrewesten under allen bäpsten, die ye gelebt, Pio dem anderen 5, 381 B.; ein gytiger, untrwer pfaff Tschudi chron. 1, 30. solche verwendung ist veraltet; Savonarola ... als ... ein untreuer hirt Lenau 540 B. folgt der bed. b. veraltet auch von gott selbst: glych als ob gott so ful und untrüw sye, dasz er den an sich gelasznen nit mane und leere (als ein untreuer lehrer; vgl. b) Zwingli d. schr. 1, 221. aus bed. a übertragen: der christengott ist gütig gegen seine getreuen, aber ebenso sicher straft er auch die untreuen knechte, und u. ist, wer böses thut G. Freytag 17, 234. bes. prädicativ: weder an gott noch der christenheit u. werden Stumpf Schweizerchron. 29a; die gott u. sind A. Gryphius trauersp. 202 P.; warum, wir thoren, sind wir untreu ihm (Wodan) geworden? Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 144; die motive, welche das volk den alten göttern u. machten Scherer litgesch. 31. veraltet für infidelis, unglaubig gemma (1508) n 1a; vgl. infidel, u., falsch, ungläubig Spanutius (1720) 292 und Söderwall ordbok 2, 184b otroin 2: und wo ir hyn wolten ziehen on an die untrew ardt, under die ungelaubigen leut Fortunatus (1509) 77 ndr.; (er) stellt sich, als hab er mitleiden, und ist doch untreur dann die heiden Dürer nachlasz 84, 12 (doch verallgemeinert sich hier die bed. wie unten bei k). 1@ii) verengert in der bed. sordidus, illiberalis, karg Frisius 1226b; Dentzler (1716) 332a: sordidus homo, schnöd, nissig, karg, gewünsüchtig, untreuw, ein groszer schmürtzeler, der allen unflat thuot, allein das im gält werde Frisius 1226b; sust war er ein untrüwer frasz, wenn ers als Aesze Zwingli freiheit d. speisen 26 ndr.; ist der herr ein saw und die fraw ein sawmutter, so bekommen sie auch unfletige, untrew und sewisch gesind Petri (1605) K k 7a; veraltet. 1@kk) in erweiterter bed. verrätherisch, treulos, unzuverlässig u. dgl.: Joab, der untrew, auch verdarb H. Sachs 1, 435, 38 K.; ein untrewer ein schelm Zinkgref apophthegmata (1628) 1, 58; malitiosus Stieler 341; er ist ein untreuer mensch, homo parum bonae fidei est, nulla religione ac fide est ebda.; wer des untreuen gesell ist, ist selbsten u. ebda.; ein untreuer Judas, ein treuloser schelm Kramer (1702) 2, 1139b; Wander 4, 1484; Pansner schimpfwb. 74a. adv.: wie ohntreu aber Sebastianus gehandelt, erwisen seine falsche dogmata, damit er seine cosmographiam beschmirt hat Mechtel Limburger chron. 128 Knetsch. im wesentlichen veraltet. 1@ll) zum geflügelten wort geworden sind die an Christus gerichteten verse von Novalis 1, 71 M.: wenn alle untreu werden, so bleib ich dir doch treu, dasz dankbarkeit auf erden nicht ausgestorben sei. von Schenckendorf (1814 an Friedr. L. Jahn) ged. (1815) 141 auf die genossen seiner jugend bezogen: wenn alle untreu werden, so bleib ich euch doch treu; wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu Laube 1, 59; mit dem zusatz: sagt Schwindel et companei Wander 4, 1484. 1@mm) Hans Untreu als spottname Frischlin d. dicht. 187 Str. 22) von thieren, auf die menschliche pflichtverhältnisse übertragen werden; vgl. ungetreu 1 b: so sy (die päpstler) als ein untrüw (tückisches, ungebärdiges) rosz mit allen tücken tobend Zwingli d. schr. 1, 251; gleich wie der untrewe han, der allein friszt und seinen hünern nichts gönnet Paracelsus (1616) 2, 609 H.; der untrew ist, ist untrew als ein hund 2, 328 H.; Fischart flöhhatz 66 ndr.; pfawen sind den menschen ... u. Sebiz feldbau (1579) 116; weisze schecken sind gern im felde u. Walther pferdezucht (1658) 3; eine untreue henne. 33) von sachen: a) inofficiosum testamentum, ein untreuw, unbillich, ungütig erbgemächt oder testament, darinn die natürlichen und rechten erben unbillich auszgeschlossen werdend Frisius 703a; untrew gut faselt nicht Mathesius Sarepta (1571) 20b (vgl.unrecht gut); sie ... legte ihr untreues (das sich verschoben hatte) halstuch zurechte Pfeffel pros. versuche 2, 151; leider sind hier die briefposten beides nachlässig und u. Chamisso (1836) 5, 286; o flamme, flamme! höchst untreue (weil sie nicht gehütet hat) flamme! Fouqué held des nordens 1, 138; für die welt: die untreue erde Brentano 2, 355; mein untrewes vatterland griech. dramen 1, 175 Dähnhardt, mit beziehung auf 1 a. treue und untreue hand s. th. 4, 2, 332 f.; wo man sich hinkehrt und wendt, da seynd falsche hertzen und untrew händ Lehmann florilegium (1662) 1, 108; du zeigst an allen enden uns mit untrewen händen der wollust falschen schein S. Dach bei Fischer-Tümpel 3, 72; untrewe handt gehet hyn, kompt aber nicht herwidder J. Agricola sprichw. (1534) A 3a; veraltet. b) nach lat. mare infidum, portus infidus: wie wol das wasser nicht fast weit und grosz ist, so ist es doch tieff und untrew, stille und trieb F. Fabri eigendlich beschreibung (1557) 78a; im untrewen meer griech. dramen 1, 181 Dähnhardt; Fischart podagr. trostb. 87, 31 H.; ein grimm, untrewes wasser Stumpf Schweizerchron. 392a; der lüste wilde see spielt mit dem leichten kahn, bis der auf seichtem sand und jener an den klippen ein untreu ufer deckt mit trocknenden gerippen A. v. Haller gedichte (1882) 123; übertragen: da ich mich niemals untreuem grunde anvertraut Görres briefe 3, 36. 44) mit abstractis verbunden (vgl.ungetreu 1 c); in pflichtverletzung wurzelnd, mit ihr verbunden, aus ihr hervorgehend. die bed. ist hier wie bei 3 nicht so verselbständigt wie beim engl. untrue A 3 (Murray 10, 1, 382c): durch untrüw und bös fünd Steinhöwel ber. frauen 51 Dr.; die Romer nacher irer fuchsischen, untreuen art Knebel chron. v. Kaisheim 21 lit. ver.; rot bart, untrewe art S. Franck sprichw. (1545) 1, 77a; die untreu-böse art Herder 11, 460 S.; eine untreu und falsch arbeit niederösterr. weisth. 2, 641, 7; sachen, liste, practicken, rat, bosheit, besorgung der armee, geschäftsführung, that u. dgl. H. Sachs 18, 98, 24 G.; 5, 89, 9 K.; Tschudi chron. 1, 81; Kirchhof wendunmuth 2, 71 Ö.; A. Olearius königreich Persien 23a; Breitenfels Swift 6, 122; Eichhorn d. staats- u. rechtsgesch. (1821) 2, 608; Nitzsch d. studien 254; ach, wie untreu und verlogen ist die liebe dieser welt! P. Gerhard bei Fischer-Tümpel 3, 419a; untreuer krieg (in dem man lügt und trügt) Logau 22 E. 55) vom glück: o weh, du falsch untrewes glück! H. Sachs 2, 35, 4 K.; E. v. Kleist 1, 37 S.; wenn er (d. feldherr) ... aus dem untreuen glücke, das ihm den rücken zukehrt, seine maschine zu machen ... weisz Gerstenberg schlesw. litbr. 217 lit. denkm.; ähnlich: das recht ist simpel, ungewisz und untrew Petri (1605) N l 6a. 66) verblaszt und umgebogen ist die eigentliche bed. von u. sein, werden, machen in einer gruppe von ausdrücken, die bes. seit unserer classischen literatur sich reich entwickelt haben. vgl. nl. wb. 10, 1944 A 5. die ä. spr. beharrt i. a. auf der eigentlichen bed.; z. b. deme ist nicht viel zu vortrawen, der seinem vaterland untrew ist Fr. Wilhelm sprichw. register (1577) d 2 β; oder du muszt den vätern nicht durch häucheln untreu werden! Gottsched das neueste 1, 440; diese bed. ist auch heute noch möglich, doch kann seinem vaterlande u. werden auch blosz das wandern aus dem v. bedeuten; die tanzmusik (auf d. lande) ist ihrem deutschen vaterlande längst u. geworden (es kommen fremde tänze, operntänze u. dgl. auf) Böhme gesch. d. tanzes 319. a) einem u. sein oder werden im sinne bloszen fortbleibens von jemand, ohne dasz sich an der gesinnung oder dem allgemeinen verhalten etwas zu ändern braucht: doch du (geliebte) verwandelst meinen sinn, dasz ich den freunden untreu bin Chr. Weise der grünenden jugend überfl. gedanken (1668) 36 ndr.; wie kömmt es, werther, sprich einmal, dasz du der Pallas untreu worden? (der jurist Cramer will sich vermählen) Gottsched gedichte (1751) 1, 152; ich hoffte sie noch heute früh zu sehen, verzeihen sie, dasz ich ihnen u. werde (fortreise) Göthe IV 9, 1 W.; ich darf meiner nachbarschaft nicht u. werden Holtei erz. schr. 8, 207; einem kaufmann, handwerker, einem wirte, arzte, prediger, einem geschäfte u. s. w. u. werden. b) sich (selbst, selber) u. sein oder werden (gemacht werden) mit sich selbst in widerspruch sich befinden oder gerathen, inconsequent sein oder werden, sich selbst aufgeben u. ä.: die Hamletstelle 1, 3, 78 to thine owne selfe be true kann der ausgangspunkt der ausdrucksweise sein (s.treu): seine lästerer sollen einsehen, dasz er sich selbst nie u. ward, dasz er sich noch jetzt treu ist Klinger 8, 4; es (d. altargemälde) ist aus der zeit, wo Raphael noch nicht sich selbst durch die antike und durch Michel Angelo war u. gemacht worden Fr. Schlegel 6, 146; nun ... kam der tag, da die versammlung sich selber u. ward Dahlmann franz. revolution 271; Leonorens mutter gehörte zu jenen vortrefflichen frauen, die ... sich niemals u. werden Holtei erz. schr. 6, 21; selten hat ein staatsmann seine meinung ... so oft verändert, ohne doch je sich selber u. zu werden Treitschke d. gesch. 5, 478. seinem herzen u. werden: J. G. Jacobi 1, vi. c) an die stelle des dativs der person tritt der dativ eines abstractums (s. Murray 10, 1, 417b): dem jetzigen (beschlusse) ... könnten sie nicht beytreten, ohne selbst der lehre, die sie bis daher als die wahre und heilsame bekannt, u. zu werden M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778 ff.) 5, 207; sie (die Franzosen) sind ihr (der natur) von jeher u. gewesen Gerstenberg Hamb. n. zeitung 87 lit. denkm.; ich werde ... alles ..., was mich meiner gemächlichkeit u. machen könnte, aus meinem fenster sehen Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 272; aus dem ganzen collegium widersetzte sich allein M. Duilius, ... der gemeinschaftlichen sache u. Niebuhr m. gesch. 2, 158; H. ward diesem plan u. 3, 687; seinem gegebenen worte, einer methode, dem ideale und der zukunft, seiner bestimmung, entschlüssen, der poesie, seinem wahrheitssinn, stande, versprechen, grundsätzen, seinem symbolum, dem geist seines jahrhunderts u. dgl. u. werden J. J. Engel 3, 105; Schleiermacher I 3, 361; Immermann 1, 59 B.; Schopenhauer 2, 454 Gr.; E. M. Arndt (1892) 1, 57; Hebbel br. 1, 33 W.; O. Jahn Mozart 2, 49; M. Meyr erz. a. d. Ries 2, 154; jahrb. d. Grillparzerges. 2, 298; O. Ludwig 2, 301; 5, 147; Ranke s. w. 3, 121; des seinem grundgedanken untreugewordenen 9, 287; er glaubt mit diesem ende dennoch dem anfang nicht u. geworden zu seyn W. H. Riehl d. d. arbeit 12; eine lange folgenreihe köstlich zubereiteter gerichte machte den mäszigen jener einfachen kost nicht u. Holtei erz. schr. 16, 156; er blieb seiner absicht, seinem vorhaben u. Krünitz 200, 197; seiner wissenschaft u. werden; aber stärker: er ist ein untreuer philolog, ein verräther an seiner wissenschaft, fälscher und betrüger G. Freytag verl. handschrift 3, 247. d) der sonne u. werden, ihren schein meiden, dichterisch: nun bin ich untreu worden der sonn und ihrem schein, die nacht, die nacht soll dame nun meines herzens sein! G. Keller 9, 18 (unruhe der nacht). e) das schwert, das gedächtnis, das glück werden einem u., lassen einen im stich: das schwert ist ihm u. geworden schlesw. litbr. 60 lit. denkm.; zuweilen schien ihm aber das gedächtnis u. zu werden J. G. Forster 361; mein gedächtnis ist mir noch nicht u. geworden Heinse 10, 162 Sch.; selten: einige derselben (maximen) wollten ihm (Friedrich II.) ... zuweilen u. werden Herder 17, 31 S.; üblich ist dafür die unter c dargestellte ausdrucksweise. 77) unrichtig, falsch, fehlerhaft; vgl. engl. untrue A 2 Murray 10, 1, 382c, in ä. spr. von zauberischen dingen (vgl. Morgant 213, 12 B.): dieselb bekandt, sie hab das untreu an ein ort geworfen, da der, so ihre tochter geschlagen gehabt, fürüber gehn und davon sterben sollen Fischart Bodin (1591) 159; auf ein zeit, als er eines jungherrn pferd ein untreu stück het geben ebda; veraltet. von wolle, deren haare nicht in ihrer ganzen länge gleiche dicke haben Bucher kunstgewerbe (1884) 419a; Prechtl 19, 10. vgl. die ortsnamen Untreuhau, Untreuesziel Fischer schw. wb. 6, 262. 88) wie engl. untrue A 2 Murray 10, 1, 382c ungenau, inexact, dem originale nicht entsprechend; noch nicht im älteren sprachgebrauch, z. b. das märtyrerbuch, wie mans noch so unrichtig aus den untreuen händen (s. oben 3 a) der papisten hat G. Arnold ketzerhistorie (1699) 284a: er würde dann vielleicht an seinen übersetzungen selbst sehen, wie u. sie sind Herder 5, 403 S.; 5, 427 S.; aus untreuen übersetzungen kennen lernen Göthe 46, 97 W.; untreue bibelübersetzungen B. Weber Tirol u. die reformation 48; dann auch ein untreuer übersetzer, berichterstatter u. dgl.; jemand ist u. in seinen erzählungen Krünitz 200, 196; adv. u. übersetzen W. v. Humboldt briefe an Welcker 111; u. wiedergeben, berichten u. s. w.; ähnlich untreue auszüge K. L. v. Haller restauration der staatswiss. 1, xxxv; diese untreue vermischung beider arten Solger nachgel. schr. 1, 205; ein untreues erdichten des stofs der fabeln Jac. Grimm Reinhart fuchs cclvii; die figuren des gemäldes werden u., verworren und dunkel, wenn man ihnen das licht raubet Herder 17, 321 S.; ein untreues gemälde; der maler ist in der darstellung seiner gemälde u. Krünitz 200, 196; ebenso u. (ungenau wiedergegeben) war das wohlerhaltene relief daselbst Justi Winckelmann 2, 2, 357. 99) in der luxemb. ma. bedeutet ontrie auch misztrauisch. wb. d. lux. ma. (1906) 319. die irrige ansetzung einer alten bed. suspiciosus bei Schade beruht auf der glossierung urtriwi suspiciosus Graff 5, 465. 1010) das heutige verhalten zu dem älteren ungetreu ist sp. 899 besprochen. Adelung bevorzugte ein ungetreues gemälde, ein ungetreuer liebhaber, ein ungetreuer freund. im vers sind beide formen willkommen: untreues ehgemahl! brichst du den bund mit mir ... was sag ich ungetreu? J. Chr. Günther 813; ihr sollt ich untreu werden können? dir ungetreu? Wieland 28, 264 Gr. während Uhland schr. z. gesch. d. dichtung und sage 1, 303 die treuen und die ungetreuen in der heldensage schied, schien es Scherers stil gemäszer, in der oben 1 a gegebenen stelle die treuen und untreuen zu setzen. 1111) u. und treulos im heutigen sprachgebrauch. vgl. sp. 899: der treulose fügt der untreue falschheit und verrath hinzu; wer von seinem vaterlande abfällt, ist nicht nur u., sondern treulos Eberhard-Lyon (1904) 840; der liebhaber, der aus leichtsinn von einer geliebten zur andern schwärmt, ist nur untreu, nicht treulos; wer aber die verlobte böslich verläszt, ist treulos Weigand syn. 3, 904.
21868 Zeichen · 544 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    untreuAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch

    untreu , Adj. Vw.: s. untrǖwe (1)

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Untreu

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Untreu , -er, -este, adj. et adv. der Gegensatz von treu, welcher in dessen sämmtlichen Bedeutungen üblich ist, außer et…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    untreu

    Goethe-Wörterbuch

    untreu [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    untreu

    Bayerisches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    untreu Band 4, Spalte 4,459

  5. Sprichwörter
    Untreu

    Wander (Sprichwörter)

    Untreu 1. Wenn alle untreu werden, so bleiben wir doch treu, sagt Schwindel et Companei. 2. Wer untreu seinem Herrn, dem…

  6. Spezial
    untreu

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    un|treu adj. 1 infedel (-ei, -a) 2 nia de parora. ▬ seiner Frau untreu werden tradí süa fomena ; ‹pop, umor› ti fá i cor…

Verweisungsnetz

29 Knoten, 20 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 19 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit untreu

15 Bildungen · 12 Erstglied · 0 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von untreu

un- + treu

untreu leitet sich vom Lemma treu ab mit Präfix un-.

untreu‑ als Erstglied (12 von 12)

Untreue (der)

Wander

untreu·eder

Untreue (der) 1. Der Untreue ist gegen alle Menschen mistrauisch. – Simrock, 10772. 2. Was man gibt einem Vntrewen, ist alles zu viel. – Pet…

Untreue (die)

Wander

untreue·die

Untreue (die) 1. Der vntrew ist haussen so vill, das ich mich binnen halten will. – Weinsberg, 95. Neben dem Spruche ist eine Schnecke gezei…

untreuen

DWB

unt·reuen

untreuen , veraltetes v.; mhd. untriuwen, mnd. untruwen, beide in der bed. untreu werden; mnl. ontrouwen misztrauen. untreu werden : so weis…

untreuheit

DWB

untreu·heit

untreuheit , f. , im deutschen selten: dann wo man abzeucht, da ist u. zu brauchen Flavius Vegetius Renatus J 3 a ; Fischer schwäb. wb. 6, 2…

untreuigkeit

DWB

untreuigkeit , f.; mnd. untruwicheit; mnl. ontrouwicheit; Fischer schwäb. wb. 6, 262 : die untrewheit dieser Engellendern Falckner franz. ch…

untreuisch

DWB

untreu·isch

untreuisch , adj. , untreu; dasz sie die neydischen und untrewischen arth begreiffen Paracelsus (1616) 2, 609 H. veraltet. —

untreukraut

DWB

untreu·kraut

untreukraut , n. , salsola kali, soda-, salz-, skorpionkraut; wohl wegen der unvermuthet stechenden blätter: Nemnich wb. d. naturgesch. 611 …

untreulich

DWB

untreu·lich

untreulich , adj. adv. , gs. zu treulich; vgl. untreu , untreuisch , ungetreulich . ags. untreówlice; engl. untruly; an. útrúligr, -liga; ad…

untreulos

DWB

untreu·los

untreulos , adj. , treulos: öst. weisth. 11, 723. un IV C 2. dazu Murray 10, 1, 29 c , 5 a.

untreuwa

KöblerAs

untreuwa , st. F. (ō) nhd. Untreue, Treulosigkeit ne. infidelity (N.) Hw.: vgl. ahd. untriuwa* (st. F. ō) Q.: H (830) I.: Lüs. lat. infideli…

untreuwe

MNWB

untreuwe s. untrü̂w(e).

Ableitungen von untreu (3 von 3)

untreue

DWB

untreue , f. , mangel der treue und ihr gs.; an. útrú, útrygð, schwed. otro; ags. untreów, untreówþ, engl. untruth; as. untrewa; ahd. untriu…

veruntreuen

DWB

veruntreuen , v. , mhd. wb. 3, 109, Lexer 3, 281 , häufig in den frühnhd. wb. ( s. u. 2), Steinbach , Adelung, Campe ; schwäb. Fischer 2, 13…

veruntreuung

DWB

veruntreuung , f. , seit dem 16. jahrh. belegt, vereinzelt veruntrauung allg. deutsche bibl. 81, 342. treulose handlungsweise in verschieden…