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treulos

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

treulos adj. und adv.

Bd. 22, Sp. 379
[]treulos, adj. und adv. im an. trygglaus, trúlaus, ae. treówleas, seltener getreówleas, getrywleas, as. treulos belegt, got. und ahd. nur die von ἄδικος und infidelis abhängigen bildungen untriggws, ungitriuwi überliefert. das mhd. zeigt beide wörter nebeneinander, ohne dasz sich unterschiede in ihrem gebrauch feststellen lassen. heute stellt treulos den stärkeren, allgemeineren ausdruck dar, während untreu weniger sinnschwer oder nur für einen einzelnen fall von treulosigkeit gebraucht wird. die form schwankt kaum. vereinzelt findet sich triwenlôs Parz. 218, 27; 322, 18, ebenso noch später: es ist kein grewel so hoch und grosz als wenn ein mann wird trewenlosz Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, B b 1r. das object kann in verschiedener weise angefügt werden. meist sagt man treulos gegen jem., seltener jemandem treulos. zuweilen begegnet treulos an jem., der babst ... ward auch an dem kind treulos Seb. Franck chron., zeitb. (1531) 186b. ganz vereinzelt: da haben clxxx ausz inen verstockt lieber wöllen verbrant, dan von irer ketzerei treulosz werden ebda 354b. im mnd. findet sich die genitivkonstruktion, s. u. A 1. AA. die ursprüngliche rechtliche bedeutung des wortes klingt durch: A@11) treulos gegen ein bündnis, abmachungen: we kundighet unde klaghet juk over W., dat he os truwelos wert siner openen beseghelden breve Braunschw. chron. 1, 300 Hänselmann; wenn man also einem Deutschen etwas aufzuheben gab, muszte es treulich wieder herausgegeben werden, und wer es nicht herausgab, sondern leugnete, der wurde für treulosz gehalten, welches soviel als infam war J. G. Estor der Teutschen rechtsgelahrtheit 3. teil (1767) 1190; der den vertrag treulos und stolz gebrochen hatte E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 167. übertragen: so treulos war noch nie des waldes völkerrecht J. G. Jacobi (1807) 1, 140. treubrüchig gegen den herrn: treulôs man (Judas) Heliand 4828; er sprach: ih treulôser kneht Heinrich v. Neustadt Apoll. 1566 Singer; und flohen gemach all treulosz von jm, fielen zum sun; der kayser must sich heimlich davon stelen Seb. Franck chron. Germ. (1538) 137a; wer treulos beredit wirt adir hervluhtik us dez herren dinste wirt, dem vorteilit man sin erbe Neumarkter rechtsbuch 142 Meinardus; soll ich diese mamelucken von soldaten nennen, die treulos gegen ihren eid und gegen ihren könig, zuerst die fane der empörung gepflanzt hatten? K. F. Kramer Neseggab (1791) 1, 169; treulos sind alle knechte, der freie nur ist treu Th. Fontane ged. (1891) 116. in synonymen verbindungen: so muos er iemer mêre triuwelôs sîn unde âne êre Rudolf v. Ems Willehalm 9496; und wer dowiedir tete heymelich adir offenbar, der sal trawlosz, erlosz und rechtlosz sein (1444) lehnsurkunden Schlesiens (1881) 2, 257; cadent in perperam et verbum, quod vulgariter dicitur truwelos unde erlos hess. urk.-buch 1, 139; entsprechend treue VI schon fast in fester bedeutung als 'wortbrüchig': der sol trewlosz vnd meyneidig erkannt werden L. Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, d 4; trewlos und meyneidig werden an jhrer oberkeit Luther 30, 138 W.; dan eyn tyran sol zuforderst die eigenschafft an im haben, das er trewlos und meyneydig sey Hutten 4, 13 Böcking; würden also trewlosz und meyneidig Götz v. Berlich. lebensbeschr. 44; der soll trewlos und meineyd sin Äg. Tschudi (1734) 1, 276. treulos gegen das vaterland: der seinen fürsten verrathet und an seinem vatterland trewlosz wird Lehman florileg. polit. (1662) 4, 26. [] A@22) treulos in mehr allgemein menschlicher beziehung. A@2@aa) in der liebe: ich wære ein triuwelôsez wîp, ob ich gedæhte niht daran daz er vil tugenthafter man (der liebhaber) sante mir sîn herze tôt Konrad v. Würzburg herzmäre 506; wenn sie (die seele) ihrem blutbräutigam, ... dem herrn Jesu, treulosz wird Christian Scriver seelenschatz (1737) 1, 100b; so wiszt es denn, ein treulos herz, ein bräutgam tötet mich Herder 25, 181 Suphan; die schöne, aber treulose Angelika (1799) Caroline 1, 375 Waitz; und so entsagt ich meinen bessern trieben und wurde treulos meiner gluth und dir? Sophie Mereau ged. (1800) 1, 28; sie (die meerfräulein) sollen, sagt man, alt und jung verführen und das treuloseste geschlecht in der zauberwelt sein Göthe I 23, 289 W.; plötzlich, da kommt es mir, treuloser knabe, dasz ich die nacht von dir geträumet habe Mörike 1, 64 Göschen. A@2@bb) in der ehe: der du eine frome frau ... ausschreiest als eine treulose, meyneydige, verlauffene hure Luther 26, 546 W.; wann ein mann einen argwohn hatte, als ob ihme seine frau treulos worden Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 85. A@2@cc) in der freundschaft: lâze ih den hie verderben ... sô wirde ih triwelôs benamen Konrad v. Würzburg Engelh. 6123; trewlose freunde, die einen jres nutzes halben lieben Fr. Wilhelm sprichwörterregister (1577) ff 1v, nr. 39; du, der freundschaft treulos, weil du ihr nicht gönnen magst, sich im reinen strahle weiblicher tugend zu veredeln Holtei erz. schr. (1861) 2, 252. A@2@dd) gegengott: perfidus trawlosz, glaubbrüchig Serranus dictionarium (1540) i 2b; decedere fide seynen glauben felschen, treulos sein Joh. Frisius dictionarium (1558) 365a; im grund alles glaublos, treulos ... Luther 6, 219 W.; sprich zu denen diemich verleugnet haben und an mir sind trewlos worden ebda 32, 91 W.; weil sie an meynem bruder und erlöser Jesu Christo treuwlos worden G. Nigrinus v. zäuberern, hexen (1592) 61. in ähnlichem religiösen sinn: wær Gâwan tôt, ih wolde tuon den kampf, ê sîn gebeine læge triwenlôs unreine Parz. 322, 18. BB. schon früh findet sich treulos in allgemein moralischer bedeutung, ohne beziehung auf eine bestimmte handlung als: B@11) verräterisch, betrügerisch: daz ein triwelôser wiht von disen mære ûf triwe kome Konrad v. Würzburg Engelh. 189; truwelos kundegin denunciare Konrad v. Heinrichau vocabular 396b Gusinde; fürt hin den trewlosen man und würgendt in noch disen tag H. Sachs 11, 139 Keller; ein treuloser schelm M. Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1140b; im jahre 1711 entdeckte ich, dasz ein treuloser verwalter der einkünfte des gymnasiums ... übel hausgehalten ... Chr. F. Nicolai reise durch Deutschland u. d. Schweiz (1783) 1, 81; die treulosen reichsfeinde E. M. Arndt s. w. 1, 82 Rösch-Meissner; hütet euch vor den menschen, sie sind treulos und falsch wie das mondenlicht G. Freytag (1886/88) 2, 13; dieser bemächtigte sich in treuloser weise der person des königs Mommsen m. gesch. 2, 162. besonders treuloser verräther: so recht, sprach ich, soll es dir meineydigem, treulosem, gottesvergessenem verräther ergehen Moscherosch Phil. v. S. (1650) 1, 463; pfuy dich, du trewloser verräther P. v. d. Aelst Heymonskinder (1604) 63; treulos und verräther H. Decimator thesaurus (1615); dasz man mit trewlosen verräthern verkuppelt gewesen Lehman florileg. polit. (1662) 1, 126; ich (Sais), das werkzeug treuloser verräther? F. v. Gebler könig Thamos nach O. Jahn Mozart 2, 390. [] abgrenzend für diese bedeutungen: unser armseliges treulos ist ein unschuldiges kind dagegen (gegen das wort perfid). perfid ist treulos mit genusz, mit übermuth und schadenfreude Göthe 22, 234 W. B@22) lügnerisch: bilder der seeligkeit, phantasien der götterlust, ach wo seid ihr dahin? hin! mein betrogener geist haszt euch, treulose hoffnungen! Wieland I 1, 443 ak.; jetzt, da er sterben soll, entflieht dem geängstigten Moor seine treulose sophistische weisheit Schiller 3, 521 d.; ein ritterlich gemüthe das die treue heilig hüte in der zeit treulosem scherz Eichendorff s. w. (1864) 1, 376; variiert allgemeiner als 'unzuverlässig': trewlosz, dem nit zu trawen ist Maaler 407; treuloser gefangener, dem gitter vorgelegt werden müssen Herder 7, 69 Suphan; ich rief dem treulosen gastwirt die verletzendsten injurien zu Gaudy (1844) 3, 148; treulose hofleute Dahlmann gesch. d. frz. rev. (1845) 365. CC. treulos in ethisch neutraler bedeutung, vgl. treue sp. 337. 'unbeständig, ungenau' u. ä. vom gedächtnis: ich finde es abscheulich, dasz er mir nicht eingefallen ist, und bitte sie, weiter nichts darüber zu denken, als dasz ich zu zeiten ein treuloses gedächtnis habe G. Forster sämtl. schr. (1843) 8, 27; (da das gedächtnis) höchst unvollkommen und treulos ist A. Schopenhauer 2, 161 Grisebach. vom glück: treuloses glück Schiller 14, 23 Gödeke; Grillparzer 10, 71 Sauer; treuloses glück, was wirst du dann beginnen Gries Bojardos verliebter Roland (1835) 2, 119. vom traum: aber plötzlich verwandelt sich der treulose traum Wieland werke I 3, 49 ak.; wilst du es darauf ankommen lassen, dasz dein treuloses gaukelbild auf der schröklichen brücke zwischen zeit und ewigkeit von dir weiche? Schiller 3, 478 Gödeke; wie ein treuloser traum, indem er uns vergnüget, nur durch ein hold gespenst des herzens sehnsucht trüget Wieland I 1, 46 ak. vereinzelt: jene schon besprochene italienische übersetzung, die nicht nur matt, sondern völlig treulos (ungenau) ist Platen tagebücher 2, 13 Laubmann. DD. übertragen von erscheinungen und gegenständen der natur gesagt, soweit sie den menschen in gefahr oder ins unglück bringen: die treulose, buhlerische natur Börne (1829) 5, 134. vom meer: es (das wasser) brauset, sprützet schaum, bläht sich, tobt, bis wind und meer einen treulosen stillstand erneuern Gerstenberg schlesw. lit.-br. 170 A. v. Weilen; gott war es, der euch auf den flügeln seiner unsichtbaren engel über die treulosen wasser trug Lessing 3, 476 L.-M.; o, ihr treulosen wellen! Sal. Geszner (1777) 1, 80; das treulose unzugängliche element Göthe 20, 361 W.; in diesem stürmischen und oft sehr treulosen ozean F. v. Gentz tageb. 1, 109; schlag er das meer nur immerhin, das treulos ist und falsch von sinn Leuthold ged. 41894, 89. auf welchem treulosen ufer verdorren die werthen gebeine Dusch vermischte w. (1754) 398; seit er ans treulose gestade durch schmeichelnde briefe gelockt ward Platen 1, 260 Hempel. sonstiges: sie werden sich wieder lieben unter eurem (der blätter) treulosem schatten K. W. Ramler einl. in die schönen wissenschaften (1758) 1, 397; wo sie (die badenden) nur der silberne mond mit verstolenen blicken durch das treulose gebüsch sah Wieland I 1, 182 ak.; ein fuszweg verliesz mich mit eins auf die treuloseste art Ulrich Bräker s. schr. (1789) 2, 172; da jene noch alle auf der treulosen strasze zogen Wieland I 3, 488 ak.; er wuszte dem treulos unterirdischen wühlen der maulwürfe einhalt zu thun Scheffel (1907) 2, 144; bis ... der treulos mürbe bau zusammenbricht Schiller 12, 212 Gödeke. [] EE. substantivierungen. E@11) seltener und eindeutiger in der mehrzahl: Belials sind die treulosen, nichtswürdigen, die verräther Herder 12, 274 Suphan; aber noch keinen monat im lande, ermordeten die treulosen ihren wohltäter Ritter erdk. (1822) 1, 597. E@22) in der einzahl. E@2@aa) der verräter: und ich, treuloser, hab ihn vor allen sündern verleugnet! Petrus riefs dem verstummenden zu und risz sich von dannen Klopstock Messias (1780) 6, 195; sonst wird ... verkehrt und verwandelt ... der mensch in ain poswicht gots als ain trewloser Berth. v. Chiemsee teutsche theologey 136 Reithm.; wer wollte nicht ... gegen den treulosen partei nehmen Herder 3, 41 Suphan; der treulose wählt oder wechselt die partei Wilhelm Scherer lit.-gesch. 7107. E@2@bb) der betrüger der geliebten: so lohn ich dir, treuloser! Klinger neues theater (1790) 1, 226; wer hätte das in Stahlbrunn gedacht, treuloser? Holtei erz. schr. 9, 182. E@2@cc) besonders von der wetterwendischen geliebten: eh ich treulose deiner gunst genesen Neumark poet. lustw. (1652) 80; ich liebte die treulose noch Pfeffel pros. versuche (1810) 5, 17; o ich verruchte, ich treulose Bürger 262 Bohtz; die treulose hatte sich mit einem jungen Neapolitaner ... eingeschifft W. Hauff (1890) 4, 103; erinnerungen von reizenden Alpenmädchen und schönen treulosen L. Steub wanderungen im bayr. gebirge (1862) 147.
11871 Zeichen · 231 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Treulos

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Treulos , -er, -este, adj. et adv. der Treue beraubt, doch nur in engerer Bedeutung, der pflichtmäßigen oder angelobten …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    treulos

    Goethe-Wörterbuch

    treulos [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    treulosAdj.

    Pfälzisches Wb.

    treu-los Adj. : wie schd., e treiloseʳ Mensch [verbr.]. SHW Südhess. I 1725 ; BadWB Bad. I 555 .

  4. Spezial
    treulos

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    treu|los adj. 1 (hinterlistig) perfid (-ig, -a) 2 (unredlich) sleal (-ai, -a) 3 nia de parora, de stleta crëta.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit treulos

9 Bildungen · 5 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Zerlegung von treulos 2 Komponenten

treu+los

treulos setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

treulos‑ als Erstglied (5 von 5)

treulosheit

DWB

treulos·heit

treulosheit , f. , vom 15. bis ins 17. jh. gebräuchlich: perfidia treulosehait, auch treuloskait Diefenbach 425 c . zuletzt nur noch lexikal…

treulosig

DWB

treulosig , adj. : perfidus drueloszig (15. jh. ) Diefenbach gloss. 425 c .

treulosigkeit

DWB

treulosig·keit

treulosigkeit , f. , seit dem 16. jh. 1 1) mit starker betonung des rechtsbruchs und wortbruchs. 1@a a) besonders in der politik und im krie…

treuloslich

DWB

treulos·lich

treuloslich , adj. , erweiterte nebenform zu treulos: Calepinus XI ling. (1598) 722 a ; 1059 a ; dem nach er ( Ladislaus v. Polen ) den Türc…

treuloslieb

DWB

treulos·lieb

treuloslieb , adj. , dichterisch: da steht Dido ... weinend um den treuloslieben gast Th. Körner 2, 151 Hempel. treulosung, f., nur alt: per…

treulos als Zweitglied (2 von 2)

stolztreulos

DWB

stolz·treulos

stolztreulos , adj. : also sigreich solt ihr, an sehl und leib schadlos, den stoltztrewlosen feind sampt allen seinen götzen, ... aus ewerm …

untreulos

DWB

untreu·los

untreulos , adj. , treulos: öst. weisth. 11, 723. un IV C 2. dazu Murray 10, 1, 29 c , 5 a.

Ableitungen von treulos (2 von 2)

treulose

DWB

treulose , f. , perfidia, untreue, vertrauensbruch, wortbruch. im 16. jh. oft bezeugt: perfidia trewlasz (1421) Diefenbach nov. 287 b ; und …

untreulos

DWB

untreulos , adj. , treulos: öst. weisth. 11, 723. un IV C 2. dazu Murray 10, 1, 29 c , 5 a.