treulosigkeit,
f. ,
seit dem 16.
jh. 11)
mit starker betonung des rechtsbruchs und wortbruchs. 1@aa)
besonders in der politik und im kriegswesen, auch in religiösem bereich: Calvinus sagt auch, es sey des Judae trewlosigkeit ... ein werck gottes Joh. Nas
das antipapist. eins und hundert (1567/69) 2, h 3
a; treulosigkeit der Griechen S. Fr. Hahn
vollst. einl. z. d. teutsch. staats- reichs- und kayserhistorie (1721) 3, 204; wie hart seine (
des deserteurs) strafe bei continuierung solcher trewlosigkeit werden würde v. Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 171; zu den schandthaten der früheren zeit ist nun die offenbarste, verworffenste treulosigkeit hinzugekommen, ... bei Frankreich Görres
ges. schr. (1854) 3, 68; sind die unthertanen ... diejenigen, welche den bestehenden zustand des verkehrs stören durch treulosigkeit und betrug
F. Schleiermacher
s. w. (1834) I 12, 286; die verräterische treulosigkeit jenes königs von Frankreich Platen 9, 259
Hempel; richtete er (
Thiers) ... die schlimmsten bezeichnungen des königs, falschheit und treulosigkeit in erster linie H. Laube
ges. schr. 1, 377; um treulosigkeit und verrätherei der christen zu bändigen G. Freytag
ges. w. (1886) 10, 229; griechische treulosigkeit
ebda 17, 115; kaum ist je mit gleicher treulosigkeit krieg geführt worden Mommsen
röm. gesch. 2, 8; immer deutlicher erkannte er (
T. E. Lawrence) die treulosigkeit seiner (
der englischen) regierung
dtsche allgem. zeitung vom 8. 5. 1934,
unterhaltungsblatt; in synonymer verbindung: meineid vnnd trewloszigkeit H. Pantaleon
mitnächt. völckeren historie (1562) 2, 228; meineid und treulosigkeit A. v. Haller
Alfred könig der Angelsachsen (1773) 88;
theater der Deutschen (1768
ff.) 7, 161. 1@bb)
in liebe und ehe: die allgemeine indische vorstellung von der treulosigkeit des (
weiblichen) geschlechts G. Forster
s. schr. (1843) 9, 325; einst freilich glaubte ich, die treulosigkeit der frauen sei das schrecklichste H. Heine 3, 309
Elster; wie sollte ich gegen meine theure Toni falschheit, treulosigkeit suchen aus meiner brust, in der sie nie gewohnt
jahrb. d. Grillparzerges. 4 (1890) 257; da aber der storch, ihr mann, heim kam, merkte er die treulosigkeit, fiel die störchin an Grimm
dt. sagen (1891) 2, 112. 1@cc)
allgemein '
unzuverlässigkeit': leute mit kleinen weichen nasen ... haben mit ... treulosigkeit oder schwäche zu kämpfen Lavater
physiognom. fragm. (1775
f.) 4, 395. 22)
im engeren sinne '
unredlichkeit', '
betrügerei': auch würde sicherheit, trew und glaube nirgend mehr stattfinden, wann man der trewlosigkeit vnd allem betrug derogestalt thür und thor öffnen wolte v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 16; der hof selbst war meistens ein theater von treulosigkeiten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 395; treulosigkeit bleibt nimmermehr unbestraft Herder 26, 184
S.; sie (
die gemeine) rückt dem unwillkommenen erinnerer verblendung oder treulosigkeit vor J. G. Fichte
s. w. (1845) 3, 159; seine (
des hochmeisters) treulosigkeit ist schuld, wenn meine (
deutschen) landsleute durch schmeichelei, list und gewalt der fremden umgarnt werden G. Freytag
ges. w. (1886-88) 11, 339. 33)
mehr oder minder abgeschwächt oder übertragen, ohne betonung des moralischen: '
unbeständigkeit', '
ungenauigkeit'
u. ä., oft mit sächlichem object: welch ungeheure arbeit ich im falle von Schlegels treulosigkeit zwischen hier und ostern bekommen würde
aus Schleiermachers leben 1, 337; so will ich auch diese vernichten; sie soll vor mir vergehen durch ihr eigenes gefühl, durch die treulosigkeit ihrer sinne Hebbel
sämtl. werke 1, 59
Werner. vom wetter: und nun ist seit dem 10. das wetter mit seiner gewohnten treulosigkeit umgeschlagen Jacob Grimm
an Dahlmann 1, 171
vom meer: den andern tag ... sah ich ... einen leichnam ... ans ufer gespület werden; der anblick rührte mich. ich betrachtete mit lebhafften augen die treulosigkeit des meeres Heinse
s. w. 2, 212
Schüddekopf; darin setze ich die treulosigkeit der fahrt auf diesem ozean Fr. v. Gentz
schriften 1, 110
Schlesier. —