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traun

nhd. bis Lex. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

traun interj.

Bd. 21, Sp. 1526
traun, interj. , in wahrheit!, fürwahr!, wahrhaftig! herkunft und form. mhd. entriuwen, triuwen, mnd. entruwen, truwen, trouwen, mnl. trouwen, neunl. trouwens in gleicher bedeutung. ahd. nicht bezeugt, doch steht bei Notker häufig (achtzehnmal) triuwo atqui, certe, das offenbar das genaue singularische gegenstück zu dem dat. plur. mhd. triuwen ist, vgl. Graff 5, 466. adverb. wird dieses triuwo schwerlich sein, da es das adj. triuwi ahd. so gut wie gar nicht, und besonders bei Notker nicht gibt, s. treu, teil 11, 1, 2, sp. 246. dies singularische triuwo Notkers lebt noch bis in spätmhd. zeit vereinzelt in hochalemannischen denkmälern fort: trü ich enwaiss liedersaal 1, 200, 50 Laszberg (s. unten 1); hâst du nicht ersehen wol diu lînlachen? triuwe, ich sol dir zürnen, das geloube mir Boner 48, 32 Ben.; ähnlich 83, 32. dagegen erklärt sich ein gelegentliches trau nein Luther 15, 600 W.; trau nein ich Lindener katzipori 105 lit. ver.; entraw nein Tristrant 145 Pfaff (s. unten 2 b) aus abwerfung des n in der engen verbindung traun nein. die regel ist von frühmhd. zeit an die form mit -n, mhd. triuwen und entriuwen. entriuwen ist aus in triuwen 'in wahrheit' entstanden, s. treue, doch kommt die form ohne en- schon früh vor (Rother 95). im mhd. stehen entriuwen und triuwen gleichberechtigt nebeneinander, es tritt aber die form mit der präposition im laufe der zeit immer mehr zurück: nur mit geringen resten reicht sie bis ins 16. jh. hinein (andrauwen Keisersberg 1510 s. unten 1; entruwen [1515] Eulenspiegel 70 ndr.; inntrawen reimchron. üb. herz. Ulrich 15 lit. ver.). zweisilbige form des stammwortes (triuwen) ist für das mhd. regel. sie gilt ausnahmslos im mnd. und mnl. (truwen, trouwen) und hält sich auf diesen gebieten bis in die moderne zeit: neunl. trouwens, nordnieders. trouen brem.-ns. wb. 5, 115; truen Schütze holst. 4, 286 neben sum truen, dies nach Mensing 4, 934 aus so (du) mi truen (wullt), also zu trauen, vb. Nordniedersachsen ist das einzige gebiet, für das traun überhaupt, wenigstens für die zeit um 1800, als mundartlich lebendig gebucht ist. md. und obd. maa. kennen es nicht, 'war gewisz nie schwäbisch' Fischer nachtr. 1767 (falsche herleitung von trauen, subst., ebda 2, 329). während auch auf md. gebiet sich die zweisilbige form lange hält (truwen), treten auf obd. boden in der übergangszeit vom mhd. zum nhd. einsilbige formen auf, die schlieszlich zu dem später allein gültigen traun geführt haben: triun zs. f. d. altt. 10, 271 (hs. von 1347); trün Neidhart Eunuch (1486) und Straszburger Terenz (1499); treun Megenberg 197, 2, 3; 210, 35 Pfeiffer; trewn it.-deutsch. sprachbuch (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 434 ff.; beleg von 1482 (Nürnberg) bei Diefenbach gl. 479b; neben einer zweisilbigen, meist diphthongierten form (trauwen 6195, 7224, 8756; trawen 260, 430; truwen 2313) hat H. Wittenwiler häufig trun (159, 385, 1874, 2011 u. ö.). die kurzform mit au steht zuerst bei H. Vintler: traun 8071 Zingerle (: davon), s. unten 2 a. die erklärung der au-formen ist schwierig. es geht nicht an, mit Kluge 7463 und Weigand-Hirt 2, 1065 traun aus ostmd. einflusz zu erklären, die alten obd. belege sprechen dagegen. wir haben mit einer starken obd., speciell bair. neigung, iu vor w in û zu wandeln, zu rechnen, vgl. die einl. bemerkungen zu treue, f., und Weinhold bair. gramm. 102. im falle traun mag die sonderbedeutung des wortes zur lautlichen sonderbehandlung gegenüber dem grundwort treue geführt haben. gerade bei traun kann auch an volksetymologische einwirkung von trauen, vb., gedacht werden (V. Moser frühnhd. gramm. 1, 1, 213): gleich dem vb. (vgl. oben sp. 1327) macht traun vom mhd. zum nhd. eine starke abschwächung seiner bedeutung durch. im 16. jh. stehen traun und trauen gleichwertig nebeneinander, reste der ü-, eu-form kommen in der einsilbigen gestalt gar nicht, in der zweisilbigen spärlich vor: trüwen Eulenspiegel (Straszburg 1515), s. unten 1; J. Schlusser peur. kr. (Basel 1573) 74. Luther hat nebeneinander trawen und trawn (über traw nein s. oben), H. Sachs trawen 21, 67 K.-G., traun 21, 28, drauen 9, 494 und ein singuläres trawa 1, 171 (zur erklärung vgl. Schmeller-Fr. 1, 635). formen mit dr- sind sonst selten: A. v. Eyb 2, 152 Herrm.; stets bei E. Alberus; engl. com. u. trag. (1624) S s 7b; J. P. de Memel (1656) 303. noch im 17. jh. steht neben gewöhnlichem traun in vers und prosa auch trauen (1666 Buchholtz Hercules, s. unten 5; 1675 Treuer Dädalus, s. 4). im 18. jh. gibt es nur noch traun. bedeutung und gebrauch. Notkers triuwo atqui concurriert mit ze wâre atqui 1, 354, 4; 357, 20 P. (ze triuwon atqui s. unten 7). in mhd. zeit ist triuwen, entriuwen als beteuerungswort in der ursprünglichen bedeutung voll lebendig. in der rhetorisch bewegten, vielfach dialogischen literatur der reformationszeit ist es besonders beliebt: haec vocula draun habet quandam in se emphasim et energiam, qua libenter d. M. Luther utitur ... nec scio an habeamus latinam vocem, quae huius significationem assequatur E. Alberus (1540) Q q 1b. je länger je mehr erleidet traun, besonders in der stellung im satzinnern, eine einschränkung seiner bedeutung, hin zu einem vagen 'gewisz, doch wohl, wahrscheinlich, wie zu vermuten'. in der übersetzungsliteratur steht traun für lateinische interjectionen wie sane, nempe, scilicet, quin (für diese vier bei Neithard Eunuch 1486), pol, omnino, sane, vero (für diese bei E. Alberus 1540); quidem wol vel treun beleg von 1482 bei Diefenbach gloss. 479b. M. Kramer gibt 1702 noch eine ganze reihe lebendig klingender wendungen mit traun. aber im 18. jh. verschwindet das wort allmählich aus der gewöhnlichen prosa. Adelung bezeichnet es mehrfach als veraltet. in der poesie ist traun jedoch immer geblieben. die das volkstümliche wie das altertümliche suchende dichtung der 1770er jahre gebraucht es dann wieder häufiger, und so erscheint traun geradezu als 'ein in der dichtersprache gebräuchliches wort' Voigt hwb. f. d. geschäftsführung (1807) 2, 510. im 19. jh. ist es oft nur ein leeres flickwort der epigonenpoesie oder von stark ironischem klange; wo es in prosa erscheint (Voss, J. Grimm, s. unten 3) klingt es bewuszt altfränkisch.über concurrierende bildungen mit andern präpositionen s. unten 7. 11) traun steht in der älteren sprache im dialog, besonders an der spitze des satzes, um die besondere aufmerksamkeit des hörers zu erregen. am redeanfang: von ir selber nature chraft was Sara unberhaft. 'intriwen', redete si zuo ir man, 'nu mir got nine gan daz ich kint geberen schul' Milst. gen. 35, 25, Diemer; triun, ir habent ez wol geschaft: nu hânt ir ouch den verklaft, der mir ê sêr ze herzen lag der von Beringen in zs. f. dt. alt. 10, 271; beschawet den gaul wol und eben an seinen zänen in dem maul, sprach: 'drauen, es ist alt der gaul' H. Sachs 9, 494 K.; so auch in rhetorisch bewegter darlegung: sy klagen, sy haben hindernuss: so sy beeten söllen, so schlaffen sy. trawen, kinder, das ist nit ain wunder Tauler sermones (1508) 138v b; wozu dienet nu dieser wort pracht? dazu, das der tolle pöffel solle maul und nasen auff sperren und sagen: trawen, ich meyne ja, das sey ettwas, das ist eyn man, der kans Luther 18, 140 W.; so sprichstu: 'hastu doch selbs geleret, man solle allein gott und nicht menschen gleuben'. trawen, mit der weise soltestu mich wol mit meinem eigen schwerd schlahen 26, 150 W. traun fordert den angeredeten zur antwort auf: trawa, der sach mich basz bericht! H. Sachs 1, 171 K.; traun, mein Esaw, sag du mir an, hat iemand dir ein leid gethan? 21, 28 G. es steht infolgedessen geradezu bei der frage: 'triuuo du weist toh, wannan alliu ding châmen?' (atqui scis ...) 'taz weiz ih' (novi inquam) Notker 1, 47 Piper; entriuwen vürhtent si dich? ich pflige ir, und si vürhtent mich als ir meister und ir herren Iwein 493; besonders aber beim beginn der antwort: wanest tu darana wesen deheina rihti after redo? triuuo, chad ich, taz nechame niomer in minen sin, taz so guissiu ding faren after wanchelînero unrihti Notker 1, 45 Piper; und sprach: 'liebi frowe min, was mag die aventür gesin hie in des hages kraisz?' si sprach: 'trü, ich enwaisz' liedersaal 1, 200, 50 Laszberg; des antwurt sei: 'trun, ich enwaiss!' H. Wittenwiler ring 2011 Wieszner; (Sibilla:) nu sag, wie lang wert din gewalt? (Endcrist:) traun, des wirt nimmer ende nit fastnachtssp. 147, 17 K.; andrawen, sprechen sy (die angeschuldigten), man mag es mich doch nit bezeugen (durch zeugen überführen) Keisersberg has im pfeffer (1510) C c 4c; der meister sprach zu im: 'trüwen stundest uff dem dach, so werst noch höher' (1515) Eulenspiegel 81 ndr.; 'ihr habt euch nicht recht bemühet.' 'traun, meine jungfer, ich hette es nicht fleisziger bestellen können' Schoch studentenleben (1657) c 5a. in diesem zusammenhang kann traun geradezu für ja stehen: 'tu weist wola, chad ih to, mir nio neheina werltkireda analigen.' 'triuuo, chad si, wola weiz ih Notker 1, 109 Piper; 'sein seu nicht als wol sam wir Adams kinder? daz sag mir!' 'trauwen', sprach do Rifflan, 'ez ist wol war, daz iederman chomen ist von Adams leib' H. Wittenwiler ring 7222 Wieszner; trewn, du hast ez deraten (erraten) it.-deutsch. sprachbuch (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 435; ähnlich noch ganz spät: 'so musz ich ja wohl gar schlecht handeln, dasz von mir der schlechte nicht schlecht denke?' 'traun! wenn du schlecht handeln nennst, ein jedes ding nach seiner art zu brauchen Lessing 3, 84 L.-M. (Nathan 1771). 22) bis ins 17. jh. steht traun am beginn der antwort in fester verbindung mit ja und nein. 2@aa) mit ja: 'und welt ir michs geniezen lân, so zeige ich iu denselben man' diu frouwe sprach: 'entriuwen ja.' do gap si im mit freuden da drizzech huobe ze eigen Wigalois 5745 Ben. 'nu sag mir, zarter wirt mein, möcht ich nicht ewer gevert sein, das ich auch chund sagen davon?' der wirt der sprach: 'ja traun, ob ir sein euch hiet bedacht, ir möcht halt varen heint nacht H. Vintler pluem. d. tug. 8071 Zingerle; 'hastu chain wag im haus?' 'trewn io ich.' 'prings her!' it.-deutsch. sprachbuch (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 438; 'chumpt ir yeczunt von deuczen (deutschen) landen?' 'trewn jo; warumb wildus wissen?' 2, 433; 'wie, sprach Ferondo, pin ich dann tode und nit mer in leben?' 'ia traun, du pist tode', sprache der münch Arigo dec. 221 Keller; 'mag ich mich daran lassen, das dir mein fraw die allerliebst ist ...' 'ja entrauwen, du magst gewislich dich daran lassen' Tristrant (1498) 136 Pfaff; denn wenn man jhn solt gefragt haben: lieber vater, warumb issestu doch soviel jar lang eitel wurtzeln und kraut jm walde ...? meinestu auch, das dir gott sol darumb das ewige leben ... geben? so kunde ers nicht leugnen und must sagen: ja traun, ich hoffe jhe, er werde es nicht lassen umbsonst gethan sein Luther 28, 106 W.; 'odder solt ein hausvater jm seim haus sein gesind nicht leren ...?' antwort: 'trawn ja, das ist auch wolgethan' 32, 303 W. 'was thut man dan mit den wercken, oder soll man dan keyne gute werck thun?' antw.: 'draun ia, nur viel guter werck söllen wir thun' E. Alberus widder Jörg Witzeln mammelucken (1539) d 8a; 'in dem so wöll wir schicken hin in alle flecken Israel das sie zu hilff uns kummen schnell.' 'traun ja wir wölln jm also thon' W. Schmeltzl Samuel u. Saul (1551) 33 Wien. ndr.; da antwortet jhme herr Murner: 'ja drawen bey meinem katzenbart' eselkönig 379; ja traun, Jäckel gefelt mir so wohl Schoch stud. leb. (1657) m 6b; späterhin nur noch archaisierend: 'was gab er dann, o braut! als einen mahlschatz dir?' 'ein goldnes ringelein, darin strahlt ein saphir!' 'sag ist das ringlein auch pur lauter reines gold?' 'ja traun, drum bin ich ihm von ganzem herzen hold!' Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 572. 2@bb) mit nein: 'dune hâst niht wâr, Hartman.' 'vrouwe, ich hân.' 'entriuwen nein!' Iwein 2982 Bech; do sprach sei: 'waist du, warumb ich chümen pin zuo dir? vergich!' 'nain du, truwen!' sait ich do H. Wittenwiler ring 2311 Wieszner; 'ist ez tewr in deuczen landen?' 'nain ez, trewn' it.-deutsch. sprachbuch (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 434; 'wie düncket dich, hab ich dir gehaltenn als ich dir versprache?' 'traun neyn ir 'sprach Cyma Arigo dec. 193 Keller; aber Gymel gieng vor zu der frawen und sprach in grossem unwillen: 'wie meint ir disz ding? ist euch lieb, das ich mein eer also verlieren solt?' 'entraw nein' sprach die künigin Tristrant (1498) 145 Pfaff; sagen sie nitt fast allesampt also: ey wenn mein orden mir nit solt mehr gelten sund zu büssen ..., denn eynem paurn sein pflug und einem schneider sein fingerhut, was mach ich denn in dem orden und priesterstand? trawenn nein, ich will gutte werck thun, viel mess halten Luther 10, 1, 1, 686 W.; rede ich aber dieses ..., das man eben alles muste fur almosen hinweg geben? nein, trawen! C. Spangenberg jagdteufel (1560) h 4a; da kompt Clawert ins haus gegangen, rufft sein weib und spricht: 'Margareta, du wirst unsern hünern viel brodt zu essen geben.' 'traun nein, sagt die alte, ich gebe jhnen kein brodt' B. Krüger Hans Clawert 31 ndr.; fiengen sie (die apostel, als sie gestäupt wurden) zeter und mordio, ach und wehe drüber an zu schreyen? nein traun, sondern der text saget Chr. Mülman christl. geissel (1618) 13; nein traun, dieses hab ich nicht gethan Dannhawer catechismusmilch (1657) 6, 496; nein traun, das ist nicht gottes sinn, sein zorn, der hat ein ende P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 395. (in den modernen ausgaben mit falscher interpunction nein, traun, die alten drucke haben richtig nein traun). 33) die stellung an der spitze des satzes wird im laufe der zeit immer seltener, aber bis ins 19. jh. kann traun in dieser stellung infolge der damit verbundenen emphase den ursprünglichen positiven sinngehalt bewahren: traun! ich schertze nicht io non burlo certo, sicuro! M. Kramer teutsch-ital. 2 (1702) 1118a; traun! er kam mir so hölzern vor, dasz ich ihn im bücken von mir stiesz Gerstenberg Ugolino 220 Hamel; traun, dann solls anders gehen als es bisher gegangen ist Bürger 320 Bohtz (Dan. Wunderlich); traun! die macht des bösen sinkt nun fort und fort Platen 1, 60 Hempel; traun! wollte gott in wundern sprechen, er würde wenden euer herz, er würde von der brust euch brechen den siebenfachen wall von erz Lenau 556 Barthel; doch meldet sich auch in dieser stellung mindestens seit der mitte des 18. jh. das für diese zeit (vgl. 5) bei traun gewöhnliche moment bloszer vermutung oder abwägender skepsis: traun! ich werde wohl 50 dukaten ... missen Th. Abbt verm. werke 3 (1782) 133; traun, da müssen herz und kopf sich lange zanken, ob menschenhasz, ob schwermut siegen soll Lessing 3, 9 L.-M. (Nathan 132); wieviel steht da vor euch es auszubilden! traun! ihr finget kaum zu lernen an Herder 23, 251 Suphan; zu reiner ironie gesteigert: traun! ich möchte dich gestrengen herrn wohl schaun! Göthe 15, 67 W. (Faust 6169); 'diese schmerzliche sehnsucht — ich möchte nicht leben, wenn ich sie nie gefühlt hätte!' — 'traun! sie hat euch herrliche früchte getragen!' Iffland theatral. w. (1827) 10, 334; sonst in der prosa des 19. jh. bewuszt altertümlich: traun, ersprieszlicher als im frei denkenden Griechenland, blühete die ägyptische kastenmenschheit J. H. Voss antisymbol. (1824) 1, 110; traun geheimnisvoll und wunderbar ist der sprache ursprung! J. Grimm kl. schr. 1, 296. 44) auch im satzinnern hat traun in alter zeit uneingeschränkt positiven bedeutungsgehalt; etwa vom 16. jh. an concurrieren damit abgeschwächte bedeutungen (vgl. 5), die im 17. und 18. jh. in dieser stellung die regel bilden.das mhd. hat noch den alten vollen klang: da ist doch mîn schulde entriuwen niht so grôz als rehte unsælic ich ze lône bin. ich stân aller vroiden rehte hendeblôz Reinmar in minnesangs frühling 171, 18; das sind warlich nicht unnütze und vergebliche historien und geschicht, die leute damit forchtsam zu machen, sie sind traun schrecklich und gar kein kinderwerk wie die klügling meinen Luther tischred. 5, 486 W.; ähnlich im sinne von 'ganz und gar': darum lief sie Christo nach und wollte sich trauen nicht lassen abweisen 6, 10; solche greuplein oder stüfflein, da rotgülden ertz ansteht, sind trawen auszuhalten Mathesius Sarepta (1571) 69b; die uneingeschränkte bed. besonders in der ursprünglichsten verwendung, bei beteuerungen: ich liebe dich trawen hefftig J. Barth weiberspiegel (1565) c 4a; lieber herr, ich hab es trawen nicht gethan, sondern das kindlein Kirchhof wendunm. (1565) 443a; o Adlheit, er thut traun kein gut Eyering proverb. cop. (1601) 1, 71 (im erzählenden text); mit leiser abschwächung: Adam trauen hätte seinen sohn, do er die alleredelsten ergetzlichkeiten des ganzen erdbodens in willküriger besitzung gehabt, nicht würden zu dem ackerbau gewehnen, were dieser sonder lebensanmuhtigkeit gewesen G. Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 35; uneingeschränkt 'ganz und gar': gesetzt nun dasz jemand unter den papisten sich seiner tauffe getröstet ..., an dessen seligkeit ist traun nicht zu zweiffeln Chr. Weise väterl. testament (1684) 115; es ist traun! wahr egli è vero verissimo M. Kramer teutsch-it. 2 (1702) 1118; am hasse, gegen die laster und boszheit der menschen, fehlt es mir traun nicht C. Abel Boileau (1729) vorr. 5a; Deutschland wäre traun! verlohren, wäre nicht dort jener held v. Schönaich Heinr. d. vogler (1757) 51; etwas schwächer: aber ein schlechtes stück ist es (Lenore) doch traun! auch nicht Bürger 465a Bohtz (an Boie); dein guten muth den mag ich nicht, hat traun von treuer liebe nicht v. Erlach volkslieder 2, 111; archaisierend: weit her, traun, kamst du des wegs R. Wagner ges. schr. (1897) 6, 6; besonders beliebt bei Voss in der Homerübersetzung, zur wiedergabe der mannigfachen griechischen partikeln: so gar schlecht bin ich, traun!, in keinem kampfe der männer Odyssee 8, 214; heillos traun wird solches zuletzt noch Ilias 1, 573; von hier aus bekommt das wort für modernes empfinden etwas schulmeisterliches: er hielt seine ansprachen ... in latinisierenden perioden und durchwirkt mit 'traun fürwahr', 'denn also' und ähnlichen häufungen alberner kleiner flickworte, gewohnheiten seiner Homerstunde in prima H. Mann professor Unrat (1905) 10. 55) allmählich wird der uneingeschränkt positive sinngehalt von traun ähnlich dem des sinnverwandten gewisz abgeschwächt in der richtung auf ein bloszes 'vermutlich, doch wohl'. im anfang des 16. jh. etwa zeigen sich die ersten ansätze hierzu, die fälle gehören aber im wesentlichen noch zu 4: die Arianer ..., die wolten trawn auch nicht widder die schrifft fechten, sondern eben dieselbige für sich fureten und der Christen meinung deuteten als widder die schrift, als die die gottheit teileten und mehr denn einen gott macheten Luther 34, 2, 383 W.; sie wollen trawn auch den namen haben, ja wol mehr denn die rechten heiligen, das sie hunger und dürste nach der gerechtigkeit 32, 322 W. traun bekommt so einen ironischen beigeschmack. es steht gern in ironischen sätzen, die ihrerseits dem wort die farbe seiner umgebung leihen. schon spätmhd. etwa in solchem zusammenhang: doch gedacht er in dem sin: 'ob ich joch nu gar trunken pin, so sein seu, trauwen, auch nicht lär H. Wittenwiler ring 6195 W.; ganz ausgeprägt: ich weisz trawen nicht, ob sein leib an mehr örtern dann an einem gefunden werde Eysenberg heilig brotkorb (1584) 53; so ist die faule metze das mal traun nicht faul gewesen, sondern hat weidlich durch die lufft gegrummet H. Bünting Lüneburg. chron. (1585) 69a; berührend nehmlich von der martinsganz wunderbarlichen geburt, so ist dieselbe traun nicht so schlechtlich und verächtlich, sondern vielen andern geburten weit fürzuziehen J. Olorinus Martinsgansz (1609) 9; lieber bruder, kennestu noch keine wölffe? es sind trauen keine hunde A. H. Buchholtz Herkules (1666) 1, 411; und wo ja ein unredlicher überfall eine tapfferkeit zu nennen ist, so ist traun Chammigrem der tapfferste in gantz Asien Ziegler asiat. Banise (1689) 283; woher hastu, o held, den ursprung doch genommen? du bist der mutter, traun, nicht aus der nasen kommen wie ein gemeiner rotz Rachel satyr. ged. 60 ndr.; haben künftig viel von ihm zu hoffen, wenn er so fortfährt; wird traun bei bier und tobak unterm pro und contra fideler lieber gesellen der höll ein neu gesetzbuch schmieden maler Müller (1811) 2, 11; ich stund ungefähr dieser tagen hinten am hollunderzaun; da kam mein pfaff und mädelein traun Göthe 16, 62 W. (pater Brey); mit weltmännischer ironie: schelm, der du bist, mit deinen visionen! wer weisz, von welcher schäferstunde, traun, mit fleisch und bein hier wachend zugebracht, dir noch der handschuh in den händen klebt H. v. Kleist 3, 32 E. Schmidt (Homburg I 4); die dam' hat wackre diener, traun! doch liebt sie sondre livrei, wie regenbogen anzuschaun mit farben mancherlei Uhland ged. (1898) 1, 261; ach! ihr güldenen dukaten schwimmt nicht in des baches well' ... meine Manichäer, traun! halten euch in ihren klau'n Heine 1, 53 Elster. 66) eine mittelstellung zwischen 4 und 5 nehmen die fälle ein, in denen traun mit gelassener skepsis die distanzierung des autors von der welt und ihren erscheinungen ausdrückt: führt doch durch des lebens thor, traun, so manche gleise Göthe 4, 281 W.; traun! das leben ist zu kurz hier im erdenthale C. A. Overbeck verm. ged. (1794) 72; denn traun! ein räthsel ist des menschen herz! Hölderlin 1, 133 Litzm.; hast du aber deinen zaun um dein gut gezogen, leb ich frei und lebe traun keineswegs betrogen Göthe 6, 100 W.; ich würde, kämen ganze gruppen von mädchen, traun, nicht aus der laube gehn, die puppen nur anzuschaun Hölty ged. (1869) 134 Halm; hierher auch: die reverenz zu machen einem hut, es ist doch traun! ein närrischer befehl! Schiller 14, 350 (Tell). 77) neben der form mit dem schnell abgegriffenen eu < iu resp. dem bloszen dativ stehen seit alters verbindungen mit andern präpositionen, wenn die grundbedeutung stärker anklingen soll: ze triuwon iro unwirde skinent testo minnera. atqui minus patebit eorum indignitas Notker 1, 146 P. in mhd. zeit vor allem mit bî, in directer rede gern mit dem possessivpronomen der ersten person: ich wilz bi mînen triuwen sagen Walther 83, 4; anderes s. unter treue. bî triuwen bleibt für das gefühl der sprechenden lange die stärkere form von traun: ja trün, das ist: by trüen red ichs Neidhart Eunuch (1486) 23 lit. ver.; vereinzelt noch im 17. jh.: ich bin kein rechter löw bey traun Gryphius lustsp. 42 lit. ver.; aus der verbindung mit bei und dem possessivpronomen erwächst später die wendung (bei) meiner treu, mein treu, s. unter treue. mit stärkerer entstellung: sich mein traun, ist uns doch der abend übern hals kommen, ehe wirs gedacht hetten Schoch stud. leb. (1657) h 6a; in eine andre formel eingesprengt: aber das ding hat, mein schelm traun soll mich, was zu bedeuten Chr. Weise d. grün. jug. überfl. gedank. 215 ndr.; gelegentlich kann späterhin der imperativ von trauen, vb., die function von traun übernehmen: dies herz, o freund, einmal von dir gerühret, bleibt ewig, trau! von dir gerührt Lessing 1, 139 L.-M.
23150 Zeichen · 405 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Traun

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Traun , eine Partikel, welche als ein Nebenwort der Versicherung, der Betheurung gebraucht wird, und entweder zu Anfang …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    traun

    Goethe-Wörterbuch

    traun [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Traun

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +3 Parallelbelege

    Traun , Otto Ferdinand, Graf von Abensberg, geb. 1677, trat zuerst in brandenburg., dann in kaiserl. Dienste, focht in d…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit traun

9 Bildungen · 9 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

traun‑ als Erstglied (9 von 9)

Traunicht

Wander

traun·icht

Traunicht Traunicht ist gut vor Betrug. Lat. : Quos credis fidos, effuge tutus eris. ( Seybold, 517. )

traunis

DWB

trau·nis

traunis , träunis , f. , soviel wie dräunis ' drohung ', siehe drohnis th. 2, 1427.

Traunschel

SHW

Traunsch-el Band 1, Spalte 1671-1672

traunscheln

SHW

traunsch-eln Band 1, Spalte 1671-1672

Traunschel

PfWB

traun·schel

Traunschel f. : ' Schaukel ', Trounschel (drǫunšəl) [ ZW-Ixh ]; vgl. Trunschel , Transchel , Tränschel . Syn. s. Schaukel . — Rückbildung au…

traunscheln

PfWB

traun·scheln

traunscheln schw. : ' schaukeln ', traunschele (draunšələ) [ ZW-Gr'bundb ], trounschele [ ZW-Ixh ]; vgl. trunscheln , transcheln . Syn. s. s…

Traunsee

Meyers

traun·see

Traunsee ( Gmundener See ), See in Oberösterreich (s. Karte »Oberösterreich«), 422 m ü. M., ist 12 km lang, 3 km breit, bis 191 m tief, wird…

Traunstein

Meyers

traun·stein

Traunstein , unmittelbare Stadt im bayr. Regbez. Oberbayern, 598 m ü. M., an der Traun, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Salzburg-München, T…