getrauen verstärkte Form von ‘trauen’, fast ausschließl iVbdg mit abhängigem Inf; neben dem noch vorhandenen älteren Sprachgebrauch ‘etw (zu tun) getrauen’ (besonders in der Bedeutung b) überwiegt bei G bereits deutlich die jüngere Reflexivkonstruktion1); dabei (in den eindeutig zuzuordnenden Kasusformen) wechselnder Gebrauch von Dat u Akk2) a sich zutrauen, sich für fähig, imstande halten, etw zu leisten, (erfolgreich) durchzuführen; insbes bezogen auf Vermittlung von (Er-)Kenntnissen, Ausführung u Vollendung künstlerischer, wiss Arbeiten, Erledigung einer Aufgabe, Gestaltung der (eigenen) Lebensführung; überwiegend refl (meist mit Dat), vereinzelt ohne Rückbeziehung auf das Subjekt Er [Rousseau] vertraut sich mit der stillen Pflanzennatur .. Versenkt sich in dieses Reich; Nimmt es dergestalt in sich auf, daß er sich getraut, andere zu belehren GWBN7,367 Morph Plp Ich getraute mir, einen neuen Werther zu schreiben, über den dem Volke die Haare noch mehr zu Berge stehn sollten als über den ersten GWBB23,186,22 Zelter 3.12.12 der dritte [Geselle] fragte mich: ob ich mich wohl getraue, einen recht artigen Liebesbrief in Versen aufzusetzen .. Nichts ist leichter als das, versetzte ich GWB26,262,28 DuW 5 [Aurelie:] Ich habe Opheliens Rolle wieder angesehen .. und getraue mir, sie unter gewissen Umständen zu spielen GWB22,91,4 Lj IV 16 es würde die Frage seyn wie bald Sie so eine Arbeit [Liedkompositionen u Zwischenaktmusik zu ‘Egmont’] zu liefern getrauten? GWBB8,244,17 Kayser 14.8.87 GWBB14,57,20 Meyer 27.3.99 GWBB20,16,4 Kleist 1.2.08 GWB26,276,15 DuW 5 GWBB5,153,10 JFFritsch 24.6.81 uö negiert bzw mit einschränkendem Adv iSv sich zu etw (insbes einer Entscheidung, Beurteilung uä) außerstande sehen (aufgrund eigener Unzulänglichkeit, fehlender Kompetenz od Zuständigkeit uä), als Bescheidenheitstopos zT ironisch gefärbt Ob diese ersten Anfänge [des Lebens] .. durch Licht zur Pflanze, durch Finsterniß zum Thier hinüber zu führen sind, g. wir uns nicht zu entscheiden GWBN6,13,18 MorphH Absicht Was .. für eine Form .. bey Erbauung protestantischer Kirchen zu wählen sey, diese Frage getraue mir nicht zu beantworten, noch die deshalb gethanen Vorschläge zu beurtheilen GWBB25,319,3 Catel 10.5.15 [aus Rom] jelänger man Gegenstände betrachtet desto weniger getraut man sich etwas allgemeines darüber zu sagen. Man möchte lieber die Sache selbst mit allen ihren Theilen ausdrucken oder gar schweigen GWBB8,292,7 CarlAug 17.11.87 Was in dieser Zeit in Lottens Seele vorging .. g. wir uns kaum mit Worten auszudrücken, ob wir uns gleich davon, nach der Kenntniß ihres Charakters, wohl einen stillen Begriff machen können AA128,21 Werth2 II GWB412,341,10 Üb:Faust frzÜbs,ill Delacroix GWBB8,172,15 Ernst II 6.2.87 GWBN13,413,25 MinGeol Plp uö b etw wagen, den Mut zu etw haben, sich zu etw erkühnen, insbes im Hinblick auf riskante, gefahrvolle Unternehmungen; einmal pejorativ akzentuiert iS eines Sich-Anmaßens, Sich-Unterfangens (in einer krit Beurteilung des in der Soziallehre der Saint- Simonisten geforderten Utilitätsprinzips); neben vorwiegend refl Gebrauch mehrf auch ohne Rückbeziehung auf das Subjekt [betr Aufstieg zum Kraterrand des Vesuvs] Der jüngere [Führer] getraute sich das Wagestück mit mir zu bestehen GWB31,30,24 ItR Josua und Kaleb, die beherztesten unter den zwölf Abgesandten [Israels], rathen zum Angriff, rufen auf, g. sich das Land [Kanaan] zu gewinnen GWB7,168,7 DivNot Getraust du [Teufel] dich ihn [Napoleon] anzugreifen, | So magst du ihn nach der Hölle schleifen GWB51,141 ZXenNachl IX 808 [Mönch:] So ziehe denn hinüber [übers Meer]! .. [Eugenie:] Getrautest du zu thun was du gebietest? GWBNatT 2765 GWBB48,259,17 Zelter 28.6.31 GWB30,16,24 ItR GWBB44,31,3 Döbereiner 16.3.28 uö häufig negiert bzw mit einschränkendem Adv iSv (jdm) an Mut fehlen, (in einer prekären Situation) vor etw Angst haben, davor zurückschrecken, sich scheuen, insbes im Hinblick auf (offizielle) Stellungnahmen od (persönliche) Bekenntnisse sowie die Ausführung u Vollendung künstlerischer od wiss Arbeiten; vereinzelt in ellipt Konstruktion Er [Rousseau] .. fühlt daß ein gewisser methodischer Gang durch das Ganze [Pflanzenreich] möglich sei, getraut sich aber nicht damit hervorzutreten GWBN6,111,25 BotanStudien [1831] [Aurelie:] Wußt’ ich ihn [ihren Freund Lothar] unter den Zuhörern, so getraute ich mich nicht, mit der ganzen Gewalt zu sprechen, eben als wenn ich ihm meine Liebe, mein Lob nicht geradezu in’s Gesicht aufdringen wollte GWB22,105,12 Lj IV 16 in meinem zerstreuten von neuen aufgeregten Zustand getraue mir nicht etwas zu unternehmen, daß ich schwerlich zu Stande brächte GWBB36,363 JGLKosegarten 2.8.22 K Var Wie sollte sie [Lotte] ihrem Manne entgegen gehen? wie ihm eine Scene bekennen, die sie so gut gestehen durfte und die sie sich doch zu gestehen nicht getraute AA149,16 Werth2 II GWBB34,172,1 Reinhard 29.3.21 GWBB8,181,8 ChStein [7./10.]2.87 GWB35,25,26 TuJ uö c iVbdg mit Verben der Mitteilung (unter Abschwächung der Grundbedeutung) der nachfolgenden Aussage (einer Behauptung, Beurteilung, wiss Erkenntnis, eines Wunsches) Nachdruck verleihend, ihre Glaubwürdigkeit, Gültigkeit bzw Dringlichkeit unterstreichend; als Höflichkeitstopos (im Komplimentierstil an hochgestellte Persönlichkeiten); nur refl Gebrauch (überwiegend mit Dat) Wir g. uns .. in Gefolg alles dessen, was bisher vorgekommen, zu behaupten, daß der weiße Mensch .. der schönste sei GWBN1,265,18 FlD 672 ob sie [die teleolog Vorstellungsart] den Physiologen der organisierten Körper förderlich oder hinderlich sei? welches letztere ich mir zu behaupten getraue GWBN6,283,10 MetamPfl II 7 Über gedachtes halberhobnes Werk [Basrelief] getraue mir Folgendes mitzutheilen .. Composition und Behandlung deuten auf die Zeiten von Bernini und Algardi GWBB27,24,15 JGFSchmidt 25.5.16 K In Gefolg dieses .. Vortrags g. wir uns denn den Wunsch auszusprechen: Ew. Königlichen Hoheit möge es gefallen .. gedachtem Schuchardt .. eine Zulage von 200 Thalern .. zu gewähren GWBB50,72,21 CarlFriedr [11.10.30] GWB47,104,28 ÜbLaokoon GWBN7,73,10 Bildungstrieb GWBB48,165,18 JMurray [29.3.31] K GWBB51,548 CarlAug 8.6.28 uö Syn GWBtrauen GWBwagen zu a GWBzutrauen zu b GWBunterstehen(sich u.) 1) entgegen dem DWb-Befund, daß sich bei G beide Konstruktionen “die Wage halten” (4.1.2,4440); zum parallelen Gebrauch der älteren u jüngeren Konstruktion von ‘getrauen’ in der Lit des 18.Jh vgl ebd 2) ebenfalls entgegen dem DWb-Befund, daß Goethe ausschließlich den Akk verwende (aaO,4442) Dorothea Weiss-SchäferD.W.-S.