vetter,
m. ,
mhd. veter
mhd. wb. 3, 280
a; Lexer
mhd. hdwb. 3, 331;
ahd. fetiro, faterro, fatureo,
patruus, fratruelis Graff 3, 377;
vgl. Schade altd. wb.2 1, 171
a;
fries. fedria, federia Richthofen 730
a;
as. fediro Gallee
vorstudien 69;
ags. fædera,
patruus; das wort ist von vater
abgeleitet wie patruus, gr. πάτρως,
vgl. Hirt etymologie d. nhd. spr. 167; Torp-Falk
wortschatz d. germ. spracheinheit 227; O. Schrader
reallexikon der indog. alterthumskunde 595; Delbrück
abh. d. sächs. ges. d. w. 11, 5, 500;
dän. norw. fætter
ist dem deutschen entlehnt. mnd. vedder,
hier auch als f., dazu als dim. vedderke Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 217;
nld. vedder Oudemans
bijdrage tot een mnl. en oudnl. woordenboek 7, 224; Schueren
teuthonista (1804) 286
a;
im neunl. wird vedder
durch andere ausdrücke ersetzt. die flexion des wortes ist in der heutigen sprache so geregelt, dasz der sing. stark, der plur. schwach flectiert wird; im älteren nhd. überwiegt im sing. durchaus die alte schwache flexion, die Adelung
als oberdeutsch bezeichnet: seinem
vettern sein volcke befalhe Arigo
decamerone 116
Keller; das sye ein solichen vetteren hettent Geiler von Keisersberg
post. (1522) 2, 104
a; und zwar so bin ich ... bey einem vettern gewest Berlichingen
lebensbeschreibung 5
Bieling; ein son Ner, Sauls vettern
1 Sam. 14, 50; an seinem todtbet welet er Balduinum seinen vettern S. Franck
chron. Germ. 138 (1538); Cajum Caligulam seinen vettern 17; bey seinem vetteren Wickram 2, 124; gehe derwegen zu Peter Schellendorf und meinem vettern Schweinichen
denkwürdigk. (1878) 153; seinen vettern Loth Kirchhof
mil. disc. (1602) 6; ich will meinem lieben ein lied meines vettern singen, von seinem weinberge Harsdörffer
frauenz. gesprechspiele (1641ff.) 5, 458,
vgl. Jes. 5, 1; ihr solt wissen meister Niclas .., dasz meinem herrn vettern vielfältig begegnet seye v.
d. Sohle
Harnisch aus Fleckenland (1648) 63; bey vettern Fritzen hochzeit Grimmelshausen
vogelnest 2, 336
Keller; deren krone .. seinem jungen vettern, ihme zuverwahren .. anvertraut worden Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 143; Stephanus .. unterdruckete seinen vettern Cupa
der vermehrte Donaustrand (1684) 133; seine feder hat der verschwendung seines vettern .. so wenig, als der fremden geschonet Petrasch
lustspiele (1765) 1, 314; heiliger genius des römischen volks, wenn du nicht auf
den streitplanet deines alten vettern Mars hinaufgeflohen bist Herder 5, 434; eine schöne pekesche eines vettern Göthe 27, 372
Weim.; die guten personen freuten
sich selbst ihres vettern 33, 140; das sie den andern tag fr kam in jres vettern wasserhauss C. Scheit
die frölich heimfart H 2
a; seind alle drey meins vettern gwest B. Krüger
aktion v. d. anfang u. ende d. welt (1580) D 2
b.
starke flexion im singular: als ich des ersten an disen dines vetters des kaisers hofe kam
N. von Wyle
transl. 202; Agrippina, Neronis muoter, tOetet iren vetter Stainhöwel
de claris mulieribus 12; in dem liesz Carolus sein vetter Bernhardum vor Papia S. Franck
chronicon Germ. (1538) 72; verdammter unsinn eines sterbenden vetters Lessing 2, 277; der tod ihres herren bruders, meines lieben alten vetters 17, 174; an dem hofe seines vetters Wieland (1794) 7, 106; bei der enttäuschung über das verhalten seines vetters Bismarck
gedanken u. erinnerungen 2, 129
volksausgabe. starke genitivendung der schwachen form zugesetzt: als des obbesagten ... stieff-bruders vetterns sohn Stranitzky
ollapatrida, titel. schwache flexion des plur. bezeugen z. b. Schambach
Göttingen-Grubenhagen 258
a und Woeste
westfäl. 287
b.
starker plural: wie die vetter von Franckreich jr botschafft ... wurben
Fierrabras D 4
b; vielfach die vetter Braun
deutsch. orthogr. gramm. wb. (1793) 288
b; und dan, als ein subtiler spötter, rühmet die götter seine vötter Weckherlin 1, 185
lit. verein; dennoch treten auch die vetter und basen auf Vischer
ästhetik 3, 52;
diese pluralform ist schwäbisch, s. Fischer schwäb. wb. 2, 1447. Gottsched
sprachk. (1762) 145
will vätter
schreiben, offenbar wegen des zusammenhangs mit vater; Adelung
verwirft diese schreibung. 11)
die ursprüngliche bedeutung ist '
vatersbruder' (
vgl. vetterkind);
sie hält sich auch, nachdem eine freiere anwendung daneben üblich wird, bis in die gegenwart in landschaftlichem gebrauch; fedirensun,
patruelis Gallée
vorstudien 69; vedder est frater patris Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 217
a;
patruus, veter, vetter, vatter
bruder, ohem Diefenbach
gloss. 417
b;
patruelis, vetersun; en veddernkint
ebd.; sine sone (
eines verstorbnen) nemet dele in ires eldervader erve, gelike irme veddern in ires vader stat
sachsensp. 1, 5, 1; stirft ir (
fratrum) en, sin kint trit in des vader stat, unde behalt sin gut gemene mit den vedderen als it sin vader hadde
lehnrecht 32, 2; (
wenn er) brudere oder swestere, omen oder veteren hat
Freiberger stadtr. 23; durch daʒ het er an sich genomen ... sîns bruoder tohter dise maget ... eʒ was alsô geschicket so ir veter tôt læge, daʒ siu des landes pflæge
Lanzelet 1569; Jesus, dîn vater und dîn veter und dû, sîn muoter unt sîn base K. v. Würzburg
goldne schmiede 1868; meines vatters, oder meiner muoter schwester, das wer mein basz, und meins vatters bruoder daʒ wer mein vetter G. v. Keisersberg
post. (1522) 4, 8. vetter
nimmt dann daneben auch die bedeutung '
avunculus, mutterbruder'
an; in diesem sinne neben dem ursprünglichen wird vetter
bis in die gegenwart hinein gebraucht, be. sonders landschaftlich; hier und da bleibt es auch für patruus vorbehalten; vedder, oym, myns vader broeder, mynre moeder broeder Schueren
teuthonista (1804) 286
a; der vetter, meines vatters bruoder,
patruus; vetter, der muoter bruoder,
avunculus Maaler 440
d; vetter, vatters bruder,
barba, zio Hulsius
dict. (1618) 262
a; die väter,
patres, der vetter,
patruus M. J. Bellin
hochd. rechtschr. 136; vetter,
patruus, avunculus, oncle Schottel 1437; vettern ... das ist des vaters bruder, ist auch der mutter bruder bey uns, wie wol es besser zum unterscheide ohmen genennet werden Gueintz
die deutsche rechtschreibung (1666) 148; vetter, des vaters bruder,
patruus, der mutter bruder,
avunculus Frisch 2, 400
a; vetter,
namentlich onkel Lexer
kärnt. wb. 94;
patruus und avunculus Staub-Tobler 8, 1133;
oheim, und zwar für vater- und mutterbruder Fischer
schwäb. wb. 2, 1447;
vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 1, 156
b; Albrecht
leipz. mundart 231
b; vetter,
vatersbruder, patruus Hertel
thür. sprachschatz 251; vedder,
oheim Woeste
wb. d. west fäl. mundart 287
b; wenn jemand bey seines vatern bruders weib schlefft, der hat seines vettern schambd geblöszet
3 Mos. 20, 20 (der do unkeuscht mit dem weib seines vettern und des öheims
erste deutsche bibel, Kurrelmeyer); das einen jglichen sein vetter und sein ohme nemen ... mus
Amos 6, 10; Pua, welcher was seines (
Abimelechs) vettern sun (Phua patrui Abimelech)
Zür. bibel 1531 (
Richter 10, 1); du hast deins vatters und vetters (
oheims) todt gerochen Carbach
Livius 191
b; nichts desto weniger, doch Amadis und Galeor ihm nicht anderst, als jhrem vettern und patruum genennet
Amadis 1, 311; Otte, unsir vettir, Fridehelm von L. unser mag (
Ottone patruo nostro Fr. de L. cognato nostro)
quelle bei Scherz 1801; der tod ihres herren bruders, meines lieben alten vetters, ist mir recht nahe gegangen (
Lessing an seinen vater) Lessing 17, 174; (er) hat einen sehr reichen alten vetter (un oncle puissamment riche) 3, 351;
försterin: sieh doch, Andres, ob der vetter Wilkens noch nicht kommt? O. Ludwig 3, 14 (1891;
erbförster 1, 1;
im personenverzeichnis: Wilkens, ein groszer bauer, der försterin oheim); Sysiphus der vetter sein (
oheim) und er, sein neff hand gleichen schein Wickram 8, 160
Bolte; des vaters treu, des vetters huld Kästner
verm. schr. (1772) 2, 193;
zu vetter
die anm.: meiner mutter bruder. 22)
die erweiterung der bedeutung geht sowohl von patruus wie von avunculus aus, indem zunächst deren söhne eingeschlossen werden; dann wird der gebrauch noch freier, so dasz vetter
jeden männlichen verwandten bezeichnen kann; so nennt z. b. auch der onkel, die tante den neffen vetter,
wie der onkel selbst der vetter
des neffen ist; auch der bruder des groszvaters wird mit vetter
bezeichnet. in dem verhältnis der geschwisterkinder wird vetter
infolge gezierter sprechweise durch cousin
völlig verdrängt. während cousine
noch heute seine herrschaft behauptet (
vielleicht weil base
leicht verächtlich gebraucht wird, klatschbase
u. ä.),
ist vetter
allmählich wieder vorgedrungen. für die norddeutsche umgangssprache ist aber festzustellen, dasz vetter
jetzt nicht mehr so frei wie früher angewendet wird: vettern
im engern sinne sind geschwistersöhne (richtige vettern),
in freierem gebrauche nennen sich vettern
solche männliche verwandte, die ungefähr der gleichen generation angehören; ganz ungewöhnlich ist es, dasz der onkel
oder neffe
als vetter
bezeichnet wird. diese anwendung wird in älterer sprache und in den mundarten neben der im heutigen nhd. gebräuchlichen festgehalten; eine berücksichtigung der generationen findet da nicht statt. 2@aa)
oheim und neffe reden sich vetter
an: mein bruder will ich dannoch auch ansprechen lassen ... er sprach zu seinem sun, wolan, du solt zu deinem vettern gehn ... der sun zu seinem vettern kam, als baldt der vetter jhn vernam, sprach er, sih lieber vetter mein Er. Alberus
fabeln s. 78 (18, 192)
neudr.; enkel
und vetter
gleichgestellt: sonderlich schreiben sie, das auff ein zeit pabst Paschasius V für sein verstorbnen eniglin fünff mesz gelesen, unnd da er die fünffte mesz zu ende gebracht, habe er in einem glas am fenster vor dem altar gesehen, das die j. Maria seines vettern seele sichtbarlich ausz dem fegfewr herausz gezogen Ph. Heilbrunner
von der augsp. confession widerwertige censur (1598) 81. 2@bb)
appatruus, ein vetter (
groszvaters bruder) Diefenbach
gloss. 42
b; vettern, zween brüders kinder,
fratelli cugini Hulsius
dict. (1618) 262
b; vettern, ... das ist des vaters bruder, ist auch der mutter bruder bey uns, wie wol es besser zum unterscheide ohmen genennet werden, ja wird auch für bruder und schwesterkinder, und den enckeln gebrauchet Gueintz
d. deutsche rechtschreibung (1666) 48;
sed etiam (
neben patruus)
fratris nostri filii nobis vetter,
patrueles, vocantur Stieler 532; vetter,
agnatus, cognatus Dentzler
clavis linguae lat. (1716) 317
b; vetter vom vater her,
patruelis, von der mutter her,
matruelis; vettern, brüder kinder,
fratres patrueles, schwester kinder,
consobrini Frisch 2, 400
a; vetter heiszen eigentlich des vaters brüder. doch leget man diesen namen auch gar öfters des bruders oder der schwester söhnen und auch andern nahe gesippten personen männlichen geschlechts bey
allg. haushalt. lex. (1749) 3, 584;
vater-, mutterbruder, geschwisterkinder; '
in weiterer und vermuthlich eigentlicher bedeutung, werden alle nahe verwandte männlichen geschlechts, für welche man keine besondere nahmen hat, auch in entferntern graden vettern
genannt'. ein weitläufiger, ein naher vetter Adelung (
er hält die weiteste bedeutung für ursprünglich, weil er die ableitung von vater
verwirft); vetter,
eigentlich des vaters bruder: gewöhnlich aber jeder männliche anverwandte von seite des vaters sowohl, als der mutter Hoefer
etym. wb. 3, 234.
im schwäb. neben patruus und avunculus auch männlicher verwandter jeder art Fischer
schwäb. 2, 1447; vetter
hat hier in der sprache der gebildeten das fremde cousin
fast völlig verdrängt, während cousine
sich neben base
behauptet; die vettern werden nach vor-, haus- oder spitznamen bezeichnet: Hansen-, Bachbauere-, Bischofvettere. (
in neuerer umgangssprache geht vetter
nicht blosz dem vor- oder familiennamen, sondern auch dem titel voraus: sie hatte den vetter regierungsrat zwar sehr vernachlässigt Polenz
Grabenhäger 1, 158.) rechter vetter,
cousin germain Staub-Tobler 1, 1133;
vgl. Martin-Lienhart
elsäss. 1, 156
b; Schambach
Göttingen-Grubenhagen 258
a; Danneil
altmärk. 236
a; veddere, rechte neven, twyer broedere of twyer sustere of broeder ind suster kyndere,
consobrini; vedder, alreley maich Schueren
teuthonista (1804) 286
a;
vgl. Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 217
a;
bruderssohn Ottokars
reimchr. bei Lexer
mhd. hdwb. 3, 331;
vgl. Jelinek
mhd. wb. 867;
in der bedeutung neffe
auch bei Göthe, Holtei.
s. die belege. häufig ist die verbindung vettern und basen
zur bezeichnung der ganzen verwandtschaft, alterthümlich vettern und freunde (freund
im alten sinn von '
verwandter');
vgl. die bildung freundvetterlich. 2@cc) er war mein vetter (cognatus mihi erat) Boltz
Terenz deutsch (1539) 96
b; eerlicher wär es wann du ein sew hirten zuo eim vetter hettest Eberlin von Günzburg 1, 104
neudr.; und dieweil ich je ein findlingkind ... und weder vatter, mutter, noch vetter hab
Amadis 1, 51; nun sein nechster vetter wer jhr vogt Paracelsus
opera (1616) 2, 238
c; da ist weder vetter noch bäsel Moscherosch
gesichte (1650) 19; Kulkas, mein vetter (
vgl. 168: war mir nahe verwandt), sagt der mann wahr Haller
Usong (1771) 165; mein würdiger vetter Bürger 290; freylich geschieht es wohl, dasz verwandte ihrem vetter nur dann achtung beweisen, wenn er reich ... ist Knigge
umgang mit menschen (1796) 2, 28; (
im sinne von neffe:) er ist der vetter des berühmten tonkünstlers Göthe 45, 7
Weim.; vgl.: da kamen brüder, guckten tanten, da stand ein vetter und ein ohm 24, 80;
im verhältnis zur tante: eine sehr lebhafte tante ... konnte mich ... selten ansehen, ohne auszurufen: pfui teufel! vetter, wie garstig ist er geworden 26, 53; ein zeichen ihres kräftigen lebens, in so hohen jahren, ist allerdings aufregend für einen vetter der das glück hat schon eine schöne weile mit ihnen auf erden vorzuschreiten IV 32, 24;
dagegen in allgemeinerer anwendung: die vettern waren anfangs auch bei der gesellschaft I 26, 329; nicht allein ... für sich und ihre kinder, sondern auch für ihre nächsten, für vettern und gevattern 40, 316; schickt ihr nur euern gefälligen Weislingen herum zu vettern und gevattern 8, 9; wir saszen zwischen den onkeln, tanten, vettern ... des königs G. Forster (1843) 1, 270; obgleich basen und vettern
dagegen schreyn Caroline 1, 39
Waitz; du hast reiche vettern jenseit des gebirges Musaeus
volksmärchen 1, 35
Hempel; (
verdeutlicht durch neffe:) obgleich von seiten des oheims die frage sehr nahe lag, was ihm ... jetzt auf einmal in den sinn komme, in Altrode seinen einzug zu halten, gleich dem zärtlichsten neffen und vetter Holtei
erz. schriften 6, 129; hierüber miszvergnügt, stellte sich der nächste vetter des königs ... an die spitze der groszen Ranke 14, 66; (
als) sich die herren von Oberbayern mit den pfälzischen vettern um das Landshuter erbe mehrere jahre lang abgerauft hatten Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 61; in der lage weitläufiger vettern, die im gedränge eines gastfreien hauses unbeachtet die köpfe zusammenstecken Keller 2, 161; das dorf zählt kaum zwei tausend bewohner, von welchen je ein paar hundert den gleichen namen führen; aber höchstens zwanzig bis dreiszig von diesen pflegen sich vetter zu nennen, weil die erinnerungen selten bis zum urgroszvater hinaufsteigen 1, 19; weil vettern im siebzehnten grad nicht gerade zu den intimen und vertrauten des fürsten gehören Fontane I 5, 169; doch ein senioren vetter dringet ins gelobte land, wann er sich nur will bequemen, und des bischoffs muhme nehmen
polit. maulaffe (1679) 58; ob etwan der und jener vetter ein testament vor mich gemacht Stoppe
Parnasz (1735) 259; es ist doch sonderbar bestellt, sprach Hänschen Schlau zu vetter Fritzen Lessing 1, 17; den mann, der ihr als bruder oder ohm, als vetter oder sonst als sipp verwandt 3, 140 (
Nathan 4, 7); ein aff und bär, zween nahe vettern ... durchstrichen eifrig feld und wald Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 20; mein vetter ist ein kluger wicht, er ist der köchin hold Göthe 1, 109
Weim.; er ist, wie du, mir ein geliebter vetter 9, 186;
Elpenor zu Antiope: oft hab' ich dich bedauert, dir den sohn und mir den vetter heisz zurückgewünscht, welch ein gespiele wäre das geworden!
Antiope: um wenig älter nur als du.wir beiden mütter versprachen zugleich den brüdern einen erben 11, 16; in einer nacht verlor Aret sein gut durch einen brand — und vetter, freund und tischpoet verschwand Pfeffel
poet. versuche 1, 72; in trauer drum mag die verwandtschaft gehn, der fernste vetter und das kleinste kind Hoffmann v. Fallersleben (1890
ff.) 5, 286; die schönen basen fingen an zu knixen und wasser schnob der vetter aus den nasen Rückert (1867) 3, 137.
der frühling nennt den sommer seinen vetter: kohl pflanz' ich nicht, mein frommer vetter thut das, der sommer 1, 135.
der alte thurmhahn: hühner gackeln um mich her, unachtend, was das für ein vetter wär Mörike (1889) 1, 196.
Mephisto zu den raben: nun schwarze vettern, rasch im dienen Göthe 15, 274
Weim. 2@dd)
dem älteren nd. eigenthümlich ist die verwendung von vetter
für weibliche verwandte, und zwar bezeichnet es vaterschwester und brudertochter; das dim. vedderke
wird in gleichem sinne, dann auch in allgemeinerer bedeutung gebraucht Schiller-Lübben 5, 217.
s. auch vetterchen. 2@ee) vetter
erscheint in einer groszen menge von sprichwörtern und redensarten, immer in dem allgemeinen sinne von '
verwandter'. eygenlieb vnd wolgefallen. er meynt dreck sey sein vetter Franck
sprüchw. (1545) 1, 40
b; er thut als sey der pabst sein ärmster vetter Schellhorn
sprichw. (1797) 139;
lustiger: er meint, des schultheiszen hund sei sein vetter Fischer
schwäb. 2, 1447; wer den pabst zum vetter hat, wird leicht cardinal Schellhorn 18; steck dich zwischen vettern und freunden, so klemmst du dich 136;
verwandte zu haben ist von zweifelhaftem werth: viel vetter, viel hundsfutt; vetter und basen, seifenblasen Fischer
a. a. o.; man nimmt deshalb auch keine rücksicht auf sie, wo es mein und dein gilt: watt veddr', watt fründ, '
ein ausruf, wodurch man eine abschlägliche, verneinende antwort auf einen antrag oder eine ansicht ertheilt' Danneil
altmärk. 236
a; feddr hī, feddr d, blīf mī fan mīnen kispern (
kirschen) Bauer-Collitz
waldeck. 28
b; wer mir etwas gibt, ist mein vetter; das eigene maul ist der nächste vetter; nichts vetter im spiel,
keine rücksicht im spiel Fischer
schwäb. 2, 1447; vetter hin, vetter her, mach mers viertel voll Staub-Tobler 1, 1133; wat vedder wat fründ, junge, treck de büxen af;
verhüllend: beim vetter sein,
verpfändet sein Albrecht
leipzig. 231
b;
vgl. den gebrauch von uncle
im engl. 33)
übertragen: 3@aa)
auf verwandtschaftsverhältnisse von völkern; es wird mit vetter
natürlich ein nicht zu nahes verhältnis bezeichnet (
vgl. dagegen brudervolk). unser vetter jenseits des kanals, unsere nordischen vettern; der Engelländer — der sonst unser lieber vetter ist Hippel
über die ehe (1774) 226; die Gallier, unsre vettern in Asien, hassten diese hämischen, fliegenden waffen Bode,
Montaignes ged. u. mein. 2, 338; der Deutsche und der Slave (
sind) ihnen (
den Griechen und Römern) vettern Mommsen
röm. gesch.2 1, 13;
ehrend: wenige jahre nach Timaeus ... nennt die inschrift ... die Egestaner vettern des römischen volkes Niebuhr
röm. gesch. 1, 134. 3@bb)
im geistlichen sinne: sie syndt Christi vettern und ohmen, filios Abrahae se gloriantur Luther 29, 35
Weim.; mein fleisch und blut sitzt ym himel ... er (
Christus) ist ya mein nechster vetter, bruder 34, 1, 174;
im gegensatz hierzu: mercke nuo, welche des endchrists vettern seyen, wyr, odder
d. Carlstad 18, 113;
hier ist schon die gemeinsame gesinnung das wesentliche. deutlicher gleich darauf: so sind nuo der bapst und
d. Carlstad rechte vettern ym leren
ebd. 3@cc)
so wird oft gemeinsamkeit, verbindung irgendwelcher art durch vetter
bezeichnet; ein mediziner spricht von mördern: dasz mirs gienge wie meinen tollkühnen kollegen und vettern, die mit stilet und sakpuffer bewaffnet in finstern hohlwegen hof halten Schiller 1, 200; doch wie unser seliger vetter, der zu Mölln begraben liegt, dachten wir im voraus ans bergabsteigen und waren um so vergnügter H. Heine 3, 73;
kühn: weder die tausend und eine nacht, noch ihr in Berlin verstorbner vetter, der selige preuszische kammergerichtsrat Hoffmann Ludwig 2, 399; Asmus unser lieber vetter nennt es puren schneiderscherz Göthe 3, 54
Weim. 3@dd)
verwandtschaft von mensch und affe nach der entwicklungslehre: die stimmorgane, die bei seinem vettern sich bis zur sprache entwickelt haben Strauss 6, 135;
dagegen scherzhaft zur bezeichnung der bildungsgemeinschaft: selbst die deutschen, einst die bessern, ... unsre (
der bären) vettern aus der urzeit, diese gleichfalls sind entartet H. Heine 2, 370; (
zwerge hausen) im bauch der erde und in berges-höhlen, und sind des maulwurfs vettern Hebbel I 4, 81. 3@ee) vetter
wird zur ehrenden anrede, indem die vorstellung einer verwandtschaft zwischen dem sprechenden und angeredeten als etwas erfreuliches empfunden wird; hieraus entwickeln sich sehr mannigfaltige gebrauchsweisen, wobei der ursprung dieser freien anwendung ganz vergessen werden kann (
vgl. bruder,
schwager, gevatter).
fürsten reden sich noch heute als vettern
an, gleichgestellte oft zugleich als brüder; dem hochwürdigsten, durchl. fürsten, unserm freundl. lieben vetter, schwager, bruder und gevattern, hr. Augusten u.
s. w. Neumark
palmbaum (1668) 215; belehrung, dasz in der kourtoisie 'oheim' etwas weniger ist, als vetter, das jenes den reichsfürsten vom kaiser und von den kurfürsten gegeben wurde Ense
tageb. 3, 305;
vgl. freundvetterlich
unter vetterlich. 3@ff)
die anrede kann ehrend, aber auch traulich gemüthlich sein; der sinn kann sich dann auch verallgemeinern zu '
mensch'
oder verschlimmern zu '
kerl',
gebrauch in der anrede ist dann gar nicht mehr erforderlich: vetter
quoque ironice et abusive dicitur de quocunque e. g. du guter vetter,
mi homo! er ist ein loser vetter,
ingenii ancipitis, levis et vani est Stieler 532;
nach Fischer
schwäb. 2, 1448
war im 18.
jh. vetter
und base
anrede der dienstboten an die herrschaft (
hier ist vetter
wohl im sinne von patruus
zu nehmen, es liegt hier ein zugeständnis des höher gestellten an den anredenden untergebenen vor, s. unten Schmeller 1, 851
und Lexer
kärnt. 94);
pflege- und kostkinder reden ihre pflegeeltern so an; anders ist es, eine herablassung zum angeredeten, wenn der städter zum bauern vetter
sagt; dann ganz allgemein als anrede unter unbekannten. auszerhalb der anrede spöttisch: ein schlimmer, sauberer, rarer vetter; ein nasser vetter,
ein trinker; ein truckner vetter,
ein schweiger; vgl. Staub-Tobler 1, 1133; der gut vetter (
der dümmling) nimmt einen sack mit mehl Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 146; ich bin nicht der, den die welt in mir sehen will, auch nicht mehr der tolle vetter, für den sie mich halten Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 6, 491; ein netter vetter,
ein netter kerl (
ironisch) Martin-Lienhart
elsäss. 1, 156
b;
hier auch im sinne von '
groszes exemplar',
z. b. das ist ein vetter,
von einem groszen kaninchen; 'vetter
nennt man in Österreich jeden bauern, zu welchem man nicht du
sagen kann' Frommanns
zeitschr. 6, 252; Schmeller
bayer. 1, 851
bezeugt aus dem kurmainzischen vetter
als begütigende anrede eines knaben an einen erzürnten erwachsenen, ferner als trauliche anrede an den kurfürsten, vgl.: herr vetter könig, noch mehr neue zeitung
schauspiele engl. comöd. 178
Creizenach; von den kindern wird jede ältere männliche person vetter,
sowie die weibliche muome
genannt Lexer
kärnt. 94;
scherzende anrede an jeden befreundeten Albrecht
leipz. 231
b;
freundliche benennung einer jeden männlichen person: as ek sau en junge was, wî düse lütje vedder dâ Schambach
Göttingen-Grubenhagen 258
a;
in der verbindung vetter
Michel zur bezeichnung eines blöden tropfs (
s. Michel
th. 6,
sp. 2168); Vischer
bildet vettermichelsgemüthlichkeit, dumm-täppische zutraulichkeit (
auch einer 2, 241);
vettermicheln, verb., einem in verächtlicher weise sich anschmeicheln Hertel
thür. 251; sich anvettermicheln;
vgl. sich anvettern,
sich anschmeicheln (
s. vettern,
verb.).
derb: du kannst mich gevettermicheln,
mich im hintern lecken, vgl. Spiess
henneb. 271; er vettermichelte sich ... bey verschiednen ... offizieren an Laukhard
leben u. schicksale 4, 6;
vettermichelei, f., dummheit, täppisches benehmen, äuszerung, niedrige schmeichelei: vettermicheleyen hört man so oft am ende der concerte
allg. d. bibl. 112, 409.
aus der allgemeinen verwendung als anrede erklärt sich, dasz vetter
zum familiennamen wird (
vgl. auch Vetterlein, Trautvetter, Vettermann);
ebenso wie man den postillion, den kutscher schwager
nennt (
vgl.schwager 3,
th. 9,
sp. 2178),
braucht man auch vetter,
ob nur in Tirol, wo anlehnung an vetturino
möglich ist? Andresen
volksetym.4 97,
auch im franz. wird der postillion cousin
angeredet. kollegen nennen sich untereinander vettern,
z. b. die scharfrichter Avé-Lallemant
gaunerthum 4, 619.
solche, die gleichen namen haben, sind namensvettern;
die adlichen vom uradel nennen sich unter solchen umständen lehnsvettern. 3@gg)
der leser wird leve vedder
angeredet sachsenspiegel 3, 63
gl. (Schiller-Lübben
mnd. wb. 5, 217
b); vetter? sagte ich, indem ich ihr die hand reichte, glauben sie, dasz ich, des glücks werth sei, mit ihnen verwandt zu sein? — o, sagte sie mit einem leichtfertigen lächeln: unsere vetterschaft ist sehr weitläufig Göthe 19, 27
Weim.; (
Schufterle zu Spiegelberg:) nimm diese hand vetter Schiller 2, 233 (
räuber 1, 6
trauerspiel); der Murner sprach (
zu einem geist, den er beschwört) o vetter mein Gengenbach 289; (
einer, der) droht ... verspricht, und alles vetter nennt Haller
gedichte (1882) 93; 44)
besonderes: 4@aa)
pfetter,
pathe, kann in landschaftlichem gebrauch zu vetter
entstellt werden (
s.pfetter th. 7,
sp. 1694);
es ist im übrigen natürlich, dasz ein vetter
die pathenschaft übernimmt: vettergette,
vetter oder onkel, der zugleich pathe ist Martin-Lienhart
elsäss. 1, 247
a. 4@bb)
elsässisch im sinne von fürsprecher Martin-Lienhart 1, 156
b. 4@cc)
nach Schoepf
tirol. 789
für rausch und für mem brum virile.