schwager,
m. ehemann der schwester, bruder der ehefrau oder des ehemannes; erst frühmhd., mnd. und fries. bezeugt (
vgl. Graff 6, 863. Steinmeyer-Sievers 3, 68, 21. 177, 2.
mhd. wb. 2, 2, 767
b. Lexer
mhd. handwb. 2, 1332. Schiller-Lübben 4, 482
a. Richthofen 1057
b),
aber jedenfalls älter, mit schwäher
und schwieger
verwandt (
vgl. Noreen
urgerm. lautl. 74).
auch im nld. ist zwager
verhältnismäszig spät bezeugt (swagher,
affinis, affinitate conjunctus: et sororius: et levir Kilian);
dän. svoger,
schwed. svger
sind lehnworte. wie bei anderen verwandtschaftsnamen, ist der begriff des wortes schwager
in älterer sprache umfassender und schwankend. plur. die schwAeger Maaler 364
d. Steinbach 2, 532, schwöger E. Alberus
fab. 76
neudruck. in neuerer sprache wird der plur. auch ohne umlaut gebildet. consonant. flexion im mhd., z. b. gen. swâger Ottokar
reimchr. 82502. 82607.
zum gebrauche des wortes in den mundarten vgl. Schmeller 2, 626.
cimbr. wb. 225
b. Zingerle 54
a. Höfer 3, 123. Hunziker 237. Hertel 223. Schütz 4, 231. Dähnert 476
b. Mi 90
a. Schambach 220
a. Woeste 264
a. ten Doornkaat Koolman 3, 369
b. 11)
in verengter bedeutung, mann der schwester, bruder der frau oder des mannes (
vgl. mhd. wb., Lexer
mhd. handwb., Schiller-Lübben
a. a. o.).
sororius, swager, swoger Diefenbach 543
c; schwager, der eines anderen schwöster hat. Maaler 365
d; mein schwager,
cui soror mea nupsit Corvinus
fons lat. (1660) 618
a; herzog Chunrad von der Mosl, sein swager, so sein swester zu der ê het. Aventin
b. chron. 2, 270, 23;
levir voc. d. 15.
jh. bei Lexer
mhd. handwb. a. a. o. schwager,
des manns bruder, levir; der frauen bruder,
uxoris frater Frisch 2, 240
c;
mann der schwester des mannes, oder mann der schwester der frau: wolde em sin swager, her Sibe, welcker de andere suster hadde, dar nicht liden.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 482
b. 22)
im weiteren sinne jeder durch heirat verwandte (
vgl. verschwägern);
affinis, swager Diefenbach 16
a; gesipter schwager,
affinis Dasypodius; gemAeg, schwager,
affinis, affinitate junctus Henisch 1483, 1; schwager,
m., allié à quelqu'un par mariage Hulsius 291
b;
manere affinitatem hanc inter nos volo, wir wollen gute schwäger seyn und bleiben. Corvinus
fons lat. 264
b (1660); schwager,
m., affinis Schottel 1411; er ist mein weitleuftiger schwager,
necessitudine aliqua me attingit; naher schwager,
affinitate propinquus Stieler 1973; ein naher, genauer schwager Kramer
deutsch-ital. dict. (1702) 2, 694
a;
vgl. Steinbach 2, 532 Frisch 2, 240
a;
erst bei Adelung
wird diese anwendung als veraltet bezeichnet: wenn schweger und freund inn einander verhetzet, und auff einander dergrimmen. Mathesius
Sar. 88
b; von freunden wir betrogen sind was soll ich sagen? nun wolan die schwöger wölln wir sprechen
an. Alberus
fabeln 76
neudruck (18, 140); einst reiste meister fuchs zu einem seiner schwäger. Hagedorn 2, 20 (1771); keine vettern und schwäger. Möser
patr. phant. 4, 269 (1786).
für schwiegervater (schwäher):
socer, swager, schwager Diefenbach 539
c;
für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 4, 482
a; Lucius Tarquinius .., do he sinen swager sloch.
d. chron. 2, 1, 82, 25; gein dem genannten unserm lieben schweher und schwager.
quelle des 16
jh. bei Diefenbach-Wülcker 848;
2 Mos. 3, 1
hat die ausg. von 1534 schwagers
für das spätere schwehers,
vgl. auch 2 Mos. 18, 1—27
mit den lesarten bei Bindseil. doch auch für schwiegersohn: gener, swager Diefenb. 259
c;
vgl. Schiller-Lübben
a. a. o. Thurneiszer
unten unter schwägerlich; Îsôt sprach zu dem kindelîn: sag an, wie lange mac des sîn, daʒ mîn swâger Tristan mich sô menlich als ein man von dem tôde erlôste.
Tristan 3449.
neffe der frau: to behouf syner husfrowen sint ome von wegen synes swagers, orer suster soenen, itlike gudere angestorven.
quelle bei Schiller-Lübben
nachtr. 276
b.
in redensarten und sprichwörtern tritt die umfassendere anwendung des wortes vielfach hervor: werden mich doch nicht für des dummkopfs leiblichen schwager (
für einen sehr dummen menschen) halten. Schiller 3, 363 (
kab. u. liebe 1, 2);
es ist kein verlasz auf verwandte: ein schwager und ein erlen bogn, ein schnelle that nicht wol bewogn, ein alte brück und fahles pferd, wenn sie bestehn sein lobens werd. Ringwaldt
laut. wahrh. (1597) 371; ein schwager bucket dem andern offt ein bein. Henisch 550, 52; ein schwager, ein hund beiszet den andern gern ab, wo er kan. Petri (1605) 2, Y 4
a; schwäger seind mymmer besser freunde, denn weit von einander, oder selten zusamen. Agricola
sprichw. (1534) 347; ein schwager ist offt ein spiesz. Petri
a. a. o.; der sinn geht z. b. aus folgender stelle hervor: wie die historien zeugen, das nicht allein offt ein schwager ein spiesz ist, sonder das auch schweher und eidman, vatter un son, bruder mit bruder, vetter mit vettern, sehr verbitterte und hessige kriege gefürt haben. Mathes.
Sar. 88
b; mancher meynet, seine vettern und schwäger, seyen seine besten freunde. aber es ist oft weit gefehlet. mancher sagt im sprichwort: viel schwäger, viel knebelspiesze .. (
Jacob) hatte an dem Laban einen groszen knebelspiesz. er betrog ihn nicht allein in seiner nahrung
u. s. w. Schuppius
schr. 234; ein schwager und knebelspiesz,
prov. de rara amicitia affinium. Stieler 1973. 33)
vom doctor Faustus erzählt die Zimm. chron.: vil haben allerhandt anzeigungen und vermuetungen noch vermaint, der bös gaist, den er in seinen lebzeiten nur sein schwager genannt, hab ine umbbracht.
2 3, 530, 9;
schon hier erscheint also schwager
im verblaszten sinne einer vertraulichen anrede (
wie bruder, gevatter);
vgl. Zarncke
zum narrensch. 17, 23. Grimm
gr. 4, 316;
Georg v. Frundsberg nennt Berlichingen schwager. Berlich. 88 (
vgl. Göthe 26, 208); auf eure gute gesundheit, schwager!
spricht dorfrichter Michel in der '
jagd'
zu dem ihm unbekannten könige, den er bewirthet; Christel, sein sohn: erlauben sie, mein herr, ihr wohlergehen. Weisze
kom. opern 3 (1771) 184; ihr wackern träger und eure schwäger, die kohlenbrenner sind unsre männer. Göthe 41, 30;
einige handwerker nennen sich gegenseitig schwager. Schm. 2, 626;
nd. dorfswager,
dorfgeschworener, dorfrichter. Schütze 4, 231;
im kartenspiel: kouleur mit'm schwager,
wenn der couleurspieler sich pik-as zu hilfe ruft. Frischbier 2, 326
b;
vom tode (
vgl. freund Hain): du bist ein garstiger schwager. Schiller 1, 201;
dagegen 213
von Bacchus: schwager, warst auch sonst voll ränke, schwager, wo nun deine schwänke.
in älterer studentischer sprache an den commilitonen gerichtet (
wie herr bruder): ist etwas in der welt, das uns kann recht ergötzen, sinds jungfern oder geld? sinds pferde, hunde, bier, music? sinds bücher, friede, streit und krieg? herr schwager weit gefehlt!
tabakstied von 1715.
über den gebrauch des wortes in studentischen kreisen des vorigen jh. s. Kluge
studentensprache 14;
so nennt der hallische student den Halloren schwager.
ebenda 124
b (
vgl.schwagerschaft).
wol auch in studentischen kreisen ist schwager
als anrede für den kutscher, den postillon aufgekommen, das sich seit dem vorigen jh. völlig einbürgert und auch in die volksdialecte eindringt, vgl. Schmeller 2, 626. Höfer 2, 123. Hügel 146
a. Frommann
zeitschr. 6, 276, 27 (
Schlesien). Frischbier 2, 326
b. Dähnert 476
b. Woeste 264
a. schwager
für kutscher kommt schon in Ettners
unw. doctor vor (1697): die jungfer köchin, oder schlieserin, wie auch Hans Schwager, der kutscher. 753.
häufig seit dem 18.
jahrh.: der schwager (denken sie! so nennt man den postillon). Hermes
Sophiens reise 1, 5 (1776); (
für postreiter): glaube mir, scheckchen, du kennst diesen abgefeimten schwager noch nicht recht. Lessing 10, 211 (
und öfter im folgenden); sind wir bald zu Darmstadt? fragte ich den schwager. Merck
briefs. 2, 122; wir haben einen gar jungen, lustigen, hübschen schwager gehabt, mit dem ich durch die welt fahren möchte. Göthe 10, 128; hier! halt ein, schwager! hier will ich aussteigen! 14, 160; da fragten wir denn die ebenfalls abgestiegenen schwäger, wer vor uns dahin fahre? 30, 5; noch früher, als er dem schwager das trinkgeld gegeben. J. Paul
Titan 2, 36; den (
postillon) bestach mein sogenannter vater, der schwager verrieth für einen species seine heiligsten pflichten. Immermann
Münchh. (1841) 2, 62; der schwager (das ist der kutscher) fuhr fort. Hebel 2, 147; die alten rudera davon (
von der burg) wies mir der schwager postillon. Bürger 24
a; langsam karrt indessen der unbarmherzige schwager durch den kies. Voss
Luise 2, 160; töne, schwager ins horn, rassle den schallenden trab. Göthe 2, 69; alsobald knallet in G. des reiches würdiger schwager. zwar er nimmt euch nicht mit, aber er fährt doch vorbey. Schiller 11, 106; doch alle kutschirt er zum gasthof der ruh. nun, ehrlicher schwager, wenn das ist, fahr zu. Langbein
schriften (1841) 1, 202; schwager ritt auf seiner bahn stiller jetzt und trüber. Lenau 1, 181
Koch. im verfänglichen sinne (
vgl. schinkenschwager
unter schinke 1
oben sp. 204),
mitbewerber um die gunst eines weibes oder mitgenieszer: und hätt ich ein mägdgen von englischer pracht und würd ich auch stündlich zum schwager gemacht. Günther 259; herr schwager, glaube mir, sie (
die tochter) stammt von dir allein. Hagedorn 2, 94 (1771); wir sind emsig nachzuspüren, wir die anecdotenjäger, wer dein liebchen sey und ob du nicht auch habest viele schwäger. Göthe 5, 61; ein tausendschwager,
dicitur de persona levi et libidinosa Stieler 1973; hurenschwager, tausend-schwager,
cognato per via di puttane; vom betrogenen ehemanne gesagt: eine grosze menge schwäger haben,
haver la moglie puttana e sgualdrina Kramer
deutsch-it. dict. (1702) 2, 694
b;
vgl. Frommann
zeitschr. 3, 538, 56. Hügel 146
a. Dähnert 476
b;
ein solcher verfänglicher sinn mag schon früh in die redensart: niemand weisz, wer des andern schwager ist,
hineingelegt sein; vgl. z. b. Svarmus
sp. loq.; es wil kein schwager wissen, das ein ander sein schwager gewesen ist. Petri (1605) 2, Dd 3
b. Wander
sprichw.-lex. 4, 410. 411. 44)
in einigen gegenden bezeichnet man mit schwager
das fleisch unterm kinn (
kehlbraten) Schmeller 2, 626. 55)
im sinne von furunkel, verlängert aus schwär Albrecht 208
b. 66)
pflanzen, bei denen syngenesie stattfindet, mit sichtbar kenntlichen blumen, wo staubbeutel und stengel in einer blume vereinigt und die staubbeutel walzenförmig zusammengewachsen sind, heiszen schwäger. Campe.