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Vêtter

mnd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Vêtter

Bd. 4, Sp. 1192
Der Vêtter, des -s, (Oberd. -n,) plur. die -n, ein männlicher Verwandtschaftsnahme, mit welchem man sowohl den Vater- und Mutterbruder, als auch Geschwisterkinder männlichen Geschlechtes zu bezeichnen pfleget, so daß dieses Wort mit dem weiblichen Verwandtschaftsnahmen Muhme überein kommt. Moses rief Misael und Elzaphan, den Söhnen Usiel, Aarons Vettern, 3 Mos. 10, 4. Wenn jemand bey seines Vaters Bruders Weib schläft, der hat seines Vettern Scham geblößet, Kap. 20, 20. Es mag ihn jemand unter seinen Brüdern lösen, oder sein Vetter oder Vetters Sohn, Kap. 25, 49. In weiterer und vermuthlich eigentlicher Bedeutung, werden alle nahe Verwandte männlichen Geschlechtes, für welche man keine besondern Nahmen hat, auch in entferntern Graden Vettern genannt, welche Bedeutung nicht allein im gemeinen Leben sehr häufig ist, sondern auch in der deutschen Bibel vorkommt. Ich will ein Lied meines Vettern singen, Es. 5, 1; meines Verwandten. Ein weitläufiger Vetter, ein naher Vetter. Muhme wird auf ähnliche Art von allen weiblichen Verwandten gebraucht, solche Grade der Verwandtschaft ausgenommen, welche wegen ihrer Nähe eigene Nahmen haben. Sprichw. Wer sich zwischen Vettern und Freunde steckt, der klemmt sich. Anm. In den Monseeischen Glossen kommt dieses Wort zuerst vor, wo patruus und fratruelis durch Fetiro, patruelis aber durch Fetirinsun, des Vetters Sohn, übersetzt wird. Frisch, Gottsched und viele andere leiten es von Vater ab, und der letztere wollte es um deßwillen gar Vätter geschrieben wissen. Keiner aber hat diese Ableitung nur im geringsten zu beweisen gesucht. Dessen ungeachtet bestätiget Herr Heynatz sie im 5ten Theile seiner Briefe sehr entscheidend. »Beyläufig, heißt es daselbst, wundre ich mich, daß Herr Hemmer Wachters Herleitung des Wortes Vetter von wetten, welches so viel als verbinden geheißen, wahrscheinlicher findet, als die gewöhnliche von Vater. Diese ist unstreitig richtig, wenn man nur die Sache recht vorstellt. Von Vater kam Fetiro, welches des Vaters Bruder bedeutete; dessen Sohn hieß denn wieder Fetirinsun, oder auch wohl aus Abkürzung oder aus Verwirrung ebenfalls Fetiro. Hernach hat man es weiter ausgedehnt, und nannte jeden männlichen Verwandten so. Die Beweise suche man in Schilters Thesauro. Auf gleiche Art ist Muhme aus Mutter entstanden« u. s. f. Hier ist fast kein Satz, dessen Unrichtigkeit sich nicht beweisen ließe; aber um des Raumes zu schonen, sey es an Einer Anmerkung genug. Jedes von einem andern abstammende Wort muß das Zeichen seiner Abstammung aufzuweisen haben. So stammen von Pater im Lat. Patruus und Patruelis vermittelst der Ableitungssylben us und elis her. Aber, wo findet sich das in Vetter? Vater ist vermittelst der Sylbe -er, welche hier eine Person männlichen Geschlechtes bedeutet, von Vat, Far abgeleitet; so auch Vetter, vermittelst eben dieser Ableitungssylbe von Vett, Fett u. s. f. Herr H. hat doch nicht etwa das Oberdeutsche müßige o am[] Ende für eine Ableitungssylbe gehalten? Oder hat er er etwa geglaubt, daß diese Veränderung des Vocals a in e zur Ableitung genug sey? Bey einer so großen Veränderung der Bedeutung, als vom Vater zum Vetter ist, ist diese Ableitung ohne Beyspiel, oder vielmehr, es findet auf diese Art gar keine eigentliche Ableitung Statt, wohl aber eine Abänderung der Bedeutung, wie Vater und Väter, fallen und fällen. In Schilters Thesauro findet sich keine Spur eines Beweises, so bestimmt sich auch Herr H. darauf beruft; bloß die schon oben angeführten Wörter aus den Monseeischen Glossen finden sich daselbst ohne alle Erläuterung und Anmerkung. Es ist also nicht bloß unwahrscheinlich, sondern erweislich unrichtig, daß Vetter von Vater abstammet, und Wachters Ableitung von einem veralteten Zeitworte, vetten, wetten, welches verbinden bedeutet hat, behält immer noch den Vorzug. Bey dem Ulphilas ist withan, verbinden, und vetten ist in der Bedeutung des Bindens, Einspannens u. s. f. noch in manchen gemeinen Sprecharten üblich, wo auch einvetten, in das Joch spannen, ausvetten, ausspannen, zusammen vetten, verbinden u. s. f. ist. Im Engl. ist wed, heirathen, und wedded, verheirathet. S. Wetten und 2 Fette. Vermittelst der Endsylbe er bedeutete davon Vetter, einen Verbundenen oder Verwandten, in welcher weitern Bedeutung, welche allem Ansehen nach die ursprüngliche ist, es im gemeinen Leben noch jetzt nicht selten ist. Die Form in der zweyten Endung des Vettern für des Vetters stammet aus dem Oberdeutschen her, wo man auch des Vatern, des Brudern u. s. f. sagt.
4514 Zeichen · 57 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vetterM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    vetter , M. Vw.: s. vettære*?

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vêtter

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Vêtter , des -s, (Oberd. -n,) plur. die -n, ein männlicher Verwandtschaftsnahme, mit welchem man sowohl den Vater- u…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Vetter

    Goethe-Wörterbuch

    Vetter [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vetter

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Vetter , soviel wie Geschwisterkind ( Cousin ); weibliche Verwandte dieser Art heißen Base oder Muhme ( Cousine ). V. wi…

  5. modern
    Dialekt
    Vetter

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Vetter [Fètər allg. ] m. 1. Oheim von väterlicher od. mütterlicher Seite, meist in Verbindung mit nach folg. Vornamen: d…

  6. Sprichwörter
    Vetter

    Wander (Sprichwörter)

    Vetter 1. Arme Vettern gelten wenig. Dän. : Fattige frænder faae liden hæder. ( Prov. dan., 160. ) Lat. : Non placet ex …

  7. Spezial
    Vetter

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Vet|ter m. (-s,-) 1 jorman (-s) m. 2 (zweiten Grades) cujin (-s) m. 3 (dritten Grades) soghenin (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vetter

85 Bildungen · 64 Erstglied · 18 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von vetter

vettern + -er

vetter leitet sich vom Lemma vettern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von vetter 2 Komponenten

vet+ter

vetter setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vetter‑ als Erstglied (30 von 64)

vetterchen

DWB

vetter·chen

vetterchen , n. , dim. zum vorhergehenden wort, besonders in traulicher anrede; vetterche, mainzisch bei Schmeller bayer. 1, 851 ; vgl. die …

Vetteres

RhWB

vette·res

Vetteres fętərəs, Pl. -əsə Aach-Walh m.: Vetter 1.

vettereⁿ

Idiotikon

vettereⁿ Band 1, Spalte 1133 vettereⁿ 1,1133

Vettergette

ElsWB

Vettergette m. Vetter od. Onkel, der zugleich Pate ist Stöber Fürst. 12.

Vettergrube

RhWB

vetter·grube

Vetter-grube -dərχəsgrūp Saargeb. in der Bermspr. f.: verächtl. Grube, wo Günstlingswirtschaft herrscht.

vettergunst

DWB

vetter·gunst

vettergunst , f. , verdeutschung von nepotismus bei Campe. vgl. vetterleswirthschaft, vetterschaftlichkeit, vetterschaftswesen.

Vettergötti

Idiotikon

Vettergötti Band 2, Spalte 527 Vettergötti 2,527 M.

vetterin

DWB

vette·rin

vetterin , f. , schwerfällig für muhme, base: begab es sich, dasz ein thum-herr ... eine junge vetterin ... bey sich hatte Hoffmannswaldau h…

Vetter, Joh

DWBQVZ

vetter·joh

--- practica, gerichtlicher handlunge in burgerlichen sachen ... erstlich von weylandt herrn Josten Dammhouder von Brg ... latinisch beschr…

vetterkind

DWB

vetter·kind

vetterkind , n. , kind des vaterbruders, s. vetter 1: patruelis, en veddernkint, veterkinder Diefenbach gloss. 417 b ; nov. gloss. 283 a ; s…

Vetter, Konr

DWBQVZ

--- (—) paradeißvogel, das ist himmelische lobgesang, vnd solche betrachtungen, dardurch das menschliche hertz mit macht erlustiget ... wird…

vetterle

DWB

vetterle , vetterlein , n. , dim. zu vetter: darum sasz ich schmächtiges vetterlein wieder tapfer schmausend hinter dem tische Keller 1, 185…

vetterleⁿ

Idiotikon

vetterleⁿ Band 1, Spalte 1134 vetterleⁿ 1,1134

Vetterli

Meyers

Vetterli , Friedrich , Techniker, geb. 21. Aug. 1822 im Kanton Thurgau, gest. 21. Mai 1882 in Neuhausen, arbeitete als Büchsenmacher in Fran…

vetterlich

DWB

vetter·lich

vetterlich , adj. , consanguineus, cognatus, propinquus; ich bitte ihn freundvetterlich, amice et pro jure consanguinitatis peto Stieler 533…

Vetterlig(e)wer

Idiotikon

Vetterlig(e)wer Band 16, Spalte 925 Vetterlig(e)wer 16,925

vetter als Zweitglied (18 von 18)

Großvetter

RDWB1

Großvetter m троюродный брат

Namensvetter

RDWB1

Namensvetter m тёзка (а не "кузен с тем же именем")

Chlëbvetter

Idiotikon

Chlëbvetter Band 1, Spalte 1133 Chlëbvetter 1,1133

Göttivetter

Idiotikon

Göttivetter Band 1, Spalte 1133 Göttivetter 1,1133 M.

hōsvetter

KöblerMnd

hōsvetter , M.? Vw.: s. hōsevēter*

Javetter

Wander

Javetter Du bist ein Javetter. – Klix, 31.

Obervetter

DRW

ober·vetter

Obervetter, m. Bruder des Urgroßvaters [Verwandtschaftsbaum:] ober-elter-vater ober-elter-mutter iv. [darunter bei den schwerd-magen:] oberv…

Schwertvetter

DRW

schwert·vetter

Schwertvetter, m. wie Schwertmage dass die schwerd-vettern mit den dœchtern nicht erben sollen 1559 Westphalen,Mon. III 1805 Faksimile dat v…

Stammvetter

DRW

stamm·vetter

Stammvetter, m. (nächster) männlicher Blutsverwandter außerhalb der Stammlinie (I); auch allg.: Blutsverwandter bdv.: Lehnsvetter wuͤrde abe…

stûkvetter

MNWB

stuk·vetter

° stûkvetter (stueck-) , m. , Ladearbeiter? (Münst. Chr. 1, 268 = SL).

stūkvetter

KöblerMnd

stūkvetter , M. Vw.: s. stūkvettære*

Trǖbelvetter

Idiotikon

Trǖbelvetter Band 1, Spalte 1133 Trǖbelvetter 1,1133

Ableitungen von vetter (3 von 3)

gevetter

DWB

gevetter , m. , ableitung von vetter ( s. d. ). das wort ist nur im plural belegt und wird appositionell an personen angelehnt, die als nahe…

Unvetterlich

Campe

Unvetterlich , adj . u. adv . nicht vetterlich, den Verhältnissen, Gesinnungen  wie sie ein Vetter hat oder haben sollte, nicht angemessen.

urvetter

DWB

urvetter Holtei erz. schr. 13, 172 . ur- C 4 b. —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „vetter". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/vetter/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „vetter". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/vetter/adelung. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „vetter". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/vetter/adelung.
BibTeX
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