gewissheit,
f. ,
die erfolgreichste unter den substantivableitungen von gewiss (
s. d.),
die namentlich das ältere fem. gewisse (
s. d.),
das schon bei Otfrid
belegt ist, zurückdrängt. 11)
die zeugnisse für unser substantiv reichen nicht weiter als bis Notker
zurück: cum omne latus tuae disputationis constiterit indubitata fide, tanne dîe be halbo wortenen questiones êr ze guisheite chomen sîn
Boethius (3, 214
b Hattemer); ube man dar ana zuîvelot, taz ist nuzze, wanda sô chumet ez ze guisheite
kategorien (3, 429
a); syllogismus grece, latine dicitur ratiotinatio, teutonice autem possumus dicere: gewâr rahchunga, vel pluribus verbis: einis tingis irrâtini unde gwisheit fone anderên
von den vernunftschlüssen (3, 541
a);
dazu vgl.: taz in unguisheite unde in strîte wesen mag (3, 56
a).
in allen vier belegen ist ausschlieszlich die auf die realität zielende bedeutungsrichtung des adjectivs vom substantiv übernommen worden und zwar in der passiven fassung. die active könnte dagegen im folgenden gesucht werden: quippe quadam fiducia compertorum ipsa eidem augurata fuerat scandendum caelum. also sî solta, sî was tiu iro baldo fone guisheite gewîzegôt habeta dia himelfart
Mart. capella (3, 340
b).
die grenzen sind jedoch nicht leicht auseinander zu halten, weil sich in der beziehung auf personen bei dem adjectiv schon übertragene verwendungen entwickelt haben, die einer festlegung in dieser hinsicht widerstreben. diese wirken auch auf den älteren gebrauch des subst. zurück und wie gewiss
und gewissen (III)
in ihrer verwendung in einander greifen, so auch gewissheit
und gewissenheit,
die häufig in handschriften mit einander concurriren (
s. u.).
auch die verstärkte form zu wîsheit,
die in einzelnen mundarten schon lautlich nahe kam, berührt sich in ihren gebrauchsformen so enge mit beiden, dasz sie gelegentlich nur durch zufällige weitere anhalts punkte sichergestellt werden kann: diz ist aber die gewisheit swer in im icht sinnes treit daz her die zale des tieres zele. Heinrich Hesler
apokalypse 19 353
Helm (
var. weishait.
lat. sapientia);
auch im folgenden lassen sich beide auffassungen rechtfertigen: gewisheit ist zu allen dingen gut: wie sullen wenden unsen mut nach gotlichen dingen, so mag uns wol gelingen.
thür. spiel v. d. 10
jungfrauen 65,
Beckers s. 99.
genau so Alsfelder passionsspiel 4508,
Grein s. 144.
für den gebrauch der älteren sprache im allgemeinen fallen diese vereinzelten wendungen wenig ins gewicht, so wenig wie die anknüpfung an die bedeutung von gewaere,
die bei gewiss
in der attributivverbindung mit substantiven so reich entwickelt ist und die am substantiv nur in der negirten bildung und nur vereinzelt zu tage tritt: er (
der herr) sull in (
den knecht, der mit dem anvertrauten geld durchgieng) newer nach dem gelt ansprechen, wan er in dar nach gesant hat. und haiʒʒet ein ungewishait und mus er, (
der knecht) im (
dem herrn) sein gut wider geben ... und dem richter für deu ungewishait sechtzig und dreu pfunt (
geben)
rechtbuch Ruprechts v. Freising (
Westenrieder 7) 172.
für den allgemeinen gebrauch des substantivs in der älteren periode sind aber im wesentlichen die bedeutungen zuständig, die das adjectiv in der rechtssprache entwickelt hat. 1@aa)
in den verbindungen des substantivs lassen sich die für die rechtssprache zutreffenden engeren bedeutungen meist auch in den allgemeineren verwendungen wieder erkennen, die die sonstige litteratur zum ausdruck bringt: des wart dem künege dort gesworn manec gewisser eit mit gewislîcher sicherheit. ... do diu gewisheit wart gesworn. Rudolf von Ems
guter Gerhard 6089
Haupt. und wande er aber gewisheit ir willen niht enhete, in welher wîs siʒ tete ... Gottfried
Tristan 826
Marold; verbindungen mit objectivem genetiv wie im zweiten beispiel scheint dieses nicht angeregt zu haben, andere genetivverbindungen gehören späterer entwicklung an und tragen das gepräge des subjectiven genetivs, der von hier aus wieder auf die rechtssprache zurückwirkt: diser apostele (
Thomas) ist zu lobene umme vil sache. daʒ êrste ume di gewisheit sînes glouben, wan her wolde niht glouben, wan daʒ her sach und greif ... dô maʒ sante Thomas di breite des spers und di grôʒe der nagele, und hir ûʒ sprach he dise wort zu einer gewisheit unses glouben Herm. v. Fritzlar
s. myst. 1, 23;
vgl. auch die belege aus Luther
sp. 6349; so vill zu gewissheit der warheitt diennstlich
Karolina (54) 1, 35
ebenso (
Bamb. halsgerichtsordn.) 2, 31;
um so deutlicher führen andere gebrauchsformen der älteren zeit auf die rechtssprache zurück, so vor allem: 1@a@aα)
die zusammenstellungen mit anderen substantiven. 1@a@a@11)) di kindere ... mugen gewisheit heischen oder burgen von demeselben vormunden mit rechte, daz he so getan erbe unde gut der kinder icht verkoufe
Freiberger stadtrecht (1, 4) 23
Ermisch: so mag her den schuldigen vor dem gelde tage nicht uf burgen
noch uf andir gewisheit gedringen
Kulm.-recht (1, 22)
Leman 20; der sol auch auf recht, burgen, gewiszhait, mit willen und wissen desz richters oder amptmans auszgelassen werden Knebel
chron. v. Kaisheim 288
Hüttner; so mus her burgen adir ander gewisheit setzen deme cleger ab her is nicht enperen wil
Kulm. recht 1, 22
Leman s. 20; und ab si der burgeschafft und gewiszheit miteinander nicht einig werden mochten (
könig Ruprechts landfr.)
Schannat samml. alter hist. schr. 1, 65; auf redlich gewiszheit oder burgschaft (1449)
dtsch. städtechron. 2, 166; er sprach: mîn triu und mîn êre hân ich in für iu versetzet umbe diu ze gewisheit und ze phande, daʒ man si von dem lande ân alles beswârn sol heim lâʒen varn Ottokar 84627; mir werde sicherheit getân, daʒ ich genese, ich lâʒe iuch leben: wirt mir gewisheit niht gegeben umb' den lîp, êst iuwer tôt. Konr. v. Würzburg
Otto mit dem barte 334
bei Lambel s. 255; der fünft stain ist gewisshait und sicherhait daʒ du von dem minneklichen got und von dem himelschen gesinde niemer solt geschaiden werden
St. Georgener prediger (24) 62
Rieder; unnd dann dieselbig persone desshalb kein notturfftig caution, gewissheit oder sicherheit machen khundte, sollichen kunfftigen unrechtlichen schaden unnd ubell zu furkomen
Carolina 176
Kohler u. Scheel 1, 93; (
ähnlich Bamberger halsgerichtsordn. 202
ebda 2, 87); 1@a@a@22)) fride und gewisheit wart da bedersit getan. Herbert v. Fritzlar
troj. krieg 15 282
Frommann; swaz er an bezzerunge und an gewisheit ze rat wert, daz daz geschech ...
urk. v. 1293
s. Mon. Wittelsbac. (
no. 187) 23; wer aber auch daz von sulcher phandung imand gefangen wirde dieselben gefangen sol man auch alle uffs daz recht und gewiszheit uzgeben, wider fur den heutman zukomen (
könig Ruprechts landfrieden)
Schannat 1, 65;
ganz ebenso 64; dannoch sol in der richter auf gewisheit auszgeben mit leib und mit guot auf daz recht
Mühldorfer stadtrecht s. dtsch. städtechron. 15, 404; daz der glubnisz und gewiszheit thu, dem rechten hie umb die sache genug zu thun
oberrhein. stadtrechte 1, 85
anm. 4
Schröder; daz ir demselben maister Uolrichen die vorgenannten vierhundert pfund pfening geheizzet ze geben uf die vorgeschriben vrist und in der sicher machet und inern briefen und gewizheit
urk. Ludw. d. Bayern 1336
bei Weech s. 74; dasz der herczog von Oesterreich uns geben sol zwei tausend marck ... auf die frist und auf die gewisheit als hernach geschriben steht
Passauer urk. v. 1298 (
urk.-buch d. l. ob. d. Enns 4, 277). 1@a@bβ)
aus der verbindung mit verbis erwachsen einzelne feste rechtsformeln. 1@a@b@11))
schon bei den obigen parallelverbindungen wurden verbalformeln beobachtet, die mehrmals auch sonst belegt sind: swelich gewisheit auch er daruber setzet, daz ez volfürt wird
urk. v. 1293
s. monum. Wittelsb. (
no. 187) 2, 2;
das gleiche (
s. o.)
Kulm. recht 1, 22; sô er die gewisheit bringet (
var.: diu warzeichen geseit),
Schwabenspiegel landr. § 282
Wack. dazu vgl. des bringet uns gewisheit von Strâzburc meister Gottfrit: Konrad v. Würzburg
herzmaere 8
Lambel. dazu vgl.: gewisheit geben
Otte 334 (
s. o.); gewisheit geruochen
das '
heisze eisen' (
zsch. d. a. 8, 90); swelich man vor gerichte gelobet eine gewisheit umbe eine sache
Schwabensch. § 262
W.; gewisheit heischen (
s. o.)
Freiberger stadtr. 1, 4;
vgl. auch gewisheit heischen,
cautionem exigere Scherz-Oberlin 1, 549;
desgl. Haltaus 715. 1@a@b@22))
am häufigsten aber sind die verbindungen mit tun, nemen
und haben
beobachtet: 1@a@b@2@aa)) einen boten als er bat gaben sie in in die stadt ... ... und taten im des gewisheit des er uf in hette geleit. Herbert v. Fritzlar
troj. krieg 15341
Frommann; vgl. auch (
s. o.) 15282;
dagegen vgl.: ez suln auch di gevangen dehein ander gewisheit tun, wan daz si sweren suln, daz si auf den tag chomen, den ...
taidigung v. 1293
monum. Wittelsbacensia (
no. 188) 2, 4;
desgl. österr. weisth. 5, 242;
oberrh. stadtr. 1, 85; gewisheit, die si iu, oder iwern gemeineren getan habent
monum. Zoll. 3, 109;
genau so österr. weisth. 5, 96/98; der sol meiner frawen im ring gewiszhait tun, der sie wol benügt
öffnung von Anget s. österr. weisth. 2, 66;
genau so 2, 4;
desgl. Grimm
weisth. 3, 674; (tuet der gewishait zu dem rechten)
österr. weisth. 5, 252; mag er ime dann guete gewisshait thuen, damit in benüeg
ordn. v. Latzfons u. Verdings s. österr. weisth. 5 367; gewisheit machen
Carolina 176 (
s. o.). 1@a@b@2@bb)) da sol der vogt unde die burger gewisheit von dem herren naemen, daz si in mit im lazzen varn uf daz guot da er ufe saz
Augsb. stadtb. 59
Meyer; daʒ ir von den armen liuten gewisheit nemet und in dar ûf lîhet Berth. v. Regensburg 1, 281
Pfeiffer;
desgl. sol der vogt ie wederthalp gewisheit naemen,
utramque partem cavere iubere stadtb. v. Augsburg 98; unde sol guote gewisheit (
var. gewisseheit) von im nemen
Schwabensp. landr. § 277
Wackernagel; so sol ein amptman sin gewisheit darumb von im nehmen
oberrh. stadtr. 1, 85
Schröder; (umb unzucht gewiszheit nemen ... gewiszhait zum rechten von im nemen)
österr. weisth. 5, 305; daʒ si darüber næmen gewisheit mit hantvesten. Ottokar
österr. reimchron. 2415
Seemüller; 1@a@b@2@cc)) und her wart an ein cruzce gehangin und an deme selbin tage begrabin. si woldin des eine gewisheid habin, also (her) en vor hatte voriehin, her wolde von deme tode irstehin. Joh. Rothe
passion 1091
Heinrich;
vgl. auch (des habet uch eine gewisheit)
altes passional 236, 5
Hahn.; desgl. (
s. sp. 6347) Gottfried,
Tristan 826;
die rechtssprachliche grundlage dieser wendungen erschlieszt sich aus späteren belegen, vgl.: wann ain lediger knecht gefangen wirdt umb erber sach, hat er gewiszhait zu ainem rechten, so sol in ain richter ausgeben
gerichtsbuch v. Niedervintl (1474)
s. österr. weisth. 5, 444;
genau so 5, 305. 221;
anders: darumb wolten die von Pairn guot gewishait haben von dem kaiser; gehiesz der kaiser den von Pairn ein ze setzen Werd, Nördlingen ... (
Augsb. chron.)
dtsch. städtechron. 4, 36;
die gleiche stelle (Zink) 5, 8. 1@a@gγ)
wie mehrere der zuerst angeführten belege zeigten, nehmen auch die präpositionalverbindungen bei diesen älteren, in rechtsformeln wurzelnden, wendungen eine bevorzugte stelle ein. 1@a@g@11)) ez ensol kain Jude lihen uf kain messegewant noh uf kainen kelch noh uf nihtiu des daz zu der kirchen hoeret wan mit gewisheit
stadtbuch v. Augsburg (19, 7) 56
Meyer. daz wil ich dir an diser frist verburgen mit solhen herren ..' ... '.... die gîsel, die ich hie enphâch, daʒ ich die füer an mîn gemach, swar sô mich dunket guot'. dâvon des Karlots muot ein teil betruobet wart, daʒ sîn sô sêre vârt der grâve mit der gewisheit. Ottokar
österr. reimchron. 4163
Seemüller; sint dem mole daz her im an dem tage vor dem scheppen adir vor den ratmannen ane gewisheit (
var. one gewissen) hot lossen gengen
Kulmisches recht (1, 22)
Leman 20; sus riten sî nâch wâne, und doch der gewisheit âne. Hartman
Erec 7809 Haupt; 1@a@g@22)) ... nû was ouch diu zît komen, als ir ê wol habt vernomen, ûf die gewisheit, daʒ bî sînem eit bischolf Uolrich solde wern ... Ottokar
österr. reimchron. 8452
Seemüller; dazu vgl. (
s. o.) uf burgen noch gewisheit
Kulm. recht 1, 22; (gewiszheit oder burgschaft)
dtsch. städtechron. 2, 166; auf gewisheit ... auf daz recht
dtsch. städtechron. 15, 404;
Ruprechts landfrieden 64, 65; auf die frist und auf die gewisheit
Passauer urk. v. 1298;
desgl. ze gewisheit und ze phande Ottokar 84 627; ze gewissheit der warheitt
Karolina 54. 1@a@g@33)) item wer ainen grausen gen dem anndernn hat, der mag wol sprechen: herr richter, nempt mich und den in ain gewishait, daʒ wir an recht mit einander nicht zu schaffen sulln haben
öffnung zu Stumm (15.
jahrh. bei Grimm
weisth. 3, 730;
das gleiche österr. weisth. 2, 143;
ebenso mon. wittelsb. 2, 432). so wirt in den tagen irlost daʒ hersch geslechte Juda, so wirt Israhel dar na wonende ouch in der gewisheit, als Isaias dar seit, und wirt die schrift irvult sint fu der Israhele kint. Heinr. v. Hessler
apokalypse 19731
Helm; vgl. dazu (
s. o.) umme die gewisheit sines glouben H. v. Fritzlar (
myst. 1, 23);
anders an gewisheit
mon. Wittelsbacensia 2, 3; 1@bb)
ganz vernachlässigt ist das substantiv in der bibelübersetzung; nur einmal —
und gegen die vorlage wie die vorgänger —
wird es von Luther
eingeführt, der es aber in seinen eigenen schriften nicht begünstigt: das unser evangelium ist bei euch gewesen, nicht allein im wort, sondern beide in der krafft und in dem heiligen geist, und in grosser gewisheit (
var.: inn grosser fulle ... und gantz gewis)
1 Thess. 1, 5 (und in maniger erfüllung
Mentel u. die übrigen; zuversicht Weizsäcker;
in plenitudine multa);
dazu vgl.: also nit meins gebets wirdickeit, sundern deiner warheit gewiszheit macht mich, das ichs festlich glewb Luther (
ausleg. dtsch. d. vaterunsers) 2, 127
Weimar; das ist jr warzeichen, damit sie jrs glaubens gewisheit und jrer liebe brunst beweisen (
verantwort. der auffgelegten auffrhür. ... 1533) 7, 19
a Jena. 1@cc)
die buchungen lassen von anfang an die einschränkung auf solche züge erkennen, die der neuere sprachgebrauch (
s. 2)
einseitig bevorzugt. vor allem treten die rechtssprachlichen wendungen zurück, denen nur die allerältesten und die neueren, auf dem studium der quellen beruhenden, feststellungen gerecht werden: securitas, gewiszheit
handsch. voc. lat. germ. Diefenbach 524
a (
in andern vocab.: sicherheit);
dazu vgl. gewiszheit,
cautio securitatis Scherz-Oberlin 1, 549; wegen einer sache gewiszheit geben
d. i. ein sicheres unterpfand Adelung 2, 671;
desgl. Campe;
vgl. auch Hilpert 2, 1, 466.
anders zu beurtheilen sind die gleichungen gewiszheit einer zusage, eines versprechens, einer besoldung
bei Adelung
u. a. etwas reichlicher sind andere wendungen berücksichtigt, die das substantiv in dem überblick über den älteren gebrauch hatte vermissen lassen, die aber mit der neuhochdeutschen periode vom adjectiv her einsetzen, um im neuesten gebrauch wieder abzusterben: die übertragung auf körperliche bethätigung. die buchungen hinken hier aber stark hinter dem thatsächlichen gebrauche nach: die gewiszheit der hand, des pinsels, des grabstichels, des ganges Adelung, Campe
u. a.; la fermeté de la touche Schwan 1, 748
b;
the steadiness of the hand hilpert 2, 1, 466
a; mit gewiszheit (
more usual sicherheit) gehen,
to walk with steadiness)
ebenda; dazu vgl.: gewiszheit ... wird ... sowohl von unserer erkenntnisz; als unserern willkürlichen verrichtungen gebraucht J. G Walch
phil. lex. 1
2, 1310,
wo der verfasser der versuchung unterliegt, auch diese bedeutung aus dem hauptbegriff des substantivs abzuleiten: die gewiszheit in ansehung der menschlichen verrichtungen beziehet sich auf den innerlichen schlusz des willens, wenn sich selbiger wegen gewisser bewegungsgründe zu was determiniret, welches aber noch keine nothwendigkeit, dasz nach gefasztem schlusz die äusserliche handlung nothwendig erfolgen müsse, massen wir gar offt denselben ändern, und mit der verrichtung selbst zurück halten können 111. 1@c@aα)
der hauptbegriff, der den nhd. gebrauch beherrscht und von dem auch die buchungen fast ausschlieszlich getragen sind, trifft das verhältnis der erkenntnissthätigkeit zur realität und zwar in beiden fassungen, des activen und passiven gewiszwerdens, die sich beim substantiv in den gegensatz zwischen subjectiver und objectiver gewiszheit umsetzen. dabei ist die erste vor der zweiten in den angeführten wortverbindungen und zum theil auch in der begriffsbestimmung bevorzugt. 1@c@a@11))
begriffsbestimmung. 1@c@a@1@aa))
viele buchungen begnügen sich mit der anführung eines synonymons, bei den fremdsprachlichen mit certitudo,
im deutschen mit sicherheit.
in beiden fällen ist ein gegensatz zwischen subjectiver und objectiver fassung nicht angedeutet: certitudo, gewiszheit
hdsch. voc. rer. und lat. ndd. voc. (wisheit
hdsch. voc. lat. germ.) Diefenbach 115
a; Kilian 147
a (ghewisheid); Henisch 1603; Corvinus 169; Garth-König 97
b; Duez (1664) 199
b (
certitude, certitudo); Frisch
dict. des pass. 2, 280; certitudo, gewiszheit, sicherheit Reyher 1, 997; gewisheit,
gewisheit, zekerheit Kramer 2, 97
b; sicherheit,
i. a. gewiszheit,
zekerheit, gewisheit 2, 196
b. 1@c@a@1@bb))
wo in den buchungen eine gröszere anzahl fremdsprachlicher synonyma angeführt ist, sind neben den substantiven, die die erkenntnissthätigkeit kennzeichnen (
subjective fassung)
meist auch solche vertreten, die deren ergebnisz beleuchten (
objective fassung): gewiszheit, die,
certitudo, veritas, certum, exploratum, confessum Stieler 2568;
certum, certa rei ratio, explorata veritas, certitudo Steinbach 2, 1058; Aler 1, 938
b (
fügt hinzu: certa, comperta, explorata cognitio); Frisch 2, 454
a; Matthiae 2, 182
a; Kirsch 2, 152
a; gewiszheit,
certezza, il certo, sicurità, certitudine, certitude, assûrance Rädlein 1, 384
b;
the certainty, sureness teutsch-engl. lex. 2, 775;
certitude, assurance, it. science cit. verité Rondeau 2, Uu 4
a; die gewisheit, kentnisz, wissenschaft, das gewissein,
la science, verité, evidence Schwan 1, 748
b; gewisheit (gewiszheit),
la certitude, l' affermissement, assurance ebda.; gewiszheit,
f., exemtion from doubt, certainty Hilpert 2, 1, 466
a;
exemtion from failure, settled state, regularity ebda. 1@c@a@1@cc))
die feststellungen der philosophie werden diesem gegensatze innerhalb des bedeutungsumfanges unseres substantivs früh gerecht: in der gewöhnlichen unbestimmtheit des sinnes und vieldeutigkeit des wortes bedeutet es bald die klarheit (evidenz) des bewusztseins im unterschiede desselben vom sein an sich, die subjective gewiszheit, bald die klarheit (evidenz) des seins an sich, die objektive gewiszheit, bald aber beides durcheinander, und als dieses bald das gemeinschaftliche von beiden, die gewiszheit überhaupt, die formale, bald die indifferenz und identität von beiden, die absolute gewiszheit. auch bedeutet dieses wort bald die wirklichkeit, bald die nothwendigkeit, bald die wahrheit, bald dieses alles durcheinander, und zwar bald des bewusztseins, bald des seins an sich, bald beides durcheinander C. L. Reinhold
gründl. einer synonymik ... in den philos. wissensch. (1812) 125;
die subjective fassung hält auch gegenüber den wandlungen der philosophischen systeme und methoden immer stand: gewiszheit, ist eigentlich diejenige erkenntnisz, da uns kein zweifel übrig bleibt. sie ist also der wahrscheinlichkeit entgegen gesetzt ... da
nun aber alles unser wissen entweder unmittelbar sinnlich oder abstract ist, so giebt es entweder eine gemeine oder gelehrte gewiszheit ... man pflegt aber auch, wiewohl uneigentlich, von einer historischen und moralischen gewiszheit zu reden Zedler 10, 1393;
ähnlich Chomel 4, 1062; gewissheit (
certitudo) ist das bewusstsein der warheit eines urteils. ursprünglich erscheint jedes urteil als gewiss,
d. h. als wissen, insofern noch nicht gezweifelt wird. im engeren sinne ist gewissheit das (stark gefühlsbetonte) wissen um die gültigkeit eines urteils, hervorgegangen aus der einsicht in die (relative oder absolute) unmöglichkeit eines gegenurteils Eisler
wb. der phil. begriffe 294.
die objective fassung dagegen verliert ihren boden, wo dem ergebnisz der erkenntniszthätigkeit keine realität mehr zugebilligt wird, darum erscheint sie, wie sie in den philosophischen schriften mehr und mehr zurücktritt (
s. u.),
auch in entsprechenden buchungen nur gelegentlich: ein niederer grad der gewiszheit ist die wahrscheinlichkeit Kirchner-Michaelis
phil. wb.5 241; evidentz (
evidentia) augenscheinlichkeit, unmittelbare gewissheit und sicherheit einer erkenntnis Eisler
wb. d. philos. begr. 234. 1@c@a@22))
mannigfaltiger lassen sich die gebuchten wortverbindungen abgrenzen. 1@c@a@2@aa))
die subjective (
active)
richtung der erkenntniszthätigkeit macht sich geltend in: mit nechster post (in kurtzen) wird man hiervon mehrere gewiszheit (eigentlichere nachricht) erhalten,
colle prossime (
frà breve)
sene aspetteranno magiori confirmazioni, ... (
dans peu)
ou en attendra (
aura)
un plus grand éclaircissement Rädlein 1, 384
b; man hat gewiszheit bekommen,
dubitatio sublata est Steinbach 2, 1058; es gibt viele dinge, von welchen sich keine gewiszheit erlangen läszt Adelung 2, 671; man hat noch keine gewiszheit darvon,
on n' en a encor point de certitude, ou point de certaines nouvelles, nulla adhuc habetur certitudo de illa re Duez (1664) 199
b; von einem eine gewiszheit haben,
certiora ex aliquo cognoscere Steinbach 2, 1058;
habere quod liqueat ebda.;
genau so Matthiae 2, 182
a; Kirsch 2, 152
a;
ähnlich Aler 1, 939
a (g. h. von einer sach);
dazu vgl. auch Adelung, Campe, Hilpert; mit gewiszheit reden
parler avec certitude, assurance Rondeau 2, Uu 4
d; mit gewiszheit sprechen, erkennen, wissen Adelung, Campe
u. a.; die wahrheiten müssen in uns zu gewiszheiten werden Adelung 2, 671; Campe 2, 367
b; die moralische gewiszheit, derjenige zustand der erkenntnisz, da man keine vernünftige ursachen hat, das gegentheil für wahr zu halten Adelung 2, 671;
dagegen vgl. die gegensätze in: die anschauende
or anschauliche gewiszheit,
evidence Hilpert 2, 7
s. 466
a; 1@c@a@2@bb))
auf die objective (
passive)
richtung weisen: gewiszheit,
certa ratio, explicata et explorata ratio salutis gewiszheit desz lebens Schönsleder V 5
d;
ebenso Aler 1, 939
a (g. des lebens, des heils); die gewiszheit einer sache,
la certitude d' une chose Schwan 1, 747
b; die gewiszheit einer wahrheit, einer nachricht Adelung 2, 671; Campe 2, 367
b; die gewiszheit, dasz etwas geschehen,
the certainty of a fact. teutsch-engl. lex. 2, 775; die gewiszheit, dasz einer gestorben,
the certainty of onc's death ebda.; die gewiszheit des todes Adelung, Campe, Hilpert; wo eine gewiszheit da ist,
si quid certi est Steinbach 2, 1058;
vgl. dazu: es ist eine ungewiszheit,
anceps conjectura est. Stieler 2568; was eine unfehlbare gewiszheit hat,
infaillible Rondeau 2, Uu 4
a; die untrügliche gewiszheit,
l' infaillibilité Schwan 1, 748
b; die mathematische oder geometrische gewiszheit, wenn das gegentheil als eine unmöglichkeit erkannt wird Adelung 2, 671; eine unumstöszliche, handgreifliche gewiszheit (mathematische gewiszheit) Campe 2 367
b; etwas zur gewiszheit bringen Adelung 2, 671. 1@c@bβ)
für mundartlichen gebrauch zeugen vor allem niederdeutsche oder aus der nördlichen grenze des mitteldeutschen stammende belege: gewisheid, gewissîgheit,
gewissheit ten Doornkaat Koolman 1, 625
a; 'wishAeit
f. gewissheit Böger
Schwalenbergische mundart s. ndd. jahrb. 32, 151
a; gewösshêt,
gewiszheit. wb. d. luxemb. m. a. 145
b;
vgl. auch (
s. u.) Follmann 204
a;
vgl. auch gewissigkeit
s. u.; für oberdeutschen gebrauch zeugt H. Fischer 3, 635. 1@dd)
formen. 1@d@aα)
stammsilbe. 1@d@a@11))
der lautgesetzlichen kürzung des schlieszenden spiranten tritt unter dem einflusse der formen des adjectivs früh die doppelung entgegen, die sich in den buchungen von anfang an durchgeführt zeigt. 1@d@a@1@aa)) guisheit Notker
s. Hattemer 3, 214
b; 3, 429
a; gewisheit Herbort 15282; Rud. v. Ems
gut. Gerh. 6089; Ottokar 84627;
Bair. urk. v. 1293;
Freiberger stadtr. 1, 4; gewizheit
urk. Ludwigs d. Bayern aus 1336;
dazu vgl. (
mit varianten für doppelspirans s. u.): gewisheit
Schwabensp. landr. § 277
W.; Oberrh. stadtrechte 1, 85;
noch Luther
bietet neben einmaliger doppelspirans zwei belege für gewisheit 1
Thess. 1, 5;
desgl. 7, 19
a Jena;
dazu vgl. noch gewisheit Chr. Wolff 163. 1@d@a@1@bb)) gewisseheit
Schwabensp. (
var.); gewissheit (gewiszh.)
Oberrh. stadtrechte a. a. o.; St. Georgener pred. 62;
König Ruprechts landfr., Diefenbach-Wülcker 620;
öst. weisth. 5, 98, 221;
Karolina 176; Knebel
chron. 288;
dtsch. städtechron. 2, 166;
öst. weisth. 5, 98. 305. 444
u. a. Luther 2, 127
Weimar;
und von da ab durchweg doppelspirans. 1@d@a@22))
der vokal unterliegt auch beim substantiv den mundartlichen differenzirungen, die beim adj. beobachtet sind, vgl. gewesshat Follmann
wb. d. deutsch-lothring. mda. 204
a;
vor allem ist die längung viel beobachtet: gewishaet Fischer
schwäb. wb. 3, 635; gewiessheit
var. neben gewissheit
Carolina 2, 87; geweiszheit Joh. v. Schwarzenberg
trostpr. 46 (
im teutschen Cicero gewissheit);
vgl. auch oben (
sp. 6346)
zu der berührung mit der ableitung von wîse. 1@d@bβ)
das präfix ist in den belegen dem einflusz der syncope nur wenig unterworfen (
vgl. oben guisheit);
für die ableitungssilbe ist die bair. alem. schreibung beobachtet: gewisshait
St. Georgener prediger 62; Knebel
chron. 288;
öst. weisth 5, 96
u. a. dazu vgl. aus anderen mda. gewisshāt, gewesshāt
bei Follmann 204
a. 1@d@gγ)
unter den concurrenzbildungen ist oben schon auf gewissenheit
aufmerksam gemacht worden (
s. d.),
das im variantenapparat vielfach mit gewisheit
abwechselt und vom Freiberger stadtrecht bis zur Bamberger halsgerichtsordnung beobachtet ist. landschaftlich begrenzt ist eine andere nebenform: gewissigheit, gewiszkeit,
certitudo, mitteldeutscher vocab. lat. germ. (15
jahrh.) Diefenbach-Wülcker 620; gewissicheit
christl. bedebökelin (
Rostock 1543) 26
b;
dazu vgl. gewissîgheit ten Doornkaat Koolman 1, 625
a. 1@d@dδ)
der bedeutung nach ist der plural an sich hier ausgeschlossen; er wird nur in einigen wenigen fällen durch die besonderen bedingungen des zusammenhangs veranlaszt: ein schriftsteller, der so genaue urkunden vor sich hat, musz die kleinen züge aufsammeln, und wie ein portraitmaler die drücker, welche die gewiszheiten andeuten, ohne seine schilderung mit kleinigkeiten zu überladen, dahinbringen, wo sie die richtigste wirkung machen J. v. Sonnenfels
briefe über d. wienerische schaubühne (
Wiener neudr. 7) 226; es ist ein groszartiges, tiefempfundenes seelengemälde ... es entschleiert uns das ... verhältnisz zweier herzen zu einander; es löst das geheimniszvolle ahnen in zärtliche gewiszheiten auf A. v. Winterfeld
der stille winkel (3, 1) 3 (1865) 10; probleme als gewiszheiten hinstellen
nat. zeitung 30, 452; Sanders
erg. wb. 646
a; hält man Schleiermachers 'reden über die religion' mit seinen 'monologen' zusammen, so stöszt man auf einen ähnlichen unterschied: dort werden ihm seine beglückenden gewiszheiten vorwiegend von der tiefe religiösen unendlichkeitsgefühls, hier vorwiegend von einem individualistisch genialen sittlichkeitsbedürfnis eingegeben J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit s. 131. 22)
der überblick über die verbindungen und gebrauchsformen im nhd. bestätigt und ergänzt das bild, das die buchungen schon erkennen lieszen. 2@aa)
die älteren bedeutungsrichtungen werden zu gunsten der kennzeichnung des verhältnisses zwischen erkenntnisz und realität zurückgedrängt. 2@a@aα)
das gilt vor allem für die formen des rechtsbegriffes: 2@a@a@11)) und wo er besorgt, das ein oder mehr angezeigt personen flüchtig werden, so mag er die mit borgschafft, oder sonst in gewiszheit, annemen lassen Tengler
laienspiegel 106
a; ... und dorum zu gewiszheit und unterpfand mein behausung ... einsetzen und verpfänden will Albr. Dürer (
an die stadt Nürnberg 1519)
nachlasz 62;
dazu vgl. noch: etliche erboten dem patron das geld vor 2 zu zahlen, ... das er denn auch bald zu frieden war, ein hafft-geld um der gewiszheit annahm
Türkische vagant (16) 136. 2@a@a@22))
solche wendungen, die die engere beziehung auf den rechtsgebrauch abgestreift haben, berühren sich wieder mit jüngeren fügungen, in denen die richtung auf eine zusage, die bürgschaft für ein versprechen, von einem neuen ausgangspunkte her erreicht wird, vgl.: und das er schwerlich pus die sunt, das zeigen uns sein heilige wort, den nit zu glauben wer ein wort, der ewiglichen dod die sell, wan ir geweiszheit ist on fel. (
im teutschen Cicero: gewissheit ... quel) Joh. v. Schwarzenberg
trostbuch (829) 46
Scheel; das haupt Johannis predigt euch so gar noch aus dem grabe, was vor gewiszheit und vertraun ein treuer märtrer habe. Joh. Chr. Günther (
am tage der enthauptung Johannis)
ged.2 40.
gegen: don Antonio ... sagte sie (
die stelle) ihm mit aller gewissheit zu Klinger (
Raphael) 4, 80. 2@a@a@33))
auch einzelne wendungen, die an die verbindung gewissiu maere
anknüpfen, lassen sich unter diesem gesichtspunct beurteilen, zumal im anschlusse an entsprechende fremdsprachliche fügungen: ich wurde dadurch misztrauisch gemacht, und um der sachen gewiszheit zu erfahren, stellte ich mich als wenn ich nach Ancona verreisen wolte Celander
d. verliebte studente (1714) 419; sobald er einige gewiszheit wegen des reisenden frauenzimmers erhalten, wolte er seinen zustand glückseliger machen Chr. Weise
die drei klügsten leute (2, 5) (1675) 160; dasz sie mir sogleich an der gewissheit theil geben Göthe
briefe 42, 80; herr, unterwegs ritt ich an ihm vorbei, er ist mit mehr gewiszheit nicht versehen (
with no certainties), als was er etwa mir kann nacherzählen. Schlegel (
Shakespeares Heinr. IV. 2, 1, 1) 2, 6
Brandl. 2@a@bβ)
die aus der beziehung auf körperliche bethätigung erwachsene bedeutungsrichtung wird länger festgehalten. sie ist auch von buchungen des 18
ten jahrhunderts berücksichtigt (
s. o.)
und wird —
in einer gebrauchsrichtung wenigstens, die von hier aus abzweigt —
von Göthe
wieder aufgefrischt: darfür soll er sin, uns warnen und alles das thn, das unser kranckheit verhten und unser gesundheit gefurdern mag z allen zeiten, alles nach siner besten verstAendnis und gewiszheit
bestallungsurk. für den leibarzt des pfalzgr. Philipp (1488)
ztschr. f. gesch. d. Oberrh. 2, 274; aber so du wol messen hast gelernt, und den verstand mitsammt dem brauch uberkummen, also dasz du ein ding aus freier gwiszheit kannst machen und weiszt einem jedlichen ding recht zu thon, alsdann ist nit allweg not, ein jedlich ding allweg messen Albr. Dürer (
v. menschl. proportion) nachlasz 230; dordurch er die linien der gestalt eines menschen durch ein gebrauch und gewiszheit der hand dem leben gemäsz weisz zu ziehen 347; aus solchem wächst mit der zeit die gewiszheit der kunst und des gebrauchs 230; wie er nun die gewissheit dieser natürlichen kunst gesehen, wolte er kurtzum auch wissen, durch was mittel ein mensch sich vor den büchsen kuglen versichern könte Grimmelshausen
Simpl. 524
neudr.; die bombe mit gewiszheit zu werfen A. G. Kästner 1 (1755) 38; sie nehmen geschlagene goldblätter und schneiden selbige in ungemeiner hurtigkeit und gewiszheit Abr. a. S. Clara
etw. f. alle 2, 281 (
das goldspinnen); die verstümlung ... der wörter, ist durchaus zu meiden, denn dadurch musz die gewiszheit und liebliches wesen der gefügten rede über einen haufen polteren Schottel 781;
dazu vgl. nun: und hier erkennen wir sein unsterbliches verdienst um die deutsche rhythmik, die, er, aus so manchen schwankenden versuchen, einer für den künstler so erwünschten gewiszheit und festigkeit entgegen hebt Göthe (
in d. Jen. litt.-zeit. über Vosz) 33, 162; die zeit vergeht und das wenige was uns übrig bleibt, wollen wir durch ordnung, bestimmtheit und gewissheit in sich selbst vermehren (
an Lavater 1780) 4, 192; 2@bb)
die verbindungen, die der beziehung der erkenntnisz auf die realität erwachsen, deuten je nach dem zusammenhange entweder auf die active oder die fassung des begriffes, auf die subjective oder objective gewiszheit: einsicht bedeutet also eine objektive, zuversicht eine subjektive gewiszheit W. T. Krug
fundamentalphil. (1803) 258; die weise, wie wir das formelle wesen empfinden, ist die gewiszheit selbst. zur gewiszheit des wahren bedarf es keines andern zeichens, als dasz man eine wahre idee habe; und was die höchste gewiszheit sei, kann nur der wissen, der die vollständige idee einer sache hat: gewiszheit und das objective wesen eines dinges sind eins Herder (
gott) 16, 576; beide (
Augustin und Des Cartes) haben mit leichter mühe von der urgewiszheit des eigenen seelendaseins aus die gewiszheit der auszenwelt zurück zu gewinnen gewuszt J. Rehmke
unsere gewiszheit v. d. auszenwelt s. 26
a. a.; dasz die seele in der gewiszheit ihres eigenen seins immer die gewiszheit der auszenwelt zugleich mit haben müsse
s. 45;
wie in diesen fällen so läszt auch sonst der zusammenhang die richtung meist leicht erkennen, in die der begriff zielt (
s. u.)
; seltener sind die belege, die eine solche gliederung erschweren oder ganz ausschlieszen: und ohne die geschichte der weltweisheit ins besondere, welche nichts als die geschichte des irrthums und der wahrheit ist, wird man die stärke des menschlichen verstandes nimmermehr schätzen lernen; man wird ewig ein aufgeblasner sophiste bleiben, der, in seine grillen verliebt, der gewiszheit im schosse zu sitzen glaubt Lessing (
Voss. zeit. 1751) 4
3 333; (
Angelo:) und wenn er (
der graf) noch lebendig zurück in die kutsche kam: so steh' ich dafür, dasz er nicht lebendig wieder heraus kömmt (
Marinelli;) wenn das nur gewisz ist, Angelo ... was gäb' ich um die gewiszheit (
Emilia Galotti 3, 2) 2
3 413; ihr chöre singt ihr schon den tröstlichen gesang, der einst, um grabes nacht, von engelslippen klang, gewiszheit einem neuen bunde? Göthe (
Faust: erster theil) 12, 44; im ganzen — haltet euch an worte! dann geht ihr durch die sichre pforte zum tempel der gewiszheit ein 12, 98; schwingt sich mein herz aus dem gebiet der lügen zum tempel der gewiszheit hin. Thümmel (
reise ... 2) 2 (1853), 192; weil zum didaktischen vortrag gewiszheit verlangt wird, indem der schüler nichts unsicheres überliefert haben will, so darf der lehrer kein problem stehen lassen Göthe
maximen u. reflex. no. 584 (
schr. d. Göthegesellschaft 21, 126); dass die menschen, wenigstens ursprünglich, von den sinnen allein alle gewissheit abhängig machen; dass für sie das nur ist was sinnlich ist; bestätigt ferner die geschichte Ludwig Feuerbach (
krit. bemerk. z. d. grundsätzen der philosophie) 2, 320; nach ihm (Locke) beruht eine für die praxis ausreichende gewissheit der existenz von aussendingen auf folgenden vier gründen W. Dilthey
sitz.-ber. d. Berliner akademie 1890 (2)
s. 984.
im allgemeinen läszt die sprache der philosophie neuerdings unser subst. mehr zurücktreten, für die subjective gewissheit bevorzugt sie bewusstsein,
für die objective wirklichkeit. 2@b@aα)
die subjective gewiszheit: das fürwahrhalten ist überhaupt von zweifacher art: ein gewisses oder ein ungewisses. das gewisse fürwahrhalten oder die gewiszheit ist mit dem bewusztsein der nothwendigkeit verbunden; das ungewisse dagegen oder die ungewiszheit mit dem bewusztsein der zufälligkeit oder der möglichkeit des gegentheils Kant (
logik) 1, 394
Hartenstein; keiner kann von einer sache gewisz sein, wenn nicht gegengründe rege gemacht werden, wodurch bestimmt werden kann, wie weit man noch von der gewiszheit entfernt, oder wie nahe man derselben sei 1, 414; denn wir alle nennen vernunft, was uns in uns selbst gewisz macht ... ohne gewiszheit, keine vernunft; ohne vernunft keine gewiszheit
F. H. Jacobi (
von den göttlichen dingen) 3, 315; alle gewissheit flieszt ihnen schlieszlich aus der erfahrung J. Volkelt
quellen d. menschl. erfahrung s. 2; gewiszheit — schöner wahn des augenblicks! bald wieder wird der alte zweifel nagen: der feste boden weicht — dir schwindelt — weit ins öde meer hinaus wirst du verschlagen. O. Ernst
Semper der jüngling s. 227.
gelegentlich wird dieses subjective moment am begriffe durch besondere mittel zum ausdruck gebracht: nur auf diese art läszt sich subjective gewiszheit, als zustand des gemüts erklären. das gefühl der gewiszheit aber ist stets eine unmittelbare übereinstimmung unsers bewusztseins mit unserm ursprünglichen ich ... nur in wiefern ich ein moralisches wesen bin, ist gewiszheit für mich möglich Fichte
sittenlehre (1798) 220; subjektive gewissheit C. L. Reinhold, W. T. Krug
s. o.; die subjektive gewiszheit darf an dem objekt keine schranke behalten, sie musz wahrhafte objektivität bekommen Hegel (
philosophie des geistes 1) 7, 2, 255. 2@b@a@11))
an unserem substantiv wird der begriff der realität gern durch das mittel des gegensatzes gesteigert, dabei kommt das subjective moment besonders zur geltung: die zielsichere erkenntniszthätigkeit wird hier in gegensatz gestellt zu anderen weniger bündigen formen des vorstellungsvermögens. 2@b@a@1@aa)) diese vermuthung muszte zur gewiszheit werden; und wenn der zuhörer diese gewiszheit nur von auszen erhalten konnte ... Lessing (
Hamburg. Dram. 1, 49) 9
3, 392;
ganz ähnlich K. v. Holtei (
der letzte komödiant 2) 35, 137; dagegen giebt es in der naturkunde eine unendlichkeit von vermuthungen, in ansehung deren niemals gewiszheit erwartet werden kann Kant (
krit. d. rein. vern.: v. d. transsc. aufg. d. r. v.) 3, 332
akademie; gewiszheit hebt den glauben, wie gesetz gnade auf Hamann (
an Lavater 1778) 5, 277
Roth); hat es nicht thoren gegeben, die ... über den hoffenden glauben hinausschritten und eine philosophisch-demonstrirte gewiszheit dieser lehre zu haben vorgaben Herder (
zerstr. blätter 6) 16, 380; die induktion als inductio incompleta gibt nur wahrscheinlichkeit, das experiment gibt gewiszheit oder annähernd gewiszheit H. Pichler
über die erkennbarkeit der gegenstände s. 92; was unsern glauben, dasz die benennungen 'purist' u.
s. o. keine beschimpfende, sondern vielmehr eine schmeichelhafte bedeutung haben müsse, bis zur gewissheit erhöht, ist die bemerkung, dasz der herr geheimrat von Göthe oft selbst kühn und glücklich dem geschäfte der verdeutschung obliegt Campe
s. Engel, Goethe s. 574;
vgl. auch die der steigerung dienenden attribute: alles dieses war keine phantasie, keine spekulation, sondern eine fast sinnliche gewiszheit Immermann (
epigonen 8) 4, 170
Maync (
s. auch unten); geschichtliche epochen entstehen darum nur da, wo, was früher nur ein gedachtes, vermitteltes war, objekt unmittelbarer, sinnlicher gewissheit, also wahrheit wird, was früher nur gedanke war Ludwig Feuerbach (
grundsätze der philosophie 38) 2, 301.
vereinzelt dienen solche zusammenstellungen mit substantiven auch der abschwächung statt der steigerung: denn durch einwürfe wird die gewiszheit zur deutlichkeit und vollständigkeit gebracht Kant (
logik) 1, 414; oder die gewiszheit aus der ersten hand, die wir ... glaube nennen, in eine gewiszheit nur aus der zweiten, (
verwandeln) die unbedingte überzeugung in eine bedingte
F. H. Jacobi (
von göttlichen dingen) 3, 441;
namentlich gilt dies für die verbindung wahrheit und gewissheit;
gegen: das volle gefühl der wahrheit und gewiszheit, das die sinnlichen anschauungen begleitet Jacobi (
von göttlichen dingen, beilage A) 3, 454;
vgl. nunmehr: die philosophie dagegen musz den begriff der wahrheit wesentlich von der blossen gewissheit unterscheiden; denn die gewissheit, welche auf dem standpunkt des blossen bewusztseins der geist von sich selber hat, ist noch etwas unwahres Hegel (
philosophie des geistes 1) 7, 2, 255; er (Wolff) unterscheidet die wahrheit, die nach der nominaldefinition im consensus judicii cum objecto besteht, von der gewissheit H. Pichler
über die erkennbarkeit der gegenstände s. 92 (
s. auch unter β). 2@b@a@1@bb)) erlauben sie mir ... dasz ich von dieser maske wegsehe und mich noch mit einem blick an den beszern hoffnungen freue, die uns das christenthum zur gewiszheit gemacht hat Herder (
wie d. alten d. tod geb. 12) 15, 484;
ganz ähnl. (
zerstr. blätter 4) 16, 87: ich habe ... die sache von allen seiten überdacht, um das was ich unternehme nicht mit hoffnung, sondern mit gewiszheit des erfolgs anzufangen Göthe (
an Schiller 12. 2. 1802)
br. 16, 31; die hoffnung, ja gewiszheit, in wenigen tagen von einem schatze geheimer glücksgüter besitz zu nehmen Keller (
grüner Heinrich 4, 5) 3, 94; und von argwohn zur gewissheit war der weg nicht mehr weit J. E. Schlegel 3, 501; ich habe gefürchtet du möchtest krank sein und der brief giebt mir die traurige gewissheit Göthe (
an Charlotte v. Stein)
Br. 5, 301; die aufschlüsse, welche er und Piccolomini gaben, verwandelten die besorgnisse des hofs auf einmal in die schrecklichste gewiszheit Schiller (30
jähr. krieg 4
buch) 8, 341. 2@b@a@22))
auszer den eben besprochenen sind die verbindungen mit substantiven hier wenig entwickelt, vgl.: weil aber niemand sich solches trosts und freudigkeit anmassen kan, als der eine gewiszheit und versicherung seiner seligkeit in seinem hertzen hat Scriver
seelenschatz (3, 8 § 19) 1, 536
b; in der erkenntnisz der eigenschaften der elektrischen materie ... zu gröszerer deutlichkeit und gewiszheit zu gelangen J. H. Winkler
eigensch. d. electr. materie (1745) L 2
b; da vom lehrer auf seine schüler, vom freunde auf seine freunde, weisheit, thätigkeit, gewiszheit, freude, muth und entschlusz übergieng Herder (
christl. schr. 4) 20, 28; nur wenigen ... ists gegeben, ... vorurtheil und gewiszheit ... strenge zu unterscheiden (
br. zur beförd. d. humanität 46) 17, 227;
dazu vgl.: die frage, wie denn gewiszheit zu erlangen, wie urtheile zu begründen seien, worin das wissen und die wissenschaft bestehe A. Schopenhauer (
die welt als wille u. vorstellung 1, 10) 1, 90
Grisebach; dasz er hiermit auch für uns den grad des lichts und der dämmerung, der neugierde in fragen und zweifeln und der gewiszheit in gesinnungen und thaten habe bestimmen wollen Herder (
theologiebriefe 43) 11, 43; der fürchterliche zweifel greift mit geierklauen an, und die gewissheit ist von mir geflohen Schiller (
Demetrius) 15, 2, 479; ob es nicht möglich sei, zu meinem neuen zweck oder wenigstens zur gewiszheit zu kommen, dasz es einen solchen gebe (
gott) 16, 425;
einen gröszeren raum nehmen diese verbindungen bei der objectiven fassung ein. 2@b@a@33))
die unterordnung eines anderen substantivs unter das unsere vollzieht sich in diesem zusammenhang vorwiegend in der form des objectiven genetivs, dem gegenüber der subjective hier stark zurücktritt; zum letzteren vgl.: er kündigte ihn (
den zeitpunkt) mit der gewissheit eines profeten, der das künftige schon gegenwärtig sieht, an Wieland (
Peregrinus Proteus 1, 4) 27, 282; wobei Johannes nicht unterläszt, die gewiszheit der jünger zu bemerken, dasz sie mit Christo sprächen Herder (
christl. schr.) 19, 345; möge deine seele sich erweitern, und die gewiszheit des groszen gefühls über dich kommen ... Göthe (
Clavigo 4) 10, 104; ... und mir selbst diese frage mit der gewiszheit des innigsten gefühls beantwortete Wieland (
Pereg. Proteus) 1, 2) 27, 169;
vgl. auch (
s. u.) P. Heyse 2, 10
s. 7; die eine gewiszheitsquelle ist die selbstgewiszheit des bewusztseins ... die andere ... ist die denknotwendigkeit, die gewiszheit des logischen zwanges J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit 3; unmittelbar gewisz, meinte er (
Augustinus) ist mir nur das eigene seelendasein; und von diesem boden der selbstgewiszheit einer selbstherrlichen seele aus wurde es ihm möglich, den zweifel an ... einer auszenwelt auszusprechen J. Rehmke
unsere gewiszheit v. d. auszenwelt s. 10; diese rettende macht kann nur in der gewiszheit des denkens liegen J. Volkelt 24; hier (
im deutschen sturm und drang) hören wir aus den lebensbetrachtungen gar oft kundgebungen heraus, die in der gewiszheit heiligen, gesunden, schäumenden, und überschäumenden lebensdranges wurzeln 132;
dazu vgl. die entsprechenden präpositionalverbindungen: die gewiszheit auf grund des bewusstseins sachlicher notwendigkeit 25; auch in Richard Wagners schriften bildet die gewiszheit aus lebenskraft und lebensgefühl heraus einen bedeutsamen einschlag 132;
vgl. andererseits die composita glaubensgewiszheit 124; gefühlsgewiszheit 125; erinnerungsgewiszheit 14. 2@b@a@3@aa))
mit dem objectiven genetiv concurriren auch präpositionalverbindungen; noch häufiger ist der vorstellungsinhalt in einem satze eingeschlossen: derowegen billig, nach dem mehr gewiszheit von beschaffenheit der sachen in America einkommen, solch buch, darinn der gantzen spanischen nation unrecht gethan wird, zu lesen verboten worden
lermenblasen u. ursache des ... kriegs zw. kath. u. kalv. bei Londorp 1, 317
a; woher sol man dan eine gewisheit in verfaszung der sprachlehre ergründen? Harsdörffer
an Queintz 1646
bei Krause fruchtb. gesellsch. 350;
ähnl. frauenzimmergesprächspiele 7, 193; unsere erkenntnisse können daher gegenstände der erfahrung betreffen und die gewiszheit davon kann doch empirisch und rational zugleich sein Kant (
logik) 1, 400;
desgl. (
krit. d. reinen vern.) 3, 333; die gewiszheit selbst von dem dasein anderer dinge ausser mir ist für mich vermittelt durch die gewissheit von dem dasein eines andern menschen ausser mir. was ich allein sehe, daran zweifle ich, was der andere auch sieht, das erst ist gewiss Ludwig Feuerbach (
grunds. d. phil. 41) 2, 304; in der unmittelbaren gewiszheit von der wirklichkeit ... des seelendaseins J. Rehmke
uns. gewiszheit v. d. auszenwelt s. 15; die frage nach den gründen unserer gewiszheit von der wirklichen auszenwelt
s. 10; auf welchen wegen dies geschehen werde — welche philosophie der erde wäre es, die hierüber gewiszheit gebe? Herder (
ideen 5) 13, 192; ward nie meister über sich selbst, genieszt also auch nie die edelste gewiszheit, sich selbst gebieten zu können (
kleine schriften) 20, 377; die seelenvollsten und geistreichsten weiber haben eine eigne weise und gewiszheit, den tiefsten weltweisen zu verstehen, sie finden nämlich alles leicht, überall ihre eignen gedanken,
d. h. gefühle Jean Paul (
Levana 2, 96) 37, 92;
ähnl. (
s. u.) Thümmel 3, 71; mir mangelt ... die gewissheit, ob Ignatzens vater wirklich frau Susis bruder war Holtei
erzähl. schr. 1, 78; in der gewiszheit, dasz er den richter bei dieser streitigkeit für sich haben werde, sagt er zu den Numitor Lessing (
auszug aus Virginia) 6
3, 101;
ganz ähnlich (
s. u.) Gutzkow
ritter v. geiste b. 9
kap. 11; die gewiszheit ..., dasz der tyrann ... sie doch nicht über eine kurze spanne zeit auszudehnen vermag Thümmel (
reise ... 3) 3, 17; dann vergasz sie die angst über der gewiszheit, dasz er noch lebte O. Ludwig (
zw. himmel u. erde) 1, 319
Stern; so dachte ohne zweifel Epaminondas, als er den pfeil nicht eher aus seiner wunde ziehen wollte, bis er die gewiszheit erhalten, dasz Theben gesiegt hätte Thomas Abbt (
v. tode fürs vaterland 6) 2, 74; gewiszheit, dasz ihr freund sie ruft, gegenwart der gottheit hob sie, flammte sie an Herder (
christl. schr. 4) 20, 107; desto mehr griff in unserer seele die gewiszheit platz, dasz er seine ... geheimniszvollsten abenteuer nicht in Aegypten ... erlebte W. Raabe
Abu Telfan 1.
cap. 2@b@a@3@bb))
wendungen mit objectivem genetiv: 2@b@a@3@b@aα)) von der gewiszheit der seligkeit ... wie ein mensch ... seiner seligkeit gewisz und versichert sein könne
gewissensspiegel (
verdeutsch. d. Perkins) 89; nach dem sie die gewiszheit ihres erhaltenen siegs vernommen Grimmelshausen
wiedererstandener Simpl. 3 (1713), 276;
dazu vgl.: da sah man die siegesgewiszheit O. Ludwig (
Heiterathei) 2, 285; die gewiszheit deiner freude, liebstes endlich! stärckt den geist ... Joh. Chr. Günther (
trostaria)
ged.2 104; schnell entwickelt eure netze die bekannte fluth umzingelnd: eines schönen fangs gewiszheit ruf ich euch ermunternd zu. Göthe (
Pandora) 40, 419; ihr wünscht heute gewiszheit eures schicksals, gewiszheit bringt euch seine herrlichkeit, Milord von Burleigh, tragt sie mit ergebung. Schiller (
Maria Stuart 1, 7) 12, 428;
vgl. die gewissheit eines fürchterlichen schicksals Klinger (
Raphael) 4, 32; und nun, wie der geist verschwunden ist, und Hamelt dasteht, die brust voll gewiszheit des vorher nur geahneten, wie finden wir ihn? H. Vosz
an Jean Paul 60
a Vosz; wiederholtes versprechen, das ihr die gewiszheit aller hoffnungen versiegelt Göthe (
leiden d. jungen Werther) 16, 70; geruhen gnädigst der hohen teilnahme, deren gewissheit mich einzig glücklich macht, auch in der folge mir schmeicheln zu dürfen (
an groszherzogin Luise)
br. 38, 2; der rath ... fragte in gewiszheit der antwort ... ob ... Arnim
Hollins liebesleben 45
Minor; er hat unsere gesinnung und die gewiszheit der treue bis auf den letzten blutstropfen Th. Fontane (
die Poggenpuhls cap. 3) I, 8,
s. 257; 2@b@a@3@b@bβ)) o so vergänglich ist der mensch, dasz er auch da, wo er seines daseins eigentliche gewiszheit ... in der seele seiner lieben ... verlöschen, verschwinden musz Göthe (
leiden d. j. Werther) 16, 128; oder sie (
die vernunft) ist hervorgegangen unmittelbar aus gott, und steht zwischen ihm und seinem sichtbaren werke der natur, beide wahrnehmend und mit der gewiszheit des eigenen daseins für beide zeugend Jacobi (
v. d. göttl. dingen) 3, 378; wir haben gesehen, dasz die annahme ... von einer unmittelbaren gewissheit der realität der aussenwelt falsch ist ... die behauptung von der unmittelbarkeit dieser erfahrung entspringt nur dem mangel gründlicher psychologischer analyse W. Dilthey
sitz.-ber. Berl. akadem. 1890 (2) 1015; die unmittelbare gewiszheit des glaubens J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit 124; die allem empfinden innewohnende gewiszheit der auszenwelt als ursprüngliche bewusztseinsfunction
s. 82; zwischen dem gefühl gewohnheitsmäsziger erwartung, und sei es noch so gesteigert, und der gewiszheit sachlicher oder logischer notwendigkeit liegt eine weite kluft 79;
vgl. auch 33: nicht nur die unmittelbare gewiszheit des sittengesetzes war ihm aufgegangen, er fühlte auch unmittelbare gewiszheit im denken und im schaffen, und er nannte dies gefühl, das die entwicklung des menschen begleitet, das richtungsgefühl O. Ernst,
Semper der jüngling s. 447; der nichtigkeit dieses andern gewisz, setzt es für sich dieselbe als seine wahrheit, vernichtet den selbständigen gegenstand und gibt sich dadurch die gewiszheit seiner selbst, als wahre gewiszheit Hegei (
phänomenologie d. geistes) 2, 138;
das gleiche (
philosophie d. geistes 1) 7, 2, 319;
anders: aber zugleich sei ihm auch die selbstgewiszheit der jugend abhanden gekommen P. Heyse (
Kleopatra) 2, 10
s. 7; die reinen erfahrungsurteile sind keine vollen und echten denkakte, inhaltlich beruhen sie auf der selbstgewiszheit des bewusztseins; nur in formaler hinsicht stehen sie auf der stufe des denkens J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit s. 36
u. a.; 2@b@a@3@b@gγ))
dazu vgl. die zusammensetzungen (
s. Sanders 3, 1640
c): selbstgewiszheit, erfahrungs-, liebes-, siegesgewiszheit; (
erg. wb. 646
a) erfolgs-, heilsgewiszheit. 2@b@a@44))
die attributiven verbindungen kennzeichnen vorwiegend die subjective fassung: 2@b@a@4@aa)) ja da er aus desselben schreiben völlige gewiszheit schöpfete, erfreuete er sich von hertzen
polit. stockfisch (1681) 30; wie will er es da zu völliger gewiszheit bringen? Gottsched
redekunst (1736) 119;
ganz ähnlich: Kant (
krit. d. reinen vernunft) 3, 333
akademie; vgl. auch (sich bis zur völligen gewiszheit überzeugen) Wieland (
über Rousseaus urspr. zustand d. menschen) 14, 190 (
für: bis zur demonstration); ehe ich ruhig und mit der vollen gewiszheit zu bette gehen darf Thümmel (
reise ... 3) 3, 71; zur höchsten gewiszheit wird man in dingen der art nie kommen Herder (
v. geist d. ebräischen poesie 1) 11, 448; niemand, der eine wahre idee hat, ist darüber unwissend, dasz eine wahre idee auch die gröszeste gewiszheit einschliesze (
gott) 16, 575; ergiebt sich, dasz der zweck der wissenschaft nicht gröszere gewiszheit ist A. Schopenhauer (
d. welt als wille 1, 14) 1, 107
Griesebach, desgl. s. u. (
sp. 6360). 2@b@a@4@bb)) daraus dann ein ieder nach dem urtheil seines eigenen gewissens mit ewiger unfehlbarer gewiszheit schliessen kan Prätorius
catastrophe muhammetica 86; wir menschen, die wir in den wenigsten dingen zu einer mathematischen gewiszheit kommen können Lichtenberg (
Timorus) 3, 90; von der bloszen behauptung, dasz sie da sind, kann man doch wohl auf deren dasein noch nicht mit apodiktischer gewiszheit schlieszen Vincke in der
deutschen nat.-vers. s. stenogr. ber. 3, 2103
a; nach und nach hatte das traumbild bestimmte züge angenommen, endlich wich jeder zweifel und machte der gewissesten gewiszheit raum Immermann (
Münchhausen 3, 2) 1, 281
Maync; hatte ich nicht die sichere gewiszheit in mir, ein künstler zu sein P. Heyse (
d. freifräul.) II, 17, 123. 2@b@a@4@cc)) das fürwahrhalten aus einem erkenntniszgrunde, der sowohl objectiv, als subjectiv zureichend ist, oder die gewiszheit ist entweder empirisch oder rational ... die rationale gewiszheit ist hinwiederum entweder mathematische oder philosophische gewiszheit Kant (
logik) 1, 399; es war nicht schwärmerei, philosophisch feste gewiszheit wars, was ich in der herrlichen perspektive der zeit vor mir liegen sah Schiller
br. 1, 249;
vgl. (historische gewiszheit) Kant (
logik) 1, 400; die welt der zufälle ... ist ein groszer loostopf, wer kann ... diesen oder jenen fall mit prophetischer gewiszheit weissagen? Herder (
br. über d. ältest. urk.) 6, 183; es war, da die Römer nur fernan rückten, allgemein angenommene christengewiszheit Herder (
Johannesoffenbarung) 9, 49; Nathusius, über wissenschaftliche und religiöse gewissheit (
Stuttgart) 1902; A. Schwarz, neue grundlegung der lehre von der christlichen gewissheit (
Göttingen) 1902
u. a.; so kann dies naturgemäsz nur so geschehen, dasz ich zugleich die ganze grundlegende frage der erkenntnistheorie, die frage nach den quellen der menschlichen gewiszheit, mit zur darstellung bringe J. Volkelt
quellen d. menschl. gewiszheit s. 2; logische, rationale gewiszheit 74. 2@b@a@4@dd)) die empirische gewiszheit ist eine ursprüngliche, sofern ich von etwas aus eigener erfahrung, und eine abgeleitete, sofern ich durch fremde erfahrung wovon gewisz werde Kant (
logik) 1, 400; weil er (
Luther) durch die heil. schrift und die directe einwirkung des heil. geistes eine erfahrungsmäszige gewiszheit von Christus und seinem heil erhalten hatte Dorner
in jahrbücher f. dtsche theol. 6 (1861), 405; schaffe der jugend erst ... sinnliche gewissheit; die deutlichkeit gelehrter begriffe wird aus ihnen, wie frucht aus der blüthe, werden Herder (
einflusz d. schönen) 9, 302;
ebenso Immermann 4, 170; der höchste grad der wahrscheinlichkeit, wenn durch deren umständen das gemüth in einer bewegung gesetzt wird, pflegt certitudo moralis, oder die moralische gewiszheit genennet zu werden J. G. Walch
philos. lex. 1
2, 1310; wenn ich in meinem bewusztsein umschau halte, so entdecke ich fünf arten intuitiver gewiszheit ... die moralische gewiszheit, die religiöse ... ästhetische ... vitalistische ... naiv-realistische gewiszheit J. Volkelt
quellen d. menschl. gewiszheit 114
ff.; je mehr umgekehrt die gefühls- und glaubensmäszige gewiszheit die wissenschaftliche erkenntnissweise zurückdrängt, um so näher steht diese lebensphilosophie dem reinen glauben 123; unmittelbare gewissheit W. Dilthey, O. Ernst
s. o. (
sp. 6358); mit standhafter gewiszheit antwortete er also dem hohepriester Herder 19, 190; der anmaaslich mit gott vereinigte sieht auf seine minder vollkommenen halbbrüder mit stolzer gewiszheit hinab 20, 70; innere gewiszheit war das siegel, das die gottheit ihm in sein herz gedruckt hatte (
christl. schr.) 19, 353; man will sich nicht damit begnügen, einfach nur auf grund innerer gewiszheit zu glauben J. Volkelt
quellen d. menschl. gewissheit s. 124; auch das geistige leben eines menschen gewähret eine solche stille gewiszheit Herder (
zerstr. bl. 6) 16, 386; wir ... fühlen unser dasein mit so inniger gewiszheit, mit so sanfter liebe und freude (
gott) 16, 536; ins sichere willst du dich betten! ich liebe mir inneren streit: denn, wenn wir zweifel nicht hätten, wo wäre denn frohe gewiszheit? Göthe
zahme xenien 1 (
jub.-ausg. 4, 41); 'wissen sie, was ihnen dann fehlt?' ... 'der glaube an den humbug' antwortete ich mit fröhlicher gewiszheit. aber da kam ich gut an R. Presber
von leutchen, die ich liebgewonnen 174; der schrei ihrer angst erstickte in der schaudernden gewiszheit, dasz sich der vater vielleicht ein leids angethan hätte K. Gutzkow
ritter v. geiste (9, 11) 9
2, 418. 2@b@a@4@ee))
dazu vgl. auch die pronominalformen, die eine nähere bestimmung vertreten: so verdriest mich doch, dasz ich euch höre mit solcher gewiszheit von euerm aberglauben reden Scriver
seelenschatz 4, 12 § 78; dasz uns das licht des hellgläntzenden evangelii beschienen, und solche gewiszheit unsz zugewendet hat Weise
die 3
ärgsten erznarren (27)
neudr. s. 134; gott ... kan ihren mann bessern, dasz er es will, sei ihnen über allen zweifel gewis; und sobald sie diese gewisheit fahren liessen, würden sie verzweifeln (Hermes)
Sophiens reise (1776) 3, 586; Adolfine erzählte jedoch so viele schlimme geschichten von den Franzosen ... und erzählte sie mit einer gewiszheit, als wenn sie selbst dabei gewesen wäre O. Ernst
Asmus Sempers jugendland 131. 2@b@a@55))
die verbindungen mit verbis, die hier überhaupt zurücktreten, haben kaum feste formen entwickelt. zu den subjectverbindungen vgl. (
s. o.)
das substantiv neben der copula: Herder 9, 49; 19, 353; Kant 1, 399; 1, 400; Göthe (
jub.-ausg.) 4, 41; Schiller
br. 1, 249; wenn also über irgend einen streitigen punct der alten kunstgeschichte gewiszheit erwartet werden kann, so ists über diesen. und diese gewiszheit beut sich uns sehr angenehm dar Herder (
zerstr. bl. 2) 15, 332;
zu den objectverbindungen vgl. (
s. o.): gewiszheit schöpfen
polit. stockfisch; — einschliessen Herder 16, 575; — haben P. Heyse II, 17, 123; Dorner
jahrb. f. d. theol. 6, 405; die gewissheit erhalten Thom. Abbt
verm. werke 6, 2, 74; schafft mir nur die gewissheit, hat sie theil am verrath oder nicht Iffland (
A. v. Thurneisen 2, 9) 1, 48;
vgl.: gewissheit schaffen Herder 9, 302; gewähren 16, 386; man gab mir die gewiszheit, mein streben sei verkannt und ich ein armer fremdling in meinem vaterland. Grillparzer (
weihnachten) 2
5, 58; so muszt du es mir endlich verzeihen und mir die gewiszheit geben, dasz ich deswegen nicht hassenswert und garstig aussehe Keller (
grüner Heinrich) 3, 6) 2, 67;
vgl. auch: gewiszheit bringen Fr. Reuter (
stromtid 2, 26) 2, 403; er schien eine gewiszheit zu fühlen, dasz er und sein Asmus so früh nicht von einander getrennt würden O. Ernst
Asmus Sempers jugendland s. 101;
im dativ ist das object nur selten hier beobachtet; vgl. (
s. o.): der gewissheit raum machen Immermann (
Münchh. 3, 2) 1, 281; 2@b@a@66))
in mehreren der bis jetzt behandelten gruppen haben die präpositionalverbindungen überwogen; sie bieten das substantiv auch ohne nähere bestimmung oder ergänzung vielfach dar: 2@b@a@6@aa)) wir können, wo wir uns redlich vor gott prüfen, zu einer gewiszheit kommen, ob wir noch nach dem fleische oder nach dem geiste gesinnet sein Spener
kl. geistl. schr. 2 (1742) 1452;
ganz genau so (
s. sp. 6358) Herder 11, 448; Lichtenberg 3, 90;
dazu vgl. (bringen) Gottsched
redekunst 119; Kant 3, 333; (überzeugen bis —) Wieland 14, 190. 2@b@a@6@bb)) es ist deshalb eine zwar gangbare, aber verkehrte meinung, dasz wissenschaftlichkeit der erkenntnisz in der gröszern gewiszheit bestehe A. Schopenhauer (
d. welt als wille u. vorst. 1, 14) 1, 107
Gr.; ebenso (
s. sp. 6359) Gutzkow
ritter v. geiste b. 9,
kap. 11; ich habe keine worte für die fülle der seligkeit, die in dieser gewissheit lag H. Steffens
was ich erlebte 1, 151; in der gewissheit, wie sehr er den bruder überglänzen müsse O. Ludwig
ges. schr. 1, 182. 2@b@a@6@cc))
der hauptantheil fällt auf die präposition mit
vgl.(
s. sp. 6358) Prätorius
cat. muh. 86; Scriver 2, 427
a; Herder 6, 183; 16, 536; 19, 190; 20, 70; Thümmel 3, 71; Vincke
deutsche nat. vers. s. stenogr. ber. 2, 2103
a; Presber
v. leutchen, die ich liebgewann 174;
dazu vgl.: dasz wenigstens die unmöglichkeit solcher auflösung mit gewiszheit erkannt werden könne Kant (
krit. d. rein. vern.) 3, 332
akademie; soviel zu wissen, als man mit gewiszheit wissen kann Herder (
kl. schr.) 15, 68;
die gleiche verbindung: Bürger 1, 196; Wilh. v. Burgsdorff
br. 155
Cohn; Fr. Reuter (
stromtid 2, 18) 2, 288
Seelm.; zwischen einem ungereimten satze, und einem, den wir mit gewiszheit erkennen
F. H. Jacobi (
von göttl. dingen) 3, 316; wie man von längst vergangenem sich mit gewissheit überzeugen will Göthe (
an Zelter) br. 38, 92; dasz sie mit gewiszheit sagen können: 'das ists und das ists nicht!' Herder (
christl. schr.) 19, 137;
ebenso Göthe
br. 30, 133; davon lässet sich nichts mit gewisheit sagen Chr. Starke
synopsis bibl. exeget. 3 (1737), 1416;
die gleiche verbindung Thümmel (
reise ... 2) 2, 160; über die zeit, in welcher das Saguntinische theater erbaut ist, läszt sich nichts mit gewiszheit bestimmen W. v. Humboldt
lit.-denkm. 58, 106;
das gleiche W. v. Burgsdorff
br. 155; mit — behaupten A. v. Heydebreck
über die gewissheit des allgemeinen (1893)
s. 17; wenn ich nicht aus allen anzeichen ersähe, dasz Bernstorff garnicht daran denkt auszuscheiden, so würde ich mit gewiszheit erwarten, dasz ich in wenig tagen Paris verliesze Bismarck (
an Roon) ged. u. er. 1, 254. 2@b@bβ)
nicht so reich belegt wie die subjective fassung, aber doch häufig und mit mannigfachen gegensätzen des gebrauches beobachtet ist die objective gewiszheit: hat ein so guter kenner das wahrscheinliche als eine münze gebraucht ... es ist eine nothmünze ... die gewiszheit ist ein ächtes gold A. Haller (
vorr. zu Buffon) kl. schr. 1
2, 59; die subjective zulänglichkeit heiszt überzeugung (für mich selbst), die objective gewiszheit (für jedermann) Kant (
krit. d. reinen vern.) 3, 533
akad.; weil nur in ihnen, wegen ihrer gänzlichen apriorität, unumstöszliche gewiszheit der erkenntnisz ist A. Schopenhauer (
die welt als wille und vorstellung 1, 14) 1, 107; leb wohl du liebe gewiszheit, du liebster traum meines lebens Göthe (
an frau v. Stein 6. 4. 1782)
briefe 5, 301; aber eben von diesen ist es, soweit hier überhaupt von gewissheit die rede sein kann, vollkommen gewiss Mommsen
röm. gesch. 1, 26
anm.; (
der logik) wahrheiten bilden die theorie der gewissheit der erkenntniss A. Riehl '
kultur der gegenwart'
teil I
abt. VI
s. 88. 2@b@b@11))
die contrastverbindungen, die der steigerung der realität dienen, treten hier auffallend zurück, dagegen ist hier eine andere verbindung bevorzugt, die bei der subjectiven fassung ganz vereinzelt ist; 2@b@b@1@aa)) wolte gott, dasz das geruochte desz ankommenden vielerhoffeten friedens ... gewissheit mit sich brAechte J. Rist
das friedejauchzende Teutschland (1653) 49 (1, 4); ich empfinde sehr wohl, wie viel dieser wahrscheinlichkeit zur historischen gewiszheit mangelt Lessing (
Laokoon 5) 9
3, 39; deren calcul (
die dogmata v. wahrscheinlichkeit) wol niemand ... zur gewiszheit gebracht hat Herder (
theologiebr. 13) 10, 165; aber auch nicht einmal das kann zur gewiszheit erhoben werden R. Richter
der skepticismus in der philosophie 1, 215; doch bis gewiszheit jeden wahn bestreitet. Platen (
sonette 48) 1, 175 R; die blosze vorstellung unterscheidet nicht zwischen gewiszheit und wahrheit. was ihr gewiss ist ... das nennt sie wahr Hegel (
philosophie des geistes 1) 7, 2, 255;
vgl. dagegen: aus ihm fliessen wahrheit und gewiszheit auf das zu beweisende erst herab, es trägt seine realität von ihm zu lehen
F. H. Jacobi (
v. d. göttl. dingen) 3, 367;
vgl.: warum sprechen wir von gewissheit? warum von wahrheit? ist es berechtigt, von abstufungen der sicherheit unserer urtheile zu reden? E. Dürr
über die grenzen der gewissheit s. 22. 2@b@b@1@bb)) doch stellt er sie (
die beweise) allezeit auf der stärksten seite dar, und bemüht sich ihnen einen solchen grad der gewiszheit zu geben, dasz ... Gottsched
redekunst (1736) 119; ich selbst, wäre ich ein lehrer der dogmatik, würds mir zum hauptzwecke machen die grade der gewiszheit in abstraktion meiner wiszenschaft aus der bibel sorgfältig zu bemerken Herder (
an prediger 15) 7, 255;
desgl. (die grade ihrer gewiszheit und ihre zeiten
ideen 10) 13, 413; sind denn alle wissenschaften schon zu dem hohen grade der gewiszheit gekommen, dasz ihre lehrsätze ganz unumstöszlich erwiesen werden können? Gottsched
redekunst (1736) 119; die angewandte mathematik musz erst durch versuche berichtigt und zu einem grade der gewiszheit erhoben werden Gerstenberg
recensionen lit.-denkm. 128, 151; (
vgl. dazu, mit subfectiver fassung: mit eben dem grade von gewiszheit, mit dem wir überzeugt sind, dasz etwas in uns vorgeht Lichtenberg
aphor. 5, 128 L.); eben dieser hohe grad der gewissheit Jung-Stilling 3, 7. 2@b@b@22))
zahlreich belegt sind auch hier parallelverbindungen. 2@b@b@2@aa)) ob etwas grundt und gewiszheit darbei sei; oder ob es weitläufftige miszliche fürgeben seien Schwendi
bestell. d. ganzen kriegswesens (1605) 15; der wahn ... gefällt sich so gern in gesellschaft; in ihr erquicket er sich, da er für sich selbst ohne grund und gewiszheit wäre Herder (
br. z. bef. d. hum. 46) 17, 130; und lehret alltäglich ... wie so gar geringe gewiszheit und bestand auf das embsige wünschen und witzige bemühung der welt sei zu setzen Schottel
friedenssinn 8.
K.; dasz, wenn er jetzt, den weg zu gehen, diese und jene materie abzuhandeln hätte, er sie mit mehrerer gewiszheit und sicherheit würde abgehandelt ... haben Herder (
br. d. stud. d. theol. 3
th. vorb. z. 2.
ausgabe) 10, 273; ohngeachtet ich nun zwar nicht gesonnen bin mich zum garant über die gewisz- oder ungewiszheit derer in diesem tractätgen angeführten begebenheiten darzustellen
der Göttinger stud. auf der Plesse 1,
a 2
b (
vorr.). 2@b@b@2@bb)) was man mich für ein wahrheit ausz dem lazareth bericht hat, unnd es die ... für eine gewiszheit bekennt Abr. a S. Clara
merks Wienn (1680) 59; wahrheit und gew. Jacobi (
s. o.); was kann ich dafür, dasz man neuerer zeit nebenbeweise zu einer gewiszheit und evidenz erheben wollen, die sie schlechterdings nicht haben können? Lessing (
axiomata) 13
3, 109; worte aber sind nur zeichen! evidenz und gewiszheit musz also in den sachen liegen, oder sie liegt nirgends Herder (
älteste urk. I, 4) 6, 270; die menschliche seele will gewiszheit, sie dürstet nach factis (
br. d. stud. d. theol. betr. 2, 14) 10, 170; von dem zureichenden grunde und der gewiszheit des christlichen glaubens P. Paulsen
die gewiszheit der christl. weltanschauung im modernen geistesleben s. 3; 2@b@b@2@cc)) nur sie (
die wahrheit) kanns sein, die auch in auslegung dieses buchs eine gewiszheit und eintracht giebt, die allen partheigeist überwindet Herder (
μαραν ἀθα) 9, 233;
desgl. (zur einheit und gewiszheit bringen
ideen 1) 13. 46; was (
ist) eine wissenschaft ohne gewiszheit und strengen umrisz? (
einflusz. d. schönen) 9, 294; ihre begriffe von der gewiszheit und beschaffenheit des künftigen zustandes (
br. d. stud. d. theol. betr. 3. 37) 10, 399; trödelkram von meinungen ohne kraft und gewiszheit (
auch eine phil.) 5, 517;
vgl. auch 11, 226 (
s. u.); 16, 470; mithin bürgt ihre simple armuth für ihr alter und ihre gewissheit (1, 4) 10, 44; wie danke ich dir süse Lotte für deine liebe und führ ihre gewissheit Göthe (
an frau v. Stein 1784)
br. 6, 406. 2@b@b@33))
in der angliederung von vorstellungsinhalten, auf die sich das substantiv bezieht, weicht die objective fassung charakteristisch von der subjectiven ab. so fehlen dem substantiv die subjectsätze, die etwa mit es ist gewiss
eingeleitet werden im gegensatze zu der subjectiven wendung in: ich will sterben! — es ist nicht verzweiflung, es ist gewiszheit, dasz ich ausgetragen habe Göthe (
leiden d. j. Werthers) 16, 161).
bei der unterordnung von substantiven ist aus Göthe's
Faust (
s. sp. 6354)
der poetische dativ zu belegen: gewiszheit einem neuen bunde 12, 44;
sonst herrscht die angliederung im genetiv vor, der hier naturgemäsz nicht als objectiver wie oben (
s. sp. 6357),
sondern als subjectiver erscheint. dabei heben sich die neueren gebrauchsformen deutlich von den älteren ab, vgl.: und lag also zuobetrachten die gewiszhait des tods, und die ungewiszhait seines komens
Fortunatus (
Augsb. 1530)
O 1
a;
vgl. auch theil 11
sp. 561; die zögerung des tages des herrn ist also kein einwand gegen die gewiszheit desselben Herder (
μαραν ἀθα) 9, 265;
gegen: so musz ich doch anzeigen, woher die gewisheit der erfahrungen kommet Chr. Wolff
ged. v. gott (§ 330) 163; weil wir jetzt nur von der gewiszheit der urtheile in ansehung der gegenstände und nicht in ansehung des ursprungs unserer begriffe selbst handeln Kant (
krit. d. reinen vern.) 3, 333
akad.; auf diese weisze müste nunmehr die gewiszheit der menschlichen wissenschaften untersucht werden Lichtenberg
aphor. 4, 22
Leitzmann; die gewissheit der wissenschaftlichen erkenntniss E. Dürr
über die grenzen der gewiszheit s. 4; dem glauben gegenüber stellen wir die gewiszheit des wissens 92; mein vater hatte mir zwo sachen sehr eingeprägt, nehmlich die gewiszheit des wiedervergeltungsrechts und den lehrsatz der wohlthätigkeit unsers beispiels Sophie von la Roche
frl. v. Sternheim (1) 45; nicht alles was ich wollen kann, ist recht, aber da, wo gar kein widerspruch in meiner seele ist, da ist das rechte, da bin ich selbst und die heilige gewiszheit der natur Auerbach
neues leben 3, 310; eine tote hieroglyphe, sehr oft gar ohne schlüssel und gewiszheit ihrer bedeutung Herder (
vom geist der ebrä. poesie 1) 11, 226; da beide (
verzeichnisse) mit öffentlicher autorität geliefert werden, so bürget diese für ihre gewiszheit (
kl. schr.) 15, 31; die kategorien sind wahre denkmittel, da wir ohne sie die aussenwelt nicht begreifen könnten. ihre gewiszheit beruht eben auf diesem umstande, der wiederum mit dem ursprunge der kategorien aus dem eigenen Ich zusammenhängt R. Eisler
das bewusztsein der auszenwelt s. 41; wenn ich die gewissheit des allgemeinen auf die gewissheit des selbstbewusstseins im einzelakte des denkens ... gründe A. v. Heydebreck
gewissheit des allgemeinen s. 34. 2@b@b@44))
auch für die verbindung mit attributen zeigt sich ein unterschied gegen die subjective fassung, da die objective auch hier spärlicher bedacht ist. nur die zwei ersten der oben abgegrenzten gruppen schneiden hier günstiger ab, während die drei letzten hier fast ohne entsprechung sind: 2@b@b@4@aa)) ihnen waren ihre aussprüche von der gröszesten gewiszheit Herder (
v. geist d. ebr. poesie 2) 12, 43; es wäre gut, wenn künftige reisende dies symbol in völlige gewiszheit setzten (
Persepolis) 15, 581; weil diese dinge ohne genügsame untersuchung, zu keiner völligen gewiszheit zu bringen Leibnitz
unvorgreiffliche gedanken (1831)
s. 27; hier stehe nun still und wende die blicke rückwärts, prüfe, vergleiche, und nimm vom munde der muse dasz du schauest, nicht schwärmst, die liebliche volle gewiszheit Göthe (
metamorphose der tiere) 3, 99. 2@b@b@4@bb)) den andern tag aber wolte es wieder vom Türcken einfall übel lauten, man wartete aber noch richtiger gewiszheit; endlich um mitternacht kam mehr als gewisz ein gerüchte
Ungarischer Simplicissimus (1683) 133; dadurch bekommt ihre behauptung einen werth der bestimmten gewiszheit, ja einer allgemeinen anwendung Herder (
gott) 16, 470; dasz man in der geometrie gleichfalls den beweis auf solche schlüsse hinausführet, darinnen die fördersätze von ungezweiffelter gewisheit sind Chr. Wolff
ged. v. gott (§ 9) 4; manches, was ich bei uns nur vermuthete und mit dem mikroscop suchte, seh ich hier mit blosen augen als eine zweifellose gewiszheit Göthe (
aus Rom) br. 8, 251; dieses ist so wenig wahr als deswegen alle mathematische gewiszheit wegfällt wenn sich ein geschickter mann verrechnet G. Chr. Lichtenberg
aphorismen 2 (
lit.-denkm. 131) 46; was sich zur mathematischen gewiszheit und auf einen politischen calcul bringen läszt Herder
ideen (15) 3 (1787) 321; wenn das zweite buch der Makkabäer in allem historische gewiszheit hätte (
christl. schr.) 19, 70;
ebenso (
an prediger 15) 7, 240;
vgl. auch (
s. o.) Lessing 9
3, 39; man heftete eine dogmatische gewiszheit an geschöpfe, die solche nicht hatten (
wie die alten den tod? 3) 15, 438. 2@b@b@4@cc)) in dem berühmten streite ... machte eigentlich Jacobi ... nur die sehr gegründete einwendung, dasz doch durch alle logischen weitläufigkeiten nie eine unmittelbare gewissheit erhalten werden könne J.
F. Fries
wissen, glaube und ahndung s. 27
neudr.; diese mittelbare gewissheit der urteile
s. 27; die absolute unmittelbare gewissheit der einzelvorstellung A. v. Heydebreck
gewissheit des allgemeinen s. 5; theorie von der bloss moralischen gewissheit der ethisch-religiösen annahmen E. Dürr
grenzen der gewiszheit 10; eine parabel macht wahrscheinlich; aber auch ihr fehlt der punkt der inneren gewiszheit, der hier entscheidet Herder (
über bild, dichtung u. fabel) 15, 557; indesz lasse ich aller gewiszheit wegen ... das stück bis auf ihre antwort ... zurück W. Humboldt
an Schiller (2. 10. 95)
Leitzmann3 152. 2@b@b@55))
wie die objective fassung bei der angliederung des substantivs an andere sich gegen die subjective abhebt (
vgl. oben sp. 6362),
so prägt sie auch in der verbindung mit verbis manche andere züge aus als die subjective. 2@b@b@5@aa))
für die subjectfunction ergiebt die verbindung mit der copula (
vgl. oben zu Haller, Schopenhauer, Auerbach)
wenig unterschiede, wohl aber zeigen sich solche neben entsprechenden verbis, vgl. gewissheit
neben heissen, kommen (Kant) liegen (Herder) wegfallen (Schopenhauer); dass er weggeschleppt den Abbassiden, schien gewiszheit Platen (
Abassiden 7) 2, 510 R.
der vocativ jedenfalls in dem obigen belege aus Göthe
ist nur bei der objectiven fassung möglich. dieser gehören auch mehrere der verbindungen mit dem acc. im besonderen an, so neben gew. geben (Herder 9, 233); weil du gewiszheit vorgabst Grillparzer (
könig Ottokar 1) 6
5, 17;
dazu vgl. (
s. o) gew. wollen (Herder 10, 170); setzen (Schottel) heften (Herder 15, 438); einprägen (S. v. La Roche); schauen (Göthe 3, 99); sehen (Göthe
an Knebel); betrachten (
Fortunatus); untersuchen (Lichtenberg);
vgl. mittwoch abend erfahren sie die gewiszheit Göthe (
aus Schiller 18. 3. 1799)
br. 14, 47; um jedem allgemeinen satze als solchem die gewiszheit abzusprechen A. v. Heydebreck
die gewissheit des allgemeinen 16; wenn der satz seine gewissheit nur haben soll als ausdruck eines ,.. denkaktes 12;
das gleiche Herder 19, 70. 2@b@b@5@bb))
bemerkenswerte gegensätze zeigen die präpositionalverbindungen, die auch hier reich belegt sind. unter ihnen tritt das oben so viel beobachtete mit
ganz zurück: aus worten und redarten freier erzählung läszt sich eine solche ungeschriebene urschrift (
γραφη ἀγραφος) mit gewiszheit nie ausfinden Herder (
christl. schr.) 19, 417;
vgl. auch 10, 273; mit absoluter gewissheit allgemeine erkenntnisse zu gewinnen Heydebreck 7;
dagegen treten andere verbindungen vor, so zur gew. (Lessing 9
3, 39; 13
3, 109; Herder 10, 165; 13, 46); von gew. (Chr. Wolff; Herder 10, 399; 12, 43); ohne gew. (Herder 5, 517; 9, 274; 11, 226; 17, 130); über (
Göttinger student); für (Abr. a. S. Clara; Herder 10, 44; 15, 31; Göthe
br. 6, 406); gegen (Herder 9, 265); in (Herder 15, 581);
dazu vgl. die sceptische methode geht auf gewiszheit Kant (
krit. der reinen vern.) 3, 292
ak.; nun sind wir zu dem resultat gekommen, dass der antirealismus ... einen verhältnissmässig unbedeutenden zuwachs an gewissheit gegenüber dem realismus gewinnt Dürr
grenzen der gewissheit s. 120. 33)
unter den zusammensetzungen, die meist nur vereinzelte geltung haben, zielen diejenigen, die der sprache der philosophie entstammen, vorwiegend auf die subjective fassung des subst. im gegensatze zu solchen, die der sprache des lebens angehören.