strich,
m. ,
die linie, das streichen. herkunft und form. nomen actionis zu streichen,
vb., (
ahd. strīhhan),
s. d. neben dem mask. i-
stamm im got. und westgerm. (
got. striks,
ahd. nhd. strich,
ags. strica,
ne. streak,
mnd. streke,
mnl. streke,
nnl. streek,
fries. streke, stregg)
steht, wie üblich, im nordgerm. ein neutraler a-
stamm, der durch präfixverlust von ga-
entstanden ist: isl. norw. stric,
schwed. streck,
ädän. strig '
strich'
; an. strik '
ein kostbares zeug, eine art frauenhaube'
ist wohl aus mnd. strickette
entlehnt, s. Torp
nynorsk etym. ordb. 726. —
mundartliche abweichungen von der normalen lautgestalt kennt das wort kaum. nd. strek
wird gelegentlich zu strīek
diphthongiert, vgl. Woeste
westfäl. 258
a, Leihener
Cronenberg 117
b,
während die hd. form in wenigen fällen eine öffnung des stammvokals > e
aufweist (
beschränkt auf den westl. teil des md.): strech Spiess
Henneberg 246; Gangler
Luxemburg 438; Rovenhagen
Aachen 142
a; Hönig
Köln 177
a.
auf dem einflusz von hd. streich,
m., (
s. d.; vgl. auch engl. stroke)
beruht die bedeutung '
hieb, schlag',
die von den nd., nl. und nordischen formen übernommen wird, s. Torp
a. a. o., Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 1177, Hellqvist
svensk etym. ordb. 31086
und Franck-v. Wijk
etym. wb. 674,
für das nd. die angaben bei Mensing
schlesw.-holst. 4, 880
f., Leithäuser
Barmen 152
b, Leihener
Cronenberg 117
b u. andere; für das fries. vgl. Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 334, Möller
Sylt 254
b;
vgl. auch unten D 3
und 4.
schlieszlich tritt auch die hd. form strich '
vielfach für die plattdt. ein und ist in manchen wendungen bereits allein üblich' (Mensing 4, 886),
so dasz auf nd. sprachgebiet verwendetes strich (
in ma. sowie bei hd. schreibenden autoren)
die bedeutungen von hd. strich
und hd. streich
in sich vereinigt (
vgl. verschiedentlich unter D).
bedeutung und gebrauch. AA.
die gezogene, dargestellte oder gedachte linie. bereits früheste zeugnisse zeigen das wort in dieser gegenständlichen verwendung; schon das gotische: amen auk qiþa izwis: und þatei usleiþiþ himins jah airþa, jota ains aiþþau ains striks ni usleiþiþ af witoda, unte allata wairþiþ
Mt. 5, 18.
für das ahd. vgl. eine glosse des 11.
jhs.: nota, signum strih
ahd. gl. 2, 367, 12
St.-S. spätere belege lassen gelegentlich neben dem gegenständlichen sinn die auffassung des wortes als vorgangsbezeichnung zu: und dô volant was diz gebet, des crûzis strich sî vor sich tet Nicolaus v. Jeroschin
kron. v. Pruzinlant 26 575
Strehlke; dise lini will jch mit einem geraden strich ... auffreyssen A. Dürer
underweysung der messung (1525) A 2
a; schon zehnmal ergriff ich die feder, und legte sie wieder hin, weil ich nicht jeden strich zu einem gedanken ... machen konnte Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 82; (
sie) lief hinzu und zog mit ihrem sonnenschirm
einen energischen strich in den ufersand H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 231;
bes. für die strichführung oder den pinselzug des malers (
vgl. auch unten 3): thut man wohl, wenn man vorhero allerhand bilder und landschafften illuminirt, denn so wird man den strich der pinsel gewohnt Fleming
vollk. teutsch. soldat (1726) 16
a; dasz sein geübter strich auch todtes tuch beseelt König
ged. (1745) 60; ich ... hörte den weichen strich der zeichenkohle H. Hesse
Peter Camenzind (1925) 84;
auch auszerhalb künstlerischer darstellung (
selten)
für den strich
mit dem pinsel des anstreichers. A@11)
dünne, mit einem (
spitzen)
gegenstand gezogene (
oder in dieser weise vorgestellte)
linie; linea uuirdit kediutit reiz unde zîla unde rîga unde strih unde durhkang Notker 1, 419
P.; quippe lineam facit solus er eino machôt ten reiz unde den strih, târ diu lengi anaist, uuanda nehein strih nemag sîn âne initivm unde medium unde finem
ders. 1, 776
P.; lange strich ziehen
ducere lineam Dasypodius
dict. (1536) 433
c; eenen rechten streeck maken
rectam ducere lineam Plantijn
schat d. nederduytscher spr. (1573) Ee 2
c. A@1@aa)
als resultat des schreibvorgangs. A@1@a@aα)
stift-, feder-, kreidestrich u. dgl.: so macht er ain strich mit der kreiden, das soll ain rheinischen güldin bedeuten
Zimmer. chron. 22, 390
Barack; alle die werden blindlinien oder strich genennt, welche man mitt tinten, kolen oder blei verzeichnet H. Rodler
kunst d. messens (1531) A 4
a; machet er endtlich einen strich mit kreiden, mitten durch die stuben auff den boden Tabäus
MAeynhincklers sack (1612) A 4
b; ein strich mit dem bleistift
un trait de crayon Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b; an meinen briefen habe ich seit der zeit
noch keinen strich thun können Herder 12, 365
S.; kehrte mein gespenst die schaufel um ..., machte mit dem stiel einen entsetzlichen strich in den sand Jacobi
s. w. (1807) 1, 120; er zog deshalb auf seiner karte von Europa
nach dem lineal mit bleistift einen strich von Amsterdam nach südosten Immermann
w. 2, 91
Hempel; die kreidestriche an der verräucherten thür Eichendorff
s. w. (1864) 3, 33; fange
oben an der ecke an und setze einzeln neben einander strich für strich, eine zeile unter die andere G. Keller
ges. w. (1889) 2, 266; streke maken
mit strichen eine anzahl bemerken Dähnert
plattdt. wb. (1781) 467
a; he maakt en strek up dat papier Mensing
schlesw.-holst. 4, 880. A@1@a@bβ) strich
als unterstreichung oder randnotiz, die eine textstelle auffällig kenntlich macht; vgl. '
etwas mit einem (
feder-, bleifeder-)strich
anmerken, stellen in büchern etc.' (Sanders 2, 2, 1236): etwas mit einem striche bemercken
aliquid obelo notare Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 744; ist mir ein nicht passend wort entschlüpft, so zeichnen sie's mit einem striche Ramler
fabellese (1783) 3, 163; wo ich einigen anstosz fand, habe ich ein strich am rande gemacht (1795) Schiller
br. 4, 132
Jonas; es leuchteten die mit rother dinte gemachten striche des lehrers hervor, die unsere fehler bedeuteten Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 115; ich habe die schlechte gewohnheit, mir besonders imponierende sätze anzustreichen, und solche striche können für andere störend sein Rosegger
bei Emil Ertl
Rosegger, wie ich ihn kannte u. liebte (1923) 156.
dazu in vereinzelter übertragener redewendung, '
auf etwas hinweisen, es hervorheben': dasz die kritik selten eine stelle mit dem schwarzen striche bezeichnen wird, die des dichters gefühl ihm nicht schon längst verrathen haben sollte Kretschmann
s. w. (1784) 1, 3. A@1@a@gγ)
feder-, bleistiftstrich, der geschriebenes durchstreicht, tilgt; meist in der wendung einen strich durch etwas machen (tun);
deleo, oblitero, cancello, induo scriptum ... ich thuo ausz was mir nit gefelt, mach ein strichen dardurch Alberus
nov. dict. (1540) C 3
b;
transuerso calamo signum durch eine vbelgestellete schrifft einen strich thun, vber zwerch durch das blat Faber
thes. (1587) 928
b; einen strich durch eine schrift machen, sie ausstreichen
passer un trait sur une écriture pour l'effacer Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b: ich mache also einen strich über 'deinen kindern wohlgefallen' (1767) Gerstenberg
br. üb. d. merkw. d. lit. 196
lit.-denkm.; ew. hochwohlgebohren aufsatz ... sende ich ... von der censur durchstrichen zurück. diese zwei striche kommen mir vor, wie zwei schwerdter, kreuzweis durch unsere theuersten und heiligsten interessen gelegt (1810) Kleist
w. 5, 404
E. Schmidt; der name unter dem accept war mit vielen strichen unleserlich gemacht Storm
s. w. (1899) 5, 121.
im anschlusz hieran bezeichnet strich,
im sinne von '
streichung, tilgung, kürzung',
die ganze durchstrichene textstelle: sein manuscript setze ich doch in die Thalia, doch wird er mir erlauben, hie und da durch einen bescheidenen strich den wald lichter zu machen (1787) Schiller
br. 1, 444
Jonas; man wollte meinen 'Struensee' aufführen ohne striche H. Laube
ges. schr. (1875) 16, 151. A@1@bb)
im anschlusz an a
in bildlichen und übertragenen verwendungen; meist in der wendung einen strich durch etwas machen. A@1@b@aα)
das verzeichnis einer schuld (
ein sündenregister, oder eine geldliche forderung)
durchstreichen, es '
tilgen, annullieren'
und damit auf die begleichung verzichten oder es als erledigt ansehen: ich pin ervodert an den tanz, da mir geweiset wirt all meiner sünd ain grosser kranz; die rechnung mir gepirt. doch wil es got der ainig man, so wirt mir pald ain strich dadurch getan Oswald v. Wolkenstein 92, 18
Schatz; Jhesus Christus der hat alle meine sunde von mir genomen und ist für mich gestorben; mit dem spruch mache ich ein strich durch das register, da ynnen meine sunde sind angeschrieben (1530) Luther 32, 103
W.; leyhe odder borge jm, so er dirs kan widder geben, kan er aber nicht, so soltu jm schencken und einen strich durchs register machen (1532)
ebda 397;
ex pecunia remittere nachlassen, ein strich dardurch thun Frisius
dict. (1556) 1139; wie woltestu es machen doch, das die gantz schuld wird ausz gethan? ... jetz falt mir die kunst ein, wie man soll machen listiglich durch disz grosz item einen strich (1613) Fröreisen
in: griech. dramen 2, 201
lit. ver.; spitzt euch nur drauff, ihr werdet nicht viel böse pfennige sehen. ein strich durch, so ist es bezahlet Schoch
com. v. stud. leben (1657) L 6
a; nun wil der gute gott euch vergeben, und einen strich machen durch eine solche grosse summa Schupp
schr. (1663) 316; strich durch die rechnung (1815) Göthe III 5, 149
W.; also machen wir einen strich durch die gegenseitigen schuldforderungen Holtei
erz. schr. (1861) 15, 154. A@1@b@bβ) '
etwas bestehendes gleichsam durchstreichen und damit hinfällig machen, aufheben, zum abschlusz bringen',
bzw. '
als hinfällig, abgeschlossen, erledigt ansehen' (
oft bei Luther): quam deus hoc biennio mirabiliter conservasset, vnd hette jtzunder einen strich dadurch gemacht rumpens foedus papistarum, hette für vnsern augen den bosen menschen weggenohmen: vnd ist nue gerichtet (1539)
tischr. 4, 379; er (
gott) wollt selbs gerne das recht lassen fahren und ein strich dadurch machen, so wollen wir recht ohne gnad haben und dennoch auch ein eigen abgöttin mit uns führen (Aurifaber
in:)
tischr. 6, 124; dann alhie mein meinung nit ist, dasz man alle concilia verdammen, oder al jhr handlungen umbstossen, und wie man sagt, ein strich hindurch thun solle Calvin
inst. christ. religionis (1572) 2, 97; dasz er lieber einer groszen vnnd hohen dignitet mangeln wollen, als durchselbig sein werck einen strich thun vnd solches abschaffen
theatrum amoris (1626) ):( 6
a; biszweilen macht das geltdurch bündnusz einen strichen Zinkgref
auserl. ged. 31
ndr.; graf Gomes lebt nicht mehr, sein blut hat einen strich durch meinen schimpf gemacht Gottsched
dt. schaubühne (1742) 1, 375; da kam Hans Mors und zog den strich durch ihr schlaraffenleben Bürger
s. w. 48
a Bohtz; wie reich dünkte sich die alte Wolf'sche metaphysik, und welchen unbarmherzigen strich machte durch dieses inventar von apriorischen erkenntnissen die kritik der reinen vernunft D. Fr. Strausz
ges. schr. 3 (1877) 38; die beste und weiseste that seines lebens war seine heirat gewesen. er hatte damit einen strich gemacht durch ein äuszerlich wohl angeregtes, innerlich aber fades und inhaltsleeres dasein Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 315. A@1@b@gγ)
besonders in der verbreiteten redensart einen strich durch die rechnung machen (
vgl. schon Oswald v. Wolkenstein
oben α),
doch rechnung
hier im sinne von '
kalkulation, vorhaben, plan',
so dasz die wendung den bildlichen sinn '
eine (
jds.)
absicht durchkreuzen, zunichte machen, ihre ausführung verhindern'
gewinnt (
s. auch teil 8,
sp. 359
s. v. rechnung); einem einen strich durch die rechnung machen
consilium alicujus impedire Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 744; einen strich durch die rechnung machen
conficere omnes res ac rationis alicuius; consilium alicuius dirimere, impedire; dissolvere; dissipare Serz
teutsche idiotismen (1797) 149
b: ob mir wohl ... die 1500 thl., so ich vor andre leute ausgegeben, einen groszen strich durch meine rechnung und vermögen gemacht Schweinichen
lieben, lust u. leben 3, 174
Büsching; der tod aber kam dazwischen, und machte einen gewaltigen strich durch alle diese rechnungen Hahn
staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 2, 239; werde ich abreisen, wenn nicht das sprüchwort einen strich durch meine rechnung macht: der mensch denkt's, gott aber lenkt's (1771) Heinse
an Gleim in: briefw. (1806) 1, 25
Körte; hat das schlimme wetter ... mir einen strich durch die rechnung gemacht, dasz ich gar nicht habe zum zeichnen kommen können Göthe IV 30, 149
W.; dasz wenn uns das schicksal einen strich durch die rechnung macht, dies grade oft zu unserm beszten ausfalle H. v. Kleist
w. 5, 213
E. Schmidt; jetzt ist der jesuitensippschaft ganz und gar ein strich durch ihre rechnung gemacht O.
M. Graf
unruhe (1948) 288;
vgl. Dähnert
plattdt. wb. (1781) 467
a; Hügel
Wiener dial. 159; Ruckert
unterfränk. 177.
gelegentlich mit anderem verbalen ausdruck: der himmel wird mit macht den frechen tod bedreuen, dasz nicht sein zweiter strich durch eure rechnung fährt Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 111; schlechtes wetter hat ihm aber einen strich durch die rechnung gezogen (1833) Hebbel
br. (1904) 1, 21; durch jede rechnung ziehe ich mit meinem bogen selbst den strich — und wie ein plan geboren ist, so stirbt er schon zur selben frist Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 163; es isch im e strich dur d'rächnig 'gange Seiler
Basel 281
a;
oder ersparung des verbs: das war ein strich durch die ganze narrenrechnung Eichendorff
s. w. (1864) 3, 217; welch ein strich durch die rechnung E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 64
Gr.; ein gewaltiger strich durch die rechnung! Werfel
geschw. v. Neapel (1931) 175; eenen schtrich durch de rechnung Brendicke
Berliner wortschatz 179
b.
vereinzelt in abweichender auffassung '
eine sache annullieren, abschlieszen': doch ich will einen strich durch die rechnung meines lebens machen, o ja, ich will auch lustig sein, dasz mir das herz zerspringt Eichendorff
s. w. (1864) 2, 515. A@1@b@dδ)
ähnlich dem vorigen in freieren wendungen: aber Vardanes zoge ihm einen strich durch diese seine gedanken A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 862; sie besorgte ... Garysatis dörfte ... durch ihre liebe und anschläge einen strich machen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 112
a; dieser (
plan) habe durch mein auszenbleiben gleich zu anfang der ausführung einen strich erlitten Göthe I 31, 218
W. (
vgl.a γ,
letzt. teil); manchmal machten ihm die umstände einen strich durch dieses wollen O.
M. Graf
unruhe (1948) 9. A@1@b@eε) einen strich drunter machen '
abschlieszen mit etwas' (Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 576
a); mak en streek dronger '
die sache ist erledigt' (Leithäuser
Barmen 152
b): ich habe auch unter seine (
Lavaters) existenz einen grosen strich gemacht und weis nun was mir per saldo von ihm übrig bleibt Göthe IV 7, 250
W.; sie sah, dasz es nicht lange mehr gehen könne, jedoch die gefahr eines schimpflichen vorganges nicht vorhanden sei, wenn zur rechten zeit der strich unter die rechnung gemacht werde G. Keller
ges. w. (1889) 5, 278; dann mach ich einen strich unter die rechnung und — schliesze ab Gerhart Hauptmann
einsame menschen (1891) 127. A@1@cc)
die gerade linie, '
die gerade'. A@1@c@aα)
linie im geometrischen sinne (
existent oder gedacht); '
als wort der alltagssprache' (Götze
anfänge e. mathem. fachspr. in Keplers deutsch [1919] 179)
nur selten in der sprache der mathematik, wo am lat. terminus linie
festgehalten wird; 'linie
bürgerte sich so schnell ein, dasz ganz gute verdeutschungen wie risz, strich, zug
gar nicht aufkamen' (Tropfke
gesch. d. elementar-mathematik [1921] 4, 38;
vgl. auch Schirmer
wortschatz d. mathematik [1912] 43).
nur bei verdeutschungsbestrebungen wird in frühen fachbüchern lat. linea
mit (gerader) strich (
neben zug, risz)
wiedergegeben, so (1616) Kepler
weinvisierb. (
s. Götze
a. a. o.),
vgl. ferner: '
linie ist ein langer risz ...
oder strich (Schmid, Kepler, Pirkenstein, Reyher);
recta linea ist gerade
oder scheidtrecht lini (Schmid), gestrackte
oder rechte linj (Holtzmann), gerade
oder strecke (Kepler), gerader strich
oder zug (Reyher)' Felix Müller
zur terminol. d. ält. mathem. schriften in dt. sprache, in: zs. f. math. u. phys., suppl. zum 44.
jg., s. 324;
sowie lexikalisch: linea ein strych Melber
voc. pred. (
ca. 1500) x 8
a; strich
linea Alberus
nov. dict. (1540) p 1
b; strich
lini, vne ligne, vna riga, linea Hulsius Ravellus
dict. (1616) 313
b; strich
linea Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 106. strich
bezeichnet in der übersetzung von linea
stets eine gerade, obwohl das bei strich
an sich erforderliche attribut gerade
meist fehlt (
s. auch Götze
a. a. o.): dreieckete felder von scharffen oder stumpffen winckeln, oder so sie sich naigen, da mustu bekant haben den einen strich oder seiten Kepler
opera omnia (1858) 5, 513
Frisch; (
alle körper) haben drey mAesz-ruthen, nemlich die lAenge, die breite und tieffe, und haben in sich viererley ende, nemlich den punct, den strich, die auswendigkeit und die dichtigkeit Lohenstein
Arminius (1689) 2, 203
b.
vereinzelt zur bezeichnung des äquators: die geographische breite des Blocksberges, da man fraget, wie weit er entfernet sey von der linie (oder aequinoctiali, dem mittelsten striche in der zona torrida) gegen norden hinwerts? Prätorius
Blockesberges verrichtung (1668) 69.
nur vereinzelt '
die (
vorgezeichnete)
zeile': strich oder zeil im schreiben Güntzel
haubtschl. (1648) 741
b. A@1@c@bβ)
in umgangssprachlicher redewendung '
die gerade linie',
teils sichtbar (
aufgezeichnet oder durch besondere gegebenheiten vorgebildet),
teils gedacht: noch auf dem strich gehen können
auf der dielenritze, zum zeichen, dasz man nicht betrunken ist Frischbier pr. 2, 381
a;
vgl. Mensing
schlesw.-holst. 4, 886; Böning
Oldenburg 109
a; Stürenburg
ostfries. 267
b. A@1@dd)
die linie als mittel graphischer darstellungstechnik; striche ò mit strichen machen
rigare, vergare, listare Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a: also ist nun der öber strich, mit E verzeichnet, linea vitae Paracelsus
opera (1616) 2, 520
Huser; die erdmesser pflegen durch kleine punckte und striche grosse berge und ströhme vorzubilden Lohenstein
Ibrahim Sultan (
o. j.)
lebenslauf A 2
b; figur ... eine in linien oder strichen eingeschlossene fläche Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 267; eine mit dicken strichen gezeichnete karte zu studieren Fontane
ges. w. (1905) I 4, 235; strich
frz. point, die einzelne linie einer schraffirung Müller-Mothes
archäol. wb. (1877) 2, 890
b. A@1@ee) strich
als element der schrift. A@1@e@aα)
als bestandteil von buchstaben oder als interpunktionszeichen (
handgeschrieben oder gedruckt): zeuch den dnnen strich des bustaben ... vber sich A. Dürer
underweysung d. messung (1525) K 2
a; die schrift kommt mit der in meiner legende ... ziemlich überein, wenigstens hat sie ebenfalls dicke und stumpfe striche
Adelung magazin (1783) 2, 4, 109; das buch ist in striche (wie musik) gesetzte und kompletierte natur Novalis
schr. 3, 96
Minor; über den vocalen ziemlich häufig accente ... über einfachem i noch kein strich, wohl über dem doppelten J. Grimm
kl. schr. (1864) 5, 6; nun, seit wann schreibt man denn das wort können mit oe und ohne striche auf dem o?
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 283.
gedankenstrich: (
herr Breitinger) setzet bey dem namen (
den nicht jeder leser verstehen soll) allemal sternchen oder striche Schwabe
belust. (1741) 1, 169; wenn wir einen gedanken haben wollen, so bringen sie uns ein wort, wenn wir ein wort fordern, einen strich, und wo wir einen strich erwarteten, steht eine zote Lichtenberg
aphorismen 3, 216
lit.-denkm.; wenn die leidenschaften gegen den letzten act fortschreiten, so häufen sich die striche Gerstenberg
recensionen 33
lit.-denkm. virgel, komma (
vgl. häufigeres strichlein):
interductus, interpunctio et distinctio, quae inter sententias a librariis duci solet ein strich oder vnderscheidung in einer red verzeichnet, darbey man abnimpt, wo man ein klein still halten soll Calepinus
XI ling. (1598) 750
a; 'ein kleiner strich,
welcher zur unterscheidung der einzelnen theile eines redesatzes zwischen die wörter gemacht wird, der absonderungs-, unterscheidungsstrich (
comma); einen strich machen, setzen' Campe 4 (1810) 713
a.
betonungszeichen, akzent: die striche ... welche in beiden ... hss. Otfrieds ... den ton jeder langzeile bestimmen (1819) J. Grimm
kl. schr. 8, 55. A@1@e@bβ)
zeichen eines gedachten oder besonders konstruierten schriftsystems: seine sprache (
eines geschöpfes, das nur auge wäre) ... würde eine art unendlich feiner pantomime, seine schrift eine algebra durch farben und striche werden — aber tönende sprache nie Herder 5, 65
S.; im morsealphabet: strich (
der morseschrift)
frz. trait, engl. dash Blaschke
wb. d. elektrotechn. (1901) 117
a.
sigle der stenographie: ich schreibe Stolze-Schrey, debattenschrift, und da sind volk und mensch einfache kürzungen, striche mit schwänzen A. Zweig
einsetzung e. königs (1950) 46.
arithmetisches zeichen: der begriff der grösze sucht in eben der wissenschaft seine haltung und sinn in der zahl, diese aber an den fingern, den corallen des rechenbretts, oder den strichen und punkten, die vor augen gestellt werden Kant 3, 205
akad. das schriftzeichen für bogenminute: strich
math. oder techn. zeichen′ engl. minute mark Hellwig
wb. d. fachausdr. d. buch- u. papiergewerbes (1926) 92
b. A@1@e@gγ)
in der notenschrift; das mittelalterliche notenschriftzeichen, die neume: linirn, strich oder kritzlein machen, als man zum gsang pflegt zu thun Roth
teutscher dict. (1571) K 1
a; seit den tagen der alten neumen, diesen fixierungen aus strichen und punkten, welche die klangbewegung ungefähr angedeutet hätten Th. Mann
Faustus (1948) 98.
strichartige zeichen verschiedener bedeutung innerhalb des modernen notenschriftsystems: auch mus er auff die noten achtung han vnd die strich mit den hocken nicht nach lan
M. Agricola
musica instrum. deudsch 62
Eitner; die noten bey (c) mit einem darüber gesetzten striche sind es, von denen hier die rede ist Ph. E. Bach
art d. clavier zu spielen (1759) 2, 247; und dann dies hoch hinauf klettern in die region der drei striche ist das nicht ein erzwungenes übersteigen der natürlichen stimme, die doch nur allein wahrhaft rührend bleibt? E. T. A. Hoffmann
s. w. 6, 68
Gr. A@1@ff)
markierung. A@1@f@aα) strich
als kennmarke: die zwey weissen das ziel andeutende striche Lohenstein
Arminius (1689) 2, 510
b; nun wird jeder tag mit einem strich bezeichnet Schopenhauer
s. w. 1, 515
Gr.; es ist zwar nach dem kalender auf der thüre im stall noch eine woche, doch weisz ich, dasz sich die knechte verrechnen, indem sie der striche zu viele oder zu wenige machen Hebbel
s. w. 8, 316
Werner; er bezeichnete mit seinem taschenmesser sein brod mit strichen, wie viel er täglich davon ... verzehren dürfe Ch. v. Schmid
ges. schr. (1858) 4, 31. A@1@f@bβ)
der eichstrich am glase: er zog von einem wirtshaus ins andere, um nachzusehen, wo das getränke unter dem strich blieb G. Keller
ges. w. (1889) 2, 129. A@1@f@gγ)
linie innerhalb eines schriftstückes zur abgrenzung einzelner teile; zur takttrennung im notenschriftsystem, '
taktstrich'
: barre nennen die Frantzosen ... den einen tact bemerckenden strich im systemate musico Walther
music. lex. (1732) 74; diese abmessung (
der takte) wird allemahl durch striche ... angedeutet Mattheson
kl. generalbaszschule (1735) 92.
markierungslinie zur deutlichen trennung inhaltlich nicht unmittelbar zusammengehöriger textstellen, meist den abschlusz eines abschnitts kennzeichnend: am ende der auftritte und dem anfang der neuen sind zuweilen striche, zuweilen nicht (1787) Schiller
br. 1, 342
Jonas; zuletzt steht ... unter einem strich, ein verzeichnis einer agrimensorischen sammlung Niebuhr
röm. gesch. 2 (1812) 555.
in der journalistik begegnet die formel unter dem strich
für '
feuilleton' (
vgl.: '
die anfänge des feuilletons kann man in dem gelehrten artikel erblicken. das wort stammt aus Frankreich, wo der kritiker abbé Geoffroy 1800
dem Pariser journal des débats allerlei notizen aus literatur und kunst in einem besonderen blättchen [
feuille]
beifügte. später wurde der inhalt dieses blättchens in die zeitung selbst übernommen und durch einen querstrich von dem übrigen teil getrennt. daher rührt die bezeichnung unter dem strich' K. d'Ester
zeitung u. zeitschr., in: dt. philol. im aufrisz 3, 598
Stammler): mögen sie beyliegenden brief Lessings ... unter den strich drucken lassen, so steht er zu diensten (1805) Göthe IV 19, 2
W. A@1@f@dδ)
markierte trennungslinie, grenze: am steine starb jüngst bruder Kottila, und seine seele flog den nächsten weg zur hölle. der schildwachteufel, der zum glück ihn kommen sah, rief überlaut: ,wer da? wer da?' — ein geistlicher! versetzte Kottila. ,steh, 'sprach der teufel, ,steh! der strich sei deine stelle!' E. v. Kleist
w. 1, 65
Sauer. in übertragenem sinne: Diederich setzte hinzu: aber einen glatten strich ziehen zwischen kaisertreuen und umsturz! H. Mann
d. unterthan (1949) 298; der eine dachte 'vaterländisch' mit solchem hasz wie der andere 'rot' dachte. der strich, der sie trennte, war so tief wie der Rhein A. Seghers
die toten bl. jung (1950) 49.
in mundartlichen redewendungen: he is buten strek gahn
hat über den schwengel geschlagen, hat die schranken überschritten Mensing
schlesw.-holst. 4, 881; etwas ist unter dem strich
ist unqualifizierbar, über alle maszen schlecht Fischer
schwäb. 5, 1862; strich sein mit jem.
entzweit, böse Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 576
a.
die grenzlinie des höchsten wasserstandes eines flusses, gebildet durch den uferrand, in der wendung: das wasser geht am strich
l'eau de la rivière est au niveau Rädlein
dict. (1711) 853
a; die Werra geht strich
das wasser derselben steht in gleicher höhe mit dem uferrand Spiess
Henneberg 246. A@1@gg) strich
als einteilungseinheit innerhalb einer skala. A@1@g@aα)
einteilungseinheit der windrose, des kompasses; ein strich aufm compasz
a point of the ... compass Ludwig
t.-engl. (1716) 1898; die striche des kompasses oder kompaszstriche
die linien auf der rose des kompasses, welche aus dem mittelpunkte nach allen richtungen laufen Campe 4 (1810) 712
b.
im anschlusz daran bezeichnet strich
einen der 32 winde, in die die windrose eingeteilt ist; in einem vereinzelten beleg zunächst lediglich für die den vier hauptwinden (
nach den vier himmelsrichtungen)
zugeteilten nebenwinde: unter denen (
winden) so sie brisen nennen, begreiffen sie alle die, welche von orient oder ost herblasen, sampt jhren anhAengern und strichen, so darausz entspringen Acosta
America (1605) 61.
dann allgemein: 'strich, compasz-strich, windstrich,
also nennet man einen der 32 winde, darein der umkreisz des horizonts zur bequemlichkeit der schiffahrt eingetheilet ist' Fäsch
kriegslex. (1735) 860
a.
damit dient strich
als einteilungseinheit des kompasses zur richtungsbestimmung, vornehmlich auf hoher see (
windrichtung, fahrtrichtung, die lage eines punktes zum standort des schiffes u. dgl.); 'strich
jeder der 32 theile, in welche die windrose eingetheilt ist. um so viel solcher striche
nun der wind von dem striche
des schiffes abweicht, so viel striche
sagt man, dasz das schiff halte'
encycl. wb. (1793) 9, 66; Stenzel
seemänn. wb. (1904) 408
b; Kluge
seemannsspr. 765: dieser sturm wehrete bisz auff den mittag, und weil wir kaum sechs striche ins segel hatten und dahero nicht frder kommen kunten, sondern jmmer nAeher an den oelAendischen wall wichen, ware dem schiffer nicht wol darbey, ... bald darauff aber begunte der wind 3 bald 4 striche zu reumen, dasz wir also wieder erfrewet unsern cours besegeln kunten Olearius
pers. reisebeschr. (1663) 65 (1.
aufl.: 1647); fürs erste muss ein steuermann seinen compas probiren, ... auff diese art: des morgens wanns klar ist in der sonnen aufgang, welchen strich sie dann auff den compas auffgehet
Manson seebuch (1701) 3; ein schiff, das auf 5 oder 6 strichen seine fahrt halten kann, ohne viel abzufallen, wird für einen guten segeler ... gehalten Eggers
kriegslex. (1757) 2, 1026;
vgl. Campe 4 (1810) 712
b; peilt der gegenstand ... vier strich voraus, so ist die versegelung in der zwischenzeit gleich dem querabstande Alten
hdb. f. heer u. fl. (1909) 1, 45.
in freier dichterischer anwendung: schon öfters hatt ihn seine robinsonadensucht nach allen strichen und blättern der windrose fortgeweht Jean Paul
s. w. (1826) 21, 86; der verschlungene rattenkönig war nach allen zweiunddreiszig strichen der windrose zerstreut Gaudy
s. w. (1844) 8, 111. A@1@g@bβ)
das minutenzeichen auf dem zifferblatt der uhr: der zeiger steht auf eilf, und zwar gerade aufm strich Ludwig
t.-engl. (1716) 1898; der weiser (
uhrzeiger) zuckt; noch ein strich auf dem gebräunten zifferblatt, und der alte kuckuck ... beginnt seinen frühlingsruf Holtei
erz. schr. (1861) 4, 190. A@1@g@gγ) strich
bezeichnet eine längeneinheit, '
nach dem zehentmasz der zehnte theil eines zolles, und nach dem zwölftmasz der zwölfte theil eines zolles' (Campe 4 [1810] 713
a);
der 10
te theil eines zolles (
encycl. wb. [1793] 9, 65);
der zwölfte theil eines zolls (Röding
wb. d. marine [1793] 2, 745): miszt sechs schuch, zwey zoll und einen strich Stephanie
d. j.
s. lustsp. (1771) 8; sie hatten alle sechs dasselbe maasz, nämlich sechs fusz, drei striche Immermann
w. 1, 20
Hempel; er, ein starkes mannsbild, der seine sieben zoll zwei strich preuszisch miszt Gaudy
s. w. (1844) 4, 124. A@22)
das linien- oder streifenförmig von einem untergrund (
meist in der farbe)
sich abhebende gebilde. gelegentlich dem unter B
verzeichneten gebrauch ('
erstreckung, ausdehnung')
nahestehend. A@2@aa)
allgemein; strich, reihen
striga Dentzler
clav. ling. lat. (1716) 279
b;
etwas das sich auf einer oberfläche in die länge hinziehet, von gröszerer oder geringerer breite, ein streifen Campe 4 (1810) 713
a:
segmentis strichen (
zu Solinus 17, 5:
hoc fulvum [
des tigers]
nigrantibus segmentis interundatum) (11./12.
jh.)
ahd. gl. 2, 624, 6
St.-S.; die selben zwô varwe vil gelîche teilten sich, wan ein bechswarzer strich an der stirnen ane vie drîer vinger breit unde gie ze tal über sînen (
eines pferdes) grât
Flore und Blanscheflur 2750
Sommer; vnter den breiten blackfischen sind die milcher ettwas schwartzlechter mit verblümbten bundten strichen geziert Heyden
Plinius (1565) 346;
venae in herbis sunt fibrae die striche Faber
thes. (1587) 913
a; (
der komet) macht gar einen hellen langen strich, wie auff dem acker ist ein furch Spreng
Äneis (1610) 39
a; sein leibhengst ... mit einem schwartzen strich ober den rücken vnd schwantz Micraelius
altes Pommerland (1640) 3, 481; diesen ... sand theile man in zwey gleiche theile und formire damit auff einem tische zwey gantz schmale striche oder längliche häufflein J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 2, 78; hier seh ich rothe dächer, ... und dort, in einem langen strich, die Elbe Brockes
ird. vergnügen 8 (1746) 257; wenn man in der dunkelheit eine glühende kohle schnell wegwirft, so scheinet uns der weg, den sie nimmt, ein steter feuriger strich ... zu seyn Sulzer
theorie d. schönen künste (1792) 3, 32; da fuhr ihm die stecknadel über das gesicht und machte ihm einen rothen strich vom einem ohr zum andern br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1888) 1, 41; während ... der blauschwarze strich einer kiefernwaldung in grellem unheimlichem sonnenscheine dalag Fontane
ges. w. (1905) I 6, 350; zu ihrer linken begleitete sie der weisze strich, der die strasze trennte Feuchtwanger
Simone (1950) 165.
im vergleich dünn wie ein strich: er hatte nähmlich einen lang gleich dicken körper, wie ein strich Hafner
ges. lustsp. (1812) 1, 40; zur linken herzog Friederich von Altenburg, dünn wie ein strich A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 171.
in besonderer dichterischer wendung mit dem beisinn von '
streichung'
im hinblick auf die reihe der fallenden: sst, sst — die kugeln ziehen böse striche durchs bataillon W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 240. A@2@bb)
entsprechend in besonderen verwendungen. A@2@b@aα)
in der heraldik; '
streifen, band, balken'
; si quae medium occupat tertia pars alio colore à reliqua scuti tinctura pingatur, fasce al. faisce Galli vocant ... nostri band
vocant, aliquando strasz, balcke, strich Spener
op. herald. (1680) 140; strich im wappen
bande, barre, striscie nelle armi Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; (
vgl. bes. Querfurth
krit. wb. d. herald. terminologie [1872] 152): von Claramunt den clarn sach man walten der banier, in bellen richer striche vier crisolten var und silber wiz Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 17 052
Regel; er fuorte in eime schilte rôt drî blanken striche silberwîz Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 32 193
lit. ver.; dieses schloss zu Nurenberg wappen oder schilt was ein weisz felt, überzwerich rot schranken, drei strich (
Nürnberg 15.
jh.)
städtechron. 3, 93; (
er) furt auf dem helm ainen starchen und ainen roten schilt mit ainem weissen strich über ekk
österr. chronik 29
Seem.; wie das wappen von Österreich eben darum einen weiszen strich durch das rothe feld im schilde hat Chr. Weise
polit. redner (1677) 680; nehmt das panier und tragt es allen vor, den edlen weiszen strich von Österreich; und wie er glänzend geht durchs rote feld Grillparzer
s. w. 6, 134
Sauer. vereinzelt: striche seynd nur blosse linien (
im wappen) Schumacher
wapenkunst (1694) 84. A@2@b@bβ)
die linie auf der haut; '
die gesichtsfalte',
sowie allgemeiner '
der gesichtszug'; strich vnd lydmaasz des angesichts
lineamentum Maaler
teutsch spr. (1561) 393
a; strich, oder striemen des angesichts eines menschen
lineamenta Decimator
thes. (1615); die striche im angesicht
li tratti, tiri, lineamenti etc. del volto (
della faccia) Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a. (
vgl. auch Schulz-Basler
dt. fremdwb. 2 [1942] 29
s. v. lineament): das ansehen war lieblich und durchdringend, die linien und strieche seines angesichts nicht weniger schöne und wohl abgemessen Zesen
liebesbeschr. (1644) 154; an ihrer stirne war ein jeder strich verrücket, und in dem finstern aug ihr schmertz hell ausgedrücket Warnecke
poet. versuch (1704) 378.
in spezieller weiterentwicklung die gesichtszüge in ihrer gesamtheit, der geprägte, individuelle gesichtsausdruck: hüpsche strich des angesichts
satis scitum alicujus filum Aler
dict. (1727) 1853
b; ich finde alle striche der ähnligkeit mit Gottwalden in dieses knabens ... gesichte Lohenstein
Arminius (1689) 2, 793
b; deutliche striche von einer familienähnlichkeit Bode
Tristram Schandi (1776) 151.
die linien auf der inneren handfläche: incisurae manus die hand linien oder striche
nomencl. lat.-germ. (1634) 198; in händ und antlitzen die striche zu erwegen Lohenstein
hyacinthen (1680) 29; die striche in händen
etc. le linee delle mani etc. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a; (
die chiromanten) geben denen linien und andern strichen, die in der hand anzutreffen, besondere nahmen Fleming
vollk. soldat (1726) 37; sie konnte der menschen thun und wesen deutlich in den strichen der hände lesen Kortum
Jobsiade (1799) 1, 28. A@2@b@gγ)
streifen, borte, besatz; et circumtextum croceo velamen achanto ein mantel mit einem braunen oder roten schweiff oder strich vmbher beleget Faber
thes. (1587) 859
a; strich,
franz. bande, ... wird nicht allein bey den kopfzeugen, mützen, sondern auch bey aller langen leinwand, nesseltücher usw. von geringer breite gebraucht, womit man verschiedene leinene zeuge einfasset Jacobsson
technol. wb. (1793) 7, 475
b: ain grossz pett von guten pflaumfedern mit plaben strichen von parchandt (
ca. 15.
jh.)
mittelalterl. inventare 159
Zingerle; (
verboten sind) alle striche in den schürtzen, die höher als eine spanne seind
sächs. policei- u. kleiderordn. (1612) 26; über zwerch desz mantels (
eines griech. patriarchen) gehen drey reyen strich drifach, der ein strich ist roht, die zwene weisz Schweigger
reyszbeschr. (1619) 214; die ... haube der frauenzimmer hat einen ungeheuer breiten strich J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 382;
vgl. Frischbier
pr. 381
a.
auch: '
gefalteter, schmaler, weisser halskragen für frauen und kinder' Kleemann
nordthür. id. 22
c; Hertel
Thür. 238;
gestreifte krause Mi
Mecklenb.-Vorpomm. 88
a;
gestickte (
gehäkelte etc.)
ziernaht, zierkante: forago ein auszgeschnittene nad, holnad, ein strich Corvinus
fons lat. (1646) 356; genähter, ausgenähter bettküssen-strich Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b.
vereinzelt: die abhangende striche oder frantzen an einem himmel
cascata del baldacchino Kramer
t.-ital. 1 (1700) 623
b; strich
eine art hauben, welche im Elsasz allein die jungfern tragen Frisch
wb. (1741) 2, 347
b. A@2@b@dδ)
in verschiedenen einzelanwendungen. maserung: striche des holtzes
etc. vene, strie, filo del legno Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a; der strich, die ader im stein, holz
la veine dans la pierre, dans le bois Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a: auch dergleichen die adern in dem stammen schnecklicht haben: vnd ist die vrsachen, dasz er sonst kein poros hatt, als die strich die er hatt hin vnd her schnecklicht Paracelsus
opera 2, 41
Huser. kannelüre: holstriche an der seule
striae Stieler
stammb. (1691) 2198; Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; Ludwig
t.-engl. (1716) 1898. '
kielstrich, kielwasser' (Kluge
seemannsspr. [1911] 766): der strich den ein schiff im meer segelnd mit dem untersten theil seines steurruders im wasser machet
the rake, run or track of a ship, the rake guided by the stem of a ship sailing Ludwig
t.-engl. (1716) 1898. strich (
seidenbau),
so nennt man den unrath der würmer, der zwischen den blättern der maulbeerbäume in ihren futterschachteln als ein strich
liegt Jacobsson
technol. wb. 4 (1784) 319
b;
encycl. wb. (1793) 9, 66; Weber
allg. lex. (1838) 575
a. strich ...
ein strich im schlüsselbart Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 282.
fraglich, ob hierher: striche
querhölzer beim grubenbau ebda 2 (1882) 533
b; strich
tragebalken, mittelbalken eines gebäudes Hofmann
niederhess. wb. 233
b. strêk
kleiner wasserzug Böning
Oldenburg 109
a. A@33)
in künstlerischer darstellung, der strich
mit dem zeichen- oder kohlestift u. dgl., bes. 'ein strich mit dem pinsel, ein pinselstrich' (Schwan
nouv. dict. [1783] 2, 734
b);
meist vorgangs- und gegenstandsbezeichnung zugleich: wan wolte ein mâler aller striche gedenken an dem êrsten striche den er strîchet, dâ enwürde niht ûz meister Eckhardt in:
dt. mystiker 2, 179
Pfeiffer; ein iegliches het er (
gott) in der ewigen ordenunge also geordent und fursehen, daz der moler niemer so versiht in sime sinne wie er einen ieglichen strich gestriche an dem bilde Tauler
pred. 18
Vetter; die mahlerkunst, ... die einen genau bestimmten gegenstand hat, nemlich die sichtbare natur und eine genau bestimmte weise sie auszudrücken, nemlich strich und farbe Ramler
schön. wissensch. (1758) 2, 11; sieh, o schöpfer, meines herzens altar rauchen! könnt ich gleich den blöden pinsel in der sonne flammen tauchen, o, so wär von deinem wesen noch kein zug, kein strich gemacht E. v. Kleist
w. 1, 22
Sauer; nicht verliesz er (
Leonardo da Vinci) sich auf den innern antrieb seines angebornen unschätzbaren talentes, kein willkürlicher zufälliger strich sollte gelten, alles muszte bedacht und überdacht werden Göthe I 49, 1, 234
W.; jetzt ist schon der zweite sommer, wo ich keinen strich nach der natur machen kann (1841) G. Keller
br. u. tageb. 2, 66
Ermat. A@3@aa)
im hinblick auf das gesamte kunstwerk, das sich aus einer vielheit aufeinander abgestimmter einzelzüge zusammensetzt; d. h. strich
ist der integrierende bestandteil eines gröszeren ganzen, eines gemäldes, einer zeichnung u. dgl., daher stets pluralisch bzw. in wendungen wie jeder, kein strich; (
vgl. auch oben 1 d): einen blöden copiisten, der nicht weiter als nach den vor ihm stehenden strichen eines bildes zu gehen weisz Heräus
ged. u. inschr. (1721) 25; ich werde ... dieses ... gemähld nicht mit denjenigen schönheiten nachzeichnen können, die alle striche des urstückes beleben Iselin
verm. schr. (1770) 5, 225; jeder strich, der anders wäre, würde eine abweichung vom character seyn Lichtenberg
erkl. d. Hogarthischen kupferst. 3 (1796) 337; hier hat Tischbein, nach seiner art, striche gar wunderlich gepaart Göthe I 3, 128
W.; die holzstiche mit ihren verworrenen strichen und unkenntlichen gesichtern Eichendorff
s. w. (1864) 2, 57; mit den wenigen weissen, wohlangebrachten strichen und tupfen auf dem roten grunde G. Keller
ges. w. (1889) 1, 109; jeder strich (
bei Grünewald) ist zwar unerwartet ... aber jeder zug hängt zwingend mit anderen zusammen und zuletzt ist alles, als könne es nicht anders sein Pinder
dt. kunst d. Dürerzeit (1939) 262.
dazu die geläufige verbindung mit wenigen (einigen) strichen: alle blättchen (
zeichnungen) ... auf welchen sie (
Tischbein) mit wenigen strichen so viel bedeutendes vor den geist brachten (1806) Göthe IV 19, 104
W.; das hinausgehen des schilfdurchzogenen wassers, das feuchte, lichtschimmernde wesen des dünnen nebels, kann kaum mit so wenigen strichen meisterlicher vorgetragen sein Stifter
s. w. 14 (1933) 157; er erklärte ihr mit hülfe geeigneter vorlagen zuerst den knochenbau eines pferdes und lehrte sie, mit einigen geraden strichen die grundlinien und hauptverhältnisse anzugeben G. Keller
ges. w. (1889) 6, 209; mit wenigen strichen nach kinderart gezeichnet Ric. Huch
triumphgasse (1902) 7. A@3@bb)
die charakteristische, ausdrucksvolle strichführung; oft beiwörtlich bestimmt: verräthet ... ein einig strich Apellen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 685
a; ihr (
maler) wisst, was leblos ist, mit leben zu begeistern, und, durch behenden strich, selbst die natur zu meistern Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 72; sein (
d. malers) strich ist anmuthig, saftig und durchscheinend, wie er seyn musz
anmuth. gelehrsamk. 7, 971
Gottsched; nur die vierte (
zeichnung) gelang, und blieb, mit harten, gleichsam unwilligen strichen, entschieden Sturz
schr. (1779) 1, 47; kühne striche
touches hardies Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; so aber kann jeder gute zeichner ... so wie Raphael tellern, auf diese weise trinkgläser (!) mit flüchtigen strichen leben mittheilen Lichtenberg
verm. schr. (1800) 6, 470; dasz fleisch auf knochen und freies fleisch sich nicht überein zeichnen läszt, dasz hier der strich rund, und dort gleichsam winklig sein müsse Göthe I 45, 282
W.; an den subtilen strichen eines malerpinsels Justi
Winckelmann (1866) 1, 42; erst als die kohle sich etwas abgestumpft hatte, wollte der strich von selbst leibhafter werden und ein gewisses leben in die finger fahren G. Keller
ges. w. (1889) 3, 10; man spürt seit der mitte des (14.) jahrhunderts ein wachsendes verlangen nach dem feinen, zartgliederigen, eleganten ... der grosze einfache strich löst sich auf in eine kleinere zierlichere bewegung Wölfflin
d. klass. kunst (1901) 11; sie tat es (
zeichnete) mit geräuschvoll-virtuosen strichen Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 49.
gelegentlich auch für die strichführung einer handschrift, soweit sie auf ihre schönheit hin betrachtet wird: er schrieb auch wohl geschäftsbriefe und rechnungen, aber es war keine glätte, kein strich dabei, die buchstaben waren so zu sagen widerhaarig G. Freytag
ges. w. 4 (1887) 119. A@3@cc)
in bildlicher oder übertragener verwendung. A@3@c@aα)
mit ausgeführtem vergleiche, indem ein literarisches werk, ein bericht u. dgl. einem bilde, einem gemälde gleichgesetzt wird: hätt ich nur Apelles hand, wolt ich dein verdienst um mich durch den stillen fürhang zeigen. jezt sey dieser strich genug (
eine dichtung) (1660) Stieler
geharnschte Venus 61
ndr.; alle baten ihn, seine erzählung hier abzubrechen. 'nein ...', antwortete er, '... noch einige schwarze striche, so ist das traurige gemählde vollendet' Pfeffel
pros. versuche (1810) 3, 146; Turgany, um sein bild um ein paar striche weiter auszuführen, war ein starker fünfziger und wuszte sich etwas auf die jugendlichkeit seiner erscheinung Fontane
romane u. nov. (1890) 7, 16. A@3@c@bβ) (
in anschlusz an oben b)
die charakteristische darstellungsart wird der strichführung in der bildenden kunst verglichen: dem ganzen werk in allen 3 theilen ... scheint ... der strich der meisterhand zu fehlen Herder 1, 117
S.; auf welche art der dichter einen charakter mit einem einzigen striche zu entwerfen weisz (1769) Gerstenberg
recensionen 283
lit.-denkm.; aber die nation achtete nicht auf diese silberbleistiftzüge und behielt die groben striche der jugendwerke Göthes lieber Gervinus
dt. dicht. (1853) 5, 368; Plautus malt seine charaktere mit breiten strichen, oft schablonenhaft, immer für die wirkung aus der ferne und im ganzen und groben Mommsen
röm. gesch. 2 (
61874) 433; wie fest und rein sind gleich die ersten striche (
in der versuchung des Pescara), wie stehen sofort diese beiden figuren lebendig vor dem leser, der junge fürst und der kanzler (1887) Rodenberg
an C. F. Meyer in: br. 248
Langm. entsprechend von der darstellungsart im dramatisch-musikalischen kunstwerk der oper: stimmung und charakter Belmonts ist in seiner ersten cavatine schon mit festen strichen gezeichnet O. Jahn
Mozart (1856) 3, 101;
wie auch im reinen tonkunstwerk: man musz den tonsetzer glücklich preisen, der ... eine öffentlichkeit findet, die seine feinsten züge versteht ... und bei der seine gröberen striche populär werden Chrysander
Händel (1858) 1, 296. A@3@c@gγ)
entsprechend oben a
der bemerkenswerte einzelzug innerhalb eines gröszeren ganzen: (
er) schliesset endlich: dasz in der englischen sprache die seltenheiten und zierlichkeiten aller sprachen als ein schatz verborgen und in die divisos orbe Britannos gleichsam vertheilet sein. welchen rhetorischen oder poetischen strich wir ihm billig zu gut halten Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 231; die kleinen umstände, die der kalte verstand nicht bemerkt hätte, ... sind gerade die wahrsten striche des ... gefühls Herder 15, 531
S.; gott erbarme sich, sehr viele unsres standes haben weder von dem einen (
prophetenamt) noch von dem andern (
priesteramt) auch nur einen strich Claus Harms
pastoraltheologie (1834) 2, 129; wieder einen strich aus Hebbel hab ich gefunden, zu dem ihm Grabbe die farbe gab Cornelius
literar. w. (1904) 2, 377.
entsprechend der letzte strich,
der abschlieszende handgriff wie auch der letzte vervollständigende zug an einem ganzen: die ganze vollendung vom ersten gedanken bis zum letzten striche der ausführung Solger
vorles. über ästhetik (1829) 185; fügte fürst Metternich seinem schaudergemälde von der revolutionären gesinnung des deutschen volkes den letzten strich hinzu Treitschke
hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 34.
ähnlich: (
sie) hatte sich niemals tiefer fallen lassen, als es nötig gewesen war, um einen strich mehr an den lebensplan zu fügen, der vor ihren augen schwebte E. Wiechert
missa sine nomine (1950) 428.
in geläufiger wendung mit wenigen (einigen, ein paar
u. dgl.) strichen (
d. i. zugleich eine typische, knappe, skizzenhafte darstellung, damit β nahestehend): oft entwirft er (
Swift) mit zwei strichen ihr (
seiner gestalten) bild Herder 23, 184
S.; es sollen hier nur in wenigen strichen die äuszeren lebensumrisse Jahns gezeichnet werden Euler
in: Jahn
w. (1884) 1, X; so gut es mit wenigen skizzenhaften strichen gelingen kann, die hauptcharaktere (
der bautypen im mittelalter) zu schildern Dehio
kunsthist. aufs. (1914) 14; sein aufbau (
des Ludwigsliedes) ist epischer: nach ein paar strichen jugendgeschichte kommt eine folge einmaliger geschehnisse A. Heusler
altgerm. dichtung (1941) 128.
anstrich, kolorit, färbung: dasz man der sache einen andern schein und strich geben könnte Bothe
zuverlässige beschr. (1751) 1, 150; ein gewisser poetischer strich lag über dem frauenverkehr dieser dichter (
des minnesangs) Gervinus
dt. dichtg. (1853) 1, 325; so gab sich auch die auswärtige litteratur allenthalben einen leichten französischen strich Riehl
musik. charakterköpfe (1899) 1, 271. BB.
die handlung, die richtung, der weg des streichens im sinne einer fortbewegung bzw. erstreckung; zu streichen A. B@11)
der weg, den jemand macht oder einschlägt und in diesem sinne der lauf, gang, marsch, zug u. dgl. sowie auch die richtung oder strecke. B@1@aa) '
die handlung, da man streicht, sich schnell fortbeweget' (Campe 4 [1810] 712
a);
der lauf, der zug, die reise; strich, reise
excursio, strich thun
excursionem facere Weismann
lex. germ.-lat. (1698) 364
b; strich, auszlauff
excursio Aler
dict. (1727) 1853
b; einen strich durch ein land thun,
wofür im hochdeutschen streiff
üblicher ist Adelung 4 (1780) 825.
bezeugt seit mhd. zeit, anfänglich in den oft gebrauchten wendungen einen (den) strich fahren, nehmen, tun,
später einen strich machen: so ist es dannoch wunderlich in kürtz zuthun ain solchen strich, nämlich, auf treisig teutscher meilen inn neunzehen stunden ereilen Fischart
w. 1, 179
Hauffen; hernach bemühet er mit grosser arbeit sich und that viel weiter noch in Franckreich einen strich. er sucht durch alle städ Dietrich v.
d. Werder
Ariosts ras. Roland (1636) 1, 123 (9.
ges., 6.
str.); also Bellerophon das flügelpferd anfrischet zum hocherhabnen strich, nicht achtend ob schon zischet der heuschreck unter ihm Hohberg
d. unvergnügte Proserpina (1661) 1
b; auf meinem strich durch Deutschland (1780) Heinse in:
briefe zw. Gleim, Heinse, Müller 2, 86
Körte; darauf machte Lockmann einen strich ins feld hinein, ergötzte sich an der fruchtbarkeit und schönheit des landes Heinse
s. w. 5, 39
Sch.; ich (
Schiller) habe schon einen artigen strich durch die welt gemacht (1782) Schiller
br. 1, 73
Jonas; so einen bloszen strich durch die welt zu machen, das ist wohl auch ein jammer Schefer
ausgew. w. (1845) 1, 197; wu hust'n du den' strich hen?
wohin gedenkst du zu gehen? Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 575
b.
vgl. auch: mit drey, vier strichen säen
heiszt drey, vier gänge auf einem beete machen, um es zu besäen Weber
allg. lex. (1838) 575
a.
in adverbialem genitiv: auf, rasch! vergnügte, schnellen strichs! Göthe I 50, 339
W. vom landstreicher: auf den strich gehen, auf dem strich sein Fischer
schwäb. 5, 1863; er ist auf dem strich
bettelt ebda. das gehen, laufen, die gangart: der alt krebs lernt syn kindt den strich, das sy noch hüt gondt hindersich Murner
narrenbeschwörung 5, 185
ndr. B@1@a@aα)
besonders der zug einer streitmacht, kriegszug: und hatten uff demselbigen zug ... fill dorffer ferbrentt und hatten gros guott gewunen uff demselben strich (16.
jh.) Heinrich Hug
Villinger chron. 13
lit. ver.; er hatt ... mit seinem kleinen volck eilend dem feind ein strich durch das land gethon Pantaleon
mitnächtische völckeren hist. (1562) 1, 135; corps volant ... geschwinde kriegesscharen, so ... einen strich ins land thun
zeitungslust u. nutz d. spaten (1697) 424; nimmermehr würde ein Gustavus Adolphus jetzo von Pommern bis an den Rhein einen solchen strich impune thun Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 209. B@1@a@bβ)
redensartlich; in einem striche
in einem fort, ohne unterbrechung, in einem zuge (Campe 4 [1810] 712
a): jenseit dem Cleoschen her, bis an den Curschen Belt, fährt er in einem strich zweyhundert teutsche meilen Besser
schr. (1732) 1, 91; wir haben reisen zu fusz von 7 bis 8 stunden in einem striche gemacht (1766) Winckelmann
bei Justi
Winckelmann (1866) 2, 2, 329; dann aber in einem strich mit extrapost bis nach Berlin Gaudy
s. w. (1844) 2, 157; sodann wieder auf die strümpfe gemacht und in einem striche bis Schöneiche Holtei
erz. schr. (1861) 15, 126; ob ich nicht in einem strich heimwärts wandern und meinem vater beim öhmden helfen sollte H. Hesse
Peter Camenzind (1925) 91.
auch übertragen, 'in einem striche weg arbeiten, lesen, schreiben
etc.' (Campe 4 [1810] 712
a): in meinem leben habe ich nicht so viel in einem strich weggeschrieben Hermes
Sophiens reise (1769) 2, 19; wenn es mir nicht schlechterdings unmöglich wäre, in einem striche an der nehmlichen sache zu arbeiten Lessing 18, 101
L.-M.; wenn man den roman ... in einem strich durchgelesen hat W. Schlegel in:
Athenäum (1798) 2, 322; setzte sie dann mit auszerordentlicher geschwindigkeit in einem striche fortredend hinzu Eichendorff
s. w. (1864) 3, 444; die flüchtigkeit, mit der Löwe componirt, liegt in seiner eigenthümlichkeit, ... das ganze in einem augenblick zu erfinden und in einem strich zu vollenden Schumann
ges. schr. (1854) 1, 99; so lange die kinder in einem striche schlafen, bleiben sie klein Holtei
erz. schr. (1861) 22, 226; (
der bursche) sang wenigstens fünfzehn bis zwanzig strophen in einem strich ... herunter H. Laube
ges. schr. (1875) 8, 265. B@1@a@gγ)
in besonderen, meist mit örtlichkeitsangaben verbundenen verwendungsweisen kann das nomen actionis einen lokalen nebensinn annehmen. so tritt bereits in mhd. fügungen, in denen strich
neben anderen bezeichnungen der fortbewegung steht, eine differenzierung der ausdrücke ein. strich
mit abhängigem genitiv (
z. b. der verte strich '
weg der reise'): von Rode ûf sîner verte strich vuor über lant und über mer Mennon der künic Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 42 706
lit. ver.; (
dasz) gein dem abgrunde sih ir wec rihte und ir verte strich Rudolf v. Ems
weltchronik 4831
Ehrismann; der (
Jordan) nam do sinis fluzes strich durh Gomorree und Sodoma
ebda 4863; strich
bezieht sich als freier akkusativ auf die gleiche handlung wie das verbum: hin fuor er sînen alten strich Wernher
d. Gartenaere
meier Helmbrecht 1456
Panzer; minne vert vil wilden strich unde suochet triuwen spor Burkart v. Hohenvels
in: dt. liederdichter 42
Kraus; er fuor den gerihten strich unz zuo dem Kulm Ottokar
österr. reimchronik 9696;
besonders legt die häufig gebrauchte wendung den (seinen) strich nehmen '
eine bestimmte richtung, einen weg einschlagen'
den nebensinn lokaler bestimmtheit nahe: den rehten weg, die rechte ban rihten do du rindir sih und namen richteklich ir strich gein Betsamis Rudolf v. Ems
weltchronik 22 380
Ehrismann; aber die von Bern, Friburg und Solotern mit andern iren verwanten nament iren strich wider Habkessen dadurch nider birgshalben den nechsten gen Múlhusen zuo, da si essen und trinken gnuog funden (15.
jh.) Diebold Schilling
Berner chronik 1, 19
Tobler; besahe anfangs die fürnembste stätt in Franckreich, nam folgends meinen strich auff Spanien
theatrum amoris (1626) 5, 73; wir nahmen unseren strich nach Freiberg Widerhold
beschr. d. sechs reisen (1681) 1, )( 5
a; wilst du reisen durch die welt? o, so nim also den strich, dasz du alles wol beschaust und selbst führest dich durch dich Logau
sinnged. 514
lit. ver.; ähnlich im folgenden, wo strich
der bedeutung '
strecke'
sich annähert: hat er (
der hirsch) nun solchen wiedergang einen guten strich weit gethan Heppe
aufricht. lehrprinz (1751) 122.
marschrichtung, marschroute (
vgl.α): der cardinal vermeint, man solte vor allen dingen das königreich angreiffen, den strich durch die marggraveschafft Anconam zu nemmen Henricpetri
generalhist. (1577) 132; march route, der strich, so den fortziehenden soldaten vorgeschrieben wird
zeitungslust u. nutz d. spaten (1697) 464; Spanutius
sprüchw.-lex. (1720) 319; march, march-route, heist der weg und strich, so denen marchirenden soldaten vorgeschrieben ist Sperander (1727) 365
a; das kriegsheer nahm seinen strich dahin Frisch
wb. (1741) 2, 347
b.
in freierer verwendung; die wegrichtung, der (
durchmessene)
weg: er zeigete im den rehten strich Heinrich v.
d. Türlin
diu crône 5765
lit. ver.; diu zeiget im dan vürsich den rehten slehte gênden strich Lamprecht v. Regensburg
tohter v. Syon 3592
Weinhold; ainer hin, der ander her begund mich weisen die an dem striche lagend
d. minne falkner 91
lit. ver.; sie weren des striechs her nicht kommen, sondern auf Babylon zugangen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 145; von einem meiner besten ... freunden ..., der anno 1663 desselbigen orts gereiset und zwar diesen strich nach Prätorius
katzenveit (1665) E 3
b; wie leicht konnte er den strich verfehlen, den der Philhellene gegangen war Immermann
w. 5, 16
Hempel. ähnlich in neuerer ma.: strich
bezirk, der zu durchstreichen ist Schöpf
Tirol 720.
noch ein vereinzelter moderner beleg stellt sich zu dieser gebrauchsweise, verbindet sich aber mit der unserer zeit geläufigeren bedeutung '
schmaler streifen': und wenn die saat im felde wogte, zog wieder die weihende göttin durch die flur, und die menschen erkannten recht gut den strich, auf dem sie durch das getreidefeld gezogen war, denn dort standen die halme höher und lustiger G. Freytag
ges. w. 17 (1888) 91.
auch der lauf eines flusses: er macht die jünglinge zu flüssen, giebt einem jeden seinen strich, den sie mit macht durchströmen müssen Lichtwer
Äsopische fabeln (1748) 74.
in bildlichem gebrauch: wenestu mit gelübde mich brengen an den valschen strich, daz ich die schrift verlaze und eine unrechte straze nach diner secte wandere?
passional 129
Köpke; heile miner sinne strich (
niedergeschlagenheit)
buch Daniel 3652
Hübner; aber der alte feind ... fürwartet, ob er vielleicht einen vnbehütsamen in den strich der betrübniss werffen möge J. Arndt
nachf. Christi (1631) 119; die damals schon achtunddreiszigjährige verwies die phantastereien des jungen anbeters auf ein tagebuch ... sie selbst wandelte ja einen höheren strich mit Schleiermacher Gutzkow
ges. w. (1872) 12, 260.
eine entwicklungsrichtung nehmen, einschlagen: alle unsere gantze industrie hat jezt einen läppischen strich genommen Lichtenberg
aphorismen 3, 228
lit.-denkm. B@1@bb)
das umherstreichen der dirnen, sowie der weg, die strasze des umherstreichens; zufrühest bezeugt aus der mitte des 17.
jhs.: Prava stund im huren-buche, bessert aber ernstlich sich; wird drauff auszgelescht im buche; dennoch aber bleibt der strich Logau
sinnged. 598
lit. ver.; alle sanitätspolizeiliche aufsicht und strenge in den concessionirten bordells ist überall da paralysirt, wo nicht die strengste aufsicht und ausrottung des sogenannten striches gelingt Avé-Lallemant
gaunertum (1858) 2, 334; schdrich '
die gasse und die linie, auf welcher die huren sich zeigen' Castelli
ma. in Österreich 238;
so auch Delling
baier. id. 2, 178; Kluge
rotwelsch (1901) 1, 371; Ostwald
rinnsteinspr. (1906) 150; Eilenberger
pennälersprache (1910) 14.
über das gesamte deutsche sprachgebiet verbreitet in der wendung auf den strich gehen '
der käuflichen liebe nachgehen',
so zunächst von den dirnen, '
sich behufs der anlockung von männern auf der strasze umhertreiben' Kluge
rotwelsch (1901) 1, 371; Jakob
Wien 186
a;
auch sagt man, um ein mädchen als dirne zu kennzeichnen sie geht auf den strich Ostwald
rinnsteinspr. (1906) 150; Petrikovits
Wiener gauner-, zuhälter- u. dirnenspr. (1922) 49: das war nicht seine frau, die junge, unschuldige gefährtin seiner glücklichsten tage, die mutter seiner kinder, das war eine andere, ein fremdes weib, das auf den strich ging, eine feindin, ein raubthier Kahlenberg
familie Barchwitz (1899) 26; 'na ja!' hört sie seine helle, unverschämte stimme, 'fräulein nichte stehen auch wieder strich.' Simone regt sich nicht. sie hat die wendung 'strich stehen' nie gehört, kaum je die wendung 'auf dem strich gehen' Feuchtwanger
Simone (1950) 43.
dann auch in der bedeutung '
chercher une femme' Delcourt
argot allemand (1917) 165
a; up'n strich gaan
zu leichten mädchen gehn Schütze
Holstein 3, 210; Frischbier
pr. wb. 381
a; Schmid
schwäb. wb. 514; Castelli
ma. in Österreich (1847) 238; Meier
Basler studentenspr. (1910) 47
a; Klosz
burschenspr. 43.
in freierer anwendung: uffen schtrich jehen
auf liebschaften ausgehen Brendicke
Berliner wortschatz 179
b; Heinzerling-Reuter
Siegerland 247
b; op strech joe
auf abenteuer ausgehen Rovenhagen
Aachen 142
a.
neutraler: auf den strich gehen
herumstreifen, von dieben, dirnen usw. Albrecht
Leipzig 219
a; strich
regelmäsziger spaziergang in der stadt Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 575
b; Eilenberger
pennälerspr. (1910) 14.
der gebrauch von strich
knüpft zunächst an die übliche verwendung des wortes für die fortbewegung (
vgl. oben a)
an, der spezielle sinn geht auf streichen A 2 '
umherstreifen, vagieren'
zurück; die wendung auf den strich gehen
wurde dann an den gebrauch C 4 '
vogelfang (
mit dem streichnetz)'
angelehnt: auf den strich gehn und mädchen wie lerchen fangen (1792) Laukhard
bei Kluge
studentenspr. 128
b; Campe 4 (1810) 712
b; Blumer
nordwestböhm. ma. 88
b; Bauer-Collitz
Waldeck 175; (
vgl. dazu auch: strich
bei jägern für zug, ausflug Loritza
Wien 127
b);
ferner: '
da diese (
die dirnen) schnepfen
genannt werden, bildete man nach dem jägerausdruck schnepfenstrich
den ausdruck strich Eilenberger
pennälerspr. (1910) 14 (
doch dürfte der übertragungsvorgang sich umgekehrt vollzogen haben und in anlehnung an schnepfenstrich
die bezeichnung schnepfe für '
dirne'
aufgekommen sein; vgl. schnepfe 2 d
teil 9,
sp. 1314). B@1@cc)
die fortbewegung der vögel; vogelflug (
vgl. streichen A 1 b
γ): wildgflgel, so hoch im brg durch gantz Tyrol jhren strich vnnd wohnung haben Guarinonius
grewel (1610) 474; da fuhren sie (
die tauben) hoch vber sich schnell darnach mit geradem strich sie lendten zu der erden wider Spreng
Äneis (1610) 111; strich der vöglen
volatus Schönsleder
prompt. (1618) Hh 2
b; im strich werden sie (
die raubvögel) von etzlichen falconieren gar artlich gefangen, nachfo'gender gestalt: sie machen nach osten und westen, auff- und nidergang der sonnen an orth und ende, da sie bedncket, der falcken oder anderer raubvOegel strich hinausz lencken wolle, zwo hohe stangen, die haben jegliche in der hOehe ein loch Aitinger
jagd- u. weydbüchl. (1681) 4; strich der vöglen
volatus Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 279
b.
flugrichtung (
gemäsz oben a
γ): wie der eine flug (
der vögel) seinen strich nimmt, die übrigen alle, welche auf diesen zug kommen, ihnen sehr just und richtig folgen, und sich mit denen andern nebenzügen nicht confundiren Göchhausen
notab. venatoris (1741) 275; der vogel hält seinen accuraten strich und zug, als wie der wandersmann seine strasse Döbel
jägerpract. (1754) 2, 213
a:
die bestimmte richtung eines zuges von vögeln, wie herbststrich, frühlingsstrich,
dieser in der regel von süden nach norden, jener umgekehrt Behlen
forst- u. jagdkde 5 (1843) 729. B@1@c@aα)
speziell aber bezeichnet strich
das scharenweise, zu bestimmten zeiten auftretende fliegen der vögel: im herbst musz man nach meyszen vnd andern vOegeln richten, weil sie im strich seind, vnnd die storcken im frling suchen Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 153
a; den herbst musz man nach meisen richten, weil sie im strich sind Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Kk 3
b; im herbst ist ihr (
der blautaube) strich Fleming
vollk. jäger (1719) 144; des geflügels strich aber geschiehet nicht zu einer zeit, viele gattungen derselben bleiben auch beständig an einem orte
allg. haush.-lex. (1749) 3, 436
a.
der ausdruck strich der vögel
wird damit zum festumrissenen terminus der ornithologie: actio volandi et revolandi, sive reditus avium tempore veris Frisch
wb. (1741) 2, 347
b; '
das hin-und herziehen der vögel von einem ort zum andern wegstrich ... wiederstrich'
allg. haush.-lex. (1749) 3, 436
a.
dabei wird strich
ausdrücklich vom zug
geschieden (
wodurch eine begriffsreihe standvögel — strichvögel — zugvögel
gebildet wird, vgl. '
im gegensatze zu den ... standvögeln und den zugvögeln ... ziehen manche vogelarten, durch klimatische verhältnisse oder nahrungsmangel veranlaszt, innerhalb eines kleineren gebietes umher, sie streichen' Riesenthal
jagdlex. [
21916] 524
a;
s. auch strichvogel): '
wenn die vögel im herbste und vorwinter in mildere gegenden fliegen, um darin zu überwintern —
jedoch Europa nicht verlassen —
so nennt man dies: den strich der vögel.
fliegen sie aber in andere welttheile, so nennt man dies: den zug der vögel' Hartig
lex. f. jäger (1861) 509; nun ist auch diesen gantzen monat (
oktober) durch der beste schnepfenfang, denn nun fliegen sie um abendszeit aus den wäldern auf die äcker, und suchen allda nahrung, da musz man denn also um itzt genannte zeit zwischen den wäldern und feldern auf ihren strich achtung geben
allg. haush.-lex. (1749) 1, g 1
d; ich ... habe hier im spätjahre einen schnepfenstrich, um den mich alle nachbarn beneiden Ayrenhoff
s. w. (1814) 3, 60; ihr (
der sumpfschnepfe) strich ging im herbst ... immer etwas mehr südlich als westlich Naumann
vögel (1822) 8, 320; strich der fasanen ist das auswandern der fasanen aus ihrem gehege, welches sie in der regel vom october an bis zum december des morgens früh, besonders an neblichen, regnerigen tagen, gern unternehmen Weber
allg. lex. (1838) 575
a;
flug der schnepfe Bischoff
wb. d. geheim- u. berufsspr. 150; schtrich
der zug, ausflug der vögel Überfelder
Kärnten 227.
nur selten (
gegen die ornithologische terminologie)
vom flug der zugvögel: im winter, wo der strich der zugvögel schon vorüber ist Görres
ges. br. (1858) 3, 585. B@1@c@bβ)
an einzelne momente des vorstehenden gebrauchs lehnen sich besondere verwendungen an. B@1@c@b@aaαα) strich
bezeichnet vornehmlich die zeit des scharenweisen vogelflugs: nimb acht, wann kompt der lerchen strich, so wirt man gwisz versorgen dich mit eym jungen geraden knaben (1539) Wickram
w. 4, 77
lit. ver.; strich
heisset bey denen vögeln die zeit, wenn sie in grossen schaaren oder einzeln und zerstreuet von uns wegziehen allg. öcon. lex. (1731) 2379; Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 2839;
Noel Chomel öcon. u. physic. lex. 8 (1757) 1720; Hartig
forst- u. weidmannsspr. (1821) 173;
die zeit, wo vögel der nahrung wegen aus einer gegend in eine andere ziehen —
streichen —
ohne einen steten aufenthalt zu haben Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 6, 230.
gelegentlich auch erweitert auf die reisezeit der zugvögel: strich
nennt man im allgemeinen die zeit, wo die strich- und zugvögel wegziehen oder wieder zurückkehren Hartig
forst- u. weidmannsspr. (1821) 173; Weber
allg. lex. (1838) 575
a; Zeisz
dt. weidmannsspr. 122
a; Dombrowski
dt. weidmannsspr. (
41939) 229.
vgl. ferner: die begattungs- oder balzzeit der schnepfe Zeisz
dt. weidmannsspr. 122
a. B@1@c@b@bbββ)
eine schar, ein schwarm vögel auf dem gemeinsamen fluge; '
so viel dinge einer art, als miteinander in gesellschaft streichen, wo es doch nur von den vögeln üblich ist, ein strich lerchen, repphühner
u. s. f. ein flug, so viel als ihrer mit einander fliegen' (Adelung 4 [1780] 826): ein strich rebhüner
una compagnia di pernici Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
c; ein strich vögel
agmen avium Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 744; strich der vögel
agmen avolantium avium in hiberna Frisch
wb. (1741) 2, 347
b;
ein ganzer flug vögel Heppe
wohlredender jäger (1779) 357
a;
ein ganzer zug irgend einer kleinen vögelart Behlen
forst- u. jagdkde 5 (1843) 729; die mädchen plättern auf und davon wie ein strich rebhühner im feld Werfel
Bernadette (1948) 95; dar keem 'n langen strek möven anflegen
lange reihe Mensing
schlesw.-holst. 4, 881. B@1@dd)
wildbahn, wechsel (
im anschlusz an streichen A 1 b
α für die fortbewegung des wildes):
recessus, latebrae strich da sich ein fuchs auffhelt Schönsleder
prompt. (1618) Hh 2
a; strich des gewilds
recessus, latebrae Dentzler
clavis germ.-lat. (1713) 279
b; auf welchem holtz, in welchem thal das wild seinen strich hinausz habe Lorichius
institution u. bericht (1618) 95; der grösste strich des wildes ... ist entlang an den ufern des (
flusses) Ritter
erdkde 7 (1837) 312.
vereinzelt auch '
fährte, spur',
s. Schöpf
Tirol 720;
in spezieller verwendung: s wild ge
ht uf de
n strich
ist in der brunst Martin-Lienhart
elsäss. 2, 627
b (
vgl. streichen A 2 e). B@1@ee)
das ziehen der fische in schwärmen (
vgl. streichen A 1 b
δ): darumb hatt der bapst erlaubt daz man am feirtag hering mag fahen, so ir fand vnd ir strich ist, ia am sonnentag Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 191
b; ist vor allen dingen notwendig, das man wisse, was orts sie (
die fische) jren strich vnnd wonung haben Ryff
spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 56
a; das auch niemants auf der herrschaft pennwassern ân der herrschaft wissen sich unterstee wier (
wehr) zu schlahen, und sonderlich dardurch der visch sein strich nicht haben möcht (16.
jh.)
österr. weist. 6, 147; im glentz söllend dise fisch gantz schaarecht in die meerpfützen oder see jr strich nemmen Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 3, 23.
bes. der zug, die richtung stromaufwärts bei der nahrungssuche (
s. Adelung 4 [1780] 826); '
die richtung, welche die fische, wenn sie nahrung suchen, jederzeit dem strome entgegen nehmen, daher zu striche stellen,
d. i. mit den netzen sich danach richten'
encycl. wb. (1793) 9, 65;
ähnlich Adelung
a. a. o. und Weber
allg. lex. (1838) 575
a.
dagegen (
zu streichen A 2 e) '
die handlung ... des leichens' (Campe 4 [1810] 712
a)
sowie die begattung und die '
laichzeit, die zeit des streichens der fische' Frischbier
pr. wb. 381
a (
vgl. auch oben d '
brunst'): eine tonne der besten fische soll theurer nicht denn 5 mark, und da es guter fang wäre, darunter, und im strieche halb so viel
preusz. fischordn. bei Frischbier
a. a. o.; sein strich ist im may Göchhausen
notab. venatoris (1741) 341.
von hier aus '
die junge brut der fische'
allg. haush.-lex. (1749) 3, 436
a; 'strich
wird der junge saame der fische, insonderheit der karpffen genennet, wenn er zween sommer und einen winter gestanden' Zincke
allg. öcon. lex. (1744) 2839;
name für junge, höchstens einjährige karpfen Frischbier
pr. wb. 381
a: welcher von ihnen (
den fischern) kleinen heurigen strich verkaufen würde, dem sollten die garne genommen werden (1514)
script. rer. Silesiac. 3, 218; die hechte pflegen insgemein in einem frischen teich den strich zu fressen B. Feind
dt. ged. (1708) 146; denn es ist bekandt ..., dasz die strichteiche sehr seichte sein ... müssen, damit sich der strich drein halten könne
Bresl. slg. v. natur- u. medic. gesch. (1717) 3, 189; den strich soll man seiner schwäche halben ... den ersten sommer oder herbst nicht fortführen oder fortsetzen
Noel Chomel öcon. u. physic. lex. 8 (1757) 1720. B@1@ff) einen (jem., etwas) auf dem strich haben (
vgl. gleichbedeutendes jem. auf dem korn haben
teil 5,
sp. 1818
s. v. korn, jem. auf dem zuge haben
teil 16,
sp. 379
s. v. zug
und jem. auf dem kiker [
urspr. '
fernglas'] haben Böning
Oldenb. 54
a);
herkunft der redensart ist ungeklärt; herleitungsversuche bringen Borchardt-Wustmann-Schoppe-Schirmer
d. sprichwörtl. redensarten im dt. volksm. (1954) 477 (strich
als '
visierlinie'
eines gewehres, oder aber '
vogelfang'), Jecht
Mansfeld 109
a ('
pirschgang des jägers'), Crecelius
oberhess. 817
und Brendicke
Berliner wortsch. 179
b ('
korn'
als teil der visiereinrichtung des gewehres und damit dasselbe wie jem. auf dem korn haben),
ganz anders Seiler
Basel 281
a und schweiz. id. 11, 2029.
als allgemeiner sinn der redensart darf vielleicht angesehen werden: '
jem. (
oder etwas)
auf dem strich,
d. h. auf dem wege, in der richtung vor sich haben, beobachten, verfolgen, ihm nachstellen', '
es auf jem. (
etwas)
abgesehen haben': dort eilt ein censor, der gleichfalls etwas auf den strich hat Glassbrenner
Berlin (1833) 3, 26;
vgl. Damköhler
Nordharz 181
a.
einem mädchen nachstellen: die gute wittwe wuszte nicht, dasz dort der mann Anne Marei auf dem striche gehabt, als es bei ihnen gedient Gotthelf
schuldenbauer (1854) 305; gott weisz es sicherlich, hast du ein schönes mädchen auf dem strich Düring
Chaucer (1883) 2, 127.
insbesondere: jemanden auf dem strich haben '
gelegenheit erwarten und suchen, jemandem zu schaden' Lipperheide
spruchwb. (1907) 834
a; '
ihm nicht gewogen sein ... zu strenger beurtheilung ... geneigt sein' Spiess
Henneberg 246;
ihm auflauern, ihm aufpassen, seine versehen bald bemerken und rügen Anton
Oberlausitz 4, 14.
so vielfach in der mundart, vgl. noch Fischer
schwäb. 5, 1864; Gangler
Luxemburg 438; Brendicke
Berliner wortsch. 179
b; Albrecht
Leipzig 219
a; Betcke
Königsberg 60;
auch he hett em op'n strich '
traut ihm nicht' Mensing
schlesw.-holst. 4, 886: halt dich tapfer! die haben schon deinen Franzosen auf dem strich Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 4, 350; der betreffende schutzmann habe einen 'bick' auf den beklagten, er habe ihn auf dem strich
Frankf. journal v. 31. 7. 1873; director Butenops zorn ... gegen den requisiteur Krebs, den er immer auf dem striche hatte H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 29; hast kain hirba, kain haimat, kain'n schluff und kain'n schlich? wird da bedlvogt, faimat, und ham s' di afn strich? Stelzhamer
ausgew. dicht. (1884) 1, 173; so geriet ich mit unserem mathematiklehrer, der mich sozusagen auf dem strich hatte, ... in einen heftigen konflikt
M. Ring
erinnerungen (1898) 1, 39. B@22)
fortbewegung unbelebter dinge. B@2@aa)
in der unbelebten natur; lauf, bahn, weg kosmischer sowie meteorologischer erscheinungen: Venus, Mars und Jupiter, die planeten ructen sich, daz ich wol mercte iren strich, waz unserme lebene was beschert
passional 654
Köpke; der grösseste strich welcher jemahls von einem cometen durchwandert worden, erstrecket sich nicht über einen halben circul Weigel
himmelsspiegel (1661) F 4
b; wie ... wolken selbst und winde den gleichen strich unwandelbar befolgen Schiller 14, 318
G.; der höchsten wolken strich
freundschaftl. lieder v. Pyra u. Lange (1885) 131.
die zugrichtung eines unwetters, das dahinziehende unwetter: ein vngestmes donnerwetter, grewliches blitzen vnnd zugleich auch ein grawsamer sturmwind entstanden ... da sahe man zweyge vnd este, so von bAewmen geschlagen, in den lfften herfliegen, was an den schindeldachen im strich troffen ward in der stadt Spittal, sonderlich aber in dem gOew, ward schier alles zuschmettert Megiser
annales Carinthiae (1612) 1479; wo der strich hingangen, ist grosser schade geschehen
per dove quello striscio è andato il danno che havra fatto, sarà considerabile Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; 5 meilen von hier hat es (
ein starkes gewitter) einige häuser und viele scheunen angezündet, auch an denen orthen, wo der strich hergangen, das korn solchergestalt verletzet und niedergeschlagen, dasz man es abmehen müszen (1717)
Berliner geschrieb. zeitungen 22
Friedländer; aus dem strich des ersten donnerwetters und der situation von diesem merckte ich, dasz uns dieses auf das korn gefaszt hatte (1781) Lichtenberg
br. 1, 382
Leitzm.-Sch.; das wetter hat diesen strich genommen
l'orage s'est tourné de la côte là; auf dem ganzen striche, den das wetter genommen, ist alles niedergeschlagen
tout est abattu aux endroits où l'orage a passé Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; jetzt begannen die hundertjährigen hochwaldbestände zu fallen und auch sofort dem strich der hagelwetter den durchlasz auf die weinberge und fluren zu öffnen G. Keller
ges. w. (1889) 5, 273.
entsprechend auch der vom unwetter bestrichene geländestreifen: in dieser zeit hatten wir hagelschlag diesseits und dann übern see weg auch jenseits, aber in so einem schmalen strich, dasz wir uns anfangs nicht viel darum bekümmerten (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 46
Schulte-K. B@2@bb)
von der luftbewegung; das (
stetige)
wehen des windes (
zu streichen A 6 a),
der luftzug: alle vöglein dauchten mich lieblicher als vor zu singen, und der westwind mir zu bringen kühlre lüfftlein, kühlern strich (1657) Silesius
heilige seelenlust 199
ndr.; aber es war nur der Sitter rauschen oder des windes strich in den tannenwipfeln Scheffel
ges. w. (1907) 1, 257; jetzt weckte ihn ein empfindlich kalter strich der morgenluft auf Kürnberger
nov. (1861) 2, 183.
das (
weiträumige)
strömen des windes: aber die nordt vnd westwinde haben aus Polen vnd der Marckt einen freyen strich auff Schlesien Rätel
J. Curäi chronica (1607) 272; in der stadt Glatz giebet es harte und rawe, jedoch gesunde lufft, darumb ... weil die morgenwinde sonderlich jhren striech in diese stadt haben Aelurius
glaciographia (1625) 264; und regieren daselbst der ostwind ... der schöner wetter, und der westerwind, der regen ... zu bringen pflegt, indem sie der Donau nach geraden strich und widerstrich nehmen mögen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 25.
die zugrichtung des windes (
vgl. Adelung 4 [1780] 826): (
der hirte) kann der winde strich, den lauf der wetter sagen (1729) Haller
ged. (1882) 31; diess thier lässt seine grube an verschiedenen orten, gegen verschiedene winde offen, und da es voraus empfindet, aus welchem striche der nächste wind wehen wird, so stopft es das loch gegen diesen wind zu Bode
Montaigne (1793) 3, 332; sein orakel war ein igel, der that den strich des winds ihm kund Pfeffel
poet. versuche (1802) 7, 123. B@2@cc)
die fahrtrichtung, der weg eines schiffes, sein kurs; strich
bezeichnet zunächst (
gemäsz 1 a)
die fortbewegung des schiffes, das segeln, sowie dessen richtungsverlauf, den weg; hierher vielleicht schon ein früher beleg des 14.
jhs. (
falls nicht, entsprechend 3 b
α,
als '
meeresteil'
aufzufassen): mitten auf dem mer do entgegnet uns ein gross schef ... mit demselben wurden wir zu rat unnd liessen den weg, den wir gefaren wolten sein zwischen Tredo unnd Barbaria, denselben strich verliessen wir und furen zwischen Crete und Romania (1346)
bei Röhricht
pilgerreisen (1880) 49; wie die alten vnd erfahrnen schiffleute ihren strich vnd schiffart ... nach dem gestirn, so der grosse oder kleine beer genandt wird, richten Mathesius
Jesus Syrach (1586) 32
b; darausz dann zuschliessen ist, dasz der curs und strich ... nit auff novam Zemblam zurichten seie Röslin
mitternächtige schiffarth (1610) 28; dieses schiff hält einen guten strich
ce vaisseau marche bien, a un bon sillage Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; strich
der weg, lauf oder die richtung eines schiffes encycl. wb. (1793) 9, 66. —
dieser wortinhalt fällt —
da auf hoher see die fahrtrichtung an hand des kompasses ermittelt und in (
kompasz-)strich
angegeben wurde —
mit dem gebrauche von A 1 g
α zusammen; den strich verändern (Fäsch
kriegslex. [1735] 860
b)
heiszt '
kompaszstrich und kurs verändern' (
vgl. '
ein schiff verändert seinen [
kompasz-]strich,
wenn es seinen cours verändert' Röding
wb. d. marine [1793] 2, 745);
entsprechend (den) strich halten: soll man ein lastschiff führen, so muss man nicht nur stets nach wind und nordstern spüren, man muss, ... wenn stete schläg auf schläg ietzt bret und kiel zu trennen, offt weichen von dem strich, auf den der botsmann sieht (1660) Gryphius
trauersp. 581
lit. ver.; die flotta, die sie begleitete, vielmal in gefahr desz schiffbruchs gewesen, und von ihrem strich abgetrieben worden (1674) Widmann
Fausts leben 249
lit. ver.; wie die winde so geschwinde kann sich nutz und vortheil drehn. die am ruder klüglich walten, sind nicht trotzig, strich zu halten, sondern wenden oder länden so wie flagg und wimpel wehn Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 74; manchmal wurde der wind gar zu schwach, dasz er die seegel nicht recht fassen, noch das schiff im wasser halten konte, dasz es keinen rechten strich hielt, sondern auf denen langen wellen hin und her schwankete
d. Leipziger avanturieur (1756) 2, 83; da jederman wusste, dass man nicht graden strichs mit vollem winde segeln kann Bode
Tristram Schandi (1774) 4, 53; auf diesem striche waren wir kaum eine stunde lang fortgesteuert, als wir ein hohes gebirge erblickten J. G. Forster
s. schr. (1843) 2, 409.
so auch im bilde: meine schreib laune hält, wie sie schon wissen, einen besonderen strich, und wenn dann einmal der passatwind eintritt, so ist offt die ladung so fürchterlich grosz, dasz ich lieber gar nicht segle Lichtenberg
br. 1, 282
Leitzm.-Sch.; trotz alles dessen, was du da vorbringst, bin ich entschlossen, meinen strich fort zu laviren, und sollt ich nur 6 punkte vom wind haben Kotzebue
s. dram. w. (1827) 1, 112; nun ist dein held nur noch ein wild für mich! ja, hätt er strich gehalten, wär er sicher, doch wuszt ich wohl, es werde nicht geschehn Hebbel
s. w. 4, 130
Werner; hij hondt de regte streek
wer den richtigen weg zum ziele einschlägt Lüpkes
seemannsspr. (1900) 53; 'n annern strich lopen
eine andere richtung nehmen Nerger
plattdt. 361
b. B@2@dd)
gelegentlich der weg, die ausdehnung und fortpflanzungsrichtung elementarer gewalten wie feuer, aufruhr, seuche, erdbeben: late wagatus ignis streyfft oder greyfft weyt vmb sich, hat einen weyten strich oder schwanck genommen Frisius
dict. (1556) 758
b; die auffrur ist nicht in unserm furstenthum noch in Hessen auff kumen, sonder auss Franckenlant ober den walt sind von Mulhaussen und den strich hirein auff herzog Jorgen boden ist sie komen Luther 19, 279
W.; darinnen man vermerckt hat, das die pestilentz allzeit iren strich habe zum nidergang der sonnen Eppendorff
Plinius (1543) 7, 31; von der weiten ausbreitung der erdbeben in grosze länder, von dem striche, den sie halten Kant
w. 9, 30
Hart. B@2@ee)
der verlauf der zeit, ein zeitraum: in des selbin jâris strich Nicolaus v. Jeroschin
kronike v. Pruzinlant 17 872; 21 306; 25 268
Strehlke; strich der zeit
lapsus temporis, tractus annorum Stieler
stammb. (1691) 2198; ich meyne aber hiermit nicht allein das, was diszfalls in den gantz letzten jahren heraus kommen ist, sondern auch, was aus dem vorhergehenden strich der zeit mit dahin gehöret Francke
monita pastoralia theol. (1717) 110; dasz er ... in demselben strich der zeiten, denen wir angehören, gelebt habe Woltmann
memoiren (1815) 1, 4; einen kurzen strich lang schauten sich bauer und sohn verwundert und misstrauisch zugleich an O.
M. Graf
unruhe (1948) 230. B@2@ff) strich
als '
innegehaltene lebensrichtung, lebensweise' (
z. t. an seemännisch strich '
kurs'
angelehnt): so ging es auch dem vögelein: es wollte was besondres sein; ein ausderspur und ein fürsich hielt's einen gar selbsteignen strich ... wollt gar im winter nester baun Arndt
w. 5, 227
R.-M.; wie gehts hier auf dem land? lebst du den alten strich? Müllner
dram. w. (1828) 6, 61; ich ... lebe meinen strich Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 143.
etwa '
der rechte lebensweg'
in der redensart: auf dem striche seyn
auf dem flecke, auf dem platze seyn, d. h. gesund, munter seyn Anton
Oberlausitz 13, 11; uffn striche sinn
munter, gesund sein Jecht
Mansfeld 109
a; he is recht (good) op 'n strek
es geht ihm gut Mensing
schlesw.-holst. 4, 881; hij is weer op zijn streek gekomen
er ist wieder zurecht (
hergestellt), hij is van zijn streek
er ist unwohl Lüpkes
seemannsspr. (1900) 53. B@2@gg)
ein gewehr hält (schieszt) strich,
seine geschosse weichen nicht vom richtungsverlauf der idealen geschoszbahn ab (
gegenteil: das gewehr streut,
s.streuen C 5 c
α): die büchse hält keinen strich
heiszt: die büchse schieszt die kugeln bald rechts bald links Hartig
lex. f. jäger (1861) 509; die büchse hält strich,
wenn die kugeln bei genauem abkommen ohne seitliche abweichung stets in einer senkrechten sitzen Dombrowski
dt. waidmannsspr. (
41939) 229; das schrotgewehr hält strich,
wenn es sehr wenig streut, die büchse hält strich,
wenn das geschosz von der vertikalen nicht seitlich abweicht Zeisz
dt. weidmannsspr. 122
a. B@33)
die erstreckung, die ausdehnung der länge nach, der richtungsverlauf fester dinge und körper, vgl. streichen A 5. B@3@aa)
ausdehnung und verlauf geologischer gebilde, ihrer schichten und erzadern: daz gebirge Caucasas, das strecket sich — als ich ez las — mit sô langem striche dâ daz Asîâ und Africâ mit sînem joche scheident sich Rudolf v. Ems
Alexander 20 815
lit. ver.; nún isiln sint dabi gelegin, die heizent Stecades, der strich gein Marsilie streckit sich
ders., weltchronik 2534
Ehrismann; von dem gebirg Aleman vnd seinem strich Stumpf
Schweizerchron. (1606) 457
b; (
der) gangführet einen kurtzen strich, ist ein gang, der sich bald wieder verlieret Schönberg
berginformation (1693) 2, 34; streichet der gang nicht weit ins feld und verlieret sich bald wieder, so saget man, der gang führet einen kurtzen strich Herttwig
neues und vollk. bergbuch (1734) 150
b; wären die gebirge kahl und ohne dammerde, so würde man den ganzen strich der gänge und klüfte dem gebirge nach sehen (1806) Delius
bei Veith
dt. bergwb. (1870) 476; der strich dieses granitgebirgszuges geht ... vom osten nach westen Ritter
erdkde (1822) 1, 698; (
des flusses) lauf ist von n.o. gegen s.w. parallel dem strich des nordöstlichen Baikalgestades
ebda 3 (1833) 51.
vereinzelt auch von wäldern: gibt es kein specielles, gelehrtes werk über strich, namen und geschichte der groszen wälder in Deutschland?
br. d. brüder Grimm
an Benecke 64
W. Müller. der gebirgszug, die gesteinsschichten, erzadern selbst: zeucht sich ein strich von disem gebirg gegen mittag Stumpf
Schweizerchron. (1606) 619
a; dasz ... der vornehmste strich der gebirge Europens aus einem hauptstamme, nämlich den Alpen, gegen westen durch die südlichen provinzen von Frankreich, mitten durch Spanien ... sich erstrecke (1756) Kant
w. 9, 42
Hart.; diese einzelnen, aus der ganzen jüngeren gebirgsmasse hervorragenden ... felsen und striche, die aus ur- oder grundgebirgen bestehen sollen Ritter
erdkde (1822) 1, 114; jhren venulis oder fibribus, also jhren strichen vnd gengen Thurneysser
magna alchymia (1583) 66;
cephalica, basilica, mediana, subterraneus est tractus ein gang, ein strich von ertz Corvinus
fons lat. (1646) 944; gang ist ein strich, so das gestein entzwey schneidet Schönberg
berginformation (1693) 2, 33; ertzstrich im bergwerck
vena di metalli nelle miniere Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
c; strich
ein kunstwort der schwedischen bergleute, und bedeutet das eine oder andere theil eines kohlflötzes vom schacht weg, dem steigen und fallen nach betrachtet bergm. wb. (1778) 537
a. B@3@bb)
erstreckung, ausdehnung, mehr oder minder stark der konkreten bedeutung '
strecke, weg'
sich nähernd: ostirhalp ein marche angat an dem roten mer und streckit sih westirt: einin verren strich tuot ez sin undirscheit irchant unz an Libiam das lant Rudolf v. Ems
weltchronik 1999
Ehrismann; (
sie) waren auch darvon geflohen, kamen also ain gueten strich vom haufen
Zimmer. chron. 3, 175
Barack; Jona sey eine tage reysse weyt hynein gangen und habe gepredigt. das, acht ich, sey ein ort und strich, den man ym tage mocht durch spaciern Luther 19, 234
W.; dieser strich (
von der Weichsel bis zur Brednitz) halt fast 20 meilen Rätel
J. Curäi chron. (1607) 269; alwo man durch die klippen einen zimlichen strich in das land hinein sehen konte A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 3, 868; es ist noch ein guter, weiter strich hin
ci è ancora un buon tratto, una buona scorsa Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; es ist noch ein guter strich dahin
eine strecke Adelung 4 (1780) 827; obgleich unser gepäck viel später, als wir ... kam, so legten wir doch noch heute einen ziemlichen strich weges zurück Burde
erz. v. e. gesellsch. reise (1783) 268; als ich bald darauf meine freunde in Aalen besuchte, und einen kleinen strich durchs Ellwangische reisen muszte Schubart
leben 2 (1793) 95; strêk
strecke Böning
Oldenburg 109
a. B@3@cc) '
ein strich oder breite der erden, sampt dem vberschwebenden theil des himmels' (Corvinus
fons lat. [1646] 194
s. v. zona);
in dieser verwendung schon ahd.: zone strichi (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 628, 16
St.-S. (
Vergil Georg. I 233:
quinque tenent caelum zonae),
und zur gleichen Vergil-stelle: zona stricha 2, 686, 31.
vgl. auch nhd. erdstrich, himmelsstrich
bestimmt begrenzte theile der erd- und himmelskugel Campe 4 (1810) 713
a: Hephaestias, ein statt in der insel Lemno in dem strich gegen auffgang gelegen Calepinus
onomasticon (1605) 146
a; ihr schreiben ... war mir die angenehmste erscheinung unter diesem himmels strich Klinger in:
Göthejahrb. 3, 249
Geiger. B@3@c@aα)
in breiter anwendung '
ein sich der länge nach ausdehnendes gebiet, landstrich'; langer strich des ertrichsz (15.
jh.) Diefenbach
gl. 591
a s. v. tractus; tractus ein strich landes, der sich wohin zeucht, eine landschafft Corvinus
fons lat. (1646) 908; '
ein sich in unbestimmter länge erstreckender theil der erdfläche' Adelung 4 (1780) 827: ein andir lantmarche unde strich vahit an als Tigris gat unz an Eufraten: das hat witer kúnicriche vil Rudolf v. Ems
weltchronik 1877
Ehrismann; daher nennet sich Sanct Paulus ... eynen lerer und apostel der heyden, denn er hatt denselben strich der lincken seytten des mehriss bepredigt Luther 10, 1, 1, 545
W.; was von Mentz harauf ... bis an das Alpgebirg ... reichet und über den Bodensee ... bis an Peyern, wellichen strich man ouch in dem land ze Schwaben zellet J. v. Watt
dt. hist. schr. 1, 37
Götzinger; litus, non maris tantum extremitas est (
sicut fluminis ripa)
verum omnis etiam terra, quae mari alluitur ein land oder strich so ans meer rüret, ein vber am meer Faber
thes. (1587) 457
a; vnd ist hernach der strich am Mayn das Franckenland genennet worden Binhardus
thür. chron. (1613) 9; wolte er ... ihm den strich landes zwischen der Elbe und dem flusse Luno ... abtreten Lohenstein
Arminius (1689) 2, 601
b; von Mainland an reicht sein gebiet ins Mittelmeer, und an des Herculs seulen; ein strich von tausend teutschen meilen Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 34; dieses war ein abrisz eines groszen striches von Europa, in gestalt einer landcharte, die vom äuszersten ende Spaniens bis ans andre ende von Europa geht
anmuth. gelehrsamk. 1, 70
Gottsched; der ganze strich längst der thüringischen gränze zwischen der Elbe und Saale Eichhorn
dt. staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 289; was zuerst die örtlichkeit angeht, so hält das volkslied in Deutschland ungefähr denselben strich, wie das minnelied. die ganze länge des Rheins die Schweiz, Schwaben und Franken, Baiern, Tirol und Österreich haben das eine und das andere hauptsächlich gepflegt Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 263; es mag wohl sein, dasz zur zeit der völkerwanderung mancher strich am heerwege ... für lange menschenleer wurde Steub
drei Sommer in Tirol (1895) 2, 29;
landstrich, feldstrich in sellem strich is
t s fueter g
erote
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 625
b.
seltener für einen teil des meeres: auch ist gemeldt, es sei daselbst ein sinus oder strich desz meers, so von den alten Astacenus genannt, heutigs tags goldfinger Lewenklau
neuwe chronica Zürch. nation (1590) 300; da die anzahl der beiderseitigen schiffe sehr gros war, und einen weiten strich auf der see einnahm Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 59; strich, seestrich
eine strecke der see unter irgend einer latitudo. in diesem verstande sagt man: es ist ein guter strich zum kreuzen, ein strich, wo viel schiffe passiren Röding
wb. d. marine (1793) 2, 745;
ähnlich Campe 4 (1810) 713
a; Bobrik
naut. wb. (1850) 674
b. B@3@c@bβ)
häufig mit verdeutlichendem zusatz, vgl. oben α strich des ertrichsz (Diefenbach),
gewöhnlich aber 'ein strich landes
pars regionis' (Stieler
stammb. [1691] 2198): so die hOeuwschrecken etwan einen flAecken oder strich eines landes verwstend Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 2, 54
a; es bewohnten vorzeiten diesen strich landes die Alemannier Birken
Donaustrand (1684) 28; ein langer strich landes gieng einst ... weit in das meer hinaus Gessner
schr. (1777) 1, 155; den ganzen strich landes, was über der Donau liegt von Ingolstatt-Regensburg-Straubing bis gegen Passau (1778) L. Mozart in:
br. W. A. Mozarts 3, 330
Schiederm.; der schaudernde strich landes, worüber die pest gieng Schiller 3, 486
G.; ein schöner strich landes Göthe IV 11, 180
W.; ein kleiner strich landes Treitschke
dt. gesch. (1897) 1, 571; ein strich polnischen landes Meinecke
Boyen (1896) 1, 378.
ähnlich von einem nicht-irdischen bereich: der himmel hält vor deinem gesichte nichts verborgen, und der tiefe strich der hölle nichts Bodmer
slg. crit.-poet. u. geistvoller schr. (1741) 1, 3.
komposita entziehen sich der genitivischen konstruktion: ein groszer strich waideland Schiller 9, 39
G.; durch einen breiten strich sand und haideland waren diese orte von polnischen gütern getrennt G. Freytag
ges. w. 5 (1887) 137; bedeutenden strich sumpf- und moorland Schwappach
hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 100. B@3@c@gγ)
schon in älterer sprache ein sich nach allen seiten gleichmäszig erstreckendes gebiet, der bereich, bes. in der wendung einen weiten strich haben '
sich weithin erstrecken, ausdehnen': mîn gewalt hât sô wîten strich beslozzen und bevangen Ottokar
österr. reimchron. 13 378; ich bin ein goukel prediger, des herze tiefer lêre ist lêr: doch wizzet daz si wîten strich hât in der werlde al ümme sich Hugo v. Trimberg
renner 11 753
Ehrismann; eyâ got herre, wie wîten strich diu selbe pfarre hât üm sich
ebda 13 501; ein par adler muoss einen weyten strich zuo rauben vmb sich haben Heusslin
Gesners vogelbuch (1557) 2
a.
auch sonst kann die vorstellung einer erstreckung der länge nach zurücktreten, strich
steht für '
gegend, landschaft'
schlechthin; vgl. die lexikalischen glossierungen: tractus strich, glend, gegne, gelAegenheit, strom, landtschafft Frisius
dict. (1556) 1321
b;
tractus regio, plaga, landsrifier, strich, gegne, gelegenheit, landtschafft Calepinus
XI ling. (1598) 1477
b; craisz, zirck, strich
circus, circulus, tractus, regio, plaga Henisch
thes. (1616) 617;
dioeces ein kirch-spiel, strich landes Apinus
gl. nov. (1728) 182.
entsprechend in literarischen zeugnissen, wo zuweilen pluralische verwendung striche
den unbestimmten inhalt '
gegend, landschaft, gebiet'
hervorhebt: das es bey euch ynn ewrem strich gleich und eynerley seyn und nicht so zu ruttet, anderst hie, anderst da gehalten werde (1525) Luther 18, 419
W.; Luitgard ..., die Othonen, des sächsischen striches hauptmann und frsten, zu der ehe genommen Megiser
annales Carinthiae (1612) 585; es ist in dem Crackauischen striche eine sehr grosse see Prätorius
anthrop. pluton. (1666) 2, 76; die striche und gegenden der neutralen puissancen Fleming
vollk. soldat (1726) 214; so musz der schönste strich der erden zur schreckenvollen wüste werden Gellert
s. schr. (1839) 3, 104; grosse striche (
in Deutschland) sprechen ganz und gar eine fremde sprache Herder 17, 257
S.; die Franzosen in diesen gegenden sind sehr demüthig, der strich ist arm und wird von den durchziehenden soldaten genug mitgenommen (1814) J. Grimm
an Wilhelm in: briefw. a. d. jugendzeit (1881) 235; und der weise, zieht er aus in des ostens glühnde striche, tragt als beute sich nach haus fremder lehre tiefe sprüche Freiligrath
ges. dicht. (1870) 1, 136; zu den waldfreien strichen Deutschlands gehörten damals vor allem die groszen flächen, die von 'waldsteppen',
d. h. von steppenartigem grasland mit wäldern abwechselnd eingenommen waren Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 4.
gelegentlich auch für kleine und kleinste gebiete, etwa im sinne von '
flecken': auf ackerbau hielten sie nichts, und niemand besasz einen gewissen strich eigenen landes Reimarus
wahrheiten d. nat. relig. (1766) 49; sie vertheilten sich den grund ... und jeder baute seinen strich nach eignen regeln Pfeffel
poet. versuche (1802) 5, 82; freunde ..., mit denen ich in der nähe herumzog und dabei selbst so schöne winkel und striche entdeckte, dasz ich eines eigenen reischens überhoben war (1857) G. Keller
br. u. tageb. 2, 456
Ermat. dazu die redensart: so bi den strêk herum
da etwa Böning
Oldenburg 109
a.
im bilde: es gebe in der moralischen welt auch sandige striche in denen nichts wächst S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 172;
und in übertragenem sinne '
der bereich': die gewöhnliche lebenschronik eines gebildeten ist meist monoton.
dagegen giebt es tausende von entwicklungen, die sich nur im niedersten striche des strebens hielten und doch wie so dumpf ... auf plattem boden hinkrochen wie die lebensmomente der bevorzugten klassen Gutzkow
ges. w. (1872) 1, 34. B@3@c@dδ)
andrerseits verbindet sich die vorstellung von einer ausdehnung der länge nach mit der bedeutung '(
schmaler)
streifen' (
vgl. oben A 2). B@3@c@d@aaαα)
die streifenähnlich zwischen äquator und pol gelegenen, west-östlich sich erstreckenden zonen unterschiedlichen klimas (
vgl. der heisse erdstrich
zona torrida Adelung 4 [1780] 827
a);
daran angelehnt gern von landschaften, deren klimatische lage hervorgehoben werden soll: denn blitzt Aurorens aug, da unser strich erblasset, die gegenfüszler an, die unsern tag gehasset Wieland
ges. schr. I 1, 86
akad.; in dem wärmsten striche von Indien
ders., Agathon (1766) 1, 112; die hohen striche Siberiens, die nicht nur den kalten nord- und nordostwinden ausgesetzt, sondern auch ... vom erwärmenden südwinde abgeschnitten sind, muszten also ... auch noch in manchen südlichen strichen so erstarrend kalt werden, als wir sie aus beschreibungen kennen Herder 13, 43
S.; dasz der ganze nordliche strich der europäischen länder erst später aus dem meere hervorgetreten Fr. Schlegel
s. w. (1846) 6, 223; vielleicht in noch mehr strichen des nordens leben überlieferung und formel wieder unter andern umständen fort J. Grimm
kl. schr. (1864) 2, 24; die in mildern, träger machenden strichen wohnenden Markesaner, Tahitier und Hawaier Ratzel
völkerkunde (1885) 2, 204. B@3@c@d@bbββ)
in schmalen längsstreifen sich erstreckende teile auf der erdoberfläche; bodenerhebungen, gebirgszüge u. dgl. (
vgl. dagegen oben a): ein langer strich gebirges
a great ... track ... of hills Ludwig
t.-engl. (1716) 1898; gegen abend zu fällt einem ein grosser strich berge ... in die augen Rohr
Unter-Hartz (1736) 327; nach fünf stunden pläne wird Rom gegen nordost von einem strich gebürgen eingefaszt, die fernerhin immer weiter fortsteigen (1782) Heinse
in: br. zw. Gleim, Heinse u. v. Müller 2, 400
Körte. sich in streifen dahinziehende teile der flora: eine hecke ... hinter welcher ein strich bäume, die sich in die weite erstreckten, angieng Opitz
merkw. nachrichten (1752) 2, 430; jährlich wurde ein strich des unbrauchbaren waldes verbrant Haller
Alfred (1773) 249; dann wies er mit der hand ... auf einen strich verkrüppelten buschwerks Storm
s. w. (1899) 1, 206.
entsprechend als flurname: walddistrict (
als localname in der wustung Gaulshausen) Spiess
Henneberg 246.
ein vor allem seitlich eng begrenzter schmaler streifen bodens: diese ... bergzüge laufen von
s. nach
n. ..., wodurch in der tiefe des (
Nil-) thales ... nur ein sehr schmaler strich culturbares land übrig bleibt Ritter
erdkde (1822) 1, 702; strich feldes
actus Stieler
stammb. (1691) 2198; acker-
ò feldstrich
tratto, scorsa di campagna Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; zween bauren ... stritten sich wegen eines ziemlich schmalen strichs ackers Abbt
verm. w. (1768) 4, 174
anm.; schtrich
stück land, en schtrich weiten, hâwer Damköhler
Nordharz 181
a; strêk,
m. u. n., strich, stück unbearbeitetes, rohes ackerland Frischbier
pr. 2, 380
a.
schlieszlich kann pluralische verwendung des wortes (
bzw. die wendung von strich zu strich)
andeuten, dasz sich eine landschaft in aneinandergereihten langgestreckten streifen darstellt: rund umher an allen höhen schöne und blühende grüne matten ..., von strich zu strich kleine kapellen und häuser Görres
ges. br. (1858) 1, 198; waldiges, sich verlierendes bergland und weiter hinaus noch die nebelverschwommenen striche der ebene Barth
Kalkalpen (1874) 299. B@3@c@d@ggγγ)
fraglich, ob hierher: strich, streck
in den marschen des herzogthums Bremen eine, längs den häusern und reihen von bäumen vorbey gehende, lange strasse, die auch manchmal mit steinen gepflastert ist Jacobsson
technol. wb. 7 (1794) 475
b;
ähnlich Benzler
lex. d. beym deichbau vork. kunstwörter (1792) 1, 289;
encycl. wb. (1793) 9, 66; Weber
allg. lex. (1838) 575
c. B@3@dd)
die (
natürliche oder aus gründen des geschmacks absichtlich herbeigeführte)
gleichmäszige richtung mehrerer bei- und nebeneinander (
bzw. gebündelt)
liegender fäden, fasern oder haare, ihr verlauf, ihre lage (
häufig in präpositionaler wendung mit dem strich, gegen den strich '
mit, in der bzw. gegen die [
natürliche]
richtung');
von fäden im gewebe: der selbe pfelle der tet sich an den valt und an den strich alse nahe und alse wol, als ein pfelle beste sol Gottfried v. Straszburg
Tristan 11 124
Ranke; die klare wäsche ... mit der heissen platte nach dem strich überfahren Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 1500; (
die spulen) werden mit gröberm und feinerm garn in der ordnung aufgesteckt, wie das muster oder vielmehr die striche im gewebe es erfordern Göthe I 25, 1, 119
W.; der strich eines zeuges
die richtung, nach welcher die fäden desselben laufen Campe 4 (1810) 712
b; me
n dörf s tuech nit geje
n de
n strich bürste
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 625
b; (
dazu die redensart nach strich und faden '
tüchtig, gründlich',
wohl von den beiden sich kreuzenden fadenrichtungen des gewebes, kette und einschlag, s. Borchardt-Wustmann-Schoppe-Schirmer
die sprichwörtl. redensarten [
71954] 129);
von muskelfasern: und soll der erste schnitt wider desz fleisches strich oder faden geführet werden
trincirbuch (1652) 68;
tagliar la carne ... a contrafilo das fleisch wider den strich schneiden Kramer
dizz. (1676) 495
a.
von der maserung des holzes: tagliar il legno a contrafilo Kramer
a. a. o.; mit, nach dem strich (
des holzes)
col filo del legno ders., t.-it. 2 (1702) 1003
a; der strich des holzes
die richtung, nach welcher die holzfasern gehen Campe 4 (1810) 712
a.
häufiger von der richtung der haare (
evtl. auch federn)
bei stoffen, tuchen, besonders bei langhaarigen geweben wie samt, filz u. dgl., wobei diese haare oft durch streichen ihren gleichmäszigen strich
erhalten: strich
kömmet bey denen tuchmachern und scheerern vor, und ist am tuche wie die haare gesetzt oder gestrichen werden Beier
handwercks-lex. (1722) 420
a; der strich des tuches
le poil du drap, ein tuch, einen sammet gegen den strich bürsten
brosser un drap, un velours à contre-poil, à rebrosse-poil, einen zeug nach dem striche legen
prendre une étoffe selon le poil, einem tuche den strich geben
lainer, laner, tuiler, ranger le poil d'un drap Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735; dem tuche wird der strich gegeben, wenn man es, im rahmen ausgespannt, mit einer langen bürste bürstet
encycl. wb. (1793) 9, 66; ein kleid, einen hut nach dem striche bürsten Campe 4 (1810) 712
b; (
es) werden die haare (
des filzes) an der oberfläche ... parallel gezogen, wodurch dem ... strich vorgearbeitet wird Karmarsch-Heeren
techn. wb. 4 (1880) 440.
die lage natürlichen haarwuchses bei mensch und tier: die lage der locken ist nicht die alte ... der gewohnte strich, der fall der haare ist gestört Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 2, 362; (
das körperhaar des Gorillas) hat ... seinen strich von vorn ... nach hinten Brehm
tierl. 1, 59
P.-L.; die ... häute werden ... mit der haarseite nach oben und den strich der haare aufwärts auf den schabebaum gelegt Muspratt
chemie (1888) 3, 1260.
in besonderen verbindungen; gegen (wider) den strich, nach (mit) dem striche rasieren, streicheln
u. dgl., d. i. mit der bzw. gegen die natürliche richtung des haarwuchses: ich will ew. gnaden umsonst scheeren, nach dem striche und wider den strich, wie sie es verlangen Rabener
s. schr. (1777) 3, 49; der barbier rasiert mit dem strich und gegen den strich Fischer
schwäb. 5, 1863; ihr habt mich nie gegen den strich gestreichelt (
sagt der kater) Tieck
schr. (1828) 5, 180.
in redensartlicher übertragung gegen (wider) den strich
gegen den natürlichen, den normalen lauf der dinge, gegen die ordnung: je härter es wider den strich geht, desto getreuer musz man gegen sich selbst seyn Lichtenberg
verm. schr. (1800) 2, 169; dazu müszte der unverstand erst wieder zu verstande werden, und das will zeit und weile haben in Teutschland, weils eben gegen den strich anläuft; das gegentheil geht schon leichter von statten (1822) Görres
br. 3, 27; warum treten die begebenheiten so gegen den strich bei dir ein? Tieck
ges. nov. (1835) 1, 120; denn dies war gänzlich wider die ordnung und wider den strich zu Seldwyl, dasz da eines wie vom himmel geschneit als ein gemachter mann und general herkommen sollte G. Keller
ges. w. (1889) 4, 26; ein denker kann sich jahre lang zwingen, wider den strich zu denken: ich meine, nicht den gedanken zu folgen, die sich ihm von innen her anbieten Nietzsche
w. (1895) 4, 329.
in moderner zeit geläufig mit dem dativ der person, wobei das moment des persönlichen unbehagens (
wie es ähnlich die tiere beim streichen gegen strich äuszern, vgl. hierzu auch Borchardt - Wustmann - Schoppe - Schirmer
d. sprichwörtl. redensarten [
71954] 478)
den sinn der redensart beherrscht; etwas geht einem wieder (!) den strich
paszt ihm nicht (Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 576
a): als Bismarck nach beendeter (
thron-)rede dem jungen herrn die hand küszte, that er etwas, das uns bürgerlichen menschenkindern sehr gegen den strich wäre (1888) G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 158; die überschwenglichkeit ihrer empfindung ... geht ihm auch sonst gegen den strich
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 2, 238; das wesen dieses pastors ging ihm geradezu gegen den strich Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 54; wenn ihm (
dem dechanten von Lourdes) etwas gegen den strich geht, bekommt er unziemlich brennende augen Werfel
Bernadette (1948) 299;
vgl. noch Rovenhagen
Aachen 142
a; Heinzerling-Reuter
Siegerland 247
b;
luxemb. ma. 429
a; Fischer
schwäb. 5, 1863;
schweiz. id. 11, 2034. CC.
mehrere voneinander unabhängige gebrauchsweisen stellen sich zu streichen B '
streifend über etwas hinfahren'. C@11)
das dahinfahren über etwas mit der hand; als '
streichung, reibung, massage' (
zu streichen B 2)
dürfte wohl eine glosse des 11./12.
jhs. in einem alphabetischen glossar zu verstehen sein: frica strich
ahd. gl. 3, 499, 39
St.-S. in ähnlichem sinne erst wieder im nhd.: als sie ... nur ... seufzer ausstiesz, fürchtete ich, sie könnte mir, angereizt durch die unwillkürlichen striche, die ich ihr, um den puls zu fühlen, auf die haut gab, ... somnambul werden Gutzkow
ges. w. (1872) 5, 29. '
magische bestreichung': verhext wird durch über den rücken streichen, durch einen gegenstrich wird die wirkung aufgehoben. der strich geht meist verkehrt,
d. h. gegen die haare
hdwb. d. dt. abergl. 8, 1576.
das liebevolle streichen, das streicheln. (
zu streichen B 3): die unkostbahren tcher, so du um dich getahn, betasten frey und sicher die ssse wollust an: den handen, die doch beben wird so ein linder strich nicht zugegeben Stieler
geharnschte Venus 125
ndr.; ihr kusz auf die kleine stirn des mädchens, ein sanfter strich auf ihr glänzendes haar Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 8, 64.
das leichte dahinfahren über den bart (
entsprechend der geläufigen wendung den [seinen] bart streichen,
s. streichen B 1): der feldherr steht und streicht den bart; ... diesen strich sieht der soldat und richtet sich A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 151.
das streichen an den zitzen des kuheuters, der vorgang des melkens (
zu streichen B 2 c): während ... von den kühen her der strich des melkens eintönig hervorklang Storm
ges. schr. 8 (1877) 61; wo unter den strichen der auf dem melkschemel kauernden magd die laue und schäumende ... milch für uns in die gläser rann Th. Mann
Faustus (1948) 40.
davon die mundartliche redensart dât se' strech dé 'kèng mellech gièn (
striche, die keine milch geben) '
das sind schlechte possen' Gangler
Luxemburg 438. C@22)
die tätigkeit des streichens, des dahinfahrens über eine oberfläche mit einem besonderen, dieser handlung dienenden gerät (
vgl. streichen B 6): ein strich mit dem schermesser
un coup de rasoir Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; so fährt er (
beim rasieren) nicht zwei-, dreimal über dieselbige stelle, sondern es ist mit einem strich gethan Göthe I 25, 1, 173
W.; erster strich über die oberlippe, während die linke hand die nase festgeklemmt hält Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 3, 67; bis er den letzten strich mit dem rasirmesser vollendet hatte Glaszbrenner
Berlin (1845) 3, 35; in den städten waren die barbiere meist ausgediente soldaten, der strich fand mit einer furchtbaren entschiedenheit statt Steffens
was ich erlebte (1843) 8, 29; der strich mit der tuchkratze
le tour de chardon Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; ein strich, zug mit dem kamme
un coup de peigne ebda; schön geharkt! richtiger strich das! seid's braver gärtner Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 288; mit diesen worten that er noch ein paar striche mit der bürste auf dem rocke Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 88; jeden strich der bürste begleitete er mit einem gemurmelten fluche Holtei
erz. schr. (1861) 24, 182; hörte man den sichern und regelrechten strich, mit dem Jeetzes bürste der ... härchen, die nicht loslassen wollten, herr zu werden suchte Fontane
ges. w. (1905) I 1, 23; Kortüm, der strich für strich sachgemäsz die bürste über des superintendenten rücken führte Kluge
Kortüm (1938) 577; im sommer erschallt ... aus jeder wiese und jedem kornfeld der scharfe strich des wetzsteines Bücher
arbeit u. rhythmus (
21899) 40; der strich mit dem polsteine (
magneten) auf der eisenstange
das streichen des eisens mit dem polsteine, um ihm die kraft desselben mitzutheilen Campe 4 (1810) 712
b; strich (
beim magnetisieren)
frz. touche, engl. touch Blaschke
elektrotechn. (1901) 117.
umgangssprachlich ein paar striche machen (
mit dem bügeleisen) '
plätten' (
vgl. streichen B 3 c
β);
dazu strich '
das bügeln' Rovenhagen
Aachen 142
b.
das aufstreichen einer flüssigkeit (streichen C 1): er fuhr mit seinem löffel in das spundloch, langte damit herzu und that einen langsamen strich auf jeden der beiden füsze Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 22. C@33)
die streichende berührung eines gegenstandes, die diesen in tönende schwingung versetzt: wir nahmen wahr, dasz in der gesammten natur alle elastischen körper auf einen stosz oder strich ... ihr inneres,
d. i. ihre erregten und sich wieder herstellenden kräfte zu erkennen geben. dies nennen wir schall, und feiner erregt, klang Herder 22, 179
S. C@3@aa)
besonders das führen des bogens über ein streichinstrument (
zu streichen B 6 a); strich auf der geige, geigenstrich
tratto, aria Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; ein strich mit dem fiedelbogen
un coup d'archet Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a: die schwartzen noten und der stäte ausgedehnte musicalische strich auf dem violin
qu. v. 1647
bei Moser
gesch. d. violinspiels (1923) 99; ein stummer strich auf einem hohlen brete, auf das man nur vier faden spannt Stoppe
Parnasz (1735) 62; man kann den strich auf tonleitern oder tönen in allen lagen üben Heim
was d. violinspieler wissen musz (1922) 34; dasz es dem schüler, welcher einen ruhigen strich übt, nur zu häufig passiert, dasz der bogen zu 'tanzen' anfängt Trendelenburg
nat. grundl. d. kunst d. streichinstrumentenspiels (1925) 7. in (unter) einem strich
vom einzelnen auf- oder abstrich, unter dem mehrere töne gebunden hervorgebracht werden: auf geigen kann dergleichen zittern auch mit den bögen in einem strich bewerckstelliget werden Mattheson
vollk. capellmeister (1739) 114; tremolostellen von je vier achteln unter einem strich in tetrachordfolgen Moser
gesch. d. violinspiels (1923) 52. C@3@bb)
das resultat des vorgangs, der bogenstrich als klang: darum bin ich dir gewogen, weil der strich von meinem bogen solch gefühl bey dir erregt Stephanie
d. j.
s. singsp. (1792) 292; doch auch dieszmal hob der strich der geigen Gürgels füsze nicht Kind
ged. (1817) 2, 238; weil der strich von deinem bogen öfters hat mein herz entzückt Eichendorff
s. w. (1864) 3, 99; lieder, die der alte mit ein paar strichen auf der fiedel begleitete Fontane
ges. w. (1905) I 2, 403; steht der spielmann ... an der säule, und es gleiten mark'ge striche ob den saiten, lockt er's junge dorf zusammen
moderne dichtercharaktere 117
Arent-C.-H. C@3@cc)
die charakteristische strichart (
s. d.): er hat einen frischen, kecken, manierlichen, freyen strich Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; sein strich ist gigantisch Schubart
ästhetik (1806) 222; einen guten, leichten, freien strich haben ...
die geige auf eine gute, leichte etc. art streichen Campe 4 (1810) 712
b; ein brillanter, virtuoser strich von vorzüglicher wirkung ist das arpeggio Heim
was d. violinspieler wissen musz (1922) 35; Paganinischer strich (
eine typische strichart Paganinis) Andr. Moser
gesch. d. violinspiels (1923) 436; mit seinem weichen strich weisz er es (
das instrument) singen zu machen wie eine menschliche stimme
ebda 197. C@44)
der fang von vögeln (
bes. lerchen, schnepfen)
mit dem streichgarn (
vgl. streichen B 6 i): wenden alsdann zunegst dem ergangenen striche wider ein wie ein ackermann und gehen also einen gang auf, den andern nider
haush. in vorwerken 220
Ermisch-W.; wenn zu abends mit den klebgarnen ein glücklicher fang geschehen, wird gesprochen: der strich war gut;
oder wir haben einen glücklichen strich gehabt Heppe
wohlred. jäger (1779) 357; strich
der fang derselben (
vögel)
mit dem streichgarne encycl. wb. (1793) 9, 65;
lerchenfang und schnepfenjagd Behlen
forst- u. jagdkde 5 (1843) 729; strich
so viel als ein gewisser umkreis, so weit man mit der lerchenleine auslauffen und einstreichen soll Heppe
wohlred. jäger (1779) 357.
auch die stelle, wo die vögel gestrichen (=
in schlingen gefangen)
werden: sobald mein junge da ist, ... soll er sie einmal abholen, um sie durch den strich zu begleiten Holtei
erz. schr. (1861) 27, 114. C@55)
hohlmasz; eigtl. das abstreichen der überschüssigen menge vom hohlmasz (streichen D 3 c);
vgl. einen strich mit dem streichholtz über die metzen thun
far' una rasata per lo staio Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b.
in einer glosse des 11.
jhs. das werkzeug zum abstreichen, das streichholz: ostorium strich
ahd. gl. 3, 682, 22
St.-S. hierher vielleicht auch das vereinzelte strich Oswald v. Wolkenstein
s als '
geldsack, geldbeutel',
evtl. zurückgehend auf eine ebenfalls durch abstreichen des überschusses bestimmte masz- bzw. mengeneinheit: des ward mir geldes auff ain tisch wol fünfthalb grosser secke. künig Sigmund vollet mier den strich mit manchem planken zier, was ich an als verzagen selb dritt neur mocht ertragen 63, 198
Schatz (
vgl. auch 63, 113
und 146).
sonst schon seit dem spätmittelalter, vorwiegend österr. u. böhm., als maszeinheit für getreide, mehl u. dgl. reich bezeugt: strich getraides
ein gewisses maasz, das man abstreicht, was in dasselbe geht, heiszt ein strich
mensura siliginis quae strich
dicitur, modius granorum radio aequatus (Frisch
wb. 2 [1741] 347
c): item der pekch sol scheiblig prot pachen an den rechten semeln den rokken mit dem striche pei 72 d (
Mühldorf 14.
jh.)
städtechron. 15, 395; sol man im (
dem müller) davon geben von iedem mutt ain strich und seinem knecht essen und trinken (14.
jh.)
österr. weist. 8, 983; scheffil
vel sthrich (
obd., 15.
jh.) Diefenbach
gl. 364
s. v. modius; da nemen sie 1 strich korn und 1 sipmasz habern untereinander (
ca. 1570)
haush. in vorwerken 58
Ermisch-Wuttke; wer des samens etliche strich hette, der köndte reich werden J. Mathesius
Sarepta (1571) 30
b; es sullen auch die müllner geben einem ieden für zween mezen trait drei strich meel (1643)
österr. weist. 7, 578; strich ... bedeutet ... ein getraide masz in Böhmen und Österreich Harsdörffer
secretarius (1656) 1, L11 4
a; der müller soll geben aus 15 metzen korn, 20 strich mehl Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 202; dasz man einen strich korn um einen böhmischen groschen gekaufft Sperling
Nicodemus quaerens 2 (1719) 323; dasz ... der strich hafer 17 fl. und also circa 1½ fl. sächs. kostete Göthe IV 23, 12
W.; strich '
ehemaliges getreidemasz in Böhmen von 4
viertel à 4
maszel à 12
seidel = 1, 522
Wiener metzen = 1, 703
preuszische scheffel = 93, 602
liter'
handels-lex. (1847) 5, 243; der könig hat ein gut's gedenken, er will ein'm jeden zwei strich erdöpfl schenken Pailler
weihnachtlieder u. krippensp. (1881) 2, 277; der stadtrichter erhielt ... jährlich einen eimer bier, 1 fuhr heu und 1 strich weizen Frankl
erinn. (1910) 9.
maszeinheit für kohlen: strich
in Böhmen, ein hohlmass bei den steinkohlenbergbauen, fasst beiläufig 2½
centner kohlen Scheuchenstuel
id. d. österr. berg- u. hüttenspr. (1856) 238; Dannenberg-Frantz
bergm. wb. (1882) 376.
in abgeleiteter bedeutung: '
ein feldmasz, eine fläche, die mit einem strich getreide
besät werden kann' Blumer
Nordwestböhmen 88
b; ein bauerngut ... mit zwanzig 'strich' feldern Kompert
s. w. 3, 21
Hesse. C@66)
ähnlich als mengenbezeichnung (
zu streichen D 3 b); '
dasjenige, was gestrichen worden ist; so ist ein strich ziegel
eine menge ziegel, welche auf ein mahl, d. h. in einer gewissen zeit nach einander fort gestrichen sind' (Campe 4 [1810] 713
a): item pro quattuor strich ad horreum laterum asp. 5 (1532)
quellen z. gesch. d. st. Kronstadt 2, 244; ein strich ziegeln
una filara, ordine (
gall. rang)
di coppe Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; strich
soviel ziegel, als zu einem brand auf einmal gestrichen werden Mothes
baulex. (1858) 2, 568
b.
auch 'n sträk (
od. strike) flas
soviel flachs, als man auf einmal durch die sogenannte '
flasbrake' ...
streicht Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 334
a. C@77) '
das anreiben eines legirten metallischen körpers an den probierstein, affrictio massae metallicae ad lapidem lydium' (
bergm. wb. [1778] 538
a),
sowie das anreiben bzw. anritzen mit feile oder messer; 'strich der mineralien ...
die farbe gepulverter minerale ist häufig von der farbe des minerals in kompakten massen verschieden; gleichgefärbte minerale zeigen oft verschieden gefärbte pulver; um die farbe des pulvers zu sehen, genügt in den meisten fällen das ritzen mit einem messer oder einer scharfen feile; diese manipulation nennt man den strich;
er dient zur unterscheidung mehrerer äuszerlich ähnlichen mineralien' (Mothes
ill. baulex. [1874] 4, 216
b).
der strich
erfolgt, um an der farbe des abgeriebenen pulvers das mineral zu bestimmen, bzw. bei edelmetallen mit einem vergleichsstriche der probiernadel den gehalt zu ermitteln (
vgl. streichen B 6 e): daz man ... die guldein, die vorgeslagen warn, versuchen liesz und vand die an dem striche als hernach geschriben stet (
Nürnberg um 1400)
städtechron. 1, 233; die silbern streichnadeln, die man auch probirnadeln nennet, werden ... von allen mntzmeistern ... gebraucht, durch welchen strich eines jeden silbers beylaufftiger halt erkant wirdt Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 27
a; das gold bewehrt die gluht, das silber probt der strich Neumark
neuspr. teutscher palmbaum (1668) 162; z. e. wenn man gold und silber zum gelde brauchet, so kan die richtigkeit ... dur (!) den strich auf dem probiersteine erkandt (
werden) Chr. v. Wolff
gedancken v. d. menschen thun (1720) 621; das gold am striche probiren
faire l'essai de l'or à la touche Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 735
a; die bruchfläche schimmert und wird auch durch den strich glänzend Zappe
miner. hdlex. (1817) 1, 387.
prägnanter '
metallprobe, münzprobe': ein marck golts helt am strich 17 karat Riese
rechenbuch (1581) 47
a; strich des golds
paragone dell'oro Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a; mittel zu erfinden, dadurch der betrug erkannt, das gold probiret und das wahre von dem falschen unterschieden werden könne, welches durch den strich ... geschiehet
Noel Chomel öcon. u. physic. lex. 4 (1751) 1198.
das ergebnis des anreibens, d. i. der auf dem probiersteine (
schwarzer kieselschiefer)
verbleibende pulverige rückstand, '
das wenige, welches nach anreibung eines metallischen körpers auf dem probierstein zurücke bleibet, daraus man das korn beurtheilen kann' (
bergm. wb. [1778] 538
a),
bzw. '
die geritzte oder geriebene stelle von mineralien' (Dannenberg-Frantz
bergm. wb. [1882] 376).
der strich
stellt sich in beiden fällen meist linienförmig dar, so dasz sich der wortinhalt mit bedeutung A
berührt: darumb mag sy (
die falschen gulden) nemant erkenen an dem klange, edder an dem striche
münzwarnung aus Lübeck v. j. 1482
in: zs. f. bücherfreunde 11, 1 (1907) 224; wie er nun am strich befindet, dasz es nur kupffer ist
de las Casas newe welt (1597) 45; nachdem es probiret, ward es an der schwere und strich gut geld befunden Kreckwitz
lustwäldlin (1632) 574; einen probirstein, auff welchem etliche striche von unterschiedlichen metallen ablangs gezogen stunden Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) )( )( )( )( 7
a; und wollen diejenigen allerhand gold untereinander schmeltzen lassen als: ducaten, cronen und rheinischen, welches alsdenn einen ungewissen strich giebet Beier
handwercks-lex. (1722) 420
a; das metall sieht wie silber aus, ... es giebt einen strich wie 7 löthig silber
anmuth. gelehrsamk. 1, 249
Gottsched; schwefelantimon ... zeigt einen röthlichen strich Muspratt
chemie (1888) 1, 1063.
bildlich: dannenhero halten wir die welt vor einen probierstein gottes, auff welcher der allmächtige die menschen, gleich wie sonst ein reicher mann das gold und silber probiert, und nachdem er ihren valor am strich befindet ... Grimmelshausen
Simpl. 423
Scholte; weil nun die land-gerichtshändel ... ein lapis lydius, daran man den goldenen strich der wahrheit meistens erkennen kan Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 35; die regenten müssen es eben so mit den menschen machen (
wie der goldschmied mit dem golde) — nur dasz hier der ächte strich von dem falschen schwer zu unterscheiden ist Klinger
w. 11 (1809) 37.
in freierem gebrauch der gehalt, der wert der münze, bzw. das kennzeichen des minerals: das ist yetzundt der herren list, wann ein müntz vszgangen ist, so gebietten sy dem armen man, das er sy ringer nemme an, vnd sprechen, sy mOeg nit bestan; dann kouffent sy die müntz an sich, so gilt sy doch den alten strich, wie sy ist zm ersten gangen, wie wol der schaden ist entpfangen Murner
narrenbeschwörung 213
ndr. im bilde: o dasz ich könt entdecken, worinn, o glaubensgold! dein strich, dein glantz mag stecken G. Wagner
ter tria (1650) 191.
dazu strich halten '
dem vergleichsstriche auf dem probierstein entsprechen', '
die probe bestehen', '
den angegebenen oder geforderten wert in der probe erweisen',
vgl.'bey denen gold-arbeitern, allwo strich und halt ist gleichsam die schau und prob ... soll ein jeder goldschmied das gold, so er in seinem laden verarbeitet, dahin legiren und schmeltzen, dasz es an strich und halt vor gut bestehen möge' (Beier
handwercks-lex. [1722] 420
a);
gelegentlich erweitert mit dem reimwort stich
zu der verbindung strich und stich halten (
im anschlusz an die nahezu bedeutungsgleiche wendung stich halten '
stand halten, sich als zuverlässig erweisen',
s. teil 10, 2, 2,
sp. 2693
ff.): ich lobe die meyster, die was ntzliches, bestendigs und saubers machen vnd nemens auch bezalt; allein das sie nicht dem goldschmid von Syracusa folgen, vnnd arbeyten, das es strich, stich vnd probe helt Mathesius
ausgew. w. 2, 189
Loesche. diese wendung wird zu einer beliebten und häufig zum vergleich herangezogenen redensart: dann wir mssen alle lehr auf den probestein gOettliches wortes thun, helt sie den strich, das ist, kOempt sie mit gottes wort uberein, so ist sie anzunehmen Decimator
hochzeitpred. (1601) R 4
b; recht lauter ist disz alles was gott saget, hat silbers art das man in tiegel stellt, und siebenmal erst durch das feuer jaget, bisz dasz es strich nach rechter feine helt Opitz
opera (1690) 28; ihr mögt der unschuld gold, so offt ihr wollt, in der versuchungsglut probiren, es hat und hält den strich Schmolck
sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 377; die höfligkeit ist gold, man hält sie werth und theuer; doch hält sie nicht den strich, taug weniger ins feuer Logau
sinnged. 566
lit. ver.; ein gedicht, das nicht die prüfung eines richters aushält, taugt so wenig, als das gold, welches nicht strich hält Gottsched
versuch e. crit. dichtkunst (1751) 53
anm.; da kömmt die beleidigte eifersucht ... sie bringt gold, welches den strich gehalten, unter die capelle; und wehe dann dem armen sünder, wenn er hier die probe nicht hält J. Möser
s. w. (1842) 2, 228.
ebenso in freierem gebrauche (
ohne den ausgeführten vergleich), '
sich bewähren', '
bewährt befunden werden' (Adelung 4 [1780] 826): wie menschliche weiszheit. heiligkeit ... in sterbens nöten nicht den strich und stich halten Mathesius
Sarepta (1571) 51
b; wer arbeitet, dasz es stich, strich vnd prob helt, der gedeyet Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Ddd 8
b; was albereit geschrieben, das liszt und wiegt er ab, leszt nachmals ihm belieben, was strich und feuer helt, das übrig auch mus fort Buchner
bei Gueintz
dt. sprachlehre entwurf (1641)
vorr.; im fall ... ihre ... neigung ... den strich der treue ... halten solte Lohenstein
Arminius (1689) 2, 97
a; den strich halten
star' al paragone, regger' al saggio, den strich nicht halten
non stare, non regger' al paragone Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a; er hält nicht strich
er will sich nicht gern examiniren lassen, er ist nicht reiner lehre, er hat ein bös gewissen Ludwig
t.-engl. (1716) 1898; er war von schrot und korn der redlichen gepräget, das allzeit seinen strich und proben abgeleget Neukirch
anfangsgründe z. teutschen poesie (1724) 687. C@88) einen strich aus der pfanne bekommen;
redensart aus dem frühen nhd.; strich
bezeichnet einen aus der pfanne (
heraus-)
gestrichenen teil des pfanneninhalts; der sprichwörtliche sinn ist '
aus einer (
wohl meist anrüchigen)
sache gewinn ziehen, profitieren': mein fraw dahin gen kirchen tritt und doch von betens wegen nit, sonder dasz uberkommen kan ein bulen oder ein ehmann. ... ich hoff, es werd mir armen Annen darvon ein strich auch durch die pfannen (1552) Hans Sachs 17, 8
lit. ver.; da musz ich (
teufel) schleichen wie ein dieb, ob ihrer eins brech sein gelüb, das mir ein strich wird ausz der pfann Ayrer
dramen 1, 664
lit. ver.; einen strich aus der pfanne krigen
haver' una strisciata dalla padella, haverne una buona impennata, met. goderne la parte sua del profitto Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
a. C@99)
ein mit schmirgel versehenes brett zum schärfen der sense: strek, strik Schumann
Lübeck 26; strich,
auch streich, sträk Frischbier
pr. 381; strich Schemionek
Elbing 39; Lemke
volksthüml. in Ostpr. 1 (1884) 185. C@1010)
die zitze am euter des milchviehs: strich
an eutern, euterstriche
cappezzuoli, cappezzoli delle zinne vaccine Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
b; strich
zitze Martiny
wb. d. milchwirtsch. (1907) 123: an seinem vter hat das hind vier strich als ein kuo Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 80; dasz vor zeiten eine kuh mehr milch an einem strich gegeben, als jtzt an allen vieren Bräker
s. schr. (1789) 2, 95; eine gute kuh müsse vier striche haben Gotthelf
schuldenbauer (1854) 307; aber das euter einer guten milchkuh ... soll auch auf allen 4 strichen gleich milchergiebig ... sein Schwerz
ackerbau (1882) 645; waren die striche (
des kuheuters) leer, dann stellte die Mine den eimer weg A. Supper
holunderduft (1910) 238.
verbreitet in der sprache des bauern, in der ma.: Bühler
Davos 1, 133; Seiler
Basel 281
a; Friedli
Bärndütsch 2, 206;
reich belegt im schweiz. id. 11, 2034
f.; Follmann
Lothr. 506
b; strēk Fromme-Alpers
Hohenbostel 81; striək Woeste
westfäl. 258
a; strik Bauer-Collitz
Waldeck 100
b; strêk Böning
Oldenburg 109
a; streek
Elberfelder ma. 158
a. DD.
in einzelnen verwendungen lehnt sich strich —
ohne erkennbare eigenständige entwicklung —
an verschiedene bedeutungen des wortes streich
an (
letzteres ist zum teil über lautlich zweideutiges nd. strek '
strich'
in die form strich
überführt worden). D@11)
nur gelegentlich für den schwungvoll ausholenden hieb, schlag (
wohl als frühe selbständige bildung statt sprachüblichem streich,
s. d.),
mit der hand (
als '
backenstreich, ohrfeige'),
mit der waffe, stock, peitsche u. dgl.: sie sprach: 'muome, scheme dich!' ouch gap sie ir einn guoten strich an ir rehte wange. daz ôr sûste ir lange Ebernand v. Erfurt
Heinrich u. Kunegunde 3706
Bechst.; täten die schwerter zücken und stritten also ritterlich, des Bâthors hauf viel harte strich empfing (1608)
qu. z. gesch. d. st. Kronstadt 5, 603; tausent, ja wol tausent strich hab ich dir (
Christus) gegeben (17.
jh.) Wilhelm Olter
in: evang. kirchenlied 4, 532
Fischer-Tümpel; des teuffels strich vnd schläge wend ab mit deiner hand (17.
jh.) Sigismund Schererz
ebda 2, 338; Skanderbeg, der einem ochsen allemal mit einem strich den kopf abhieb Lichtenberg
br. (1901) 2, 239; dasz ich bösewicht eben träumte, ich schlüge unser jungchen mit der ruthe so, dasz blut nach jedem strich lief (1851) Bismarck
br. an s. braut u. gattin 273
H. v. Bism. D@22)
die zügige, schwungvolle arbeitsbewegung. D@2@aa)
in verschiedenen wendungen und redensarten; keinen strich mehr arbeiten: du sollst keinen strich mehr thun, bis du entweder ja oder nein geantwortet hast Bothe
zuverl. beschr. (1752) 2, 177; da die häuerschaft keinen strich mehr arbeite, sondern ex proprio ausgestanden sei
mitt. d. hist. vereins f. Steiermark 37, 180.
ähnlich: bezahlen lasse ich sie vorher, ehe ich noch einen strich mache, wenn sie mir nicht ganz sicher sind Holtei
erz. schr. (1861) 5, 29. mit einem strich '
mit einer einzigen bewegung, mit einem schlage': wenn ich mich an euch reibe, so reib ich mit einem strich den ganzen kerl weg Ludwig
ges. schr. (1891) 2, 312.
vgl. auch im ersten strich,
hier '
im ersten ansturm, vorstosz': des feindes fusz-volck trat; allein im ersten strich, trat unsre reuterey es rottweisz unter sich Besser
schr. 1, 47
König. strich halten
den arbeitsrhythmus, das arbeitstempo einhalten: denn es ist in der that unglaublich, wie wenig dazu gehört, in einem collegio den gewöhnlichen strich von arbeiten mitzuhalten Knigge
roman m. lebens (1781) 3, 86; strich halten
mit jem. im gleichen takt mähen schweiz. id. 11, 2027;
ähnlich bei Stürenburg
ostfries. 267
b; Danneil
altmärk.-plattdt. ma. 213
b; Brendicke
Berliner wortschatz 179
a; Frischbier
pr. wb. 381
a; he kann ni mit em strich holen
kann es nicht mit ihm aushalten, ist ihm unterlegen Mensing
schlesw.-holst. 4, 886. D@2@bb)
vereinzelt als ergebnis einer arbeitsbewegung, eines arbeitsganges; der vollzogene schnitt mit der säge durch den stamm: ain sagenmaister sol von ieklich strich ain halben crüz. lons nämmen, und nit me (1427)
österr. weist. 4, 360; strich heu oder mähestrich
andone di fieno, das heu wird nach strichen gemähet
il fieno viene segato à andoni Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1003
c; ein strich heu, wie es fällt, wenn es abgemeyet wird
un rang de foin fauché Rädlein
dict. (1711) 853
b; Bühler
Davos 1, 302. D@33)
in übertragenem gebrauche eine listige (
zuweilen betrügerische)
handlungsweise, ränkevolle machenschaft, ein kniff, schlich, ein politischer coup (
wofür streich [
s. d. B 2]
vom 18.
jh. an hochsprachlich allein üblich ist): bedenke doch nur, wie du ... dich mit lauter neuen politischen strichen, falschen unteutschen und unverantwortlichen griffen hast beholffen Rist
friedewünsch. Teutschland (1648) 155; ob nun dieses zwar politische striche und von vielen für eine klugheit geachtet werden Francisci
traursaal (1676) 846; allerhand gutte und böse künste, striche und schliche Butschky
Pathmos (1677) 492; weil ich aber ... die wahre weiszheit ... in die striche des immer weinenden Democritos, und in die spitzfindigkeiten des Protagoras verwandelt fand Lohenstein
Arminius (1689) 1, 460
a; die ursach, warum so wenig geschickte leute in der welt erhoben werden, ist, dieweil sie ... entweder auf die kleinen striche nicht dencken, oder dieselbe als verächtlich verwerffen, deren sich die hudler mit grossem vortheil bedienen Wernicke
poet. versuch (1704) 124; versetzte waaren ... wieder einzulösen ... dabey er (
d. kaufmann) sich dann noch glücklich schätzen musz, wann er nicht noch geld dazu heraus geben darff, und mit zurücknehmung seiner obligation frey kommen kan, welches eben der wucherer ihre rechte striche ... seynd Marperger
kauffm.-magazin (1708) 1320.
da der gröszere teil der oben angeführten autoren im nd. sprachgebiet beheimatet ist bzw. dort gewirkt hat, darf vorausgesetzt werden, dasz hier nd. strek '
strich'
mit einer von hd. streich
übernommenen bedeutung (B 2
und 3)
durch hd. strich
wiedergegeben wird. für die maa. vgl.: een strich övert gansse gesicht
ein verunglückter koup vorzüglich beim spiel Schütze
Holstein 3, 210; ømes ən štriek špiəlen Leihener
Cronenberg 117
b; hä heet mek en schleiten streek gespellt Leithäuser
Barmen 152
b; Mensing
schlesw.-holst. 4, 881; hê hed altîd allerhand kwade streken in de kop Doornkaat Koolman
ostfries. 3, 334
b; een losen streek
brem.-ns. wb. 4 (1770) 1066.
aus diesen verwendungen wird deutlich, wie vor allem redensartlicher gebrauch von hd. streich
durch nd. strek
aufgenommen wird. D@44)
wohl auf der gleichen entwicklung beruht einen strich haben,
in dieser form fast nur auf nd. sprachgebiet bezeugt (
statt hd. üblichem einen streich haben,
s. streich D 4): strich
geistesschwäche, häi hett'n strich Frederking
Hahlen b. Minden 136
b; 'nen strich hewwen
etwas verrücktes an sich haben Mi
Mecklenb.-Vorpomm. 88
a;
ähnlich bei Damköhler
Nordharz 181
a; Mensing
schlesw.-holst. 4, 886; jeder mensch hat seinen strich Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 437
b.
auch '
angetrunken sein': Mensing
a. a. o.; Bauer-Collitz
Waldeck 175; Brendicke
Berliner wortschatz 179
a; Körte
sprichw. (1837) 525;
aufgenommen unter die '
redensarten, womit die Deutschen die trunkenheit einer person andeuten'
von Lichtenberg
verm. schr. (1800) 3, 34; wenn ich einen sogenannten kleinen oder etwas gröszern strich gehabt Glaszbrenner
Berlin (1833) 7, 5.
nur vereinzelt auszerhalb des nd. raumes: Spiess
Henneberg 246; Fischer
schwäb. 5, 1863; 'n schdrech hà
nicht ganz gescheit sein Heinzerling-Reuter
Siegerland 247
b. D@55) 'strich aufstrich
bei einer versteigerung, in Franken, gebot mit aufschlagen' (Heyne
wb. 3, 873),
sowie die versteigerung selbst; strich, aufstrich
das mehrgebot bey einer versteigerung, die versteigerung, den letzten strich thun, erhalten, etwas dem öffentlichen strich aussetzen Schmeller 2, 808;
in Franken heiszt die versteigerung strich, aufstrich J. Grimm
dt. rechtsalterth. 42, 158; auf den strich
durch auction Reinwald
Henneberg (1793) 2, 122; strich, verstrich
versteigerung, auction Sartorius
Würzburg 120.
vgl. streichen F,
sp. 1225.