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Schnurre

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

PfWB
Anchors
14 in 11 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Pfälzisches Wb.

Schnurre f.

Bd. 5, Sp. 1381
Schnurre f.: 1. allg. 'das abendliche gesellschaftliche Herumstreichen der jungen Leute im Dorf'. In verschiedenen Aussprachevarianten nur in der Wend.: uf die Schnoʳʳ gehe [verbr. WPf KB-Albish Dreis Mauchh Orb FR-Bissh Ebertsh Flomh Frankth LU-Oggh NW-Haardt Weidth SP-Berghs LA-Ilbh Nußd BZ-Schweighf GH-Hagb], Schnuʳʳ [HB-N'alth Seyw IB-Eschring ZW-Marthh PS-Claus Dahn LU-Böhl Hochd NW-Niedkch SP-Harths LA-Dammh BZ-Billh GH-Berg Büchbg Hay Rh'zab], Schnaʳʳ [KU-Bosb Föckbg Relsbg RO-Lettw], Schnueʳ [IB-Ensh]. Weitere besondere Formen der Schnurre s. unter den folgenden Punkten. — a. 'die abendliche Arbeitspause in der Spinnstube', von jungen Leuten genutzt, verschiedenen Vergnügungen nachzugehen, Schnuʳʳ [mancherorts nördl. WPf ZW-Wattw RO-Alb Mannw KL-Erlb Weilb PS-H'einöd BZ-Dernb Schandein Sprachsch. 63 Vogelsgesang 28]; vgl. Jugend 2, Schnärre 6 a, schnärren 5. Brauchtum: Während der Zeit des Spinnens und Strickens war die Schnoʳʳ des Abends eine angenehme Arbeitsunterbrechung. Sie war das Recht der jungen Leute und deren eigene Angelegenheit, in die weder Eltern noch Herrschaft hineinzureden hatten [KU-Bedb]. Man ging auf die Gasse 'lauschtere', 'luere' oder uf die Schnorr, d. h. man ging durch die dunklen Dorfstraßen, hob Fensterläden aus, erschreckte harmlose Leute, spielte auch dem oder jenem einen schlimmeren 'Duck', bis man schließlich ausgefroren wieder in die warme Stube zurückkehrte [PfL 2. 12. 1933, Heeger in: Feierowend 25/1949 S. 6]. Am Abend des Kuseler Weihnachtsmarktes wurde im Dorfwirtshaus die Schnoʳʳ versteigert. Der Preis war ein Fäßchen Bier. Wer die Sch. ersteigert hatte, hatte damit auch das Recht und die Pflicht, die Sch. zu beginnen. Sie begann um acht Uhr abends. Vor den Spinnstuben und Häusern, in denen Mädchen waren, wurde in die Hände geklatscht. Dann kamen alle vor die Tür und die jungen Leute zogen lachend, singend und Unfug treibend durch das Dorf [KU-Bedb, Schandein Bav. IV,2 363]. ...»und sammelten Hutzle, gedörrte Zwetschen und Apfelschnitzen, die dann nach der Rückkehr in die Spinnstube unter allerlei Späßen verteilt und gemeinsam verzehrt wurden« [Wilde 20]. Uff die Schnoʳʳ gehe, Volksbrauch an Lichtmess (2. Februar) [Stoll 41]. — b. 'dem anderen Geschlecht nachlaufen, poussieren, flirten', Schnoʳʳ [verbr. WPf mancherorts übrige Pf außer nördl. VPf], Schnaʳʳ [KU-Liebsth ZW-Riedbg RO-Höring]; auch von Katzen gesagt, die nachts umherstreifen [Zweibr]. Die Mädchen gingen freitags vor Fastnacht bis Ostern den Burschen nach [KU-Rothsbg]. — c. 'der Geliebten den Hof machen, auf die Freierei gehen, um einen festen Partner zu finden' Schnoʳʳ [KU-Gumbsw Kübbg IB-Rohrb Wolfh ZW-A'hornb Bechhf Maßw RO-Feilbg Schweisw KL-Hauptstl Landstl Lind Spesb NW-Hardbg], Schnaʳʳ [KU-Haschb/G], Schnuʳʳ [PS-Lautschw]. — d. '(bei Dunkelheit) im Dorf umherstreifen, an fremden Fenstern hor- chen, andere Menschen belauern, herumspionieren', Schnoʳʳ [KU-Frankb Herchw O'alb Obw/T Reipkch WD-Niedkch HB-Brenschb Höch IB-Ormh ZW-Battw Stamb RO-Dielkch Feilbg Lohnsf N'hemsb Semb KL-Mackb Reichb Steinwd NW-Frankeck GH-Schaidt Weingt, Kleeberger 100 Kühn Hamet 134], Schnoʳ [ZW-Rieschw], Schnuʳʳ [PS-Schönau Vinn]; vgl. schnurren 3 c. Sie geht uf die Sch. [KU-Reichsth GH-Wörth, vereinzelt SOPf]. — e. 'im Dorf herumlaufen um Neuigkeiten auszutauschen, zu tratschen', Schnoʳʳ [KU-Dunzw ZW-Biedhs RO-Katzb KL-Kottw/Schwand KB-Gauh Immh Kriegsf FR-Bockh Heuchh Lambsh Mörsch LU-Fußgh BZ-Gleisz/Gleishb Schweig], Schnuʳʳ [GH-Wörth]. — f. 'Streiche spielen, Unfug treiben' [KU-Diedk Haschb/G Konk HB-Brenschb Höch Kirrbg ZW-Gr'steinhs RO-Bistschd Semb KL-Mackb Reichbstg]. — g. 'hausieren, betteln gehen, schnurren gehen', Schnoʳʳ [IB-Ommh verbr. nördl. VPf LU-Friesh Limbghf Schauh NW-Bobh Dürkh Freinsh Greth Herxh Kallstdt Lambr Leistdt Seeb Ungst Wachh Weish/B LA-Edk Göckling Kl'fischl Mörzh BZ-Apphf Stein GH-Otth], Schnaʳʳ [KU-Adb], Schnoʳ [FR-Albsh], Schnuʳʳ [LA-Böbing BZ-Albw]; vgl. fechten, schnurren 3 d. Er (Die) geht uf die Sch. [KU-Adb KB-Niefh NW-Ellstdt Ungst Wachh]. — h. 'hausieren, Wandergewerbe betreiben', Schnoʳʳ [NW-Kallstdt], Schnaʳʳ [RO-Gundw]; vgl. Walze. — i. 'herumziehen und Straßenmusik machen', Schnoʳʳ [RO-Sippf KL-Samb KB-Jakobsw LU-Opp], Schnuʳʳ [HB-Medh]. Gehn die Mackebacher Musikante / Als noch in die Welt naus uff die Schnorr? [Max Braun, Pälzer im Himmel, in: Wurstmarkt-Festschrift 1926]. — 2. 'ausgehen, um von säumigen Kunden ausstehende Zahlungen einzutreiben', von einem Uhrmacher gesagt [KB-Rams]. — 3. 'eine ältere Frau, die gerne tratscht und klatscht'; aldi Schnoʳʳ [KU-Reichsth Klein Prov. 136]; vgl. Schnurrbase; Zs.: Bohnenschnurre. — 4. derb für 'Mund', Schnuʳʳ [Schmitt Billh. 62]; Syn. s. Gusche 1 b. — 5.a. 'ratterndes Lärminstrument, das am Gründonnerstag eingesetzt wird' [Stoll 52, 193]. — ˣ b. 'schnurrendes, knatterndes Spielzeug aus dem Knochen eines Schweinefußes, an einem Wollfaden befestigt', Schnoʳʳ [Don-Lenauheim]. — 6.a. 'Windstoß, Windzug', Schnoʳʳ [IB-Ensh (Glass II 58)]; Zs.: Windschnurre. Heijd isch awwer willer e Schnurr iwerm Lonnd! [IB-Ensh (Glass 108)]. — b. 'erhöhte Stelle im Gelände, über die der Wind fegt', Schnoʳʳ [NW-Hardbg]; vgl. schnurren 4. — 7. FlN, mda. Die Schnoʳʳ [NW-Weidth]. — Südhess. V 654/55 Schnorre; Rhein. VII 1682/83; Lothr. 462; Els. II 505; Schwäb. V 1090 Schnurre II; Hess.-Nass. III 386; Kluge-Seebold22 650; DWb. IX 1415 ff.
5455 Zeichen · 103 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schnurre

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Schnurre , des -n, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten einiger Orten, einen Wächter für die öffentliche Ruhe a…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schnurre

    Goethe-Wörterbuch

    Schnurre 1 Marotte, Spleen [ Achsbruch auf der Reise ] da war Geduld und Werk vonnöthen.|Und wie ich auch mit Schmied un…

  3. modern
    Dialekt
    Schnurr(e)

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Schnurr(e) [ʿSnûrə Olti. Roppenzw. Strüth Mü. Katzent. ; ʿSnùrə Mü. Urbis ; ʿSnùr O. U. W.; Pl. –ə; Demin. ʿSnîrlə Olti.…

  4. Sprichwörter
    Schnurre

    Wander (Sprichwörter)

    Schnurre 1. Jez thue'n i kei Schnore 1 meh ûf, hät de Pfarer z' Nidesgand g'seit, wo-n er Kanzle i d' Chile-n abe purzle…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnurre

41 Bildungen · 41 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schnurre 2 Komponenten

sch+n+urre

schnurre setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnurre‑ als Erstglied (30 von 41)

Schnurre(n)bransi

Idiotikon

Schnurre(n)bransi Band 5, Spalte 743 Schnurre(n)bransi 5,743

Schnurre(n)bueb

Idiotikon

Schnurre(n)bueb Band 4, Spalte 941 Schnurre(n)bueb 4,941

Schnurre(n)heirch

Idiotikon

Schnurre(n)heirch Band 2, Spalte 1315 Schnurre(n)heirch 2,1315

Schnurre(n)schmalz

Idiotikon

Schnurre(n)schmalz Band 9, Spalte 954 Schnurre(n)schmalz 9,954

Schnurre(n)wagler

Idiotikon

Schnurre(n)wagler Band 15, Spalte 706 Schnurre(n)wagler 15,706

Schnurre(n)wagner

Idiotikon

Schnurre(n)wagner Band 15, Spalte 707 Schnurre(n)wagner 15,707

schnurre(n)wagnereⁿ

Idiotikon

schnurre(n)wagnereⁿ Band 15, Spalte 707 schnurre(n)wagnereⁿ -ü- 15,707

schnurrecht

DWB

schnur·recht

schnurrecht , adj. und adv. wie schnurgerecht, nach der schnur, gerade: schnurrecht, schnureben, ad amussim Frisch 2, 217 c ; so wöllen wir …

Schnurrenbutzer

ElsWB

schnurren·butzer

Schnurre n butzer m. 1. vielfach verächtlich für Barbier Olti. Mü. 2. grober Mensch, der einem gern über den Mund fährt Ruf.

schnurrenhaft

DWB

schnurren·haft

schnurrenhaft , adj. und adv. nach art einer schnurre ( s. d. 9): da kamen allerlei schnurrenhafte liedchen zum vorschein. Keller werke 6, 1…

Schnurrenkopf

RhWB

schnurren·kopf

Schnurren-kopf -u·r.əkǫp Dür m.: K. des Pferdes mit über der Stirne ins Gesicht hängender Mähne.

Schnurrenmächer

RhWB

Schnurren-mächer (s. S.) Allg. m.: Erzähler spasshafter Geschichten, Witzbold.

schnurrenreich

DWB

schnurren·reich

schnurrenreich , n. reich der schnurren, häscher ( vgl. das masc. schnurre 1, sp. 1415), hier vom ort, wo sie sich aufhalten: wer, fieng er …

schnurrenschaar

DWB

schnurren·schaar

schnurrenschaar , f. zahl der schnurren, häscher: die feige schnurrenschaar soll itzt wohl vor uns weichen. Zachariä renomm. 5, 252 .

schnurrenstock

DWB

schnurren·stock

schnurrenstock , m. stock als waffe der schnurren, häscher, den sie fliehenden studenten zwischen die beine warfen, um sie zum fallen zu bri…

Schnurresbinde

PfWB

schnurres·binde

Schnurres-binde f. : 'hinter den Ohren befestigte Stoffbinde, die den Sch. in der gewünschten Form fest an die Haut drückt', wurde nachts ge…

Schnurresbohne

PfWB

schnurres·bohne

Schnurres-bohne f. : 'scheckig gefärbter Bohnenkern', Schnorresbahne Pl. [ LU-Friesh ]; vgl. Schnurrbart 2, Schnurres 4 . Rhein. VII 1645 Z.…

Schnurresbub

PfWB

schnurres·bub

Schnurres-bub m. : Schimpfw. für einen frechen Jungen, Schnorresbub [ KU-Schmittw/O ]. —