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schnurre

nhd. bis sprichw. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schnurre f.

Bd. 15, Sp. 1415
schnurre, f. schnurrender laut und schnurrendes ding; mhd. mnd. snurre; zum theil mit der nebenform schnorre (belege im folgenden verstreut, vgl. namentlich unter nr. 6), in nächster etymologischer beziehung zu schnarre sp. 1185, doch im begriffe eigenartig entfaltet. 11) das schnurren, der schnurrende laut und die schnurrende bewegung: in solches sûsens snurre. J. v. Frankenstein 10678; in formelhaften fügungen: nim mit dir die trumel dîn unt slach si nâch der snurren (sausend rasch). minnes. 3, 197b Hagen; pehender snurr (in sausender eile) ward er gesteckt auff hOeher gar unsesse (Christus ans kreuz). O. v. Wolkenstein 106, 11, 7; mundartlich noch: 's jît in der schnurre, rasch hintereinander. Jecht 98; in der schnurre bleiben, in der gewohnten bewegung und thätigkeit; einen wieder in die schnurre bringen, wenn jemand in seiner rede stecken geblieben ist. Wander 4, 311. 22) übertragen auf unruhiges umherziehen, um zu betteln oder geschlechtlich auszuschweifen, landschaftlich verbreitet (vgl. dazu das verb. schnurren unten): unterrhein. auf die schnurre gehen, betteln gehen Kehrein nachtr. 49; in Preuszen auf die schnurr gehen, in die spinnstube gehen, aber auch von solchen, die an den abenden nach dem manne suchen Frischbier 2, 309; nürnbergisch in die schnurr gerathen, liederlich werden Schm.2 2, 581; (du betrügst) frawen und auch jungfrawen mehr umb reinigkeit und weiblich ehr, die du bringst in die schnurr hinein. H. Sachs (1558) 1, 228; wenn ein hur ist in der schnurr lang umbgeloffen, unter mönnich und pfaffen gschloffen. 4 (1578), 3, 61b. 33) schnurre, von schnurrenden geräten, so vom spinnrad und von der knarre des nachtwächters Adelung; von einem kreisel: die schnurren, groszer holer dopff, gibt ein grosz gereüsch, so er zogen wirt, trochus. Maaler 360c; nassauisch die schnorr, ein schnarrendes kinderspielzeug Kehrein 363; niederd. snurre, snurrnôt, brummkreisel Dähnert 440b; snurre, ein spielwerk der kinder, bestehend aus einer ausgehöhlten groszen haselnusz, einem festen zwirnfaden, einem stäbchen und einem apfel Woeste 247a; in Lief- und Esthland die schnurre, der hölzerne schlüssel am brummkräusel Hupel 211; auch roulett, hazardspiel, nd. snurre oder snurrmess Zachers zeitschr. 6, 214, vgl. dazu schnurren 10; mittelrheinisch schnurre, schnorr, karroussel: das ganze lebendige bild, das sich auf dem Main (durch das eisvergnügen) entwickelt, wird noch durch errichtung einer schnorr dieser tage gehoben werden. Frankfurter journ. vom 14. dezbr. 1871; in Düringen die schnurren ein auf einer schnur tanzender knopf oder bleiplatte Kleemann 20a; als musikinstrument unter anderen: lullepfeiffen, schwegeln, maultrummen, schnurren. Garg. 82b. 44) schnurre, landschaftlich auch schlechtes, klapperndes hausgerät: schnurren, gerümpel Adelung; niederd. snurren, übertragen auch auf nichtswürdige dinge, schlechte schriften: dat bôk is man êne snurre, das buch ist ein elendes geschmiere. brem. wb. 4, 902; snurren, nichtswürdige dinge, possen Schütze 4, 149; die schnurre, welche sie wissenschaft heiszen, .. ist bei uns ordentlich zum gelächter geworden. Möser patr. phant. 1, 8. vgl. dazu unten 9. 55) schnurre, borstiges barthaar bei katzen und anderen thieren, im plur.: die füsze (des seebären oder der bärenrobbe) sind dunkelbraun, die schnurren bräunlich-schwarz. Brehm illustr. thierleben 2, 783; (der seehund) mit weiszen, kurzen, braun gewellten schnurren. 791; ein kater putzte sich nicht weit davon die schnurren mit der pfote. Platen 177. der volkswitz in Leipzig nennt schnurre das lange, gedrehte, abstehende ende des schnurrbarts. Albrecht 205b. 66) älter aber schnurre eine vorwärts gestreckte thierschnauze, niederd. snurre, nase, schnauze, besonders vom schwein brem. wb. 4, 901; oberdeutsch gewöhnlich in der form schnorre, mit umlaut schnörre, so schweiz. Stalder 2, 344; schwäb. schnörr, rüssel Schmid 475; bair. schnurren, schnorren, maul, maul und nase, schnauze Schm.2 2, 581; nassauisch die schnorr maul Kehrein 363; proboscis, eyn rüssel, schnorre an den thieren, als eyn schwein hat, mausz, igel, helffant. Dasyp.; erhöchten rüssel oder schnorren, der weit herfür gehet (an schweinen). Sebiz 132; die füsz, oren, schnoren (der schweine, als speise) ursachend ein dick, schlimerig bluot, speysend doch wol, und sind die füsz gesünder, dann die schnorren, und die schnoren gesünder dann die oren. Forer thierb. 146a; (der fisch) hat kein maul, sonder allein vornen durch die schnorren ein klein löchlin. fischb. 49b; die frau schlug ihnen (den schweinen) mit dem riegel des sautrogs .. auf die schnorren, dasz sie derb bluteten. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 139; mit umlaut: die thiere hatten die schnörren im maulkorb. schrift. 10, 26; von einem teuflischen gespenst: druf putzt er d' schnören amme tschäubli ab. Hebel 1, 112. 77) übertragen in grober und verächtlicher rede auf den mund des menschen (vgl. dazu auch schnurrbart), mundartlich weit verbreitet: schweiz. d' schnure halte Seiler 262a; in Appenzell schnorra Tobler 396a; dimin. schnörrli, in traulicher sprache, ein artiges mäulchen. ebenda; niederd. enn ôwer de snurre hauen, einem auf sehr derbe weise den mund stopfen, auch einen anführen, betrügen Schambach 201a; und sonst: einem eins auf die schnurre geben, auf den mund, einen über die schnurre hauen Campe, vgl. auch Wander 4, 311. 88) in andern bildlichen verwendungen: schnurre am schuhwerk der vorderste theil, wenn er breit statt spitz endet (früher kuhmaul, vgl. theil 5, sp. 2573), in Appenzell schnorra Tobler a. a. o.; in Ulm eine klaffende wunde Campe; im östlichen Niederdeutschland leichter rausch, sonst hieb genannt (vgl. th. 4, 2, 1307, nr. 4 und 5) Frischbier 2, 309; er hat eine schnurre Hupel 211, vgl. das masc. schnurre 3. 99) schnurre für scherz, possen, namentlich erzählte, einerseits an den behaglichen ton des schnurrens, andererseits aber auch an die bedeutung 4 von schnurre anlehnend; namentlich anlehnung an jenen ton, wenn das wort synonym mit schnake gebraucht wird, das seinerseits von dem launischen fluge des thierchens ausgeht (vgl. oben sp. 1153): seine tugend (besteht) aus einem system über die tugend und seine handlungen aus schnurren, schnaken und charakterzügen. J. Paul uns. loge 1, 118; das wort kann in der angegebenen bedeutung schon alt nachgewiesen werden, hier wol in besonderer beziehung zu mhd. snürrinc possenreiszer (vgl. unter schnurrant): mit harten bösen und schweren worten und geberden, mit schnurren und andern unwürten wisen. Keisersberg seelenpar. 29a, verbreitet sich aber vor dem 18. jahrh. nicht, und erscheint hier besonders als lieblingswort Lessings: die schnurre fuhr mir nun so heraus! 1, 562; ein wahrer bauer, schalkisch und gerade zu, voller boshafter schnurren. 7, 79; wie viel leichter ist es, eine schnurre zu übersetzen, als eine empfindung! 89; sie kennen es (das sinngedicht) als das sinnreichste von allen kleinen gedichten: als eine witzige schnurre wohl nur. 8, 455; sie werden es kaum glauben, dasz ich die muthwilligsten stellen in meinen schnurren oft in sehr trüben augenblicken geschrieben habe. 12, 504; hat der herr mich aber nicht blos mit einer theatralschen schnurre zum besten. 2, 302; danach vielgebraucht bei anderen: ihr letzter brief, und die beigelegte poetische schnurre hat mir viel vergnügen gemacht. Boie an Bürger (briefe 1, 222); war das publicum mit solchen dingen nicht immer zufrieden, so rächte er sich durch eine neue, noch wunderlichere schnurre. Göthe 25, 154; er asz und trank, fluchte und machte seine schnurren. Keller werke 1, 79; ich hatte ... ihr allerlei von den fremden sitten und gebräuchen erzählt, die ich sah, und manche schwänke und schnurren eingeflochten. 3, 45; so sah er in dem abenteuer ... nur eine äuszerliche komische schnurre. 191; beim Rheinwein tolle schnurren erzählen. Treitschke d. gesch. 2, 33; mit ausgesprochen geringschätzigem beisinn und dadurch nach der bedeutung 4 hinüber leitend: der custode, der um nach gewohnheit fertig zu werden die auswendig gelernte schnurre herzubeten anfing. Göthe 23, 39; es war meine art auf ansichten und überzeugungen mitlebender männer vorzüglich zu achten, besonders wenn sie nicht gerade der schnurre des tags angemessene bewegung machen konnten. 32, 85; das versteh ich noch nicht, wie ein so gesetzter mann ... noch am rande des grabes solche schnurren treiben kann. J. Paul flegelj. 1, 30. 1010) schnurre, schnurrendes, umherziehendes weib, landschaftlich im nassauischen die schnorr bettlerin Kehrein 363; sonst in verfänglichem sinne, von der landstreicherei her, niederl. snorre, snurre, pellex, pallaca Kilian; buben, huren, schnurren. Garg. 272a; abgeblaszt, als verächtliche bezeichnung eines alten weibes: endlich gar die alte schnurre, die äbtissin. Schiller 2, 80 (räuber 2, 3). 1111) schnurre und schurre, name der pflanze hahnenkamm, alectorolophus crista galli. Pritzel-Jessen 16b.
8992 Zeichen · 146 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schnurre

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Schnurre , des -n, plur. die -n, in den gemeinen Sprecharten einiger Orten, einen Wächter für die öffentliche Ruhe a…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schnurre

    Goethe-Wörterbuch

    Schnurre 1 Marotte, Spleen [ Achsbruch auf der Reise ] da war Geduld und Werk vonnöthen.|Und wie ich auch mit Schmied un…

  3. modern
    Dialekt
    Schnurr(e)

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Schnurr(e) [ʿSnûrə Olti. Roppenzw. Strüth Mü. Katzent. ; ʿSnùrə Mü. Urbis ; ʿSnùr O. U. W.; Pl. –ə; Demin. ʿSnîrlə Olti.…

  4. Sprichwörter
    Schnurre

    Wander (Sprichwörter)

    Schnurre 1. Jez thue'n i kei Schnore 1 meh ûf, hät de Pfarer z' Nidesgand g'seit, wo-n er Kanzle i d' Chile-n abe purzle…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schnurre

41 Bildungen · 41 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schnurre 2 Komponenten

sch+n+urre

schnurre setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schnurre‑ als Erstglied (30 von 41)

Schnurre(n)bransi

Idiotikon

Schnurre(n)bransi Band 5, Spalte 743 Schnurre(n)bransi 5,743

Schnurre(n)bueb

Idiotikon

Schnurre(n)bueb Band 4, Spalte 941 Schnurre(n)bueb 4,941

Schnurre(n)heirch

Idiotikon

Schnurre(n)heirch Band 2, Spalte 1315 Schnurre(n)heirch 2,1315

Schnurre(n)schmalz

Idiotikon

Schnurre(n)schmalz Band 9, Spalte 954 Schnurre(n)schmalz 9,954

Schnurre(n)wagler

Idiotikon

Schnurre(n)wagler Band 15, Spalte 706 Schnurre(n)wagler 15,706

Schnurre(n)wagner

Idiotikon

Schnurre(n)wagner Band 15, Spalte 707 Schnurre(n)wagner 15,707

schnurre(n)wagnereⁿ

Idiotikon

schnurre(n)wagnereⁿ Band 15, Spalte 707 schnurre(n)wagnereⁿ -ü- 15,707

schnurrecht

DWB

schnur·recht

schnurrecht , adj. und adv. wie schnurgerecht, nach der schnur, gerade: schnurrecht, schnureben, ad amussim Frisch 2, 217 c ; so wöllen wir …

Schnurrenbutzer

ElsWB

schnurren·butzer

Schnurre n butzer m. 1. vielfach verächtlich für Barbier Olti. Mü. 2. grober Mensch, der einem gern über den Mund fährt Ruf.

schnurrenhaft

DWB

schnurren·haft

schnurrenhaft , adj. und adv. nach art einer schnurre ( s. d. 9): da kamen allerlei schnurrenhafte liedchen zum vorschein. Keller werke 6, 1…

Schnurrenkopf

RhWB

schnurren·kopf

Schnurren-kopf -u·r.əkǫp Dür m.: K. des Pferdes mit über der Stirne ins Gesicht hängender Mähne.

Schnurrenmächer

RhWB

Schnurren-mächer (s. S.) Allg. m.: Erzähler spasshafter Geschichten, Witzbold.

schnurrenreich

DWB

schnurren·reich

schnurrenreich , n. reich der schnurren, häscher ( vgl. das masc. schnurre 1, sp. 1415), hier vom ort, wo sie sich aufhalten: wer, fieng er …

schnurrenschaar

DWB

schnurren·schaar

schnurrenschaar , f. zahl der schnurren, häscher: die feige schnurrenschaar soll itzt wohl vor uns weichen. Zachariä renomm. 5, 252 .

schnurrenstock

DWB

schnurren·stock

schnurrenstock , m. stock als waffe der schnurren, häscher, den sie fliehenden studenten zwischen die beine warfen, um sie zum fallen zu bri…

Schnurresbinde

PfWB

schnurres·binde

Schnurres-binde f. : 'hinter den Ohren befestigte Stoffbinde, die den Sch. in der gewünschten Form fest an die Haut drückt', wurde nachts ge…

Schnurresbohne

PfWB

schnurres·bohne

Schnurres-bohne f. : 'scheckig gefärbter Bohnenkern', Schnorresbahne Pl. [ LU-Friesh ]; vgl. Schnurrbart 2, Schnurres 4 . Rhein. VII 1645 Z.…

Schnurresbub

PfWB

schnurres·bub

Schnurres-bub m. : Schimpfw. für einen frechen Jungen, Schnorresbub [ KU-Schmittw/O ]. —