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streuen

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

streuen vb.

Bd. 19, Sp. 1483
streuen, vb. , ausbreiten; verteilen; auswerfen. als gemeingerm. ist zu erschlieszen *straujan, das mit lat. struere 'übereinander breiten, aufbauen', strues 'haufe', serb. strovo 'haufe' und dem nasalpräsens aind. stṇṓti 'streut' mit gr. στὸρνυμι, στορέννυμι, στρώννυμι 'ausbreiten' auf die wurzelerweiterung *streu-, *stru- zurückzuführen ist. dazu steht die grundwurzel *ster 'ausbreiten, ausstreuen', wie in aind. stṇti, -stara- 'streu', alb. shtrî 'ausbreiten, ausstrecken', lat. sternere (strāvi) 'ausbreiten, bedecken', aslav. prostьr, prostrěti 'ausbreiten', vgl. Falk-Torp 2, 1186 und Walde-Pokorny 2, 640. denominative herkunft des verbums, wie sie Falk-Torp 2, 1186, Feist vergl. wb. d. got. spr. (31939) 456, Kluge-Götze (151951) 773b vertreten, läszt sich trotz isl. strá (s. u.) und der ags. umlautlosen formen (s. u.) nicht erweisen. dem germ. *straujan entspricht got. straujan, prät. strawida. das auffallende aisl. strá (statt zu erwartendem *streyja; vgl. aschwed. strøia) wird allgemein als neubildung zum prät. stráða (< *strauða < *strawiðō) angesehen; doch halten daneben noch für erwägenswert: Falk-Torp 2, 1186 ein germ. *strawón, Hellquist sv. etym. ordb. 32, 1093a eine ableitung vom subst. strá 'stroh, strohhalm' (wie sie Sievers-Brunner ae. gr. § 408 anm. 15 auch für die umlautlosen formen des ags. strēawodon für möglich halten). neunord. schlieszt sich an schwed. strö, norw. strøya, n. strø. die germ. verbindung von au mit i oder j muszte zu einem wechsel von awi und auj führen, der mancherlei ausgleichungen zur folge hatte. im ags. tritt anstelle des lautlich zu erwartenden *striegan oder *strīewan die neubildung (aus dem praeteritum strewede) strewian, wonach dann auch streowode und streowian (s. Sievers-Brunner ae. gr. § 408 anm. 15). as. führt der wechsel auj: awi zu einem inf. *strôian (vgl. mnl. strooyen), nach dem durch ausgleich das prät. strôidun Heliand C 3674 (statt *strewidun), während M streidun und opt. prät. vtstreidin (sternerent, Werdener gll., s. kl. as. sprachdenkm. 98, 16 Wadstein), die einen neuen inf. strêjen, streyen entwickeln, allgemein als vermischung von strewidun und strôidun angesehen werden, vgl. Gallée as. gr. § 100; Holthausen as. element.-buch § 167. dagegen bemerkt A. Lasch mnd. gr. § 195, dasz das nebeneinander von formen mit oi und ei nicht vereinzelt und möglicherweise mundartlich zu erklären ist; vgl. auch Sarauw vergl. lautl. 256. über die verteilung des lautwechsels in den nd. maa. vgl. Behrens in: nd. jb. 75 (1952) 48ff.dem nebeneinander von mnl. strooyen und strouwen liegt ebenfalls der wechsel von germ. auj: awi zugrunde, vgl. Franck mnl. gr. § 27. ahd. ist strouwen zu erwarten, dessen diphthong ou < au auf verdoppelung des w durch folgendes j zurückzuführen ist, vgl. Moser in: PBB 51 (1927) 109; Braune ahd. gr. (81953) § 114. bei formen mit folgendem i unterbleibt die verdoppelung und die diphthongierung, so dasz das kurze a umgelautet wird, so 2. 3. präs. strewis, strewit, prät. strewita, imp. strewi, vgl. Kögel in: PBB 9 (1884) 528 sowie Braune § 358 anm. 3. (die kürze und damit die umlautsfähigkeit der ersten silbe erweist Kögel a. a. o. 529 an der metrik Otfrids.) durch ausgleich dringen die umgelauteten formen auch in das übrige präsens ein, so dasz inf. strewen angesetzt werden musz. dagegen dringen im bair. die formen mit diphthong durch (vgl. Braune § 114 anm. 1), so einmal Freisinger Otfrid IV 4, 36 gistrouwitin; in einer elsäss. gl. des 12. jhs. begegnet die form gestrowet ahd. gl. 3, 416, 62; aber das aus dem 8. jh. stammende castrauuit des abrogans (Ka ahd. gl. 1, 26, 28 St.-S.) ist gleich späterem gistreuuit, da Ka den umlaut nur in strengi 9, 8 und az endim, aber in 82 fällen nicht aufweist (Kögel über d. keron. gl. 3 f.). auch mhd. bleibt der wechsel erhalten, strouwen neben ströuwen (s. Paul mhd. gr. 14§ 40 anm. 8). die weiterentwicklung der lautgruppe zum mhd. und nhd. ist ausführlich von v. Bahder grundlagen des nhd. lautsystems (1890) 213 ff. und von V. Moser über d. mhd. diphthong eü, in: PBB 51 (1927) 107ff. behandelt worden. nach letzterem bestehen zu beginn des mhd. drei parallelformen: umgelautetes strewen, nicht umgelautetes strouwen und eine neue form streüen (< strewen), zu der entweder (in maa. mit lange andauernder erhaltung des intervokalischen w) eine erneute gemination des noch halbvokalischen w (vor -i, -j) mit folgender verbindung des ersten vokalisierten w mit dem vorausgehenden e zum diphthong eu führte, oder für die (in maa. mit frühem schwund des intervokalischen w) eine direkte vokalisierung des intervokalischen w > u vorauszusetzen ist (strewet > streuet > streut); für beide entwicklungen ist nachfolgender i-umlaut > eü anzunehmen, während die alte form mit ou durch sekundärumlaut in öu übergeht oder umlautlos bestehen bleibt. (zum gesamten vorgang s. Moser a. a. o.) die auf diese weise differenzierten mundartlichen verhältnisse erfahren auch weiterhin eine unterschiedliche entwicklung, indem teils entrundung, teils monophthongierung neben bewahrung des alten den bestand der formvarianten auf dt. sprachgebiet erheblich vermehren. eine entwicklungsgeschichtliche darstellung erschwerend kommt hinzu, dasz spezialuntersuchungen über den lautwert der verschiedenen orthographischen bezeichnungen früher drucke noch ausstehen. den versuch einer entwicklungsgeschichte in den frühnhd. maa. bietet ebenfalls Moser a. a. o., für die md. und ostfrk. maa. vgl. Grosse d. meiszn. sprachlandsch. (1955) § 118 und passim. in den maa. des nhd. zeigt der vokalstand folgende von der hochsprachlichen lautgestalt abweichende formen: -au- Follmann Lothr. 504b; Hertel Thür. 238; Liesenberg Stiege 207; Hentrich Eichsfeld 81; Block Eilsdorf 95; Mensing schlesw.-holst. 4, 878. -ou- (-ow-), bzw. -ō-: stroue Schultze nordthür. 45a; Polenz Altenburg 53; (vgl. älteres strowen Matthias v. Beheim, sowie im nd. d. 15. jhs. bei Diefenbach gl. 185c s. v. disgregare, 186c s. v. dissipare, 544c s. v. spargere); štrogen Bauer-Collitz waldeck. wb. 100b (dazu älteres stroghen [nd. 1425] Diefenbach gl. 186a s. v. dispergere). -ā-: Laven ged. i. Trierer ma. 278; Autenrieth pfälz. id. 138; Dahlberg Dorste 2, 88a; Frederking Hahlen 135b; Westermann Baden (kr. Verden) 77b. — -ä- bzw. -e-: österr. weist. 2, 75; 3, 41; Luxemb. ma. 429; Autenrieth pfälz. id. 138; Tschinkel Gottschee 115; Schröer Gottschee 219; Anton Oberlausitz 13, 10; Michel Seifhennersdorf (Lausitz) PBB 15, 41; Hertel Thür. 238; Schambach Göttingen 214a; Leihener Cronenberg 117a; Böning Oldenburg 109. -ö-: Bacher Lusern 397 (dazu älter Augsb. städtechron. 22, 293; österr. weist. 3, 15; 3, 22); strögen Böger Schwalenberg 164; strögget Strodtmann Osnabr. 338. -ei-: Martin-Lienhart elsäss. 2, 622b; Schambach Göttingen 214a; Fischer Samland 155; Mensing schlesw.-holst. 4, 885; Schmidt-Petersen nordfries. 129a. intervokalisches w vokalisiert (s. o.), schwindet (allgemein in mhd. zeit) oder bleibtin manchen maa.erhalten. (in den zeichen Oew, ew, Aew usw., die bis ins 17. jh. hinein begegnen, ist das w in der mehrzahl der fälle als bestandteil des diphthongs anzusehen.) mundartlich findet sich der übergang w > b vor konsonant, vgl. štrȫbm Bacher Lusern 397; štrēbm Tschinkel Gottschee 115; gəšdrbd Grosse meiszn. sprachlandsch. 145. als g lebt altes w weiter in den nd. formen he strögget Strodtmann Osnabr. (1756) 338; ströggen, strüggen Schmoeckel-Blesken Soest 293; Woeste westfäl. 259b; strögen Böger Schwalenberg 164; štrogen Bauer-Collitz waldeck. wb. 100b; schtrauggen Liesenberg Stiege 207. AA. in den frühesten zeugnissen entspricht der wortinhalt durchaus der wurzelbedeutung 'ausbreiten', und zwar '(etwas) flächenhaft (gleichmäszig) hinbreiten'. im got. belegt als übersetzung von griech. στρώννυμι mit instrumentalem dativ des objekts: managai þan wastjom seinaim strawidedun ana wiga; sumai astans maimaitun us bagmam jah strawidedun ana wiga Mc. 11, 8; gaggandin þan imma ufstrawidedun wastjom seinaim ana wiga Luc. 19, 36; jah sa izwis taikneiþ kelikn mikilata, gastrawiþ, manwjata Mc. 14, 15. an den gleichen bibelstellen erscheint, dem sternere bzw. substernere der vulgata entspr., im Heliand ströuwian, strôian, im Tatian und bei Otfrid strewen, strouwen (s. u. 1 a). ebenso dient streuen zur wiedergabe von lat. sternere in formelhaftem viam sternere: agere strata siue uia puplica toan ardhanit so sama castrauuit (castrauuit, als glossierung zu strata, nur in K.) ahd. gl. 1, 26, 28 St.-S. (zu 'agere' [d. i. 'aggere', von agger, m., 'aufschutt, dammerde'] s. Baesecke d. dt. abrogans [1930] 103; 79); genauer in der bibelglosse sternens streuuanti 1, 292, 21 zu 5. Mos. 19, 3: sternens diligenter viam 'den weg, die strasze bequem benutzbar machen, instand setzen'. A@11) 'hinbreiten; überbreiten; auf einer fläche oder über eine fläche hin ausbreiten'. A@1@aa) decken, kleider, tücher ausbreiten; zufrühest in der bibelstelle von Jesu einzug in Jerusalem: imo tho farentemo manege streuuitun iro giuuati in uuege (eunte autem illo multi substernebant vestimenta sua in via) Tatian 116, 4 Sievers; und di meiste schare strowite ire cleidere in den wec (straverunt vestimenta sua in via) (1343) Matthias v. Beheim evangelienb. 48 Bechstein (Mt. 21, 8); wann manige streúten ire gewande an den weg erste dt. bibel 1, 78 Kurr.; abir ir vile strowiten ire cleidere in den wec (vestimenta sua straverunt in via) (1343) Matthias v. Beheim evangelienb. 97 Bechst. (Mc. 11, 8); abir dô her gînc, si strowiten undir ire cleidere in dem wege (substernebant vestimenta sua in via) (1343) ebda 164 (Lc. 19, 36); die irsten tragen palmen in der hant, die andern strauwen er gewant vor des heilandes fusz Alsfelder passionsspiel 2579 Grein; vnd ethlich czugen klayder ab vnd stratten für den herren das ein dt. geistl. liederb. aus d. 15. jh. 19 Bäumker; das dritte ist, das man nicht allein betten, sonder auch die kleyder auszziehen und dem herrn Christo an den weg strewen sol Luther 52, 15 W. zur weiterentwicklung der bibelstelle s. u. C 1. auszerbiblisch und in neuerer zeit nur vereinzelt: kaum hatte der engel sein ... netz über das schiff gestreut Bodmer Noah (1752) 161. ebenfalls zur bibelstelle vom einzug in Jerusalem gehört zweige streuen, was auch verstanden werden konnte als 'zweige über den weg hin breiten': sume hieuun zuuig fon boumon inti streuuitun in uuege (alii autem cedebant ramos de arboribus et sternebant in via) Tatian 116, 4 Sievers; die andern die scluogen este ab den bǒmen und streuwton die in den wech (13. jh.) dt. pred. 2, 129 Grieshaber; die anderen hiuwen di este von den boumen und strowiten si an den wec (ramos de arboribus ... sternebant in via) (1343) Matthias v. Beheim evangelienb. 48 Bechst. (Mt. 21, 8); di anderen hiuwen loubere von den boumen und strowiten si in den wec (frondes ... sternebant in via) (1343) ebda 97 (Mc. 11, 8); dieser gebrauch wirkt bis ins 16. jh. nach: du ich begunde schauwen die palmen under ene strauwen und kleider und gewant Alsfelder passionsspiel 3815 Grein; dultig yn demt er inreit est von den boumen, palm vnd kleit strOewt yn den weg dem herren dar (16. jh.) d. ält. kath. gesangbücher 3, 101 Kehrein. A@1@bb) mit objektswechsel etwas mit einem gegenstand streuen: (asinum) sternere sataloti, streuuiti ahd. gl. 1, 293, 6 St.-S. zu 2. Sam. 19, 26 (erste dt. bibel und Luther: einen esel satteln). sachlich anknüpfend an die unter a dargestellte situation, sprachlich an die oben angeführte verbindung viam sternere den weg streuen: tho nahideneriendo Crist ... antfengun ina fagaroendi imu biuoren streidun (C: stroidun) thene uueg mid iro giuuadiunendi mit uurtiun so same, mid berthun blomunendi mid bomo togun, that feld mid fagaron palmun Heliand 3674 Sievers; sie strewitun, thaz was wuntar, then weg thar imo suntar; seltsani racha,breittun iro lachan Otfrid IV 4, 31 Erdmann; namun sie thes goumainti brachun thar thie bouma, thaz sie sih thes gifrewetin,then weg imo gistrewitin ebda IV 4, 36; den wek strowen mit den palmen altdt. pred. 1, 20 Schönbach. bildlich, in dem parallel gebrauchten den weg slihten die bedeutung vorausnehmend: slihtit uns ingeginithen weg thiu selba menigi mit estin thero waldo,thaz wir gangen baldo. theist giscrib heilag,thaz wir lesen ubar dag, mit thi uns then weg, soso zam, strewent thie gotes man Otfrid IV 5, 56 Erdmann. A@22) jemandem etwas hinbreiten, unterbreiten, bes. zum lager; vgl. sternerent stréidin (Prudentius: fragmenta testarum iubet ..., tergo iacentis sternerent) ahd. gl. 2, 584, 56 St.-S. A@2@aa) eine weiche unterlage, ein polster zur lagerstatt hinbreiten (sternere streyen, uel est pacificare, preparare in sellare vel obruere, gemma gemm. [1508] A 2 d): inti her giougit iu mihilan soleri gistreuuitan, inti thar garauuet uns (et ipse vobis demonstrabit cenaculum grande stratum, et illic parate nobis) Tatian 157, 4 Sievers (Mc. 14, 15). vom ausbreiten des strohpolsters: ubi sint lecti strati sufficientur kistreuuitiv kinuhtlicho Benediktinerregel in: Steinmeyer ahd. sprachdenkm. 258, 27; lectisternia (hs.-var. lectisterni) kastreuuitiu ebda 231, 1. vereinzelt auch: ein iunges iunckfrewlein mit schönem angesicht, mit langen löcken, sitzende auff einem gestrewten stuol, nerende ein kind G. Alt buoch d. cronicken (1493) 78b. allgemein von teppichen, tuchen, fellen als weiche, gepolsterte unterlage: ein scharlach gestreut lag Ottokar österr. reimchron. 3330; beraittet ein warm wasser, domit ich gewaschen werde, und zehant darnach, so strewet mir die matten auff erde (sternite mattam) Johann Hartlieb dial. miraculorum 84 Drescher; do wuschen die münch desselben chlosters die selben heyligen leichnam und stellten die auff die penck und siczstatt in yr capitel und strewten darunder teppich und ander tücher ebda 187; Eumeus strewet Telemacho waiche vell vnd pOelster vnder Schaidenreisser Odyssea (1537) 67a. im compos. unterstreuen (s. d.) hält sich die bedeutung bis in den beginn des 18. jhs. A@2@bb) seit mhd. zeit in der wendung dem vieh (den stall) streuen, (schon früh auch mit ersparung eines objekts) 'dem vieh stroh (oder auch laub, reiser o. ä.) im stalle unterbreiten': ich hett ainsz mälsz ain zuoversicht zuo ainer schönen dirnen; dú kunnd den faden zwúrnen, den kelbernn ströwen, schniden grasz mhd. minnereden II 100 Thiele; die mich lieplich kan erfräen, musz täglich iungen kelbern sträen liederbuch d. Hätzlerin 76 Haltaus; sô ich strouwe den stal in: Germania 18, 197, 28 Bartsch; auff dem dorff hab ich herters leben mit schwerer arbayt und darneben somer und winter weng zu schlaffen, mit küen, sewen, gensz und schaffen, mit melcken, puttren, misten strewen Hans Sachs 5, 190 lit. ver.; vgl. 9, 211; etliche reissen auch die stupfflen nach der ernd ausz vnd sträwens dem vihe vnder, damit sie zertretten vnd durch den bruntz verfeulet werden, das gibt dann gutten mist M. Herr d. feldbau (1551) 42b; nu lasz sie (d. schweine) im hofe umbher gehen, und den stall ausmisten, und fein rein wider streuen viehbüchlein (1667) 84; dem vieh, den pferden streuen far la littiera al bestiame, a'cavalli Kramer t.-it. 2 (1702) 1011c; (ähnlich bei Dentzler clavis germ.-lat. [1713] 279b; Ludwig t.-engl. [1716] 1897; Frisch t.-lat. [1741] 2, 347b; Schwan nouv. dict. [1783] 2, 734b); zweige ..., zum streuen statt des strohs Göthe III 7, 163 W.; in den hiesigen (gegenden) hat der beste wirth selten mehr stroh, als er zur futterung und zum streuen gebraucht J. Möser s. w. (1842) 1, 422. in bäuerlicher umgangssprache im nd. wie obd. üblich bis in moderne zeit. vgl. auch: das getreide streuet gut wenn es dick stehet und viel stroh giebt Campe 4 (1810) 711b; es fehlt nicht an tröstern, die mir sagen ... der roggen streue nicht gut, und habe ... vom frost ... gelitten Möser s. w. (1842) 2, 58; hier jedoch vom ertrag an korn verstanden wie z. b.: dat korn streut good das getraide ist ergiebig, hat volle ähren Strodtmann Osnabrück (1756) 112; de hawer street goot liefert viel korn Böning Oldenburg 109a. metaphorisch: waz hers ze bêder zît dâ lac, die von dem stâte töuten! wie si den orsen ströuten mit manegem gezimiertem man! Wolfram v. Eschenbach Willehalm 393, 8 Lachm.; meinen rossen will ich nur mit menschen lassen streuen Rist d. friedej. Teutschl. (1653) 122. A@33) 'streu (stroh u. ä.) zur düngergewinnung vor den häusern in die straszen, gräben usw. legen' (schweiz. id. 11, 2455): auch soll kainer kain kot-süttn auf gemaine strasz machen oder darein ströben (16. jh.) österr. weist. 3, 15; item mer verpeut man euch, das füran niemant in die gmain lantstrassen noch die gemainen weeg mit stainen noch darein sträen soll, damit die gemain lantstrass reich und arm gefreit sei, bei der pues (16./17. jh.) ebda 2, 75; anbelangent die gmaine lantstrassen und torfgassen, ... ist ain solches fürgenomen und erleitert, das iemant ... weder in die lantstrassen oder dorfgassen nit streben, noch vilweniger ainichen reverenden mist oder tunget darinnen machen ... soll (1616) ebda 3, 41. A@44) im obd. in der wendung eine brücke streuen, sie mit streuhölzern versehen, ihr eine bohlenunterlage geben (s. dazu oben streu C): (der zollner soll die brücke) ströwen und mit ströwhölzern in êren (haben) qu. a. d. j. 1437 in: schweiz. id. 2, 1262. BB. von der bedeutung A 'sternere, ausbreiten' her wollen auch viele belege der älteren, namentlich der mhd. zeit verstanden sein, die das heutige sprachempfinden ausschlieszlich auf streuen spargere (s.C) zurückzuführen geneigt ist. sie bilden inhaltlich, zum teil auch wohl historisch, den übergang von A zu C: manch gelwer bluomen tolde, rôsen rôt und grüenez gras ûf den estrich geströuwet was Heinrich v. Freiberg Tristan 888 Bernt; vgl. rôsen vil darûf (auf die teppiche) gespreit ebda 2526; nu wart dâ manic gezelt vor Akers geslagen uf die velt, al umme wîten gar geströut kreuzfahrt Ludwigs d. Frommen 3729 Naumann; vgl. dazu: bedecket und bespreitet mit pavilûnen wirt das velt Konrad v. Würzburg trojan. krieg 29 006 lit. ver.; mencklich der zitt sich fröwt, wenn man sicht geströt mit blümlin feld und anger mhd. minnereden II 76 Thiele. vgl. dazu: der anger lît ... mit bluomen wol bespreit Ulrich v. Winterstetten in: Kraus dt. liederdichter 1, 504; (sie) begegneten den Römern auff dem meer ... mit grosser macht, also dasz das meer daselben gantz mit schiffen gestrewet ward Carbach Livius (1551) 97b. stricke, fuszangeln streuen (vgl. [die furt] mit fusysen gespreitet städtechron. 5, 688): (dasz) der tiuvel gelestert (werde) an allen sînen stricken, die er uns sô manicvalte geleit hât und gestreuwet allen unsern sachen Berthold v. Regensburg pred. 1, 411 Pf.; etliche aber strewen fuszangeln in welchen sich beides rosz und mann beschädigen Mendoza theor. et practica militaris (1619) 164. übertragen: jouffrou, wy sitz ir soe? al dat leift, der zyt sich vrauwet; ist uch hi leit allein gestrauwet? mhd. minnereden I 208 Thiele; hierhin rechnet der mhd. mehrfach bezeugte gebrauch des part. perf. gestreut mit 'reich besetzt mit (zierat)' von ritterlicher kleidung; wohl hierhin: dat pavyment (des salomon. tempels) dat was ghans meysterliken tozamende ghezat van mennygher hande mormelsteene, de weren veregghede unde ok dar to van allerhande varwe unde dar by ok ryckliken ghestrauwet bei Schiller-Lübben 4, 442a. dem hyperbolischen stil mhd. epik gehört an das feld streuen, d. h. mit den im kampfe erschlagenen bestreuen: si slugen der haiden also uile daz si daz uelt struoten Rolandslied 5141 Wesle; einer mîl lanc ode mêre was mit tôten daz velt gestreut Dietrichs flucht 8899 Martin; dhe blumen und dhe kle gewunnen von blute eyn nuwez oberdach. dort dher man, hi daz ros belach. sus wart dher plan gestrowet und daz grone gras durchtowet mit mengem turen bluote braunschweig. reimchron. 3349 Weiland. CC. streuen im sinne von 'spargere, ausstreuen', üblich vom auswerfen oder fallenlassen kleiner fester körper (korn, salz, pulver usw.). ahd. in diesem sinne nicht bezeugt, doch wegen des ae. streowian und des mhd. ströuwen auch für diesen zeitraum vorauszusetzen. das fehlen der ahd. zeugnisse liegt vermutlich darin begründet, dasz streuen bedeutungsverwandte wie spreiten und sprengen neben sich hatte und ihnen gegenüber bis in die nhd. zeit ein seltener ausdruck für spargere blieb. im Tatian erscheint dafür nur spreiton bzw. zispreiton: congrego ubi non sparsi (spreitta) 149, 7; congregas ubi non sparsisti (spreittos) ebda 149, 6 (zu diesen beiden stellen aus Matthäus vgl. unten 4 a); qui non congregat mecum, spargit (zispreitit) 62, 7; dispersit (zispreitta) superbos 4, 7; dispergentur (uuerdent zispreitit) oves gregis 161, 2; dispergamini (ir uuerdet zispreite) 176, 3; dispersi congregaret (cispreitiu gisamanoti) 135, 30. zu dieser bedeutung vgl. mhd. mit salze spreiten und perlen vor die schweine spreiten (bei Fischart) s. teil 10, 2, 1, sp. 14ff. einmaliges spargit in den psalmen (ps. 147, 16: nebulam sicut cinerem spargit) übersetzt Notker mit stoubet, spätere psalmenübersetzer mit üblicherem sprengen (Windberger ps., Trebnitzer ps., Wegelebener ps.); zu diesem gebrauch von sprengen vgl. mhd. asche sprengen und bei Konrad v. Megenberg melb sprengen 409, 3 neben wasser sprengen 154, 19 und pulver ströuwen 149, 1 neben harm (harn) ströuwen 149, 5. erst in nhd. zeit gelangt die abgrenzung der drei verben ströuwen, sprengen und spreiten zum abschlusz: spreiten wird (neben breiten) der ausdruck für das flächenartige ausbreiten eines gegenstandes; die anwendung von sprengen schränkt sich auf flüssige materie ein; streuen gibt die bedeutung 'ausbreiten, ausspreiten' (s.A) auf und wird in rasch zunehmendem masze der eigentliche ausdruck für spargere. C@11) diese entwicklung zeigt sich in dem rückgang des gebrauches von streuen im sinne von A 'sternere, ausbreiten'. bei Frisius steht noch nebeneinander: sternere vberspreiten, spreiten, ströuwen dict. (1556) 1241a neben spargere ströuwen, sprengen ebda 1228a; entsprechend erscheint bei Maaler teutsch spraach (1561) 393b ströuwen interpretiert mit spargere und sternere. spätere lexikographen halten beide bedeutungen getrennt. aufschluszreich ist besonders die jüngere überlieferung der oben unter A 1 a angeführten bibelstellen. ramos sternere bleibt bis in die gegenwart 'zweige streuen', d. h. sie aus-, niederwerfen, regellos verteilen: sie haben palmreysszer und oelreysszer von den bawmen geschniten und in wegk gestraut Luther 9, 638 W.; vgl. auch 10, 1, 2, 59; 10, 1, 2, 22. dagegen liesz die wiedergabe von vestimenta sternere die beibehaltung von streuen nicht zu. noch stehen im cod. Teplensis und in d. 1. dt. bibel streuen Mt. 21, 8 und Luc. 19, 36 gegen braiten Mc. 11, 8. doch Luther, Eck (1537), Lübecker bibel (1533) und danach die modernen bibelausgaben setzen überall breiten, die Zürcher bibel (1531) spreyten; in späteren belegen wird der ältere gebrauch noch sichtbar. so greift Stieler stammb. (1691) 2211 zwar die alte wendung auf: kleider auf den weg streuen, gibt aber (statt des biblischen 'sternere') die glosse 'dispergere', d. h. 'hier und da hinwerfen, auf dem weg verteilen'. Güntzel dagegen verdeutlicht sinngemäsz: vnnd da sie die kleider gestrewet oder auszgebreitet hatten haubtschl. (1648) 741a. C@22) als spargere kann sich streuen schlechterdings mit jedem objekt verbinden, das die vorstellung des zerstreutwerdens zuläszt. C@2@aa) das spätmhd. zeigt bereits verschiedene anwendungsmöglichkeiten (s. auch die mhd. wbb.): fünff und sechtzigg hobett wurdentt geströwett über all für den tisch in den sal Göttweiger Trojanerkrieg 11 515 Koppitz; houwet den boum zu valle! ouch sine zwige alle verschrotit im an der stat! strowet vrucht und sine blat: so werden vluchtic vil gar vogle, tyere mancher schar die oben, unden wonten buch Daniel 3600 Hübner. bildlich und übertragen: diu bluot schœn unde reine die von êrst getihte birt und diu dar nâch ze frühte wirt, daz ist diu kurzewîle guot, diu sich alsam des meien bluot in daz gemüete ströuwet und im sîn ougen fröuwet der guot getihte hœret Konrad v. Würzburg Partonopier 55 Bartsch; krank schinet der aller mahtig ist, und aller wishait, kunst tump in ainer kripp an fernunst. du dich dirr ding frow, daz wunder in din hertz strów! der sœlden hort 1546 Adrian. die anwendungsmöglichkeiten nehmen seit frühnhd. zeit in rasch wachsendem umfange zu: der (kerker) was gestrOewet mit glOeserin scherben summerteil d. heyligen leben (1472) 47a; liesz sie ieren bruoder ... ertOeten, ǒch zerhowen und die stuk wyt von ainander in das feld strOewen Steinhöwel d. claris mul. 70 lit. ver.; ire leiber (wurden) vff ein erdtrich mit scherben stucken gestrewt gworffen Hedio chron. Germ. (1530) M 3b. s. den weiteren nhd. gebrauch unter 3ff. C@2@bb) die übertragung auf sachliche handlungsträger, die in neuerer zeit möglich wird, gibt die vorstellung des ausstreuens mit der hand (s. u. 4) gänzlich auf und erschlieszt damit einen neuen anwendungsbereich: sehr viel steigeraqueten ... streueten kleine sterne von sich Olearius persian. reisebeschr. (1696) 242; der blitz auf blitze wirfft, tod und verderben dräut, und ihr zerdrümmert holtz in luft und wasser streut Pietsch geb. schr. (1740) 13; wenn sich gart und feld verneuen: wenn die bäume früchte streuen Neukirch ged. (1744) 258; von beiden seiten zeigen sich strandgebirge, schlieszen Marseille ein, streuen violette felseninseln nahezu ins meer Laube ges. schr. (1875) 5, 165; fortwährend standen die kugelrunden, weiszen wölkchen über dem gebüsch und streuten ihre schrapnells hinein Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 447; eine einzige grosze, zerplatzende kugel, die einen regen von falschen sternen über den himmel streute El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 198. C@33) aus dem allgemeinen gebrauch heben sich gewisse verbindungen durch gröszere häufigkeit hervor. neben eigentlichem steht oft bildlich-symbolischer gebrauch. C@3@aa) von sitte und brauchtum begünstigt findet blumen streuen weite verbreitung; blumen streuen floribus adspergere Stieler stammb. (1691) 2211; blumen, kräuter etc. streuen spargere fiori, herbe odorifere Kramer t.-ital. 2 (1702) 1011c; die erd mit blumen streuen spargere humum floribus, flores jacere Aler dict. (1727) 1853a; blumen streuen spargere flores Frisch t.-lat. (1741) 2, 347b; bluome straie auf die strasse, vor den füssen einer person, der man ehre erweisen will Martin-Lienhart elsäss. 2, 622b. als ausdruck hochgestimmten sinnes, oft zugleich herzlicher zuneigung zu einer festlich geehrten person: richt den saal auff das köstlichst zu ...! strew grasz und blumen, die wol schmecken, und mach ein rauch von edlen würtzen (1549) Hans Sachs 6, 146 lit. ver.; hatten alle kräntz auff, vnnd blumen in den händen, die streuweten sie jm vnter, vnd sungen freudengesäng buch d. liebe (1587) 221b; onzalbarlich blumen und krentz auff die strassen gestrewt Wickram w. 3, 194 lit. ver.; er ist der angebetete, ihm jauchzt das volk, ihn segnet es, ihm streut es diese blumen, er ist der meine, der geliebte ist's Schiller 13, 289 G.; die palmen legen wir zu deinen füszen, und blumen streuen wir vor deinen schritt Göthe I 16, 208 W.; der braut streuen spargere fiori dove da caminare una sposa Kramer t.-ital. 2 (1702) 1011c; zwölf weisze jungfrauen sodann, die kleine rosen ... auf die strasze streuten. und endlich ... der sechsfach bespannte ... brautwagen Th. Mann königl. hoheit (1953) 367. als blumengabe an verstorbene: ieder fürst streuete eine handvoll blumen auf die leiche Lohenstein Arminius (1689) 1, 17a; streut rosen auf den leichenstein Neukirch ged. (1744) 23; er nahte den gräbern ernst und wonnevoll, und streute blumen und blüthen auf die gräber der seinen Stolberg ges. w. (1820) 3, 327. metaphorisch auch: hier streut der west nur erst geraubte blüthen Mastalier ged. (1744) 4; ein bäumlein — es war maienzeit — schneeweisze blüten auf mich streut Mörike w. 1, 158 Göschen. ebenso bildlich für das aufblühen von blumen an regellos verstreuten standorten: der morgen nahet mild und schön, ... streut rosen auf die fernen höhn Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 1, 26; es liegt ein brautbette da, worüber der morgen seinen goldenen teppich breitet, und die frühlinge ihre bunte guirlande streun Schiller 3, 476 G. jemandem blumen (bes. rosen) streuen 'ihm annehmlichkeiten, freundlichkeiten gewähren' (vgl. gegensätzliches dornen streuen unten b): der gottheit ewiges gedeyen fahr stets in der gewohnheit fort euch rosen auf den weg zu streuen Stoppe Parnasz (1735) 54; also sind sie verblüht die veilchen, welche mir oftmahl deine gefällige hand streut in den mühsamen weg Stolberg ges. w. (1820) 1, 15. blumen über etw. streuen von einer literarischen darstellung, um sie dem leser angenehm und gefällig zu machen, ihren ernst hinter geschickter stoffbehandlung zu verbergen: andere dichter streuen rosen über ihre lehren, um ihre rauhigkeit zu verbergen Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1756) 1, 138; er greift nicht nach den bunten blumen, die man heutiges tages über gemeinsäze streut Sturz schr. (1779) 1, 72; überall blumen eines halb orientalischen, gut europäischen common-sense herüber gestreuet, die weder den tiefen forscher, noch den wahren zweifler ... befriedigen werden Herder 5, 425 S. C@3@bb) blätter, zweige streuen u. ä.: dieszmal streust du, o herbst, nur leichte welkende blätter Göthe I 1, 357 W.; die junge eiche lieblich steht, streut blätter auf sein grab Schubart s. ged. (1825) 3, 66; der kommende herbst wird wohl seine blätter auf das grab der guten frau streuen Ch. v. Schmid ges. schr. (1858) 2, 22. von zypressenblättern, -zweigen als zeichen des nahen todes bzw. der trauer: die tugend heiszt mich noch auf frischen rosen gehen, da mir der himmel schon cypressenblätter streut Gottsched crit. dichtkunst (1751) 666; streut nur eine hand voll cypressenreiser auf ihre asche Rabener s. schr. (1777) 1, 197. lorbeer streuen jem. ruhm und ehrung zukommen lassen: und die allersprödsten schönen werden dir auch lorbern streun Schönaich Heinrich d. Vogler (1757) 54; lorbeern, die ihnen in so reichlicher fülle ... gestreut wurden E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 86 Gr. in bildlicher redensart dornen in den weg streuen: du würdest es bereuen, mir dornen auf den beblümten weg gestreut zu haben Klinger w. (1809) 4, 97; dornen auf einen weg zu streuen, den wir so leicht und froh hinwandeln könnten ebda 8, 129; das jahr 1794 streute wieder viele dornen auf Stillings lebensweg Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 487. C@3@cc) einem engeren lebenskreis gehört streuen an in der verbindung mist, dünger streuen. über das gesamte sprachgebiet verbreitet; für die nd. maa. vgl. mecklenb. wb. 1, 1092 s. v. bräken; Westermann Baden (krs. Verden) 77: mist streuen sparger'il letame Kramer t.-ital. 2 (1702) 62c; mist streuen, auseinander streuen éparpiller du fumier Schwan nouv. dict. (1783) 2, 734b; sehr leichten dünger hab ich gesehn und den streuen sie mit den händen (1786) Göthe III 1, 317 W. C@44) insbesondere ist streuen in heutiger schrift- und umgangssprache der geläufige ausdruck für jede mögliche art der verbreitung brocken-, körner-, sand- oder pulverförmiger materie, insoweit die verbreitung allmählich (d. h. nicht auf einmal in der gesamtheit des vorrats im sinne von 'schütten') und geregelt über eine bestimmte, mehr oder weniger begrenzte fläche hin erfolgt. C@4@aa) samen streuen: der gärtner ... strewet den sahmen vber die zuvor mit der krauthacke auszgejättete beete (semina spargit) Comenius ianua aurea (1643) 133; wird ein verständiger landmann wohl den samen ... mitten im sommer in die gärten des Adonis streuen Herder 15, 515 S.; wie der wind oder gewisse vögel den saamen dahin und dorthin streuen (1798) Schiller br. 5, 347 Jonas; (dem pfluge) folgt, wie alte bilder zeigen, mit umgegürtetem tuche der sämann und streut das sommergetreide in die ... scholle Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 62. vor allem als gleichnis, als bildlicher oder übertragener ausdruck verbreitet, zum teil begünstigt durch das biblische congregas ubi non sparsisti (Mtth. 25, 24) und congrego ubi non sparsi (Mtth. 25, 26): du sneidest, do du nichten seetest vnd samenst, do du nichten strewest cod. Teplensis 37 Huttler; du ... samenst do du nichten streutest; ... ich ... samen do ich nichten strewe erste dt. bibel 1, 98 Kurr.; vnd samlest, da du nicht gestrawet hast; ... vnd samle, da ich nicht gestrawet habe Luther 6, 63 Bindseil. vgl. auch: du schneitst, wo du nicht seest an, samlest, da du nit gestrewet hast (1558) Hans Sachs 6, 337 lit. ver. so auch in den übrigen frühen bibelübersetzungen: gestrouwit Matthias v. Beheim (1343); geströuwt Zürcher bibel (1531); ghestrouwet Lübecker bibel (1533); gestrawt Eck (1537); (dagegen Tatian 149, 6: samanos thar du ni spreitos, s. o. C, sp. 1489). das bild vom auswerfen und verbreiten der saat, die zunächst latent im boden ruht, doch später aufgeht und sich in der frucht vermehrt, ist ausgang einer beliebten dichterischen metapher. C@4@a@aα) in werken und worten, die geeignet sind, böses zu stiften, künftiges geschehen zu beeinflussen; so in der wendung unkraut streuen; zunächst noch gleichnishaft: hastu nit ghörtt wie Cristus sagt, das ein haus vatter hat guten samen uff seinen acker gesehet, nun sey der feindt der teuffel kommen und hab bösz unkrautt darein gestrawet Luther 10, 3, 380 W. dann bildlich: dort, wo dem herrn geweiht ein tempel steht, wird bauen er (der teufel) ein schenkhaus flugs daneben, und unkraut streun, wo waizen fromm gesät Gaudy s. w. (1844) 2, 17. meist mit attributiver verdeutlichung des bildes: er streuete unter sie den saamen der zwytracht Lohenstein Arminius (1689) 2, 963a; so hat sie nun aus furcht, um uns zu trennen, der zwietracht saamen zwischen uns gestreut Raupach dram. w. kom. gattung (1829) 1, 378; dieser ... streute den saamen des verdachts in sie, welcher aufgieng und zank und streit hervorbrachte Heinse s. w. 3, 327 Sch.; verderbliche keime in jugendliche herzen streuen Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 31. C@4@a@bβ) lehren, ansichten, überzeugungen durch wort, schrift oder tat verbreiten: sie horen doch nicht und sind alle gute rede da verloren vnd der same an den weg gestrewet Luther 30, 2, 435 W. ähnlich: so wirdet er den bösen samen (die falsche auslegung des evangeliums, bes. des abendmahls) den er unter sie gestrauet, gleichwohl allda lassen (1538) Brück in: Luther br. 8, 247 W.; er öffnet unseres hertzens-thor, wann sie sein wort in unser ohr als edlen samen streuen Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 346; diese wackeren männer halfen ... den samen für die früchte der reformation streuen Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 229; das Frankfurter neue bürgerblatt, das ... manchen guten samen in seinem wirkungskreise streut Görres ges. schr. (1854) 2, 8; der same, den geniale naturen streuen, geht langsam auf Mommsen m. gesch. 3 (1866) 286. in wertender gegenüberstellung samen und unkraut: anstatt verständig zu belehren und ruhig einzuwirken, streut man willkürlich samen und unkraut zugleich nach allen seiten Göthe I 41, 1, 131 W. C@4@a@gγ) in mannigfaltiger einzelanwendung, meist in hinblick auf den gedanken späterer blüte, frucht und reife: schaut an disz fromme paar, disz paar, so zwei an namen und eins an herzen ist, das wahrer liebe samen aus seinen augen streut und in zwei herzen säet (1634) Fleming dt. ged. 1, 70 lit. ver.; der saamen, den du selber in meine seele streutest Schiller 4, 52 G.; getilgt ist zwist, gestreut des friedens samen: dasz er hier lange blühe, gott, sprich amen Shakespeare 9 (1810) 210; warum soll man sich dieses gartens voll unkraut (der menschheit) so eifrig annehmen und die saat der humanität so emsig streuen? Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 346. C@4@a@dδ) deutlicher mit dem gedanken des tätigseins, des wirkens in die zukunft: wer seinen samen hie auff erden mit thränen in den acker streut Simon Dach 210 lit. ver.; aber Ludewig ruft männer des volks ... ... ruft sie, damit der saat sie ihm streuen, aus der sich hoch die goldene ähr einst hebt Klopstock oden (1889) 2, 67; sieh! voll hofnung vertraust du der erde den goldenen samen und erwartest im lenz fröhlich die keimende saat. nur in die furche der zeit bedenkst du dich thaten zu streuen, die, von der weisheit gesät, still für die ewigkeit blühn? (1796) Schiller 11, 45 G.; der mensch soll mit der mühe pflugschar sich des schicksals harten boden öffnen, soll des glückes erntetag sich selbst bereiten, und taten in die offnen furchen streun H. v. Kleist w. 4, 9 E. Schmidt. C@4@bb) ausstreuen zum futter: er streuwet den guoten liuten ir arbeit und ir fuoter und ir heu vil mêre etewenne under diu ros danne sie sîn gezzen Berthold v. Regensburg pred. 1, 368 Pf. allgemein, bes. in neuerer zeit, körner, brotbrocken o. ä. auswerfen: es war aber am nachmittag das man den hnern zstrewen pflag Rollenhagen froschmeuseler (1595) Q 7b; doch woll man jnen (den tauben) auch etwas im winter, wans hart gefroren, streuen, so mag mans thun, wiewol sie sich gern zu den hünern halten, wann man denen streuet, so fliegen sie mit zu viehbüchlein (1667) 122; bringt uns nicht unser herr alle morgen dort in den trog wasser, streut er uns nicht hier auf der ecke samenkörner Göthe I 37, 265 W.; ich hab umsonst gestreut, will ja keine (meise) kommen Mörike w. 1, 232 Göschen; jene fische, denen sie semmelbrocken streut Holtei erz. schr. (1861) 22, 121. C@4@cc) geld auswerfen, unter die menge werfen; geld etc. streuen spargere danari Kramer t.-ital. 2 (1702) 1011c; geld unter das volk streuen, geld auswerfen jeter, répandre de l'argent au peuple Schwan nouv. dict. (1783) 2, 734b: da straten und wurfen sein camerer vil gelts vor im under das volck (Augsburg 15. jh.) städtechron. 22, 317; fünffhundert pfund sylber, die ... (der könig) strewet ... vnder sein ritter vnnd kriegsleüt Boner Herodot (1535) 33a; (die gottlosen sagen) ey er (gott) sol senden Messiam, qui nicht viel predigens treib, sed auff hengsten kome geritten comitatus mit 100000 reisigen und strewet gold, silber (1544) Luther 49, 363 W.; auf dem weg vom ufer bis zum palast hat er und sein gefolge lauter ducaten gestreut Raimund w. 1, 17 Sauer. bildlich: diser antichrist strewt gelt vnd begabt die seinen reichlich mit ehre vnd güttern voll auff Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) a 8a. 'verschwenden': ut 'n groten sack streien das geld mit vollen händen ausgeben Mensing schlesw.-holst. 4, 885. daran, sowie an den vereinzelt bezeugten gebrauch im sinne von 'aufteilen, auseinanderreiszen' (so ein übelthäter von seinen freihaiten, eern, land oder zum tod verurtailt worden, alsdann ist sein guot publiciert und in gemain gestrOewet der neü laienspiegel [1518] 148b) schlieszt sich die wendung an das gut (gütlein) streuen 'seinen besitz verschwenden, vergeuden' (s. Kramer t.-it. 2 [1702] 1011c), die dem imperativischen satznamen streudas-gütlein (s. oben an alphab. stelle) zugrunde liegt. C@4@dd) pulver, körner, sand o. ä. streuen, meist mit präpositionaler ergänzung der fläche oder des gegenstandes, die bestreut werden (wobei frühe belege noch weitgehend von der vorstellung des ausbreitens, hinbreitens [vgl. oben A] beherrscht sein mögen): daz sie im asche brechten rischlich, unde strouten die unden in den tempel hie vor dem kunge uber al buch Daniel 7961 Hübne und sträut das pulver auf der lewen vert Konrad v. Megenberg buch d. natur 149 Pf.; das wachsz würt schwartz, so man esch von papyr daruff strewet Eppendorff Plinius (1543) 11, 191; dann wann schon ein kramer wirdt beraubet oder sonst im vnglück zuogeht, das er umb sein pfeffer oder saffran kompt, so sträet er dester mehr ziegelmel darunder und bescheüsst die bauren nur dester sehrer (1559) Schumann nachtbüchlein 206 Bolte; pfeffer inn arsz gestreit Fischart Garg. 254 ndr.; brachten drey tonnen pulver herbey, streweten lauffpulver vnd legten eine brennende lunte ... daran Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 68; goss ... siedendes öl in die wunden, streuete ... saltz und pfeffer hinein Happel akad. roman (1690) 1013; als das gethan war, ging er (der wolf) zum müller und sprach : müller, streu mir fein weisses mehl auf meine pfote br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 18; da war ein junges weib zu einem frischen grabe gesprungen, hatte drei hände voll erde davon aufgegriffen und sie auf die schwelle der kirchtür gestreut (1864) W. Raabe s. w. I 6, 232. vgl. auch: streuen, bei dem conditor, durch streuen gewisse figuren hervorbringen. diesz geschieht auf gebäcke mit gefärbtem zucker, bei tafelaufsätzen mit sande encycl. wb. (1793) 9, 65; Jacobsson technol. wb. (1781) 4, 318b. in bildlicher anwendung: böse leut, die sich eines unglücks frewen, strewen einem erbsen auff die stiegen, das einer von seiner reputation herab falle Lehmann floril. polit. (1662) 1, 95; bis endlich der heisse schwüle sommernachmittag seine schlummerkörner über mich streute Kretschmann s. w. (1784) 5, 425; die kühle nacht streut schlummerkörner Musäus volksmärchen 3, 74 Hempel; als er (der zitherspieler) meiner ansichtig wurde, streute er gleichsam noch ein paar hände voll töne, wie goldkörner, über den see Stifter s. w. 1 (1904) 146. in besonderen verwendungen. C@4@d@aα) von drogen in pulverform, wie heilmittel, gift o. ä.: veltkümel hailt die wunden, wenn man sein pulver dar ein sträwet Konrad v. Megenberg buch d. natur 396 Pf.; wenn ein kindt sehr frat wirdt, so nimb das kraut myrtus wol gepülvert und streuwe es drauff Ruoff hebammenb. (1580) 238; nim krebs, die brenn ... zu pulver, das pulver strewe in den grind, das trücknet den grind vnd gehet fein ab Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 79. in bildlicher wendung gift auf (in) die wunden streuen: welches gift streust du auf meine wunden: kaum hatt ich linderung für meinen schmerz gefunden, so greifet deine hand sie so unfreundlich an theater d. Deutschen 4 (1767) 54; die stolze selber wollte gift in die wunden streun Ayrenhoff w. (1814) 2, 147. C@4@d@bβ) entsprechend von gewürzen, die dem essen zugefügt werden: petersilge, so man uber das fleisch strauet Luther 33, 220 W.; saltz (dem rindvieh) zu zeiten auf das essen streuen viehbüchlein (1667) 9; saltz, pfeffer etc. in, über etwas streuen spargere sale, pepe etc. qualche cosa Kramer t.-it. 2 (1702) 1011c; etwas salz auf das essen streuen jeter un peu de sel sur la viande Schwan nouv. dict. (1783) 2, 734b; und die mutter streute einen staubregen von zimmt und zucker über die schüssel Alexis ruhe (1852) 1, 142; man strebet zucker drauf Schröer Gottschee 219. so auch bildlich: solche sachen (dienen) biszweilen an statt des zuckers ..., welcher auf die rede gestreuet wird Chr. Weise polit. redner (1677) 132; allein, da ich mir es zur pflicht gemacht, über alle moralische sätze meiner lehrenden muse das salz der satire zu streuen Löwen schr. (1765) 1, )( 4b. C@4@d@gγ) vom gestreuten salz, dem man magische wirkung zuschrieb: ich beschwere dich du creatur des saltzes ... auff dasz ... alle gespänst, zauberey vnd list desz teuffels vnd aller böser geister daruon weichen, wohin du gestrewet wirst Fischart binenkorb (1588) 16a. vor allem bildlich: als wer er wahrlich der mann nicht, davon er mir gesagt, als were diese sach ein recht salz, das man uf die bienen streuen sollt (1545) polit. korresp. Moritz v. Sachsen 2, 201. bis in neuere zeit bewahrt ist die scherzhafte redensart salz auf den schwanz (eines vogels) streuen, um ihn zu fangen, s. Meiszner-Canzler quartalsschr. (1783) 117; Bettine d. Günderode (1840) 1, 82. auch im bilde: seit die nothwendigkeit des ideals in der kunst so dringend eingeschärft worden ist, sicht man die lehrlinge treuherzig hinter diesem vogel herlaufen, um ihm, so bald sie etwa nahe genug wären, das salz der ästhetik auf den schwanz zu streuen Fr. Schlegel pros. jugendschr. 2, 235 Minor. C@4@d@dδ) sand (auf, über die schrift) streuen zum trocknen nasser tinte (vgl.streusand; streubüchse, streusandbüchse): strewe sand darauff (auf die schrift) consperge arena Orsäus nomencl. meth. (1623) 299; die brieff strewen, mit strewsand stippen Güntzel haubtschl. (1648) 741a; streuen, als streusand auf die noch nasse schrift arena bibula siccare Frisch t.-lat. (1741) 2, 347b; sand, gestüppe auf die schrifft streuen spargere della sabbia ò polvere sulla scrittura Kramer t.-ital. 2 (1702) 1011c; steht auf, streut sand (regieanweisung) Schiller 3, 69 G.; so oft der herr comptoirassistent was schreibt, darf er den streusand darüber streuen Nestroy ges. w. (1890) 7, 11. daher die wendung punctum, streu sand drauf 'fertig, abgemacht'; punktum! streue sand drauf! das ist abgethan, fix und fertig; da wird nichts mehr geändert Schrader bilderschmuck d. dt. spr. (71912) 415; s. auch Albrecht Leipzig 186b; Frischbier sprichw. (21865) 214; Lipperheide spruchwb. (1907) 700; vgl. auch teil 8, sp. 1757. zur deutung der redensartlichen wortfolge als compositum s. u. streusand. C@4@d@eε) sprichwörtlich einem sand (staub) in die augen streuen; pulverem offundere oculis Stieler stammb. (1691) 2211; jeter de la poussière aux yeux de qn. Schwan nouv. dict. (1783) 2, 734b; auch mundartl., s. Frederking Hahlen 135b; Mensing schlesw.-holst. 4, 878. die wendung wird mit Erasmus (adagia 2, 9) auf einen alten fechterkniff zurückgeführt, dem gegner sand oder staub in die augen treiben zu lassen oder mit der hand hineinzuwerfen, vgl. teil 8, sp. 1757 und Borchardt-Wustmann redensarten (71954) 410, (daher auch nd.: he strögget an sand in de augen er übertrifft ihn Strodtmann Osnabr. [1756] 338; enem sand in de ogen streuen 'einen durch bessere verdienste und eigenschaften übertreffen' brem-ns. wb. 4 [1770] 588). in literarischen zeugnissen: wenn man offenbar sieht, dass er seinen lesern nur staub in die augen streuen will Lessing 8, 22 L.-M.; wollen wir eineinander staub in die augen streuen, um bewiesen zu haben, der mensch könne nicht sehen? Herder 5, 105 S.; wenn aber ... blinde etikette dem volke sand in die augen streuen will Bettine dies buch (1843) 1, 127; wer dumm ist, läszt sich sand in die augen streuen Polenz Grabenhäger (1898) 2, 313. C@4@ee) in verschiedenen wendungen, die sich auf kultische oder symbolische handlungen beziehen; der ausdruck wird häufig formelhaft und gewinnt als sinnbildliche redensart verbreitung. C@4@e@aα) asche (erde) aufs haupt streuen; zuerst in Luthers übersetzung: da lieff einer von Benjamin aus dem heer, vnd gen Silo desselben tages, vnd hatte sein kleid zurissen, vnd hatte erden auff sein heubt gestrewet 1. Sam. 4, 12 (conspersus pulvere caput; besprengt 1. dt. bibel; Eck); an diesem ort kamen sie jtzt auch zusamen, fasteten da, vnd zogen seck an, streweten aschen auff jre heubter, vnd zerissen jre kleider 1. Macc. 3, 47 (cinerem imposuerunt capiti suo; strouweden Lübecker bibel; besprengen Zürcher bibel; Eck; legen 1. dt. bibel). dem biblischen gebrauche folgend: mit äschen ... darein sich vorzeiten die buszwürckende menschen gar legten, heut aber nur für ein pfenning äschen auff den kopff gestrewet empfangen Fischart binenkorb (1588) 165b; den ersten tag nach der fasznacht, allwo die catholische kirchen den christglaubigen ein aschen über das haupt zu streuen pflegt Abr. a s. Clara etw. f. alle (1699) 1, 84; streuen, als aschen auf den kopf, womit sich die pharisäer verstellten quorum comae sordebant inspersu cineris Frisch t.-lat. wb. (1741) 2, 347b. im anschlusz daran als redensart für 'trauern, büszen': (der tod des vaters) wird unsre seele kräncken und das haupt voll asche streun Schmolck trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 958; mit dem letzten thun wir auch die busse ab, indem wir uns den altdeutschen bücherstaub wie asche auf das haupt streuen für mancherlei tollheiten und lustigkeiten (1809) W. Grimm in: briefw. (1881) 176; nun streue mir eine handvoll asche auf den kopf: ich will busze thun im sack und in der asche Holtei erz. schr. (1861) 24, 32. C@4@e@bβ) streuen als kultische handlung: du wirst, Aurora, dich der blumen ja nicht schämen, die seynd ein opffer, das man deiner schönheit streut Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. 2, 43 Neukirch; der unglückstag ist da. die binde schmückt mein haar, man streut das mehl. das opfer ist bereitet Schiller 6, 353 G.; vom aromatischen rauchopfer zur ehrung der gottheit: waren die priester ... versammlet, das rauchwerk ... darein zu streuen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 502; auf dem altare ... brennt ein opferfeuer, in welches der oberpriester ... weyhrauch streuet theater d. Deutschen (1768) 18, 147; deine hand soll ihnen weihrauch zuerst aus goldnen schalen streuen Göthe I 10, 70 W.; davon die redensart (einem) weihrauch streuen 'jem. loben, rühmen; ihm huldigen': es wird der lobaltar des königs nicht entweyhet, wenn ihm ein schlechter knecht geringen weyrauch streuet Heräus ged. u. inschr. (1721) 135; mögen diejenigen, ... welche ... meine rede verläumden ..., mich beschuldigen ohnmächtigen götzenbildern weihrauch zu streuen ... was geht das mich an? Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 314. meist in abschätzigem sinne 'jem. schmeicheln, über verdienst loben', 'sein verhalten beschönigen' (vgl. modernes gleichbedeutendes beweihräuchern): deren sklavische gefälligkeit allen ausschweifungen weihrauch streuet Gottsched dt. schaubühne (1741) 1, 277; es giebt menschen, deren zuneigung man augenblicklich verlohren hat, sobald man aufhört ihnen weyrauch zu streun Knigge umg. m. menschen (1796) 2, 146. C@4@ff) in die luft, in den wind, ins wasser streuen den elementen übergeben: vnd sy namen den aschen von dem aitofen vnd stuonden fúr pharaon: vnd Moyses der strewet in in den luffte erste dt. bibel 3, 247 Kurr. (Luther: sprenget jn [den rusz] gen himel; sparsit ... in caelum 2. Mos. 9, 10); sie nemen beyde hend vol russ und darmit hin für den köng tretten, den russ gen himel strewen thetten Hans Sachs 15, 144 lit. ver. in der bedeutung 'etwas in nichts auflösen, ohne rückstände tilgen' (vgl. lateinisches ventis tradere); so besonders von der asche verstorbener als symbolische handlung: hier will ich ihren staub (d. Ebräer) in wirbelwinden jagen, und durch den himmel streun Dusch verm. krit. u. sat. schr. (1758) b 5a; vor seinem tode verordnete er noch ausdrücklich, seine asche selbst in das meer zu streuen, damit auch kein atome seines wesens nach Sparta zurückkehren ... möchte Schiller 6, 75 G.; als Ludwig der vierzehnte und Louvois ... in Heidelberg die aschen der alten pfalzgrafen in die winde streueten E. M. Arndt schr. (1845) 2, 46; er ward ... als ein lästerer gottes und der heiligen enthauptet, verbrannt und seine asche auf die Iler gestreut Schubart leben 2 (1793) 87; die asche des Nero in den wind streuen, das bedeutete für sie, ihr blut ins leere verströmen Feuchtwanger Nero (1947) 276. auch von dingen, deren man sich in mehr oder minder symbolischer handlung völlig entäuszern will: und so blieb denn das los auf dem ständer, und erst als die ziehung vorüber war, zerrisz es Hradscheck und streute die schnitzel in den wind Fontane ges. w. (1905) I 6, 313. 'eine sache völlig aufgeben, auf sie verzichten': was in der brust in kühner wahrheit lebte, das sollst du muthig in die lüfte streuen Strachwitz ged. (1850) 132; in die lüfte gestreut habe ich die leidenschaft meiner jugend M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 83; wenn du das eisenthor des gewölbes zuschlägst, so lasse alles hinter dir zurück und streue die erinnerung in die winde Stifter s. w. 2 (1908) 100. auch 'etwas vergeblich tun, ohne erfolg, ohne wirkung': aber seine worte waren in den wind gestreut Heinse s. w. 3, 316 Sch. C@55) streuen in anwendung auf vorgänge in der natur. C@5@aa) es bezeichnet das kontinuierliche ausstrahlen, versprühen. C@5@a@aα) von lichterscheinungen jeder art, besonders in der metaphorischen sprache der poesie; einzelne lichtstrahlen, funken aussenden oder (reflektierend) aussprühen: (die sonne) ist scheinend an ir selber und sträwet irn schein von ir auf andreu dinch Konrad v. Megenberg buch d. natur 58 Pf.; daz ander reich des luftes ist gar kalt, dar umb, ... daz der sunnen schein und der andern stern dâ selben gar gesträwet ist ebda 74; gleich wie die liebe sonne, wenn sie auffgehet vnd strewet yhren reichen schein vnd milden liecht ynn alle wellt Luther 30, 3, 576 W.; epistutes ist ain scheinent stain rôtvar ... und sô man in an die sunnen legt, sô sträut er auz im selber feur und schein Konrad v. Megenberg buch d. natur 446 Pf.; ahnend tritt sie in das dunkel des hochgewölbten domes ein, ... wo die kerzen trüben funkel vom duftigen altare streun Uhland ged. 2, 275 Schmidt-Hartmann; wie oft auch die frühsonne ihre funken ... streute Storm s. w. (1899) 2, 259. glanz, schimmer, also licht anhaltend und in massiver form verteilen, ausstrahlen: die sonne lieblich streüet der strahlen güldnen schein Rist teutscher Parnasz (1652) 586; die kostbare crone streuet ihre schimmernden strahlen von sich Chr. Weise polit. redner (1677) 10; der sonnen antlitz ... streute diamanten br., die neueste litt. betr. 17 (1764) 169; frag, warum so schön und lieb lacht der himmel auf die felder, warum er sein purpur streut auf die hügel aller wälder? S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 286; wenn ... der mond aufgeht und seinen schimmer über die kaum bewegte fläche streut Göthe I 25, 234 W.; einsam streut die letzte lampe über beide ihren schimmer H. Heine s. w. 1, 145 E.; ich bin so hold den sanften tagen, wann in der ersten frühlingszeit der himmel, blaulich aufgeschlagen, zur erde glanz und wärme streut Uhland ged. (1898) 1, 12. vgl. auch: und dort zu rechten, überm rain, zeitlosen mit erneuter kraft verhauchten lilas schimmer streun A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 88. von reflexen, schatten und dergl.: die abendsonne ... streute einige goldene lichter an die wand G. Keller ges. w. (1889) 5, 118; zu einem Nestor von apfelbaum, der sein schattengesprenkel auf ihre weiszen kleider, auf den sandweg, auf tisch und sessel streut Stifter s. w. 1 (1904) 104; (die föhren) streuen sparsamen schatten ders. 5, 1 (1908) 30. in einzelnen, gelegentlichen vergleichen: und weil ihr gesicht auch durch die von sich streuenden blitzen ihres grimms dannoch nichts von der bezaubrenden schönheit verlohre Bohse Amor am hofe (1716) 2, 119; man findet hier (in Homers sprache) keine schimmernde antithesen, keine künstlichen fragen, keine kleinen verstohlnen metaphern, die einen unzeitigen glantz streun Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 172. C@5@a@bβ) duft, wohlgeruch verbreiten, ausströmen: (unser fraw ist wie) ain wol geladener rôsenpaum, der seinen smack milticleich umb sich sträwt mit voller genâd Konrad v. Megenberg buch d. natur 346 Pf.; die erste rose streuete ihren annehmlichen geruch alsobald von sich Chr. Weise polit. redner (1677) 706; rings umher mit güldnen rauchfässern behangen, welche einen lieblichen geruch von sich streueten Ziegler asiat. Banise (1689) 711; die lilien, die, dich zu erfreun, weit um sich wohlgerüche streun J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 11; es sind die rosen, die gerüche streun H. v. Kleist w. 2, 105 E. Schmidt. C@5@bb) in poetischer ausdrucksweise vom niedergang festen niederschlags wie schnee, reif, vereinzelt auch vom tau: dem newen jahrstag über ist es trübe gewesen und der wind unbeständig, wie auch die folgende nacht, als denn es nach 12 uhr ohne mercklichem winde etwas schnee gestrewet Prätorius saturnalia (1663) 21; berg und thäler seind erfreuet, dasz der tau die perlen streuet Grob dicht. versuchgabe (1678) 102; ... ich ... preise den, der rings so schön die silberflocken streute Salis ged. (1793) 57; doch oft streuest du auch flocken und auch schlossen Herder 5, 171 S.; (der wald) war gleichsam bereift, wie im winter, wenn der schnee in die nadeln gestreut ist, und lange kälte herrscht Stifter s. w. 2 (1908) 223. C@5@cc) moderne physikalische fachsprache versteht unter streuen eine abweichung von geradliniger ausbreitung; (häufiger als die verbale ausdrucksweise istentsprechend der modernen fachsprachlichen gepflogenheitsubstantivischer gebrauch, vgl. etwa streuung). C@5@c@aα) in der ballistik; zunächst vom jagd- (schrot-)gewehr: streuen nennt man es, wenn eine flinte die schrote weit auseinander wirft Hartig anl. z. forst- u. weidmannsspr. (1821) 173; jenes (schieszen) wird am besten mit der schrotflinte bewirkt, die man mit einer weder zu groben noch zu klaren nummer ladet, da jene ... zu sehr streuen, diese ... nicht ... genug durchschlagen Naumann vögel (1822) 11, 624; sein gewehr streut Polenz Grabenhäger (1898) 1, 364. ebenso von kugelgewehr und kanone, wenn infolge eines material- oder konstruktionsfehlers das geschosz von der errechneten geschoszbahn abweicht.auch von absichtlich herbeigeführter abweichung, indem lauf- oder rohrrichtung geringfügig verändert wird, so dasz (mit mehreren schüssen) eine fläche (statt eines punktes) unter feuer gehalten wird (vgl.streufeuer): im streuen werden die entfernungen ... bei jedem schuss geändert Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 705. C@5@c@bβ) in der optik 'an der geradlinigen ausbreitung hindern, den lichtstrahl auffangen und reflektierend verteilen' (indem eine substanz licht verschiedener wellenlänge verschieden bricht): in reiner atmosphäre wirken die moleküle der luft als streukörper (reflektoren). sie streuen vorwiegend kurzwelliges ... licht Windisch farbenfotografie (1939) 84; nur da, wo der zusammenstosz des lichtes mit materie stattfindet, ... erscheinen uns die lichtstrahlen als licht ... gäbe es nicht dieses ... gestreute licht, so wäre die sonne nur ein heller ball, alles übrige in der welt wäre dunkel ders., fotoschule (1940) 201; so besonders in populärwissenschaftlicher darstellung, in reiner fachsprache meist streuung des lichts, streulicht u. ä. (oder aber mit fremdsprachlichem terminus, z. b. dispersion). C@5@c@gγ) auch vom unter druck erzeugten wasserstrahl: auch die zersplitterung des wasserstrahles — das sogenannte 'streuen' ist dem zielen nicht günstig (im feuerlöschwesen) Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 5, 638. DD. streuen in übertragenem sinne als allseitig verteilen, verbreiten; einer sache beimischen, zufügen; anknüpfend an den sinnlich-konkreten gebrauch unter C. D@11) etwas unter die leute bringen; besonders meinungen und gerüchte verbreiten: des kauffmanns sun strewet das geschrey in die statt S. Franck Germ. chron. (1538) 130a; so ist zu mercken, das alle den unflat, so der teufel durch andere ketzer hin und wider gestrewet, den hat er durch Mahmet auff einen hauffen herausgespeiet (1542) Luther 53, 278 W.; so wurden wir nicht so viel klag von vntrewen bösen weibern hören strewen oder ausruffen Barth weiberspiegel (1565) F 3a; lügen in die welt streuen zeitungs lust u. nutz (1697) 55. öffentlich bekannt machen: sei still in deinem thun, brauch eingezogenheit, bisz dasz man in der kirch es (das verlöbnis) von der kantzel streut J. Cats sinnreiche w. (1711) 2, 566. im besonderen druckschriften verbreiten, der allgemeinheit zugängig machen: nachdem es aber nunmehr in einen völligen gebrauch erwachsen, dass so bald einer etwas dergleichen auf papier gebracht, er selbiges ... vermittelst des trucks unter die leute streuet Grob dichter. versuchgabe (1678) 4; Vieweg hat vielleicht ursache, dasz er einzelne exemplare, ehe die ganze versendung gemacht ist, nicht in die welt streuen mag Göthe IV 12, 344 W. heimlich unter die menge bringen: man streut freie gefährliche schriften ins publikum, die die spanische tirannei mit den gehässigsten farben mahlen Schiller 7, 175 G. so auch im ganz eigentlichen sinne brieflein streuen pamphlete, flugschriften austeilen, auswerfen: brieflein etc. streuen seminare bigliotti, policette Kramer t.-ital. 2 (1702) 1011c; des andern morgens fand man brieflein auf die gassen gestreuet the next morning there were found pamphlets sowed about the streets Ludwig t.-engl. (1716) 1897; die gegenpartei möge gassen gehen und zettel strähen, um ihre stimmen zu vermehren Handel-Mazzetti Stephana Schwertner in: dt. rundschau bd. 151, 183. D@22) abstrakter als das voraufgehende, doch ebenfalls auf der vorstellung des auswerfens beruhend; 'etwas allseitig bzw. immer wieder austeilen'. D@2@aa) (mit vollen händen) austeilen, verschenken; von den göttern, vom schicksal usw.: groszer gott, streue deinen göldnen regen auf dies paar und sie erfreue Neumark fortgepfl. lustgarten (1657) 2, 232; ja, seht, sie, segen ... auf den erwachten erdball streun (die sonne) Becker Mildheim. liederbuch (1799) 28; noch keinen sah ich frölich enden, auf den mit immer vollen händen die götter ihre gaben streun Schiller 12, 232 G.; streue segen um dich, wie eine beglückende gottheit ebda 6, 308 G. allgemein: die freuden des lebens sind sparsam gestreuet Adelung lehrgang d. dt. spr. (1782) 2, 400. jem. etwas gewähren, zukommen lassen: er strewt den armen sein hülff und thut sich der erbarmen Hans Sachs 18, 438 lit. ver.; wohlthaten mag ich wohl im stillen gerne streun, doch diesen namen (wohltäter) nie von einem freunde hören Castelli s. w. (1845) 12, 105. vereinzelt: während ich so den musen und der freundschaft meine stunden streute Zschokke ausg. schr. (1824) 15, 160. in der wendung wünsche streuen vota facere, vovere (Stieler stammb. [1691] 2211): denn dasz das hertz dir süsze wünsche streut Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 16. D@2@bb) ausstrahlen, verbreiten: Amöne, darf ich mich erkühnen, mit meiner schlechten höfflichkeit die süsse schönheit zu bedienen, so sich ausz ihren augen streut? (1678) Chr. Weise d. grün. jugend überfl. gedanken 67 ndr.; wie viel anmuth streuet nicht ... der beygefügte character von den gedancken und dem gemütheszustande der hirtin bey dem abschied ihres geliebten über das gantze gemählde? Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 24; des gnadenbildes segenreiche näh, das hier des himmels frieden um sich streut, nicht satans werk führt eure tochter her Schiller 13, 176 G. D@33) streuen in präpositionalen verbindungen (streuen auf, über, unter, zwischen etw.) steht im sinne von 'etwas gegebenem ein anderes (meist entgegengesetztes oder doch anders geartetes) beimischen, zufügen': hoffen und viel harren machet lauter narren; wann man hoffnung streuet auff das so gereuet, auff das so wir wollen, aber doch nicht sollen Schottel haubtspr. (1663) 875; über meinen bittern kummer den süszen trost zu streuen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1771) 2, 79; (der lügner) entzweyet bruder und bruder; und streut herbe bitterkeit über treue ... freundschaft Lavater verm. schr. (1774) 2, 342; wie? heiszt das sie erfreuen? aus eifersucht verdrusz auf ihr vergnügen streuen Göthe I 9, 12 W.; was hat der himmel für seligkeit in das kalte nüchterne leben gestreut Körner w. 2, 64 Hempel; er streuete der hoffnung süsze blüte ins labyrinth, wo keiner wiederkehrt Hölderlin ges. dicht. 1, 137 Litzmann. dazwischenstreuen, untermischen: die natur hat manches unbequeme zwischen ihre schönsten gaben gestreut Göthe I 33, 97 W.; dem heuchler streut er (Amor) bittern genusz unter verbrechen und noth ebda 1, 260. üblich von einem literarischen (rhetorischen) werk, dem auffallende inhaltliche oder stilistische sonderheiten beigemischt werden: ernst under scherz streuen jocis seria comiscere Stieler stammb. (1691) 2211; ich ... will nicht schmeicheleyen als einen fremden putz in meine verse streuen Neukirch ged. (1744) 186; zugleich streute er ... noch einige ... scherze auf diese worte Arndt s. w. (1892) 1, 224; er ... nährte, durch seine, zwischen die unterrichtsfloskeln gestreuten theaterberichte, meines herzens glühendste flamme Holtei vierzig jahre (1843) 1, 190; reime sind reichlich über das ganze gestreut jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 75. D@44) die wendung in den weg streuen, den lebensweg sowohl begünstigendes als auch hinderndes (vgl.C 3 a): einem was in den weeg streuen alicui aliquid objicere Steinbach dt. wb. (1734) 2, 741; wiewol nun dergestalt zu einer mehrern vertrewlichkeit ... ein guter eingang gemachet zu seyn schien, strewete doch der graff von Schwartzburg bald vielerley hinderung in den weg Chemnitz schwed. krieg (1648) 1, 115; ach streuet mir ja nicht neue sorgen in den weg Bucholtz Herkuliskus (1665) 243; wenn nur das unglück nicht andere sachen im weg streuete Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 534; das interesse an meiner wirksamkeit, einige schöne blüthen des lebens, die das schicksal mir in den weg streute, verbargen mir diesen verlust (d. eignen ungenügens) (1791) Schiller br. 3, 179 Jonas. EE. ältere bedeutungen von streuen, die vereinzelt bis in nhd. zeit üblich sind, treten im gleichen masze zurück, wie spargere in dem unter C charakterisierten sinne der eigentliche bedeutungskern des wortes wird. E@11) streuen als 'zerstreuen, auflösen'. E@1@aa) in eigentlichem sinne 'eine gruppe auseinandertreiben, auflösen'; auch reflexiv 'sich zerstreuen, auseinandergehen, den gebotenen zusammenhang verlieren': dez vihes hirte wirt geslagen, dez hirten schaf gestrauowet Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 4305 Singer; got selbe sprichet dar in uz Jeremya alsust drouwende irre wollust: strovwen wil ich ir uppe als der wint ein gestuppe tut, von rechtes sturmes macht: glich muzen sie werden bracht zur vlucht vor iren vinden buch Daniel 2865 Hübner (nach Jer. 18, 17); dâ traf ein teil dî eine trucht, dî sich ouch strouwte an dî vlucht Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinlant 22 333 Strehlke; mir wart alsô geseit, dâvon daz si gestreut wârn, si muosten übel gevarn, der Karlot und die sînen Ottokar österr. reimchron. 4297; si habent her unde hin sich manigen end gestreut ebda 4289; die reitenden Dürgken weichent oft den Cristen und fliehent vor in darumb, dasz sich die Cristen ströen, und darnach koment sie herwider merer gerennt und gesterckt und dann werdent die Cristen, also gesträet und ungeordnet, überwunden (Augsburg ca. 1450) städtechron. 22, 293; als Vespasianus Jerusalem erstörte und all juden fieng und in das ellend ir zertailung sträwet Ulrich Füetrer bayer. chron. 51 Spiller; si nit lang in guoter ordnung blibend, sonder, wo si vermaintend, die vigend erobert (zurückgeworfen) han, dasz si sich ströuwtind und zuo blündern genaigt werind J. v. Watt chron. 1, 329 Götzinger; euch aber wil ich unter die heiden strewen (dispergam) 3. Mos. 26, 33 (ich verzett 1. dt. bibel); gott strewt die völcker, die gern kriegen Hans Sachs 18, 269 lit. ver.; die Wandali verliessen Rom und seind durch Campanien gestroewet worden H. Gholtz lebendige bilder (1557) P 3b; wer Italien verbesseren wolte, der muste Mailandt verderben; nemblich das sich die kunstner und handtwercks leuth (so von hinnen verjagt wurden) sich durch gantz Italien strehen unnd auss thailten Ortelius schawpl. d. erdbodems (1572) 33a. E@1@bb) in bildlicher und übertragener verwendung von inconcreta 'verteilen', 'auflösen': nv wil och tiusche liute got mit ir trosten ane spot und mit ir helfe frowen ir suntlich truren strowen Hugo v. Langenstein Martina 286, 96 lit. ver.; mîn gedenke sich müssen dâ von fröuwen und ze rugge ströuwen swaz mir leides ie gewar Reinfrid v. Braunschweig 3464 lit. ver.; aber die werm jn den grossen herczen die streüt vnd preit sich problemata Aristotelis (1492) 13a; doch inn diser sach den schmertzen mildt zuo machen oder jhm strOeuwen geschicht mit warmem roszOelen, mitt salbung H. Braunschweig chirurgia (1539) 75; was ausz dem magen kompt, wird gestrewt durch den gantzen leib, wie der taw in die gantze welt Paracelsus chir. (1616) 1, 299 Huser. E@22) eine schon vorgermanisch bezeugte bedeutung liegt vor bei streuen im sinne von 'zu boden werfen, hinstrecken, niederwerfen, besiegen'; in Jesu anrede an Jerusalem nach Lc. 19, 44: uuanta quement taga in thih, inti umbigebent thih inti giangustent thih eogiuuanan, inti zi erdu gistreuuent thih inti thiu kind thiu in thir sint (ad terram prosternent te et filios) Tatian 116, 6 Sievers. E@2@aa) bes. in der kampfhandlung, niederwerfen, zu boden strecken, damit häufig gleichbedeutend mit töten: er quam so risi hera in lantjoh kreftiger gigant, in einwigi er nan strewita,ther richi sinaz darota Otfrid IV 12, 62 Erdmann; (auch übertragen: hiar strewit thiu sin guatiin uns thio ubarmuati ebda III 3, 11); alsô der daz kras nider sleit, sô strouwet Alexander; diz ne mohte nehain ander. diu menige diu was mâre grôz, die der hêre slûch unde schôz Vorauer Alexander 1313 Kinzel; si habent dine helde gestruot after uelde. ir ist so uil geuallen Rolandslied 8370 Wesle; alle die im nâch riten die streuter nâch ein ander Hartmann v. Aue Iwein 4713 Benecke; sîn hant se nider streute Wolfram v. Eschenbach Parzival 618, 25 Lachm.; von den Hegelingendie Hetelen mâgen die sluogen vil der wunden.die geste beidenthalp gestrewet lâgen Kudrun 507, 4 Symons; sie (die welt) tut ir hende under ein ander blutic, swenne sie tobewutic wider einander houwet unde sich nider strouwet als ein witzeloses vie Heinrich v. Hesler apokalypse 13 366 Helm; an der flucht wurden auch so vil ertödt und mit den wagen zu tod gestossen, das sie lagen gestrewet auff dem veld als die samlet der garben in dem schnitt Johann Hartlieb Alexanderb. (1476) 56a. vielleicht auch noch: kurtz: der das land geprest (d. feind) ward todt darauf gestreut Besser schr. (1732) 1, 47. ein jüngerer gebrauch, der in dichterischer sprache begegnet, geht nicht auf die grundbedeutung 'zu boden werfen, niederwerfen' zurück: wo diese heldenmüthigen dames mit auffgestreifften armen das schlachtschwerdt auff beyden seiten viel tausend leichen streuen lassen Amaranthes frauenz.-lex. (1715) vorr. 5b; Erich streute leichen durch die see dem raubgethier Denis lieder Sineds (1772) 76; so stürzet nun er in die feindlichen haufen und streuet leichen um sich her Ayrenhoff w. (1814) 1, 264. E@2@bb) vereinzelt reflexiv, sich hinstrecken, sich zu boden werfen: do geng sy darnach forchtig und zittern und strewt sich zu der erden für unnser lieben frawen pilde gnad von ir ze pitten Johann Hartlieb dial. miraculorum 56 Dr.; und do er also gestrewet auff der erde lag (procumberet) ebda 114; ein weisse pernhaut ... die wolt er für sand Andres alltar zu einem understrew, den sy sich dar auff strewen oder in dem wintter durch wyrm willen dar auff steen wolden ebda 156; doch lieff sie vor essens wider zu irm peichtvatter und maynt es wär von schulde irer sünden, und strewt sich für sein füesse auff die erde ebda 249. davon dann allgemeiner, sich niederlassen, niederbeugen zum gebet: er strewt sich da für auff sein knye und huob an sein inniges gepett zu unnser lieben frauen (se prostravit) Johann Hartlieb dial. mirac. 67 Dr. E@33) auch die anwendung von streuen auf unfeste körper, die sich spurenweise bis ins 18. jh. findet, wurzelt, soweit nicht jüngere dichterische metapher vorliegt, in älterem gebrauch. dahin rechnet tränen streuen tränen vergieszen: ez het diu minne mit ir kraft so sere si ervräwet daz hainlich wart gestræwet vil zæher haiz uz augen Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 9454 Regel; weine mit mir, threnen streue, fromme redlichkeit und treue A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 1037; ich weisz, dasz selbst die traurigkeit, und ihres schmertzens ungebehrden, wenn sie die heissen thränen streut, sie noch viel schöner machen werden Besser schr. (1732) 2, 738; ebenso eine verwendung im sinne des heutigen 'ausgieszens': strewweten sie das blut, noch so warm in frische erden Nigrinus von zäuberern (1592) 32; wir streuten Römerblut aufs feld und Römerschande durch die welt Kretschmann s. w. (1784) 1, 114.
72112 Zeichen · 1449 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Streuen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Streuen , verb. reg. act. mehrere bey einander befindliche trockne Körper mit einem gelinden Geräusche reichlich auf ein…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    streuen

    Goethe-Wörterbuch

    streuen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    streuen

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    streuen streuden, -g- streuen; die Lautformen streuen und streuden herrschen im Hauptteil des Sprachgebietes, streugen i…

  4. Sprichwörter
    Streuen

    Wander (Sprichwörter)

    Streuen 1. Je mehr man streut, desto mehr Mist wird. Frz. : Et plus met-on de paille en l'estable et plus y a de fumier.…

  5. Spezial
    streuen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    streu|en vb.tr. 1 (verteilen) sterne (stern, sternü) 2 (verstreuen) spane (spann, spanü) 3 destëne fora.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit streuen

22 Bildungen · 4 Erstglied · 14 Zweitglied · 4 Ableitungen

streuen‑ als Erstglied (4 von 4)

Streuengelchen

RhWB

streu·engelchen

Streu-engelchen Rip n.: kl. Mädchen, das Blumen vor dem Allerheiligsten während der Prozession auf den Weg streut [in Aach-Stdt aus einem üb…

Streuenkorb

PfWB

streuen·korb

Streuen-korb m. : ' großer Korb für Häcksel, Streu ', Strauekoʳb [ KL-Miesb ]; Syn. s. Korb 1.

streuentnahme

DWB

streu·entnahme

streuentnahme , f. , entfernung der natürlichen waldbodendecke ( zu streu B 2): ausserdem müsste die streuentnahme ... nachtheiliger für das…

streuen als Zweitglied (14 von 14)

aufstreuen

DWB

auf·streuen

aufstreuen , aspergere, inspergere, nnl. opstrooijen: zucker aufstreuen, sand aufstreuen; punctum, streu sand auf! wenn man vogel fangen wil…

ausstreuen

DWB

aus·streuen

ausstreuen , spargere, dispergere, nnl. uitstroojen: samen, blumen, federn, geld, asche ausstreuen; weistu, wie sich die wolken ausstrewen. …

bestreuen

DWB

best·reuen

bestreuen , conspergere, circumspergere, consternere, disperpere, umstreuen und umher streuen, mhd. ir türne und hiuser wâren ganz, die sint…

Dúrchstreuen

Adelung

durch·streuen

Dúrchstreuen , verb. reg. act. Ich streue durch, durchgestreuet; durch eine Öffnung streuen.

einstreuen

DWB

einst·reuen

einstreuen , inspergere, interspergere, nnl. instrooijen, schw. inströ, dän. indströe. 1 1) samen einstreuen, sand einstreuen; dem vieh stro…

mankstreuen

MeckWBN

mank·streuen

Wossidia mankstreuen dazwischen streuen: streu dor Sand mank! Ro Rostock@Ribnitz Ribn .

überstreuen

DWB

ueber·streuen

überstreuen , v. 1) in untrennb. verbindung: bestreuen, s. Frisius 992 a ; 1273 a s. vv. persterno, supersterno; etwas mit pulver, mit zucke…

umstreuen

DWB

umstreuen , vb. 1) trennbar. a) umher-, herumstreuen: ein saw, die alles umbstrewt und nichts findt, das ihr nützlich sey Paracelsus opera (…

unterstreuen

DWB

unterst·reuen

unterstreuen , v.; mhd. underströuwen; mnl. onderstrouwen; nl. onderstrooien; dän. strø under; schwed. strö under, underströ; engl. understr…

verstreuen

DWB

verst·reuen

verstreuen , verb. , vgl. Graff 6, 759 . I I. üblich nur als fra- type. mhd. verströuwen, verströun mhd. wb. 2, 2, 701 b ; Lexer 3, 255 ; ve…

vorstreuen

DWB

vorst·reuen

vorstreuen , verb. , fürstreuen fehlt teil 4, 1, 1, sp. 896; im mhd., wie es scheint, zufällig nicht zu belegen, s. aber vorstreuer; mnld. v…

zerstreuen

DWB

zers·treuen

zerstreuen , verb. , mhd. zerströuwen, mnd. tostrouwen, mnld. testrooien; das partic. zeigt im nhd. bisweilen noch -au-, entrundung hat obd.…

zestreuen

KöblerMhd

zestreuen , sw. V. Vw.: s. zerströuwen

Ableitungen von streuen (4 von 4)

bestreuen

DWB

bestreuen , conspergere, circumspergere, consternere, disperpere, umstreuen und umher streuen, mhd. ir türne und hiuser wâren ganz, die sint…

ERSTREUEN

DWB2

ERSTREUEN vb. mhd. erströuwen. präfixbildung zu streuen vb. 1 ausstreuen, ergießen: ⟨M14.jh.⟩ ein edler blick oft zweier herz beslüßet,/ der…

verstreuen

DWB

verstreuen , verb. , vgl. Graff 6, 759 . I I. üblich nur als fra- type. mhd. verströuwen, verströun mhd. wb. 2, 2, 701 b ; Lexer 3, 255 ; ve…

zerstreuen

DWB

zerstreuen , verb. , mhd. zerströuwen, mnd. tostrouwen, mnld. testrooien; das partic. zeigt im nhd. bisweilen noch -au-, entrundung hat obd.…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „streuen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/streuen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „streuen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/streuen/dwb. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „streuen". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/streuen/dwb.
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