streuen,
vb. ,
ausbreiten; verteilen; auswerfen. als gemeingerm. ist zu erschlieszen *straujan,
das mit lat. struere '
übereinander breiten, aufbauen', strues '
haufe',
serb. strovo '
haufe'
und dem nasalpräsens aind. stṇṓti '
streut'
mit gr. στὸρνυμι,
στορέννυμι,
στρώννυμι '
ausbreiten'
auf die wurzelerweiterung *streu-,
*stru-
zurückzuführen ist. dazu steht die grundwurzel *ster '
ausbreiten, ausstreuen',
wie in aind. stṇti, -stara- '
streu',
alb. shtrî '
ausbreiten, ausstrecken',
lat. sternere (strāvi) '
ausbreiten, bedecken',
aslav. prostьr, prostrěti '
ausbreiten',
vgl. Falk-Torp 2, 1186
und Walde-Pokorny 2, 640.
denominative herkunft des verbums, wie sie Falk-Torp 2, 1186, Feist
vergl. wb. d. got. spr. (
31939) 456, Kluge-Götze (
151951) 773
b vertreten, läszt sich trotz isl. strá (
s. u.)
und der ags. umlautlosen formen (
s. u.)
nicht erweisen. dem germ. *straujan
entspricht got. straujan,
prät. strawida.
das auffallende aisl. strá (
statt zu erwartendem *streyja;
vgl. aschwed. strøia)
wird allgemein als neubildung zum prät. stráða (<
*strauða <
*strawiðō)
angesehen; doch halten daneben noch für erwägenswert: Falk-Torp 2, 1186
ein germ. *strawón, Hellquist
sv. etym. ordb. 32, 1093
a eine ableitung vom subst. strá '
stroh, strohhalm' (
wie sie Sievers-Brunner
ae. gr. § 408
anm. 15
auch für die umlautlosen formen des ags. strēawodon
für möglich halten).
neunord. schlieszt sich an schwed. strö,
norw. strøya,
dän. strø.
die germ. verbindung von au
mit i
oder j
muszte zu einem wechsel von awi
und auj
führen, der mancherlei ausgleichungen zur folge hatte. im ags. tritt anstelle des lautlich zu erwartenden *striegan
oder *strīewan
die neubildung (
aus dem praeteritum strewede) strewian,
wonach dann auch streowode
und streowian (
s. Sievers-Brunner
ae. gr. § 408
anm. 15).
as. führt der wechsel auj: awi
zu einem inf. *strôian (
vgl. mnl. strooyen),
nach dem durch ausgleich das prät. strôidun
Heliand C 3674 (
statt *strewidun),
während M streidun
und opt. prät. vtstreidin (
sternerent, Werdener gll., s. kl. as. sprachdenkm. 98, 16
Wadstein),
die einen neuen inf. strêjen, streyen
entwickeln, allgemein als vermischung von strewidun
und strôidun
angesehen werden, vgl. Gallée
as. gr. § 100; Holthausen
as. element.-buch § 167.
dagegen bemerkt A. Lasch
mnd. gr. § 195,
dasz das nebeneinander von formen mit oi
und ei
nicht vereinzelt und möglicherweise mundartlich zu erklären ist; vgl. auch Sarauw
vergl. lautl. 256.
über die verteilung des lautwechsels in den nd. maa. vgl. Behrens in:
nd. jb. 75 (1952) 48
ff. —
dem nebeneinander von mnl. strooyen
und strouwen
liegt ebenfalls der wechsel von germ. auj: awi
zugrunde, vgl. Franck
mnl. gr. § 27.
ahd. ist strouwen
zu erwarten, dessen diphthong ou < au
auf verdoppelung des w
durch folgendes j
zurückzuführen ist, vgl. Moser in:
PBB 51 (1927) 109;
Braune ahd. gr. (
81953) § 114.
bei formen mit folgendem i
unterbleibt die verdoppelung und die diphthongierung, so dasz das kurze a
umgelautet wird, so 2. 3.
präs. strewis, strewit,
prät. strewita,
imp. strewi,
vgl. Kögel in:
PBB 9 (1884) 528
sowie Braune § 358
anm. 3. (
die kürze und damit die umlautsfähigkeit der ersten silbe erweist Kögel
a. a. o. 529
an der metrik Otfrid
s.)
durch ausgleich dringen die umgelauteten formen auch in das übrige präsens ein, so dasz inf. strewen
angesetzt werden musz. dagegen dringen im bair. die formen mit diphthong durch (
vgl. Braune § 114
anm. 1),
so einmal Freisinger Otfrid IV 4, 36 gistrouwitin;
in einer elsäss. gl. des 12.
jhs. begegnet die form gestrowet
ahd. gl. 3, 416, 62;
aber das aus dem 8.
jh. stammende castrauuit
des abrogans (K
a ahd. gl. 1, 26, 28
St.-S.)
ist gleich späterem gistreuuit,
da K
a den umlaut nur in strengi 9, 8
und az endim,
aber in 82
fällen nicht aufweist (Kögel
über d. keron. gl. 3
f.).
auch mhd. bleibt der wechsel erhalten, strouwen
neben ströuwen (
s. Paul
mhd. gr. 14§ 40
anm. 8).
die weiterentwicklung der lautgruppe zum mhd. und nhd. ist ausführlich von v. Bahder
grundlagen des nhd. lautsystems (1890) 213
ff. und von V. Moser
über d. mhd. diphthong eü,
in: PBB 51 (1927) 107
ff. behandelt worden. nach letzterem bestehen zu beginn des mhd. drei parallelformen: umgelautetes strewen,
nicht umgelautetes strouwen
und eine neue form streüen (< strewen),
zu der entweder (
in maa. mit lange andauernder erhaltung des intervokalischen w)
eine erneute gemination des noch halbvokalischen w (
vor -i, -j)
mit folgender verbindung des ersten vokalisierten w
mit dem vorausgehenden e
zum diphthong eu
führte, oder für die (
in maa. mit frühem schwund des intervokalischen w)
eine direkte vokalisierung des intervokalischen w > u
vorauszusetzen ist (strewet > streuet > streut);
für beide entwicklungen ist nachfolgender i-
umlaut > eü
anzunehmen, während die alte form mit ou
durch sekundärumlaut in öu
übergeht oder umlautlos bestehen bleibt. (
zum gesamten vorgang s. Moser
a. a. o.)
die auf diese weise differenzierten mundartlichen verhältnisse erfahren auch weiterhin eine unterschiedliche entwicklung, indem teils entrundung, teils monophthongierung neben bewahrung des alten den bestand der formvarianten auf dt. sprachgebiet erheblich vermehren. eine entwicklungsgeschichtliche darstellung erschwerend kommt hinzu, dasz spezialuntersuchungen über den lautwert der verschiedenen orthographischen bezeichnungen früher drucke noch ausstehen. den versuch einer entwicklungsgeschichte in den frühnhd. maa. bietet ebenfalls Moser
a. a. o., für die md. und ostfrk. maa.
vgl. Grosse
d. meiszn. sprachlandsch. (1955) § 118
und passim. in den maa. des nhd. zeigt der vokalstand folgende von der hochsprachlichen lautgestalt abweichende formen: -au- Follmann
Lothr. 504
b; Hertel
Thür. 238; Liesenberg
Stiege 207; Hentrich
Eichsfeld 81; Block
Eilsdorf 95; Mensing
schlesw.-holst. 4, 878. -ou- (-ow-),
bzw. -ō-: stroue Schultze
nordthür. 45
a; Polenz
Altenburg 53; (
vgl. älteres strowen
Matthias v. Beheim, sowie im nd. d. 15.
jhs. bei Diefenbach
gl. 185
c s. v. disgregare, 186
c s. v. dissipare, 544
c s. v. spargere); štrog
en Bauer-Collitz
waldeck. wb. 100
b (
dazu älteres stroghen [
nd. 1425] Diefenbach
gl. 186
a s. v. dispergere). -ā-: Laven
ged. i. Trierer ma. 278; Autenrieth
pfälz. id. 138; Dahlberg
Dorste 2, 88
a; Frederking
Hahlen 135
b; Westermann
Baden (kr. Verden) 77
b. — -ä-
bzw. -e-:
österr. weist. 2, 75; 3, 41;
Luxemb. ma. 429; Autenrieth
pfälz. id. 138; Tschinkel
Gottschee 115; Schröer
Gottschee 219; Anton
Oberlausitz 13, 10; Michel
Seifhennersdorf (
Lausitz)
PBB 15, 41; Hertel
Thür. 238; Schambach
Göttingen 214
a; Leihener
Cronenberg 117
a; Böning
Oldenburg 109. -ö-: Bacher
Lusern 397 (
dazu älter Augsb. städtechron. 22, 293;
österr. weist. 3, 15; 3, 22); strögen Böger
Schwalenberg 164; strögget Strodtmann
Osnabr. 338. -ei-: Martin-Lienhart
elsäss. 2, 622
b; Schambach
Göttingen 214
a; Fischer
Samland 155; Mensing
schlesw.-holst. 4, 885; Schmidt-Petersen
nordfries. 129
a.
intervokalisches w
vokalisiert (
s. o.),
schwindet (
allgemein in mhd. zeit)
oder bleibt —
in manchen maa. —
erhalten. (
in den zeichen Oew, ew, Aew
usw., die bis ins 17.
jh. hinein begegnen, ist das w
in der mehrzahl der fälle als bestandteil des diphthongs anzusehen.)
mundartlich findet sich der übergang w > b
vor konsonant, vgl. štrȫbm Bacher
Lusern 397; štrēbm Tschinkel
Gottschee 115; gəšdrbd Grosse
meiszn. sprachlandsch. 145.
als g
lebt altes w
weiter in den nd. formen he strögget Strodtmann
Osnabr. (1756) 338; ströggen, strüggen Schmoeckel-Blesken
Soest 293; Woeste
westfäl. 259
b; strögen Böger
Schwalenberg 164; štrog
en Bauer-Collitz
waldeck. wb. 100
b; schtrauggen Liesenberg
Stiege 207. AA.
in den frühesten zeugnissen entspricht der wortinhalt durchaus der wurzelbedeutung '
ausbreiten',
und zwar '(
etwas)
flächenhaft (
gleichmäszig)
hinbreiten'.
im got. belegt als übersetzung von griech. στρώννυμι mit instrumentalem dativ des objekts: managai þan wastjom seinaim strawidedun ana wiga; sumai astans maimaitun us bagmam jah strawidedun ana wiga
Mc. 11, 8; gaggandin þan imma ufstrawidedun wastjom seinaim ana wiga
Luc. 19, 36; jah sa izwis taikneiþ kelikn mikilata, gastrawiþ, manwjata
Mc. 14, 15.
an den gleichen bibelstellen erscheint, dem sternere
bzw. substernere
der vulgata entspr., im Heliand ströuwian, strôian,
im Tatian und bei Otfrid strewen, strouwen (
s. u. 1 a).
ebenso dient streuen
zur wiedergabe von lat. sternere
in formelhaftem viam sternere:
agere strata siue uia puplica toan ardhanit so sama castrauuit (castrauuit,
als glossierung zu strata,
nur in K.)
ahd. gl. 1, 26, 28
St.-S. (
zu '
agere' [
d. i. '
aggere',
von agger, m., '
aufschutt, dammerde']
s. Baesecke
d. dt. abrogans [1930] 103; 79);
genauer in der bibelglosse sternens streuuanti 1, 292, 21
zu 5. Mos. 19, 3:
sternens diligenter viam '
den weg, die strasze bequem benutzbar machen, instand setzen'. A@11) '
hinbreiten; überbreiten; auf einer fläche oder über eine fläche hin ausbreiten'. A@1@aa)
decken, kleider, tücher ausbreiten; zufrühest in der bibelstelle von Jesu einzug in Jerusalem: imo tho farentemo manege streuuitun iro giuuati in uuege (
eunte autem illo multi substernebant vestimenta sua in via)
Tatian 116, 4
Sievers; und di meiste schare strowite ire cleidere in den wec (
straverunt vestimenta sua in via) (1343)
Matthias v. Beheim evangelienb. 48
Bechstein (
Mt. 21, 8); wann manige streúten ire gewande an den weg
erste dt. bibel 1, 78
Kurr.; abir ir vile strowiten ire cleidere in den wec (
vestimenta sua straverunt in via) (1343)
Matthias v. Beheim evangelienb. 97
Bechst. (
Mc. 11, 8); abir dô her gînc, si strowiten undir ire cleidere in dem wege (
substernebant vestimenta sua in via) (1343)
ebda 164 (
Lc. 19, 36); die irsten tragen palmen in der hant, die andern strauwen er gewant vor des heilandes fusz
Alsfelder passionsspiel 2579
Grein; vnd ethlich czugen klayder ab vnd stratten für den herren das
ein dt. geistl. liederb. aus d. 15. jh. 19
Bäumker; das dritte ist, das man nicht allein betten, sonder auch die kleyder auszziehen und dem herrn Christo an den weg strewen sol Luther 52, 15
W. zur weiterentwicklung der bibelstelle s. u. C 1.
auszerbiblisch und in neuerer zeit nur vereinzelt: kaum hatte der engel sein ... netz über das schiff gestreut Bodmer
Noah (1752) 161.
ebenfalls zur bibelstelle vom einzug in Jerusalem gehört zweige streuen,
was auch verstanden werden konnte als '
zweige über den weg hin breiten': sume hieuun zuuig fon boumon inti streuuitun in uuege (
alii autem cedebant ramos de arboribus et sternebant in via)
Tatian 116, 4
Sievers; die andern die scluogen este ab den bǒmen und streuwton die in den wech (13.
jh.)
dt. pred. 2, 129
Grieshaber; die anderen hiuwen di este von den boumen und strowiten si an den wec (
ramos de arboribus ... sternebant in via) (1343)
Matthias v. Beheim evangelienb. 48
Bechst. (
Mt. 21, 8); di anderen hiuwen loubere von den boumen und strowiten si in den wec (
frondes ... sternebant in via) (1343)
ebda 97 (
Mc. 11, 8);
dieser gebrauch wirkt bis ins 16.
jh. nach: du ich begunde schauwen die palmen under ene strauwen und kleider und gewant
Alsfelder passionsspiel 3815
Grein; dultig yn demt er inreit est von den boumen, palm vnd kleit strOewt yn den weg dem herren dar (16.
jh.)
d. ält. kath. gesangbücher 3, 101
Kehrein. A@1@bb)
mit objektswechsel etwas mit einem gegenstand streuen: (
asinum)
sternere sataloti, streuuiti
ahd. gl. 1, 293, 6
St.-S. zu 2. Sam. 19, 26 (
erste dt. bibel und Luther: einen esel satteln).
sachlich anknüpfend an die unter a
dargestellte situation, sprachlich an die oben angeführte verbindung viam sternere den weg streuen: tho nahideneriendo Crist ... antfengun ina fagaroendi imu biuoren streidun (
C: stroidun) thene uueg mid iro giuuadiunendi mit uurtiun so same, mid berthun blomunendi mid bomo togun, that feld mid fagaron palmun
Heliand 3674
Sievers; sie strewitun, thaz was wuntar, then weg thar imo suntar; seltsani racha,breittun iro lachan Otfrid IV 4, 31
Erdmann; namun sie thes goumainti brachun thar thie bouma, thaz sie sih thes gifrewetin,then weg imo gistrewitin
ebda IV 4, 36; den wek strowen mit den palmen
altdt. pred. 1, 20
Schönbach. bildlich, in dem parallel gebrauchten den weg slihten
die bedeutung vorausnehmend: slihtit uns ingeginithen weg thiu selba menigi mit estin thero waldo,thaz wir gangen baldo. theist giscrib heilag,thaz wir lesen ubar dag, mit thi uns then weg, soso zam, strewent thie gotes man Otfrid IV 5, 56
Erdmann. A@22)
jemandem etwas hinbreiten, unterbreiten, bes. zum lager; vgl. sternerent stréidin (Prudentius:
fragmenta testarum iubet ..., tergo iacentis sternerent)
ahd. gl. 2, 584, 56
St.-S. A@2@aa)
eine weiche unterlage, ein polster zur lagerstatt hinbreiten (
sternere streyen,
uel est pacificare, preparare in sellare vel obruere, gemma gemm. [1508] A 2 d): inti her giougit iu mihilan soleri gistreuuitan, inti thar garauuet uns (
et ipse vobis demonstrabit cenaculum grande stratum, et illic parate nobis)
Tatian 157, 4
Sievers (
Mc. 14, 15).
vom ausbreiten des strohpolsters: ubi sint lecti strati sufficientur kistreuuitiv kinuhtlicho
Benediktinerregel in: Steinmeyer
ahd. sprachdenkm. 258, 27; lectisternia (
hs.-var. lectisterni) kastreuuitiu
ebda 231, 1.
vereinzelt auch: ein iunges iunckfrewlein mit schönem angesicht, mit langen löcken, sitzende auff einem gestrewten stuol, nerende ein kind G. Alt
buoch d. cronicken (1493) 78
b.
allgemein von teppichen, tuchen, fellen als weiche, gepolsterte unterlage: ein scharlach gestreut lag Ottokar
österr. reimchron. 3330; beraittet ein warm wasser, domit ich gewaschen werde, und zehant darnach, so strewet mir die matten auff erde (
sternite mattam) Johann Hartlieb
dial. miraculorum 84
Drescher; do wuschen die münch desselben chlosters die selben heyligen leichnam und stellten die auff die penck und siczstatt in yr capitel und strewten darunder teppich und ander tücher
ebda 187; Eumeus strewet Telemacho waiche vell vnd pOelster vnder Schaidenreisser
Odyssea (1537) 67
a.
im compos. unterstreuen (
s. d.)
hält sich die bedeutung bis in den beginn des 18.
jhs. A@2@bb)
seit mhd. zeit in der wendung dem vieh (den stall) streuen, (
schon früh auch mit ersparung eines objekts) '
dem vieh stroh (
oder auch laub, reiser o. ä.)
im stalle unterbreiten': ich hett ainsz mälsz ain zuoversicht zuo ainer schönen dirnen; dú kunnd den faden zwúrnen, den kelbernn ströwen, schniden grasz
mhd. minnereden II 100
Thiele; die mich lieplich kan erfräen, musz täglich iungen kelbern sträen
liederbuch d. Hätzlerin 76
Haltaus; sô ich strouwe den stal
in: Germania 18, 197, 28
Bartsch; auff dem dorff hab ich herters leben mit schwerer arbayt und darneben somer und winter weng zu schlaffen, mit küen, sewen, gensz und schaffen, mit melcken, puttren, misten strewen Hans Sachs 5, 190
lit. ver.; vgl. 9, 211; etliche reissen auch die stupfflen nach der ernd ausz vnd sträwens dem vihe vnder, damit sie zertretten vnd durch den bruntz verfeulet werden, das gibt dann gutten mist
M. Herr
d. feldbau (1551) 42
b; nu lasz sie (
d. schweine) im hofe umbher gehen, und den stall ausmisten, und fein rein wider streuen
viehbüchlein (1667) 84; dem vieh, den pferden streuen
far la littiera al bestiame, a'cavalli Kramer
t.-it. 2 (1702) 1011
c; (
ähnlich bei Dentzler
clavis germ.-lat. [1713] 279
b; Ludwig
t.-engl. [1716] 1897; Frisch
t.-lat. [1741] 2, 347
b; Schwan
nouv. dict. [1783] 2, 734
b); zweige ..., zum streuen statt des strohs Göthe III 7, 163
W.; in den hiesigen (
gegenden) hat der beste wirth selten mehr stroh, als er zur futterung und zum streuen gebraucht J. Möser
s. w. (1842) 1, 422.
in bäuerlicher umgangssprache im nd. wie obd. üblich bis in moderne zeit. vgl. auch: das getreide streuet gut
wenn es dick stehet und viel stroh giebt Campe 4 (1810) 711
b; es fehlt nicht an tröstern, die mir sagen ... der roggen streue nicht gut, und habe ... vom frost ... gelitten Möser
s. w. (1842) 2, 58;
hier jedoch vom ertrag an korn verstanden wie z. b.: dat korn streut good
das getraide ist ergiebig, hat volle ähren Strodtmann
Osnabrück (1756) 112; de hawer street goot
liefert viel korn Böning
Oldenburg 109
a.
metaphorisch: waz hers ze bêder zît dâ lac, die von dem stâte töuten! wie si den orsen ströuten mit manegem gezimiertem man! Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 393, 8
Lachm.; meinen rossen will ich nur mit menschen lassen streuen Rist
d. friedej. Teutschl. (1653) 122. A@33) '
streu (
stroh u. ä.)
zur düngergewinnung vor den häusern in die straszen, gräben usw. legen' (
schweiz. id. 11, 2455): auch soll kainer kain kot-süttn auf gemaine strasz machen oder darein ströben (16.
jh.)
österr. weist. 3, 15; item mer verpeut man euch, das füran niemant in die gmain lantstrassen noch die gemainen weeg mit stainen noch darein sträen soll, damit die gemain lantstrass reich und arm gefreit sei, bei der pues (16./17.
jh.)
ebda 2, 75; anbelangent die gmaine lantstrassen und torfgassen, ... ist ain solches fürgenomen und erleitert, das iemant ... weder in die lantstrassen oder dorfgassen nit streben, noch vilweniger ainichen reverenden mist oder tunget darinnen machen ... soll (1616)
ebda 3, 41. A@44)
im obd. in der wendung eine brücke streuen,
sie mit streuhölzern versehen, ihr eine bohlenunterlage geben (
s. dazu oben streu C): (
der zollner soll die brücke) ströwen und mit ströwhölzern in êren (
haben)
qu. a. d. j. 1437
in: schweiz. id. 2, 1262. BB.
von der bedeutung A '
sternere, ausbreiten'
her wollen auch viele belege der älteren, namentlich der mhd. zeit verstanden sein, die das heutige sprachempfinden ausschlieszlich auf streuen
spargere (
s.C)
zurückzuführen geneigt ist. sie bilden inhaltlich, zum teil auch wohl historisch, den übergang von A
zu C: manch gelwer bluomen tolde, rôsen rôt und grüenez gras ûf den estrich geströuwet was Heinrich v. Freiberg
Tristan 888
Bernt; vgl. rôsen vil darûf (
auf die teppiche) gespreit
ebda 2526; nu wart dâ manic gezelt vor Akers geslagen uf die velt, al umme wîten gar geströut
kreuzfahrt Ludwigs d. Frommen 3729
Naumann; vgl. dazu: bedecket und bespreitet mit pavilûnen wirt das velt Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 29 006
lit. ver.; mencklich der zitt sich fröwt, wenn man sicht geströt mit blümlin feld und anger
mhd. minnereden II 76
Thiele. vgl. dazu: der anger lît ... mit bluomen wol bespreit Ulrich v. Winterstetten
in: Kraus
dt. liederdichter 1, 504; (
sie) begegneten den Römern auff dem meer ... mit grosser macht, also dasz das meer daselben gantz mit schiffen gestrewet ward Carbach
Livius (1551) 97
b. stricke, fuszangeln streuen (
vgl. [
die furt] mit fusysen gespreitet
städtechron. 5, 688): (
dasz) der tiuvel gelestert (
werde) an allen sînen stricken, die er uns sô manicvalte geleit hât und gestreuwet allen unsern sachen Berthold v. Regensburg
pred. 1, 411
Pf.; etliche aber strewen fuszangeln in welchen sich beides rosz und mann beschädigen
Mendoza theor. et practica militaris (1619) 164.
übertragen: jouffrou, wy sitz ir soe? al dat leift, der zyt sich vrauwet; ist uch hi leit allein gestrauwet?
mhd. minnereden I 208
Thiele; hierhin rechnet der mhd. mehrfach bezeugte gebrauch des part. perf. gestreut mit '
reich besetzt mit (
zierat)'
von ritterlicher kleidung; wohl hierhin: dat pavyment (
des salomon. tempels) dat was ghans meysterliken tozamende ghezat van mennygher hande mormelsteene, de weren veregghede unde ok dar to van allerhande varwe unde dar by ok ryckliken ghestrauwet
bei Schiller-Lübben 4, 442
a.
dem hyperbolischen stil mhd. epik gehört an das feld streuen,
d. h. mit den im kampfe erschlagenen bestreuen: si slugen der haiden also uile daz si daz uelt struoten
Rolandslied 5141
Wesle; einer mîl lanc ode mêre was mit tôten daz velt gestreut
Dietrichs flucht 8899
Martin; dhe blumen und dhe kle gewunnen von blute eyn nuwez oberdach. dort dher man, hi daz ros belach. sus wart dher plan gestrowet und daz grone gras durchtowet mit mengem turen bluote
braunschweig. reimchron. 3349
Weiland. CC. streuen
im sinne von '
spargere, ausstreuen',
üblich vom auswerfen oder fallenlassen kleiner fester körper (
korn, salz, pulver usw.).
ahd. in diesem sinne nicht bezeugt, doch wegen des ae. streowian
und des mhd. ströuwen
auch für diesen zeitraum vorauszusetzen. das fehlen der ahd. zeugnisse liegt vermutlich darin begründet, dasz streuen
bedeutungsverwandte wie spreiten
und sprengen
neben sich hatte und ihnen gegenüber bis in die nhd. zeit ein seltener ausdruck für spargere blieb. im Tatian erscheint dafür nur spreiton
bzw. zispreiton:
congrego ubi non sparsi (spreitta) 149, 7;
congregas ubi non sparsisti (spreittos)
ebda 149, 6 (
zu diesen beiden stellen aus Matthäus vgl. unten 4 a);
qui non congregat mecum, spargit (zispreitit) 62, 7;
dispersit (zispreitta)
superbos 4, 7;
dispergentur (uuerdent zispreitit)
oves gregis 161, 2;
dispergamini (ir uuerdet zispreite) 176, 3;
dispersi congregaret (cispreitiu gisamanoti) 135, 30.
zu dieser bedeutung vgl. mhd. mit salze spreiten
und perlen vor die schweine spreiten (
bei Fischart)
s. teil 10, 2, 1,
sp. 14
ff. einmaliges spargit
in den psalmen (
ps. 147, 16:
nebulam sicut cinerem spargit)
übersetzt Notker
mit stoubet,
spätere psalmenübersetzer mit üblicherem sprengen (
Windberger ps., Trebnitzer ps., Wegelebener ps.);
zu diesem gebrauch von sprengen
vgl. mhd. asche sprengen
und bei Konrad v. Megenberg melb sprengen 409, 3
neben wasser sprengen 154, 19
und pulver ströuwen 149, 1
neben harm (
harn) ströuwen 149, 5.
erst in nhd. zeit gelangt die abgrenzung der drei verben ströuwen, sprengen
und spreiten
zum abschlusz: spreiten
wird (
neben breiten)
der ausdruck für das flächenartige ausbreiten eines gegenstandes; die anwendung von sprengen
schränkt sich auf flüssige materie ein; streuen
gibt die bedeutung '
ausbreiten, ausspreiten' (
s.A)
auf und wird in rasch zunehmendem masze der eigentliche ausdruck für spargere. C@11)
diese entwicklung zeigt sich in dem rückgang des gebrauches von streuen
im sinne von A '
sternere, ausbreiten'.
bei Frisius
steht noch nebeneinander: sternere vberspreiten, spreiten, ströuwen
dict. (1556) 1241
a neben spargere ströuwen, sprengen
ebda 1228
a;
entsprechend erscheint bei Maaler
teutsch spraach (1561) 393
b ströuwen
interpretiert mit spargere
und sternere.
spätere lexikographen halten beide bedeutungen getrennt. aufschluszreich ist besonders die jüngere überlieferung der oben unter A 1 a
angeführten bibelstellen. ramos sternere
bleibt bis in die gegenwart 'zweige streuen',
d. h. sie aus-, niederwerfen, regellos verteilen: sie haben palmreysszer und oelreysszer von den bawmen geschniten und in wegk gestraut Luther 9, 638
W.; vgl. auch 10, 1, 2, 59; 10, 1, 2, 22.
dagegen liesz die wiedergabe von vestimenta sternere
die beibehaltung von streuen
nicht zu. noch stehen im cod. Teplensis und in d. 1.
dt. bibel streuen
Mt. 21, 8
und Luc. 19, 36
gegen braiten
Mc. 11, 8.
doch Luther, Eck (1537),
Lübecker bibel (1533)
und danach die modernen bibelausgaben setzen überall breiten,
die Zürcher bibel (1531) spreyten;
in späteren belegen wird der ältere gebrauch noch sichtbar. so greift Stieler
stammb. (1691) 2211
zwar die alte wendung auf: kleider auf den weg streuen,
gibt aber (
statt des biblischen '
sternere')
die glosse '
dispergere',
d. h. '
hier und da hinwerfen, auf dem weg verteilen'. Güntzel
dagegen verdeutlicht sinngemäsz: vnnd da sie die kleider gestrewet oder auszgebreitet hatten
haubtschl. (1648) 741
a. C@22)
als spargere kann sich streuen
schlechterdings mit jedem objekt verbinden, das die vorstellung des zerstreutwerdens zuläszt. C@2@aa)
das spätmhd. zeigt bereits verschiedene anwendungsmöglichkeiten (
s. auch die mhd. wbb.): fünff und sechtzigg hobett wurdentt geströwett über all für den tisch in den sal
Göttweiger Trojanerkrieg 11 515
Koppitz; houwet den boum zu valle! ouch sine zwige alle verschrotit im an der stat! strowet vrucht und sine blat: so werden vluchtic vil gar vogle, tyere mancher schar die oben, unden wonten
buch Daniel 3600
Hübner. bildlich und übertragen: diu bluot schœn unde reine die von êrst getihte birt und diu dar nâch ze frühte wirt, daz ist diu kurzewîle guot, diu sich alsam des meien bluot in daz gemüete ströuwet und im sîn ougen fröuwet der guot getihte hœret Konrad v. Würzburg
Partonopier 55
Bartsch; krank schinet der aller mahtig ist, und aller wishait, kunst tump in ainer kripp an fernunst. du dich dirr ding frow, daz wunder in din hertz strów!
der sœlden hort 1546
Adrian. die anwendungsmöglichkeiten nehmen seit frühnhd. zeit in rasch wachsendem umfange zu: der (
kerker) was gestrOewet mit glOeserin scherben
summerteil d. heyligen leben (1472) 47
a; liesz sie ieren bruoder ... ertOeten, ǒch zerhowen und die stuk wyt von ainander in das feld strOewen Steinhöwel
d. claris mul. 70
lit. ver.; ire leiber (
wurden) vff ein erdtrich mit scherben stucken gestrewt gworffen Hedio
chron. Germ. (1530) M 3
b.
s. den weiteren nhd. gebrauch unter 3
ff. C@2@bb)
die übertragung auf sachliche handlungsträger, die in neuerer zeit möglich wird, gibt die vorstellung des ausstreuens mit der hand (
s. u. 4)
gänzlich auf und erschlieszt damit einen neuen anwendungsbereich: sehr viel steigeraqueten ... streueten kleine sterne von sich Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 242; der blitz auf blitze wirfft, tod und verderben dräut, und ihr zerdrümmert holtz in luft und wasser streut Pietsch
geb. schr. (1740) 13; wenn sich gart und feld verneuen: wenn die bäume früchte streuen Neukirch
ged. (1744) 258; von beiden seiten zeigen sich strandgebirge, schlieszen Marseille ein, streuen violette felseninseln nahezu ins meer Laube
ges. schr. (1875) 5, 165; fortwährend standen die kugelrunden, weiszen wölkchen über dem gebüsch und streuten ihre schrapnells hinein Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 447; eine einzige grosze, zerplatzende kugel, die einen regen von falschen sternen über den himmel streute El. Langgässer
d. unauslöschl. siegel (1946) 198. C@33)
aus dem allgemeinen gebrauch heben sich gewisse verbindungen durch gröszere häufigkeit hervor. neben eigentlichem steht oft bildlich-symbolischer gebrauch. C@3@aa)
von sitte und brauchtum begünstigt findet blumen streuen
weite verbreitung; blumen streuen
floribus adspergere Stieler
stammb. (1691) 2211; blumen, kräuter
etc. streuen
spargere fiori, herbe odorifere Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
c; die erd mit blumen streuen
spargere humum floribus, flores jacere Aler
dict. (1727) 1853
a; blumen streuen
spargere flores Frisch
t.-lat. (1741) 2, 347
b; bluome straie
auf die strasse, vor den füssen einer person, der man ehre erweisen will Martin-Lienhart
elsäss. 2, 622
b.
als ausdruck hochgestimmten sinnes, oft zugleich herzlicher zuneigung zu einer festlich geehrten person: richt den saal auff das köstlichst zu ...! strew grasz und blumen, die wol schmecken, und mach ein rauch von edlen würtzen (1549) Hans Sachs 6, 146
lit. ver.; hatten alle kräntz auff, vnnd blumen in den händen, die streuweten sie jm vnter, vnd sungen freudengesäng
buch d. liebe (1587) 221
b; onzalbarlich blumen und krentz auff die strassen gestrewt Wickram
w. 3, 194
lit. ver.; er ist der angebetete, ihm jauchzt das volk, ihn segnet es, ihm streut es diese blumen, er ist der meine, der geliebte ist's Schiller 13, 289
G.; die palmen legen wir zu deinen füszen, und blumen streuen wir vor deinen schritt Göthe I 16, 208
W.; der braut streuen
spargere fiori dove hà da caminare una sposa Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
c; zwölf weisze jungfrauen sodann, die kleine rosen ... auf die strasze streuten. und endlich ... der sechsfach bespannte ... brautwagen Th. Mann
königl. hoheit (1953) 367.
als blumengabe an verstorbene: ieder fürst streuete eine handvoll blumen auf die leiche Lohenstein
Arminius (1689) 1, 17
a; streut rosen auf den leichenstein Neukirch
ged. (1744) 23; er nahte den gräbern ernst und wonnevoll, und streute blumen und blüthen auf die gräber der seinen Stolberg
ges. w. (1820) 3, 327.
metaphorisch auch: hier streut der west nur erst geraubte blüthen Mastalier
ged. (1744) 4; ein bäumlein — es war maienzeit — schneeweisze blüten auf mich streut Mörike
w. 1, 158
Göschen. ebenso bildlich für das aufblühen von blumen an regellos verstreuten standorten: der morgen nahet mild und schön, ... streut rosen auf die fernen höhn Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. (1890) 1, 26; es liegt ein brautbette da, worüber der morgen seinen goldenen teppich breitet, und die frühlinge ihre bunte guirlande streun Schiller 3, 476
G. jemandem blumen (
bes. rosen) streuen '
ihm annehmlichkeiten, freundlichkeiten gewähren' (
vgl. gegensätzliches dornen streuen
unten b): der gottheit ewiges gedeyen fahr stets in der gewohnheit fort euch rosen auf den weg zu streuen Stoppe
Parnasz (1735) 54; also sind sie verblüht die veilchen, welche mir oftmahl deine gefällige hand streut in den mühsamen weg Stolberg
ges. w. (1820) 1, 15. blumen über etw. streuen
von einer literarischen darstellung, um sie dem leser angenehm und gefällig zu machen, ihren ernst hinter geschickter stoffbehandlung zu verbergen: andere dichter streuen rosen über ihre lehren, um ihre rauhigkeit zu verbergen Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1756) 1, 138; er greift nicht nach den bunten blumen, die man heutiges tages über gemeinsäze streut Sturz
schr. (1779) 1, 72; überall blumen eines halb orientalischen, gut europäischen common-sense herüber gestreuet, die weder den tiefen forscher, noch den wahren zweifler ... befriedigen werden Herder 5, 425
S. C@3@bb) blätter, zweige streuen
u. ä.: dieszmal streust du, o herbst, nur leichte welkende blätter Göthe I 1, 357
W.; die junge eiche lieblich steht, streut blätter auf sein grab Schubart
s. ged. (1825) 3, 66; der kommende herbst wird wohl seine blätter auf das grab der guten frau streuen Ch. v. Schmid
ges. schr. (1858) 2, 22.
von zypressenblättern, -zweigen als zeichen des nahen todes bzw. der trauer: die tugend heiszt mich noch auf frischen rosen gehen, da mir der himmel schon cypressenblätter streut Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 666; streut nur eine hand voll cypressenreiser auf ihre asche Rabener
s. schr. (1777) 1, 197. lorbeer streuen
jem. ruhm und ehrung zukommen lassen: und die allersprödsten schönen werden dir auch lorbern streun Schönaich
Heinrich d. Vogler (1757) 54; lorbeern, die ihnen in so reichlicher fülle ... gestreut wurden E. T. A. Hoffmann
s. w. 4, 86
Gr. in bildlicher redensart dornen in den weg streuen: du würdest es bereuen, mir dornen auf den beblümten weg gestreut zu haben Klinger
w. (1809) 4, 97; dornen auf einen weg zu streuen, den wir so leicht und froh hinwandeln könnten
ebda 8, 129; das jahr 1794 streute wieder viele dornen auf Stillings lebensweg Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 487. C@3@cc)
einem engeren lebenskreis gehört streuen
an in der verbindung mist, dünger streuen.
über das gesamte sprachgebiet verbreitet; für die nd. maa. vgl. mecklenb. wb. 1, 1092
s. v. bräken; Westermann
Baden (krs. Verden) 77: mist streuen
sparger'il letame Kramer
t.-ital. 2 (1702) 62
c; mist streuen, auseinander streuen
éparpiller du fumier Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b; sehr leichten dünger hab ich gesehn und den streuen sie mit den händen (1786) Göthe III 1, 317
W. C@44)
insbesondere ist streuen
in heutiger schrift- und umgangssprache der geläufige ausdruck für jede mögliche art der verbreitung brocken-, körner-, sand- oder pulverförmiger materie, insoweit die verbreitung allmählich (
d. h. nicht auf einmal in der gesamtheit des vorrats im sinne von '
schütten')
und geregelt über eine bestimmte, mehr oder weniger begrenzte fläche hin erfolgt. C@4@aa) samen streuen: der gärtner ... strewet den sahmen vber die zuvor mit der krauthacke auszgejättete beete (
semina spargit) Comenius
ianua aurea (1643) 133; wird ein verständiger landmann wohl den samen ... mitten im sommer in die gärten des Adonis streuen Herder 15, 515
S.; wie der wind oder gewisse vögel den saamen dahin und dorthin streuen (1798) Schiller
br. 5, 347
Jonas; (
dem pfluge) folgt, wie alte bilder zeigen, mit umgegürtetem tuche der sämann und streut das sommergetreide in die ... scholle Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 62.
vor allem als gleichnis, als bildlicher oder übertragener ausdruck verbreitet, zum teil begünstigt durch das biblische congregas ubi non sparsisti (
Mtth. 25, 24)
und congrego ubi non sparsi (
Mtth. 25, 26): du sneidest, do du nichten seetest vnd samenst, do du nichten strewest
cod. Teplensis 37
Huttler; du ... samenst do du nichten streutest; ... ich ... samen do ich nichten strewe
erste dt. bibel 1, 98
Kurr.; vnd samlest, da du nicht gestrawet hast; ... vnd samle, da ich nicht gestrawet habe Luther 6, 63
Bindseil. vgl. auch: du schneitst, wo du nicht seest an, samlest, da du nit gestrewet hast (1558) Hans Sachs 6, 337
lit. ver. so auch in den übrigen frühen bibelübersetzungen: gestrouwit
Matthias v. Beheim (1343); geströuwt
Zürcher bibel (1531); ghestrouwet
Lübecker bibel (1533); gestrawt Eck (1537); (
dagegen Tatian 149, 6: samanos thar du ni spreitos,
s. o. C,
sp. 1489).
das bild vom auswerfen und verbreiten der saat, die zunächst latent im boden ruht, doch später aufgeht und sich in der frucht vermehrt, ist ausgang einer beliebten dichterischen metapher. C@4@a@aα)
in werken und worten, die geeignet sind, böses zu stiften, künftiges geschehen zu beeinflussen; so in der wendung unkraut streuen;
zunächst noch gleichnishaft: hastu nit ghörtt wie Cristus sagt, das ein haus vatter hat guten samen uff seinen acker gesehet, nun sey der feindt der teuffel kommen und hab bösz unkrautt darein gestrawet Luther 10, 3, 380
W. dann bildlich: dort, wo dem herrn geweiht ein tempel steht, wird bauen er (
der teufel) ein schenkhaus flugs daneben, und unkraut streun, wo waizen fromm gesät Gaudy
s. w. (1844) 2, 17.
meist mit attributiver verdeutlichung des bildes: er streuete unter sie den saamen der zwytracht Lohenstein
Arminius (1689) 2, 963
a; so hat sie nun aus furcht, um uns zu trennen, der zwietracht saamen zwischen uns gestreut Raupach
dram. w. kom. gattung (1829) 1, 378; dieser ... streute den saamen des verdachts in sie, welcher aufgieng und zank und streit hervorbrachte Heinse
s. w. 3, 327
Sch.; verderbliche keime in jugendliche herzen streuen Brunner
erz. u. schr. (1864) 1, 31. C@4@a@bβ)
lehren, ansichten, überzeugungen durch wort, schrift oder tat verbreiten: sie horen doch nicht und sind alle gute rede da verloren vnd der same an den weg gestrewet Luther 30, 2, 435
W. ähnlich: so wirdet er den bösen samen (
die falsche auslegung des evangeliums, bes. des abendmahls) den er unter sie gestrauet, gleichwohl allda lassen (1538) Brück
in: Luther
br. 8, 247
W.; er öffnet unseres hertzens-thor, wann sie sein wort in unser ohr als edlen samen streuen Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 346; diese wackeren männer halfen ... den samen für die früchte der reformation streuen Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 2, 229; das Frankfurter neue bürgerblatt, das ... manchen guten samen in seinem wirkungskreise streut Görres
ges. schr. (1854) 2, 8; der same, den geniale naturen streuen, geht langsam auf Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 286.
in wertender gegenüberstellung samen und unkraut: anstatt verständig zu belehren und ruhig einzuwirken, streut man willkürlich samen und unkraut zugleich nach allen seiten Göthe I 41, 1, 131
W. C@4@a@gγ)
in mannigfaltiger einzelanwendung, meist in hinblick auf den gedanken späterer blüte, frucht und reife: schaut an disz fromme paar, disz paar, so zwei an namen und eins an herzen ist, das wahrer liebe samen aus seinen augen streut und in zwei herzen säet (1634) Fleming
dt. ged. 1, 70
lit. ver.; der saamen, den du selber in meine seele streutest Schiller 4, 52
G.; getilgt ist zwist, gestreut des friedens samen: dasz er hier lange blühe, gott, sprich amen
Shakespeare 9 (1810) 210; warum soll man sich dieses gartens voll unkraut (
der menschheit) so eifrig annehmen und die saat der humanität so emsig streuen? Gervinus
gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 346. C@4@a@dδ)
deutlicher mit dem gedanken des tätigseins, des wirkens in die zukunft: wer seinen samen hie auff erden mit thränen in den acker streut Simon Dach 210
lit. ver.; aber Ludewig ruft männer des volks ... ... ruft sie, damit der saat sie ihm streuen, aus der sich hoch die goldene ähr einst hebt Klopstock
oden (1889) 2, 67; sieh! voll hofnung vertraust du der erde den goldenen samen und erwartest im lenz fröhlich die keimende saat. nur in die furche der zeit bedenkst du dich thaten zu streuen, die, von der weisheit gesät, still für die ewigkeit blühn? (1796) Schiller 11, 45
G.; der mensch soll mit der mühe pflugschar sich des schicksals harten boden öffnen, soll des glückes erntetag sich selbst bereiten, und taten in die offnen furchen streun H. v. Kleist
w. 4, 9
E. Schmidt. C@4@bb)
ausstreuen zum futter: er streuwet den guoten liuten ir arbeit und ir fuoter und ir heu vil mêre etewenne under diu ros danne sie sîn gezzen Berthold v. Regensburg
pred. 1, 368
Pf. allgemein, bes. in neuerer zeit, körner, brotbrocken o. ä. auswerfen: es war aber am nachmittag das man den hnern zstrewen pflag Rollenhagen
froschmeuseler (1595) Q 7
b; doch woll man jnen (
den tauben) auch etwas im winter, wans hart gefroren, streuen, so mag mans thun, wiewol sie sich gern zu den hünern halten, wann man denen streuet, so fliegen sie mit zu
viehbüchlein (1667) 122; bringt uns nicht unser herr alle morgen dort in den trog wasser, streut er uns nicht hier auf der ecke samenkörner Göthe I 37, 265
W.; ich hab umsonst gestreut, will ja keine (
meise) kommen Mörike
w. 1, 232
Göschen; jene fische, denen sie semmelbrocken streut Holtei
erz. schr. (1861) 22, 121. C@4@cc)
geld auswerfen, unter die menge werfen; geld
etc. streuen
spargere danari Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
c; geld unter das volk streuen, geld auswerfen
jeter, répandre de l'argent au peuple Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b: da straten und wurfen sein camerer vil gelts vor im under das volck (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 22, 317; fünffhundert pfund sylber, die ... (
der könig) strewet ... vnder sein ritter vnnd kriegsleüt Boner
Herodot (1535) 33
a; (
die gottlosen sagen) ey er (
gott) sol senden Messiam, qui nicht viel predigens treib, sed auff hengsten kome geritten comitatus mit 100000 reisigen und strewet gold, silber (1544) Luther 49, 363
W.; auf dem weg vom ufer bis zum palast hat er und sein gefolge lauter ducaten gestreut Raimund
w. 1, 17
Sauer. bildlich: diser antichrist strewt gelt vnd begabt die seinen reichlich mit ehre vnd güttern voll auff Agricola 750
teutscher sprichw. (1534) a 8
a. '
verschwenden': ut 'n groten sack streien
das geld mit vollen händen ausgeben Mensing
schlesw.-holst. 4, 885.
daran, sowie an den vereinzelt bezeugten gebrauch im sinne von '
aufteilen, auseinanderreiszen' (so ein übelthäter von seinen freihaiten, eern, land oder zum tod verurtailt worden, alsdann ist sein guot publiciert und in gemain gestrOewet
der neü laienspiegel [1518] 148
b)
schlieszt sich die wendung an das gut (gütlein) streuen '
seinen besitz verschwenden, vergeuden' (
s. Kramer
t.-it. 2 [1702] 1011
c),
die dem imperativischen satznamen streudas-gütlein (
s. oben an alphab. stelle)
zugrunde liegt. C@4@dd) pulver, körner, sand
o. ä. streuen,
meist mit präpositionaler ergänzung der fläche oder des gegenstandes, die bestreut werden (
wobei frühe belege noch weitgehend von der vorstellung des ausbreitens, hinbreitens [
vgl. oben A]
beherrscht sein mögen): daz sie im asche brechten rischlich, unde strouten die unden in den tempel hie vor dem kunge uber al
buch Daniel 7961
Hübne und sträut das pulver auf der lewen vert Konrad v. Megenberg
buch d. natur 149
Pf.; das wachsz würt schwartz, so man esch von papyr daruff strewet Eppendorff
Plinius (1543) 11, 191; dann wann schon ein kramer wirdt beraubet oder sonst im vnglück zuogeht, das er umb sein pfeffer oder saffran kompt, so sträet er dester mehr ziegelmel darunder und bescheüsst die bauren nur dester sehrer (1559) Schumann
nachtbüchlein 206
Bolte; pfeffer inn arsz gestreit Fischart
Garg. 254
ndr.; brachten drey tonnen pulver herbey, streweten lauffpulver vnd legten eine brennende lunte ... daran Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 68; goss ... siedendes öl in die wunden, streuete ... saltz und pfeffer hinein Happel
akad. roman (1690) 1013; als das gethan war, ging er (
der wolf) zum müller und sprach : müller, streu mir fein weisses mehl auf meine pfote br. Grimm
kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 18; da war ein junges weib zu einem frischen grabe gesprungen, hatte drei hände voll erde davon aufgegriffen und sie auf die schwelle der kirchtür gestreut (1864) W. Raabe
s. w. I 6, 232.
vgl. auch: streuen,
bei dem conditor, durch streuen
gewisse figuren hervorbringen. diesz geschieht auf gebäcke mit gefärbtem zucker, bei tafelaufsätzen mit sande encycl. wb. (1793) 9, 65; Jacobsson
technol. wb. (1781) 4, 318
b.
in bildlicher anwendung: böse leut, die sich eines unglücks frewen, strewen einem erbsen auff die stiegen, das einer von seiner reputation herab falle Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 95; bis endlich der heisse schwüle sommernachmittag seine schlummerkörner über mich streute Kretschmann
s. w. (1784) 5, 425; die kühle nacht streut schlummerkörner Musäus
volksmärchen 3, 74
Hempel; als er (
der zitherspieler) meiner ansichtig wurde, streute er gleichsam noch ein paar hände voll töne, wie goldkörner, über den see Stifter
s. w. 1 (1904) 146.
in besonderen verwendungen. C@4@d@aα)
von drogen in pulverform, wie heilmittel, gift o. ä.: veltkümel hailt die wunden, wenn man sein pulver dar ein sträwet Konrad v. Megenberg
buch d. natur 396
Pf.; wenn ein kindt sehr frat wirdt, so nimb das kraut myrtus wol gepülvert und streuwe es drauff Ruoff
hebammenb. (1580) 238; nim krebs, die brenn ... zu pulver, das pulver strewe in den grind, das trücknet den grind vnd gehet fein ab Gäbelkover
artzneyb. (1595) 1, 79.
in bildlicher wendung gift auf (in) die wunden streuen: welches gift streust du auf meine wunden: kaum hatt ich linderung für meinen schmerz gefunden, so greifet deine hand sie so unfreundlich an
theater d. Deutschen 4 (1767) 54; die stolze selber wollte gift in die wunden streun Ayrenhoff
w. (1814) 2, 147. C@4@d@bβ)
entsprechend von gewürzen, die dem essen zugefügt werden: petersilge, so man uber das fleisch strauet Luther 33, 220
W.; saltz (
dem rindvieh) zu zeiten auf das essen streuen
viehbüchlein (1667) 9; saltz, pfeffer
etc. in, über etwas streuen
spargere sale, pepe etc. sù qualche cosa Kramer
t.-it. 2 (1702) 1011
c; etwas salz auf das essen streuen
jeter un peu de sel sur la viande Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b; und die mutter streute einen staubregen von zimmt und zucker über die schüssel Alexis
ruhe (1852) 1, 142; man strebet zucker drauf Schröer
Gottschee 219.
so auch bildlich: solche sachen (
dienen) biszweilen an statt des zuckers ..., welcher auf die rede gestreuet wird Chr. Weise
polit. redner (1677) 132; allein, da ich mir es zur pflicht gemacht, über alle moralische sätze meiner lehrenden muse das salz der satire zu streuen Löwen
schr. (1765) 1, )( 4
b. C@4@d@gγ)
vom gestreuten salz, dem man magische wirkung zuschrieb: ich beschwere dich du creatur des saltzes ... auff dasz ... alle gespänst, zauberey vnd list desz teuffels vnd aller böser geister daruon weichen, wohin du gestrewet wirst Fischart
binenkorb (1588) 16
a.
vor allem bildlich: als wer er wahrlich der mann nicht, davon er mir gesagt, als were diese sach ein recht salz, das man uf die bienen streuen sollt (1545)
polit. korresp. Moritz v. Sachsen 2, 201.
bis in neuere zeit bewahrt ist die scherzhafte redensart salz auf den schwanz (
eines vogels) streuen,
um ihn zu fangen, s. Meiszner-Canzler
quartalsschr. (1783) 117; Bettine
d. Günderode (1840) 1, 82.
auch im bilde: seit die nothwendigkeit des ideals in der kunst so dringend eingeschärft worden ist, sicht man die lehrlinge treuherzig hinter diesem vogel herlaufen, um ihm, so bald sie
etwa nahe genug wären, das salz der ästhetik auf den schwanz zu streuen Fr. Schlegel
pros. jugendschr. 2, 235
Minor. C@4@d@dδ) sand (auf, über die schrift) streuen
zum trocknen nasser tinte (
vgl.streusand; streubüchse, streusandbüchse): strewe sand darauff (
auf die schrift)
consperge arena Orsäus
nomencl. meth. (1623) 299; die brieff strewen, mit strewsand stippen Güntzel
haubtschl. (1648) 741
a; streuen, als
streusand auf die noch nasse schrift
arena bibula siccare Frisch
t.-lat. (1741) 2, 347
b; sand, gestüppe auf die schrifft streuen
spargere della sabbia ò polvere sulla scrittura Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
c; steht auf, streut sand (
regieanweisung) Schiller 3, 69
G.; so oft der herr comptoirassistent was schreibt, darf er den streusand darüber streuen Nestroy
ges. w. (1890) 7, 11.
daher die wendung punctum, streu sand drauf '
fertig, abgemacht'; punktum! streue sand drauf!
das ist abgethan, fix und fertig; da wird nichts mehr geändert Schrader
bilderschmuck d. dt. spr. (
71912) 415;
s. auch Albrecht
Leipzig 186
b; Frischbier
sprichw. (
21865) 214; Lipperheide
spruchwb. (1907) 700;
vgl. auch teil 8,
sp. 1757.
zur deutung der redensartlichen wortfolge als compositum s. u. streusand. C@4@d@eε)
sprichwörtlich einem sand (staub) in die augen streuen;
pulverem offundere oculis Stieler
stammb. (1691) 2211;
jeter de la poussière aux yeux de qn. Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 734
b;
auch mundartl., s. Frederking
Hahlen 135
b; Mensing
schlesw.-holst. 4, 878.
die wendung wird mit Erasmus (
adagia 2, 9)
auf einen alten fechterkniff zurückgeführt, dem gegner sand oder staub in die augen treiben zu lassen oder mit der hand hineinzuwerfen, vgl. teil 8,
sp. 1757
und Borchardt-Wustmann
redensarten (
71954) 410, (
daher auch nd.: he strögget an sand in de augen
er übertrifft ihn Strodtmann
Osnabr. [1756] 338; enem sand in de ogen streuen '
einen durch bessere verdienste und eigenschaften übertreffen'
brem-ns. wb. 4 [1770] 588).
in literarischen zeugnissen: wenn man offenbar sieht, dass er seinen lesern nur staub in die augen streuen will Lessing 8, 22
L.-M.; wollen wir eineinander staub in die augen streuen, um bewiesen zu haben, der mensch könne nicht sehen? Herder 5, 105
S.; wenn aber ... blinde etikette dem volke sand in die augen streuen will Bettine
dies buch (1843) 1, 127; wer dumm ist, läszt sich sand in die augen streuen Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 313. C@4@ee)
in verschiedenen wendungen, die sich auf kultische oder symbolische handlungen beziehen; der ausdruck wird häufig formelhaft und gewinnt als sinnbildliche redensart verbreitung. C@4@e@aα) asche (erde) aufs haupt streuen;
zuerst in Luther
s übersetzung: da lieff einer von Benjamin aus dem heer, vnd gen Silo desselben tages, vnd hatte sein kleid zurissen, vnd hatte erden auff sein heubt gestrewet
1. Sam. 4, 12 (
conspersus pulvere caput; besprengt 1.
dt. bibel; Eck); an diesem ort kamen sie jtzt auch zusamen, fasteten da, vnd zogen seck an, streweten aschen auff jre heubter, vnd zerissen jre kleider 1.
Macc. 3, 47 (
cinerem imposuerunt capiti suo; strouweden
Lübecker bibel; besprengen
Zürcher bibel; Eck; legen 1.
dt. bibel).
dem biblischen gebrauche folgend: mit äschen ... darein sich vorzeiten die buszwürckende menschen gar legten, heut aber nur für ein pfenning äschen auff den kopff gestrewet empfangen Fischart
binenkorb (1588) 165
b; den ersten tag nach der fasznacht, allwo die catholische kirchen den christglaubigen ein aschen über das haupt zu streuen pflegt Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 1, 84; streuen, als aschen auf den kopf, womit sich die pharisäer verstellten
quorum comae sordebant inspersu cineris Frisch
t.-lat. wb. (1741) 2, 347
b.
im anschlusz daran als redensart für '
trauern, büszen': (
der tod des vaters) wird unsre seele kräncken und das haupt voll asche streun Schmolck
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 958; mit dem letzten thun wir auch die busse ab, indem wir uns den altdeutschen bücherstaub wie asche auf das haupt streuen für mancherlei tollheiten und lustigkeiten (1809) W. Grimm in:
briefw. (1881) 176; nun streue mir eine handvoll asche auf den kopf: ich will busze thun im sack und in der asche Holtei
erz. schr. (1861) 24, 32. C@4@e@bβ) streuen
als kultische handlung: du wirst, Aurora, dich der blumen ja nicht schämen, die seynd ein opffer, das man deiner schönheit streut Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. 2, 43
Neukirch; der unglückstag ist da. die binde schmückt mein haar, man streut das mehl. das opfer ist bereitet Schiller 6, 353
G.; vom aromatischen rauchopfer zur ehrung der gottheit: waren die priester ... versammlet, das rauchwerk ... darein zu streuen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 502; auf dem altare ... brennt ein opferfeuer, in welches der oberpriester ... weyhrauch streuet
theater d. Deutschen (1768) 18, 147; deine hand soll ihnen weihrauch zuerst aus goldnen schalen streuen Göthe I 10, 70
W.; davon die redensart (einem) weihrauch streuen '
jem. loben, rühmen; ihm huldigen': es wird der lobaltar des königs nicht entweyhet, wenn ihm ein schlechter knecht geringen weyrauch streuet Heräus
ged. u. inschr. (1721) 135; mögen diejenigen, ... welche ... meine rede verläumden ..., mich beschuldigen ohnmächtigen götzenbildern weihrauch zu streuen ... was geht das mich an? Dahlmann
gesch. d. frz. revol. (1845) 314.
meist in abschätzigem sinne '
jem. schmeicheln, über verdienst loben', '
sein verhalten beschönigen' (
vgl. modernes gleichbedeutendes beweihräuchern): deren sklavische gefälligkeit allen ausschweifungen weihrauch streuet Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 277; es giebt menschen, deren zuneigung man augenblicklich verlohren hat, sobald man aufhört ihnen weyrauch zu streun Knigge
umg. m. menschen (1796) 2, 146. C@4@ff) in die luft, in den wind, ins wasser streuen
den elementen übergeben: vnd sy namen den aschen von dem aitofen vnd stuonden fúr pharaon: vnd Moyses der strewet in in den luffte
erste dt. bibel 3, 247
Kurr. (Luther: sprenget jn [
den rusz] gen himel;
sparsit ... in caelum 2. Mos. 9, 10); sie nemen beyde hend vol russ und darmit hin für den köng tretten, den russ gen himel strewen thetten Hans Sachs 15, 144
lit. ver. in der bedeutung '
etwas in nichts auflösen, ohne rückstände tilgen' (
vgl. lateinisches ventis tradere);
so besonders von der asche verstorbener als symbolische handlung: hier will ich ihren staub (
d. Ebräer) in wirbelwinden jagen, und durch den himmel streun Dusch
verm. krit. u. sat. schr. (1758) b 5
a; vor seinem tode verordnete er noch ausdrücklich, seine asche selbst in das meer zu streuen, damit auch kein atome seines wesens nach Sparta zurückkehren ... möchte Schiller 6, 75
G.; als Ludwig der vierzehnte und Louvois ... in Heidelberg die aschen der alten pfalzgrafen in die winde streueten E.
M. Arndt
schr. (1845) 2, 46; er ward ... als ein lästerer gottes und der heiligen enthauptet, verbrannt und seine asche auf die Iler gestreut Schubart
leben 2 (1793) 87; die asche des Nero in den wind streuen, das bedeutete für sie, ihr blut ins leere verströmen Feuchtwanger
Nero (1947) 276.
auch von dingen, deren man sich in mehr oder minder symbolischer handlung völlig entäuszern will: und so blieb denn das los auf dem ständer, und erst als die ziehung vorüber war, zerrisz es Hradscheck und streute die schnitzel in den wind Fontane
ges. w. (1905) I 6, 313. '
eine sache völlig aufgeben, auf sie verzichten': was in der brust in kühner wahrheit lebte, das sollst du muthig in die lüfte streuen Strachwitz
ged. (1850) 132; in die lüfte gestreut habe ich die leidenschaft meiner jugend
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 83; wenn du das eisenthor des gewölbes zuschlägst, so lasse alles hinter dir zurück und streue die erinnerung in die winde Stifter
s. w. 2 (1908) 100.
auch '
etwas vergeblich tun, ohne erfolg, ohne wirkung': aber seine worte waren in den wind gestreut Heinse
s. w. 3, 316
Sch. C@55) streuen
in anwendung auf vorgänge in der natur. C@5@aa)
es bezeichnet das kontinuierliche ausstrahlen, versprühen. C@5@a@aα)
von lichterscheinungen jeder art, besonders in der metaphorischen sprache der poesie; einzelne lichtstrahlen, funken aussenden oder (
reflektierend)
aussprühen: (
die sonne) ist scheinend an ir selber und sträwet irn schein von ir auf andreu dinch Konrad v. Megenberg
buch d. natur 58
Pf.; daz ander reich des luftes ist gar kalt, dar umb, ... daz der sunnen schein und der andern stern dâ selben gar gesträwet ist
ebda 74; gleich wie die liebe sonne, wenn sie auffgehet vnd strewet yhren reichen schein vnd milden liecht ynn alle wellt Luther 30, 3, 576
W.; epistutes ist ain scheinent stain rôtvar ... und sô man in an die sunnen legt, sô sträut er auz im selber feur und schein Konrad v. Megenberg
buch d. natur 446
Pf.; ahnend tritt sie in das dunkel des hochgewölbten domes ein, ... wo die kerzen trüben funkel vom duftigen altare streun Uhland
ged. 2, 275
Schmidt-Hartmann; wie oft auch die frühsonne ihre funken ... streute Storm
s. w. (1899) 2, 259.
glanz, schimmer, also licht anhaltend und in massiver form verteilen, ausstrahlen: die sonne lieblich streüet der strahlen güldnen schein Rist
teutscher Parnasz (1652) 586; die kostbare crone streuet ihre schimmernden strahlen von sich Chr. Weise
polit. redner (1677) 10; der sonnen antlitz ... streute diamanten
br., die neueste litt. betr. 17 (1764) 169; frag, warum so schön und lieb lacht der himmel auf die felder, warum er sein purpur streut auf die hügel aller wälder? S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 286; wenn ... der mond aufgeht und seinen schimmer über die kaum bewegte fläche streut Göthe I 25, 234
W.; einsam streut die letzte lampe über beide ihren schimmer H. Heine
s. w. 1, 145
E.; ich bin so hold den sanften tagen, wann in der ersten frühlingszeit der himmel, blaulich aufgeschlagen, zur erde glanz und wärme streut Uhland
ged. (1898) 1, 12.
vgl. auch: und dort zu rechten, überm rain, zeitlosen mit erneuter kraft verhauchten lilas schimmer streun A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 88.
von reflexen, schatten und dergl.: die abendsonne ... streute einige goldene lichter an die wand G. Keller
ges. w. (1889) 5, 118; zu einem Nestor von apfelbaum, der sein schattengesprenkel auf ihre weiszen kleider, auf den sandweg, auf tisch und sessel streut Stifter
s. w. 1 (1904) 104; (
die föhren) streuen sparsamen schatten
ders. 5, 1 (1908) 30.
in einzelnen, gelegentlichen vergleichen: und weil ihr gesicht auch durch die von sich streuenden blitzen ihres grimms dannoch nichts von der bezaubrenden schönheit verlohre Bohse
Amor am hofe (1716) 2, 119; man findet hier (
in Homers sprache) keine schimmernde antithesen, keine künstlichen fragen, keine kleinen verstohlnen metaphern, die einen unzeitigen glantz streun Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 172. C@5@a@bβ)
duft, wohlgeruch verbreiten, ausströmen: (
unser fraw ist wie) ain wol geladener rôsenpaum, der seinen smack milticleich umb sich sträwt mit voller genâd Konrad v. Megenberg
buch d. natur 346
Pf.; die erste rose streuete ihren annehmlichen geruch alsobald von sich Chr. Weise
polit. redner (1677) 706; rings umher mit güldnen rauchfässern behangen, welche einen lieblichen geruch von sich streueten Ziegler
asiat. Banise (1689) 711; die lilien, die, dich zu erfreun, weit um sich wohlgerüche streun J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 11; es sind die rosen, die gerüche streun H. v. Kleist
w. 2, 105
E. Schmidt. C@5@bb)
in poetischer ausdrucksweise vom niedergang festen niederschlags wie schnee, reif, vereinzelt auch vom tau: dem newen jahrstag über ist es trübe gewesen und der wind unbeständig, wie auch die folgende nacht, als denn es nach 12 uhr ohne mercklichem winde etwas schnee gestrewet Prätorius
saturnalia (1663) 21; berg und thäler seind erfreuet, dasz der tau die perlen streuet Grob
dicht. versuchgabe (1678) 102; ... ich ... preise den, der rings so schön die silberflocken streute Salis
ged. (1793) 57; doch oft streuest du auch flocken und auch schlossen Herder 5, 171
S.; (
der wald) war gleichsam bereift, wie im winter, wenn der schnee in die nadeln gestreut ist, und lange kälte herrscht Stifter
s. w. 2 (1908) 223. C@5@cc)
moderne physikalische fachsprache versteht unter streuen
eine abweichung von geradliniger ausbreitung; (
häufiger als die verbale ausdrucksweise ist —
entsprechend der modernen fachsprachlichen gepflogenheit —
substantivischer gebrauch, vgl. etwa streuung). C@5@c@aα)
in der ballistik; zunächst vom jagd- (
schrot-)
gewehr: streuen
nennt man es, wenn eine flinte die schrote weit auseinander wirft Hartig
anl. z. forst- u. weidmannsspr. (1821) 173; jenes (
schieszen) wird am besten mit der schrotflinte bewirkt, die man mit einer weder zu groben noch zu klaren nummer ladet, da jene ... zu sehr streuen, diese ... nicht ... genug durchschlagen Naumann
vögel (1822) 11, 624; sein gewehr streut Polenz
Grabenhäger (1898) 1, 364.
ebenso von kugelgewehr und kanone, wenn infolge eines material- oder konstruktionsfehlers das geschosz von der errechneten geschoszbahn abweicht. —
auch von absichtlich herbeigeführter abweichung, indem lauf- oder rohrrichtung geringfügig verändert wird, so dasz (
mit mehreren schüssen)
eine fläche (
statt eines punktes)
unter feuer gehalten wird (
vgl.streufeuer): im streuen werden die entfernungen ... bei jedem schuss geändert Alten
hdb. f. heer u. fl. (1909) 3, 705. C@5@c@bβ)
in der optik '
an der geradlinigen ausbreitung hindern, den lichtstrahl auffangen und reflektierend verteilen' (
indem eine substanz licht verschiedener wellenlänge verschieden bricht): in reiner atmosphäre wirken die moleküle der luft als streukörper (reflektoren). sie streuen vorwiegend kurzwelliges ... licht Windisch
farbenfotografie (1939) 84; nur da, wo der zusammenstosz des lichtes mit materie stattfindet, ... erscheinen uns die lichtstrahlen als licht ... gäbe es nicht dieses ... gestreute licht, so wäre die sonne nur ein heller ball, alles übrige in der welt wäre dunkel
ders., fotoschule (1940) 201;
so besonders in populärwissenschaftlicher darstellung, in reiner fachsprache meist streuung des lichts, streulicht
u. ä. (
oder aber mit fremdsprachlichem terminus, z. b. dispersion). C@5@c@gγ)
auch vom unter druck erzeugten wasserstrahl: auch die zersplitterung des wasserstrahles — das sogenannte 'streuen' ist dem zielen nicht günstig (
im feuerlöschwesen) Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 5, 638. DD. streuen
in übertragenem sinne als allseitig verteilen, verbreiten; einer sache beimischen, zufügen; anknüpfend an den sinnlich-konkreten gebrauch unter C. D@11)
etwas unter die leute bringen; besonders meinungen und gerüchte verbreiten: des kauffmanns sun strewet das geschrey in die statt S. Franck
Germ. chron. (1538) 130
a; so ist zu mercken, das alle den unflat, so der teufel durch andere ketzer hin und wider gestrewet, den hat er durch Mahmet auff einen hauffen herausgespeiet (1542) Luther 53, 278
W.; so wurden wir nicht so viel klag von vntrewen bösen weibern hören strewen oder ausruffen Barth
weiberspiegel (1565) F 3
a; lügen in die welt streuen
zeitungs lust u. nutz (1697) 55.
öffentlich bekannt machen: sei still in deinem thun, brauch eingezogenheit, bisz dasz man in der kirch es (
das verlöbnis) von der kantzel streut
J. Cats sinnreiche w. (1711) 2, 566.
im besonderen druckschriften verbreiten, der allgemeinheit zugängig machen: nachdem es aber nunmehr in einen völligen gebrauch erwachsen, dass so bald einer etwas dergleichen auf papier gebracht, er selbiges ... vermittelst des trucks unter die leute streuet Grob
dichter. versuchgabe (1678) 4; Vieweg hat vielleicht ursache, dasz er einzelne exemplare, ehe die ganze versendung gemacht ist, nicht in die welt streuen mag Göthe IV 12, 344
W. heimlich unter die menge bringen: man streut freie gefährliche schriften ins publikum, die die spanische tirannei mit den gehässigsten farben mahlen Schiller 7, 175
G. so auch im ganz eigentlichen sinne brieflein streuen
pamphlete, flugschriften austeilen, auswerfen: brieflein
etc. streuen
seminare bigliotti, policette Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1011
c; des andern morgens fand man brieflein auf die gassen gestreuet
the next morning there were found pamphlets sowed about the streets Ludwig
t.-engl. (1716) 1897; die gegenpartei möge gassen gehen und zettel strähen, um ihre stimmen zu vermehren Handel-Mazzetti
Stephana Schwertner in: dt. rundschau bd. 151, 183. D@22)
abstrakter als das voraufgehende, doch ebenfalls auf der vorstellung des auswerfens beruhend; '
etwas allseitig bzw. immer wieder austeilen'. D@2@aa) (
mit vollen händen)
austeilen, verschenken; von den göttern, vom schicksal usw.: groszer gott, streue deinen göldnen regen auf dies paar und sie erfreue Neumark
fortgepfl. lustgarten (1657) 2, 232; ja, seht, sie, segen ... auf den erwachten erdball streun (
die sonne) Becker
Mildheim. liederbuch (1799) 28; noch keinen sah ich frölich enden, auf den mit immer vollen händen die götter ihre gaben streun Schiller 12, 232
G.; streue segen um dich, wie eine beglückende gottheit
ebda 6, 308
G. allgemein: die freuden des lebens sind sparsam gestreuet Adelung
lehrgang d. dt. spr. (1782) 2, 400.
jem. etwas gewähren, zukommen lassen: er strewt den armen sein hülff und thut sich der erbarmen Hans Sachs 18, 438
lit. ver.; wohlthaten mag ich wohl im stillen gerne streun, doch diesen namen (
wohltäter) nie von einem freunde hören Castelli
s. w. (1845) 12, 105.
vereinzelt: während ich so den musen und der freundschaft meine stunden streute Zschokke
ausg. schr. (1824) 15, 160.
in der wendung wünsche streuen
vota facere, vovere (Stieler
stammb. [1691] 2211): denn dasz das hertz dir süsze wünsche streut Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 16. D@2@bb)
ausstrahlen, verbreiten: Amöne, darf ich mich erkühnen, mit meiner schlechten höfflichkeit die süsse schönheit zu bedienen, so sich ausz ihren augen streut? (1678) Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. gedanken 67
ndr.; wie viel anmuth streuet nicht ... der beygefügte character von den gedancken und dem gemütheszustande der hirtin bey dem abschied ihres geliebten über das gantze gemählde? Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 24; des gnadenbildes segenreiche näh, das hier des himmels frieden um sich streut, nicht satans werk führt eure tochter her Schiller 13, 176
G. D@33) streuen
in präpositionalen verbindungen (streuen auf, über, unter, zwischen etw.)
steht im sinne von '
etwas gegebenem ein anderes (
meist entgegengesetztes oder doch anders geartetes)
beimischen, zufügen': hoffen und viel harren machet lauter narren; wann man hoffnung streuet auff das so gereuet, auff das so wir wollen, aber doch nicht sollen Schottel
haubtspr. (1663) 875; über meinen bittern kummer den süszen trost zu streuen S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 79; (
der lügner) entzweyet bruder und bruder; und streut herbe bitterkeit über treue ... freundschaft Lavater
verm. schr. (1774) 2, 342; wie? heiszt das sie erfreuen? aus eifersucht verdrusz auf ihr vergnügen streuen Göthe I 9, 12
W.; was hat der himmel für seligkeit in das kalte nüchterne leben gestreut Körner
w. 2, 64
Hempel; er streuete der hoffnung süsze blüte ins labyrinth, wo keiner wiederkehrt Hölderlin
ges. dicht. 1, 137
Litzmann. dazwischenstreuen, untermischen: die natur hat manches unbequeme zwischen ihre schönsten gaben gestreut Göthe I 33, 97
W.; dem heuchler streut er (
Amor) bittern genusz unter verbrechen und noth
ebda 1, 260.
üblich von einem literarischen (
rhetorischen)
werk, dem auffallende inhaltliche oder stilistische sonderheiten beigemischt werden: ernst under scherz streuen
jocis seria comiscere Stieler
stammb. (1691) 2211; ich ... will nicht schmeicheleyen als einen fremden putz in meine verse streuen Neukirch
ged. (1744) 186; zugleich streute er ... noch einige ... scherze auf diese worte Arndt
s. w. (1892) 1, 224; er ... nährte, durch seine, zwischen die unterrichtsfloskeln gestreuten theaterberichte, meines herzens glühendste flamme Holtei
vierzig jahre (1843) 1, 190; reime sind reichlich über das ganze gestreut
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 8, 75. D@44)
die wendung in den weg streuen,
den lebensweg sowohl begünstigendes als auch hinderndes (
vgl.C 3 a): einem was in den weeg streuen
alicui aliquid objicere Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 741; wiewol nun dergestalt zu einer mehrern vertrewlichkeit ... ein guter eingang gemachet zu seyn schien, strewete doch der graff von Schwartzburg bald vielerley hinderung in den weg Chemnitz
schwed. krieg (1648) 1, 115; ach streuet mir ja nicht neue sorgen in den weg Bucholtz
Herkuliskus (1665) 243; wenn nur das unglück nicht andere sachen im weg streuete Hunold
d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 534; das interesse an meiner wirksamkeit, einige schöne blüthen des lebens, die das schicksal mir in den weg streute, verbargen mir diesen verlust (
d. eignen ungenügens) (1791) Schiller
br. 3, 179
Jonas. EE.
ältere bedeutungen von streuen,
die vereinzelt bis in nhd. zeit üblich sind, treten im gleichen masze zurück, wie spargere
in dem unter C
charakterisierten sinne der eigentliche bedeutungskern des wortes wird. E@11) streuen
als '
zerstreuen, auflösen'. E@1@aa)
in eigentlichem sinne '
eine gruppe auseinandertreiben, auflösen'
; auch reflexiv '
sich zerstreuen, auseinandergehen, den gebotenen zusammenhang verlieren': dez vihes hirte wirt geslagen, dez hirten schaf gestrauowet Heinrich v. Neustadt
gottes zukunft 4305
Singer; got selbe sprichet dar in uz Jeremya alsust drouwende irre wollust: strovwen wil ich ir uppe als der wint ein gestuppe tut, von rechtes sturmes macht: glich muzen sie werden bracht zur vlucht vor iren vinden
buch Daniel 2865
Hübner (
nach Jer. 18, 17); dâ traf ein teil dî eine trucht, dî sich ouch strouwte an dî vlucht Nicolaus v. Jeroschin
kron. v. Pruzinlant 22 333
Strehlke; mir wart alsô geseit, dâvon daz si gestreut wârn, si muosten übel gevarn, der Karlot und die sînen Ottokar
österr. reimchron. 4297; si habent her unde hin sich manigen end gestreut
ebda 4289; die reitenden Dürgken weichent oft den Cristen und fliehent vor in darumb, dasz sich die Cristen ströen, und darnach koment sie herwider merer gerennt und gesterckt und dann werdent die Cristen, also gesträet und ungeordnet, überwunden (
Augsburg ca. 1450)
städtechron. 22, 293; als Vespasianus Jerusalem erstörte und all juden fieng und in das ellend ir zertailung sträwet Ulrich Füetrer
bayer. chron. 51
Spiller; si nit lang in guoter ordnung blibend, sonder, wo si vermaintend, die vigend erobert (
zurückgeworfen) han, dasz si sich ströuwtind und zuo blündern genaigt werind J. v. Watt
chron. 1, 329
Götzinger; euch aber wil ich unter die heiden strewen (
dispergam)
3. Mos. 26, 33 (ich verzett 1.
dt. bibel); gott strewt die völcker, die gern kriegen Hans Sachs 18, 269
lit. ver.; die Wandali verliessen Rom und seind durch Campanien gestroewet worden H. Gholtz
lebendige bilder (1557) P 3
b; wer Italien verbesseren wolte, der muste Mailandt verderben; nemblich das sich die kunstner und handtwercks leuth (so von hinnen verjagt wurden) sich durch gantz Italien strehen unnd auss thailten Ortelius
schawpl. d. erdbodems (1572) 33
a. E@1@bb)
in bildlicher und übertragener verwendung von inconcreta '
verteilen', '
auflösen': nv wil och tiusche liute got mit ir trosten ane spot und mit ir helfe frowen ir suntlich truren strowen Hugo v. Langenstein
Martina 286, 96
lit. ver.; mîn gedenke sich müssen dâ von fröuwen und ze rugge ströuwen swaz mir leides ie gewar Reinfrid v. Braunschweig 3464
lit. ver.; aber die werm jn den grossen herczen die streüt vnd preit sich
problemata Aristotelis (1492) 13
a; doch inn diser sach den schmertzen mildt zuo machen oder jhm strOeuwen geschicht mit warmem roszOelen, mitt salbung H. Braunschweig
chirurgia (1539) 75; was ausz dem magen kompt, wird gestrewt durch den gantzen leib, wie der taw in die gantze welt Paracelsus
chir. (1616) 1, 299
Huser. E@22)
eine schon vorgermanisch bezeugte bedeutung liegt vor bei streuen
im sinne von '
zu boden werfen, hinstrecken, niederwerfen, besiegen'
; in Jesu anrede an Jerusalem nach Lc. 19, 44: uuanta quement taga in thih, inti umbigebent thih inti giangustent thih eogiuuanan, inti zi erdu gistreuuent thih inti thiu kind thiu in thir sint (
ad terram prosternent te et filios)
Tatian 116, 6
Sievers. E@2@aa)
bes. in der kampfhandlung, niederwerfen, zu boden strecken, damit häufig gleichbedeutend mit töten: er quam so risi hera in lantjoh kreftiger gigant, in einwigi er nan strewita,ther richi sinaz darota Otfrid IV 12, 62
Erdmann; (
auch übertragen: hiar strewit thiu sin guatiin uns thio ubarmuati
ebda III 3, 11); alsô der daz kras nider sleit, sô strouwet Alexander; diz ne mohte nehain ander. diu menige diu was mâre grôz, die der hêre slûch unde schôz
Vorauer Alexander 1313
Kinzel; si habent dine helde gestruot after uelde. ir ist so uil geuallen
Rolandslied 8370
Wesle; alle die im nâch riten die streuter nâch ein ander Hartmann v. Aue
Iwein 4713
Benecke; sîn hant se nider streute Wolfram v. Eschenbach
Parzival 618, 25
Lachm.; von den Hegelingendie Hetelen mâgen die sluogen vil der wunden.die geste beidenthalp gestrewet lâgen
Kudrun 507, 4
Symons; sie (
die welt) tut ir hende under ein ander blutic, swenne sie tobewutic wider einander houwet unde sich nider strouwet als ein witzeloses vie Heinrich v. Hesler
apokalypse 13 366
Helm; an der flucht wurden auch so vil ertödt und mit den wagen zu tod gestossen, das sie lagen gestrewet auff dem veld als die samlet der garben in dem schnitt Johann Hartlieb
Alexanderb. (1476) 56
a.
vielleicht auch noch: kurtz: der das land geprest (
d. feind) ward todt darauf gestreut Besser
schr. (1732) 1, 47.
ein jüngerer gebrauch, der in dichterischer sprache begegnet, geht nicht auf die grundbedeutung '
zu boden werfen, niederwerfen'
zurück: wo diese heldenmüthigen dames mit auffgestreifften armen das schlachtschwerdt auff beyden seiten viel tausend leichen streuen lassen Amaranthes
frauenz.-lex. (1715)
vorr. 5
b; Erich streute leichen durch die see dem raubgethier Denis
lieder Sineds (1772) 76; so stürzet nun er in die feindlichen haufen und streuet leichen um sich her Ayrenhoff
w. (1814) 1, 264. E@2@bb)
vereinzelt reflexiv, sich hinstrecken, sich zu boden werfen: do geng sy darnach forchtig und zittern und strewt sich zu der erden für unnser lieben frawen pilde gnad von ir ze pitten Johann Hartlieb
dial. miraculorum 56
Dr.; und do er also gestrewet auff der erde lag (
procumberet)
ebda 114; ein weisse pernhaut ... die wolt er für sand Andres alltar zu einem understrew, den sy sich dar auff strewen oder in dem wintter durch wyrm willen dar auff steen wolden
ebda 156; doch lieff sie vor essens wider zu irm peichtvatter und maynt es wär von schulde irer sünden, und strewt sich für sein füesse auff die erde
ebda 249.
davon dann allgemeiner, sich niederlassen, niederbeugen zum gebet: er strewt sich da für auff sein knye und huob an sein inniges gepett zu unnser lieben frauen (
se prostravit) Johann Hartlieb
dial. mirac. 67
Dr. E@33)
auch die anwendung von streuen
auf unfeste körper, die sich spurenweise bis ins 18.
jh. findet, wurzelt, soweit nicht jüngere dichterische metapher vorliegt, in älterem gebrauch. dahin rechnet tränen streuen
tränen vergieszen: ez het diu minne mit ir kraft so sere si ervräwet daz hainlich wart gestræwet vil zæher haiz uz augen Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 9454
Regel; weine mit mir, threnen streue, fromme redlichkeit und treue A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 2, 1037; ich weisz, dasz selbst die traurigkeit, und ihres schmertzens ungebehrden, wenn sie die heissen thränen streut, sie noch viel schöner machen werden Besser
schr. (1732) 2, 738;
ebenso eine verwendung im sinne des heutigen '
ausgieszens': strewweten sie das blut, noch so warm in frische erden Nigrinus
von zäuberern (1592) 32; wir streuten Römerblut aufs feld und Römerschande durch die welt Kretschmann
s. w. (1784) 1, 114.