Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
semi
semi
semi- Bestimmungswort in gelehrten Zusammensetzungen mit der Bedeutung ‘halb’. Zugrunde liegt lat. sēmis ‘halb’, das bereits im Lat. viele Adjektiv- und Substantivkomposita bildet, vgl. lat. sēmiamictus ‘halbnackt’, sēmiclausus ‘halbverschlossen’, sēmidiēs ‘halber Tag’, sēmifūnium ‘Halbseil’, sēmivōcālis ‘tönend, aber nicht sprechend’, substantiviert sēmivōcālēs Plur. ‘den Vokalen nahestehende Laute, Liquiden und Spiranten’, aber auch ‘Halbvokale’, im 16. Jh. in dt. Grammatiken übernommen als zusammenfassende Bezeichnung für Liquiden und Spiranten, auch eingedeutscht semiuocalen (um 1600), Semivokal ‘Halbvokal’ (19. Jh.). Nach derartigen Mustern entstehen in der dt. Wissenschaftssprache Fachwörter wie semiadhärent ‘nur zur Hälfte anhängend’, semibarbarisch ‘halbbarbarisch’, semihumid ‘halbfeucht’ (Klima), Semiphosphat durch unvollständigen Aufschluß mit Schwefelsäure aus Rohphosphaten gewonnenes Phosphordüngemittel (20. Jh.). In die Allgemeinsprache sind eingegangen Semikolon n. stärker als ein Komma gliederndes Satzzeichen, ‘Strichpunkt’, Ende 15. Jh. von A. Manutius eingeführt, von Schottel (1663) mit Strichpünctlein übersetzt. Zu lat. cōlon, griech. kṓlon (κῶλον) ‘Abschnitt einer (Satz)periode’, eigentlich ‘Glied eines Tieres oder eines Menschen, besonders Bein’; vgl. nhd. Kolon ‘Doppelpunkt’, anfangs Colon (16. Jh.). Semifinale n. Sportsprache ‘Halbfinale’, Spielrunde, bei der aus einer Vierergruppe die zwei Teilnehmer an der Endrunde (s. Finale) ermittelt werden (20. Jh.).