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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stand m.

Bd. 17, Sp. 683
stand, m. status, ordo, 'handlung, ort, art des stehens'. Heyne. verbalsubst. zu stehen, den ältern Germ. sprachstufen fremd, in den lebenden sprachen weit verbreitet. nur ags. scheint einmal stand (nom. pl. stondas) im sinne 'mora' vorzukommen, s. Bosworth-Toller 910b. (mittelengl. stand cursor mundi 1694, s. Stratmann-Bradley 573b; neuengl. stand bei Shakesp. s. A. Schmidt Shakesp.-lex.2 2, 1111a, vgl. Skeat 591a.) im deutschen ist stand, stant seit dem 14. jahrh. belegt (ahd. stand nur als 2. theil von zusammensetzungen Graff 6, 607), und zwar mnd. gewöhnlich als neutr., s. Schiller Lübben 4, 362b f., mhd. stets als masc. Lexer handwb. 2, 1137 f. ebenso holl. stand, vgl. Franck 955. in den neunord. sprachen:n. stand, com.; norw. stand, n. und f. Aasen 744a; isl. stand, n. Cleasby-Vigfusson 587b; schwed. stnd, n. im deutschen bietet die form zu weitern bemerkungen keinen anlasz. (die vereinzelte schreibung stande, s. Luther unter 6, f, ist natürlich ohne bedeutung.) der plur. lautet mit umlaut stände. auch die mundarten, in denen stand allgemein verbreitet ist, zeigen nur die durchgängigen und selbstverständlichen lautschwankungen, s. Stalder 2, 391. Hunziker 250. Tobler 406b. Seiler 277a. Schm.2 2, 765. Hügel 155a (stnd). Schöpf 699 (stànd). Zingerle (stant). Haltrich 88 (stnd). Lenz 67b. Meisinger 181a. Schmidt 232. Autenrieth 136 (stann). Müller-Weitz 233. Pfister 283. Crecelius 804 (schdâñd). Liesenberg 204 (schtnt). Frischbier 2, 361b. Brendicke 177b (berl. schtand); nd. Schütze 4, 186. Dähnert 457a. ten Doornkaat Koolman 3, 300b. Schambach 208a. Woeste 253a. Bauer - Collitz 98b (štant). vgl. noch Wachter 1584. Weigand 2, 795. Kluge6 375b. 11) das stehen, handlung des stehens. 1@aa) im eigentlichen sinne von menschen, selten: stand, m. statione, stanza, stato, sussistenza, sostegno i piedi. Kramer dict. 2, 929c; actus standi. Haltaus 1728. stehende, aufrechte körperhaltung: (er) fast mit der rechten hand die brust und neiget sich wie er wol wust. nachmals credentzt er jhn (in) dem stand dieselbe seine rechte hand, gab sie dem könig, der zuvor sein hand jhm da anboth empor. froschm. D 2a (1, 1, 2, 289). (art zu stehen:) sin stant was recht up myt enen othmodighen ghebogheden halse. nd. quelle des 15. jahrh., s. Germ. 12, 103. im gegensatz zu andern positionen, besonders zum gang: mit jhrem auffgeblasenen standt und gang, als wann sie lauter Tullii weren. Garzoni allgem. schawplatz 103b; wie ewer gang, stand, dantz, geberden, ein paradis auf diser erden (machen). Weckherlin 448 (8. ode 7, s. 227 Fischer). so im bilde: das leben, besonders das sittliche, hat flug, dann sprung, dann schritt, endlich stand. J. Paul 36, 26. seltner den andern unbewegten körperhaltungen, wie sitzen, liegen, gegenübergestellt, vgl. Hamann 3, 92 unter 8, i, β. so auch im bilde: unsre welt ist schläge-faul. setzt sich wie ein stätig gaul! wil sie got zu stande bringen, musz er sie mit feuer zwingen. Logau 1, 27, 91. 1@bb) stand ist im 18. jahrh. häufig als ausdruck der kunstbetrachtung in bezug auf plastik und malerei. Jacobsson 4, 254a verzeichnet stand des körpers als modewort. insbesondere ist es ein lieblingsausdruck Winckelmanns, von dem es vielleicht Lessing und Herder übernommen haben (vgl. Berger Herder u. Winckelmann s. 50). gewöhnlich mit adjectivischem zusatz, wobei denn stand in die bedeutung einer besondern art zu stehen, der haltung des körpers im einzelnen übergeht: stand und gebehrden an den alten figuren sind wie an einem menschen, welcher achtung erwecket und fordern kann. Winckelmann 1, 258; im ruhigen stande, wo ein bein das tragende ist, und das andere das spielende, tritt dieses nur so weit zurück, als nöthig war, die figur aus der senkrechten linie zu setzen. ... den neuern künstlern schien ein ruhiger stand unbedeutend und ohne geist; sie rücken daher den spielenden fusz weiter hinaus, und um eine idealische stellung zu machen, setzen sie ein theil der schwere des körpers von dem tragenden beine weg. ... wo der raum diesen stand der beine nicht erlaubete u. s. w. 259; es giebt leidenschaften .., die ... den ganzen körper in so gewaltsame stellungen setzen, dasz alle die schönen linien, die ihn in einem ruhigern stande umschreiben, verloren gehen. Lessing 6, 384 (Laok. 1, 2); woher kam den ältesten griechischen bildsäulen, jener unbewegte stand, jene gerade stellung ohne handlung? Herder 2, 125 Suphan (fragm. 2, 4). sogar tautologisch: auf der einen seite erklärt er sich, dasz die stellung des Miles Veles gleichfalls nicht vollkommen der beschreibung des Nepos entspreche ..: und auf der andern räumt er ein, dasz der stehende stand des Borghesischen fechters sich mit den worten des Nepos eben so wohl zusammen räumen lasse, als der kniende des Miles Veles. Lessing 8, 111 (antiqu. br. 37). in diesem sinne gebraucht Winckelmann auch den plural: das schönste nackende der körper zeigte sich hier in so mannigfaltigen, wahrhaften und edlen ständen und stellungen, in die ein gedungenes modell ... nicht zu setzen ist. Winckelmann 1, 14; das gewaltsame der stellung flieszet aus der ersten eigenschaft (dem gezwungenen); denn um den gesuchten starken ausdruck und die empfindliche andeutung zu erhalten, setzte man die figuren in stände und handlungen, worin sich jenes am sichtbarsten äuszern konnte. 3, 221. so dann auch in bezug auf die schauspielkunst: wenn in einer heftigen situation die seele sich auf einmal zu sammeln scheinet. ... die glieder alle gerathen in einen stand der ruhe, um die innere ruhe auszudrücken. ... mit eins tritt der fortschreitende fusz fest auf, die arme sinken, der ganze körper zieht sich in den wagrechten (senkrechten?) stand. Lessing 7, 17 (Hamb. dramat. 3). vgl. noch: es (das wilde oder freche) hat bey ihr (der schauspielkunst) alle das ausdrückende, welches ihm eigenthümlich ist, ohne das beleidigende zu haben, das es in den bildenden künsten durch den permanenten stand erhält. 26 (5). 1@cc) stand bezeichnet das feststehen im gegensatz zum wanken oder fallen: ach, heil und bring in bessern stand das straucheln meiner füsze! P. Gerhardt s. 211, 76 Gödeke. dabei geht es zuweilen in die bedeutung 'möglichkeit zu stehen, ort wo man fest stehen kann' über (vgl. 4): du hast, herr, unser flehen ... nun gnädig angesehen, suchst unsrer hoffnung bahn und sichern stand zu machen. Dach s. 625 Österley. gewöhnlich mit haben und adjectivischer bestimmung: einen festen stand haben, haver' un sostegno sodo, saldo de' suoi piedi, it. stare saldo, fermo i piedi. Kramer dict. 2, 929c; keinen festen stand haben, non haver fondo terreno, saldo da poter consistere fermo i piedi; vacillare etc. ebenda, nicht fest stehen können. Adelung (1, 1); ich habe hier keinen guten stand, stehe hier nicht gut. ebenda (2, 1). er het e feste stand. Hunziker 250. jetzt an einem orte, z. b. auf einem felsen einen festen, sichern, guten stand haben. 1@dd) vereinzelt finden sich in diesem sinne verbale fügungen, die gewöhnlich die unter 2 behandelten bedeutungen aufweisen. so mnd. dat stand begripen festen fusz fassen, bei der landung: unde de Denen begrepen dat stand uppe dem lande. Korner bei Schiller-Lübben 4, 362b (vgl. 2, a); den stand halten = fest stehen (vgl. 2, b): wenn er (gott) mich auch gleich wirft ins meer, so will er mich nur üben und mein gemütin seiner güt gewöhnen fest zu stehen: halt ich den stand,weisz seine hand mich wieder zu erhöhen. P. Gerhardt s. 83, 15 Gödeke. 1@ee) eine bedeutungsentwicklung, die sich mit stehenden fuszes vergleicht, hat stand in der bair. wendung bei stand (bə stand) 'auf der stelle, gleich'. Schm.2 2, 765. (dagegen ist gleichbedeutendes von standen an B. Waldis Esopus 1565 bl. 221b = 4, 7, 15 druckfehler für stunden, s. das.) vgl. auch standgericht, -recht, -rede. 22) stand als verbalsubstantiv nimmt gern einen prägnanteren sinn an und ist dann sehr gewöhnlich in festen verbalen fügungen. von menschen gesagt, bedeutet es dann ein stillstehen, stehenbleiben im gegensatz zum fortgehen, fliehen; gewöhnlich vom widerstand gegen feindlichen angriff. 2@aa) mnd. dat stand begripen auch in diesem sinne: de van Meideborch begrepen dat stant unde krigeden mit den gudemans dre jare. quelle bei Schiller - Lübben 4, 362b. der entsprechende hd. ausdruck stand fassen vereinzelt bei nd. autoren: wo etwan ein morast, und wo ein enger weg, ward erstlich stand gefasst, bis ein vollkommnes heer, das freye feld zu kiesen, sich unterstehen durft'. Postel Wittekind s. 54 (3, 304). dafür seit dem 17. jahrh. auch posten fassen, s.posten 2, a, α, theil 7, 2023. 2@bb) gewöhnlich stand halten. das mnd. setzt auch hier den artikel: dat stand holden, s. Schiller-Lübben 4, 362b; im hd. fehlt er dagegen regelmäszig (anders 1, d): stand halten, stare saldo, durare, tener piè fermo, consistere, tener buono, non voltar faccia, non mutar posto. nicht standhalten: sie halten nicht stand. Kramer dict. 2, 929c; nicht stand halten, certamen detrectare; er hältt stand, adventum alterius sustinet. Steinbach 2, 669; stand, im gegensatz der bewegung, stand halten, stare, non aufugere, festen fusz halten, nicht stand halten. Frisch 2, 317c, s. auch Adelung 1, 2, a und fusz I, A, 5, c, α, theil 4, 1, 979 f. auch mundartlich, schweiz. stand halte Hunziker 250. absolut: der feind behielt dadurch immer frische leute, und es war zu befürchten, dasz die sechstausend Würtemberger, wenn sie auch noch so tapfer stand halten sollten, endlich aus ermattung würden unterliegen müssen. Hauff 1, 740 Reclam (Lichtenst. 34); die Germanen ... springen ... gegen die reihen der Römer. ... die reiter der Römer halten stand. Freytag 17 (bilder 1), 97; so kommt denn her und greift mich an, ich halte sicher stand. Göckingk 2, 35; niemand hielt stand. das fliehn war allgemein. Schiller 13, 226 (jungfrau v. Orl. 2, 1); nimm mindstens deine veteranen mit, die zehn manipeln. sie sind stark genug im nothfall stand zu halten, bis Sever mit hülfe nachkommt. Geibel 7, 52. mit dativ: haltet mir nur stand, strausz mit euresgleichen ist mir kindertand. Chamisso 3, 173 (don Quixote); als die Latiner aus Lavinium nicht mehr dem sturm der feinde hielten stand. Uhland ged. (1864) 379. bildlich vom wortstreit: ich hielt ihm stand, und focht mit ziemlicher heftigkeit. Göthe 16, 94. auch dem tode stand halten: unverrückt in glied und reihe hielten wir dem tode stand. W. Müller ged. (1868) 2, 100. mit angabe der waffe: als wie ein held in seiner hand geschwinde kriegespfeile trägt, sie auff den starcken bogen legt: schnellt losz und helt mit ihnen stand. Opitz ps. 127, 4. übertragen: der graf Platen hat mir doch noch viel zeit gekostet, da man mir mit prozessen drohte, und ich ... beständig schlagfertig mit daten und witzen standhalten muszte. Heine 3, 208 Elster. — stand halten steht häufiger in freierem sinne, zunächst mit bewahrung der sinnlichen bedeutung (nicht fliehen): aus scham muszt' ich stand halten; mich von ihm (dem prinzen) los zu winden, würde die vorbeygehenden zu aufmerksam auf uns gemacht haben. Lessing 2, 137 (Em. Gal. 2, 6); ohne einer frage stand zu halten, eilte er fort. Pichler allerlei gesch. aus Tirol 1, 108; dann auch ohne diese; einem blick, einer frage stand halten, sie erwidern u. ähnl.: lange genug hielt die heldin stand (hielt an sich). Schiller 3, 404 (kab. u. liebe 2, 3); ich selbst ... vermochte es nicht, dem durchbohrenden blick stand zu halten, der unter den finstern augenbranen blitzewerfend hervorschosz. 4, 338; sie sah ihn dabei fast düster an, aber Hauke hielt ihr tapfer stand. Storm 7, 168; du siehst so ernst, geliebter! deinem bilde von marmor hier möcht ich dich wohl vergleichen; wie dieses gibst du mir kein lebenszeichen ... ich suche dich, du suchst mir zu entweichen; doch halte stand, wie dieses kunstgebilde. Göthe 2, 6 (son. 4); sie sah nicht auf vom werke, hielt keiner frage stand; sie stickte ihren namen schwarz in das weisze band. W. Müller ged. (1868) 1, 132. schmerzen ertragen: wie hält die königin in ihrer marter stand? A. Gryphius 1, 164 (Cath. v. Georg. 5, 19). so zugleich mit der eigentlichen bedeutung: o herr Jesu, der du vor mich am stamm desz creutzes einen unbeweglichen und festen standt gehalten. J. M. Meyfart d. himml. Jerus. (1630) 2, 197. bei einem stand halten, bei ihm bleiben, fest zu ihm halten, ihn nicht verlassen: gute biszgen geniessen machet starck beten können, gibt gut vertrauen und willfährigkeit bey gott stand zu halten. Olearius pers. rosenth. 87a (7, 20); wer ihn den herren liebt .., bey diesen hält er stand. Opitz ps. 97, 6. in weiterer übertragung wird stand halten dann auch mit unpersönlichem subject gesagt in verschiedenen nuancen: kein ruf, kein ruhm hält weiter stand; selbst Faustens name wird verdunkelt. Göthe 41, 96 (Faust II, 2); dasz die idylle bei näherer betrachtung stand und stich hält, freut mich sehr. an Schiller 171; soll ich dir alles gestehen Fiesko? dasz nur mein laster meine tugend bewahrte ... nur bis hieher meine grundsäze stand hielten? du ... nimmst deine zuflucht zu Julias blut. hier verlassen sie mich. Schiller 3, 124 (Fiesko 4, 12); diese sanftmuth war keine larve — sie hat auch dem tod stand gehalten. 504 (kab. u. liebe 5, 7); aber auch diese muthmaszung hielt nicht stand. C. F. Meyer Jenatsch 183. — s. auch unten standhalten, -halter. 2@cc) stand halten kommt erst im 17. jahrh. auf; die sprache des 16. jahrh. sagt dafür stand thun, widerstand leisten (besonders oberd.): seind die von Nürnberg hinausz gefallen, mit schlechter rüstung ..., vermeinten auch villeicht, der margraff wurd jnen nit stand thuon noch yr erwarten. Franck chron. (1531) 218b; die Franzesischen eidgnossen hAettid gern ein stand getan in der vorstat. Anshelm Berner chron. 4, 449, 25; da ereilt er sie, und wiewol sie vermainten, ain vortail zu haben, und zu der wehr sich stallten, so kunten sie doch kein standt thuen und fluhen gleich widerumb. Zimm. chron.2 1, 200, 28; damit thetten die Gallischen fuoszknecht auch kein stand. Stumpff Schweytzer chron. (1606) 96a; diese history zeiget an, bösz sey, dem sterckern stand zu than. Ayrer 2223, 9 Keller. ungewöhnlich ist die construction: wolt einer bringen die würm umb, so musz er mich vor fragen drumb und müst mir vor ein stand auszstehn, dasz jhm sein hochmuth würd vergehn. ich wolt gern den hölden schauen, der mir wolt oder meiner frauen mit streiten etwas gwinnen an. 1104, 4. mit adjectivischer bestimmung: die Römer bekanten auch dasz sie keyn hefftigern streit noch hertern standt nie gethon hetten. Carbach Liv. 70b; dieweil wir jetzt in letsten nöten seyn, so ist das höchst dasz jhr starckmütig seyt, dann wir müssen ein härtern stand thun, auff dasz wir frey unnd sicher leben. buch der liebe 203a. zuweilen harter stand auszerhalb dieser construction: (dadurch wurden) alle beistender des apt Huldreichs dermassen erbittert, das sie nit nachlassen oder weichen wolten, bis die feind geschlagen ... weren. theten darauf ain ernstlichen angriff. ... als nu herzog Berchtolt den ernst und grimmen, auch den harten stand des apts und seines anhangs ersahe ..., begab er sich ... in die flucht. Zimm. chron.2 1, 79, 14. 2@dd) harter stand begegnet daneben in einer bedeutung, der dasselbe bild des kampfes zu grunde liegt, aber mit verschobener beziehung (im anschlusz an 1, c); es bezeichnet eine lage, wo man schwer stehen, widerstand leisten kann, wo man hart bedrängt wird. so ganz vereinzelt in neuerer zeit: bis ich dich wiederschaue nach manchem harten stand. Uhland ged. (1864) 229 (d. j. könig 1). so wol auch in freierer verwendung: wenns zu solchem harten stande und zügen nicht kömet, so schmecket uns gottes gnade und hülffe nicht. Luther 16, 267, 17 Weim. ausg. (im lat. text: extra pericula sua gratia non est dulcis). in neuerer zeit ganz gewöhnlich in verbalen fügungen. ein harter, schwerer stand, stato duro e difficile. Kramer dict. 2, 930c; wobei schwer noch häufiger als hart ist. vgl.: hernach heiszen die verdrüszlichen umstände, in die jemand gerathen kann, auch ein harter, ein schwerer stand. er wird einen schweren stand haben. Gottsched beobachtungen (1758) 277. in der eigentlichen bedeutung vom kampfe seltener: weil er nun nachricht bekam: dasz hertzog Ganasch ... mit dem Germanicus einen harten stand hatte, liesz er ihn ... versichern: dasz er ihm durch einen anfall in der Römer rücken bald lufft machen wolte. Lohenstein Armin. 2, 247b; seht hin! gewahret die bedrängnisz um unsrer helden felsenwand. die nächsten höhen sind erstiegen, und würden sie den pasz besiegen, wir hätten einen schweren stand. Göthe 41, 279 (Faust II, 4); nur mit dem Geszler fürcht ich schweren stand, furchtbar ist er mit reisigen umgeben, nicht ohne blut räumt er das feld. Schiller 14, 335 (Tell 2, 2). meistens in übertragenem sinne, doch wird die grundvorstellung noch empfunden: du wirst einen schweren stand bekommen, 'wirst viel zu leiden, viel hindernisse zu überwinden bekommen'. das war ein harter stand. Adelung (2, 2, a); einen schweren stand haben. Eiselein 576; er hat einen schweren stand, ist in miszlicher lage. Hetzel wie der Deutsche spricht 298. belege: es wird ihnen der härteste stand seyn, wie sie der gräfin ... begegnen wollen, wenn diese in einem neuen aufzuge kömmt, und sie sich in einem unveränderten zeigen müssen. Möser patr. phantas. 3, 7; ich hatte mit Marianen einen harten stand; ich überredete sie, ja ich kann sagen, ich zwang sie ... an ihren liebhaber zu schreiben. Göthe 20, 97 (W. Meister 7, 8); Adelh. er ist zum bischoff um lebewohl zu sagen. fräulein. er hat darnach noch einen schweren stand. 8, 63 (Götz v. B. 2); ich habe heute ohnehin mit ihrem oheim einen schweren stand gehabt. 21, 202 (wanderj. 1, 11); wer seines herren vortheil rein bedenkt, der hat in Rom gar einen schweren stand. 9, 126 (Tasso 1, 4); den schwersten stand hatte man bei der jungen gräfinn (um ihre einwilligung zu erreichen). Schiller 4, 242. das verblassen der eigentlichen bedeutung von stand zeigt die wendung: ich empfinde schon, dasz ich einen schweren stand zu erdulten habe, und wer weisz, ob ich nicht mein leben hierbey aufopfern musz. Plesse 3, 55. auch andere synonyme adjective kommen vor: einen schlimmen stand haben. Gottsched 545b; grade diese (adligen), da sie die unrettbarkeit des alten einsahen, waren dem neuen zugewandt. und diese hatten den schlimmsten stand. Eichendorff 19, 14 Koch; die staatsbeamten, die dem kaiser von Österreich ... treu dienen, findest du nicht, mein sohn, dasz sie einen gefährlichen stand haben? Kleist 4, 110, 17 E. Schmidt (kat. der Deutschen 14); tief und ernstlich denkende menschen haben gegen das publicum einen bösen stand. Göthe 22, 231; ferner: und wer sich dort sein probejahr befand, hat in der welt gar einen eignen stand. 3, 139. auch solche von entgegengesetzter bedeutung, einen leichten, guten stand haben: wenn man in liebe und freundschaft glücklich ist, dasz unser herz in der weiten welt nichts zu suchen braucht, so hat man mit den menschen einen guten stand. an frau v. Stein 2, 178 (31. märz 1782). 2@ee) an die bisher behandelten wendungen schlieszt sich ferner an zu stande bringen, zum stehen, zunächst ein feindliches heer zum haltmachen und zur schlacht zwingen: (vereinzelt mit artikel:) endlich brachten sie unsere armee zum stand, erhielten von ihnen (gewannen über sie) einen blutigen sieg bey Allerheim. Simpl. schr. 3, 247, 7 (Springinsf. 19); denn als sie endlich den feind auffgesucht und zu stande gebracht, wagten sie mit demselben eine schlacht. Wiedemann gefangensch. jan. 5; aber die kAeyserlichen liessen es darzu nicht kommen, sondern sie ertappten ihn (den türkischen groszvezier) bey Sicklosz, und da sie ihn den 12. augusti daselbst zu stande gebracht, drungen sie dermassen auff ihn, dasz er abermahl den kürtzern ziehen muste. aug. 44. auch, das eigne, in der flucht begriffene heer zum einhalten und widerstande bewegen: dieser (Crassus) brachte die Römer wieder zu stande, und die Teutschen wurden völlig in die flucht geschlagen. Mascou 1, 24; Arminius that ... sein äusserstes, sie (die Teutschen) wieder zu stande zu bringen, und die römischen schützen fiengen schon an, vor ihm zu weichen. 94; aber Cerialis brachte die Römer wieder zu stande, und das glück unterstützete seine tapfferkeit dergestalt, dasz er ... die feinde in die flucht schlug. 131. — jetzt wol auch einen verbrecher zu stande bringen, festnehmen (vgl. auch 3, i). — in abgeblaszter bedeutung, leute zu einem zweck auftreiben, beschaffen (an 3, i angelehnt?): dieser unglückliche vorfall brachte den comparenten nicht ab, der flüchtlingin nachzusetzen, vielmehr sprengte er in's nächste dorf, um sich zu verstärken. er hatte mühe, wegen der feldarbeit, ein paar männer für geld und gute worte zu stande zu bringen. Hippel 2, 302 (lebensl.). — ein unbändiges pferd zu stande bringen, zum stillstehen: wie ein unbändiges pferd, welches man anderst nicht zu stand bringen kan, bisz es durch streichlen und pfeiffen in den nothstall gebracht, hernach in allen vieren wird angefässelt und fest gehalten. Philander 1, 689. (in anderm sinne s. 1, a.) 2@ff) stand thun mit dem unbestimmten artikel begegnet im 16. jahrh. in gerichtlichem sinne: einem einen stand vor gericht thuon, consistere cum aliquo in iudicio, congredi alicui. thuo mir ein stand mit der klag selbs. Maaler 384b; antwortet der ein baur: 'fraw, sind jr nit auch ein huor?' die fraw herwider mit scheltworten an bauren hin: 'du laur, du schelm, darumb muoszt du mir ein stand thuon; ich wil dich desse nit erlassen'. Wickram rollwagenb. 20, 4 Kurz (vgl. Wander 4, 774, 64). so auch: der (wind gottes) blaaszt wo, wie, und wann er wil. ein yeder muosz seinen stand darumb thuon, unnd nicht mir, sonder seinem herren rechenschafft geben. S. Franck verbüthschiert buch (1559) 404b. 2@gg) hieran schlieszt sich die wendung: stand des rechten, pro lite, controversia forensi et contentione iuris. Haltaus 1719, vgl. dazu rechtsstand, theil 8, 437 f., und unten 5, e: als seyn syndici herrn principaln zum nohtfall, und wann die dinge zum standt des rechten kommen sollen, jhre und gemeiner stadt frey- und gerechtigkeit ... zu deduciren erbötig. urk. v. 1595 bei Haltaus 1729; dasz dero vorfahren gegen bürgermeister und rath dergleichen zubehaupten, sich iemahlsz angemasset, oder zum standt rechtens kommen lassen. ebenda (urk. v. 1660); dass ermeldter rath und ihre nachkommen diese gerichte ... zu ihrem besten geniessen und gebrauchen, darbey aber schuldig seyn sollen, selbige, wie es gegen uns und im stande rechtens zuverantworten, zu administriren. ebenda (urk. v. 1673), auch bei Kamprad Leisnigker chronica (1753) 133a. Haltaus bemerkt noch: 'hodie: im stande rechtens ist damit nicht fortzukommen, exceptio haec fragilis in contentione iuris non valebit'. stand, vom gericht und umständen desselben, wie vor alters, ding, mahl, sache. Frisch 2, 318a (wo für drey ständ natürlich stund zu lesen ist); s. auch Adelung 3 (Campe 4) und gerichtsstand, theil 4, 1, 3678 f. die genaue bedeutung von stand ist in diesem ausdruck nicht deutlich; theilweise scheint die locale (s. unten 4) zu grunde zu liegen. 2@hh) gütlicher, freundlicher stand in der älteren sprache bedeutet 'waffenstillstand, friedensschlusz, gütliche beilegung eines streites': stand, cessatio, intermissio, suspensio, pro anstand. saepe de treugis et induciis guerrarum, Haltaus 1729; in dem gutlichin stant dasz wir gemachit hatten. urk. v. 1387, s. ebenda und Horn gesch. Friedrichs des streitbaren (Leipzig 1733) 675; nachdem vormals ... zwischen den parteyen die das beruret ein fride und gutlicher standt biss uff Urbani schierstkunftig beteidinget gemacht und dabey aussgedrucket ist das in solicher zeit des friden ein gutlicher unverpunder tag ... solte gesucht ... worden sein. urk. vom 31. märz 1451, s. fontes rer. Austr. 2, 20, s. 16. so mnd., s. Schiller-Lübben 4, 362b f. (fruntlik stand in einer urk. v. 1396); dar wart to twen tiden upgenomen gutlik stand. d. städtechron. 7, 394, 18 (Magdeb. schöppenchron. zu 1455); to deme ersten vordroghen se sek eyndrechtichliken des daghes ... do hOeven de dedingheslude an van der heren weghene van sunte Ylien (Ägidien), wu den in dessem ffruntliken stande ghedrenge unde wald gheschege. 16, 72, 1 (Braunschw. pfaffenb. zu 1414). häufiger sind in diesem sinne die zusammensetzungen anstand (1, s. theil 1, 473 f. und Haltaus 43 f. Schiller-Lübben 1, 105b f. Lexer handwb. 1, 79) und bestand (9, s. theil 1, 1652 und Haltaus 148 f. Schiller-Lübben 1, 285a. Lexer handwb. 1, 224). — selten stand allein in diesem sinne: als ihnen (den Sachsen unter herzog Otto) von desz keysers (Heinrichs IV.) leuten ein verdächtiger stand auff etliche monat angebotten war, antwortet er: wir begehren entweder einen gantzen frieden, oder gar keinen. Zincgref apophthegm. (1643) 1, 97, wofür die ausg. v. 1626 und v. 1639 1, 134 anstand lesen. 33) stand wird auch von dingen gesagt mit verschiedenen bedeutungsnuancen. 3@aa) das bestehen, die dauer: wie eine jede handlung und begebenheit fünf theile und gleichsam stuffen hat, den anfang, den fortgang, den stand, die abnahme und das ende. Winckelmann 5, 210. so in älterer sprache vereinzelt im stande sein, bestehen, dauern: wie dasz der könig hett ein grosses frewdenfest darinnen (in Damascus) angestelt, ... und dasz ein jeder auch, er wer auch wer er were, ... da könte sicher stehn, und ziehen ausz und ein, so lange dieses fest im stande würde seyn (per tutto il tempo che la festa dura). Dietr. v. d. Werder Ariost 16, 15, 8. so auch von der geltung von münzen: alse lange dat de penninge eine stedicheit und ein stand hedden. d. städtechron. 7, 308, 23. 3@bb) stillstand, ruhe, im gegensatz zur bewegung: damit in vier und zwentzig stunden ... die gantz kugel (des himmels) sich wend. ... und das ohn alle ruhe und stand wie solchs geordnet gottes hand. froschm. Ee 5a (2, 3, 2, 107). 3@cc) das bestehenbleiben, erhaltung, rettung vor drohendem untergange: die lieben heiligen ... patten got umb stant dieser stat. d. städtechron. 3, 148, 21. so auch mit persönlichem subject: wem ist etwas gedient mit unserm stand' und heil? Lohenstein Cleop. 1, 337. so ferner: der die grosse welt hat in ihr wesen bracht, und in dem stand erhält. A. Gryphius 1, 436 (Papin. 4, 338). 3@dd) während diese gebrauchsweisen nur ganz vereinzelt bezeugt sind, ist stand in diesem sinne allgemein üblich und sehr gewöhnlich in den verbindungen zu stande bringen und kommen, die seit dem 17. jahrh. nachweisbar sind. stand bezeichnet darin die reale existenz oder die vollendung gegenüber der vorbereitung oder einem blosz gedachten oder beabsichtigten dasein. so zunächst: eine sache zu stande bringen, rem conficere; sie wollen den frieden zu stande bringen, pacem ad exitum perducere tentant. Steinbach 2, 669; etwas zu stande bringen, 'es zu den gehörigen grade der vollkommenheit bringen, oder auch nur fertig machen'. Campe (1); viel anfangen und nichts zu stande bringen. Adelung (1, 2, b); berl. zu schtande bringen. Brendicke 177b. belege: disz lob' ich hier zu lande, dasz mancher seinen wunsch so bringen kan zu stande. P. Fleming 168; so wäre es eine sehr nützliche arbeit, wenn man diese kunst (die 'vernunfft-kunst des wahrscheinlichen') zu stande brächte. Chr. Wolff vernünfft. ged. v. gott (1720) s. 219 (§ 402); dasz der mann würcklich glaubt, es sey die theologische facultät nicht allein, die dieses werck zu stande gebracht habe. Lichtenberg nachl. 31; obgleich Hooke ... das erste spiegelteleskop, nach dem früheren vorschlag des Gregory, sorgfältig zu stande bringt. Göthe 54, 45; so gibt er (Newton) sich abermals sehr ernstliche mühe, den gegnern zu zeigen, wie sie sich eigentlich benehmen müszten, um das experiment zu stande zu bringen. 57; den körper vom geist aus zu verderben — ha! ein originalwerk! — wer das zu stand brächte? Schiller 2, 58 (räuber 2, 1 schausp.); der mensch brachte hier etwas zu stande, das mehr ist, als er selbst war. 3, 580; die anziehung der elemente brachte die körperliche form der natur zu stande. 4, 50; ich stand mit stillem antheil an der werkstatt meines vaters und freute mich, wenn ich ihm helfen und etwas geschickt zu stande bringen konnte. Novalis 2, 149 Meiszner; ich habe doch schon so manchen kopf auf der tafel zu stande gebracht, woran weder in den . umrissen noch in den lichtern und schatten etwas falsches ... gefunden werden mochte. Wackenroder herzenserg. 45; ich habe schon briefe gelesen von erbosten weibern geschrieben: kein mann ... könnte ein solches arsenal von nadeln mit vergifteten widerhaken zu stande bringen. Vischer auch einer 1, 91; dieser ... brachte es nie zu stande, so wenig wie sein eigenes, so auch nur der allernächsten wohl und wehe bei seinem treiben zu bedenken. Storm 5, 83. in nachlässigerer redeweise auch: Diez und seine gute frau denken mit angst, dasz sie wieder gehen, und er sinnt und betet, wie er eine armenkinder- und gesindeschule zu stande bringen und sie dabei festhalten könne. Brentano 9, 130. vereinzelt mit in: hier mache das vorspiel ... und bringe das haupt-werck der wollust in stand. Günther 927. 3@ee) in der älteren sprache mit artikel, wobei zuweilen die sinnliche bedeutung des stehens, aufgerichtetseins noch deutlich ist: zum stande bringen, rizzare, drizzare, indirizzare. Kramer dict. 2, 929c; einen bau zum stande bringen. ebenda; zum stande bringen, perficere, absolvere. Frisch 2, 318a; nachdem man gesehen hat, dasz etliche ... personen ... dasselbe ... zum stande gebracht. Bodmer neue crit. briefe (1749) 147; so fängt auch mancher weiser mann ein gutes werk zwar frölich an und bringts doch nicht zum stande. P. Gerhardt s. 217, 18 Gödeke. verstärkt durch eine synonyme wendung: und was du denn erlesen, das treibst du, starker held, und bringst zum stand und wesen was deinem rat gefällt. 185, 23. (vgl. dazu c zu ende.) — sehr auffällig ist die fügung mit dem plural: entzwischen liesse ich zu gewinnung der zeit den verlangten legitimations-brieff zu ständten richten. Abele künstl. unordn. 1, 231; ich ... nahm urlaub, des erbietens ... den aufgezeichneten letzten willen, durch meinen schreiber sauber abschreiben und zu ständen richten zu lassen. 2, 328. 3@ff) als passiv bezw. intransitiv dazu dient zu stande kommen, 'den gehörigen grad der vollkommenheit erlangen'. Adelung (1, 2, a), wozu Campe (1) hinzufügt: 'und auch fertig werden, zur wirklichkeit kommen, vor sich gehen'; schweiz. z' stand chó. Hunziker 250, berl. zu schtande kommen. Brendicke 177b; wollte ich mich noch jetzt nur einigermaszen weiter darüber erklären: so käme sicherlich auch dieser brief nicht zu stande; und der soll doch zu stande kommen. Lessing 12, 424 (an mad. König d. 10. jan. 1775); wie der bischoff sah, er richt nichts aus ..., kroch er zum kreuz und war geschäftig dasz der vergleich zu stande käm'. Göthe 8, 6 (Götz v. B. 1); als das werk fertig war, denn es kam zu meiner eignen verwunderung wirklich zu stande. 24, 225 (dicht. u. wahrh. 4); diese unglückselige heirath darf nun und nimmermehr zu stand kommen. Schiller 14, 136 (neffe als onkel 1, 4); bis dasz die sache (reparatur eines hauses) zu stande kömmt, möchte ich wohl ausziehen. Immermann Münchh. 2, 125 (3, 10); auf diesem wege sind sehr schätzbare und in der that unentbehrliche samlungen zu stande gekommen. J. Grimm theil 1, vorr. xxxvi; wir wagen, was seit erschaffung dieser welt noch nie zu stande kam. Schiller 5, 1, 9 (dom Karlos 2, 9). 3@gg) doch sagt man auch bei persönlichem subject mit etwas zu stande kommen, was mit etwas zu stande bringen vollkommen gleichbedeutend ist: man sagt auch: nun bin ich damit zu stande gekommen: oder endlich habe ich diesz geschäfft zu stande gebracht. Gottsched beobachtungen (1758) 278; mit etwas zu stande kommen, damit fertig werden, es fertig machen, vollenden. Campe (1); nd. to stande kamen wârmit. ten Doornkaat Koolman 3, 300a; ein unternehmen, was wirklich so schwer ist, dasz wir uns nicht getrauen, damit zu stande zu kommen. Bode Thomas Jones 6, 145 (b. 17, kap. 1); jezt wollte er (Karl V.) in seinem kloster zwey uhren so stellen, dasz sie nie von einander abwichen, und kam nicht damit zu stande. Schiller 4, 94; gott gebe ihm (Görres) die gnade mit seiner riesenarbeit, der sagengeschichte aller völker, ... zu stande zu kommen. Brentano 9, 187. ohne solche bestimmung: auf diese art werden wir niemahls zu stande kommen. Adelung (1, 2, b). 3@hh) danach auch womit zu stande sein, fertig: warum setzen sie sich nicht einstweilen in eine ecke, bis ich mit meinem anzuge zu stande bin? Thümmel reise 4, 257; Wurm. unterdessen ... werd ich hingehen, und den bewuszten liebesbrief aufsezen. präsident. ... den er mir zum durchlesen heraufbringt, sobald er zu stand seyn wird. Schiller 3, 427 (kab. u. liebe 3, 1); denn ehe noch der herzog von Parma mit seiner brücke zu stande war, arbeitete schon in den mauren Antwerpens ein ingenieur an ihrer zerstörung. 9, 55. 3@ii) in neuern österreichischen quellen findet sich zu stande bringen auch in dem sinne 'zur stelle, herbeischaffen': auf einem aste desselben (des baumes) sasz ein rabe und betrachtete wohlgefällig einen ... von der strasze aufgelesenen tombaknen pfeifenbeschlag ... da schütterte ein steinwurf an dem aste, ... meister dieb ... flog auf, während seine beute in dem straszengraben in einer pfütze versank; ein barhäuptiger, bloszfüsziger junge ... sah dem vogel nach, es war ihm offenbar ein ungeheures vergnügen, den unredlichen finder ertappt zu haben, aber dem 'zu stande gebrachten' gegenstande forschte er gar nicht weiter nach. Anzengruber3 4, 202; er ... ward indessen von der behörde telegraphisch zurückbeschieden: sein verlust (von amerikanischen geldcertificaten) sei allein dadurch zu ersetzen, dasz die certificate in natura wieder zu stande gebracht (österreicher deutsch, briefmarder-Kalabschen angedenkens!) würden. didask. 21. sept. 1872. 44) stand geht dann in die örtliche bedeutung über, der sich schon einzelne der behandelten gebrauchsweise nähern, und bezeichnet den ort, wo jemand oder etwas steht. 4@aa) so zunächst ganz eigentlich und allgemein: standt, ein ort da man stehet, oder gestanden hat: item stehen kan. Hulsius 306a; stand, locus stabilis, statio, ein ort, da man zu stehen befugt ist. Schottel 1421; locus, ubi quis vel quid stat. Frisch 2, 317c; vgl. Adelung 3; stehepunkt Schütze 4, 186; stelle Dähnert 457b; stelle, platz. Frischbier 2, 361b; folgends wie er also stund, macht er ein storckenbein unnd gambade auff eim fusz, kehrt sich zur lincken, und traff allzeit eben den vorigen stand. Garg. s. 364 neudr.; ein jeder bleib auff seinem stand, und heb empor die rechte hand, und schwer also. froschm. Ji 7a. stand eines beobachters; das bild erscheint verschieden je nach dem stande des beschauers u. ähnl. von dem platze der spieler in einem schauspiel: da gend si zu dem swertfeger, Englmar ... und die andern pauren peleiben an ir stant. fastn. sp. 426, 36. — seinen stand an einem orte haben. Campe (1), vgl. 1, c: hê hed dâr sîn stand. ten Doornkaat Koolman 3, 300a. locum dare, tribuere, ein ort oder stand einräumen. Corvinus fons lat. 370a. — vom posten eines heerführers in einer schlacht: hertzog Ganasch, welcher als ein vollkommener feldherr nirgends beständig blieb, sondern stets für seinen stand erwehlte, wo die gefahr am grösten war. Lohenstein Armin. 2, 249b; (sodasz) hier aber Censorinus mit drey tausend Römern einen neuen stand über dem Sieg-strome erhielt. 250b. — im vergleich, der bedeutung 6 sich nähernd: bisz die folgenden (philosophen) nach und nach etwas darvon enzogen, und die rednerische weise, gleichsam als von einem hohen stande, in die gemeine art und forme herab geführet haben. Opitz v. d. d. poeterei s. 10 neudr. 4@bb) besonders jedoch in specielleren gebrauchsweisen: stand, hierunter wird verstanden: 1) der ort, wo bey dem scheibenschieszen angestanden wird. Heppe wohlr. jäger 283b; vgl. schieszstand, theil 9, 52 und Adelung (3); überhaupt platz, von wo aus geschossen wird; 2) die stelle, welche bei wald- oder feldtreiben jedem schützen angewiesen wird; 3) 'der platz, den ein schütze zum anstande oder ansitze sich gewählt und eingerichtet hat'. Behlen 5, 672, ebenso Kehrein weidmannsspr. 280 (3 und 4), schieszstand Hunziker 250. Schöpf 699. belege: und darnach am montag nach aller heiling tag (3. nov.) da namen etlich hantwerkmaister für sich ein schiessen zu machen ... und der stant was 400 und 75 schrit hinter sant Johanns über das wasser pei dem see ... der zeugmaister Hanns Coler ... liesz in den stant mit pretern verwetten. d. städtechron. 10, 257, 17, 22; im stechen verlor ers nimmer, es wer dan die senn zerstochen, verruckt oder zerprochen ... oder der stand war uneben. Garg. 285 neudr.; wie ich solchs von jhnen vernahm, vor dem schiessstand ich gar bald kam, und zeigte solches an den schützn, die ich sah auff den ständen sitzn. Ferber armbrustschiessen zu Dreszden (1610) L 1b; also zoh man mit dem gewin, bis vor der schützen stände hin. O 1a. bei der jagd: er beschlosz daher, die jagd wirklich mitzumachen, jedoch sobald als nur möglich sich zu entfernen, und ... den oberjägermeister ... zu ersuchen, dasz ihm der entfernteste stand angewiesen werde. Immermann Münchh. 1, 191 (2, 7); (im bilde:) was ging'st du so weit, und zielst jetzt nicht, da du den stand genommen, vor dir das auserles'ne wild? Shakesp. Cymbel. 3, 4. so wol auch: weilen ... in solcher herrschaft forstmaister ... mit pirsten noch richten (nach dem glossar 'ausreuten' — ? eher fallen, dohnen legen, s. richten B, 2, c, β, theil 8, 875) ... nicht berechtiget, als solle der hieryber betrettende ... die pirsten und richtung genomben, zum gehorsamb gebracht und alle findende ständ und richtsteller aufgehöbet ... werden. tirol. weisth. 4, 247, 17 (handschr. v. 1766). ähnlich ganz vereinzelt: und deine vigent die selben werdent dich umbgeben mit einem geschütt, oder bolwerck ... oder mit einem schantzgrabenn, das ist do einer sein stantz oder stand dorhinder hatt das er sicher stot. Keisersberg postill 3, 69a. — jetzt auch die stelle des ablaufs beim rennen. Sanders 3, 1171c (1, cc). 4@cc) der feste platz, den jemand in seinem dienste oder berufe hat: dennen wachtern die gemessen scharpfe auflag zu thuen dasz sie die wachtstunden an dennen ordentlichen stänten und zu rechter zeit allerzeit fleissig auszruefen. steir. taid. 528, 18 (17. jahrh.); so jetzt bei der marine kommandeur-stand 'in das erdwerk eines küstenwerks eingelassener eiserner turm, als standort des kommandeurs im gefecht und bei schieszübungen'. zugführerstand, s. Stenzel seemänn. wb. 397b. — die lastträger, die an verschiedenen plätzen ihre privilegirten stände haben und nur erwarten, bis sich jemand ihrer bedienen will. Göthe 28, 259; so auch: 'stand, die stelle, wo der gauner oder bettler in kirchen, bei processionen, an festtagen, messen und märkten und im theater posto faszt und von seinen kameraden leicht zu treffen ist, um zur etwa erforderlichen beihülfe herbeigerufen zu werden. stand stehen, bei solchen gelegenheiten posto fassen, betteln'. Avé-Lallemant 4, 610. vgl. standjunge. 4@dd) der feste platz eines verkäufers, bude, besonders auf märkten: einen ò seinen stand haben auf dem marckt, (krämer-stand, marckt-stand), haver la sua posta, posto ò stazzo sul mercato ò la stanza dove stà a vendere ordinariamente. Kramer dict. 2, 929c; der stand eines krämers auf dem markte. Adelung (3); offener verkaufstisch. Lueger 7, 474. auch mundartlich weit verbreitet: 'stand, eine bewegliche krambude, meszbude, auch eine kleine unbewegliche bude, dim. ständel. Öst. Ph. E[ls.].' Klein 2, 167; schweiz. bewegliche krambude. Stalder 2, 391; marktbude Hunziker 250; ebenso in Wien Hügel 155a, tirol. krmerstànd Schöpf 699, in Rappenau 'verkaufsbude auf dem jahrmarkt, der kirchweihe'. Meisinger 181a, westerw. 'der ort, wo der krämer auf dem markt seine waare feil hat, es sey nun unter freyem himmel oder unter einem zelte oder einer breternen bude'. Schmidt 232, hess. Crecelius 804. s. auch krämerstand (th. 5, 2002), kramstand (5, 2016), marktstand (th. 6, 1656). es hat auch ain richter in sant Laurenzen marck von ainem ieden stant oder hütten und laden ausserhalben der stat alle märckt zwen kreutzer. tirol. weisth. 4, 489, 37 (um 1500); die kauff- und tuchleute sollen ire stennd und läden nit zu bedecken. landsordn. v. Tyrol (1526) bei Schöpf 699; und hat der herr Wastel den tantzmaister abgebn und so kunstlich tantzt, dasz der stand hett mögn einfalln. tintenfäszl A 7a; als den andern tag in langen reihen von kaufläden der jahrmarkt aufging, vor allen ständen schon die leute, lobten und tadelten, boten ab und boten zu. Hebel 2, 187; 'wem gehört ... dieser rubel? gehört er euch?' fragt er jeden krämer an jedem stand. 188; so gebt dem soldaten auch seinen imperial zurück, oder man petschirt euch euren stand mit lattnägeln zusammen. 189; wir wollen hoffen, dasz das aufhören der märkte unter freiem himmel nur dann erfolgt, wenn die erbauer der markthallen ganz mäszige, amtlich festgestellte preise für die stände in ihren markthallen anzusetzen sich verpflichten. neue preusz. zeitung 1872, nr. 102, s. 2d; in einer luftigen halle an der Ribnica haben die fleischer ihre stände aufgeschlagen. Hassert reise durch Montenegro 14; uff dem marckt nimpt er (der gaukler) ein standt, syn kunst ist gemalt an lynen tuochen, den dryackers (theriak) gibt er zuo versuochen. Murner narrenbeschw. s. 177 Spanier (56, 26); so wol auch: ob yemans wolt hie zünfftig werden durch muotwil und sein böszen berden, das ich ym ordnen sol ein standt. schelmenz.2 vorr. 16; so lange ich gedachte möhmlein (kröten) haben konte, so bedorffte ich auch keines affen oder anderer seltzamen thier zum stand, die närrische leut herzuzubringen. Simpl. 1, 386, 17 (4, 8). im bilde: die spinne webt ihr netz, und schlägt gleichsam wie ein krämer auf dem jahrmarkt ihren stand auf, so sie doch nichts feil hat. Hebel 3, 35; s. auch standbude, -gebühr, -geld, -krämer, -zoll. 4@ee) die eigentliche vorstellung des stehens kann dabei vollständig aufgegeben werden, sodasz stand auch die feste stelle, wo jemand sitzt, bezeichnet (s. auch Ferber unter b). so besonders vom platz in der kirche, s. auch kirchenstand (1), theil 5, 811 f.: seinen stand haben in der kirche (kirchen-stand), haver la sua posta, luogo, seggio in chiesa. Kramer dict. 2, 929c; der kirchen-stand, certus locus auditorii in templo quem quis habet pro se vel suis. Frisch 2, 317c; der stand hat viele bedeutungen. erstlich heiszt es ... eine stelle in der kirche. ich habe meinen stand gegen über der kanzel. Gottsched beobachtungen (1758) 277; seinen stand auf dem chore haben. Adelung (3). mundartlich s. Schröer 207b (Zips); westerw. 'der einem jeden durchs loos angewiesene platz in der kirche, kirchenstand (nicht -sitz), denn an manchen orten sind keine sitze'. Schmidt 232; oberhess. kirchenstuhl Crecelius 804; nd. s. Schütze 4, 187 (Hamburg, Altona). Klein 2, 167 (Harz); preusz. 'stand in der kirche, fester sitzplatz in einer kirchenbank, für den man eine jährliche miete zahlt'. Frischbier 2, 361b. belege: was von den stenden und gestüelen in den kirchen, welche an jemands erben von der kirchen heimfallen und zu vorleihen zustehen sollen, ... eingebracht wird. evang. kirchenordn. des 16. jahrh. 1, 1, 558b Sehling (Alt-Dresden 1558); desz herren doctoris Aegidii Hunnii sel. mutter traumete auff eine zeit wie sie in der kirchen in ihrem stand sässe. Hammer roseng. (1654) 411; fräulein cousine hielt sich während der leichenpredigt in einem vergitterten stande auf. Hippel 8, 87; im bilde: nehmen diese (naturwissenschaftliche interessen) mehr überhand, so möchten die dichterstände im tempel des deutschen ruhms ziemlich leer werden, und mancher, der jetzt die ewigkeit in stolzer ruhe abwartet, sich genöthigt sehen, wieder vor die thüre zu treten. Lichtenberg 4, 194. vgl. auch standstuhl. 4@ff) in älteren quellen (14.—15. jahrh.) auch sonst von festen (sitz-)plätzen, die einem an officieller stelle von amts wegen zukommen: uffn donnerstagk vor Thomae (14. december 1475) ungefehrlich lissen die vier rathmanne vom tale umb tag werben, die lange zeit in ihren heusern sitzen musten, so wart inen tag gegeben von ihren eydtgenossen, die von innungen und gemeinheit sassen uff dem rathause, wiewol billich gewest were, das die viere vom tale und auch der kemmerer Peter Nawman in ihren gekornen stenden gesessen hetten, als die andern Spittendorff 168. für das heutige sitz (3, th. 10, 1, 1277 f.): also dasz er der auszgezogen, dem auszziehenden stand (9, b, η), ohn mittel underworffen, nicht stimm unnd stand in reichs versamblungen ... hette. reichstagsabsch. 324 (Augsp. 1548). die reihenfolge der plätze gibt zugleich die rangabstufung der inhaber an, sodasz sich bei stand selbst die nebenvorstellung des ranges bezw. vorranges leicht einstellt: in welcher herlikeit des hoffs zu Nuremberg ein uneinikeit erstund zwischen dem bischoffen Eystet und Wurms, dem ertzbischoff zu Meintz zustende, des stantz und siczung halben der oberkeyt, ... als ir itlicher meinet nach seinem ertzbischoff zu sitzen. aber Conrat, bischoff zu Eystet hielt, wie er und sein stifft von alter her gefreyt weren da zu sitzen, aber Wurms neigung het vom bischoff von Meintz. aber durch Gebbhart von Hirsperg graff ward der erst stand dem bischoff von Eystet zuteylt. d. städtechron. 3, 273, 29—274, 4; dann auch von dem platz beim gehen, bildlich: 'nu sint die niht an ir stat, die ze vordrist solten gân, als sie wol gehœret an ...' 'wennes kæmen ûf ir stant' u. s. w. Teichner 9; gemeiniu wîp. dâ ist niht an dehein guot, niur sünde und schant, und kriegent dannoch umb den stant, daʒ einiu vor der andern gât. 117. ähnlich vielleicht zu verstehen: ich halts gewis dafür, die heilig schrifft sey im ersten stand bey uns. Luther 1, 159b. 4@gg) stand bezeichnet nicht nur den platz des einzelnen, sondern auch zusammenfassend den platz zum stehen für eine menge (vgl. oben b). so noch dem charakter des thätigkeitswortes nahe stehend: do du (gott) redst ein grusam sag und warntest vil vom iüngsten tag, wie die schaff zuor rechten handt und die geisz den lincken standt vor gottes urteil würdent ston. Murner narrenbeschw. 7, 20. concreter von einem besonders hergerichteten (steh)platze: se. majestät hatte mir diesen verlauf so übel genommen, dasz er beim herabtreten von dem erhöhten stande der fürsten mich, der ich allein auf dem freien platze davor stand, ignorirte. Bismarck ged. u. erinn. 2, 122. in älterer zeit besonders von schaugerüsten, tribünen bei turnieren u. ähnl.: fori sunt etiam tabulata, e quibus ludi spectantur, das gerüste oder stand, darauff man einem spiel zusihet. Corvinus fonst lat. 255a; zu dem wurden schranken, wie sich zum kempfn geburt, zuegericht, zu beiden seiten stent, auf den die romisch künigin mit irem frauenzimmer und andern frauen und junkfrauen zu sehen, und auf den andern der graf von Anholt mit andern vil graven und herren darzue verordent sein solten, gemacht, alle mit gülden tüchern und köstlichen tapecerein behangen. Wilwolt v. Schaumburg (1507) 157 Keller; (bei dem turnier) hett man heyser und stent gemacht, darinnen fursten und herren, ach die frauenzymmer stunden. quellen zur gesch. des bauernkrieges in Oberschwaben s. 166, anm. 5 (Thoman Weiszenhorner hist. 1533). 4@hh) weiterhin bezeichnet stand auch einen aufenthaltsort. von vorübergehender wohnung, quartier, herberge: do er seinen knechten befalhe das sy ... in (sich mit) stant und herberg fürsähen also lang bis er wider zuo in käm. decam. 597, 5 Keller (10, 3); mit dem daz nachtmal eyn ende het, der künig mit seiner geselschaft auf zuo rosz sasz, ... von dann in den küniglichen stant reytt. 616, 20 (10, 6). (unklar, ob hierher gehörig: ein sclave lieff aus gram von seinem könige weg ... eine zeit hernach, als der unmuth des sclaven vorbey, und er zu seinem stande gekommen war, gieng er wieder nach seinem alten herren. Olearius baumg. 57b (4, 15).) militärisch, vgl. standlager (?): zur Steinbrück lagen wir am stand, hatten newlich bezwungen stet, burgen und land. Liliencron hist. volksl. 4, nr. 615, 4. später in geistlicher sprache, hier mit dem sinne eines dauernden aufenthalts- oder wohnortes: hie ist der engel land, der selgen seelen stand. P. Gerhardt s. 144, 74 Gödeke. (Lessing 9, 172 wird besser in der bedeutung 6, i, β verstanden, s. das.) der begriff des dauernden besonders deutlich ausgeprägt: ich bin ein gast auf erden und hab hier keinen stand. 284, 2; ähnlich: sie (die toten) rufen: gestern war's an mir, heut ist's an dir! hier ist kein stand, kein bleiben hier. Chr. Fr. H. Sachse begräbnislied 'wohlauf, wohlan zum letzten gang!' (ev.-luth. gesangb. f. Schlesw.-Holst. 493), str. 9. (der bedeutung 6 nahe kommend:) aber ewig sein gestellt zu des herren rechter hand bleibt ein auserwählter stand. hannov. gesangb. 308, 7. die letzten gebrauchsweisen stehen der verbalen bedeutung noch nahe; ähnlich auch das in älterer sprache vereinzelt begegnende stand (ge)haben, sich wo aufhalten: wo die töchter oder schwestern ... an demselben ort, da si verheirat worden, oder andern orten nit stant gehaben mügen, ... so soll und mag die oder dieselben zu irem vater ... widerumb einziehen. tirol. weisth. 4, 725, 11. — bildlich: Deutschland, bey der alten zeit war ein stand der redligkeit; ist jetzt worden ein gemach, drinnen laster, schand und schmach ... andre völcker abgelegt. Logau 1, 121, 18. 4@ii) stand wird ferner in bezug auf thiere gesagt, so zunächst von den abtheilungen für das einzelne stück vieh in ställen, besonders in pferdeställen. Lueger 7, 474: ein stand im stalle für ein pferd etc., posta, stanza d'un cavallo in istalla. Kramer dict. 2, 929c; ein stand im stall, wo ein pferd stehen kan, locus in stabulo pro equo. Frisch 2, 317c, s. auch Adelung (3); stand ist der für einzelne pferde oder ganze gespanne durch bretter oder bäume abgeschiedene raum. Reuter 2, 310 (anm. zu der unter ständerpfosten mitgetheilten stelle). belege: item adi 11 deczember (1512) in meinem stall czween stennt und mit nebenwentten czu machen. Tucher haushaltb. 95 Loose; item adi 13 deczembris (1516) von meinem rosztal die 3 stenntt new czu solen, 3 taglun, dafur 80 ₰. s. 139; die Venediger solten, wie die ross gestellt wurden, die stendt der ross mit roten und weissen stainen underschidlich pflastern. volksbuch v.n. Friedrich (Augsburg 1519), s. zeitschr. für d. alterth. 5, 266; pferd-stall, ist ein gebäude, welches mit rauffen und krippen versehen, und in gewisse stände eingetheilet ist, darinnen die pferde ausser ihrer arbeit bedeckt stehen, gefüttert werden, und ruhen können. Zincke öconom. lex.2 2198; hu! macht der rüpel augen, wie er den leeren stand der mähre sieht! Mörike erz. 258; was beobachtet er (der cavallerist) beim herantreten an ein wirklich böses oder tückisches pferd? beim betreten oder verlassen des standes eines solchen pferdes ruft er ihm laut und drohend zu. instructionsb. für den cavalleristen3 (Hann. 1876) s. 48; ich wär ihm noch zulezt aus stall und stand gesprungen. Abschatz schertz-grabschr. s. 66 ('der edle schecken'). s. auch standbaum (1), -pfosten (2). 4@kk) bienenstock; so in Basel. Seiler 277a; stand der bienen, in loco debito et apto. Overbeck bienenwb. 79. 4@ll) stand, latibulum, gite, bey der jägerey der ort, wo sich das wild aufhält. Jablonski 746b, ebenso Zincke öcon. lex.2 2800. Eggers 2, 976; stand ... 2) das dicket, in welches ein wild sich gerne stecket. Heppe wohlred. jäg. 283b; 'der theil einer waldung, wo eine wildgattung sich vorzugsweise gern aufhält'. Behlen 5, 672; 'stand hat das edelwild in einem reviere. wenn es eine längere zeit hindurch darin angetroffen wird'. ebenda; 'ort, wo roth-, dam-, reh- und schwarzwild und das zur hohen jagd gehörige federwild sich oft und beständig aufhält'. Kehrein weidmannsspr. 280 (1), vgl.lager (11) und lug, theil 6, 66. 1266. so seit dem 16. jahrh.: es soll sich auch ain ieder, der holz hawen will, ... dermassen verhalten, damit dem wildpret an seinen stenden und dem federwildtpret an iren aspen kain verhinderung beschehe. tirol. weisth. 3, 381, 15 (handschr. v. 1561); erstlichen sollen die 2 forster denen undertonen ... aine puechen zue span auszzeigen ... an solchen ort alwo dem gwild der stand nit verderbt wirt. steir. taid. 98, 5; an ainem solchen ort der dem gwild nit schädlich und an ihren stand nit hinderlich ist. 23; es ist von allen wilden thieren bekannt, ... dasz selbige gegen abend sich aus ihrem bette, lager und stande aufmachen, bey und nach der sonnen untergang aus ihrem stande heraus, und auf die freyen örter ziehen, allwo sie ihr geässe haben, mit anbrechendem morgen aber wieder nach ihren stand eilen. Döbel 3, 119a; es hat derohalben ein fleisziger weidemann ... der wilden thiere und vögel stand und retirade ... sehr nöthig zu untersuchen. 120b; dasz man wisse und in acht nehme, wo der wechsel, wandel und stand des roth- oder schwartzwildprets sey. 172a; eins morgens gieng ich ausz zu pirschen nach hasen, hinden, reh und hirrschen, ... fund doch des wildes stend all lehr. H. Sachs 1, 286b (vom j. 1534); sowie ein wild vorm männlichen leun flieht und der leu verfolgt es mit dräun; es wählt im dickicht den engen stand. Rückert Firdosi 3, 154. vgl. standthier, -wild. — besonders vom hirsch: stand eines hirschen im gebüsche, locus vel latibulum cervi in sylva. Frisch 2, 317c; 'stand, (jäger) der ort, wo sich die hirsche oder auerhähne in der prunst und palzzeit oft spühren und antreffen lassen, sie haben ihren stand allda, saget man'. Jacobsson 4, 253b; stand des hirsches, l'arrêt, l'assiette, le buisson du cerf, le lieu le cerf se repose. wenn der hirsch auf die brunft tritt, hat er keinen gewissen stand. der hirsch hat seinen stand verändert, le cerf a quitté son assiette. stand des schwarzwildprets, la demeure. Winkell handb. für jäger 3, 518; der hirsch geht in sein standt, suocht sein rhuo. Meurer v. forstl. oberherrligk. (1560) 87a; die güte und schwere des gehörns erfolget auch, so sie gut aus dem winter kommen, guten stand und geäsze gehabt. Döbel 1, 6b; von des edlen hirsches wandel, stand und wechsel. es verändert der edle hirsch seinen stand nach den jahreszeiten ... der hirsch, wie auch das wild, hat zwar im frühlinge seinen stand noch tief und weit im walde. 12b; überhaupt von ihrem stande zu melden, wo die hirsche sich einmal gewöhnen, ihren winter- frühling- sommer- und herbst-stand zu haben, da pflegen sie fernerhin solchen zu halten. 14a (vgl.herbststand, theil 4, 2, 1073, sommerstand, theil 10, 1, 1558); dieweil ... die elends-thiere und hirsche ... auch in groszen brüchen ihren stand und wechsel haben. 20b; vgl. auch 26a (von 'indianischen hirschen'). 3, 172b; da wir gester gesehen han ein schön hirschen in seim stand. Ayrer 2, 1073, 25 Keller; der hirsch verändert seinen stand, und springt in ein verzäuntes land. Hagedorn 2, 30 (fab. 1, 18); so wie ein sichrer hirsch aus seinem stande setzet, wenn ihn im dicken forst ein wilder pfeil verletzet. Zachariä 70 (renomm. 4, 145). 4@mm) so auch von vögeln, besonders jagdbaren (s. auch unter l): 'stand heiszt der aufenthaltsort des federwildes der hohen und mitteljagd'. Behlen 5, 672; im einzelnen, von auerhähnen, s. Jacobsson unter l: zur faltz-zeit nimmt der hahn seinen stand, wo er schon ehemals gefaltzet, gerne wieder, und zwar meistens in den revieren, wo rothbüchen- kiefern- und fichten-holtz stehet. Döbel 1, 44b; weidmännisch vom auerhahn und huhn zu sprechen: der auerhahn hat seinen stand, ist der ort seines aufenthalts. 45b; es (das auerwildpret) steht vorzüglich gern in weitläuftigen nadelhölzern, ... doch giebt es auch gegenden, wo es in laubhölzern stand hält. Winkell handb. für jäger 1, 340; von fasanen, hier eine art aus brettern oder ähnlichem hergerichtetes häuschen: die eintretende balzzeit fesselt sie schon an den für sie gewählten stand. 372; in dem garten, oder bey den zwingern, werden auch zwey bis drey kirrungen oder stände gemacht. Döbel 1, 141a. — stand ... 3) wo ein raubgeflüg sich zu abends einschwinget. Heppe wohlr. jäger 283b, s. auch Kehrein weidmannsspr. 280. im einzelnen: nidi eorum (accipitrum) dicuntur, stände. Corvinus fons lat. 119b; reiger-stand, sylva et arbores ubi ardeae nidificant. Frisch 2, 317c, vgl. reiherstand, th. 8, 662. s. ferner standbaum (2) und standvogel. 4@nn) ungewöhnlich von fischen: hierbey ist ... anzumercken, dasz in solchen seen die fische, ein ieder nach seiner art, ihren besondern stand, und ein iedes geschlechte fische ihr besonderes lager haben; also, dasz iede sorte sich besonders zusammen retiriret. Döbel 4, 100a. so wol auch zu verstehen: und wann ain ruettn-vischer (angler) auf ainem weg, da ain segenzug ist, vischt und ainen visch findet oder sich meld, so soll der segenvischer (segen, groszes zugnetz) ain zeit mit den zug verhaltn, ob aber ain ruettn-vischer ain visch oder zween auf ainem stant gfangen hete, so mag der segenvischer unverhindert wol ziechen. tirol. weisth. 4, 11, 13 (ordn. v. 1505). vgl. standfisch. 4@oo) stand wird weiterhin auch von dingen gesagt, doch im eigentlichen sinne seltener, noch mehr als verbalsubstantiv: und als ihr aug' trüb' durch den garten irrte, ... gewahrte sie im schatten einer mirthe der reinsten lilie thauumglänzten stand. Kind 1, 26. der modalen bedeutung (5) sich nähernd: (fehlschüsse bei der artillerie entstehen: 3) wenn der stand der stücke wegen seiner ungleichheit den zurücklauf des stückes verändert. Fleming t. soldat 630a. so jetzt bei der marine geschützstand: 'die feste oder bewegliche fläche, auf der das geschütz aufgestellt ist'; versenkter geschütz-stand. gewehrstand 'gestell zur unterbringung von handwaffen'. Stenzel seemänn. wb. 397. neuerdings werden überhaupt zusammensetzungen wie fahrradstand üblich.für lage, stellung im verhältnis zu andern dingen: also stellet sich die seele einen theil von der welt vor, oder so viel von der welt, als es die stellung ihres cörpers in der welt leidet: folgends ... hat die seele eine krafft sich die welt vorzustellen nach dem stande ihres cörpers in der welt. Chr. Wolff vernünfft. ged. v. gott (1720) s. 415 (§ 753); so lässet sich ... die welt nach dem stande dieses cörpers in der welt und seinen veränderungen darinnen vorstellen. 435 (§ 785); so dörffen wir nur forschen, was der stand unseres leibes in der welt für veränderungen haben kan. 439 (§ 792); dergleichen (veränderungen) treffen wir auch in den sternen an, wenigsten in ihrem stande gegen die erde und unter einander. 292 (§ 543); unser verfasser (Herder) hebt damit an, die aussicht zu erweitern, um dem menschen seine stelle unter den übrigen planetenbewohnern unserer sonnenwelt anzuweisen, und schlieszt aus dem mittleren nicht unvortheilhaften stande des weltkörpers, den er bewohnt, auf einen blos 'mittelmäszigen erdverstand'. Kant 4, 314. 4@pp, 4@p@aα) häufiger von dem punkte einer bahn oder skala, wo ein sich bewegender gegenstand in einem bestimmten augenblicke steht, zuweilen mit annäherung an die verbale oder modale bedeutung. stand der sonne am himmel: nach dem stand der sonne war es mittag. Heine 3, 49 Elster; bis der sprecher an den häuptling trat und auf den stand der sonne wies. Freytag 8, 26 (ahnen 1, c. 2); endlich hat die sonne ihren höchsten stand überschritten. Hassert reise durch Montenegro 61. stand des zeigers an einer uhr: es ist nicht möglich, dasz der zeiger in der uhr anders stehet, als man ihn findet. ... man mag ihn verlangen, auf welchem orte des stunden-blates man wil; so wird immer eine veränderung in der art der zusammensetzung möglich seyn, daraus der verlangte stand des zeigers ... erfolget wäre. Chr. Wolff vernünfft. ged. v. gott (1720) 304 (§ 567). vgl.stand des chronometers. Bobrik 659a; chronometerstand 'unterschied zwischen der zeit, die der chronometer angibt und der mittleren Greenwicher zeit'. Stenzel seemänn. wb. 397a. 4@p@bβ) von flüssigkeiten, der punkt bis zu dem sie gestiegen sind und hinaufreichen, höhe, niveau. stand des wassers, vgl.wasserstand ('die bestimmte höhe des wassers in einem flusz'. Jacobsson 4, 612a); der höchste stand des wassers, der niedrigste wasserstand des flusses. Adelung (1, 1). (tiefer, hoher) stand des barometers, des thermometers: ich wuszte freilich nicht den rechten stand des thermometers und des barometers, wie er sich jetzt in Anhalt-Dessau stellt. F. Marlow Faust (1839) 20. dann auch übertragen: stand der kurse, der papiere, der aktien eines unternehmens u. ähnl. 4@qq) technisches. 4@q@aα) stand, statio, station. in der landmesz-kunst, der ort, wo das instrument niedergesetzt wird, aus demselben einen gewissen punct zu nehmen. eine weite, zu welcher man keinen zutritt hat, kan anderst nicht als aus zwey ständen gemessen werden. Jablonski 746b, s. ferner Eggers 2, 976. später nicht mehr bezeugt. 4@q@bβ) 'stand, fr. place ou l'on met separement les mines ou angar, (hüttenwerk) ein auf drey seiten mit brettern, auf die art eines pferdestandes (s. oben i), umgebogener platz, darein auf den zechen und schmelzhütten die sorten der erze gestürzet werden, damit nicht die eine mit der andern vermenget werde.' Jacobsson 4, 253b. 55) am gewöhnlichsten bezeichnet stand die art und weise, wie jemand oder etwas steht, sich befindet; die concrete bedeutung des stehens ist dabei zumeist aufgegeben und stand hat gewöhnlich denselben allgemeinen sinn, der noch häufiger durch die zusammensetzung zustand (auch durch lage, umstände) ausgedrückt wird. stand, der zustand, status, conditio, sors. Frisch 2, 317c; so zunächst von dingen: stand, der zustand und umstand eines dings, situs, conditio, circumstantia loci, u. d. g. 318a; 'der inbegriff der zufälligen bestimmungen eines dinges.' Adelung (2, 2); 'uneigentlich, von der art und weise, wie etwas auf eine dauernde mehr bleibende weise ist, wodurch es sich von zustand und lage unterscheidet, welche auf veränderlichere und vergänglichere bestimmungen deuten'. Campe (2), doch ist diese unterscheidung nicht stichhaltig. 5@aa) der begriff des 'stehens' ist noch am deutlichsten, wenn vom stande der saat u. ähnl. geredet wird: mit solchen stellte er sich dann gern ... vor ein saatfeld ... und düftelte ... über die jahreshoffnungen und den stand der feldfrüchte. Keller 4, 219 (vgl.: das korn steht gut); (er) besuchte seine hütte, sah nach dem stande seiner pflanzungen, die er einem bauern in pacht gegeben hatte. E. v. Egidy Ilse Bleiders 200; so auch: der gute stand seiner kleinen wiese und seines ersten kartoffelackers. 189; in ungewöhnlicherer fügung: alles flache erdreich unendlich fruchtbar, gerste und hafer von dem schönsten stande. Göthe 28, 159. — anderes mehr vereinzelt: sehr beschäftigt mich dort jener segel — siehst du ihn? er schwankt gefährlich, übel ist sein stand. Kleist 1, 119 Schmidt (Schroffenst. 4, 2). stand für lage, veraltet: die wichtigkeit dieses satzes (vom zureichenden grunde), darauf schon ... Archimedes seine lehre von der gleichwichtigkeit oder dem wagerechten stande der schweren cörper gegründet. Chr. Wolff vernünfft. ged. v. gott (1720) 13 (§ 30). 5@bb) stand als synonymon von zustand im physicalischen sinne scheint der sprache Kants eigenthümlich zu sein; für aggregatzustand: ein himmelskörper, welcher aus seinem ersten flüssigen zustande in den stand der festigkeit übergeht. 8, 294 (allgem. naturgesch. des himm. 2, 4); gleichwie andere flüssige materien bisweilen einen festen stand annehmen. 9, 18. anderes: ein jeder körper, dessen theile sich plötzlich in dunst verwandeln .., sprüht feuer von sich, brennt, weil das elementarfeuer, das vorher im stande der zusammendrückung war, behende frei wird. 1, 48, anm. — stand meines leibes, s. 6, a. 5@cc) in älterer sprache stand eines landes: bedencke den stand Holland[s], und anderer confœderirten provintzen, wie sie gewesen vor zeiten des hertzogs Albani. Schuppius 710; als ich den stand und condition eures Teutschlands examinire, argwohne ich, das end eines ubels werde ein staffel desz zukünfftigen seyn. 713; glück zu du ödes feld! glück zu jhr wüsten auen, die ich, wann ich euch seh, mit threnen musz betauen weil jhr nicht mehr seyd jhr; so gar hat euren stand der freche mord-gott Mars, grundausz herum gewand! Logau 1, 50, 4. mit adjectiv: dise insel (Porto sancto) ... hat kein porten (hafen), aber sunst ein guotten stand, vor winden wol bewaret. Franck weltb. 211b; die pfalz war in seinen (Gustav Adolfs) händen, und die pflichten sowohl der gerechtigkeit als der ehre foderten ihn auf, diese den Spaniern entrissene provinz ihrem rechtmäszigen eigenthümer in vollkommenem stande zurück zu geben. Schiller 8, 300 (30 jähr. krieg, schlusz des 3. b.); ebenso: er hat mir nun meine väterlichen güter wieder gegeben, in besserm stand als sie waren. Heinse Ardingh. 1, 310. vgl. auch: er kehrt in seine schranken der völker schwall im ungemesznen land ... erweitert grenze, thätig innrer stand. Göthe 4, 64. ungewöhnlicher: im höchsten palmenreichsten stande Roms. Shakesp. Haml. 1, 1, hier mit deutlicherem verbalbegriff: 'als Rom am höchsten stand'. — ähnlich, abstracter: philosoph, wilt du den stand deines jahrhunderts ehren und nutzen: das buch der vorgeschichte liegt vor dir! Herder 5, 562 Suphan; ich kann ihm (Herder) z. b. nicht vergeben, dasz er, zumal bey dem damaligen stande der deutschen literatur, das manuscript des Götz von Berlichingen, ohne würdigung seines guten, mit spöttelnden anmerkungen zurücksandte. Eckermann gespr. mit Göthe 1, 166. nur diese letztere wendung ist auch der heutigen sprechweise noch geläufig. 5@dd) vereinzelt im sinne einer einrichtung, staatsform, staatsverfassung: von dreyerley gestalt der regiment, unnd was es mit dem aristocratischen standt ... für beschaffenheit habe. Chr. Lehmann chron. v. Speyr (1612) 304a D (4, cap. 12); dasz sie (die Israeliten) den aristocratischen standt und die form desz regiments, so von jhme (Mose) eingeführt, nicht solten verendern. 305b A; der dritte standt ist democratia: wenn der gemein man oder die gantz bürgerschafft dz regiment führt. ... gleich wie die natur keinen uber den andern erhebt, ... also hat dieser standt der regierung die eigenschafft, dasz er allein auff die gleicheit gericht ist. B—D; der monarchisch oder auch fürstenstandt, wann einer allein herr ist, hat viel und mancherley beschwernus. 306a B; biszweilen pflegt dieser (der aristocratische) standt auch zur tiranney ausz zuschlagen. D; dieser standt oder die form der regierung desz gemeinen manns hat nirgents statt funden, dann in den stätten, darinn die armut ... uberhandt genommen. 307a B. regierungsstand, staatsform (th. 8, 535 in anderm sinne): die politici ... bilden ihnen ein, es seye keiner zu dem regiment geschickt genug, er wisse dann wol und genau zu disputiren, ob der regierungsstand, da einer alleine im regiment sitzet, vorzuziehen seye deme, wann die vornehmst- und verständige regieren? Schuppius 534; unbestimmter: es ist ein kunst, unterschiedliche spiel üben, wie der Jean Potage, oder Ockes Bockes der Amsterdammer zumachen pflegte. aber sagt mir, zu was stand des menschlichen lebens dieselbe künsten nutzen? 708. 5@ee) sonst sind im allgemeinen alle diese verbindungen mit einem subjectsgenitiv jetzt kaum noch in gebrauch; uneingeschränkt üblich und sehr gewöhnlich sind (auszer den fällen unter a) nur ganz allgemeine ausdrücke wie stand der dinge: bei diesem stande der dinge, nach dem augenblicklichen stande der dinge oder der sache u. s. w.; die critik hätte jetzt ein leichtes spiel und könnte den stand der dinge anschaulich machen. J. Grimm vom 1. febr. 1859, s. anz. f. d. alterth. 16, 248; während jeder etwas über den stand der dinge sagen wollte, kam Onegis heraus, wir traten zu ihm und suchten von ihm etwas über unsere angelegenheiten zu erfahren. Freytag 17, 166 (bilder 1, c. 2). ferner: der beauftragte ist verpflichtet, ... über den stand des geschäfts auskunft zu ertheilen. bürgerl. gesetzb. § 666; ein gesellschafter kann ... die geschäftsbücher und die papiere der gesellschaft einsehen und sich aus ihnen eine übersicht über den stand des gesellschaftsvermögens anfertigen. 716; der ausgeschiedene kann am schlusse jedes geschäftsjahrs ... auskunft über den stand der noch schwebenden geschäfte verlangen. 740; über den stand der verwaltung hat er (der mann) der frau auf verlangen auskunft zu ertheilen. 1374. stand bezeichnet hier durchaus eine momentane, vorübergehende situation oder constellation, auch geradezu einen punkt oder ein stadium innerhalb eines verlaufs, einer entwicklung, so besonders: 'der stand des streites, die art und weise, wie es mit demselben stehet, wie es mit demselben beschaffen ist, wie weit es damit gediehen ist (status controversiae).' Campe (2); sich nach dem stande des processes erkundigen u. ähnl.ähnlich ganz allgemein (?): dir selbsten sey bekant, sonst keinem gantz verwand: denn so steht jetzt der stand. Logau 3, 72, 89 ('lebens-regel'). 5@ff) am häufigsten findet sich stand in diesem sinne mit attributiver bestimmung in wendungen mit der präposition in. meine sachen stehen in einem sehr guten standt, mes affaires vont fort bien. Hulsius 306a; es ist in einem schlechten stande, res est in arcto. Stieler 2130; die sache ist in dem stande, eo in loco res est. Steinbach 2, 669; die sache ist in demjenigen stande. Frisch 2, 318a; die sache ist noch im alten oder im vorigen stande, in pristino statu. ebenda; der könig merkte dasz viele harte thaler fehlten, konnte aber nicht begreifen wer sie sollte gestohlen haben, da schlösser und riegel in gutem stand waren. Grimm märchen 174 (nr. 45); das haus ist in gutem, baufälligem stande u. ähnl. weniger leicht würde man sagen: der gute stand des hauses, vgl. jedoch: es ist ein gewaltiges zweistöckiges gebäude mit einem mächtigen schornstein und mit drei arbeiter-wohnhäusern, alles in bestem stand und vollem betrieb. ... der wert ist uns aber durch den vortrefflichen stand der fabrik ... garantiert. Frenssen Hilligenlei 411; also wird sie (die erde) inn kurtzen stunden bald inn leidigem stand befunden. Garg. s. 457 neudr. in éinem stande bleiben, unverändert, oder auch local, auf derselben stelle: und die sole were in einem stande stehen blieben. Spittendorff 155; ideo haec fides musz nit bleiben in einem stand, sed fort ghen. Luther 15, 718, 2 Weim. ausg. — etwas in gutem stande halten: ein haus im baulichen stande erhalten. Adelung (2, 2, a); es ist der fenchel ... ein alleredelste artzeney, das blöde, kranck und dunckel gesicht zu stärcken .., und das gute gesicht in seinem natürlichen stand zu erhalten. Tabernaemont. 148 H; vgl. unten und 7, a, β. — in einen stand kommen, wofür selten zu: deszhalb sie fürgaben, unsere sachen würden (wo solches nicht geschehe) zu keinem friedlichen stand kommen. 3 Macc. 7, 4. besonders: daraus ain solchs jämerlichs würgen im ganzen reich gevolgt, das auch in vilen jaren hernach Teütschland in den vorigen standt und macht nit komen hat mögen. Zimm. chron.2 1, 75, 35; das sie ... die ganz deutsche nation in die eusserst not gebracht, welche ... seither in vorigen stand nie hat kommen künden. 132, 20; das das reich und das deutsch land bald hernach in ain sollichen abfal kommen, ... auch sich seithere in dem vorigen stand nühe hat widerum erholen künden. 133, 12; in seinen alten stand verfallen, in pristinum statum recidere. Steinbach 2, 669. — in einen stand bringen, setzen: den staat in bessern stand bringen, rem publicam in meliorem statum vertere. ebenda; wieder in den alten stand bringen, in statum antiquum restituere. ebenda; etwas wieder in den vorigen stand setzen. Adelung (2, 2, a). wer berechtigt ist, von einer sache ... eine einrichtung wegzunehmen, hat im falle der wegnahme die sache auf seine kosten in den vorigen stand zu setzen. bürgerl. gesetzb. § 258. got hats alles vor dem jüngsten tage wollen wieder zu recht bringen, in seinen ersten standt, dazu es geschaffen und geordnet ist. Luther tischr. (1571) 3a; also dasz sichs wird ansehen lassen, als solte das reich fallen, wird aber doch nicht fallen, sondern in seinen ersten stand wider bracht werden. 4 Esdre 12, 18; auf den antrieb des bürgermeisters ... hatte man noch vor der ankunft der Spanier die vestungswerke an beyden ufern der Schelde in besseren stand gesetzt. Schiller 9, 40. in der ältern sprache zuweilen durch hinzufügung von wesen verstärkt: stand und wAesen (der) status, res. ... das gemein regiment inn einen gewüssen stand und wAesen bringen, collocare aliquem reipub. statum. das regiment in einen besseren stand und wAesen bringen, reformieren. Maaler 384b; diesz waren die einkünfte wovon diese gesellen sich nährten, und die göttin, die ich trug, in gehörigem stand und wesen erhielten. Wieland Luc. 4, 270 (dafür in der anm.: erhielten ihre göttin in standesmäszigem ornat). 66) in den verschiedensten nuancierungen wird stand von menschen gesagt. doch sind die meisten dieser gebrauchsweisen in der neuern zeit unüblich geworden. 6@aa) in bezug auf den leiblichen zustand, vgl. gesundheitsstand, theil 4, 1, 4343 und oben Tabernaemont. unter 5, f. im bilde: wenn sie einen von alten bösartigen schäden entkräfteten und zerfressenen staatskörper in den stand der gesundheit wieder herzustellen versuchen. Wieland 2, 304 (Agath. 10, 2). nd. im wollen stanne sîn in gutem gesundheitszustande, wol sein. Schambach 208a. mittelmässigen standes sein in bezug auf körperfülle. Höfler krankheitsnamenb. 673a (mit verweis auf Krautwadel regiment der gesundtheit, Augsb. 1531 C 1). speciell anderer stand andere umstände, schwangerschaft. 672b; els. imen andere(n) stand sin. Martin-Lienhart 1, 48b, nassauisch im andern stand. Kehrein nachtr. 52. vgl.: als seine (Vefeles) schwägerin seinen stand inne ward, steigerte sich ihre hartherzigkeit zum empörendsten grade. Auerbach dorfgesch. 1, 62. 6@bb) in bezug auf den seelischen zustand: er schien den stand meines herzens zu wissen. Adelung (2, 2, a); es wird der stand der gemüter also beschaffen seyn, dasz wenig ein so gefährliche that werden wagen. Schuppius 718; vgl.: da dieselben jedoch an der ausschweifung einer religiösen idee krank lagen, und ihre aufführung ... äuszerst trübselig und melancholisch war; so paszte dies zu wenig auf den, der mutter nur leider zu wohl bekannten gemütsstand ihrer söhne. Kleist 3, 381, 14 E. Schmidt. mit ausführendem genitiv: es werden auch andere, wenn sie sich in den stand ordentlicher gedancken gesetzet haben, dieses so wohl als ich erfahren. Wolff ged. v. gott (1720) s. 194 (§ 358); seine dritte art über gott zu denken ist ein stand der empfindung; mit welchem nichts als undeutliche vorstellungen verbunden sind, die den namen des denkens nicht verdienen. denn überlegen sie nur, was bey einem solchen stande in unsrer seele vorgeht. Lessing 6, 130 (litt. br. 49); es kann wahr seyn, ... dasz herr Klopstock, als er seine lieder machte, in dem stande sehr lebhafter empfindungen gewesen ist. 260; der begeisterte stand, in welchen eine schöne seele durch die erste liebe gesetzt wird. Wieland 7, 142 (d. gold. spiegel 2, 6); doch, in diesem dunklen stande meiner sinnen und gedanken, gabst du mir zu unterscheiden, was hier gut und übel sey. Hagedorn 1, 1. ungewöhnlich und auffällig in folgender stelle, wo es der bedeutung von standpunkt nahe kommt (stellung zu etwas, auffassung?): auf einmal treten wir durch diesen angegebnen stand (die fabel ist eine moralisierte dichtung) aus einem netz von fragen und widersprüchen hinaus. Herder 15, 539 Suphan. 6@cc) weiterhin bezeichnet stand, besonders im ältern nhd., die ganze innere und äuszere situation eines menschen, ganz wie zustand oder lage: stand, stato, essere, conditione etc. v. zustand. Kramer dict. 2, 930c; niemand ist mit seinem stande zufrieden, nemo sua sorte contentus. Steinbach 2, 669. verstärkt: stand und wAesen der menschen, conditio humana. Maaler 384b; vgl. Köster zu Schönaich ästh. in einer nusz, s. 451, 23 ff. belege: in solichem seinem stant und wesen eins tags sich begab daz küng Carlo über land reytt in die gegent do der riter wonet. decam. 614, 11 Keller; von dem mühseeligen und gefährlichen stand eines regenten. Simplic. s. 121 neudr., überschr. von 2, c. 11, wofür später: Simplex erzählt das mühselige leben eines regenten, dem er ist ergeben. 1, 150, 26 Kurz; zu wasser und zu lande hab' ich in manchem stande viel unglück dulden müssen. Gleim 3, 116; du würmchen der sekunde, hier lerne deinen stand. Arndt ged. 482. so auch: welcher vil schwetzt von der seelen standt nach disem lebenn, der ist ain schwetzer. Eberlin v. Günzburg schr. 2, 18 Enders; die frommen (sollen) jhren stand auch finden wolgewünscht. Schottel 977. 6@dd) so durch adjective näher bestimmt. in guten, glückseligen, gewünschten stande seyn, essere, ... in buono stato, in istato felice u. s. w. Kramer dict. 2, 930c; schrecken hat sich gegen mich gekeret, und hat verfolget wie der wind meine herrligkeit, und wie ein lauffende wolcke meinen glückseligen stand. Hiob 30, 15; ich halte aber den für einen rechtschaffenen freund, der in glücklichem stand zu mir kombt, wann ich ihn bitte, und mich in unglücklichem stande besuchet unerbetten. Schuppius 233; verleihe mir auch gnade .., dasz ich ... in gedult im leyden, und sonst in einem guten willen und seligen stande beständiglich verharre. 453; alszlang ich dir so lieb war dasz dich meine krause haar hielten starck allein gefangen; kont mich meinen süssen stand nicht mit der cron Engelland zu vertauschen je verlangen. Weckherlin ged. 402 (oden 1, 20, 2); wir menschen sind ja auch bedacht die unsrigen zu zieren; wir gehn und sorgen tag und nacht, wie wir sie wollen führen in einen feinen selgen stand. P. Gerhardt s. 101, 45 Gödeke; o süszer stand, o selig leben. kirchenlied v. Joh. Jos. Winckler. ungewöhnlicher in neuerer zeit: sie ritten in fröhlichem trunkenem stand. Rückert Firdosi 1, 209. so auch: der onvernünfftiger thier standt, sei weit säliger, dann der menschen. S. Franck mor. encom. A 3a; flattre, flattr' um deine quelle, kleine sterbliche libelle, um dein grab und mutterland. eben in dem frohsten stande fliegst du an des lebens rande. Herder 29, 109 Suphan. geruhiger stand, vita quieta, conditio otiosa. Stieler 2130: wann ich in deiner haut steckte, so begebe ich mich in einen geruhigen stand, darin ich mein geführtes leben bedencken ... könte. Simplic. schr. 3, 190, 31 Kurz (Springinsf. 8). — er ist in schlechten, in betrübten stande, egli è in povero, misero, miserabile stato. Kramer dict. 2, 930c; ich kan nicht gnugsam ausz sprechen, mit was grosser sauere und bitterkeit der geberden und worten, sie mir ihrem elenden stand beschrieben haben. Schuppius 691; bitter, bitter kommts dich an dein elender und betrübter stand, mein mensch, biter, bitter, dasz du keine gesunde stund hast. Abraham a S. Clara etwas f. alle 2, 107; diese (abergläubischen) allesampt sind in fehrlichem stande, denn sie gleuben nicht an gott. Luther 3, 329b; ich geschweige hie des gefärlichen stands, so die grossen herrn an der seel haben. Franck sprichw. 2, 109a. vgl. auch: dasz ... auch etliche jhrer widersächer, ... in bede[n]ckung desz unstetten stands menschliches lebens, jr unselige vertreibung mit jhnen auch beweineten. 3 Macc. 4, 4. ferner: ich aber wachte desto länger, dieweil ich meinen seltzamen stand betrachtete. Simplic. 1, 208, 13 Kurz (2, 25). 6@ee) durch einen erklärenden genitiv (eines abstractums) bestimmt: dasz er bald seines leydens stand, auch Amors tyranney und brand und strahlen nu anfieng zu segnen. Weckherlin ged. 409 (oden 1, 26, 2); s. auch stand der gesundheit, der empfindung unter a und b, sowie die folgenden abschnitte. unpersönlich gewendet: die finsternisz des verstandes ist der stand der abwesenheit der zur beurtheilung unserer umstände unentbehrlichen wahrheiten. Adelung (2, 2, a). der genitiv erscheint verselbstständigt: gott gibt alles was wir dürffen: dasz sichs uns nu nimmer füget, macht die wollust und begierde, deren stand sich nie vergnüget. Logau 3, 59, 10; der freundschaft edler stand prägt weisen ehrfurcht ein. Hagedorn 1, 52. für die genitivconstruction tritt auch zusammensetzung ein, so z. b. ruhestand, s. theil 8, 1434; dazu: die bauren verehren uns mit entblöstem haupt, welche billich von uns zu ehren wären. dann wir haben ihnen umb diese trinckgeschirr, ruhstand und alle diese glückseligkeit zu dancken. Schuppius 712. 6@ff) verbale fügungen (vgl. 5, f): seinen stand verbessern, verschlimmern (verbösern) migliorare, peggiorare la sua conditione. Kramer dict. 2, 930a; einen stand führen: 'ehr' heist ... externe ein stande füren qui in gotts wort gehe. Luther 32, 280, 8 Weim. ausg.; es will gott nicht, das eins regier, sondern geselligen stand führ. froschm. Ee 3a. doch liegt in solchen wendungen meist die bestimmtere bedeutung 8 vor, s. das. von der lebensweise (in materieller beziehung): zwar hat euer lieber vater auch einen grossen stand geführt, er hatte aber dennoch gross gut und geld dabei erspart. Arnim 7, 27. — mit präpositionen: einen in einen stand bringen, ponere, mettere, ridurre uno in istato (zu 7, f?). wieder in vorigen stand kommen, bringen, ritornare, rimettere in primo, pristino stato. Kramer dict. 2, 930c; einen in den vorigen stand setzen, in integrum restituere. Frisch 2, 318a; (juristisch:) sollten aber die erben noch minderjährig ... seyn, und es hätten dieselbigen ... sich in obiger zeit, wegen annahm der erbschafft, nicht erkläret, so mag denenselben auf ihr ... ansuchen, mittels einsetzung in vorigen stand, geholffen, fort sie in ordine des temporis deliberandi in integrum restituiret werden. Mayntzer landrecht 15, § 5; (von thieren, im sinne von a:) es war höchst unwahrscheinlich, dasz die pferde ... jemals wieder in den stand, wie sie aus dem stall von Kohlhaasenbrück gekommen waren, hergestellt werden würden. Kleist 3, 204 Schmidt. 6@gg) speciell bezeichnet stand zuweilen das alter, die bildungsstufe eines menschen: anfenklich hab ich geschriben, was diser werde ritter und her der istorien in sein kintlichn jaren, nachvolgent in seinem vernünftigem stant bis zu alter geübet. Wilwolt v. Schaumburg s. 202 Keller; nun in solchem seugenden (säuglings-)stand ist er gestanden bisz auff ein jar unnd zehen monat. Garg. s. 168 neudr.; wenn in den alten jahren die gröszten beispiele moralischer momente vor uns vorübergehen, ohne unser leben mehr aus seiner bahn zu rücken ..: so wirft im tiefen stande der kindheit der erste ... gegenstand der liebe, der ungerechtigkeit u. s. w. schatten oder licht unabsehlich in die jahre hinein. J. Paul 36, 26. vgl.: dasz auch mein alter noch ein stand der ehre sey. Hagedorn 3, 25. freier: denn deine sehnen sind im stand' der kindheit, und haben keine kraft. Shakesp. sturm 1, 2. 6@hh) sehr gewöhnlich ist zu allen zeiten des nhd. die anwendung von stand auf das verhältnis zur ehe. der ledige stand. Adelung (2, 2, b, 2): ob er aber verheirat oder in ledigem stand gestorben, ist unbewist. Zimm. chron.2 1, 101, 28; drei döchtern, deren eine er bei seinen lebzeiten eim freiherren von Tengen ... vermehelt, die dritt soll in ledigem stand abgangen sein. 197, 41; ain iede ... manns- und weibspersonen, si sei verheirat oder ledigs stants. tirol. weisth. 2, 46, 23 (handschr. v. 1616); sie in den armen eines liebenswürdigen gatten zu wissen ... und befreyt von jeder unbequemlichkeit, der ein lediger stand, und besonders ihr lediger stand ausgesetzt war. Göthe br. 1, 220 (12. dec. 1769 an K. Schönkopf); im himmel sind nonnen und mönche betrübt. ... sie sind in dem ledigen stande geblieben, im stande der sünde, sie lernten nicht lieben. Gleim 2, 257. sprichwörtlich: lediger stand, find ruh im land. Petri Mm 4b; lediger stand hat allein ruh im land. Lehmann (1642) 160, 30. gleichbedeutend: weil es einmal gelehrte gegeben hat, die geglaubt haben, der ehelose stand sey für einen gelehrten der schicklichste. Lessing 1, 229 (der j. gelehrte 1, 6). dazu: der junger graf, Wolf, ist unverheurat bliben, auch im selbigen stand also gestorben. Zimm. chron.2 1, 176, 7. das gegentheil: ein sollicher mensch hat offt basz stat in eelichem standt, dan in enthalter reynigkeit des leybs. Eberlin v. Günzburg schr. 2, 26 Enders; wann sich ein sohn oder tochter in den ehelichen stand begiebt. Mayntz. landr. 7, § 6. sprichwörtlich: so füren ettlich das sprichwort: der ehelich stand ist kein schleck ... es ist ein stand des creutzs, wie alle condicion, wort und werck gots dem fleisch ein creutz sein. S. Franck sprichw. 2, 106b; der ehelich stand ist kein schleck, noch lauter küchlinessen. Petri N 5b. Henisch 801, 28. später gewöhnlicher dafür die zusammensetzung ehestand, theil 3, 50; s. ferner brautstand, theil 2, 338; frauenstand, theil 4, 1, 82; der jungfernstand, junggesellenstand, der wittwenstand. Adelung (2, 2, b, 2). so auch in mundarten, z. b. schweiz. brutštand, é-štand. Hunziker 250; tirol.: sie wollen den ledigen stand verkehren und den ehestand àntretten. Schöpf 699. mit genitiv: in den stand der heiligen ehe treten. Adelung a. a. o.; so dienstboten, einer mit dem andern, wolten in den heiligen stand der ehe treten, das soll unverhindert bleiben. Waissel chron. 106; wie schön ists doch, herr Jesu Christ, im stande, da dein segen ist, im stande heilger ehe! P. Gerhardt s. 302, 3 Gödeke; dazu wol: ich führe dich in einen stand des lebens kern und marck zu fühlen. Günther 291 (vgl. unten 7, c); diese drey nacht wöllen wir beten, darnach wöllen wir uns zusamen halten, als eheleute. denn wir sind kinder der heiligen, und uns gebürt nicht solchen stand an zu fahen, wie die heiden (non possumus ita conjungi, sicut gentes). Tob. 8, 5. eine scherzhafte, volksthümlich-sprichwörtliche bezeichnung für den ehestand ist: im stande der geflickten hosen leben. Eiselein 323, vgl. Simrock 4956. — vgl. auch: wenn aber der apostel sagt: das weib wird selig durch kinderzeugen, so ist zu wissen, dasz das wörtlein διὰ allhier nicht bedeute eine verdienstliche ursache der seligkeit, sondern einen gewissen stand, weg und ordnung, dadurch gott das weibliche geschlechte in den himmel führen will. Sperling Nicodemus quaerens 1 (1718), 1150; dem prinzen starb eine braut in seiner jungen mutter. schon hatten sie mit wünschen sich gewiegt, in feurigen empfindungen verstanden, die ihr der neue stand verbot. Schiller 5, 1, 183 (dom Karlos 3, 4). seinen stand verändern für heiraten: ich begehre meinen stand nicht zu endern. A. Gryphius dornrose s. 76, 25 Palm (2). — dazu standesamt und andere composita mit standes, s. unten 14, b. 6@ii) als festes kunstwort ist stand in einigen wendungen der theologischen redeweise üblich. 6@i@aα) stände Christi: 'in der theologie werden die ausserwesentlichen verhältnisse und veränderungen Christi, die zur verrichtung seines mittleramtes nöthig waren, stände genannt. der stand der erniedrigung Christi, im gegensatze des standes der erhöhung'. Adelung (2, 2, b, 1), vgl. ferner M. Schneckenburger, zur kirchl. christologie. die orthodoxe lehre vom doppelten stande Christi nach luther. u. reformirter fassung. Pforzheim 1848. Herzog realencycl. f. protest. theol.2 14, 595—604. Wetzer-Welte kirchenlex.2 11, 700—3: in warheit hat Christus ..., im stand der ernidrigung, unser thorheit und kranckheit getragen. Reiszner Jerus. 2, 28a. 6@i@bβ) von menschen, der stand der unschuld, der sünde, der gnade, der knechtschaft, der herrschenden sicherheit, s. Adelung a. a. o.: stand der unschuld, stato d'innocenza. Kramer dict. 2, 930c; wenn ich nicht nur mit menschen, sondern auch mit engelzungen reden köndte auff solche weise, wie sie in dem stande der unschuld und in dem paradeisz mit unserm ersten vatter Adam sprach gehalten. Meyfart d. himml. Jerusalem (1630) 2, 269; hat Eva den weisen Adam, der im paradisz im stand der unschuld mit dem ebenbild gottes ... begabt war, verführet? Schuppius 23; der zustand des menschen aber, vor allem hange zum bösen, heiszt der stand der unschuld. Kant 6, 203 (religion innerh. d. grenzen der bl. vern. 4); eine jede böse handlung musz ... so betrachtet werden, als ob der mensch unmittelbar aus dem stande der unschuld in sie gerathen wäre. 202; mithin ... müszten wir wieder von dem baum der erkenntnis essen, um in den stand der unschuld zurückzufallen? Kleist 4, 141 E. Schmidt; ja meine freunde, es ist mir so, als wären wir sämtlich im stande der unschuld. Keller 4, 249. — stand der sünde; dafür auch: wy hye abermals angetzeigt wirt dye durfftikeit unsers elenden lebens, wir seyn im schultlande, im sundigen stande bis uber dye oren. Luther 9, 155, 21 Weim. ausg. — stand der gnade: ein anders ist ohne tadel, ein anders ohne sünde seyn. und weil dieses letztere nicht möglich ist, auch im stande der gnaden, so musz doch jenes statt haben. Chr. Starke synopsis nov. test. (1737) 3, 193. ähnlich: auff das die, so an gott gleubig sind worden, in eim stand guter werck funden werden. Tit. 3, 8 (ἵνα φροντίζωσι καλῶν ἔργων προΐστασθαι); das sie im stand guter werck sich finden lassen. 14 — (kathol.) stand der natur und der übernatur s. Wetzer-Welte kirchenlex.2 11, 712—5; stand der vollkommenheit, stato di perfettione. stand der herrlichkeit, stato di gloria Kramer dict. 2, 930c. — ungewöhnlich von den zuständen nach dem tode (vgl. c zu ende): ob jene unzertrennte fortschreitung, welche beide stände, himmel und hölle, durch unendliche stufen verbindet ..., nicht schon aus dem system der bessernden strafen folget? Lessing 9, 172, wo doch eher diese bedeutung als die locale (4, h) anzunehmen ist, vgl.: dasz obschon strafe und belohnung etwas positives seyn werden ..., dennoch ein stand von strafen und ein stand von belohnungen zugleich relative begriffe sind. 171. 6@kk) ganz ähnliche ausdrücke, zum theil deutlich an die letzteren angelehnt, sind in kulturgeschichtlicher betrachtung üblich, wo sie dann weniger auf den einzelnen menschen als auf die menschheit im ganzen gehen. so besonders stand der natur, was auch der theologischen terminologie angehört: herr Mendelssohn glaubt einen stand der natur, welchen er der gesellschaft, wie die dogmatiker einem stand der gnade, theils voraus, theils entgegen setzt. Hamann 7, 20; sind ferner macht und recht auch schon im stande der natur heterogene begriffe. 22; es (das rot) ist die härteste farbe, der stand der natur, der stand der wilden. Hippel 1, 339; hinausgestoszen, aus der bürgerlichen gesellschaft in den stand der natur, und in einem schrecklichen augenblick an die rechte dieses standes erinnert! Schiller 7, 229; im stande der natur, als, zu der menschen ruhm, noch keine herrschaft war, kein rang, kein eigenthum. Hagedorn 1, 49. s. auch natur II, B, 3, b und naturstand, -zustand, theil 7, 435. 466. 471. in demselben sinne: im stande natürlicher unabhängigkeit. Hamann 7, 26; im stande der natürlichen freyheit (den ich lieber den stand der menschlichen thierheit nennen möchte) beleidige ich den schwächern, dem ich die speise ... wegnehme; im stande der politischen gesellschaft thue ich ihm dadurch unrecht, weil das gesetz alle beleidigungen verbietet. Wieland 36, 59 (Aristipp 4, 4); die schmerzen der eifersucht haben ihn aus dem unnatürlichen zwang seines standes in den ursprünglichen stand der menschheit zurückversetzt. Schiller 6, 51 (br. über don Karlos 5). das gegentheil heiszt stand der kultur oder stand der gesellschaft: bey den rechthabenden wird blosz auf den stand der natur, bey den pflichtträgern zugleich mit auf den stand der gesellschaft rücksicht genommen. Hamann 7, 23; da also, wenn jeder sein unphilosophisches ich zum königlichen schiedsrichter der collisionsfälle aufrichten will, weder ein stand der natur noch der gesellschaft möglich ist, vielmehr in beiden ständen die entscheidung natürlichen oder verabredeten gesetzen ... anheim fallen musz. 34; ist der mensch in den stand der kultur getreten, und hat die kunst ihre hand an ihn gelegt, so ist jene sinnliche harmonie in ihm aufgehoben. Schiller 10, 451; auch: (der mensch) bildet sich einen naturstand in der idee, ... leyht sich in diesem idealischen stand einen endzweck, den er in seinem wirklichen naturstand nicht kannte, ... und verfährt nun nicht anders, als ob er von vorn anfienge, und den stand der unabhängigkeit aus heller einsicht und freiem entschlusz mit dem stand der verträge vertauschte. 279 (ästhet. br. 3). vgl. noch: jahrhunderte brachten im kreislauf, stets umwandelnd, den stand frühester zeiten zurück. A. W. Schlegel bei Wackernagel leseb.2 2, 1303, 27. von den stufen der culturentwicklung im einzelnen: während dieses langen aufenthalts lebten sie (die Ebräer) abgesondert von den Egyptern, abgesondert sowohl durch den eigenen wohnplatz ... als auch durch ihren nomadischen stand. Schiller 9, 101; aller ackerbau (sollte) ein ende nehmen, das volk in den stand des hirtenlebens zurücksinken. Smend alttestamentl. rel.-gesch. s. 214. 6@ll) stand wird in ähnlichem sinne auch von thieren gesagt: er (der mensch) verfiel also darauf, eine gewisse anzahl solcher thiere immer um sich zu versammeln, er verschaffte sich eine heerde; diese muszte er aber unter denjenigen thieren suchen, die gesellig leben, und er muszte sie aus dem stande wilder freiheit, in den stand der dienstbarkeit und friedlichen ruhe versetzen d. i. er muszte sie zähmen. Schiller 9, 133; je mehr die pferde auch im freien stande ihre jugend hinbringen, wie in der Ukräne, ... desto ausdauernder ... werden sie zu langen ritten. Hannov. mag. 1844, 335b. — so besonders auch 'der nymphen- oder puppenstand eines insectes, im gegensatze des standes seiner vollkommenheit'. Adelung (2, 2, b), vgl.puppenstand (3), theil 7, 2250, raupenstand, theil 8, 300f. und Schönaich ästh. in einer nusz 113, 11 ff. Köster. 6@mm) ungewöhnlich ist stand für das gegenseitige verhältnis zweier personen oder dinge u. s. w.: den stand, den beide geschlechter gegen einander haben. Herder 8, 21 Suphan (dafür gewöhnlich stellung). vgl. oben 4, o. 77) stand hat in einigen mit der präposition in gebildeten wendungen einen prägnanten sinn, indem es einen guten oder den richtigen, normalen zustand bezeichnet. 7@aa) von dingen. 7@a@aα) im stande sein: der hahn und die henne schritten gackernd und majestätisch über den schloszhof auf den sehr kunstreich von stein erbauten hühnerstall zu, dessen dach allein im schlosse bis auf einige lücken im stande war. Brentano 5, 36; nd. im stanne sîn, in brauchbarem zustande. Woeste 253a; mein zimmer ist noch nicht im stande, noch nicht zurechtgemacht, in ordnung. 7@a@bβ) etwas im stand erhalten, conservare. Frisch 2, 317c; 'in dem gegenwärtigen oder auch im gehörigen stande'. Adelung (2, 2, a); nd. wat in stand holden. ten Doornkaat Koolman 3, 300a; hei hi(e)t sīn gūt im štand(e). Bauer-Collitz 98b. so auch schweiz. er het's guet im stand, er ist gut eingerichtet. Hunziker 250. 7@a@gγ) etwas in stand setzen, zurechtmachen, reparieren, z. b. eine uhr: jetzt aber ist die uhr von Tripolitza schadlos geworden und wird schwerlich jemals wieder in stand gesetzt. Hettner griech. reiseskizzen s. 232. dafür auch in der ältern sprache: das die wähl und schweller iedes jar drei tag die nächsten darnach gemachten grossen wahls in stant gemacht. tirol. weisth. 3, 124, 13; vgl.: ebenfals soll ieder neben sein behausung ... weg, strass und wällen in recht gebürlichen stant setzen. 20. 7@bb) zuweilen von menschen, in bezug auf den gesundheitszustand; unterharz. in schtnne sîn, gut genährt, in gutem zustande. Liesenberg 204; oberhess. nicht recht im stande sein, sich nicht recht wol fühlen. Crecelius 804; nd. nitt im stande sin. Woeste 253a. doch sind diese redeweisen nicht auf einzelne mundarten beschränkt, sondern in der umgangssprache ganz geläufig. so wol: ich höre, ihr seyd leidlich zu stande. Göthe briefe 3, 16 (Merck briefs. 1, 84); aargauisch ussert stands (1. auszer stande, s. e, 2) verrückt. Hunziker 250. mehr auf das aussehen bezogen: (Charis.) bin ich nicht mehr im stand —? Merkur. das sag' ich nicht, dein offner schaden läszt sich übersehen, wenn's finster ist, so bist du grau. Kleist 1, 226 Schmidt (Amphitr. 1, 5). 7@cc) sehr gewöhnlich ist im stande sein mit ergänzender bestimmung, wozu fähig oder 'in der lage' sein, die möglichkeit haben (vielleicht beeinfluszt durch das franz. être en état, s. Singer zeitschr. f. d. wortfortschung 3, 234b): im stande seyn etwas zu thun etc., essere in istato di far qualche cosa, cioè esservi atto, disposto, fornito etc. er ist jetzund nicht im stande, euch zu zahlen, mit euch zu reden. Kramer dict. 2, 930c; er ist nicht im stande, non is est, qui. Steinbach 2, 669; im stande seyn, posse, aptum esse. Frisch 2, 318a; 'im stande seyn, etwas zu thun, die nöthigen kräfte, das vermögen, den willen dazu haben.' Adelung (2, 2, a); berlin. in schtande sind, es möglich machen. Brendicke 177b. (fehlt in der Rappenauer mundart, s. Meisinger 181a.) ganz zu unrecht wird im stande sein für können als neues modewort gebrandmarkt, s. Günther recht u. sprache s. 46. 281, anm. 541. die bestimmung wird gewöhnlich in einem infinitiv (mit zu) gegeben: wenn ich ihnen zu dienen im stande bin. Lessing 1, 517 (Minna v. B. 1, 6); wäre Newton im stande gewesen durch seine frau ... die Cartesianischen wirbel verbrennen zu lassen: so hätte er unmöglich seine principia schreiben können. Lichtenberg vorr. zu Erxleben anfangsgründe der naturl.6 23; und doch bin ich nicht im stande, dir zu sagen, wie sie vollkommen ist. Göthe 16, 24; kein mann ist im stande, den werth eines weibes zu fühlen, das sich zu ehren weisz! 19, 131 (W. Meister 4, 20); ich bin nicht im stande, die gemahlin des grafen zu seyn. erzähler des 18. jahrh. 28, 16 Fürst; er war jetzt im stande, sich selber zu leben und seine unsterblichkeit einzukassieren. J. Paul 52 (Katzenb. 2), 70; doch keiner meiner leute, unausgesetzt während drei tage auf kundschaft geschickt, war im stande, mir auch nur auf die entfernteste weise nachricht davon zu geben. Kleist 3, 237 Schmidt; ich ... verschlimmerte meine händel stets dadurch, dass ich nicht imstande war, eine einzige thräne zu vergieszen vor meinen richtern. Keller 1, 36; mittelst dieser kenntnisz bin ich im stande, ... die geschichte der tödtung des obersten Ruinell in ihr wahres licht zu stellen. C. F. Meyer Jenatsch 162; wär't ihr, schwärmer, im stande, die ideale zu fassen, o! so verehrtet ihr auch, wie sich's gebührt, die natur. Göthe 1, 399 (4 jahresz. 46); es war, ich musz bekennen, wenig schonung von meiner seite, waffen gegen sie zu führen, die sie nicht im stande sind mir zu erwiedern. Schiller 5, 2, 217 (don Karlos 2, 5). mit unpersönlichem subject: eine bouteille ... grosz und rund, die einen andern mann als ihn ärger als die Leidensche flasche würde gerührt haben, da sie kaum bey ihm im stand war einige jugend streiche herauszujagen, die er zuweilen am ende der mahlzeit ... erzählte. Lichtenberg nachl. 13; ein roman, der nicht ganz von selbst kommt, ist nicht im stande mich einzunehmen. Göthe 10, 54 (Clavigo 1); alle die schönheiten ... in den vielen gemählden unsers Leonardo aus einander zu setzen, ist meine feder nicht im stande. Wackenroder herzenserg. 81; sehnsucht ... nach den gütern, die Deutschland einigen und nicht trennen, die uns allein den stempel voller eigenheit aufzudrücken und zu wahren im stande sind. J. Grimm s. theil 1, vorr. vii; aus ihm (dem letzten kampfe) kann es (das christenthum) nur, durchdrungen von göttlicher klarheit, hervortreten und einen sieg feiern, dem förderhin entgegenzukämpfen keine hemmende gewalt mehr im stande sein wird. Platen (1852) 6, 64. ungewöhnlich mit passivem inf., aus der persönlichen activen construction verschoben; so auch: endlich schickte man unverdächtige leute ... und diese fanden das geschüz im stande gebraucht zu werden. Schiller 4, 170; ähnlich: unterwegens erfuhr er, dasz der anschlag von Brescia noch im stande wäre zu gelingen. 177. — weniger gebräuchlich ist zu etwas im stande sein, z. b. er ist nicht im stande zu einer lüge u. dergl. das neutr. eines pronomens kann auch (jetzt kaum noch) im acc. hinzutreten: ich bin es nicht im stande. Adelung (2, 2, a); s. auch unter d. 7@dd) im stande sein heiszt in der neuern sprechweise nicht nur 'die wozu erforderlichen kräfte, mittel, kenntnisse, zeit, gelegenheit u. s. w. haben', sondern es geht auch auf die psychologische und moralische möglichkeit, da einem, nach seinem charakter, etwas zuzutrauen ist; etwas fertig kriegen, sich herausnehmen (τολμᾶν). oberhess. ich bin im stand, ich wage, unternehme etwas. Crecelius 804; berl. die is in schtande, uns anzuzeijen, die ist vielleicht so schlecht, bekommt es fertig. Brendicke 177b. die juden sind im stande zu sagen, das pferd habe im stricke gehangen, wovon man noch die wunde sehen könne. Rosenzweig 83. in diesem sinne wird jedoch gern anstatt des infinitivs die zwanglosere form der nebenordnung angewendet: man sage mir nicht viel, oder ich bin im stand und schreibe ein dickes buch betrachtungen über die geschichte der drey kalender. Wieland 8, 73 (Danischm. 9); der kerl da ist im stand und behauptet ich hätte seinen rock an. Grimm märchen22 34 (nr. 7); er ist im stande und steckt dir das haus über dem kopfe an u. ähnl.; westf. hä es im stanne un küəmt nitt. Woeste 253a. vgl. Matthias sprachleben und sprachschäden3 § 330. im schweiz. wird sogar unterschieden: (aargauisch) er ist im stand er chunt, er wagt es zu kommen, und er ist im stand z'chó, er ist vermögend zu kommen. Hunziker 250, ebenso in Basel (er isch woll im stand z'zale, er ist vermögend genug). Seiler 277a. auch er ischs wóll im stand, ist dessen fähig. ebenda; Märten. das heiszt man ja kuppeln. Görge. er ist alles im stande. Göthe 14, 274 (bürgergen. 7). 7@ee) das gegentheil heiszt auszer stande sein, wo das fehlen des artikels ebenso durchgängig ist wie bei im stande das setzen: ich bin auszer stande ihnen zu dienen, ich bin nicht vermögend dazu. Campe (2); Agathon war in diesem augenblick ausser stande höflich zu seyn. Wieland 1, 239 (Agath. 4, 5); allein wir sehen uns noch ausser stande, die neugierde des lesers über einen punkt zu befriedigen, wovon Agathon selbst nicht fähig gewesen wäre rechenschaft zu geben. 240; aber verabschieden durfte er sie (der general die truppen) noch nicht, weil die republik auszer stande war sie zu bezahlen. Schiller 4, 138; da sie auszer stand sind, den Phöbus in diesem jahr zu übernehmen. Kleist 5, 375, 23 Schmidt; wir sind gänzlich auszer stande, dem hochmuth und der wilden und unritterlichen rachsucht, womit die drohnen jener zeit auf die arbeitsbienen blickten, einen andern antheil zu gönnen als den, welchen jedes unglück verdient. Freytag 18 (bilder 2, 1), 304; die frau hat dem manne, wenn er auszer stande ist, sich selbst zu unterhalten, den ... unterhalt ... zu gewähren. bürgerl. gesetzb. § 1360. schweiz. ussert stands. Hunziker 250. 7@ff) als causativ zu im stande sein dient einen in stand setzen etwas zu thun 'ihn dazu fähig machen, ihm dazu die nöthigen mittel verschaffen'. Campe (2): um sie dazu in stand zu setzen, unterrichtete er sie umständlich von allem. Kleist 3, 239 Schmidt; wie der uralte fund der schrift zuerst den menschen in stand setzte, den geistigsten gebrauch von seiner hand zu machen, ihm die macht verlieh, seine gedanken zu versenden. J. Grimm s. theil 1, vorr. x. gewöhnlicher jedoch mit dem artikel: bis dasz 1725 die königliche mildigkeit Johann des fünften von Portugal, ihres mitschäfers, sie (die 'Arcadier') in den stand gesezet, auf dem Janiculus einen anmuthigen hügel zu kaufen. Bodmer neue crit. briefe 104; dasz ich nicht würde ermangeln lassen, sie dereinsten glücklich zu machen, wenn ... ich in den stand gesetzet wäre, mich mit ihr vermählen zu können. Plesse 3, 55; sein heer betete ihn (Wallenstein) an, und das verbrechen selbst setzte ihn in den stand, alle folgen desselben zu verlachen! Schiller 8, 127 (30jähr. krieg 2); die bettler des achtzehnten jahrhunderts dienen nun als gemeine und unteroffiziers in den wichtigsten treffen, die wir haben, das setzt sie in den stand, auf dem schlachtacker alles zu summieren, was ... verloren wurde. J. Paul 17 (biogr. belust. 1), 152; obiges etwas wird sie in den stand setzen 1) die zukunft aufs genaueste vorherzusehen. Novalis 1, 57 Meiszner; sein (des sanskrit) hohes alterthum, seine ... formvollkommenheit, setzen in den stand, ja nöthigen, von dem engeren gesichtspunct abzuweichen, auf welchen uns die gewohnheit der griechischen oder lateinischen (sprache) .. gebannt hatte. J. Grimm gramm. 2, s. vi; um sie aber in den stand zu setzen, ein richtiges urtheil zu fällen, werde ich etwas weiter ausholen müssen. Kleist 5, 26, 7 Schmidt; dasz h. Adam Müller und ich, durch den capital-vorschusz eines kunstfreundes, in den stand gesetzt worden sind, ein kunstjournal ... zu verlegen. 363, 14; doch, um dich in den stand zu setzen, sogleich jedwedem irrtum zu begegnen. 2, 356 (Hermannsschl. 2, 10). 7@gg) das gegentheil heiszt zunächst ganz entsprechend auszer den stand setzen: sie wissen wohl, dasz mein lieber mann mit meiner freygebigkeit nicht wohl zufrieden ist, und mich durch seine gar zu grosze sparsamkeit auszer den stand setzet, jemanden gefälligkeit zu erzeigen. Gellert 3, 223 (loos in der lott. 1, 1); doch bemerkt schon Adelung, der die stelle (mit ungenauem wortlaut) anführt, dazu: 'besser auszer stand, ohne artikel', und Campe giebt an: einen auszer stand setzen etwas zu thun, 'ihn der mittel dazu berauben, es zu thun ihm unmöglich machen'. es wurden aber auf einmal mehr als die hälfte der schauspieler, durch einen epidemischen zufall, ausser stand gesetzet zu agiren. Lessing 7, 58 (Hamb. dramat. 13); eben so wenig geneigt Bayern preis zu geben, als durch seinen vertrag mit Schweden auszer stand gesetzt es zu schützen, verwendete er (Richelieu) sich mit ganzem eifer für die neutralität. Schiller 8, 225; die schwedische macht, auszer stand gesetzt, in eine unterdrückerin auszuarten, tritt in die bescheidenen grenzen einer alliirten zurück. 300; die absicht der Schweden sey, die Weimarische armee immer weiter vom Rhein zu entfernen .., bis man sie entweder gänzlich auf seine seite gebracht oder doch auszer stand gesetzt habe, etwas eigenes zu unternehmen. 389; gleichwohl setzen mich die groszen kosten, die mir der Phöbus verursacht, auszer stand, im druck dieses werks fortzufahren. Kleist 5, 374, 29 Schmidt. selten und ungut durch einen abhängigen satz bestimmt: also muszte ein mittel erfunden werden diese flotte auszer stand zu setzen, dasz sie die stadt beschüzte. Schiller 4, 128. es findet sich auch (und so jetzt nicht ungewöhnlich) auszer stande setzen mit deutlichem dativ, in sichtbarer anlehnung an auszer stande sein, indem auszer stande wie éin begriff behandelt wird: ein kusz, den er auf diese hand drückte, sezte das erschrockene mädchen ganz auszer stande zu fliehn. Anton-Wall s. erzähler des 18. jahrh. 22, 12 Fürst. 88) in einem specielleren sinne geht stand auf die sociale gliederung der bürgerlichen gesellschaft nach der gesellschaftlichen rangordnung und berufsclassen. hier geht die abstracte bedeutung leicht in eine collective (9) über. diese bedeutung ist bei stand immer entschiedener vorherrschend geworden und ist in der regel da anzunehmen, wo der zusammenhang nicht auf eine andre führt. vgl. Krünitz 169, 560 ff. Rotteck-Welcker staatslex.3 13, 717—721. Bachem staatslex.2 2, 816—8. (hierzu auch die zahlreichen composita mit standes- und viele mit stände-, s. unten 14.) 8@aa) stand, wesen, status, conditio, gradus, ordo aliquando. Dasypodius; die ständ, die stafflen der wirde in einem volck, ordines. als pfaffenthuomb, adel, burgerschafft. Maaler 383c; clasz, zunfft, stand, curia, tribus. Henisch 607, 49; standt, orden, m. un estat. Hulsius 306a; stand, m. orden, status, ordo. Schottel 1421; unterschiedliche stände der menschlichen gesellschafft, differenti gradi e stati della società humana. Kramer dict. 2, 930a; stand, status, ordo: etat. in dem staats-recht, gewisse ordnung der menschen in dem gemeinen wesen. Jablonski 746a. so auch in mundarten allgemein, z. b. aargauisch štand 'die bürgerliche und gesellschaftliche stellung'. Hunziker 250. vgl.: was ist der stand? eine eitle farbe die die menschen erfunden haben, um leute die es nicht verdienen mit anzustreichen. Göthe briefe 1, 60 (1. oct. 1766); dann, wenn die schranken des unterschieds einstürzen — wenn von uns abspringen all die verhaszte hülsen des standes — menschen nur menschen sind. Schiller 3, 369 (kab. u. liebe 1, 3). 8@bb) stand in verbindung mit andern substantiven. 8@b@aα) mit synonymen. im 16. jahrh. ist beliebt die feste verbindung stand und wesen, die fast wie ein wort behandelt wird (wie jetzt art und weise), s. unten (vgl. auch oben 5, e. 6, c). sonst wird in der ältern sprache orden, in der neuern rang als synonym verwendet: in einer gesellschaft, wo die mitglieder einander an stand und range so ungleich sind. Bodmer neue crit. briefe 125; alle bedeutenden fremden, von jedem rang und stande, besuchten ihn. Göthe 37, 220; underscheet der ständ und orden is den lüden man ein spot. Lauremberg schertzged., inf. 31. ferner: von hohem stand und wirde fallen oder kommen, concidere ex amplo statu. Maaler 384b. stand und ehre oder stand der ehre: in einen hohen stand der ehre kommen, in amplissimo gradu dignitatis collocari. aus dem höchsten stande der ehren gestoszen werden. Steinbach 2, 669. 8@b@bβ) der stand eines menschen beruht theilweise auf seiner abkunft, und ist dann natürlich angeboren und unveränderlich: darbei ist sich ab der alten unserer vorfarn einfalt und frombkait nit genugsam zu verwundern, das .. deren wenig irem stand und herkommen gemess sich geiebt oder auch schreiben haben lassen, sonder ... ire herkommen und geschlechternamen verschwigen. Zimm. chron.2 1, 100, 24; sie haben sich also demüetigen wellen und benüegig sein, das gott ir herkomen und standt ... wisse. 101, 11. 8@b@gγ) andrerseits wird der stand durch beruf und amt bestimmt und ist insofern veränderlich und von dem eignen willen und dem andrer menschen abhängig, vgl. Bluntschli deutsches staatswb. 2, 76: standt, beruff, m. vocation. Hulsius 306a; stand, stato, conditione, posto, ordine, grado, qualità, vocatione etc. v. beruf, leben. Kramer dict. 2, 929c; standt ist eynes ygklichen menschen beruff, handel, wandel, und narung die er treibt. Agricola sprichw. 259 (= Egenolff 161a); als mit loblicher gewonhait herkomen ist, das der burgermaister und rat unser stat zu Wienn jerlich jr stenndt und ambt zu den weichnachten aufsagen; begern wir an ew ... und wellen, das jr des gegenbürtigen jars die bemelten ambt und stennd nicht aufsaget, sunder die verweset, und darinn beleibet. fontes rer. Austr. 2, 7, 287 (urk. v. 6. dec. 1491 im Wiener copeybuch); und ich wil dich von deinem stande störtzen, und von deinem ampt wil ich dich setzen. Jes. 22, 19; es sind in allen göttlichen ampten und stenden viel böser menschen, aber der stand ist und bleibt dennoch gut. Luther 5, 183a (s. auch unter d); dasz ich der ihrige seyn wollte, so bald ich ein amt hätte, einen stand. Göthe 10, 54 (Clavigo 1); dasz kauffleut, handtwercker, weingärtner und ackerman ein jeder in seinem standt unnd beruff ruhig verbleiben könne. Chr. Lehmann chron. v. Speyr (1612) 309a B; (ich) greiff an das werck mit frewden, darzu mich gott hat bescheiden in meinem beruff und stand. Wackernagel kirchenl. 5, nr. 248, 7. in diesem sinne: dasz er eure erziehung ganz in den händen eurer mutter gelassen hat und sorgfältig sich gehütet, ... euch zu irgend einem bestimmten stande anzuhalten. Novalis 2, 224 Meiszner. vgl. indessen: das söldnerwesen kommt auf, der krieg wird gewerbe (noch nicht eigentlich stand). Vischer ästhetik 2, 267. 8@b@dδ) mit nicht synonymen zusammengestellt: so musz auch essen und trincken mit unserem äusseren zustande, das ist, mit unserem stande und vermögen zusammen stimmen. Chr. Wolff von der menschen thun u. lassen § 458, vgl.§ 492. 510; der umgang mit leuten von allerley stand und alter. Lichtenberg nachlasz 6. besonders einen nach namen und stand fragen, um zu wissen, wer und 'was' er ist: von da aus habe ich ihn begleitet, niemals mir aber die mühe genommen, nach seinem stande oder namen zu fragen. Lessing 1, 326 (die juden 14); da ... meine neugierde nach namen und stand eben auch nicht grosz ist, so liesz ich mir's unschwer gefallen, dasz ich auch nicht erfahren sollte, wen ich eigentlich vor mir habe. Vischer auch einer 1, 29; bolzgerad aufgerichtet .. herrschte er die strolche an, verhörte sie wie ihr gesetzlicher richter nach namen, herkunft, stand. 80. 8@cc) die zugehörigkeit des einzelnen zu einem stande wird meist durch den genitiv ausgedrückt, der auch als prädicat sehr gewöhnlich ist: wes standes ist er? Schottel 1421; die einheimische und ausländische, wes stands sie seyen. Mayntzisch landr. 8, § 1; niemandts, wesz würden, standts oder wesens der sey. reichstagsabsch. s. 410; wofür allerdings in der ältern sprache häufiger die ungenaue fügung: was standes seyd ihr? di che conditione etc. sete voi? Kramer dict. 2, 930a; einer sei, was stands er sei, jung oder alte, edel, gwaltig, reich, lieb oder wolgehalten, sol man keines stand, person noch gwalt ansehen. Rebhun Susanne 4, 1, v. 13; verstärkt: das niemandts, was standts oder wesens der seie, ... die freiherren von Zimbern oder ire underthonen auf kain landtag beruofen ... solle. Zimm. chron.2 1, 201, 30; was stands oder wesens die in deren gehörten dörfern sein. tirol. weisth. 3, 217, 13 (vom j. 1583); der (tod) nimmt und frist all menschen kind ... fragt nit was stands oder ehren sie sind. Wackernagel kirchenl. 4, nr. 712, 9 (Joh. Leon). doch auch mit präpos.: von was würden, standt oder wesen der oder die weren. reichstagsabsch. s. 86; wir wollen auch das kain herr, freien, grafen, ritter oder knecht, noch kein lantrichter, auch sunst kain richter oder auch ander, in welhen stant er sei, in der benanten gegend ichts frävel oder gewalt treib. steir. taid. 61, 44; wir ... emphelhen auch allen unsern underthanen, in welhem stand seu sein. 63, 37; wär es aber ainer des adls oder ain geistliche person, in welhem stant das wär, höcher oder nider. 65, 2. — derselbe genitiv auch in jedes, allerlei standes, s. g, β; ferner, wenn mehrere in bezug auf ihren stand verglichen werden (vgl. e): eines standes leute, ejusdem sortis, vel conditionis homines. Stieler 2131; einem edelmann und soldaten ziemte diesz gleichnisz wohl, der sich dadurch männern seines standes gegenüber stellte u. s. w. Göthe 25, 101 (dicht. u. wahrh. 7). 8@dd) verbale fügungen. diese gehen in der regel von der bedeutung des berufes und amtes aus und sind zumeist nur im ältern nhd. üblich: stand anbieten, offerre conditionem. Dasypodius; vgl.: stand und wäsen das einem yeden angebotten wirt, conditio. Maaler 384b. — einen stand wehlen, auserlesen, kiesen, eleggere, scegliere uno stato, genere di vita. Kramer dict. 2, 930a. einen stand antreten: wann die hinterlassene kinder alle minderjährig, so soll man ... die kinder auch aus gemeiner nahrung verpflegen lassen, so lang, bisz eines oder das andere einen stand antritt, und es also seine erb-portion selbsten verwalten kan. Mayntzisch landr. 5, § 4; dahingegen auch die kinder bisz zu erlangter ihrer majorennität ... oder bisz dieselbe in geistlichen oder weltlichen stand tretten ... würden, behörig zu unterhalten und bey antrettung des stands auszusteuren schuldig seynd. 7, § 3. auch: einen stand erheuraten, acquistarsi uno stato etc. per via di casamento. Kramer dict. 2, 930a. — seinen stand führen, menare, condurre il suo stato, posto, ordine, grado. Kramer dict. 2, 930a: wir wöllen aber laider all sollich ständ füren, das wir nit arbaiten dürffen, darumb seind wir münch und pfaffen worden. Luther 10, 3, 230, 19 Weim. ausg.; Christus hat seyn ampt und stand gefüret, damit hatt er keyns andern stand verworffen. 11, 258, 17; sie nennen sich wol christen .., furen aber daneben eyn solchen stand, darynn sie allen mutwillen treiben. 14, 76, 29; auch: bistu ein prediger und es gehet nicht also zu, wie du es gerne hettest, so ... sprich: den stand wil ich ausrichten, es gehe, wie es wölle, denn ich weys, das mich gott darein geworffen hat. 27, 389, 30; sey nicht hoffärtig, halte aber deinen stand ehrlich. Zincgref apophthegm. 1, 121, 5; so hilf nur, dasz ich meinen stand wol halt und herrlich siege. P. Gerhardt s. 219, 84 Gödeke. seinen stand handhaben, in acht nehmen, erhalten, vertheidigen, vertretten, sostentare; mantenere, conservare, difendere il suo stato, posto, ordine, grado. gall. soûtenir son rang. Kramer dict. 2, 930a; seinen stand vertädigen, ordinis auctoritatem confirmare, sustentare statum. Stieler 2131. — seinen stand verändern, verlassen, cangiare di stato, mutare di conditione, abbandonare il suo stato, posto, grado. Kramer dict. 2, 930a; sprichwörtlich: veränder nicht deinen standt, du hast dann ein bessers für der handt. Lehmann florileg. s. 146, 96; veränder nicht leichtlich deinen standt, du habst dann ein bessern vor handt. Zincgref apophth. 4, 363. den stand, wäsen, und glück desz läbens verlieren, amittere statum vitae. sein stand und wäsen widerumb zuo handen nemmen, in causam suam recidere. Maaler 384b. des standes entsetzet werden, de gradu moveri, ex statu dejici. Stieler 2131; seines standes entsetzet werden, seinen stand verlieren, um seinen stand kommen, von seinem stand gestossen, von hohem stand herunter gestossen werden, esser deposto, dismesso, degradato. Kramer dict. 2, 930b. — mit präpositionen, gewöhnlich in: sich in einen stand begeben, assequi gradum, adipisci ordinem, vitae genus ingredi. sich in einen stand einkaufen, locum pretio mercari. Stieler 2130, vgl. Kramer dict. 2, 930a; sich widerumb in seinen stand gäben, in causam suam recidere. Maaler 384b; in einen stand treten, personam aliquam suscipere. Steinbach 2, 669; da das Menelaus innen ward, gedachte er, das er gelegenheit hette, das er widerumb zu seinem alten stand (als regent) komen kündte. 2 Macc. 4, 32. — einen zu einen stand befördern, aliquem in ordinem cooptare, locare, recipere. Stieler 2131; jemand zu einem stande befördern, bringen, in einen stand einsetzen, avanzare, promovere, portare, mettere, installare, collocare uno in qualche conditione, posto etc. Kramer dict. 2, 930a; das glücke hat ihn in einen hohen stand gesetzt. Steinbach 2, 669. — von (s)einem stande stürzen, vgl. oben und Jes. 22, 19 unter b, γ; ungewöhnlich: etliche aber hat er verflucht, und genidriget, und aus jrem stande gestürtzt. Syrach 33, 12. — in einem stande sein, leben, sinnlicher stehen: lasz meinen stand, darin ich steh, herr, deine liebe zieren. P. Gerhardt s. 204, 127 Gödeke; vgl.: ich zieh' in ferne lande, zu nützen einem stande, an den er mich bestellt. Fleming 288; sei gott getreu in deinem stand, darein er dich gesetzet. hannov. gesangb. 348, 4; gieb, dasz ich thu mit fleisz, was mir zu thun gebühret, wozu mich dein befehl in meinem stande führet. 340, 2. in seinem stande bis ans alter bleiben. Steinbach 2, 669; nach solchem ist er widderumb gehn Watzen kirchen komen und an dem standt der pfar nicht lenger blieben dann bey einem halben jar. Luther 23, 453, 15 Weim. ausg. 8@ee) verhältnis des einzelnen zu seinem stande: er ist des standes wehrt, dignus est hoc munere. Stieler 2131; sein stand erhebt ihn nicht; sein stand wird grosz durch ihn. Cronegk 1, 325 (Olint 1, 4). der stand gefällt mir, mihi arridet ea conditio. Stieler 2131. einem stande feind seyn, despicere ordinem. ebenda. mit seinem stand zu frieden seyn (auch im sinne 7), esser, viver contento della conditione, sorte. Kramer dict. 2, 930a; sprichwörtlich: seht jhr nun lieben kind, woher sich ewer elend find? daher, das niemand jeder frist, mit seinem stand zu frieden ist. froschm. F 3b (1, 1, 7); dinen stand halt für den besten, ist er glich nit ane bresten. Eiselein 576. daher: ein jeder bleib bey seinem standt, so steht es wol im gantzen landt! B. Waldis Esop 1, 13, 55; drumb bleib ein jeder in seim standt, und leb so, das ers sey bekandt (dasz er sich dessen nicht zu schämen brauche). 2, 87, 16; das jeder bleib in seinem stande, er sey in stedten odr auff dem lande. froschm. G 7b (1, 1, 10); der ist ein weisz glücklicher mann, der sich in seim stand schicken kan. F 6a (1, 1, 8); ein jeder halt sich nach seim stand, was einer glernt das sol er bleiben (l. treiben), und ob demselben allzeit bleiben. Eyering 2, 126. vergleichung mehrerer in bezug auf ihren stand (vgl. c): ihr stand ist nicht einerley, eorum non eadem est conditio, Steinbach 2, 669; wie solts in solchen regiment wol unnd glücklich ergehen, da dapffere, verständige ... leut, denen die weder verstandt noch erfahrung haben ... in gleichem standt unnd ehren gehalten werden. kein hauszvatter würdt in seiner hauszhaltung verstatten, dasz die diener neben jhme ... in gleichem standt seind. Chr. Lehmann chron. v. Speyr (1612) 306b B; es ist unmöglich, das die freundschafft, ohne gleichheit der stände, erhalten werde. Butschky Pathmos s. 419; der handelsgeist wird vielleicht die ungleichheit der stände mit der zeit aufheben. Hamann 1, 16; wann wir wären in gleichem stant, wäre kein neid im gantzen lant. weil aber ungleich unser stant, hat neid genommen uberhant. Zincgref apophthegm. 4, 334; Algerthen macht der sieg mir auch im stande gleich (majestatis meae participem facit). Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 669; der stände gleichheit ist der liebe possenspiel. ebenda. vgl. standesgleichheit, -unterschied u. s. w. von der rechtlichen stellung: die strafgesetze werden, da flüchtlinge mit eingesessenen in einerley stand treten, grausam werden. Möser patr. phant. 2, 61. 8@ff) ein jeder stand hat seine besondern rechte und pflichten, gewohnheiten, erfordernisse, lebenshaltung, ansehen, theilweise und besonders in früherer zeit auch bestimmte vorrechte, eigenthümliche kleidung und abzeichen u. s. w. 8@f@aα) der stand, worinn ich lebe, hat doch auch sein recht, und die mode ihre forderungen. Möser patr. phant. 3, 5; ich sah manch stolzes haus .., manches der reichsten, das dir gern den aufwand deines standes verschafft haben würde. Göthe 10, 97 (Clav. 4); zunftlieder, zunftfeste und bräuche feiern scheinbar oft die ehre der arbeit, während sie in der that vielmehr den rechten des standes die ehre geben. Riehl d. arbeit 24; denn wo kein stand behelt sein ehr, bleibt in dem reich kein freyheit mehr. froschm. Kk 4b. vgl.: die eifersucht, in einem gepränge von kleinigkeiten sich einander nachzuäffen oder zu übertreffen, — hierin besteht das monopol, das jeder mit seinem stande treibt. Hamann 1, 12. s. ferner standesabzeichen, -ehre u. s. w.daher sprichwörtlich: anderer stand, andere sitten. Wander 4, 772, 3; alle stende haben jhre eigen laster. Petri H 7a (= Henisch 829, 29); ferner: ein jeder stand hat seinen teuffel unnd harten schweisz. V 8b; newer stand, new elend. Qq 2a = Henisch 872, 64; auff ein newen stand, folgt gemeinigklich ein new elend. 63; ein jeder stand hat seinen frieden, ein jeder stand auch seine last. Gellert 2, 172 (vgl. Büchmann20 148). daher: es ist das wahre glück an keinen stand gebunden. Hagedorn 1, 14 (die glückseligkeit). 8@f@bβ) sprichwörtlich: eyn yeder soll sich halten nach seinem stande. Agricola sprichw. 259, ebenso Egenolff 161a. Eiselein 576; wen man nach seinem standt leben [kann], ist es billig, den zu wehlen, so einem ahm besten gefelt. Elisab. Charlotte 3, 541; (sein vater) kleidet jhn nach seinem stand. Garg. s. 171 neudr. (11. c.); einem jeden nach gebür seines standes aufwarten, tractiren etc. Kramer dict. 2, 930b; so macht oder lest machen ein paumeister alles glasswerck auf dem ratthaus, ... dem lebenzuchtiger, stathirten und huntschlaher, iedem nach seinem stant. Tucher baumeisterb. 105, 29; widrigen falls ... die kinder (ihren stiefeltern) an handstreichs- oder hochzeitskösten mehr nicht, als was andere gute wirthschaffter ihrem stand gemäsz, in diesen begebenheiten anzuwenden pflegen, gut zu thuen schuldig seyn sollen. Mayntzer landr. 7, § 6; nach der geometrischen gleichheit würdt in solcher belohnung ein jeder seinem standt gemesz gehalten wie und welcher gestalt nun in der belohnung nach eines jeden standt und dienst gleichheit würdt gehalten ... Chr. Lehmann chron. v. Speyr (1612) 309b C; er machte dasz jederman seinem stande nach die nothturfft hatte. Schuppius 28; ich meint, die geistlichen seint die frommen, ... hilten sich nach jhrem standt und würden. Ayrer 1331, 7 Keller. 8@f@gγ) sich über seinen stand erheben u. ähnl.: zu vielem hätte ich geschick und anlagen und getraute mir wohl, dinge zu verrichten, wie sie das gelehrteste fräulein nicht kann, wenn ich über meinen stand hinausgehen wollte. Keller 4, 249; eine geselligkeit, die ... über seinen stand und seine mittel hinausging. Storm 5, 81; dadurch begihrig jhr was recht und gut erfassen, und zu erhöben euch hoch über ewern stand. Weckherlin weltl. ged. vorr. 3a (an s. churf. durchl.). anders: kein vornehmer und reicher sol sich seines standes erheben, sondern niedrig seyn und gern dienen. Chr. Starke synopsis nov. test. 3, 1408. 8@f@dδ) das geziemet unsrem stande, decet id ordinem nostrum. Steinbach 2, 669; das ist unter meinem stande, sagte der bettelmann, als er ausmisten sollte. Wander 4, 772, 5 (sprichw. aus Franken). 8@f@eε) von standes wegen u. ähnl.: ob er stands halben solche kleidungen tragen dörffen auf erden? Philander 1, 499; ungeachtet er (der diskurs des Dionys) dem Agathon mehr das ungezweifelte vertrauen des königlichen redners in den beyfall, der ihm von standes wegen zukam, als die grösse seiner gaben ... zu beweisen schien. Wieland 3, 33 (Agath. 11, 4). 8@gg) stände im allgemeinen. 8@g@aα) und das gleiche nur ist's, was an das gleiche sich reyht. stände seh' ich gebildet ... Schiller 11, 85 (spazierg. 64). unterscheid der stende ist ein zeichen der freyheyt. froschm. Kk 4a (am rande); ein gespräch ... mit einem schönen spruch, von etlichen ständen der welt: beschrieben durch Conrad Hasen, Straszb. 1629, s. fastn. sp. nachtr. 308; zwar weisz ich so gut als einer, wie nöthig der unterschied der stände ist. Göthe 16, 96; diese zweite periode der deutschen geschichte gliedert das gesammte volk in wenige stände, sie gleicht in langen kämpfen die unterschiede innerhalb der stände aus ... und sie unterwirft schlieszlich alle stände dem staat der fürsten. Freytag 18, 3 (bilder 2, 1, vii). vgl.: wie sich einst die stände in den einzelnen staaten, so stehen sich jetzt die staaten im groszen staaten-verbande gegenüber. Hebbel tageb. 2, s. 436; die gliederung in stände ist sein (Fritz Schwarzenbergs) tiefes bedürfnis. Laube 8, 174 Houben. 8@g@bβ) zusammenfassend alle stände: weil sie (die schaubühne) ... alle situationen des lebens erschöpft, ... weil sie alle stände und klassen in sich vereinigt. Schiller 3, 522. s. ferner unter 9, a. besonders in allen ständen: so ist doch solcher fehl nit allein bey uns (mönchen), sondern in allen stenden auff erden zuo spüren. Kirchhof wendunm. 1, 495 Österley (1, 2, 46); alles ist in allen ständen bey uns wol formirt. auszgenommen die rent cammer die taug nichts. Schuppius 27; er hatte leute in allen ständen, die er vor andere grosse potentaten mit reputation führen konte. 28; ich bin ein Preusze! Preusze seyn, ist seyn: ein freier mann, der seiner freiheit sich erfreun in allen ständen kann! in allen ständen gilt gesetz! Gleim 4, 215. ebenso: von der vasnacht wie si regiert under allen stenden. fastn. sp. 1346, 265; unter allen ständen gibt's gute kinder, die sich mit planen und aussichten beschäftigen dich habhaft zu werden. Göthe 10, 95 (Clav. 4); die schöne wohlklingende endsilbe, mit welcher unsere deutsche sprache in jedem stande, berufe und lebensgebiete die frau bezeichnet. Keller 7, 89; lobt euren gott in jedem stand! Cronegk 2, 168. ferner im qualitätsgenitiv: leser jedes standes und alters. J. Grimm, s. theil 1, xii; allerley standes leut zuziehen auff jr weisz zu rotten und trennung. Garg. s. 454 neudr. dafür: auf den feldern, soweit das auge reichte, sah man menschen von allen ständen durcheinander liegen, fürsten und bettler, matronen und bäuerinnen, staatsbeamte und tagelöhner, klosterherren und klosterfrauen. Kleist 3, 304 Schmidt. s. ferner oben f, α. 8@hh) stände im besondern. 8@h@aα) die älteste und durchgängigste gliederung sondert zunächst die freien von den unfreien (sklaven, hörigen): schon könig Theodorich hatte zu verweisen und zu strafen, weil sie (die herzöge und grafen) freigeborene Goten in den stand der unfreiheit herabdrückten. Freytag 17 (bilder 1), 120; die freie bewegung des bürgers war auf einen stand der leibeignen gegründet. K. v. Hase kirchengesch. § 13. vgl.: Merkur ... von welchem stand bist du? Sosias. von welchem stande? von einem auf zwei füszen, wie ihr seht. Merkur. ob herr du bist, ob diener, will ich wissen! Kleist 1, 208 E. Schmidt (Amphitr. 1, 2). andrerseits werden die gemeinfreien vom adel unterschieden; in neuerer zeit redet man in diesem sinne vom bürgerlichen stande: nun wäre weiter an die heyrath nicht zu denken, wenn nicht Lisander selbst sich nur durch unfälle zu dem bürgerlichen stande herablassen müssen. in der that ist er von eben so guter geburt, als der marquis. Lessing 7, 77 (Hamburg. dramat. 17); mir ist mein stand, dasz ich ein unbedeutender ruhiger bürger von Madrit bin, nie so ... beschwerlich gewesen als jetzt, da ich mich ... so unvermögend fühle, ihnen gegen den falschen höfling gerechtigkeit zu schaffen! Göthe 10, 59 (Clav. 1); wir gehören ja nicht dem adel an, und ich habe niemals den trieb gehabt meinen bürgerlichen stand mit einem andern zu vertauschen, welcher in der welt für vornehmer gilt. Freytag 12, 200 (ahnen 5, 2, c. 2); der bürger wil nit geben vil bevor dem edlen stande. Forster frische t. liedl. 1, 3, 2. vgl. dazu Schrader reallex. der idg. altertumsk. 802—19. Schröder rechtsgesch.2 § 9. 29. 42. 68 und das reg., sowie das eddische Rígsmál. — für den adel, im mittelalter der stand der ritterschaft, ordo equestris. Steinbach 2, 669, wird später, nach ausbildung des beamtenthums, gewöhnlich die obrigkeit oder regierung eingesetzt: vom stande hoher obrigkeit. Comenius sprachenth. 673; gott hat den obrigkeitlichen standt erhöhet. Chr. Lehmann chron. v. Speyr (1612) 306aE; dasz sie zum standt der obrigkeit gelangen, rhat und richter sein sollen. 308aA; o heilige dreieinigkeit, erhalt uns unsre obrigkeit, die deine treue vaterhand gesetzet selbst in diesen stand. hannov. gesangb. 520, 1. bei der gewöhnlichen dreitheilung (s.γ) wird die obrigkeit gewöhnlich mit dem militär in den wehrstand zusammen gefaszt; dafür auch das schwert, s. das. 8, theil 9, 2582: were das schwerd nicht eyn gottlicher stand, solt er (Johannes der täufer) sie (die kriegsknechte) heyssen abtretten. Luther 11, 248, 28 Weim. ausg. 8@h@bβ) durch die christliche kirche ist die unterscheidung des geistlichen und weltlichen standes aufgekommen: lieben freundt, wie gar hat das gelt ... die leut in beiden stenden, geistlichem und weltlichem, umbstellet und gefangen? Kirchhof wendunm. 1, 560 Österley (1, 2, 110); ich mag euch nicht auffhalten, ich wolte sonst gehen durch alle ständ, und wolt euch remonstriren, dasz im geistlichen stand selten ein capellan, ein schuhmeister, oder ein küster sey; dasz im weltlichen stand selten ein schreiber oder thürhüter sey .., die nicht ihre sonderbare rationem status haben. Schuppius 8; ohngeachtet der aberglaube und unglaube ... eine scheidewand zwischen dem geistlichen und weltlichen stand aufgeführt haben. Hamann 2, 239. erweitert: wann ich nun etwas im weltlichen, im geistlichen oder schulstand hab in acht genommen das nichtes daug, warum solt ich nicht davon erinnerung thun? Schuppius 611. besonders der geistliche stand, lo stato ecclesiastico. Kramer dict. 2, 930a, ordo ecclesiasticus. Steinbach 2, 669: in fällen, wo ... ein kind vor würcklich erlangter majorennität sich verheurathen, oder in geistlichen stand tretten ... würde. Mayntzer landr. 7, § 4; Thomas Goff ... schrieb, als er zu Oxford studirete, verschiedne tragödien; wählte aber hernach den geistlichen stand, und schrieb predigten. Lessing 4, 326; der landsherr soll den geistlichen stand nicht verbessern oder mehren. Göthe 8, 204 (Egm. 2); die verordnung, welche den geistlichen stand der ahndung der höchsten obrigkeit unterwirft. Schiller 4, 142; dieser Lorenzo war der jüngere sohn des marchese, weszwegen er auch zu dem geistlichen stand bestimmt war. 235; es geschieht zuweilen, dasz junge männer von adel sich dem geistlichen stande widmen. Stolberg 6, 212; der teufel soll mich holen, ... wenn ich nicht den geistlichen stand quittire. C. F. Meyer Jürg Jenatsch 72. ähnlich schon im alten testament: er hat jn (gott den Mose) auserkorn zum heiligen stand. Syrach 45, 4; also sollen auch Aaron und sein same die erben sein, das man uns weisheit lere, ... auff das jr stand und herrligkeit nicht untergehe. 32. heiliger stand auch in neuerer sprache: 'ich hoffe, er soll werden, was sein vater nicht geworden ist, ein doctor der gottesgelahrtheit ...' da antwortete seine frau zustimmend: 'um meinetwillen haben sie den heiligen stand aufgegeben.' Freytag 12, 197 (ahnen 5, 2, 2. cap.). vgl. ferner: um diese zeit geschah es, dass ich das unglück hatte, der oberpriesterin eine neigung einzuflössen, welche mit ihrem geheiligten stande und mit ihrem alter einen gleich starken absatz machte. Wieland 2, 31 (Agath. 7, 4); (pater) Domingo. wenn auch meines standes mildigkeit mir nicht die süsze pflicht der schonung aufferlegte. Schiller 5, 1, 187 (dom Karlos 3, 5); im heil'gen ordensbunde, im stande des gehorsams wirst du frei. Chamisso 2, 41 Koch (d. malerz. 2). 8@h@gγ) sehr gewöhnlich werden 3 stände gezählt. über die älteste gruppierung s. α: die sächsische nation erkannte überhaupt drey stände, edle, wehren und leute. Möser osnabr. gesch. 1, 257. doch sind die glieder der dreizahl verschieden, indem die alte gliederung theils durch die unter β ausgeführte, theils durch die unterscheidung von stadt- und landbevölkerung gekreuzt oder sonst modifiziert wird. so schon im alten Rom: zu Rom aber waren dreyerley stände: der rathsherrn stand, der ritterstand, der gemeine pöbelstand (senatorius, equestris, plebejus). Comenius sprachenth. 655. im spätmittelalter hat sich die gliederung in adel, geistlichkeit und bürgerthum durchgesetzt (wobei das zumeist hörige, besonderer vorrechte entbehrende bauernthum unberücksichtigt bleibt): nach derselben (ordnung) werden sie (die menschen) überhaupt gesondert in den geistlichen und weltlichen (stand). jener begreifft alle kirchen, schulen, universitæten, milde stifftungen, klöster, und was denen zugehöret. dieser wird abermal unterschieden, in den herren- adelichen- bürgerlichen und bauren-stand. ingemein zählet man drey haupt-stände, den lehr- oder geistlichen, wehr- d. i. obrigkeitlichen, und nähr- d. i. bürgerlichen und bauren-stand. Jablonski 746a; stand, im gemeinen wesen, der haupt-eintheilung nach, die drey haupt-stände, der weltliche, geistliche und hausstand, tres hierarchiae. status politicus, ecclesiasticus et oeconomicus. Frisch 2, 318a; dreyerley ständ seind von gott geordnet, darinnen er alle menschen begriffen und gefaszet haben will. ... der erste und brunenquell der andern, ist der ehe- und hauszstand, als der eltest im paradeisz. ... der ander der politische und weltlich regierampt. der dritte der kirchenstand, nach den dreyen personen der dreyfaltigkeit. Kirchhof wendunm. 3, 336 Österley (5, 85); drei stände des mittelalters übten nach einander kunstgerecht die poesie: zuerst die geistlichen, dann die ritter, zuletzt die bürger. Riehl d. arbeit 26; wehr- lehr- nähr-stand; jeder stand hat sein eigen ehr in sich; nim w. l. und n. weg, lehrt der name solches dich: nur der her-stand, der biszher andrer stände hencker war hat bey ständen keinen stand, ist an ehr und namen baar. Logau 2, 163, 21; behüte die drei stände ..., schütz kirche, obrigkeit und haus! B. Schmolck, s. hannov. gesangb. 518, 1; gott hat drei ständ erschaffen, adel, bauernvolk und pfaffen. Simrock sprichw. 9810. unterscheidung von bürger- und bauernstand z. b.: so hat er (Hans Sastrow) ... ums jahr 1487 sich mit seinem junker ... wegen seiner bauernpflicht in güte gänzlich auseinandergesetzt ... und ist bürgerlichen standes geworden. Freytag 19 (bilder 2, 2), 192. — ungewöhnlich ist die vierzahl: die vier stände: der lehr-stand, nehr-stand, regier- ò ehr-stand, wehr-stand, li quattro stati e conditioni di essa società: lo stato di quei ch' insegnano cioè maestri e predicatori, di quei che nudriscono, cioè contadini ed artigiani (mercanti), di quei [che] governano cioè prencipi, magistrati (consiglieri), di quei che difendono cioè capitani e soldati. Kramer dict. 2, 930a. ein alter weitverbreiteter stahlstich stellt 7 stände stufenförmig neben einander, s. Köhler kl. schr. 2, 61—6. 677. 8@h@dδ) besonders seit der französischen revolution ist es üblich geworden, der dritte stand für das bürgerthum zu sagen, vgl. besonders die schrift des abbé E. J. Sieyès, Qu'est-ce que le Tiers-état (1789); anfangs meist im gegensatze zu den beiden bevorrechteten ständen: der klerus nahm an der rechten, der adel an der linken seite des thrones platz. die schwarze schaar des dritten standes lagerte im hintergrunde des groszen prächtigen saales. Dahlmann franz. revol. 191. doch erklärt schon Kramer dict. (1702) 2, 930a: der dritte è der mittel-stand, il terzo stato ... cioè ch' è frà la plebbe e li magistrati e reggenti. vgl. auch: das regiment ist aristocratisch, die fürnehmsten patricii führen das regiment, denn es sind nur 8 personen von 42 aus dem dritten stande, die übrigen 34 sind patricii. Plesse 2 (1746), 555. der charakter des mittelstandes ist dem bürgerthum noch deutlicher aufgeprägt, seit sich unter ihm, infolge der entwicklung der industrie im laufe des 19. jahrh., ein vierter stand, die mit lebhaftem klassenbewusztsein erfüllte gruppe der industriellen lohnarbeiter (das 'proletariat') consolidiert hat, s. Bachem staatslex.2 5, 510—6: in der emporentwicklung des vierten standes liegt die zukunft. Göhre, s. d. hilfe 5 (1899), nr. 22, s. 3. nachdem sich ein theil dieser schicht in wirtschaftlich-sozialer hinsicht beträchtlich gehoben hat, beginnt man bereits von einem fünften stande zu reden, womit man etwa die ungelernten arbeiter od. ähnl. meint. 8@h@eε) gewöhnlich werden indessen sehr viel mehr stände unterschieden, ohne bestimmte zahl oder festes prinzip. und zwar werden einerseits die rangabstufungen innerhalb dieser hauptstände als stände bezeichnet, z. b. beim adel der fürsten-, grafen-, freiherrenstand, beim heer der offiziers-, unteroffiziersstand: ich musz in diesem stück rühmen den könig im gräflichen stand, herrn grafen Anthon Günther zu Oldenburg. Schuppius 31; es macht mir indeszen eine herzliche freude, zu hören, dasz Leopold schon so früh zum officier reift. der stand, in den er bisher gelebt hat, führt so manches unangenehme ... mit sich. Kleist 5, 23, 10 Schmidt; in solchen augenblicken muszte natürlich der wunsch in mir entstehen, einen stand zu verlassen, in welchem ich von zwei durchaus entgegengesetzten principien unaufhörlich gemartert wurde, immer zweifelhaft war, ob ich als mensch oder als officier handeln muszte. 31, 32; aber auch du, Wilhelm, lebst (als general) nicht in einem stande, der dir rathsam macht den bräutigam zu spielen. Freytag 12, 21 (ahnen 5, c. 2). vgl. besonders: darunter sind viel stände. der fürstenstand, der grafen- und freyherrn-stand, der adelstand, der bürger- und bauren-stand. dazu kömmt noch der geistliche stand. aus diesen allen bestehen die stände eines landes. Gottsched beobachtungen (1758) 277. auch in der geistlichen sphäre unterscheidet die katholische lehre verschiedene kirchliche stände, nämlich den allgemeinen christlichen, den jungfräulichen, den clericalen, den religiösen oder ordens- und den bischöflichen stand, s. Wetzer-Welte kirchenlex.2 11, 703. andrerseits geht stände auf die verschiedenen berufsclassen, wodurch besonders der bürgerstand mannigfach gegliedert wird: (in jetzt unüblicher fügung:) also dasz die fabel vom Scylla, zum stand desz studirens ... sich lobhafftig vergleichen thut. Schuppius 767; Seume's einfache, klare und treuherzige sprache mit dem landvolke bewog Göschen, ... ihn aufzumuntern, ein sittenbuch für den stand zu schreiben, den er so gut kannte. Clodius bei Seume 1, 91 Hempel; welche gründe ich für die wahl eines anderen standes habe, braucht nicht untersucht zu werden; denn wenn ich mich den wissenschaften widmen will, ist es für mich kein neuer stand, weil ich schon, seit ich in Potsdam, mehr student als soldat gewesen bin. Kleist 5, 32, 10 ff. Schmidt; dann will ich mir mit gottes hilfe auch wieder in einen andern stand helfen. das diplomatische fach musz ... zuviel langweilige bekanntschaften herbeiführen. J. Grimm kl. schr. 1, 21; sprache der hirten, jäger, vogelsteller, fischer u. s. w. ich bin eifrig allen wörtern der ältesten stände des volks nach gegangen. s. theil 1, xxx; lange zeit hindurch hatte kein andrer stand dem anbau der deutschen sprache stärker angehangen als die ärzte. xxxi; er ist ein gelehrter ... und dieser stand ist auch nöthig. Freytag 6, 21 (handschr. 1, 1); stand der studirten, s. Welcker unter ständeabtheilung. — auch ganz andre gruppen werden zuweilen als stand bezeichnet; so redet man in geistlicher sprache vom christenstand: ist je mein stand kein fürstenstand, so ist es doch ein christenstand. Henisch 598, 22. 8@ii) unbestimmter werden die stände durch adjectivische attribute bezeichnet. 8@i@aα) gewöhnlich unterscheidet man hohen und niedern stand bezw. stände: (der teufel) durch suechet darnach all stent, nider und hoch an allem ent. H. Sachs fab. u. schw. 1, s. 404, 109 Götze; des stet es uebi an allen enden, in öbern und in nidern stenden. 441, 20; doch in dem allem soll bey der oberkeit angesehen werden, ... ob die person hohes oder niedriges standts. reichstagsabsch. 87. seltnere bezeichnungen dafür: item so eyner jemandt entleibt, das niemandt gesehen hat, und will sich eyner notweer gebrauchen, der jm die klAeger nit gestehn, inn solchen fellen ist anzuosehen, der guot unnd bOesz standt ('condicio atque vitae status' Remus) jeder person. Carolina art. 143; die welt ist voller unbestand, da wechseln plötzlich angst und freude, in grosz- in klein- in mittlern stande (in quocunque hominum ordine et statu). Günther bei Steinbach 2, 670. 8@i@bβ) hoher stand: natus honesto, summo loco, hohes standes. Corvinus fons lat. 370a; von hohem, vornehmen stande, di alta, cospicua, illustre conditione, qualità, nascita etc. Kramer dict. 2, 930a; in einen höhern stand kommen, in altiorem gradum adscendere. Steinbach 2, 669 (s. auch unter b, α und d); stehe nicht nach hoherm stande. Syrach 3, 22; so bald man einen siehet, der das podagram hat, da ist keiner so hoch gebohren so hohes standes, der jhm nicht also bald ausz dem wege ginge. Philander 2, 463; da steigen wol gräfliche und andere hohes standes personen auff die cantzel und predigen. Schuppius 14; je höher der stand ist, in dem sich einer findet, und ist dessen nicht machtig; mit desto grösserer gefahr stehet er andern für. Butschky Pathmos s. 809; die weiber der höhern stände. J. Paul 51, 42; an ihrer kleidung man erkannt, dasz sie auch sei von hohem stand. wunderh. 1, 109 Boxberger; hoher stand beliebt mir nicht wo die frömmigkeit gebricht. Königsb. dichterkr. s. 51 neudr.; hätt ich aller ehren pracht, säsz im höchsten stande, wär ich mächtig aller macht und ein herr der lande. P. Gerhardt s. 245, 34 Gödeke. ähnlich auch: der (herr) will die welche hoch an stand, geist und gemüht, ernidrigend verschmähen. Weckherlin 255 (ps. 107, 48). wortspielend mit der sinnlichen bedeutung (4): ein gut lager ist bequemer als ein hoher stand. Hamann 3, 92. sprichwörtlich: hohe stende sind gefehrlich. Petri Ji 3a (= Henisch 1413, 17); hohen stenden setzt man zu. ebenda (Eiselein 576); je höher stand, je starcker engel, unnd je stoltzer teuffel. Petri Ji 8a; (im bilde:) je höher stand, je schwerer fall. Lehmann 2, 276, 9; dafür auch: je grösser stand, je grösse[r] fahr. Petri Ji 7b (= Henisch 977, 19); vgl. Wander 4, 773, 34—40. dasselbe adj.: in grossen stenden ist viel unruhe und unlust. Petri Kk 6a (jetzt ungebräuchlich). — gleichbedeutend ferner vornehmer stand, ordinis splendor, et dignitas. Stieler 2130: sie war ... von so vornehmen stande als man es in einem lande seyn kann, das unter Venetianischer bothmäszigkeit steht, wo die Venetianer keinen adel gelten lassen als den ihrigen. Schiller 4, 150. auffällig: der sondere stand. (überschr.) wer ruhig sitzen will, der sitze nicht beym gübel. Logau 3, 18, 78. s. ferner unter standesperson. 8@i@gγ) das gegentheil heiszt gewöhnlich niederer, niedriger stand: genädiger herr und küng mir zweifelt nicht wem das zewissen komet das ich euch lieb hab ... gelauben wirt ich von synnen komen sey und meinen nidern stant und arm gebornes wesen von dem euern nit erkenn. decam. 624, 26 Keller; bleib gern im nidrigen stande. Syrach 3, 19; der könig war ... in ein gefühl der erhabenheit gerathen, was ihm jeden gedanken an die verbindung seiner tochter mit einem manne von niedrigerem stande und dunklerer herkunft unmöglich ... machte. Novalis 2, 20 Meiszner; doch erschrecken wirst du nicht, meine tochter, wenn du erfährst, dasz er von niedrigem stande .. ist. Kleist 3, 284 Schmidt; und ist besser, herrliche tugenden haben, in dem untersten stande; als ein herr seyn, mit einem narren-kopfe. Butschky Pathmos s. 89. sprichwörtlich: in kleinen unnd nidrigen stenden ist die grösseste ruhe und fried. Petri Kk 6a. gleichbedeutend: gemeiner stand der beste. Ff 2a; die aber, so geringers stands weren, sollen sie an jhren leiben härtiglich darumb straffen. reichstagsabsch. s. 87; wollte der himmel, ihr stand wäre geringer, als der meinige! Lessing 1, 338 (die juden 22); diese tugenden sind nur für den geringen stand. Göthe 19, 19 (W. Meister 4, 2). 8@i@dδ) jetzt redet man gern von den gebildeten ständen. ähnlich auch: bei dem emporwachsen der kinder aus den gesitteten ständen. Göthe 24, 104 (dicht. u. wahrh. 2). — ferner: ob sie den namen blosz angenommen habe, wie das bei frauenzimmern des arbeitenden und dienenden standes ... zuweilen vorkomme? Keller 3, 84. 8@kk) nicht selten wird stand in dem prägnanten sinne 'hoher stand' gesagt. 8@k@aα) weniger ausgeprägt im nom.: der stand ist nicht allzeit bestetiget mit dem verstande: wie ein gemeiner soldate sovil herz im leibe haben kan, als ein oberster; also kan ein geringer pauers-mann offt so klug seyn, als ein hochgelehrter. Butschky Pathmos s. 88; dürftigkeit .. flöszt einen nicht unedlen stolz ein, den das bewustsein des selbstverdienstes, gegenüber dem, was andern stand und reichthum gewähren, aufrecht erhält. J. Grimm kl. schr. 1, 5. so ferner: für mich rang er nach namen, stand, gütern. Göthe 10, 59 (Clav. 5); weg mit dem adel, weg mit dem stande — gute menschen wollen wir sein. Kleist 5, 153, 28 Schmidt; ich ... entsage dem ganzen prächtigen bettel von adel und stand und ehre und reichthum. 154, 33; sonst verwünsche ich stand, geburt und die ganze elende last von vorurtheilen. 175, 24. jetzt ungebräuchlich in fügungen wie: erhöhe einen boszhafftigen nicht zu einem stande. Olearius pers. baumg. 38b (2, 25). 8@k@bβ) sehr gewöhnlich von stande für vornehm: berl. eene dame, een herr von schtande. Brendicke 177b. von Gottsched noch als gallicismus beanstandet: eine andere redensart, vornehme leute auszudrücken, ist, wenn man saget: es sind leute von stande; wie die Franzosen sagen, des gens de condition. nun mögen zwar diese reden, wie sie wollen; allein im deutschen schickt sichs nicht, ihre ausdrücke nachzuäffen. alle menschen sind leute von stande; nämlich von groszem oder geringem, von erhabenem, mittlerm oder niedrigem stande. was soll man also dadurch verstehen? eine redensart, die gar keinen bestimmten begriff oder verstand giebt, tauget nichts. man musz sagen, von was für stande die leute sind: von vornehmem, mittlerm oder geringem stande. beobachtungen (1758) s. 414, s. auch sprachk.5 518 (8, § 18, anm. g). aber schon zu seiner zeit allgemein üblich (vgl.: 'ein mann von stande, elliptisch, für: von vornehmen stande; eine redensart, welche Gottsched ohne noth tadelte, weil es tausend ähnliche ellipsen gibt.' Adelung 2, 2, b, 2): leute von stande müssen allemal mehr haben, als sie haben. Gellert 3, 274; der unterschied .., der zwischen dem pöbel und leuten von stande ist. der pöbel wird ewig der beschützer der possenspiele bleiben, und unter leuten von stande wird es immer gezwungne zärtlinge geben. Lessing 4, 154; sie war arm, sie war nicht von stande. Göthe 20, 57 (Wilh. Meister 7, 6); nachdem er zuvor die tochter eines reichen banquiers allhier entjungfert, und ihren galan einen braven jungen von stand im duell auf den tod verwundet. Schiller 2, 16 (räuber 1, 1 schausp.); ein halb dutzend sehr geistreicher ... Franzosen von stand ... besuchen sein haus. Brentano 9, 291; wenn sie in ihren hackenschuhen zierlich über die strasze schritt, die schultern gerade und das köpfchen steif, wie einem fräulein von stande gebührte. Freytag 12, 186 (ahnen 5, 2, c. 1); er ist ein herr von stand, und reich dabey. Wieland 21, 184 (Klelia 1, 357). selten mit art.: zwar giebt es auch einige feine tugenden, ... als das edle mitleid gegen unglückliche vom stande. Möser patr. phantas. 3, 8; die frau des hauses, die in der familie die einer frau vom stande gebührende stellung einnahm, wies uns die plätze ... an. Hassert reise durch Montenegro 228. dazu auch: leute von einigem stande werden sich immer in kalter entfernung vom gemeinen volke halten. Göthe 16, 10. (vgl. auch standesdame, -frau, -person, -weib.) 8@k@gγ) das gegentheil ist ohne stand: hab' ich's für einen fremden, der ohne stand, ohne namen, ohne vermögen hieher kam, nicht weit genug gebracht? Göthe 10, 52 (Clav. 1); sie ist arm, ohne stand. 99 (4); ich liebe ein mädgen, ohne stand und ohne vermögen. briefe 1, 60. mit β verbunden: dem pöbel von und ohne stande. Herder 8, 22 Suphan. 99) schon in den angezogenen stellen nähert sich stand zuweilen der concretcollectiven bedeutung; noch deutlicher ist diese in andern fällen ausgeprägt. 9@aa) 'da es denn zuweilen auch den inbegriff der pflichten und befugnisse im gesellschaftlichen leben, noch häufiger aber als ein concretum und collectivum, alle zu einem gewissen stande gehörigen personen bezeichnet.' Adelung (2, 2, b, 2). so im sing.: ein stand sol den andern schützen und halten, wie ein ring in einer ketten. Petri Y 5a. vom adel: der menschenreiche stand der rittermäszigen .. war in diesem ganzen zeitraum schlimm daran. sein treiben, ja sein dasein galt dem bürger, dem bauer ... für ein unglück. Freytag 18 (bilder 2, 1), 300; magst du denn keinen unterscheid, o tod! in deinem niederhauen? o nein! es musz die niedrigkeit und auch der hohe stand dein reich beständig bauen. Zäunemännin s. 12. geistlichkeit: dasz der geistliche stand unterweilens auch müsse auf der welt händel ... achtung geben. Schuppius 12; der ganze geistliche stand, welcher eine schwarze uniform trägt, bleibt allemal sattsam gehoben, wenn der generalsuperindent bey hofe zugelassen wird. Möser patr. phant. 2, 70. — im plural: so sage mir dann, wie sich die stände der welt in ihrem beruff halten. Simpl. 2, 71, 15 Kurz (5, 15); hiermit hing wesentlich auch das politische dogma zusammen, wonach alle laster, wie etwa jetzt den Jesuiten, dem adel, alle tugenden den niederen ständen zugewiesen wurden. Eichendorff 24, 11 Koch. sprichwörtlich: die stende in der welt sollen sitzen bleiben ein jeder an seinem orth, so lang gott seinen tisch decket. Petri R 3b; mancherley stende, treiben mancherley werck. Nn 5a; besonders alle stände, wofür auch: wenn sich recht helt ein jeder stand, so steht es wol umb leut und land. Ddd 4a; alle stende der werldt hebben sick vorkert, darümm se mit plagen groth vormehrt. fastn. sp. 3, 1475; miszhandelung aller stende ist zuo Rom kain sünndt. nachl. 330; das glücke sprach: ... mir opfern all' und iede stände, begierden, leben, wunsch und blut. Günther bei Steinbach 2, 670; im innern land des aufruhrs feuerglocke — der bauer in waffen — alle stände schwürig. Schiller 12, 80 (Piccol. 1, 2); Deutschland wird von Stuttgart aus mit einer masse duodezbändchen der infamsten, antikirchlichen tendenz .. überschwemmt; alle stände lesen. Brentano 9, 164. — stand im sing. von dem einzelnen zugehörigen, zugleich in dem prägnanten sinne von 8, k: nicht allemal hat stand verstand; ein niedrer, hat offt mehr erkant. Logau 3, 55, 92. 9@bb) als technischer ausdruck des staatsrechts bezeichnet stände ferner die vertreter, abgeordneten der einzelnen stände auf den alten, ständisch gegliederten reichs- und landtagen: stände, plur. stati, ordini. s. staat. Kramer dict. 2, 930b (vgl. unten); in einem andern sinne werden stände eines landes, oder land-stände genennet diejenigen, so das vorrecht haben, mit dem landes-fürsten über die gemeinen landes-angelegenheiten zu rathen. in Teutschland werden sie gemeiniglich genennet, prälaten, grafen, herren, ritterschafft und städte: in denen provintzen Franckreichs, wo die land-stände noch gelten, heissen sie der geistliche, ritter- und dritte stand, clergé, noblesse, et tiers état. Jablonski 746b. hierher gehören viele zusammensetzungen mit stände-, s. unten 14, c; vgl. ferner standesherr, -saal, ständisch, standschaft. 9@b@aα) sehr gewöhnlich von den deutschen reichstagen: die stände des reichs (reichs-stände) gli stati, ordini dell' imperio, stati imperiali. Kramer dict. 2, 930b; vgl.: 'in dem deutschen reiche sind stände oder reichsstände im eigentlichsten verstande unmittelbare reichsglieder, welche sitz und stimme auf den reichstagen hergebracht haben, dagegen in weiterm verstande auch solche unmittelbare reichsglieder diesen nahmen führen, welche nicht mit sitz und stimme versehen sind. der nahme ist in diesem verstande in dem deutschen staatsrechte nicht alt, sondern erst unter dem kaiser Friedrich IV. üblich geworden, da man anfänglich nur die niedern unmittelbaren reichsglieder mit diesem nahmen belegte, daher denn auch noch jetzt die redensart vorkommt: churfürsten, fürsten und stände des h. r. reichs.' Adelung (4, 2, b). seit dem 16. jahrh. bezeugt: stände desz reichs sind geist- unnd weltliche chur- und fürsten, prælaten, graven, herrn, adel, see- an see- frey- unnd reichs stätt, und alle, so jhr ordentliche session im reichs rath haben. reichstagsabsch. (1621) reg. d 5c; haben wir (d. kaiser) uns mit den genanten unsern lieben oheymen, churfürsten, fürsten unnd andern desz reichs ständen, allhie versamblet. s. 43 (Augsb. 1500 § 40); wie man mit etlichen ständen desz reichs, so auff etlichen tagen, weder persönlich, noch durch bottschafft erschienen sind, handlen soll. 60; römischer königlicher mayestat unnd gemeiner ständ desz reichs auffsatzung und ordnung, auff dem reichstag zu Trier und Cöln, anno 1512. auffgericht. 82; wir churfürsten, fürsten, unnd andere ständ desz reichs. 83; so soll auch der Augspurgisch, unnd andere abschiede,. gegen den ständen der Augspurgischen confession ... suspendiert seyn. 305 (Speyer 1544); dieweil etliche stände desz h. reichs, geistlichen oder weltlichen stands ... nunmehr in abgang kommen, gleichwol derselben landen, leut und güter ... von andern ständen besitzlich eingenommen worden seind, sollen auch dieselbige, als jetzige inhaber, darvon die gebürende anlagen .., als von andern ständen oben statuirt, entrichten. 658 (Regensburg 1576); das die römischen kaiser und könig von den bäbsten verbannt, des remischen reichs entsetzt, auch alle stend des reichs irer pflicht und aidt, den kaiser gethon, von den bebsten ledig gezellt. Zimm. chron.2 1, 153, 31; der (kaiser Wenzel v. Böhmen) ward ... von denen churfürsten aus verwilligen gemainer stende des römischen reichs ... entsetzt. 238, 11; von könig Heinrichen dem vierdten in Franckreich wird geschrieben, dasz er ... in seiner ständ versamlung also geredet. Schuppius 19; von dem ansehen der stände glaube ich, dasz solches unter Ludovici regierung schon mercklich gestiegen. Hahn hist. 1, 141; wegen der wahl-stadt und wahl-zeit verglichen sich die stände mit einander. 2, 255; wan einmahl des reichs ständ ... widrumb der freyheit liecht und alten rhum erlangen. Weckherlin ged. 684. s. auch unter reichsstand, theil 8, 611. 9@b@bβ) die stände des lands (lands-stände) stati provinciali. Kramer dict. 2, 930c, vgl.landstand, theil 6, 142: (Alpharbal) ubergab durch erkantnusz der ständ sein land und königreich. Garg. s. 430 neudr.; die zweytausend pistolen, die sie unsern ständen so groszmütig vorschossen. Lessing 1, 576 (Minna 4, 6); die provinz war in gährung, und begehrte mit lauter entschlossener stimme die herstellung ihrer landstände. ihr verlangen ward ihr gewährt, die stände wurden gewählt, und der baron ... muszte seine friedliche einsamkeit verlassen, um als ein stellvertreter des ritterstandes dem landtage beizuwohnen. bald aber gewannen die öffentlichen angelegenheiten ein weit wichtigeres ansehen. um den tausendfachen beschwerden der ... nation abzuhelfen, berief der könig die reichsstände zusammen. Pfeffel pros. vers. 3, 15; das war bey eröffnung eines landtags, bey dem ich ... als deputirter meines kreises erschien. auch da zog mir die getreue nachbildung meines schönen originals ... die schmeicheleyen der anwesenden stände zu. Thümmel reise 5, 188; die versammlung der mecklenburgischen stände im december 1814 faszte den einstimmigen beschlusz, die thaten ihres hochberühmten landsmanns (Blücher) auf eine solche weise (durch ein denkmal) zu verehren. Göthe 39, 297: mir fällt jener 'donnerkeil' des Mirabeau ein, mit welchem er den zeremonienmeister abfertigte, der nach aufhebung der letzten monarchischen sitzung des königs am 23ten juni, in welcher dieser den ständen auseinander zu gehen anbefohlen hatte, in den sitzungssaal, in welchem die stände noch verweilten, zurückkehrte. Kleist 4, 76 E. Schmidt; dasz, gegen die, zur tilgung der nationalschuld ergriffenen maszregeln, eine ... eindringliche vorstellung, von seiten der stände des Stolpischen kreises, eingegangen ist. ... wenn nun ... anzunehmen wäre, dasz auch bei dem übrigen teil der stände ... dieser entschlusz zur reife gelangen könnte. 226, 15. 25; Görres hatte im december ein auditorium von fünf bis sechs hundert, ... man muszte ihm einen für die stände gebauten saal miethen. Brentano 9, 206 (vgl.ständesaal); Münchhausen erzählte von dem fürstenthume Sprenkel, worin er einstmals, da man nach ständen verlangend gewesen, stände aus blätterteig verfertiget habe. diese repräsentanten von blätterteig hätten allen verfassungsmäszigen nutzen gebracht. Immermann Münchh. 2, 28 (3, 5); im gefolge desselben (des lehnsherrn) zieht er (der gutsherr) auch wohl zu einem reichstage, er arbeitet eifrig unter den ständen seiner landschaft gegen die auflage neuer steuern. Freytag 17 (bilder 1), 6; allgemein bekannt sind die ausgedehnten rechte, welche die tiroler grundverträge den aus prälaten, rittern, städten und bauern bestehenden landständen zusicherten. es hatten diese stände 1335 ... dem könige von Böhmen gehuldigt. (Rotteck)-Welcker staatslex.3 4, 429. provinzialstände, nach den 3 ständen (grundadel, städte, bauern) bezw. (in Schlesien, wo ersterer in den hohen adel und die ritterschaft gesondert ist) nach 4 ständen gegliedert, setzt in Preuszen für die einzelnen provinzen ein gesetz vom 5. juni 1823 ein, s. Stengel verwaltungsrecht 2, 319 f.von fremden ländern: als vor'ges jahr die stände Arragons ihm huldigten. Schiller 5, 1, 138 (dom Karlos 2, 13); so ist denn dieser stürmevolle reichstag zum guten ende glücklich eingeleitet, könig und stände scheiden wohlgesinnt. Demetr. 1, v. 3; ist es der wille der erlauchten stände ... 12. 9@b@gγ) die stände stehen dem landesherrn gegenüber: landtag ... ursprünglich bezeichnete dieses wort die ältere, fast allerwärts in Deutschland geschichtlich hergebrachte vertretung des landes, gegenüber dem landesherren, durch besondere stände, prälaten, ritterschaft, städte, wol auch bauern. (Rotteck)-Welcker staatslex.3 9, 405. sie vertreten die gesamtheit des volks: das volk, das hier in seinen ständen zugegen ist. quelle s. Wackernagel leseb. 3, 2, 1033, 12. sie nehmen daher eine mittelstellung zwischen der regierung und den gewöhnlichen unterthanen ein und werden von beiden unterschieden: im fall aber die gefahr so grosz, dasz die stände und oberkeiten kein sicher starck geleyd zusagen unnd leysten möchten. reichstagsabsch. 617; solchem zu begegnen, und diese ständ bey jhren hohen ober- unnd gerechtigkeiten, auch die underthanen bey schuldiger gebürlicher gehorsamb, darzu das h. reich bey dem seinen zu erhalten. 323; dieweil unsere christliche stände und underthanen unserer kron Hungarn ... durch den Türcken ... feindlich uberfallen. 655; die gewogenheit, so wol der ständ, als auch gemeiner leut, ... könt er (kaiser Karl V.) nimmer wider zuwegen bringen. Zincgref apophthegm. 1, 98; es musz hierbei bemerkt werden, dasz gemeinderat und ausschusz ... sich oft verhalten, wie regierung und stände, soweit diese aus unabhängigen männern bestehen. Auerbach dorfgesch. 3, 126. vgl.: die bildung zweckmäszig eingerichteter stände halte ich für eine grosze wohlthat für diese provinzen. sie erhalten eine wohlthätige ... verbindung zwischen dem unterthan und der regierung. M. Lehmann Stein 1, 259. 9@b@dδ) doch wird stände auch in einem engern sinne genommen, indem von den 2 arten von reichs- oder landtagsmitgliedern, den angehörigen des hohen adels, die durch herkunft und stellung ohne weiteres als solche sitz und stimme haben, und den gewählten vertretern der corporativen stände vorzugsweise die eine darunter verstanden und die andre ausdrücklich daneben genannt wird. besonders werden bei den reichstagen die fürsten, die ja selbst landesherren sind, bald in die stände einbegriffen, bald davon ausgeschlossen. so wechseln in den reichstagsabschieden unterschiedslos die sehr häufigen formeln churfürsten, fürsten und andere ständ (desz reichs) und churfürsten, fürsten und stände (oder gemeyne stände). so auch sonst: welcher alsbald er inn seim reich angelendet, liesz er alle seine fürsten unnd ständ zusamen beruffen. Garg. s. 429 neudr. (wofür s. 430 nur ständ, s.α); als er (Karl V.) vom gebürg herab vor Ingolstat der Teutschen vereinigten fürsten und ständ läger ... sahe. Zincgref apophthegm. 1, 97. ebenso adel und stände auf landtagen: der landesherr soll den geistlichen stand nicht verbessern oder mehren, ohne verwilligung des adels und der stände! Göthe 8, 204 (Egm. 2). für stände in diesem sinne genauer: so sol den abwesenden deputirten ständen, rähten unnd bottschafften, hiemit macht und gewalt gegeben seyn, darüber im namen aller stände sich zu underreden. reichstagsabsch. 669. — andrerseits werden aber auch die fürsten und der adel speciell als stände bezeichnet im gegensatz zu der andern gruppe: mit raht und vergleichung aller ständen und abgesandten erklären und ordnen wir. reichstagsabsch. 669 (Regensp. 1576); so haben wir auff gemeyner ständen, auch der räht und bottschafften gutachten, bey diesem abschied erholen ... lassen. ebenda; weil die ständ und gesandten sich erinnern ... ebenda; ausz rähtlichem bedencken und bewilligung gemeyner ständen und abgesandten. ebenda; besihe in Hispanien los grandes, diese sind die vornembste stände des königs, die haben allein macht, vorm könig den hut auff dem haupt zutragen. Philander 2, 643; auch der böhmische majestätsbrief sprach nur von den ständen und von den königlichen städten, deren magistrate sich gleiche rechte mit den ständen zu erringen gewuszt hatten. Schiller 8, 67. ähnlich auf altrömische verhältnisse angewandt: Cn. Flavius hatte der Concordia einen tempel gelobt, wenn er die stände mit dem volke aussöhnte. (anm.: si populo reconciliasset ordines. Plinius a. a. o.) unter dem volk (populus) sind hier augenscheinlich die geschlechter zu verstehen; die stände wären die plebejer und die zünfter. Niebuhr 3, 372. 9@b@eε) die stände ausschreiben, die stände versammeln, zusammenfordern, convocare, commandare, radunare gli stati. Kramer dict. 2, 930c; jetzt meist ein- oder zusammenberufen. das ist im allgemeinen sache des landesherrn: warum hat der könig nicht gleich ... seine stände zusammenberufen? Kleist 5, 323, 19 Schmidt; stände, welche die herrscher berufen, um dem volke eine bessere verfassung zu schenken, haben noch immer mit wünschen angefangen und mit forderungen geendet. K. J. Weber bei Lipperheide spruchwb. 819a. in der ältern zeit berufen indessen auch die stände selbst versammlungen ein: wie oben vermeldet, dasz die stend desz reichs einen tag gen Coblentz beschrieben. Kirchhof wendunm. 1, 576 Österley (1, 2, 117); als haben der ersten election zuwidere stende eine gemeine reichsversamlung zu Andrezcyoma auff desz 4. tag jenner anno (15)76. zu halten ausgeschrieben. Schütz beschr. der lande Preussen 518a. — die (hannöverschen) stände sind sogleich vertagt worden. Varnhagen tageb. 1, 103 (3. juli 1838); der kurprinz von Hessen entläszt die stände. ebenda; weil der kurprinz-regent jedes mitglied der stände einzeln hat verwarnen lassen, dasz die erste erwähnung der sache sogleich die auflösung der stände zur folge haben würde. 187; ich weisz für den könig noch immer nur den rath, ... die stände nach hause zu schicken. 4, 72; nach Saucken's versicherung werden die stände ... lieber auseinandergehen, als schmachvoll nachgeben. 69. 9@b@zζ) stände bezeichnet nicht nur die versammelten mitglieder dieser reichs- und landtage, sondern auch die durch sie vertretenen landschaften, gemeinwesen und körperschaften, vgl. oben α und: die grosse menge völkerschaften, welche dermahlen unter dem nahmen der unmittelbaren stände des deutschen reichs ... zu einem ganzen ... zusammen gesetzt sind. Wieland 29, 447 (über die franz. revol. 15). sie werden (wie oben 8, h, β) in geistliche und weltliche geschieden: die geistlichen stände, gli stati ecclesiastici. die weltlichen stände, gli stati secolari. Kramer dict. 2, 930c; bischoff. ... die weltlichen stände, meine nachbarn, haben alle einen zahn auf mich. Göthe 8, 62 (Götz v. Berl. 2). so ferner: die catholischen stände. die protestirende stände. Kramer a. a. o. 9@b@hη) stände erscheint gewöhnlich im plural; indessen begegnet auch und in demselben doppelten sinne, der sing., doch häufiger nur in den reichstagsabschieden, woraus ihn wol die neueren wörterbücher übernommen haben: 'in dem staatsrechte, ist ein stand, eine person, welche in den versammlungen der häupter eines landes sitz und stimme hat; ... ein landstand, eine person, welche auf den landtagen sitz und stimme hat, und auch nur ein stand schlechthin genannt wird. auch eine ganze gemeinheit, z. b. eine stadt, wenn sie den landtagen durch abgeordnete beywohnet, heiszt alsdann ein stand oder landstand. der stand eines reiches oder reichsstand, eine person oder gemeinheit, welche auf den reichstagen sitz und stimme hat, und gleichfalls nur schlechthin ein stand genannt wird.' Adelung (4, 2, b); so besonders lange im oberd., tirol. mitglied der landesvertretung, làndstànd. Schöpf 699; bair. landstand, braustand '(ehemals) landständisches, zum bierbrauen berech tigtes mitglied'. Schm.2 2, 765. belege: so soll ein jeder stand sein anzahl kriegsvolck ... auff sein selbst kosten bestellen und underhalten, und doch einem jeden nachgehends ... sein gelt ... von seiner desz standts erlegten anlage .., unnd wo dieselbige darzu nicht gnugsamb, ... ausz andern desselbigen kreysz ständen, erlegten und uberbliebenen anlag, widerumb ... erstattet werden. reichstagsabsch. 265 (Speyer 1542); doch sol kein stand den andern zu seiner religion dringen, noch dem andern seine underthanen ab practiciren. 304; wann auch ein auszgezogener, oder auszziehender stand, ... sich so baldt in recht anbieten würde. 324; da einer oder mehr churfürst, fürst oder stand ... sein anzahl zu rosz unnd fusz, auff obbestimpte zeit und mahlstatt nicht schickte .., dasz alsdann der oberst ... desselbigen kreysz, den ungehorsamen oder säumigen stand ... weiter ersuchen, und ermahnen sollen. 410; dasz ... allemal der stand, so das stammhausz besitzlich jnn hat, zu erlegung desz reichs stewren .. von unserm fiscal angelanget ... werden sol. 669; so auch (?): in einer vehd, welche die eidgnossen wider einen hohen standt ... führeten. Zincgref apophthegm. 2, 79. 9@cc) besonders im 16. jahrh. findet sich stand auch im sinne des heutigen staat, respublica; offenbar als übersetzung des lat. status bezw. franz. estat, aus dem ja unser staat entlehnt ist. (dieses wird erst im 17. jahrh. dafür üblich, s. das. 5, sp. 280 ff., während es früher mit stand in andern bedeutungen synonym ist.) die belege reichen vom ende des 15. bis ins 17. jahrh.: wann die jungen nach volgent der eltern treffenliche tet und hant haltent ein gemeinen stant und nutz mit tugentlichkeit und manlichkeit, darmit er in wesen ist kumen. d. städtechron. 3, 34, 10 (Meisterlin chron. v. Nürnberg, 1488; dafür in der lat. fassung: si posteri priorum facta sectentur eamque rem publicam quibus parta est virtutibus tueantur. 185, 12); nach dem (da) ... kein gmain, stand oder markt ohn die selbe (polizeiordnung) in guetes aufnemben nicht komen kan. steir. taid. 117, 12 (Vorau 1603); von groszen reichen: als der theür fürst und hauptmann sach den schwären abgang des reychs, und die grausam empörung so viler teütscher völcker wider den römischen stand. Stumpf (1548) 1, 165b (3, c. 54); so ich durch suoch all rich do hAer Assyrien, Meden, Persyer, ... Carthago, und der ROemer standt so hatt es als gehan sin zyl das rOemsch rich blibt so lang got will. Brant narrensch. 56, 88; uff (auf dasz) sich dest basz könten bewaren all ständ der gantzen christenheit. Gengenbach 78 (Nollhart 40); wie lang der dürckest (türkische) stand wurd ston und bliben yn seir krafft. ebenda (49); was ist doch satans reich und stand? P. Gerhardt s. 174, 40 Gödeke so wol auch zu verstehen: müh, unruh, arbeit, fleysz und streit seind oft nohtwendig bey den stAenden. den krieg selbs kan ein held allzeit zu des lands wolfahrt wol anwenden. Weckherlin ged. 495 (oden 2, 32) der freie stand, republik, abstracter: und wart der küniglich nam und g'walt zue Rom zue ewigen zeiten abgetan, der frei stand und verwaltung des g'main mans, wie in der Schweiz, angenummen. und hat under disem freien stand das römisch reich hoch aufgenummen. Aventin chron. 1, 287, 7—10; die Schweitzer ... verjagten erwürgten überal herumb die ambtleut und richteten an ain freien stant. 2, 434, 33. später noch bei Schweizer autoren: gewisz auch kein Sicin, der sauerteig des standes. Haller ged.10 100 (d. verdorb. sitten v. 139, wofür staates in der 1.—3. aufl., während in v. 115 umgekehrt das unsers stands der beiden ersten auflagen durch deines staats ersetzt und v. 117 ebenso der erbe von dem stand in d. e. seiner stadt geändert ist). die Schweizer kanzleisprache hat überhaupt stand für kanton festgehalten, s. Tobler 406b: 'der stand für der kanton ist den Hochdeutschen fremde'. herr Simmer, bibliothekar des standes Bern. Heynatz Antibarb. 2, 441; die gebäude die der stand Bern selbst aufführt sind gros und kostbar. Göthe briefe 4, 76 (d. 9. okt. 1779 an Ch. v. Stein); das städtlein hatte seit jahrhunderten unter der oberherrschaft zweier eidgenössischer stände gelebt, aber nicht ohne seine eigene uralte verfassung und freiheiten, bestätigt ... durch die verschiedenen herren, die es besessen, bis es durch jene zwei stände gemeinsam erobert wurde. Keller nachl. s. 247. vgl. dazu ständerat; standeshaupt, -leben, -reuter. (stand für staatsform, verfassung s. 5, d). 1010) einen concret collectiven sinn hat stand auch in andern fällen, wo es eine gesamtheit zusammen stehender dinge bezeichnet und theilweise mit bestand vertauscht werden kann, vgl. das. 3, theil 1, 1652. 10@aa) von thieren: 'der viehstand, als ein collectivum, eine anzahl zu einem grundstücke gehörigen viehes, wofür auch viehstamm üblich ist. einen ansehnlichen viehstand haben. besonders, wenn es als inventarium zu dem grundstücke gehöret. der rind- schwein- und federviehstand'. Adelung (4, 2, a). — stand, vom wilde, wildstand, vgl. dieses. Behlen 5, 672: hirsche und rehe belebten den wald, und das wenige wild, welches für die tafel geschossen wurde, durfte nur durch ihn selbst erlegt werden. es war seine absicht, die stände nicht in schrecken zu setzen. Steffens was ich erlebte 6, 230. so auch z. b.: will man den fasanenstand schnell vermehren, so werden zugleich fasaneyer angekauft. Winckell handb. f. jäger 1, 372. — diese bedeutung berührt sich mit 4, im, vgl. das. 10@bb) von pflanzen: der dichte stand von tannen und buchen hemmt jede aussicht. Pichler gesch. aus Tirol 217. 10@cc) nd. een stand bedden. 'so viel zu einem aufgemachten oder stehenden bette gehören.' Dähnert 457b. 1111) andre mannigfache bedeutungen begegnen mehr vereinzelt, besonders in mundartlicher oder technischer sprache. ich stelle die concreten voran; sie gehen entweder auf die grundbedeutung 'etwas, das steht', oder 'das, worauf etwas steht' zurück. 11@aa) stand als bezeichnung eines gefäszes ist wol in der regel als stande, f. zu verstehen; doch bieten neuere mundarten auch das masc. so pfälz. stann, m. 'ständer, um früchte einzumachen'. Autenrieth 136. siebenb. stnd, m. (und ständchen, n.) kleines längliches holzgefäsz. Haltrich 88. 11@bb) für pfahl, vgl. ständer: umzäunungen (von thiergärten) mit kiefernen, geschälten, in durchlöcherte, breite steile oder stände eingelassenen hegestangen, sind ... die wohlfeilsten. Winckell handb. f. jäger (1805) 1, 603. 11@cc) im schiffsbaue 'das spitze und gekrümmte hintertheil des Elbkahns, so 14 fusz lang ist'. Jacobsson 4, 253b, vgl. Bobrik 260b. 11@dd) in der jägersprache: stände, heiszen die füsze derer vögel, welche keine raubthiere sind. Heppe wohlred. jäger 283b, vgl. Kehrein weidmannsspr. 281; nach Adelung (5) bei auerhähnen und reihern, sonst ständer, s. das., vgl. auch fusz I, B, theil 4, 1, 1000. (bair. standl, füsze beim vogelwild. Schm. 2, 768.) 11@ee) in der Schweiz eine 'bewegliche maschine, worin die kinder gehen lernen, gängelwagen, wofür in Schaffhausen standstuhl'. Stalder 2, 391. s. ständlein 1, c. 11@ff) als ausdruck der kochkunst, was gestanden, steif geworden, geronnen ist, gallerte, sulze, gelée: stand von kalbsfüszen. das gelee von kalbsfüszen ist zwar viel umständlicher als das von hausenblase, jedoch auch viel billiger herzustellen. ... der stand wird auf folgende weise gemacht. ... dieser also bereitete stand kann zu wein-, fleisch- und fischgelee dienen. H. Davidis kochb.32 s. 382; stand von schweineschwarten oder -füszen. ebenda. vgl. standes und standpudding, -öl. 11@gg) in folgender stelle ist wol eine art brei gemeint, womit der boden des pferdestandes (s. oben 4, i) als mit einer grundschicht bedeckt wird, und worin dann das pferd steht (oder eine art umschlag? vgl. einsatz 4, theil 3, 265): so das pferdt lauffen soll, so setz jme zu nachts darvor ein, auff allen vieren, mit nachfolgendem einsatz. nimb fœnum græcum ein halb pfund klein gestossen, thuo es inn einen hafen, darzu semelmeel zwo gaffen, drey meszlin honig, geüsz darauff wasser, lasz es wol sieden, das es dick werde, mach jhme einen stand darvon, das es mit allen vier füssen die gantze nacht darinnen stehe, bisz drey stund vor tags, so wasch es ab mit einem warmen wasser. Seuter roszartzn. (1599) 9. 11@hh) das, worauf etwas steht, fundament. so stand der glockenform bei den glockengieszern, fundament der glockenformgrube, worauf der kern der glocke gebildet wird. Jacobsson 4, 254a. — mhd. scheint stant auch in der freiern bedeutung von 'grund' vorzukommen: eʒ hât niemen rîchen gewin, ân den ein rîchiu, gotlich min hât durchgluot unz ûf den stant. Teichner 57. 11@ii) nicht zu bestimmen ist der sinn in folgender stelle: ich dancke eüch auch, mir desz hertzogs von Weysenfels standt geschickt zu haben; hatt mich von hertzen lachen machen. Elisab. Charlotte 2, 464. 11@kk) über stand als grammatischen ausdruck für substantiv s. Campe 3. 1212) noch vereinzelter finden sich andre abstracte gebrauchsweisen. 12@aa) 'beschlusz, vorsatz': es ward hoch ... beklagt, dass, unerhört, ein semliche macht Eidgnossen irer vienden am vorteil so lang hat gewartet und nit begegnet, ja ouch, so bald der under ougen kommen, dass si flux, wider eidgnossische art und fürgenomnen stand, ... zuoglich abzoch. Anshelm Berner chron. 4, 163, 23. 12@bb) in Aachen stand, anstand, schicklichkeit. Müller-Weitz 233 (vgl.stehen). — ähnlich einmal im 16. jahrh. der schöne stand das schöne aussehen, schmuck, zier: die andern (buchstaben) seind überig, der wir wol heten geraten (entbehren) mögen, wann wir nicht so genau und fürwitzig weren gewesen und hetten nicht von des schön stands wegen mêr gesucht. Aventin werke 1, 351, 11. 12@cc) lusern. stant, m. schrecken, schauder, entsetzen. Zingerle 53a (nicht bei Bacher, sprachinsel Lusern). 12@dd) dithmars. he hett eenen stand mit dem pastoren, von leuten, die nicht zur kirche gehen. Schütze 4, 187. 1313) übersicht der constructionen und festen verbindungen. 13@aa) stand mit andern substantiven gepaart, besonders stand und wesen 5, e. 6, c. 8, b, α. d. s. ferner 8, b (stand und rang 8, b, α; st. und herkommen β, stand und amt γ). — fürsten und stände 9, b, δ. 13@bb) mit genitiv, s. 6, e. i. k. stand der sonne u. ä. 4, p; der dinge, des streites u. ä. 5, e; des rechten 2, g; der unschuld, sünde 6, i; der natur 6, k. — stände des reichs, lands 9, b. — was, wes standes 8, c; allerlei standes 8, g, β. 13@cc) mit adjectiven, s. besonders 6, d. 8, i. 9, a. guter stand 1, c. 2, d; fester stand 1, c. harter stand 2, c. d; schwerer, schlimmer stand 2, d. gütlicher, freundlicher stand 2, h. lediger, ehelicher stand 6, h; anderer stand 6, a. hoher, niederer stand u. ähnl. 8, i. 9, a; bürgerlicher st. 8, h, α; geistlicher, weltlicher stand 8, h, β. 9, b, ζ; der dritte, vierte stand 8, h, δ. — freier stand 9, c. 13@dd) als object zu verben, s. besonders 6, f. 8, d. stand haben 1, c. 3, a. 4, a. ce. h. l; stand fassen (nd. begripen) 1, d. 2, a; stand halten 1, d. 2, b. (4, m); thun 2, c. f. (stand stehen 4, c.) — (stand aufschlagen 4, d.) seinen stand verändern 4, l. 8, d. — die stände ausschreiben, zusammenberufen, auflösen u. ähnl. 9, b, ε. 13@ee) mit präpositionen: auszer stande sein 7, e; auszer (den) stand setzen 7, g.in mit dativ: in allen ständen 8, g, β. im stande sein 3, a. 7, a, α. b. c. d; im stande (er)halten 3, c. 7, a, β. mit attribut: in gutem u. s. w. stande sein, stehen 5, e. in einem stande sein 8, d; in seinem stande bleiben 8, e. — in mit acc.: in stand bringen 1, c. 3, d; setzen 7, a, γ. f (auch mit art.). in einen stand kommen, bringen 5, e. 6, f; in einen stand treten 8, d.nach seinem stande leben, sich halten 8, f, β. —ohne stand 8, k, γ. —über seinen stand 8, b, γ. —von stande 8, k, β. —von stands wegen 8, b, ε. —zu stande kommen 3, f. g; sein 3, h; bringen 1, a. 2, e. 3, d. i, zum stande bringen (2, e) 3, e; zu ständen richten 3, e. zu einem stande befördern 8, d. 1414) die nachstehend in groszer zahl aufgeführten zusammensetzungen zerfallen in 3 gruppen. 14@aa) eigentliche composita mit stand- als erstem gliede. sie enthalten fast durchweg die eigentliche bedeutung des stehens, die bei stand selbst so sehr zurücktritt, in verschiedenen nuancen, vgl. standbein, -fusz. sie bezeichnen stehendes im gegensatz zu hängendem, liegendem, getragenem, z. b. standleuchter, -uhr; feststehendes im gegensatz zu beweglichem, wie standbarometer und weiterhin standlazareth; sie gehen auf längeres verweilen an einem orte, wie standlager, aber auch auf sofortige, kurze erledigung (was im stehen abgemacht wird), wie standrecht, standrede. andre schlieszen sich an verschiedene nuancen der örtlichen bedeutung (4) an, so standbaum, -bude, -fisch, -gebühr, -geld, -junge, -krämer, -pfosten, -stuhl, -thier, -vogel, -wild, -zoll. den begriff des gestehens, d. h. gerinnens, festwerdens von flüssigem, enthalten standöl und standpudding. — zu stand 8 gehören nur die adjectivbildungen standgemäsz, -gleich, -mäszig, -würdig, die in der ältern sprache neben den gewöhnlichen mit standes- begegnen. (dazu allenfalls die kaum üblichen standname, -ordnung.) 14@bb) die genitivischen zusammensetzungen mit standes- gehören dagegen zu stand 8 (bezw. 9, a) und sind dadurch von der ersten gruppe deutlich geschieden. eine besondere gruppe bilden einige, die auf den sog. 'personenstand' gehen und sich zunächst an stand 6, h anschlieszen, so besonders standesamt, ferner standesakt, -beamter, -buch, -register, -urkunde, auch standesveränderung und -zeichen. zu 8, k gehören standesdame, -frau, -weib; -person (vgl.standesleute); dagegen standesherr (-mann) zu 9, h, wozu ferner das vereinzelte standessaal; endlich zu 9, c (kanton) standeshaupt, -leben, -reuter. 14@cc) wenn es wichtig, auszudrücken, dasz das erste compositionsglied im plural zu verstehen ist, so tritt dafür stände- ein. so ständeabtheilung, -bildung, -eifersucht, -hader, -haus, -thum, -verhältnis, -wesen. (ständeabtheilungen begegnet geradezu als plur. zu standesabtheilung, s. das.) — andre bildungen der art schlieszen sich speciell an 9, b an, wo der plur. stände das gewöhnliche ist, so ständehaus, -kammer, -lehre, -mitglied, -platz, -saal, -sitzung, -tafel, -tag, -vereinigung, -verhandlung, -versammlung, -wahl. zu 9, c gehört ständerat.
182937 Zeichen · 4042 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    standM.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    stand , M. nhd. Aufenthalt, Verzug Hw.: s. standan E.: s. standan L.: Hh 317

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stand

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Stand , des -es, plur. die Stände, von dem Zeitworte stehen. 1. Das Stehen, die Handlung des Stehens; ohne Plural. (…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Stand

    Goethe-Wörterbuch

    Stand [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Stand

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Stand , s. Stände .

  5. modern
    Dialekt
    Stand

    Elsässisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Stand [ʿStànt fast allg.; ʿStânt Wittenh. Logelnh. ; ʿStà Roppenzw. Liebsd. Steinbr. ; ʿStnt Bisch. Geisp. K. ; ʿStnt…

  6. Sprichwörter
    Stand

    Wander (Sprichwörter)

    Stand 1. Alle Stende haben jhr eigen laster. – Henisch, 829, 29; Petri, II, 7. 2. Aendere nicht deinen Stand, du habest …

  7. Spezial
    Standm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Stand , m положение , ср [Lage]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stand

871 Bildungen · 514 Erstglied · 343 Zweitglied · 14 Ableitungen

stand‑ als Erstglied (30 von 514)

stand 1 und häufiger

KöblerAfries

stand 1 und häufiger , st. M. (a) nhd. Stand, Mal (N.) (1) ne. stand (N.), sign (N.) E.: s. standa L.: Hh 147b

Stand'erbeigen

DRW

Stand'erbeigen, n. wie Standerbe vgl. Erbeigen von deswege das die frawe das standerbeigin vnde farnde habe vnuorgebin vor gerichte behaldin…

Stand(eⁿ)

Idiotikon

Stand(eⁿ) Band 11, Spalte 1042 Stand(eⁿ) 11,1042

Standbaum I

SHW

Stand-baum I Band 5, Spalte 1301-1302

Standgeld

SHW

Stand-geld Band 5, Spalte 1301-1302

standhalten

SHW

stand-halten Band 5, Spalte 1301-1302

Standlaut

SHW

Stand-laut Band 5, Spalte 1303-1304

Standort

SHW

Stand-ort Band 5, Spalte 1303-1304

Standplatz

SHW

Stand-platz Band 5, Spalte 1303-1304

Standpunkt

SHW

Stand-punkt Band 5, Spalte 1303-1304

Standrede

SHW

Stand-rede Band 5, Spalte 1303-1304

Standreiser

SHW

Stand-reiser Band 5, Spalte 1303-1304

Standrisser

SHW

Stand-risser Band 5, Spalte 1303-1304

Standuhr

SHW

Stand-uhr Band 5, Spalte 1303-1304

standa 70 und häufiger

KöblerAfries

standa 70 und häufiger , st. V. (6) nhd. stehen, sich befinden, bestehen, dauern (V.) (1), bleiben ne. stand (V.), stay (V.) ÜG.: lat. resis…

standan

KöblerGot

stan·dan

standan , unr. st. V. (6) nhd. stehen ne. stand (V.), be standing ÜG.: gr. ἐφιστάναι, ἱστάναι, παριστάναι, στήκειν; ÜE.: lat. assistere, ast…

Standandei-Wand

MeckWB

Stand-an-dei-Wand m. eine Form des Ballspiels Stahball Gü, Ha, Ro.

Standar(t)eⁿ

Idiotikon

Standar(t)eⁿ Band 11, Spalte 1041 Standar(t)eⁿ 11,1041

Standard

Pfeifer_etym

Standard m. ‘Richtschnur, Maßstab (als Vorbild), Norm’ (Anfang 19. Jh.), ‘Qualitätsniveau, erreichter Stand’ (z. B. der Lebensführung, vgl. …

stand als Zweitglied (30 von 343)

Abstand

RDWB1

Abstand m mit ~ с отрывом; что-л. или кто-л. не идёт ни в какое сравнение с другими; значительно; самый; заметно das ist im Moment mit ~ uns…

Aufstand

RDWB1

Aufstand m Aufstand machen idiom. , umg. - устроить хай груб. , устроить сцену устойч. , устроить сцену у фонтана идиом. , учинить скандал у…

Ausstand

RDWB1

Ausstand m (Lakune) Wann machst du deinen ~? - Когда ты устраиваешь отвальную?

Bestand

RDWB1

Bestand m запас (на складе, на предприятии), инвентарь, наличие Bestände berücksichtigen - учитывать запасы Bestände kalkulieren - рассчитыв…

Einstand

RDWB1

Einstand m (Lakune) сабантуй (на работе) по случаю вступления кого-л. в должность

Missstand

RDWB1

Missstand m häufigerMissstände Pl. неполадки, несообразности, неудовлетворительное положение (дел), непорядок (с чем-л.), непорядки, нелады …

Mittelstand

RDWB1

Mittelstand m средний слой

Prüfstand

RDWB1

Prüfstand m etw. auf den Prüfstand stellen idiom. - перепроверить, пересмотреть, подвергнуть тщательной проверке устойч. , подвергнуть детал…

Rückstand

RDWB1

Rückstand m остаток (который требуется погасить по счёту), непогашенная сумма, долг, задолженность, недоимка устар. след, наличие Rückstände…

Tatbestand

RDWB1

Tatbestand m (Lakune) состав (преступления) Und das war der ~ seiner Schuld? - И в этом заключалась его вина?

Umstand

RDWB1

Umstand m bitte machen Sie sich keine Umstände idiom. - пожалуйста, не беспокойтесь; не хлопочите; не извольте беспокоиться устойч., устар. …

Vorruhestand

RDWB1

Vorruhestand m выход на пенсию ранее положенного срока, отставка ранее положенного срока (тж. уходить "на выслугу")

Widerstand

RDWB1

Widerstand m сопротивление, противостояние, отпор, противодействие auf Widerstand stoßen - наткнуться на сопротивление устойч. , получать / …

Wissensstand

RDWB1

Wissensstand m (Lakune) mein ~ ist, dass ... - насколько мне известно, ...; насколько я знаю ...

Zustand

RDWB1

Zustand m das ist kein ~ - это ненормально, это ненормальное состояние, куда это годится устойч. , это никуда не годится устойч. , так дело …

A(n)stand

Idiotikon

A(n)stand Band 11, Spalte 975 A(n)stand 11,975

Abendstillstand

Adelung

abendstill·stand

Der Abendstillstand , des -es, plur. inusit. bey den Astronomen, wenn ein Planet Abends in einem Puncte des Thierkreises einige Tage stille …

Aberbestand

DRW

aber·bestand

Aberbestand Afterpacht vgl. Afterbestand all aberpestand sullen verpoten sein, es sei dann mit willen des des der weingarten ist 1555 Werder…

abstand

DWB

abs·tand

abstand , m. distantia, nnl. afstand: der abstand des mondes von der erde, der sterne von einander, des hauses von dem wald, des knechts von…

adelstand

DWB

adel·stand

adelstand , m. nnl. adelstand, der könig hat den mann in den adelstand erhoben. neben diesem jetzt gebräuchlichen ausdruck sind adelheit, ad…

Afstand

MeckWBN

Wossidia Afstand m. Abstand Müll. Reut. 3 b .

afterbestand

DWB

after·bestand

afterbestand , m. was aftermiethe: selbes ( das gut ) seinem jüngsten bruder in afterbestand zu überlassen. Abele 4, 449 .

Altverstand

Wander

alt·verstand

Altverstand 1. Olverstand, göff de Ko e Posshand. ( Memel. ) – Frischbier, II, 55. Zu überklugen Kindern. 2. Seht mol den Ohltverstand möt d…

Amtshinterstand

DRW

amts·hinterstand

Amtshinterstand Rückstand seinen amtshinterstand nicht von denen amtsgeföhlen ... ersötzen 1686 MittSalzbLk. 24 (1884) 149

Amtsstand

DRW

amts·stand

Amtsstand Handwerkerstand 1666 CCOldenb. VI 160 Lasch-Borchling I 70

Amtsvorstand

DRW

amts·vorstand

Amtsvorstand Zunftvorstand 1750 DürenWQ. 361 Faksimile 1820 Gutzeit,Livl. I 34 Faksimile

Ableitungen von stand (14 von 14)

bestand

DWB

bestand , adv. für im stande, en état, wie man sagte behaus, im hause: dieser kiel ist nicht bestand, seine thaten aufzuweisen, die in aller…

bestanden

DWB

bestanden , part. praet. von bestehen, adjectivisch genommen: 1 1) was lang bestanden hat, alt, von leuten: bestanden leute, alte, erwachsen…

entstand

DWB

entstand , m. origo, gebildet wie abstand, anstand, aufstand, umstand, verstand: auch hast ghört des teufels ankunft und entstand. Thurneiss…

erstanden

DWB

erstanden , part. von erstehen.

gestand

DWB

gestand , m. , mnd. gestant, stand, verhättnis: se hebben maniger hande pyne na den gestande der sunde. Schiller-Lübben 2, 84 b ; geständnis…

gestanden

DWB

gestanden , part. praet. zu stehen und gestehen ( s. d. ). 1 1) gestanden sein, verweilt, sich wo aufgehalten haben: do nun der edel ritter …

Mißstand

Pfeifer_etym

miß- vornehmlich bis ins 18. Jh. (heute nur noch gelegentlich) produktives Präfix zur Bezeichnung des Verschiedenartigen, Abweichenden, Unri…

stande

DWB

stande , f. gröszeres holzgefäsz, stellfasz, kübel, kufe; ableitung zu stehen, vgl. ständel , ständer , standner . 1 1) so im deutschen seit…

unstand

DWB

unstand , m. , stand 5 ff. (un IV B) entsprechend. mnd. unstant, mnl. onstant; norw. ustand. vgl. misz-, übelstand. 1 1) schlechter zustand,…

urstand

DWB

urstand , m. , in den veralteten bedeutungen 1 bis 4 zum v. erstehen ( g. usstandan, ahd. irstantan, mhd. erstên, -stân), wie ursprung zu er…

Urstanden

Campe

✱ Urstanden , v. ntr . mit haben , seinen Urstand, seinen Ursprung von etwas haben. »Aus ihm (Gott) urstandet Alles, er ist der Vater, das L…

verstand

DWB

vers-tand , m. , scherzhafte bildung: lasz uns treiben mit verstand prosaspiel und verstand Rückert 11, 225 .