urstand,
m. ,
in den veralteten bedeutungen 1
bis 4
zum v. erstehen (
g. usstandan,
ahd. irstantan,
mhd. erstên, -stân),
wie ursprung
zu erspringen,
in mystischtheosophischer spr. gebildet (
dazu urständung,
f., und urständen,
v.),
während u.
in den neueren bedd. 5, 6
mit stand
und ur- C 4 c
zusammengesetzt ist. 11)
mystisch-theosophisch ist u. ('
erstehung')
syn. mit ursprung, wurzel, grund, quell.
die syn. verbindungen seien vorangestellt: aber unserer seelen höchster theil ist allezeit geschickt und bereit, indem sie ganz blosz und von bildern und formen ledig ist und allezeit auf ihren ursprung oder u. siehet und sich nach demselben neiget
Ruysbroek 1, 57; so kan nicht weniger von jederman erkant werden, dasz sie ihre ewige wurzel und u. allein aus der gotheit selbst habe G. Arnold
geheimnis der göttl. sophia (1700) 1, 25; da man auf den grund und u. siehet Leibniz
dt. schr. 402; ... der göttlichen freudigkeit, die ihren grund und u. hat aus der wahren seelenruhe Volck
entdecktes geheimnis (1750) 1, 447; und sage dir hiermit, ... dasz weder in, auf oder unter der erden einige kraft zu finden, die nicht aus diesem centro und unerschöpflichen quell ihren u. hätte A. v. Franckenberg
nosce te ipsum (1676) 29.
zuerst bei Jac. Böhme
nachgewiesen: vom urstande des ewigen göttlichen wesens (1620) 4, 3; den u. der elementen
de signatura rerum 3, 15,
u. ö.; da gott die welt erschuf, wasz schrieb man vor ein jahr? kein andres nicht alsz dasz seins urstands erstes war Angelus Silesius
wandersmann 119
ndr.; der geist, der himmlisch ist und von dem geist genommen, der musz so, wie er ist, zu seinem uhrstand kommen Morhof
unterricht (1682) 2, 183;
vgl. dazu das mystische zurückkehren in den ursprung; aus der finsternüs, welche nach dem licht begierig war, nahm das feuer seinen u. Gichtel 1, 104; vor dem uhrstande der zeit war noch kein licht Sandrart
iconologia deorum 110;
oft bei Brockes: der urstand und die quell von allen dingen
ird. vergnügen 2, 190; o ewger urstand aller dinge 4, 330; den groszen urstand aller wesen ... zu bewundern 7, 15; aller geister, aller körper urstand! 9, 336; quell der meere! urstand, führer und monarch nicht zu zählnder erdenmeere 8, 569;
vgl. urstandszinne: das war vermuhtlich anzusehn vons schöpfers urstandszinne
gesangb. d. brüdergem. 2188, 4.
nachwirkend bei Göthe,
der ja auch das v. urständen
gebraucht: hierauf gründet sich unsere gewissenhaftigkeit, erst die phänomene in ihrem urstande (
zustande der entstehung, der höchsten einfachheit) aufzusuchen und sie sodann in ihrer mannigfaltigsten ausbreitung ... zu verfolgen II 5, 1, 315
W. (
vgl. 5).
vielleicht auch bei Schelling I 2, 186: ... da also das bewusztseyn, sowie es aus seinem urstande heraustritt, ... von gott hinweggeht, so ... 22)
elementa, primordia: weil sein zweck ist, von dem beseelten cörper mit seinen elementen oder urständen zu handeln, so ... J. Chr. Sturm
begriff der physik (1713) 547. urstandstheile Brockes
ird. vergnügen 4, 265. 33)
principium: disz ist nun von dem endzweck und von den urständen oder grundsätzen (principiis) geredet G. Arnold
vertheidigung der myst. theologie 5.
hierher(?): das ist der u. (
zum m. s. 4) der calvinisten Scheffler
ecclesiologia 1, 366
a. 44)
für urstände (
s. d.)
kommt u.
als m. und f. vor. m.: urstant
resurrectio, urstanttach
dies resurrectionis Notker
psalm 63, 10; 23
gl.; orst aber ist ein zusammengezogenes wort aus urstand oder ohrstand, wie die Niederdeutschen noch sprechen Zesen
rosenmând 74;
vgl. Luther
tischreden (1568) 272
b; der uhrstand ihres herrn Zesen
verm. Helikon 3, n 3
b; urstand
pro auferstand Peisker
index (1685) 186; Fischer-Tümpel 6, 267
a; Stieler 2132; Kramer 2 (1702) 1221
c; Frisch (1741) 2, 410
b; Adelung
unter auferstehung; '
auf leichensteinen vorkommend' Krünitz 202, 366.
f.: der lew bedeutet die urstand Prätorius
saturnalia 364; seine auferstehung (oder contracte uhrstand, daher ostern) gehalten
winterquartier vorr. a 4
a. 55) stand 5, 6
mit ur- C 4 c, '
ursprünglicher zustand'. Heynatz, Campe.
für '
originale fassung einer schrift' Campe
verd. wb. (1813) 451
a;
für den positiv der steigerung derselbe 340
b; 488
a;
beides nicht üblich. erst seit dem ende des 18.
jhs. gebräuchlich geworden. vielleicht mit beziehung auf bed. 1: damit er (
der phönix) ... erjunge, sich in seinem urstand erneue Harsdörfer
trichter 3, 376. die unbefangenheit des rohen urstandes der natur Bode
Montaigne 2, 104; der alte urstand der natur kehrt wieder Schiller 14, 328 (
Tell 2, 2); menschen, die ... im urstande zu leben schienen Ritter
erdk. 1, 620; das volk muszte in den u. zurücktreten Fr. L. Jahn 2, 538
E.; Kretzer
meister Timpe (1895) 166; u. der menschheit, der Germanen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 4, 12; 2, 205;
theologisch der zustand ursprünglicher vollkommenheit der ersten menschen vor dem sündenfalle: die lehre vom urstand Ranke
s. w. 4, 152;
ähnlich: andre (
geister) sitzen still gekauert ... und beginnen in den urstand ihrer unschuld rückzukehren G. Keller 10, 231.
undeutlich: vom urstand bis zur gegenwart W. Jordan
in talar und harnisch 130. 66) stand 8
entsprechend. vgl. grundstand: diesen beiden urständen der gesellschaft E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 120; der stand des freien grundbesitzers war der u. des deutschen volkes W. H. Riehl
naturgesch. d. volkes 3, 273; die urstände, adel und priestertum Spengler
untergang des abendlandes 2, 113. —