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urstand

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

urstand m.

Bd. 24, Sp. 2553
urstand, m. , in den veralteten bedeutungen 1 bis 4 zum v. erstehen (g. usstandan, ahd. irstantan, mhd. erstên, -stân), wie ursprung zu erspringen, in mystischtheosophischer spr. gebildet (dazu urständung, f., und urständen, v.), während u. in den neueren bedd. 5, 6 mit stand und ur- C 4 c zusammengesetzt ist. 11) mystisch-theosophisch ist u. ('erstehung') syn. mit ursprung, wurzel, grund, quell. die syn. verbindungen seien vorangestellt: aber unserer seelen höchster theil ist allezeit geschickt und bereit, indem sie ganz blosz und von bildern und formen ledig ist und allezeit auf ihren ursprung oder u. siehet und sich nach demselben neiget Ruysbroek 1, 57; so kan nicht weniger von jederman erkant werden, dasz sie ihre ewige wurzel und u. allein aus der gotheit selbst habe G. Arnold geheimnis der göttl. sophia (1700) 1, 25; da man auf den grund und u. siehet Leibniz dt. schr. 402; ... der göttlichen freudigkeit, die ihren grund und u. hat aus der wahren seelenruhe Volck entdecktes geheimnis (1750) 1, 447; und sage dir hiermit, ... dasz weder in, auf oder unter der erden einige kraft zu finden, die nicht aus diesem centro und unerschöpflichen quell ihren u. hätte A. v. Franckenberg nosce te ipsum (1676) 29. zuerst bei Jac. Böhme nachgewiesen: vom urstande des ewigen göttlichen wesens (1620) 4, 3; den u. der elementen de signatura rerum 3, 15, u. ö.; da gott die welt erschuf, wasz schrieb man vor ein jahr? kein andres nicht alsz dasz seins urstands erstes war Angelus Silesius wandersmann 119 ndr.; der geist, der himmlisch ist und von dem geist genommen, der musz so, wie er ist, zu seinem uhrstand kommen Morhof unterricht (1682) 2, 183; vgl. dazu das mystische zurückkehren in den ursprung; aus der finsternüs, welche nach dem licht begierig war, nahm das feuer seinen u. Gichtel 1, 104; vor dem uhrstande der zeit war noch kein licht Sandrart iconologia deorum 110; oft bei Brockes: der urstand und die quell von allen dingen ird. vergnügen 2, 190; o ewger urstand aller dinge 4, 330; den groszen urstand aller wesen ... zu bewundern 7, 15; aller geister, aller körper urstand! 9, 336; quell der meere! urstand, führer und monarch nicht zu zählnder erdenmeere 8, 569; vgl. urstandszinne: das war vermuhtlich anzusehn vons schöpfers urstandszinne gesangb. d. brüdergem. 2188, 4. nachwirkend bei Göthe, der ja auch das v. urständen gebraucht: hierauf gründet sich unsere gewissenhaftigkeit, erst die phänomene in ihrem urstande (zustande der entstehung, der höchsten einfachheit) aufzusuchen und sie sodann in ihrer mannigfaltigsten ausbreitung ... zu verfolgen II 5, 1, 315 W. (vgl. 5). vielleicht auch bei Schelling I 2, 186: ... da also das bewusztseyn, sowie es aus seinem urstande heraustritt, ... von gott hinweggeht, so ... 22) elementa, primordia: weil sein zweck ist, von dem beseelten cörper mit seinen elementen oder urständen zu handeln, so ... J. Chr. Sturm begriff der physik (1713) 547. urstandstheile Brockes ird. vergnügen 4, 265. 33) principium: disz ist nun von dem endzweck und von den urständen oder grundsätzen (principiis) geredet G. Arnold vertheidigung der myst. theologie 5. hierher(?): das ist der u. (zum m. s. 4) der calvinisten Scheffler ecclesiologia 1, 366a. 44) für urstände (s. d.) kommt u. als m. und f. vor. m.: urstant resurrectio, urstanttach dies resurrectionis Notker psalm 63, 10; 23 gl.; orst aber ist ein zusammengezogenes wort aus urstand oder ohrstand, wie die Niederdeutschen noch sprechen Zesen rosenmând 74; vgl. Luther tischreden (1568) 272b; der uhrstand ihres herrn Zesen verm. Helikon 3, n 3b; urstand pro auferstand Peisker index (1685) 186; Fischer-Tümpel 6, 267a; Stieler 2132; Kramer 2 (1702) 1221c; Frisch (1741) 2, 410b; Adelung unter auferstehung; 'auf leichensteinen vorkommend' Krünitz 202, 366. f.: der lew bedeutet die urstand Prätorius saturnalia 364; seine auferstehung (oder contracte uhrstand, daher ostern) gehalten winterquartier vorr. a 4a. 55) stand 5, 6 mit ur- C 4 c, 'ursprünglicher zustand'. Heynatz, Campe. für 'originale fassung einer schrift' Campe verd. wb. (1813) 451a; für den positiv der steigerung derselbe 340b; 488a; beides nicht üblich. erst seit dem ende des 18. jhs. gebräuchlich geworden. vielleicht mit beziehung auf bed. 1: damit er (der phönix) ... erjunge, sich in seinem urstand erneue Harsdörfer trichter 3, 376. die unbefangenheit des rohen urstandes der natur Bode Montaigne 2, 104; der alte urstand der natur kehrt wieder Schiller 14, 328 (Tell 2, 2); menschen, die ... im urstande zu leben schienen Ritter erdk. 1, 620; das volk muszte in den u. zurücktreten Fr. L. Jahn 2, 538 E.; Kretzer meister Timpe (1895) 166; u. der menschheit, der Germanen Gervinus gesch. d. d. dicht. 4, 12; 2, 205; theologisch der zustand ursprünglicher vollkommenheit der ersten menschen vor dem sündenfalle: die lehre vom urstand Ranke s. w. 4, 152; ähnlich: andre (geister) sitzen still gekauert ... und beginnen in den urstand ihrer unschuld rückzukehren G. Keller 10, 231. undeutlich: vom urstand bis zur gegenwart W. Jordan in talar und harnisch 130. 66) stand 8 entsprechend. vgl. grundstand: diesen beiden urständen der gesellschaft E. M. Arndt (1845 ff.) 2, 120; der stand des freien grundbesitzers war der u. des deutschen volkes W. H. Riehl naturgesch. d. volkes 3, 273; die urstände, adel und priestertum Spengler untergang des abendlandes 2, 113. —
5448 Zeichen · 140 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    UrstandDer

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    Der Urstand , — es, Mz . u. der erste ursprüngliche Stand, Zustand eines Dinges. »Der Erde Urstand ist den Menschen verb…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Urstand

    Goethe-Wörterbuch

    Urstand [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Urstand

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Urstand heißt der Anfangszustand des Menschen, sofern er der Kirchenlehre zufolge nicht einfacher Naturstand (s. d.), so…

  4. modern
    Dialekt
    Urstand

    Schweizerisches Idiotikon

    Urstand Band 11, Spalte 984 Urstand 11,984

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit urstand

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Ableitung von urstand

ur- + stand

urstand leitet sich vom Lemma stand ab mit Präfix ur-.

urstand‑ als Erstglied (1 von 1)

Urstanden

Campe

✱ Urstanden , v. ntr . mit haben , seinen Urstand, seinen Ursprung von etwas haben. »Aus ihm (Gott) urstandet Alles, er ist der Vater, das L…