lager,
n. cubile, castra; goth. ligrs,
alts. legar,
ags. leger,
niederl. leger,
engl. layer
und lair;
ahd. legar,
mhd. leger
und läger,
neben liger. 11)
das wort ist neutralen geschlechts, im gothischen aber masculinen, welches letztere doch auch im mhd. nhd. belegt werden kann, vgl. unten unter 8
und 10: dieweil der pferde .. darm colon genant .. wider aller andern thier natur und art unter dem magen seinen lager hat. Uffenbach
neues rossbuch (1603) 2, 175.
die formen leger
und läger,
das ä
der letzteren aus dem tiefen ë
der ersteren entwickelt und schon im mhd. geschrieben: swaʒ der (
an thieren) von lägere stuont, di erjageten die gesellen,sô noch guote jägere tuont.
Nib. 933, 3
Bartsch, sind die in der ältern sprache bis ins 15.
jahrh. ausschlieszlich bezeugten und noch im 16.
jahrh. gewöhnlichen: cubile leger Dief. 160
c; läger schlahen,
metari castra Dasyp.; läger
cubatus, cubitus Maaler 260
b;
auch im 17.
jahrh. noch nachzuweisen: in dieser holen kluft gesuchet hat sein läger ein grausamer tyrann und feind der wilden thier (: jäger). Opitz (1624) 94; ihr tugendhafter geist erwarb ihr auch die ehre dasz sie mein läger hat zu einer frau gemacht. Hoffmannswaldau
heldenbr. 23;
selbst die form liger
taucht auf, vergl. unten unter lagerstatt. Stieler 1111
und 1112
unterscheidet das lager,
habitatio, sedes, mansio, commoratio und das läger,
castra. die seit dem 18.
jh. allein gebräuchliche form lager
hat man zuerst belegt im 15.
jh.: nit als ein has, der rumpt sin lagerstat. Altswert 253, 21;
sie ist im östlichen Mitteldeutschland heimisch: in dem jare eins (
einmal) ein lager eine nacht uf derselbigen unser pfafheit (
berechtigung zum herbergen). Haltaus 1153 (
Plauen, von 1397); der lager herre.
Leipziger urkundenb. 1, 312 (
von 1464,
s. die stelle unter lagerherr);
castra lager Trochus
bei Dief. 105
b;
und bei Luther
die alleinige, daher sie wol, wie so manche andere form, von seiner bibelübersetzung aus allgemeine verbreitung gewonnen hat. die moderne sprache hat, obwol unberechtigt, nicht unhäufig sich den plur. die läger
von lager
gestattet, indes nur in der bedeutung 5,
wo sich gerade lange auch die singularform läger
erhielt, ausnahmsweise in der bedeutung 11: 25000 unter Clairfait waren als rechter flügel in mehreren lägern zur deckung Westflanderns aufgestellt. Beckers
weltg. 12, 335; in den lägern. 14, 60; was führte schneller zum zwecke (
schleuniger bevölkerung), als wenn man gewissermaszen die läger des über das gebirge ziehenden heeres in dörfer verwandelte. Meinert
alte teutsche volksl. (1817) 359 (
sing. lager 358); ich sollte aufstehn mit dem schöpfungswort und in die hohlen läger menschen sammeln. Schiller
Wallenst. tod 3, 13,
nachher im sing.: und Friedland wird sein lager um sich füllen; es scheuchte sie (
die kinder) der jäger, dasz nicht zertreten sei der wald, verstört die läger des wildes vom geschrei. Rückert 213. 22) lager,
im allgemeinsten sinne ein gerät oder eine stelle zum liegen: das der strom sol von fröschen wimmeln, die sollen erauf kriechen, und komen in dein haus, in deine kamer, auf dein lager, auf dein bette.
2 Mos. 8, 3; wer etwas anrüret, das auf jrem lager, oder wo sie gesessen, gelegen oder gestanden, sol unrein sein.
3 Mos. 15, 23; er lag auf seinem lager im mittage.
2 Sam. 4, 5; das Dauid umb den abend aufstund von seinem lager. 11, 2; das er sich schlafen legt auf sein lager. 13; ich schwemme mein bette die ganze nacht, und netze mit meinen threnen mein lager.
ps. 6, 7; du machst jm
[] aus dem siechbett und kranklager ein gesund lager. Luther 3, 395
a; giengen in der nacht zu des hoffmeisters lager, welchen sie schlafend antraffen.
pers. rosenth. 1, 44; das lager suchen, sein lager aufsuchen; das lager räumen,
aufstehen: der professor sah sich genöthigt, das lager zu räumen. Freytag
handschr. 1, 126; auf ewrem läger still zu wachen. Weckherlin 11; ihm wird demnach ein alter kanapee .. zum lager eingeräumt. Wieland 21, 323; jetzt naht es sich der mutter lager. Gotter 1, 155; du zählst die thränen, in verschwiegner nacht, mit denen ich mein lager netze. 389; ihm raubt des wissens brennende begierde den schlaf, er wälzt sich glühend auf dem lager. Schiller
bild zu Sais v. 44; ruhe nur so fort auf dem lager dort. Göthe 1, 243. lager,
das ehe- oder brautbett: du solt nicht der oberst (
unter den söhnen) sein, denn du bist auf deines vaters lager gestiegen, daselbs hastu mein bette besudelt mit dem aufsteigen. 1
Mos. 48, 4; gebt uns junge saffranblumen, himmelsschlüsseln, roszmarin, dasz wir sie den lieben zweien, den geliebten zweien treuen, streuen auf ihr lager hin. Fleming 352.
vgl. lagergenossin. 33) lager,
vom krankenlager: damit die kranken in jren hütten und lagern die schlang haben ersehen und anschawen können. Mathes.
Sar. 72
b;
und davon aus vom krankliegen: ir tragent guot wissen, wie ich inn kurzen tagen ein grosz und schwer leger gehabt. Wickram
irr reitend bilger vorr. A 2; der wachter gieng heim, wardt krank und legt sich nider. desselbigen legers lag er sechzehen ganzer wochen zu bet.
Zimm. chron. 4, 220, 21; wie es mit Julianen endlich zum lager kam (
sie bettlägerig ward).
ehe eines mannes 156; nach einem achttägigen lager ist es heute der andere tag, dasz ich wieder einige stunden auf sein kann. E. König
bei Lessing 13, 430; war ists, das man jhn (
den arzt) die tag hat hinein geholet in die statt zu herr Wilwalta, dem stattpfleger. der hat gthon ein schweres leger, dasz niemand mehr gemeint, das er dessen wider aufkommen wer. J. Ayrer
fastn. sp. 29
c (2482, 26
Keller); man solt uns hülfe thun. da nam man ein gebiesz das man in unser maul uns zu beschreiten stiesz: man riet uns hin und her, man liesz uns keine ruh und sagte, dasz man uns riet unsrer wolfahrt zu! die wolfahrt die es war, die war also bewand, dasz eh man sie gefühlt, man uns zu lager rand (
aufs krankenlager trieb). Logau 3, 171, 94; komm ich vom lager auf, und giebt gott fried im staat, gelobt der kranke Stax, so werd ich ein soldat. Lessing 1, 16;
früher auch des lagers aufkommen (
vgl. oben die stelle Ayrers), des lagers sterben: die weil ward Ulenspiegel ser krank, das die lüt in ansprachen, das er beichtet .. daʒ thet Ulenspiegel, dan er befand wol, das er des legers nit ufkem.
Ulensp. 90,
s. 132
Lappenb.; oberzehlte ubergab fellt und verlischt, wann der donator dieselbig widerrft, item wann er seines lägers aufkompt.
Frankf. reform. 4, 13, § 6; wiewol sie villeucht des legers sich wider erholen.
Zimmer. chron. 2, 250, 17; seitmals aber grave Johanns Wernher von Zimbern anfieng denselbigen winter zu siechen, wie er auch selbigen legers hernach .. mit todt vergieng. 4, 26, 24; als der domdechant alda .. tödtlichen krank gelegen, welches legers er dann gestorben. 185, 8; sie stirbt desz legers, bei meiner ehr. J. Ayrer 255
d (1275, 16
Keller); ob ich villeicht desz legers stürb und mein gesundheit nicht erwürb. 353
d (1773, 13); du stirbst noch lang desz legers nit.
ebenda (1774, 2); ein langwieriges lager haben,
morbo chronico in lecto teneri. Steinbach 1, 1011; von einem schweren lager auf stehen,
ex gravi morbo evadere. ebenda. 44) lager,
vom todtenbette: er liegt auf seinem letzten lager,
auf dem sterbebette, oder im sarge; mhd. dô leiste der fürste Lyppaut al daʒ sîn hêrre der künec Schaut an tôdes legere gein im warp.
Parz. 345, 15. 55) lager,
rastort eines heeres, feldlager, heerlager: das läger, platz da man sich zuo kriegszzyt lägeret,
castra stativa, praesidia. Maaler 260
b; die kinder Israel sollen sich lagern ein jglicher in sein lager und bei das panir seiner schar. 4
Mos. [] 1, 52; aber das ubrige volk zu Bethulia, fiel in der Assyrer lager, und plünderten.
Judith 15, 8; als aber Paulus jtzt zum lager eingefüret ward, sprach er zu dem heubtman.
ap. gesch. 21, 37; am andern (
zweitens) sein noch der Römer castra und leger heutigs tags .. vor augen und allernechst bei disem Taxagetio oder alten Rotweil gelegen.
Zimm. chron. 3, 347, 29; Franzosen, in dero leger er nachts allein mit seim trommetter geritten. 419, 31; ist zu herzog Henrichen hinausz ins läger gangen. Zinkgref
apophth. 1, 7; als nun ein groszes sterben in das käyserliche läger kommen. Schuppius 76; (
ich) gelangte den 27. august nachmittags gegen das lager von Brocourt. Göthe 30, 13; im lager fand ich abends in dem groszen zelte die beste gesellschaft. 18; (
die töchter) der Moabitter luden in ihr läger listig die juden zu ihrem opfer der abgötter. H. Sachs 1, 45; erst zogens ab vor diesem sturm inn ir leger mit groszem schwurm. 543; der Cloridan war schnell und stark, und in dem läger, war unter allen, er der wolerfahrnste jäger. D. v.
d. Werder
Ariost 18, 154, 1; fiel es vor einen mann des feinds lägr und schanzen
an. Opel
u. Cohn 165, 6; marschierten nu nach Göttingen zu in das tillysche läger. 167, 2; was hilft es (
feind), dasz mit kunst und witz dein lager steht umschanzt? Gleim 4, 16; auf des lagers hohem walle schlachten sie schon unsre kinder. Göthe 1, 233.
es heiszt ein lager abstecken, schlagen, aufschlagen, befestigen, verschanzen, verändern, abbrechen: geschlagen läger,
stativa castra Maaler 260
b; das läger schlahen,
castrametari, das läger sterken oder vestnen,
munire castra, das läger umbschanzen,
castra cingere vallo, das läger verrucken,
castra movere. ebenda; das sie ufbrachen, ir leger veränderten und das uf die andern seiten schluegen.
Zimm. chr. 1, 365, 1; da last uns das läger schlagen.
Garg. 96
a; zuo Socho wol wirs leger schlagen. Schmelzl
David 14
a; bei Semmalin schlug man das lager, alle Türken zu verjagen. Soltau
volksl. 528; sich zu lager schlagen: und er wider dieselben sich zu läger geschlagen hätt. Fronsperger 3, 237
a; als das Faliscer hehre sich zu läger geschlagen hätte. 249
b. 66) lager,
das im lager liegende heer: item, wan mein gn. herr selbs daleg ader sunst ein leger darschick, muesten die von Welmich zimlich kochwasser daruf dragen, wan es von noeten were, holz musz man selbs laeszen faren.
weisth. 3, 744 (
rheinisch, von 1509); wenn jr aber drometet, so sollen die lager aufbrechen, die gegen morgen ligen.
4 Mos. 10, 5; und der Philister lager zog er aus fur Michmas uber.
1 Sam. 13, 23; da mit brachten sie ein gros schrecken und furcht in das ganze lager. 2
Macc. 13, 16. 77)
bildlich, von parteien: die ganze stadt war in zwei lager gespalten, das eine für, das andere gegen den bürgermeister; von heute an — die republik! zwei lager nur auf erden: die freien mit dem kühnen blick, die sklaven, um den hals den strick! Freiligrath
dicht. 3, 160. 88) lager,
die belagerung: daʒ leger werte von sant Adolfes tag unz zuo der lihtmesse hochgezit.
d. städtechron. 8, 55, 15; do man zalt 1360 jor, do zoget bischof Johannes von Liehtenberg für Hetzstat mit gewalt und hett ein leger do. 100, 2; die von Strosburg mahtent ouch eine brucke über den Ryn mit schiffen, darüber fuor men und reit die wile der leger (
masc., s. oben 1) vor der bürge werte. 9, 799, 26. 99)
aufenthaltsort, ruheort überhaupt: (
der einsiedler) gedacht: in diesem thal wils wagen, beim brunn dein läger hie anschlagen. B. Waldis
Esop 4, 5, 44;
auch der ort, den ein fürst zum aufenthalte für sich und sein gefolge bestimmt, heiszt lager,
vergl. hoflager
theil 4
2, 1687,
eine bezeichnung die aus der zeit stammen musz, in welcher der landesherr noch ohne feste residenz bald an dem, bald an jenem orte seines landes hof hielt, die sich aber jetzt auf die feste residenz gewendet hat. 1010) lager
des hirten, der herde: darnach zog Jacob gegen Salem, zu der stad des Sichem, .. und machet sein lager fur der stad.
1 Mos. 33, 18;
in der Schweiz ist das läger
der abgetheilte bezirk einer alpweide, den man z. b. zu 3
und 4
wochen wechselt, wenn das gras auf demselben vom vieh abgeweidet ist. [] Stalder 2, 152;
bair. der leger,
weideplatz, gewöhnlich mit einem oder mehreren ställen und hütten versehen. Schm. 1, 1458
Fromm. (
unterschieden von das leger,
liegestätte der älpler in ihren hütten. 1459,
vergl. oben 2);
in Tirol lager
der die alphütte umgebende rasenplatz, wo alles vieh übernachtet. Fromm. 4, 61. 1111) lager
der thiere: läger der thieren,
cubilia Maaler 260
b; lager,
der ort wo sich ein wildpret niederleget. Jacobsson 2, 548
b; lager,
der ruheplatz der bären, säue, wölfe, hasen und luchse. Nemnich; die bärin .. bekömmt daselbst (
im dickicht) in einem mit holz und moosz zusammengerafften lager ihre jungen. Göchhausen
not. ven. 42; doch lässet er (
der fuchs) auch öfters sich den schlaf so weit bemeistern, dasz er im lager geschossen wird. 53; gott weisz, ob er nicht gar lateinisch schreibt, um Klotzen wie den hasen im lager anzugreifen. Nicolai
bei Lessing 13, 225; der fuchsz wardt gejagt von eim jäger uber ein berg aus seinem läger. B. Waldis
Esop 3, 44, 2; doch wuszten diese jäger von einem löwen nicht, der eben da sein läger nächst ihrer stallung hatt. Opel
u. Cohn 287, 34; wald und wild ist sie, die braut. sie weist den noch fremden jäger auf die spur, der er sich traut. sie schlägt auf ihr grünes läger, dasz er für den heiszen tag rast und schatten nehmen mag. Fleming 357;
von hausthieren: der hund hat sein lager unter der treppe. 1212) lager,
diejenigen feldhühner, welche sich zugleich niederlegen, oder zusammen an einem orte niederfliegen: ein lager hühner. Jacobsson 2, 548
b. 1313) lager,
der raum in dem gegenstände in gröszerer menge aufbewahrt werden; beim kaufmann der raum, in dem seine waaren liegen (
vgl.waarenlager)
und dann die in einem solchen liegenden waaren selbst. es heiszt eine waare auf lager haben;
bildlich: das sprach aus ihnen der letzte rest des guten genius, den sie noch auf lager haben. Freytag
handschr. 3, 7; waaren gehen zu lager,
werden gelagert: die früher angekommenen gröszeren sendungen sind zu lager gegangen.
Weserzeitung 1859
no. 4885; mein lager ist in diesem artikel reich versehen; der kaufmann verkaufte sein ganzes lager schnittwaaren; wodurch das lager zum verkauf auf 5000 fasz reducirt wird.
Weserzeitung 1854
no. 3309; ein lager spirituosen; ein lager guter weine; dasjenige bier, .. welches im merz-monat oder aufs längste im anfang des aprils aufs lager gebrauet (
wird).
öcon. lex. (1731) 1357; der stadtrath musz sein lager auch verzapfen, man greift zu humpen, greift zu napfen. Göthe 41, 14. 1414) lager,
eine unterlage für gegenstände verschiedener art. im keller bezeichnet man damit die starken, vierkantigen balken, worauf die bier- und weinfässer liegen; im bergbau ist lager
eine unterlage aus holzwerk, mauerwerk oder eisen in schächten für bühnen und pumpensätze. Veith
bergwörterb. 315; lager,
bei der artillerie, dasjenige, worauf die stücke, wenn sie von den laffetten abgenommen, gelegt werden. Jacobsson 6, 406
b;
bei den baugewerken die balken, worauf der fuszboden liegt; beim brückenbau die balken auf denen die fahrbahn ruht; bei den strumpfwirkern das gestell, woraus der strumpfwirkerstuhl besteht und worin alle die theile desselben angebracht sind. vgl. lagerbalken, lagerholz. 1515)
in den ostfriesischen torfgräbereien heiszt lager
der raum, wo der torf zum trocknen liegt, auch die erst gegrabenen törfe, welche horizontal gelegt werden, um dem perpendikular gelegt werdenden torf haltung zu geben. Jacobsson 6, 406
b. 1616) lager,
bergmännisch, eine lagerstätte von gleichem streichen und fallen mit den schichten des gebirgssteins, im engern sinne eine solche lagerstätte im älteren, nicht flötzgebirge. Gätzschmann 50; ein kaltes lager,
das keine erze enthält (
vgl.kalt 2,
h, theil 5,
sp. 78): wenn man aber ein kaltes lager helt, oder wie wir reden, auf ein zeit auflessig wird (
den betrieb freiwillig aufgibt). Mathes.
Sar. 115
b;
geologisch: die kalkalpen, welche ich bisher durchschnitten, haben eine graue farbe, und schöne, sonderbare, unregelmäszige formen, ob sich gleich der fels in lager und bänke theilt. aber weil auch geschwungene lager vorkommen, und der fels überhaupt ungleich verwittert, so sehen die wände und gipfel seltsam aus. Göthe 27, 23; daher entstanden (
bei den gebirgsmassen) gleichzeitige gänge, .. die mit gestein-abtheilungen parallel gehen, diese mögen nun vertical aufgerichtet stehen und deszhalb als wände gelten, oder unter verschiedenen winkeln geneigt, bald mit dem namen bänke, und endlich wohl gar lager bezeichnet werden. 51, 68.
[] 1717) lager eines schluszsteins
nennen die maurer die fugeseite des schluszsteins an einem gewölbe. Jacobsson 2, 549
b. 1818) lager,
bei den bienenzüchtern ein liegender bienenkorb, im gegensatze zum ständer,
dem stehenden; vgl. lagerstock. 1919) lager,
der untere runde theil eines mörsers, worin die ladung liegt. 2020) lager,
bodensatz eines getränkes: bair. das leger, geleger, geliger,
bodensatz, mutter, hefen Schm. 1, 1459
Fromm.; von dem weinstein und lager (
musz man ein fasz abputzen). Hohberg 1, 348
a; der ungarwein scheidet ein starkes lager aus, auch auf flaschen gezogen. Freytag
in den grenzboten 1852,
s. 26. 2121) das türkische lager,
name einer muschelart: venus castrensis. Nemnich 4, 1548,
und einer schnecke: voluta porphyria. 1579. 2222) lager
für lage,
in der bedeutung no. 1
sp. 58: läger, das ligen,
cubatus, cubitus Maaler 260
b,
vgl. dazu beilager;
das liegen zu nacht, herbergen: lager,
die einkehr in ein kloster auf unkosten desselben, diversorium sumtum, ein kloster mit übermäszigen lager überladen,
molestum esse crebrius pernoctando Frisch 1, 565
a,
vgl.ablager;
in der landwirtschaft heiszt zu lager gehen
vom getreide, wenn es sich vor allzugroszer fettigkeit des bodens niederlegt oder durch platzregen niedergeschlagen wird. Adelung (
vgl. dazu unten no. 23);
in Niedersachsen kommt das vieh zu lager,
wenn es in einem morastigen boden stecken bleibt. ebenda, vgl. auch lagerholz, lagerkorn.
auch (
für lage
no. 2)
von gegenden: urbs natura et situ nobilis, von natur und dem lager nach eine fürtreffliche statt. Corvinus 1, 607
a; von des landguts vortheiligem lager. Hohberg 3, 1, 6; wegen lagers oder situation dero lande. Leibniz 2, 268;
von der lage eines körpertheils, eines sinnes: als er (
ein arzt) ein weibs anatomi underhanden hatte, und nuhn an die beermutter kommen ware, deroselben läger zu erklären und zu betrachten, nemblich, zwischen dem after und der blasen. Zinkgref
apophth. 1, 312; daher Gall diesem sinne (
dem kunstsinne) ganz recht zwischen dem ton- und dem diebsinn das lager anwies. J. Paul
Levana 1,
s. xxii;
in der fechtkunst ist lager
die geschickte stellung des leibes, womit man den angriff seines gegners erwartet, die rechten streiche und stösze von den finten unterscheidet und im gegenfechten gehörigermaszen aufnehmen und parieren kann. Jacobsson 2, 548
a; mit einem, der gar keine lection noch lager verstehet, ist bös fechten. Butschky
Patm. 204. 2323)
in der formel lager werden,
vom getreide: wenn es wegen allzugroszer geile des erdbodens und gar zu starker düngung sich nieder leget, und lager wird.
öcon. lex. (1731) 1356,
scheint der substantivbegriff des wortes sich adjectivisch umgebildet zu haben; vgl. oben unter 22.