stengel,
m. ,
caulis, scapus. as. stengil,
mhd. mnd. stengel
aus der grundform germ. *stangila-
im ablaut neben *stingila-
in stingel (
s. dort),
vgl. norw. stengel '
querbaum, riegel, stütze, meszstange',
aschwed. stængil '
querbaum, türriegel',
ädän. stængel '
stütze, strebepfeiler',
die aber auch erst deminutiv von stange abgeleitet sein können; schwed. stängel,
dän. stængel '
pflanzenstengel'
sind dagegen aus dem dtschen entlehnt, s. Torp 712, Hellquist 899, Falk-Torp 1196;
etymologisches s. unter stingel.
hauptbedeutung ist im dtschen '
pflanzenstengel',
während die den nord. zeugnissen entsprechende anwendung (
s. 4)
zurücktritt; mal. über das ganze gebiet verbreitet, vgl. Schmeller-Fr. 2, 771; Hunziker
Aargau 253; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 605;
Fischer schwäb. 5, 1637; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 551; Woeste
westf. 254
a; Mensing 4, 833; Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 310;
nur im südl. teil des bair.-österr. gilt stingel. 11) stengel
als teil eines pflanzlichen organismus. 1@aa)
als der lange und meist biegsame teil der pflanzen, der von der wurzel an aufwärts wächst und die übrigen teile trägt, vgl. der stengel an den kräutern, auff welchem die blätter wachsen
caulis Calepinus
XI ling. (1598) 213
b, stengel am crut
hastile Diefenbach 273
b; der gestrackt stengel von eim kraut
scapus J. Maaler
teutsch spraach (1561) 387
a;
die as. und ahd. belege weisen darauf, dasz stengel
ebenso den dünnen schon holzigen schosz gröszerer pflanzen und die daraus gefertigte gerte wie den erst aus jüngerer sprache als stengel
belegbaren fleischigen stiel der kleineren pflanzen bezeichnen konnte, so in der glossierung von '
putent ephebum ferire thyrso' '
mit einer gerte schlagen'
durch stengila (10.
jh.) Wadstein
kl. as. sprachdenkm. 95
und iro strala wurden chindo strala, diu uzer stengelen iro scoz machont
sagitte infantium facte sunt plage eorum Notker 2, 240
Piper; entsprechende anwendung noch in den übersetzungen von '
imposuit arundini'
Matth. 23, 48
und '
circumponens calamo'
Marc. 15, 36: der badswam an ein stengels stil geheft und gezwickt al do wart und geboten Christo vol ezzichs an dem kruze J. v. Frankenstein
kreuziger 10010
lit. ver.; und von stund an lieff einer under inen, und namm ein schwammen und fült in mit essig und leit in umb ein stengel und satzt in auff ein ror Ringmann
text d. passions o. lidens Christi (1513) f 2
a,
was aber von bedeutung 4
nicht scharf zu trennen ist. 1@a@aα)
allgemein '
stiel von pflanzen als träger von blättern und blüten'
; seit dem mhd. belegt, jedoch zweifellos seit alters in gebrauch stehend, oft in gegenüberstellung zu anderen pflanzenteilen: dârunder was geschozzet wunder wæh florîen, hie rosen breit voll brozzet, wîz unde rôt an boumen unde an zwîen mit stengeln grüen, gebleter liljen wîze
jg. Titurel 379
bei Piper
höf. ep. 2, 479;
im bilde: du bist min irdischer engel, des trage ich wurzel und stengel; du bist allez min begern meister Altswert 73
Holland-Keller; eigentlich: ich glaub,
er hab heilsame wurtzel mit sambt dem kraut, stengel und sturtzel dem weyb gehalten fur die nasen Hans Sachs 14, 265
K.-G.; knobloch hat einen weiszen kopf und grünen stengel Lehman
floril. polit. (1662) 1, 14; (
linum augustifolium, eine leinart) zeichnet sich durch zahlreiche von der wurzel aufsteigende stengel, sowie kleinere, aufspringende kapseln und kleine samen aus Hoops
waldbäume (1905) 331; krautartige stengel mit groszen, bald pfeilförmigen, bald gefingerten ... blättern A. v. Humboldt
ansichten d. natur (1808) 1, 195; (
die) schuppenwurz (
trägt) an ihrem dicken, kurzen fleischigen stengel nach einer seite gewendete rosenrothe lippenblumen ... Roszmäszler
d. mensch i. spiegel d. nat. (1853) 98;
nur vereinzelt für das '
stengelglied': die pflanzen, die im finstern wachsen, setzen sich von knoten zu knoten zwar lange fort; aber die stengel zwischen zwei knoten sind länger als billig Göthe II 1, 248
W.; als typisches epitheton für die form des stengels namentlich lang:
cicuta, zigerkraut, schirling, wütterich, bangenkraut, hat lang und hol stengel wie ein pfeyff Frisius 220
b; item, wiltu machen ein pulver von kraut, dasz es sehr fast knilt, so nimb ein kraut, das heiszt wollkraut, hat lange stengel als ein kertz L. Fronsperger
kriegsbuch 2 (1573) M m 2
r; hat daraus den vollaufgeblühten busch einer lilienblume genommen, nebst einer braunrothen stark gefüllten nelke, beyde mit langen stengeln Gleim
briefw. 1, 282
Körte; auch hoch, schlank: wenn die gute nun kommt vor den hohen stengel (
der lilie) getreten steht sie befangen, entzückt von paradiesischer nähe Mörike
werke 1, 121
Göschen; blumen ... nickten mit ihren schlanken stengeln v. Gaudy
s. w. (1844) 13, 28;
oft als biegsames, nicht widerstandsfähiges gebilde charakterisiert: die pflanze, ein stamm, ein schwanker stengel, der senkrecht in die höhe strebt G. W. Fr. Hegel
werke (1832) 10, 2, 300; auf dem moore wuchsen viele einzelne sternförmige blumen auf schwankem stengel G. Keller
ges. w. 3, 109; verheyratete er sich mit einer brünette, ein lüsterner schalk, ganz auf dem schwankenden stengel der unschuld gewachsen, und nur vom weiblichen sinne gepflegt
F. M. Klinger
werke 3, 154; so dorrt die lilie im einsamen thale hin, die eine muthwillige hand am zarten stengel gedrückt hat 3, 133;
im gegensatz zu blüte und frucht als der untaugliche teil angesehen: doch bald im herbste steht sie (
rose) da verwüstet, ein leerer stengel, und sie selbst verschwunden Platen 1, 374
Hempel; in dem grunde solcher entgegensetzungen (
politischer parteien) sehe ich oft wilde pflanzen treiben, üppig im stengel und laub, ohne nährende frucht J. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 29; wenn die besterzogenen (
frauen) dastehen, nichts in der hand, als den dürren stengel der wirthschaftlichkeit und das leere, schneeweisze blatt der angebornen unschuld A. Stifter
s. w. (1901) 1, 119;
mit betonung der function als träger anderer pflanzenteile: ein lilje glanzgevar ... (
die) alsô wîz und also fîn blüet schône ûf einem stengel; die glîcher einem engel was danne einem wîbe H. v. Freiberg
Tristan 3268
Bernt; es könne bien und feind des stachels müszig gehn, ein heilsames gewächs auf giftgen stengeln stehn Lohenstein
Cleopatra (1680) 91; ein schön blum im garten auffm stängel ist anmütig, ist sie abgebrochen und verwelckt, so ist die schön dahin Lehman
floril. polit. (1662) 2, 727; flatternd auf grünem stengel meine liebste rothe rose Tieck
schr. (1828) 1, 274; (
die lilie) die wie ein groszer silberner stern auf ihrem dunklen stengel nach der sonne blickt W. Wackenroder
herzensergieszungen (1797) 56; immer staunst du aufs neue, sobald sich am stengel die blume über dem schlanken gerüst wechselnder blätter bewegt Göthe 1, 291
W.; in poetischer diction wird die vorstellung von mehreren blumen auf einem stengel
auf das verhältnis zweier menschen übertragen: seht die lilien an: entspringt nicht gatte und gattin auf einem stengel Göthe 23, 268
W.; zwo rosen waren wir ein männlein du, ein weiblein ich, an einem stengel standen wir Schubart
briefe in: Strausz
werke 9, 211; wie gezweigte rosen blühn an einem stengel, die doch nur für eine rose gelten, also mag ein innigtreugeselltes paar sich billig auch für eine seele halten
M. Greif
ged.5 381; o so, sprach Dighton, lag das zarte paar; so, so, sprach Forrest, sich einander gürtend mit den unschuldgen alabasterarmen vier rosen eines stengels ihre lippen, die sich in ihrer sommerschönheit küszten
Shakespeare 9, 150;
von den stengeln abgepflückter blumen, so vom stehen bleibenden unteren teil: vom stengel ist die lilie nun gebrochen U. Hegner
ges. schr. (1828) 5, 209; die schönsten ... tulpen und so vollkommen frisch ... als seien sie eben vom stengel geschnitten E. Th. A. Hoffmann
s. w. 12, 33
Grisebach; o ihr tausend frommen engel, in den lilien, in den rosen, zeihet mich mit dürrem stengel, dasz ich alle euch gemordet Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 3, 348; im ersten augenblick der reife löst er sie (
die jungfrau) von dem stengel der unschuld, an dem sie ihm die mutter auferzogen und bewacht hat Klinger
werke 6, 143;
ebenso für das stielende der abgetrennten blume: dürft ich mir eine ... abblühende strelitzia ... erbitten, den stengel so nah als möglich an seinem ursprunge abgeschnitten Göthe IV 42, 67
W.; seine (
des strauszes) stängel waren noch mit demselben feldgrase gebunden, das sie gestern genommen hatte A. Stifter
s. w. (1901) 2, 306; zwei kleine dirnen hatten die hohlen stengel des löwenzahns in kettenglieder zusammengebogen G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 348; gott, das macht immer so viel spasz, wenn man den einen stengel in den andern piekt, bis der kranz fertig is oder die kette Fontane
ges. w. I 5, 175;
von hier aus erweitert auf die blumen selbst angewendet: wir hatten ... eine masse stängel und blüthen zusammengebracht Göthe 25, 42
W.; sie ordnete die blumen in ihrem schosz. er lag ganz artig zu ihren füszen und reichte ihr die einzelnen stengel H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 121. 1@a@bβ)
für den halm des korns oder grases, s. u. unter b den beleg aus K. v. Würzburg
Trojanerkrieg 10545; ein halm oder stoppel, stengel, kornstengel
avena, calamus, stipula Alberus t t j
b; halm, als kornhalm, stengel, stupffel
stipula Frisius 1243
a; helmer, stengel
culmina Diefenbach 161
c; ein halm oder stengel an dem korn
culmus Calepinus
XI ling. 356
b; ein stängel des habers
culmus avenae Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 683: denn fur der erndte wird das gewechs abnemen, und die unreiffe frucht ynn der blut verdorren, das man die stengel mus mit sicheln abschneiten
Jesaia 18, 5; du wirffst ein körnlein in den acker, und ich uberkomme von demselbigen zwen oder drey stengel und eyn itzlicher stengel bringt dreiszig ... körner J. Agricola
sprichw. (1543) a 7
a; denn mit allen stengeln steht voll und lang das korn gereifet Fr. Rückert
werke (1867) 2, 257; die gräser erheben ihre stengel, und die blumen öffnen ihre kelche
F. Th. v. Schubert
verm. schr. (1823) 3, 24;
specialisiert: stengel
pl., '
die vom baste befreiten hanfstengel' Martin-Lienhart 2, 606
a. 1@a@gγ)
als junger pflanzenschosz, der noch grasähnlich aussieht: des lentzen kraut ist mürb und kranck, doch darnach über kurtz unlanck das kraut an kleyne stengel springet, und hoch über die erden dringet Wickram 8, 232
lit. ver.; was aber in zunehmenden monden geseet wird, das wächst über sich ins kraut oder stengel J. Prätorius
blockesberges verr. (1668) 557. da sät man blaue bohnen, die nimmer stengel treiben v. Erlach
volksl. d. Deutschen 2, 482; wo die türkische bohn über nacht einen so langen stengel schieszt Bettine
d. buch gehört d. könig (1843) 1, 131; so wird es, wenn der frost verflossen, in schöne grüne stengel schossen Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 142; schon kommt die saat herfür mit grünen stengeln Tieck
schr. (1828) 2, 161; Deutschland, armes Deutschland, die kunst trieb kranke stengel aus deinem boden, höchstens matte blüthen Lenz
ged. 164
Weinhold. 1@a@dδ) stengel
für den strunk des kohls: stengel von dem kole
maguder (1515) Diefenbach 343
c; stingel, stenghel, strunc
maguder, tirsus nov. gl. 243
b; so schneidet man sollichen (
kohl) von dem stengel ab H. Guarinonius
grewel (1610) 566; strunk wird bei dem kohlkraut ... der stengel genannt, der aus der wurtzel hervorgetrieben Zincke
öcon. lex. (1744) 2846; der kohl wurde auf dem stengel von den würmern gefressen P. Rosegger
schr. (1895) 1, 88. 1@bb) stengel
als stiel der früchte, blüten und blätter an bäumen und sträuchern, vgl. dazu: loup unde bluot, gras unde krût ir stengel dâ begunden wegen K. v. Würzburg
Trojanerkrieg 10545
Keller; stengel der frucht
stipula Diefenbach 553
b; daz er (
der baum) der äpfel mêr den hundert trag an ainem stengel K. v. Megenberg
buch d. natur 313
Pfeiffer; den hellroth schwellenden apfel, eben am stengel gereift Geibel
werke (1888) 5, 161; aber wischen sie, Karl, den blauen duft von den pflaumen, fühlen sie solche heraus, die vom steine los, und am stengel runzelich sind J. H. Voss
s. ged. (1802) 1, 123; zween kirschen an einem stengel Alexis
Roland (1840) 1, 42; mit groszen herren ist nicht gut kirschen essen, sie werfen einem die stengel ins gesicht, ich traue diesen herren nicht Meisl
theatr. quodlibet (1820) 1, 185; in dem dunkeln laube glänzte und funkelte es so hell hervor, dasz man deutlich sehen konnte, wie goldene und silberne früchte an buntgefärbten stengeln herabhingen E. Th. A. Hoffmann
s. w. 6, 237
Grisebach; ein süszes beerenpaar auf einem stengel anreifend — so zwei körper; nur ein herz! Herder 25, 112
Suphan; hierinn sind allein die blättlein zu brauchen, die äderlin unnd stengel derselbigen weg zuwerffen Wirsung
artzneybuch (1588) 17
b; kurz darauf aber knickte sie doch ein grün blättlein vom stengel v. Gaudy
s. w. 4, 142;
als stiel der weintraube: da liesz er aus dem tisch eine rebe wachsen mit zeitigen trauben ..., hiesz jeglichen (
gast) die seine mit der hand ... halten und mit der andern das messer an den stengel setzen, als wenn er sie abschneiden wollte br. Grimm
deutsche sagen (1891) 1, 175;
anders für die rebe selbst: und von des thränenträchtigen weinstocks stengel entpflückte sie die beerenreiche traube Rückert
werke (1867) 1, 352. 1@cc)
als architektonischer terminus: 'stengel,
caulicole, ist an den römischen und korinthischen capitälen ein stiel mit einer blume, welcher an jedem capitäl achtmal, zwischen der zweyten reihe blätter zu sehen ist' J. v. Eggers (1757) 2, 997; der theuerste freund war das dreifache blätterwerk, die sechzehn schnörkel und acht stengel des kapitäls Jean Paul
werke 6, 24
Hempel. 1@dd)
besondere gebrauchsweisen und redensartliche wendungen. 1@d@aα) mit butz und stengel (
vgl. b)
wie sonst mit butz und stiel,
s. Fischer
schwäb. 5, 1767
und butz
3 (
teil 2, 590)
und stiel,
im sinne '
vollständig, radical': ist das ... lutherthumb, mit butzen und stengel, mit grund unnd boden beschriben J. Nas
antipap. (1567) 5, 28
c; ja, sagte monsieur Ludwig, so wars auch mit meinem seckel beschaffen, hätten die bauren nicht das beste gethan, er und ich wären mit putzen und stengel verdorben Zendorius a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 606; er ... ist mit dem ganzen regimente zusammengehauen worden mit butzen und stengel H. Schmid
gesch. aus Bayern (1861) 374;
ähnliche zwillingsformeln: diejenigen, welche ... das heimweh mit stengel und wurzeln aus der brust reiszen ..., hören auf Schlesier zu sein v. Holtei
erz. schr. 23, 63; ihm das stück mit kraut und stengel, wie man in meinem Schwaben sagt, zu verkaufen
F. Wehl
zeit u. menschen (1889) 1, 103. 1@d@bβ)
jung ist die redensart vom stengel fallen,
vgl. Seiler sprichwortkde (1922) 285,
mit der bedeutung '
vor erstaunen oder schreck von etwas herunter- oder umfallen',
vgl.aus den wolken, vom stuhl fallen
und ähnl. wendungen; vielleicht von stengel
als dem tragenden teil der pflanze (
vgl. a α sp. 2354)
hergeleitet: ich falle vom stengel vor müdigkeit Müller-Fraureuth 2, 560;
anders angeknüpft: Frankfurter revolution, wo alle deutschen fürsten wie mit schwefel angeräucherte fasanen aus schreck vom stengel fielen fürst Pückler
briefw. u. tageb. (1873) 4, 49;
meist ohne sachbeziehung: gnädigster herr, ich falle vom stengel über ihren aberglauben
tutti frutti (1834) 4, 191;
mundartlich sehr beliebt, vgl. er fiel von stengel
d. i. er war sehr erstaunt, fall nich von stengel
d. i. bleibe gefaszt H. Meyer
d. richt. Berliner (1925) 172; Müller-Fraureuth 2, 560; Frischbier
preusz. wb. 2, 368
b; Sallmann
Estland (1880) 72. 1@d@gγ)
an die wertlosigkeit des stengels (
vgl. a α sp. 2354)
knüpfen an: dâ von, geselle, dûhte mich diu rede gar unmügelich die mit mir treip der engel. niht einer bluomen stengel, der bî mir stuont vil manic soum, wolte ich ahten ûf den troum Konrad v. Würzburg
Engelhart 6028
Haupt-Joseph; hat aber weder stengel (
vgl. b) noch frucht davon zu sehen bekommen J. D. Ernst
denkwürdigkeiten (1700) 208;
für das gewöhnliche über die stränge schlagen
vereinzelt auch über die stengel schlagen: umb dasz er sich in dieser materi gar zu sehr ereiffert und über die stengel geschlagen
F. Eustach. Eisenhuet
luther. bürghahn 118
in: Alemannia 11, 196;
anders, von der vorstellung des blumenpflückens aus deutbar: nu mal n bten kort vun stengel
biszchen schnell Mensing 4, 833;
als '
stoppel'
in singulären alliterationsformeln: dor blew nich stümmel orer stengel von na (
Mecklenburg)
nd. korrespondenzbl. 14, 20; er jagt sie ... ... über stock und stengel Pfeffel
poet. vers. (1812) 2, 21,
vgl. auch altes bei stingel und stengel
unter stingel. 22) stengel
bedeutet seit älterer sprache, bis in das jüngere nhd. hinein nachwirkend, auch die aus einem stengel bestehende oder staudenartige pflanze als ganze, wenn der stengel
ihr hervortretendes merkmal ist: er (
der bauersmann) wais, das die bone und erbeis vor auch ein stengel und schote gewesen ist, darumb stecket ers in die erde, auff das widerumb ein stengel, der schoten trage, daraus werde Luther 34, 2, 121
W.; mache ... ein nest von den zweigen ... des wolryechenden stengels casie H. v. Eppendorff
Plin. (1543) 10, 138; baumwollen ... ist ein geringer stengel mit 3 oder 4 knöpfflin Abraham a
s. Clara
etwas f. alle (1699) 2, 98; dann wurde sie (
die puppe) hoch in die stengel der distel gesetzt G. Keller
ges. w. 4, 79;
etwas anders die staude im gegensatz zur blüte: bleibt also nichts da der blosz stengel (
der rose) Paracelsus
opera (1616) 2, 588
Huser; und an gräbern pflanzst du stengel vom bethränten roszmarin Schubart
s. ged. (1825) 2, 95;
in mittelalterlicher metaphorik häufig im schlichten sinne '
gewächs': der sâldenrîche stengel (
Aristoteles) entsprôz in Macedonia
Aristoteles 140
nach Lexer
mhd. wb. nachtr. 3, 370; ein gespil und ein swester ist sie (
die keuschheit) der gotis engel der bluogende tugenden stengel die vor gote bluogent Hugo v. Langenstein
Martina 134, 52
K.; in gotes hag bist du (
Maria) der gnaden stengel
liederb. d. Hätzlerin 129, 32
Haltaus; specifischer und mit α γ verrinnend als '
schöszling, sprosz': wibes lip und wibes schar er durch die schar der engel! ir zuckerszzer stengel sin bluot gerert in hymel hat Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 13940
Regel; auch terminologisch als pflanzenname verwendet, vgl. schon die glosse stengil
betas (
in: '
apud se autem tantum modicas betas elixas cum sale manducabat'
vitae patr. 5, 572
b) Steinmeyer-Sievers
ahd. gl. 2, 732, 55
für den '
mangold',
s. auch stengelmangold;
in diesem sinne für eine gartennutzpflanze vermutlich auch: der esel sprach: dâ für sô lob ich stengel mê, wann ich mit secken durch des müllers garten gê Heinr. v. Mügeln
fabeln 13, 4
Müller; jünger als name anderer pflanzen: 'bärenklau,
heracleum sphondylium heiszt stengel'
jahresh. d. ver. f. vaterl. naturkde (1890) 296, Pritzel-Jessen
volksnamen d. pflanzen 181, Fischer
schwäb. 5, 1637; stinker, wilde stengel, hundspetersilie
aethusa gynapium jahresh. d. ver. f. vaterl. naturkde (1890) 300, Fischer
ebda; wiesenkerbel, stengel
anthriscus silvestris Fischer
ebda. 33)
von 1
her auf andere objecte übertragen; nahe am bildlichen bleibt stengel
als stiel eines glases, s. auch stengelglas: Reiske stürzte ein volles glas hinab und setzte es dann so heftig auf den tisch dasz der stengel brach Holtei
erz. schr. 16, 173; aus dem kreisrunden ... untersatze ... erhebt sich ein weicher stengel, der den runden ... becher trägt A. Stifter
s. w. (1901) 14, 315;
als übersetzung von calamus
für jeden der sechs arme am leuchter: mach ouch einen gehemerten leuchter von reinem golde, seinen schaft und seine stengeköpfe und ringel und lilgen von im ausgeende. 6 stengil sollen von im ousgeen von den seiten, 3 stengil ous einer seiten und 3 von der andern
Wenzelbibel exod. 25, 31
bei Jelinek
mhd. wb. 682;
anders, aber deutlich im bilde, für den laternenpfahl: man steigt einen sehr bequemen weg zur burg hinauf, an dem schon die laternen mit den dazu gehörigen 'stengeln' gothisch sind Hensel
fam. Mendelssohn 2, 91. 44)
der alten bedeutung '
aus einem pflanzenschosz gemachter stab' (
s. 1
kopf)
steht eine im ganzen nicht gerade ausgebreitete anwendung nahe, bei der wie in den nord. zeugnissen die hauptbedeutung des grundworts stange
den vorstellungsinhalt bestimmt: '
kleine stange'
; doch kreuzen hier auch andere ableitungen wie stenge
und stängel
hinein, die bedeutungsmäszig parallel gehen; nicht sicher hierher, vielleicht im sinne '
stäbchen': swer ez sach, den duhte daz er wær ain engel. von golde manic stengel übergie der tock model Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Österr. 8458
Regel; mit abweichender pluralbildung, wohl in vermischung mit stange: und disz veld liesz der könig machen in seer kurtzen tagen mit graben dreiszig eln brait und dreiszig tieff und den sand alsz in die stat fieren hinder die blancken und liesz lange und schmale stengelen auff die gruben legen und sie mit rasen belegen, damit man ag (
auch) blosz veldt wie vor sehe S. Grunau
preusz. chron. 1, 495;
bergbautechnisch: wir und unser nachkommen sullen ... unsern gnedigen herrn von Salzburg ... ausz unsern wäldern vergünnen stengl, geristholz, putenholz, rünnen und rörn (1449) Lori
baier. bergrecht (1764) 35,
vgl. dazu stangenholz 10, 2, 814; das auch das perkholz nit überflüszigklich, sonder ... in rechter grösz und leng ordentlich gemacht, und ... ainem jeden nach gelegenhait seiner pew, an pfäln, stempeln, stengeln, und andern, eingeben werde (1532) Lori 222,
vgl.stange im bergbau 2 q (
teil 10, 2,
sp. 801);
in sonstiger halb technischer verwendung, als arm der waage: der arm oder stengel der wag soll gemacht werden von kupfer Paracelsus
chir. bücher u. schr. (1618) 739
c;
als '
holzstiel': dieses (
säcklein) wird an einem stengel fest angemacht, damit kan man, so weit man langen kan, alles obst leicht bekommen und einbringen Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 442,
zur verwendung beim obstbrechen vgl. auch noch stange 2
b β (
teil 10, 2,
sp. 795);
im 17.
jh. gebräuchlich in der bedeutung von stenge '
oberer, aufgesetzter mastteil': bald sturmen und traffaten geschahen, dasz wir die segel musten innemen, und wegen groszen schlingerens der schiff die stengel nieder schieszen Aldenburgk
westind. reise (1627) c 4
a; den 16. dto gieng alles vom land zu schiff, und wurde wider angefangen stengel und rahe aufzuwinden und die wände vest angesetzet Saar
ostind. kriegsdienst (1662) 164;
als fem. in vermischung mit stenge: weiln wir allzeit die letzten im segeln und in der flotte waren, und die andern schiffe stets mit halben segeln auf der stengel unser warten musten v.
d. Behr
diarium (1668) 141;
in der soldatensprache ist der stengel
die fahnenstange oder fahne (
vgl.stange 2
h teil 10, 2, 797): stengel (begeisterungsstengel)
fahne Horn
soldatenspr. (1899) 71,
surnom du drapeau René Delcourt (1917) 163
b. 55)
in anwendung auf andere, meist kleinere stangenförmige gegenstände ist oft die herleitung aus 1
oder 3
nicht mehr deutlich; mehr zu stengel 3
gehören: wann ein kindbetherin das rotlauffen hat. nim ein pfötlin von einem maulwerffen, und ein stengel süszholtz: hencks ir an den hals O. Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 69; das du am sues holz hast kain mengl, sehin und hab dir des ein stengel mit dieser meiner pritschen glat Hans Sachs 22, 487
Götze. stengel
weiszbrot von länglicher form Fischer
schwäb. 5, 1637,
vgl.brotstange teil 2, 406, stange 1
h, stangenkuchen
teil 10, 2, 815;
vier aneinander gebackene semmeln Reiser
sagen des Allgäus 2, 738;
vgl. auch stengelchen 3. (
ein bündel) das ein schnupftuch, eine haarbürste, einen kamm, ein büchschen pommade und einen stengel bartwichse enthielt G. Keller
ges. w. 5, 28,
s.stangenpomade teil 10, 2, 817;
vereinzelt: ein ungeheurer zapfen eis, wo überall gleich bergkrystallen die blanken stengel abwärts fallen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1879) 2, 65;
mit stengel 1
spielend scherzhaft für zigarre (
vgl. das häufigere glimmstengel): nachdem er ihn gebeten, posto zu fassen und den stengel in den schnabel zu pflanzen, war seine erste frage J. G. Müller
herren v. Waldheim (1788) 3, 6; als wir unsere cigarren ansteckten, hörte ich, dasz man in Malta jährlich über 50 millionen dergleichen wohlthätige stengel fabricirt H. v. Pückler-Muskau
südöstl. bildersaal (1840) 1, 357; den dampfenden stengel (
einer zigarre) Th. Mügge
neues leben (1856) 1, 78; ich bot meinem freunde eine cigarre an, die er immer verschmähte, und zündete mir dann selbst einen stengel dieses edlen krautes an Storm
werke (1899) 2, 69; die schöne zigarrentasche war mit guten stengeln angefüllt, welche er aus dem mazepparöhrchen mit verstand rauchte G. Keller
ges. w. (1889) 5, 80; ein stiller, sanfter abend hüllt mich ein, ich rauche meinen stengel eminentes D. v. Liliencron
werke 1, 198
Dehmel; stengel
penis, s. stange 4
d: stengel
caulis, das männlich glied J. J. Dentzler
clavis (1716) 125
b, Schmeller-Fr. 2, 771,
s. auch stingel: mit rothem mund thutt er mich kussen. gar palt thu ich hin wider hussenn und gib im ains an sein wengel. darvon würdt sich regen sein stengel, daz er mich unden an würdt greiffen
erz. aus altdtsch. hss. 182, 19
Keller; mundartlich übertragene anwendung: 'stengel
ein langer schmächtiger mensch' Reinwald
henneberg. 2, 121 (
s.stange 4
f);
ein schnell und schlank aufgewachsener knabe L. Westenrieder
gloss. germ. lat. (1816) 563;
als scheltwort: gnaustrige, gîzige, alle stengel
alter kerl Woeste
westf. 254
a. 66)
zusammensetzungen mit stengel
als erstem compositionsglied treten mhd. vereinzelt seit dem 14.
jh. auf, s. stengelbaum,
zahlreicher erst im nhd. besonders in botanischer fachsprache; composita mit stengel 1
sind nicht vor dem 15.
jh. zu belegen, s. stengelkraut,
und werden in der hauptmasse durch substantivbildungen vertreten, die folgenden bildungstypen zugehören: 6@aa) stengel-
ist blosze bestimmung des gegenstandes, dem das beziehungswort zugehört; die composition ersetzt die genitivische abhängigkeit: stengelbasis, -bau, -behaarung, -bestandteil, -bildung, -brand, -ende, -gebilde, -gelenk, -keim, -knoten, -krankheit, -lage, -mark, -rest, -röhre. -spitze, -sprosse, -stück, -teil, -trieb, -wachstum,
sämtlich aus dem 19.
jh. 6@bb)
bei pflanzennamen gibt stengel-
im sinne '
einen stengel habend'
das hervorstechende merkmal der pflanzengestalt an: stengelaloe, -beere, -blume, -farn, -flachs, -gras, -klee, -kohl, -kraut, -lilie, -mangold, -palme,
auszer stengelkraut (15.
jh.)
junge bildungen. 6@cc) stengel-
erläutert das zweite wortglied im sinne '
aus stengeln
bestehend',
zufrühest in stengelwerk (17.
jh.): stengelfilz, -geschnörkel, -gewirre, -kranz, -polster, -tabak, -werk. 6@dd) stengel-
gilt als lokalangabe im sinne '
in bzw. an dem stengel
befindlich': stengelälchen, -blatt, -dorn, -loch, -raupe, -rüsselkäfer, -zweig,
von denen stengelblatt
dem 17.
jh. angehört, die übrigen jung sind. 6@ee) stengel-
deutet auf die äuszere form des dinges im sinne '
wie ein stengel
aussehend'
in einzelnen und jungen compositionen: stengelgewächs, -gneis, -pflanze, -sellerie, -stich.
zu stengel 4
sind die bildungen wenig zahlreich, zufrühest stengelbaum (14.
jh.),
jung sind: stengelhaken, -scheiszer, -stange;
bei stengelbirne, -bohne, -erbse, -schote
kann auch rückbildung aus dem vb. stängeln 1,
2stengeln
vorliegen. adjectivbildungen, echte adjectiva und participialadjectiva, bleiben vereinzelt und sind durchweg künstliche schöpfungen der botanischen terminologie; älteste bildung ist stengelweise (17.
jh.): stengelartig, -förmig, -los, -sprossend, -ständig, -treibend, -umfassend, -weise, -zart.