stange,
f. pertica, contus, vectis. gemeingerm. wort, got. unbezeugt; altn. stong,
f. (
gen. stangar,
plur. stangir
und stengr). Cleasby-Vigfusson 603
a,
norw. stong, staang (
plur. stenger) Aasen 755
b,
schwed. stng,
m. (
plur. stänger),
dän. stang (
plur. stænger);
mittelengl. stange,
neuengl. stang,
vermutlich nord. lehnwort, s. Skeat 591 (
ags. steng,
m., Bosworth-Toller 916
a,
zeigt abweichende stammbildung);
alts. stanga (
cum fustibus stangen Wadstein 52
b, 18. 21),
mnd. stange (
nur 1
beleg) Schiller-Lübben 4, 362
b,
mnl. stanghe,
holl. stang,
vgl. Franck 956;
ahd. stanga
clatrus, clava, contus, falanga, fustis, stipes, thyrsus, vectis. Graff 6, 692
f. (
vereinzelt in namen: Stangulf, Stangbah,
s. Förstemann
altd. namenb.2 1, 1360. 2, 1379),
mhd. stange Lexer
handwb. 2, 1137;
clava ... stanga
vel cholb. Dief.
gloss. 126
a (
gloss. Sal.);
contus stango.
nov. gl. 112
a (
Heinrici summ.);
falanga stange
vel speer,
hd. stang.
gloss. 223
a, stake, stanghe, pranghe ... stanga.
nov. gl. 165
b;
phalanx ... stang.
gloss. 223
b;
fustis ... stange
vel kule, ... stang
vel schit. 254
b;
thyrsus 585
c;
vectis ... ein stang. 608
b. —
eine nominalbildung zu dem gemeingerm. (
got. altnord. engl.)
verb stingan,
s. Wachter 1585. Steinbach 2, 682. J. Grimm
gramm. 2, 37.
kl. schr. 3, 132. Fick
3 3, 344. Weigand 2, 796. Kluge
6 375
b. ten Doornkaat Koolman 3, 300.
aus dem deutschen stammt roman. (
ital. rhätoroman.) stanga,
franz. stangue
und étangues,
s. Diez
4 307. (
aus dem ital. wiederum das neugriech. '
στάγκα,
ἡ (
στάγγα,
τρέτα [
l. τρέσα])
h. die stange, der stab. la pertica, la stanga. Weigel
neugr.-teutsch.-ital. wb. (
Leipzig 1796) 1091;
τρέσα,
ἡ (
στάγγα). 1202.)
verwandte bildungen sind stake
und stengel,
vgl. das. über verwandtschaft auszerhalb des german. s. Fick
4 1, 569. Prellwitz
griech. etymol. wb.2 430 (
unter στάχυς). — stange
ist ein starkes fem.; doch begegnet schon ahd. mehrfach schwache flexion: sume ouh thie ginôʒadruagun stangûn grôʒa. Otfrid 4, 16, 21 (
nach Matth. 26, 47).
weitere belege für stangun
contos, stangen
vectes bei Graff
a. a. o. im nhd. sind schwache formen im sing. nicht nur im 16.
jahrh. sehr gewöhnlich, sondern sie kommen auch noch im 17. (
bei Garzoni 1641, Zincgref - Weidner 1653),
ja vereinzelt sogar im 18.
jahrh. vor (Hagedorn 2, 138,
im reim auf schlangen,
s. unten 2,
d, γ).
vgl.: ein stang oder stangen,
pertica, contus, longurius, vaccerra. Maaler 384
c. —
in lebenden mundarten allgemein verbreitet ohne bemerkenswerte abweichungen: schweiz. štange Hunziker 250.
[] Seiler 277
b,
els. 'stàng(ə) Martin-Lienhart 2, 605
a,
schwäb. Schmid 507;
bair.-österr. stangə~ Schm.
2 2, 770, stngen Hügel 155
a,
tirol. stàng(en) Schöpf 699, stangge Hintner 231,
kärnt. stànge(n) Lexer 239,
steir. Unger-Khull 569
b,
lusern. štang Bacher 393, stanga
cimbr. wb. 235
b;
fränk. štang
in Handschuhsheim Lenz 67
b,
würzb. stanga Sartorius 183,
henneb. Spiess 240,
köln. stang Hönig
2 173
b,
luxemb. stâng Gangler 429,
rhein. stang Kehrein 1, 387,
hess. Vilmar 395, schdang Crecelius 804;
thür. šdangen Hertel
sprachsch. 236. Kleemann 22
a,
leipz. Albrecht 216
a,
berl. schtange Brendicke 177
b;
nd. stange
brem. wb. 4, 1000. Dähnert 457
b, stang Schütz 4, 187. ten Doornkaat Koolman 3, 300
a, štang(e) Bauer-Collitz 98
b.
bedeutung: stang,
hasta, hastula dim. hastile ... contus, sudes, fustis, longurius, sparus, sparum. Dasypodius; baum, stang, langer steck, scheit,
pertica, oblongus baculus. Henisch 215, 44; stange,
f. pieu, perche. Hulsius (1616) 306
b; stang, langer steck,
pertica, stanga, palo. (1618) 237
b;
pertica, eine stange oder langer pfaal. Corvinus
fons latin. 483
a; stange,
f. ... stanga, pertica, barra. Kramer
dict. 2, 907
a;
vgl.: stanghe,
stipes, pertica, vallus, sudes, vectis, fustis, longurius, sparus, sparum, contus, hastile, phalanga, vulgo stanga. Kilian 2, 630
a. 11)
form und material. 1@aa) stange
bezeichnet stets einen körper von beträchtlicher länge und verhältnismäszig geringer dicke, gewöhnlich auch mit dem begriff des glatten und geraden, vgl.: '
im eigentlichsten verstande, ein jeder in die länge ausgedehnter körper ohne beträchtliche breite und dicke'. Adelung (1); 'stange,
ein jeder hölzerner oder metallener körper von beträchtlicher doch unbestimmter länge, ein langer glatter, entweder runder oder auch eckiger, ohne sonderliche breite oder dicke beschaffener körper, der gröszer und dicker als ein stock oder stecken, aber doch kleiner als ein baum ist.' Jacobsson 4, 254
b (
ähnlich Adelung 2
als '
im engsten und gewöhnlichsten verstande').
das häufigste attribut ist daher: lange stange,
pertica. Stieler 2133;
pertica lunga, perticone, canna. Kramer
dict. 2, 907
a.
zur grösze vgl.: luoge, wie einer nalden spitz si gegen einer stange. H. Seuse 442, 22
Bihlmeyer. vgl. stangenlang, -haft,
sowie stangengerade. 1@bb)
zu mannigfachem gebrauche, insbesondere zum stechen (
als waffe)
und zum einstecken in die erde, wird die stange
an einem ende zugespitzt: ir stangen vorne sharf.
Ludw. kreuzf. 5667.
andre bearbeitung: erblickte ich das gewölbe angefüllt mit einer anzahl hölzerner stäbe und stangen, ganz neu, rund und glatt gehobelt, von allen gröszen lastweise an den wänden stehend. Keller 3, 76; der alte legte eine der grundierten stangen in die schieszscharte. 77. 1@cc)
die stange
ist meistens von holz: 'n holten stange. ten Doornkaat Koolman 3, 300
a; wann dann nun solch gehakt holz ... wol erwaxen werdet, als dasz man dasselb zu wöhren, stangen und dergleichen nit alles verbrauchet.
tirol. weisth. 1, 83, 27.
im einzelnen, z. b.: eychen stang. Dasypodius,
vgl. unten. stange
ist ein auf bestimmte weise zubereitetes holzstück, entweder ein dünner stamm, der abgeschnitten und entästet, event. geschält, poliert ist, vgl.: der fünfft steck oder stab den der tüfel einem bilger darstellet an stat einer christenlichen hoffnung, ist ein schwinspysz eyner gebickten stangen. also thuont die buren den wilden böumlin dye noch iung sindt, dye bicken sie mit einem scharpffen stein, und lont es dor inn wachsen eyn iar, und wenn man sie abhouwet, so schelt man dye rynd dar ab, und das heyssen denn gebickten stangen, und machen oben ysen dar an, denn ist es ein schwinspisz, aber wenn das ysen nit dar an wer, so wer es ein rechter bilger stab. Keisersberg
bilg. 39
b,
oder aus einem dickeren stamm heraus gesägt. vgl. stangenholz (2), -schlagholz, -spaltholz
und stangengemäsz. —
zuweilen mit eisen beschlagen oder mit einer eisernen spitze versehen (
als waffe, vgl. oben Keisersberg): zwêne kolben swære, ... den wâren die stange mit îsen beslagen.
Erec 5389. 1@dd) stange
bezeichnet dann auch holz, das noch nicht in dieser weise bearbeitet ist, aber ähnliche form hat, also [] junge, dünne, astlose stämme, und in obiger weise verwendet werden kann: stangen, heiszen ... junge hölzer. Heppe
wohlred. jäger 284
a.
zunächst von abgeschnittenen stämmen im holzhandel: '
auch schwache bäume, welche vier zoll im durchmesser dick und 15
bis 20
ellen lang sind, führen im holzhandel den nahmen der stangen'. Adelung (2): vor 4 stangenn ('
im dickicht erwachsne, noch dünne junge bäume, wegen des dichten standes ohne zweige').
Tenneb. amtsrechn. v. 1542
bei Dief.-Wülcker 862.
dann auch vom lebenden gewächs, als forstausdruck: werden also ... alle bäume in ihrer jugend und wachsthum sträucher ... genennet, hernachmahls wenn sie ihren stamm höher treiben, so heist es alsdenn junges holtz, stangen und dergleichen, bisz sie zu ihrer vollkommenen grösze zu einem haubaren holtze erwachsen. Fleming
t. jäger (1719) 42
b;
vgl.: jetzt nur stangen diese bäume geben einst noch frucht und schatten. Göthe 1, 113 (
hoffnung).
so ferner: sonst heissen auch stangen, die jungen glatten und wol in die höhe gegangenen stämmgen, die auf denen schlägen im lebendigen laub- oder hartem holze mit allem fleisse von denen nüzbaresten hölzern zum künftigen oberwuchs ausgesuchet werden, und 32. bis 36. an der zahl auf einem ordentlichen waldacker stehen bleiben müssen, wenn der darauf übrige unterwuchs alles abgetrieben wird. Heppe
leithund 117; 'stangen,
heiszen auf den schlägen oder hauungen die in den buschhölzern stehen gebliebenen hägereiser.' Jacobsson 4, 255
a; stange, '
der hauptstamm des weinstocks'. Nemnich. —
vgl. dazu stangenholz (1), -horst,
sowie stangenfarn, -kohle, -schusz. 1@ee)
die stange
kann ferner von metall sein, in der regel von eisen oder stahl: eine stange von eisen, stangette,
stanga di ferro, it. ferriata. Kramer
dict. 2, 907
a; in Hogarth's enraged musician fehlt noch das kleider ausklopfen und eiserne stangen abladen. Lichtenberg
aphorismen 3, 172, 212; ich ... stand unten in der dunkelheit zwischen den särgen, die neben und über mir auf den eisernen stangen ruhten. Storm 1, 198; die von eisernen stangen gestützten engel und apostel mit ihren flügeln und flatternden mänteln (
statuengruppe eines daches) erinnerten auffallend an kolossale gespieszte schmetterlinge. C.
F. Meyer
Jenatsch s. 131.
insbesondere ist die stählerne stange
die ständige waffe des riesen in sage und märchen, s. unten 2,
a, θ. 1@ff)
seltner von andern metallen: bleistange
des seiltänzers, s. 2,
b, ι; stange silberîn
Erec 190, auf gold'ner stange Keller 10, 63,
s. unten 2,
e. dafür in zusammensetzung gold-, silberstange,
so im bilde bei J. Paul 34, 138,
s. unter silberstange,
theil 10, 1, 1046;
vgl. unten 2,
e. 1@gg) stange
bezeichnet nicht nur, wie in den angeführten fällen, ein zu bestimmtem gebrauche hergestelltes gerät, sondern auch die form, in der unverarbeitetes metall hergestellt, aufbewahrt und in den handel gebracht wird: eisen als stangen geschmiedet, so zum nagel schmieden und andern arbeiten bequem,
ferrum in perticis. Frisch 2, 319
b; eisen in stangen, stangeneisen. Adelung (2); 'stangen, (
bleyarbeiter)
diesen namen giebt man dem bley, das man aus den stangenformen zieht.' Jacobsson 7, 427
a;
besonders von ungeprägtem gold und silber, neben barren: gold, silber in stangen. Adelung (2).
in diesem falle sagt man gewöhnlich eine stange eisen, gold
u. s. w.: ein klein dorf .., darinnen alle handlungen gethan werden, so meist an elffenbein geschehen, die sie (
die neger am capo verde) vor stangen eisen, brandtwein ... verhandeln. v.
d. Gröben
Guineische reise-beschr. (1694) 14; denselbigen tag ... kam ein näger mit 2. seiner weiber ... an bort, selbige vor 20. stangen eisen zu verkauffen. 51,
nd. 'n stang îsen. ten Doornkaat Koolman 3, 300
a,
und bildet dazu stangeneisen, -blei, -gold, -silber, -stahl, -zinn
u. s. w., s. unten; dagegen als gerät eine eiserne stange
oder stange von eisen; eine eisenstange
in beiden bedeutungen. 1@hh)
besonders in dem unter g behandelten sinne dann auch von andern stoffen: eine stange siegellack. Campe: dasz es mir gelungen ist, ihm ein päcklein papier, ein bündlein federn und 4 stangen siegellack abzuluchsen. Bürger
briefe 3, 46; '
panis quoque similagineus in longitudinem extentus dicitur eine brotstange.' Stieler 2133,
[] vgl. theil 2, 406; stange '
aus zucker geformt, aus taback gesponnen, aus teig gebacken u. s. w.' Heyne 3, 751; eine stange lackritzen, malz
u. a. vgl. stangenk(a)naster, -lack, -phosphor, -pomade, -schwefel, -siegellack, -stärke, -taback, -zucker.
so auch von mineralien, s. stangenquarz, -salpeter, -schörl, -spat, -stein. 22)
verwendung. 2@aa)
in der ältern sprache oft als waffe (
vgl. stangengewehr). 2@a@aα) die mohten hie Gamuret niht alle gelangen und sin werde gesellen, ob sie halt stritten raste lanc mit stangen.
jüng. Tit. 3501.
neben andern waffen genannt: so wil ich diesen drachen umbbringen, on einig schwert oder stangen.
v. drachen zu Babel 25; wollen sie kommen gegangen mit spiessen und mit stangen, und wollen mich mit dem schwerdt angreiffen. Schuppius 271 (
vgl. unten η); der unvernünftige, mit spieszen und stangen bewaffnete haufen gab auf diese worte nichts. Kleist 3, 275
E. Schmidt; vornemlich bey der feinde schar, da ich alzeit hatt todts gefahr von pfeylen, schwertern, spiesz, und stangen.
froschmeus. E 2
a;
s. unten δ und η.
so sprichwörtlich stange und spiesz fahren lassen,
etwas verloren geben. Wander 4, 776, 19,
vgl. 12. — 2@a@bβ)
die stange
dient in der regel zum schlagen: er (
Apollonius) kerte zu dem möre (
mohren) und slug im ains an das ore, ainen slag mit der stangen. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 19500
Singer; auch zum stoszen oder stechen (?): wie des Ovidij Cigno und Ceneo, die wundsegen hatten, aber kein wurff noch stoszsegen, für bäum, stangen, unnd stoszdegen.
Garg. 400
neudr.; herr Peter sein waschstangen nam und gab ihm in die ripp ein stich.
Peter Lew 690 (Bobertag
narrenb. s. 112); als nun Neidelharts ritter sach, das Teurdank am meistn holz zubrach, bevalh er seim harnaschmeister, das er im solte bringen her ein stangen dick und darzu grosz, damit wolt er dem held ein stosz geben.
Teuerdank 103, 23
Gödeke. 2@a@gγ)
die stange
ist häufig augenblicks-, verlegenheits-, notwaffe, zu der man greift, wenn nichts anderes zur hand ist. vgl. die unter β angezogene stelle aus Apollon., wo für stange
in v. 19 478 tür rigel
steht. daher auch im notfall die waffe des sonst waffenlosen, der bürger und bauern: da dis die bürger sahen, namen etliche steine, etliche starcke stangen, etliche worffen sie mit asschen unter die augen. 2
Macc. 4, 41; woher man dann den grimm und grausamkeit leicht abzunehmen hat, mit welchem solche stangen und prügeln alles, was sie antreffen, metzgen und zu trümmern schlagen können, wo sie in des ergrimmten und erbrembsten bauervolcks hände gerathen.
juncker Harnisch 178; andere holten ihre waffen von dem holzwerk des gerüstes. ihrem beispiel folgte die menge, auch bedächtige bürger wurden fortgerissen und griffen nach steinen und stangen. Freytag 11, 149 (
ahnen 4, 190). 2@a@dδ)
so gern verbunden stab und (oder) stange: swen man sach in der gestalt, daʒ er mohte gelangen stap oder stangen, die kômen her snelle. Ottokar
reimchron. 96321; leicht her stangen und stab! pesser ist kempfen, dann hals ab.
fastn. sp. 509, 8.
besonders in der verbindung was stab und stange tragen mag, kann,
s. J. Grimm
rechtsalterth.4 1, 410. 52. 572. Scherz-Oberlin 1556
und stab II, 6,
e, sp. 341;
weitere belege: was stab und stangen tragen kan,
quicunque arma ferre potest. Frisch 2, 319
b; dieweil sie wol wissen, dass alles, was stang und stab tragen kan und mag, wider sie zulaufft. Fronsperger
kriegsb. 3, 143
a.
ähnlich auch: kan es doch kein weltlicher fürst leiden, das jm ein anderer herr in seine oberkeit greiffen wolte, und ob es sich begebe, das solches geschehe, so manet er auff alle ritterschafft und landschafft, ja alles was spies und stangen tragen mag darmit er sein jurisdiction und gerechtigkeit erhalte. Gretter
erkl. der ep. Pauli an d. Römer (1566) 767.
[] dieselbe wendung in übertragenem sinne, sehr frei und ungewöhnlich: so stoszt in (
den '
verdorbenen'
schüler) dann der rüwen an, das er latynsche sprach nit kan; doch suocht er usz dem schuoler sack, was spiesz und stangen tragen mag, zuo seltzamkeit laszt fallen im ein wort und ein latynsche stym; wa das ein latynscher hört, so meint er, das er sy gelert. Murner
narrenbeschw. 61, 27. 2@a@eε)
doch wird die stange
auch unter den '
ritterlichen wehren'
genannt: erzeygt sich inn allen ritterlichen wehren, wie sie vor augen lagen, im schwerd, messer, spiesz, stangen, stänglin, tolchen, hallenbart, rapier.
Garg. s. 297
neudr. waffe zum fechten: pindt dir ainer an mit der stangen und wil dich mit dem ort in das angesicht stossen, alz da an dem ersten stuck gemalt stat, so trit fur mit dinem lincken fusz und schlag ym sin stangen mit dinem hintern ort hinweg. Falckner
turnierbüchl. 221
bei Scherz-Oberlin 1556; von inhalt desz fechtens in der stangen und helleparten. kurtze beschreibung von der stangen anbinden, ... welche hat vier anbinde, und geschicht das erste anbinden am vordern oder eussern theil der stangen. das ander vor der handt, die er in der stangen vorführet. das dritte in der mitte der stangen. das vierdte wirdt durch das einlauffen mit dem hindern ort zu wegen gebracht
u. s. w. Jac. Sutorius
new künstl. fechtbuch 1612, 91 (
die nachstehenden abbildungen zeigen lange, gerade hölzerne stangen, mit denen gestoszen oder gestochen wird).
vgl. auch: fechter-stange,
stanga ò hasta da gladiatore da giuoco, senza ferro. Kramer
dict. 2, 907
a,
rudis Steinbach 2, 682,
und unten stängel
sowie stangenbrechen, -fechter, -reiten, -reiter (1). 2@a@zζ) stange
bezeichnet ferner den hölzernen schaft der lanze, des spieszes: die stange an einem spiesz, hellebarte,
hasta, hastile della picca, allebarda. eine stange an einen spiesz machen
ò stangen. Kramer
dict. 2, 907
a; 'die stange an einem spiesze,
welche doch lieber der schaft
genannt wird'. Adelung (2),
vgl.: stange im krieg zum fechten und verwunden,
hasta, pertica cuspidata, ferrata, lancea, hastile, die stange woran der spiesz ist. Frisch 2, 319
b;
s. auch die zusammensetzungen gerstange
th. 4, 1, 3734, speerstange,
theil 10, 2064, spieszstange 2475,
hastile Steinbach 2, 683.
so mhd.: Hagen vor sînen füeʒeneinen gêr ligen vant: er schôʒ ûf Îringen,den helt von Tenelant, daʒ im von houbtediu stange ragte dan.
Nib. 2001, 3; sie trugen engestliche wer, hellenbarten an stilen langen beslagen, daz selbe ir stangen vorne sharf, dannoch dar in en vir enden lange nagile sin.
Ludw. kreuzf. 5667.
nhd.: da schlug Elhanan ... Goliath den Gethiter, welcher hatte einen spies, des stange war wie ein weberbawm. 2
Sam. 21, 19.
in neuerer zeit zuweilen geradezu mit lanze
gleichgesetzt: die lanz' an seine seite fest gedrückt, rennt er dahin; und beide ritter stossen so kräftig auf einander, ross und mann, dass sie die stange vor der faust zersprengen. Wieland 18, 21 (
Geron 163); doch Hüon ... reisst in eile der männer einem rasch die stange aus der hand. 22, 226 (
Oberon 5, 65;
in 63
f. ist von lanzen
die rede).
von dem schaft eines schweinspieszes Keisersberg
bilg. 39
b,
s. oben 1,
c, vgl. theil 9, 2453. 2@a@hη)
die häscher bei der gefangennahme Jesu haben schwerter und stangen: sihe, da kam Judas ... und mit jm eine grosse schar, mit schwerten und mit stangen (
μετὰ μαχαιρῶν καὶ ξύλων,
lat. cum gladiis et fustibus), von den hohenpriestern und eltesten des volcks.
Matth. 26, 47; zu der stunde sprach Jhesus zu der scharen, jr seid ausgangen, als zu einem mörder, mit schwerten und mit stangen, mich zu fahen. 55,
vgl. Marc. 14, 43. 48.
Luc. 22, 52; samasô zi thiobe giengut ir mit suerton inti mit stangôn mih zi fâhanne.
Tat. 185, 7,
vgl. 183, 1; mit kulen, fackeln und stangen sie hon en angegriffen und gefangen.
Alsfeld. passionssp. 5025;
[] o was dorten, was von stangen, wehr und waffen nehm ich wahr? Spee
trutzn. 169
Balke (39, 125).
auch im 18.
jahrh. sind die häscher mit stangen
ausgerüstet, die sie fliehenden nachwerfen, um sie zu fall zu bringen, vgl. zeitschr. f. d. wortf. 1, 49 (
unter springstock,
beleg v. 1758): der müszge panzer hieng an der beruszten wand bey dem ihr mordgewehr, die lange stange stand. Zachariä 93 (
renomm. 5, 218); und sie (
die studenten) verfolgt im fliehn, gleich einem wetterstral, der springstock, und ein heer von krumgehackten stangen, die hinter ihnen her auf glatten pflaster sprangen. 'halt brüder, (ruft der held,) der sturm ist nun vorbey, und unser fusz ist nun von ihren stangen frey!' 96 (275. 277); sie sandten ihnen noch die letzten stangen nach; der letzte donner traf die schläger an den füszen. 97 (314). 2@a@thθ)
während bisher stets hölzerne stangen
gemeint waren, ist die stählerne stange (
oder stahlstange,
vgl. das. und stählen,
adj., 2, a,
β,
sp. 561)
die ständige waffe der riesen in sage und märchen: wandiʒ wâren gigande und trûgen an ir hande stahelîne stangen. Lampreht
Alex. 5077
Kinzel; er (
der riese Urgan) kêrte ... dar mit einer harte langen stehelînen stangen.
Tristan 15980; dô truoc ein ieclich gîgant ein stähelîne stange, grôʒe unde lange.
herzog Ernst 5169; sagt man hingegen von risen und haunen, zeigt jhr gebein in den kirchen, unter den rahtsheusern, jhre Nimrotische spisz, stälin stangen, Goliatische weberbäum, Starckarterisch degen
u. s. w. Garg. s. 56
neudr.; der riesz ... tratt herausz für das schlosz, und brachte mit jm ein stählin schilt, und drey eysene stangen.
buch der liebe 274
a; er zuckt seine stählin stangen, und schlug gegen Goffroy.
ebenda; da zucket der starcke riesz die stählin stangen, und schluge Goffroy so gar starck und mächtig ... Goffroy der mannlich ritter ... zucket da den stählen kolben von dem sattelbogen, unnd schlug darmit dem riesen sein stählin stangen ausz der hand. 274
b. —
dafür einfach stange: der vôrte rieseniske man, die trôgin stangin vrêssam.
Rother 639; Widolt mit der stangen (
in der Thidrekss.: Viðolfr mittumstangi) vôr dâr scrickande. 2165; in dûhte er hete wâfens gnuoc an einer stangen (
so alle handschr.) die er truoc.
Iwein 5022; dô iegelîcher trüege ein stange grôʒ und dar zuo lanc.
Goldemar 4, 11; der riese mit der stange schlug, auslangend in die weite. Uhland
ged. (1864) 341 (
Roland schildtr.). 2@a@iι)
in scherzhafter übertragung, mit der stählernen stange fechten,
die nadel handhaben, vom schneider, vgl. zeitschr. f. d. phil. 13, 230. Wander 4, 776, 15: ich (
Jupiter) fragte neulich einen grindigen schneider, ob ich den frieden geben solte? aber er antwortete mir, was er sich darum geheye, er müsse sowol zu kriegs- als friedenszeiten mit der stählernen stange fechten.
Simpl. 2, 23, 27
Kurz (5, 5); mancher will edel syn und hoch des vatter doch macht bumble bum ... oder hat sich also begangen das er vacht mit eynr stäheln stangen oder rant mit eym juden spyesz. Brant
narrensch. 76, 10. 2@a@kκ)
sonst bildlich: die maler malen auch alszo Christum auff dem regen bogenn, das yhm ein ruthe unnd schwerd ausz dem mund gehet, wilchs ist ausz Isaia xi. genommen, da er spricht: 'er wirt schlahen die erden mit der stangen seins munds'. Luther 8, 677, 28
Weim. ausg. (
in der bibelübers.: mit dem stabe seines mundes.
Jes. 11, 4). —
nicht recht klar ist die offenbar vom kampf hergenommene redensart: chomm ich jm an die stangen, den palg hab ich verlorn! Hätzlerin 1, 21, 19 ('
ain tagweis von lewsen'). 2@bb)
als frei bewegliche, in der hand gehaltene stange
sonst zu mannigfachem gebrauche. (
vgl.stab, stecken, stock.) 2@b@aα)
zum schlagen: dann die eseltreiber, als sie die gewalt sahen, so Roszübrall ihren mehren anthät, lieffen sie
[] mit ihren stangen und hebbäumen zu, und zerprügelten den armen hengst so erbärmlich.
juncker Harnisch 176. 2@b@bβ)
um dinge fort- oder abzuschlagen: die belagerten schlugen mit stangen gegen die brandpfeile. Freytag
bilder 1, 198.
so: obst vom baume mit einer stange abschlagen. Campe;
vgl.: ich sitze oft auf den obstbäumen in Lottens baumstück mit dem obstbrecher, der langen stange, und hole die birnen aus dem gipfel. Göthe 16, 79 (
hier offenbar mit einer vorrichtung, um die birnen festzuhalten, dasz sie nicht fallen).
ähnlich auch: da oben (
im baume) liegt die katz; die möchte auch die schöne gelbe birne haben! aber wart nur, ich will die stange holen. Storm 5, 88. 2@b@gγ) die stange schleudern
als sport: warff dasz englisch beihel, schlenckert den spisz, schlaudert die stangen unnd schweresten rigel.
Garg. s. 283
neudr.; vor dem reiterspiel mit schild und stange. Freytag 8 (
ahnen 1), 87. —
vom grieswärtel, s. 3,
b. 2@b@dδ) stange
der schiffer und flöszer, um das fahrzeug durch stoszen fortzubewegen: stang mit welcher die schiff geschalten werden,
trudes. Dasypodius; stang das schiff zuschalten,
pertica da spinger' la barca. Hulsius (1618) 237
b; stange, so die schiffer haben, ihre flusz-schiff zu regieren,
contus. Frisch 2, 319
c;
auch schiffstange, s. theil 9, 102,
vgl.: schiff-
ò schiffer-stange, fahrstange,
pertica ò stanga da barcaruolo ò marinaro. Kramer
dict. 2, 907
b;
ruderstange (1),
s. theil 8, 1392: ruderstange,
contus. mit ruderstangen die fahrzeuge forttreiben. Steinbach 2, 683. unablässig arbeiteten die schiffer mit stangen und haken, sich die fahrt frei zu halten. Freytag 11, 172 (
ahnen 4,
s. 221).
vgl.: stiesz es (
das schiff) ab: schalt es: regierets: führets, praucht die nächst stang für ein steurruder.
Garg. s. 282
neudr. 2@b@eε) stange
als hebel: stang damit man etwas weget,
vectis. Dasypodius; stange, damit man etwas fortschorget.
un levier. Hulsius (1616) 306
b; stang, hebbaum,
palo, stromento da levar peso. (1618) 237
b; die arbeitsleute (taglöhner) werden umb den lohn gedinget (gemietet) dasz sie dienen, mit stangen (hebebäumen) in die höhe heben (
vectibus tollant). Comenius
sprachenth. 534.
ähnlich wol zu verstehen: nu kommet her alle und richt das crucz uff mit schalle! seczet an spere und stangen!
Alsfeld. passionssp. 5660. 2@b@zζ) stange,
worauf man sich stützt, um weiter springen zu können, vgl. springstange (2),
sp. 118
f., halter. Steinbach 2, 683.
sprichw. mit kurzer stange macht man keine weiten sprünge. mit einer goldenen stange springt man über das meer. Wander 4, 775, 3. 2. 2@b@hη) stang darauff man sich steuret,
gralla: Dasypodius. (
stelze? krücke?) 2@b@thθ) stange
in der hand des gehenden, vgl. stab II, 5,
sp. 335
ff. pilgerstab: dann kamen auch pilger mit einer langen stange in den händen. Gaudy
ausgew. erz. 63.
bei einer procession, als amtsabzeichen: so hatte der rad zu Franckenfurt (
a. M. für die fronleichnamsprocession am 31.
mai 1442) uff X irs rades bestalt umb das sacramente und umb den konig zu geen mit allen iren richtern, dienern, viseren, die stangen hilden, das das sacramente und fursten nit uberdrungen worden. Janssen
Frankfurts reichscorr. 2, 46. 2@b@iι)
die balancierstange der seiltänzer, gewöhnlich von blei (
s. auch springstange 1,
sp. 118): stangen der seiltänzer,
alias bley-
et gewichtstange,
halteres. Stieler 2133; bley-stange, gewicht-stange eines seildantzers,
contrapeso d'un ballerino di corda. Kramer
dict. 2, 907
a. 2@b@kκ) stange
zum schüren des feuers, vgl. schürstange, theil 9, 2055: am heck der Fortuna, wo Danebrand einst mit der schürstange lauerte. Gutzkow
ritter v. g. 9, 356. — (
zum feuerlöschen?:) viertens solle iederzeit vier feurghäggen (
feuerhaken) und stangen in der beraitschaft gehalten werden, die erst am perg
u. s. w. tirol. weisth. 2, 249, 10. 2@b@lλ)
als handwerksgerät: es sollen die meister den zur arbeit tauglichen werkzeug verschaffen als eiserne stangen, pürdel
u. s. w. Bresl. bauordnung v. 1605,
s. 27. 2@b@mμ)
ein werkzeug, um verzierungen in metallblech einzudrücken; werkzeug, um künstliche blumenblätter auszuschlagen. [] 2@b@nν)
in der gaunersprache für brecheisen, stemmeisen. Avé-Lallemant 4, 610. 2@cc) stangen
dienen, um etwas daran zu tragen: vectis ... ein stang dar an man tregt. Dief.
gloss. 608
b; stang darann etwas herrliches getragen wird,
veretrum (=
feretrum). Dasypodius; etwas auf einer stange tragen,
portar qualche cosa sù una stanga, it. in cima d'una canna cioè mostrarla con ambitione. v. schautragen. Kramer
dict. 2, 907
a,
vgl.trag-stange,
stanga, barra da portare la seggia. v. tragbaum. 907
b; eine stange etwas daran zu tragen. Adelung (2).
und zwar werden gegenstände theils aufgehängt an der wagerecht gehaltenen stange
getragen, vgl. d: tragen die hering an der stangen inn bach.
Garg. s. 72
neudr.; hinter den jauchzenden fronleuten, die an stangen die erlegten hirsche und sauen getragen brachten, kamen die heiter schwatzenden jagdherren. Ganghofer
mann im salz 2, 116; halb mittelalterlich, halb antik geschürzte winzer umschwärmten die biblischen kundschafter aus dem gelobten lande, welche an tief gebogener stange die grosse traube trugen. Keller 2, 187 (
nach 4 Mos. 13, 24); da fuonden si eine[n] truoben edele unde tiure. si truogen in dannen gebunden an einer stangen. Diemer
ged. 64, 3.
dazu zuberstange vectis. Stieler 2133.
s. ferner 3,
a. einen
auf einer stange tragen: ein man, der frauen ere beschempt, der hat verdient, ... das man in auf einer stangen inn seutümpfel trag.
fastn. sp. 706, 33 (
vgl. 711, 3
und sautümpel,
theil 8, 1938
f.).
an mehreren stangen: geus vier gülden rincken, und mache sie an jre vier ecken, also, das zween rincken seien auff einer seiten, und zween auff der ander seiten. und mache stangen von foern holtz ... und steck sie in die rincken an der laden seiten, das man sie da bey trage.
2 Mos. 25, 12—14,
vgl. 27
f. 27, 6
f. 30, 4
f. 35, 12
f. 15
f. 37, 4, 14
f. 27
f. 38, 5. 39, 35. 39. 40, 20,
4 Mos. 4, 6. 8. 10
f. 14. 1
kön. 8, 7
f. 2 chron. 5, 8
f.; und die kinder Levi trugen die lade gottes des herrn auff jren achseln mit den stangen dran.
1 chron. 16, 15.
auch ruhend auf mehreren stangen;
so dann ferner: namen sie in gebunden auf ain gerüst, von holz und stangen gemacht, truegen in den berg auf für sein aigen schloss.
Zimm. chron.2 1, 121, 23. —
theils aufgesteckt an der senkrechten stange (
vgl. oben Kramer
und h): was hilffts das man solen leder feil hat, und es hoch an den stangen daher tregt.
Garg. s. 176
neudr. 2@dd)
auch die ruhende, festliegende stange
dient, um gegenstände daran aufzuhängen. 2@d@aα)
meist freiliegende stangen
zum trocknen von wäsche: die wasch auf die stangen hencken,
tendere il bucato ò i panni lini sù per le stanghe. Kramer
dict. 2, 907
b; auf eine stange die wäsche auf hencken. Steinbach 2, 682.
dazu: wäsch- stange,
trocken- stange,
stanga, pertica da rendervi il bucato al sole ò all'aria. Kramer
a. a. o.,
vgl.: trugstange
notat perticam parietibus infixam pro exponendis ad solem vestibus, et linteaminibus, à tragen:
alii scribunt truckstange,
à trucknen. Stieler 2133.
so wol gemeint: herr Peter bracht ein waschstangen, sprach: ir schelk gebt euch gefangen!
Peter Lew 674 (Bobertag
narrenb. s. 111).
ferner: pleicker stangen.
tendiculae. Maaler 384
c.
els. heiszt stang
ein '
stangengerüst am ofen zum trocknen der kleider und wäsche'. Martin-Lienhart 2, 605
b. 2@d@bβ)
eine über zwei pfosten liegende stange
mit nägeln oder pflöcken dient im mittelalter als kleiderhalter, s. Heyne
hausaltert. 1, 262: ir frouwen, di dô gewandes über einander legent, daʒ eʒ erfûlet und daʒ reht diu stange nider bresten möhte. Berthold v. Regensburg 2, 30, 26; wo nuo din sameyt und cyclat, der dine stangen hiengen vol?
visio Philiberti C 161 (Karajan
frühlingsg. 128); sô wil sîn wîp ein slojer haben ... und zehen mentel an der stang. Teichner 310 (= Pfeiffer
übungsb. 159, 29). 2@d@gγ)
ähnliches in neuerer zeit: (
sie hat) jr stangen voll gesottener garnstrengt, jr gewelb voll flachs.
Garg. s. 109
neudr.; [] wo treffen wir uns wieder an? (
fragt der wolf) wo sonst nicht, sagt der fuchs, beym kürschner auf der stangen (
nämlich die felle). Hagedorn 2, 138 (
fab. 2, 24). 2@d@dδ)
auch fleischwaren, würste, fische u. ä. werden an stangen
aufbewahrt: lang her die bückelhäring von der stangen.
Garg. s. 144
neudr.; so erkanten sie, dasz man jm die stangen mit würst ... zustelte. 246.
vgl.räucherstange, theil 8, 248 (J. Paul 34, 138). 2@ee) stange,
worauf vögel sitzen. vgl. auch stängel, -chen.
jetzt besonders für hühner: wann er ein stang oben durchzog, darauff der han mit seinen kebsweibern sasz.
Garg. s. 308
neudr.; vgl.: (
wappenschild,) auf dessen oberem rande vier gekrönte helme sitzen wie vier hähne auf einer stange. Keller 3, 173,
und hühnerstange (
th. 4, 2, 1882).
im mittelalter besonders für raubvögel, vgl. (
die senkrecht stehende) falkenstange (
theil 3, 1271): dem habich (
soll man) ein stangen oder rinkh hinder den pferden machen.
weisth. 6, 752 (
Frankfurt 1485, § 11); an eine wise enmitten het er hôhe an eine stat einen sparwær ûf gesat ûf eine stange silberî
n. Erec 190; ouch stuont der falk uff einr stangen ho und was daruff gebunden. Hans v. Bühel
Diocl. 1286; die falcken uff der stangen tuond schwingen nach des tages glast. Hätzlerin 1, 23, 2; die wile man wer zuo kylchen gangen, liesz er den gouch stan uff der stangen. Brant
narrensch. 44, 18 (
vgl. die anm.); und unterm dach sasz einsam auf der stange sein edler falk. Hagedorn 2, 174 (
fab. 2, 47); so auf gold'ner stange sitzet unter zofen fromm der aar. Keller 10, 63.
vögel fliegen abends auf die stange
zum schlafen: so es dämmert und der hahn mit den hühnern zu ruhen sich auf die stange setzt, stellen sie die nachtwache aus. Brentano 5, 88.
daher in der soldatensprache auf die stange fliegen,
wenn die betten übereinander stehen. Horn 100. 2@ff)
auch sonst dienen stangen,
um etwas zu tragen, s. Storm 1, 198
unter 1,
e. —
um etwas damit festzuhalten. so für fuszeisen (
s. das. 2,
theil 4, 1, 1618): des ward ich zärtlich auffgedrät mit füessen an die stange. Wolkenstein 87, 40
Schatz. 2@gg)
ferner stangen
zum versperren oder absperren: mit stangen verschräncken, versperren
etc. perticare, stangare, sbarrare, cancellare etc. di pertiche. Kramer
dict. 2, 907
a;
dazu: thür-stange, stanga da stangare la porta. 907
b;
vgl.: eychen stang damit man etwas vergitteret,
vacerra. Dasypodius.
belege: item 1441 da hab sich das salve zu unser frawen an ... und man hub an grosz wachs dahin zu geben, das man stangen und keten must auf machen (
zum absperren der straszen).
d. städtechron. 10, 159, 8; der wächter entfernte die stangen, welche den eingang zum rinderpferch verlegten. Freytag 8 (
ahnen 1), 7. —
ähnlich stange
im sinne von standbaum,
vgl. das. (1): von den stangenn im reisigen stalle zu machen.
Tenneb. amtsrechn. v. 1542
bei Dief.-Wülcker 862; stangen
sive beume, so man zwischen die pferde legt,
vacerrae, longurii. Stieler 2133: was wird sofort zwischen die pferde gelegt, um etwaiges schlagen oder treten derselben zu vermeiden? glatte stangen oder bäume.
instructionsbuch für d. cavalleristen3 (
Hannov. 1876)
s. 105,
vgl. stallstange
und luxemb. stâng '
standbaum in einem pferdestall'. Gangler 429.
verschieden scheint: stange, daran man die pferd bindet,
pieu auquel on lie les chevaulx. Hulsius 306
b. 2@hh) stangen
in senkrechter haltung, in die erde gesteckt oder sonst befestigt, oder in der hand gehalten, werden verwendet, um etwas darauf oder daran zu tragen. 2@h@aα)
sehr gewöhnlich als fahnenstange (
theil 3, 1243),
so schon mhd.: (
christen,) die vor diu heidenschaft verspart het mit strît und von den stangen abe gezart diu panier, daʒ mans kûme mohte kiesen.
Lohengr. 4612 (
vgl. 3986).
mnd., s. Schiller - Lübben 4, 362
b. die stange einer fahne. Campe: nach kriegsgebrauch das fendlin an die stange zubringen, und auffzurichten. Reutter v. Speir
kriegsordn. s. 11; der laden des meister Joseph war fortwährend
[] angefüllt mit leuten, welche fahnen holten oder bestellten, mit zuschneidenden und nähenden mädchen, mit tischlern, die frische stangen brachten. Keller 3, 78 (
vgl. unten stangengeist); (
er) zog ... das banner leise mit mühevoller vorsicht hervor, risz es von der stange und steckte diese wieder unter die übrigen waffen.
nachl. 259; möglich .., dasz er (
Konstantin) auch schon damals (312) das ... labarum anfertigen und dem heere vorantragen liesz, jenes unzweifelhaft in seinen späteren kriegen von ihm gebrauchte feldzeichen: eine stange mit einem fahnentuch an einem querholze. Th. Brieger
Konstantin d. gr. (1880)
s. 15.
so auch in älterer sprache auf halben stangen,
auf halbmast: folgenden tag sahen wir gegen abend auf der fregatte MoriAen auf halben stangen die flagge, so ein todes-zeichen, und das begräbnisz eines soldaten angedeutet. v.
d. Gröben
Guineische reise-beschr. (1694) 5. —
ähnlich von der fahne eines parlamentiers: am andern morgen ritt der general mit einem trompeter und einem husarenunteroffizier, der eine lange stange mit sich führte, um deren oberes ende ein groszes weiszes laken gewunden und gebunden war, ... weg. D. v. Liliencron
kriegsnovellen10 129. 2@h@bβ)
ein hut wird auf eine stange
gesteckt, als zeichen der herrschaft; so in der Tellsage: jetzt ist der ganze anger wie verödet, seitdem der popanz auf der stange hängt. Schiller 14, 349 (
Tell 3, 3).
als '
freiheitsbaum': offiziere waren gar nicht dabei; die hatten bereits auf den schlachtfeldern den tanz um den marschallstab begonnen und kümmerten sich den teufel um die dürre stange mit dem blechernen hut, sobald sie aufgerichtet war zum zeichen der unterwerfung. Keller
nachl. 256 (
vgl.: auch den groszen blechernen hut auf dem freiheitsbaume hatte er lackirt. 251). 2@h@gγ) die köpfe auf stangen stecken,
capita contis praefigere. Steinbach 2, 642: ich befürchtete mich, die mohren möchten den todten leichnamb wieder ausgraben (wie dero gebrauch) den kopff auf eine stange stecken. v.
d. Gröben
Guineische reise-beschr. (1694) 38. —
anders, im bilde: welch eine natürliche schilderung (
bei Homer). ... wie fliessend ist diese schattirung in vergleichung solcher gemählde, worauf der held in einem einfärbigen purpur steht, den himmel über sich einstürzen sieht, und den kopf an einer poetischen stange unerschrocken in die höhe hält? Möser
patr. phant. 1, 49. —
bilder an stangen
getragen: wir wollen dich als seltnes ungeheuer im bild auf stangen führen, mit der schrift: hier zeigt man den tyrannen.
Shakesp. 9, 348 (
Macb. 5, 7). 2@h@dδ)
eine scheibe wird an einer stange
aufgerichtet als schluszziel: da, zur festlust eine scheibe heiszt aufrichten der infant also hoch auf einer stange, dasz sie bis zum himmel ragt. lustig gehn an's werk die mohren, schieszen mit dem speer darnach. Geibel 8, 134.
ein vogel: du (
adler) sollst mir dann in luft'ger höh' auf einer stange sitzen, und ich rufe zum lustigen schieszen herbei die rheinischen vogelschützen. Heine 2, 437
Elster (
Deutschl. 3).
vgl.: vogelstange. ... 2) wovon man einen gemachten vogel abschiszt,
longurius, e quo avis lignea sagittis aut globulis plumbeis dejicitur. Steinbach 2, 683;
ebenso Campe.
ähnlich auch: allda (
auf den Balearen) man die kinder von jugend auff darzu gewehnet, dz sie jhr morgen-brodt nit dorfften essen, bisz sie dasselbige mit der schleuder von einer stangen, darauff es jhnen die mütter steckten, herunter geworffen hätten. Garzoni
allgem. schawpl. 995
a.
die stange
selbst als schuszziel (?): die knaben des dorfes ... schossen mit dem rohrpfeil nach der stange. Freytag 8, 26 (
ahnen 1, 2).
vgl. stangenbaum. 2@h@eε)
allerlei zeichen werden an stangen
ausgesteckt: unnd so dann eyn weinschenncke das erst ... geweyst vass aussgeschennckt hat, derselb ... soll ... keyn nachfass nyt schenncken .., er hab dann vor eynen rayff von eynem halbfüdrigen fass myten an die stanngen gehanngen, ... domit yderman sehen müge, das dasselb erst fass auss sey ... es soll hynfür eyn yder unnser burger .., so der weyn auss ist .., die stanngen eynziehen.
[] Nürnb. polizeiordn. s. 252; so ist hier in dieser einfachen fahne (
der weiszen flagge) der ursprung geheiligt; eben als wenn einer sein taschentuch an eine stange befestigte, um der ganzen welt anzukündigen, es komme ein freund über meer. Göthe 28, 229; schaute der thürmer in der ferne feinde oder ein feuer, so blies er feind oder brand und steckte in der richtung des unheils am thurme ein zeichen aus, tonne oder sieb an einer stange. Freytag 18 (
bilder 2, 1), 287.
vgl. stangensignal. 2@h@zζ)
auch sonst werden gegenstände an stangen
befestigt, um sie besser tragen, handhaben oder weiter reichen zu können: mer hat man an den hernach geschriben enden und heusern hangent allewegen zwu lang fewer leittern und zwen fewer hocken an stangen. Tucher
baumeisterb. 143, 12; stählerne haken wurden an stangen herabgelassen und den belagerern in den leib geschlagen. Freytag 18 (
bilder 2, 1), 296; kommt von der hoftreppe herauf der kutscher, eine stange mit einem wachslichtendchen in der hand. Storm 1, 176. 2@ii) stangen
werden neben pflanzen gesteckt zur stütze: den hopfen, die bohnen
etc. mit stangen versehen. Campe; zu einem jeden (
hopfen-)stock magst du stangen nach der grösse desz stocks haben, fünff, sechs, sieben, acht oder neun, darnach der stock grosz ist, die stangen aber müssen unten nahe zum stock, und oben etwas weiter von einander gesetzt werden, damit die sonne zwischen die stangen kommen, und den hopffen erreichen könne. Coler
öcon. (1680) 1, 240
a; darumb musz man, so bald der hopffen auszschlägt, ... auff die grösten und stärckesten schöszling oder rancken achtung geben, dieselbe so bald sie nur die stangen erreichen können, an die stangen leiten, und ... anbinden, ... so windet er sich hernach selbst umb die stange, und steigt immer höher und höher auff die stangen hinauff, bisz dasz er letztlich gar über die stangen hinausz wächst.
ebenda. daher zusammensetzungen wie: bohnenstange, s. theil 2, 227;
hopfenstange(n) perticae lupuli. Stieler 2133,
pertica intorno alla quale si auvolgono i luppoli. Kramer
dict. 2, 907
b; stange, den hopfen daran hinauf wachsen zu lassen, oder bohnen, hopfenstange, bohnen-stange,
adminiculum perticale lupuli aut fabarum. Frisch 2, 319
b,
vgl. th. 4, 2, 1797;