Halten, v. unregelm. gegenw. Zeit, ich halte, du hältst, er hält, wir halten ; unlängst vergang. Zeit, ich hielt; Mittelw. der vergangenen Zeit,
Gehalten; Befehlw. halte oder halt! I) trs. mit der Hand unmittelbar oder vermittelst eines Werkzeuges fassen und die Lage, den Zustand, worin es sich dabei befindet, fotdauern lassen. Etwas mit der Hand halten. Eine Person in den Armen halten. Er hielt sie zärtlich umschlungen. Ein Stück Geld in der Hand halten. Ih kann die Last nicht länger halten, entweder in den Händen, oder auf dem Rücken Eine Sache fest halten. Das glühende Eisen mit der Zange halten. Zwischen oder mit den Zähnen etwas halten. Die Schrift nahe vor das Gesicht, dicht vor die Augen halten. Etwas gegen das Licht halten, es im Lichten besehen. Ein Kleid an sich halten, die Länge desselben an sich zu messen. Etwas ans Feuer halten, damit es trockne, warm werde Etwas über das Feuer halten, damit es warm, weich werde, senge Das Siegellack in das Licht halten, es anzubrennen u.
s. w. Einen bei der Hand oder an der Hand halten. Das Pferd beim Zügel halten. Einen beim Worte halten, uneigentlich, die Erfüllung des Versprochenen von jemand verlangen. Einem die
Stange halten, ihm das Gleichgewicht halten, widerstehen, sich ihm widersetzen. S.
Stange. Sich einen Zufluchtsort offen halten, sich einen solchen Zufluchtsort verschaffen, in den man sich zu jeder Zeit zurückziehen kann. Den Leithund kurz halten, bei den Jägern, das Hängeseil kurz fassen, damit der Hund nicht so viel Willen habe. Daher einen kurz halten, ihn einschränken. I gemeinen Leben sagt man auch: Einem den Daumen auf das Auge halten, für, ihn in Schranken halten; einem den Daumen halten, für, ihm behülflich sein, beistehen; einem ein Bein halten, gewöhnlicher, stellen, ihm das Bein vorhalten, damit er falle, dann, einem hinterlistig zu schaden suchen. Oft wird halten auch gebraucht, für, eine gewisse Richtung, Lage annehmen, auch in einen gewissen Zustand versetzen, und darin beharren lassen. Die Hände, die Arme in die Höhe halten. Die Hand über jemand halten, uneigentlich, ihn beschützen. Gott pfleget über den die treue Hand zu halten, Dem Überlast und Unrecht wird gethan. Opitz. Den Finger ins Wasser halten. Die Arme fest an sich halten, von sich halten. Die Hand vor das Gesicht, vor die Augen halten. Den Kopf gerade halten. Den Mund offen halten. Sich gerade, aufrecht halten, seinen Körper, besonders den Kopf gerade, aufrecht tragen. Sich krumm halten. Sich nicht auf den Füßen halten können, nicht stehen können vor Schwäche, wegen Schwindels, Trunkenheit I engerer Bedeutung heißt, einen halten, ihn halten, damit er nicht falle, oder nicht entfliehe, seine Bewegung nicht fortsetze. Der alte Mann wäre gefallen, wenn man ihn nicht gehalten hätte. Haltet den Dieb!
d. h. haltet ihn auf, laßt ihn nicht entwischen. Ih konnte ihn nicht länger halten, er riß sich los. Auch uneigentlich. Sich nicht halten lassen, sich zu längerem Bleiben nicht bewegen lassen. Uneigentlich. 1) Die Bewegung, den Ausbruch eines Dinges hindern. Das Pferd im Zaume, im Zügel halten, vermittelst des Zaumes oder Zügels die Bewegungen des Pfer= des leiten, oder es im Laufe aufhalten. Einen im Zaume, oder in Schranken halten, seinen freien Willen beschränken, ihn beherrschen. So auch, seine Begierden, seine Leidenschaften im Zaume, in Schranken, in ihren Grenzen halten,
d. h. sie mäßigen, nicht ausbrechen, herrschen lassen. Seine Freude, seinen Zorn, seine Thränen, nicht halten können, sie nicht unterdrücken können. So auch, sich halten, sich beherrschen, sich zwingen, seine Gefühle unterdrücken, seine Gedanken äußern. Er hielt sich lange genug, ohne seinen Verdruß, Zorn zu äußern. Länger konnt' ich mich nicht halten, ich platzte heraus damit. Das Wasser nicht halten können,
d. h. wegen zu starken Dranges den Harn müssen laufen lassen. Einen gefangen halten, oder gefänglich halten, ihm seine Freiheit rauben und vorenthalten. Wenn Sie gehen wollen, so will ich Sie nicht halten,
d. h. zum Bleiben nicht nöthigen. »Ih weiß, daß dich Geschäfte halten.« Gellert. Den Athem an sich halten, die eingeathmete Luft eine Zeit lang nicht von sich lassen, oder sie ganz unmerklich wieder ausstoßen. Der Hals hält den Kopf,
d. h. er trägt, unterstützet ihn. Ein Strick hält eine Last, die an ihm hängt. 2) Den Zustand eines Dinges und die Veränderungen desselben bestimmen. Eine Sache geheim halten, oder heimlich halten, sie verbergen, verschweigen. So auch, sich heimlich halten, sich verbergen. Sich in seinen Grenzen halten, seine Grenzen nicht überschreiten, innerhalb derselben bleiben. Sich bereit halten, sich bereit machen und bereit bleiben. Sich zur Reise fertig halten. Sich auf alle Fälle gefaßt halten, auf alle Fälle vorbereitet sein. Einen Menschen, ein Land unter dem Drucke halten,
d. h. die Freiheit desselben beschränken, ihn oder es bedrücken. Ein Kind unter der Zucht, unter der Ruthe halten, es scharf halten, dasselbe mit Strenge und Schärfe behandeln. Die Kinder fleißig zur Schule halten, sie fleißig die Schule besuchen lassen. Gehalten sein, in den Kanzeleien und der Rechtssprache für verbunden, genöthigt sein. Der Verkäufer ist in diesem Falle das Geld wieder zu geben gehalten. Ein Gebäude, einen Garten in gutem Stande halten. Die Zimmer, die Geräthe, Gefäße reinlich halten. Das Seinige zu Rathe halten, sparsam damit umgehen. Buch halten, Rechnung halten, die Rechnung führen. Ein Tagebuch halten. Etwas in Bereitschaft halten, etwas bereit halten, es bereit haben und machen, daß es bereit bleibe. Einen gut halten, ihn gut behandeln und es ihm an nichts fehlen lassen. Das Gesinde gut, schlecht halten. Einen wie sein Kind halten. Einen wie einen Hund halten. Einen knapp halten. Einen lieb und werth halten, ihn lieben und schätzen und ihm diese Gesinnung mit der That beweisen. Einen warm halten, einen mit Kleidern so versehen, ihn verhüllen damit ihm warm sei; uneigentlich, ihm fortdauernd wohl sein lassen, dafür sorgen, daß er fortdauernd gut, thätig, willig bleibe, auch, ihm warm machen,
d. h. ihm hart zusetzen. Einen frei halten, für ihn bezahlen. Einen schadlos halten, ihm seinen Schaden ersetzen. »Die Freundschaft, so vortrefflich sie ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos.« Gellert. I der Mahlerei wird halten von der Art und Weise der Behandlung und Bearbeitung der Gegenstände, besonders in Ansehung des Lichtes und Schattens, der Stärke und Schwäche des Ausdruckes gebraucht. Die Lichter groß und nicht zu nahe an einander halten. Die entfernten Gegenstände müssen sanft und leicht gehalten werden. Auch in weiterer uneigentlicherer Bedeutung. »Ih muß bitten, den grellen Ton ein wenig sanfter zu halten.« Lessing. 3) Eine Sache veranstalten, sie zur Wirklichkeit bringen, sie vor sich gehen lassen. Gericht halten, zusammenkommen um Recht zu sprechen, gerichtlich untersuchen und einen gerichtlichen Ausspruch thun. Eine Versammlung halten, sich versammeln lassen. Einen Landtag, Reichstag halten. Mit jemand Rath halten, sich mit ihm berathschlagen. Ein Gespräch mit jemand halten. Eine Musterung, eine Versteigerung halten. Eine Rede, Predigt halten. Schule halten. Stunde halten, sowol, Unterricht in einer be= stimmten Stunde geben, als auch zur bestimmten Stunde etwas thun, da sein Die Post muß Stunde halten, sie muß zur bestimmten Stunde oder um die bestimmte Stunde da sein. Das Abendmahl halten, es austheilen, auch, es genießen. Eine gute Mahlzeit halten. Jetzo halten wir Mahl — Voß. Tafel halten, von vornehmen Herren, für speisen. Eine Mittagsruhe halten, nach Tische schlafen. Hochzeit halten, Hochzeit machen, seine Hochzeit feiern. Ungewöhnlich sind die von Ad. noch angeführten Ausdrücke: einem die Hochzeit halten, gewöhnlicher und besser, ausrichten; eine Gasterei halten, sie veranstalten, ausrichten; Nachfrage, Umfrage halten, für, nachfragen, umfragen. So auch Gefechte oder Treffen halten, für, fechten, ein Treffen liefern. Dann, der Zusage gemäß zur Wirklichkeit bringen, ausführen. Sein Wort, sein Versprechen, seine Zusage halten,
d. h. thun, was man versprochen oder zugesagt hat. Seinen Eid halten, thun, wozu man sich durch einen Eid verbindlich gemacht hat. Ein ehrlicher Mann hält sein Wort. Х Viel versprechen und wenig halten. Treue und Glauben halten. Den Kauf nicht halten wollen, den Kauf wieder rückgängig machen wollen. Ungewöhnlich ist es zu sagen: versprochene Dienste halten, für, die versprochenen Dienste leisten. »Man versprach uns Dienste, hielt sie Wenigen; hielt sie selbst diesen Wenigen, Gott weiß, wie?« Meißner. (R.). I weiterer Bedeutung wird halten auch für beobachten, sich einer Sache gemäß betragen, gebraucht. Die Gebote Gottes halten, denselben gehorsam sein, sie ausüben. I der Bibel auch, die Wege des Herren, die Rechte, Recht und Gerechtigkeit halten. Das Gesetz halten, dem, was das Gesetz vorschreibt, nachkommen, es befolgen. Einen Festtag halten, ihn auf die gehörige Art feiern. Ruhe und Frieden halten, in Ruhe und Frieden leben. Gute Ordnung halten. Reinen Mund halten, nichts verrathen, nichts ausplaudern. Х Das Maul halten, still sein, nichts reden. Wache halten, auf der Wache stehen, wachen. »Die rechte Bahn halten.« Opitz. Den rechten oder schiefen Lauf halten, von den Schiffen. Das Zeitmaß halten, es beobachten, im rechten Zeitmaße bleiben. Ih pflege es so zu halten, oder ich pflege es so damit zu halten,
d. h. ich pflege es so zu machen, so zu handeln. Ein jeder kann es damit halten, wie er will. So will ich es gehalten haben,
d. h. ich will, daß es auf diese Art geschehe. Es mit jemand halten, seine Partei nehmen, auch, mit jemand Umgang pflegen, und in engerer Bedeutung, mit jemand unerlaubten Umgang pflegen. Er hält es mit seines Nachbars Frau. Eines Partei halten, eines Partei ergeben sein, auf seiner Seite sein. »Können Sie glauben, daß ich Ire Partei gegen meine Schwester habe halten müssen?« Lessing. Es mit dem Weine halten, ihn vorziehen, ihn wählen. 4) Zu irgend einem Zweck anschaffen, entstehen machen, fortdauern und bestehen lassen, das äußere Verhältniß einer Sache bestimmen und fortdauern lassen. Viel Bediente, ein Kindermädchen, eine Amme halten. Einen Hauslehrer halten. Pferde und Wagen halten. Viel Vieh halten. Vier Pferde auf der Streu halten. Haus halten. Hof halten. Eine Lesegesellschaft halten. Eine Zeitung, Zeitschriften halten, sie anschaffen und Andern gegen ein Gewisses zum Lesen mittheilen. Dann auch, die Fortdauer einer Sache durch Beobachtung der dabei Statt findenden Obliegenheiten bewirken. Freundschaft, Umgang mit jemand halten. Gute Nachbarschaft halten. 5) Ein Urtheil über den Werth und die Güte einer Sache fällen, sie schätzen. Etwas hoch halten, es hoch schätzen, ihm einen hohen Werth beilegen. Wie hoch hält er sein Haus?
d. h. wie hoch schätzt er es, wie viel verlangt er dafür. Eine Sache theuer halten, viel dafür verlangen. Х Viel auf jemand halten, viel von jemand halten, auch Х große Stücke auf jemand halten, ihn hoch halten,
d. h. eine hohe Meinung von ihm haben. Wenig oder nichts auf sich halten, sich selbst nicht achten, seine Ehre, seinen guten Namen gering schätzen und dem gemäß handeln. »Ih halte viel auf ein billiges Lob.« Gellert. Ih halte nichts davon,
d. h. ich lege ihm keinen Werth bei, ich liebe es nicht, auch, ich glaube es nicht, halte es nicht für wahr. I weiterer Bedeutung heißt halten auch, ein wahrscheinliches Urtheil fällen, nach der Wahrscheinlichkeit urtheilen, dafür ansehen, achten, besonders mit dem Verhältnißworte für. Ih halte ihn für meinen Freund. Halten Sie mich nicht für so einfältig. Etwas für eine Ehre, für eine Schande halten. Er hielt es nicht für gut, für rathsam, zu kommen. Ih halte dafür, daß es so besser wäre,
d. h. ich bin der Meinung Einem etwas zu gute halten, es ihm nachsehen, nicht übel auslegen Er hält sich dazu nicht für zu geringe. Halten Sie mirs zu Gnaden, nehmen Sie es nicht ungnädig. Was soll man davon halten?
d. h. davon glauben, darüber urtheilen? Hält sich der Herr Gemahl An sein gegebenes Wort gebunden? Wieland. I der Bibel kömmt es auch häufig ohne für vor. »Die Sadduzäer halten, es sei keine Auferstehung der Todten,«
d. h. sie glauben, sind der Meinung. Matth. 22, 33. »Wir halten, daß, so Einer für Alle gestorben« 2 Cor. 5, 14. Hieher gehört das meist müßige halt, in manchen Gegenden halter, in mehreren Redensarten des gemeinen Lebens, aber nur im O. D. besonders im Österreichischen, wo es eigentlich für halt ich,
d. h. wie ich dafür halte, wie ich glaube, zu stehen scheint. Er wird halt oder halter nicht kommen. Er ist halt oder halter schon da gewesen. Zuweilen wird dieses halt oder halter für auch, einmahl gebraucht. »Sollt ich halt todt bleiben.« Theuerdank. Es ist nun halt nicht anders. Es bleibt nun halt so. I Thüringen und Franken gebraucht man in dieser Bedeutung dafür merch, merg,
d. h. meine ich; in den Rheingegenden das Flickwörtchen als. II) intrs. 1) Eine Bewegung aufhören machen, aufhören sich zu bewegen; eigentlich und uneigentlich. Der Kutscher mußte halten, nämlich die Pferde, daß sie nicht weiter gingen. Mit dem Wagen halten,
d. h. die Pferde am Wagen anhalten, so daß der Wagen still stehet. Halt Kutscher! I weiterer Bedeutung und als ntr. sagt man auch vom Wagen, daß er halte, wenn er still stehet, von den Pferden nicht fortgezogen wird. Der Wagen hält schon lange vor der Thür. I der dichterischen Schreibart sagt man noch uneigentlicher, der Wind hält, für, er geht nicht, es ist kein Wind, die Luft ist still. Gottes lebender Wind hielt zwischen den ehernen Bogen Unbeweglich. — — Klopstock. Die Truppen bekamen Befehl zu halten,
d. h. nicht weiter zu ziehen. Daher das Befehlwort halt! welches befiehlt mit der Bewegung inne zu halten, besonders, stille zu stehen. Halt! sagte König Friederich, Halt! da war es ein Tritt. Gleim. Ine halten im Lesen, mit lesen, oder zu lesen, aufhören zu lesen, im Lesen eine Pause machen. So auch im Singen oder mit Singen inne halten. »Der Satz bei welchem wir halten,« bei welchem wir stehen, oder stehen geblieben sind. Lessing. Stille halten, sich nicht bewegen, sich nicht rühren. Beim Staarstechen, Verbinden muß man stille halten. Uneigentlich auch, geduldig leiden. Oft wird es auch mit Sachwörtern verbunden, besonders mit Stand und Fuß. Stand halten, stehen bleiben, standhaft sich vertheidigen. »Noch hat sie ziemlich Stand gehalten,« noch ist sie ziemlich standhaft geblieben. Weiße. Festen Fuß halten, stehen bleiben, standhaft bleiben. »Die Löwen halten Fuß.« Opitz. Das Feld halten, im Kriegswesen, im Felde bleiben, das Feld behaupten. Bei der Stange halten, standhaft, treu bleiben. An etwas halten, standhaft bei etwas bleiben, demselben standhaft ergeben sein. »Sie hält mit großer Demuth an den Sitten ihrer Vorfahren.« Gellert. I der Bibel kommen auch die sonst ungewöhnlichen Ausdrücke vor, an Gott, am Glauben, am Bekenntniß, an der Hoffnung halten. Hinter dem Berge, in dem Walde hielt ein Trupp Freibeu= ter. Hinter dem Berge halten uneigentlich, seine wahren Absichten verbergen, mit der Sprache nicht herauswollen. Mit etwas hinter dem Berge halten, damit geheim thun, es nicht sogleich und geradezu sagen wollen. Auf eine ungewöhnliche Art wird in der Bibel auf einen halten, gebraucht, für, auf ihn lauern. »Abimelech stund auf und hielt auf Sichem mit vier Haufen.« Richter 9, 34. 2) Auf, oder über etwas halten, Sorge tragen, daß etwas beobachtet werde. Auf Ordnung halten, Ordnung lieben und sie selbst beobachten und von Andern beobachten lassen. Strenge über einen Befehl halten. Darüber muß man halten. Auf Ehre halten, starkes Ehrgefühl haben, dasselbe in seinem Betragen äußern und dies auch von Andern verlangen. Auf Träume halten, an Träume glauben und sich darauf verlassen. 3) An sich halten, sich nicht verrathen, seine wahren Gesinnungen und Empfindungen nicht äußern, nicht ausbrechen lassen. Ih hielt lange an mich, um ihn durch kein hartes Wort zu kränken. »Wir müssen den Verstand gewöhnen mit seinen Urtheilen an sich zu halten.« Sonnenfels. Hieher gehört auch der Gebrauch des Mittelwortes der vergangenen Zeit, gehalten, zurückgehalten, zurückhaltend, unterdrückt. S.
Gehalten. 4) I der Schifffahrt, für, steuern, segeln. — und halt' auf Dia. Gelandet Zünd' ich Opferaltäre — Voß;
d. h. entzünde ich Opferfeuer auf den Altären. Auch den Lauf auf einen Ort halten, für, den Lauf nach einem Orte richten, nach demselben steuern. — Aber ich hielt auf Pylos den Lauf (des Schiffs). — Voß. III) rec. Sich an etwas halten, etwas Festes angreifen und dadurch verhindern, daß man nicht fällt. Uneigentlich, sich an jemand halten, sich auf ihn verlassen, von ihm die Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten erwarten, ihn als Bürgen in Anspruch nehmen. Halten Sie sich an mich, verlassen Sie sich auf mich, folgen Sie mir Ih halte mich bloß an seine Worte,
d. h. ich bleibe bloß bei dem stehen, bestehe bloß auf dem, was er gesagt hat. 2) Sich fortdauernd auf gewisse Art betragen. Sich gut halten, sich brav halten, sich in irgend einem Falle gut, brav betragen, sich gut, tapfer vertheidigen I engerer Bedeutung, sich mit Erfolg vertheidigen, sich nicht besiegen lassen, gefangen nehmen lassen. Die Besatzung hielt sich lange gegen den Feind. Die Festung hält sich noch. 3) I gutem und brauchbarem Zustande verharren. Das Vich hält sich gut, ist fortdauernd in gutem Zustande, siehet gut aus, ist gesund Das Winterobst hält sich sehr lange. I Sommer hält sich das Fleisch nicht lange, es bleibt nicht lange frisch und gut, sondern wird bald riechend. Diese Sache hat sich gut gehalten, ist in gutem brauchbarem Zustande geblieben. 4) Sich rechter Hand halten, auf der rechten Seite bleiben, fortgehen Sich dazu halten, sich sputen, eilen. Sich zu jemand halten, seine Gesellschaft suchen, mit ihm fleißig umgehen. Sich zu seines Gleichen halten. »Ih halte mich zu denen, die dich fürchten.« Ps. 119, 63. Sich zu Gott halten, seine Zuflucht in jeder Angelegenheit zu Gott nehmen, im Gebet sich mit Gott und göttlichen Dingen fleißig beschäftigen 5) † Für, sich verhalten, beschaffen sein, gebrauchte es Luther,
z. B. Apostelg. 17, 11; 24, 9. So auch für, sich aufhalten. 2 Mos. 2, 15. 6) ○ Gehalten werden. Hier hält sich das Gericht — — Collin;
d. h. hier wird das Gericht gehalten. IV) ntr. mit haben und oft in der Fügung eines trs. 1) I seinen Theilen oder mit etwas Anderem fest verbunden sein, dauerhaft sein. Dieser Balken, diese Bohle wird halten und nicht biegen oder brechen. Der Nagel hält nicht, wenn er sich biegt oder wenn er bricht. Das Eis hält, es ist dick genug, so daß es nicht bricht, wenn man auf demselben gehet, fährt Es wollte kein Strick halten, alle Stricke rissen. Dieser Zeug hat gut gehalten. Im hält kein Zeug, wenn er auch noch so derb und fest ist,
d. h. bei ihm, bei seiner Art davon Gebrauch zu machen Auf eine ungewöhnlichere Art verbindet Voß den dritten Fall ihm mit halten, für, gegen ihn; — — auch die mächtigen Riegel hielten ihm nicht. — — Der Kalk hält, wenn er fest sitzt und nicht abfällt. Die Schminke will nicht halten, nicht hangen oder kleben bleiben. Der Leim hält, nicht bloß, wenn er selbst haftet, sondern auch die Theile, die damit bestrichen und an einander gefügt sind, gut verbindet. Farbe halten, die Farbe nicht verändern, nicht verlieren. Nicht Farbe halten, uneigentlich, nicht echt, nicht treu befunden werden. Probe halten, in der Probe echt und gut befunden werden. Wasser halten,
d. h. gegen das Wasser halten, im Wasser dauerhaft sein, das Wasser nicht durchlassen. Die Stiefel halten Wasser. Das Faß hält, es läuft nicht aus, es ist dicht. I O. D. sagt man auch das Feuer halten, den Hammerschlag halten, aushalten. Stich halten, von den Zeugen, beim Nähen nicht ausreißen. Auch als intrs. den Wesen nach. Die Soldaten hielten nicht Stich, uneigentlich, sie liefen davon. Einem Stich halten, bei ihm aushalten, nicht davon gehen. Ein Beweis, der nicht Stich hält, der bei näherer Untersachung ohne Beweiskraft befunden wird. Uneigentlich wird halten allein auch gebraucht, für, aushalten, ausdauern, standhaft bleiben, widerstehen. Daß wenigstens bis Rom des Ritters Weisheit halte. Wieland. 2) Enthalten, in seinem Inern fassen können. Dies Faß hält zwei Eimer. Eine Flasche, welche ein halbes Maß hält. »Ein Buch, welches viel Gutes in sich hält, besser, enthält. Auf ähnliche Art gebrauchte es Luther, für, zum Ihalt haben, lauten. »Er schrieb einen Brief, der hielt also.« Apostelg. 23, 25. Dann, als ein Ganzes den Theilen nach in sich begreifen, in sich fassen. Das Pfund hält 32 Loth. Der Thaler hält 24 Groschen. 3) Das Gleichgewicht halten, die Wage halten, gleich schwer sein, durch seine Schwere die Schwere eines andern Körpers aufheben. Uneigentlich. Diese Gründe halten einander das Gleichgewicht, sie sind auf gleiche Weise verbindend, vermögend, der eine gilt so viel als der andere. Einem das Gleichgewicht halten. 4) Stille stehen. S. II) 1). V) Х imp. in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Es wird schwer halten, oder es wird hart halten, es wird nicht ohne Mühe und Schwierigkeit zu machen, zu bewerkstelligen oder durchzusetzen sein. Es wird schwer halten, ihn dazu zu bewegen, ihn davon zu überzeugen † Wie hält's? wie ist es? wie geht es? wie steht es? »Wie hält's, haben Sie ausgeschlafen?« Weiße. I O. D. sagt man auch, † woran hält's, für, woran liegt es? Hieher gehört auch folgender Gebrauch. Es läßt sich noch halten, es geht noch an, es ist mittelmäßig. Es wird sich noch halten lassen. Mit seinem Reichthum läßt es sich noch halten,
d. h. er ist eben so groß nicht. »Es läßt sich mit meinen Jahren noch wol halten,« ich bin so gar alt noch nicht. Gellert. — Das Halten. Die Haltung.