lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Halten

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
Anchors
25 in 21 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
420
Verweise raus
134

Eintrag · Campe (1807–1813)

Halten trs, intrs, ntr, rec, ntr, trs, intrs

Bd. 2, Sp. 520b
Halten, v. unregelm. gegenw. Zeit, ich halte, du hältst, er hält, wir halten ; unlängst vergang. Zeit, ich hielt; Mittelw. der vergangenen Zeit, Gehalten; Befehlw. halte oder halt! I) trs. mit der Hand unmittelbar oder vermittelst eines Werkzeuges fassen und die Lage, den Zustand, worin es sich dabei befindet, fotdauern lassen. Etwas mit der Hand halten. Eine Person in den Armen halten. Er hielt sie zärtlich umschlungen. Ein Stück Geld in der Hand halten. Ih kann die Last nicht länger halten, entweder in den Händen, oder auf dem Rücken  Eine Sache fest halten. Das glühende Eisen mit der Zange halten. Zwischen oder mit den Zähnen etwas halten. Die Schrift nahe vor das Gesicht, dicht vor die Augen halten. Etwas gegen das Licht halten, es im Lichten besehen. Ein Kleid an sich halten, die Länge desselben an sich zu messen. Etwas ans Feuer halten, damit es trockne, warm werde  Etwas über das Feuer halten, damit es warm, weich werde, senge  Das Siegellack in das Licht halten, es anzubrennen u. s. w. Einen bei der Hand oder an der Hand halten. Das Pferd beim Zügel halten. Einen beim Worte halten, uneigentlich, die Erfüllung des Versprochenen von jemand verlangen. Einem die Stange halten, ihm das Gleichgewicht halten, widerstehen, sich ihm widersetzen. S. Stange. Sich einen Zufluchtsort offen halten, sich einen solchen Zufluchtsort verschaffen, in den man sich zu jeder Zeit zurückziehen kann. Den Leithund kurz halten, bei den Jägern, das Hängeseil kurz fassen, damit der Hund nicht so viel Willen habe. Daher einen kurz halten, ihn einschränken. I gemeinen Leben sagt man auch: Einem den Daumen auf das Auge halten, für, ihn in Schranken halten; einem den Daumen halten, für, ihm behülflich sein, beistehen; einem ein Bein halten, gewöhnlicher, stellen, ihm das Bein vorhalten, damit er falle, dann, einem hinterlistig zu schaden suchen. Oft wird halten auch gebraucht, für, eine gewisse Richtung, Lage annehmen, auch in einen gewissen Zustand versetzen, und darin beharren lassen. Die Hände, die Arme in die Höhe halten. Die Hand über jemand halten, uneigentlich, ihn beschützen. Gott pfleget über den die treue Hand zu halten, Dem Überlast und Unrecht wird gethan. Opitz. Den Finger ins Wasser halten. Die Arme fest an sich halten, von sich halten. Die Hand vor das Gesicht, vor die Augen halten. Den Kopf gerade halten. Den Mund offen halten. Sich gerade, aufrecht halten, seinen Körper, besonders den Kopf gerade, aufrecht tragen. Sich krumm halten. Sich nicht auf den Füßen halten können, nicht stehen können vor Schwäche, wegen Schwindels, Trunkenheit  I engerer Bedeutung heißt, einen halten, ihn halten, damit er nicht falle, oder nicht entfliehe, seine Bewegung nicht fortsetze. Der alte Mann wäre gefallen, wenn man ihn nicht gehalten hätte. Haltet den Dieb! d. h. haltet ihn auf, laßt ihn nicht entwischen. Ih konnte ihn nicht länger halten, er riß sich los. Auch uneigentlich. Sich nicht halten lassen, sich zu längerem Bleiben nicht bewegen lassen. Uneigentlich. 1) Die Bewegung, den Ausbruch eines Dinges hindern. Das Pferd im Zaume, im Zügel halten, vermittelst des Zaumes oder Zügels die Bewegungen des Pfer= des leiten, oder es im Laufe aufhalten. Einen im Zaume, oder in Schranken halten, seinen freien Willen beschränken, ihn beherrschen. So auch, seine Begierden, seine Leidenschaften im Zaume, in Schranken, in ihren Grenzen halten, d. h. sie mäßigen, nicht ausbrechen, herrschen lassen. Seine Freude, seinen Zorn, seine Thränen, nicht halten können, sie nicht unterdrücken können. So auch, sich halten, sich beherrschen, sich zwingen, seine Gefühle unterdrücken, seine Gedanken äußern. Er hielt sich lange genug, ohne seinen Verdruß, Zorn  zu äußern. Länger konnt' ich mich nicht halten, ich platzte heraus damit. Das Wasser nicht halten können, d. h. wegen zu starken Dranges den Harn müssen laufen lassen. Einen gefangen halten, oder gefänglich halten, ihm seine Freiheit rauben und vorenthalten. Wenn Sie gehen wollen, so will ich Sie nicht halten, d. h. zum Bleiben nicht nöthigen. »Ih weiß, daß dich Geschäfte halten.« Gellert. Den Athem an sich halten, die eingeathmete Luft eine Zeit lang nicht von sich lassen, oder sie ganz unmerklich wieder ausstoßen. Der Hals hält den Kopf, d. h. er trägt, unterstützet ihn. Ein Strick hält eine Last, die an ihm hängt. 2) Den Zustand eines Dinges und die Veränderungen desselben bestimmen. Eine Sache geheim halten, oder heimlich halten, sie verbergen, verschweigen. So auch, sich heimlich halten, sich verbergen. Sich in seinen Grenzen halten, seine Grenzen nicht überschreiten, innerhalb derselben bleiben. Sich bereit halten, sich bereit machen und bereit bleiben. Sich zur Reise fertig halten. Sich auf alle Fälle gefaßt halten, auf alle Fälle vorbereitet sein. Einen Menschen, ein Land unter dem Drucke halten, d. h. die Freiheit desselben beschränken, ihn oder es bedrücken. Ein Kind unter der Zucht, unter der Ruthe halten, es scharf halten, dasselbe mit Strenge und Schärfe behandeln. Die Kinder fleißig zur Schule halten, sie fleißig die Schule besuchen lassen. Gehalten sein, in den Kanzeleien und der Rechtssprache für verbunden, genöthigt sein. Der Verkäufer ist in diesem Falle das Geld wieder zu geben gehalten. Ein Gebäude, einen Garten  in gutem Stande halten. Die Zimmer, die Geräthe, Gefäße  reinlich halten. Das Seinige zu Rathe halten, sparsam damit umgehen. Buch halten, Rechnung halten, die Rechnung führen. Ein Tagebuch halten. Etwas in Bereitschaft halten, etwas bereit halten, es bereit haben und machen, daß es bereit bleibe. Einen gut halten, ihn gut behandeln und es ihm an nichts fehlen lassen. Das Gesinde gut, schlecht halten. Einen wie sein Kind halten. Einen wie einen Hund halten. Einen knapp halten. Einen lieb und werth halten, ihn lieben und schätzen und ihm diese Gesinnung mit der That beweisen. Einen warm halten, einen mit Kleidern so versehen, ihn verhüllen  damit ihm warm sei; uneigentlich, ihm fortdauernd wohl sein lassen, dafür sorgen, daß er fortdauernd gut, thätig, willig  bleibe, auch, ihm warm machen, d. h. ihm hart zusetzen. Einen frei halten, für ihn bezahlen. Einen schadlos halten, ihm seinen Schaden ersetzen. »Die Freundschaft, so vortrefflich sie ist, hält uns doch nie wegen der Liebe schadlos.« Gellert. I der Mahlerei wird halten von der Art und Weise der Behandlung und Bearbeitung der Gegenstände, besonders in Ansehung des Lichtes und Schattens, der Stärke und Schwäche des Ausdruckes gebraucht. Die Lichter groß und nicht zu nahe an einander halten. Die entfernten Gegenstände müssen sanft und leicht gehalten werden. Auch in weiterer uneigentlicherer Bedeutung. »Ih muß bitten, den grellen Ton ein wenig sanfter zu halten.« Lessing. 3) Eine Sache veranstalten, sie zur Wirklichkeit bringen, sie vor sich gehen lassen. Gericht halten, zusammenkommen um Recht zu sprechen, gerichtlich untersuchen und einen gerichtlichen Ausspruch thun. Eine Versammlung halten, sich versammeln lassen. Einen Landtag, Reichstag halten. Mit jemand Rath halten, sich mit ihm berathschlagen. Ein Gespräch mit jemand halten. Eine Musterung, eine Versteigerung halten. Eine Rede, Predigt halten. Schule halten. Stunde halten, sowol, Unterricht in einer be= stimmten Stunde geben, als auch zur bestimmten Stunde etwas thun, da sein  Die Post muß Stunde halten, sie muß zur bestimmten Stunde oder um die bestimmte Stunde da sein. Das Abendmahl halten, es austheilen, auch, es genießen. Eine gute Mahlzeit halten. Jetzo halten wir Mahl — Voß. Tafel halten, von vornehmen Herren, für speisen. Eine Mittagsruhe halten, nach Tische schlafen. Hochzeit halten, Hochzeit machen, seine Hochzeit feiern. Ungewöhnlich sind die von Ad. noch angeführten Ausdrücke: einem die Hochzeit halten, gewöhnlicher und besser, ausrichten; eine Gasterei halten, sie veranstalten, ausrichten; Nachfrage, Umfrage halten, für, nachfragen, umfragen. So auch Gefechte oder Treffen halten, für, fechten, ein Treffen liefern. Dann, der Zusage gemäß zur Wirklichkeit bringen, ausführen. Sein Wort, sein Versprechen, seine Zusage halten, d. h. thun, was man versprochen oder zugesagt hat. Seinen Eid halten, thun, wozu man sich durch einen Eid verbindlich gemacht hat. Ein ehrlicher Mann hält sein Wort. Х Viel versprechen und wenig halten. Treue und Glauben halten. Den Kauf nicht halten wollen, den Kauf wieder rückgängig machen wollen. Ungewöhnlich ist es zu sagen: versprochene Dienste halten, für, die versprochenen Dienste leisten. »Man versprach uns Dienste, hielt sie Wenigen; hielt sie selbst diesen Wenigen, Gott weiß, wie?« Meißner. (R.). I weiterer Bedeutung wird halten auch für beobachten, sich einer Sache gemäß betragen, gebraucht. Die Gebote Gottes halten, denselben gehorsam sein, sie ausüben. I der Bibel auch, die Wege des Herren, die Rechte, Recht und Gerechtigkeit halten. Das Gesetz halten, dem, was das Gesetz vorschreibt, nachkommen, es befolgen. Einen Festtag halten, ihn auf die gehörige Art feiern. Ruhe und Frieden halten, in Ruhe und Frieden leben. Gute Ordnung halten. Reinen Mund halten, nichts verrathen, nichts ausplaudern. Х Das Maul halten, still sein, nichts reden. Wache halten, auf der Wache stehen, wachen. »Die rechte Bahn halten.« Opitz. Den rechten oder schiefen Lauf halten, von den Schiffen. Das Zeitmaß halten, es beobachten, im rechten Zeitmaße bleiben. Ih pflege es so zu halten, oder ich pflege es so damit zu halten, d. h. ich pflege es so zu machen, so zu handeln. Ein jeder kann es damit halten, wie er will. So will ich es gehalten haben, d. h. ich will, daß es auf diese Art geschehe. Es mit jemand halten, seine Partei nehmen, auch, mit jemand Umgang pflegen, und in engerer Bedeutung, mit jemand unerlaubten Umgang pflegen. Er hält es mit seines Nachbars Frau. Eines Partei halten, eines Partei ergeben sein, auf seiner Seite sein. »Können Sie glauben, daß ich Ire Partei gegen meine Schwester habe halten müssen?« Lessing. Es mit dem Weine halten, ihn vorziehen, ihn wählen. 4) Zu irgend einem Zweck anschaffen, entstehen machen, fortdauern und bestehen lassen, das äußere Verhältniß einer Sache bestimmen und fortdauern lassen. Viel Bediente, ein Kindermädchen, eine Amme halten. Einen Hauslehrer halten. Pferde und Wagen halten. Viel Vieh halten. Vier Pferde auf der Streu halten. Haus halten. Hof halten. Eine Lesegesellschaft halten. Eine Zeitung, Zeitschriften halten, sie anschaffen und Andern gegen ein Gewisses zum Lesen mittheilen. Dann auch, die Fortdauer einer Sache durch Beobachtung der dabei Statt findenden Obliegenheiten bewirken. Freundschaft, Umgang mit jemand halten. Gute Nachbarschaft halten. 5) Ein Urtheil über den Werth und die Güte einer Sache fällen, sie schätzen. Etwas hoch halten, es hoch schätzen, ihm einen hohen Werth beilegen. Wie hoch hält er sein Haus? d. h. wie hoch schätzt er es, wie viel verlangt er dafür. Eine Sache theuer halten, viel dafür verlangen. Х Viel auf jemand halten, viel von jemand halten, auch Х große Stücke auf jemand halten, ihn hoch halten, d. h. eine hohe Meinung von ihm haben. Wenig oder nichts auf sich halten, sich selbst nicht achten, seine Ehre, seinen guten Namen  gering schätzen und dem gemäß handeln. »Ih halte viel auf ein billiges Lob.« Gellert. Ih halte nichts davon, d. h. ich lege ihm keinen Werth bei, ich liebe es nicht, auch, ich glaube es nicht, halte es nicht für wahr. I weiterer Bedeutung heißt halten auch, ein wahrscheinliches Urtheil fällen, nach der Wahrscheinlichkeit urtheilen, dafür ansehen, achten, besonders mit dem Verhältnißworte für. Ih halte ihn für meinen Freund. Halten Sie mich nicht für so einfältig. Etwas für eine Ehre, für eine Schande halten. Er hielt es nicht für gut, für rathsam, zu kommen. Ih halte dafür, daß es so besser wäre, d. h. ich bin der Meinung  Einem etwas zu gute halten, es ihm nachsehen, nicht übel auslegen  Er hält sich dazu nicht für zu geringe. Halten Sie mirs zu Gnaden, nehmen Sie es nicht ungnädig. Was soll man davon halten? d. h. davon glauben, darüber urtheilen? Hält sich der Herr Gemahl An sein gegebenes Wort gebunden? Wieland. I der Bibel kömmt es auch häufig ohne für vor. »Die Sadduzäer halten, es sei keine Auferstehung der Todten,« d. h. sie glauben, sind der Meinung. Matth. 22, 33. »Wir halten, daß, so Einer für Alle gestorben«  2 Cor. 5, 14. Hieher gehört das meist müßige halt, in manchen Gegenden halter, in mehreren Redensarten des gemeinen Lebens, aber nur im O. D. besonders im Österreichischen, wo es eigentlich für halt ich, d. h. wie ich dafür halte, wie ich glaube, zu stehen scheint. Er wird halt oder halter nicht kommen. Er ist halt oder halter schon da gewesen. Zuweilen wird dieses halt oder halter für auch, einmahl gebraucht. »Sollt ich halt todt bleiben.« Theuerdank. Es ist nun halt nicht anders. Es bleibt nun halt so. I Thüringen und Franken gebraucht man in dieser Bedeutung dafür merch, merg, d. h. meine ich; in den Rheingegenden das Flickwörtchen als. II) intrs. 1) Eine Bewegung aufhören machen, aufhören sich zu bewegen; eigentlich und uneigentlich. Der Kutscher mußte halten, nämlich die Pferde, daß sie nicht weiter gingen. Mit dem Wagen halten, d. h. die Pferde am Wagen anhalten, so daß der Wagen still stehet. Halt Kutscher! I weiterer Bedeutung und als ntr. sagt man auch vom Wagen, daß er halte, wenn er still stehet, von den Pferden nicht fortgezogen wird. Der Wagen hält schon lange vor der Thür. I der dichterischen Schreibart sagt man noch uneigentlicher, der Wind hält, für, er geht nicht, es ist kein Wind, die Luft ist still. Gottes lebender Wind hielt zwischen den ehernen Bogen Unbeweglich. — — Klopstock. Die Truppen bekamen Befehl zu halten, d. h. nicht weiter zu ziehen. Daher das Befehlwort halt! welches befiehlt mit der Bewegung inne zu halten, besonders, stille zu stehen. Halt! sagte König Friederich, Halt! da war es ein Tritt. Gleim. Ine halten im Lesen, mit lesen, oder zu lesen, aufhören zu lesen, im Lesen eine Pause machen. So auch im Singen oder mit Singen  inne halten. »Der Satz bei welchem wir halten,« bei welchem wir stehen, oder stehen geblieben sind. Lessing. Stille halten, sich nicht bewegen, sich nicht rühren. Beim Staarstechen, Verbinden  muß man stille halten. Uneigentlich auch, geduldig leiden. Oft wird es auch mit Sachwörtern verbunden, besonders mit Stand und Fuß. Stand halten, stehen bleiben, standhaft sich vertheidigen. »Noch hat sie ziemlich Stand gehalten,« noch ist sie ziemlich standhaft geblieben. Weiße. Festen Fuß halten, stehen bleiben, standhaft bleiben. »Die Löwen halten Fuß.« Opitz. Das Feld halten, im Kriegswesen, im Felde bleiben, das Feld behaupten. Bei der Stange halten, standhaft, treu bleiben. An etwas halten, standhaft bei etwas bleiben, demselben standhaft ergeben sein. »Sie hält mit großer Demuth an den Sitten ihrer Vorfahren.« Gellert. I der Bibel kommen auch die sonst ungewöhnlichen Ausdrücke vor, an Gott, am Glauben, am Bekenntniß, an der Hoffnung halten. Hinter dem Berge, in dem Walde hielt ein Trupp Freibeu= ter. Hinter dem Berge halten uneigentlich, seine wahren Absichten verbergen, mit der Sprache nicht herauswollen. Mit etwas hinter dem Berge halten, damit geheim thun, es nicht sogleich und geradezu sagen wollen. Auf eine ungewöhnliche Art wird in der Bibel auf einen halten, gebraucht, für, auf ihn lauern. »Abimelech stund auf und hielt auf Sichem mit vier Haufen.« Richter 9, 34. 2) Auf, oder über etwas halten, Sorge tragen, daß etwas beobachtet werde. Auf Ordnung halten, Ordnung lieben und sie selbst beobachten und von Andern beobachten lassen. Strenge über einen Befehl halten. Darüber muß man halten. Auf Ehre halten, starkes Ehrgefühl haben, dasselbe in seinem Betragen äußern und dies auch von Andern verlangen. Auf Träume halten, an Träume glauben und sich darauf verlassen. 3) An sich halten, sich nicht verrathen, seine wahren Gesinnungen und Empfindungen nicht äußern, nicht ausbrechen lassen. Ih hielt lange an mich, um ihn durch kein hartes Wort zu kränken. »Wir müssen den Verstand gewöhnen mit seinen Urtheilen an sich zu halten.« Sonnenfels. Hieher gehört auch der Gebrauch des Mittelwortes der vergangenen Zeit, gehalten, zurückgehalten, zurückhaltend, unterdrückt. S. Gehalten. 4) I der Schifffahrt, für, steuern, segeln. — und halt' auf Dia. Gelandet Zünd' ich Opferaltäre — Voß; d. h. entzünde ich Opferfeuer auf den Altären. Auch den Lauf auf einen Ort halten, für, den Lauf nach einem Orte richten, nach demselben steuern. — Aber ich hielt auf Pylos den Lauf (des Schiffs). — Voß. III) rec. Sich an etwas halten, etwas Festes angreifen und dadurch verhindern, daß man nicht fällt. Uneigentlich, sich an jemand halten, sich auf ihn verlassen, von ihm die Erfüllung der eingegangenen Verbindlichkeiten erwarten, ihn als Bürgen  in Anspruch nehmen. Halten Sie sich an mich, verlassen Sie sich auf mich, folgen Sie mir  Ih halte mich bloß an seine Worte, d. h. ich bleibe bloß bei dem stehen, bestehe bloß auf dem, was er gesagt hat. 2) Sich fortdauernd auf gewisse Art betragen. Sich gut halten, sich brav halten, sich in irgend einem Falle gut, brav betragen, sich gut, tapfer vertheidigen  I engerer Bedeutung, sich mit Erfolg vertheidigen, sich nicht besiegen lassen, gefangen nehmen lassen. Die Besatzung hielt sich lange gegen den Feind. Die Festung hält sich noch. 3) I gutem und brauchbarem Zustande verharren. Das Vich hält sich gut, ist fortdauernd in gutem Zustande, siehet gut aus, ist gesund  Das Winterobst hält sich sehr lange. I Sommer hält sich das Fleisch nicht lange, es bleibt nicht lange frisch und gut, sondern wird bald riechend. Diese Sache hat sich gut gehalten, ist in gutem brauchbarem Zustande geblieben. 4) Sich rechter Hand halten, auf der rechten Seite bleiben, fortgehen  Sich dazu halten, sich sputen, eilen. Sich zu jemand halten, seine Gesellschaft suchen, mit ihm fleißig umgehen. Sich zu seines Gleichen halten. »Ih halte mich zu denen, die dich fürchten.« Ps. 119, 63. Sich zu Gott halten, seine Zuflucht in jeder Angelegenheit zu Gott nehmen, im Gebet sich mit Gott und göttlichen Dingen fleißig beschäftigen  5) † Für, sich verhalten, beschaffen sein, gebrauchte es Luther, z. B. Apostelg. 17, 11; 24, 9. So auch für, sich aufhalten. 2 Mos. 2, 15. 6) ○ Gehalten werden. Hier hält sich das Gericht — — Collin; d. h. hier wird das Gericht gehalten. IV) ntr. mit haben und oft in der Fügung eines trs. 1) I seinen Theilen oder mit etwas Anderem fest verbunden sein, dauerhaft sein. Dieser Balken, diese Bohle wird halten und nicht biegen oder brechen. Der Nagel hält nicht, wenn er sich biegt oder wenn er bricht. Das Eis hält, es ist dick genug, so daß es nicht bricht, wenn man auf demselben gehet, fährt  Es wollte kein Strick halten, alle Stricke rissen. Dieser Zeug hat gut gehalten. Im hält kein Zeug, wenn er auch noch so derb und fest ist, d. h. bei ihm, bei seiner Art davon Gebrauch zu machen  Auf eine ungewöhnlichere Art verbindet Voß den dritten Fall ihm mit halten, für, gegen ihn; — — auch die mächtigen Riegel hielten ihm nicht. — — Der Kalk hält, wenn er fest sitzt und nicht abfällt. Die Schminke will nicht halten, nicht hangen oder kleben bleiben. Der Leim hält, nicht bloß, wenn er selbst haftet, sondern auch die Theile, die damit bestrichen und an einander gefügt sind, gut verbindet. Farbe halten, die Farbe nicht verändern, nicht verlieren. Nicht Farbe halten, uneigentlich, nicht echt, nicht treu befunden werden. Probe halten, in der Probe echt und gut befunden werden. Wasser halten, d. h. gegen das Wasser halten, im Wasser dauerhaft sein, das Wasser nicht durchlassen. Die Stiefel halten Wasser. Das Faß hält, es läuft nicht aus, es ist dicht. I O. D. sagt man auch das Feuer halten, den Hammerschlag halten, aushalten. Stich halten, von den Zeugen, beim Nähen nicht ausreißen. Auch als intrs. den Wesen nach. Die Soldaten hielten nicht Stich, uneigentlich, sie liefen davon. Einem Stich halten, bei ihm aushalten, nicht davon gehen. Ein Beweis, der nicht Stich hält, der bei näherer Untersachung ohne Beweiskraft befunden wird. Uneigentlich wird halten allein auch gebraucht, für, aushalten, ausdauern, standhaft bleiben, widerstehen. Daß wenigstens bis Rom des Ritters Weisheit halte. Wieland. 2) Enthalten, in seinem Inern fassen können. Dies Faß hält zwei Eimer. Eine Flasche, welche ein halbes Maß hält. »Ein Buch, welches viel Gutes in sich hält, besser, enthält. Auf ähnliche Art gebrauchte es Luther, für, zum Ihalt haben, lauten. »Er schrieb einen Brief, der hielt also.« Apostelg. 23, 25. Dann, als ein Ganzes den Theilen nach in sich begreifen, in sich fassen. Das Pfund hält 32 Loth. Der Thaler hält 24 Groschen. 3) Das Gleichgewicht halten, die Wage halten, gleich schwer sein, durch seine Schwere die Schwere eines andern Körpers aufheben. Uneigentlich. Diese Gründe halten einander das Gleichgewicht, sie sind auf gleiche Weise verbindend, vermögend, der eine gilt so viel als der andere. Einem das Gleichgewicht halten. 4) Stille stehen. S. II) 1). V) Х imp. in einigen Fällen des gemeinen Lebens. Es wird schwer halten, oder es wird hart halten, es wird nicht ohne Mühe und Schwierigkeit zu machen, zu bewerkstelligen oder durchzusetzen sein. Es wird schwer halten, ihn dazu zu bewegen, ihn davon zu überzeugen  † Wie hält's? wie ist es? wie geht es? wie steht es? »Wie hält's, haben Sie ausgeschlafen?« Weiße. I O. D. sagt man auch, † woran hält's, für, woran liegt es? Hieher gehört auch folgender Gebrauch. Es läßt sich noch halten, es geht noch an, es ist mittelmäßig. Es wird sich noch halten lassen. Mit seinem Reichthum läßt es sich noch halten, d. h. er ist eben so groß nicht. »Es läßt sich mit meinen Jahren noch wol halten,« ich bin so gar alt noch nicht. Gellert. — Das Halten. Die Haltung.
21889 Zeichen · 399 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    haltenstv. red. I, 1.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +6 Parallelbelege

    halten , halden stv. red. I, 1. BMZ tr. hüten, weiden Karaj. Reinh. (349. 1569). Moyses hielt daʒ vehe in einer wuoste E…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    haltensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    halten , sw. V. nhd. hinken Hw.: vgl. mhd. halzen E.: as. halton* 1, sw. V. (2), lahmen; s. halt L.: MndHwb 1/2, 207 (ha…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Halten

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Halten , verb. irreg. ich halte, du hältst, er hält, wir halten, u. s. f. Conj. ich halte, u. s. f. Imperf. ich hielt; M…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    halten

    Goethe-Wörterbuch

    halten Zusammenschr ‘guthalten’ 49 1 ,213,28 Bossi,Leonardo ; 1.PersSg gelegentl, Imperativ öfter apokopiert, Prät auch …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Halten

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Halten , vom Wilde, wenn es den Jäger nahe herankommen läßt.

  6. modern
    Dialekt
    halten

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    halte n [hàltə allg. ] ohne Umlaut: du halts t , er halt(et); Part. ghalte n intrans. 1. anhalten, aufhören. Halt! ich w…

  7. Sprichwörter
    Halten

    Wander (Sprichwörter)

    Halten 1. Bat es der dann 1 , dat eiwich hält, hadde mâl de Mü'ermann sacht, doa was eam en niggen 2 Backowen infallen. …

  8. Spezial
    halten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    hal|ten (hält, hielt, gehalten) I vb.tr. 1 tigní (tëgn) 2 (zurückhalten) tigní zoruch, tigní indô 3 (unterdrücken) tigní…

Verweisungsnetz

449 Knoten, 488 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 7 Hub 9 Wurzel 2 Kompositum 422 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit halten

191 Bildungen · 3 Erstglied · 178 Zweitglied · 10 Ableitungen

Zerlegung von halten 2 Komponenten

hal+ten

halten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

halten‑ als Erstglied (3 von 3)

haltenbleiben

PfWB

halten·bleiben

halten-bleiben st. : ' steckenbleiben, stocken ', hallebleiwe [ NW-Frankeck ]. Südhess. III 71 Z. 52 ff.; Rhein. III 155 Z. 16 ff.

halten als Zweitglied (30 von 178)

Einkaufsverhalten

RDWB1

Einkaufsverhalten n (Lakune) проявление покупательной способности

Essverhalten

RDWB1

Essverhalten n (Lakune) питание, манера питаться

Fehlverhalten

RDWB1

Fehlverhalten n (kein Bezug zu "ошибка" oder "нехватка") плохое поведение, недопустимое поведение, (серьёзный) проступок

a(n)schalten

Idiotikon

a(n)schalten Band 8, Spalte 714 a(n)schalten 8,714

abbehalten

DWB

abbe·halten

abbehalten , das abgenommene, abgelegte nicht wieder aufsetzen, anlegen. ich will den mantel ( von der schulter ) ab behalten, er behielt se…

abe halten

MWB

abe halten stV. ‘fernhalten’ wan si enhaltent niergent me ab denne von irem luterm nichte [etwa: sie halten (die weltlichen Dinge) von nicht…

abehalten

KöblerMhd

abe·halten

abehalten , st. V. nhd. „abhalten“, fernhalten Hw.: vgl. mnd. afhōlden Q.: Tauler (vor 1350) (FB abe halten) E.: s. abe, halten W.: nhd. abh…

aberhalten

DWB

aber·halten

aberhalten , obtinere, von einem erhalten: nicht mit recht aberhalten, sondern mit gewalt abgedrungen und genommen. Frankf. ref. II, 10. §. …

abhalten

DWB

abhalten , detinere, nnl. afhouden, von etwas zurück halten, abwenden. den bellenden hund mit dem stock abhalten, den andringenden feind. de…

anbehalten

DWB

anbehalten , vestes non ponere: ich will die schuhe noch an ( den füszen ) behalten; lasz ihn seinen rock noch an ( dem leibe ) behalten, wi…

ane behalten

MWB

ane behalten stV. ‘etw. (Kleidung) anbehalten’ sin hemde und sin nidercleit behielt er ane Lanc 611,28; daz er [der Verurteilte] alsô vil an…

anebehalten

KöblerMhd

ane·behalten

anebehalten , red. V. nhd. anbehalten Hw.: vgl. mnl. aenbehouden, mnd. anebehōlden Q.: Lanc (1240-1250), StRSchlettst, StRVill, StRZwick E.:…

anhalten

DWB

anhalten , n. instantia, assiduitas: wiewol unser allerliebesten kinder mit heftigem anhalten und groszem ernste begeret, ein gemein frei ch…

anheimhalten

DRW

anheim·halten

anheimhalten reflexiv: sich zur Verfügung behalten sich sampt seinen schreibern anhaims halten oJ. FrkLGO. 1619 I 5 § 13 Faksimile

anschalten

MeckWBN

Wossidia anschalten das elektrische Licht anschalten Wa Waren@Kieve Kieve .

aufbehalten

DWB

auf·behalten

aufbehalten , servare, franz. garder, conserver, aufbewahren, aufheben. sinnlich, den hut auf ( dem kopfe ) behalten. Göthe 25, 367 ; es reg…

aufenthalten

DWB

auf·enthalten

aufenthalten , nach den vier ersten bei aufenthalt entwickelten bedeutungen. 1 1) herbergen, ins haus aufnehmen, aufnehmen: das erdrich, das…

aufhalten

DWB

auf·halten

aufhalten , sustinere, detinere, retinere, nnl. ophouden. 1 1) die sinnlichste bedeutung ist in die höhe halten, aufheben: der bettler hielt…

aufrechterhalten

Pfeifer_etym

aufrecht·erhalten

recht Adj. ‘richtig, dem Recht, den Gesetzen entsprechend, gut’, vgl. auch rechte Seite (‘äußere, obere Seite’) von Stoffen, Wäschestücken, …

Auf sich halten

Wander

Auf sich halten Opp sick holn kost't keen Geld. ( Rendsburg. )

aushalten

DWB

aus·halten

aushalten , sustinere, nnl. uithouden, bis zu ende halten. 1 1) intransitiv, wenn kein casus ausgedrückt steht, durare, perdurare, ausdauern…

ausschalten

DRW

aus·schalten

ausschalten I aus einer Gemeinschaft ausstoßen SchweizId. VIII 715 Faksimile II sich ausschließen welher da an dem vß- oder inziehen fur die…

behalten

DWB

behalten , tueri, servare, tenere, retinere, reservare, ahd. pihaltan ( Graff 4, 904 ), mhd. behalten ( Ben. 1, 620 ), alts. bihaldan, nnl. …

Beieinander halten

Wander

beieinander·halten

Beieinander halten Sie halten beieinander wie die Zähne im Kalbskopfe. [Zusätze und Ergänzungen] 2. Was beieinander ist, das ist stark. – Fr…

beschalten

Lexer

be-schalten stv. red. I, 1. BMZ fortstossen Frl. Karlm. 128,13.

Beybehalten

Adelung

bey·behalten

Beybehalten , verb. irreg. act. (S. Adelung Halten ,) eine Sache in Verbindung mit sich behalten, fortfahren, dieselbe um sich zu haben, ode…

Ableitungen von halten (10 von 10)

behalten

DWB

behalten , tueri, servare, tenere, retinere, reservare, ahd. pihaltan ( Graff 4, 904 ), mhd. behalten ( Ben. 1, 620 ), alts. bihaldan, nnl. …

behaltenlich

KöblerMhd

behaltenlich , Adj. nhd. behalten (Adj.)? Q.: LexerN (1393) E.: s. behalten (2), *lich? (1) W.: nhd. DW- L.: LexerN 3, 51 (behaltenlich)

enthalten

DWB

enthalten , tenere, continere, retinere, sustentare, abstinere, ahd. mangelnd, mhd. enhalten ( wb. 1, 621 a ), nnl. onthouden. A A. intransi…

erhalten

DWB

erhalten , ein characteristisch nhd. wort, allen übrigen dialecten, so weit wir sie überschauen, abgehend, auch mhd. fehlt es noch. schw. er…

gehalten

DWB

gehalten , part. praet. zu halten, gehalten, auch in besonderer adjectivischer verwendung entwickelt, wie Campe zuerst ausführt, besonders 1…

gehaltenlich

Lexer

ge-halten-lich adj. die gihaltenlîche tage die sint uns komen, dies observabiles redeunt Fdgr. 1. 93,10.

misshalten

RhWB

miss-halten -hā:lə Sieg-ODollend , MüEif st.: einen m., nicht gut behandeln, in unwürdiger, ungesunder, schwer erträglicher Weise h., pflege…

unhalten

DWB

unhalten , n. , subst. inf., nichthalten B. v. Chiemsee 495 . —

verhalten

DWB

verhalten , n. substantivischer infinitiv zum vorigen. schon mhd. vorkömmlich: ir manheit was dem verhalten ungelîch des vordern tages. Lohe…

zerhalten

RhWB

zer-halten: sich z., übertrieben eine Gemütsstimmung äussern, sich aufführen, bes. im Zorn laut sprechen u. schimpfen, sich streiten Bitb , …