zuhalten,
v. ,
mhd. zuohalten Lexer 3, 1183,
mnd. toholden Schiller-Lübben 4, 565
a. 11)
in verschiedenen einzelnen anknüpfungen an halten.
hinhalten: noch
thörichter handelte der, wenn ihm gott in seiner rechten hand ein köstlich kleinod, Christum, und in der linken einen apfel, den bauchsegen dieses lebens, zuhielte, den apfel ergriffe und das kleinod fahren liesze H. Müller
erquickstunden 324; de Sasse helt to sinen schot und de Doring gaf om stubbe vor dat golt
chr. d. st. 7, 12; man läuft ihr (
einer unglücklichen) überall entgeg'n, hält ihr den offnen beutel zu, und ist bei meiner treu ein groszmüthiger patron J. Möser 3, 38.
wie halten II 6,
th. 4, 2, 293
f.: mit essen ist mit uns also zugehalten worden
hess. landtagsacten 1, 16. sich zuhalten
wie sich dazu, daran halten,
siehe halten I 5 c,
sp. 289: das 'sich zuhalten' hatte ich im üben kennen gelernt W. Harnisch
mein lebensmorgen 25.
ohne sich: Cornelius und Overbeck, bessere menschen und bessere künstler, sind zwar nicht unter den häuptlingen (
der '
altneuen'), müssen aber zuhalten (
mitmachen) Göthe IV 28, 104
W. 22)
sich aufhalten, wohnen, vgl. zuhalt.
die belege stammen auch hier aus der nähe des niederdeutschen, Schiller-Lübben
giebt allerdings bei toholden
keine belege dafür: Herman Wayner eyn krömer, der nu czum Holmen in Swedin czuhelt
handelsrechn. des deutschen ordens 212
Sattler; lieb mütterchen, malen sie mir doch in ihrem nächsten brief einen grundrisz von ihrem zimmer, ich möchte so gerne wissen, wie sie so zuhalten, ich will ihnen meines auch hier hin malen L. Schücking
an A. v. Droste-Hülshoff 12. 33)
sein wort halten, insbesondere im bezahlen von schulden Kramer 2, 287
a; Aler 2, 2264
b; Kramer-Moerbeek 438
c: und wo alsdenn derselbe schuldner zu den bestimmten fristen dem gläubiger nicht zuhielte S.
Span spec. jur. metallici (1698) 88; und würden wir einen herrlichen sieg davon gebracht haben, wann der eigensinnige Pacorus mit dem verheisenen entsatze zugehalten hätte A. U. v. Braunschweig
Octavia 1, 168; verzeihe, dasz ich gestern mit dem versprochenen dettes-à-dettes nicht zuhalten konnte; aber ich muszte mit meinem mann ins theater Grillparzer 13, 153
Sauer. allgemeiner '
auskommen',
vgl.zukommen I 2 e: einem armen, der nicht zuhalten kan, musz man einen noth- oder ehrschusz zu gut halten, oder wenn er etwa aus noth unter die tauben scheust Petri 2, t 3
a. 44)
zu einer person halten. zunächst allgemein einem zuhalten
ihm beistehen, zustimmen, '
seine partei nehmen' Stieler 747; Dentzler 2, 367
a; darnach seind etlich denen ich zuostimm und zuohalt J. Piscatorius
türk. kaiserthum (1542) a 3
a; (
Napoleon sagt von den Deutschen) sich selbst und ihrem blute haben sie entsagt, um zu ihrem schimpfe mir zuzuhalten Görres 1, 392 (
ähnl. 3, 53).
so auch mit einem zuhalten: der gantze Türck sollte dein entgelten, so du in doch uber alle christliche häupter geschätzt, und mit ihm zuheltest J. Nas
antipap. eins und hundert 4, 383
a; weil er (
der richter) gedachte, dasz der vorgemeldte pfarrherr ... mit den Hungern heimlich zuhielte H. Megiser
annal. Carinthiae 1231. 55)
allgemein, bis heute üblich, seit dem 15.
jh. reichlich belegt, ist mit einem zuhalten
von einem vertraulichen verhältnis zwischen mann und weib auszerhalb der ehe, meist in tadelndem sinne. diese bedeutung hängt mit 2
zusammen, vgl. beiwohnen,
wenn auch die entwicklung nicht ganz dieselbe ist: die bracht ir zu oren, wie ir man mit einer andern zuhielte und gedechte sie umbzubringen Luther 32, 332
W.; von einer störchin .., welche gesehen, dasz die frau im hause mit dem knechte offtmals zugehalten, und solches offt getrieben B. Schupp
schr. (1663) 518; deine mutter hat mit'm edelmann zugehalten Miller
Siegwart 1, 212.
der ausdruck ist dann in der gebildeten sprache selten geworden, während er in der volkssprache, wenigstens im norden, durchaus lebendig ist: de frunslüd', wenn de mit'n annern mann toholt, de künnt ehr egen schann ne verswigen Wisser
plattd. volksmärchen 111. 66)
etwas mit der hand zudecken, verschlieszen, zusammenhalten: eine gläserne röhre ..., die auf beiden seiten offen ist und nur oben ... mit dem finger zugehalten wird Chr. Wolff
vernünftige ged. von gott 348; gewisse hemmungen gleichen den griffen eines flötenspielers, der um verschiedene töne hervorzubringen, bald diese bald jene öffnung zuhält Novalis
Athenäum 1, 71; (
wer einen bruch hat) soll (
beim stuhlgang) ... mit der einen hand den bruch zuhalten O. Gäbelkover
arzneyb. 1, 368; auf welcher seite hemmt man deiner wunden lauf? du stehst und hältst dich zu mit deinen beyden händen J. v. Besser 1, 226
König. allgemein üblich hals, mund, nase, ohren zuhalten,
vgl. th. 6, 1792; 2679; 7, 402; 1241,
heute regelmäszig mit dem dativ der person oder des refl. pron.: Ulysses hielt mit seiner rechten hand Euriclee iren mund zuo Schaidenreiszer
Od. 83
a; ich küszte die hand der lady, mit welcher sie meinen mund hatte zuhalten wollen S. v. Laroche
frl. von Sternheim 2, 175; und ich .. pack' ihre (
der hündin) schnauze und halte sie ihr fest zu Ebner-Eschenbach 4, 391; sie ... verbreiteten einen frischen harz- und erdgeruch, der den herren so unangenehm war, dasz sie sich die nasen zuhielten 1, 166; wo man viel schweren höret, da gehen einem die har zu berge, und ir haddern macht, das man die ohren zuhalten mus
Jes. Sir. 27, 15; man hält sich die ohren zu, wenn er anfängt sein concert zu machen! Bettine
dies buch gehört dem könig 2, 507. 77)
verschlossen halten: aber des morgens wurden die pforten zugehalten, und alle burger mit der hofglocken versammelt
Rheinstrom (1685) 1, 350; morgens hat man die stadt bisz umb sechse zugehalten
chr. d. st. 27, 175; er will das fenster aufschieben; da sie es zuhält, zerbricht er einige scheiben Göthe 12, 21
W.; wir sind endlich stark genug, vor fremden die thüre des hauses zuzuhalten P. de Lagarde
d. schr. 317; wenn der jung wüste, was der alt bedarf, er würde offt den säckel zuhalten Lehmann
florileg. 2, 552; wenn deiner brüder irgend einer arm ist ..., so soltu dein hertz nicht verherten, noch deine hand zuhalten gegen deinem armen bruder
5. Mos. 15, 7. das auge zuhalten: trifft er sie auffs linck aug, so helt sie das recht zu Fischart
geschichtklitt. 104
ndr.; in ohnmacht! schamlose posse! sie hielt, weisz ich, die augen blosz zu H. v. Kleist 4, 21
E. Schm. den mund, das maul zuhalten '
stille schweigen': wer das maul zuhält, dem fliegen keine mücken drein Kramer 2, 32
b; das gehoret .. auch zu einem prediger, das er nicht das maul zuhalte Luther 32, 304
W.; und hallt deyn hertz und mund tzu und schilt yhm seyn werck nicht 10, 2, 293
W. jetzt nur noch den mund, das maul halten.
in ähnlicher übertragung: und nur du kannst sie nicht sehen, weil dir die liebe die augen zuhält Lessing 2, 8
M.; und würden wir denn dadurch mehr innern werth bekommen, dasz wir ihm die augen über die vortreflichkeit andrer zuhielten? Knigge
umgang 2, 156; davor alle gute städte die ohren zuhalten müssen Alexis
Rol. v. Berlin 1, 40.