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Meinen

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Meinen

Bd. 3, Sp. 159
Meinen, verb. reg. welches seiner eigentlichen Bedeutung nach längst veraltet ist, und nur noch einige figürliche hinterlassen hat, welche insgesammt gewisse Fähigkeiten und Wirkungen der Seele bezeichnen. Es kommt in doppelter Gestalt vor. I. Als ein Neutrum, mit Hülfsworte haben. 1) * Sich erinnern; eine der ältesten und vermuthlich auch ersten Bedeutungen, in welcher es das Neutrum von dem Activo mahnen zu seyn scheinet. S. dasselbe. Schon bey dem Ulphilas ist munja und gamunan sich erinnern, so wie bey den ältesten Römern menere, und bey den spätern memini, menisci, comminisci u. s. f. 2) * Denken, Schwed. mena, bey dem Ulphilas munan, im Angels. maenon; eine im Hochdeutschen gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher man nur noch zuweilen im gemeinen Leben sagt, anders meinen, anders handeln. 3) In engerer Bedeutung, dafür halten, urtheilen, ohne zu enrscheiden, ob das Urtheil wahr ist oder nicht, so wohl im weitesten Verstande, ohne Rücksicht auf die Gründe, um welcher willen solches geschiehet. Da sie ihn sahen auf dem Meere wandeln, meyyneten sie, es wäre ein Gespenst, Marc. 6, 49. Wer euch tödtet, wird meynen, er thue Gott einen Dienst daran, Joh. 16, 2. Dann wird im nähern Glanz ihm (unserm Geiste) deine Gnad erscheinen, Und er von die nicht mehr nach Vorurtheilen meinen, Gieseke. Als auch im engern Verstande, nach wahrscheinlichen Gründen urtheilen. Man meinet, der Streit werde bald geendiget seyn. Was meinen sie von der Sache? Ich sollte es nicht meinen, d. i. ich glaube, ich vermuthe es nicht. Nun, wenn du meinest, wenn du es für rathsam, thunlich oder wahr hältst. Meinst du, ich werde dir noch gute Worte geben? Meinst du nicht, daß sie für einander geboren sind? Gell. Was meinst du, hab ich recht? ebend. S. auch Vermeinen. In beyden Fällen ist es nur im gemeinen Leben und höchstens in der vertraulichen Sprechart üblich; dagegen in der anständigern dafür glauben, halten, oder ein anderer Ausdruck gebraucht wird. Von glauben ist es außer der Würde des Ausdruckes auch noch darin unterschieden, daß dieses sich auf eines andern Aussage beziehet, ein Activum ist, und daher auch die vierte Endung haben kann, dagegen meinen als ein Neutrum nur absolute gebraucht wird. Hierher gehöret auch die in den gemeinen Sprecharten einiger Provinzen, besonders Thüringens und Frankens, übliche Ausfüllungs-Partikel meeg, welche aus mein ich, d. i. wie ich dafür halte, zusammen gezogen ist, wofür der mehr Oberdeutsche Pöbel halt oder halter gebraucht. Schon Notker sagt, also meinich, für, das ist. 4) Mit seinen Worten einen gewissen Verstand verbinden; am häufigsten im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart. Was meinen sie damit? was wollen sie damit sagen? Ingleichen, mit seinen Worten auf jemanden zielen. Ich meine dich. Wen meinest du damit? wen hast du bey diesen Worten in Gedanken? Wo ist meine Braut? Ja, ich weiß nicht, welche sie meinen, Gell. Ehedem wurde es auch sehr häufig für sagen gebraucht, in welchem Verstande schon meinon bey dem Ottfried vorkommt. In der anständigen Sprechart ist es auch hier veraltet, und nur[] noch im gemeinen Leben fragt man zuweilen, wenn man auf eine höfliche Art zu wissen verlangt, was der andere gesagt habe, was meinen sie? oder, wie meinen sie? Es ist in diesen Fällen nur ein Überrest einer seiner sehr alten weitern Bedeutung, nach welcher dieses Wort für bedeuten überhaupt gebraucht wurde; in welchem Verstande es mit dem Schwed. mena, und dem Griech. μηνυω, überein kommt. Mih wundert was das meine, was das bedeute, der Burggraf von Rietenburg. Was meinet diner hiute schin, der Burggraf von Rietenburg. Was meinest du Das du hast gelachet nu? der Burggraf von Rietenburg. was bedeutet das, daß du jetzt gelacht hast. 5) Willens seyn, wollen, im Schwed. mena, im Griech. μενειν. Im Deutschen ist, besonders im Oberdeutschen in der Schreibart der Kanzelleyen, in diesem Verstande nur das Mittelwort gemeinet mit dem Zeitworte seyn üblich; gemeinet seyn, Willens, entschlossen seyn. Das lose Volk Und ist gemeyut, mich grausam umzubringen, Opitz. Ich bin nicht gemeinet, die Sache darauf beruhen zu lassen. Der König war nicht gemeint, diesem Antrage Gehör zu geben. Im Schwed. ist Minne der Wille. In engerm Verstande ist gimeinan bey dem Ottfried befehlen. 5) Eine gewisse Gesinnung gegen jemanden hegen, deren Beschaffenheit durch ein Nebenwort bestimmet wird, und mit dem Wörtchen es. Er meint es gut mit dir. Es redlich, aufrichtig, treu meinen. Es falsch meinen. Es war so böse nicht gemeint. Ich weiß, sie meinen es gut mit mir. Wir werden stets finden, daß Gott es besser mit dem Menschen meinet, als es der Mensch mit sich meinen kann, Gell. Die Sonne meint es gut, sie brennt fast gar zu sehr, Gell. Wo es auch in der passiven Form, doch nur unpersönlich gebraucht wird. Es ist so böse nicht gemeinet. Es war recht gut gemeint. Ehedem gebrauchte man es in diesem Verstande auch als ein Activum, mit der vierten Endung der Person. Mit vntrew meinten sie mich zwar, Theuerd. Das Volk das du regierest, Das dich mit Treuen meynt, Opitz. Den Gott mit Treuen meynt, den er von Herzen liebt, ebend. II. * Als ein Activum, lieben, geneigt, gewogen seyn, jemanden wohl wollen, mit der vierten Endung der Person, und als eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung; ein im Hochdeutschen veralteter Gebrauch, der doch in den vorigen Jahrhunderten, besonders bey den Oberdeutschen Schriftstellern, sehr häufig ist. Das si in von herzen meine, Marggr. Heinrich v. Meißen. Fuege das mih lieplich meine Der vil lieben mündel rot, Jacob von Warte. Wird deine Treu sich deiner Schönheit gleichen, Und du mich meynst, wie dich mein Herze liebt, Opitz. Ich hasse den, der deine Bahn nicht meynt, Opitz. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das veraltete Zeitwort minnen, lieben, nur das Intensivum von diesem meinen ist, und bloß einen höhern Grad des Wohlwollens und der Liebe bedeutet, daher ehedem beyde Zeitwörter auch häufig mit einander verbunden wurden. Sage der lieben, die ich von herzen minne, Sie ist die ich mit ganzen trüwen meine, Marggr. Otto von Brandenburg. Das ich ir ere minne und meine, Heinr. v. Veldig. Wer an der Miune valsches iht, Damit ich iu meine, Rudolph von Rotenburg. S. Minne.[]Das Verbale die Meinung ist nicht üblich, denn das Hauptwort dieses Klanges ist auf andere Art gebildet, S. dasselbe an seinem Orte. Anm. Im Nieders. meenen, im Angels. maenan. Ehedem hatte dieses alte Zeitwort noch weit mehrere Bedeutungen. Man gebrauchte es für lehren, bestimmen, handeln oder thun u. s. f. Diese letzte scheinet eine der ersten zu seyn, so daß meinen so fern, es handeln oder thun bedeutet, zunächst die damit verknüpfte Bewegung ausdrucken, und also ein Abkömmling von mähen, so fern es ehedem bewegen bedeutete, seyn würde. S. das Activum Mahnen, welches auf ähnliche Art davon herstammet. Da die Nahmen aller Wirkungen des Geistes von körperlichen Bewegungen oder Handlungen entlehnet sind, so wurde meinen auch gar bald von den oben gedachten Handlungen der Seele gebraucht. Ehedem hatte man auch das Hauptwort Min, welches das Gemüth bedeutete, Engl. Mind, Schwed. Mon, Isländ. Mune, und sehr sichtbar mit dem Lat. Mens und Greich. μενος überein kommt; woraus zugleich das hohe Alter dieses Wortes erhellet. S. auch Miene. Viele schreiben dieses Wort und das davon abstammende Hauptwort Meinung mit einem ey, eine Schreibart, welche nichts zu ihrem Behufe anzuführen vermag, und welche über dieß erst im 16ten Jahrhunderte aufgekommen ist.
7466 Zeichen · 114 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    meinensw. v.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    meinen sw. v. , mhd. nhd. meinen; as. mênian, mnd. mê i nen, mnl. menen; afries. mēna; ae. mǽnan. — Graff II,785 ff. mei…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    meinenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    meinen stn. die bedeutung. er hieʒ unsen lieben herren biden daʒ er in wolde erscheinen dit wunderliche meinen, die bede…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    meinensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    meinen , sw. V. Vw.: s. mēnen

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Meinen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Meinen , verb. reg. welches seiner eigentlichen Bedeutung nach längst veraltet ist, und nur noch einige figürliche hinte…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    meinen

    Goethe-Wörterbuch

    meinen öfter auch -ey- 1 sich intentional auf etw/jdn richten a beabsichtigen, tun/haben wollen b theoret/ästhet anstreb…

  6. modern
    Dialekt
    meinen

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    meine n [mainə O. Wörth ; mainə und mánə Str. ; mèinə M. ; mǽnə Meis. Barr Molsh. K. Z. Han. Betschd. ; mánə Bühl Wingen…

  7. Sprichwörter
    Meinen

    Wander (Sprichwörter)

    Meinen 1. Am Meinen und Glauben bindet man kein Pferd fest. – Eiselein, 458; Simrock, 6940; Körte, 4196; Graf, 374, 489;…

  8. Spezial
    meinen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    mei|nen vb.tr. 1 (der Meinung sein) miné (mina), araté (-ta) 2 (glauben) crëie (crëi, cherdü) 3 (denken) ponsé (pënsa) 4…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit meinen

30 Bildungen · 4 Erstglied · 23 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von meinen 2 Komponenten

mei+nen

meinen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

meinen‑ als Erstglied (4 von 4)

Meinen (die)

Wander

meinen·die

Meinen (die) Lass du mich bei den Meinen finden, so darfst mir Händ' und Füsse binden. It. : Legami mani e piedi, ma gittami fra' miei. ( Gi…

meinen II

RhWB

meinen II das Wort ist allg. u. lautl. je nach der Entwicklung von -ei-: mEnə(n), –ai-, –E:-, –ā:-, –ē:-, –e·i.-, ī·(ə.)-, –ē-, –E-, –E- ; …

meinento

AWB

meinento adv. — Graff II,788 s. v. mainjan. mein-: -endo Nk 486,12 [132,10]; -into Npgl 63,2. 1) etw. meinend: latine uuirdet prius ze uier …

meinen als Zweitglied (23 von 23)

gimeinen

KöblerAhd

*gimeinen , sw. V. (1a) Hw.: vgl. as. gimēnian* (2)

gotmeinen?

KöblerMhd

*gotmeinen? , sw. V. nhd. „gottlieben“ Hw.: s. gotmeinen (2), gotmeinende E.: s. got (1), meinen

widermeinen

KöblerMhd

*widermeinen , V. nhd. rückdenken E.: s. wider, meinen W.: nhd. DW-

aufmeinen

DRW

auf·meinen

aufmeinen sich aneignen so sol ... daz capitel ... den zins der vorgenanten zweier güetren vfmeinen 1344 Urkundio I 189 Faksimile

bemeinen

DWB

bem·einen

bemeinen , novis opinionibus rimari, exagitare: von diesem bedeutenden, so oft besprochenen, beschriebenen, bemessenen und bemeinten naturkö…

Bessermeinen

Wander

besser·meinen

Bessermeinen Dat ment ik bäter, sä dat Pêrd, und settle de lutten Leutnant vör de Schöl af. – Plattd. Kalender. Jever.

firmeinen

KöblerAhd

firme·inen

firmeinen , sw. V. (1a) nhd. zeigen, dartun, entweihen, meineidig sein (V.), ableugnen, abstreiten, falsch schwören ne. show (V.), reveal, p…

gemeinen

DWB

gem·einen

gemeinen , zeitwort in sehr verschiedenem sinne, der sich doch auf eine quelle zurückgehend ausweist. 1 1) als zeitwort zu gemein, wieder in…

gimeinen

AWB

gim·einen

gi- meinen sw. v. , mhd. frühnhd. gemeinen ( vgl. DWb. IV,1,2,3249 ); as. gimênian, mnl. gemenen; ae. gemǽnan; got. gamainjan. — Graff II,78…

gotmeinen

MWB

got·meinen

gotmeinen stN. ‘Liebe zu Gott, Gottverlangen’ von der kraft der úbernatúrlichen helffe so wurt der verklerte geluterte geist uz ime [dem M…

gutmeinen

DWB

gut·meinen

gutmeinen , n. , substantivierung aus es gut meinen ( s. gut VII D 1 a) ' wohlwollen, freundliche gesinnung ': ( ich habe ) sie in irem gutm…

vermeinen

DWB

ver·meinen

vermeinen , verb. schlecht machen. verbalbildung zum substantiv und adjectiv mein ( s. 6, 1911), zu einem verbrecherischen, falschen machen:…

voremeinen

KöblerMhd

vorem·einen

voremeinen , sw. V. nhd. vorher meinen? Q.: Eckh (1. Drittel 14. Jh.) E.: s. vore (1), meinen (1) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 3, 459 (vor meine…

wohlmeinen

DWB

wohl·meinen

wohlmeinen , vb. , s. o. wohl I A 6 c und teil 6, sp. 1926 ff. s. v. meinen. —

zuobimeinen

AWB

zuo·bimeinen

zuo-bi- meinen sw. v. zuo-pi-mein-: 1. sg. prt. -ta Gl 2,652,51; zua-bi-: part. prt. dat. sg. f. -tun 2,79,33 ( vgl. Beitr. 73,199). 1) zuwe…

zuogimeinen

KöblerAhd

zuo·gimeinen

zuogimeinen , sw. V. (1a) nhd. zuschreiben, zuweisen ne. assign ÜG.: lat. assignare Gl Hw.: s. zuobimeinen* I.: Lüt. lat. assignare? E.: s. …

ūzgemeinen

KöblerMhd

ūzgemeinen , sw. V. nhd. aus der Gemeinschaft ausschließen Q.: EckhI (vor 1326) (FB ūzgemeinen) I.: Lbd. lat. excommunicare E.: s. ūz, gemei…

Ableitungen von meinen (3 von 3)

bemeinen

DWB

bemeinen , novis opinionibus rimari, exagitare: von diesem bedeutenden, so oft besprochenen, beschriebenen, bemessenen und bemeinten naturkö…

gemeinen

DWB

gemeinen , zeitwort in sehr verschiedenem sinne, der sich doch auf eine quelle zurückgehend ausweist. 1 1) als zeitwort zu gemein, wieder in…

vermeinen

DWB

vermeinen , verb. schlecht machen. verbalbildung zum substantiv und adjectiv mein ( s. 6, 1911), zu einem verbrecherischen, falschen machen:…