gemeinen ,
zeitwort in sehr verschiedenem sinne, der sich doch auf eine quelle zurückgehend ausweist. 11)
als zeitwort zu gemein,
wieder in mehrfachem sinne. goth. gamainjan
theil geben, mittheilen und theil nehmen, theil haben. 1@aa)
im voc. th. 1482 gemeinen
vulgare l ij
b,
wie sonst gemein machen
vulgare Dief. 632
b (
s. u. gemein 3,
b, δ.
ε),
es ist der rest eines reichen mhd. gebrauches, wo doch gerade diese bedeutung noch nicht nachgewiesen ist, sicher nur zufällig (
s. doch u. b, α).
wol auch für öffentlich bekannt machen (
vgl. 2,
d),
wofür schwäb. vergmeinden
erscheint, einer gemeinde amtlich bekannt machen Schmid 227
aus Ulm. 1@bb)
mhd. gemeinen
zu gemeine
von gemeinschaft (
s. das mhd. wörterb. 2
1, 102
a, Lexer 1, 841
fg.),
in mehrfacher wendung des begriffes. 1@b@aα)
transitiv für antheil geben, mittheilen, zutheilen (
s. dazu c, α nhd.),
z. b.: sît dir got hât witze unt kunst gemeinet.
Lohengrin 1063.
auch reflexiv sich gemeinen: nieman ist guot, dan alleine
got. waʒ ist guot? daʒ sich gemeinet. den heiʒen wir einen guoten menschen, der gemeine unde nütze ist. Eckhart 269, 21,
gleich sich gemeine machen,
dem gemeinen besten hingeben (
s. unter gemein 4,
h),
es fällt eigentlich mit dem unter a zusammen, vgl. sich gemeinen und mite teilen
myst. 1, 366, 36
von gott als edelstem gut. das gemein gemachte heiszt gemeinet: daʒ du (
Christus) uns dâ wider (
als gegengabe für die menschheit, die dir die menschliche mutter gab) teilhaft machest dîner gotheit, die du mit dem vater unde mit dem heiligen geiste hâst (
d. h. besitzest) êweclîche gemeinet. David von Augsburg
Haupt 9, 31. 1@b@bβ)
daneben intrans., gemeinschaft üben, mit dat. (
s. unter gemein 5,
a): sine gemeinten im ouch vor haʒʒe mit trinchen noch mit maʒʒe.
genes. 73, 25
D. auch gemeinschaft haben oder gewinnen, z. b.: ob er (
Christus) mit den heiden gimeinte.
fundgr. 1, 103,
sich gemein machte, gemeinschaft eingienge. wieder auch mit einfachem dat.: herre got, sô gedench mîn durch êre dînes fleiskes und dînes bluotes, dem ich hiute gemaint hâ
n. Diemer
ged. 383, 12,
gemeinschaft gewonnen in der '
communion' (
s. dazu unter gemeinde 3,
d, β).
auch mnd. (
fehlt im wb.): dô he nicht ne wolde gemênen Arrianis.
deutsche chron. II, 124, 21,
sich den Arianern anschlieszen, mit ihnen gemeinschaft machen (
vgl. u. gemein 5,
b). 1@b@gγ)
diesz auch transitiv, in die gemeinschaft aufnehmen, mit demselben dat.: er gemeinte sie der kristenheit.
veter buch 46, 1,
es mag auch im gemeindeleben gegolten haben und daraus genommen sein, da das gemeindeglied als solches auch einfach gemein
hiesz (
s. dort 3,
f). 1@b@dδ)
wol erhalten schweiz.: wenn es da nicht bessere (
besser werde), solle sich eine in acht nehmen, ehe sie da gmeine. Gotthelf 14, 77,
sich in gemeinschaft einlasse. auch mit acc. des gegenstandes: traf ich den R. an, dessen lehenleute dieses jahr plötzlich fortgezogen, weil der lehenmann nicht alles mit ihm g'meinen wollte. 1, 99,
gemein haben. 1@b@eε)
schweiz. auch freundlich, herablassend werden Stalder 2, 206,
s. unter gemein 4,
g (gmeinelen,
nach pöbelhafter denkart u. ähnl. schmecken).
besonders bemerkenswert aber gemeinen,
gemeindeversammlung abhalten, gleich gemeinden,
s. d. 1@cc)
aber auch einen gedanken mittheilen, durch rede: wolte si mir gemeinen ir werden gruoʒes
meinen, daʒ künde mich wol sorgen einen (
davon befreien).
MSH. 3, 468
c.
das ist aber ein rest des ahd. bestandes (
s. β). 1@c@aα)
ahd. gimeinian
bedeutete einmal auch mittheilen, zutheilen, theilen, z. b. von den kriegsknechten, die Christi gewand unter sich theilen: sih thes thô gieinôtun,in fieru sie iʒ gideiltun .. thaʒ sie iʒ sus gimeintîninti ebono gideiltî
n. Otfried IV, 28, 4,
damit sie es (
das giroubi)
gleich unter sich theilen könnten und jeder sein gemeines teil
erhielte von der gemeinen beute,
wie das später heiszt in der sprache der beutetheilung (
s. gemein 5,
f, β).
auch von dem, der austheilt zu gemeinen,
gerechten und gleichen teilen,
wie von Christus bei austheilung von brot und fischen: er selbo ouh thô gimeintathie fisga in thâr gideilta. III, 6, 41.
wie eng diesz gimeinen
und gideilen,
die Otfried
so häufig gesellt, im sprachbewusztsein zusammen giengen (
von der beutetheilung her, s. auch gemeinder 3
a. e.),
zeigt sich darin, dasz das erste selbst mit für eintheilen, theile machen eintreten konnte: thaʒ worolt ist gideilitin sehsu gimeinit. Otfried II, 9, 20.
auch altnl. gimeinan
communicare (
gl. Lips. 416). 1@c@bβ)
aber auch durch wort und schrift mittheilen, aussprechen, erklären u. ähnl., in menge bei Otfried
und in manigfacher wendung, z. b.: ih willu hiar gimeinen,waʒ thie engila bizeinên (
bedeuten). V, 8, 1; in buochan man gimeintîthio iro chuanheiti. I, 1, 4,
mit geschriebenen worten, wie sonst mit gesprochenen, d. h. im gemeindeleben, in versammelter gemeinde, aus der auch das herrührt (
vgl. gemein 3,
e).
auch von einer menge als gemeinde gedacht, die ihre meinung erklärt, ihr urtheil gibt: ther liut thô sâr gimeinta,zi dôde nan (
Christum) irdeilta. V, 19, 69; sie iʒ ouh thô gimeintunjoh in selbo irdeiltun, thaʒ man thia fruma in nâmiinti anderên gâbi. IV, 6, 13.
aber auch vom herrn, der vor der menge und für die menge oder gemeinde seinen willen ausspricht, seine weisung gibt (
mit demselben irdeilen,
urtheil oder entscheidung geben): mîn (
Christi) fater thaʒ gimeinit,joh er ouh selbo irdeilit. III, 18, 20; wand er in (
Christus den juden) zalta, wer er was, mit worton iʒ gimeinta. III, 20, 185; bat, er (
Christus) sîn wort gimeintî,er sînan scalk heiltî. III, 3, 6.
das wird im munde des herrn von selbst auch zu bestimmen, verfügen, gebieten: er bat, thaʒ druhtîn fuari,thâr ther (
kranke) sun wâri, joh er thâr gimeintî,thaʒ er nan giheiltî. III, 11, 6;
bezog sich aber die verfügung auf die zukunft, z. b. von gott und dem weltgericht gedacht, in der form einer abgehaltenen gerichts- oder landesgemeinde (
s. gemeinde 5,
d): thes habêt er ubar woroltringgimeinit einaʒ dagathing. V, 19, 1,
wie von Christus selbst ähnlich: er quam in girihtîin thesa woroltslihtî, in thiz lant breita,al sôso er gimeinta. II, 2, 18,
so gewann es von selbst die bedeutung voraus festsetzen, vorher bestimmen, daher praedestinavit
öfter glossiert mit einfachem kemeinta Graff 2, 789 (
einmal foragimeinidon 791),
auch praedicere
das., sonst destinare, proponere, constituere, dicere, monstrare, judicare 788,
alles aus dem gemeindeleben, wo theils die gemeinde theils der herr oder beide verfügen, verhandeln, sich aussprechen, auch urtheil geben, wie vorhin bei Otfried.
ebenso übrigens alts. gimênian
verkünden, öffentlich erklären Hel. 830. 4162
und ags. gemænan. 1@c@gγ)
daneben übrigens ahd. bimeinian, wie so oft gi-
und bi-
nebeneinander gehn, im wesentlichen gleich dem vorigen, dicere, proponere, conferre, praescribere, destinare, statuere, constituere, auch damnare (
vergl. judicare vorhin) Graff 2, 792,
aber bedeutsam auch dicare (
wie auch gimeinian),
dedicare, addicere, sacrare, consecrare, also den göttern widmen oder weihen, offenbar als handlung der gemeinde, von ihrem gut und zu ihrem besten, es ist wie die vertheilung der beute u. α auf die götter bezogen, zuerst vielleicht von dem antheil daran, den man ihnen widmete; dasz es anderseits auch von den göttern selber galt, zeigt pimeinida
oraculum, vergl. christlich gewendet vorebemeinda
providentia. auch davon wertvolle mhd. reste (
wb. 2
1, 102
a. 110
b): sô dû (
gott) chomst an dîn gerichte, ze aller lûte gesichte, dâ werde er (
der verräter) verteilet, deme tûvele bemeinet.
Rol. 87, 24,
dem teufel zugesprochen, zugetheilt mit urtheil, zugleich ist das damnare vorhin darin zu erkennen, vielleicht auch das widmen, weihen, auf den teufel angewandt, das ganze zugleich wieder als handlung vor und im namen der gemeinde (ze aller lûte gesichte);
auch das ahd. destinare, praedestinare noch im 13.
jh.: waʒ leides mir got bemeinde, dô ich êrste wart geborn. Türheim
Willeh. 182
b,
bestimmte, vorherbestimmte als meinen theil (
vergl. α). 1@c@dδ)
erwähnt musz hier auch werden die merkwürdige alem. nebenform beneiman (
und neiman
neben meinan) Graff 2, 1088
fg., statuere, decernere, disponere, destinare, praedestinare, dazu beneimida
decretum, testamentum u. ä., ganz gleich bimeinida 793,
wie denn auch die beiden zeitwörter zusammenfallen in sinn und lautbestand, nur in jenem das zweite mit engerem kreise (
wie es im gebrauch beschränkt ist, fast nur bei Notker),
im lautbestand aber mit anders stehenden liquiden. von der letzteren erscheinung zeigt sich auch bei gemein
eine spur, sofern es mhd. zuweilen mit genæme
tauscht, z. b. Boner. 88, 2
für ungemein
in zwei hss. ungenæm,
wo doch nur jenes passend ist (
s. u. gemein 5,
e, ε),
während in der stelle aus Wittenweiler (
s. das. 3,
e, η),
das von Lexer
vermutete genæm
passend wäre; noch im 15.
jahrh. beide geradezu als gleich zur wahl gestellt: gemeiner lone oder genemer lone,
premium substantiale. voc. 1482 liij
a.
diesz kann ja nur auf einer verwechselung beruhen, zuerst veranlaszt wol durch versprechen, das die art der laute so nahe legte, ermöglicht durch stellenweise berührung der begriffskreise. aber in Notkers beneimen,
das sonst in der luft steht, scheint wirklich ein bloszes versprechen vorzuliegen, das dann in beschränktem kreise doch zu wirklicher geltung kam (
vgl. übrigens die gleiche erscheinung u. geisz 1,
c, γ). 1@c@eε)
ein besonders wertvoller mhd. rest erscheint im rechtsgebrauch: hât ein man sîne kint ûʒ gestiuret bî lebendem lîbe mit varendem guote, swenne er dar nâch stirbet, sô hânt diu kint niht an dem varenden guote daʒ er dâ hât, er habe inʒ danne gemeinet.
Schwabensp. 126, 2
G. (147
L.),
im gloss. mit '
öffentlich zusprechen'
erklärt; es ist ein nachklang des ahd. pimeinida, pineimeda
testamentum Graff 2, 793. 1089, peneimedari
testator 1089,
also bimeinan
testari, nach dem mhd. gewiss auch gimeinan,
eig. öffentlich vor der gemeinde und durch sie bekräftigt eine schenkung machen, zugleich wol im anschlusz an das gimeinan
u. α von beute, die öffentlich zu gleichen und rechten theilen vergeben wird, denn beutetheilung und erbtheilung waren wesentlich ein begriff. 22) gemeinen
gleich meinen. 2@aa)
es so und so gemeinen,
im sinne haben, gesinnt sein: als trewlich und guot er es gegen der freiherrschaft Zimbern gemainte.
Zimm. chron. 1, 115, 21; o trughaft htlein mit vier scheinen, schein anderst, als wir (
teufel) es gemeynen. Fischart 2, 268
Kz., Jesuiterh. 1052; die es gut herziglich gemeinen. 1, 20,
nachtrab 676; wie? solt man dann auch finden kaine, die es mit uns barmherzig gmaine? 2, 55 (
flöhh. 2042); die deutens auch auf die gestalt, wie ichs dann auch allhie gemein. 2, 351; gemeinsts bös, so fahr es in dich (
selber).
groszm. 69 (600
Sch.),
nach dem wahlspruch des hosenbandordens: denkst du böses dabei. für diesz es
tritt auch die sache ein: er (
der mäder) hatt ein gar schöne frauwen. das nam der pfarrer im dorf eben war, geselt sich zuo dem guoten mäder, der gemeint die sach gar guot und vertrewt dem pfarrer und seinem weib nichts arges. Wickram
rollw. 78, 10. 2@bb)
man fragte, was einer gemeine
mit einem reden oder thun: sagt sy .. 'ein guoten morgen mit ein andern!' der guot man (
der allein ist) sahe sich umb und meint, es wer noch einer auf die wisen kummen. als er nun nieman sicht, sagt er: 'fraw, was gemeinstu mit disen worten?' Wickram
rollw. 79, 23; hat der edelman gefragt, was er (
der maler) damit gemein, das er einen nackenden dahin gestelt hab. darauf er geantwort: junker, die teutsch kleidung zumalen ist keinem maler in der ganzen welt müglich, dann sie allen tag etwas news herfür bringen, man kan schier teutsch noch welsch von einander erkennen
u. s. w. 173, 16; do hat er ainsmals den narren gefressen und von iretwegen ain sollichs panketieren, schlitenfaren und anders angefangen, das sich meniglichen darab verwundert hat, was er doch darmit gemaine.
Zimm. chron. 2, 466, 25. 4, 28, 33. 411, 1. 2@cc)
auch mit inf., wie meinen,
sich vorstellen, gedenken, verhoffen u. ä.: das abscheiden irer kind, die sie nimmer (
nie mehr) zu sehen gemeynt.
Aimon d. mhd. auch mit gen. der sache: (
versichern) daʒ wir (
die landgrafen) von in und der stat daselbens (
Chemnitz) sulcher beten (
steuern), als sie uns itzunt .. gegeben haben, nimmermer ewiglich gemeinen noch gevordern sullen. Gengler
cod. jur. munic. 1, 488
b,
wie sonst gesinnen,
begehren, eig. darauf denken. auch mit acc. der person: wie kumt, daʒ mich ir ougen gruoʒ noch nie gemeinen wolde, swie dicke ich ir bin bî gewesen?
MSH. 1, 312
a,
zum ziel nehmen, wie sonst worte, gruszesworte (
vergl. meinen 4,
c von schüssen u. ä.). 2@dd)
es drängt sich aber hier im zusammenhange die betrachtung auf, dasz der unterschied der 2.
und 1.
bedeutung, wie ihn uns meinen
an die hand gibt, mehr ein äuszerlicher oder scheinbarer ist. wie alts. mênian
auch gleich gimênian
erscheint, aussprechen und zwar öffentlich (fora thesaro thiod)
Hel. 4407,
auch ags. mænan
gleich gemænan,
aussprechen, vortragen, bes. auch öffentlich, fore mengo,
vor der versammlung Grein 2, 222,
auch z. b. tô gode mænde,
deo recitavit Boeth. (Ettm. 225),
so ahd. meinan
für proclamare Is. 19, 7,
also auch feierliches öffentliches aussprechen, für ostendere, dicere u. ä. Graff 2, 785,
bei Otfr. III, 7, 33
von den propheten und ihrer weissagung, waʒ forasagon meinent (
nach '
prophetarum scripta'
Alcuin),
eigentlich gleich dem gimeinan
praedicere u. 1,
c, β.
und wenn das zugleich unserm meinen
nahe tritt, wie es völlig darein übergeht II, 11, 43
von Christi worten vom abbrechen des tempels: thaʒ druhtîn unsêr meinta .. thaʒ sînes lîchamen hûs,
nach Joh. 2, 21 dicebat de templo corporis sui,
so zeigt doch der ausdruck der quelle, wie nahe sich auch da sprechen und meinen stehen oder zusammenfallen. das wird aber völlig begreiflich, wenn man sich das reden in den gemeindeversammlungen denkt, in denen sich gemeinen 1
entwickelte. da muszte häufig der fall vorkommen, dasz ein redner nachher noch klar zu machen hatte, waʒ er gimeinta
mit worten, die auffielen, was er hatte sagen wollen, was er in wahrheit, dem sinne nach eigentlich gesagt hatte, was er '
gemeint hatte'
oder '
meinte' (
vergl. u. b),
auch ob er es (
das gesagte) übel
oder wol, mit triuwen
oder untriuwen
o. ä. gemeinte (
s. u. a);
dasz das dann vom reden auch auf thun und handeln übernommen wurde, begreift sich leicht, könnte doch Wickrams
maler u. b noch heute gefragt werden, was er mit seinem seltsamen gemälde '
eigentlich sagen wolle',
wie dort was er damit gemeine.
noch heutzutage ist ja meinung
im wirklichen leben nicht schlechtweg gleich einem denken überhaupt, sondern wesentlich eine ausgesprochene meinung, besonders in gemeinsamen angelegenheiten, meine meinung ist die, geht dahin
sagt der redner gern in verhandlungen. im lat. aber war das meinen
vom eigentlichen sinne einer äuszerung geradezu durch dicere
vertreten, quid
oder quem dicis,
was oder wen meinst du, von wem sprichst du? 2@ee)
darnach erscheint gemeinen
nicht aus meinen
gebildet, sondern umgekehrt, wie sich machen
erwies als aus gemachen, mahhôn
aus gimahhôn
gekürzt (
s.gemach I, 3).
dasz das sparen des ursprünglichen gi-
gerade bei meinen
im sinne haben durchdrang, während es in der eigentlichen bedeutung nicht über den ansatz hinaus kam, hat wol den grund, weil dabei die beziehung auf die versammelte gemeinde bald zurücktrat, der begriff aus der öffentlichkeit in die innerlichkeit und zugleich ins alltagsleben übertrat; vergl. übrigens u. gemeinde 1,
c, γ,
wie da auch im gemeindeleben das verschlucken des ge-
nicht blosz im nd. sich geltend machte, sondern auch im md. und hd. einen anlauf nahm; auch das heilig meineda
für sacramentum Graff 2, 793
musz ein gi-
verloren haben, zu gimeinan
von feierlichem öffentlichem sprechen. und wenn altsl. měniti
von meinen
nicht zu trennen ist, so ist doch bedeutsam, dasz es auszer putare auch memorare, nominare, dicere, asserere, judicare bedeutete (Mikl. 391
b),
also ein sprechen, wol auch öffentliches, das dem putare ebenso vorausgegangen sein musz, wie bei uns, sodasz da eine alte gleiche, wo nicht gemeinschaftliche entwickelung vorliegt. 33) gemeinen
gleich meinen,
lieben. 3@aa)
auch hier ist doch nicht lieben die eigentliche bed., sondern so und so gesinnt sein gegen einen, wie noch im 16.
jh. deutlich erkennbar ist: dieselben mich aber .. in groszer untrew gemeynen.
Galmy 133,
wie sonst in treuen (
s. b); das
s. c.
f. g. den verzweivelten Wahlen nicht trawe noch glaube, denn ir wisset ... wie sie uns Deudschen bisher gemeint und noch meinen. Luther 5, 116
b,
wie sie gegen uns gesinnt sind, '
wie sie es mit uns meinen',
das gegentheil von lieben, mit untreuen meinen. 3@bb)
von freundschaftlicher oder liebevoller gesinnung dagegen scheint die ursprüngliche wendung einen mit treuen, treulich
o. ä. gemeinen: mich jâmirt mîner swesterlîn gar sêre und ôch des clôsters, wenne si hât daʒ clôstir alsô gar getrûlichin gemeint.
chron. des Clarenklosters in Weiszenfels, neue mitth. d. thür.-sächs. vereins 11, 407; man nirgends basz erkennen kan, ob eine frau iren ehgenossen in treuen gemeyne, als wan sie gern daheim bleibt. Fischart
ehz. 472.
s. auch meinen 5,
e, das vorwiegend den zusatz mit
oder in treuen, mit ganzer treue, treulich
u. ä. zeigt, auch von herzen, herzlich, lauterlich, redlich
u. ä., d. h. wie bei es gemeinen
u. 2,
a, von dem das offenbar ausgegangen ist. 3@cc)
bloszes gemeinen
oder meinen
erscheint allerdings auch schon im 12.
jh., ist aber noch erkennbar mit begrifflichem anschlusz an die bedeutung 2,
z. b.: want er (
der könig) was innen worden, daʒ er (
Joseph) mit werken joch mit worten alzane (
beständig) got meinte.
genes. fundgr. 57, 28,
noch nicht eigentlich liebte, sondern: an ihn dachte, ihn im sinne hatte (
man bemerke mit worten).
die bed. lieben tritt auf, indem es durch minne
gleichsam gefärbt wird: daʒ er in einen (
der könig den Joseph) fure si alle (
die brüder) wolte meinen mit aller slahte minnen. 53, 9, mit minnen,
wie sonst mit triuwen.
auch noch anders got meinen,
als ausruf: got, sprach er, sî gemeinet, disen troum er mir bescheinet.
gen. 81, 19
D., gottes mit dank und liebe gedacht, auch mit lauten worten, etwa so wie man eines geliebten, in alter zeit eines gottes minne tranc,
auch diesz ein meinen,
inniges gedenken mit öffentlicher dankbarer nennung, hiesz das nicht auch mit minnen gemeinen,
mit minnetrunk verehrend nennen? oder auch kurz minnen? 3@dd)
dann werden gemeinen
und geminnen
verbunden, wie meinen
und minnen (
s. meinen
a. a. o.),
mit willkommenem reimklang: daʒ ich in mînem sinne niht dinges kan gemeinen noch geminnen wan iuch einen.
Trist. 13919.
und auch gemeinen, meinen
für sich: gip mir den list, daʒ ich .. alsam gemeine dich (
Christus) sam dîn erwelten kint. Walther 123, 33; dô iʒ (
das kind) noch in der wigen lac, dô gemeinte iʒ die juncvrowen (
Maria) .. daʒ iʒ ave Maria alse lange bette, biʒ daʒ iz entslî
f. chron. des Clarenklosters a. a. o. 406,
doch zugleich noch ein aussprechen. 3@ee)
und noch nhd. im 16.
jh. einzeln: ja, sag ich, allda (
beim jüngsten gericht) wird erscheinen, welche im glaubwerk in (
Christum) recht gmeinen, und die ihn (
umgekehrt) nur verehren wollen mit werken, die er nicht befohlen. Fischart 3, 370 (252)
Kz. doch auch im gröbsten sinne: sobald er sie ergreifen wolt, dauchte ihn, dasz er mehr denn 10000 vergrabener personen sehe, die sie verhüteten, dasz er so sehr erschrack, dasz er eilends von dannen flohe, und entbot der jungfrauwen, dasz er sie in solchen sachen nimmermehr suchen noch gemeynen wolte.
buch d. liebe 285
c.
aber auch noch mit deutlichem nachklang der urspr. bed. mit liebe nennen u. ä.: also dasz man einander mit den allerholdseligsten namen, des vatters, der mutter, der brüder, der geschwister benennet, rufet und gemeynet.
Garg. 65
a (108
Sch.).