gemach,
adj. und adv. und subst. II.
zur vorgeschichte des wortes. I@11) gemach,
wesentlich ungefähr bequem und bequemlichkeit bezeichnend, gehört mit machen zusammen zu einem begriffsnetz, das uns gleich zuerst mit reicher entwickelung in den gesichtskreis tritt schon aus der urzeit her und mit seinem kern auf niederlassung deutet nebst der dazu gehörigen einrichtung, vielleicht noch aus der zeit des überganges vom wandern zu seszhaftem leben, wenn es nicht schon in der wanderzeit sich entwickelte. I@1@aa)
am deutlichsten tritt das heraus, wenn ein wort für ehegatten davon entnommen ist, noch nhd. ehegemächt, gemächt (
s. d. 1),
mhd. gemechede, gemachede, êgemechide
n., ahd. gimahhidi
conjux Graff 2, 639,
auch einfach gimahhâ
conjux, uxor 634 (
wozu auch ein gimahho
gehört haben wird).
so im ags. einfach gemäcca
conjux, gemäccan
conjuges Grein 1, 426 (gemäcscipe
conjugium),
auch gemaca
und einfach maca (gemäctîc
conjugalis) Ettm. 195,
altengl. make,
vgl. engl. match
heirat, match-maker
ehestifter. ebenso altn. isl. maki
conjux Egilsson 543
a,
norw. schwed. make
m., dän. mage
gatte oder gattin (
norw. maka seg,
sich paaren von thieren, isl. maka
ambire conjugem).
dazu ahd. auch gimahhida
connubium Graff 2, 638,
vgl. zuâ gimachûn turtilitûbûn,
par turturum (
als opfer)
Tat. 7, 3, zuâ dûbôno gimachon Otfr. I, 14, 24,
die sich gepaart haben. das zusammenfassende gi-
oder ga-
wird von haus aus dazu gehören und in ags. maca,
altn. maki
nur entfernt sein (
s. sp. 1608. 1596),
denn der eigentliche begriff scheint das gemeinschaftliche ansiedeln und einrichten. vergl. unter III, 2,
a a. e. gemach
von ehelicher häuslichkeit und geborgenheit, und unter II, 1,
a nd. mak bedde (
gemaches bette)
vom ehebette. I@1@bb)
dasz aber die ehe dabei nicht der hauptbegriff war, zeigt sich darin, dasz die alten wörter auch genossen und genossenschaft überhaupt bezeichnen, ahd. kamahhûn
socii Graff 2, 634, gamahhida
sodalitas, consortium, congregatio, commercium (
auch collega),
alts. gimako
genosz, ags. gemäcca,
altn. maki,
vergl. nordhumbr. maca
unitus Bouterwek 357
a.
besonders mit bezug auf zwei, ein paar: ahd. gimahhidi
par (
auch zuei gimahhidi
par),
auch bildlich oder begrifflich gesteigert, alts. z. b. ni was thâr is gimako hwergin
Hel. 5402,
er hatte seines gleichen nicht, von einem bösewicht, auch von dingen, z. b. von Christi worten und weisheit, die gemakon ni habdun 1837,
einzig waren, kein gleiches hatten, ahd. z. b. von wein Otfr. II, 8, 52,
im adj. von einer figur, daʒ kemacha triangulum
Marc. Cap. 66,
das dazu gehörige, genau entsprechende. ebenso altn. maki
m., maka
f. Fritzner 427
b,
noch nordisch, norw. make
das eine auch von dingen die zusammengehören, z. b. schuhen Aasen 474
b (
vergl. gelichter a. e.),
schwed. make,
z. b. handschuhe sind makar,
gehören zusammen, dän. z. b. strömperne ere mage,
auch noch, wie ahd. alts., z. b. schwed. hans make finnes icke,
seines gleichen findet sich nicht, dän. din mage,
deines gleichen, auch engl. he has not his match,
wie ahd. thera minna gimah (
wie die gottes sah man nie) Otfr. II, 6, 49,
die ihr gleich wäre, mhd. z. b. wunders gemach,
einem wunder gleich, wunders art. es ist dieselbe entwickelung, wie sie gatte zeigt (
s. dort),
jetzt nur noch ehegatte, ursprünglich gaten, gegaten
ein paar, von menschen und dingen, mhd. sunder gaten
ohne gleichen, alts. von gottes wort das gigadin ni habit,
wie vorhin gimakon,
mhd. ir gat
ihres gleichen, auch genossen aller art hieszen gaten (
vgl. gattung). I@1@cc)
aber auch erweitert auf einen gröszern kreis, der eng zusammen gehört, wieder wie mhd. gate,
z. b. die Dieterîches gaten
Roth. 1103,
D. und seine schar (
s.gatte II, 1,
a);
so weist ahd. gamahhida
als affinitas (
auch gimahî
f.)
auf sippschaft, als foedus auf ein kriegsbündnis, als curia auf gemeindeleben, auch die gl. consortium, commercium u. a. unter b weisen über das paar hinaus auf gröszere gemeinschaft, die sich zusammenthut um sich fride und gemach (
s. III, 1,
c)
zu sichern, gamahhida
contubernium auf gemeinschaftliche einrichtung zweier (
auch zur ehe)
oder mehrerer, auch bei krieg und wandern; einen späten rest davon zeigt das merkwürdige bair.-östr. gemachzaun (
s. d.),
mit dem sich eine nachbarschaft auf eigne gefahr ihre grundstücke einfriedigt und sichert, sich ir gemach
verschafft, es reicht gewiss in die vorzeit zurück. I@22)
die hauptfragen stellt aber gemach
selber, ahd. gimah. I@2@aa)
das adj. steht ahd. für sodalis, communis, tranquillus, frater und weist damit auf jenes zusammenleben, besonders bedeutsam kamah sîn
foederari, copulari Graff 2, 632, kimah werdan,
coire Germ. 11, 37
a (
sich gatten),
eigentlich sich zusammenthun als zwei oder mehr die zusammengehören (
s. foedus, affinitas unter 1,
c)
und in der vereinigung ihr gimah
suchen und finden. dann auch von dingen, idoneus, aptus, habilis, commodus, adv. gimahho
apte, opportune, communiter, dagegen ungimah
importunus, minus idoneus, dispar, absurdus, abstrusus, gravis, malus, auch von menschen iniquus, improbus, onerosus Graff 2, 634,
also passend, geeignet, geschickt, bequem dienlich (
z. b. ein thier zem opphere gimah Otfr. II, 9, 59),
im gegensatz nicht zusammenpassend, ungeeignet (Otfr. I, 1, 57),
störend, lästig, auch aufs sittliche angewandt, wesentlich aber auf förderung von gemeinsamem leben und streben bezogen. auch ags. gemäc
sodalis, aptus, adeptus Grein 1, 426, mäc
opportunus Ettm. 195,
altn. makr
aptus, conveniens, commodus, facilis, jucundus, quietus, also auch in dieser verwendung urbesitz aus der zeit vor der theilung der stämme her, nur goth. von dem ganzen worte keine spur, was doch auch zufall der kargen überlieferung sein kann, wenn es auch seine vollere entwickelung erst später gefunden haben mag. I@2@bb)
das einfache subst. ahd. gimah
n. übersetzt commodum, voluptas (ungimah
molestia, injuria),
auch compendium (
wie gimah
compendiosus, gemehlîch
compendiose),
es musz einen weiten begriffskreis umspannt haben, wie auch bei Otfried
zu sehen ist, der es manigfach als reimwort braucht für einrichtung, gestaltung, zustand, verhältnis o. ä., besonders von glücklichem, schönem zustand, z. b. im himmel V, 23, 163.
im alts. und ags. ist es nicht bezeugt, im letztern wol gar nicht entwickelt, aber altn. und altschwed. mak
n. ruhe, friedlich glücklicher zustand, behaglichkeit Rietz 425
b,
noch schwed. norw. mak
n., dän. mag,
wie auch nd. mak
Brem. wb. 3, 114,
mnd. mak
und gemak.
wegen der bedeutung wohnraum s. III, 2,
c. I@2@cc)
in der fülle der bedeutungen find ich nur éinen einigenden punkt, in gemeinschaftlicher einrichtung mit gemächlicher behausung, angewandt sowol auf die menschen selbst (
und thiere)
wie auf ihre einrichtung. daher einerseits von gatten, aber auch bundes- und gemeindegenossen, anderseits von den gegenständen die ihnen ihr gemach bereiten, wie von diesem selber als hauptpunkte, denn alles läuft zugleich in der form gimah
wie in seinem mittelpunkte zusammen. wenn genossen, bundesbrüder, gatten gimahhûn
genannt wurden, der einzelne gimahho,
hiesz es doch auch von ihnen einfach gimah sîn, werdan
foederari, copulari (
s. a),
wie alles was das damit gesuchte ziel förderte, gimah
hiesz und das gesuchte ziel ebenso. das letztere drückt sich am deutlichsten aus, wenn gimah
genügte, um das lat. conjugii portus wiederzugeben (Graff 2, 635),
die ehe als hafen gegenüber dem sturm des lebens; aber auch alle andere sichernde gemeinschaftliche einrichtung hiesz so, z. b. in gemachzaun,
der einer nachbarschaft, ihrer habe und heerde gemach gibt
gegen feindliche gewalt. jenes gimah sîn
von menschen muszte aber eben so von gegenständen gangbar sein, nach gimah
aptus, idoneus, opportunus u. dergl., zunächst wol schon von dem orte der sich zur gemeinschaftlichen einrichtung darbot als gimah
aussehend und gimah
versprechend (
man darf sichs wol schon von höhlen u. ä. denken),
dann von allem was man selbst daran und hinzu that, um ihn vollends gimah
zu machen. wenn dinge, die sich genau entsprechen, die zum verwechseln oder vertreten gleich sind, gimah
hieszen (Otfr. II, 6, 49,
daneben gimacho 8, 52,
s. u. 1,
b),
so stammt das vielleicht von werkstücken her, die man zur einrichtung einer wohnstätte suchte oder herrichtete, dasz sie gimah
wurde, es muszten steine, stämme, sparren u. dgl. genau zu einander (
und zum ganzen)
passen, gimah sîn,
zunächst zwei, da man ja zunächst zwei auf einmal an einander miszt und paszt (
vergl. ein 'paar',
nach lat. par
gleich),
dann aber auch alle, sodasz dabei wieder die anwendung auf eine zweiheit und vielheit zugleich erscheint wie bei menschen (1,
b. c).
dieser begriff des genauen passens spricht sich besonders deutlich aus in ungimah
dispar neben gimah
par, aequalis, und wenn jenes auch iniquus, improbus, malus ausdrückte (
s. a),
so hatte gewiss auch gimah
selbst solche anwendung auf höhere, sittliche verhältnisse gefunden, wie ja gemach
als friede und ruhe (III, 1,
c)
in haus und gemeinde voraussetzt, dasz der begriff des passenden einklangs vom äuszeren auch auf das innere zusammenleben erstreckt wurde, vom haus auf seine bewohner, ja bei jenem gimah sîn
foederari, copulari musz das wol schon mit gedacht sein, wie bei den gatten gewiss auch (
vgl. Otfr. IV, 29, 10
von Jesu und den jüngern).
auf geistige anwendung weist ungimah
abstrusus, absurdus, ungimahlîh
ineptus, anwendung auf das wirtschaftsleben aber verrät wol gimah
compendiosus und gimah, gimahhida
compendium, eigentlich vielleicht eine verbesserte einrichtung, etwa am pflug oder wagen, an der handmühle u. ä., welche die handhabung bequemer machte, die arbeit abkürzte (
vergl. mhd. und nhd. unter III, 1,
g),
dann angewandt auf die arbeit des schreibers: compendium, brevis dictio vel gemach.
sumerl. 4, 64. I@33)
auch das alte machen zeigt dasselbe bild und hilft es weiter ausmalen. I@3@aa)
dem gimah
entspricht gimahhôn
concinnare, conjungere, copulare, connectere, glomerare, dann coaptare, coacervare, struere, exstruere, condere, componere, redigere, conficere, fabricari u. ä., s. Graff 2, 644,
man sieht da im allgemeinen wesentlich ein herrichten und herstellen durch verbinden von passenden stücken, wobei congeminare auch noch auf je zwei zusammengepaszte stücke deutet (
das ist wol gimahhida
copula),
die ja selbst gimah
hieszen wie das daraus hergestellte auch, bezogen gewiss zunächst auf alle einrichtung die zum wohnen und leben und arbeiten gehört, gewiss aber auch schon auf die wohnung selber (
s. III, 2,
c);
auch auf schmuck, das zeigt kimachôt
comptus samt gimah
comptus Graff 2, 644. 632,
vom hause z. b. in gimachôt
instruitur (
domus luxu) 645,
aber wol auch schon vom schmuck der person selber, wie noch in der hauswendung sich die haare machen,
d. h. passend, schön machen, man muszte wol zu festen gimah,
comptus erscheinen (
vergl.gemächt II, 2,
a, ausputz).
eigen auch passivisch oder medial sociari kamahhôn,
also wol von gemeinschaftlicher einrichtung, die zwei oder mehrere treffen (
innerlich und äuszerlich, vgl. gamahhida
foedus).
bemerkenswert auch vom dichten nach gimahôtiu
condita (
carmina),
dazu wol gimahhida
aenigma, eigentlich ein künstliches gefüge von wort und sinn, vergl. machôn (
carmina) Graff 2, 640,
altengl. make
für dichten schlechthin, schott. mack,
engl. maker
a poet Halliwell 538
a (
vgl.machen 1,
e, man denkt an ποιέω,
auch gemächt II, 4,
f);
s. noch nhd. gemachen
in der bedeutung verabreden, vermitteln. wie aus dem allen ein allgemeines gimahhôn
formare, parare, creare, facere u. ä. hervorgehen muszte, sieht man leicht. I@3@bb)
aber auch das einfache machôn
ist neben facere, conficere, parare, fabricari u. ähnl. noch jungere, concinnare, componere, struere Graff 2, 640,
aptare Schm. 2, 543 (
alts. gemacôn
und macôn
concinnare), intmahôn
disjungere, dissociare, wonach schon Schmeller
a. a. o. geneigt war, '
auch unser einfaches machen
auf das alte gimah
zurückzuführen',
sodasz in machôn
nur das gi-
gespart scheint (
in folge häufigsten gebrauches),
das ursprung und bedeutung verlangen; kommt doch auch für gimah
einfaches mah
vor Otfr. III, 20, 147
in F, wo jenes gemeint ist, also schon wie in bair. mächlich
für gemächlich,
schon im 15.
jahrh. mächleich
lentus Schm. 2, 543,
also auch oberd. wie md. mach
commodus Mones
anz. 7, 302, zû mache
neben zû gemache
vaterunser 107 (
s. III, 1,
h),
nd. to make
wb. 3, 7
b,
wie auch sonst nd. mak
gleich gemak (2,
b),
ags. maca
gleich gemaca (1,
a),
s. zum sparen des gi-
schon in alter zeit bei vielgebrauchten wörtern sp. 1608,
auch neuerdings noch gut oberd., z. b. in schweiz. fährt
für gefährte (
s. d. 5,
e),
wo das ge-
eigentlich so nötig ist, wie in ahd. nôtgistallon,
das doch auch nôtstallon
hiesz, die sich in der not zusammen stellen. I@3@cc)
also machôn
eigentlich gimahhôn,
diesz eigentlich 'gimah
machen',
sowol vom subst. wie vom adj. gimah
zu verstehen, welche beide fortwährend und oft ununterscheidbar in einander spielen, zusammenlaufend in dem begriff eines geborgenen, befriedigten, behaglichen lebens (
vgl. gimah
voluptas);
man kann das noch anklingen hören in schweiz. einmachen,
mit einem zaun einschlieszen, entmachen
den zaun öffnen Stalder 2, 189,
zuerst gewiss vom hofzaun. das subst. wäre begreiflich als n. des adj., und gemach
n. gilt noch lange für behaglichkeit, gemächlichkeit; aber daneben erscheint ein masc. (
s. III, 3,
a)
und ahd. selbst ein fem. gimacha,
bei Otfried
öfter gleich seinem sonstigen gimah
n., z. b. himiles gimacha I, 1, 56,
friede und seligkeit im himmel (
s. III, 1,
e). IIII. gemach
als adj. und adv. II@11)
das adj., im ahd. gebrauch sehr entwickelt (
s. I, 2,
a),
ist nachher selten geworden, schon im mhd., gilt aber auch nhd. doch noch im 17.
jh. und länger. II@1@aa)
mhd. nur in wenigen stellen und ohne endung: dô er sie alsô schône gesach, daʒ was im liep unde gemach.
genesis 55, 14
D., eine damals noch beliebte bindung (
s. wb. 2
1, 13
a), gemach
in einer bedeutung, die unter den ahd. zeugnissen fehlt (
wie gewiss noch manches),
etwa wolthuend, wonnig. auch noch vom manne selber, einem gemach sîn,
sich gegen ihn so verhalten, dasz man ihm gemach
erscheint und bleibt, dasz das verhältnis nicht durch ungemach
gestört wird: doch was er im dar an (
dabei) gemach, daʒ es in iht bevilte. Hartmann
Erec 2271,
Erec dem Artus, von dem er sich mit ausrüstung zum turnier beschenken läszt, aber mit vorsicht und vorbitte gegen übertriebene milte;
vergl. ahd. gimahhida
conniventia Graff 2, 638.
häufiger erscheint noch ungemach,
lästig, unfreundlich, bös u. ä., wie ahd. (I, 2,
a),
auch noch mit endung, z. b.: nu scheidet mich dâ von (
von gemütsruhe) ein ungemacher gruoʒ. H. v. Rugge
minn. fr. 102, 6.
auch mnd. gemak
selten, s. im wb. 2, 51
b eine gemake tumbe,
gruft, es scheint geräumig gemeint, eigentlich vom hause mit bequemem raume, häufiger mak 3, 7
a,
z. b. ein mak bedde (
vom ehebette im gegensatz zur unehe, vergl. I, 1,
a und III, 2,
a von ehe),
auch von menschen und thieren, ruhig, sanft, zahm, z. b. makes vees mach vele in enen stal,
aber auch mak unde mode,
müde und matt, noch jetzt z. b. in der Altmark mack
matt, auch zahm, wie hausthiere Danneil 130
a,
wie nl. mak
zahm, mack Kilian (
vergl. so gemächlich 1,
c).
auch altengl. imak
und mak
aptus. II@1@bb)
nhd. ist im 16.
jahrh. das adj. in der alten bedeutung in den wbb. wie verschwunden (
vgl. unter c und gemachig),
doch sein fortleben verbürgt: fried, einigkeit und ein gemach stilles leben.
Dreyding B ij (
das. gemachlich
adv.),
wie ahd. gimah
tranquillus, altn. makr.
so im 17.
jahrh. 'gemach und stille',
in bauernmunde, meisznisch: es ist schon gut, seid nur ein wenig gemach und stille. Schoch
stud. leben K ij (
vgl.gemach reden
unter 2,
c),
und auch gemach
allein noch, wie mhd. unter a, vom dichter wol aus der mundart entnommen, es hat sich im osten offenbar am längsten gehalten, wie vieles alte: der könig, wie gemach, wie gütig er sonst ist, folgt auch dem himmel nach, lernt zornig sein wie er. Opitz 2, 51 (
über die erob. Roschelle).
dieselbe bed., wol nur anders gewendet, in einem sprichwort: das nieder und gemach findt allzeit ungemach. Henisch 1481,
wer sich immer nur duckt und nachgiebig ist. II@1@cc)
gleich dem heutigen gemächlich (
das hauptsächlich adv. ist): gemach,
langsam, tardus. Maaler 166
b, gmach,
frigidus homo, lentus, segnis, tardus 187
a,
also nur tadelnd; eines gemachen und langsamen gangs,
tardigradus. 166
b; gemacher gang,
gradus clemens, testudineus, wie ein schneck. Schönsleder T 6
c; das pferd geht einen gemachen schritt. Adelung,
der auch ein gemaches leben
und ein gemacher mensch (
hindernisse scheuend)
anführt, für beides aber sei im hd. gemächlich
üblicher. II@1@dd)
auf anderes geschehen übertragen, das allmählich (
d. h. allgemächlich)
vor sich geht: gemache änderung, gemache ausriechung (
des wassers) an einem warmen ort. Schm. 2, 542
aus einer quelle des 18.
jh., wie es scheint. das adv. hat sich in dieser bedeutung breit entwickelt und auf diesen gebrauch gewiss zurück gewirkt, z. b. in folg. von Campe
beigebrachter stelle. II@1@ee)
ungewöhnlich für bequem, gemächlich im folgenden: ein hügel, mählig erhöht, weichgrasig, gemach dem müdesten wandrer. Baggesen,
der auch dem m. w. noch gemächlich zu steigen ist, doch ist die verwendung gut und auch der ältern sprache zuzutrauen, zumal gemach
auch sonst gäh
zum gegensatze hat, diesz aber auch steil, abschüssig bedeutete; vgl. gemachsam 2
a. e., auch gemächlich
braucht Kosegarten
so. II@22)
als adv., so allein bis in die gegenwart. II@2@aa)
in voller form ahd. camahho, gimaho,
apte, opportune u. ähnl., ungimahho
importune, moleste, aegre, mhd. gemache (Lexer
nachtr. 190),
ruhig, geduldig, behutsam u. ä.: si dolte sô gemache, daʒ eʒ gar âne braht beleip.
Trist. 12602; iedoch sprach si gemache.
Reinfr. v. Braunschweig 3764; du solt gemache nâch im hengen (
reiten). Laber 222; sô trage ich ungemache sorge under mîner brust.
Flore 1852.
nhd. nur noch in gestutzter form, wie auch schon im 14. 15.
jh. (Lexer 1, 832),
anfangs aber auch noch im comp. und superl., gemächer, gemächest: hett Phaeton syn faren gelon und Icarus gemächer gton und beid gefolgt irs vatter rot, sie wern nit in der jugent dot. Brant
narr. 40, 22; das ir in den sachen zuo gech seit, acht nit, was euch darinn beschech .. darumb solt ir ein ander mal dest gemecher thun.
Teuerd. 81, 75; möchtest demnach wol gemächer thun. Schaidenreiszer
Odyss. 228
b,
nicht so ungestüm sein (
s.gemach thun
unter g); er zoh auf das aller gemächst hernach. Pauli
sch. u. ernst 352,
in einer andern ausg. gemechest 50
b; dieweil sie mit ime (
dem kranken im schlitten) nit eilen kunten, sonder ufs gemehest faren ..
Zimm. chron. 2, 411; dasz solches (
eine operation) auf das aller gemachest und gelindest geschehe. Würtz
wundarzn. (1612) 87,
ohne den umlaut, dasz es sich nicht von dem geläufigen gemach
entferne. II@2@bb)
die alte bedeutung klingt nach in gemach,
behaglich, also z. b. ohne anstrengung, '
gemächlich',
worin das bis heute erhalten ist: und giengen also gemach für sich. Pauli
sch. u. ernst 50
b; wenn dirs gefiel, so wolten wir vorhin ziehen und dein weib so gemach lassen hernach ziehen mit dem gesinde und vieh. Luther
Tobias 11, 3 (
man bemerke das malende so, also
dabei, wie noch jetzt in entsprechenden fällen, vgl. u. gemächlich 2,
c).
auch von sinnesart, ruhig, befriedigt, gemächlich, wie schon ahd.: (
die Moscowiter) sein arbetsam, behelfen sich gar gemach und gibt inen der hunger und durst nicht so bald zu thuen als etwann andern nationen, dann sie ohne das gar schlecht (
einfach) leben in essen und trinken. Kiechel 116.
noch im 18.
jahrh.: würde mir wol so gemach dieses herz im busen schlagen, folgte gleich (
wie einem fürsten) ein küchenwagen und des landes gold mir nach? Gökingk 3, 64.
auch noch gemach sitzen,
bequem, behaglich, ganz mit alter farbe: ich weisz, wer auf zwei stühlen sitzt, der sitzt nicht sehr gemach. Weisze
kom. op. 3, 232 (
ärntekranz II, 10).
aus dem heutigen alltagsgebrauch kommt ihm gemütlich
ganz nahe (
sehr junger entstehung),
das in allen diesen fällen das gemeinte für uns am besten ausdrückte, auch von einem gange z. b. wir wollen so gemütlich hinaus schlendern. II@2@cc)
auch für behutsam, vorsichtig, wie ahd. als gegensatz zu hastig, heftig, hitzig: mit denen soll man gemach und säuberlich umbgehen. Luther
br. 2, 120; aber gemach in die kolen geblasen, so fährt dir kein staub in die nasen.
Garg. 253
b (
Sch. 478); man musz gemach in die kolen blasen, sonst fahren die funken ins angesicht. Lehman
flor. 1, 82; gemach reichen thut wol. Henisch 1482,
nicht heftig zugreifen, nach etwas langen ist dienlich; verfahrt in diesem schmerz als christen was gemach. Chr. Gryphius
poet. wäld. 2, 133.
daher auch für leise, still, z. b. im gegensatz zu laut
reden (
vgl.gemach und stille
unter 1,
b, gemächlich 2,
b), gemach reden,
submisse loqui, presse et leniter Schönsleder T 6
c, Aler 890
a: es ist alda kein glegenheit, so laut zu reden von den dingen ... drumb wenn ihr wolt mein liebster sein, so redet gmach mit mir allein. Ayrer 2304, 9;
auch diesz noch im 18. 19.
jh., vorsichtig leise, wie noch z. b. in Nassau Kehrein 158: sie athmeten leise, sie schlichen gemach dem schimmer des lämpchens der liebe sich nach. Bürger 34
a (
Len. u. Bland.); sprich gemach, entgegnet ihm der alte, dasz vom volk dich keiner hier vernehme. Platen 4, 235.
ähnlich von musikalischem vortrag (
etwa '
andante'
o. ä.): dieser entlockte gemach der kremonageige melodischrieselndes silbergetön, das oft in gezogener seufzer weicheren laut hinschmolz. Voss
Luise 3, 2, 500. II@2@dd)
daher langsam, aus vorsicht oder trägheit o. a.: der gemach thut oder gemach gehet, der kompt auch ferrn. Henisch 1481; gehe gemach und lebe lang seind zween brüder. 1482; man musz gemach vom stall ausreiten.
das.; wer gemach fehret, der kompt auch noch zu markt.
das.; mit verzug und gemach fahren kan man vilen sachen helfen und rathen.
das.; man sol den bauch gemach füllen.
das.; wer zu geh ist zu unzeiten, der soll esel reiten, die gehen gemach.
das., vgl. unter gähe 1,
c; gemach kommt auch hernach,
paulatim longius itur. Stieler 1196; übel gfütert gemach geritten. G. Wickram
bilger H 3,
sprichw., wer schlecht füttert, musz langsam reiten, hat ein träges, mattes pferd (
vergl. nd. mak unde mode 1,
a am ende); hey gemach fährt man den berg auf.
Garg. 86
a (
Sch. 147); der zapf ist klein und lauft gemach. 90
b (157),
d. h. der wein aus dem zapfen; so mach von schnee einen pallen und lasz den gmach herab fallen, das daraus werd ein leenen (
lauine) grosz.
Teuerd. 36, 22.
auch noch im 18.
jahrh.: die ritter führen ihn am arme ganz gemach den bäumen zu. Wieland
Oberon 4, 27
u. ö.; mit sanftem rieseln schleicht hier gemach ... ein heller bach. Bürger 9
b (
das dörfchen); der fischer singt im kahne, der gemach im rothen wiederschein zum ufer gleitet. Matthisson 110; 'thu ich nicht langsam genug?' aber der passagier sagte: ich schiesz dich todt, wenn du nicht gemach fahrst! Hebel 2, 201.
in allmählich übergehend (
s. e): vom traurenden himmel sinken die sterne gemach. Fr. Müller 1, 101.
vergl. mhd. mit gemache III, 1,
d, ε. II@2@ee)
daher auch für '
nach und nach',
allmählich, d. i. eigentlich allgemächlich (
s. gemächlich 2,
c): darnach (
beim fortgang des krieges, als sich nahrungsnot einstellte) kauft der rat die schaf alle, wenn man sie herbracht .. und man (
d. h. der rat) bestellet schefer und liesz sie zu feld gin, und man stachs alle samstag gemach ab und wugs der gemain aus.
Nürnb. chron. 2, 311, 27,
nur samstags wurden sie ausgeschlachtet nach und nach, um die vorräte zusammenzuhalten; lasz es gar gemach erwarmen. Schm.
2 1, 1559, 15.
jh.; paulatim .. gemach, gmechlich, meylich, langsam. Alberus Dd 2
b; gemach wird das kleine grosz, aber gähling wird das grosze klein. Henisch 1482; die brust (
des scheintodten) klopft, o! die wärm entsteckt der seelen haus und theilet sich gemach durch alle glieder aus. A. Gryphius
verl. gesp. 35 (3, 13); dort in den bittern abschieds-stunden, wie deine schwester an dir hieng, wie, mit dem land gemach verschwunden (
bei der abreise zu schiff) sie unserm letzten blick entgieng. Haller 223 (160
Hirzel); es stirbt der schimmer des himmels gemach, und schatten und nacht läuft über thäler und hügel. E. v. Kleist 2, 40 (
frühl. 357); doch die betrachtung schärft sein unvollkommnes wissen und leitet den verstand gemach zu tiefern schlüssen. Wieland
natur d. dinge 1, 130; wann auch mein stundenglas gemach zum ende rinnet. Gotter 1, 431; dem bei eigener habe gemach annahte das alter. Voss
Odyss. 1, 219; wann der frost gemach entflohen. Platen 1, 25. II@2@ff)
dafür auch 'gemach gemach'
oder gemach und gemach,
mit malender wiederholung (
die man sich fortgesetzt denkt, vgl. nach und nach,
immer eins nach dem andern): und wie sy (
die päpste) gmach, gmach, inen (
sich) die kaiser und könig unterworfen, auch gewehnet haben inen die füsz zu küssen.
der verzuckt Pasquin 1543 C 7
a; nach diesem ist auf einmal die gewalt und wissenschaft gemach und gemach verdorret. Opitz 1,
vorr. 6
a (
geriet von dem punkt an in allmähliches verdorren); dessen ebene von dem gemach und gemach aufsteigenden gebirge gleich wie von einem kranze umbgeben ist. 2, 282; nun begreife ich sehr wohl, wie uns der dichter aus einer jeden leidenschaft zu der ihr entgegenstehenden .. ohne unangenehme gewaltsamkeit bringen kann, er thut es nach und nach, gemach und gemach
u. s. w. Lessing 7, 121 (
dram. 27); gleich dem manne, der im traum von einem hohen thurm gemach gemach herabfiel. Platen 4, 246.
eine andere verstärkung ist allgemach (
s. d.),
auch alsgemach,
s. d., Schm. 2, 542,
das doch auch gleich so gemach (
s. u. b)
sein kann; vergl. allgemächlich. II@2@gg)
besonders geläufig war gemach thun,
langsam, vorsichtig, bedächtig, schonend verfahren, vorgehen u. dgl. (
s. c),
aber auch auf trägheit angewandt (
spöttisch): kein besser narr in aller sach ist, dann der allzyt kan thuon gmach und ist so träg, das im verbrennt syn schienbein, ee er sich verwent (
am ofen). Brant
narr. 97, 2; der wis man duot gemach allzyt, ein gäher billich esel rytt. 35, 33; hett .. Icarus gemächer gton. 40, 22 (
s. unter a); das etliche ungehewer erbeiten und haben doch kaum brod zu essen, ander thun gemach mit erbeit, den fleuszt es zu. Luther 2, 388
a; dasz man dem herrn landgrafen ja wol einhielte, dasz
s. f. g. gemach thät.
br. 1, 336; mancher leszts im sawr werden und eilet zum reichthum ... dagegen thut mancher gemach, der wol hülfe bedürfte.
Sir. 11, 11. 12; zu weilen thet die flamme gemach, das sie ja nicht verbrennete die thier.
weish. Sal. 16, 18; die creatur, so dir als dem schepfer dienet, ist heftig zur plage über die ungerechten, und thut gemach zur wolthat über die so dir trawen. 16, 24; herr magister, thut gemach, wer weise sein will, der trinke des weins nicht zu viel. Alberus
Es. 13; verzieh die sach ein kleine weil und thu gemach. 46
b; ach liebes weib, thu doch gemach. 161
a; vermahnete einer den andern, gemach zu thun und nicht so sehr zu eilen. Kirchhof
mil. disc. 151; Theagenes wirt gemach thun, wenn er mich sihet, er ist doch nicht mehr denn ein knecht, wiewol er sich gegen euch stolz, hochmütig und verwehnet erzeiget.
b. d. liebe 212
d; thu was gemach, und üb nit rach an mir so gar geschwinde. Ringwaldt
geistl. lied. C 4
a; thu nur gemach, gib gott die rach. D 3
b; man kan ein wenig thun gemach, bisz sie sich aufruhr laszn merken. Ayrer 210, 9; darumb thut ein wenig gmach und wart, bisz ihr erfahrt, wers hat gethan. 1896, 36; er aber winket, dasz sie gemach theten und ihn zuvor hörten. Ayrer
proc. 1, 7; ihr herren anwäldt, thut gemach. 1, 13; herr, thut ein wenig gemach. Moscherosch
Phil. 1, 158,
nehmt euch zeit; thu gemach, wilt du haben gemach. Henisch 1482; thu gemach und lach, so gewinst (
überwindest) du alle sach.
das.; thu gemach und sihe hinder wem du sitzest.
das.; biszweilen musz man mit den gedanken gemach thun (
sustinendae sunt cogitationes). 1482,
man musz sie hemmen können; thu gemach, eile mit weilen. Lehman
flor. 1, 182; ich fühl', ach gar zu spat, o Amor, deine rach'. halt an, du groszes kind, halt an und thu gemach. Fleming 183 (
Lapp. 216); schmeh nicht bald und thu gemach, jeder hat sein eigne schmach. Logau 1, 2, 90; wartet, betet, braucht glimpf, thut gemach. Schuppius 838; hierauf ist zu wissen, das christliche herzen billig gemach thun in ihrer arbeit, ob sie gleich arm sind, in betracht dasz die nahrung und das gedeyen nicht eigendlich in ihrer arbeit, sondern in dem segen gottes bestehet. Scriver
seelensch. 2, 183; gemach thun in der arbeit, im bauen
u. ä., esse parcum in operando etc. Aler 890
a; du thust recht gemach und läszt dir zeit. Auerbach
dorfg. 4, 13. II@2@hh)
daher gemach!
als warnender zuruf, der zur vorsicht mahnt, auch gegen heftigkeit, anmaszung u. ähnl. gerichtet (
wie sachte!),
meistens gekürzt aus thut gemach,
wie das z. b. bei Rist
und Ludwig
noch deutlich ist: gemach ins dorf, die bauern seind trunken. Henisch 1482,
sprichwort; gemach, lieber eidam, gemach! Kirchhof
wend. 73
a (1, 91
Öst.); gmach, junger herr ohn einen bart! Weckherlin 481 (
od. 2, 27); gemach, ihr kinderlein, ihr freunde, thut gemach! Rist
Parn. 659; gemach! gemach! thut gemach!
peace, peace! be quiet! softly, do not speak so loud! Ludwig 732; gemach, mein herr, nicht so zornig!
das.; no, no, thu gemach,
parcius age, bona verba quaeso Aler 890
a; gleich läuft ein diener hin, klopft an das kloster an, und so, als wenn das thor davon zerspringen solle. »nu, nu! gemach! gemach!« man fragt, zu wem er wolle
u. s. w. Lessing 1, 128;
derwisch. ich geck! ich eines gecken geck!
Nathan. gemach, mein derwisch, gemach! 2, 211 (
Nathan I, 3); sie legte — ja doch! nur gemach! schlagt euern Plato selber nach, es läszt sich nur auf griechisch sagen. Wieland 10, 150 (
Diana u. End.);
richter. verhört! in ketten und banden nach der residenz geschleppt!
edelmann. sachte! sachte! ..
richter. man musz regimenter marschiren lassen! man musz haussuchung thun!
edelm. nur gemach! Göthe 14, 304 (
bürgergen. 14); gemach, mein herr, nach ihnen ist nicht gefragt worden. Kotzebue
dram. sp. 3, 225; da .. sprang sie auf ihn zu, und als sie ihn mit thränen und liebe umarmen wollte, sagte er: gemach! wirf mich nicht um! Hebel 2, 205. II@33)
das adverb auch in genitivischer form (
vom n. des adj.),
gemachs, wie stets, stracks, eilends
u. ä. (
das gemaches,
das bei Lexer 1, 833
als adv. steht, s. unter III, 1,
a a. e.): vor Sygeth solches gschach vor tags, auf Kawotzsch wider rucktens gmachs. Schmelzl
zug in das Hungarland 7
a.
nur von nachlässiger aussprache ist gemacht, im 15. 16.
jh.: er solt gemacht thuen, bisz sich die und diese gelegenhait zutruege.
Zimm. chron. 4, 360, 19,
geduld haben; auch als subst.: commodum, gemacht,
nd. ghemacht. Dief.
nov. gl. 103
b,
schon spät mhd. Lexer 1, 832. IIIIII. gemach
als subst. III@11)
es ist eigentlich gemächlichkeit, behagliches leben und wesen. III@1@aa)
das ist noch nhd. in voller deutlichkeit bis ins 17.
jh. im bewusztsein geblieben. III@1@a@aα)
im 15. 16.
jh. z. b.: bringe zu trinken! mir wellen gemach han.
fastn. sp. 467, 14,
am schlusz des Neidhartspiels: wir wollen nach der arbeit uns wol sein lassen (
vgl. unter δ vreude und gemach); 'mein gemach'
hiesz, was ich zu behaglichem leben oder auch zum leben überhaupt brauche, auch speis und trank, wie ein jägerhund sich gegen seinen herrn beschwert: ich was ganz wacker und ganz risch und ward gespeist von deinem tisch. nun ich aber bin worden alt ... jetzt weigerst du mir mein gemach. Waldis
Es. I, 22, 26; wenn gottes gaben, als reichthum, gewalt, ehre, gemach fürhanden ist, so sind sie so stolz und hart, das sie die ganze welt trotzen. Luther 5, 208
a; (
ritter) die nichts rhümen können (
von sich), denn das sie harnisch füren und zwei bein über ein ross hengen ... und dafür das ganze jar gemach, lust, freude, ehre und guts gnug haben. 183
b; das evangelion will und kan nit in groszen ehren, gemach, lust und gut herfürbrechen.
br. 2, 442.
als gegensatz zu arbeit
und krieg (
vgl. c),
wie ahd., z. b. als Eulenspiegel in Marienthal mönch werden will, bescheidet ihn der abt: wolan in gottes namen, du arbeitest nit gern, du solt unser portner sein, so bleibstu in dinem gemach und hast mit allen kein kummernis noch erbeit.
Eulensp. 89
s. 129
Lapp.; wer lieber krieg hat dann gemach .. der ghört wol in das narrenbuoch. Brant
narr. 78, 16.
auch pluralisch, alle gemach,
alle gemächlichkeiten, aller mögliche comfort: und als sie (
die kaiserliche botschaft an die Engländer) gen Calis (
Calais) kamen, wurden sie mit groszen ehrn empfangen, in ein guete herberg geweist (
geführt), in alle gemach und ehr erzeigt.
Wilw. v. Schaumb. 96; als durch welchs (
weltliches regiment) uns gott allermeist unser teglich brot und alle gemach dieses lebens erhelt. Luther 4, 418
b. III@1@a@bβ)
im 17.
jh.: wann du an einen königlichen hof kämest und würdest krank .. und der könig sagte zu dem marschalk oder einem kammerjunkern: ihr solt auf des Ascanii gemach warten und ihn fleiszig besuchen ... Schuppius 257;
sprichwörtlich klein gepack, grosz gemach (
eigentlich wol nd.),
si tibi parva est res, est tibi magna quies. Henisch 1481, 14; die jugend ist wol gut, ist voller geist und mut .. nur dieses mangelt ihr, sie liebt nur ihr gemach, denkt künftigem nicht nach. Logau 3, 6, 6; mich dünkt, gunst, ehre, macht, gemach und gute bissen die stärken ihm das hirn, nicht aber das gewissen. 1, 5, 75; seine (
des fürsten) diener, seine lieben, die für drang, zwang, pein und schmach (
im kriege) endlich mehr kaum kunten giben (
atem holen), hoffen luft und mehr gemach. 2, 148 (
zugabe); der zorn ist eine volle bach, ist aber trucken von gemach. 2, 3, 67.
noch Stieler 1196
stellt als erste bedeutung auf commoditas, opportunitas, convenientia, concinnitas, congruentia, aptitudo, mit beispielen für das erste: es ist ein schlechtes gemach an dem orte,
incommodum est hic habitare, im kriege nimmt man mit einem mittelmäszigen gemach vorlieb,
in bello quaelibet commoditas grata est. noch Adelung
gibt es als im hd. zwar grösztentheils veraltet, aber oberd. noch vorkommend, nd. z. b. ostfries. gerack un gemack,
nothdurft und bequemlichkeit Stürenburg 346
b,
sprichwörtlich he sitt upp sin gemack un rookt 'n pip taback 68
a. III@1@a@gγ)
das ist alles noch wie mhd., z. b. von der nachtruhe, ruhe und bequemlichkeit nach reise, kampf und arbeit, wo einem der wirt oder man sich selbst sîn gemach schaffet
u. ähnl.: man brâhte si ze ruoweund schuof in ir gemach.
Nib. 251, 1; der tac der hete nu ende,si schuofen ir gemach. 1300, 1; declachen hermînvil manegiu man dâ sach, und von swarzem zobele,dar under si ir gemach des nahtes schaffen soldenunz an den liehten tac. 1764, 2; swanne ich durch slâf al eine lige, gemaches an dem bette pflige .. Lichtenstein 549, 2; diu ros si wolden dannenziehen an gemach.
Nib. 77, 1.
auch auf der reise, z. b. im schiffe, im gegensatz zum reiten: ze Mîsenburc der rîchendâ schiften sie sich an .. die wegemüeden vrouwendie heten senfte und ouch gemach. 1317, 4.
auch auf das ganze leben überhaupt bezogen, lîbes gemach
myst. 1, 13, 36 (
vgl. geistes gemach
unter e), êre und gemach 182, 4: alsus der ritter orden stât, daʒ er (
der) gemach vil selten hât, dem er beginnet lieben.
Virg. 211, 2 (
Berl. held. 5, 41
a); wolt ich ingesinde sîn iwer oder decheines man, sô het ich mîn gemach getâ
n. Parz. 7, 22,
hätte ich in jemandes dienst treten wollen, so hätte ich mir ein gemächlich leben verschafft, sîn gemach
tuon wol überliefert von der niederlassung und einrichtung, die es ursprünglich bezeichnet (
s. I, 2,
c),
vergl. in andrer anwendung unter f. III@1@a@dδ)
auch verbunden vreude und gemach,
wie bei Luther gemach, lust, freude
unter α: ir hôhen freude und ir gemach künd ich gesagen halbeʒ niht.
Engelh. 3116. 3169;
und auch gemach
schlechtweg für lust, vergnügen, wie ahd. gimah
voluptas (I, 2,
b)
und nhd. unter α gemach han,
sich ergötzen, s. z. b. sich zû gemache ziehen
pass. K. 7, 12,
seiner lust nachgehen, vleischlich gemach,
sinnliche lust 619, 53, irdisch gemach
myst. 1, 314, 34; er was ir ougen ein gemach und ir herzen wunnespil. Konrad
troj. kr. 13680. gemaches vâren,
nach gemach trachten (
in den mhd. wbb. misverstanden): sie schiuhent ouch deheine arbeit .. noch vârent gemaches.
myst. 1, 311, 27; wer gemaches vâren (
hs. voren) wil, dem gît der lîp ursachen vil zuo der sünden valle. Pfeiffers
übungsb. 149.
im sprichwort aber hiesz es: swer niht lîdet ungemach, dem wart nie mit gemache wol. Herrand v. Wildonie
s. 51. 145
Kummer; man spricht, daʒ überig gemach gesunde liute machet swach. Boner 48, 149
in der moral einer fabel von überigem gemache;
noch nhd. (Zingerle
sprichw. im mitt. 49): man spricht, zu viel gemach macht gesunde leute schwach. Körte 2466. III@1@a@eε)
auch nl., z. b. hij houdt zijn gemak,
bleibt in seiner gemächlichkeit, op zijn gemak
nach bequemlichkeit, nach belieben, zijn gemak zien
an etwas, seine lust und freude sehen, erleben. mnl. ghemack, gemac,
z. b. einem gemac doen,
ihn als gast gut versorgen, te ghemake sijn,
in ruhe und behagen, befriedigt u. ähnl., einen met ghemake laten,
in ruhe und frieden lassen. III@1@bb)
auch kräftiger gut gemach,
nhd. wie schon mhd. (
man sagte wol auch übel gemach
für ungemach,
anders bœser gemach
Wig. 77, 15
u. d, ε),
im besonderen wie im allgemeinsten sinne, letzteres z. b. von Jacobs traume von der himmelsleiter: unde sach ouf und nider stîgen engel die wîhen unde sach got vil reinen obene sich dar an (
auf die leiter) leinen: vil guot was sîn gemach.
genesis 54, 5
D., ihm wurde gar wol dabei zu mute, wie ähnlich bei herzog Ernsts gefährlicher fahrt durch den hohlen berg, als der karfunkel endlich dem schiffe leuchtet: herzog Ernst alda für sich sach, es daucht in gar ein guot gemach .. gar wol ward im da zuo muote. Haupt 8, 484; der künic sîner gestevil schône pflegen bat, er hieʒ der wunden hüetenund schaffen guot gemach.
Nib. 247, 3; der (
wirt) gruoʒte in unde vuort in dan ûf daʒ hûs an guot gemach.
Iwein 4383; dâ ir dô vil guot gemach von der wescherîn beschach. Boner 48, 121; wann guot gemach und ware eer in ainem dach wont nimmermer. Schwarzenberg 153
b,
hier von prächtiger, reicher, bequemer einrichtung, er gibt es als sprichwort; jedermann fület allein sein ungemach und gaffet (
neidend) auf des andern gut gemach. Luther 5, 183
a; im sause und gutem gemach leben.
ders. (
Dietz 2, 68
b); denn es ist nicht menschen noch vernunft werk, den mammon, schöne wonung, gute ruge, gut gemach, freund, gnade .. verachten und laszen. 6, 11
b; aber es ist ein leidige plage, das alle welt so hingehet, des frieden und alles guts und frewden (so der friede bringet) so misbraucht und nicht ein mal denket, woher sie solch sicherheit und gut gemach hat. 6, 133
a,
von ruhe und sicherheit in handel und wandel (
vgl. c),
wie im folgenden im staat der frösche: da hatten die frösch ein fein sach vor zeiten und ein gut gemach, kein überlast und warn ganz frei. Alberus
Es. 20
b; es sind zwar etliche, die ihn (
den frieden) wünschen, aber nur um ihres bauchs wollust und guten gemachs willen.
Simpl. 2, 24
Kurz; leibeigen wird er (
der fuchsschwänzer) dem, bei dem er gut gemach für seinen leib vermerkt
u. s. w. Logau 3, 216; viel wissen ist wol schön, doch wer zu viel wil wissen, musz ruh und gut gemach, wol gut und blut vermissen. 3, 224 (
zugabe 35); ist irgend eine schand, ist irgend eine schmach? die hat bei unsrer welt hoch acht und gut gemach. 1, 5, 83; die perle (
d. h. die braut) kan geben ein fröliches leben, ergetzlichkeit, reichthum und gutes gemach. Rist
Parn. 210,
vergl. ahd. gimah
schlechthin für conjugii portus
unter I, 2,
c; sprichwörtlich wer wil haben gut gemach, der bleib under seinem tach,
testudo intra tegumen tuta est Aler 889
b.
noch z. b. in Pommern üm goden gemakkes willen (
etwas thun oder lassen),
um keinen verdrusz zu haben Dähnert 148
b.
s. auch gut gemach haben,
sich beruhigen, ruhig sein unter d, γ. III@1@cc)
verbunden friede und gemach,
von kleinen und groszen verhältnissen, vom einzelnen wie vom ganzen lande, z. b. auch als gegensatz zu fehde, anfechtung, aufruhr: zu merer sicherheit frides und gemaches in den landen. Haltaus 636
aus einer kais. urkunde von 1368; mit solchen rechten friheiten und gnaden, als die vorgen. gut, den hoff, die dörfer, den wald und den werder ir egenanter vatter hat gehabet und besessen mit friden und gemach.
daselbst aus einer markgr. brandenb. urk. von 1347; daʒ in allen steten des hail. rom. richs, da zünft sind, er und wirdikait, fruntschaft, frid und guot gemach .. ufet und meret.
Augsb. chron. 1, 142; die empörungen zu rugg und widerumb in frid und gemach zu stellen. Chmel
urk. Max. I. nr. 39; den unsern (
unterthanen) zu frid und gemach. Schm.
2 1, 1559; darumb ist besser weinen, klagen, seufzen, denn lachen und frölich sein, singen, ruge, friede und gemach haben. Luther 1, 21
a; musz man jerlich so viel wenden an büchsen (
geschütze), wege, stege, demme und dergleichen unzelichen stücke mehr, damit eine stad zeitlich friede und gemach habe .. 2, 461
a; damit man friede und gut gemach haben und on creuz leben möge. 3, 96
a; das sie friede und gemach für im (
dem herzog zu Braunschweig) haben, sicher wonen und sich neeren können. 8, 251
b; wolt gern fried und gut gemach haben.
tischr. 221
b.
nd. mak unde vrede
mnd. wb. 3, 7. III@1@dd)
auch gemach
für sich so viel als friede,
auch ruhe u. ä., in wendungen wie mit frieden,
z. b. III@1@d@aα) mit gemache,
wie sonst mit frieden,
schon mhd., wahrscheinlich schon ahd. (
s. auch unter ε): he sprach, ime wâre bat mit sîneme crûde an deme garden mit gemake, dan ime mit deme rîke wêre mit orlôge.
deutsche chron. II, 115; irn wellet besorgen dise selben sache, man enlât iuch mit gemache niemer mêre geleben.
Iwein 7842; hör und sich und versweig, also mit gemach beleib. Schm.
2 1, 1559,
hör und sieh alles und sag nichts davon, willst du mit gemach bleiben,
in der hs. mit der auslegung: dabei ist zu versten die jungen prediger und pfaffen, die nu nicht getürren noch wellen die warhait sagen.
das.; Pesolt, lasz uns mit gemach! du wilt uns erst verwerren die sach, die wir heut fru zu gut heten pracht.
fastn. sp. 569, 26,
wie lasz mich mit frieden
u. ä. (
s. unter friede 4,
b); es ist so gar ein feine sach, wenn dise zwo ordn sein mit gemach, wenn dise zwo ordn in flore stehn. Henr. Cnostinus
von der verordnung der stende (1539) E iij. III@1@d@bβ)
auch gemach halten,
wie frieden halten: was zankt ihr so, halt doch gemach! Zach. Poleus
trag. von d. belagerung Samariae G iij; darumb der du den starken schild des edlen friedens haben wilt und hin und her mit wort und schreibn allweg unangefochten bleibn, so halt (so viel an dir) gemach .. Ringwaldt
laut. warheit 373 (332),
unter der überschrift: wer friede haben wil, sol auch einen jedern zu frieden lassen. III@1@d@gγ)
ebenso gemach
haben, d. h. halten (
s. friede haben
so unter friede 3,
g, z. b. aus Pauli
sch. u. ernst),
auch kräftiger gut gemach haben (
s. b),
z. b. in einer aufforderung an den kaiser um 1520,
in den religionsstreitigkeiten frieden zu gebieten: drumb deucht mich, dasz nit underlieszt und ernstlich rigel understieszt, gebötst alnthalb in dieser sach, das iderman het gut gemach.
zu kais. maj. u. s. w. B iiij (
s. II, 832); der sich an einem geringen genügen läszt und hat gut gemach.
sprichw. Frankf. 1570 117
b,
d. h. zufrieden ist (
vergl.zu frieden
eben bei Ringwaldt). III@1@d@dδ)
in älterer wendung aber sein gemach haben,
frieden halten, sich beruhigen, ruhig sein u. ähnl. (
vergl. sein gemach thun
unter f): nun sweigt und habt ewer gemach, so künd ich euch ein alte sach ... H. Folz
bei Haupt 3, 524,
der dichter denkt sich, wie ein fahrender sänger, in eine gesellschaft tretend, die er unterhalten will, wenn sie ruhig sein, ruhe halten will. man mahnte einen (
auch sich selbst)
damit von einem thun oder vorhaben ab: wann ich dem esel gab ein slag (
dasz er schneller gienge), so kam gelaufn der Sarrazin, er sprach: vil bald hab din gemag. Hugo v. Montfort 226
B. (40, 133),
d. h. verhalt dich still, thu dem esel nichts; kum ich zu ir (
seinem weibe) und wil ains schimpfen, so krümpt sie sich und wirt sich rimpfen und sagt sich krank und macht sich schwach. so denk ich denn: hab deinn gemach!
fastn. sp. 771, 16.
schon in mhd. zeit, z. b. zum heil. Ambrosius als kind, der seiner schwester nachahmend die hand des bischofs küssen will, von dieser gesagt: tû hin (
lasz es sein), habe dîn gemach!
pass. K. 241, 70.
auch habe gemach
so, sei ruhig, beruhige dich, sei froh u. ä.: Judas (
Juda) ze sînem vater sprach: herre, vernim und habe gemach, wis in guotem muote, dir enbôt Josep der guote, er wære niht tôt, ubir Egiptelant gêt sîn gebôt
u. s. w. genesis 100, 19
D.; er hub sie (
so l.) uf unde sprach: nit weinent, durch got, hant gemach, umb das ich von üch riten wil.
Dioclet. 7985.
es war wol das überlieferte wort, einen aufgeregten zu beruhigen. III@1@d@eε)
besonders jenes mit gemache (
s.α)
war geläufig, im vielfachsten sinn, z. b. mit gemach sein,
ruhig, nicht beunruhigt: der Holczer sprach: seit mit gemach und habt nit unmut in der sach, wann dis wirt noch alz wol gesliht! Behaim
Wiener 233, 30; swer mit gemache gerne sî, der wone den fürsten selten bî.
Renner 5703 (
städtechron. 15, 48).
mhd. mit gemache,
gemächlich (
vgl. II, 2,
d. e),
in einem traume: dô chom mir mit gemache von hove, der was lære, des chuniges pechære, den nam ich in mîn hant.
genesis 80, 37
Diemer, vom herausgeber 2, 140
als langsam aufgefaszt, in der ältern fassung fundgr. 2, 58, 9
steht skiere
dafür, der becher ist vielleicht heranschwebend gedacht; want mit gemache niemen mac grôʒe êre erwerben ... bœser gemach ist êren frî.
Wigal. 77, 9, 15.
auch nhd. noch bei Aler 890
a mit gemach komt man auch weit,
paulatim longius itur. ahd. findet sich mit kemache
für facile Graff 2, 635,
eigentlich ohne mühe. vgl. mnd. mit make, mit godem make
wb. 3, 7
b,
noch jetzt götting. med gemâke,
gemächlich, langsam Schambach 62
a. III@1@ee)
auch von ewiger ruhe und frieden im himmel, ahd. himiles gimacha Otfried I, 1, 56: (
lehre) die sante Peter aldâ lieʒ (
in Rom) und sie nâch im geben hieʒ allen gotes kinden und sie dâmite binden in daʒ êwige gemach.
pass. K. 49, 49; darumb wilt du iemer hie und dort zu gemach komen, so must du alle ding verlon. Keisersberg
seelenpar. 4
b (
zur sache s. gelassen).
auch sêlen gemach
Karlm. 12, 35, geistes gemach,
geistlicher friede und ruhe: ze solhen (
geistlichen) hûsen was er gerne durh des geistes gemach. Lamprecht v. Regensburg
Franc. 3380; ûf dem himel ist daʒ dach, dâ diu sêle an ir gemach zû ir gemechîde sitzet. 1765 (
wie die taube, s. 2,
a). III@1@ff)
dagegen auch recht irdisch von erleichterung des leibes, d. h. als schonendster, gebildetster ausdruck: do gieng er ettwe verre davon und wolt ettwaʒ sines gemaches tuon. Büheler
Dioclet. 5600,
es war wol der vorsichtige ausdruck, mit dem man das weggehen entschuldigte, was besonders auch in dem etwaʒ
liegt, eigentlich etwas (
ungenanntes)
das zu '
meinem gemach'
gehört, wie mnd. z. b. einem kranken wat gemakes dôn
wb. 2, 50
b,
eine erleichterung verschaffen u. ä. (
vgl. sîn gemach tuon,
sichs behaglich machen unter a, γ und mein gemach
seelisch, geistig unter d, δ).
die wendung musz willkommen und in allgemeinem gebrauch gewesen sein, dasz man dann den bloszen gen. nahm, zu dem eigentlich jenes etwas
gehört: es det ain knecht seins gemachs vor ainem stadel
u. s. w. Augsb. chron. 1, 114, Mones
anz. 6, 374; liebe muoter, wan du wilt deins gemachs thuon, so ker den ars von dem wind
u. s. w. Eulensp. hist. 90; was sollen dise welsch flecken und hader, decken den ganzen leib nit .. und wa einer im feld seines gemachs, mit züchten zu melden, musz thun, bedeckens einen nicht
u. s. w. Aventin.
chr. 336
b, Moscherosch
Phil. 2, 81.
daher selbst seines gemachs
gehn: gemachs gen zu der natur,
secessus (
d. i. '
abtritt').
voc. inc. teut. h 7
a,
vgl. Dief.
s. v. secessus; und so er seines gmachs gangen ist, soll er sich umb und umb wol reinigen. Frank
weltb. 144
a; wer seins gmachs sol gehn und im ist not und bleibt doch stehn. H. Sachs II, 4, 95
c; sag mir gut teutsch, als ich dich bit (
der arzt), mag dein bawer seines gmachs gehn? 5, 355
b.
doch auch mit acc.: wan er sahe daʒ sie (
die kinder) giengen und detten ir gemach hinder die husthür, ein kind nach dem andern.
Eulensp. hist. 81,
vgl. im mnd. wb. 2, 51
a sîn gemak dôn,
aber auch sînes gemakes.
begreiflich ist der gen. bei sich begehn: die gemain onzucht in dem, das die schulkind sich uff den gassen und offnen orten ires gemachs begeen. Schmid
schwäb. wb. 369
aus Ulmer rathsacten von 1563; niemand sol sich seines gemachs weder auf dem kirchhof noch in der kirche begehen.
das vom j. 1529.
s. auch gemach
vom abtritt unter 2,
g, gemachstuhl. III@1@gg)
auch etwas bestimmtes, das zum gemach gehört oder dient, gemach verschafft, wurde kurz ein gemach
genannt, z. b.: er (
gott) sprach: nu werde lieht! dô er dô daʒ gesach, daʒ lieht was des mennischen gemach, dô schiet er dâ sundir da ʒ lieht von der vinstir.
genesis 2, 25
D., vom herausgeber als freude aufgefaszt (
vgl. 1,
a a. e.),
in der andern fassung aber daʒ lieht guot was
fundgr. 2, 12, 10,
d. h. den menschen. in einem preis des weines heiszt er u. a. ein milt ergetzlich süesz gemach. Brant
thesmoph. 396 (
s. 150
b Z.).
vergl. ahd. gimah
compendium unter I, 2,
c a. e. III@1@hh)
daher für commodum, als allgemeinster begriff wie im besondersten falle, noch im voc. 1482: gamach (
so), bequemmigkeit,
commodum, aptitudo, convenientia l iij
b,
vgl.d ij
a,
auch in andern vocc. commodum ein gemach, mach Dief. 136
a,
wie ahd. gimah
commodum und als adj. commodus. im liede vom herzog Ernst, als der karfunkel endlich die gefährliche finsternis bricht, jubeln die helden: das liecht bringt uns guoten gemach. Haupt 8, 484.
daher auch zu gemache,
in commodum, ahd. allero werlte ze gemache Graff 2, 635
fg., mhd. z. b. von der lehre Christi, welche geheimnisse in kurze fassung brachte, vil manige hôhe sache uns armen zû gemache (
var. mache).
vaterunser 107; dô vlôʒ ûʒ dem gesteine ein waʒʒer lustsam genûc, daʒ sich in zû gemache trûc.
pass. K. 222, 4.
mnd. tô gemake, tô make,
z. b. der verfasser des richtsteigs landrechts will schreiben gode unde .. Marîen tô êren unde der werlde tô gemake
u. s. w. Homeyer
s. 85,
ein rechtstag wird so und so gelegt dem grêven tô êren unde tô make
mnd. wb. 3, 7
b,
vgl. tô make schicken,
bequem einrichten (
Christo dat hûs dînes herten) 7
a, 48.
mhd. auch gemach
von der thätigkeit, die einem andern gemach
schafft; wie z. b. ein wolf, der eine bäuerin im felde ihr kind wiegen sieht, waʒ disem kinde was beschehen gemaches von der muoter sîn,
und da es allein gelassen weint, barmherzig es wiegt wie die mutter, so heiszt das: des wolves dienstlîch gemach ersâhen die gebûren dâ. J. Grimm
Reinh. f. 352,
also dienstfertiges gemach tuon
auch selbst kurz gemach
genannt, es musz sich mehr finden. III@22)
auch gemach
von zimmer, kammer, haus ist nur eine besondere anwendung des vorigen begriffes. III@2@aa)
wie der ursprüngliche begriff in den neuen übergieng, zeigen ungefähr stellen wie folgende: zimber oder maur, die ich auf der purch mache mir ze gemache oder nôtdurft. Schmeller 2, 542,
vom jahre 1296; îslîch sîn gemach irkôs, dâ her iʒ beste mochte haben. stappen, zelden unde draben was ûf den hof ..
braunschw. reimchr. 8056 (
deutsche chron. II, 559
a),
von einem heere das in einem kloster sich unterkunft sucht, nachdem die herren im heere erklärt hatten, sie wollten nicht mehr ungemaches plegen (
im freien),
man bemerke sîn gemach,
eigentlich seine bequemlichkeit (
vergl. sîn gemach tuon 1,
a, γ und d, δ),
im unmittelbaren anschlusz an die wendung vom gaste, dem der wirt oder er sich selber sîn gemach schaffet 1,
a, γ,
was ja den schlafraum schon einschlieszt, deutlich wenn es heiszt den gast an sîn gemach wîsen, vüeren.
wie wenig aber dabei eigentlich ein geschlossener raum notwendig ist, zeigt die wendung von der taube: sie ist ouch gern an ir gemache bî ir gemechîd ûf dem dache. Lamprecht v. Regensburg
tochter Sion 1713,
neben ihrem gatten (
s.gemächte 1)
ist sie an ir gemache,
auch auf offenem dache, was gerade dem urbegriffe unmittelbar die hand reicht (
s. I, 1);
vergl. beides beisammen, haus und eheliche häuslichkeit als gemach,
im 15.
jh. (
vgl. ahd. gimah
conjugii portus): Urias, far haim an deinen gemach .. schaff dein gemach bei deinem weib. Schmeller
2 1, 1559,
wie noch in einem nd. sprichworte frêen (
freien) under ên dak is grôt gemak Fromm. 5, 427.
ebenso, wenn die eule den vögeln den rat gibt: drumb folget und fliegend mir nach, habt in den löchern ewr gemach (
wie ich), da mögt einander wonen bei und seit auch für dem sperber frei. Waldis
Es. II, 27, 86.
also gemach
ein unterkommen mit dach und fach, wie ungemach
ohne dach und fach. wie allgemein der begriff eigentlich ist, sieht man, wenn z. b. auch das unterkommen für eine gröszere zahl menschen und pferde ein gemach
heiszt: die andern zwen bischof zugen in ain gemach in Salmanswiler hof, mit xxiiij pfärden und so vil lüt. Richenthal
chron. des Constanzer concils 44
B., noch deutlicher, wenn auszer einem kloster auch sein gebiet gemak
genannt wird, s. im mnd. wb. 2, 51
a, 38: dat we de sulven stede (
stätte) unses klôsters unde anders unses ghemakes brêden noch lengen ne mogen,
nicht ausdehnen dürfen, also die ganze niederlassung auch auszer dem hause (
vergl. gemachzaun). III@2@bb)
es heiszt auch deutlicher hausgemach,
mhd. hûsgemach,
mnd. hûsgemak,
noch nhd. deutlich mit vorwiegen der gemächlichkeit, ruhe, geborgenheit u. s. w., s. unter hausgemach,
besonders fried und hausgemach
bei Waldis (
wie oben friede und gemach 1,
c)
und im 17.
jh. ein losament
für gut hausgemach.
es hiesz sein hausgemach haben,
seine häuslichkeit Luther
tischr. 221
b (
gleich fried und gut gemach
vorher das.),
mhd. eigen gemach
mit eignem hause, auch hûsgemechelîn,
kleine, bescheidene häuslichkeit: weistu wie der igel sprach (
in der fabel)? 'vil guot îst eigen gemach'. zimber ein hûs, Kerlinc
u. s. w. Spervogel
minn. frühl. 26, 35 (Kerlinc
fahrender, s. Gebhart a. e.); dâ bî ist manic arm man, den nieman dar zuo bringen kan, daʒ er ze hove welle sîn, dem lieber (
l. baʒ?) sîn hûsgemechelîn als der âmeiʒen tuot ir hol.
Renner 5700.
daher auch lat. commodum
als übersetzung des deutschen wortes (
es ist in diesem sinn nicht altlat.): gemach oder camer,
commodum. voc. theut. 1482 l 3
b; mach, kammer,
commodus (
so). Mones
anz. 7, 302;
commodum, ghemak, kammer. Dief. 136
a.
damit musz wol auch die kommode
zusammenhängen, das franz. commode,
das zwar erst im 17.
jahrh. aufgekommen sein soll (
s. Littré),
aber vielleicht aus dem volksgebrauch, vergl. e, α gemach
von den fächern eines schrankes. III@2@cc)
der neue begriff musz doch zugleich sehr alt sein, dafür bürgt wol ahd. gimahhôn, mahhôn
struere, exstruere, instruere (
domum, s. I, 3)
und gimah
conjugii portus, das wie das ganze wort, adj. und subst. wie verb., auf gemeinsame einrichtung zu geborgenem hausen im gegensatz zu wanderung, krieg, arbeit als seinen begrifflichen mittelpunkt weist (
s. I, 2,
c),
vom ganzen begriffe ist gemach
häuslichkeit und haus so zu sagen die notwendige schale; so kann es nur zufall sein, dasz diesz ahd. noch nicht bezeugt ist. noch lange übrigens zeigt es sich in gröszter allgemeinheit des begriffes, mhd. z. b. sowol von einer armen wohnung (
vgl. unter f, α)
wie von einer burg: nu saher inrehalp dem tor ein wîteʒ wercgadem stân, daʒ was gestalt unde getân als armer liute gemach.
Iwein 6189; biʒ sie (
die deutschen kaufleute) bûweten ein gemach bî der Düne ûf einen berc. dâ bûten sie ein êrlîch werc, eine burc sô veste
u. s. w. livl. reimchron. 215,
die burg als gemach,
sicherer gemeinsamer aufenthalt. III@2@dd)
noch nhd. erscheint dieser allgemeinste begriff, wenn z. b. ein gefängnis so heiszt: mein gnediger herr zu Hessen hat auf mein bericht, wie beschwerlich es sei, das er herzog (
der gefangene herzog von Braunschweig) also ledig auf dem waal im schlosz, auch sonst umgehen sol, alsbald .. bevolhen, ine nit mer aus seinem gemache laszen geen, welche auch wol vergittert werden (
also wol mehrere räume). Schertlin
br. an die stadt Augsburg 43,
hier mit dem begriff der festigkeit oder sicherheit in anderm sinne; s. im mnd. wb. 2, 51
a, 45,
wo ein feind in der stad gemak unde behold
gebracht wird, ein anderer urfehde leistet, er wolle in ein gemack gân,
also geradezu für gewahrsam, gefängnis. es heiszt auch ausdrücklich festes, starkes gemach,
wie das gemach
an der Düna vorhin: da treibt er denn, das man feste starke gemach, schlosz und stedte bawe, auf das man sicher sei für den feinden. Luther 3, 247
b, gemach
als das allgemeine, das dann durch schlosz
und stedte
bestimmt wird. ähnlich auch gemach
für brieftauben, im orient: so bringt man dann die tuben (
taubenpaar) künig Soldan und behelt die tubin und bezeichnet den tuber, das man wisse, usz welcher stat er sy, und tuot in dann in einen besondern gemach, der dorzuo berait ist, und lat kein tubin mer zuo im. Schiltbergers
reisen 110,
er wird darin abgeschlossen. ganz im ältesten sinne aber noch folgendes gemach,
auf bäume als dach bezogen: doch als ich ankam (
beim baume), war bereits so schwach der brand des tags, dasz ich, mich zu erfrischen nicht nöthig hatte schirmendes gemach. Rückert
ges. ged. 1, 190; o schmücke dich, du grün belaubtes dach, du sollst die anmuthstrahlende empfangen! ihr zweige, baut ein schattendes gemach, mit holder nacht sie heimlich zu umfangen. Schiller XI, 208 (
die erwartung). III@2@ee)
bemerkenswert aus dem älteren gebrauch ist noch III@2@e@aα) gemach
als fach in einem schranke, im 15.
jahrh.: ein hulzen kisten mit vier gemachen, dar inne all berurte stuck und dink (
der stiftung) behalden und gewisslich ingelegt sollen werden.
Leipziger urk. 1, 169,
truhe mit vier fächern, vielleicht schon mit schiebbaren kasten, schubkasten, sodasz es dem späteren commode
nahe träte oder damit eins wäre, s. dazu b a. e.; gemach
begrifflich ein sicherer ort, etwas zu bergen (
vgl. u. d).
auch für schrank selbst: gemach, darein man allerlei werkzeug legert (
gedr. begert),
armarium, promtuarium. Henisch 1480, 59,
eigentlich vielleicht in der wand (
vgl. känsterlein). III@2@e@bβ)
ähnlich ist gemach
am haus als stockwerk, schon mhd.: man mûʒ (
darf) ouch wol bûwen âne sînen (
des richters) orlop .. des (
falls) man eine thore mache an deme nidersten gemache.
Sachsensp. III, 66, 3
Leipz. hs. nr. 947, 14.
jahrh.; es (
das gebew) was dreier gemach hoch, und hatten doch keine pfeiler, sondern sie waren schlecht auf einander gesetzt. Luther
Ezech. 42, 6;
tristega, ein haus das drei gemach ob einander hat. Junius
nom. 139
a, Henisch 1480; eodem hoc anno (1547) ist die schule zu S. Niclas noch umb ein gemach höher aufgeführet worden. Heydenreich
Leipzigische cronicke 234;
bei Schmeller 2, 542
noch aus Augsburg. ebenso übrigens gadem 6 (
es ist auch haus und schrank)
und kar 5,
vielleicht auch kammer,
da jenes tristega,
das übrigens mehrdeutig ist, auch mit haus von dreien kamern
erklärt wird Dief. 597
c. III@2@e@gγ)
in reimformel dach und gemach,
wie dach und fach,
vielleicht zugleich im anschlusz an die vorige bedeutung: tach und gmach,
sarta tecta. Schönsleder Hh 5
d, Schmeller 2, 542,
der aus Richenthals
chron. des Constanzer concils beibringt: und solt der hauswirt geben tach und gemach;
tirolisch im 16.
jahrh.: es hat unser herr sogar kein gemach noch tach gehabt. Schöpf 409.
da berühren sich wieder gemach
und fach,
wie unter α. III@2@ff) gemach
als behausung, zimmer, wohnraum u. ähnl. III@2@f@aα)
mhd. als allgemeinster ausdruck, z. b. von einer hütte armer leute (
vgl. unter c): den harnasch si dô nâmen und truogen in in ir gemach.
Wigal. 142, 26,
es ist ein glêt,
von rohr und reisen geziunet (
durch flechtwerk hergestellt),
aber eben so gut vom arbeitszimmer eines arztes: hin fuort er si zestunt in sîn heimlîch gemach.
arm. Heinrich 1181. III@2@f@bβ)
nhd. auch noch von der ganzen behausung oder wohnung (
vergl. mhd. gemach
als burg unter c): sich in ein heimlichs stüblein, so in ihrem gemach war, setzten, anfiengen einen brief zu schreiben.
buch d. liebe 240
b; das gemach, darinnen Cybelen wohnete, welches von andern gemachen abgesöndert war. 210
b,
von verschiedenen wohngebäuden eines schlosses, wie im folgenden die gemach
einer leer stehenden burg auch gemeint sein können: do giengen sie in die gemach, sie trunken unde aszen
u. s. w. lied von herz. Ernst 26, 2 (Haupt 8, 485).
auch im folgenden ist noch mehr haus, als zimmer gedacht: so bald er abgestigen und ins gemach getretten, da war nichts als alle freud, viel tausent willkomm ...
Garg. 239
b (
Sch. 450); was ists von nöthen, dasz wir die zeit so früh auf der gassen zubringen. herein, herein ins gemach. wer unglück suchet, der verdirbet darinnen. A. Gryphius 1, 763 (
Horrib. 11
Br.),
als bergender raum. noch jetzt schweiz. z. b. im Entlibuch gmach
n. gebäude Stalder 2, 188,
für den nordosten oder osten bezeugt durch entlehntes poln. gmach,
auch noch groszes gebäude, also wie jene burg in Livland, die deutsche erbauten. in Augsburg aber ist gemach
m. auch noch wohnung, logis Schm. 2, 524,
vergl. Henisch
unter δ eben aus Augsburg und schon im 14.
jahrh. unter 3,
a, im 15.
unter 3,
b. III@2@f@gγ)
als zimmer oder raum im hause oder gebäude, im 16.
jh. neben kammer (
d. h. besondres wohnzimmer): das haus bawen heiszt hie nicht alleine holz und steine aufrichten, das man wende und dach, kamern und gemach habe. Luther 2, 387
b; versamlet das volk ... (
auch) der breutgam gehe aus seiner kamer und die braut aus irem gemach.
Joel 2, 16; und ein liecht schein in dem gemach und schlug Petrum an die seiten.
ap. gesch. 12, 7 (
οἴκημα,
aber als gefängnis); und David gab seinem son Salomo ein furbild der halle und seins hauses und der gemach und saal und kamern.
1 chron. 29, 11; die gemach, so beider seits neben dem thor waren.
Ezech. 40, 7
ff. (
vgl. kamern 42, 1
ff.); darauf waren genge allenthalben herumb, geteilet in gemach. 41, 5; auch die comedien und spil, die man sonst auf offnen plätzen und häusern spilet (
praet.), macht man ihnen (
den reichen) zu lib in iren häusern und gemachen. Fischart
pod. trostb. 735
Sch.; alle säl, kammern und gemach waren mit vilerlei tapezerei behenket.
Garg. 281
a (
Sch. 530); der liesze in seine gemach räder an die wänd mahlen. Zinkgref
apophth. 2, 23; wann er mit einem schönen mägdigen alleine in einem gemache säsze. Olearius
pers. ros. 5, 12; ins gemach, darin die trauerleute versamlet sind. Schuppius 633.
auch nl. gemak,
ein haus z. b. heeft veele schoone gemakken. III@2@f@dδ)
die weite des begriffes noch im 17.
jh. zeigt z. b. Stielers
aufzählung der verschiedenen gemächer sp. 1197,
im hause eszgemach, schlafgemach, gastgemach,
dann vorgemach
atrium, vestibulum, nebengemach, obergemach
solarium, hindergemach,
aber auch fürstlich gemach
neben gesindegemach.
so bei Henisch 1480
vorangestellt zwar gemach,
losament, ein sälin oder stuben mit einer kammeren, darinn in den volkreichen stätten arme hausleute wohnen (
d. h. nur die nicht hausbesitzer sind, also mietwohnung und zugleich unter β gehörig, s. dort aus Augsburg),
dazu gemach (
pl.) oder häuser umb zins verleihen,
dagegen eigen rauch und gemach ist über alle sach,
dann aber auch königingemach,
das frawenzimmer, gynecaeum (
so),
auch studiergemach,
stüble, museum, gemach für die kranken.
im 16.
jh. undergemach, saal,
coenatio Dasyp. 338
c, warm gemach im bade,
caldaria cella das. III@2@f@eε)
gegenwärtig ist es aus dem hausgebrauch eigentlich entfernt, wie es schon Adelung
gefunden haben musz, der es als zimmer gibt, '
am häufigsten im Oberdeutschen (
s. z. b. Schmeller 2, 542
aus Augsburg)
und in der höhern schreibart der Hochdeutschen, besonders von den zimmern eines palastes'.
doch greift man noch zu gemach,
wenn man kein rechtes wort findet für einen raum, der eben kein zimmer o. ä. ist und in dem irgend etwas unter dach und fach geschehen musz, anderseits dient es noch, um sicherheit und geborgenheit zu bezeichnen, also den alten kern des begriffes, wenn es z. b. von fürstlichen herrschaften heiszt, dasz sie sich in ihre gemächer zurückziehen (
oder in ihre apartements), der kaiser verbrachte den abend in seinen gemächern;
ebenso: in deiner zimmer einsamstem gemach entledige sich dein gerechtes ach! Göthe 11, 378; der jüngling schleicht beschämt in sein gemach .. und still in des gemüthes innerstem beschwöret er ein heiliges gelübd. Uhland
ged. 364 (
bildsäule des Bacchus).
so im 17.
jh.: penetrale, das innerst gemach im haus oder templ. Schönsleder T 6
c, das innerste gemach Stieler 1197,
früher auch einfach ingemach (
s. d.),
mhd. heimlîch gemach (
s.α),
wie noch im 15.
jh. conclave heimlich gemach Dief. 139
a. III@2@gg) heimlich gemach
oder kurz gemach
heiszt aber auch das geheimste gemach im hause, der '
abtritt' (
gleichfalls apartement,
vgl. bei seite gehn
u. ähnl.). III@2@g@aα)
der ausdruck galt lange, schon mhd.: ainen haimelîchen gemach ze einem privât bauen. Lexer 1, 833
vom j. 1316,
vgl. mnd. unter β; auch so soll ein paumeister (
der stadt) in acht haben und alle jar die gemeinen heimlichen gemach, die auf der Pegnitz sein, do die mann und frawen auf geen, eins (
einmal) raumen und saubern laszen, alleweg umb Martini, ee und die kelt angeet .. der gemache und heuslein ist eines hinter dem wildpat
u. s. w. (
folgt die aufzählung). A. Tucher
Nürnb. baumeisterbuch 113, 24. 27,
auch weiterhin blosz gemach
genannt (
s.β); die füsze decken heiszt auf das heimlich gemach gehen. Luther
gl. zu 1 Sam. 24, 4; und ist der grosze blutkrieg (
mit Bock Emser) ubers arm papir gangen, welchs dadurch aufs heimlich gemach und in die apotecken gemehret worden ist.
schr. 1, 369
a u. ö.; wolt mich nider legen zu bett und ein scholar mir leichten (
leuchten) thet (mit urlaub) auf ein heimlichs gmach .. Ayrer 2351. 28,
trotz dieses höflichen mit urlaub (
mit erlaubnis zu sagen)
ist es, da ihm im schwank eine wichtige rolle zukommt, gewöhnlich mit dem einfach derben ausdruck benannt, aber auch secret 2346, 14, privet 2347, 10.
auch in wbb., z. b. haimlich gmach,
latrina Schönsleder T 6
c,
noch bei Aler 889
b, Adelung, Campe.
auch nl. heimelijk gemak. III@2@g@bβ)
bemerkenswert aber auch kurz gemach,
schon mhd. bei der aufzählung der theile eines hauses 'commodum, gemach' Schm.
2 1, 1559,
vergl. mnd. in der sächs. weltchronik: he (
Tarquinius Priscus) schôp ôc allerêrst dat gemach (
so, nicht gemak), dat we hêtet sprâchû
s. deutsche chron. II, 82, 5 (
wie mhd. sprâchhûs,
mit ausgesuchtestem scherze),
im lat. texte commodum quod privatam dicimus.
noch jetzt z. b. in Ostfriesland kurzweg gemakk Stürenburg 68
a,
auch nach dem norden weitergewandert, in schwed. mundarten mak (
auch makhus) Rietz 425
b,
auch finnisch maki. III@2@g@gγ)
das ist aber nicht kürzung aus heimlich gemach,
sondern der begriff von gemach
selber in seiner schärfsten anwendung, als sicherster, geborgenster raum, wo man sein gemach thut,
wohin man seines gemachs geht,
wie es hiesz, s. 1,
f; dafür auch, zugleich räumlich gedacht, zu seinem gemache gehn,
mhd.: eteslichen zwain siechen ainen schæphinen pellitz (
zu geben), swenne si zuo ir gemache gehent.
regel des spitals zu Jerusalem bei Schm.
2 1, 1559.
ebenso mnd. tô sîneme make gân Sch.
u. L. 3, 7
b.
ebenda mak
sogar für den unrat der sich da sammelt, es ist von einem flusse die rede, in den die bewohner können ere mak bringen lâten.
auf das entsprechende franz. aller à l'aisance, aux commodités
macht Schmeller
aufmerksam, auch der ort selbst heiszt commodité,
eben wie gemach,
das schon ahd. mit commodus, commodum
gegeben wurde. III@2@hh)
bildlich z. b. von der alten eintheilung des himmels, wie haus (
s. d. 12): wenn ins widders oder leun gemach im merzn odr ernt die helle son glücklich anblickt den halben mon. Rollenhagen
froschm. I, 2, 17, 140 (1, 138
Göd.).
aber auch in obscöner anwendung: trauern macht manche frauen verzagt, das sie einem das unter gemach versagt.
fastn. sp. 745, 17. III@33)
zur form ist noch zu erinnern III@3@aa)
neben dem n. ein masc., schon mhd. und oberd. bis jetzt, und zwar in beiden bedeutungen, z. b.: man schuof im guoten gemach von cleidern, spîse unde bade.
Iwein 3648,
vgl. 1,
b, dagegen bœser gemach
Wig. 77, 15 (
s. 1,
d, ε); swer sich ... wil überladen mit swærer bürde irdischer habe oder sich in den gemach legen wil, den bestrîchet der vînt (
der teufel) vil lîhte an dem âbende des tôdes.
myst. 1, 314, 31, sich in den gemach legen,
einem gemächlichen leben hingeben (
hs. gmach,
in vier hss. übrigens daʒ gemach); das liecht bringt uns guoten gemach.
lied von herz. Ernst 22, 4 (
s. 1,
h);
für behausung, zimmer: er verstal sich tougen als ein diep hin in daʒ hûs an einen gemach, dâ man in hôrte noch ensach. Stricker
kl. ged. 4, 81; lât ein man dem andern sîn hûs oder sînen gemach ...
Augsb. stadtb. s. 149,
wohnung, s. unter 2,
f, β a. e.; und tuot in (
den tauber) dann in einen besondern gemach. Schiltberger 110,
s. 2,
d; vergl. bei Schmeller 2, 542
fg. bair. belege aus dem 14. 15.
jahrh., wie z. b. in Passau die fremden krämer kainen gedingten gemach
in der stadt haben sollen (
nur auf der strasze feil halten, sich nicht einmieten),
in einem Ingolstadter kloster: wan ein seelschwester stirbt und der gemach ledig wirt;
conclave, verschloszner gemach. Dief. 139
a,
voc. inc. teut. ii 3
b.
noch im 16.
jahrh. schweiz. in der ersten bedeutung, von den eidgenossen nach einer schlacht: ich wil üch warlich sagen, sy habend guoten gemach. Körner
hist. volksl. 87.
noch jetzt bair. der
und das gemach Schm. 2, 542. III@3@bb)
der plur. ist jetzt gemächer,
schon im 17.
jahrh. z. b. bei Stieler 1197;
im 16.
jahrh. dagegen noch die gemach,
dat. gemachen,
s. unter 2,
f Luther, Fischart
u. a. zum masc. aber gehört als pl. gemäche, gemech,
z. b.: im 1460 jar verpran der herrn stainhaus ... und ist ze wissen, dasz acht gemech und behausung darinn waren, und gieng das feur auf ze oberst in dem haus in ainem gemach der was Peter Lemenitt (
als gen.).
Augsb. chron. 2, 242,
d. h. mietwohnungen (
s. 2,
f, β a. e.); das wasser .. thet auch gar grosz scheden in kellern, in den underen gemechen, und die kacheloven schwummen in den stuben die auf der erden waren.
Nürnb. chron. 1, 412,
es sind wol stockwerke (
s. 2, e,
β). III@3@cc)
für die aussprache des tonvocals ist ein schwanken zu bemerken zwischen länge und kürze; schon Adelung
gibt zwar nur gemāch
an, für subst. und adj. (
neben gemăch
als subst. verb. zu machen,
s. 5),
aber gemächer
mit kurzem vocal, und auch gemăch
hört man doch noch. auch die volkssprache schwankt, Schambach 62
a z. b. gibt nd. gemâk
n. gemächlichkeit, Dähnert 148
b aber gemakk,
wie ostfries. gemack (
s. 1,
a, β a. e.),
nl. gemak,
pl. gemakken.
aus der Schweiz aber gibt Hunziker 108
als subst. gemāch
n., als adj. gmăch. III@44)
es mischt sich aber auch mit gemächte, auch in dessen jetzt geläufigster bedeutung, im 16.
jh., gewiss älter: wa aber ein feuchtigkeit dainnen (
in dem bruche), da soll man es öffnen, nämlich an den kindern das gemach, .. darnach, so das gemächt durchschnitten ist, so soll man die säcklin daselbs hinziehen und die feuchtigkeit auslassen. Kuffner
Celsus übers. 127
b; welchen aber die adern mittel über das säcklin geschwellen, den soll man das gemach schneiden. 128
a (inguen
Celsus);
noch tirol. so gmach
n., auch das heimlich gemach
in hexenproceszacten Schöpf 408
fg., luxemb. gemâch Gangler 173.
vgl.gemächte II, 6,
c umgekehrt gleich gemach. III@55)
auch gleich gemächte
machwerk, nur verächtlich, z. b. ein elendes gemach,
eine elende arbeit Adelung.
nd. z. b. im Göttingischen dat âle gemâke Schambach 62
a.