gemächt,
gemächte,
n. mit verschiedner bedeutung und verschiedenem ursprung, die aber in berührung und vermischung gekommen sind. II.
uns am fernsten gerückt ist es von gatten. I@11)
ahd. gimahhidi
n. conjux Graff 2, 639 (gimahhida
f. connubium 638)
erscheint noch im 15. 16.
jh. als gemechte, gemächt
oberd.: daʒ eliche gemechte unser burger (
gen.), die nit elich lebendige kinde habent, einander ir varende guot vergaben, ordenen und
machen mögent.
Basler rechtsqu. 1, 113,
v. j. 1431;
im 16.
jh. besonders ehegemächt,
s. d. und Schm. 2, 542,
wo auch als plur. ehegemächter,
wie schon später mhd. gemechter Lexer 1, 837,
im 13.
jh. gemehte
plur.: daʒ ganze trûwe blîbe zwein gemehten immer mê.
erlösung 185.
auch demin. gemächtelin Vintler 5938
var. (
von der turteltaube),
alem. 15.
jahrh. eine mischung mit gemahel
zeigt gemächelte,
s. unter gemahl. I@22)
in vollerer form gemächet, bair. 14.
jahrh.: swer dem purger sein er abnimpt durch seinen übermuot an seinem gemächet, daʒ im geben ist zuo der e ..
städtechron. 15, 406,
aus mhd. gemechede,
z. b.: du solt dise ding dîme gemechede, dîme wîbe sagen. Schmidt
gottesfreunde 84; dise zwei gemechede (
ehepaar). 83.
der urform näher gemechid Geszler
formulare Straszb. 1511 40
a,
vgl. im 14.
jh. eliche gemechede Scherz 528
aus Straszburger quellen; schwäb. 15.
jh. gemächit, egemächit
Augsb. stadtb. 259,
im 13.
jh. gemächide: ist daʒ zwai gemächide sterbent, die elute sint.
das. 140,
s. Lexer 1, 837
unter gemechede. I@33)
daneben gemecheit Lexer, gemächeit, gemachait Schm.
2 1, 1558
aus bair. quellen, sie bezeugen aber eine mhd. nebenform gemechîde: ûf dem himel ist daʒ dach, dâ diu sêle an ir
gemach zû ir gemechîde sitzet. Lamprecht v. Regensburg
Franc. 1765; sie (
die taube) ist ouch gern an ir gemache bî ir gemechîd ûf dem dache.
dess. tochter Sion 1713.
über den grund und die eigentliche bedeutung der benennung s. gemach I, 1,
a ff. das ahd. wort bezeichnete auch ein paar überhaupt, dahinter steht gimah
und gimahhôn
von gemeinschaftlicher einrichtung u. ä., womit es dem folgenden die hand reicht. IIII.
als subst. verb. zu machen,
auch gemachen,
mhd. gemechte,
eigentlich gemechede,
ahd. wäre es gimahhidi
n., bezeugt ist nur die fem. nebenform gimahhida (
s. unter 1,
e. 4,
f).
nebenformen s. unter 6. II@11)
zu gemachen (
s. d. 1)
oder machen,
verfügen, fest setzen u. ä. nach verabredung, vereinbarung. vergl. gemächtbrief. II@1@aa)
testament, zu machen
gleich vermachen (
s.machen 2,
i, vgl. die erste stelle unter I, 1): gemächt, so einer vor seinem tod aufrichtet,
forma, testamentum. Maaler 166
c; ein gemächt oder testament aufrichten,
voluntatem suam testari. das.; desglichen soll auch ein kind einen groszvatter .. erben (
beerben) .. es were dann das darinn ein gmächt mit u. g. h. willen beschechen were.
weisth. 4, 295,
schweiz. 17.
jh.; erbfall oder gemächt. 6, 350, 16.
jh. auch bair.: wo zwai wirtläwt sind, die nicht kint habent, da mag ains dem andern sein hab wol machen und geben mit briefen (
vergl. gemächtsbrief). gewunnen si aber nach dem gemächt kint mit einander, so soll das gemächt ab sein. Schm. 2, 541
aus dem bair. landr. hs., er hat auch vermächt
n. zu vermachen,
schwäb. ausgemächt
n., was einem kinde vom erbe ausgemacht worden, das väterliche, mütterliche ausgemächt.
noch im 18.
jh. gemächt des letzten willens,
factio testamenti Aler 890
b. II@1@bb)
der eigentliche sinn ist aber verabredung, wie es Schmeller
als das abgeredete erklärt. daher auch von andern verfügungen über gut und habe (
s. Lexer 1, 838),
besonders zu gunsten anderer: was kouft und verkouft wirt zuo Rickenbach (
d. h. an liegenden gütern), welcher hand kouf und gemecht beschehent oder lüt ainander ze gmainder annement (
zu gemeinschaftlichem besitz) oder welicherlei versatzung man thuot, uszgenomen was lehengter berren ist .. das sol alles vor gricht beschechen oder es hat nit kraft.
weisth. 1, 212,
schweiz. 15.
jh., vgl. s. 196,
auch 5, 149,
obwol da die vorige bedeutung eingeschlossen ist. s. auch unter 6,
b. II@1@cc)
darum kann auch die morgengabe gemächt
heiszen: der man gab der frauwen (
bei den alten Deutschen) .. nicht gelt, nicht schauben, nicht silber noch gold, nicht edelgestein noch seiden .. es waren zusammen ein kuh und ochs gespannt, ein gesattelt pferd
u. s. w. das war damals ir haustreuw, verfertigung, gemächt, heiratgut, morgengab
u. s. w. Aventinus
chron. 32
b,
vgl. mhd., alem. gemähte und morgengâbe Lexer
nachtr. 191.
vermutlich auch für stiftung überhaupt, vgl. erbgemächt legatum, allerdings zugleich als vermächtnis, wie auch testamentum mit erbgemächt
gegeben wird Henisch 906, Dief. 581
b (
auch mit gelubd, gelobde
u. ä., was unter gelübde
fehlt). II@1@dd)
aber auch für abkommen, vertrag überhaupt: als der zins von disen gütern gevellt uf den meytag und uf sant Martins tag, da haben die mayer ein gemächt, wie man den zins inbringen soll, uf sich genomen also ..
weisth. 1, 397,
oberrh. vom j. 1491,
belege aus dem 14.
jh. bei Haltaus 637,
auch mhd. gemächede 638.
ebenso gemechte
vor gericht, s. Lexer 1, 838
aus dem 14.
jahrh. II@1@ee)
auch gemächt,
factio, zusammenrottung, aufruhr Henisch 1482
wird eigentlich geheime verabredung sein, wenn es nicht blosz dem lat. ausdruck nachgemacht ist; doch vergl. ahd. kamahhôn
sociari, gamahhida
foedus unter gemach I, 3,
a, machôn
moliri (
insidias) Graff 2, 640. II@22)
zu machen
für fertig machen, herrichten, anmachen u. ä., vergl. ahd. gimahhôn, mahhôn
conficere, redigere, parare u. ä. unter gemach I, 3,
a. b. II@2@aa) gemecht
als ausputz z. b. an frauenkleidung: das etlich ungefyzte hembd und prusttücher tragen, die doch nichts minder an gesticke, porten und andern unnützen fürwitzen (
adj.) gemechten den gefyzten hembden und prusttüchern in costen gemesz und noch kostlicher sein.
Nürnb. poliz. 106.
das meint auch gemecht oder getzierde,
pretextus voc. 1482 l 3
a,
z. b. borte als besatz. es hat seinen hintergrund in ahd. kimachôt
comptus, s. unter gemach I, 3,
a. II@2@bb)
ähnlich bei metzgern, die ihr fleisch für den verkauf künstlich schön zurecht machen, z. b. im Meraner stadtrecht: eʒ sol kein fleischhäckel keinen nieren niht machen an keinem vihe .. wan als eʒ got gemachet hât, mit keinerlei gemächte und ouch niht ûf blæjen. Haupt 6, 417,
vgl. 'zieren und machen'
in gleichem sinn: si sullent ouch daʒ fleisch niht anders zieren noch machen danne üeblich rîʒen ûf dem rücken mit dem meʒʒer. 418. II@2@cc)
ähnlich von künstlichem herrichten und anmachen des weins, machen
genannt: daʒ nieman keinen wein machen sol mit kainerlai gemechte, wie daʒ genant ist ... ane welhischen wein, den mac man wol machen mit airn und keinem andern gemechte nicht.
Nürnb. poliz. 205,
vergl. 258
ff., gemechte oder vermischung 138; die wirt felschent den wein mit allerlai gemächt, mit wasser und andern bösen stucken. Schade
sat. 2, 149, 24; wie auf die gemächt der wein zusehen geordnet.
reichsordn. Worms 1539 29
b, von gemächt der wein 49
b.
auch von gewürzen: das der saffran durch gemächte also verwandelt worden ist.
Nürnb. poliz. 138. II@2@dd)
auch das mittel zum anmachen oder herrichten: wer verbotene gemächte in wein tut. Schmeller 2, 541,
als zimliche gemächte
werden das. milch, eier, tegel, kraftmehl genannt; die beerlein (
der pflanze) geben ein schöne braune farb, den läderfärbern ein sehr nützlich gemächt. Tabernaemontanus
kräuterb. 1490.
oberbair. heiszt noch z. b. speck, sofern er die kost schmackhaft macht, gemachet Schm.,
kärnt. Fromm. 3, 464 (gemächig
schmackhaft). II@2@ee)
aber auch das angemachte selber: daʒ gemächt haiʒt in der apoteken diasandali. Megenberg 376, 14.
auch während des anmachens, z. b. in der küche: thu das gehecke (
gehacktes) inn morsser czu dem gemechte der czungen.
küchenmeist. b 5; grosze weinper der Welschen dy thu in das gemecht.
das.; das geht dann in die bedeutung 4
über. II@33)
bemerkenswert von zauberei, bei Nicl. v. Wyle
in der zueignung seiner übersetzung des Apulejus, wo er von einem erzählt, der durch gemecht
einer frau länger als ein ganzes jahr wilde gans gewesen sei, s. J. Grimm
myth. 1052. II@44)
besonders zu machen,
verfertigen, in kunst und handwerk u. ähnl.; vergl. dazu ahd. gimahhôn
fabricari u. ähnl. unter gemach I, 3,
a. II@4@aa)
von kunstarbeit, ursprünglich im besten sinne, sicher schon mhd. oder älter: der haufe aber, so durch solch fein gemechte gereizt ward (
d. h. das bild des königs), fieng an den fur einen gott zu halten, welcher kurz zuvor fur ein mensch geehret war.
weish. Sal. 14, 20, menschengemecht 13, 10; wie das gemäldt des malers oder gemecht des künstlers. Paracelsus 1, 334
c.
auch von der art der arbeit (
wie arbeit
selber),
kunstarbeit, manier, form u. ä.: das gemächte zeiget den meister,
opus commendat artificem. Stieler 1196; das gemächte an dem hause taugt nichts,
structura imbecillis est. das.; wundergrosze bildnis, auch kostlich von materi und künstlich von gemächt. S.
Frank weltb. 232
a; do stund manch schon und lustig zelt von mancherlei art, farb und gmecht. Thurneisser
archid. 22.
später heruntergekommen, nur noch geringschätzig, verächtlich (
vgl. u. f und 5,
c): die sogenannten gelobten hände (manus votivae) von erzte .. welche gemächte sind aus zeiten, da die religion der Griechen und Römer vom weitgesuchten aberglauben anderer völker umnebelt war. Winkelmann 2, 525; in dem königlichen farnesischen museo befindet sich eine grosze anzahl kleiner figuren, von denen aber die mehresten neue und schlechte gemächte sind. 5, 150; der (
kopf des Vitellius) im pallaste Giustiniani, welcher .. ein scheuszliches neues gemächte ist. 6, 265; für götter ein gewaltiges unternehmen, über ein gemächt von nassem lehm so obgesiegt zu haben! Wieland 35, 67.
doch auch im 18.
jh. noch: wie artlich und wunderbarlich ist das gemächt der glieder,
quam solers subtilisque descriptio quamque admirabilis fabrica membrorum (
Cic.). Aler 890
a,
von der natur als künstlerin (
vgl. 5,
b). II@4@bb)
im handwerk, kunsthandwerk (
eigentlich vom vorigen nicht zu trennen): item sy sullen kein geringer silber erbeiten dann zu vierzehn lothen ... und was sulchs gemechts addir gesmeides noch erkentenis der meister zu geringe were, sullen die meister zuslaen (
zerschlagen).
innung der goldschmiede zu Freiberg, Schott
land- u. stadtr. 3, 289; alle wollin gemechte. Nicl. v. Wyle
transl. 326, 19,
wollenweberarbeit; des hafeners gemecht bewert das für (
zeigt das feuer als gut oder schlecht). Keisersberg
christl. bilg. 69
c; wie seid ir so verkeret? gleich als wenn des töpfers thon gedechte und ein werk spreche von seinem meister, er hat mich nicht gemacht, und ein gemechte spreche von seinem töpfer, er kennet mich nicht. Luther
Jes. 29, 16.
noch bair. gmächt,
kunst- oder handwerksarbeit oder product, Nürnberger gemächt, gutes
oder schlechtes gemächt Schm. 2, 541.
auch schwäb.: die knechte wuszten nicht, wie sie ihre verwunderung über das künstliche gemächte genug an den tag legen sollten. Miller
Siegwart 3, 625.
sonst nur noch geringschätzig (
vgl. unter f): die wände standen windschief, die klappe vorne war zu grosz .. ihr könnt das gemächt noch sehen, ich habe es auf dem sill stehen lassen. Immermann
Münchh. 1, 137,
ein schrank, den sich der hofschulze hatte selber machen wollen. II@4@cc)
auch von arbeit aller art, z. b. von reparatur: das gemächt, das sie an wegen und stegen vollbringen. Schm. 2, 541
aus Krenners
landtagshandl. 7, 247.
ähnlich beim schuhmacher, der schuhwerk ausbessert, der vorschub an stiefeln, z. b. in der Zips Schröer 54
a,
es musz aber verbreitet sein, denn aus Baiern gibt Schmeller
a. a. o. stifel angemächten,
vorschuhen lassen; im 15.
jh. von altem schuhwerk überhaupt alt gemechte
cod. dipl. Sax. II, 6, 92,
das auch die flickschuster sollen besohlen dürfen (
Germ. 27, 167);
vergl. unter g von flickwerk. II@4@dd)
besonders auch von der art der arbeit, arbeitsform, z. b. beim schneider für façon (
d. i. factio): neue ungewöhnliche schnitte und gemächt an den kleidern. Schm.
aus Krenner 13, 324; wann ich schwören solte, so hätte mein vater die strümpfe, die ihr da anhabt, gestrikket, denn ich kenne sein gemächte so gar eigentlich (
genau).
ped. schulfuchs 242,
die art wie und was er arbeitet. dasselbe ist eigentlich: gemächt oder gemachete gattung,
factus, factura, confectura. Maaler 166
c. II@4@ee)
daher bildlich für gattung selber, schlag, mache u. ä., nach stoff oder form oder beidem, vom menschen: denn er (
gott) kennet was für ein gemecht wir sind, er gedenket daran das wir staub sind.
ps. 103, 14; dieses alles sind ja Adamskinder und eines gemächts miteinander und zwar nur von staub und asche!
Simpl. 1, 95
Kz. (1, 27),
nach der psalmenstelle, die auch unter 5,
c wirksam erscheint. mit geschlecht
in reim und beziehung: das schwerköpfig geschlecht und langweiligs gemächt (
vorher genannte niederste arbeitergattungen) wird diesz jahr nicht grosze sachen am kammergericht zu Speyr verlieren. Fischart
groszm. 95 (
Sch. 621); alsdann bleibt das gemecht beim geschlecht und das geschlecht beim gemacht.
Garg. 70
a (gemecht
Sch. 118).
geringschätzig (
s. unter f): von einem ähnlichen gemächte musz die empfindung des grafen Malvasia .. gewesen sein. dieser schwätzer nennet den groszen Rafael einen urbinatischen hafner. Winkelmann 2, 384. II@4@ff)
von geistiger arbeit, vergl. ahd. gimahhôn, machôn
dichten u. ähnl., gimahhida
dichtwerk unter gemach I, 3,
a: es ist sein eigen gespunst, gemächt, art, baw, gedicht.
sprichw. Frankf. 1570 17
a; die oration kunte nicht anders sich in dem gemächte präsentiren, als sie in ihrem zuschnitte der disposition sich sehen liesz. Chr. Weise
lustredner 126,
die disposition als zuschnitt,
die fertige ausarbeitung als gemächte,
beides wie beim handwerker. seit dieser zeit aber und nun ausschlieszlich geringschätzig, verächtlich (
vgl. unter a),
wie machwerk
auch: ist das nicht ein jammer, dasz ein kerle so thum ist und sich bei dem armen gemächte einen himmel einbilden kan. Weise
überfl. ged. (1701) 381,
schlechte verse; Crispin ergab sich ietzt der polyhistorie (
als dichter), zog schwänk und märchen ein, die jung und mägde brachten, und ward vor freuden krank, wenn etwan der und die vom pöbel über ihn und sein gemächte lachten. Günther 500; aber wer erkennet hier nicht das gemächt eines noch spätern und noch barbarischern mönchs? Lessing 9, 183; lasset sie (
die jünglinge) jedes schöne bild, jedes treffende gleichnis an seinem ort lieben, schätzen und bewundern lernen, ohne dasz ihnen ein gedanke einkomme, éinen zug desselben für ihr etwanniges gemächte zu entwenden. Herder
zerstr. bl. 3, 103; auch ist das scharfsinnigste gemächt der selbgöttler nur zum staat und für die guten tage. Claudius 6, 66 (103),
von philosophie, weltanschauung; das buch (
zu der oper, libretto) ist ein wunderliches gemächte. Zelter
an Göthe 5, 376; stunden .. worin ich es beinahe bereuete, dasz ich nicht das ganze für mein eigenes gemächte ausgegeben. J. Paul 54, 11. II@4@gg)
geringschätzig auch von einem ganzen, das nur zusammengestoppelt ist: die armée der christen war ein gemächte aus vielen unter einander streitenden gliedern. Schubert
reise ins Morgenland 1, 75,
flickwerk statt eines lebendigen ganzen, wol auch aus der kunst- und handwerkssprache (
vgl. c). II@55)
ursprünglich auch von gott und der natur, schöpfung, geschöpf, eigentlich im bilde des menschlichen künstlers. II@5@aa)
gottes gemächte,
der mensch, die welt und alles: hœre, schepher, dîne schephenunge bin ich ... dîn hantgetât bin ich .. dîn gemechte bin ich, dîne hende, herre, haben mich gemachet. Wackernagel
altd. pred. 248; gott wil ich (
erklärt ein teufel) sine gschöpft und gmächt ouch schmähen (
verderben), schenden, kan ich ächt (
nur). Ruff
Ad. u. Heva 513; der heilig geist thuot sömlichs nüt was er hüt macht, in morn nit grüwt, sin gmecht blybt ston in eewigkeit. Utz Eckstein
concilium, klost. 8, 731; denn du bist gottes geschepf, gemechte, creatur und werk. Luther 6, 314
a; wie er mich und dich gemacht hat, so sind wir, ich ein mann, du ein weib, und solch gute gemecht wil er geehret und unveracht haben als sein göttlich werk. 2, 163
a (
vom ehelichen leben),
wo ihm vielleicht die bedeutung I
unbewuszt noch nachklang; es ist gottis wort und gemächte.
br. 2, 325; sie sehen das werk des herren nicht an und des gemächts seiner hend achten sie nicht. S. Frank
trunkenh. e 3. f 3; die welt ist seines worts gemächt. Weckherlin 7 (
ps. 2, 15); du, schöpfer, hast ja mich als deiner hand gemächt ... aus mutterleib gezogen. 88 (
ps. 22, 9). II@5@bb) gemächt
der natur: was wird da nu die werkmeisterin die natur sagen, so ihre gemächt also verenderet ... daher zeucht. S. Frank
kriegsb. d. friedes 74; wer glaubt, das die natur sollich ihr gemächt erkennen werd?
das., vgl. aus dem 18.
jh. unter 4,
a aus Aler.
aber auch teufels gemächte: o du verfluchtes werk und abschewlichs gemächte, das in dem schwefelpful' und durch des Plutons knechte geschmiedet worden ist. Werder
Ariost IX, 89, 1. II@5@cc)
vom menschen zugleich in der bedeutung 4,
e, nach der dort angeführten psalmenstelle: doch weisz unser herr gott, was wir für ein gemächte sind, ja wer und wie wir sind. Luther
tischr. 24
a (2, 26), was wir für gemächte sind 27
a,
was er von uns verlangen kann; gott kennt uns, sein armes schwaches gemächte.
M. Neander
vom sel. absterben 16; dan gnugsamb ihm bewust, was wir für ein gemächt. Weckherlin 218 (
ps. 103, 27); hat er sich so hoch betrübt, dasz er als ein arm gemächte nur an seinen tod gedächte. Chr. Weise
überfl. ged. 2, 61; ihr kennt aber ja das arme gemächte, menschlich natur und wesen, so gut als ob ihr selbst ein menschenkind wäret. Wieland
an Merck br. 2, 231. II@66)
nebenformen II@6@aa)
gemächts, hauptsächlich im westlichen md., nrh.: opus, opificium .. ein werk, gemechts. Alberus m 4
a; as wir nu an dese drij toerne (
thürme, in Kairo) quaemen, saygen (
sahen) wir gar selsen ghemechs. Harf
pilg. 109, 4,
bauarbeit; nun sich aber solhs gemechts unz uf den sontag nach Erhardi .. vorwilet (
verzögert), also das wir solche arbeit derzeit erst ausgemacht (
beendigt).
quittung von P. Schantz und M. Silge über ihre arbeit der geschnitzten kirchenstühle in der schloszcapelle zu Büdingen (
anz. des Germ. mus. 1856
sp. 370); ein gemächts wie die schuld von Müllner oder menschenhasz und reue. Zelter
an Göthe 6, 332.
frankfurtisch im 16.
jh. gemechts
vermächtnis, s. Germ. 28, 299.
die eigentliche form ist gemechze, noch jetzt nordthür. in der folgenden bedeutung, genitalia Bech
Germ. 14, 432. II@6@bb)
ohne umlaut gemacht, alem. 14.
jh.: dasz der obg. graf H. die vorgen. herschaften und grafschaften .. in gemachts wise ufgeb in min hand und dasz es dann der egenant graf .. in gemachts wise im und sinen erben empfiengi. Haltaus 637 (
vorher das. gemächt),
in der bedeutung 1,
b; bair. gemacht,
vermächtnis im 15.
jh. Schm. 2, 541.
es ist wie mhd. gemachede, gemachide
in der bedeutung I
neben gemechede Lexer 1, 837.
daher auch noch bair., kärnt. gemachet
unter 3,
d. II@6@cc)
auch einfach gemäch (
s. d.),
noch im 17.
jahrh., es ist neben gemächte
wie gebäu
neben gebäude;
und wieder auch in der bedeutung III,
wie gemechze
vorhin. aber auch in berührung mit gemach,
schwäb. 15.
jahrh.: ain huse und ander gemächt ... ze puwen uf das purkstall ze Wellenburg, daʒ lang zyt her öd gestanden.
Augsb. chron. 1, 192, 30; da prunnen zwai heuser ab oder dreu gemecht.
Nürnb. chron. 4, 368 (
stockwerke, var. gemech);
da mischen sich gemach III, 2,
f und gemächt II, 4,
a. 6,
a von bauwerk. aber seltsam auch gemach (III, 4,
s. d.)
für gemächte III
und damit wechselnd, im 16.
jh. in ärztlicher rede. IIIIII. gemächte,
genitalia. III@11)
die ahd. form war gimaht
veretrum, inguen, penis, gern im plur., wol durchs lat. veranlaszt, gimahti
genitalia, virilia, testiculi, pudenda Graff 2, 615,
d. h. durch gi-
verstärktes maht
vermögen, kraft (
s. Schm. 2, 547),
wie mhd. maht
dafür bezeugt ist in ärztlichem gebrauch, aus dem das wort überhaupt stammen mag (
wb. 2
1, 9
a, Scherz 976)
und noch im 16.
jahrh. macht (
s. d. 14),
im 15.
jh. macht
inguen Dief. 298
c,
auch gemacht 229
b, gemaht
nov. gl. 216
a, gmacht
voc. inc. teut. i 8
b.
daneben noch gemacht
gleich macht, md.: wer wolde als kune sin, daʒ er understunde den konig in sime eigen lande, er hette dan ein grosze gemacht.
Loher u. Maller 91
c (Lexer
nachtr. 190);
ebenso niederd. gemacht
im 14. 15.
jh. Sch.
u. L. 2, 50
b (
vergl. gemächtig,
bevollmächtigt).
man hat es aber später zu machen
gezogen (
vgl.gemachen 2),
seit eintreten des n. gemächte (4),
das dem vorigen die hand reichte, daher auch die nebenformen gemechze, gemäch
und gemach,
s. II, 6,
a. c. III@22)
der plur. ist mhd. vorherschend (gemaht
sg. Scherz 518)
und hielt sich auch nhd. noch länger: sîne (
des bibers) gemachte sint vil nutzi zu arzintuome.
Diut. 3, 33; vindet man im (
dem knaben) under den beinen cleineʒ hâr an den gemehten.
Schwabensp. lehenr. 48
L., bei zweifeln über mündigkeit; dem die gemähte vast geswellent. Pfeiffer
arzneib. 2, 9
a; und ich lag auch in groszer krankhait und hett den geprechen an zwaien enden, an dem hals und an dem bain bei den gemächten. Zink
Augsb. chron. 137, 9; (
in eine pfütze setzen) etlich bisz an die knie, etlich bisz an die gemecht. Steinhöwel (1555) 109; den er bisz an die gemächt in dʒ bad setzet.
das.; Theagenes kniet ihm (
dem gegner im ringkampfe) mit den knien zwischen die schenkel auf die gemecht.
b. d. liebe 227
d; heilet die geschwulst bei den gemächten. Tabernaemont. 601. III@33)
dieses die gemächte
ward übrigens auch als sing. fem. genommen: von der gemächte mitten von dem pauch in die prust des pferds. Mynsinger
von falken 69.
auch bei Keisersberg
sünden des munds 2. 63 die gemecht
so, manche stellen bleiben zweifelhaft und warens wol eben schon damals; auch in voc., z. b. im 14.
jahrh. alem. gemeht
ingwen Wackernagel
voc. opt. 12
b (
vergl.gehært 13
b für gehærde).
noch bair. die gemächten
pl., ein fem. gemächt
voraussetzend Schm. 2, 547;
vergl. das. aus einem voc. von 1429 mächt
inguen, zu macht,
wie gemächte
pl. zu gemacht. III@44)
es bildete sich aber aus dem plur. ein neutr. sg., im anschlusz an das vorige gemächte (
s. unter 1),
das dann den platz behauptete, nachgewiesen seit dem 15.
jh. Lexer 1, 834,
nachtr. 190: kam ein potschaft, es were dem delphin ein pfeil zu dem gemecht eingeschossen und wer tod.
Nürnb. chron. 3, 128; der Smalnstain stach den Sekendorfer (
im zweikampf) unter dem gemecht ein, das er herab viel und starb am fleken (
auf der stelle). 4, 375; die geilheit, spricht Hieronymus, ist allzeit mit der füllerei verknüpfet, darumb ist der bauch und das heimliche gemächt nicht weit von einander.
Reinecke Fuchs Rostock 1650
s. 293 (
wie das heimliche gemach Schöpf
tir. id. 409,
s.gemach III, 4); wenn aber an einigen figuren .. das gemächt wie mit fleisz ausgeschnitten scheinet .. weil Bacchus .. mit dem Attis verwechselt wurde und wie dieser des gemächtes beraubt war .. Winkelmann 4, 229. 3, 204.
der ausdruck ist allgemein (
auch nd. z. b. Danneil 63
a,
mnd. Sch.
u. L. 2, 52
a)
und unter allen der schamhafteste (
abgesehen von den lat., die im gebrauch vorherschen),
auch z. b., wenn es nötig wird, kindern gegenüber gebraucht. auch nl. gemacht
n., ghemachte Kilian. III@55)
auch auf das weibliche geschlecht übertragen, schon im 15.
jh.: feminale, frawen gemächt. Schm. 2, 547
aus einem voc. von 1419,
vergl. die 2.
ausg. 1, 1564 (
wo auch macht
weiter belegt ist),
s. bei Dief. 229
b,
wo auch weibsgemächt, frawen gemacht, frowen maht (
s. unter 1)
und gemech (
s.gemäch); wil aber die stud den hengst nicht zulassen, so musz man ihr das gemächt mit frisch nesseln wol reiben. Uffenbach
rossbuch 2, 206
u. ö.