gatte,
m. n. socius, consors, conjux. II.
Form und geschlecht. I@11, I@1@aa)
ahd. leider nicht bezeugt, mhd. in doppelform gate
und gat,
das letztere erst von Haupt
nachgewiesen zum Erec s. 363
fg. (
wie es scheint n., s. 4),
nur noch in formelhafter verwendung und ohne artikel, also alterthümlich, z. b. ir gat
ihres gleichen, daʒ ist mordes gat
krone 19188,
das ist einem morde gleich, so gut wie mord; si beroubten ein vil riche stat, daʒ si mêre niender vunden ir gat (
keine zweite so reich). Diemers
ged. 136, 14.
s. auch das gatte
unter gattung 2. I@1@bb)
in rhein. form gad, noch später in einem weisthum von der Mosel, aber als adj.: item weist der lehenman (
d. h. die gesamten zur rechtsweisung versammelten lehenleute, s. sp. 1290
unter c), wer da gerüegt vor wüstung wird, dasz der verfallen soll sein dem herrn in eben
gad gut wingarts. 2, 384,
wer einen weingarten wüste läszt, musz den herrn durch ein entsprechendes stück gebauten weingartens von seinem erbe entschädigen (
vgl. s. 362. 368 in das gebauwet erb eben grosz),
d. h. das gut,
landstück soll des wüsten stückes gad
sein, oder ebengad
wie das wort hier verstärkt ist, vgl. die mhd. ebenso verstärkten sinnverwandten ebengelîch, ebengenôʒ;
aber es steht da deutlich als adj., wie mhd. oder md. gegat: dô in ein durftige eins pundes bat, er sprach: sô grôʒ wêre dir niht gegat. Haupt 4, 295,
eine so grosze gabe wäre dir nicht angemessen; vgl. unter gätlich 3,
c das ahd. adj. gegat
und die vermutung eines ursprünglich nd. adj. gad. I@1@cc) gad
md. im 16.
jahrh. als subst. in Kirchhofs gegengad II, 3,
a, das vielleicht nicht aus gade
abgestumpft ist, da er voll speise stimme
u. ähnl. schreibt. auch das mhd. gat
unter a kann das n. eines adj. gat
sein. I@22)
nhd. erscheint gate wie mhd. noch im 17.
jh. schlesisch, doch zu gâte
verlängert: da Adam noch in unschuld war, da folgt er seinem gaten; was wunder dasz die männer jetzt, was weiber wollen, thaten? Logau 3, 8, 29.
im sing. noch im 18.
jahrh. schwanken in der flexion, Wieland
brauchte z. b. den gen. gattens (
vgl.des knabens
u. knabe I,
e): dasz vielleicht der zustand ihres gattens (: schattens) dem ihren gleicht.
Oberon 8, 63;
zeigt sich doch das -n
selbst in den nom. eingedrungen (
wie in garten, husten),
auf der Eifel der gaden Schmitz 225
a. I@33)
auszer dem eigentlichen hochd.: nd. gade,
nl. gade (ga-),
nordfries. gâde Outzen 90,
und das -d
ist nicht nur im Rheinlande weit aufwärts herschend, sondern reicht auch nach osten ins md. hinein, s. gad,
gegengad unter 1,
rhein. gade
consors Mones
anz. 7, 299
b,
vgl.gegade
unter II, 3,
b. auszerdem nur ags. gada
comes, socius Ettm. 407,
nordisch fehlend; in goth. gadaliggs (
s. gätling)
ist doch wol auch ein gada
enthalten. I@44)
das geschlecht ist doppelt, m. und n.; das masc. gilt auch vom weibe, wie bei mhd. geselle
geliebte, auch bei buhle,
und ein einfaches f. scheint gar nicht entwickelt zu sein (
erst spät gattin,
wie auch buhlin): êbrekerîe ... in afwesende des rechten heren edder echten gaden.
Rein. vos I, 3
gl., wo der mann als here
bezeichnet ist, besonders weil vom adel gesprochen wird; Adam, der seinem
gatten folgt,
s. Logau
u. 2; so bald das männlein seinen gatten in der nähe spürt. Frisch
insecten 1, 7; es lockt im mayenschatten die nachtigal den gatten. Kosegarten
poes. 1, 80.
aber auch das neutr. vom weibe, wie das gemahl,
im ältern nhd.: ein ehegatte, das von ihrem manne nichts als liebes und gutes hat. Scriver
seel. 1, 542;
doch auch vom manne zugleich, wie Schm. 2, 80 das ehgatt
aus der ältern canzleisprache beibringt, wo denn das neutr. sein ursprüngliches recht ausübt, das geschlecht überhaupt unbezeichnet zu lassen (
vgl. V, 472
fg.).
auch das mhd. gat
u. 1
war wol n., wie das gleichbed. aachensche weregar II, 1,
c, nrh. gegade II, 3,
b, vgl. auch u. gätlich 3,
c. I@55)
gleich hier zu erwähnen ist auch eine zusammensetzung mit gi-,
alts. gigado,
ags. gegada,
mhd. gegate,
mnd. gegade Schiller
u. Lübben 2, 31
b,
mnl. gegade, gegaet Oudemans 2, 409,
nrh. gegade
compar, consors Teuth. 97
a,
und das erscheint, ohne unterschied der bedeutung, wie älter als das einfache wort, wie denn noch der Teuth. neben gegade
das einfache gar nicht anführt; daher nimmt Weigand gate
als aus gegate
gekürzt an. doch die bedeutung des zusammen, die gi-
hinzufügte, liegt schon im stamme selber. s. weiter III. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
die heutige bedeutung ist nur die einzelne anwendung einer ursprünglich allgemeineren, die auch in spuren bis ins nhd. hereinreicht: gaten
sind eigentlich zwei oder mehr, menschen oder dinge, die genau zusammengehören, zusammenpassen u. ähnl.; vergl. gattung 2. II@1@aa)
von menschen, mhd. gaten
z. b. kampfgenossen, eig. die glieder einer gefolgschaft in altgerm. zeit (
s. darüber gätling 4);
so im Rother 1103 die Dieterîches gaten,
d. h. Dietrich selber mit seiner heldenschar (
s. Germ. 10, 141,
vgl. sp. 1341
anm.)
auf ihrer abenteuerlichen fahrt, vgl. du inde dîne gaden 4557,
wie sonst die getelinge,
ags. gädelingas.
ein nachklang davon ist im 15.
jh. gatte
von einem bauerburschen als stolze bezeichnung in einem bair. liede neidhartischer art, ganz gleich gettling
bei demselben dichter (
s. gätling 1): mir ist gesagt von ainem gatten, wie er in dem tanz künn watten (
einhertreten). Heselloher
bei Schm.
2 1, 956.
auch der heutige begriff von spieszgesellen
wird sich bei gate
entwickelt haben, wie er schon mhd. wol anklingt in der kindh. Jesu 91, 80,
wo ein heidnischer herzog mit sînen gaten
auf raub auszieht nâch ir site;
vgl. ags. gegadan
complices, conspirantes Wright 50
a,
altengl. gadeling
vagabond unter gätling 2
a. e. und das vielleicht entsprechende gade Halliwell 29
b,
auch unter gattung 2,
b aus Wickram. II@1@bb)
bemerkenswert aber auch von gegnern im kampfe, die als solche zusammenpassen, einander die wage halten, gewachsen sind (
dasz es eine lust ist für die zusehenden): dar umbe wolter si (
Roland die Baiern) erslân, wêre iʒ nicht undervaren (
verhindert worden), die getorsten ime wole gestaten (
stand halten), die Beire wâren sîne gaten.
Rol. 39, 12; swaʒ ie hât schilt gein mir getragen, die sint von mîner hende gevangen unde erslagen ... an ritterschaft ich niendert mînen gaten vant.
Lohengr. 529,
in gekürztem ausdruck den sînen vinden: ir ietweder den sînen an dem anderen vant.
Nib. 185, 4.
auch auf spiel übertragen, das ja meist die form eines kampfes zwischen zweien (
oder zwei parteien)
hat: dâ vindet menlich (
jeder) sînen gaten, swes sô man getuon wil, beidiu ze ernst und ze spil.
Lanz. 2672.
so erklärt sich glaub ich das dunkle sich vergatern
Lohengr. 5687,
sich mit einem gleichsam '
vermessen'
in bezug auf seine kräfte, sich in einen ungleichen kampf einlassen, zu gater
gleich gate (
s. III, 1),
es müszte sich auch sich vergaten
finden. die alte vorstellung liegt auch noch vor in sich messen mit einem,
seine kräfte an dem andern messen, ob man sîn gate
sei; daher vermessen,
der sich dabei überschätzt hat. II@1@cc)
diesz gegeneinanderstehn zweier gaten
wird auch ausgedrückt durch gegengate, widergate,
die nhd. sich finden in hess. gegengad
conjux (
s. 3,
a),
das zweite nrh. in dem Aachener weregar
n. (-r
aus -d),
gegen- oder seitenstück, pendant Müller
u. Weitz 260,
z. b. fletjet ohne weregar,
scheusal ohne gleichen, se hat hör weregar net,
wie mhd. ir gat I, 1;
ebenso noch nl. wedergade,
auch nd. ane weergae (weddergade),
ohne gleichen Brem. wb. 2, 474. II@1@dd)
aber auch das einfache wort lebt noch auf deutschem boden, in Luxemburg goid
m. (oi
gleich ursprünglichem ă),
das gegenstück, der, die, das gleiche, eins von zwei dingen die ein paar ausmachen Gangler 183,
d. h. im begriffe rein erhalten das alte gate,
von dingen wie menschen. auch nl. gade,
jetzt nur noch in zonder gade,
ohne gleichen, wie mhd. sunder gaten. II@1@ee)
die anwendung auf dinge aller art, auch unsinnliche, war übrigens schon in ältester zeit entwickelt, ahd. gewiss so gut wie alts.: godspell that guoda, that ni haBit ênigan gigadon hwergin.
Hel. 25,
dessen gleichen an wert es nirgends gibt; mhd. z. b. mordes gat
unter I, 1,
s. auch ebenda das nhd. ebengad gut wingarts. II@22)
der begriff genosse, der in den wbb. zu sehr in den vordergrund gestellt ist, liegt allerdings zugleich schon in dem gaten
unter 1,
a. so erbegate, erbegegate
miterbe Hoffmann
fundgr. 1, 370
a aus dem schles. landr., auch im rechtsb. nach dist. erbegate Ortloff 1, 46,
im Eisen. rechtsbuch erbegegate
das. 1, 662 (
wie erbegenôʒ, geerbe).
im 15.
jh. nd., rhein. gade
consors Dief. 144
c,
auch hd. eigner weise noch im 17. 18.
jahrh. in den wbb.: gatte,
socius Schottel 1323, gatt Stieler 593, gatte
mitgeselle, compagnon, consors Rädlein 322
a (
nicht bei Frisch),
wol mehr erschlossen, allenfalls aus mundarten entnommen, als aus dem eigentlichen sprachgebrauch; doch vgl. u. gattin Günthers
gebrauch als '
genossin'
der ehe. II@33)
Im allgemeinen ist es nhd. auf den begriff ehegatte eingeschränkt worden. II@3@aa)
die gatten sind damit als die eng zusammengehörigen bezeichnet, als die die man immer zusammensieht (
vergl. aus der heil. Elis. unter III, 1),
als ein paar,
wie das jetzt heiszt, wie denn das wort von haus aus im besondern von einem zusammengehörigen paare gebraucht zu sein scheint (
s. 1,
b, vgl. mnl. die gegaden,
testiculi Oudem. 2, 409),
daher auch beim weibe in gate
das geschlecht lange unbezeichnet bleibt (
s. I, 4);
ähnlich ist genosz
für gatte und gattin in mnd. hûsgenôte
conjux Dief. 143
a,
mhd. geselle
m. für geliebter und geliebte. die genauere bezeichnung ist ehegatte (III, 41),
mnd. echte gade
m. Rein. vos I, 3
gl. (
s. u. I, 4),
auch in der sprache der rechtsbücher Haltaus 582.
auch gegengate, welche zusammensetzung ja den begriff des paares von selbst einschlieszt (
s. 1,
c): der pfaw .. ist ein kindermörder .. dasz auch sein gegengad die pfäwin ihre eier vor ihm musz verbergen. Kirchhof
wend. 3, 249
Öst.; vgl. hess. gegentheil
m. vom bräutigam und der braut Vilmar 120.
was hier das gegen-
ausdrückt, ist früher in gegate
mit gemeint. s. auch gattung 1,
b von den gatten. II@3@bb)
auch bloszes gate
oder gegate
geht doch in die mhd. zeit zurück, aber selten; besonders gegate (
wegen gate
s. 4,
a): der künic und sîn gegate.
mhd. wb. 1, 488
a aus Eilharts
Trist.; nimpt daʒ ander (
mann oder weib) einen andern gegaten .. unde bekindet sich mit demeselben gegaten.
rechtsbuch nach distinct. I, 24, 4, Ortloff 1, 57,
in einer nd. hs. gaden
s. 371; diwîle sîn êlîche gegate lebite.
Eisen. rechtsb. 1, 45, Ortloff 1, 666;
nrh. im 15.
jh. gegade
n. (
vergl. aus Harf
unter 4,
b): haistu einich gegaede genomen umb guets willen.
der seele trost 225
b u. ö., Fromm. 2, 435
a.
nd. gade: er ik doch sunder gaden blyve, so wil ik nemen se to wyve. Hoffm.
niederd. Aesopus s. 61.
Auffallenderweise schweigen aber die wörterb. von gatte
bis auf Henisch,
der auch nur ehegatt,
ehegesell anführt sp. 1372, ehegatte Stieler 593
mit dem blosz beiläufigen zusatz 'gatt
enim est socius',
sodasz gatte
allein beiden unbekannt war, das erst im 18.
jh. Steinbach, Frisch
neben jenem mit aufführen; es scheint erst durch schriftsteller, dichter wieder in gang gebracht: vor allen dingen dir (
gott) gefält, wen in der eh' ein frommer christ mit seinem gatten einig ist. Rist
himml. lied. 3, 161.
s. schon unter I, 2 Logau (gâte),
vgl. auch unter 4,
b Fleming.
es muszte sich in der gemeinen rede erhalten haben, wie denn Schottel 1056
als nd. gay
angibt, heffe nen gay
careo conjuge; vgl. nl. gaai
gleich gade (
schon Kil. gaeye),
demin. gaaiken. II@3@cc)
im späteren 18.
jh. ist es dann auf den männlichen theil eingeschränkt worden (
vgl. gattin,
das sich schon durch den mangel des umlauts als jung verrät): ich flehe dich um drei tage zeit, bis ich die schwester dem gatten gefreit. Schiller 62
a; denn es geziemt der wittwe, die den gatten verloren ... 489
a (
braut v. Messina 1); den könig, meinen gatten, liesz ich morden und dem verführer schenkt' ich herz und hand. 443
a.
Von beiden theilen nur noch im plur., als höherer ausdruck für ehepaar, eheleute: die glücklichen gatten. Göthe 1, 126; beide gatten. 17, 25; wir neuen gatten. 17, 23; es waren junge vornehme gatten, die unmittelbar nach der vermählung ihr frisches glück durch die welt spazieren führten. Immermann
Münchh. 3, 219.
das ist aber nicht anders gemeint und gefühlt als wenn z. b. für ein wirtspaar, wirt und wirtin, die wirte
gesagt wird: als der gast seine wirthe ernstlich vermahnte. Göthe 17, 24.
Das wort ist nun wieder im vordringen, wie gemahl, gemahlin,
durch das bedürfnis, höhere, besonders titelmäszige worte mit ihrer vornehmheit ins leben hereinzuziehen. die altfeierlichen ehemann, ehefrau, eheleute, ehepaar
mit ihrer gemeinderechtlichen bed. werden immer altfränkischer, während sie noch Göthe
in den wahlverw. mit gatte, gattin
bedeutsam wechseln läszt (
z. b. 17, 21
ff.)
und mann
und frau
ihre kraft fürs haus behaupten. zwischen diesen und gemahl, gemahlin
nehmen gatte, gattin
an wert und gewicht die mitte ein. II@3@dd)
bemerkenswert ist noch folgender gebrauch von nicht oder noch nicht ehelichem verhältnis (
vgl.gatten 3,
c): ihr geschrei durchdringt die luft: meinen gatten will ich wieder! Göthe 1, 254,
der gott u. die baj., worauf ihr freilich von den priestern entgegnet wird: dieser war dein gatte nicht ... nur die gattin folgt dem gatten,
aber sprachlich hat sie eig. recht. ähnlich in der braut von Messina Beatrice, freilich nur vorgreifend gemeint, vom geliebten: ich kenne dich nicht mehr — ist dies don Manuel, mein gatte, mein geliebter? Schiller 505
b. gatte
bezeichnet wirklich von haus aus nur das zusammen an sich, die paarung, weshalb eben früher ehegatte
im heutigen sinn vorherscht (
während gemahl
das eheliche von haus aus mit enthält);
daher auch gatte
von thieren. II@44)
Von thieren, schon in alter zeit (gate
und gegate)
und keineswegs blosz dichterisch; s. auch gattung 1,
a. II@4@aa)
besonders von vögeln; Kilian im 16.
jh. gibt vom nl. gade (
auch gaeye,
dem. gaeyken),
socius, socia, conjux, geradezu an: de avibus proprie. hd., md., nd.: diu turteltûbe hât ein art, daʒ ir trût ir ist sô zart (
zärtlich lieb) den si zu gaten gekûset ... Heinr. von Krolewiz 4328; dan der tûben ir gegate. 4387,
var. gate,
s. auch bruder Hans
unter III, 1;
consors, gade, alsome (
wie man) sprikt: de vogel haft synen gaden. Dief.
nov. gl. 110
a; diese turteltaube hat ihren gatten verloren. Rädlein 322
a (
von menschen gibt er nur ehegatte
m.); ein täubchen, dem ein schusz den treuen gatten stürzt. Günther.
und so noch bei neuern dichtern (
vgl. I, 4): da locken vogelgatten einander in die schatten. Rückert
poet. w. 2, 351. 366. II@4@bb)
aber auch von thieren überhaupt, vom wurme so gut wie vom rinde und auch durchaus von dichtung entfernt: so bald das männlein seinen gatten in der nähe spürt, töhnet es nicht mehr so laut. Frisch
insecten 1, 7; kein böses tyger ist so wilde, kein leoparde so ergrimmt, dasz, wenn er ümm den gatten kömmt, er sich nicht trage zahm und milde. Fleming 316; dann kuist der oess ein ander gegade (
nach dem tode der kuh). Harf
pilg. 147, 17.
ganz geschäftlich im 15. 16.
jh. vom zuchtochsen, zuchteber u. ähnl. und seinem '
gatten': und ein iklich faselvihe (
soll) mit seime gaden sonder lohn vor dem hirten waiden gan.
weisth. 2, 315,
von der Mosel. II@55)
bei Göthe
auch von pflanzen, doch nur dichterisch sinnbildlich, mit unmittelbarer beziehung auf die ehe: seht die lilien
an. entspringt nicht gatte und gattin auf éinem stengel? 20, 267 (
W. Meister 8, 9). IIIIII.
Weiteres über bildung und verwandtschaft. III@11)
von der reichen formentwickelung des alten wortes zeugt auch eine doppelte weiterbildung in gatel
und gater (gader)
wenigstens in md. nd. sprache: ein îezelîches vogelchen suechet nû sîn gatel. bruder Hans
Marienl. 2596; jâ der sun und ouch der vader und der heilic geist ir gader.
erlös. 5561. 1202; si gienc gezogenlîche ... nû bî ir geste sitzen, bî ir frûnt, ir dischegader (: vader).
heil. Elis. 2727,
ihren neuen gatten als tischgenossen, das zusammensitzen macht die zusammengehörigkeit beider öffentlich, und nur das ist eig. in gader
ausgedrückt. noch im 15.
jh. nrh.: dat selve halden etsliche creaturen (
thiere), de boven ir gaider gein ander keisen.
der seele trost 189 (
var. ir recht gemähelt),
s. Fromm. 2, 434
b.
nd. 'gader
m. socius, ehegatte'
gibt noch Schottel 1323
an, s. auch das merkwürdige gater
bei Schm. 2, 82,
das hier seinen anschlusz finden könnte. Das gatel
kann übrigens unmittelbar zu gätling, getelinc
gehören, ja diesz erst von jenem gebildet sein, zu gater
aber stimmt auch das adv. zugater
oder gater
gleich zusammen (
engl. together);
vgl.gattern 3. III@22)
zur verwandtschaft gehören auszer diesem gater
und gätling
das adj. gätlich,
das zeitwort gatten,
das subst. gattung (
beide mit ursprünglich viel weiterem bedeutungskreis als jetzt),
vermutlich auch gätlos
und vielleicht gatter;
als das älteste darunter, weil das einfachste, erscheint aber gatte, gate
oder noch mehr das n. gat (
s. I, 4
a. e.).
wenn in der ganzen sippe der begriff der engen zusammengehörigkeit zu grunde liegt, weisen gätlos
und gatter
auch auf eine sinnliche unterlage dieses begriffes, auf ein binden, verbinden hin, wie schon J. Grimm
gr. 2, 51
sich für jene ein verlornes goth. zeitwort gidan
jungere dachte. nur bleibt zu finden, von welchem bestimmten binden das ganze ausgegangen sei, die verblassung ins bildlose abstracte zeigt sich schon ganz früh. der begriff paar in gatte
deutet auf ein verbinden von zweien, gätlos
vielleicht auf ein zusammenjochen zweier zugthiere. auswärtige anklänge sucht Diefenbach
goth. wb. 2, 375,
z. b. kelt. gad
bindrute, vgl. über skr. gad Kuhns
zeitschr. 12, 128,
das doch in sinn und form nicht ausreicht. III@33)
zur sippe schickt sich übrigens auch gät
f. die pate (
sp. 1488),
da unter gätling 4
der begriff des stammes sich auch auf die enge zusammengehörigkeit in der verwandtschaft ausdehnte, auch auf das elterliche verhältnis, die paten aber wesentlich vertreter der eltern sind; im Luxemb. stimmt goid
m. für gade (II, 2,
d)
zu goid
f. patin, demin. gièdel
f. patchen Gangler 183. 180,
zu letzterm das mhd. alem. gettelîn (
s. unter gät).
nach der häufigeren form göt, got (
s. Schm.
2 1, 962)
müszte der stamm ablautend gewesen sein Grimms
annahme entsprechend (
vgl. gotlich
gleich gatlich
unter gätlich 2,
d); göt, gät
deuten auf ursprüngliches goti, gati,
die verkleinernd, liebkosend gewesen sein mögen (
vgl. unter gätter 1,
b).
damit aber fände wol aber auch got deus hier sein unterkommen, eigentlich als der höchste verwandte aller, der alle gleichsam verbindet, der stammesgott?