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gatte

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gatte m. n.

Bd. 4, Sp. 1495
gatte, m. n. socius, consors, conjux. II. Form und geschlecht. I@11, I@1@aa) ahd. leider nicht bezeugt, mhd. in doppelform gate und gat, das letztere erst von Haupt nachgewiesen zum Erec s. 363 fg. (wie es scheint n., s. 4), nur noch in formelhafter verwendung und ohne artikel, also alterthümlich, z. b. ir gat ihres gleichen, daʒ ist mordes gat krone 19188, das ist einem morde gleich, so gut wie mord; si beroubten ein vil riche stat, daʒ si mêre niender vunden ir gat (keine zweite so reich). Diemers ged. 136, 14. s. auch das gatte unter gattung 2. I@1@bb) in rhein. form gad, noch später in einem weisthum von der Mosel, aber als adj.: item weist der lehenman (d. h. die gesamten zur rechtsweisung versammelten lehenleute, s. sp. 1290 unter c), wer da gerüegt vor wüstung wird, dasz der verfallen soll sein dem herrn in eben gad gut wingarts. 2, 384, wer einen weingarten wüste läszt, musz den herrn durch ein entsprechendes stück gebauten weingartens von seinem erbe entschädigen (vgl. s. 362. 368 in das gebauwet erb eben grosz), d. h. das gut, landstück soll des wüsten stückes gad sein, oder ebengad wie das wort hier verstärkt ist, vgl. die mhd. ebenso verstärkten sinnverwandten ebengelîch, ebengenôʒ; aber es steht da deutlich als adj., wie mhd. oder md. gegat: dô in ein durftige eins pundes bat, er sprach: sô grôʒ wêre dir niht gegat. Haupt 4, 295, eine so grosze gabe wäre dir nicht angemessen; vgl. unter gätlich 3, c das ahd. adj. gegat und die vermutung eines ursprünglich nd. adj. gad. I@1@cc) gad md. im 16. jahrh. als subst. in Kirchhofs gegengad II, 3, a, das vielleicht nicht aus gade abgestumpft ist, da er voll speise stimme u. ähnl. schreibt. auch das mhd. gat unter a kann das n. eines adj. gat sein. I@22) nhd. erscheint gate wie mhd. noch im 17. jh. schlesisch, doch zu gâte verlängert: da Adam noch in unschuld war, da folgt er seinem gaten; was wunder dasz die männer jetzt, was weiber wollen, thaten? Logau 3, 8, 29. im sing. noch im 18. jahrh. schwanken in der flexion, Wieland brauchte z. b. den gen. gattens (vgl.des knabens u. knabe I, e): dasz vielleicht der zustand ihres gattens (: schattens) dem ihren gleicht. Oberon 8, 63; zeigt sich doch das -n selbst in den nom. eingedrungen (wie in garten, husten), auf der Eifel der gaden Schmitz 225a. I@33) auszer dem eigentlichen hochd.: nd. gade, nl. gade (ga-), nordfries. gâde Outzen 90, und das -d ist nicht nur im Rheinlande weit aufwärts herschend, sondern reicht auch nach osten ins md. hinein, s. gad, gegengad unter 1, rhein. gade consors Mones anz. 7, 299b, vgl.gegade unter II, 3, b. auszerdem nur ags. gada comes, socius Ettm. 407, nordisch fehlend; in goth. gadaliggs (s. gätling) ist doch wol auch ein gada enthalten. I@44) das geschlecht ist doppelt, m. und n.; das masc. gilt auch vom weibe, wie bei mhd. geselle geliebte, auch bei buhle, und ein einfaches f. scheint gar nicht entwickelt zu sein (erst spät gattin, wie auch buhlin): êbrekerîe ... in afwesende des rechten heren edder echten gaden. Rein. vos I, 3 gl., wo der mann als here bezeichnet ist, besonders weil vom adel gesprochen wird; Adam, der seinem gatten folgt, s. Logau u. 2; so bald das männlein seinen gatten in der nähe spürt. Frisch insecten 1, 7; es lockt im mayenschatten die nachtigal den gatten. Kosegarten poes. 1, 80. aber auch das neutr. vom weibe, wie das gemahl, im ältern nhd.: ein ehegatte, das von ihrem manne nichts als liebes und gutes hat. Scriver seel. 1, 542; doch auch vom manne zugleich, wie Schm. 2, 80 das ehgatt aus der ältern canzleisprache beibringt, wo denn das neutr. sein ursprüngliches recht ausübt, das geschlecht überhaupt unbezeichnet zu lassen (vgl. V, 472 fg.). auch das mhd. gat u. 1 war wol n., wie das gleichbed. aachensche weregar II, 1, c, nrh. gegade II, 3, b, vgl. auch u. gätlich 3, c. I@55) gleich hier zu erwähnen ist auch eine zusammensetzung mit gi-, alts. gigado, ags. gegada, mhd. gegate, mnd. gegade Schiller u. Lübben 2, 31b, mnl. gegade, gegaet Oudemans 2, 409, nrh. gegade compar, consors Teuth. 97a, und das erscheint, ohne unterschied der bedeutung, wie älter als das einfache wort, wie denn noch der Teuth. neben gegade das einfache gar nicht anführt; daher nimmt Weigand gate als aus gegate gekürzt an. doch die bedeutung des zusammen, die gi- hinzufügte, liegt schon im stamme selber. s. weiter III. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) die heutige bedeutung ist nur die einzelne anwendung einer ursprünglich allgemeineren, die auch in spuren bis ins nhd. hereinreicht: gaten sind eigentlich zwei oder mehr, menschen oder dinge, die genau zusammengehören, zusammenpassen u. ähnl.; vergl. gattung 2. II@1@aa) von menschen, mhd. gaten z. b. kampfgenossen, eig. die glieder einer gefolgschaft in altgerm. zeit (s. darüber gätling 4); so im Rother 1103 die Dieterîches gaten, d. h. Dietrich selber mit seiner heldenschar (s. Germ. 10, 141, vgl. sp. 1341 anm.) auf ihrer abenteuerlichen fahrt, vgl. du inde dîne gaden 4557, wie sonst die getelinge, ags. gädelingas. ein nachklang davon ist im 15. jh. gatte von einem bauerburschen als stolze bezeichnung in einem bair. liede neidhartischer art, ganz gleich gettling bei demselben dichter (s. gätling 1): mir ist gesagt von ainem gatten, wie er in dem tanz künn watten (einhertreten). Heselloher bei Schm.2 1, 956. auch der heutige begriff von spieszgesellen wird sich bei gate entwickelt haben, wie er schon mhd. wol anklingt in der kindh. Jesu 91, 80, wo ein heidnischer herzog mit sînen gaten auf raub auszieht nâch ir site; vgl. ags. gegadan complices, conspirantes Wright 50a, altengl. gadeling vagabond unter gätling 2 a. e. und das vielleicht entsprechende gade Halliwell 29b, auch unter gattung 2, b aus Wickram. II@1@bb) bemerkenswert aber auch von gegnern im kampfe, die als solche zusammenpassen, einander die wage halten, gewachsen sind (dasz es eine lust ist für die zusehenden): dar umbe wolter si (Roland die Baiern) erslân, wêre iʒ nicht undervaren (verhindert worden), die getorsten ime wole gestaten (stand halten), die Beire wâren sîne gaten. Rol. 39, 12; swaʒ ie hât schilt gein mir getragen, die sint von mîner hende gevangen unde erslagen ... an ritterschaft ich niendert mînen gaten vant. Lohengr. 529, in gekürztem ausdruck den sînen vinden: ir ietweder den sînen an dem anderen vant. Nib. 185, 4. auch auf spiel übertragen, das ja meist die form eines kampfes zwischen zweien (oder zwei parteien) hat: dâ vindet menlich (jeder) sînen gaten, swes sô man getuon wil, beidiu ze ernst und ze spil. Lanz. 2672. so erklärt sich glaub ich das dunkle sich vergatern Lohengr. 5687, sich mit einem gleichsam 'vermessen' in bezug auf seine kräfte, sich in einen ungleichen kampf einlassen, zu gater gleich gate (s. III, 1), es müszte sich auch sich vergaten finden. die alte vorstellung liegt auch noch vor in sich messen mit einem, seine kräfte an dem andern messen, ob man sîn gate sei; daher vermessen, der sich dabei überschätzt hat. II@1@cc) diesz gegeneinanderstehn zweier gaten wird auch ausgedrückt durch gegengate, widergate, die nhd. sich finden in hess. gegengad conjux (s. 3, a), das zweite nrh. in dem Aachener weregar n. (-r aus -d), gegen- oder seitenstück, pendant Müller u. Weitz 260, z. b. fletjet ohne weregar, scheusal ohne gleichen, se hat hör weregar net, wie mhd. ir gat I, 1; ebenso noch nl. wedergade, auch nd. ane weergae (weddergade), ohne gleichen Brem. wb. 2, 474. II@1@dd) aber auch das einfache wort lebt noch auf deutschem boden, in Luxemburg goid m. (oi gleich ursprünglichem ă), das gegenstück, der, die, das gleiche, eins von zwei dingen die ein paar ausmachen Gangler 183, d. h. im begriffe rein erhalten das alte gate, von dingen wie menschen. auch nl. gade, jetzt nur noch in zonder gade, ohne gleichen, wie mhd. sunder gaten. II@1@ee) die anwendung auf dinge aller art, auch unsinnliche, war übrigens schon in ältester zeit entwickelt, ahd. gewiss so gut wie alts.: godspell that guoda, that ni haBit ênigan gigadon hwergin. Hel. 25, dessen gleichen an wert es nirgends gibt; mhd. z. b. mordes gat unter I, 1, s. auch ebenda das nhd. ebengad gut wingarts. II@22) der begriff genosse, der in den wbb. zu sehr in den vordergrund gestellt ist, liegt allerdings zugleich schon in dem gaten unter 1, a. so erbegate, erbegegate miterbe Hoffmann fundgr. 1, 370a aus dem schles. landr., auch im rechtsb. nach dist. erbegate Ortloff 1, 46, im Eisen. rechtsbuch erbegegate das. 1, 662 (wie erbegenôʒ, geerbe). im 15. jh. nd., rhein. gade consors Dief. 144c, auch hd. eigner weise noch im 17. 18. jahrh. in den wbb.: gatte, socius Schottel 1323, gatt Stieler 593, gatte mitgeselle, compagnon, consors Rädlein 322a (nicht bei Frisch), wol mehr erschlossen, allenfalls aus mundarten entnommen, als aus dem eigentlichen sprachgebrauch; doch vgl. u. gattin Günthers gebrauch als 'genossin' der ehe. II@33) Im allgemeinen ist es nhd. auf den begriff ehegatte eingeschränkt worden. II@3@aa) die gatten sind damit als die eng zusammengehörigen bezeichnet, als die die man immer zusammensieht (vergl. aus der heil. Elis. unter III, 1), als ein paar, wie das jetzt heiszt, wie denn das wort von haus aus im besondern von einem zusammengehörigen paare gebraucht zu sein scheint (s. 1, b, vgl. mnl. die gegaden, testiculi Oudem. 2, 409), daher auch beim weibe in gate das geschlecht lange unbezeichnet bleibt (s. I, 4); ähnlich ist genosz für gatte und gattin in mnd. hûsgenôte conjux Dief. 143a, mhd. geselle m. für geliebter und geliebte. die genauere bezeichnung ist ehegatte (III, 41), mnd. echte gade m. Rein. vos I, 3 gl. (s. u. I, 4), auch in der sprache der rechtsbücher Haltaus 582. auch gegengate, welche zusammensetzung ja den begriff des paares von selbst einschlieszt (s. 1, c): der pfaw .. ist ein kindermörder .. dasz auch sein gegengad die pfäwin ihre eier vor ihm musz verbergen. Kirchhof wend. 3, 249 Öst.; vgl. hess. gegentheil m. vom bräutigam und der braut Vilmar 120. was hier das gegen- ausdrückt, ist früher in gegate mit gemeint. s. auch gattung 1, b von den gatten. II@3@bb) auch bloszes gate oder gegate geht doch in die mhd. zeit zurück, aber selten; besonders gegate (wegen gate s. 4, a): der künic und sîn gegate. mhd. wb. 1, 488a aus Eilharts Trist.; nimpt daʒ ander (mann oder weib) einen andern gegaten .. unde bekindet sich mit demeselben gegaten. rechtsbuch nach distinct. I, 24, 4, Ortloff 1, 57, in einer nd. hs. gaden s. 371; diwîle sîn êlîche gegate lebite. Eisen. rechtsb. 1, 45, Ortloff 1, 666; nrh. im 15. jh. gegade n. (vergl. aus Harf unter 4, b): haistu einich gegaede genomen umb guets willen. der seele trost 225b u. ö., Fromm. 2, 435a. nd. gade: er ik doch sunder gaden blyve, so wil ik nemen se to wyve. Hoffm. niederd. Aesopus s. 61. Auffallenderweise schweigen aber die wörterb. von gatte bis auf Henisch, der auch nur ehegatt, ehegesell anführt sp. 1372, ehegatte Stieler 593 mit dem blosz beiläufigen zusatz 'gatt enim est socius', sodasz gatte allein beiden unbekannt war, das erst im 18. jh. Steinbach, Frisch neben jenem mit aufführen; es scheint erst durch schriftsteller, dichter wieder in gang gebracht: vor allen dingen dir (gott) gefält, wen in der eh' ein frommer christ mit seinem gatten einig ist. Rist himml. lied. 3, 161. s. schon unter I, 2 Logau (gâte), vgl. auch unter 4, b Fleming. es muszte sich in der gemeinen rede erhalten haben, wie denn Schottel 1056 als nd. gay angibt, heffe nen gay careo conjuge; vgl. nl. gaai gleich gade (schon Kil. gaeye), demin. gaaiken. II@3@cc) im späteren 18. jh. ist es dann auf den männlichen theil eingeschränkt worden (vgl. gattin, das sich schon durch den mangel des umlauts als jung verrät): ich flehe dich um drei tage zeit, bis ich die schwester dem gatten gefreit. Schiller 62a; denn es geziemt der wittwe, die den gatten verloren ... 489a (braut v. Messina 1); den könig, meinen gatten, liesz ich morden und dem verführer schenkt' ich herz und hand. 443a. Von beiden theilen nur noch im plur., als höherer ausdruck für ehepaar, eheleute: die glücklichen gatten. Göthe 1, 126; beide gatten. 17, 25; wir neuen gatten. 17, 23; es waren junge vornehme gatten, die unmittelbar nach der vermählung ihr frisches glück durch die welt spazieren führten. Immermann Münchh. 3, 219. das ist aber nicht anders gemeint und gefühlt als wenn z. b. für ein wirtspaar, wirt und wirtin, die wirte gesagt wird: als der gast seine wirthe ernstlich vermahnte. Göthe 17, 24. Das wort ist nun wieder im vordringen, wie gemahl, gemahlin, durch das bedürfnis, höhere, besonders titelmäszige worte mit ihrer vornehmheit ins leben hereinzuziehen. die altfeierlichen ehemann, ehefrau, eheleute, ehepaar mit ihrer gemeinderechtlichen bed. werden immer altfränkischer, während sie noch Göthe in den wahlverw. mit gatte, gattin bedeutsam wechseln läszt (z. b. 17, 21 ff.) und mann und frau ihre kraft fürs haus behaupten. zwischen diesen und gemahl, gemahlin nehmen gatte, gattin an wert und gewicht die mitte ein. II@3@dd) bemerkenswert ist noch folgender gebrauch von nicht oder noch nicht ehelichem verhältnis (vgl.gatten 3, c): ihr geschrei durchdringt die luft: meinen gatten will ich wieder! Göthe 1, 254, der gott u. die baj., worauf ihr freilich von den priestern entgegnet wird: dieser war dein gatte nicht ... nur die gattin folgt dem gatten, aber sprachlich hat sie eig. recht. ähnlich in der braut von Messina Beatrice, freilich nur vorgreifend gemeint, vom geliebten: ich kenne dich nicht mehr — ist dies don Manuel, mein gatte, mein geliebter? Schiller 505b. gatte bezeichnet wirklich von haus aus nur das zusammen an sich, die paarung, weshalb eben früher ehegatte im heutigen sinn vorherscht (während gemahl das eheliche von haus aus mit enthält); daher auch gatte von thieren. II@44) Von thieren, schon in alter zeit (gate und gegate) und keineswegs blosz dichterisch; s. auch gattung 1, a. II@4@aa) besonders von vögeln; Kilian im 16. jh. gibt vom nl. gade (auch gaeye, dem. gaeyken), socius, socia, conjux, geradezu an: de avibus proprie. hd., md., nd.: diu turteltûbe hât ein art, daʒ ir trût ir ist sô zart (zärtlich lieb) den si zu gaten gekûset ... Heinr. von Krolewiz 4328; dan der tûben ir gegate. 4387, var. gate, s. auch bruder Hans unter III, 1; consors, gade, alsome (wie man) sprikt: de vogel haft synen gaden. Dief. nov. gl. 110a; diese turteltaube hat ihren gatten verloren. Rädlein 322a (von menschen gibt er nur ehegatte m.); ein täubchen, dem ein schusz den treuen gatten stürzt. Günther. und so noch bei neuern dichtern (vgl. I, 4): da locken vogelgatten einander in die schatten. Rückert poet. w. 2, 351. 366. II@4@bb) aber auch von thieren überhaupt, vom wurme so gut wie vom rinde und auch durchaus von dichtung entfernt: so bald das männlein seinen gatten in der nähe spürt, töhnet es nicht mehr so laut. Frisch insecten 1, 7; kein böses tyger ist so wilde, kein leoparde so ergrimmt, dasz, wenn er ümm den gatten kömmt, er sich nicht trage zahm und milde. Fleming 316; dann kuist der oess ein ander gegade (nach dem tode der kuh). Harf pilg. 147, 17. ganz geschäftlich im 15. 16. jh. vom zuchtochsen, zuchteber u. ähnl. und seinem 'gatten': und ein iklich faselvihe (soll) mit seime gaden sonder lohn vor dem hirten waiden gan. weisth. 2, 315, von der Mosel. II@55) bei Göthe auch von pflanzen, doch nur dichterisch sinnbildlich, mit unmittelbarer beziehung auf die ehe: seht die lilien an. entspringt nicht gatte und gattin auf éinem stengel? 20, 267 (W. Meister 8, 9). IIIIII. Weiteres über bildung und verwandtschaft. III@11) von der reichen formentwickelung des alten wortes zeugt auch eine doppelte weiterbildung in gatel und gater (gader) wenigstens in md. nd. sprache: ein îezelîches vogelchen suechet nû sîn gatel. bruder Hans Marienl. 2596; jâ der sun und ouch der vader und der heilic geist ir gader. erlös. 5561. 1202; si gienc gezogenlîche ... nû bî ir geste sitzen, bî ir frûnt, ir dischegader (: vader). heil. Elis. 2727, ihren neuen gatten als tischgenossen, das zusammensitzen macht die zusammengehörigkeit beider öffentlich, und nur das ist eig. in gader ausgedrückt. noch im 15. jh. nrh.: dat selve halden etsliche creaturen (thiere), de boven ir gaider gein ander keisen. der seele trost 189 (var. ir recht gemähelt), s. Fromm. 2, 434b. nd. 'gader m. socius, ehegatte' gibt noch Schottel 1323 an, s. auch das merkwürdige gater bei Schm. 2, 82, das hier seinen anschlusz finden könnte. Das gatel kann übrigens unmittelbar zu gätling, getelinc gehören, ja diesz erst von jenem gebildet sein, zu gater aber stimmt auch das adv. zugater oder gater gleich zusammen (engl. together); vgl.gattern 3. III@22) zur verwandtschaft gehören auszer diesem gater und gätling das adj. gätlich, das zeitwort gatten, das subst. gattung (beide mit ursprünglich viel weiterem bedeutungskreis als jetzt), vermutlich auch gätlos und vielleicht gatter; als das älteste darunter, weil das einfachste, erscheint aber gatte, gate oder noch mehr das n. gat (s. I, 4 a. e.). wenn in der ganzen sippe der begriff der engen zusammengehörigkeit zu grunde liegt, weisen gätlos und gatter auch auf eine sinnliche unterlage dieses begriffes, auf ein binden, verbinden hin, wie schon J. Grimm gr. 2, 51 sich für jene ein verlornes goth. zeitwort gidan jungere dachte. nur bleibt zu finden, von welchem bestimmten binden das ganze ausgegangen sei, die verblassung ins bildlose abstracte zeigt sich schon ganz früh. der begriff paar in gatte deutet auf ein verbinden von zweien, gätlos vielleicht auf ein zusammenjochen zweier zugthiere. auswärtige anklänge sucht Diefenbach goth. wb. 2, 375, z. b. kelt. gad bindrute, vgl. über skr. gad Kuhns zeitschr. 12, 128, das doch in sinn und form nicht ausreicht. III@33) zur sippe schickt sich übrigens auch gät f. die pate (sp. 1488), da unter gätling 4 der begriff des stammes sich auch auf die enge zusammengehörigkeit in der verwandtschaft ausdehnte, auch auf das elterliche verhältnis, die paten aber wesentlich vertreter der eltern sind; im Luxemb. stimmt goid m. für gade (II, 2, d) zu goid f. patin, demin. gièdel f. patchen Gangler 183. 180, zu letzterm das mhd. alem. gettelîn (s. unter gät). nach der häufigeren form göt, got (s. Schm.2 1, 962) müszte der stamm ablautend gewesen sein Grimms annahme entsprechend (vgl. gotlich gleich gatlich unter gätlich 2, d); göt, gät deuten auf ursprüngliches goti, gati, die verkleinernd, liebkosend gewesen sein mögen (vgl. unter gätter 1, b). damit aber fände wol aber auch got deus hier sein unterkommen, eigentlich als der höchste verwandte aller, der alle gleichsam verbindet, der stammesgott?
18717 Zeichen · 485 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gatte

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Gatte , des -n, plur. die -n, ein durch das Band der Ehe mit einer andern verbundene Person, in Rücksicht auf diesel…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gatte

    Goethe-Wörterbuch

    Gatte vorwiegend für den Ehemann der gehobenen bürgerl Gesellschaft iUz dem meist für Adlige gebrauchten ‘Gemahl’ u dem …

  3. modern
    Dialekt
    Gatte

    Rheinisches Wb.

    Gatte s. Gaden;

  4. Sprichwörter
    Gatte

    Wander (Sprichwörter)

    Gatte Wenn der Gatte nicht sieht und die Gattin nicht hört, so gibt's eine glückliche Ehe.

  5. Spezial
    Gatte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gat|te m. (-n,-n) (Ehemann) om (omi) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gatte

64 Bildungen · 61 Erstglied · 2 Zweitglied · 1 Ableitungen

gatte‑ als Erstglied (30 von 61)

Gatterich

SHW

Gatte-rich Band 2, Spalte 1111-1112

Gatteblameⁿ

Idiotikon

Gatteblameⁿ Band 2, Spalte 494 Gatteblameⁿ 2,494

Gattele

ElsWB

gatt·ele

Gattele [Kàtələ Steinb. ] m. verkommener Mensch. — vgl. Bayer. 1, 956 Gatte Zierbengel, Lümmel?

Gattelginkel

PfWB

Gattel-ginkel (Gen. ?) : = Stiefmütterchen , Gaddlginkl [ NW-Geinsh ]; vgl. Kadinkelchen .

gattenlos

DWB

gatten·los

gattenlos , des gatten beraubt, ohne gatten: seit ich gattenlos bin. Meiszner bei Campe.

gattenpflicht

DWB

gatten·pflicht

gattenpflicht , f. pflicht des gatten: Coriolan, von der gatten- und kindes- und bürgerpflicht besiegt. Schiller ; vgl. gattinpflicht.

Gattentreue

GWB

gatten·treue

Gattentreue für das (monogame) ehel Zusammenleben [ Monostatos: ] Die süße Hoffnung nahte schon, | Versprach, der G. Lohn, | Den lang erfleh…

gatter

FWB

1. ›ein aus Stäben, Latten hergestellter Verschluss als Tür, z. B. im Zaun, in der Mauer‹; metonymisch ›Zaun‹.; 2. ›Gitter, z. B. von Fenste…

Gatterbueb

Idiotikon

Gatterbueb Band 4, Spalte 931 Gatterbueb 4,931

Gatterchämiⁿ

Idiotikon

Gatterchämiⁿ Band 3, Spalte 260 Gatterchämiⁿ 3,260

Gatter(e)

ElsWB

gatt·ere

Gatter(e) [Kàtərə Fisl. Hi. Liebsd. Banzenh. M. ; Kàtər Obbruck ] f. ( m. M. , ält. Str. ) hölzerne Gitterthüre aus Latten. ‘Zum Gatter, Hau…

gatterer

DWB

gatt·erer

gatterer , m. 1) speculator, insidiator Stieler 593 , s. gattern 2. 2) in Augsburg ein städtischer beamter, der benannt scheint nach dem gat…

Gattereteⁿ

Idiotikon

Gattereteⁿ Band 2, Spalte 499 Gattereteⁿ 2,499

gattereⁿ

Idiotikon

gattereⁿ Band 2, Spalte 498 gattereⁿ 2,498

Gatterfrack

RhWB

gatter·frack

Gatter-frack gat- Elbf m.: gestrickte Jacke, die früher viel von ärmeren Leuten getragen wurde u. Ähnlichkeit hatte mit dem heutigen Sweater…

gattergeld

DWB

gatter·geld

gattergeld , n. gatterzins Frisch 1, 323 c , Haltaus 588 , älter gattergelt Lexer 1, 744 , Nürnb. chron. 5, 628, 25; s. gatter II, 3, b.

gattergut

DWB

gatter·gut

gattergut , n. gut das gatterzins zu entrichten hat. Haltaus 588 .

gatterhaber

DWB

gatter·haber

gatterhaber , m. haber als gatterzins, rhein. gaderhaber weisth. 2, 196 fg.; s. unter gatter II, 3, b.

Gatterhaube

Adelung

gatter·haube

Die Gatterhaube , plur. die -n, eine netzförmige Haube von Seide, Gold oder Silber, welche in einigen Gegenden, z. B. zu Salzburg, von dem w…

gatterhenne

DWB

gatter·henne

gatterhenne , f. henne als gatterzins, aber ' in denen dorfschaften der universität Leipzig wird eine gatterhenne genennet, die schon auf da…

gatterherr

DWB

gatter·herr

gatterherr , m. herr der gatterzins zu fordern hat, bei Frisch 1, 324 a ' der nach solchem zins gehen und ihn abholen musz ' ; s. auch Halta…

gatte als Zweitglied (2 von 2)

ehegatte

DWB

ehe·gatte

ehegatte , m. conjux, gilt von mann und frau: nach beider ehgatten tödlichem abstand. Garg. 64 b ; ein bauer, der viel geld und nur zween sö…

Fregatte

Pfeifer_etym

Fregatte f. im 16./17. Jh. ein auf dem Mittelmeer verkehrsübliches ‘kleineres Beischiff mit Rudern und Segeln zum Auskundschaften’, auch (2.…

Ableitungen von gatte (1 von 1)

gegatte

DWB

gegatte , n. verstärktes gatte, zugleich aber schwache nebenform zum vorigen; mhd. gegate, alts. gigado, ags. gegada, mnd. mnl. gegade, s. u…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gatte". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gatte/dwb?formid=G02097
MLA
Cotta, Marcel. „gatte". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gatte/dwb?formid=G02097. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gatte". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gatte/dwb?formid=G02097.
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