genosse,
genosz,
m. socius, consors, aequalis, ein wertvolles und lehrreiches altes wort, auch gut erhalten und vortheilhaft wieder auflebend. 11)
formen und grammatisches. 1@aa)
ahd. mhd. in doppelter grammatischer form, ginôʒ
und ginôʒo, genôʒ
und genôʒe,
doch herrscht die starke form durchaus vor, während nhd. die schwache den sieg erhielt, genosz
ist jetzt veraltet (
als acc. nicht mehr möglich), genosse
hat den platz, pl. nur genossen,
mhd. genôʒe
häufiger als genôʒen,
ahd. ginôʒun
ganz selten, in der regel ginôʒa (
auch ginôʒi);
im nhd. ist auch die länge des vocals verloren gegangen, wol durch den anklang von genossen
von genieszen,
doch wird sie im 16.
jahrh. oder länger noch vorherrschend gewesen sein, wie schweiz. gnoos
noch in Schmidts
idiot. bern. aus dem 18.
jahrh. Fromm. 3, 84
b (
aber genossami Hunziker
Aarg. wb. 103).
bemerkenswert ein heimlicher genossen Luther
br. 6, 286.
auszer dem hd. alts. genôt,
ags. geneát,
altn. nautr,
ein goth. ganauts
unbezeugt; mnd. genôt,
gen. genôtes,
mnl. ghenoot, genoet,
nnl. genoot,
pl. genoten,
in schwed. mundarten nöt,
s. Rietz 469
b,
norw. naut. 1@bb)
grammatisch bemerkenswert und zugleich sachlich bedeutsam ist, dasz mhd. genôʒ
auch ohne endung, wie erstarrt in gebrauch war, wie Haupt
zum Erec s. 362
fg. reichlich nachgewiesen hat, genôʒ
als dat., wie als plur., selbst als gen. pflic dîns genôʒ Frauenlob
spr. 264, 10;
als pl. z. b.: ich sage iu daʒ die boten grôʒ wâren unde fürsten gnôʒ.
Lanz. 8731; die von gebürte wâren grôʒ, fürsten ode fürsten genôʒ.
Wig. 270, 23; wan künege unde fürsten genôʒ, der was sô vil.
Lanz. 9071.
und so schon ahd. z. b. themo ginôʒ Otfr. V, 5, 10.
das begreift sich nur aus massenhaftem gebrauch im leben, der das wort wie zu einer begriffsformel erstarren liesz. Haupt
brachte schon bei, dasz auch das sinnverwandte gate (gat)
diese erscheinung zeigt, s. dazu gatte I, 1,
a. 1@cc)
das sprachgefühl gieng aber weiter und machte es sich auch zum adj., wie schon im mhd. wb. 2
1, 396
b genôʒ
angesetzt ist; man sieht da den übergang, in dem das gefühl vom subst. zum adj. kam, deutlich, wenn das fürsten genôʒ
vorhin nun so gewendet erscheint: sô bin ich fürsten wol genôʒ Scherz 525,
dabei der gen. fürsten (
s. 4,
b)
zugleich zum dat. geworden, was ja die endung dem sprachgefühl erlaubte; oder wenn es von Albertus magnus heiszt, deme nîmant dô genôʒ was an kunstrîchir vornunst Jeroschin 15442.
auch das findet sich bei gatte (
s. d. I, 1,
b),
wenn es z. b. heiszt, in rheinischer form, ein evengad gut wingarts,
ein gleichwertiges weinbergsgut (ebengat
wie ebengenôʒ,
vergl. übrigens gad
als adv. Stalder 1, 410).
ein ähnlicher übertritt vom subst. zum adj. ist wenigstens versucht in den vielen zusammensetzungen mit art,
wenn es z. b. heiszt, es sei einer katzenart (
s. d.).
vgl. auch unter geniesze
m., genosse, geniesz
ebenso gebraucht. 1@dd)
diese richtung auf das adj. kam zum durchbruch, wenn es nachher auch mit endung erscheint, attributiv, z. b.: wer kan sie (
die spröszlinge der ehe) aber besser aufziehn, als die von natur darzu geschaffene, die eh und bettgenosse weiber? Fischart
Garg. 67
b (
Sch. 113); wapensgenosse arsbacken. 105.
im rechtsgebrauch: es gibt zwei arten, rechtsstreitigkeiten zu entscheiden. die erste ist, dasz ein ebenbürtiger und genosser mann nach seinem gutdünken sage, wie es sein soll. die zweite, dasz ein gelehrter, der den partheyen so wenig ebenbürtig als genosz ist, sage, was die gesetze ... verordnet haben. Möser
patr. phant. 1, 298 (
cap. 51),
das zweite genosz
übrigens noch mit groszem anfangsbuchstaben, also als subst. behandelt; wo die partheyen ebenbürtige und genosse richter erhalten.
das.; auch ebengenosse zeugen 3, 354, gerichtsgenosse urtheilsweiser 1, 297, von eines ungenossen menschen ausspruch 299, bürger aus verschiedenen städten sind einander ungenosz.
das. anm., als altes deutsches wort (
s. 4);
willkürlich ist bund- und eidgenossene namen Göthe 4, 9.
im 16.
jahrh. auch genosz
adjectivisch mit zu
statt des mhd. dativs u. c: und wissend nicht ein letten von dem andern zu erkennen oder eine erden von der andern, welche zu den mineren (
mineralien) genosz und ungenosz seiend. Paracelsus
chir. schriften 262
c,
gleichartig oder ungleichartig. folgendes treugenosz
läszt sich selbst als adv. ansehen: di's hern erharren treugenos. Melissus
ps. P 5
b (Wackernagel
leseb. 2, 126). 1@ee)
und noch merkwürdiger, zu diesem adj. genosz
wieder als subst., concret und abstract. 1@e@aα)
gleich genossenschaft, persönlich: reichlich wöllst dus vergelten dem satan und seim ganzen gnosz. Waldis
ps. 79, 10.
abstract, in genosz,
in gemeinschaft: wie wir das gut biszher in genosz besessen habent. Schöpflins
Als. dipl. nr. 1451 (Lexer 1, 862);
es fand übrigens eine stütze an geniesz
m. (
s. d. 1),
gemeinschaft. auch meins genosz
gen., meines gleichen (
vergl. mhd. dîns genôʒ
unter b): die stolzen weiber sagen, trägt es doch die und die, und ist nicht meins genosz. Frisch 2, 19
a aus Keisersbergs
post. 223, meins genosz,
wie sonst mein genosz,
aber genitivisch, meines standes, meiner art. 1@e@bβ)
danach wird auch folg. wunderliche ausdruck doch wol glaublich: swa ein gotshusman uszer siner genöszinne grifet (
heiratet) unde gewinnet die ein kint, das enhat dikein reht an dem erbe das an das gotshus höret.
weisth. 1, 669,
elsäss. vom j. 1320.
das heiszt nachher in demselben weisthum uszer siner genoszschefte grifen
s. 671,
aber wenn von einer frau gesagt wäre uszer ir genosz grifen,
so wäre das nach dem vorigen so richtig, wie bei Keisersberg mins genosz,
und das ist denn wirklich auch auf das fem. erstreckt worden, hier herbeigeführt durch den folgenden satz und gewinnet die
u. s. w., einer der merkwürdigsten fälle von begriffsübertragung oder vermischung aus bequemheit, die vorkommen können; einen entsprechenden fall s. u. genoszsame 1,
b. 1@e@gγ)
selbst als subst. in der bed. art, gattung: darumb wa weise maler sind, die malen si (
die liebe) in kinds genosz, wann als kind (
wie kinder) ist si maisterlos.
Hätzl. 269
b,
vergl. 4,
f genosz
für gleichartig. 22) genosz
ist eine bildung von genieszen,
und zwar vom perfectstamm, und erhält sein licht aus dessen ursprünglicher bedeutung. 2@aa) genôʒe
sind eigentlich solche, die einer sache ge-nieʒent,
d. h. gemeinsame nutznieszung oder das recht daran haben, also nicht zu genieszen
im heutigen engeren sinne, in dem zumal das ge-
ganz entwertet ist, sondern im alten sinne einer rechts- und interessengemeinschaft, gegründet auf gemeinsamen erwerb und besitz. nimmt man die perfectische bildung genau und denkt sich auch goth. ganauts
schon vorhanden, so sind es eigentlich die, welche einen besitz gemeinschaftlich erworben, z. b. eine jagd- oder kriegsbeute gemeinschaftlich gewonnen haben, denn ganiutan
ist eigentlich in gemeinschaft fangen, erwerben, von jagd und krieg dann übertragen auf jeglichen erwerb, besonders von land und grund, als man dann zum seszhaften leben übergieng. es besteht nämlich daneben eine seltnere, gewiss jüngere bildung vom praesensstamm, mhd. genieʒe,
nhd. geniesze (
s. d.),
bei dem jene perfectische vorbedeutung hinwegfällt, mitgenieszender, theilhaber. 2@bb)
diese beziehung von genosz
zu genieszen
in diesem sinne ist lange deutlich geblieben, z. b. um 1500: wer der ist, der in hof ze Rorschach (
d. h. in das hofgebiet) ziechen und darinn sitzen wil .. der sol geben ein pfund pfenning, wenn er in sin selbs cost ist (
ein selbstständiger mann) ... denn so hat derselb ze nieszen des hofs gemainden (
gemeindebesitz), wunn und waid, als ander hofgenoszen.
weisth. 1, 235,
es steht das einfache nieszen,
weil von éinem mann gesagt, doch wäre auch genieszen
richtig. deutlich auch in ungenosz,
vom genusz ausgeschlossen: eines guts ungenosz und nit theilhaftig,
boni alicujus immunis. Henisch 1496, 45 (
zugleich wie adjectivisch),
und dazu stimmend im 18.
jahrh. bernisch 'gnoos werde,
frui' Fromm. 3, 84
b;
dazu zu vergleichen guotes genosz
unter 4,
b, mit rechtsanspruch als erbe. und noch jetzt klingt das an in schweiz. gebrauch: kinder von holzhackern, tagelöhnern .. und von almosengenössigen leuten. G. Keller
der grüne Heinrich 1, 230,
also almosengenossen,
die des almosens genieszen, mit adj. genössig,
wie im 15.
jahrh.: ob einer gen Wetteschwyl züge und nit gnossig (
l. gnoszig) were und wunn und weid da nieszen wölte (
also genosz werden), der sol umb die gnoszamy geben drü pfund Züricher pfening.
weisth. 1, 42.
ähnlich, wenn bair. im j. 1669
das gesinde eines herrn seine ehalten und brotgenossen
heiszen Schm. 2, 710,
die seines brotes genieszen. 2@cc)
der begriffskern, um den sich das wort im leben entwickelte, dasz nämlich die genossen
einander eigentlich gleich sind in ihrem rechts- und lebenskreise, tritt ganz deutlich heraus bei anwendung auf die pairs von Frankreich: genossen von Frankreich,
pares sive compares Franciae, sic dicti, quod eadem potestate et dignitate utantur. Henisch 1495,
übrigens nach Kilian, ghenooten van Vrankrijk
etc., pairs de France; doch auch schon mnd.: se spreken, he (
Karl der kühne) were en van den twelf vrankrykeschen genoten.
Lüb. chron. 2, 356.
dabei gieng denn auch die stellung des herrn und führers zugleich in dem begriff mit auf, was mit primus inter pares
ausgedrückt war, und dasz diesz verhältnis in alte zeit zurückreicht, verrät sich genügend, wenn ahd. cliens
mit ginôʒ
verdeutscht wird (Graff 2, 1125),
an sich merkwürdig genug, ebenso ags. vasallus
mit geneát Grein 1, 436, Wright-Wülker
vocc. 1, 234, 23;
wort und begriff treffen recht eigentlich auf das gefolgswesen der ältesten zeit, was denn im ahd. ginôʒ
contubernalis, commilito (
auch ags.)
nachklingen mag, vielleicht hat es schon dort seine ausbildung erfahren, ausgegangen von dem gemeinsamen beute- und kriegsunternehmen und erstreckt auf das verhältnis überhaupt, wie es sich im anschlusz daran in der gefolgschaft entwickelte. 33)
es ist dann in unserm alten leben wichtig und reich entwickelt als bezeichnung der geschlossenen gemeinschaften aller art, nach dem verhältnis ihrer rechte und pflichten, in denen sich damals das ganze gliederte. 3@aa)
z. b. die genoszen
eines landbezirks am Zürcher see im 15.
jh., nach alter art mit selbstverwaltung, er besteht aber aus zwei dorfgemeinden und einer hofgemeinde (
sodasz der begriff weiter ist als der von gemeinde): es mügent ouch die von Wetteschwyl, Seldenburen und die so in dem obgenanten hof .. sitzent, jerlichen einen amptman under inen, mit des obg. H. Effingers irs vogts rat, gunst und willen erkiesen, und sol derselb amptman schweren des genanten vogts nutz und ere (
zu fördern) und im, den lüten und dem gericht ein gemeiner richter ze sinde, und dem vogt und den genoszen ire rechten ze behalten, als verr er kan.
weisth. 1, 39,
also die genoszen
neben dem vogt,
dem vertreter des herrn, zur bezeichnung des ganzen. in demselben weisthum wird bestimmt: es sol ouch in den genanten gerichten niemant dhein guot verkoufen, er sol das des ersten dem nechsten geteilit (
erbberechtigten) veilbieten, und ob der nechst geteilit nit koufen welte, so sol er das den genoszen veilbieten
u. s. w. (
zuletzt erst jedem, der etwa will). 42,
vergl. aus dem 14.
jahrh. diese bestimmung (geteilen
und genoszen)
s. 159,
d. h. der gesamte grundbesitz als eine ursprüngliche einheit, die möglichst zu bewahren ist. zeugnisse aus dem 13. 14.
jahrh. bei Haltaus 659. 3@bb)
das wort bezieht sich namentlich und jedenfalls aus der zeit des seszhaftwerdens her auf die gemeinsame nutznieszung des gemeinen grund und bodens, also zuerst der weide, des waldes, der mark. daher weidgenoszen,
z. b. von einer hofgemeinde, schweiz. 16.
jahrh.: aber sprechent die hoflüt (
geben als ihr recht an), dasz sy weidgenosz syent unz an den wyszen stein und gen Räglikon an den bach.
weisth. 1, 44,
dasz ihr gemeinsames weiderecht so weit geht; aber sprechent die hoflüt, dasz die ze Esche nieman übertryben söllend (
keinem aus ihrer gemeinde das vieh auf sein gebiet treiben), den die ij huoben, die sind unser weidgenoszen.
das., sind in der genossenschaft (
der grund und der eigner nach alter weise in eins gesetzt); aber spr.
d. h., dasz nieman ze Egmentingen sy unser weidgenosze, denn die iij huoben.
das., zugleich in der form mit möglichstem wechsel. so alpgenoszen
in einem alpbrief aus dem Prättigau, drei gemeinden umfassend: und so es zu bszen ist (
besserungen für die sennerei nötig werden), so sollend es die alpgenoszen in ihren kosten bszen laszen (
immer -ss
für sz). 5, 213, alpgnoszen 212.
von markgenossen (
s. d.)
spricht die wissenschaft (
s. besonders weisth. 7, 318),
ich finde den ausdruck aber nicht als alt, sie heiszen märker.
s. auch u. 2,
b hofgenoszen,
von einer hofgemeinde, die einem herrenhof gehört, auch hubgenoszen. 3@cc)
auch den unterthanen oder hörigen eines herrn blieb der alte name mit seinem anklang von selbstverwaltung, z. b. vom kloster St. Ulrich in Augsburg St. Ulrichs genoszen
oder des gotshuses ze St. Ulrich genoszen im Algew Schm. 2, 710.
sie heiszen genauer hausgenoszen
das., was, wie auch hofgenoszen
vorhin, zugleich gemütlich gemeint sein mag, familia, wie zu haus und hof des herrn gehörig; so vom kloster Engelberg die husgenosze, die zuosemen hœrent in den hof
weisth. 1, 1,
sie sind eigen lúte
und sind doch eine gnoszami
s. 2. die husgenoszen
eines dorfes mit weltlichem herren s. 4, 270. 273 (
schweiz. 15.
jahrh.). 3@dd)
auch in der stadt, wo das wort vor bürger
seine alte geltung nicht behalten konnte, ist doch auch die rede z. b. von handwerks genossen,
zunftgenossen Luther
von ehesachen (1530) F 1
a,
auch von hausgenossen
und eidgenossen.
mhd. hûsgenôʒe
auch von bürgern überhaupt Diemer
ged. 141, 11,
später von solchen, die nur zur miete wohnen, z. b. im Freiberger stadtrecht hûsherre
und hûsgenôʒe
unterschieden s. 161, wirt und hûsgenôʒe von der stat 272,
bürger und einwohner (
vergl. gemeinde 5,
c, ε). eidgenoszen
erscheinen im 14. 15.
jahrh. neben dem bürgermeister, d. h. der rat, die ratmannen, als '
geschworene': undir des purgirmeisters und seiner eitgenosin gebote sint dy burger nach dem, als sy sich selbir vorwilkurin.
blume von Magdeburg II, 3, 41
u. ö., die collegen eines ratmannes heiszen seine eitgenosin II, 2, 245; also daʒ y ober das dritte jar ein burgermeister mit synen eitgenossin sicze (
im regiment). Gengler
cod. jur. mun. 1, 489
b,
aus Chemnitz vom j. 1414. 3@ee)
diesz eidgenoszen sollte zu besondrer bedeutung kommen in der Schweiz, es ist aber ursprünglich ein allgemeines wort (
s. die mhd. wbb.),
von verbündeten, die sich durch eide an einander gebunden haben; so in dem weisthum eines hofes bei Zug aus dem 14.
jh.: ouch sint wir also harkomen (
ist unser hergekommnes recht), das wir unserm herren von Oestereich nüt eigen sien und wir (
nur) sin vogtlüt warent, ee wir eidgnoszen wurden.
weisth. 1, 160,
dem bunde beitraten. aber ebenso im gebrauch der städtebünde im 14.
jh., z. b. im j. 1384
schreibt der Ulmer rath an den von Speier: fursichtigen wisen besundern liebin frunt und eytgenoszen.
Frankfurter reichsc. 1, 13,
darin unsere frund und eitgenoszen die von Rotenburg off der Tuber und unsere frund und eitgenoszen an dem Ryne
s. 14,
der rheinische städtebund, eben wie dy von Lucern, von Zugg und etliche ir eitgenoszen
s. 22, die eitgenoszen der tale Swize, Uran, Unterwalden 565.
vgl. eidgesellen
weisth. 3, 755. 3@ff)
eidgenossen waren auch z. b. die genossen des bundschuhs im j. 1513 (
s. bundschuh 2
und bundschuher),
wie vermutlich schon die gefolgschaften alter zeit: das bundschuochgnoszen in gemein (
als gemeinde) .. alle menschen wolten zwingen .. das sy nun (
nur) theten was sy wetten (
wollten) und allein zwen herren hetten, als (
nämlich) bapst und keyser hie uf erden
u. s. w. Gengenbach
s. 394.
überhaupt für kriegsgefährte, kamerad: genosz oder stalbruder oder geselliger,
contubernalis, contubernio. voc. 1482 l 3
b.
mhd. strîtgenôʒe
pl., wîcgenôʒe, schargenôʒe, vehtgenôʒe, spieʒgenôʒe,
im einzelkampf kampfgenôʒ (
auch vom gegner). 3@gg)
schiffsgenossen z. b. auf der Donau, eig. wol die schiffergilde, dann aber mit besondrer bedeutung und einschränkung; in den rechten des urfars zu Nuszdorf vom j. 1450 (genasse
mit österr. vocal): das die vier und zwainzig genassen bei iren .. aiden gesagt haben alle die recht
u. s. w. und auch der schefflewt, die da heiszen die gnassen und auch die maister, die da aigne scheff haben
u. s. w. weisth. 3, 699,
also unterschieden vom maister,
schiffseigner; dasselb unser urfar hat das recht, das sy sullen haben ainlif scheff und zwen und zwainzig genassen. 700.
später noch eingeschränkter: zu einem salzschiff wurden drei eigne schiffleut, als nemlich ein seszthaler, ein genosz und ein steurer aufgenommen .. der genosz musz jedermann auszahlen
u. s. w. Schmeller 2, 710. 3@hh)
den allgemeinen begriff zeigt hübsch ein sprichwort (
zugleich als beweis, wie noch im 17.
jahrh. -ss
gleich -sz
ist): halt dich zu deinen genossen, so bleibst du unverstossen. Henisch 1496, 49.
wie allgemein aber der begriff war und alle kreise umspannte, mit einer gewissen würde, zeigt genosz
von bettlern und fürsten verglichen. jenes im 16. 17.
jahrh.: des bettlens genosz,
consortes mendicitatis. Maaler 169
a, Henisch 1496,
es gab ja eine bettlerzunft. von fürsten z. b. in der antwort des herzogs Wilhelm von Sachsen vom j. 1454
auf eine vorladung des freigrafen vom vehmgericht: wir zwiveln nicht, du wissest wol, dasz wir ... des heiligen richs fürste sind und mit sampt unsern genossen von dem heiligen riche, keysern und königen darin gefriet, dasz man die unsern .. nirgend fordern sal, dann vor uns und unsern gerichten, und ab ymands der unsern ... oder andere, die unsere genossen nicht weren, unsere personen umb recht hetten anzusprechen
u. s. w. Haltaus 658. 44)
so diente es besonders auch, das rechts- und standesverhältnis der genossenschaften und ihrer mitglieder auszudrücken, dann auch erweitert auf würde, wert und art überhaupt. 4@aa)
die geschlossenheit der genoszen
in ihrem lebens- und rechtskreise tritt recht heraus durch den vielgebrauchten gegensatz ungenosz, mhd. ungenôʒ: si bemûreten ir stete grôʒe, si wolden sich wern ir ungenôʒe (
gen.). Diemer
ged. 141, 5; und hat auch die ebtissin ein walt .. und wer darinnen hawet, findt in der forster und ist er ein goteshausman, so sol er in rüegen für 6 dn., und ist er ein ungenosz, so sol er in pfenden
u. s. w. weisth. 1, 675,
elsäss., ein ungenosz,
nicht unterthan des klosters (
vgl. nit gnoszig
unter 2,
b).
wie sich darin rechts- und standesverhältnisse verflochten, zeigt trefflich ein lehrreicher artikel des Schwabenspiegels, mit der überschrift 'ob ein tohter ir ungenôʒ nimt': und ist daʒ ein man stirbet und lât zwô tohter hinder im .. diu eine nimet einen man der ir genôʒ ist, diu ander nimet einen man der niht ir genôʒ ist, und hât in ir vater guot getân daʒ an ertrîche lît, daʒ sol diu tohter alleine hân, diu irn genôʒ oder irn übergenôʒ hât genomen. und lât er in aber ander guot, daʒ niht ertrîch ist, daʒ suln si gelîche mit einander teilen. 276
G. (
s. auch unter genossin), ungenôʒ
und übergenôʒ,
von niedrigerm und höherm stande, es hiesz auch mîn übergenôʒ
und mîn undergenôʒ,
wie mîn ungenôʒ,
s. Schm.
2 1, 1763
aus rechtsbüchern (
noch bei Stieler 1353 ungenoszen
und übergenoszen).
welche würde das wort damit gewann, zeigt ungenôʒ
schlechtweg für leute niederen standes: liegen, triegen sint (
nun) sô grôʒ, si hœhent manegen ungenôʒ. Freidank 167, 19.
dagegen heiszt es für genosz
auch deutlicher ebengenosz Gesler
rhet. 2
b (
neben ungenosz),
mhd. ebengenôʒ,
schon ahd. epanginôʒ.
auch mitgenoszen
Frankf. reichsc. 1, 183.
die wissenschaft spricht von rechtsgenossen,
die gleiches recht haben, z. b. Möser
phant. 2, 7. 4@bb)
die rechtliche beziehung wird ausgedrückt 4@b@aα)
durch den gen.: wer sin ungenoszamen hat (
in ehe) .. stirbet der .. und laszet hinder im ligendes guot .. (
darum sollen sich die kinder beim abte bewerben, dasz er es ihnen auch gönne). ist aber das die kind des nicht erwerben mögen, so sol man es lichen (
zu lehen geben) dem nechsten erben, der des guotes genosz ist.
weisth. 1, 34,
aus St. Blasien 14.
jahrh., also genoszen
eines gutes auszer dem inhaber, die sippe mit ihrem ruhenden anrecht an das gut, auch sie aber als genoszen
gedacht, als ein rechtskreis; vgl. unter 2,
b eines guts ungenosz Henisch.
auch mit inf.: es ist auch zewissen, dasz wir (
eine dorfschaft beim Zürcher see) genoszen sind, unsere kind zegeben und zenemen (
zur ehe) zu disen nachgeschribnen siben gotshüseren (
d. h. ihren unterthanengebieten).
weisth. 4, 273, 15.
jahrh.; aber sprechent die hoflüt, dasz sy genoszen sient der siben gotshüsern, ir kint uszhin ze gän und inhin zenemen. 1, 44, 16.
jahrh. 4@b@bβ)
die persönliche beziehung entweder durch gen., wie eben 1, 44
oder auch mit zu: were auch dasz ein man .. von todes wegen abgienge, der zu den vor geschribnen gotshüseren genosz ist ... 4, 272,
in demselben sinne, also wie dort die sippe als ein kreis von genoszen,
rechtsgenossen, so hier ein solcher kreis, der sieben klostergebiete mit allen ihren dörfern und höfen umspannt, also ein kreis im andern oder viele in einem, alle unter dem oberbegriff des altgemeinsamen rechtsgenusses, als genoszen.
völlige freiheit in bezug auf jenes eherecht spricht ein oberelsässisches weisthum des 14. 15.
jahrh. sogar mit solchem stolz aus: wir söllend auch aller fürsten genosz sin und mögent wiben und mannen, on eigen lüt, wo (
für war,
wohin) wir wöllent. 1, 656,
d. h. in dem einen punkte sind wir so gut oder gestellt wie fürsten (
vgl. 1,
b). 4@b@gγ)
es handelte sich dabei nämlich um das erbe, dasz das beisammen gehalten würde, im kleinen wie im groszen, die genossen hieszen darum einander
oder ir geerb und genosz;
so ebensowol von eheleuten: wenn oich ain man und ain frow, die in den hof zu Loufen gehörent, sich in der mainung entgürten, das sy eelich by ain ander liggen wellen .. so sind sy morndes, so sy ufstond, ain ander geerb und genosz über alles das guot, das sy iendert hand.
weisth. 1, 102,
adjectivisch, aber auch substantivisch: so ist das ander syn erb und gnosz. 4, 319 —
als auch von jenen groszen kreisen: herr der richter, wend (
wollt) ir dann hören von unser gnoszsamy wegen? da sprechent sy, das siben gotshus sygent, die einandern genosz und geerb sind .. und sond die, herr, zu einandern varn und von einandern (
mit heiraten und erben) .. die siben gotshüser unser genosz und geerb sind und wir iro ouch. 1, 145; und habent ouch die obgeschribnen gotshuslüt (
es sind dreizehn klöster aufgezählt) die rechtung, das sy einandren genosz und geerb sigend. 4, 316,
d. h. das gesamte gebiet als eine alte einheit behandelt. 4@cc)
in bezug auf adel und ritterschaft, namentlich mit rücksicht auf das turnierwesen war lange wichtig wapens genosz, wappensgenosz,
d. h. einer der das recht wappen zu führen hat: der nam, dy ich hie han peteut, warn all geporn und edel leut, hern, riter, knecht und wapens gnasz. Beheim
Wiener 63, 5; die sel hilft nüt ein kostlich grab oder das man (
dazu) grosz marmel hab und uf henk schilt, helm, banner grosz: hie lit ein herr, ist wopens gnosz. S. Brant
narr. 85, 130; wir wollen auch keinem richter den bann verleihen, er sei dann ehrlich, ehrbar und wappensgenosz. Schmeller 3, 33.
auch turniers genosz,
mit dem recht, auf turnieren zu erscheinen: gelt einen fürsten machen kan, gelt macht grafen und thurniers gnosz, gelt macht edel, gibt wappen grosz. H. Sachs 1, 413
b (4, 228
K.).
auch helmsgenosz,
einen helm zu tragen berechtigt, schon im 14.
jahrh. auch bürger: ist der ain burger der helmsgenôʒʒ ist ... ist er ein ûʒburger der helmsgenôs ist,
unterschieden von hantwerkman
und ûʒburger der ain gebûr ist.
Augsb. chron. 1, 145, 30
ff. auch rittergenosz: der vor ein burger, koufman was, will edel syn und ritter gnasz. Brant 82, 33.
auch adels genosz, genosz am adel,
auch von fürsten: das ist, das ewr gnaden sol han Tewrdank den fürsten zuo eim man, dann der sei euch genosz am adel.
Teuerd. 5, 61.
ähnlich auch sigelgenosz Gesler
rhet. 2
b,
ein siegel mit wappen zu führen berechtigt. man sieht das schwanken vom subst. zum adj., wie im folgenden (
s. 1,
c). 4@dd)
von fürsten als genoszen
s. unter 3,
h, ein herzog von Sachsen im j. 1454 wir mit unsern genoszen von dem heiligen riche,
s. auch unter 1,
b mhd. fürsten genôʒ;
im 17.
jahrh.: es mag niemand über des fürsten würde erkennen, denn sein genos. Hipp. a Lapide
diss. de ratione status in imperio rom.-germ. 182,
im einklang mit dem alten rechtssatze, dasz auszer den unfreien jeder nur von seinen genoszen
gerichtet werden könne. königs genosz,
von königlichem geblüt: der degen usz Armenien kam und was ein fürst gar grosze, man list er wer herr Davids stamm, sonst was er königs gnosze. Liliencron
hist. volksl. 1, 538
a. 4@ee)
dazu denn allseitig mein genosz,
meines gleichen an recht und stand, mir ebenbürtig, mein rechtsgenosse, z. b.: swer kamphlîche grûʒen wil (
zum zweikampfe vor gericht fordern) einen genôʒ, der mûʒ
u. s. w. Sachsensp. I, 63, 1,
denn îclich man mac kamphes wêgern deme, der wirs geborn ist wen her § 3,
der ihm nicht ebenbürtig ist; wirt ein man sînes genôʒen man (
lehensmann). III, 65, 2; der sol in (
der vogt dem unmündigen) einen phleger geben, der ir genôʒ ist und der ir vater mâc sî.
Schwabensp. 52, 4.
nhd. auch meins genosz,
genitivisch, meines gleichen, s. Keisersberg
unter 1,
e. vergl. genosz und gleich,
ebenbürtig: der könig sprach: so weisz ich einen frommen tugendreichen mann, und nach meiner verständnus gib ich den meiner mumen zu einem gemahel und darzu euch zu einem könig, der wol ir genosz und gleich ist.
buch der liebe 272
a. 4@ff)
in erweiterter anwendung auf würde und wert, art und wesen überhaupt nach allen seiten, begreiflich aus dem gebrauch in menge, den das rechts- und gemeindeleben davon machte, mhd. und noch nhd., z. b. (
s. die mhd. wbb.): (
Christus) aller künege ein keiser grôʒ, âne gelîchen genôʒ.
Barlaam 50, 24; des hundes triuwe diu ist grôʒ, an triuwe ist nieman sîn genôʒ. Boner 93, 36; si besameten ein her vil grôʒ, daʒ dâ vor nie des genôʒ zu Prûʒin in dem lande erschein. Jeroschin 100
b; und hât ein her grôʒ, dem sein wir nicht genôʒ an der zal und an der macht. Ottocar
reimchron. c. 54;
vergl. unter 1,
c aus Jeroschin
von Albertus magnus, dem an weisheit niemand genôʒ was.
nhd.: niendert vint man mein genosz .. der mich mit ringen tür bestan.
fastn. sp. 363, 26; er was .. von gesleht ain pawer .. und dauht sich doch edel und grosz, er maint niemen wer sein genosz. Beheim
Wiener 218, 11; und sanct Johans der täufer grosz, in hailgkait (
sind) wenig sein genosz. Schwarzenberg 156
b; zuo Babiloni was die hoffart grosz, ir küng wollten sein gotes genosz. Liliencron
hist. volksl. 1, 558
a. 4@gg)
selbst auf dinge erstreckt, so geläufig und allen gegenwärtig war der begriff; schon mhd. z. b. knopfes genôʒ,
einem knopfe (
schwertknopfe)
gleichend, nhd.: wer gesach ie des rockes genosz? der rock hot nirgen eine nat
u. s. w. Alsf. pass. 5691,
von Christi rocke, einen zweiten rock der art; darzu soll nimant einich seine wein verziechen anders dann einen iden wein mit seinem genoszen, als nemlich Frankenwein mit Frankenwein
u. s. w. Nürnb. polizeiordn. 261,
mit seines gleichen. auch genosz
und ungenosz,
artverwandt und nicht: und wissend nicht ein letten von dem andern zu erkennen oder eine erden von der andern, welche zu den mineren (
mineralien) genosz und ungenosz seind. Paracelsus
chir. schr. 262
c.
s. auch unter 1,
e, γ in kinds genosz,
nach kindesart. 4@hh)
auch in anderer erweiterung, ganz allgemein, z. b. christengenosz
von den christen als genossen in glauben, pflicht und sitte; ein landsknecht mahnt seine genossen wegen des eingerissenen fluchens: keiner heb got (
Christo) auf sein leiden, fünf wunden, marter grosz (
bei denen man fluchte), all flüch und schwüre meiden woln wir, sein christengnosz.
weim. jahrb. 4, 234.
ebenso judengenosz,
proselyta (?) Stieler 1353, Frisch 2, 19
a,
bei diesem als jude überhaupt, judaicae religionis consors, die confessionen als genossenschaften, glaubensgenossen,
biblisch: lasset uns gutes thun an jederman, allermeister aber an des glaubens genossen.
Gal. 6, 10.
auch genosse von Christi reich, in einem gebete: erkenne mich auch für deines heiligen reichs genossen. Schuppius 440 (
krankenw.),
man sprach wol auch von weltlichen reichsgenossen. 4@ii)
bemerkenswert im 16.
jahrh.: compos scientiae, einer kunst (
d. h. wissenschaft) genosz oder bericht. Frisius 273
a (
danach Maaler 169
a mit druckfehler genost),
zwar adjectivisch gebraucht, aber die wissenschaft als ein kreis von genossen gedacht. 55)
der neuere gebrauch. 5@aa)
am ende des 17.
jh. zeigt sich der alte begriff noch ziemlich lebendig mit seiner geltung für die alten lebensformen in Stielers
aufzählung sp. 1353,
z. b. adelsgenosz, dutzgenosz
aeque nobilis, lehnsgenoszen, ritter-
und turniergenosz, fürstengenosz,
dann berggenosz
particeps fodinarum, salzgenosz
particeps salinarum, handwerks-
oder zunftgenoszen, handelsgenosz
socius mercaturae (
theilhaber einer handelsgesellschaft)
u. a., auch blutsgenosz, erbgenosz
miterbe, stadtgenosz
mitbürger, wie landsgenoszen
landsleute Schuppius 693,
vgl.ortsgenosse
unter b. 5@bb)
es ist auch jetzt noch vielfach lebendig, wenn auch in eine art begrifflicher allgemeinheit gedrängt oder mehr als gewählter höherer ausdruck als im eigentlichen leben, oder auch als rest alten gebrauches. das letzte z. b. in standesgenossen, glaubensgenossen, ehegenossen,
oder wenn es in der gerichtssprache noch heiszt N. N. und genossen,
die z. b. zusammen eine klage eingereicht haben, oder auch von solchen, die zusammen unter klage stehen (
vgl. diebsgenossen
u. ähnl).,
im parlamentarischen leben von antragstellern, die sich verbunden haben. im eigentlichen alltagsleben wol nur noch in hausgenossen,
allenfalls auch in altersgenossen, jugendgenossen,
während schon tischgenosse, stubengenosse, studiengenosse
mehr worte höheren stils oder gedankenkreises sind, wie auch amtsgenosse,
im leben selbst college (
ahd. ginôʒ
schlechthin für collega), kriegsgenosse,
im felde selbst kamerad, bundesgenossen.
ebenso in höherem zusammenhang z. b. arbeitsgenosse, kunstgenossen, zeitgenossen: das anfolgende büchlein, das eine übersetzung ist von einem zeit- kunst- und ortsgenossen (
Mattheson). Zelter
an Göthe 3, 433 (
mhd. ortgenôʒe
blume von Magdeburg s. 54).
im vorigen jahrh. noch getrennt die genossen seiner zeit Bürger (1829) 1, 72,
jetzt seine zeitgenossen,
vgl.eure genossen des hauses Klinger 6, 128; dieser entlockte gemach der kremonageige melodisch rieselndes silbergetön ... und horchender schwieg die versammlung, selbst die genossen der kunst. Voss
Luise (1795) 3, 797.
nun auch volksgenossen, stammesgenossen
u. ähnl. 5@cc)
der alte begriff wird aber noch gut verwendet, wenn z. b. der sog. Hainbund heiszt die genossen des Hains Bürger
briefe 1, 132,
wie von einem gedachten ästhetischen bunde: eine der wichtigsten angelegenheiten des bundes ist, alle ungehörigen, die sich unter die genossen eingeschlichen haben, wieder zu entfernen. Fr. Schlegel
Athen. 3, 30;
auch das haupt als genosse (
vgl. in alter zeit u. 2,
c): niemand weisz was er ist, wer nicht weisz was seine genossen sind, vor allen der höchste genosse des bundes, der meister der meister, der genius des zeitalters (
d. h. Göthe). 29.
ganz im sinn der vorzeit gedacht sind könig Ludwigs Walhalla-genossen.
im ernst des politischen lebens tritt in diesem sinn der alte begriff nun wieder auf in den parteigenossen;
bei einer partei, die sich vorzugsweis als die partei der zukunft ansieht, wird es auch als eine art parteititel gebraucht, genosse
N. N.;
dazu dann gesinnungsgenossen
u. ähnl. auch in den bestrebungen um wiederherstellung gesunder lebensformen für das volk überhaupt greift man auf die alte form zurück mit den berufsgenossenschaften, berufsgenossen
für handwerk und gewerbe, auch für bäuerliche verhältnisse ist von genossenschaften
und genossen
die rede; es ist das verdienst von Schulze-Delitzsch, sache und wort da wieder ins leben gerufen zu haben. die wissenschaft hatte den alten begriff glücklich geborgen oder wieder aufgegraben, daher z. b. bei Görres: alle autorität entspringt aus dem besitz, wie hier im einzelnen familienbande der grundherrlichkeit, so im groszen staatsverbande, wo der erste ursprüngliche gröszte besitzer .. als landesherr die genossen als seine hintersassen nach dem gleichen gesetze wechselseitiger hülfleistung beherrscht und die ganze verfassung also nur als die grosze bewirthschaftung des grundgebiets erscheint.
Europa u. die revolution (1821) 18; selbst das feudalsystem, das sie (
die Germanen) in ihren eroberungen eingeführt, war nichts als eine wohlberechnete .. vertheilung zugleich der macht und der dienstbarkeit unter alle freyen genossen. 201;
wie wort und begriff wirklich auf die erste gemeinsame erwerbung zurückgehen, s. unter 3,
b, auch 2,
c am ende. 5@dd)
im höheren leben und stil ist es auch sonst noch wolgepflegt und hat einen edlen klang (
ganz anders als gewöhnlich das begriffsverwandte geselle),
z. b.: ihr nahmt mich zum genossen eures glücks, mich zum gesellen eurer thaten auf. Göthe 9, 306 (
nat. t. 3, 1),
zugleich noch als theilhaber, mitgenieszer, doch auch schicksalsgenossen
u. ähnl.; von freundschaft: so nehmt auch mich zum genossen
an. Schiller
bürgschaft a. e.; ein fahrendes sängerpaar als genossen: der alte mit der harfe, er sasz auf schmuckem rosz, es schritt ihm frisch zur seite der blühende genosz. Uhland
sängers fluch. in politischen tischreden spricht man von kampfgenossen, genossen im streit
u. ä. (
vgl. mhd. u. 3,
f),
auf einem schützenfest z. b. spricht der redner die festgenossen
an, die sich doch unter einander nicht so nennen, ohne dasz es spaszhaft klänge, dasselbe wort, das sie von der tribüne in anspruch nehmen mit seinem hohen wolklang. das zeigt den unterschied von der alten zeit, wo wort und begriff durchaus im leben wurzelten. 5@ee)
dichterisch und bildlich; z. b. ein gefangener im thurm als genosz der eule: da steht der mond! verweile, verweile, lieber mond, wo ein genosz der eule in felsentrümmern wohnt. Schubart
ged. 2, 81 (
an den mond),
von sich selbst; den herbst den aber lieb ich grosz, weil ähr' und frucht und blüth' und sprosz, und was mich freut' und was verdrosz, wird alles eines grabs genosz. Rückert
poet. w. 2, 558.
auch sonst gegenstände als genossen,
damit wie lebendig behandelt: an den thurm gelehnt stieg das kleine schlosz herauf .. in seiner mäszigen grösze ein seltsamer genosse des gewaltigen thurmbaues. G. Freytag
verl. handschr. 3, 125.
der hunger als des kriegs genosz: krieg und hunger, kriegs genosz, sind zwei ungezogne brüder
u. s. w. Logau 1, 6, 39.
mhd. von thieren, die einzelnen geschlechter als genôʒe: die vogele singen, wan si minne vinden .. an ir genôʒ. H. v. Veldegge
minn. frühl. 62, 33; der snegge siufzen began .. wand ouch enkeiner sîn genôʒ gevliegen mochte. Boner 64, 30
u. ö. von dingen z. b. (
vgl. unter 4,
g): dâst ein wunder al ze grôʒ, aller wunder übergnôʒ. Walther 15, 26.