wappengenosz,
m. der zur klasse der wappenberechtigten gehörende. im mhd. und frühnhd. meist in der noch nicht zum compositum gewordenen festen verbindung wappens genosz,
doch kommt schon seit anfang des 14.
jahrh. die von den neueren schriftstellern ausschlieszlich gebrauchte form wappengenosz
vor (
s. u. mon. Boica 39, 14. Diefenbach. H. Sachs).
auf dissimilation beruht wol die mehrfach belegte form wappes genosz:
mon. Zollerana 1, 444 (1410, wauppes gnös).
öst. weisth. 4, 350, 25 (
Vinstgau 1427). Keller
erzähl. a. altd. hdschr. 188, 13. —
der zweite bestandtheil zeigt früher überwiegend die pluralform genosz (
s. theil 4, 3474),
die meist adjectivisch aufgefaszt werden kann, daneben auch genossen (
s. u. Züricher chron. Franck. Thurneysser). 11)
der entstehung des wappenwesens entsprechend bezeichnet wappengenosz
zunächst den ritterbürtigen, den zu den wappen geborenen (
vgl.wappen II, 5,
c),
dann überhaupt den adeligen, schlieszlich, seit dem 15.
jahrh., auch den bürgerlichen wappenfähigen, vgl. Haltaus 2028. Seyler 337. Hauptmann
wappenr. 59. 105:
celticus, i. nobilis, wapengnosz, edel, edlung, furnemer Diefenbach
gl. 111
b; es sol ouch nyeman eygen pferit haben, der nit wopens genos ist J. Wencker
de ussburgeris 107 (1395); da wille er ihm wisen ..., dasz sin vordern und er wapens-genosz sind, und zu dem turnay und zu andern ritterlichen guten dingen und sachen wohl gehörent Hauptmann
das wappenrecht 487 (1399); und waren ouch darbi (
bei der königswahl) wol 24 fúrsten und 1300 ritter, es weren denne graufen oder frien, dienstlút oder waupensgnossen, und waren 410 knecht
chronik der stadt Zürich 163, 11
Dierauer (15.
jahrh.); wer eigen wer, den wölt er ledig lassen ..., wer wapensgnosz wer und sich nüt zu bekleiden het, den wölt er erlich kleiden
deutsche volksbücher 100, 2
Bachmann u. Singer; die sel hilfft nüt eyn kostlich grab oder das man grosz marmel hab und uff henck schyltt, helm, banner grosz, 'hie lyt eyn herr, ist woppens gnosz'. Brant
narrenschiff 85, 130; du halt dich rhumretig und grosz! tracht, das da werdest wappengnosz! — ich hab lang tracht nach schilt und wappen. H. Sachs 7, 195, 23
Keller. wappengenosz
wird gern mit edel
zusammengestellt, als synonym oder, seitdem es auch bürgerliche wappengenossen
gab, zur unterscheidung von diesen: daʒen wir auff geben haben unser hub und lehen und alleu unser recht die Gunther Rasp ... gehabt hoet und auff uns pracht hoet pis her alz edler leut und wopengenoss recht ist im land zu Francken
mon. Boica 39, 14 (
Würzburg 1315); weller von gepurt und von alter her gut edel und wappes genos ist
öst. weisth. 4, 350, 25 (
Vinstgau 1427); das gemelt landgericht sol also besetzt werden, das der landrichter sei ein ritter, edel und wappensgenosz, darzu sol di herschafft an das landgericht vier edel wappensgenosz setzen L. von Eyb
aufzeichnung über das landgericht Nürnberg (
um 1480) 64 (§ 4)
Vogel; darumb sollen die edlen und wappenszgenossen (wöllen sie ir schilt und lehn, ja der tugent wappen und sigil eerlich fren) von der alten fromkeit nit abweichen S. Franck
chronica (1531) 12
b.
deutlich vom adeligen unterschieden: soll das vogtrecht iedes mals durch ain vom adel oder der ungefärlich wappensgenosz seie, als lehenträger empfangen werden
Zimmerische chronik2 2, 478, 19.
auf bürgerliche geht das wort z. b. auch mon. Boica 34, I, 213 (
Augsburg 1410). Hauptmann 509 (1465).
bildlich schildt und helm warer wapensgenossen der rechten, bewerten alchymey. gotts forcht ... ist der schildt, dnatur erkennen, was jedes sey, das ist der helm der alchimey. Thurneysser
magna alchymia (1583)
vorrede 6
b. 22)
vom 17.
jh. an verblaszte die bedeutung und wappengenosz
wurde aufgefaszt als ein mit den übrigen familienmitgliedern zur führung eines bestimmten wappens berechtigter: wapengenosz,
eorundem insignium participes Stieler 1354. Adelung; dasz mit unserem entseelten herren Dörrer, als lezten rechtmäszigen stamm- und wappensgenossen, schild und helm ... beerdiget werden soll Würfel
nachrichten zur Nürnberg. stadt- und adelsgeschichte 1, 384 (1706). 33)
dasselbe wie wappenbruder, waffenbruder: dasz man seinen wappengenossen in keiner gefahr verlassen dürfe
Ste. Palaye ritterwesen übers. v. Klüber 2, 69 (
daneben waffengenosse
auf derselben seite). 44)
schon in mehreren angeführten belegen konnte, in den folgenden musz wappengenosz
als adjectiv aufgefaszt werden (
vgl.genosse 1
c und d): dann reichthumb auch vil burger und bawren edel und wapenszgnosz gemacht hat S. Franck
weltbuch (1542) 46
b; nun sasz zu Steinen in Schwitz ein wiser, eerbarer mann von altem wapensgenossen geschlechts, Wernher von Stauffach Tschudi
chron. Helveticum 1, 234
a; halbmondverfinsterte wapensgenosse arsbacken Fischart
Garg. 83
Alsleben; vgl. auch Schmeller 2, 964.