gatten ,
passen, paaren u. ähnl., ahd. wahrscheinlich gatôn
nach bigatôn Graff 4, 143,
mhd. gaten, gegaten,
nd. gaden,
nl. gaden (gaaien);
gebildet von gate (
s.gatte)
oder dem adj. gat
genau passend, das zu vermuten ist (
s.gatte I, 1). 11)
intr. 1@aa)
passend sein, genau zusammen passen, wie es scheint die urspr. bed. (
s.gatte II, 1),
dazu das adj. gätlich
genau passend. daher bei vergleichungen, also unsinnlich, schon im 12.
jh. z. b. im Alexanderliede von der schlacht auf dem Wülpenwerde in vergleich mit einer Alexanderschlacht, die ne mohte herzô nieht katen Diemer 220, 24.
und wie diesz dem Rheinlande angehört, so noch auf der Eifel gaten
passen Schmitz 225
a,
in Luxemburg goiden
zusammenpassen Gangler 183 (
über das oi
s.gatte II, 1,
d),
noch völlig sinnlich. vgl. 3,
a sich gatten. 1@bb)
daraus begreift sich auch die bed. gefallen, behagen, die wenigstens nd., nrh., nl., fries. (Johansen 172
b)
entwickelt ist (
s. mehr unter gätlich 3,
b),
z. b. mnd.: my gadede vel bet (
besser) hûsgemak, dan stêdes tô rîden up mînem bak.
Theoph. 272.
vgl. luxemb. dât hoit mer net gegoidt,
cela ne me convenait pas Gangler 183.
vgl.gattung 5. 1@cc)
nur scheinbar intr. ist folg. gatten
von begattung: zum gatten ist der gesang des männleins allzeit das kennzeichen. Frisch
insecten 1, 7; dasz ich dieses weiblein nach geschehenem gatten .. todt niederfallen sah. 1, 8,
beim substantivischen inf. ist sich
weggefallen; s. 3,
c. unsicher auch folg.: wie die katzen in der nacht alle winkel des hauses durchstreichen, gatten, bären, raunzen, grimmen, beiszen. Albertinus
schaupl. 301. 22)
trans., paaren, ordnen, zusammenbringen; vgl. gattieren. 2@aa)
sammeln, ganz alt sieht aus nd. im Götting. bauk gaden,
buchnüsse sammeln, nur noch. in dieser verbindung Schambach 58
a;
sonst vergaden
sammeln (
vgl. Vilmar 113),
aber auch von zweien, s. 3,
b. mhd. zesamene gaten Hartm.
glaube 3082,
aber auch intr. bloszes gaten,
sich sammeln, von einer menge, die sich zum spiele (vröide)
schart, gruppenweise, ordnet: die aldin und die jungen, begondin zu vröiden gatin, ir îclich nâch sînen statîn, wie sies wurdin in ein.
altd. bl. 1, 241,
falls nicht doch sich paaren, in zwei theile theilen gemeint ist, wie es die wettspiele mit sich bringen (
vgl. Franks rotten und g.
unter b),
worin denn die kaufmännische bed. sortieren unter c in ihrem beginne enthalten wäre. 2@bb)
ordnen, von einer menge: alle ding an sein ort rotten und gatten. S.
Frank 4, 168.
schweiz. gatten
ordnen, besonders in eine schöne ordnung bringen (angatten
anordnen) Stalder 1, 426,
s. dazu gattung 4,
b und vgl. nd. beghaden
disponere, ordinare Dief. 186
b,
n. gl. 138
a,
auch das begatten
colere unter 4,
a. doch auch hier liegt das paaren, aneinanderfügen zweier dinge nahe, da beim ordnen das einzelne zu dem zunächst passenden einen gesellt wird, wie Henisch gaten, gatten
erklärt consociare, conjugare paria. 1571, zusammen gatten
accomodare, jungere par pari 1372 (
vgl. Richey
unter e). 2@cc)
daher gleich sortieren,
kaufmännisch u. ä.: gatten oder zusammen gatten,
sortiren, to sort or match. Ludwig 694; ein kaufmann musz die güter nach dem markt gatten,
eligere pannos pro ratione fori. Stieler 592,
zugleich passend auswählen und zusammenthun; noch bei Adelung die waaren gatten,
sortieren, als oberd.; dazu gattung 2,
e, '
sorte'. 2@dd)
von zweien eins aufs andre gatten,
entsprechend machen, genau anpassen: der maler gattet sein gemälde auf das original,
prototypo conformat. Stieler 592.
bildlich: wie sie (
sünde und übel) aber .. ein straf sind, so sind sie von got, doch nit ausz gott, der also bös auf bös gattet und sünd mit sünd strafet. S. Frank
parad. 23
b (1559 58
a),
das böse geht vom menschen aus, dem gott nur entsprechend erwidert, wie es die ordnung mit sich bringt. s. auch das alem. gattigen
unter gätlich 2,
h. 2@ee)
von zwei dingen, eng verbinden, besonders so dasz ein ganzes daraus wird, bis in unsere zeit in gebrauch: der mensch ist zum kampf und ritterschaft von gar widerwertigen naturen und menschen zuosammen gesetzt und gattet, nämlich von flaisch und gaist. Frank 5, 158 =
parad. 148
b (1558 312
b).
so bis in die gegenwart dichterisch (
besonders im reime)
oder in höherer rede, mit mit, an
u. ä.: das alles, was wir sehn und durch der sinne dienst mit unsrer seele gatten ... Wieland 9, 54 (
Musar. 2); lerne .. eine wahrheit der andern zu gatten.
ders., suppl. 2, 401; denn dazumal wars eines knappen amt, die heilkunst mit der ritterschaft zu gatten.
Oberon 10, 40; bringt er (
der Deutsche) sein ich kühn an, so thut ers im falle, da ers mit einem kleinern gatten kann. J. Paul
ästh. 1, 181,
gesellen, zusammenbringen; wir trinken, kühl umschattet, den rebensaft, und seel' an seele gattet magnetenkraft! Voss (1835) 168.
auch noch bloszes gatten: das ländergattende schiff. Schiller 1031
b (
über völkerw.); nur gedanken scheiden und gatten die seelen. J. Paul
Hesp. 1, 78; wenn körper seelen ründen und herzen gatten.
flegelj. 2, 128.
wie sehr es aber doch jetzt aus der eigentlichen prosa zurückgetreten ist, zeigt z. b. folgender jetzt unmögliche gebrauch Richeys im
j. 1755,
der kunterbunt
mit quasi contre-bunt
erklärt, von farben, die wieder einander unschicklich gegattet sind.
idiot. Hamb. 367,
zugteich unter c passend. der grund des zurücktretens ist wesentlich, weil dabei immer mehr an gatte conjux gedacht worden ist. 2@ff)
zu gatte
gehörig doch auch schon im 15.
jahrh. nd. gaden
nubere Dief.
n. gl. 265
b,
aber noch sehr selten (
vgl. Dief. 384
a),
nrh. im Teuth. 97
a vielmehr vergaden, hyliken,
nubere, neben 'vergaden, verparen',
s. dazu gatte II, 3,
a. im 18.
jahrh. von thieren (
s.gatte II, 4): die männchen merken aber gleich, wenn es (
das weibchen) schon gegattet ist. Frisch
insecten 1, 19,
was doch auch zu sich gatten
gehören könnte (
für sich gegattet hat).
das trans. ist deutlicher ausgedrückt in begatten (
s. d.),
das schon Henisch 1372
aus Colerus 329. 819
beibringt: begatten, baren,
coire conjugio, es ist wol refl. gemeint; die karpfen begunnen sich zur begattung zu raizen.
ders. 1371.
so niederd. volksmäszig von thieren begaën,
d. i. begaden,
z. b. de ko begaën laten,
mit starkem part. de ko is begaën,
die kuh ist trächtig Brem. wb. 2, 475 (
die starke form aus verwechselung mit begân,
s. Danneil 72
b).
s. auch sich gatten 3,
c und gattner. 2@gg)
eigen und etwas unbestimmt gibt Henisch 1371
auch gatten,
formare, deformare, als ableitung davon gattung
forma, figura; auch bei Stieler 592: gatten
etiam nonnunquam formare, figurare
potest exponi. es kann erst aus gattung
entnommen sein, schlieszt sich aber auch gut an '
ordnen'
unter b an, wie denn gattung
gleich gestalt besonders schweiz. ist. 33)
refl. oder recipr. sich gatten. 3@aa)
sich in oder an einander fügen, zusammenpassen (
vgl. gätlich
passend). 3@a@aα)
so schon früh mhd. unsinnlich sich gegaten,
was einen langen gebrauch vorher voraussetzt, statt des gaten
im Alex. (
s. 1,
a)
hat die andre hs. der ne mohte sich hî zô niht gegaten 1679
Weism., man kanns auch zu b ziehen. im 16. 17.
jahrh.: da .. kain freundschaft dann allain under gleich und gleich haft und sich gattet. S. Frank 1, 15 (
moriae encom. o. o. u. j. 15
b),
wo nach dem haftet
auch sich gatten
noch als sinnliches ineinanderpassen vorgestellt sein mag; sie wolte mit ihrer schwester wechseln, weil gleich und gleich sich besser gatte. Harsdörfer
lust- u. lehrr. gesch. 1, 154.
mit sich reimen
gesellt: da sich nichts wenigers zu gottes wort gattet und reimet. S. Frank
moriae encom. 84
b; von dem wöllen wir etwas entnemen, so volget und hieher sich aufs best gattet.
kriegsb. d. fr. 31. es gattet sich,
aptat, consentaneum est Stieler 592.
daher auch '
sich eignen',
altfries. von einer frau, die zum gerichtlichen zweikampfe zu verweisen sei, wenn sie se tô wîge gadath Richthofen 771
b,
sich dazu eignet. 3@a@bβ)
noch im 18.
jahrh. auch ganz sinnlich: wo unter seinem hals sich bind und schleife gatten. Zachariä
renomm. 3, 342.
mehr bildlich, zusammenpassen: er (
Thraso) trägt ein langes schwert und ein dick spanisch rohr, die feder auf dem hut, den hut auf einem ohr, rock, hosen, wambs und strümpf und alles musz sich gatten. Wernike 1704
s. 39 (
Bodmers ausg. s. 27),
zu seiner martialischen erscheinung passen. so noch z. b. luxemb. sech goiden Gangler 183. 3@bb)
sich gesellen, von lebenden wesen, zu gatte II, 1,
a: der (vrouwen) ieclich hête sich gegat zû deme der ir ebine quam.
Athis C
*, 21; nachdem aber Adam noch alleine war und sich kein thierlein zu ihm gadten oder gesellen wolte noch kondte. Mathes.
hochzeitpr. D 3
a (
in dem dt
die md. nd. form mit der hd. vereinigend).
im genauen sinne ist auch da ein an oder ineinanderfügen gemeint, wie noch in dem nd. sprichwort twê vergaët sik, drê slât sik
Brem. wb. 2, 475,
zwei können '
eins werden'. 3@cc)
von mann und weib, männchen und weibchen, eigentlich nichts als das heutige sich paaren,
s.gatte II, 3.
nl. bei Binnaert sich gaden of paren,
congregari ad generandum. vgl. gattung 1. 3@c@aα)
von menschen: das sie (
die winkelwirte) eepruch in iren heusern staten, wan sich zwei heimlich zusamen gaten. Rosenblüt,
fastn. sp. 1160.
in ehelichem sinne ist es trotz gatte
auszer den spuren u. 2,
f nicht entwickelt worden, verächtlich braucht es einmal Klopstock (
vgl. gatte II, 3,
d): vom ritterband' umflattert und hell vom stern müss' er mit einem kammergekätze (sie, ja sie sei misvereht!) sich gatten.
oden 2, 15 (
der denkstein).
vgl. unter d den bildlichen gebrauch, z. b. bei Bürger.
folgendes schwankt zwischen d und c: die geistige liebe, die sich nur mit den eigenschaften der seele gattet (
vorher die metaphysische geisterliebe) ist ein hirngespinste hochmüthiger schulweisen). Gellert 4, 225; bald wird .. die bange schwermuth sie mit dem grabe gatten, das sie zur brautkammer sich erkieset hat. Musäus
volksm. 424. 3@c@bβ)
von thieren (
vgl. 2,
f): etliche tiere gatten sich wie die menschen,
sociantur invicem Stieler 592,
paaren sich ohne wechsel, der ehe ähnlich. 3@c@gγ)
bergm. übertragen auf erzgänge, deren zwei sich treffen und eine zeit lang mit einander gehn (
sonst sich scharen): das .. die geng und geschick oft zusammenfallen und sich mit einander schleppen, gadten oder gattirn und erz machen oder verderben. Mathes.
Sar. 29
b (1587 27
a); das gibt die erfarung, das ein gang allein, wo sich nicht ander mit ihm schleppen, ramlen oder gatten, selten erz füret. 31
b;
auch begatten: wenn ein gang oder geschick das andere veredlet und sie ramlen und begadten sich mit einander, da wird der gang besamet. 37
b;
s. dazu sp. 1229
von der erzmutter
u. ä. 3@dd)
in neuerer zeit nur noch dichterisch für sich eng verbinden, verschlingen, vereinigen u. ä., wobei meist an gatte
conjux gedacht ist (
vgl. 2,
e),
wie ja vermählen
ähnlich bildlich gebraucht ist: wie viele sanft- und klare schatten, die bald sich trennen, bald sich gatten. Brockes 2, 44
u. o.; wie an dem bunten taft, auf dem sich licht und schatten, so oft er sich bewegt, in andre farben gatten. Haller 93; wenn schwarze laster sich mit gleichen lastern gatten. Hagedorn 1, 51,
d. h. in einem freundschaftsbunde; lilien gleich, die sich mit veilchen gatten (: schatten). Wieland 10, 92; durch zauberische schatten, wo geist und körper sich, bei ungewissem licht, in schöne ungeheuer gatten. 9, 59; das anmuthige wollte sich (
in der landschaft) nach und nach mit dem wilden gatten. Göthe 23, 60; wo reben sich um sonnenhügel gatten. 2, 158; dasz beide stämme sich in eins zusammen gatten, zu éinem volk vereint durch ewgen bund. Schiller 38
b (
Aen. 4, 20); vier elemente gatten sich, sie gatten sich, wie mann und weib, voll liebesgluth in éinen leib. Bürger 41
b; wenn gleich im hain, auf flur und matten, sich baum und staude, moos und kraut durch lieb' und gegenliebe gatten, vermählt sich mir doch keine braut. 27
a; jede erdenwonne musz sich mit leiden gatten (: schatten). Schiller 4, 13
Göd. (
zu Körners hochz.); die schaubühne ist die stiftung, wo sich vergnügen mit unterricht, ruhe mit anstrengung, kurzweil mit bildung gattet. 705
b; da stunde sich zu stunde gattet. Platen 62. 44)
zusammensetzungen auszer vergatten (
s. 2,
a, vgl. vergatthobel Frisch 1, 323
c), angatten (2,
b),
besonders auch ergatten
und begatten,
beide mit eigner, offenbar alter entwickelung. 4@aa)
zu begatten unter begaten I, 1278
ist nachzutragen, dasz es mit begäten
dort unrecht vereinigt ist, es bedeutet besorgen, bestellen, cultiviren, von landbau u. ähnl., mhd. und noch nhd.: wenn man aber bedenkt, was die guten bürger von Tennstedt, um eine so grosze .. flur zu begatten, geschäftig sein müsten. Göthe
an Voigt 356 (
vom j. 1816);
nd.: hortus bene cultus, ein wolbegadet edder togerichtet garde. Chytraeus 400 (
c. 106);
s. dazu gatten 2,
b und mhd. wb. 1, 489
a. 4@bb) ergatten III, 815,
das einmal deutlich zusammengehört mit ergattern (
s.gattern 2),
in sich ergatten
gleich sich erholen
aber (
vgl.kobern)
mit dem nrh. ergaten
empfangen Lexer 1, 627
und dem ahd. bigatôn
erreichen, treffen (
s. unter begatten 1),
mit einer bedeutungsentwickelung, die bei kobern ähnlich ist.