knebel,
m. ein vieldeutiges und schwieriges wort; nhd. ist es im allgemeinen ein holzstück, besonders ein kurzes dickes in verbindung mit einem verschlungenen strick zu mancherlei zwecken, aber auch der geschlungene strick allein wie der knoten. in der gewöhnlichen bed. besteht auch nd. nl. dän. knevel.
das e
ist nach der ahd. form und nach der heutigen hohen aussprache ein umgelautetes, aus a
entstanden, dazu stimmt auch die schreibung knöbel (H. Sachs), knöbelbart, knöbeln;
als nd. wird freilich die aussprache ä
angegeben, auch aus Sachsen knäbel
knöchel (
s. 11).
über den ursprung vgl. u. knopf. 11)
ahd. mhd. wird mit knebil, knebel,
auch chnebil (
s. 1150
unten) columbar
glossiert, s. Haupt 3, 370
a, Graff 4, 576,
sumerl. 3, 51.
das lat. wort erscheint bei Plautus
Rudens 3, 6, 50
als strafwerkzeug für sclaven, eine art joch oder fessel um den hals zu legen (nam in columbari collum euis haud multo post erit),
wol nach columbare
loch im taubenschlag (
vergl.knebelloch).
mlat. collumbar
ist '
ein halsband oder halsisen, quod ponitur in colla damnatorum'
und '
jugum bovis, ein kommet'
gemma Str. 1518 E 2
d,
in der Cölner gemma v. 1507 '
vinculum'
überhaupt und '
jugum bovis vel equi',
s. Dief.
gl. 133
c. 134
a;
bestimmt vom pferde in dessen nov. gl. 102
a columbar, ein knebel do man di ross in spant,
es scheint also eine art kummet. vgl. 5,
f. 22)
im voc. inc. teut. n 3
a wird angegeben knebel, tegra, est instrumentum quasi furca ad nectandum,
in andern ausg. ad necandum Dief.
gl. 575
b. tegra
ist für teagra
und diesz für creagra (155
c),
d. i. kräuel,
gabel; vgl. 5,
a. ist necandum
das richtige, wie es scheint, so erinnert es an des Plautus columbar
vorhin (
vgl. die rom. garrot, garrote
unter 5,
d).
der begriff werkzeug zum fesseln, strafen, peinigen lebt überhaupt in mehrfacher form nach, s. 5,
a, besonders e, und g. 33) knebel,
gerte u. ä. 3@aa)
auf dem baume: flagrum, ein zwick oder gerte zuo oberst an den baumen, knebel, ein ruot. Dasypod. 75
c; flagellum .. rtle, knebele daran die bollen wachsen.
das., im deutschen theile knebbel 365
a,
der vocal war also da noch kurz. 3@bb)
abgeschnitten oder zum abschneiden, was das urspr. sein mag: knebel,
talea, ein zwy (
zweig) zu beiden orten unden und oben abgeschnitten, das man in die erden steckt. Frisius 1287
a, Maaler 246
c,
das. knebel,
junge räbschosz, soboles vitium; malleolus, junge räbschosz, knebel Junius
nom. (1577) 113
a,
vgl. 108
b, knebeln pflanzen
taleas inhumare das., ebenso bei Schönsleder, Denzler, rebknebel, schnittling,
malleolus Frischlin
nom., noch schweiz. schnittling von weinreben Stalder 2, 114.
s. auch knebelästlein. 44)
stock, knüppel u. ä., vgl. 12. 4@aa) knebel,
stipes, knüttel Maaler 246
c,
nach Frisius 1242
b '
stipes, pfal, zaunstäck, knebel',
noch schweiz. knebel
in der landwirtschaft, aststecken Stalder 2, 113; knebel,
bengel Rädlein 549
b, Frisch 1, 527
a,
bei beiden und Schottel, Steinbach
auch knebel
den man einem hunde anhängt, wie knüppel. 4@bb)
die jäger brauchen einen knebel,
den hunden die sich verbissen haben das maul aufzubrechen ( Adelung),
vgl. mhd. klôʒ
so unter klosz 8; den schwedischen trunk, da man einen auf den rücken gelegt, das maul mit einem knebel aufgesperrt ...
bericht aus Ansbach v. j. 1635,
anz. des germ. mus. 1865
sp. 106,
vgl. 5,
e. 4@cc)
auch knebel
als schlägel und glockenklöppel, nd. knewel Schambach, knäwel Danneil,
nur durch vermischung mit knepel?
es heiszt auch dän. knevel,
schwed. dial. knebel, knevel,
vgl. knavel
m. pfahl, stock Rietz 335, knävling
eine art kerbholz 341
b,
und das altn. knefill
m. zum bau einer waldhütte Fritzner 356
b ? 55)
stock, holzstück in mancherlei verwendung, doch so dasz dabei gewunden oder gebunden wird. 5@aa)
die strafe an haut und haar erklärt die glosse zum Ssp. 2, 13
so: das man einen zu der staupen schlegt und windet im die haar mit einer kluppen oder knebel (
Lpz. hs. nr. 948 62
c mit kloben) aus dem heupt;
der knebel
scheint den folg. ähnlich ein holzstück, die haare darum zu winden, s. dazu b. 5@bb)
ähnlich in folg.: was man nicht schlichten kann ohne verstörung des friedens, soll man auf ein knebel winden, bis es gott selbst einmal abwinde. Luther
br. 5, 667,
etwa ein stock auf den man garn, bindfaden u. dgl. windet; freilich wäre möglich eine ungenaue schreibung für knewel,
kneuel, knäuel. 5@cc)
ein rundes querholz an einem stricke, der um die mitte des holzes geschlungen ist, auf welchem sitzend man sich in die höhe oder nieder läszt oder sich schwingt. Frisch 1, 527
a, auf dem knebel einfahren
im bergwerk Stieler 1340, up dem knevel infahren Chytraeus
c. 15: die bergleut farend nicht allein ab den farten in die gruben, sondern werden auch auf dem knebel oder hort (
crates) an das seil gebunden in die gruben mit drei hespeln hinabgelassen. Bechius
übers. von Agricola bergwerk (1557) 177. Adelung
nennt einen solchen knebel
zum aufziehen der diebe am galgen. vergl. knöbelein. 5@dd) knebel,
der in einen umgeschlungenen strick gesteckt und mit diesem umgedreht wird um ihn straff anzuziehen, knebel zum einpacken, een pakstok
M. Kramer,
auch an ketten, vgl. Wagenknebel
als angenommener name fastn. sp. 343. knebel, garben zu binden Steinbach 1, 882,
womit man die garbenbänder zusammenzwinget Frisch 1, 527
a, Alberus x 4
b;
er heiszt auch rettel, reitel,
nd. wreidel, breil,
frz. garrot,
sp. garrote,
welches letztere auch ein halseisen zum erwürgen ist, was an die älteste bed. von knebel
unter 1
erinnert, wie ebenfalls frz. garrot
als sattelbogen und als encolure du cheval. ähnlich beim binden eines mannes: so soll man .. sine dumen binden zu einander und soll ihm einen knebel durch die bein stoszen.
weisth. 1, 466. 5@ee) knebel
als fessel des mundes, '
obturamentum maulspanner, einem einen knebel anlegen,
lignum in os inserere'. Steinb. 1, 882: gebunden, ein knebel im maul, damit er keinen schrei kund lassen. Wickram
pilger bl. 58; ein knebel zwischen die lefzen fiegen (
fügen). Murner
narrenb. g 2
a (Gödeke
elf b. d. d. 1, 24
b); ich wolt dir ein knebel ins maul legen. Ayrer
proc. 2, 6; knebel in die meuler stecken. Ayrer 370
b; drehete mir aber in der geschwindigkeit einen knebel in den mund.
Felsenb. 3, 226; ein knebel sperrt seinen mund und verwehrt ihm seinen schmerz in klagen zu lindern. Schiller 790
b.
M. Kramers
deutsch-holl. wb. führt einen knebel
auf, den die mönche zur strafe tragen, een mondstopper
zum schweigen lernen. s. weiter 13
und 9,
und vgl. klotz 5. 5@ff)
am pferdegebisz, knebel
postomis Faber
thes. 1587 (Dief.
gl. 449
c),
wie kluppe, bremse
das., auch bei Steinbach,
der auch anführt der einen knebel vor der nase hat,
cui pastomis de naribus pendet. 5@gg)
ähnlich ist der knebel
am ende einer kette ( Adelung),
querstück das durch einen ring gesteckt wird und so beim anziehen der kette diese schlieszt, ostfries. knävel Stürenburg 114
b. 5@hh) knebel an einem spiesz,
querstück hinter dem eisen Rädlein 549
b,
dens venabuli Schottel 1347. Stieler 1340,
an einem schweinsspiesze Steinbach 1, 883,
beschrieben bei Alberus x 4
b,
er hebt hervor dasz ein riemen darum gewickelt ist zur befestigung. s. knebelspiesz,
wofür auch kurz knebel
in hasenknebel,
telum leporarium. Prager wb. von 1700 3, 96
b. 66) knebel,
der doppelte flügel am schnurrbart, knebelbart (
s. d.),
in bildlicher anlehnung an einen der vorigen knebel, vielleicht von 5,
e in derbem witze, doch zugleich mit dem begriff des gewundenen wie es scheint (
s. knebelchen): strich auch zurück am bart den knebel, fasset mit der linken den säbel. Rollenhagen
froschm. Qq 5
a (3, 1, 10); die bärt sollen (
beim à la mode monsier) gestutzet sein, all härlein hinab, bis aufs ein: den knebel über sich gestörzt.
spruch v. 1628
b. Scheible
flieg. bll. 21; jetzt streicht er den knebel. Floridan
u. Klajus
forts. der Pegnitzschäferei 89,
hier für knebelbart? 77)
dem ähnlich knebel
an einem fische: zu dem fang und jagen braucht er seine obern und undern knebel, mit welchen er (
die beute) umbwickelt, faszt und zu dem maul treibt. Forer
fischbuch 184
a,
es sind wol bartfäden. 88) knebel,
schockel, petaurum, oscillum. Steinbach 1, 882,
schaukel, auch bei Comenius
orb. pictus 1, 281,
das bild das. zeigt eine blosze strickschaukel am baume. das könnte zwar nichts als entlehnung von 5,
c sein, wie Frisch
da das schwingen erwähnt; aber dasz knebel
auch wirklich einen geknüpften strick bezeichnet, ohne das holz, zeigt das folg. 99)
strick, band als fessel, marterwerkzeug geknüpft, geschnürt (
s. dazu 1
a. e.): die eichen witt und handoren knebel (
zum gebrauch bei gericht) machen die von Emmel.
weisth. 4, 749,
hagendornene knebel; einen hagedorn knebel und eichen wied an deinen hals gefritt (
gedreht, urspr. wrîden).
rechtsalt. 41; einem den knebel an den hals legen,
laqueo alicujus vitam intentare, halsknebel
numella. Steinbach; knebel womit die soldaten die bauren martern,
strick mit knoten der um das haupt geschnürt wird, zum gelderpressen. M. Kramer,
daher heiszt nl. knevelen
geradezu plündern, aussaugen, geld erpressen, kneveler
gelderpresser, straszenräuber, bauernschinder (
aber auch häscher) Kilian 247
b,
jetzt vexieren, schmarotzen, schmarotzer, beutelschneider. nl. knevel
ist bei Kilian
bestimmt angegeben als nervus, nerveus funis, lorum, also auch riemen, auch nennt er es besonders als riemen am speer, wie als handknebel, handfessel, manica, knevel, knevelband,
was nach knebeln
auch für hd. knebel
nicht zu bezweifeln ist. 1010)
nl. knevel
ist bei Kil.
aber auch der knoten selbst, '
nodus, noeud',
und auch das zeigt hd. folg. stelle: derhalben mein liebe wamstknöpf, auch ihr wamstknebel, entknöpfet und entknebelet mir disen meisterlichen weberknopf, schneidet dapfer in disen zusamen gelegten faden.
Garg. 287
a (
Sch. 539),
von einem rätsel als gordischer knoten gedacht (der gordisch vergurtet zweifelstrick 286
b). 286
a werden zwar dieselben zechgesellen angeredet ihr knöpf und knebel in wämstern,
das spielt mit der bed. 12;
allein aus dem wamstknebel
und entknebeln
neben knopf (
knoten), entknöpfen
ergibt sich doch zugleich die bed. knoten. s. auch 14. 1111)
knöchel, knorren. 11@aa) knebel,
condylus. Dief. 140
b (15.
jh.),
knöchel, knorren in fingern, gelenken, der eben auch knoten
heiszt, lat. nodus,
franz. noeud;
diesz knebel
auch bei Stieler 1340, Kirsch
corn. 1, 263
a von händen und füszen, von den fingerknöcheln bei Steinbach, Frisch, Lessing 5, 327,
und so noch in Schwaben, Thüringen, Sachsen, Posen, Niederlausitz Bernd 133.
bildlich: was sagen sie denn zu Vossens sonett? .. dasz er sich bei verfertigung dieses spaszes die knebel zerstoszen und etliche zähne stumpf gebissen hat. Zelter
an Göthe 1, 311.
nd. knäwel,
z. b. brem., pomm., auch im pl. knäweln
als kraftwort für die ganzen finger Dähnert 239
b (
s. ebenso knöbel). 11@bb)
aber auch für knorren überhaupt, an etwas verwachsenem: sie sind ausgewachsen und verwachsen, dasz nichts dann knorren und knebel darausz werden. Paracelsus
op. 1, 228
c. 11@cc)
gewöhnlicher dafür ist knöbel, knübel,
woraus knebel
als ungenaue form begreiflich wäre, aber doch wol nur zufolge einer vorhandenen bed. knoten (
s. auch kniebel).
übrigens vgl. altn. isl. knefi (hnefi)
m. faust, schott. knevell
mit der faust schlagen, auch nevell, neffle,
wie neif
faust, schwed. näfve
faust u. s. w. 1212)
von menschen. 12@aa)
roher, plumper gesell, wie bengel, flegel, klotz, knaust, knäufel, knopf
u. a., wol nach der bed. 4: du knebel!
fastnachtsp. 88, 13; ir narren, knebel, esel und trollen. 539, 6; von dreien ungehobelten bauwrenknebeln. Kirchhof
wendunm. 255
a; wer ist schüldig daran? allein ir ungehobleten knebel. H. Sachs
dial. 67, 7,
das ungehobelt
zeigt dasz an einen roh vom baum gebrochenen knüttel gedacht ist; die jungfraw in groszen sorgen stunde, stets forchte, man würde sie dem knebel (
bauernkerl) zu einem weib geben.
wegkürzer 8
b; dann wer jetzund nicht an im treit ein lumpecht wol zerhawen kleid, den heiszt man gleich ein bawrenknollen, ein knebel und ein ackerschollen. Scheit
grob. S 3
a; ob auch am tisch ein knebel säsz, der sich grob hielt und sewisch fräsz. B 4
a; und wenn ich ein Jüde gewesen were und hette solche tölpel und knebel gesehen den christenglauben regirn und leren, so were ich ehe ein sau worden denn ein christen. Luther 2, 238
a; sol man denn zulassen, das eitel rülzen und knebel regieren? 2, 474
a; solche tölpel und knebel. 6, 278
b; die groszen groben esel, tölpel, knebel. 8, 208
b; ein grober knebel ich noch bin. H. Sachs 5, 407
b; grob in ihrem sinn und giengen wie die knebels hin. Ringwald
evang. Gg 8
b. 12@bb)
als name gebraucht, wie Klügel (2)
sp. 1281: hui, Peter Rülze und Victus Knebel, zeigt mir doch des ein enzelen buchstaben! Luther 3, 85
a,
anrede an Carlstad; und gehen so ruchlos (
rücksichtslos) dahin 'ha, was gehet mich ein ander an? ich mag mit dem meinen handeln wie ich wil und das meine so thewr verkaufen als ich kan, wer wil mirs wehren
etc.', wie junker Filz und Knebel auf dem mark (
markt) thut. 5, 439
a,
er hat etwa einen kornverkäufer im sinne. so ist der name Knebel (
schon 14.
jh. Knebele
weisth. 2, 214)
eig. ein vergessener schimpfname, wie in gleichem sinne Bengel, Schlegel, Klotz, Keil, Klosz, Klüpfel, Klöppel, Knäufel, Knaur, Knaus, Knorr
u. a., die alle auf dem wege zu namen geworden sind, wie Luther
da filz
und knebel
braucht. 12@cc)
noch Stieler 1340
nennt diesz knebel
als gleichzeitig, nicht mehr Rädlein, Steinbach, Frisch,
aber es gilt noch schweiz. Stalder 2, 114, Tobler 110
b;
auch ostfries. knävel,
im brem. wb. aber knevel
als scheltwort überhaupt. 12@dd)
aber ostfries. auch noch junger starker kerl, kernbursche, selbst von thieren (
aber auch gleich schelm). Stürenburg 114
b. Frommann 4, 134,
ditm. knewel
ein groszer starker kerl, mekl. auch von thieren, z. b. Reuter
läuschen 1, 247,
und kerl überhaupt: dat's 'n rîken knebel,
wie knast (2).
nl. knevel
ist vielmehr ein lustiger bruder (
vgl. 9),
schwed. knäfvel
aber ein böser bube, der teufel (
myth. 939),
jenes auch knavel, knav Rietz 335
a (
zu knabe?). 1313)
eine eigne ältere redensart knebel inne halten,
schweigen, an sich halten, musz vom knebel
im munde 5,
e herrühren, sie zeigt wie häufig er einst im gebrauch war: Silenum, der nit mucket und helt knebel inne ... leszt es alles gut sein, was er redet und thut. Mathesius
Sar. 14
a; hielt an sich und den knebel inne (
im lachen).
Harnisch 259; aber knebel inne! 291,
es mag der ruf sein der an die geknebelten ergieng, sich nicht zu mucken; ob schon der wirth sein bestes zum frieden sprechen wolte, muste er doch knebel inne halten, weil er leicht etliche tachteln hätte können davon tragen. Chr. Weise
erzn. 231
c. 22.
vgl.katze inne halten
sp. 288
mitte. 1414)
ein futterkraut, spergula arvensis, ackerspergel, langer knebel. Nemnich 4, 1338;
er heiszt auch knöterich,
eine art knotenspark,
spergula nodosa, also von 10. 11,
vgl. kniegras. 1515)
kleine stücke bernstein, die zum drehen eben noch geschickt sind. Campe.
von knebel 11?