friede,
m. pax, otium, tranquillitas, tutela. goth. wird εἰρήνη ausgedrückt gavairþi,
welches dem ahd. giwurt
oblectatio gleicht (Graff 1, 993),
aus gafriþôn
placare läszt sich aber auch auf ein nomen schlieszen, das wahrscheinlich friþus,
gen. friþaus,
dat. friþau
lautete und dem ahd. fridu,
gen. fridô,
dat. fridiu
entsprach, wofür sich bald der gen. frides,
dat. fride
einfand; mhd. vride, vrides;
alts. frithu,
nl. vrede.
ags. schwankend friðu
m., das einen gen. dat. friða
fordert, die doch nicht zu belegen sind und durch friðes, friðe
ersetzt werden, daneben freoðo, freod
f. engl. erloschen und durch peace
vertreten. altn. friðr,
gen. friðar,
dat. friði,
später gleichfalls friðs, frið;
schw. frid, fred,
dän. fred.
neben friðr
ist der altn. sprache noch ein anklingendes grið,
pl. n. eigen, das auch zu den Angelsachsen [] vordrang und wiederum pax und securitas aussagt, doch buchstäblich unverwandt sein musz, da fr
und gr
niemals tauschen. diesem friþus, fridu
steht in urverwandten sprachen gar nichts zur seite. der sl. ausdruck ist mir'',
lett. meers;
ein andrer pokoi,
lit. pakajus,
das an pax
mahnt, aber für ein compositum erklärt und zu einem nirgends erscheinenden koi =
quies gehalten wird. pax, pacare, pacisci
stimmen zum goth. fahêds
gaudium, zu faginôn
gaudere, weil friede
auch freude, ruhe, wonne ist. man darf also friþus
zum ags. frîð,
altn. frîðr
formosus nehmen und auf einen stamm freiþan, fraiþ, friþum (fridum)
rathen, welchem auch freidjan
parcere zufällt, ganz wie sich scônôn, schonen,
parcere mit scôni, schön,
pulcher berührt. höherer zusammenhang mit frei
und froh
kann nicht wol geleugnet werden. da c
und t
tauschen, wäre friþôn, freidjan,
ahd. frîtan
mit parcere
selbst zu einen, worauf ich hernach unter 5
zurückkomme. in unserm heutigen friede
ist der eindrang des schwachen n
sehr störend, abgesehn von der brechung oder dehnung des i
in ie (
wie in glied, nieder, wieder),
wodurch sich friede
und das echt diphthongische friedel,
ahd. friudil
mischen. reinmhd. quellen gewähren überall vride, vrides;
allerdings im Anno 340
liest man schon ci vridin,
im Alexander 4733
M. = 4580
W. si ne gëreten neheines friden niet,
und Ludwig 5797 dër sprach im sînen friden,
wo doch das unmittelbar folgende nu
ein n
herbeigeführt haben mag, da sonst im gedicht starkes fride, frides
waltet. auch nhd. gilt noch friede, friedes
bei Niclas von Wyle, Steinhöwel,
so viel ich sehe, selbst bei Luther;
in folgenden stellen, wo er den gen. 'friedes'
schrieb, schwärzen spätere und heutige ausgaben 'friedens'
ein: Sir. 47, 17.
Luc. 10, 6.
Röm. 3, 17. 15, 33.
2 Cor. 13, 11.
Eph. 4, 3. 6, 15.
1 Thess. 5, 23.
Ebr. 7, 2. 13, 20;
wonach man auf das übrige schliesze. Jer. 12, 12
hat auch Bindseil: und kein fleisch frieden haben wird,
wol ein druckf., da in andern ausgaben friede
steht (
doch vgl. zu friden 4,
a).
auf seine zeitgenossen hatte Luthers
sprache groszen einflusz. die frühsten beispiele schwacher form habe ich aus Keisersberg
und Aimon angemerkt, vielleicht stehn ihrer auch bei Brant.
in Keisersb.
bilger 92
d häufen sich mehrere, sogar im nom. heiszt es: wenn das end, das do nachvolgt der erstrittung und uberkummung der tugenden ist frieden; habent friden und der gott des fridens und der liebe wirt bei euch sein.
pred. 68
b; lieben brüder habend friden und der gott des fridens wird in euch wonen.
seelenpar. 69
b; do sprach er, mein friden verlasz ich euch.
narrensch. 98
b; hör was got in dir redt, schick dich darzuo, warzuo dich got der herr treibt, er treibt dich zuo friden. was fridens? das du ein versamlet gemüt habest und bei dir selber bleibest.
has im pf. Bb 3
a. er ist fridens mit dem keiser uns zu zerstören und verdreiben eingangen (
hat fr. mit dem k. geschlossen).
Aimon g 6
b,
und in viel andern stellen, wogegen Steinhöwel im
Es. 20 (1555): die torechten schaf giengen des frides in mit den wölfen;
im kriegbuchlein des frides heiszt es bl. 3 allen kindern des friedens.
namentlich neigt Fischart
schon zur schwachen form. sicher lassen sich noch mehr fälle beibringen. dem heutigen sprachgefühl, abweichend von dem des 16
jh., ist es nicht mehr möglich dem gen. friedens
zu widerstehen, aber der nom. darf noch friede
lauten und wir folgen der analogie von wille, willens, glaube, glaubens,
obschon sie nicht genau trift, weil fridu
ein starkes wort, willo, giloubo
schwach sind. die nominative frieden, willen, glauben
sind zu meiden und stehn ab von den organischen morgen, wagen;
das 16
jh. stumpfte häufig friede
in fried,
wie wir jetzt selten thun, auszer in fügungen wie fried und freundschaft, fried und einigkeit.
selbst das nnl. vrede
hat das schwache n
von sich abgehalten, und macht den gen. vredes.
bedeutungen, redensarten. 11)
gegensatz des kriegs, es ist friede, friede im lande, tiefer friede im ganzen lande; der süsze, holde, liebe, goldne friede; es wird bald friede, der friede ist geschlossen, eingegangen; gebrochen, aufgehoben, löcherig, zerrissen; es kann kein ewiger friede sein. der gott des friedes (guþ gavairþeis); der herr des friedes.
richt. 6, 24; der alte man sprach, friede sei mit dir!
vulg. pax tecum sit! 19, 20; ists friede, das du komest?
vulg. pacificusne est ingressus tuus?
1 Sam. 16, 4; fried sei mit dir und allem deinem hause! 25, 6 (
der morgenländische grusz salem); Ahimaaz aber rief und sprach zum könige 'friede',
vulg. salve.
2 Sam. 18, 28; aber David und sein same, sein haus und sein stul fride habe ewiglich von dem herrn.
1 kön. 2, 33; nim einen reuter und sende inen entgegen
[] und sprich ists friede? ... Jehu sprach, was gehet dich der fried an?
2 kön. 9, 17. 18; es wird doch friede und trew sein zu meinen zeiten. 20, 19; fried und grusz!
vulg. salutem.
Esra 7, 12; was er höret, das schreckt in und wenns gleich friede ist, furcht er sich, der verderber kome.
Hiob 15, 21; suche friede und jage im nach.
ps. 34, 15; es müsse friede sein inwendig deinen mauren und glück in deinen palasten. 122, 7; lieben, hassen, streit, fried hat seine zeit.
pred. Sal. 9, 8; auf das seine herschaft grosz werde und des friedes kein ende.
Es. 9, 7; das mein volk in heusern des friedes wonen wird. 32, 18; es wird fride bei euch sein, so doch das schwert bis an die seele reicht.
Jer. 4, 10; und sagen friede, friede! und ist doch nicht friede. 6, 14; und so du im lande da es friede ist, sicherheit suchest. 12, 5; es ist eitel furcht da und kein friede. 30, 5;
ahd. thanne ir înganget thaʒ hûs, heilazet iʒ, sus quëdantê 'sibba sî thësemo hûs!'
Matth. 10, 12; und so daselbst wird ein kind des friedes sein, so wird ewer friede auf im berugen.
Luc. 10, 6; ein herr des friedes und scheider des kriegs ist gröszer und höher zu achten, denn der fried. Luther 5, 147
a; wann du rechten und ewigen fride hettest, lobt ichs, hast aber der noch keines, dann es nit newe ist, dasz under dem schatten des frides der krieg verborgen.
Petr. 93
a; der friede trägt den schild. Fleming 140; denket dasz der friede nehrt, denket dasz der krieg verzehrt. 292; da ihr denn in stillem frieden könnet bei einander sein, unverhindert, ungeschieden auch nicht durch die letzte pein. 434; und sein genüglich brot mit süszem frieden asz. Logau ...; geniesze was dir gott beschieden, entbehre gern was du nicht hast, ein jeder stand hat seinen frieden, ein jeder stand auch seine last. Gellert 2, 135; wer gottes wege geht, nur der hat groszen frieden, er widersteht der bösen lust, er kämpft, und ist des lohns, den gott dem kampf beschieden, in seiner tugend sich bewust. 2, 98; sie schliefen beide, wenn sie müd, auch lebten sie bei krieg und fried von nichts als trank und speise. Drollinger 134; wenn habsucht, misvergnügt mit dem, was ihr beschieden, sich mit der macht verschwört, wo bleibt der theure frieden? Dusch 1, 76; dann drohe hex und schwarzer mann, ich denk, ei droht euch müde! und schmiege mich an Töffeln an, und schlaf, ich schlaf im friede. Weisze
kom. op. 3, 93; dasz nicht die list muthwillger gäste des brautbetts frieden untergräbt. Göthe 1, 54; und gedächte jeder wie ich, so stünde die macht auf gegen die macht, und wir erfreuten uns alle des friedens. 40, 337; du hast den frieden nie gesehn! Schiller 336
a; denn hört der krieg im kriege nicht schon auf, woher soll friede kommen? 336
b; holder friede, süsze eintracht, weilet, weilet freundlich über dieser stadt! 79
b; freude dieser stadt bedeute, friede sei ihr erst geläute. 80
b. 22) friede,
in eben angeführten stellen, ist zugleich auch aufhören des kriegs, waffenruhe, ruhe, stille, gnade, freude, nicht anders verhält sich ahd. sippa
pax, foedus zu goth. sifan
gaudere, pax, pacare
zu goth. faginôn,
altn. fagna. ein frid (
waffenstillstand) ward gemachet anderthalben tag. Hildebrand 43; auf den lärm des tages folgte der friede der nacht; friede war über die ganze landschaft ausgebreitet; es war eine stille, ein friede zurückgekehrt, den wir lange zeit nicht genossen hatten. Göthe 24, 181; und auf des schoszes fried und stille mit thränenmüdem haupt zu liegen. Lenz
im musenalm. 1778
s. 41; wenn die angst um die flucht des besitzes nicht wär, wie wär da lieb und lust ein tiefer friede, ein schlaf, ein behagen der ruhe. Bettine
tageb. 27. friede
alliteriert mit freude
und beide wörter sind sich innerlich verwandt: in fride und freude setzen. Steinhöwel
decam. 72, 14; ein gott der freuden, des friedes, des trosts. Luther
tischr. 2, 86; er hat seine freude, seinen friede nicht für sich allein behalten. Scriver
selentr. 1, 471;
[] gottlob, nun ist erschollen das edle fried und freudenwort, dasz nunmehr ruhen sollen die spiesz und schwerter und ihr mord. Gerhard 140; nur gott hat deine seel erleuchtet, sein fried und freudengeist hat dein gehirn befeuchtet. Rist
parnass s. 2; der friede,
die ruhe der seele; jede freude, meiner seelen frieden ist dahin, auch ohne wiederkehr. Lotte
bei Werthers grabe 1775; das ist des freundes treuer geist, der freud und frieden dir verheiszt. Matthisson 205.
vgl. unter friedensbote
die stelle Kretschmanns. 33)
verba, von welchen der acc. friede
abhängt. 3@aa) schreien, ausschreien, anschreien, aufblasen, verkünden,
mhd. auch sprechen: wiewol ir eigner vogt frid us schrie. Schreiber
freiburg. urk. 2, 602; do schreig der Josz frid uf, aber es half nüt. 2, 606;
art. 97
der Carolina handelt von 'des nachrichters fried auszurufen'; den frid schriens
an. Uhland 461; schrüwens ein friden
an. Hildebrand 61; damit schrei er den friden aus. Uhland 507; da kam ein knecht, schrei fried, fried, fried! H. Sachs I, 506
b. morgen wöll wir im ganzen land vil frewden fewer schüren lassen und allem volk den fried aufblasen. III. 2, 91
a; so bald ich ihm verkünd dein frid, so wöll er mir vorhalten nit sein tochter zu geben alle stund. Ayrer 210
a.
mhd. dô wart dër fride gesprochen.
En. 248, 34. 3@bb) machen:
mhd. ër machet vride, swâ ër mac, dën witewen und den weisen.
MSH. 3, 164
b; ein steten friden ze machen wol in dem ganzen rich. Hildebrand 61; des fridenmachens spilen.
Garg. 165
a; des mach ich friede und anstand, das zu ruh kommen leut und land. H. Sachs I, 421
a; wolten uns schlagen in die sachen, ob wir könten ein löcherigen friden machen.
gesprech der teufel 1542 61
b; der könig und die kaiserin, des langen haders müde, erweichten ihren harten sinn und machten endlich friede. Bürger 13
a; o lasz den kaiser friede machen, vater! Schiller 336
a. 3@cc) wirken, gewinnen: man soll der sachen einen friede wirken. wer soll den friede wirken? 'der richter'.
weisth. 4, 655; disen gegenwerlichen weg mit ernst furnemen, dadurch die teutsch nation sich aus dem unfriden in den friden wirken könne. Schertlins
briefe s. 85; der mark friede wirken.
mhd. gewinne mir einen fride.
GA. 1, 56. 3@dd) schaffen: schaft frid und ruh. Ringwald
geistl. lieder 84. 3@ee) geben:
mhd. in swilich hûs sô wir gên, dâ sol wir vride inne gëben.
kaiserchr. 2273; dô dër fride gegëben wart.
En. 248, 39; helt, gib mir vride zuo dir dar î
n. Parz. 411, 19; Gawân dën vride begunde gëben. 411, 24; daʒ ich hërn Gawân gap vride hër in iwer lant. 415, 13; nu bâten die in dër stat, daʒ man in ein fride gëbe an Salatî
n. Ludwig 3793.
nhd. ich wil fried geben in ewrem lande, das ir schlafet und euch niemand schrecke.
3 Mos. 26, 6; der herr hebe sein angesicht uber dich und gebe dir friede.
4 Mos. 6, 26; wenn er friede gibt, wer wil verdammen?
Hiob 24, 39; meinen friede gebe ich euch.
Joh. 14, 27; so schlecht er drein und gibt kein frid. H. Sachs I, 416
a; an dem ort wil ich den fried geben, spricht der herr. Reiszner
Jerus. 2, 46
a; darum hast du uns doch nicht frieden gegeben, dasz unsere städte zu einöden werden? Schiller 792
a.
in der süddeutschen volksprache ist 'friede geben'
ruhe halten: die förstn und prinzn, döi göbn kan fried. Wikert
nürnb. ged. 86; der bauer sagt 'öiz mousz i nei, döi göbn scho kan friedn'. 112.
lit. duok man pakaju,
gib mir friede, lasz mich in frieden, böhm. dey mi pokoj. 3@ff) nehmen:
mhd. nu nëme wir dës einen vride.
gr. Rud. C
b, 21;
[] dëme kunige rieten sie dô, daʒ ër vride gêbe und ouch von ime nême. D
a, 13; aldâ wart dër vride gegëben. 16; dô nam dër kunic hêre dën fride von Rüedegêre, ër gap ouch fride dëm gaste.
Bit. 8502. 8504.
nhd. die wächter, die frid namen und den aufruhr stilleten.
Katziporus E 4
a. R 7
a; so sollen die nechsten darbei treulich und unparteiisch fried nemmen. Fronsp.
kriegsb. 1, 20
b. 3@gg) haben:
mhd. swëm daʒ lôrzwî wart ërkant, der wëste vil wol, daʒ ër lân die liute solte fride hâ
n. Bit. 3202.
nhd. ich han es gesehen mit meinen augen, das sein mein frau nit wolt entuon, davon habt mit ir frid und suon.
fastn. 506, 17; und habt grosz beschwarung und klein frid. 296, 21; das ich nimer keinen friede habe. Luther 6, 70
b; da sie niemants fand, der ir wort gab, da must sie frid haben.
sch. u. ernst 1546, 85; hei das dich der teufel hol, so sitzst auch wol, hei der hol euch beide, so haben wir friden.
Garg. 94
a; die ruh hat guten fried und friede gute ruh, die welt lauft immer noch dem kriege weiter zu. Logau 1, 85, 53. 3@hh) halten: und die wilden thier auf dem lande werden fried mit dir halten.
Hiob 5, 23; halt frid ir biderleut!
Garg. 98
b; halt frid! Callenbach
nisi 121;
wie man sagt ruhe halten. 3@ii) bieten,
imperare: der mag inen allen fried bieten an zehen pf. pf.
weisth. 1, 244; item, ob zwen mit einander zu krieg kämen und einer dem andern nicht fried wolt geben, so mugen in die nachgepaurn wol biten, das er frid geb. wolt er aber nicht fried geben, so mugen die nachgepaurn wol reden mit einem amtmann, das er im fried piet (
gebiete). wolt er aber den fried nicht halten, den man gepoten hat, so mag sich sein ein herr wol unterziehen, seins leibs und seins guets, als lang unz er gern fried gibt.
weisth. 3, 648; den balgern friede geboten. Kirchhof
mil. disc. 137.
verschieden ist anbieten: wenn du fur eine stad zeuchst sie zu bestreiten, so soltu ir den friede anbieten.
5 Mos. 20, 10. 3@kk) schlieszen, abschlieszen,
man sagte auch vormals stoszen, treffen: in mitler zeit wart mit dem Türken ein frid gestoszen und durch etlich sendboten ein vertrag geschehen. Frank
chron. 219
a; der frid ward getroffen. Steinhöwel
Es. 47
b;
vgl. lat. ferire foedus
und hernach ein friedlein stechen. 3@ll) suchen,
wie gnade suchen: ich liebe meine ruh und suche nichts als friede. Günther 403. 3@mm) lassen: den friede lasse ich euch,
pacem relinquo vobis. keinen friede lassen,
unaufhörlich beunruhigen: Colette liesz ihm keinen friede: komm, dicker Peter, spiel mit mir! Weisze
kom. op. 2, 163; wie? du (
Amor) läszt mir keinen friede? Pallas, o so fleh ich dich, deine mächtige ägide steh mir bei und schütze mich.
briefw. des kinderfr. 12, 49. 44)
praepositionen. 4@aa) zu. also so er pest mocht mit seinen süszen worten und groszem verheiszen sich mit in wider zu fride setzet. Steinhöwel
dec. 532, 19 (e con le miglior parole che egli potè, s'ingegnò di pacificargli); sei nu wider zu frieden meine seele.
ps. 116, 7; und der engel sprach, sei zu frieden, ists nicht gnug, das du einen boten hast?
Tob. 5, 18; also schweig seine mutter stille und gab sich zu frieden. 5, 29; zu frieden sein, du gewinnest viel oder wenig.
Sir. 42, 4; und beredet sie, das sie zu frieden waren. 2
Macc. 13, 26; ich wil damit gott zu frieden stellen. Luther 7, 22
b; wenn du mit deinem gewissen wol zu frieden bist. 7, 24
b; der glaube musz fest sein, das er das gewissen fröhlich mache und zu frieden stelle.
tischr. 1, 31; also hat mich oft Philippus Melanchthon getröstet, das ich daruber zu frieden ward und fühlete, das saget gott. 1, 34; darum sol man mit der vorsehung zu fride sein. 2, 84; sei zu frid.
Petr. 182
b; sei zu fride. 196
a; sich zu fride stellen. 96
b; damit er forthin für der sündflut und den Semiten zu friede sesze. Mathesius 12
a; desgleichen hat Themistocles die bürger zu Athen mit dem rat durch ein fabel zu frieden gestellet. Alberus
Es. s. vi; seid zu frid und bittet. Ringwald
geistl. lieder E 7
a; zu fried gelan.
tr. Eckh. F 6
a; zu frieden lasz. A 8
a.
laut. warh. 143;
[] o laszt mir nur das nest zu fried! 'mein freund, du verstehst warlich nit, schnitt man das nest dir nit heraus, so prütest du jung narren aus'. H. Sachs I, 469
a; bawer, wer hat dich rein beschieden? troll dich hinwegk, lasz uns zu frieden. I, 470
b; welche all sind mit tod verschieden und bei gott ewig sind zu frieden. III. 1, 263
d; aller sach du zu friden bleib. III. 2, 24
a; darmit der fromb adel abschied und war des urteils wol zu fried. IV. 3, 67
b; ich hab sie wöllen bringen zu frid, so wolts doch thun die keiserin nit. Ayrer 270
b; seid zu fried, laszt euch nicht verlangen und zecht in der weil eins mit mir. Ferber
schieszen C 3
b; am mangel mangelts nicht.noch blieb er nicht zu frieden in seiner kindheit lenz.er muste sein geschieden von freund und vaterland. Fleming 4; groszer wirt der weiten welt, gib doch künftig unserm reiche, dasz es sich zu frieden stellt. 297; du schwärmst mein freund, lasz mich zufrieden. Lessing 1, 84.
ebenso nl. te vrede zijn, te vrede stellen.
aus diesem zu friede, zu frieden, te vrede
hat sich allmälich ein unorganisches adj. zufrieden, tevreden,
tranquillus, contentus gebildet, das der comparation und composition fähig wird: zufriedener, zufriedenster, zufriedenheit, unzufrieden,
nl. tevredener, tevredenst, tevredenheid, ontevreden.
ähnlich vorhanden
u. a. m., solche bildungen sind eher nachlässig und stumpf als kühn zu nennen, haben aber schon gr. und lat. analogien. weitere belege unter zufrieden. 4@bb) mit: mein frau ist ein frommes weib, davon so lat mit frid iren leib.
fastn. 506, 22; ir weiber, zieht mit frid darvon. 537, 8; ich bitt dich, lasz das beschehen mit deinem frid,
pace tua. Terenz 1499, 60
b; und du solt faren zu deinen vetern mit frieden und in gutem alter begraben werden.
1 Mos. 15, 15; gleichwie wir dich nicht angetastet haben und dich mit frieden ziehen lassen. 26, 29; so gott wird mit mir sein und mich mit frieden wider heim zu meinem vater bringen. 28, 21; gehe hin mit frieden.
2 Mos. 4, 18; es war aber keine stad die sich mit frieden ergebe den kindern Israel.
Jos. 11, 19; kom ich mit frieden wider, so wil ich diesen thurn zubrechen.
richt. 8, 9; ziehet hin mit frieden. 18, 6; das man sie solt mit frieden lassen. 2
Macc. 10, 12; Jesus aber sprach, lasset sie mit frieden (
goth. lêtiþ þô).
Marc. 14, 6; lasz sie mit frieden (lêt ija).
Joh. 12, 7; als die, die unser beten, fasten, gute werk versprechen, narrheit achten und kürzlich in keinem ding uns mit fried lassen. Luther 1, 76
b; ich wolte, das er mich mit frieden liesze. 6, 7
a; iedoch haben sie bilder, allein das si von den pfaffen mit frid seind und nit gemerkt werden. Frank
chron. 400
a; wann der arme mann das holz gehauen hat, so soll es ihme mit frieden liegen, so lang das da ein bremer auf einer seiten auszen wechst und auf der andern seiten wieder in wechst.
weisth. 2, 174; und blieb also die fromme keiserin mit frieden, dasz ihr kein leid nicht geschahe.
buch der liebe 6, 3; warumb lugst du nit, ob du schlecht mit gutem frieden diese sachen mit im köntest ausrichtig machen. Jac. Frischlin
Susanna s. 306. die obrigkeit mit frieden lassen. Zinkgref 226
b; der discurs wollte zu kitzlich werden, darumb sagte der doctor, es wäre besser man liesze die materie mit frieden, er wüste was annehmlichers zu erzählen. Weise
kl. leute 39;
in der volksprache mit frieden,
in ruhe lassen: der läszt ja kein weibsbild mit frieden.
böhm. nech mne s pokojem,
lasz mich mit friede, in ruhe. 4@cc) in: in friede leben, sitzen, gehen, fahren, ziehen; in friede setzen: herr, nun lessest du deinen diener in friede faren (
goth. nu fralêtais skalk þeinana bi vaurda þeinamma in gavairþja).
Luc. 2, 29; die mark liegt immer in friede; die gar lang in guotem frid sein gesessen.
fastn. 296, 16; die beide ritter lieber bei ihren jungfrauwen gewesen weren, aber wol gedenken kunten, dasz es nit wol geschehen möchte, darumb ihre herzen zum theil in frieden setzten.
buch d. l. 242, 2; laszt mich nur gehn, dasz ich in friede fortkomme. Weisze
jubelhochz. 31; mein herr magister Lobesan, lasz er mich mit dem gesetz in frieden. Göthe 12, 134; wenn man aber auch diese kunstwerke der ersten classe sieht, so hat man nichts zu wünschen als sie recht zu erkennen und dann in friede hinzufahren. 29, 80.
[] 55) friede,
schirm, schutz, zaun. das mlat. parcus,
it. parco,
sp. parque,
franz. parc,
und danach ags. pearroc,
ahd. pferrih,
nhd. pferch,
sepes e cratibus, leitet sich füglich von parcere
schonen, hegen, wie wir auch unter schonung
ein geschlossenes waldgehege verstehen. da nun auch 'frieden'
hegen und schirmen, einfrieden
und einfriedigen, umfriedigen
zäunen, einzäunen (3, 180)
bedeutet, und unser 'schonen'
unmittelbar vom hegen des waldes und wildes gilt, so gewinnt der buchstäbliche zusammenhang zwischen parcere
und friden, parcus
und fridu
stärke und halt, wir hatten nicht nöthig pferch
zu bilden, weil wir schon fride
hatten. fridu (êfrid
weisth. 1, 204)
ist also tutela, munimen, munimentum, sepimentum, was mit anderm ausdruck faþa. fade, êfade
hiesz (3, 41): ist geweist, dasz der friede soll gemacht werden also hoch und fest, dasz zwei gespannte perde nit können darüber kommen.
weisth. 3, 476.
zumal in Östreich und Baiern ist die benennung gangbar: kein frid zerprechen, er sei grün oder dürr. Kaltenbäck 1, 526
a. 543
b; es soll khainer seinem nachpaurn seinen frid abbrechen noch hacken, wer das thuet, der ist als oft er ainen grüenen dorn abhackt zu wandl um vier phening, hackt er aber ainen dürren dorn ab, so ist er zu wandl umb zwelf phening. 1, 593
b. alle gärtenarbeit, fride, gräben, gehege und zäune soll der verpachtende verrichten. Hohberg 1, 19; zäune, friden, planken
u. s. w. 1, 111
a; der frid =
der zaun. 2, 582
b; ob ein nachbar dem andern zu felde an reinen, grenzen, gerten, zeunen, anger, frieden, wasserleuften durch machung unrechter wege schedlich wer. Dreyding B 2.
so in andern stellen mehr. man darf die frage aufwerfen, ob nicht die vorstellung friede
aus der sinnlichen des zauns und geheges abgezogen wurde? die verwandtschaft zwischen fridu
und frîðr
schiene dagegen, doch gemahnt auch faþa
an ags. fadian
disponere, ornare. die mark, das dorf liegt in friede
erklärt sich treffend durch liegt im zaun und gehege; uralte ortsnamen wie Frideslâr, Friduwald
bezeichnen eingefriedigte, geheiligte stätten des heidenthums (Förstemann 2, 530),
die gebräuche und hergänge sind uns nicht mehr bekannt, s. nachher friedewald.
das ahd. friduhëlm
bedeutet einen schützenden helm (
das mhd. vridenapf
MSH. 3, 251
a ein bäurisches stück der rüstung); das dorf hat friede
besagt aber auch, niemand soll in ihm waffen tragen, keine thürme bauen, es ist vor krieg und feindlichem überfall beschützt. Stüve
wesen und verf. 113.
vgl. auch Mösers
osn. gesch. in den werken 6, 11. 12.
das ags. freoðo,
altn. friðr
finde ich nirgends für zäunung und hegung angewandt. das ganze land und reich stand in des königs friede und geleit (Haltaus 1113): innerhalb unsers königes fried und freiem geleite. Göthe 40, 7; binnen des koninges vrede unde binnen des koninges god gelêde.
Reineke 112 = binnen sconinx vrede en binnen des coninx ghelede.
Reinaert 140. 66)
wie frevel
nicht allein das vergehen, sondern auch die darauf gesetzte busze ausdrückt, so bezeichnete fredus
zugleich die für den friedensbruch zu entrichtende. Graff 3, 789.
RA., auch noch späterhin friede (Haltaus 518).
die einfache benennung erlischt meistens, doch kommen fridebusze, fridepfenning, frideschilling
vor. 77)
einigermaszen rätselhaft sind noch die alten und häufigen mit frid
gebildeten eigennamen (Förstemann 1, 421—423),
weil neben dem frid
zwar. franz. froid, froi,
aber ags. ferð,
nl. verd, vaerd,
altn. urðr
für verðr
erscheint, z. b. Ackifrid, Eckifrid
wird ags. Ecgferð; Gotafrid, Sigufrid
fr. Godefroi, Sifroi,
ags. Godeferð, Sigeferð,
nl. Godeverd, Sigeverd,
altn. Sigurðr (
wie dögurðr
für dagverðr)
lauten. niemals aber wird ags. für freoðo, frid
gesagt ferðo, ferd,
noch nl. verde
für vrede (
obschon terden
für treden
vorkommt).
diese sprachen fühlen also in solchen namen das wort fride
nicht. hier ist auch an das wort bergfriede (1, 1511),
fr. berfroi, beffroi
zu erinnern, worin der bezug auf friede
offen vorliegt. vgl. burgfriede, gerichtsfriede, kirchfriede, waldfriede.
die aufführung der zusammensetzungen wird erschwert dadurch, dasz neben friede
das abgestumpfte fried,
neben dem gen. friedes
der schwache friedens
erscheint.