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Friede

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Friede

Bd. 2, Sp. 303
Der Friede, des -ns, oder der Frieden, des -s, plur. inus. ein Wort, welches überhaupt alle Arten der Ruhe und Sicherheit bezeichnet. 1. Im eigentlichen Verstande. 1) Öffentliche Ruhe und Sicherheit in der bürgerlichen Gesellschaft, Sicherheit für seine Person und ruhiger Besitz seines Eigenthumes, der Zustand, da keiner den andern öffentlich beleidiget; in welchem jetzt größten Theils veralteten Verstande dieses Wort bey dem ehemahligen Faustrechte sehr üblich war. Daher noch die in den Schriften der damahligen Zeiten üblichen Ausdrücke, Frieden wirken, die öffentliche Ruhe herstellen; Frieden und Geleit geben, sicheres Geleit geben; jemanden in seinen Frieden nehmen, in seinen Schutz; Frieden gebiethen, anbefehlen. Ingleichen die Zusammensetzungen Landfrieden, Friedensbruch, Friedensrichter, Friedensgeboth u. s. f. Noch jetzt sagt man im gemeinen Leben, Frieden vor einem haben, jemanden in Frieden lassen, ihn nicht beunruhigen; ich werde mir Friede zu verschaffen suchen, d. i. Ruhe, Sicherheit; laß mich mit Frieden, oder laß mich Zufrieden, beunruhige mich nicht; man hat nicht länger Frieden, als der Nachbar will; Frieden halten, sich ruhig verhalten, u. s. f. In der Deutschen Bibel kommt es in dieser Bedeutung noch sehr häufig vor. Auch die Sicherheit einzelner Örter, nach welcher sie vor aller Gewaltthätigkeit gesichert waren, führete ehedem diesen Nahmen, daher die Zusammensetzungen Burgfriede, die unverletzliche Sicherheit der Bürge oder Palläste, Kirchenfriede, die Sicherheit der Kirchen, Dingfriede, der Gerichtsstätten u. s. f. 2) Abwesenheit der gewaltthätigen Uneinigkeit, äußere Einigkeit, so wohl (a) überhaupt, im Gegensatze des Zankes, Streites. Frieden mit einem haben. In Frieden mit seinen Nachbarn leben. Den Frieden (die Einigkeit) im Hause stören. Frieden unter streitenden Parteyen stiften. Frieden gebiethen. Zum Frieden rathen. Friede und Einigkeit ist der Nahme eines Bieres, welches in Küritz gebrauet wird. (b) In engerm Verstande, Abwesenheit des gewaltsamen Streites zwischen ganzen Staaten, im Gegensatze des Krieges. Wir haben Friede, leben im Frieden. Der Friede dauert noch fort. Friede ernähret, Unfriede verzehret. Es ist Friede im Lande. Den Frieden brechen. Besonders die Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe zwischen Staaten nach vorher gegangenem Kriege, und der Vertrag, vermittelst dessen solches geschiehet. Zum Frieden rathen. Frieden begehren, um Friede bitten. Frieden schließen. Der Friede ist zwar geschlossen aber noch nicht unterschrieben. In dieser Bedeutung des Friedensvertrages haben einige den Plural die Frieden gewagt; allein man bedienet sich in dieser Bedeutung doch lieber des zusammen gesetzten Wortes Friedensschluß. S. Friedensschluß. 2. Figürlich, Ruhe des Gemüthes, Abwesenheit aller heftigen und unangenehmen Empfindungen. Er kennt keine andern Wünsche, als das Verlangen nach einem immer festern Frieden des Gewissens. Der süße Frieden, den man im Schooße seiner Familie genießet. Auch in der Deutschen Bibel kommt es in der Bedeutung derjenigen Gemüthsruhe, welche aus der Üeberzeugung eines versöhnten Gottes fließet, sehr häufig vor. Siehe auch Zufrieden. Anm. 1. Dieses Wort lautet bey dem Kero Fridu, im Isidor Frido, im Nieders. Frede, Free, Im Schwed. Frid, im Dän. Fred. Es ist das Abstractum von frey und im Grunde mit Freyheit einerley, wie denn auch Freyth, d. i. Freyheit, und Fried in den mittlern Zeiten sehr oft verwechselt werden. Wo öffentlicher Friede ist, da ist Freyheit, und auch umgekehrt.[] Als ein Abstractum sollte es billig weiblichen Geschlechtes seyn; allein das männliche ist von undenklichen Zeiten hergebracht. Im mittlern Lateine findet sich Fredus, Freda, Fredum in allen drey Geschlechtern. Das letztere wird auch von der Strafe des gebrochenen Friedens und von den zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit nöthigen Kosten gebraucht. Der niedrige Ausdruck jemanden mit Frieden lassen, ihn nicht beunruhigen, ist alt. Wir schuln in also besassen E wir in mit fride lassen, sang schon Stryker. Anm. 2. Eben so alt und noch älter ist auch der Unbestand in der Declination. Bey den ältesten Schriftstellern, z. B. dem Kero, ist die Abänderung, der Friede, des Friedes, dem Friede, die gewöhnlichste; der Friede, oder Frieden, des Friedens, dem Frieden, scheinet neuer zu seyn, ob sie gleich im Hochdeutschen die gewöhnlichste ist. In Luthers Deutschen Bibel kommen beyde Arten vor. Im Friede erfunden werden, 2 Petr. 3, 14. In Friede säen, Jac. 3, 18. Der Weg des Friedens Es. 59, 8. Der Herr des Friedens, Phil. 4, 9. Den Frieden erwerben, Jer. 15, 5. Dieser Unbestand hat auch seinen Einfluß auf die folgenden Zusammensetzungen, indem in denselben bald Friede bald Friedens bald nur Fried üblich ist. Doch ist nur allein Friedens gewöhnlich, wenn von dem Frieden zwischen Fürsten oder freyen Staaten die Rede ist.
4848 Zeichen · 81 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Friede

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Friede , des -ns, oder der Frieden, des -s, plur. inus. ein Wort, welches überhaupt alle Arten der Ruhe und Sicherhe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Friede

    Goethe-Wörterbuch

    Friede gut 500 Belege; Kleinschr B2,29,8 ; (auch in B 1) stets Sg, NomSg gelegentl auch -n, Gen immer -ns, Akk öfter u D…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Friede

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Friede , altdeutsch eigentlich so viel als Schutz, daher Rechtszustand, Ruhe; s. Friedelosigkeit.

  4. modern
    Dialekt
    Friᵉde

    Westfälisches Wb.

    Friᵉde f.n. [Lüb] Einfriedung um Weiden. ⟨ Nur Frīe belegt ⟩ ¶ Vgl. RHWB 2,803: Fried ; NDSWB 4,931: Frēde² . Zus.: → Dr…

  5. Sprichwörter
    Friede

    Wander (Sprichwörter)

    Friede 1. Alter Friede wird leicht erneut. – Körte, 1595. Holl. : Oude vrede wordt ligtelijk vernieuwd. ( Harrebomée, II…

  6. Spezial
    Friede

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Frie|de m. (-ns,-n) → Frieden.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit friede

348 Bildungen · 323 Erstglied · 23 Zweitglied · 2 Ableitungen

friede‑ als Erstglied (30 von 323)

Friedeberg

Meyers

friede·berg

Friedeberg , 1) (F. in der Neumark ) Kreisstadt im preuß. Regbez. Frankfurt, 6 km von der gleichnamigen Station an der Staatsbahnlinie Berli…

friedebote

DWB

friede·bote

friedebote , m. fridepote, caducifer, nuncius pacis. voc. 1482 i 4 a . heute friedensbote.

friedebrustleute

DWB

friedebrust·leute

friedebrustleute , pl. pacis violatores, missethäter: were sache, dasz fridebrustleute weren, so sol das dorf und die gemeine sie die erste …

friedeburg

DWB

friede·burg

friedeburg , f. arx pacis, ags. friðbyrig, eigentlich ein pleonasmus, da burg von bergen, schirmen, arx von arcere, friede von frieden stamm…

Friedeck

Herder

fried·eck

Friedeck , österr.-schles. Stadt mit 4000 E., Schloß, 2 Spitälern; Sitz des Generalvicars für die Breslauer Diöcese in Oesterreichisch-Schle…

Friedeeier

PfWB

friede·eier

Friede-eier Pl. : 'am Karfreitag gelegte Eier', Friedeeier [ Heeger Tiere II 6]. Nach dem Volksgl. haben Hühner, die aus den während des Kar…

friedefahrt

DWB

friede·fahrt

friedefahrt , f. iter in pace: durch eine selige friedefahrt aus der welt scheiden. Scriver seelensch. 2, 516 .

Friedefürst

Adelung

friede·fuerst

Der Friedefürst , des -en, plur. inus. eine biblische Benennung Christi, weil er durch seine Versöhnung die Zufriedenheit Gottes mit den Men…

Friedegeboth

Adelung

Das Friedegeboth , des -es, plur. die -e, noch in den Gerichten einiger Gegenden, ein Befehl Frieden zu halten, d. i. von Beleidigungen in W…

Friedeglocke

PfWB

friede·glocke

Friede-glocke f. : 'Glockenzeichen, das den Beginn der allgemeinen Nachtruhe eines Ortes anzeigt'. a. 1314: nach der ersten winglocken, die …

friedeherr

DWB

friede·herr

friedeherr , m. das heiszt ein rechter friedeherr oder friedenfürst. Luther 3, 186 a .

friedekreis

DWB2

friede·kreis

friedekreis m. (zu DWB2 B 1 ): ⟨1264⟩ corp. altdt. originalurk. 4,20 W. 1719 rechtsqu. Argau I 1,426.

Friedelhausen

PfWB

friedel·hausen

Friedel-hausen ON .: Dorf im Kr. KU, Friʳlhause. Die Bewohner tragen den Uznamen Riewe (Rüben); dazu der Neckspruch: Frirelhauseʳ Riwekraut,…

friedelispelnd

DWB

friedelispelnd , hütte des dämmernden friedelispelnden hains. Overbeck ged. 139 .

Friedelos

Adelung

fried·elos

Friedelos , oder Friedlos, adj. et adv. 1) * Der öffentlichen Sicherheit beraubt, vogelfrey; in welcher jetzt veralteten Bedeutung es ehedem…

Friedelosigkeit

Herder

friede·losigkeit

Friedelosigkeit (Echtlosigkeit), im Mittelalter Entzug von Recht u. Ehre. Wie der Geächtete (exlex, out-law) den Frieden und das Recht gebro…

friedelsauge

DWB

friedel·sauge

friedelsauge , n. ein schöner pflanzenname: sponsa solis, vriedels ouge, flos campi, vriedels auge. vocab. vratisl. sec. 15. flos amoris bei…

Friedelsheim

PfWB

friedel·s·heim

Friedels-heim ON .: Dorf im Kr. NW, Friedelsem. Der Ostwind heißt in NW-Forst: Friedelsemeʳ Wind.

Friedemachend

Campe

Friedemachend , adj . u. adv . Frieden machend, Frieden schließend. Die friedemachenden Theile (die paciscirenden ). Der Friedemachende .

Friedemann

Herder

friede·mann

Friedemann , Friedr. Traugott, geb. 1793 zu Stolzen bei Dresden, lange Zeit Schulmann, gest. 1853 als Director des nassauischen Centralstaat…

Friedenau

Meyers

friede·nau

Friedenau , Vorort im SW. von Berlin, im preuß. Regbez. Potsdam, Kreis Teltow, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Berlin-Potsdam (Wannseebahn)…

friede als Zweitglied (23 von 23)

Anstandfriede

DRW

anstand·friede

Anstandfriede also ward dazwüschen geredt und ein anstandfriden gemacht 1550 Tschudi,ChrHelv. II 58 Faksimile SchweizId. I 1283 Faksimile

bauerfriede

DWB

bauer·friede

bauerfriede , m. in Niederdeutschland, der dorfbezirk, die dorfmark, landwehr. s. friede .

Bauernfriede

Wander

bauern·friede

Bauernfriede Besser Bauernfriede als Bürgerkrieg. Lat. : Est pax villana melior, quam pugna Trojana.

burgfriede

DWB

burg·friede

burgfriede , m. castri pax. 1 1) galt für heilig und unverletzlich, wer ihn brach, fiel in schwere strafe: welcher Santfelten hat euch ewer …

Gottesfriede

Campe

gottes·friede

Der Gottesfriede , des — ns , o. Mz . ehemahls, die feierlich verordnete Unverletzlichkeit aller zum öffentlichen Gottesdienste bestimmten P…

hausfriede

DWB

haus·friede

hausfriede , m. 1 1) schutz und sicherheit im eigenen hause; mhd. hûsvride: vort hain wir gesichirt bid gudin truoin den husvridin van unsir…

kirchenfriede

DWB

kirchen·friede

kirchenfriede , m. 1 1) die freiung, freiheit, asylum ( Schm. 1, 603 ), der friede, sicherheit gegen gewalt, den die kirche gibt, friede im …

landfriede

DWB

land·friede

landfriede , m. öffentliche sicherheit eines ganzen landes, schutz, friede in einem ganzen lande oder gebiete: der lantvride ist sô guot, da…

markfriede

DWB

mark·friede

markfriede , m. sicherung einer holzmark gegen willkürliche benutzung. in Westfalen.

Marktburgfriede

DRW

markt·burgfriede

Marktburgfriede, m. u. n. Geltungsbereich des Marktrechts (I) es haben auch ain bropst und allain ain marktrichter miteinander zu vischen au…

marktfriede

DWB

markt·friede

marktfriede , m. friede, schutz eines marktes: dasz du hast den markfried gebrochen, mir mein gefreiten diener erstochen. J. Ayrer 268 b (13…

Notfriede

DRW

not·friede

Notfriede, m. Friedensgebot bei einem Streit weirt sache, dat eynge zwist tusschen yemanne in Coelne geschege ..., den yeman van unsen herre…

Partikularfriede

DRW

partikular·friede

Partikularfriede, m. Friedensschluß mit einem Teil der kriegführenden Mächte ob den protestierenden fürsten ... nützlich mit den päpstlern e…

Ratsfriede

DRW

rat·s·friede

Ratsfriede, m. gebotene Ruhe, Eintracht, friedliches Verhalten in einer Ratsversammlung vgl. Ratssitzung do auch einer im rathe sich wieder …

Reichsfriede

DRW

reich·s·friede

Reichsfriede, m. I Friedenszustand im Reich (II) vgl. Reichsberuhigung, Reichskrieg, Reichsruhe, Reichssekurität, Reichssicherheit darob zu …

religionsfriede

DWB

religion·s·friede

religionsfriede , m. ein friede, der zur beilegung religiöser streitigkeiten geschlossen wird. besonders der religionsfriede zu Augsburg zwi…

Schiffsfriede

DRW

schiff·s·friede

Schiffsfriede, m. (herrschaftlich gebotener) Zustand der ungebrochenen Ordnung und Sicherheit auf einem Schiff; wie das Haus steht das Schif…

Sielfriede

DRW

siel·friede

Sielfriede, m. ¹Schutz (II), Sonderfriede für alle an der Erbauung, Erhaltung und Überwachung von ¹Sielen (I) beteiligten Personen, insb. fü…

Stadtburgfriede

DRW

stadtburg·friede

Stadtburgfriede, m., n. wie Stadtfriede (II); auch seine Grenze schliesslichen gehet das stadtburgfrid ferner von jenen bauern häusern ... h…

stadtfriede

DWB

stadt·friede

stadtfriede , m. von der stadt ausgesprochener friede: wenn du, wie erst dein gelübde, jetzt dein verlöbnisz brichst, brichst du sitte, pfli…

Straßenfriede

DRW

Straßenfriede, m. auch -frieden für ¹Straßen (II) gewährter Sonderfriede; obrigkeitlich gewährleistete Sicherheit (I) für die Benutzung eine…

unfriede

DWB

unfriede , m. , gegenstück zu friede; plural fehlt; ahd. unfridu, unfrido; ags. unvriþ ( n. ); afries. unfretho, onfrede; anord. úfriðr; ( g…

weichfriede

DWB

weich·friede

weichfriede , m. pax municipalis, gebotener friede im stadtbezirk, mhd. wîchvride mhd. wb. 3, 405 b ; Lexer 3, 819 : daʒ ist noch orkunde, w…

Ableitungen von friede (2 von 2)

unfriede

DWB

unfriede , m. , gegenstück zu friede; plural fehlt; ahd. unfridu, unfrido; ags. unvriþ ( n. ); afries. unfretho, onfrede; anord. úfriðr; ( g…

urfriede

DWB

urfriede , m. , auch f. ( Haltaus 2004 ; Luther 32, 384 W. ) nach dem f. urfehde. mhd. urvride Lexer 2, 2017 ; Haltaus 2003 ; mnl. orvrede; …